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Der Iwan kommt!

Ist sonst nichts los, warnen die «Experten» vor einem russischen Angriff.

Ein Fragezeichen in einem Artikel ist meist ein Armutszeugnis:

Um ganz auf der sicheren Seite zu sein, quetscht der «Blick» noch ein «wirklich» rein. In die Unwirklichkeit von «sonst ist heute nix los?».

Gina Grace Zurbrügg, ihres Zeichens «Redaktorin News», zitiert: ««Ich gehe davon aus, dass in diesen Tagen in Moskau ernsthaft die Option geplant wird, in Absprache mit China Nato-Staaten militärisch anzugreifen, um die Unterstützung der Ukraine zu schwächen», sagte der deutsche Politologe Joachim Krause

Das Zitat hat sie allerdings nicht mal selbst abgeholt, sondern aus «20 Minuten» abgeschrieben. Krause ist ein seit 2016 emeritierter Professor mit Drang an die Öffentlichkeit.

Und worauf hat es denn der kriegslüsterne Russe abgesehen, den die bitteren Erfahrungen in der Ukraine ja nicht klüger machen? «Als mögliche Ziele nannte er die baltischen Staaten, Polen, Schweden, Finnland sowie Deutschland.» Grossartig. Das wäre das erste Mal in der Geschichte, dass Russland Deutschland überfällt – und nicht umgekehrt.

Aber das Schreckenskabinett wird noch vergrössert: «Militärexperte Thomas Theiner warnt zudem vor der strategischen Bedeutung einzelner Orte: «Fällt Gotland in russische Hände, werden die Russen dort Antischiffsraketen und Luftabwehrsysteme stationieren – damit wäre die gesamte Ostsee für Nato-Schiffe kaum noch nutzbar.»»

Keiner zu klein, Experte zu sein. Beruflich arbeitet bzw. arbeitete Theiner hauptsächlich in der Filmindustrie als Produzent. Er  ist kein aktiver General, kein offizieller NATO-Sprecher und auch kein akademischer Militärwissenschaftler. Aber immer gut für einen verbalen Knaller.

Während also diverse europäische Staaten Pläne für den Ernstfall machen müssen und die Insel Gotland dringend militärisch aufgerüstet werden sollte, gibt es leider auch Defätisten, die abwinken: «Der Chef des estnischen Geheimdienstes, Kaupo Rosin, sieht die Lage deutlich anders. «Derzeit benötigt Russland die meisten seiner militärischen Ressourcen für den Krieg gegen die Ukraine».»

Hm, also einerseits, andererseits. Diese klare Haltung nimmt auch der Geheimdienstchef ein: «Gleichzeitig betont er, dass sich die Lage künftig verändern könne und der Westen seine Verteidigungsfähigkeit weiter stärken müsse

Bleibt noch die Frage, welche Expertin denn die Artikel-Autorin Zurbrügg ist. KI weiss über sie:

Typische Themen von ihr sind etwa:

  • virale Tiktok-Trends und Gen-Z-Phänomene,
  • Wetter- und Alltagsthemen,
  • internationale News mit boulevardesker Zuspitzung,
  • kuriose Gerichts- oder Polizeifälle.

Einige Highlights aus ihrem aktuellen Schaffen: «Täglicher Eierkonsum reduziert Alzheimer-Risiko», «Forschung entkräftet Mythen über Gewichtsschwankungen», «Herrenlose Pferdekutsche kracht in Härkingen SO in Baum» oder «Bis zu 30 Grad an Pfingsten».

Neben der russischen Gefahr sieht sie auch noch andere: «Welche Insekten für Haustiere gefährlich werden können», «Wie gehen Schweizer Airlines mit dem Hantavirus um

Man sieht, eine Allzweckwaffe, um im militärischen Jargon zu bleiben. Böse Zungen mögen hier von einer «unguided missile» sprechen, einem ungesteuerten Flugkörper.

Weiteren Qualifikationen enthält sich ZACKBUM, unter Rücksicht auf die aktuellen Zeiten von Korrektsprech und Diskriminierungsverbot.

Ach, da bliebe ja noch eine mögliche Antwort auf die einleitende Frage, ob Putin nun nach der erfolgreichen militärischen Spezialoperation in der Ukraine weitere Angriffe plane.

ZACKBUM verrät hier weltexklusiv die Antwort, obwohl wir keinesfalls Experten auf diesem Gebiet sind: 42.

Im militärischen Sachbuch «Per Anhalter durch die Galaxis» ist das schliesslich auch die Antwort auf die ultimative Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest. Also muss sie doch auch hier zutreffen.

ZACKBUM hofft natürlich, dass wir nach diesem Verrat eines russischen Staatsgeheimnisses nicht selbst von einer Drohne getroffen werden.

Hier irrt Köppel

Der Vielschreiber vergaloppiert sich. Und keiner merkt’s.

Der Verleger, Besitzer, Herausgeber und Chefredaktor der «Weltwoche» hat ein neues Lieblingsthema gefunden. «Narrenschiff Europa», poltert er: «Die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten entlarven die Dummheit unserer Politiker».

Da ist was dran. «Tod, Feuer und Zorn werden über sie hereinbrechen», keift Kriegsverbrecher Donald Trump gegen den Iran, fordert dessen «bedingungslose Kapitulation». Halten wir ihm zugute, dass er nicht weiss, was das ist.

Währenddessen Kriegsverbrecher Netanyahu auch den neuen Religionsführer des Iran mit dem Tod bedroht, ausser Rand und Band umliegende Staaten bombardieren lässt. Die US-Bombardierung einer Mädchenschule mit über 160 Toten im Iran, angeblich wegen veralteten Karten, macht ungefähr so viel Schlagzeilen wie der Tod eines Kindes in der Ukraine durch den Kriegsverbrecher Putin.

Dazu sagt Köppel: «Es gibt unter Staaten kein Recht.» Denn: «Recht gibt es nur dort, wo es eine rechtsdurchsetzende Instanz gibt.» Das sei auch gut so, zumindest besser, als wenn es einen «Weltpolizisten» gäbe. Das wäre «die ultimative Despotie». Das ist der kleinere Irrtum in seiner Philippika.

Ob er wohl weiss, dass er den Titel und die Metapher von Sebastian Brant entlehnt hat? Der wollte mit seiner 1494 erschienenen Satire moralische Verirrungen anprangern – und zur Umkehr mahnen.

Da niemand Trump in seiner Raffgier und ungehemmten Selbstbereicherung (oder die seines Clans) stoppen kann, bei diesem Raubzug am helllichten Tag, wie es die «Financial Times» nennt, könnte man alle Gesetze gegen Betrug, Entwendung, Korruption in die Tonne treten, wollte man Köppel Logik folgen? Welch grandioser Unsinn.

Unbestreitbar ist das blutige Unrechtsregime der Ayatollen im Iran ein Schandfleck der Menschheit. Aber erlaubt es das, jede regelbasierte Ordnung über den Haufen zu werfen? Auch grausamen und unmenschlichen Verbrechern gegenüber gibt es Regeln, sie haben Rechte. Auch für den Kindsmörder gilt die Unschuldsvermutung, bis er rechtsgültig verurteilt ist. Würden wir das durch Lynchjustiz ersetzen, wären wir nicht weiter, sondern zurück im finsteren Mittelalter, wo die Ayatollen leben.

Grausame Taten, eines Einzelnen wie eines Verbrecherregimes, provozieren den Wunsch nach grausamen Reaktionen. Auge und Auge, Zahn um Zahn. Wenn die zivilisatorische Schicht, die uns davon abhält, bröckelig wird, sollte man sie nicht ganz abkratzen, sondern schützen.

Köppel legt noch einen drauf und macht einen dreifachen Axel ins Absurde und ohne sichere Landung. Er lobhudelt mal wieder die «immerwährende, bewaffnete, umfassende Neutralität» der Schweiz, «einst umverhandelbarer Schutzschirm in stürmischer Zeit».

Dabei übersieht er in seinem Lauf, dass ja genau diese Neutralität nicht aus sich selbst besteht, sondern aufgrund eines Appells an supranationale Übereinkünfte und Regeln. Die wurden sogar – horribile dictu – von Hitler und Mussolini respektiert. Denn gäbe es, im Gegensatz zur Meinung Köppels, kein Völkerrecht, gäbe es auch keine Neutralität der Schweiz, an die er so inbrünstig appelliert.

Dass auch diese Regeln, wie im Fall Belgiens im Ersten Weltkrieg, ignoriert wurden, sind eben Ausnahmen. Diese Rechtsbrüche werden auch im Nachhinein als solche wahrgenommen und nicht als rechtskonformes oder überrechtliches Handeln schöngeschwatzt.

Was empfiehlt nun der Irrläufer der Schweiz? Die Pflege ihrer Interessen, «das bedeutet Rückkehr zur integralen Neutralität». Welch putziger, grandioser und die Lachmuskeln strapazierender Irrtum.

Die Schweiz könnte noch so laut und unterstützt durch den Tiefdenker Köppel Neutralität krähen – gäbe es keine internationalen Übereinkünfte, gemeinhin Völkerrecht genannt, würde ihr das einen alten Dreck nützen.

Trump würde nicht nur wie ein Berserker immer neue Gründe erfinden, um Zölle gegen die Schweiz zu erheben. Er würde sagen: I give a fuck for your neutrality, stellt euch gefälligst an meine Seite.

Denn der tiefste Sinn des Rechts, national wie auch international, ist der Schutz des Schwachen gegen den Starken, des Kleinen gegen den Grossen.

Dass Recht gebrochen wird, dass Recht manchmal vergeblich eingefordert wird, ist noch lange kein Grund, seine Existenz zu negieren oder zu behaupten, es existiere gar nicht.

Auch Moral ist etwas Übergesetzliches. Sie existiert ohne Weltpolizisten, müsste aber von allen vernünftigen Menschen verteidigt werden.

Dass unsrer Schutzwall, unser letzter Schutzwall gegen Willkür, Faustrecht und Barbarei unter einem Ansturm von Barbaren leidet, wäre Grund genug, zu seiner Verteidigung aufzurufen. Nicht, seine Existenz zu leugnen.

Das wäre im besten Interesse der Schweiz, die Köppel doch zu verteidigen vorgibt.

Die Mär vom Enthauptungsschlag

Netanyahu und Trump wüten, die Massenmedien berichten kommentarlos.

Was sind das für Zustände, wo man den katarischen News-Sender Al Jazeera schauen muss, wenn man einigermassen vollständige Informationen über die alle internationalen Regeln brechenden Angriffskriege gegen den Iran, den Libanon und Jordanien bekommen will?

Wo auch in Mainstream-Medien als nebensächlich abgehakte Ereignisse berichtet werden:

Bevor nun ein Teil der Leserschaft Propaganda oder Fake News kräht, wobei kleinere Untaten der russischen Regierung in der Ukraine riesige Schlagzeilen machen: selektive Berichterstattung ist nur ein Problem, und dazu ein minderes.

Denn wie diese Beispiele zeigen, ist es dank Internet durchaus möglich, nach Informationsquellen Ausschau zu halten, die andere Blickwinkel liefern. In der Schweiz hat man zudem den Vorteil, dass dazu auch Russia Today gehört, das in der freiheitlich-demokratischen EU verboten ist. Dort werden auch ausländische Staatsbürger sanktioniert, wenn sie unerwünschte Meinungen äussern.

Das grösste Problem ist hingegen die jämmerliche Analysefähigkeit der versammelten Fachkräfte an der Tastatur, vor dem Mikrofon und der Kamera.

Dazu einige wenige Beispiele.

Es geht gar nicht darum, ob US-Präsident Donald Trump erratisch, sprunghaft, verlogen oder schlichtweg ein Amok ist. Sein Handeln versteht man nur dann richtig, wenn man sich bewusst macht, dass er ein hochkrimineller Mafioso ist, dessen höchstes Ziel darin besteht, seinen Clan und sich selbst unsäglich zu bereichern. Und zwar um Milliarden. Einen Raubzug am helllichten Tag, nennt das die «Financial Times», und das ist noch milde ausgedrückt.

Dass er damit die Welt in ein seit dem Zweiten Weltkrieg ungekanntes Chaos stürzt, ist ihm völlig egal. Auf dem Weg zur möglichst ungestörten Machtausübung will er die bewährten Checks and Balances in den USA aushebeln. Also Wahlen, das Militär und die Justiz. Trotz kleineren Rückschlägen ist er erfolgreich unterwegs.

Das Zollchaos, das er angerichtet hat, ist mindestens so schädlich wie der konzeptlose Krieg gegen den Iran oder der Versuch, Venezuela zu regieren. Von Kuba, Panama, Grönland oder Kanada ganz zu schweigen. Was ist das für ein Präsident, der eine abweichende Meinung wie diejenige Spaniens sofort mit Strafzöllen bestraft?

Trump betet im Oval Office. Sonst noch Fragen?

Aber es ist ja nicht nur unverantwortlich, was Trump treibt. Es ist schlichtweg schwachsinnig, was die Attacke auf den Iran betrifft. Die einzig erkennbare Strategie ist, mit Enthauptungsschlägen die Führung des blutrünstigen Regimes zu liquidieren. In der Annahme, dass dann das Regime zusammenbricht und die Bevölkerung die Macht übernimmt, ohne dass eine eigentliche Invasion dazu nötig wäre.

Wie unsinnig das ist, zeigt ein Vergleich. Nehmen wir an, die Führungsmannschaften in den USA und in Israel würden einfach nach Hause gehen. Sich von der Macht verabschieden. Würden dann die USA oder Israel zusammenbrechen, käme es zu Volksaufständen, Systemwechsel? Absurd.

In Venezuela hat geholfen, dass der ausnehmend dumme Präsident Maduro eine Verräterin zu seiner Stellvertreterin machte. Das ermöglichte den USA, durch seine Entfernung dort die Macht zu übernehmen. Das hat aber mit einem Systemwechsel nicht das Geringste zu tun; es herrscht nach wie vor die gleiche Clique von korrupten Funktionären wie zuvor, es gibt keine Berichte, dass es der Bevölkerung besser ginge.

Noch absurder: obwohl auch die USA das Ergebnis der letzten gefälschten Wahlen nicht anerkennen, benützen sie ihre Macht nicht etwa dazu, die um ihren Sieg gebrachte Opposition als neue Regierung zu installieren. Und obwohl die Friedensnobelpreisträgerin Maria Corina Machado alles tat, um das gekränkte Ego des US-Friedensfürsten zu besänftigen, ignoriert sie Trump und anerkennt offiziell die Wahlfälscherin Rodriguez.

Während aber in Venezuela unter einer dünnen Schutzschicht von angeblich revolutionärer Ideologie die Chavistas längst zu einer Bande von korrupten und geldgierigen Machthabern verkommen sind, ist das im Iran ganz anders. Auch dort ist die Führungsschicht korrupt, aber ihre Ideologie basiert auf einem fanatisierten fundamentalistischen Glauben, den die Revolutionswächter offensichtlich auch mit Massakern an der eigenen Bevölkerung verteidigen.

Wenn nun nach Chamenei auch sein Sohn und Nachfolger liquidiert würde, führt das einzig zu einer offenen Militärdiktatur, plus einem möglichen Bürgerkrieg. Oder zu einem Noch-stärker-Werden fanatischer Gläubiger. Wie in Afghanistan, wie im Irak.

Das alles liegt auf der Hand und könnte, sollte, müsste klar ausgesprochen werden.

Dass es das nicht wird, ist kein Anlass zu Verschwörungstheorien. Der Grund ist banal: erschreckende intellektuelle Verödung auf den Redaktionen. Bedenkenloses Nachplappern von Narrativen wie dem, dass es ein «legitimer», wenn nicht gar «guter» Krieg sei, der hier geführt werde.

Während die Weltwirtschaft im Chaos versinkt und die Hürden bei der Rückkehr von asiatischen Feriendestinationen oder aus den beschädigten Glitzerwelten der Scheichtümer bald einmal das kleinste Problem sein werden.

Wie viel Verlogenheit verträgt der Mensch?

Wenn zwei das Gleiche tun, ist das noch lange nicht dasselbe.

Selten war dieser Satz wahrer als heute. Da überfällt der russische Präsident Putin die Ukraine und versucht, ihre Regierung mit einem Enthauptungsschlag zu entfernen. Das Land müsse entnazifiziert werden, die Anhänger des Kriegsverbrechers und Antisemiten Stepan Bandera, der im Westen der Ukraine bis heute mit Denkmälern geehrt wird, müssten in die Schranken gewiesen werden.

Das geschah unter dem Bruch verbindlicher Zusagen, gegen die Rückgabe sowjetischer Atomwaffen, die in der Ukraine stationiert waren, die territoriale Integrität des Landes zu garantieren. Die auf einige Tage geplante militärische Spezialoperation geht ins fünfte Kriegsjahr, ausser vielen Toten und etwas Geländegewinn hat Putin nichts erreicht.

Durch ganze acht Staaten, wenn man die EU als Ganzes nimmt, wurden Sanktionen verhängt, von den übrigen 187 nicht. Insgesamt wurden bislang rund 400 Milliarden Euro als Unterstützung an die Ukraine bezahlt. In westeuropäischen und angelsächsischen Medien wird Russland regelmässig als Staat bezeichnet, der Kriegsverbrechen begeht und sich zum Paria in internationalen Beziehungen gemacht hat.

Israel hat den Gazastreifen in eine Trümmerlandschaft verwandelt, mindestens 70’000 Menschen (zum grössten Teil Zivilisten) dabei umgebracht, unzählige Kriegsverbrechen begangen und als besonders widerliches Detail gezielt Journalisten getötet und untersagt bis heute jegliche unabhängige Berichterstattung aus dem Gazastreifen.

Israel verübt völkerrechtswidrige Bombardements in Jordanien, Syrien und im Libanon.

Die USA und Israel haben gezielt militärische und zivile Führungskräfte von Ländern liquidiert, die ihnen feindlich gesinnt sind.

Am 28. Februar, während noch Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA liefen, haben Israel und die USA ohne vorherige Kriegserklärung den Iran angegriffen. Mit Enthauptungsschlägen ist es ihnen gelungen, den obersten Führer und einige Mitglieder der obersten Landesführung zu töten. Offenbar gab es dabei auch Kollateralschaden wie die Bombardierung einer Mädchenschule, bei der nach iranischen Angaben über 100 Menschen getötet wurden.

Gegen Kuba haben die USA ein totales Ölembargo verhängt, unterbinden jegliche Lieferung auf die Insel und üben massiven Druck auf alle Länder wie Mexiko aus, die anfänglich erklärten, als souveräner Staat weiterhin diesen Rohstoff nach Kuba liefern zu wollen. Dadurch versinkt die letzte Insel des real existierenden Sozialismus im Chaos, brechen immer mehr grundlegende Dienstleistungen zusammen, zeichnet sich eine Hungersnot ab.

Wenn man die Berichterstattung alleine schon in deutschsprachigen Medien über all diese Ereignisse Revue passieren lässt und die Beurteilung der Invasion Russlands und der Invasionen der USA und Israels miteinander vergleicht, muss man, ohne für irgend eine Seite Partei zu ergreifen, eine unglaubliche Verlogenheit, Verluderung aller journalistischen Sitten und Gebräuche feststellen.

Auf der einen Seite scharfe Kritik, auf der anderen Seite Verständnis und Erklärungen. Alles, was Russland als Verteidigung seiner Handlungen anführt, wird in der Luft zerrissen. Alles, was Israel und die USA als Begründungen anführen, wird wohlwollend berichtet.

Gelegentliche, verschämte Hinweise darauf, dass es sich hier ebenfalls um den ständigen Bruch des Völkerrechts und um eine Abfolge von Kriegsverbrechen handelt, werden damit wegerklärt, dass im Kampf gegen das Böse doch eigentlich alles erlaubt sei.

Obwohl der Irak (oder Afghanistan) ein abschreckendes Beispiel ist, was mit einem Land passiert, das von den USA von seinem Diktator «befreit» wird, wird gegenüber dem Iran wieder behauptet, dass dieser Krieg doch eine gute Chance böte, die Schreckensherrschaft der Mullahs zu beenden und den Iran in eine demokratisch-freiheitliche Zukunft zu führen.

In den entsprechenden Echokammern und Gesinnungsblasen erzählen verantwortungslose Journalisten ihrem indoktrinierten Publikum diesen Unsinn und kritisieren gleichzeitig, wie die gelenkten Staatsmedien in Russland und anderswo die Wirklichkeit verzerrten.

Wie viel Verlogenheit verträgt der Mensch? Offensichtlich beliebig grosse Portionen.

Langer Weg zum Artikelende

Roger Köppel bewirbt sich bei der «Republik».

Zugegeben, das ist eine Fake News. Aber als Interpretation zulässig. Denn es zeigt sich wieder einmal, was passiert, wenn es auf einer Redaktion keine Checks and Balances gibt.

Es kommt einem vor, als habe der Chefredaktor, Verleger, Herausgeber, Besitzer und eigen- sowie allmächtige Vielschreiber und Vielredner Köppel alle 84 Seiten der «Weltwoche» alleine gefüllt. Dabei sind es «nur» sieben plus eine Seite Wort zum Donnerstag, plus eine Spalte «Übernimmt Schweiz neue EU-Sanktionen

Das Hauptstück «Langer Weg zum Frieden» dauert mehr als 34’000 A lang. Zu lang. Dabei rezykliert Köppel seinen Artikel «Langer Weg zum Frieden» vom 20. Februar in der neusten Ausgabe der WeWo. Damals brauchte er «nur» knapp 20’000 A, um sich von einem Tolstoi-Zitat («schrieb in «Krieg und Frieden» …», kleiner hat’s Köppel nicht) bis zum Schluss zu mäandern.

Vielleicht kopierte er den Titel auch vom «Meininger Tagblatt», denn das schrieb am 19. Februar vom «langen Weg zum Frieden». Da brauchte es nur 1445 A, um die Story zu erzählen.

Aber Köppel ist offenbar der Ansicht, dass die 20’000 A nur ein Warmlaufen war, um mit einer seiner Lieblingsmarotten den Leser in den Tiefschlaf zu wiegen: «Die Rückkehr zu sachlichen Beziehungen mit Moskau bleibt Pflicht.» Für wen und warum?

Nun, auf jeden Fall hülfe da eine regelmässige Lektüre der «Weltwoche», meint überraschungsfrei ihr Machthaber: «Darum ist es so wichtig, dass Zeitungen wie die Weltwoche nicht einfach nur nachbeten und andächtig beklatschen, was unsere Regierungen verlautbaren.»

Wenn er allerdings von der WeWo spricht, meint er natürlich sich selbst: «Meine Einschätzungen beruhen auf Lektüre und Gesprächen, mehreren Besuchen in Russland und in der Ukraine über mehrere Jahrzehnte.» Also DIE Koryphäe für eigentlich alles, was mit Russland und der Ukraine zu tun hat.

Kleine Zwischenfälle wie ein lobhudelndes Porträt über Putin, seine Darstellung als «Der Missverstandene», dem man doch absurderweise zutraue, die Ukraine zu überfallen. Je nun, auch Koryphäen können sich mal irren. Das hatte die andere Koryphäe Thomas Fasbender verbrochen. Die Story erschien just an dem Tag, als Putin mit der kurzen militärischen Spezialoperation begann. Künstlerpech wie bei «la crise n’existe pas».

Damals jubelte die WeWo über «UBS und CS wieder auf dem Vormarsch», als die UBS genau am Erscheinungstag um Staatshilfe winselte.

Aber gut, zurück zum Eigenlob eines Chefs, bei dem sich niemand traut, ihm zu sagen: lass mal gut sein, in der Kürze liegt die Würze. Aber hallo, wenn Köppel nun mit dem grossen Pinsel auf der Leinwand der Weltbühne den Werdegang Putins nachmalt, dann kennt er kein Halten.

Nato-Osterweiterung, George Kennan, George W. Bush, «uraltes Schlachtfeld der Imperien», «in den historischen Zwischenschichten abgelagerte Sprengkörper», «bedrohlich brodelte das Giftgebräu voll übelriechender Substanzen», unermüdlich stapelt Köppel eine hochglanzpolierte Worthülse auf die andere. Maidan, Krim, «Gaunerwort «Zeitenwende»», auch wieder mit Tolstoi-Zitat, ein unverschämtes Adjektiv «… ist der Überfall vermutlich ein Bruch des Völkerrechts». Vermutlich, echt jetzt?

Dann der rhetorische Schlenker, den man ruhig als die Köppel-Pirouette labeln darf Zuerst der Absprung: «Natürlich hat kein Staat Anrecht auf eine Sicherheits- und Einflusszone in seiner Nachbarschaft.» Dann die Drehung und die Landung: «Doch die Russen sind beileibe nicht die erste und einzige Grossmacht, die auf ein Vordringen anderer Grossmächte in ihr Revier allergisch reagiert

Fritzli, der mit den Fingern in der verbotenen Keksdose erwischt wird, reumütig sein Fehlverhalten einräumt, aber zu bedenken gibt, dass Hansli das doch auch täte, also sei es dann schon nicht so schlimm. Womit Fritzl wenigstens seine Eltern zum Schmunzeln bringt. Aber als ernsthaftes Argument bei einem ernsten Thema?

Als Vergleich zerrt Köppel die Kuba-Krise aus der Mottenkiste der Geschichte. Bei der Stationierung sowjetischer Atomraketen sind die USA bekanntlich damals  in der Insel einmarschiert und haben Castro und seine Mannen in einem jahrelangen Krieg niederzuringen versucht. Oder so.

Und noch ein Beispiel für eine solche Köppel-Pirouette: «Putins Angriff war keine «full scale»-Invasion, wie die Briten schreiben. Er liess nur 190 000 Soldaten einmarschieren. Als die Wehrmacht Polen überfiel, betrug die Truppenstärke 1,5 Millionen.» Na dann …

Wer es schafft, bis zum bitteren Ende durchzuhalten, wird nicht belohnt, sondern bestraft. Mit Banalitäten wie

«Kriege sind schlimm. Das ist nichts Neues.»

Oder: «Europa, die Welt kann sich keinen Krieg mit Russland leisten.»

Köppel in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf. Wäre aber für die Welt besser, wenn er nicht jede Woche ihr kurz oder länglich den Tarif durchgäbe.

Diesen Sprachdurchfall könnte man ohne Imodium auf einen Satz eindicken: Putin ist gar nicht so schlimm, man sollte halt mit ihm reden.

Der weibliche Häsler

Auch Tamedias Clara Lipkowski kann gurgeln.

Als ob die völkerrechtswidrige Invasion der Ukraine nicht schon widerlich genug wäre: dazu gibt’s noch journalistische Schützenhilfe obendrauf.

Lipkowski wandelt auf Georg Häslers kriegerischen Spuren im Sandkasten und weiss: «Russland blufft – es ist besiegbar». Wenn der Wunsch der Vater des Gedankens ist …

Sie beginnt etwas elegisch, während Häsler jeweils gleich losbombt: «Verhalten zwar, aber doch spürbar steigen die Temperaturen, kehrt die Wärme in die Häuser der Menschen zurück, deren Heizung ausfiel, weil Russland Kraftwerke in einem beispiellosen Krieg der Kälte zerbombt hatte.»

Lipkowski blickt tief in ihre Seelen: «Die Menschen in der Ukraine sehnen den Frühling herbei, sind aber gleichzeitig müde.» Das nennt man bekanntlich Frühjahrsmüdigkeit.

Genauso behende kennt sie sich in Russland aus: «Moskau macht unbeirrt weiter, baut Druck auf, droht – aber blufft. Denn Russland ist nicht übermächtig, nicht unbesiegbar.»

Es soll Militärstrategen geben, zum Beispiel an der ETH Zürich, die die Niederlage Russlands schon klar vorhersahen. Für den Herbst 2022. Da ist Lipkowski doch etwas vorsichtiger.

Dafür ist sie mit einer Befehlsausgabe für den Westen offensiv zur Hand: «Europa, einschliesslich der Schweiz, muss die Sanktionen präziser gestalten und ausweiten. Drittstaaten, die noch mit Russland Geschäfte machen, müssen stärker sanktioniert werden.»

Sonst noch was? Aber ja: «Sanktionsumgehungen, durch die westliche Elektronik in russischen Drohnen landet, müssen viel härter geahndet werden. Die russische Schattenflotte muss konsequent verfolgt, Schiffe festgesetzt, deren Fracht konfisziert werden

Oder in einem Satz:

«Russland muss in die Knie gezwungen werden, damit die Ukraine überleben kann.»

Der ist nun von einer unbesiegbaren Dummheit, die es verdient, genauer angeschaut zu werden. Russland in die Knie zwingen? Echt jetzt? Die grösste Atom- und die drittgrösste Militärmacht der Welt?

Die könnte in die Knie gezwungen werden, ohne dass die Welt explodiert? Interessanter Gedankengang. Aber auch der zweite Teil ist nicht minder bescheuert. Nur unter dieser Voraussetzung könne die Ukraine überleben? Gelänge das also nicht, stirbt das Land? Welch absonderlicher Irrwitz.

Der Letzte, der versuchte, Russland in die Knie zu zwingen, war bekanntlich Adolf Hitler. Ist ihm nicht so recht gelungen, wie man mit rudimentären Geschichtskenntnissen weiss. Die Schweiz verharrte damals in einer sicherlich nicht über jeden Zweifel erhabenen Neutralität, um sich unbeschädigt durchzuschlängeln. Das sollte diesmal völlig aufgeben und sich an noch «präziseren» Sanktionen beteiligen.

Aber Lipkowski geht noch einen Schritt nach unten weiter: «Und für wen das Solidaritätsargument mit der Ukraine nicht reicht: auch damit unser Leben in Europa, wie wir es kennen, bleibt, wie es ist.» Also nur, wenn Russland auf die Knie gezwungen wird, können «wir unser» Leben weiterführen. Und wenn nicht? Zwingt dann der russische Bär uns Westler in die Knie? Was früher die rote Gefahr war, ist jetzt die neue russische Gefahr?

Als ob die unbesehene Übernahme aller Sanktionen der EU und der USA nicht schon ausreichen würden, das Image der Schweiz als neutraler Staat und Vermittler schwer zu beschädigen.

Natürlich darf in der Schweiz – im Gegensatz zu Russland, im Gegensatz zur Ukraine – jeder mehr oder minder frei seine Meinung äussern. Auch frei von des Gedankens Blässe. Qualifikationen sind nicht gefragt, der Zugang zu einem Lautsprecher wie dem Kopfblattsalat von Tamedia reicht.

Qualitätskontrolle, das Aufrechterhalten eines Mindeststandards an Kompetenz, Analysefähigkeit, die Kontrolle vor Veröffentlichung auf Widerspruchsfreiheit und Realitätsnähe: im modernen Qualitätsjournalismus à la Simon Bärtschi sind das unbekannte Begriffe.

 

Solchen Journalismus braucht es nicht

Freitag war Trauertag. Die Medien waren zum Heulen.

Alleine am Freitag ergibt das Wortpaar Schweiz und Trauer 129 Treffer. Trauer alleine bringt’s auf 177 Einschläge, Crans-Montana auf sagenhafte 846 Resultate.

Venezuela kommt immerhin auf 290 Treffer, Ukraine auf 210, Gazastreifen – auf einen einzigen. Das ist immerhin einer mehr als die Menschheitskatastrophe im Sudan, in Somalia, in Äthiopien.

Kann man alles nicht vergleichen? Wieso eigentlich nicht.

Aber das sind ja nur Zahlen. Aschgrau wird es, wenn sprachlich minderbegabte Journalisten nach einer Woche Trauerarbeit nochmals in die Tasten greifen müssen, obwohl sie alle Adjektive, alle Betroffenheitslyrik und vor allem das Wort «unfassbar» sowie «es gibt keine Worte» bis zur Brechreizschwelle wiederholt haben.

«… in der ganzen Schweiz waren schwarze Schleifen … gedenken auch Zürich, Bern, der Thurgau, Solothurn (und eigentlich alle Kantone und Menschenansammlungen) der Opfer … drei Jugendliche werden zum Symbol … tiefe Trauer … die Bilder zur Trauerfeier … wenn ein Ort verstummt … emotionale Trauerfeier … das waren die berührendsten Momente … Blumen und Gebete zum Gedenken … so trauert die Schweiz … Kerzen und Schweigen … Bern steht ein paar Atemzüge lang still … Saal der Trauerfeier füllt sich zusehends … jetzt live die Trauerfeier … bewegende Worte … wünscht Angehörigen viel Kraft … Parmelin wendet sich ans Volk … moralisch auf der Anklagebank …»

Ganz hin und her gerissen ist ZACKBUM von einer Idee des «Blick». Radikale Ausnützung des interaktiven Internets: «Spende dein Licht im Moment der Trauer». Wie das? «3 Sek. tippen und eine Kerze erscheint».

Endlich, müheloses Instant-Trauern, virtuell ein Zeichen setzen mit der Tastatur, gibt es eine Steigerung von geschmacklos?

Muss trauern so schmerzlich traurig beschrieben werden? Unfähig bis zur Pietätlosigkeit, trauern als Veranstaltung des Fremdschämens.

Man meint, einzelne Textbausteine der ChatGPT-Übung von ZACKBUM in den Texten wiederzufinden. Da hat sich so manch trauernder Journalist in seiner Qual gerne bedient.

Dabei hat doch hier die Bibel einmal das Richtige in kurze Worte gefasst, was auch Atheisten einleuchtet:

zerreißen hat seine Zeit,
zunähen hat seine Zeit;
schweigen hat seine Zeit,
reden hat seine Zeit;

Übrigens ist Kohelet (Prediger) 3,1–8 insgesamt nicht schlecht:

Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vornehmen unter dem Himmel hat seine Stunde.

Man möchte leise Amen sagen und laut: haltet doch einfach mal die Schnauze.

Fragen ohne Antworten

Was leisten die Qualitätsmedien so?

Die Schweiz hat einen Deal. Mit Trump. Endlich. War nicht leicht, aber es ist geschafft. So schreiben alle. NZZ, Tamedia, «Blick», CH Media.

Wunderbar. Nur: es bleiben ein paar Fragen offen.

– Ist die Absenkung der Strafzölle auf 15 Prozent in trockenen Tüchern, besiegelt und unterzeichnet?

– Neben Investitionen von 200 Milliarden in den USA, welche weiteren Zugeständnisse musste die Schweiz machen?

– Reicht es wirklich, dem US-Präsidenten eine goldene Rolex auf sein Pult zu stellen und ihm einen Goldbarren zu widmen, um mit ihm ins Geschäft zu kommen?

– Wenn der Deal jetzt möglich wurde, wieso nicht schon vorher? War die Heraufsetzung auf 39 Prozent nach dem letzten Telefonat am 31. Juli ein dramatischer Flop, der eigentlich einen Rücktritt nötig machte?

– Sind 15 Prozent mehr Zölle aufgrund absurder Berechnungen ein Erfolg oder eine Niederlage?

– Gelten diese 15 Prozent zusätzlich auf alles, welche weiteren Zölle gibt es weiterhin?

– Gibt es einen Zeitpunkt, ab wann diese neuen Zölle angewendet werden?

– Kommen bis zu diesem Zeitpunkt weiterhin 39 Prozent Zusatzzoll in Anschlag?

– Gibt es eine Laufzeit, eine Zusicherung der Geltungsdauer für diesen neuen Zolltarif?

– An welche weiteren Bedingungen ist dieser neue Zoll geknüpft?

10 Fragen, null Antworten der Qualitätsmedien. Nichts Genaues weiss man nicht. Kann man das als geldwerte Leistung verkaufen? Und wenn ja, wie viel Geld ist sie wert?

In der Ukraine tobt weiterhin Krieg. Auch hier gibt es mehr Fragen als Antworten.

– Stehen die russischen Streitkräfte vor der Einnahme wichtiger Städte?

– In welche Zustand befinden sich die ukrainischen Streitkräfte?

– In welchem Zustand befinden sich die russischen Streitkräfte?

– In welchem Zustand befindet sich die ukrainische Wirtschaft?

– Welche Auswirkungen hat der jüngste Korruptionsskandal, der ganz nahe an den Präsidenten Selenskjy heranreicht?

– In welchem Zustand befindet sich die russische Wirtschaft?

– Wie lange ist es für Russland möglich, den Krieg fortzusetzen?

– Wie lange ist es für die Ukraine möglich, den Krieg fortzusetzen?

– Wer wird schlussendlich für die Kriegszerstörungen aufkommen?

– Was wären realistische Verhandlungspositionen bei der Aufnahme von bilateralen Gesprächen?

10 Fragen, null Antworten der Qualitätsmedien. Nichts Genaues weiss man nicht. Kann man das als geldwerte Leistung verkaufen? Und wenn ja, wie viel Geld ist sie wert?

Dazu hätte ZACKBUM noch ein paar allgemeine Fragen.

– Ist der Schwund an Kompetenz und Analysefähigkeit durch die jüngsten Sparrunden so dramatisch, dass solche fundamentale Recherchen nicht mehr geleistet werden können?

– Wieso werden «Meinungen» nicht auf ein gesundes Mass geschrumpft, auf vielleicht einen Kommentar pro Woche?

– Wann konnte man zum letzten Mal eine Gegenmeinung zum herrschenden Narrativ und Framing in den Mainstreammedien lesen?

– Wieso ist die Fähigkeit zur Gewichtung, zur Unterscheidung zwischen Wichtigem (Altersversorgung, EU-Verträge, Kriegsgefahr) und Unwichtigem (Mohrenköpfe, Nemo, Bargeldverbot am Weihnachtsmarkt) abhanden gekommen?

– Muss eine «Reportage» über «Lachyoga» hinter der Bezahlschranke versorgt werden?

– Wie verzweifelt muss man sein, um Ex-Botschafter Borer immer wieder zu interviewen?

–Braucht es eine Kolumne «Moderne Wecker lassen die Sonne aufgehen»?

– Warum werden die Magazine von NZZaS und Tamedia nicht sofort eingestellt?

– Wie viele Fehler kann sich Pietro Supino noch erlauben?

– Wann wird das unfähige Medienmanagement der grossen Häuser entlassen, zumindest ausgedünnt?

30 Fragen, 0 Antworten.

Ausser der, die die Leser mit den Füssen geben …

 

Grenzen

Ist es schlimm, wenn die offene Debatte stirbt?

Israelische Kriegsverbrechen. Heikel, von Antisemitismuskeulen umstellt.

Klimawandel. Heikel, schnell ist man ein Klimaleugner, obwohl das ein selten bescheuerter Ausdruck ist.

Alles, was mit rund 165 verschiedenen Gendern zu tun hat. Schnell ist man ein Sexist und Gegner der Inklusion.

AfD in  Deutschland. Wenn die CDU ihre Programmpunkte übernimmt, ist das gut. Wer das Original dafür lobt, ist ein rechtsradikaler, angebräunter Hetzer.

Und die Grünen. Ist das nicht die opportunistischste, wendehalsigste, für Posten und Machterhalt alle Prinzipien aufgebende Partei, seit dem Zweiten Weltkrieg? Aber immer der moralische Zeigefinger in der Luft.

Asylanten und Immigranten. Wer darauf hinweist, dass sich Europa (und die Schweiz) damit gröbere Probleme geschaffen haben, ist ein Fremdenfeind, ach was, ein Rassist.

Ausufernder Sozialstaat, nicht länger bezahlbare Renten. Sozialdarwinist, hat kein Verständnis für die Armen und Bedürftigen. Wobei doch die Armut, trotz allen Anstrengungen, immer weiter zunimmt, gerade in der reichen Schweiz.

Wer zwischen Trump und Putin nur graduelle Unterschiede sieht, setzt sich gleich zwischen alle Stühle.

Unbezahlbare Schuldentürme der wichtigsten industrialisierten Länder, der geniale Täuschungsbegriff vom Sondervermögen. Schwarzseher, das wird alles durch ein gesteigertes BIP weggeputzt. Oder durch Zölle.

Die Corona-Krise, an der sich dank unfähigen Regierungen Pharmakonzerne und sogar zwei Maskenkids in der Schweiz dumm und krumm verdienten. Allgemeine Aufrüstung, Waffenhersteller auf der ganzen Welt können ihr Glück nicht fassen. Wohl ein Systemkritiker, der so was sagt, hat doch keine Ahnung.

Der Iran wird angeführt von fundamentalistischen Ayatollen; der Bevölkerung kann man nur wünschen, dass die hinweggefegt werden. Saudi-Arabien wird angeführt von einem fundamentalistischen Wahnsinnigen, der auch mal einen Oppositionellen in Einzelteile zerlegen lässt und seit Jahren einen schmutzigen Krieg im Jemen führt.

Moment, Iran ist Bestandteil der Achse des Bösen und der Terrorunterstützer, Saudi-Arabien ist ein Verbündeter des Westens.

Russland ist korrupt und wird autoritär regiert, eine einigermassen freie Presse gibt es nicht. Die Ukraine ist korrupt, wird autoritär regiert und eine einigermassen freie Presse gibt es nicht. Moment, die Russkis sind die Bösen, die Ukrainer die Guten.

Deutschland kennt Informationsfreiheit, aber Sender wie Russia Today oder Sputnik dürfen dort, wie in der ganzen EU, nicht empfangen werden. Will das völlig legale Internetradio Kontrafunk einen Bootsausflug auf dem Bodensee machen, können das linksradikale, gewaltbereite Chaoten verhindern. Keiner protestiert, niemand nimmt Notiz.

Man könnte die Beispiele ad libitum fortsetzen.

Was haben sie alle gemeinsam? Offensichtlich hat das dank Internet unendlich ausufernde Angebot an Informationen nicht dazu geführt, dass die breite Masse, die öffentliche Meinung qualitativ zugelegt hätte. Sich aufgrund leicht und für jeden erhältlicher Fakten, Analysen, Darstellungen eine eigen Meinung bilden möchte.

Im Gegenteil. Es wird immer einfacher, Etiketten anzukleben und durch ständige Wiederholung in die Köpfe zu hämmern. Statt den Kopf dazu zu benützen, wozu er eigentlich da ist, geben sich die meisten damit zufrieden, auf solch einfache und übersichtliche Art die Welt ordnen zu können.

Dass sich immer wieder herausstellt, dass es so einfach eben nicht ist, das vermag keinen Irrgläubigen zu irritieren, der zu wissen meint.

Ist die israelische Armee vielleicht doch nicht ein Hort von guten Friedensbringern? Sind die Werte der USA vielleicht doch nicht segensreich für die ganze Welt? Könnte es wirklich sein, dass die überwältigende Mehrheit aller Staaten die Sanktionen gegen Russland nicht mitträgt? Sind afrikanische Staaten nicht Opfer der Kolonialzeit und postkolonialer Ausbeutung? Sondern werden von ihren eigenen korrupten Diktatorenclans ausgebeutet?

Ging es dem durchschnittlichen Libyer unter Gaddafi, dem durchschnittlichen Iraker unter Hussein, nicht etwa besser als heute, nach der Befreiung von diesen grausamen Diktatoren?

Wer all das liest und ein wenig über diese Fragen nachdenkt, gehört heute bereits zu den happy few, die unter Umständen tatsächlich bereit sind, sich auf die anstrengende Tätigkeit einzulassen, die Welt und die Wirklichkeit verstehen zu wollen.

Kleiner Lichtblick beim Tagi

Allerdings hat es auch Schattenseiten.

Aber zunächst das Positive: In den allgemeinen Jubel, die Durchhalteparolen und die Verdammung des russischen Angriffskrieg hinein wagt es Tamedia, die offenbar desolate Situation der ukrainischen Armee zu beschreiben. Nicht nur durch Feindeinwirkung.

«Am 16. Mai veröffentlichte Bataillonskommandant Schyrschyn, Codename Genie, einen explosiven Beitrag auf seiner Facebook-Seite. «Ich habe nie mehr idiotische Aufgaben bekommen als in der heutigen Anweisung … Der dumme Verlust an Leuten und das Zittern vor den dämlichen Generälen führt zu nichts als Fehlschlägen. Alles, was sie tun können, ist schimpfen, nachforschen und Strafen auferlegen. Sie können alle zur Hölle gehen. Die politischen Spiele und Einschätzungen der Dinge haben nichts mit der Realität oder den Möglichkeiten zu tun.»

Das sei keine Einzelstimme, weiss der Autor Florian Hassel. Die Gesamtlage sei kritisch, protestierende Stimmen mehren sich. Sieht nach einem starken Stück Recherchierjournalismus aus.

Es gibt aber auch jede Menge Negatives. Zunächst einmal fiel der Ukraine-Korrespondent der «Süddeutschen Zeitung» schon mehrfach durch peinliche Meldungen auf. Dann ist er der Korrespondent der SZ, also besteht die Eigenleistung der Qualitätszeitungen aus dem Hause Supino aus einer runden Null.

Also nicht ganz, so lauteten Titel und Lead im Original in der SZ: ««Sie können alle zur Hölle gehen.» Immer mehr ukrainische Offiziere kritisieren Entscheidungen ihres Generalstabs. Gleichzeitig hat Russland die Taktik geändert – und bereitet eine neue Sommeroffensive vor.»

Daraus machte die kompetente Auslandredaktion von Tamedia: ««Dumme Verluste» und «dämliche Generäle»: Ukrainische Offiziere kritisieren die Armee­führung. Die Armee der Ukraine pfeife aus dem letzten Loch. Doch die katastrophale Situation werde geschönt, sagen Experten und Offiziere. Gleichzeitig bereitet Russland eine Sommeroffensive vor.»

Also Titel abgeschwächt, Lead sinnlos verlängert, die Taktikänderung gespült und gleich noch einen Kommentar reingepackt («pfeift aus dem letzten Loch»). Könnte in der Journalistenausbildung als Beispiel dienen, wie man es nicht machen sollte.

Dann schreibt Hassel auch dies: «Im Juni 2024 hatte Bohdan Krotewytsch, früher Stabschef der militärisch hoch angesehenen Asow-Brigade, auf X ähnlich festgestellt …» Vielleicht hätte er hinzufügen können, dass diese Brigade ein Haufen von Neofaschisten ist. Die USA hatten bis Mitte letztes Jahr jegliche Waffenlieferungen an sie verboten: «Das stand im Einklang mit dem sogenannten «Leahy-Gesetz», das die Ausbildung und Bewaffnung ausländischer militärischer Gruppen verbietet, die schwere Menschenrechtsverletzungen begangen haben», weiss das ZDF.

Diese Brigade stand lange unter der Führung einer Neonazigruppe, ihr gehören auch rechtsextreme Strassenkämpfer an, das Kennzeichen der Truppe hat eine entlarvende Ähnlichkeit mit einem Nazi-Symbol aus dem Zweiten Weltkrieg. Kein Wunder in einem Land, in dem der Kriegsverbrecher und Nazi-Helfer Stepan Bandera bis heute mit Denkmälern geehrt wird. Aber wenn sie halt «militärisch hoch angesehen» sein soll …

Erschwerend kommt weiter hinzu, dass Hassel einfach einen Zusammenschrieb von kritischen Meldungen über den Zustand der ukrainischen Armee abliefert. Die «New York Times», BBC, «Washington Post», Reuters und viele andere haben bereits über die anschwellende Kritik an der Militärführung und an inkompetenten Generälen berichtet. Allerdings auf Englisch.

Natürlich berichten auch ukrainische Medien, die allerdings im Ausland erscheinen. Denn in der Ukraine herrscht die gleiche Pressezensur wie in Russland.

Bei genauerer Betrachtung verdüstert sich also dieser Lichtblick, und der Artikel schrumpft auf das Niveau des normalen Elendsjournalismus. Der noch elendiglicher wird, wenn Tamedia ihn hinter der Bezahlschranke versteckt und von seinen Lesern auch noch Geld dafür will, dass sie per copy/paste ein Produkt aus München vorgesetzt bekommen.

In der Hoffnung: merkt doch keiner. Und woher die Weisheiten des Autors stammen, das weiss doch keiner.

Wie lange man wohl noch den zahlenden Tamedia-Leser für dumm verkaufen kann?