Wumms: Hubert Wetzel

Original und Kopie: Wie Tamedia Stücke der Süddeutschen übernimmt.

Hubert Wetzel ist USA-Korrespondent der «Süddeutschen Zeitung». Er fiel in der Vergangenheit mehrfach unangenehm durch nicht nur einseitige, sondern auch polemisch-falsche Berichterstattung auf.

Noch im November 2020 raunte er unheilschwanger: «So sterben Demokratien». Zu unserem Glück hat’s die US-Demokratie überlebt. Obwohl Trump versucht habe, mit «Tricks« im Amt zu bleiben, die zwar leider «legal, aber auf keinen Fall legitim» gewesen seien. Denn Trump habe, offenbar im Gegensatz zu Wetzel, «offensichtlich keine Ahnung», wie US-Wahlen funktionierten.

Leicht dysfunktional, der Berichterstatter. Verschlimmert wird’s noch durch das Walten der immer noch (wozu nur?) vorhandenen Ausland-Redaktion von Tamedia. Denn man übernimmt doch (fast) alles vom Blatt in München. Eben auch Wetzel.

Der schreibt für die SZ einen Kommentar über die Sicherheitspolitik und betitelt den mit «Bittere Wahrheit». Darin arbeitet sich Wetzel an der improvisierten Aussage des US-Präsidenten Biden ab, der ausserhalb eines Manuskripts rempelte:

«Um Gottes Willen, dieser Mann kann nicht an der Macht bleiben.»

Gemeint ist Putin.

Das ist nun nicht sehr diplomatisch oder intelligent. Denn ob es einem passt oder nicht, früher oder später muss mit Putin verhandelt werden. Dessen Flexibilität wird nicht gerade dadurch erhöht, dass er befürchten muss, von den USA weggehauen zu werden.

Natürlich versuchte das Weisse Haus, diesen typischen Biden-Versprecher schnell wieder einzufangen und verschickte eine «Klarstellung». Das sei dann keine Ankündigung eines von den USA unterstützen Machtwechsels gewesen.

Wetzel ist aber Biden gegenüber etwa so gnädig gestimmt, wie er gegen Trump ungnädig war. Also endet er seinen Kommentar versöhnlich:

«Amerikanische Interventionen wie im Irak oder Libyen hat Biden längst ausgeschlossen. Stattdessen sprach er eine bittere Wahrheit aus, aus der jede Regierung ihre eigenen Schlüsse ziehen muss: Solange Wladimir Putin an der Macht ist, wird Europa nicht in Frieden leben können.»

Sehr ungnädig ist Wetzel hingegen mit Putin: Die Bemerkung Bidens sei etwas ungeschickt gewesen, weil «man einem paranoiden Diktator, der militärische Probleme hat und mit dem Einsatz seiner Atomwaffen droht, keinen Grund geben sollte, um sein politisches oder persönliches Überleben zu fürchten».

Trotzdem weiss Wetzel:

«Bidens Satz war keine Drohung an Putin persönlich, auch wenn putinfreundliche Verschwörungsschwurbler das nun behaupten.»

Wie man den Satz des US-Präsidenten allerdings NICHT als Drohung an Putin persönlich auffassen kann, das verrät uns der bidenfreundliche Schwurbler Wetzel nicht. Nun könnte es sein, dass in Deutschland diese oberlehrerhafte Zurechtweisungs-Rhetorik durchaus ankommt. Aber wieso braucht es eine mehrköpfige Auslandredaktion bei Tamedia, um dieses Geschwurbel dem Schweizer Leser vorzusetzen?

Nun, man hat Titel und Lead verändert: «Solange Putin an der Macht ist, wird Europa nicht in Frieden leben können.» Das nennt man auf tagianisch «anspitzen». Den übrigen Text, um ß bereinigt, übernahm man hingegen unverändert.

Der Leser stellt sich wieder einmal die Frage, wieso er sich a) nicht gleich ein Abo der SZ leisten soll. Das kostet nämlich digital nur schlappe 9.99 (Euro gleich Franken) im Monat. Beim Tagi fängt das bei 15 Franken an und steigert sich als «Premium» auf 29 Franken. Auch rein digital.

Oder b), vielleicht könnte man es auch wagen, die Welt ohne die Brille der SZ zu betrachten. Denn Korrespondenten wie Wetzel tragen nun wirklich nichts Erhellendes zum besseren Verständnis bei.

2 KOMMENTARE
  1. Victor Brunner
    Victor Brunner says:

    Tages-Anzeiger heute, Print, Ausland alles SZ, ohne Wetzel. Dafür mit Tomas Avenarius, Sonja Zekri, Florian Hassel, Michael Neudecker, Viktoria Grossmann, Peter Münch, Dunja Ramadan, Christoph Gurk. Ausland ist für TAmedia nicht mehr interessant, dafür Billiges aus München. Eine Schande für eine Zeitung die keinen eigenen Fokus mehr hat aber auf «unabhängige» besteht, deren Auslandredaktion aber nur noch Feigenblatt ist.

    Judith Wittwer fristet bei der SZ in München eher ein Mauerblümchendasein. Warum nicht ihr die Auslandredaktion überlassen, sie ist vor Ort und kann um Artikel, inklusive Titel auf Swissness frisieren, betteln. Billiger, fast identisches Resultat und höhere Dividenden für die Verlegerfamilie, die ihre Verantwortung nur noch beschränkt wahrnimmt!

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  2. Tim Meier
    Tim Meier says:

    EUR 9.99.- für solches Geschwurbel aus D? Nein Danke. Habe bereits den Tagi mit lokalen Todesanzeigen (=BaZ) abbestellt.
    Der senile Biden kann rauslassen, was er will. Seine Fans ordnen das bis zur Selbstverleugnung «richtig» ein. Das läuft dann unter dem Label «Qualitätsjournalismus». Eine Beleidigung für jeden Leser, dessen Textverständnis über dem Primarschulniveau liegt.

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