Sechs Irrtümer der Medien
Plus ein Grundlagenirrtum.
Geht es um die Schilderung der Irrungen und Wirkungen am englischen Königshof, können die Mainstreammedien wenigstens noch mit einem gewissen Unterhaltungsfaktor aufwarten.
Geht es aber um ernstere und wichtige Themengebiete, verludert die Berichterstattung zunehmend. Das liegt im Wesentlichen an deutlich abnehmender Kompetenz und Dossiersicherheit in den zum Skelett runtergesparten Rumpfredaktionen.
Mindestens sechs Themengebiete leiden darunter:
- Wirtschaft im Allgemeinen. Wie steht es wirklich um den Zustand der Wirtschaft in Europa, in der Schweiz, in den USA? Überrollt China alle, ist der Euro am Ende oder eine Zukunftswährung? Herumgeruder und dummes Gequatsche.
- Kriegsgefahr in Europa. Wie wahrscheinlich ist eine direkte Konfrontation zwischen der NATO und Russland? Wer siegt im Ukrainekrieg? Welche Auswirkungen haben die Kriege im Nahen Osten auf Europa, auf die Schweiz? Geraune und Geschwiemel.
- KI. Ist die rasante Entwicklung der Künstlichen Intelligenz Fluch oder Segen? Beginnt so das Ende der Menschheit oder die paradiesische Zukunft? Kann man so oder so sehen.
- Donald Trump. Ist der US-Präsident eine erfrischende Alternative zu den abgehalfterten Altpolitikern oder ein Amok, der vor allem seinen Clan und sich selbst bereichern will? Wenige Apologeten stehen einem Heer von Trump-Bashern gegenüber.
- AfD und «rechtspopulistische» Parteien. Sind das Wiedergänger des Hitlerfaschismus oder Ausdruck der Unfähigkeit der Altparteien, die Sorgen und Nöte der Wähler ernst zu nehmen? Nebelgranaten statt inhaltliche Auseinandersetzung mit den Zielen dieser Parteien.
- Israel. Ist Ministerpräsident Netanyahu ein Kriegsverbrecher und sind die Aktionen des israelischen Militärs im Gazastreifen, im Libanon, Jordanien, Syrien, Iran gravierende Verstösse gegen das Völkerrecht? Oder wehrt sich ein Land im Überlebenskampf gegen fundamentalistische Wahnsinnige? Wo die Antisemitismuskeule zuschlägt, wächst kein Gras mehr.
Natürlich könnte man die Liste beliebig fortsetzen.
Das Problem der Massenmedien sind nicht die Distributionskanäle oder das Entstehen von Konkurrenz in den Social Media. Das Problem ist, dass Informationsvermittlung eine Dienstleistung wie jede andere ist.
Nur wenn sie für den Konsumenten Mehrwert schafft, gibt es ein Geschäftsmodell, bei dem der Aufwand finanziell abgegolten wird. Wieso soll aber jemand etwas bezahlen, was er problemlos gratis bekommen kann?
Dass Mehrwert funktioniert, beweisen nicht nur grosse angelsächsische Medien wie die New York Times, die Financial Times und andere. Das Abrebeln von Massenmedien in der Schweiz ist nicht den garstigen Zeitläufen oder dem Internet geschuldet. Sondern der Unfähigkeit der Verlagsmanager.
Kommt erschwerend ein Grundlagenirrtum hinzu. Eine Meinung haben darf jeder. Allerdings sollte man das Publikum nur dann mit ihr belästigen, wenn sie sachkundig, intelligent, intellektuell anregend und erkenntnisfördernd ist.
In der Schweiz dürften Woche für Woche gegen 2’000 Kommentare, Kolumnen, Leitartikel, Gastbeiträge und andere explizite Meinungsstücke in den Massenmedien erscheinen – grob 250 pro Tag.
Verwendet man diesen Massstab, was die mit dramatischem Bedeutungsverlust kämpfende Journalisten täglich absondern, dann bleibt kaum etwas übrig. Oft ist selbst das unbezahlte Lesen eine Qual, wird dafür noch bezahlt, ist’s reiner Masochismus.
Dabei sind die Auswirkungen von KI noch gar nicht berücksichtigt. Vielleicht hat Ringiers Marc Walder für einmal recht, der prognostizierte, dass neben SRF digital nur drei Medienmarken überleben werden: NZZ, «20 Minuten» und «Blick».














