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René Zeyer

Sechs Irrtümer der Medien

15. Oktober 2026/1 Kommentar/in Allgemein/von René Zeyer

Plus ein Grundlagenirrtum.

Geht es um die Schilderung der Irrungen und Wirkungen am englischen Königshof, können die Mainstreammedien wenigstens noch mit einem gewissen Unterhaltungsfaktor aufwarten.

Geht es aber um ernstere und wichtige Themengebiete, verludert die Berichterstattung zunehmend. Das liegt im Wesentlichen an deutlich abnehmender Kompetenz und Dossiersicherheit in den zum Skelett runtergesparten Rumpfredaktionen.

Mindestens sechs Themengebiete leiden darunter:

  1. Wirtschaft im Allgemeinen. Wie steht es wirklich um den Zustand der Wirtschaft in Europa, in der Schweiz, in den USA? Überrollt China alle, ist der Euro am Ende oder eine Zukunftswährung? Herumgeruder und dummes Gequatsche.
  2. Kriegsgefahr in Europa. Wie wahrscheinlich ist eine direkte Konfrontation zwischen der NATO und Russland? Wer siegt im Ukrainekrieg? Welche Auswirkungen haben die Kriege im Nahen Osten auf Europa, auf die Schweiz? Geraune und Geschwiemel.
  3. KI. Ist die rasante Entwicklung der Künstlichen Intelligenz Fluch oder Segen? Beginnt so das Ende der Menschheit oder die paradiesische Zukunft? Kann man so oder so sehen.
  4. Donald Trump. Ist der US-Präsident eine erfrischende Alternative zu den abgehalfterten Altpolitikern oder ein Amok, der vor allem seinen Clan und sich selbst bereichern will? Wenige Apologeten stehen einem Heer von Trump-Bashern gegenüber.
  5. AfD und «rechtspopulistische» Parteien. Sind das Wiedergänger des Hitlerfaschismus oder Ausdruck der Unfähigkeit der Altparteien, die Sorgen und Nöte der Wähler ernst zu nehmen? Nebelgranaten statt inhaltliche Auseinandersetzung mit den Zielen dieser Parteien.
  6. Israel. Ist Ministerpräsident Netanyahu ein Kriegsverbrecher und sind die Aktionen des israelischen Militärs im Gazastreifen, im Libanon, Jordanien, Syrien, Iran gravierende Verstösse gegen das Völkerrecht? Oder wehrt sich ein Land im Überlebenskampf gegen fundamentalistische Wahnsinnige? Wo die Antisemitismuskeule zuschlägt, wächst kein Gras mehr.

Natürlich könnte man die Liste beliebig fortsetzen.

Das Problem der Massenmedien sind nicht die Distributionskanäle oder das Entstehen von Konkurrenz in den Social Media. Das Problem ist, dass Informationsvermittlung eine Dienstleistung wie jede andere ist.

Nur wenn sie für den Konsumenten Mehrwert schafft, gibt es ein Geschäftsmodell, bei dem der Aufwand finanziell abgegolten wird. Wieso soll aber jemand etwas bezahlen, was er problemlos gratis bekommen kann?

Dass Mehrwert funktioniert, beweisen nicht nur grosse angelsächsische Medien wie die New York Times, die Financial Times und andere. Das Abrebeln von  Massenmedien in der Schweiz ist nicht den garstigen Zeitläufen oder dem Internet geschuldet. Sondern der Unfähigkeit der Verlagsmanager.

Kommt erschwerend ein Grundlagenirrtum hinzu. Eine Meinung haben darf jeder. Allerdings sollte man das Publikum nur dann mit ihr belästigen, wenn sie sachkundig, intelligent, intellektuell anregend und erkenntnisfördernd ist.

In der Schweiz dürften Woche für Woche gegen 2’000 Kommentare, Kolumnen, Leitartikel, Gastbeiträge und andere explizite Meinungsstücke in den Massenmedien erscheinen – grob 250 pro Tag.

Verwendet man diesen Massstab, was die mit dramatischem Bedeutungsverlust kämpfende Journalisten täglich absondern, dann bleibt kaum etwas übrig. Oft ist selbst das unbezahlte Lesen eine Qual, wird dafür noch bezahlt, ist’s reiner Masochismus.

Dabei sind die Auswirkungen von KI noch gar nicht berücksichtigt. Vielleicht hat Ringiers Marc Walder für einmal recht, der prognostizierte, dass neben SRF digital nur drei Medienmarken überleben werden: NZZ, «20 Minuten» und «Blick».

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-30-um-10.21.11.png 478 1279 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-10-15 05:00:502026-10-13 13:57:19Sechs Irrtümer der Medien
René Zeyer

Der unlustige Komiker triumphiert

14. Oktober 2026/15 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Und der welke Kopfblattsalat von Tamedia gibt ihm die Plattform dafür.

Der einzige Mann, der Dick und Doof als Solist spielen kann, hatte mal wieder einen Rülpser publiziert:

«Was ich nicht so verstehe, warum der Kanzler eines 80-Millionen-Landes wegen einer knappen Million Nazis in einem gescheiterten Gliedstaat zurücktreten soll.»

Eigentlich versteht Müller gar nichts. In Sachsen-Anhalt haben insgesamt 1,3 Millionen gewählt. Davon 576’000 die AfD. Aber weder sie, noch die Wähler der SPD, CDU oder der Grünen sind Nazis. Und Sachsen-Anhalt ist kein Gliedstaat, sondern ein Bundesland, das nicht weiss, dass es gescheitert sein soll. An was auch, an Mike Müller etwa?

Auch einen ZACKBUM-Redaktor rempelte er an, aber was soll’s.

Sein primitives Gepolter gegen die meisten Wahlbeteiligten in Sachsen-Anhalt brachte ihm eine Strafanzeige von Peter Müller ein. Er ist der Sohn des Milliardärs Theo Müller («Alles Müller, oder was?») und lebt in der Schweiz. Er hat seinen Namensvetter wegen Verleumdung, übler Nachrede und Beschimpfung angezeigt.

Das war auch keine Glanzleistung, sondern mehr ein Anzeichen dafür, dass hier jemand mehr Geld als Verstand hat.

Nun gibt Sandro Benini vom Tagi dem nicht komischen Komiker Gelegenheit, ein Triumphgeheul anzustimmen. Allerdings kann Benini nicht mal den Rülpser von Müller vollständig zitieren; dass Sachsen-Anhalt «gescheitert» sein soll, lässt er einfach weg.

Dafür berichtet Benini, dass die Zürcher Staatsanwaltschaft keine Untersuchung eröffnet habe, dafür habe sie die «staunenswerte juristische Bezeichnung «Nichtanhandnahmeverfügung»» verwendet. Darüber kann allerdings nur jemand staunen, der offensichtlich von juristischen Kenntnissen völlig unbeleckt ist.

Genau wie der Milliardenerbe Müller, der hätte wissen müssen, dass er sich als Einzelperson, zudem nicht wahlberechtigt in Sachsen-Anhalt, durch diese Unverschämtheit gegenüber den meisten Wählern dort nicht persönlich beleidigt fühlen kann.

Aber auch der andere Müller legt noch einen drauf. «In Sachsen-Anhalt, unter einer faschistischen Regierung, würde Peter Müller mit einer solchen Klage in Zukunft wohl durchkommen», zitiert ihn Benini indirekt. Würde der Wahlgewinner also die Regierung stellen, gäbe es dort eine «faschistische Regierung». Ob Müller auch nur eine blasse Ahnung davon hat, was das ist oder wäre?

Der Staatskomiker darf weiter ungereimtes Zeugs verzapfen: ««Ich finde, das mit dem Versuch, die Nazis zu verstehen, ist jetzt einmal gut», sagt Müller. «Wir haben nun verstanden: Es sind Nazis.»»

Zum Mitschreiben für den Qualitätsjournalisten Benini: Weder die 576’000 AfD-Wähler sind deswegen Nazis, noch die 424’000 weiteren Wähler, die der zahlenschwache Müller mitbeleidigt hat.

Auch wenn der Anzeigeerstatter Müller auf eine Anfrage nicht reagierte: dass Benini den anderen Müller sich nochmals austoben lässt, ist ein Armutszeugnis. Der Journalist fragt zwar: «Sämtliche AfD-Wählerinnen und -Wähler als Nazis zu bezeichnen – ist das nicht massiv übertrieben? Und ein bisschen gar einfach? Vielleicht sogar antidemokratisch?»

Lassen wir beiseite, dass der Rabauke Müller auch Wähler von CDU, SPD, Grünen oder Die Linke als Nazis beschimpft hat. Er darf hier nochmals Unsinn verzapfen: «Darauf antwortet Mike Müller: «Es ist ein Post auf X, natürlich ist der in seiner Kürze polemisch.» Aber wer eine Partei wähle, die den Holocaust verharmlose und Schulbesuche in Gedenkstätten unterbinden wolle – «von diesen Leuten muss ich mir gar nichts vorwerfen lassen».»

Wer von Müller so beschimpft wird, weil er eine von mehreren demokratischen Parteien gewählt hat, der darf ihm allerdings vorwerfen, dass er ein Antidemokrat ist. Und all die erniedrigt und beleidigt, die wirklich unter Nazis gelitten haben, was er in seiner Müllerei völlig übersieht – ebenso wie Benini.

Für Müller ist «Nazi» einfach ein anderes Wort für Arschloch. Das er völlig geschichtsvergessen missbraucht.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/10/Bildschirmfoto-2026-10-13-um-11.57.32.png 299 851 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-10-14 05:00:312026-10-13 16:34:57Der unlustige Komiker triumphiert
René Zeyer

Diesel-Deal als Gipfel der Idiotie

13. Oktober 2026/9 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Ein Elefant im Porzellanladen ist sensibel und harmlos im Vergleich zu Trump.

Am 26. März 2026 verkündete Präsident Trump, er werde Angriffe auf iranische Energieanlagen für zehn Tage aussetzen. Wegen angeblich «sehr gut verlaufenden Gesprächen». Am 1. März hatte er erklärt, dass der Krieg noch vier bis fünf Wochen dauern werde. Am 30. März drohte Trump, sämtliche iranischen Kraftwerke zu vernichten, falls es nicht bald ein Abkommen gebe.

Am 1. April drohte er, den Iran in den nächsten zwei bis drei Wochen «in die Steinzeit zurückzubomben». Am 7. April verkündete er eine zweiwöchige Feuerpause, da fast alle Streitpunkte beigelegt seien. Am 16. April sagte er «wir stehen sehr kurz vor einem Abkommen». Am 22 September sagte er vor der UNO, entweder gebe es einen Deal, oder aber er werde «die iranische Republik vernichten». Am 8. Oktober verkündete er, dass es keine weiteren US-Angriffe vor den Zwischenwahlen am 3. November gebe.

NZZ-Chefredaktor Eric Gujer mag das als «erkleckliches Mass an Rationalität» missdeuten. Von jemandem, der «geradezu berechenbar» wirke. Das lässt Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit von beiden aufkommen.

Am 25. Mai 2025 sagte Trump: «Ich weiss nicht, was zum Teufel mit Putin passiert ist. Er schiesst Raketen auf Städte und tötet Menschen. Das gefällt mir überhaupt nicht. Er ist völlig verrückt geworden.» Dessen Versuch, die Ukraine erobern zu wollen, könne «zum Untergang Russlands führen».

Am 9. Oktober 2026 verkündete Trump, dass er «höchst erfolgreiche Gespräche» mit dem russischen Präsidenten geführt habe. Resultat: sofort würden 300’000 Tonnen Diesel von Russland auf den Weltmarkt geworfen, im November weitere 500’000 Tonnen, insgesamt in weiterer Zukunft 4,8 Millionen Tonnen.

Deswegen würden die Sanktionen teilweise aufgehoben.

Am 14. September 2025 hatte das stabile Genie im Weissen Haus noch verkündet: «Die Sanktionen, die Europa verhängt, sind nicht hart genug.» Gleichzeitig kritisierte er, dass die EU immer noch russisches Öl kaufe.

NZZ-Chefredaktor Gujer mag das als grossartige Strategie missverstehen, die sich hinter zugegeben «bizarren Reden» verstecke. Das vertieft die Zweifel.

Selbst die «Weltwoche», kurz nach dem Geburtstagsschleim-Artikel, wagt leise Kritik: «Der Diesel-Deal klingt nach einem Coup, bei dem der Knalleffekt wichtiger ist als die tatsächliche Wirkung.»

Erschwerend kommt hinzu, dass die USA pro Tag 534’000 Tonnen Diesel verbrauchen. Also würde die erste Lieferung, selbst wenn sie vollständig an die USA ginge, nicht mal einen einzigen Tagesbedarf decken. Dass die «Dieselpreise für die Amerikaner, und ja, sogar weltweit, sinken» würden, «und zwar in Rekordhöhe und rasant», mag Gujer als rationale Prognose sehen, was den Zweifel nochmals, aber lassen wir das.

Natürlich werden sie das nicht, zudem ist es völlig unklar, ob Russland, das einen Exportstopp für Diesel verhängt hat, überhaupt in der Lage ist, diese Menge zur Verfügung zu stellen.

Am 11. Oktober verkündete Trump ebenfalls, es gebe eine Vereinbarung zwischen Russland und der Ukraine, gegenseitige Angriffe auf Energieanlagen einzustellen. Allerdings wissen beide Seiten offenbar nichts davon, die Angriffe gehen weiter.

Nachdem der ukrainische Präsident Selenskyj diesen Deal Trump – Putin scharf kritisiert hatte, regte Trump an, die Ukraine solle sich einen neuen Führer suchen. Gujer mag all das als Ausdruck einer durchdachten und raffinierten Strategie sehen, aber lassen wir das.

Ob Trump mit diesem Deal seine Kompetenzen überschritten und gegen US-Sanktionsgesetze verstossen hat, ist bereits Anlass für erbitterte Debatten in den USA. Besonders angreifbar wäre die Massnahme, wenn Trump eine gesetzlich vorgeschriebene Überprüfung durch den Kongress tatsächlich umgangen hätte. Genau das behaupten inzwischen Senatoren beider Parteien.

Gleichzeitig will die EU weitere Sanktionen gegen über 1600 Russen verhängen.

In den USA kostet eine Gallone (3,785 Liter) Diesel im Schnitt 6,28 Dollar. Damit ist der Preis innert Jahresfrist um 71 Prozent gestiegen. Die USA sind nach wie vor eine Autofahrernation, der Spritpreis hat eine gewaltige Auswirkung auf das Wahlverhalten.

Gerald Ford verlor 1976 nicht zuletzt wegen der damaligen Ölkrise gegen Jimmy Carter. Der wiederum verlor aus dem gleichen Grund gegen Ronald Reagan; 1992 verlor George Bush ebenfalls aus solchen Gründen gegen Clinton. Unter Joe Biden verloren 2022 die Demokraten das Repräsentantenhaus, weil damals eine Gallone über 5 Dollar kostete.

Sonst noch Fragen zu Trump?

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/10/Bildschirmfoto-2026-10-12-um-12.29.25.png 465 1334 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-10-13 05:00:082026-10-12 13:08:23Diesel-Deal als Gipfel der Idiotie
René Zeyer

Ach, Gujer

12. Oktober 2026/9 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Wenn ein Leuchtturm irrlichtert, ist Konsternation angesagt.

Der abtretende Chef und Grossdenker Eric Gujer von der NZZ seziert normalerweise messerscharf  mit seinen Wochenkommentaren. Stilistisch, intellektuell auf einem eigenen Niveau, eingebettet in bildungsbürgerliche Weltläufigkeit.

Nun kann jeder mal einen schwachen Tag haben. Und einen Titel setzen, der Programm ist: «Wie man sich täuschen kann». Allerdings schreibt Gujer dann: «Iran wird gewinnen, Trump muss kapitulieren. Das war die Einheitsmeinung bald nach Ausbruch des Krieges. Der aber dauert immer noch an. Ein Lehrstück, wie blinder Hass auf Trump den nüchternen Blick trübt.»

Wie man sich täuschen kann und mit Schwimmen gegen den Strom à la «Weltwoche» unter Wasser gerät.

Zunächst einmal im Bereich des Faktischen. So behauptet Gujer über den Verkehr in der Strasse von Hormuz: «Diese ist für iranische Schiffe unpassierbar, während Frachter unter amerikanischem Schutz das Öl zu den vor Hormuz ankernden Tankern bringen. Inzwischen erreichen die Exporte das Vorkriegsniveau.» Das liegt höchstens im Streubereich der Wahrheit, ist also falsch.

Die Formulierung «inzwischen erreichen die Exporte das Vorkriegsniveau» als Beschreibung der gegenwärtigen Lage ist irreführend. Sie beschreibt eine zwischenzeitliche Erholung Ende September, nicht zuverlässig die Situation vom 10. Oktober.

Aber auch im Analytischen wird’s für einmal dünn und fragwürdig: «Immer wieder wurde der amerikanischen Regierung vorgehalten, sie habe keine Strategie. Teheran lasse die USA ins Leere laufen. Das war nie so recht überzeugend, denn auch das Pentagon kennt die Militärgeschichte.»

Da bleibt aber die Frage, warum das selbsternannte stabile Genie im Weissen Haus denn nicht von allem Anfang an diese tolle Strategie mit der Gegenblockade gefahren ist. Bevor er Tausende von Menschen, darunter viele Zivilisten, Frauen und Kinder, getötet hat, bevor er praktisch seine gesamten strategischen Reserven an Munition verpulvert hat, bevor ihm die Iraner einen Grossteil seiner Stützpunkte im arabischen Raum zusammengeschossen haben und last not least – bevor der Ölpreis auf deutlich über 100 $ das Fass angestiegen ist.

Und Irrwisch Trump sich sogar von Russlands Präsidenten Putin Diesel liefern lässt, in einem verzweifelten Versuch, damit die Midterm-Wahlen doch noch rumzureissen. Ob da auch Gujers Diktum gilt: «Amerika kann den Krieg, den es angeblich schon verloren hat, zu tragbaren Kosten fortführen.» Bislang kostet das erfolglose Abenteuer rund 47 Milliarden Dollar, die gesamten Kriegskosten schlagen pro US-Haushalt mit bis zu 1200 Dollar zu Buche. Für die meisten Amis kein Klacks.

Dann hebt Gujer in ein Paralleluniversum ab, als hätte er sich die Beschreibungen Russlands und Putins in der «Weltwoche» zum Vorbild genommen:

«Der Präsident straft seine zahllosen Kritiker Lügen. Diese sollten sich endlich zu der Einsicht durchringen, dass Emotionen keine nüchterne Analyse ersetzen. Abscheu und Hass allein genügen nicht, um das Phänomen Trump zu erklären. Trotz Sprunghaftigkeit und bizarren Reden beweist er ein erkleckliches Mass an Rationalität.»

Das beweist Trump höchstens in der ungeheuerlichen Selbstbereicherung seines gesamten Clans, ein nie dagewesener Raubzug am helllichten Tag eines US-Präsidenten.

Dagegen: «Europäische Staatsmänner – vor allem die sozialdemokratischen – betrachten den Persischen Golf aus der Froschperspektive des frustrierten Tankstellenkunden. Strategische und geopolitische Überlegungen scheinen ihnen fremd zu sein. Keiner von ihnen spricht die einfache Wahrheit aus, dass Iran zusammen mit dem Islamismus die grösste Bedrohung der westlichen Sicherheit im Nahen Osten ist.»

Vielleicht könnte man da auch noch das despotische Saudi-Arabien erwähnen, oder Israel.

Nach einer Philippika gegen Brüssel, die sogar im Ventilieren der Möglichkeit einer Ablehnung des neusten Vertragspakets durch die Schweiz gipfelt, schliesst Gujer: «Gegen so viel Aktionismus und Opportunismus wirkt der amerikanische Präsident geradezu berechenbar.»

Trump ist schon vieles vorgeworfen worden. Aber dass er berechenbar sei, darauf muss man erst mal kommen.

ZACKBUM wünscht gute Besserung, denn ohne einen Gujer in Normalform ist die Schweizer Medienlandschaft noch elender.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/10/Bildschirmfoto-2026-10-10-um-08.47.23.png 354 920 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-10-12 05:00:562026-10-10 09:42:17Ach, Gujer
René Zeyer

Schleimspur

11. Oktober 2026/4 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Wolfgang Koydl unterbietet sich selbst. Schwierig, aber möglich.

Die russische Armee hat das Wiegenfest ihres Präsidenten scheint’s zum Anlass genommen, ein paar Wohnhäuser in Kiew mit Drohnen zu beschiessen.

Wolfgang Koydl nimmt den 74. zum Anlass, mit ein paar verbalen Blendgranaten um sich zu werfen. Wer dachte, mit der schmierigen Kolportage über die Lügen eines Gigolos, der eine Nacht mit der damaligen deutschen Aussenministerin Annalena Baerbock verbracht haben wollte, habe er den Tiefpunkt erreicht, sieht sich getäuscht.

Als Nachschreiber seines Vorschreibers Roger Köppel würdigt er mit «Lieber Herr Präsident Putin» jemanden, der angeblich «zur Unperson» erklärt worden sei. Und sich nicht etwa selbst dazu gemacht hat.

Er rutscht gleich mit einer Schleimspur rein: «Sicher sind Ihnen noch viele Jahre voller Gesundheit und Kraft beschieden – was vor allem für Ihr Land eine gute Nachricht ist.» Nein, das ist eine ziemlich schlechte Nachricht.

Koydl lässt es weiter triefen: «Denn Sie sind so ziemlich das Beste, was Russland passieren konnte.» Selbst im Nahvergleich mit Boris Jelzin kann man das nicht guten Gewissens behaupten. Aber Koydl lobhudelt weiter: «Seitdem haben Sie Russland stabilisiert, die Wirtschaft in Gang gebracht und vor allem das Selbstvertrauen Ihrer Nation wiederhergestellt.»

Komisch, es soll Kenner der Sachlage geben, die behaupten, dass Präsident Putin eine ungeheuerliche Korruption im Land zulässt, sich selbst geradezu widerwärtig bereichert, umgeben von einer Kamarilla, die von einem keinerlei demokratischer Kontrolle unterworfenen Despoten angeführt wird. Der sich beratungsresistent und in völliger Verkennung der Sachlage auf einen fatalen Krieg eingelassen hat.

Oder wie Koydl das sieht:

«Dennoch setzten Sie nicht auf Konfrontation. Stattdessen boten Sie immer wieder Kooperation an.  … Lange zeigten Sie Geduld, und selbst als die Drohung für Russland in der Ukraine existenziell wurde, erlegten Sie sich Zurückhaltung auf. Doch es nützte nichts.»

Also ein wahrer Friedensengel, der eigentlich noch vor Donald Trump endlich den Friedensnobelpreis verdient hätte. Vor allem, weil sich seine Zurückhaltung bezüglich Ukraine in einer klitzekleinen militärischen Spezialoperation äusserte. Dass Russland völkerrechtlich verbindlich die territoriale Integrität des Landes gegen die Rückgabe der sowjetischen Atomwaffen zugesichert hatte, was soll’s; will man halt nicht mit ihm kooperieren, dann braucht er Gewalt.

Zum Schluss seiner Lobeshymne, wie sie sich selbst Stalin nicht besser hätte wünschen können, erreicht Koydl den absoluten Nullpunkt: «Seit einem Vierteljahrhundert schon vollbringen Sie das Kunststück, dieses Land durch Höhen und Tiefen zu führen. Wir wünschen Ihnen weiterhin Klugheit und Stärke».

Weiterhin? Stalin begann am Anfang der deutschen Invasion der Sowjetunion als Versager, der sämtliche Warnungen davor als feindliche Propaganda in den Wind schlug. Aber dann gelang es ihm doch, unter ungeheuerlichen Opfern den Hitlerfaschismus zu besiegen.

Der völlige Versager Putin hat bislang schätzungsweise bis zu 500’000 russische Soldaten in seinem völlig missglückten Invasionsversuch verheizt; dazu kommen bis zu einer Million Verwundete und Vermisste. Zurzeit stehen rund 700’000 russische Soldaten an der Front und werden niedergemetzelt; auf der anderen Seite gibt es über eine halbe Million getöteter oder verwundeter Ukrainer.

Von den materiellen Schäden ganz zu schweigen.

Ganz zu schweigen davon, dass Putin Russland durch den Bruch eines internationalen Vertrags zum Paria gemacht hat, auf einer Stufe mit Nordkorea oder Israel. «Russland wurde zum globalen Player», fantasiert Koydl. In Wirklichkeit schrumpfte es zu einer Regionalmacht mit Atomwaffen, die nicht einmal mit einer ehemaligen Sowjetrepublik militärisch fertigwird. Zum Abhängigen von China und Indien, zum Rohstofflieferanten, der ausser Militärtechnologie nicht viel zu bieten hat. Nicht mal eigene Flugzeuge für den zivilen Luftverkehr.

Also Klugheit und Stärke? Putin ist ein skrupelloser Machtmensch, als ehemaliger kleiner Geheimagent misstrauisch gegen alles und jeden, der seine Gegner und Kritiker mundtot macht oder aus dem Weg räumt. Wie jeder Potentat in der ewigen Angst, dass man ihn nach all diesen Fehlanalysen, politischen und militärischen Fehlern selbst abmurkst.

Das ist kein Kunststück, das ist ein Schurkenstück, das die russische Bevölkerung – so wenig wie die ukrainische – nicht verdient hat. Und was Koydl hier abgeliefert hat, ist ein Schmierenstück, bei dem das neutralste Magazin der Schweiz schamrot anlaufen sollte.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/10/Bildschirmfoto-2026-10-08-um-14.29.05.png 352 856 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-10-11 05:00:102026-10-09 16:50:40Schleimspur
René Zeyer

Wie in Spanien Wohnungsnot entsteht

10. Oktober 2026/11 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

ZACKBUM macht die Hausaufgaben für die lausigen Qualitätsmedien in der Schweiz.

Der Fall Maricarmen, schrecklich. Massendemonstrationen, Wohnen als Menschenrecht, profitgierige Vermieter. So das Narrativ.

Dass die Dame alleine  in einer 90 qm-Wohnung an bester Lage in Madrid residierte, dafür nur knapp 500 Franken im Monat zahlte, was die Wohnung seit 1956 kostete, dass der Vermieter 2022 vom Berufungsgericht Recht bekam, dass der zweimal vererbte Mietvertrag schon seit 2007 erloschen ist, dass die marktübliche Miete 2500 Euro betragen würde, was soll’s.

Aber das wäre nur die banale Hausaufgabe, zu der die Schweizer Qualitätsmedien nicht in der Lage sind. Noch viel weniger können oder wollen sie die Frage beantworten, wieso es eigentlich Wohnungsnot in Spanien gibt.

Denn es gibt nach belastbaren Schätzungen 6,35 Millionen leerstehende oder nur sporadisch genutzte Wohnungen in Spanien. Das ist ein Viertel des gesamten Wohnungsbestands. Nehmen wir konservativ einen durchschnittlichen Wohnungspreis von 200’000 Euro an, dann sprechen wir hier von 1,3 Billionen Euro gebundenes Kapital, das sind 1270 Milliarden.

Auf der anderen Seite gibt es alleine in Madrid ein geschätztes Defizit von 120’000 Wohnungen.

Natürlich kann nicht jeder Wohnungssuchende einfach irgendwohin in eine der Millionen leerstehenden Wohnungen umziehen. Auf der anderen Seite reguliert der Kapitalismus normalerweise über Angebot und Nachfrage die Herstellung von Gütern. Wieso klappt das hier nicht, wieso kommt es zu solch gigantischen Fehlallokationen?

Das Beispiel der verstorbenen Langzeitmieterin gibt einen ersten Aufschluss. Welche Mieten wieso verlangt werden können (und welche nicht), unterliegt einem Dickicht von Mietgesetzen, von staatlicher Regulation. Dazu gibt es weitere Gründe:

– Das starke Bevölkerungswachstum in Madrid durch Zuzug
– Geringe Neubautätigkeit
– Langwierige Bewilligungsverfahren
– Steigende Baukosten
– Ferienvermietungen durch AirBnB und Ähnliches
– Kapitalanlage und Spekulation

Der letzte Grund hat damit zu tun, dass Spanien einer der häufigsten Staatsbankrotteure der Geschichte ist. Seit dem 16. Jahrhundert war das Land 13 mal pleite. Und daher ist die Investition in Betongold sozusagen genetisch geprägt.

Mindestens so wichtig ist aber die Gängelung des Marktes durch Überregulierung. Denn offensichtlich führt all das Geschrei nach Mietdecklung, bezahlbaren Wohnraum, Verstaatlichung usw. nicht dazu, dass mehr Wohnraum entsteht.

Genauso verheerend ist die ständige Behauptung von angeblich explodierenden Mietzinsen, auch in der Schweiz. Herangezogen werden jeweils die Zahlen für Neuvermietungen. Die Realität sieht aber anders aus:

Der Mietpreisindex der Schweiz ist in den Jahren 2018 bis 2023 jährlich um minimal 0,6 Prozent und maximal 1,6 Prozent gestiegen. Das bedeutet, er lag teilweise unterhalb der Jahresteuerung. Die betrug 2018 beispielsweise 0,9 Prozent, der Mietpreisindex stieg lediglich um 0,6 Prozent. Im Jahr 2023 lag die Inflationsrate bei 2,1 Prozent (Mietpreisindex plus 1,6).

Auch ein Blick auf die Kennzahlen der grössten Immobilienfonds der Schweiz ist deprimierend – für die Investoren. Die Mieten pro Anteil stiegen gerade mal um die Inflation. Es ist aber noch deprimierender, weil in den letzten Jahren überproportional viel in Isolierungen, Wärmeerzeugung, Alternativenergien und so weiter investiert werden musste. Diese Investitionen können nur teilweise auf die Mieten überwälzt werden.

Es ist keineswegs so, dass ZACKBUM die Patentlösung für das Wohnungsproblem hätte. Weder für Spanien, noch für die Schweiz. Aber als Medienshow müssen wir klar festhalten: was die sogenannten Qualitätsmedien hier als angeblich geldwerte Leistung bieten, ist jämmerlich. Ärmlich. Wieso soll jemand dafür bezahlen?

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/10/Bildschirmfoto-2026-10-09-um-15.37.49.png 429 1292 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-10-10 05:00:532026-10-09 15:51:12Wie in Spanien Wohnungsnot entsteht
René Zeyer

Dummes Mitleidsgequatsche

9. Oktober 2026/15 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Der Fall der zwangsgeräumten Spanierin erregt die Qualitätsmedien.

Zwangsräumung und «Empörung nach dem Tod der 87-jährigen Mariacarmen Abascal». «Generalstreik wegen Wohnungskrise», «Wohnen ist kein Privileg» (WoZ), «Der Tod einer Rentnerin erschüttert ganz Spanien» («Blick»).

«Die Räumung löste tagelange Proteste im Zentrum der spanischen Hauptstadt aus.» (Kopfblattsalat von Tamedia). Ein Fall wie gemacht für Mitgefühl und Geschimpfe über profitgierige Vermieter. 70 Jahre lang wohnte die betagte Mieterin in der gleichen Wohnung in Madrid.

Bis zur Zwangsräumung; als sie auf einer Trage aus dem Haus transportiert wurde, explodierten die Proteste und Regierungschef Pedro Sánchez beeilte sich, nicht nur Mitgefühl zu zeigen, sondern die Gelegenheit gleich beim Schopf zu packen und vorgezogene Neuwahlen anzukündigen. Denn er steht nicht nur wegen der dilettantisch gehandhabten Flüchtlingskrise in der Exklave Ceuta unter Druck.

Hinter all der emotionalen Bewegtheit gehen sämtliche banalen Fakten vergessen und verloren, die höchstens bruchstückhaft und in Nebensätzen gereicht werden.

Die lauten nämlich so. Abascal Martín lebte seit 1956 in dieser Wohnung. In diesem Jahr hatte ihr Vater den ursprünglichen Mietvertrag abgeschlossen. Mit einem sogenannten «contrato de renta antigua». Solche Altverträge waren durch die damalige spanische Mietgesetzgebung besonders geschützt.1960, nach seinem Tod, wurde er von ihrer Mutter übernommen. 2005, nach deren Tod, trat Abascal in den Mietvertrag ein.

2020 klagt der Vermieter auf Beendigung des Mietverhältnisses, 2022 gibt ihm das Berufungsgericht Madrid recht. Es stellt in seinem Urteil Nr. 324/2022 vom 30. Juni 2022 fest, dass der ursprüngliche Mietvertrag bereits 2007 erloschen war. Die anschliessende Fortsetzung des Mietverhältnisses wurde als stillschweigende jährliche Erneuerung gewertet, nicht als unbegrenzte Fortgeltung des alten Vertrags.

Es handelte sich um eine rund 90 Quadratmeter grosse Wohnung im sechsten Stock an der Calle del Alcalde Sainz de Baranda 46, in einer gefragten Wohngegend Madrids, für das die Mieterin, die dort seit dem Tod der Mutter alleine wohnte, 500 Euro im Monat samt Nebenkosten zahlte. Eine marktübliche Miete würde rund 2500 Euro betragen.

Die ursprüngliche Miete war über Jahrzehnte durch den besonderen gesetzlichen Schutz der Altverträge deutlich unter dem Marktniveau geblieben.

Die Vermieterin verlangte zuerst die Markmiete, reduzierte ihre Forderung dann auf 1650 Euro. Aber auch das hätte die Rente von 1400 Euro der Mieterin deutlich überstiegen. Ihr wurden Alternativen, darunter die Unterbringung in einem Altersheim, angeboten, die sie ausschlug.

Am 28. September 2026 wurde schliesslich eine Einigung erzielt, die ihr eine Rückkehr in die bisherige Wohnung nach dem Krankenhausaufenthalt ermöglichen sollte. Dazu kam es nicht mehr: Sie starb am 7. Oktober.

Der amtierende sozialistische Regierungschef Sánchez reitet populistisch auf der Empörungswelle und hat im Parlament Gesetzesänderungen im Mietrecht eingebracht, die aber abgelehnt wurden.

Was er und die Qualitätsmedien in der Schweiz diskret verschweigen: Die Mietrechtsreform, die eine gesetzliche Beschränkung dieses unbeschränkten Mietrechts zur Anfangsmiete einführte, wurde 1994 verabschiedet. Eingebracht wurde sie von Felipe González, sozialistischer Ministerpräsident des Partido Sozialista Obrero Español (PSOE). Die gleiche Partei, der auch Sánchez angehört.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/10/Bildschirmfoto-2026-10-08-um-08.49.53.png 553 1477 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-10-09 05:00:102026-10-08 09:00:57Dummes Mitleidsgequatsche
René Zeyer

Tamedia gaga

8. Oktober 2026/9 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Der Medienkonzern kann Kommunikation – nicht.

Flugwetter im Medienkonzern ohne Medienkompetenz. Dass dem unfähigen Management von Tamedia nichts anderes als Rausschmeissen einfällt, ist das eine.

Dass es von Bullshit Bingo in gröbster Form begleitet wird, ist das andere. Aber noch nicht alles. «In eigener Sache» wird geschwurbelt, dass es den verbliebenen Lesern schlecht wird: «Die Arbeit auf den Redaktionen wird neu gestaltet. Wir modernisieren uns so, dass die Organisation für die künftigen Entwicklungen adäquat aufgestellt ist.»

Die adäquate Aufstellung äussert sich so: «Im Zuge dieser Veränderungen ist ein Abbau von 34 Vollzeitstellen geplant.» Und die Folgen sind diese:

«Auftrag und Anspruch bleiben für uns gleich: Wir wollen auch künftig starken Journalismus für unsere Leserinnen und Leser machen. Unsere Redaktionen sorgen weiterhin für eine relevante, verlässliche und vielfältige Berichterstattung.»

Das bedeutet zunächst, dass es 37 völlig überflüssige Mitarbeiter gab, deren Abgang die «vielfältige Berichterstattung», erst noch «relevant und verlässlich», in keiner Form beeinträchtigt.

Unter dieser Kurzmeldung geht’s mit Absurditäten weiter.

Aber es wäre ja nicht Tamedia, wenn nicht noch zur allgemeinen Belustigung ein Sahnehäubchen draufgelegt würde:

Tamedia verzichte «zum Beispiel bei Berichten über Todesfälle, Straftaten und Unglücke auf die Kommentarmöglichkeit». Bleibt die Frage, ob es sich hier um eine Straftat oder um ein Unglück – oder beides – handelt.

Denn das Geschwurbel geht natürlich weiter: «Der Dialog mit den Leserinnen und Lesern ist der Redaktion ein zentrales Anliegen und Teil einer funktionierenden öffentlichen Debatte.» Es darf gelacht werden, denn viele Leser von ZACKBUM beschweren sich immer wieder darüber, dass ihre Kommentare, obwohl respektvoll und sachlich, abgewiesen werden.

Aber es wäre nicht Tamedia, wenn damit die Story bereits zu Ende erzählt wäre. Denn das grosse Medienhaus ist selbst in der Kommunikation in eigener Sache unfähig.

So war die Kommentarfunktion unter dieser Bankrotterklärung zunächst geöffnet. Ob subversive Sabotage oder schlichtweg Schlamperei, man weiss es nicht. Das brachte dann begeisterte Zuschriften ein, zum Beispiel diese hier:

Da war’s dann schnell vorbei mit dem angeblich zentralen Anliegen des Dialogs mit den Lesern. Schwups, die Kommentarfunktion wurde deaktiviert, die vorhandenen Kommentare wurden gelöscht.

Denn Bullshit Bingo ist das eine, Kritikunfähigkeit und Dialogverweigerung das andere, reale.

Eigentlich wäre diese Unfähigkeit zum Lachen, wenn es für die Betroffenen nicht so traurig wäre.

Allerdings hätten die starken Meinungsträger in der Redaktion durchaus Möglichkeiten, sich kritisch zu Wort zu melden. Doch dazu bräuchte es etwas, was ihnen vollständig abgeht: Zivilcourage.

Dafür neigen sie zu unfreiwilliger Komik. So vermeldet der Allein-zu-Haus-Chef der «SonntagsZeitung» einen seiner fleissig vielen Artikel so:

Der von ihm interviewte CEO kündigt einen neuen Stellenabbau mit dem forschen Satz «Wir sind kein Zombie» an. Das in einem Blatt, das gerade einen erneuten Stellenabbau angekündigt hat. Aber sicher auch kein Zombie sein will. Zudem beachte man die hohe Einschaltquote und die Kommentardichte bei Rutishauser.

Wenn im Glashaus an der Werdstrasse der Letzte (oder die Letzte) das Licht ausmacht, ist wieder einmal ein Medienorgan an der Inkompetenz der Chefetage zu Grund gegangen. Die hat ihre Schäfchen längst ins Trockene gebracht und besteigt mit wohlgefüllten Taschen voller Abfindungen die Rettungsboote. Während die Galeerensklaven im Bauch des absaufenden Schiffes unermüdlich ruderten. Obwohl es um sie immer einsamer wurde.

Bis zum gluck, gluck.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/10/Bildschirmfoto-2026-10-07-um-09.29.23.png 355 1000 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-10-08 05:00:132026-10-07 15:08:26Tamedia gaga
René Zeyer

Finanzkunde für Anfänger

7. Oktober 2026/3 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

16 Milliarden für das Ja der UBS.

Die offizielle Erzählung war bislang einfach: Die Credit Suisse musste gerettet werden, der Staat sprang ein, dadurch wurde ein sogenanntes «Viability Event» ausgelöst – und die FINMA durfte AT1-Anleihen im Umfang von rund 16,5 Milliarden Franken auf null setzen.

Additional Tier 1 Convertible Bonds sollen ein Eigenkapitalpuffer sein und können unter genau definierten Umständen abgeschrieben oder in Aktien gewandelt werden.

Nur: Die Dokumente erzählen eine kompliziertere Geschichte.

Die UBS wollte die Credit Suisse zunächst nur mit einer vollständigen Staatsgarantie übernehmen. Finanzministerin Karin Keller-Sutter lehnte das ab. Schliesslich erhielt die UBS eine begrenzte Verlustgarantie über neun Milliarden Franken.

Und noch etwas: Die AT1-Anleihen verschwanden.

Das war offenbar kein zufälliger Nebeneffekt. Bereits in den revidierten Forderungen der UBS vom 16. März 2023 tauchte die AT1-Abschreibung auf. Am 18. März wurde der FINMA-Verwaltungsrat informiert, dass sie ein notwendiger und nicht verhandelbarer Bestandteil der UBS-Transaktion sei.

Noch deutlicher wurde die parlamentarische Untersuchungskommission: Sie hielt es für glaubwürdig, dass die UBS die Credit Suisse ohne die Vernichtung der AT1-Anleihen nur gegen wesentlich höhere Bundesgarantien übernommen hätte.

Das lässt die Abschreibung in einem anderen Licht erscheinen. Sie rettete nicht einfach die Credit Suisse. Sie half auch dabei, der UBS den Deal schmackhaft zu machen.

Von besonderer Bedeutung ist die bislang wenig beachtete Position der Credit Suisse selbst.

Am 19. März 2023 um 16.24 Uhr, also noch vor der Abschreibungsverfügung, widersprach die CS gegenüber der FINMA ausdrücklich der Auffassung, dass der vertragliche Auslöser für eine Abschreibung eingetreten sei.

Ihre Argumentation war grundsätzlich: Die staatlichen Massnahmen dienten der Behebung eines Liquiditätsproblems, nicht eines Mangels an Eigenkapital. Die Bank sei also nicht wegen unzureichender Kapitalisierung gerettet worden. Genau diese Unterscheidung wurde später auch für das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts entscheidend.

Noch explosiver war die wirtschaftliche Einschätzung der Credit Suisse. Das durch die Abschreibung entstehende zusätzliche Eigenkapital sei in der Bewertung der Übernahme nicht berücksichtigt. Die Vernichtung der AT1-Forderungen bedeute deshalb nach Einschätzung der CS

«ein Geschenk von ca. CHF 16 Mrd. an die Aktionäre der übernehmenden Partei».

Damit stammt der Vorwurf, die UBS habe durch die AT1-Abschreibung wirtschaftlich profitiert, nicht erst von geschädigten Investoren oder deren Anwälten. Die Credit Suisse selbst warnte davor – bevor die Anleihen vernichtet wurden.

Die FINMA liess sich nicht beeindrucken. Um 18.24 Uhr kündigte sie an, die Abschreibung nötigenfalls anzuordnen. Um 20 Uhr trat der neu geschaffene Artikel 5a der Notverordnung in Kraft, der der FINMA eine entsprechende Befugnis gab. Um 22.01 Uhr wurde die Verfügung zugestellt.

Und dann kam das Bundesverwaltungsgericht.

Es entschied 2025, dass weder der vertragliche Auslöser noch eine ausreichende gesetzliche Grundlage für die Abschreibung vorhanden gewesen seien. Auch Artikel 5a genügte nach Auffassung des Gerichts den verfassungsrechtlichen Anforderungen nicht. Das Urteil ist allerdings angefochten und damit noch nicht rechtskräftig.

Die zentrale Frage: Kam zuerst das Recht – oder zuerst das gewünschte Ergebnis?

In einem Rechtsstaat müsste die Reihenfolge eigentlich lauten: Zuerst gibt es eine Rechtsgrundlage, dann tritt der darin definierte Tatbestand ein, daraus folgt die Rechtsfolge.

Bei den AT1-Anleihen lief es möglicherweise umgekehrt: Zuerst stand das gewünschte Ergebnis fest – die UBS übernimmt die Credit Suisse, aber nur zu akzeptablen Risiken. Dafür mussten 16,5 Milliarden Franken irgendwo verschwinden.

Sie verschwanden bei den AT1-Investoren.

AT1-Anleihen sind ausdrücklich dafür konstruiert, unter vertraglich genau definierten Bedingungen Verluste zu absorbieren. Dass ihre Abschreibung eine Übernahme erleichtert oder für den Käufer attraktiver macht, ist dagegen kein vertraglicher Abschreibungsgrund.

Daher liefen am Rettungswochenende zwei verschiedene Ebenen zusammen: Einerseits musste die Schweiz die UBS dazu bringen, die Credit Suisse zu übernehmen. Andererseits brauchte die Vernichtung von 16,5 Milliarden Franken privater Forderungen eine rechtliche Grundlage.

Wurden die AT1-Anleihen abgeschrieben, weil die zuvor festgelegten rechtlichen und vertraglichen Voraussetzungen tatsächlich eingetreten waren? Oder stand das gewünschte Ergebnis – die Übernahme der CS durch die UBS zu akzeptablen Bedingungen – bereits fest, und erst danach wurde nach einer Rechtsgrundlage gesucht, mit der sich die Vernichtung der Anleihen rechtfertigen liess?

Das Bundesverwaltungsgericht sagt bislang: So geht das nicht.

____

Der Artikel basiert auf «Der Preis für das Ja der UBS» des Botschafters und Rechtsanwalts Dario Item auf antigua.news.

Er erschien zuerst auf «Inside Paradeplatz».

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/10/Bildschirmfoto-2026-09-30-um-13.14.44.png 510 1427 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-10-07 05:00:592026-09-30 13:16:05Finanzkunde für Anfänger
René Zeyer

Feuer frei

6. Oktober 2026/5 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Nach dem Rausschmeissen ist vor dem Rausschmeissen.

Die Erbärmlichkeit eines unfähigen, aber wohlbezahlten Managements zeigt sich nicht nur darin, dass es ständig Mitarbeiter rausschmeisst. Und dabei von einem Zyniker wie Simon Bärtschi, die publizistische Leiter nach unten, behaupten lässt, dass das der Qualitätssicherung diene.

Sie zeigt sich auch darin, dass das in jeder Beziehung krankgeschrumpfte Produkt, der welke Kopfblattsalat, mit weniger Inhalt mehr kostet. Ein Geschäftsmodell, das an Stupidität nicht zu überbieten ist.

Sie zeigt sich darin, dass die demotivierte Belegschaft zuerst damit erschreckt wird, dass 90 Nasen gefeuert würden. Und dann waren es im Oktober 2024 lediglich 17.

Im August waren insgesamt der Abbau von 290 Stellen und die Schliessung von zwei Druckereien verkündet worden.
Und nun, wenige Tage nach Ablauf der Zusicherung, dass mal nicht gefeuert würde, fallen 34 Vollzeitstellen, verteilt auf 41 Mitarbeiter, der Unfähigkeit des Tamedia-Managements zum Opfer.

Die Erbärmlichkeit zeigt sich auch im hohlen Wortgeklingel der CEO Jessica Peppel–Schulz. So holperte sie im August 2014:

„Das bereitet schon schlaflose Nächte, wenn man das Ausmass der Situation erkannt hat.“

Nein, das bereitete den bislang überlebenden Tagianern schlaflose Nächte.

Und jetzt wieder das übliche Bullshit Bingo.
„Veränderte Mediennutzung … stark rückläufiger Werbemarkt … globale Plattformen … Aufgaben bündeln … Administration verkleinern … Blabla, Blüblü.“

Wobei, diese Verkleinerung, an den richtigen Stellen, wäre keine schlechte Idee. Wird aber nicht passieren, das wissen Peppel-Schulz, Raphaela Birrer und Bärtschi.

Natürlich ist das „für mich persönlich und für die ganze Geschäftsleitung …“ ein Anlass, die brüllende Unfähigkeit einzugestehen? Aber nein, „… eine schwierige Konsequenz dieser notwendigen Veränderungen aufgrund der neuen Marktrealität“.

Eigentlich können die Gefeuerten wenigstens Trost daraus schöpfen, dass sie solchen Flachsinn nicht mehr über sich ergehen lassen müssen.

Denn an diesem Wortmüll stimmt einfach nichts. Was soll hier schwierig sein? Nach so vielen Rausschmissen geht das locker von der Hand. Wieso soll das eine Konsequenz einer Veränderung sein? Und wieso ist die notwendig? Der Gipfel am Schluss, was soll an der Marktrealität neu sein?

Es ist die gleiche, die Peppel-Schulz samt plapperndem Avatar bei Stellenantritt vorfand. Und auf die sie bis heute keine Antwort gefunden hat.

Ausser rauschmeissen, rausschmeissen, rausschmeissen.

Ein hochbezahlter CEO sollte auf eine Marktrealität, ob alt oder neu, innerhalb von drei Jahren eine Antwort finden, wie er sein Geschäftsmodell so anpasst, dass die Chose rentiert. Angebot, Nachfrage, richtiger Nutzwert, richtiger Preis.

Anfängerwissen, banale Erkenntnis. Aber nicht für die gesammelte Geschäftsleitung von Tamedia. Die besteht aus fünf Nasen, angeführt von Peppel-Schulz.

Mit minus 34 Stellen spart Tamedia rund 5 Millionen im Jahr. Auf der anderen Seite wird es Abo-Abbestellungen geben, weil immer mehr nicht immer mehr für diesen Dünnpfiff-Inhalt bezahlen wollen.

Die GL von Tamedia dürfte zusammen rund 3 Millionen kassieren.

Preisfrage: welche negativen Auswirkungen hätte es, wenn man die einsparen würde?

Legte man noch einigen überflüssigen Overhead in der Redaktion drauf, wäre man auch bei 5 Millionen. Ohne dass weitere Abstriche im Content gemacht werden müssten.

Allerdings: All die aufgeblasenen Wichtigtuer in der Redaktion, niedergebeugt durch die Bedeutungsschwere der eigenen Meinung und immer, überall ungefragt mit Forderungen und Ratschlägen zur Hand – all die schweigen feige, wenn sie abgeholzt werden.

Nach der Devise: nur nicht unangenehm auffallen, dann trifft‘s mich vielleicht nicht, sondern meinen Kollegen.

 

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-19-um-08.47.32.png 396 1105 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-10-06 05:00:442026-10-05 22:40:55Feuer frei
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