Gute Nacht, «bajour»?

Wir machen uns Sorgen. Echt. Irgendwie verwildert «bajour» zunehmend.

Nein, ZACKBUM hat keine Bitte um Stellungnahme an «bajour» oder an Hansi Voigt gerichtet. Wir geben hier immer und jederzeit allen Kritisierten die Gelegenheit dazu. Ausser, wir kriegen nie eine Antwort.

Das ist dann ein blödes Spiel. Aber wenn jemand eine Replik schreiben will: gerne und jederzeit. Eine Erwiderung worauf?

Wir machen uns echt Sorgen, darauf. «Bajour» braucht rund 25’000 «Member», wenn dann mal die jährliche Million, die diese Todgeburt künstlich am Leben hält, nicht mehr sprudelt. Und das dauert gar nicht mehr so lange.

Zum Motivationsangebot gehörte lange Zeit, dass «bajour» die aktuell nachgeführte Liste der «Member» auf der Homepage veröffentlichte. Weg. Man weiss nicht mehr, wie viele Basler sich 40 Franken abknöpfen liessen.

Brandaktuell ist anders. Hintergründig auch.

Es stehen nur noch die Versprechungen auf der Webseite: «Tägliche Hintergrundinformationen». Täglich ist sehr relativ, wenn man die Homepage von «bajour» anschaut. «Exklusive Einladung zu jährlichem Spezial-Event nur für Member». Fand leider noch nie statt.

Nur noch leere Versprechungen …

Aber man kann ja auch «Gönner» werden, dann ist man 160 Franken im Jahr los. Dafür kriegt man all das (auch nicht), dazu noch die «exklusive Zustellung des jährlichen Bajour-Magazins (Printausgabe)», plus «exklusive Einladung zum jährlichen Spezial-Event nur für Gönner». Ist aber beides so exklusiv, dass es auch nicht existiert.

Oder aber, einfach mal spenden. Dafür gibt’s nix, aber das ist ja auch nicht schlimm. Scrollt man auf der Hompage etwas runter, kommt mal schnell in den Bereich gut abgehangener Nachrichten. Herausragend eine aktuelle Gastrokritik – vom 20. April. Aber immerhin 2021.

Wo gab’s im April das beste Cordon bleu?

Zum Beobachtungszeitpunkt gab es anscheinend nur ein einziges aktuelles Thema, das «Basel wirklich beschäftigt», was «bajour» ja zu liefern verspricht. «Tägliche Hintergrundinformationen», aber in Wirklichkeit weder täglich, noch Hintergrund.

Die Messung der Nutzer des Portals wurde leider in KW 17 eingestellt. Die Zahl der «Netto-Leser Basel-Briefing» dümpelt um knapp 4000 herum; jedenfalls bis KW 33. Wir hoffen, dass wir von Zahlen des Jahres 2021 sprechen. Nachprüfen kann die sowieso niemand.

Etwas kompliziert wird es bei der Herausgeberschaft. Da gibt es mal den «Verein Bajour». Fünf Vorstandsmitglieder, darunter Hansi Voigt. Darunter amtet die «Geschäftsleitung» mit vier Mitgliedern, ebenfalls undenkbar ohne Hansi Voigt. Dann hätten wir noch die achtköpfige Redaktion, sechs freie Mitarbeiter, sechs Mitarbeiter von «gärn gschee», darunter die Heimweh-Baslerin Jolanda Spiess-Hegglin. Schliesslich noch drei Fotografen und acht Kolumnisten.

Viele, viele Vorstände, Häuptlinge und Wichtigtuer

«Medienzukunft Basel» nicht zu vergessen, der «gemeinnützige Trägerverein Medienzukunft Basel», der bajour «ermöglicht». In dessen Vorstand drängeln sich nochmal sieben Nasen, aber immerhin: kein Hansi Voigt dabei. Bitter aber, dass im Impressum Bruchpilot David Sieber gar nicht auftaucht, der doch dem Organ unter die Arme greift, nach eigenen Angaben.

Aber gut, das sind alles in allem so 47 Nasen; damit spielt bajour eigentlich in der Liga von der «Republik». Die schafft aber mit ihren 50 Kostenstellenbesetzern immerhin im Schnitt zwei bis drei Artikel am Tag. Fast jeden Tag.

Damit ist geklärt, wohin die jährliche Million einer stinkreichen Pharma-Erbin gurgelt. Was dafür allerdings an Gegenwert hergestellt wird, das erschliesst sich nicht auf den ersten Blick. Auf den zweiten auch nicht.

Wie viele «Member» braucht das Blatt?

Bis zum Jahresende wollte «bajour» immerhin stolze 2100 «Member» haben. Jahresende 2020, wohlgemerkt. Letzte uns ersichtliche News: da fehlten dann noch 248. Wir wünschen und hoffen für «bajour», dass die noch eintrudelten. Ohne uns auf weitere Zahlen abstützen zu können, hoffen wir zudem, dass «bajour» diese Zahl bis heute verdoppeln konnte. Dann wären es also 4200, wir legen noch 800 drauf, damit es runde Zahlen gibt. 5000 Member, mal 40, das sind, Moment, den grossen Taschenrechner gezückt, das sind 200’000 Franken Einnahmen. Fehlen bloss noch 800’000, um die geschenkte jährliche Million zu ersetzen.

Kein Wunder, dass der Elan deutlich nachlässt, angesichts eines unerreichbaren Ziels. Schade nur, dass wieder mal Millionen sinnlos verröstet werden.

Berichterstatterpflicht?

Das Referendum gegen Staatsknete für Medien ist zustande gekommen. Schweigen im Blätterwald.

Das Referendumskomitee gibt bekannt: am 7. September wurde die Grenze der nötigen 50’000 Unterschriften überschritten.

Damit kann die Schweizer Bevölkerung voraussichtlich im Februar 2022 darüber abstimmen, ob es wirklich nötig ist, die reichen Verlegerclans der Schweiz mit über einer Milliarde Steuerfranken zu unterstützen.

Das sieht das Subventionsgesetz vor, das mit grosser Lobbyarbeit durchs Parlament bugsiert wurde. Die anfängliche Überheblichkeit der Befürworter und Profiteure «wer sollte dagegen schon das Referendum ergreifen?» ist verkniffenem Schweigen gewichen.

Normalerweise ist das Zustandekommen eines Referendums zumindest eine Nachricht wert; Berichterstatterpflicht der Qualitätsmedien, die ja genau deswegen die unverzichtbare Vierte Gewalt sind und unbedingt Subventionen brauchen.

Referendum? Was für ein Referendum?

Aber hier macht man gerne eine Ausnahme und sagt keinen Ton. Lediglich die schreibende Sparmassnahme der NZZaS sah schon letztes Wochenende schwarz: «Das war’s dann wohl für das Mediengesetz».  Am 31. August «wurde wohl der Sargdeckel darüber» zugenagelt, orakelte Felix E. Müller.

Damit hat er wohl recht. Denn an diesem Tag wurde der grosse Zusammenschluss der Internet-Plattformen von Tamedia, Ringier und Mobiliar bekannt gegeben, was allen Beteiligten einen Wertzuwachs in Multimillionenhöhe bescherte.

Ob diese neue Plattform für Handel und Austausch wirklich erfolgreich wird und gegen die Big Boys Google, Facebook & Co. bestehen kann, wird sich weisen. Aber es ist tatsächlich wohl nicht mehr vermittelbar, wieso die Familienclans, die auch während Corona hübsch Gewinne machen, mit über einer Milliarde Steuerfranken dabei unterstützt werden sollten, sich neue Yachten, Schlösser und Privatjets zu kaufen.

Zumal damit angeblich die Transition ins Digitale unterstützt werden soll. Die haben die Verlage tatsächlich verschnarcht, aber nun ja nachgeholt. Zudem kann es wohl kaum die Aufgabe des Staates sein, Versagern am Gerät mit Steuerfränkli unter die Arme zu greifen.

Verdienen mit und an Corona auf allen Kanälen

Apropos Corona, da hat «Inside Paradeplatz» gerade einen interessanten Bericht veröffentlicht.  Nette 2,5 Millionen Franken hat das BAG bislang in diesem Jahr in Werbung im Zusammenhang mit Corona gesteckt.

Davon «entfällt rund ein Drittel, nämlich 800’000 Franken, auf TV-Spots; sprich das Geld landet in den Büchern von SRF und deren Vermarkterin Admeira, die Ringier gehört, sowie in der TX Group, welche mit ihrer Tochter Goldbach Medien im Fernsehmarkt vorne mitspielt.

Auf knapp 800’000 Franken vom BAG und damit Platz 2 im Ranking kommt die Kategorie „Print“, dort erneut mit Ringier-Admeira und Goldbach als Haupt-Profiteure, gefolgt von CH Media und NZZ.»

Also Kohle satt aus allen Quellen; die digitale Transformation läuft auch von alleine, Gewinne sprudeln weiterhin, obwohl das publizistische Angebot am Hungertuch nagt, die eigentliche Newsvermittlung, Recherche, Analyse nur noch von Kindersoldaten, Schattenkriegern und demotivierten Journalisten in ihren Verrichtungsboxen in der Hölle des Newsrooms erbracht wird.

Wes Brot ich ess›, des Lied ich publizier›

Sozusagen im voreilenden Gehorsam wird seit Ausbruch der Pandemie im Wesentlichen Staatstragendes publiziert; anfänglich noch gelegentlich kritische Berichte verschwanden immer mehr zugunsten von «Regierende, wir loben euch»-Jubelartikel, von Corona-Kreischen wurden höchstens noch strengere Massnahmen, noch mehr Lockdown, noch mehr Abwürgen von Wirtschaft und Gesellschaft gefordert.

Und jeder, der ein kritisches Wort dazu wagt, wird als Corona-Leugner, unverantwortlicher Mitmensch, also als Idiot abgestempelt.

Aber nun ist es amtlich: die Verlage müssen aus der Komfortzone heraus. Sie müssen sich gegen den Vorwurf wehren, von denjenigen gekauft zu sein, denen sie eigentlich auf die Finger schauen sollten. Zurzeit herrscht noch betroffenes, verkniffenes Schweigen.

Allerdings ist die Hoffnung verschwunden, dass dieser Kelch doch bitte schön einfach vorbeiginge. Wir sind gespannt, welche Mietmäuler zum Einsatz gebracht werden; schliesslich geht es um eine runde Milliarde, dafür lohnt es sich schon, Kohle in die Hand zu nehmen.

Transparenz bei Spiess-Hegglin? Part II

Transparenz, Fairness: immer, nur nicht bei sich selbst. Da gilt: Häme, Hass und Shitstorm. Typisch Hetzcourage.

Rechtsanwältin Rena Zulauf, «Fairmedia» und Jolanda Spiess-Hegglin bekamen Gelegenheit und genügend Zeit, zu Fragenkatalogen Stellung zu nehmen. Insbesondere interessierte die Behauptung von «Fairmedia», Spiess-Hegglin habe bereits 287’100 Franken für «Prozesskosten» ausgegeben. Dazu ihre eigene Angabe, bereits 300’000 Franken dafür ausgegeben zu haben und die Honorargestaltung von RA Zulauf, die die beiden letzten Prozesse krachend verloren hat.

Schliesslich auch die Antwort auf die Frage, was diese neuerliche Bettelaktion mit der Zweckbestimmung von «Fairmedia» zu tun habe, Medienopfern bei einer Beschwerde vor dem Presserat oder der Durchsetzung einer Gegendarstellung zu helfen.

Aber leider waren zwei dieser drei aufrechten Kämpfer für mehr Anstand und Sauberkeit im Internet nicht dazu bereit, diese naheliegenden Fragen zu beantworten.

«Fairmedia» schon. Spendenaufruf und Zweckbestimmung? «Die Berichterstattung rund um Jolanda Spiess-Hegglin war ein jahrelanger Medienskandal, der seinesgleichen sucht. Fairmedia ist überzeugt, dass die Urteile im Fall Spiess-Hegglin helfen, unfaire und persönlichkeitsverletzende Berichterstattung in Zukunft zu vermeiden und die Medienqualität in der Schweiz zu erhöhen. Fairmedia begrüsst es, dass sich Jolanda Spiess-Hegglin in verschiedenen Verfahren juristisch gegen persönlichkeitsverletzende Berichterstattung und Publikationen wehrt. Die Urteile können unter Umständen wegweisende Bedeutung für Medienbetroffene haben.»

Spiess-Hegglin ist bekanntlich bereits zwei Mal vor dem Obergericht auf ganzer Linie gescheitert. Die erste Niederlage wurde mit einem Crowdfunding von #teamjolanda quittiert, bei dem rund 65’000 Franken zusammenkamen. Wieso soll dafür gespendet werden, dass hier nochmal ein höchstwahrscheinlich aussichtsloser Gang ans Bundesgericht angetreten wird?

«Sie ist entgegen Ihrer Aussage beim «Blick»-Urteil nicht «gescheitert». Das Zuger Obergericht gab ihr in den wesentlichen Punkten recht. Bei dem aktuellen Sachverhalt ist das Urteil desselben Gerichts aus Sicht von Fairmedia problematisch.»

Da zeigt «Fairmedia» leider eine bedenkliche Unkenntnis, dazu muss man allerdings das Urteil vom August 2020 bis zur Seite 65 lesen:

«Urteilsspruch

  1. Die Berufung der Klägerin wird abgewiesen.»

Das bedeutet: Das Obergericht gab Klägerin Spiess-Hegglin in keinem einzigen Punkt, wesentlich oder unwesentlich, recht. Aber vielleicht liegt diese klare Aussage oberhalb des Verständnisvermögens von «Fairmedia».

Der Verein bestätigt weiter, dass in der von ihm genannte Zahl von 287’100 Franken «Prozesskosten» auch die Honorare von Zulauf «inbegriffen» seien. Da die Gerichtskosten bekannt sind, noch rund 100’000 Franken aus der ersten Bettelaktion und vonseiten Ringier dazukommen, kann man Zulaufs Honorar für krachende Niederlagen ungefähr ausrechnen: gigantisch. Schlichtweg gigantisch.

Die um jedes Fitzelchen Aufmerksamkeit kämpfende Spiess-Hegglin nahm auf Twitter immerhin Notiz von der Anfrage.

Allerdings mit einer Fehlinformation. Es war kein «Chefredaktor», der ihr diese Fragen gestellt hat. Aber solche Details sind der «Kämpferin für faire Medien» egal. Natürlich hat sie nicht direkt geantwortet.

Megalustiges von einem «Chefredaktor».

Mit diesem Tweet treibt sie allerdings ihre – überschaubare – Fangemeinde auf Twitter zur üblichen Schnappatmung: «So agiert zum Beispiel #haltdiefressebild immer», «derweil durchwühlt er den abfall nach weiterem dreck», «die telefonnummer des verstorbenen onkels und die rente der eltern offenlegen», «Das Wildeste daran ist: wenn man auf solche unverschämten Mails nicht wunschgemäss antwortet, schreiben sie, was sie wollen», «der hat das Hirn in der Eichel, ekelhaft», «ist er zufällig ein Schreiberling, der obwohl er Schwänzweltmeister ist und die Sessionen verschläft, Geld von den Steuerzahlern erhält, damit er einen Sitz im Nationalrat nicht ausübt? Der Trumparschkriecher und passionierte sich Empörer, der nicht Federer ist?» und weitere Japser. Immer vorne dabei Hansi Voigt oder Franziska Schutzbach, sowie viele meist anonyme Gutmenschen, die mit ihren Hasstiraden aus sicherer Deckung den Kampf gegen Häme und Hetze im Internet unterstützen.

Spiess-Hegglin rempelt und keift gerne mit

Spiess-Hegglin, immer zum Einsatz für Fairness bereit, rempelt gerne mit: «zackdoof» sei der Fragesteller, «altersmässig eher Richtung Gnadenhof», Stuhlprobe und Sexleben hätten auch interessiert, «aber ich habe das einfach unten abgeschnitten». Wer sich mal richtig beelenden lassen will und besorgt mitverfolgen, was passiert, wenn unter Luftabschluss Fäulnisblasen entstehen, der sollte sich diese Dialoge anschauen.

Der kleine Fanclub ist mitschuldig

Diesen verantwortungslosen Fans muss man inzwischen eine grosse Mitschuld daran zuweisen, in was sich Spiess-Hegglin rettungslos verrannt hat. Denn genau das Gleiche passierte nochmal auf Facebook; sie stellte die gleiche Einleitung rein, anschliessend ging auch hier das Gebelfer los, gelegentlich angefeuert von der grossen Vorkämpferin gegen Hass und Hetze.

Auch hier geht’s im humanistischen Sinn hassfrei zur Sache: «Wie arrogant und grössenwahnsinnig kann man sein?», «Spinnt der? So was von lächerlich», «Du musst doch wissen wer dieser Herr ist und ihn auch mit Namen öffentlich bloßzustellen sollte doch kein Problem sein, oder?», «hinterhältg und boshaft. er hat doch überhaupt kein recht, diese informationen zu fordern», «Das ist kein Chefredaktor, sondern nur ein widerlicher Schreiberling», «Was ist das für ein Stümper?», «Flachzange!!!», «Einfach traurig, dass man so Chefredakteur werden kann …..», «Einfach nur hinterhältig und fies».

Wem’s noch nicht richtig übel ist, noch ein Absackerchen:

So geht’s bei den Kämpfern gegen Hass, Häme und Hetze im Internet zu 

Unter den Dutzenden von abfälligen bis grob-beleidigenden Kommentaren gibt es einen einzigen, ein kleines Licht der Hoffnung, der genau das Richtige schreibt:

Die Fragen an Spiess-Hegglin sind naheliegend, höflich formuliert und sinnvoll:

Sie schreiben in Ihrem Hilferuf auf Facebook, dass die Verteidigung Ihrer Privatsphäre Sie bereits rund 300’000 Franken gekostet hätte. Das würden Sie und Ihr Mann «privat, mit unserem Ersparten» finanzieren.

Dazu habe ich folgende Fragen:

  1. Wieso erwähnen Sie nicht, dass Sie bereits einmal ein Crowdfunding gemacht haben, das rund 65’000 Franken von #TeamJolanda einbrachte?
  2. Sie geben diese Summen aus, müssen ja auch von etwas leben, als Familie. Wie bestreiten Sie all diese Ausgaben?
  3. Sie sind in verschiedenen Funktionen in verschiedenen Vereinen oder einer GmbH tätig. Können Sie kurz umreissen, welche Saläre Sie dafür beziehen? Die Gesamtsumme reicht, eine Einzelaufstellung wäre super.
  4. Auch angesichts der staatlichen Förderung ist es sicherlich der Transparenz geschuldet, die Bilanzen von #netzcourage, #netzambulance, #netzpigcock sowie der GmbH «Winkelried & Töchter» offenzulegen. Die Erfolgsrechnung genügt, inkl. Ausweis Ihrer Einnahmen.
  5. Sie regen nach dem Erstatten von Anzeigen an, dass man einen Prozess und einen allfälligen Eintrag ins Strafregister durch eine Spende vermeiden könnte. Wo sehen Sie den Unterschied zu einer Nötigung?
  6. Im Rahmen der Transparenz und als Person des öffentlichen Interesses sind Sie sicherlich bereit, die Einkommensquellen Ihres Mannes und von Ihnen selbst offenzulegen; eine kursorische Darstellung ist ausreichend.

Nebenbei: Wenn man das Crowdfunding und die von Ringier bislang an sie bezahlten Beträge zusammenzählt, kommt man auf insgesamt 400’000 Franken, die Spiess-Hegglin in ihrem Kampf, endlich in Ruhe gelassen zu werden, obwohl sie keine Ruhe gibt, verbraten haben will. Beeindruckend.

Damit schliessen wir die Berichterstattung zu diesem Thema ab. Es soll der Haut schaden, häufiger als einmal pro Tag zu duschen, selbst nach Schlammbädern …

Transparenz bei Spiess-Hegglin? Part I

Wir interessieren uns nicht für ihre Intimsphäre. Aber für ihre Finanzen.

Seit Jolanda Spiess-Hegglin als Parlamentarierin zurückgetreten ist, muss sie von etwas leben. Das ist ihre Privatangelegenheit.

Allerdings nur bis zum dem Moment, da ihre diversen Aktivitäten auch mit Steuergeldern finanziert werden. Zunächst einmal schlagen ihre Feldzüge in eigener Sache vor den Gerichten happig zu Buche.

Vor dem Obergericht Zug kassierte sie gerade die zweite schwere Niederlage. Bei der ersten im August 2020 unterlag sie zusammen mit ihrer Anwältin auf ganzer Linie mit ihren Rekursanträgen.

Verpflichtung für Ringier, sich öffentlich zu entschuldigen? Nicht einklagbar, abgeschmettert. Obwohl sie vorher immer behauptete, dass es ihr vor allem darum ginge, reagierte sie nur ironisch, als sich der CEO von Ringier dann im Anschluss völlig freiwillig entschuldigte: Auf Twitter widmete sie Marc Walder einen alten Song der «Toten Hosen». Darin macht sich die deutsche Politband über falsche Entschuldigungen lustig.

Geschmack ist auch Privatsache.

Hingegen wurde die Genugtuungssumme an sie halbiert, ihr wurde ein Teil der Verfahrenskosten auferlegt und schliesslich wurde die sogenannte Parteienentschädigung von 21’190 auf 12’715 runtergestuhlt. Insgesamt reduzierten sich ihre Einnahmen um rund 20’000 Franken, bei gestiegenen Ausgaben.

Weniger Einnahmen, mehr Ausgaben

Niemals würde sich eine Anwältin wie Rena Zulauf mit solchen Peanuts zufrieden geben. Nun kommen nochmal reine Gerichtskosten nach der zweiten Klatsche von fast 50’000 Franken obendrauf, das normalerweise üppige Honorar von Zulauf gar nicht inbegriffen. Da kann man nur raten, weil Zulauf wie eine Auster auf die Frage reagiert, welche Rechnungen sie denn für die beiden verlorenen Prozesse durch die Instanzen stellt.

Aber auch das ist Privatsache von Spiess-Hegglin.

Allerdings hat sie um den Verein #netzcourage ein kleines Imperium errichtet, wo völlige Intransparenz herrscht, was mit welchen Geldern genau geschieht. Da gibt es mal #netzambulance, dann auch noch die GmbH «Winkelried & Töchter». Plus natürlich #netzpigcock. Ob als Geschäftsführerin oder in anderen Funktionen: Spiess-Hegglin ist immer dabei.

All diese Aktivitäten werden schon seit Längerem mit Steuergeldern unterstützt; alleine #netzambulanz mit 192’000 Franken bis Frühling 2023. Schon zuvor wurden andere Projekte mit nicht näher bezifferten Zehntausenden von Franken bedacht.

Das ist nicht mehr Privatsache.

Dass sich Spiess-Hegglin einerseits dem Kampf gegen den Hass im Internet widmen will, andererseits aber selber durchaus kräftig dazu beiträgt, soll hier nicht Thema sein. Es geht nämlich nur ums Geld.

Es ist bekannt, dass Spiess-Hegglin bei Hasskommentaren nicht nur mit Anzeigen droht, sondern auch anzeigt. Ein Müsterchen von 2016:

Eines ihrer Opfer bittet um Verzeihung und darum, die Klage wegen Ehrverletzung gegen ihn fallenzulassen. Da bleibt Spiess-Hegglin unerbittlich: «Ihre Entschuldigung kann ich leider nicht so ernst nehmen», erwidert sie kühl. Allerdings, vielleicht gebe es doch eine Möglichkeit, nicht bis zu 1500 Franken an den Staat abdrücken zu müssen, «den Strafbefehl und den Registereintrag zu umgehen». Nämlich mit einer Spende von 1000 Franken an den Verein «The Voice of Thousands». Dieser Verein wurde übrigens zwischenzeitlich aufgelöst.

Betteln, betteln, betteln

Spiess-Hegglin hat laut eigenen Aussagen schon mehrere Dutzend Anzeigen eingereicht; in eigener und in fremder Sache. Oftmals würden die dann mit einem Vergleich erledigt; gerne auch mit Spende an ihren oder an andere Vereine ihrer Wahl. Das ist nun, gelinde gesagt eine Grauzone, die sie da betritt.

Mit Unterstützung des Vereins «Fairmedia» startet Spiess-Hegglin nun bereits zum zweiten Mal eine Bettelaktion. Sie selbst schreibt auf Facebook:

«Da ich das hier schon lange nicht nur für mich mache, sondern für alle …: Helft ihr uns dabei? Fairmedia hat mir soeben ein leeres Konto zur Verfügung gestellt. Wenn diese juristische Aufarbeitung gegen das Geschäftsmodell mit Persönlichkeitsverletzungen die schwarze Null erreicht, geht der Geldtopf an andere Medienopfer über.»

Dafür wurde eine extra Webseite aufgeschaltet. «Helfe mit, damit Jolanda weiterkämpfen kann», barmt dort «Fairmedia». Diesmal soll es um Bettelgeld gehen, damit Spiess-Hegglin die jüngste gerichtliche Niederlage ans Bundesgericht weiterziehen kann.

Das ist eigentlich so gut wie aussichtslos: «Mit der Beschwerde gegen Entscheide über vorsorgliche Massnahmen kann nur die Verletzung verfassungsmässiger Rechte gerügt werden», sagt Art. 98 des Bundesgerichtsgesetzes. Zudem hat eine solche Beschwerde «in der Regel» keine aufschiebende Wirkung.

Einziger Vorteil für die hassbereite Kämpferin gegen den Hass im Internet: das Urteil des Obergerichts gegen sie erwächst nicht in Rechtskraft, solange der Rekurs am Bundesgericht hängig ist.

Spiess-Hegglin schreibt in ihrem Hilferuf auf Facebook,

«bis heute kostet uns die Verteidigung meiner Privat- und Intimsphäre» insgesamt rund «300’000 Franken».

Das zahle weder eine Versicherung, noch ein «reicher Onkel». «Sondern mein Mann und ich, privat, mit unserem Ersparten.» Sie unterlässt allerdings den Hinweis darauf, dass schon einmal das #teamjolanda mit Hilfe von «Fairmedia» 65’000 Franken zusammengebettelt hatte.

Wie auch immer, angesichts der Tatsache, dass diverse Aktivitäten von Spiess-Hegglin mit Steuergeldern unterstützt werden und alleine schon aus Transparenzgründen wäre es angebracht zu erfahren, mit welchen Einnahmen die Familie Spiess-Hegglin eigentlich ihren Lebensunterhalt plus diese happigen Ausgaben bestreitet. Wieso sich «Fairmedia» so reinhängt. Und welche Honorare Zulauf für ihre ständigen Niederlagen verlangt.

 

Wer geantwortet hat und wie: Fortsetzung in Part II im Anschluss.

Wirtschaft: noch ein Bier, bitte

Volkswirtschaft, Gartenwirtschaft: ist doch Hans was Heidi.

Rechthaberei auf dem schwankenden Boden der zunehmenden Bedeutungslosigkeit: eine ganz üble Mischung.

Gerade hat der Qualitätskonzern, der Marktplatzbetreiber mit noch angeschlossenem Newsbereich, das Kompetenzzentrum für Analysen des Finanzmarkts, also kurz Tamedia, mal wieder der Schweizerischen Nationalbank die Knöpfe reingetan.

Das Thema ist das Steckenpferd von Markus Diem Meier. Immer wieder reitet er auf seinem Holzpferdchen wie einstmals ein berühmter Vorgänger gegen die Windmühlen der SNB, bzw. gegen den Chef Thomas Jordan.

Der kann’s Diem Meier einfach nicht recht machen: «Während andere Notenbanken über die Einführung einer digitalen Währung sinnieren, will man bei der SNB nichts davon wissen. Das ist ein Fehler.»

So sieht ein Fehler aus.

Nimm das, du Pfeife, fäustelt der Tagi-Mann. Aber bezüglich Währungspolitik ist man sich selbst im Wirtschaftsbeobachtungsturm Tagi nicht ganz einig: «Die Schweizerische Nationalbank scheint die jüngste Frankenaufwertung ausbremsen zu wollen. Inwieweit dies gelingen wird und was künftig von der SNB zu erwarten ist.» So verbreitet Andreas Neinhaus seine Erkenntnisse aus der Glaskugel.

Dem muss Diem Meier entschieden widersprechen:

«Nationalbank lässt Aufwertung zu. Unsicherheit an den Finanzmärkten. Nichts galt vor Corona als grössere Bedrohung für die Schweizer Wirtschaft als ein rasches Erstarken des Frankens. Jetzt tritt genau das ein. Doch die Währungshüter bleiben untätig.»

Wie heisst es so schön: zwei Finanzspezialisten, drei Meinungen.

Vermutungen auf allen Fachgebieten

Die Herzoperation von Jordan treibt Diem Meier sogar zu einem Ausflug in ein weiteres Gebiet, auf dem er nicht wirklich sattelfest ist: die Psychosomatik. Denn er diagnostiziert: «Die jüngsten Ereignisse und die Gefahr für die Gesundheit des SNB-Präsidenten lassen zumindest vermuten, dass die Kritik und die Herausforderungen Thomas Jordan weit stärker beschäftigt haben, als er es bisher zugeben wollte, wenn er darauf angesprochen wurde.»

«Lassen vermuten», die Formulierung als Allzweckwaffe für: ich habe keinen blassen Schimmer, aber ich hau’ mal einen raus.

Aber zurück zur Kernkompetenz von Diem Meier, dem wir auf diesem Weg viel Gesundheit und Tatendrang wünschen. Denn neben der ewigen Währungsthematik, der anschwellenden Bilanz und der ins Aberwitzige gestiegenen Geldreserve der SNB gibt es ein weiteres Thema, das dem Tagi-Mann steile Sorgenfalten auf die Stirne treibt. Richtig, die Entwicklung auf dem Immobiliensektor.

SNB-Vize Fritz Zurbrügg nützt die Abwesenheit seines Chefs aus, um sich auch mal fünf Minuten Ruhm und Aufmerksamkeit abzuholen. Daher erwähnte er in einem Vortrag:

«Wir sehen sowohl deutliche Anzeichen einer nicht nachhaltigen Hypothekarkreditvergabe wie auch eine erhöhte Gefahr einer Preiskorrektur

Das riecht allerdings schwer nach eingeschlafenen Füssen und Mundgeruch beim Gähnen, so langweilig ist diese Aussage. Hellwach ist dagegen Diem Meier. Er zerschlägt die schützende Glasscheibe und drückt den roten Alarmknopf. Schliesslich weiss er, wer die Hauptschuld für einen drohenden Immobiliencrash hat:

«Denn der Hauptgrund für die Entwicklung an diesen Märkten ist die Politik der SNB selbst: vor allem die extrem tiefen Zinsen. Sie verbilligen die Hypotheken und befeuern die Nachfrage nach Immobilien.»

Wenigstens einer weiss Rat

Himmels willen, was tun? Während die SNB die Hände in den fruchtbaren Schoss der ewig sprudelnden Geldquelle und der Nullzinsen legt, weiss Diem Meier Rat: «Wichtiger als Worte sind Taten. Es braucht Sand im Getriebe.»

Das ist normalerweise nicht das, was man sich für ein Getriebe wünscht, aber es ist ja auch nur ein schiefes Bild für die rettende Massnahme: «Dazu zählt der antizyklische Kapitalpuffer, der Banken zusätzlich zu den übrigen Sicherheitspolstern auferlegt wurde, um ihnen die Hypothekarvergabe zu verteuern. Im Zuge der Corona-Krise wurde er aufgehoben, um die Banken zu schonen.»

Damit wäre wieder einiges im Lot, hofft Diem Meier, die Steigerung der Immobilienpreise um über 80 Prozent in wenigen Jahren, ebenfalls beim Volumen der Hypothekarkredite, während die gesamte Hypothekarverschuldung in der Schweiz 150 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung betrage. Aber: «Dass er aber nicht bereits wieder eingeführt wurde, ist unverständlich», schüttelt Crash-Kreische Diem Meier verzweifelt das Haupt.

In ein Bettlaken gehüllt macht er das Immobiliencrash-Gespenst und sagt «buhu». Wenn die Tragbarkeit der Schuldendienste nachlässt, wenn die Immobilienpreise sinken, wenn von Schuldnern Nachschuss verlangt wird, wenn die Finanzhäuser auf zunehmenden Ausfallrisiken sitzenbleiben: das könnte ein Massaker werden. Eine Krise, eine Rezession. Plus noch Corona. Ein Weltuntergang.

Selektive Auswahl hilft ungemein beim Thesenjournalismus

«Wenn die Banken ins Wanken geraten», «sind die Sicherheitspolster wirklich ausreichend?» Diem Meier greift tief in den Stehsatz der Leserschreckung. Das funktioniert natürlich nur dann, wenn man, nun ja, etwas selektiv in der Auswahl von Zitaten des SNB-Vizes ist.

Denn, Ausnahmen bestätigen die Regel, Tragbarkeitsprüfungen, Grenzen der Belehnung, SNB-Vize Zurbrügg warnt zwar, beruhigt aber gleichzeitig:

«Dank substanziellen Kapitalpuffern sollten die meisten Banken jedoch in der Lage sein, die damit verbundenen allfälligen Verluste zu absorbieren.»

Aussen traditionell, innen hochmodern: SNB zu Bern.

Och, damit so eine blöde Aussage die ganze Stortyline nicht durchkreuzt, lässt sie Diem Meier einfach weg. Genauso wie eine andere Tatsache. Die SNB sei mit ihrer Niedrigzinspolitik überhaupt an der Immobilienblase schuld, sagt er. Räumt dann aber verschämt ein, dass die SNB als kleine Notenbank gar nicht anders kann als den beiden grossen Verbrechern US-FED und EU-EZB zu folgen.

Blasen blasen, bis sie platzen.

Es gibt einen entscheidenden Unterschied …

Ohne aber, das ist auch entscheidend, deren Verbrechen nachzuahmen. Diese beiden Notenbanken kaufen nämlich im eigenen Währungsraum Schuldpapiere, auch von Staaten, dermassen wild auf, dass die Märkte fast ausgetrocknet sind. Linke Hosentasche, rechte Hosentasche, dieser üble Taschenspielertrick wird früher oder später in einem Riesenschlamassel enden. Nicht bei der SNB.

Zudem: Der CHF ist die einzige Währung der Welt, die schlichtweg zu einer Handelsware geworden ist. Die SNB kann – in Massen – Fränkli wie Weggli herstellen, sie werden ihr aus den Händen gerissen. Absurd, aber real. Doch so kompliziert mag es ein Vereinfacher wie Diem Meier halt nicht.

So viel Licht, so wenig Schatten

Der grosse Schauspieler Jean-Paul Belmondo ist tot. Ach, Bébel.

Er spielte auch, das muss gesagt werden, richtig blöde Blödelrollen. Aber was kann man einem Schauspieler nicht verzeihen, der aus einem so hässlichen Gesicht mit einer vom Boxen verunstalteten Nase so ein Lächeln aufblitzen lassen konnte?

Jean-Paul Belmondo (1933 – 2021)  spielte den jugendliche Filou, den Kleinkriminellen in «À bout de souffle», das stilprägend für die ganze «Nouvelle Vague» war. Er spielte an der Seite von Lino Ventura in «Classe tous risques», einem der dunkelsten Serie-Noir-Filme Frankreichs. Er spielte auch unter der Regie von Jean-Pierre MelvilleDer eiskalte Engel»), dem Grossmeister des existenzialistischen Kriminalfilms. Der war über Bébel begeistert: «Der kann alles.»

«Borsalino», der Ausstattungsfilm über das Gangstermilieu in Marseille an der Seite von Alain Delon, ein Traumpaar des Films war geboren. «Stavisky» über den gleichnamigen Betrüger, «Angst über der Stadt», Belmondo etablierte sich als Charakter- und als Action-Schauspieler auf anspruchsvollem Niveau.

Als man ihn im Kino nicht mehr so wirklich wollte, kehrte er zu seiner ewigen Liebe zurück: dem Theater. Dafür kaufte er sich sogar 1992 das Théatre des Varietés in Paris. «Un homme et son chien» war 2008 sein Abschied vom Kino. 2001 hatte er einen Schlaganfall erlitten, von dem er sich mit grosser Energie und Disziplin erholte und allen nochmals beweisen wollte, welch ein gigantischer Schauspieler er eigentlich war.

Seine Rollen als Kraftprotz, sein sehr französisches Beziehungsleben standen vielleicht im Wege, damit er als das respektiert wurde, was er eigentlich war: neben Lino Ventura und Alain Delon der wohl grösste Schauspieler seiner Generation. Er war kein Naturtalent, sondern erarbeitete sich seine Fähigkeiten:

«Schauspielen muss man lernen», meinte er. «Es ist nicht allzu schwer, aber man muss es lernen.»

Was man nicht lernen kann, ist in diese Klasse von Schauspielergesichtern zu gehören, die eine Grossaufnahme vertragen und dominieren. Wie alle wirklich Grossen hatte es Belmondo nicht nötig, seine Rollen zu überspielen. Zumindest in seinen vielen guten Filmen. In seinen vielen schlechten war er sich aber nicht zu schade, bis zum Slapstick zu sinken.

Aber wie er in «Stavisky» den ganzen Film trägt, aus diesem durchtriebenen Betrüger eine sympathische, fast tragische Gestalt macht, wie er in seinen Kriminalfilmen den abgebrühten Gangster, aber mit Herz gibt, wie er zusammen mit Alain Delon in «Borsalino» einen Kultfilm prägt, wie er bei Melville durch zart angedeutete Gefühle komplettere Rollen abliefert als Delon, der in «Le Samuraï» zwar das wohl kälteste Porträt eines Gangsters spielte, das aber nur regungs- und gefühlslos, das war schon grosse Schauspielkunst von Belmondo.

Daher kam es auch nur zu zwei gemeinsamen Auftritten der beiden Stars; da sich Delon nie in drittklassigen Rollen verausgabt hatte, war sein Ruf zwar grösser, aber Belmondo dominierte in «Borsalino» sicherlich bis zur Eifersucht seines Kollegen den Film.

20 Jahre nach einem Schlaganfall sind eine lange Zeit, in der Belmondo wie in einem langen Fade-out am Schluss eines grossartigen Films aus dem Leben verschwand. Aber dennoch in so vielen guten und erinnerungswerten Rollen erhalten bleibt. Mit einem Lächeln, das einen ganzen, dunklen Kinosaal erhellen konnte. Kann.

Eine gute Nachricht aus dem Osten

Ostschweizer Medien AG baut aus und lanciert neue Produkte.

Macht ZACKBUM selten bis nie, aber da wir dort auch publizieren, machen wir gerne auf die Medienmitteilung voller Good News von «Die Ostschweiz» aufmerksam.

Die erfolgreiche Online-Plattform «Die Ostschweiz» mit aktuell pro Monat über 700’000 Unique Clients und weit über einer Million Seitenzugriffe erweitert ihr Redaktionsteam und setzt verstärkt auf Videoformate und Podcasts. Zudem werden Verlag und Redaktion in eigenständige Tochtergesellschaften ausgelagert. Unter dem Dach der Ostschweizer Medien AG werden neu die Ostschweizer Verlags GmbH und die Ostschweizer Redaktions GmbH gebildet, da mit zunehmender Vernetzung auch Projekte und Mandate für Drittkunden abgewickelt werden. Zudem vereinfacht die neue Struktur die Zusammenarbeit mit Partnern und Kooperationen.
Das erfolgreiche Print-Magazin «Die Ostschweiz» wird weitergeführt und weiterentwickelt, verknüpft mit Events, Trends und Sonderthemen sowie ergänzt mit neuen digitalen Formaten. Auch die neuen Produkte wie Videoformate/Podcasts werden in passender Form integriert beziehungsweise kombiniert.
Mittelfristig plant die Ostschweizer Medien AG weitere Tochtergesellschaften, die sich auf spezielle Dienstleistungen und Marktsegmente konzentrieren. In Planung stehen vorerst eine Ostschweizer Event GmbH und eine Ostschweizer Sport GmbH.
Im August 2021 hat die Onlineausgabe unter www.ostschweiz.ch mit über 788’000 einzelnen Leserinnen und Lesern einen neuen Spitzenwert erreicht. Gleichzeitig ist die Zahl der Abonnenten der gedruckten Ausgabe stark gestiegen, und der Gönnerclub, dessen Mitglieder die Zeitung mit einem Jahresbeitrag finanziell unterstützen, ist ebenfalls markant gewachsen.

Spiess-Hegglin: nächste Klatsche

Nachdem sie schon in anderer Sache vor dem Zuger Obergericht vollständig verlor, nun eine teure Niederlage gegen eine Tamedia-Redaktorin.

Es ist kein Anlass zu Häme, aber eine beruhigende Wiederherstellung der Rechtsordnung im Medienbereich.

In einem skandalösen Fehlurteil hatte ein Zuger Richter zuerst in einer superprovisorischen Verfügung, die dann sogar in eine Massnahme umgewandelt wurde, präventiv ein geplantes Buchprojekt über die leidlich bekannte Zuger Affäre verboten.

Genauer hatte er die Behandlung ganzer Themengebiete wie beispielsweise Alkoholkonsum untersagt, die aber für eine Aufarbeitung eines Sexualkontakts während einer Politikerfeier in Zug nötig wären. Während solche Superprovisorische gegenüber geplanten Artikeln immer wieder verhängt werden, betrat er damit Neuland, was ein noch nicht geschriebenes Buch betrifft.

Glücklicherweise hat nun das Zuger Obergericht korrigierend eingegriffen und mit klaren Worten diese Fehlmassnahme aufgehoben. Allerdings brauchte es fast genau ein Jahr, um zu diesem naheliegenden Entscheid zu kommen.

Kein Anlass, eine neuerliche Persönlichkeitsverletzung zu befürchten

Zwar sei die Veröffentlichung des «Blick» zum Thema Landammannfeier persönlichkeitsverletzend gewesen – der einzige Erfolg vom juristischen Feldzug Spiess-Hegglins bislang – aber:

«In den seither vergangenen sieben Jahren haben vielmehr andere Faktoren – etwa diverse öffentliche Gerichtsverfahren und die Medienarbeit von Jolanda Spiess-Hegglin selbst – diese Ereignisse allgemein bekannt gemacht und vor allem bekannt gehalten.»

Damit legt das Gericht den Finger auf den grössten Schwachpunkt der Position von Jolanda Spiess-Hegglin, die sich ständig über das Eindringen in ihre Privatsphäre beklagt, das aber damit selbst unermüdlich in der Öffentlichkeit hält und mit äussert fragwürdigen Aktionen wie der Denunziationsplattform «netzpigcock» auf sich aufmerksam macht.

In seiner 33-seitigen sorgfältigen Urteilsbegründung zerfetzt das Zuger Obergericht unter anderem einen zentralen Punkt der Behauptungen der Anwältin von Spiess-Hegglin:

«Diese verweist in der Berufungsantwort auf anonyme Quellen und behauptet neuerdings, sie wisse, dass das Manuskript der Gesuchsgegnerin bereits vorliege, es viele «intime und private Schilderungen» enthalte und die Gesuchsgegnerin an zahlreichen Stellen «spekuliere». Mit dieser Behauptung ist sie nicht zu hören. Im Rahmen der Beweis- bzw. Glaubhaftmachungslast trägt die Gesuchstellerin auch die Behauptungslast und hat demzufolge die Anspruchsvoraussetzungen zu substanziieren.»

Auf Deutsch: Diese Hilfsbehauptung müsste belegt und damit allenfalls auch bestreitbar vorgetragen werden; einfaches Behaupten ist lachhaft.

Das wird langsam ziemlich teuer …

Spannendes Juristenfutter wird nun, ob ein allfälliger Weiterzug ans Bundesgericht aufschiebende Wirkung haben könnte, also das Publikationsverbot weiterhin aufrecht erhalten bliebe.

Besonders schmerzlich muss für Spiess-Hegglin sein, dass das Gericht ihr Kosten von insgesamt 48’000 Franken auferlegte. Dazu kommen noch die sicherlich happigen Honorarnoten ihrer Anwältin, die zwar von Niederlage zu Niederlage prozessiert, aber dafür natürlich auch Rechnung stellt.

Unverdrossen hat sie bereits angekündigt, dieses Urteil ans Bundesgericht weiterzuziehen, obwohl die Aussichten, hier einen formalen Fehler erfolgreich zu bemängeln, minim sind. Der einzige Vorteil dieser weiteren Geldverschwendung: das Urteil des Zuger Obergerichts ist damit noch nicht rechtskräftig.

Merkwürdige Preisverleihung

Dass Spiess-Hegglin nebenbei soeben einen Preis für ihre Denunziationmaschine mit dem putzigen Namen «netzpigcock» verliehen bekam, ist eine weitere Peinlichkeit.

Anlass zur Häme ist, dass sich auch im Licht dieses Urteils die Veranstalter des #fembizswissawards mit der Verleihung an Spiess-Hegglin für ihr «NetzPigCock-Tool» in der Kategorie «Innovation» ziemlich lächerlich gemacht haben. Neben der Initiatorin Tijen Onaran ist wie meist, wenn ein Fettnäpfchen herumsteht, auch Patrizia Laeri dabei. Die Mitglieder der Jury sollten sich vielleicht ihr Engagement nochmals überlegen, ebenfalls die namhaften Partner, die auf das Buzzword Frauen und Business hereingefallen sind.

Wenn frau krampfhaft auf lustig machen will …

Spiess-Hegglin selbst bleibt überraschungsfrei unbelehrbar: «Das Gericht kommt zum Schluss, dass meine Intimsphäre nun zum Allgemeingut gehört, gerade weil ich mich gegen die krasse Verletzung dieser Intimsphäre juristisch und öffentlich gewehrt habe.»

Das ist verständlich, wenn man diese Obsession zum Lebensinhalt und zur Geschäftsgrundlage auf #netzcourage gemacht hat. Aber was meint denn nun der ehrenamtliche Lautsprecher von Spiess-Hegglin, der Heuchler Pascal Hollenstein, der auch schon mal eine Sperrfrist bricht, um der Erste zu sein, der einen angeblichen Triumph von Spiess-Hegglin vermeldet, der in Wirklichkeit eine krachende Niederlage war?

Natürlich versucht er – als leuchtendes Vorbild journalistischer Objektivität – dieses Urteil runterzumachen: «Das Zuger Obergericht hebt vorsorgliche Massnahmen zum Schutz der Persönlichkeitsrechte von Spiess-Hegglin auf.»

Diese Version wird dann aber schnell so verändert: «Gericht hebt vorsorgliche Massnahmen auf und gibt Tamedia-Journalistin Michèle Binswanger recht.»

Offenbar ist es der journalistischen Leiter nach unten selbst aufgefallen, dass es bei der nun aufgehobenen erstinstanzlichen Massnahme keinesfalls um einen Schutz der Persönlichkeitsrechte ging – sondern um eine unerhörte präventive Zensurmassnahme ohne Beispiel.

Woher soll das Geld für all die Rechnungen kommen?

Auch Hollensteins Aufzählung der wenigen Erfolge von Spiess-Hegglin gegen den «Blick» und die «Weltwoche» ändert ja nichts daran, dass Spiess-Hegglin seither eine Klatsche nach der anderen einstecken muss. Ihre letzte finanzielle Hoffnung ist nun noch die Klage auf Gewinnherausgabe gegen den Ringier-Verlag. Da gibt es aber nur die absurde Hochrechnung des Geldverrösters Hansi Voigt, der mal kurz Umsatz und Gewinn gleichsetzt und behauptet, Ringier habe mit seinen Artikeln über den Vorfall rund eine Million Franken Umsatz – oder Gewinn – gemacht.

Ernstzunehmende Internet-Kenner gehen eher davon aus, dass es sich insgesamt um allerhöchstens 10’000 Franken handeln könnte. Selbst wenn Spiess-Hegglin eine solche Summe erstreitet: das würde nicht mal einen Bruchteil ihrer Anwaltskosten decken …

45 Nieten

Wenn CH Media 50 Intellektuelle sucht, als wären es Ostereier.

Listicals, Rankings, die 50 dümmsten Ausreden, die 30 schönsten Ferienfotos, die 20 hässlichsten Hunde – im Elendsjournalismus ist eine Reihenfolge von irgendwas immer ein Spaltenfüller.

Nun hat sich CH Media an ein ganz grosses Thema gewagt: die 50 wichtigsten Intellektuellen der Schweiz. Suchten sie nach Geistegrössen im Sinne von Karl Mannheim oder mehr in Richtung von Antonio Gramsci? Hä? Ach, lassen wir das, wahrscheinlich zu intellektuell.

Intellektuell ist ja auch nur so ein Adjektiv. Hä? Eine Zuschreibung. Aber ein Ranking braucht natürlich eine Methode. Bitte sehr:

«Mit einer grossen Datenanalyse haben wir die wichtigsten Denkerinnen und Denker des Landes gesucht. Schriftstellerinnen und Künstler, die sich in die politische Debatte einmischen.»

Hä?

CH Media: Brille kaputt?

Leider ging dieser grossen Analyse keine kleine Definition der Begrifflichkeiten voraus. Sind nun Intellektuelle gesucht, Denker oder Meinungsführer in der öffentlichen Debatte? Ach, das ist irgendwie auch zu verkopft, sagen wir mal so: CH Media habe den «Intellektuelle-Index entwickelt. Er fusst auf einer wissenschaftlichen Datenanalyse im Web und einem Jury-Urteil der Kulturredaktion».

Worauf wiederum die «wissenschaftliche Datenanalyse» fusst – oder gar das «Urteil der Kulturredaktion», auch da sollte man nicht zu tief grübeln. Wir sind nun natürlich alle gespannt, wer denn die drei wichtigsten Intellektuellen der Schweiz sind, wer die ersten drei Plätze belegt.

Trommelwirbel, wer ist auf den Podestplätzen?

Der Enthüllung möchten wir noch einen kleinen, wissenschaftlichen, intellektuellen Intelligenztest vorausschicken: Welches Geschlecht hat der wichtigste Intellektuelle der Schweiz? Na? Kann doch nicht so schwer sein. Nein, non-binär oder divers könnte es sein, ist es aber nicht.

Wir verabschieden uns hier von allen Lesern, die nicht «weiblich» gesagt haben; sorry, zu tiefes intellektuelles Niveau zum Weiterlesen.

Für die wenigen anderen: Trommelwirbel, die wichtigste Intellektuelle der Schweiz ist – Sibylle Berg. Nun sagen Sie ja nicht: Sibylle wer? DIE Kolumnistin auf «Spiegel online». Ausserdem: «Auf Wikipedia wird ihr Eintrag am häufigsten aufgerufen und ist am besten mit anderen relevanten Einträgen verlinkt. Ausserdem gehört sie zu den meistgesuchten Intellektuellen auf Google und den meistzitierten in den traditionellen Medien.»

Geben Sie zu: wären Sie nie drauf gekommen. ZACKBUM auch nicht. Wir sind einfach zu blöd für so Sachen. Geistiges Hochreck, ganz dünne Luft, grosse Köpfe, tiefes Grübeln, nix für Normalos. Zudem wurde Sibylle Berg hier noch nie zitiert, wahrscheinlich deshalb sind wir kein «traditionelles Medium».

Nur für Hirnis am Hochreck geeignet.

Aber wir wollen noch die nächsten zwei Plätze verraten. Da kommen nun, keine Überraschung, zwei Männer. Auf Platz vier, Ladies first, steht dann schon Hazel Brugger, die man ja nicht mehr als Comedian missverstehen sollte. Auf Platz sechs Regula Stämpfli, eigentlich «Blick»-Kolumnistin und sich nie für ein Holzhammer-Argument zu schade. Aber nun eine ganz wichtige Meinungsmacherin.

Platz zwei: Milo Rau. Jetzt sagen Sie vielleicht schon zum zweiten Mal: Milo wer? Also bitte: «Dass er sich neben seinem Aktivismus auch als Kolumnist für Zeitungen und Literaturkritiker im Schweizer Fernsehen zu Wort meldet, macht ihn zu einem der sichtbarsten Intellektuellen der mittleren Generation.»

Zum sichtbarsten unsichtbaren Intellektuellen, wollen wir hinzufügen. Und bitten um Einsendungen, wann um Himmels willen Rau mal etwas Intelleles gesagt hat.

Auf Platz drei hätte jeder kommen können

Platz drei, da hätte man nun wirklich drauf kommen können, ist der Sprachwürger, Geröllspucker, Dumm-Provokateur und Büchnerpreisträger Lukas Bärfuss. Gut, eigentlich sollte jeder Intellektuelle, der Wert auf seinen Ruf legt, die sofortige Streichung aus dieser Muppetshow verlangen. Noch ein paar Müsterchen: Mario Botta. Ein Intellektueller, doch kein Architekt? Sophie Hunger. Singt intellektuelles Zeugs? Und nichts gegen Blödelbarden, aber Peach Weber, echt jetzt? Zora del Buono, Manuel Stahlberger; who the f… ist denn das?

ZACKBUM empfiehlt der Kulturredaktion von CH Media dringend, sich bei «watson» ein Beispiel zu nehmen, wie man harmlose Listicals bastelt. «Nach diesen 11 besten Filmreden wird es dir besser gehen», «Kennst du die 50 wertvollsten Firmen der Welt?», «Nachhaltig leben mit Kindern, geht das? 6 Punkte im Check». Oder, unser Geheimfavorit:

«Mit diesen Hausmitteln ist dein WC schwupdiwup sauber.»

Das ist Nutzwert, das ist Unterhaltung, das hat Niveau, da spielen die Journalisten in ihrer Liga, wagen sich nicht in die Todeszone ganz oben – mit dünner Luft und ohne Sauerstoffflasche.

Bis da nicht Remedur geschaffen wird, die «Kulturredaktion» sich öffentlich entschuldigt, führt sie unsere Liste der peinlichsten Denker und Denkerinnen des Landes an. Falls es auch noch Transgender, divers oder non-Binäre darunter haben sollte, fühlen die sich bitte inkludiert. Zudem gratulieren wir: so zeigt man, dass man die totale Resilienz gegen jeden ernsthaften Gedankengang erreicht hat.

Damit verabschieden wir uns bis auf Weiteres von dieser «Kulturredaktion», sie hat den Bereich des Ernstzunehmenden, Seriösen, Relevanten, Intellektuellen verlassen – mit unbekanntem Ziel.

TX geixt? Neuer Name?

Der Coninx-Clan liebt Umbenennungen. War’s nun eine zu viel? Sozusagen ein neues Triple X?

Journalistische Kompetenz ist das eine. Dafür sollte ja angeblich Tamedia zuständig sein. Nun ist alles, was mit der Herstellung und Verpackung und Bauchnabel-Darbietung zu tun hat, in ein separates Profitcenter gestopft worden, das heisst Tamedia. Hiess auch schon mal kurz und knackig T, wobei das T auch für alles stand.

War auch mal so eine Idee. Links Kopie, rechts Original.

Aber, man geht ja mit der Zeit, also man rennt ihr hinterher, und seitdem es Internet und digital gibt, ist der Buchstabe x sehr beliebt für Firmennamen. Damit will man so einen Geruch nach Techno, vorne dabei, Matrix, Internet, Blabla verströmen.

Also montierte man nach Tamedia und T das Schildchen schon wieder vom Glaspalast an der Werdstrasse und schraubte stolz ein TX dran.

Name wechsle dich, Drehtüre bleibe doch.

Seit Dezember 2019 heisst der grösste Medienkonzern der Schweiz TX Group. Das war vielleicht die längste Zeit so.

Juristisch nicht ganz sattelfest, das Medienhaus

Denn bei Tamedia, Pardon, T, Äxgüsi, TX, also im Hause Supino-Coninx, sind nicht nur die Journalisten nicht über jeden Zweifel erhaben, was ihre Kompetenz betrifft. Wir erinnern nur an Claudia Blumer.

Auch juristisch könnte das Haus vielleicht eine Auffrischung vertragen. Denn mit dem Namen TX gibt es ein kleines Problem. Der wurde am 18. Dezember 2019 zur Registrierung beim Handelsregisteramt eingereicht. Nur: nicht vom Coninx-Clan. Denn zwischen der Ankündigung der neuerlichen Umbenennung und dem Antrag auf Eintrag ins Handelsregister seitens Coninxclan verging mehr als ein Monat.

Ätsch, sagte da ein Rapperswiler Anwalt, ich bin schneller. Weil beide Anträge in die Weihnachtszeit fielen und zeitlich sehr eng beieinander lagen, passierte nun ein bürokratischer Lapsus. Beide wurden genehmigt. So berichtet der SoBli nicht ohne Häme, dass am 23. Dezember im «Schweizerischen Handelsblatt» die TX Group aus Rapperswil publiziert wurde, und am 27. die TX Group aus Zürich.

Das darf aber eigentlich nicht sein, und es gilt das einfache Prinzip: der Schnellere ist der Geschwindere. Zuerst angemeldet, zuerst eingetragen, normalerweise keine Diskussion: dem gehört’s.

Sagen auch einschlägig bewanderte Markenrechtler. TX, also die Zürcher TX, sagt hingegen, in dieser Angelegenheit habe «das Eidgenössische Handelsregisteramt zu unseren Gunsten entschieden». Damit bezieht sich Big T (sagen wir nun der Einfachheit halber) auf den Fakt, dass die Doppeleintragung existiert. Aber eben irrtümlich.

Auch Tamedia hat etwas mit dem Schlamassel zu tun

Die Story wird noch lustiger. Es kommt auch noch ein gewisser Serge Aerne ins Spiel. Unternehmer und Gründer einer Pensionskasse. Der SoBli fasst zusammen: «Anfang November 2019 publizierte die «Sonntagszeitung» einen Artikel, in dem Aerne vorgeworfen wurde, der Pensionskasse mit fragwürdigen Immobiliengeschäften geschadet zu haben. Aerne reichte darauf Klage gegen das Medienhaus ein. Die Sache ist bis heute nicht abgeschlossen.»

Das Sahnehäubchen: Nicht mehr der Rapperswiler Anwalt, sondern Aerne ist nun der Besitzer der drei Tage älteren TX Group. Und der sagt eiskalt, dass es ihm nicht um Geld gehe, sondern dass er einfach möchte, dass die Zürcher TX Group ihren Namen ändere. Deshalb liegt der Fall nun vor dem Bundesverwaltungsgericht.

 

Vielleicht sollte Vin Diesel eingreifen?

Das nach Meinung diverser Anwälte eigentlich nur ein Urteil fällen kann. Was dann bedeuten würde, dass an der Werdstrasse schon wieder ein neues Türschild fällig wird. Wir haben auch gleich einen Vorschlag: XXX. Oder Triple X. Steht für vieles und für nichts. Allerdings: auch diese beiden Bezeichnungen sind schon eingetragene Marken. In Glarus gibt es zum Beispiel eine GmbH, die eine Bar unter dem Namen XXX betreibt.

Die doppelte TX Group im Handelsregister.

Kostenloser Tipp für die Big T-Juristen, damit die nicht das nächste Mal reinfallen. Triple X ist auch schon weg. Aber hallo, X wäre noch frei. Blöd nur: das kann man nicht als Marke registrieren lassen. Ist halt nur ein Buchstabe.

Letzter Versuch: Ich könnte zum Beispiel CHplus anbieten. Hört sich gut an, ist eine im HR eingetragene GmbH, gehört mir – und könnte unter Umständen, wenn der Preis stimmt, käuflich erworben werden. Ist doch sicherer als die nächste Klatsche einfangen, liebe TX-Gruppenmitglieder. Also die in Zürich meine ich.