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René Zeyer

Elends-Journalismus übers Elend

17. September 2026/9 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Wer erinnert sich noch an Christiane F.?

Es war die Knaller-Story des «Stern» aus dem Jahr 1978. Eine mehrteilige Serie über das Leben der heroinabhängigen Jungprostituierten Christiane Felscherinow, abgekürzt zu Christiane F. Angekündigt als «Wir Kinder vom Bahnhof Zoo».

In zwölf Folgen wurden die Schicksale von halben oder ganzen Kindern erzählt, die um den Berliner Bahnhof Zoo herum ihre Drogensucht mit Prostitution finanzierten, unter ihnen Christiane F., damals 15 Jahre alt.

Die Serie schlug ein wie eine Bombe, ihr Inhalt war erschütternd. Daraus entstand das Buch «Wir Kinder vom Bahnhof Zoo» und schliesslich die Verfilmung durch Uli Edel im Jahr 1981. Durch ihn wurde Christiane F. noch berühmter; ein Musiker wie David Bowie spielte sich darin selbst.

Vor diesem Hintergrund macht die SZ-Journalistin Renate Meinhof eine Story über die heutigen Zustände am Bahnhof Zoo. Viel geändert hat sich offenbar nicht. Obwohl der Bahnhof damals aufgrund eines Viermächteabkommens der Alliierten zwar in West-Berlin stand, aber unter Kontrolle der DDR war.

Meinhof startet mit dem üblichen szenischen Einstieg, um dann schnell auf die Geschichte von Christiane F. umzuschwenken und dem Regisseur Edel grossen Platz zu geben, sich über die damaligen Dreharbeiten, den Riesenerfolg mitsamt Tournee durch die USA und Felscherinow zu verbreitern:

«Ein Star war sie. «Sie hatte etwas Charismatisches», sagt der Regisseur. «Sie hat ’nen ganz klaren Verstand gehabt, aber nicht, wenn es um Drogen ging. Sie war eine tolle Erscheinung.»»

Diese Erscheinung benützte auch der «Stern» und klatschte sie stark geschminkt aufs Cover vom 28. September 1978. 1985 legte er mit «Die neuen Leiden der Christiane F.» nach.

Genauso geschminkt wie die Protagonistin war allerdings auch die Story. Sie wurde konsequent in der Ich-Perspektive erzählt; es wurde so getan, als sei das eine von ihr selbst geschriebene Autobiografie. In Wirklichkeit beruhte die Story auf mit Tonband mitgeschnittenen Gesprächen, die die «Stern»-Reporter Kai Hermann und Horst Rieck über zwei Monate hinweg mit ihr geführt hatten.

Das ist keine Fälschung wie später die Hitler-Tagebücher, aber erzeugt die Illusion einer Authentizität, die gefälscht ist. Dabei wurde das intimste Leben der Protagonistin – Sex, Prostitution, Gewalt, Heroin, Entzug – zum öffentlichen Eigentum.

Christiane F. bekam der Ruhm nicht gut. 2013 schrieb sie das Buch «Christine F. – Mein zweites Leben». Auch hier führte eine Journalistin, Sonja Vukovic, auf der Grundlage ausführlicher Gespräche die Feder. Das Buch beschreibt, dass Christiane F. weder ihre Drogensucht, noch ihr Leben in den Griff bekam.

Selbst die Geburt ihres Sohnes im Jahr 1996 kann sie nicht retten. Nach elf Jahren des Zusammenlebens greift das Jugendamt ein und entzieht ihr das Sorgerecht, Auslöser eines neuerlichen schweren Rückfalls. Sie beschwert sich bitterlich darüber, dass der «Mythos Christiane F.», ihre Stigmatisierung als «Promi-Junkie», der ewig von der Frage begleitet wird, ob sie wieder auf Drogen sei oder nicht, es ihr erschwert habe, ein anderes Leben zu führen.

Ds Buch endet mit der Beschreibung einer gesundheitlich schwer angeschlagenen 50-Jährigen. Heute ist sie 64 und hat sich völlig aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Sie stand auch für ein Gespräch mit Meinhof nicht zur Verfügung.

All das kommt in der Reportage der «Süddeutschen Zeitung» unter dem üblichen Datumsfetischismus – 45 Jahre danach – nicht vor. Noch 2021 kritisierte die SZ sehr deutlich die «fragwürdige Ikonisierung einer jungen Frau» als «medialen Missbrauch».

Aber die Erinnerung an diese Problematik, komplexere historische Zusammenhänge, damit hat der heutige Elends-Journalismus nichts mehr am Hut. Ortstermin, szenische Beschreibung der weiterhin vorhandenen Drogen- und Elends-Szene, Gespräch mit einem Helfer, Nacherzählung der damaligen Erfolgsstory, Besuch beim Regisseur Edel, der sich offensichtlich darüber freut, dass sich noch jemand an seinen inzwischen uralten Film erinnert – und tschüss.

Wenn die SoZ schon rund 18’500 A aus der «Süddeutschen Zeitung» per copy/paste übernimmt, hätte eine kleine Zusatzrecherche vielleicht den Leser davon überzeugt, dass er für Kopiertes Geld ausgeben sollte.

Aber dieser Journalismus berichtet nicht nur über Elend, er ist selbst das Elend.

 

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-13-um-16.38.46.png 359 863 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-09-17 05:00:422026-09-14 09:22:14Elends-Journalismus übers Elend
René Zeyer

Der «Spiegel» spinnt, neue Lieferung

16. September 2026/3 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Ein Magazin schreibt sich ins Elend.

Schon im August 2024 musste ZACKBUM das erste Mal konstatieren, dass das ehemalige Nachrichten- und inzwischen Meinungsmagazin spinnt.

Das konnte man unter anderem an zwei Titeln festmachen:

Die Welt ist dann doch nicht zu ihrem Ende gekommen, der Faschismus hat (noch) nicht gesiegt, aber der «Spiegel» kennt sie und sich selbst tatsächlich nicht mehr.

In dieser üblen Tradition legte er nach:

 

Vor den Wahlen in Sachsen-Anhalt ernannte er den Spitzenkandidaten der AfD zum «gefährlichsten Mann Deutschlands». Zuletzt war Hermann Göring so tituliert worden, aber das wusste die geschichtsvergessene Redaktion wohl nicht.

Wo ist der Nachweis für den Superlativ, fragte ZACKBUM?

Offenbar hat ihn selbst Chefredakteur Dirk Kurbjuweit nicht gefunden. In seiner Verteidigung des Covers baute er nämlich nachträglich eine bemerkenswerte kleine Klausel ein: Ulrich Siegmund sei «aus Sicht liberaler Demokraten» aktuell der gefährlichste Mann Deutschlands.

Hat alles nichts genutzt; der Wähler blieb stur und unbelehrbar und erfüllte das Kanzlerwort von einer Halbierung einer Partei. Allerdings meinte der die AfD und nicht seine CDU.

Kommt die Redaktion dann wenigstens zur Besinnung und fängt vielleicht mal an, Kontakt mit der Wirklichkeit zu nehmen, nach Ursachen und Motiven zu forschen, Analysen zu liefern? Ach was:

In der Mitte der gefährlichste Mann Deutschlands, umrahmt von den beiden Parteivorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla. Eingefärbt in Alarmrot.

Zusammen sind sie nun «Verfasssungsfeinde». Gerade in Deutschland ein scharfes Wort. Gibt es denn in der Titelgeschichte wenigstens den Hauch eines Belegs, eines Indizes, gar eines Beweises, dass dem so ist?

Nein, er ist gespickt mit Konjunktiven, Geraune, Hinweise auf angebräunte Vergangenheiten von Mitarbeitern oder möglichen Parlamentariern der Siegerpartei. Denn keinem der Drei kann der Zerrspiegel direkt Verfassungsfeindliches vorwerfen.

Welche konkreten Ziele der AfD richten sich gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung – insbesondere Menschenwürde, Demokratieprinzip und Rechtsstaatlichkeit – und welche Belege zeigen, dass die Partei diese Ziele planvoll verfolgt?

Da schweigt die Kreische aus Hamburg. Sie denaturiert ihren viel missbrauchten Slogan «Sagen, was ist», endgültig zu «Sagen, was nicht ist».

Gerade in Zeiten, in denen intelligente Analyse und Erkenntnisgewinn so wertvoll sind wie wohl niemals zuvor seit der Aufklärung, entleibt, entwürdigt sich das Organ in peinlicher Weise.

Die verkaufte Auflage ist die Quittung dafür. Betrug sie im Jahr 2000 noch über eine Million Exemplare, sind es heute inklusive E-Paper noch 636’000. Die tatsächliche Printauflage hat sich halbiert. Nicht zuletzt im Versuch, die AfD kleinzuschreiben, verzwergt sich das Blatt selbst.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2021/11/Short1.jpeg 291 627 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-09-16 05:00:112026-09-13 14:24:10Der «Spiegel» spinnt, neue Lieferung
René Zeyer

Bravo, Häsler

15. September 2026/9 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Der Mann wird richtig militant.

Bei Christof Münger ist’s schwer in die Hose gegangen. Kaum lobte ihn ZACKBUM, geriet der Auslandchef ohne Ausland von Tamedia völlig aus der Spur.

Aber das hält uns nicht davon ab, in unserer gerechten Zumessung von Lob und Tadel diesmal der Kriegsgurgel Georg Häsler von der NZZ ein Kränzlein zu winden.

Es gab viele Abrechnungen mit der so arroganten wie überforderten ehemaligen Verteidigungsministerin Viola Amherd und ihrer Fixpreis-Affäre. Sie und ihr VBS hatten über Jahre hinweg alle abgewatscht, die völlig zurecht darauf hinwiesen, dass die Schweiz keineswegs den US-Flieger F-35 zu einem fest vereinbarten Preis bekomme.

«Wünschen Sie eine Bestätigung der Bestätigung», blaffte Amherd, als eine Parlamentarierin schon 2022 in Frage stellte, dass bei der Beschaffung ein verbindlicher Fixpreis garantiert worden sei.

Da wird Häsler für einmal gegenüber den eigenen Streitkräften gnadenlos: «Doch die Glaubwürdigkeit dieses zentralen Projekts für die Verteidigungsfähigkeit der Schweiz ist vorerst zerstört.» Der jüngst veröffentlichte Bericht «zeichnet ein beschämendes Bild der Beschaffung».

Jeder Satz ein Knaller: «Die ehemalige Vorsteherin des Verteidigungsdepartements (VBS) soll den Vertrag mit den USA nur in Teilen gelesen haben … Der Schweiz mangelt es an jeder Ernsthaftigkeit im Umgang mit der zentralen Staatsaufgabe … Das VBS wirkt schlicht unseriös … Bereits Anfang 2021 hatte Amherd das Projekt – und überdies den guten Ruf des Landes – gefährdet: mit windigen Avancen gegenüber Frankreich … Dieses Departement hat ein System- und ein Kulturproblem. Jeder lästert über jeden – und niemand trägt wirklich je die Verantwortung … Das VBS ist in einer Dauerkrise …»

Das kulminiert in der Frage:

«Weshalb genau soll dieses Verteidigungsdepartement mehr Geld erhalten?»

Man könnte da fast von Wehrkraftzersetzung sprechen, wenn man nicht wüsste, dass es Häsler natürlich immer um mehr Geld, mehr Waffen, mehr Verteidigungsfähigkeit eines Kleinstaates geht, dessen Armee sich im Ernstfall nicht mal mehr in den Gotthard zurückziehen könnte.

Aber, so hofft natürlich der Militärstratege, da gilt ewig der Satz von der Krise als Chance. «Richtig mutig wäre, wenn der Bundesrat darauf hinweisen würde, dass die Schweiz eigentlich 55 bis 70 F-35 benötigte.» Aber so mutig, wir ahnen es schon, wird die Landesregierung niemals werden.

Da kämpft Häsler wohl einen aussichtslosen Kampf: «Die Fixpreis-Affäre sollte insgesamt als Chance genutzt werden, um endlich eine echte Sicherheitspolitik zu initiieren.» Auch wenn er sich selber Mut zuspricht, wirkt das eher wie Pfeifen im Wald. Insgesamt sei die Beschaffung von F-35 gut unterwegs: «Das Projekt ist zeitlich auf Kurs. 2028 landen die ersten Jets in der Schweiz – und erhöhen die militärischen Fähigkeiten der Armee signifikant. Wenigstens eine gute Nachricht aus Bern.»

Wobei natürlich die bangen Fragen bleiben, ob sie dann tatsächlich landen und ob Kremlherrscher Putin nicht schon vorher die Schweiz angreift, wie Häsler auch schon befürchtet hat.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-11-um-08.10.47.png 289 938 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-09-15 05:00:482026-09-11 16:37:53Bravo, Häsler
René Zeyer

Jeder darf aufs hohe Ross

15. September 2026/2 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Wer da alles mit dem Zeigefinger fuchtelt …

Der «Spiegel» quatscht mit Michel Friedman («Man kann auch seinen Selbstmord wählen.»). Der zieht süffisant über den Bundeskanzler Merz her und bezeichnet die AfD als eine «rassistische, zerstörerische Partei». Das ist natürlich im Rahmen der Meinungsfreiheit erlaubt.

Allerdings sollte Friedman eigentlich den Anstand haben, nach seiner Kokain- und Prostituierten-Affäre von 2003 niemals mehr öffentlich in Erscheinung zu treten. Niemand trat zuvor aggressiver als moralischer Ankläger auf, bis er einen Strafbefehl wegen Kokain-Besitzes erhielt und ihm nachgewiesen wurde, dass er die Dienste von jungen, aus dem Osten stammenden Prostituierten in Anspruch genommen hatte.

Er trat als stellvertretender Vorsitzender des Zentralrats der Juden zurück und gab seine ARD-Talkshow auf. Aber im festen Vertrauen auf das löchrige Kurzzeitgedächtnis der Öffentlichkeit schwingt er sich wieder als Obermoralist auf.

Der Kopfblattsalat von Tamedia interviewt Peter Altmaier. Der frühere Kanzleramtschef und Bundeswirtschaftsminister ist in seiner ganzen langen Karriere niemals durch eine besondere Leistung aufgefallen. Eigentlich ruht er schon seit Jahren im Abklingbecken für abgehalfterte Politiker. Hat aber natürlich Zeit für ein Gespräch.

Und antwortet ernsthaft auf Scherzfragen von Simon Widmer und Anna Luna Frauchiger wie die, ob er sich Sorgen um Deutschland mache: «Ja, ich mache mir Sorgen. In vielen europäischen Ländern wählen die Menschen seit Jahren populistische Parteien am rechten und rechtsextremen Rand.»

Und die Migration? «Das Thema wird besonders virulent, wenn es den Menschen nicht gut geht.» Soll die AfD regieren? «Es läge kein Heil darin, CDU, Linke, Grüne, SPD und BSW in eine Koalition zu pressen.» Ist Siegmund gefährlich? «Es wird sich schnell zeigen, ob er sich an die demokratischen Spielregeln hält.» Sei die Wahl in Sachsen-Anhalt nicht auch Misstrauensvotum gegen Friedrich Merz? «Da wollen Sie mir eine hübsche Falle stellen, denn so einfach ist es nicht.»

Unverdrossen die Nachfrage, ob Merz ersetzt werden müsse: «Sie erwarten jetzt nicht ernsthaft eine Antwort?» Und wie steht es um die Flüchtlingspolitik seit 2015? «Damals kamen in der Tat viele Menschen nach Deutschland, was AfD und russische Influencer nutzten, um unsere Demokratie zu diskreditieren.»

Schliesslich die Frage, ob die CDU auf eine sich mässigende AfD zugehen solle: «Sie stellen mir schon wieder eine Falle. Das ist eine rein hypothetische Frage.»

In den besseren Zeiten des Journalismus hätte die Qualitätskontrolle gesagt: Wieso sollen wir den Leser mit heisser Luft und Null-Antworten auf dümmliche Fragen belästigen? Lasst den Altmaier doch weiterhin seinen wohlverdienten Ruhestand geniessen.

Aber heutzutage darf der Deutschland-Korrespondent des «Tages-Anzeiger» Simon Widmer sich Gedanken darüber machen, «was die AfD umsetzen kann – und woran sie scheitern dürfte». Er behauptet über sich «Ich recherchiere, analysiere und erkläre.» Wenn er das nur täte.

Sein Kollege Simon Schmid (der mit einer «Republik»-Vergangenheit) macht sich Gedanken zu: «Welches Rezept wirkt gegen Rechtspopulismus?» Seine These: «Extreme Parteien gewinnen an Macht und bedrohen Wohlstand und Demokratie.» In seiner «Analyse» beruft er sich auf die absurden Thesen der Ökonomin Isabella Weber, die eine «antifaschistische Wirtschaftspolitik» fordere.

Auf so einen Gaga-Begriff muss man erst mal kommen. Und so verblendet muss man erst mal sein, dass man nicht sieht, dass eher die Wirtschaftspolitik der regierenden Altparteien, Schuldenmacherei und mangelnde Aufmerksamkeit gegenüber Problemen, die die Wähler umtreiben,Wohlstand und Demokratie bedrohen.

So ist keiner zu klein, zu fragwürdig, zu unbedeutend, zu wenig von des Gedanken Blässe angekränkelt, als dass er sich nicht aufs hohe publizistische Ross setzen dürfte.

Das gefährdet zwar nicht unbedingt Wohlstand und Demokratie, aber das Fortbestehen der Mainstream-Medien. Die ihren dramatischen Auflagenverlust ungebremst fortsetzen.

Bloss: während sie wie immer der Welt Ratschläge erteilen, berichtet in der Schweiz kein einziges Organ über die desaströsen Zahlen, die am 1. September veröffentlicht wurden.

Verständlich. Der «Blick» saust von 314’000 Exemplaren im Jahr 2000 auf jämmerliche 58’000 heute runter. Der «Tages-Anzeiger» von 279’000 auf 63’000. Die BaZ gar von 115’000 auf 24’000. So wird’s weitergehen. Bei solchen Schreibkräften und Inhalten …

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-11-um-08.42.35.png 442 736 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-09-15 05:00:442026-09-14 23:04:23Jeder darf aufs hohe Ross
René Zeyer

Geisterbeschwörung bei der «Republik»

14. September 2026/8 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Wie man sogar in seiner Gesinnungsblase die Luft rauslässt.

Es steht zu vermuten, dass sich die Anzahl von AfD-Sympathisanten in der Leserschaft der Demokratieretter in engen Grenzen hält. Dennoch wird im Organ der guten Denkungsart, finanziert von zwei reichen Erben, der Index der zu verbietenden Wörter von ZACKBUM eifrig bespielt.

Seit dem Wahlsieg der AfD im Winz-Bundesland Sachsen-Anhalt ist kein Anlass zu nichtig, um auf den dadurch drohenden Wiedergänger des deutschen Faschismus warnend hinzuweisen.

So beim Anhimmeln einer Radikalfeministin: «Beim Gespräch in der Basler Theaterkantine scrollt Anna Bergmann besorgt auf ihrem Handy und zeigt ein Video, in dem die Fans Ulrich Siegmund zujubeln, dem Kandidaten der in Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextrem geltenden AfD: «Die haben das Gefühl, der ist der Heiland», sagt sie.»

Gleich vier tapfere Republikaner schauen unerschrocken auf die hässliche Fratze des modernen Faschismus. Valeria Heintges, Karen Merkel, Daniel Binswanger und Daniel Graf fragen bang: «Kommt es zur AfD-Machtergreifung auf Landesebene?» Zu viert haben sie ungefähr die historischen Kenntnisse, die der einzige Mann, der Dick und Doof als Solist spielen kann, ebenfalls mitbringt.

Der beschimpfte bekanntlich eine knappe Million Wähler als Nazis, obwohl nur etwas mehr als eine halbe Million die AfD gewählt hatten. Die keine Nazi-Partei, sondern eine legale Kraft in Deutschland ist.

Hier in der «Republik» wird kein demagogischer Kniff aus der untersten Schublade ausgelassen: «Die demokratischen Parteien von CDU bis Linkspartei können nicht einmal mehr rechnerisch eine Mehrheit gegen die AfD bilden.» Was impliziert, wie es die fremdwortverliebte schreibende Schmachtlocke formulieren würde: AfD und BSW sind keine demokratischen Parteien. Die aus der SED hervorgegangene Linke hingegen schon. Alle werden dennoch demokratisch gewählt, merkwürdig.

Natürlich kriegt auch das Bündnis Sahra Wagenknecht sein Fett ab. Vergessen die gar nicht so weit zurückliegenden Zeiten, als sicherlich auch «Republik»-Redaktoren ihr begeistert applaudierten, als sie die 1.-Mai-Rede in Zürich hielt. Jetzt ist sie die Chefin einer «putinfreundlichen Kleinstpartei». Es geht doch nichts über das begründungslose Diffamieren.

Um in dieser Gedankenwelt zu bleiben: das ist die gleiche fiese Methode, die schon von einem Grossmeister der Demagogie verwendet wurde. Müsterchen: Die Juden sind an allem schuld. Warum? Weil sie Juden sind.

In der Version der «Republik»: Wagenknecht ist putinfreundlich. Warum? Darum. Vielleicht, weil sie zusammen mit Alice Schwarzer ein Friedensmanifest verfasst hat, das inzwischen von fast einer Million Deutschen unterschrieben wurde. Aber Schwarzer ist bei der «Republik» auch in Ungnade gefallen, weil sie im Gegensatz zur schreibenden Schmachtlocke einen Tschador nicht als Ausdruck weiblicher Selbstbestimmung sieht.

Darf das Wort von der «gesichert rechtsextremen Partei» fehlen? Natürlich nicht, das muss sogar wiederholt werden. Nun kommt der Moment, wo es die tapferen Schreiberlein sicherlich geschüttelt hat vor Ekel:

«Rund die Hälfte der Wählerinnen in Sachsen-Anhalt will nicht nur, dass die AfD als starke, krawallige Opposition im Parlament vertreten ist, sondern sie will von dieser Partei regiert werden.»

Furchtbar, eigentlich sollte man diesen Nazis das Wahlrecht entziehen. Denn das Ergebnis sendet «Schockwellen weit über das Bundesland hinaus». Zumindest bis an die Langstrasse in Zürich.

Und dann gibt es noch diesen Ulrich Siegmund, der seine angebräunte Gesinnung hinter Dauerlächeln und sympathischem Auftreten verbirgt. Aber diese Schreib-Heros durchschauen das natürlich: «Er selbst lügt das eigene Parteiprogramm geschmeidig weg, wirft seinen Gegnerinnen aber ständig vor, zu lügen.» Beleg? Ein Link zu einer Wahldebatte. Au weia.

So geht’s dann im Galopp weiter: «… menschenfeindliche Politik der AfD … grosse Mehrheit der Menschen in Deutschland lehnt die rechtsextreme AfD ab … Wahlsieg mobilisiert starke Gegenkräfte …» Dabei handelt es sich dann um ein paar tausend Demonstranten in Magdeburg und Berlin.

An deren demokratischer Gesinnung deshalb allerdings ebenso Zweifel existieren wie an derjenigen dieser Republikaner, für die es gute oder böse Wahlresultate gibt. Je nachdem, wer gewinnt.

Allerdings:mit diesem Geseier bedienen sie zwar die Überzeugungen ihrer Leser in der Gesinnungsblase, mit Erkenntnisgewinn oder aufklärender Analyse hat das genau nichts zu tun.

PS: Hier darf sich übrigens auch ein Roger de Weck ausjammern und Werbung für sein neustes Buch machen. Obwohl er als designierter VR-Präsident Fersengeld gab, bevor er das Amt antrat. Aber im Kampf gegen den Faschismus sind auch Fahnenflüchtige willkommen.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-10-um-16.11.34.png 461 1231 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-09-14 05:00:472026-09-12 08:29:17Geisterbeschwörung bei der «Republik»
René Zeyer

Wumms: Björn Höcke

13. September 2026/9 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Ist wenigstens er «gesichert rechtsextrem»?

Roger Köppel hat mal wieder eines seiner bis zur Ohrenlähmung langatmigen Interviews mit dem «AfD-Strategen» Höcke geführt. Hier gibt sich die führende Stimme der Partei als Elder Statesmen. Er plädiert für «menschliche Empathie», beschwört den «Normalzustand, miteinander zu reden», spricht sich für «Meinungspluralismus» aus, fordert ein Ende der «Meinungsmanipulation» und auch der EU.

Ist er hier Wolf im Schafspelz, der sich vor einem Stichwortgeber und einverständig nickenden Köppel aufspreizen kann? Oder ist er halt doch ein angebräunter Extremist?

Zunächst einmal: schon bei diesen Begrifflichkeiten fängt die Meinungsmanipulation an. Denn «gesichert rechtsextremistisch» ist kein gesetzlich definierter Rechtsbegriff. Sondern der deutsche Verfassungsschutz unterscheidet zwischen einem «Prüffall», einem «Verdachtsfall» und einer «erwiesen rechtsextremistischen Bestrebung». Das wird dann in den Medien knackig zu «gesichert rechtsextrem» verkürzt und umformuliert.

Aber unabhängig davon, verwendet Höcke ein Vokabular, das ihn ideologisch im braunen Sumpf verortet? Da wäre mal das «Denkmal der Schande». So bezeichnete Höcke in einer Rede von 2017 das Berliner Holocaust-Denkmal. Als das Gegenwind gab, versuchte er eine Umdeutung, dass nicht das Denkmal selbst eine Schande sei.

Allerdings verlangte er auch eine «erinnerungspolitische Wende um 180 Grad», also eine Abkehr von der Erinnerung an die bis heute identitätsstiftenden Schuld durch die ungeheuerlichen Verbrechen von Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg.

In Verteidigung des AfD-Projekts einer «Remigration» sprach Höcke von einer «Politik der wahltemperierten Grausamkeit. Das heisst, dass sich menschliche Härten und unschöne Szenen nicht immer vermeiden lassen werden.»

Er setzt noch einen drauf:

«Auch wenn wir leider ein paar Volksteile verlieren werden, die zu schwach oder nicht willens sind», sich der von ihm behaupteten «Afrikanisierung, Orientalisierung und Islamisierung» zu widersetzen. Danach erwartet er, dass noch genügend Angehörige «unseres Volkes» übrig seien, um ein neues Kapitel deutscher Geschichte aufzuschlagen.

Ziemlich übel ist auch: «Wenn einmal die Wendezeit gekommen ist, dann machen wir Deutschen keine halben Sachen.»

Da gäbe es halt einen «Aderlass»; um einen «Volkstod durch Bevölkerungsaustausch» zu vermeiden, müsse man sich von «brandigen Gliedern trennen».

Diese Vorstellung von einem gesunden deutschen (oder arischen) Volkskörper, der von Schädlingen befreit werden muss, ist eindeutig ein Echo rassischer Wahnvorstellungen von Hitler-Nazis.

Es wäre sicherlich hilfreich, wenn Köppel in seinen immer wieder stattfindenden Akklamations-Interviews Höcke dazu bringen würde, die Verwendung dieser Begrifflichkeit zu erklären – oder sich allenfalls davon zu distanzieren.

In Deutschland herrscht – im Rahmen der Schuld-Kultur, wie die AfD sagen würde – tatsächlich eine ausgesprochen hohe Sensibilität gegenüber Formulierungen, die nicht nur in den Alpträumen von Linken wie ein Echo aus tiefbrauner Vergangenheit tönen.

Nicht nur Höcke verursacht da grosses Gebrüll. Unvergessen die Paulskirchenrede des Schriftstellers Martin Walser. Anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels sagte der angesehene Autor:

«Auschwitz eignet sich nicht dafür, Drohroutine zu werden, jederzeit einsetzbares Einschüchterungsmittel oder Moralkeule oder auch nur Pflichtübung.»

Er sprach von einer «Instrumentalisierung unserer Schande zu gegenwärtigen Zwecken». Seine Kritik am damals erst geplanten Holocaust-Denkmal war ebenfalls scharf: Er bezeichnete es als «fussballfeldgrossen Alptraum» und sprach von einer «Monumentalisierung der Schande».

Natürlich gab das strengen Gegenwind. Ignatz Bubis, der damalige Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, erhob den schweren Vorwurf, Walsers Rede sei «geistige Brandstiftung». Dieser Begriff wurde seit 1849 in der politischen Debatte verwendet, natürlich auch von den Nationalsozialisten.

Ist also Höcke, vielleicht in der Tradition von Walser, ein geistiger Brandstifter, gegen den und gegen seine Partei zu Recht eine Brandmauer errichtet werden muss?

Oder holzschnittartig, ist Höcke ein Faschist, faschistoid, ein Vertreter des Ungeists dunkelbrauner Zeiten, ist sein Denken angebräunt, völkisch-nationalistisch, rückwärtsgewandt, träumt er von einem gesunden Volkskörper, der von rassenfremden Elementen befreit werden müsse?

Da er zweifellos nicht blöd ist, zündelt er zumindest ganz bewusst mit diesen Begrifflichkeit. 2021 beendete er eine Wahlkampfrede in Sachsen-Anhalt mit dem Ausruf: «Alles für unsere Heimat, alles für Sachsen-Anhalt, alles für Deutschland.»

«Alles für Deutschland» war eine Losung der SA; sie war auf ihren Dolchen eingraviert. Obwohl Höcke als ehemaliger Geschichtslehrer behauptete, ihm sei die Herkunft des Begriffs nicht bekannt, wurde er zu einer Geldstrafe verurteilt, weil in Deutschland auch die Verwendung von Parolen verfassungswidriger Organisation verboten ist.

Im Dezember 2023 – das Strafverfahren war bereits eingeleitet –, endete er bei einer Rede mit «Alles für …» und animierte das Publikum, den Satz mit «Deutschland» zu vollenden. Für diese Provokation kassierte er eine zweite Geldstrafe. Beide Verurteilungen sind inzwischen rechtskräftig.

Die Wiederholung der Verwendung einer SA-Parole belegt zumindest, dass Höcke tatsächlich ein Biedermann und Brandstifter ist.

Zumindest gäbe es Erklärungsbedarf, ob er mit solchem Nazi-Vokabular einfach den braunen rechten Rand der AfD bei Laune halten will – oder selbst in dieser Ideologie verhaftet ist.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2022/01/Wumms.jpeg 438 882 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-09-13 05:00:032026-09-12 08:25:07Wumms: Björn Höcke
René Zeyer

Volle Dröhnung

12. September 2026/7 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Gequatsche von Meinungspluralismus bei Tamedia. Reine Fake News.

Schöne Worte: «Unsere Leserinnen und Leser erleben jeden Tag Vielstimmigkeit», behauptet CEO Jessica Peppel-Schulz (oder ihr plappernder Avatar). «Vielstimmig statt eintönig», so die knackige Kampagne, dazu der «Forumscharakter».

Hohles Geschwurbel, das nichts mit der elenden Realität zu tun hat.

Obwohl alle Meinungsumfragen besagen, dass die Neutralität-Initiative abgelehnt wird, schiessen die angeblichen Qualitätsorgane, der Kopfblattsalat aus dem Glashaus an der Werdstrasse, aus allen Rohren dagegen.

Kaum hat sich Roger de Weck ausgeschwurbelt, der nicht mal den Unterschied zwischen Bismarck und Hitler kennt, sind schon die nächsten dran. Konzern-Journalist Andreas Tobler, eine Schande für seinen Beruf, und schon wieder Haudegen Sandro Benini interviewen den Historiker Thomas Maissen, über dessen unwissenschaftliche Parteilichkeit kein Zweifel bestehen kann.

Das macht schon der Titel-Quote klar: «Christoph Blocher ist ein Überzeugungstäter». Abgesehen davon, dass das auch auf Maissen zutrifft: na und? Was soll diese demagogische Null-Aussage? Wäre es besser, wenn Blocher seinen Überzeugungen nicht nachleben würde? Was ist das für ein jämmerliches argumentatives Niveau.

So geht’s dann ungebremst weiter:

«Es ist sicher nicht nur eine Pro-Putin-Initiative, aber an dem Vorwurf ist dennoch etwas dran … Das Plakat und die Argumentation finde ich verlogen … Wenn die Initiative abgelehnt wird, bleibt die Schweiz so, wie sie ist, also neutral.»

Um zu illustrieren, was er an Neutralität problematisch empfindet, greift er zu einer verstiegenen Analogie, was man tun sollte, wenn ein Rowdy in einem Tram eine Frau mit Kinderwagen zu vergewaltigen versucht. Was für ein erbärmliches Niveau einer Denunziation.

Schon zuvor hatte Chefredaktorin Raphaela Birrer in einem ihrer gefürchteten Editorials mit kläglichen Argumenten Gegnern der Initiative Anlass geboten, an deren Position zu zweifeln: «Blochers Taube bringt keinen Frieden».

Dazu erklären die beiden merkwürdigen Gestalten Krogerus und Tschäppeler, «warum man Fake News mit Richtigstellungen nicht ungeschehen machen kann», meinen damit aber leider nicht ihr eigenes Organ. Die ungeliebte italienische Ministerpräsidentin kriegt auch ihr Fett ab: «Giorgia Meloni hat Grund zum Feiern, ihr Land jedoch nicht». Eine von der SZ-Redaktorin Elisa Britzelmeier geliehene Meinung.

Im Vorbeilaufen bekommt auch ein Abweichler von der richtigen Linie eine reingewürgt: «Umtriebiger Zürcher Ex-Politiker: Daniel Jositsch auf allen (rechten) Kanälen». Das darf der (linke) Kanalarbeiter und Chefredaktor der Brachial-Postille «Tsüri» Simon Jacoby kommentieren: «Daniel Jositsch sei «rechts abgebogen» und bezirze rechte Wählerinnen und Wähler». Eine wahrlich tiefgründelnde Analyse aus der Ecke übelsten Gesinnungsjournalismus.

Was noch im ausgewogenen Forumsjournalismus? «Das Völkerkundemuseum will sich umbenennen». Ja was ist denn an diesem Begriff nicht gut? «Auch der Begriff «Völkerkunde» sei in mehrfacher Hinsicht fragwürdig, sagt Alice Hertzog, Direktorin des Museums, das zur Universität Zürich gehört.» Statt sich über diese absurde Behauptung lustig zu machen, zitiert sie Gregor Schenker ehrfürchtig. Noch ein Gesinnungstäter.

Schliesslich geht es nicht nur der Schweiz, sondern erst recht der Welt ganz schlecht. Insbesondere dem Wald: «Luciana Gatti weint um den Regenwald». Das wird ihm aber schwer helfen. Obwohl: «Der Amazonas stirbt». Wenn der das bloss wüsste.

Das ist eine Blütenlese von einem einzigen Tag Tagi online.

Wer da noch ernsthaft behaupten kann, hier herrsche Vielstimmigkeit und Meinungspluralismus, der macht sich sogar noch mehr lächerlich als die publizistische Leiter nach unten Simon Bärtschi, die Rausschmeissen als Beitrag zur Qualitätssteigerung umfaselt.

Die vielen weiteren Gesinnungstäter wollen wir hier gar nicht erwähnen, es nähme kein Ende.

Wundert sich noch jemand, dass diesen Blättern die Leser in Scharen davonlaufen?

 

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-05-um-08.39.55.png 452 1226 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-09-12 05:00:512026-09-10 17:52:19Volle Dröhnung
René Zeyer

Index der zu verbietenden Wörter

11. September 2026/21 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Die katholische Kirche hat ihren Index der verbotenen Bücher aufgegeben. Ersatz muss her.

1966 verabschiedete sich die katholische Kirche endgültig vom Index Librorum Prohibitorum. Damit endete eine 1559 begonnene Tradition. ZACKBUM verfügt über die letzte Ausgabe.

Heutzutage sollten stattdessen eine ganze Reihe von Wörtern auf einen Index gesetzt werden. Damit würde einiges an keifigem verbalem Hyperventilieren verhindert, die Debatte etwas versachlicht.

ZACKBUM schlägt diese nicht vollständige Liste vor:

  • autoritäre Methoden / autoritär – sollte wenn schon an konkreten Merkmalen festgemacht werden
  • braun / braune Gesinnung / braune Truppe – kaum verhüllter Nationalsozialismusvorwurf
  • braune Zeiten / erinnert an braune Zeiten – NS-Analogie
  • demokratiefeindlich / antidemokratisch – belegungsbedürftige politische Wertung
  • diktatorisch / Diktaturmethoden – starke Analogie, bei demokratischen Institutionen schnell überzogen
  • extremistisch / Extremist – besonders heikel, wenn als Tatsachenbehauptung statt Werturteil verwendet
  • faschistisch / Faschist – schwerer politischer Vorwurf; Kontext und Tatsachengrundlage entscheidend
  • faschistoid – etwas abgeschwächt, aber eindeutig in derselben Assoziationssphäre
  • faschistoide Methoden / Tendenzen – ebenfalls erklärungsbedürftig
  • gesichert rechtsextremistisch – nicht einfach Synonym für „rechts“; bei Bezug auf eine behördliche Einstufung muss klar sein, wer genau wen so eingestuft hat und warum
  • Gleichschaltung / gleichgeschaltet – historisch stark NS-konnotiert; für Medien oder Institutionen besonders polemischer Vergleich
  • Goebbels-Methoden / Goebbels-Propaganda – extreme NS-Analogie
  • Hitler-Vergleich / wie Hitler – nur in sehr eng begründeten Zusammenhängen seriös
  • Hitler-Verharmloser – schwerer personenbezogener Vorwurf
  • Machtergreifung – historisch mit 1933 verbunden; für normalen demokratischen Regierungswechsel problematisch
  • Nazi / Nazi-Partei / Nazi-Methoden – bei heutigen Personen oder Parteien besonders schwerwiegend
  • nationalsozialistisch / nationalsozialistische Methoden – noch konkreter als „faschistisch“
  • neonazistisch / Neonazi – Tatsachenkern; nicht als beliebiges Schimpfwort verwendbar
  • NSDAP-Methoden / wie bei der NSDAP / erinnert an die NSDAP – unmittelbare Gleichsetzung bzw. Analogie
  • Propaganda – an sich legitimer Begriff, wird aber häufig als delegitimierendes Etikett statt analytischer Beschreibung eingesetzt
  • Putin-Versteher – Abwertung von jedem, der den Kreml-Herrscher nicht für einen irren Kriminellen hält
  • Putin-Partei – dafür reicht schon die Forderung nach Gesprächen mit Russland
  • Rassist / rassistisch – je nach Formulierung Werturteil mit oder ohne Tatsachenkern
  • rechtsextrem / Rechtsextremist – deutlich präziser zu begründen als «rechts» oder «rechtsradikal»
  • rechtsradikal – politikwissenschaftlich nicht deckungsgleich mit rechtsextrem
  • SA-Methoden / SA-Manieren – schwerwiegende Gewalt- und NS-Analogie
  • Stürmer-Stil / wie der Stürmer – Vergleich mit antisemitischer NS-Hetzpropaganda
  • totalitär / totalitäre Methoden – starke Systemqualifizierung
  • völkisch – historisch belastet, höchstens als politikwissenschaftlicher Begriff mit Beleg verwendbar
  • Weimarer Verhältnisse / wie in der Weimarer Republik – häufig historisch unscharf
  • Wiedergänger der Nazis / geistige Erben der NSDAP – besonders weitreichende historische Zuschreibung
  • wie 1933 / Zustände wie 1933 / erinnert an 1933 – maximal aufgeladene NS-Analogie
  • Zerstörer der Demokratie / Feinde der Demokratie – starke Wertung, die konkrete Handlungen oder Ziele voraussetzt

Allerdings stünden dann viele Dummschwätzer, ob dick oder doof oder beides, ziemlich wortlos und nackt da.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-09-um-15.23.02.png 486 1234 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-09-11 05:00:152026-09-11 08:04:26Index der zu verbietenden Wörter
René Zeyer

Oh je, Münger

10. September 2026/21 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Schon wieder hat die Qualitätskontrolle bei Tamedia versagt.

Kaum lobt man den Mann, rastet der Auslandchef ohne Ausland Christof Münger wieder völlig aus. Der Titel kommt noch harmlos daher. Münger meint, nach ihrem Erdrutschsieg solle die AfD in Sachsen-Anhalt regieren.

Das macht noch Sinn, aber dann kommt nur Unsinn.

Ein erstes Müsterchen. Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) sei die logische Partnerin: «Endlich kann zusammenwachsen, was zusammengehört: Die Hitler-Verharmloser um Alice Weidel und die Alt-Stalinistin Sahra Wagenknecht – das passt!»

Zwei demagogisch aufgeladene Beschimpfungen, höchstens im äussersten Streubereich der Wahrheit. In der AfD gibt es tatsächlich einzelne Vertreter, die die Untaten der Nationalsozialisten relativeren wollen. Weidel gehört nicht dazu, und als Hitler-Verharmloser kann man nicht mal Björn Höcke bezeichnen.

Wagenknecht war früher Mitglied in der Kommunistischen Plattform innerhalb der PDS und verteidigte Errungenschaften der DDR. Dabei war sie weder Jung-, noch heute Alt-Stalinistin. Beiden Exponenten das zu unterstellen, grenzt an Rufmord.

Aber Münger kann noch mehr: «Und das nur kurz nach dem Jahrestag der totalitären Traumhochzeit der Weltgeschichte, dem Hitler-Stalin-Pakt vom 23. August 1939.»

Er meint damit den Molotov-Ribbentrop-Pakt, die geheime Neuordnung Osteuropas. Für Hitler war es eine taktische Zwischenlösung vor seinem Überfall auf die Sowjetunion, Stalin wollte Zeit gewinnen, bis dann am 22. Juni 1941 das Unternehmen Barbarossa begann, der faschistische Angriff. Das als «Traumhochzeit» zu bezeichnen, zeugt von einer erschütternden Unkenntnis der Geschichte.

Aber Münger in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf. «Die AfD wie das BSW sehen im russischen Imperialismus einen Segen und in Wladimir Putin einen valablen Partner, bei dem sie wieder billiges Öl und Gas einkaufen wollen.» Zusammen mit Persönlichkeiten wie Alice Schwarzer hat Wagenknecht ein Friedensmanifest lanciert, das inzwischen von fast einer Million Deutschen unterzeichnet wurde. Weder sie noch die AfD kämen auf die abstruse Idee, im russischen Imperialismus einen Segen zu sehen.

Dazu käme ein «nationalistisch unterfütterter Hass auf die EU und vor allem auf die Militärallianz», plus ein «tiefsitzender Antiamerikanismus», dem allerdings auch Münger frönt, wenn er über Trump herzieht.

Nun erreicht er erst seine Betriebstemperatur: «Wenn eine extremistische Partei, im konkreten Fall der «gesichert rechtsextreme» AfD-Landesverband in Sachsen-Anhalt, an die Macht kommt, könnten die Folgen fatal sein.» Offenbar so fatal, dass sich Münger gar nicht traut, auch nur eine Folge auszumalen.

Nach dem Erreichen der Betriebstemperatur gibt er noch mehr Dampf, bis der Kessel platzt: «Allerdings würde einer Koalition von Sonnyboy Siegmund mit dem linksradikalen BSW von Wagenknecht das Gütesiegel einer demokratischen, bürgerlichen Partei fehlen.»

Nun ist Siegmund plötzlich kein angebräunter Rechtsnationaler mehr, und Wagenknecht plötzlich eine Linksradikale.

Gut, es ist mal wieder nur eine «Meinung». Die Meinung eines verirrten und verwirrten Geistes. Eines Weltbetrachters, dem die Ehrlichkeit fehlt, einfach zu schreiben: ich habe keine Ahnung, was hier passiert, möchte raunen und warnen, zwei Parteien ungehemmt beschimpfen und fasle dafür am Schluss noch von einem «Gütesiegel» einer demokratisch-bürgerlichen Partei.

Das hingegen ist echt lustig. Denn wenn man im Gegensatz zu Münger Logik anwendet, bedeutet das, dass in der Schweiz der SP, den Grünen und allen Alternativen dieses Gütesiegel auch fehlt.

Allerdings nur in der Parallelwelt, in der sich Münger rettungslos verschreibt und verliert. Ohne dass ihn jemand daran hindert, sich öffentlich zum Deppen zu machen. Aber damit ist er bei Tamedia nicht alleine.

 

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-08-um-21.22.35.png 434 1087 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-09-10 05:00:122026-09-09 12:29:55Oh je, Münger
René Zeyer

Brandmauer im Kopf

9. September 2026/8 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Eine legale Partei fährt einen Erdrutschsieg ein. Es folgt Japsen und Zetern.

«Gesichert rechtsextremistisch, Bedrohung demokratischer Institutionen, Angriff auf unabhängige Medien, ausländer- und emigrationsfeindliche Politik, Ausgrenzung und Rassismus, EU- und Eurofeindlichkeit, mangelnde Regierungsfähigkeit, radikales Personal, Spaltung der Gesellschaft …»

Die Aufreihung von Verbalinjurien liesse sich beliebig fortsetzen.

Fakt ist, dass bei sensationeller Wahlbeteiligung die AfD im Winzbundesland Sachsen-Anhalt die Wahlen gewonnen hat. Mit 43,8 Prozent, eine Steigerung um 23 Prozent. Während die CDU mit minus 19,9 Prozent mehr als halbiert wurde, die SPD immerhin die Fünf-Prozent-Hürde locker übersprang und die FDP wohl endgültig im Orkus verschwindet.

576’000 Stimmen bekam die AfD, 100’000 mehr als CDU, SPD und Grüne zusammen. Die ehemalige Regierungspartei FDP bekam noch ganze 34’000 Stimmen oder 2,58 Prozent.

Bei einem solchen Resultat wäre eigentlich klar: Regierungsauftrag für die AfD, während die CDU auf den Weg der SPD einbiegt, die sich von einer Volkspartei zu einer Kleinpartei verzwergt.

Nun fehlen der AfD drei Stimmen zur absoluten Mehrheit im Parlament, was eigentlich auch kein Hindernis sein sollte, bei diesem glasklaren Wählerauftrag.

Stattdessen keift der «Spiegel»: «Neonazi-Gastgeber, Urkundenfälscher, Stasi-Offizier. Unter den 39 künftigen AfD-Abgeordneten im Magdeburger Landtag sind einige Männer mit bedenklichem Hintergrund – darunter zwei, die einem verbotenen Neonazi-Verein nahestehen sollen.»

Aber natürlich werden auch die Wähler beschimpft: «Sie haben richtig was kaputt gemacht», hält ihnen Christian Bangel in der «Zeit» vor, sie seien Menschen in ihrer Umgebung gar «mit Anlauf in den Rücken gesprungen». Dabei meint der unbeteiligte Zuschauer, dass hier einfach gewählt wurde. Demokratisch und legal.

Die «Süddeutsche Zeitung» keift: «Die deutsche Demokratie ist von rechts außen herausgefordert wie niemals seit 1949.» Laut der «Tagesschau» der ARD hätten die Wähler für einen Kandidaten gestimmt, «der keine Antworten auf kritische Fragen hat. Außer ein Lächeln, das manchmal ins Auslachen kippt». Der «Deutschlandfunk» warnt gar AfD-Gegner vor «Rachefantasien von Teilen der AfD-Anhängerschaft».

Selbst die «New York Times» verliert die Contenance und befürchtet, «dass die extreme Rechte zum ersten Mal seit dem Ende der Nazizeit in einem Teil des Landes die Macht übernehmen könnte».

Stefan Reinhart von SRF behauptet gar, dass viele Positionen der extremen Rechten gesetzeswidrig seien, «doch das ist vielen AfD-Wählern egal». Judith Wittwer sekundiert: „Die AfD verspricht ein Deutschland, das es nie gab“.

Natürlich verrutschen der «Republik» sämtliche Begriffe: «Kommt es zur AfD-Machtergereifung?» Dass eine demokratische Partei mit 43,8 Prozent aller Stimmen einen klaren Wählerauftrag zur Regierungsbildung hat, denaturiert in diesem Demagogie-Blättchen zur möglichen, historisch vorbelasteten «Machtergreifung». Zum Fremdschämen.

Maximilian Steinbeis will gar «unverhohlenen Ankündigungen von Deportation, Entrechtung und Gewalt» hören.

Bloss der «Blick» mahnt zur Vernunft; Chefredaktor Rolf Cavalli schreibt:

«Dämonisieren ist kontraproduktiv».

Als wollten viele Massenmedien alle Vorurteile über Lücken- und Lügenpresse bestätigen, wird ganz allgemein verneint, dass ein Wahlsieger das Recht habe, im Wählerauftrag zu regieren.

Das darf offenbar nur dann der Fall sein, wenn es sich um eine Partei handelt, die die Sympathien dieser Schmierfinken geniesst.

Dass sie mit genau dieser Berichterstattung einen hübschen Beitrag zum Erstarken der AfD geleistet haben, ist ihnen in ihrer Raserei nicht mal bewusst.

Hätte man keine «Brandmauer» errichtet, sondern spätestens, nachdem die AfD die Zehn-Prozent-Hürde übersprang, ihr Regierungsbeteiligung angeboten, dann wäre sie höchstwahrscheinlich genauso wie die anderen Parteien auch an der Bewältigung der komplizierten Situation in Deutschland gescheitert und hätte ihren Nimbus als «wir machen dann alles anders und besser» verloren.

Aber um zu dieser banalen Erkenntnis zu gelangen, dafür braucht es einen Restbestand von Hirnzellen.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-08-um-17.09.15.png 448 1223 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-09-09 05:00:002026-09-09 08:30:38Brandmauer im Kopf
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  • Kleines Vademecum für Kommentarschreiber27. August 2020 - 16:08
  • Wer wir sind und was wir wollen25. August 2020 - 15:07
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