Noch ein Ausrutscher bei der NZZ

Andreas Rüesch dreht plötzlich im roten Bereich.

Der stellvertretende Leiter Ausland der NZZ fällt ruppig über den zurückgetretenen Leiter der US-Terrorabwehr her. Schon im Titel seiner Tirade stapelt er grobe Anwürfe aufeinander. Joe Kent sei ein Wirrkopf, antisemitisch dazu.

Deshalb sei er «ein höchst unglaubwürdiger Zeuge. Er ist ein notorischer Anhänger von Verschwörungstheorien und ein antijüdischer Agitator, zu dessen Abgang sich Amerika nur beglückwünschen kann.»

Wer, noch dazu in der NZZ, dermassen austeilt, sollte vielleicht ein paar Argumente für diese Hassrede haben. Da wird es dann aber ganz, ganz dünn:

«Der vermeintliche sicherheitspolitische Experte behauptet allen Ernstes, dass bereits bei der Entscheidung zur Irak-Invasion von 2003 die Israeli die Fäden gezogen hätten. Es ist eine bösartige Verdrehung der Tatsachen, da Israel damals in Wirklichkeit keineswegs begeistert über den von der Regierung Bush beschlossenen Krieg gewesen war.»

Der vermeintliche Kenner der Sachlage Rüesch behauptet allen Ernstes, dass Israel damit nichts zu tun gehabt habe. Und vergisst (oder verdrängt), dass Israel die USA mit Geheimdienstinformationen über Saddam Hussein fütterte, darunter die blanke Lüge, dass der Diktator über Massenvernichtungswaffen verfüge. Der ehemalige israelische Botschafter in den USA und damalige Regierungsberater  Salman Shoval sagte in einem Interview 2003 in aller Offenheit: «Saddam Hussein ist für Israel eine direkte Gefahr». Denn «so eine Gefahr wie Hussein darf nicht einfach weiter bestehen, … daher unterstützen wir die amerikanische Position».

Kent betrauert in seinem Rücktrittsschreiben den Tod seiner Frau, die einem Anschlag in Nordsyrien im Jahr 2019 zum Opfer fiel. Das sei in einem «von Israel fabrizierten Krieg» geschehen. Man kann über diese Analyse geteilter Meinung sein, aber: «Dass Kent sogar den Tod seiner Frau für abstruse Theorien instrumentalisiert, wirkt infam.»

Selten etwas Hämisch-Infameres gelesen.

Dann galoppiert Rüesch in die Schlusspointe seines miesen Machwerks: «Kent ist offensichtlich ein Extremist, der überall die bösen Israeli am Werk sieht. Warum sollte man ihm da abnehmen, dass Trump Iran auf israelisches Geheiss angegriffen habe

Vielleicht könnte man Kent abnehmen, dass er Kraft seines Amtes etwas mehr Innensicht hat als der ausser sich geratene Rüesch. Damit das seine Hinrichtung von Kent nicht stört, verzichtet Rüesch vollständig darauf, den Kernpunkt des Rücktrittsschreibens zu erwähnen.

Der besteht darin, dass Kent keinerlei unmittelbare Gefahr erkennen konnte, die vom Iran gegen die Sicherheit der USA ausginge – was der einzig erlaubte Grund für Präsident Trump wäre, diesen Angriffskrieg ohne Vorwarnung und ohne Erlaubnis des Parlaments loszutreten.

Und wenn es diese Gefahr nicht gibt, dann handelt Trump einmal mehr illegal. Genau wie im Fall Kubas. Die völlig abgewirtschaftete Insel stellt weder eine Bedrohung der Sicherheit der USA dar, noch unterstützt sie den internationalen Terrorismus. Das gibt Trump aber als Grund für sein völkerrechtswidriges Ölembargo an.

Stattdessen will Rüesch am Schluss Kent den Todesstoss versetzen: «Aber wer Trumps Iran-Kurs hinterfragt, sollte mit Argumenten operieren, nicht dubiose Zeugen vorführen. Joe Kent ist kein Held, sondern ein antisemitischer Wirrkopf.»

Da gehört auf einen groben Klotz ein grober Keil: wer einen hochdekorierten Mann in leitender Funktion, der aus Protest zurücktrat, dermassen niedermacht und dabei nicht den Schatten einer nachvollziehbaren Begründung dafür liefert, dass Kent ein «antisemitischer Wirrkopf» sei, der ist sicherlich fehl am Platz als stellvertretender Auslandchef einer Qualitätszeitung, die normalerweise Wert auf gesittete Auseinandersetzung mit fundierten Argumenten legt.

Da passt dieses Geschwätz und Gepolter wie die Faust aufs Auge. Offenbar hat auch God Almighty Eric Gujer ein Qualitätsproblem. Zum möglichen Abgang Rüeschs könnte man den NZZ-Leser nur beglückwünschen. Vielleicht könnte er dann zusammen mit Urs Gehriger von der «Weltwoche» ein Pressebüro für absonderliche Wahrnehmungen der Wirklichkeit aufmachen.

Ach, Häsler

Der Mann gibt nicht auf. ZACKBUM schon.

Es gibt die Koalition  der Willigen. Die Achse des Bösen. Und dann gibt es Georg Häsler. Nur echt im Kämpfer, mit Vollbart und grimmigem Blick. Und mit düsteren Ansagen und markigen Forderungen in der NZZ.

Diesmal:

«Eine Koalition der Vernünftigen muss die Geschicke in die Hand nehmen – über die Sicherheitspolitik hinaus – und ein Programm für mehr Einigkeit und mehr Widerstandskraft erstellen.»

Offensichtlich ist unser Stossseufzer Wer stoppt Häsler? unerhört verschallt. Nun reitet er wieder, und ZACKBUM weiss, wann genug ist. Also ein letztes Mal die Kriegsgurgelgurgel.

Diesmal greift er gleich am Anfang weit in die Geschichte zurück: «Das alte Bern ging satt, selbstgefällig und an der feudalen Sorglosigkeit der Patrizier unter.» Ach was. Und das junge, also zumindest aktuelle Bern?

Gemach, auch sein neues Steckenpferd, historischer Ausflug, muss Häsler zuerst zu Tode reiten: «Gewiss, das Ancien Régime hatte sich längst überholt, und es herrschte damals Krieg in unmittelbarer Nähe.» Also war damals doch einiges anders als heute. Oder nicht? «Aber das Denken der politischen Elite scheint sich kaum verändert zu haben.»

Potz tausend: «Auch der Bundesrat von 2026 – und mit ihm die Berner Blase aus Beratern, Verbandsfunktionären und Parlamentariern – glaubt, die Kriege der Gegenwart gingen die Schweiz im Grunde nichts an.»

Alles schlappe Zivilisten, Weicheier, Drückeberger. Dabei ist es mal wieder Mathäi am Letzten: «In der Welt der realen Rüstungspolitik rast der Schweiz die Zeit davon.» Und nur einer kann mit ihr Schritt halten, mit der rasenden Zeit. Der rasende Häsler natürlich.

Alle anderen hingegen, ein Bild des Jammers: «Eine vernünftige Sicherheitspolitik ist gegenwärtig blockiert – wie fast alle grösseren Projekte des Bundes

Kurzer Marschhalt, um dem Herrn aus Herrliberg eine reinzuhauen: «Die SVP unter ihrem Vordenker Christoph Blocher setzte die Versatzstücke der bürgerlichen Schweiz nach ihrem Gutdünken wieder zusammen – zu einer Karikatur eines supersouveränen Landes, das es nie gegeben hat

Himmels willen, was tun, ausser beten? «Es braucht deshalb jetzt dringend eine Koalition der Vernünftigen, die die Dinge an die Hand nimmt. Politikerinnen und Politiker aus allen Parteien, denen es nicht darum geht, die eigene Blase zu bespassen, sondern im Landesinteresse zu handeln

Das bestünde worin? Auf Spassbremse Häsler hören, heisst endlich wieder siegen lernen: «Die Bedrohung schafft eine hohe Dringlichkeit, jetzt Geld in die Hand zu nehmen, um mindestens die nötigen Mittel für die Luftverteidigung zu beschaffen

Da geht noch einer: «Statt endlos um die Neutralität zu tanzen, könnte die Koalition der Vernünftigen einen neuen Anlauf nehmen, das Dach-Format – die Zusammenarbeit der deutschsprachigen Länder – zu einer Alpenallianz mit Frankreich, Italien und Slowenien zu erweitern: für einen gemeinsamen Luftschirm

Gerade ist er so schön mit dem Luftschirm am Abheben, da erinnert er sich plötzlich, dass a) der Platz dann mal alle ist, und b) mit einer Artikelklammer doch der Anfang am Schluss wieder aufgenommen werden muss. Aber woher nehmen, und nicht stehlen? Da kraulte sich Häsler gedankenverloren den Bart und kam auf diese Glanzidee:

«Als die Franzosen das alte Bern besetzten, raubten sie den Staatsschatz der gnädigen Herren. Die volle Kasse nützte nichts. Der Legende nach liegt das Berner Gold vor der Küste Ägyptens. Die Republik der Patrizier zerfiel. Eine neue, beständige Ordnung begann erst 1848 mit dem modernen Bundesstaat, der jetzt – wie schon im Ersten und im Zweiten Weltkrieg – vor einer Bewährungsprobe steht. Die Schweiz braucht ein Programm für mehr Einigkeit und Widerstandskraft

Und ZACKBUM (wohl auch seine Leserschaft) braucht dringend eine Häsler-Pause. Mit reichlich Gurgelwasser.

Der Propaganda-Journalist

Urs Gehriger ist immer noch stramm auf Trumps Seite.

Er kann zwar meins und deins nicht immer unterscheiden. Aber seit er als Trump-Groupie seinen Helden im Palast der absoluten Geschmacklosigkeit erleben durfte und über Melanias wippenden Rock schwärmen, hat er das Licht gesehen.

«Ein Bote tritt an Trump heran. Der Präsident steht auf, breitet den Arm um den Emissär und gibt ihm mit seinem weiten Jackett Deckung wie Batman mit seinem Cape. Es ist einer jener intensiven Momente, die Trump-Vertraute die «New Yorker Minute» nennen.»

Gehriger ist sicherlich der einzige Journalist der Welt, der Trump mit Batman verglichen hat.

Aber zurück zur bitteren Aktualität. Da zweifeln doch immer mehr (auch in der «Weltwoche», horribile dictu «Tickt Trump noch richtig?», Wolfgang Koydl) an der Weisheit des Mafioso im Weissen Haus.

Aber auf einen Büttel kann sich Trump verlassen. «Umfragen zeigen: Maga steht mit 94 Prozent hinter «Epic Fury»», weiss Gehriger. Woher er das weiss? Das ergebe eine «Studie» der Vanderberg Coalition, die sei «spezialisiert auf Trump-Wähler, bei bisherigen Umfragen konnte sie eine hohe Genauigkeit ausweisen».

Aber wie seriös ist denn diese Quelle? Nicht wirklich. Keine Angaben zur Methode der Umfrage (Stichprobe, Gewichtung, Zeitraum, Teilnehmerzahl, Fehlermarge): typische Anzeichen für Propagandaumfragen. Hier konkret:

Diese «Umfrage» erfüllt gleich mehrere Kriterien für propagandistische oder unseriöse Daten:

  • nicht überprüfbare Grundlage
    politisch selektive Zielgruppe
    keine Transparenz
    starkes Framing

Die Zielsetzung dieser Beeinflussungsgruppe sind klar: «Die Vandenberg Coalition ist eine gemeinnützige, überparteiliche Organisation, die sich für eine starke und stolze amerikanische Außenpolitik einsetzt, die den Interessen der Amerikaner im ganzen Land gerecht wird.» Stark und stolz, könnte direkt von Trump sein.

Damit zeigen also Gehringers «Umfragen», dass sie gar nichts Aussagekräftiges, dafür lediglich propagandistisch Verwertbares beinhalten. Nun ist der Anlass seiner «epic fury», dass immerhin der Terrorabwehrschef der USA zurückgetreten ist. Er könne seine Tätigkeit nicht länger verantworten, bei diesem Präsidenten, schimpft er.

Gehriger schimpft zurück: «Wer hat je von einem Mann namens Joe Kent gehört?» Dass das daran liegen könnte, dass Kent in seiner Position nicht gerade das Licht der Öffentlichkeit suchte, geschenkt. Auf jeden Fall behauptet der doch, «es habe «keinerlei Geheimdienstinformationen» über einen unmittelbar bevorstehenden iranischen Grossangriff gegeben. Und: Israel und seine Lobby in den USA hätten Trump in den Krieg geködert».

Damit hat es Kent bei Gehriger verschissen: «Kents faktenfreie Klage, geäussert auf Tucker Carlsons Online-Podcast, klingt eher wie eine antisemitische Verschwörungstheorie als glaubwürdige News», behauptet Gehriger verschwörerisch und faktenfrei.

Sicherlich hat Gehriger die ganzen zwei Stunden (!) dieses Podcasts angehört, in dem sich vor allem Carlson episch über das Problem verbreitert, dass Kritiker der US-Aussenpolitik, die sich im Nachhinein als richtig erwiesen, immer steifen Gegenwind kriegen, das sei schon seit dem Vietnamkrieg so gewesen.

Wer sich die zwei Stunden antun will, hört hier einen kompetent und differenziert argumentierenden Kent. Wer das ist, im Übrigen? Kent war 20 Jahre in der US-Armee mit 11 Kriegseinsätzen bei den Special Forces im Kampf gegen internationalen Terrorismus, mehrfach dekoriert.

Einer, der weiss, worüber er spricht, wenn er sagt:

«Ich kann den andauernden Krieg in Iran nicht guten Gewissens unterstützen. Iran stellte keine unmittelbare Bedrohung für unser Land dar.»

Nicht nur Carlson oder Kent kritisieren Trump dafür, schon wieder eines seiner Wahlversprechen (keine neuen Kriege) gebrochen und sich konzeptlos in einen völkerrechtswidrige Angriffskrieg gegen den Iran geworfen zu haben, der die gesamte Weltwirtschaft bedroht.

Aber Gehriger rückt alles zurecht:

«Gemäss dem Narrativ von der wegbrechenden Basis sei Trump ein «Blindflieger», der von Israel gesteuert werde. Dissidenten wie Kent sind nützliche Figuren, um dieser Kampagne vermeintlich Gravitas zu verleihen. Mit der Wirklichkeit haben sie wenig zu tun, wie die zitierte Umfrage nahelegt

Nützliche Figuren, um den Ausdruck Idioten zu vermeiden, behauptet die Figur Gehriger. Mit der Wirklichkeit hat allerdings die von ihm zitierte «Umfrage» wenig zu tun, auch scheitert sein Versuch, Kent zu diskreditieren. Zudem zeugt sein Rekurs auf diese unbedeutende Propagandaorganisation, die ausserhalb der Politik in Republikanerkreisen kaum bekannt oder von Bedeutung ist, dass er etwas verzweifelt nach Pro-Trump-Stimmen sucht.

Man fragt sich bloss: wieso tut Gehriger das? Ist er immer noch Melanias schwingendem Rock betört und sieht in Trump die Reinkarnation von Batman? Ob ihm mal einer sagt, dass der Fledermausmann eine Comic-Figur ist?

Der Schlaf der Vernunft

Wenn der mächtigste Mann der Welt im roten Bereich dreht, weil er mal wieder der Loser ist, dann kann man nur in Deckung gehen.

Der Krieg mit dem Iran sei eigentlich vorbei; es gebe faktisch nichts mehr zu bombardieren. Und die bedingungslose Kapitulation werde gerade verhandelt, behauptet Donald Trümmel-Trump.

Kuba? «Ich glaube ich könnte damit machen, was ich will.» Denn er habe «die Ehre», die letzte Insel des real existierenden Surrealismus «zu übernehmen».

Wie geht es der US-Wirtschaft? «Fast jede Zahl hat sich von der schlechtesten zur besten entwickelt». Und: «Unsere Nation ist zurück. Grösser, besser, reicher und stärker als jemals bevor.»

Steigende Ölpreise, drohendes Chaos auf den Weltmärkten, Produktions- und Energieengpässe wegen des ziellosen Angriffskriegs auf den Iran? «Ich habe einen Plan für alles.»

Noch mehr Wolkenkuckucksheim? «Wir stehen vor einem Wirtschaftsboom, wie ihn die Welt noch nie erlebt hat.» Oder: «Das Wachstum explodiert, die Produktivität steigt rasant, die Investitionen boomen, die Einkommen nehmen zu

Mit einer Aussage hat US-Präsident Donald Trump recht:

«Wir machen einen Haufen Geld.»

Allerdings trifft die nur auf ihn, seinen Clan und vor allem auf den militärisch-industriellen Komplex der USA zu.

Er und sein Clan bereicherten sich im ersten Jahr seiner zweiten Amtszeit um schätzungsweise 3,3 Milliarden Dollar, wie die «Financial Times» ausrechnete. Und US-Rüstungskonzerne kassierten zwischen 2020 und 2024 durch Pentagon-Aufträge 2,4 Billionen Dollar, 2400 Milliarden.

Die Wirklichkeit ist düster. Wie seine Vorgänger in Afghanistan und im Irak versinkt Trump in einem Krieg im Nahen Osten, den er nicht gewinnen kann. Der Iran ist nicht Venezuela. Seine Führer sind religiöse Fanatiker, ihre Revolutionsgarden sind voller todesmutiger Märtyrer, die ernsthaft daran glauben, mit 72 Jungfrauen belohnt zu werden.

So wie im grausamen Krieg zwischen dem Irak (damals noch von den USA unterstützt) und Iran, bei dem es mindestens eine halbe Million Tote gab.  Da wurden Jugendliche und Kinder in Minenfelder gejagt. Um den Hals einen goldenen Plastikschlüssel, der das Tor zum Paradies öffnen sollte.

Und sein Zollschlamassel? «Ich glaube, dass mit der Zeit die von ausländischen Staaten gezahlten Zölle das heutige System der Einkommensteuer weitgehend ersetzen werden

Diese Aufzählung könnte beliebig fortgesetzt werden. Aber es ist so schon offenkundig: der Mann hat offensichtlich den Kontakt zur Realität verloren.

Einzig in der Selbstbereicherung mit Mafiamethoden ist er ziemlich gut. Er verlangt Schutzzölle und -abgaben gegen eine Bedrohung, die er selbst darstellt.

Nun hat er, im Gegensatz zu all seinen vorherigen Aussagen, zum ältesten Mittel der Politik gegriffen, wenn es nicht so läuft, wie es sollte.

Im satirischen Film «Wag the dog» (Wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt) gibt es die grossartige Szene, wo ein US-Präsident seinen Spin Doctor fragt, was dem gegen seine sinkenden Umfragewerte einfalle. Der denkt kurz nach und antwortet: Wir sind im Krieg. – Gegen wen denn?, fragt der Präsident. Daran arbeite ich noch.

Das war Fiktion, in der Realität wurde Trump von den eigenen Beratern überzeugt und von Israels Präsident Netanyahu bedrängt, ohne Kriegserklärung und somit völkerrechtswidrig gegen den Iran loszuschlagen.

Wie sagt die einflussreiche konservative Stimme Tucker Carlson richtig: Er sehe nicht, wie dieser Krieg das Leben eines einzigen Amerikaners verbessere. Das Vorgehen Trumps sei «absolut widerlich und böse». Carlson sei nicht schlau genug, um zu verstehen, dass auch dieser Krieg dazu diene, die USA wieder gross zu machen, fetzte Trump zurück.

Nun ist es nicht so, dass hier ein einsamer Amok im goldüberkrusteten Oval Office sitzt und irre Entscheidungen trifft, während alle um ihn herum schwindlig werden vor lauter Kopfschütteln.

Es ist auch nicht so, dass es wenigstens ausserhalb der USA keinen nennenswerten Prozentsatz von Anhängern und Unterstützern dieses Katastrophen-Trumps gäbe. Selbst in der Schweiz sind es immer noch laut Umfragen bis zu 30 Prozent, die ihm ihre Stimme geben würden, wenn sie könnten.

Es ist erst ein Jahr von maximal vier vergangen, in denen Trump die Welt, wie wir sie kannten, zum Schlechteren verändern kann und wird.

Frei von Vernunft wird er sie mit den Ungeheuern anfüllen, die deren Schlaf gebiert. Der ziellose Krieg gegen den Iran hat das Potenzial, einen Weltbrand auszulösen.

Offensichtlich hat sich das stabile Genie im Weissen Haus auch hier krachend getäuscht. Die Widerstandskraft, das Waffenarsenal und die Möglichkeiten zur Gegenwehr des Irans sind bedeutend grösser als vermutet. Alleine die Sperrung der Strasse von Hormus (unvorhersehbar und überraschend) hat unübersehbare Auswirkungen auf die Weltwirtschaft.

Sollte der Iran gezielt Wasserentsalzungsanlagen der umliegenden arabischen Staaten angreifen und zerstören, bräche dort Chaos aus. Denn in der Wüste, was Dubai und Co. ist, lebt es sich ohne Wasser schlecht.

Im asymmetrischen Krieg (eine iranische Drohne kostet ein paar tausend Dollar, ein US-Geschoss von 4 Millionen aufwärts) kann auch eine militärisch unterlegene Macht locker mithalten.

Was wird passieren, wenn Trump einsehen und zugeben muss, dass eine bedingungslose Kapitulation nicht erfolgen wird? Wird er Bodentruppen schicken? Oder wird er zur ultimativen Drohung greifen – dem Einsatz von Atomwaffen? So wie es der andere Loser im Kreml auch schon getan hat?

Da wollen wir doch lieber die Augen schliessen und das Leben geniessen, solange noch das Lämplein glüht …

Ist das peinlich

Das Recherchedesk von Tamedia scheitert an einer einfachen Aufgabe.

Ist halt blöd, wenn seit längerer Zeit keine Hehlerware in Papers, Leaks oder gar Secrets verwandelt werden kann. Da mussten sich die Cracks Oliver Zihlmann, Anielle Peterhans und Christian Brönnimann ein anderes Betätigungsfeld suchen.

Menschenhandel, Kinderprostitution, Asylmissbrauch, versteckte Gelder auf kleinen Inseln im Meer? Ach was, da gibt es Schlimmeres: Velodiebstahl!

Echt jetzt? Aber ja, die Lage ist dramatisch: «Über 54’000 Velos wurden 2024 in der Schweiz gestohlen.» Erschütternd: «Oft stecken organisierte Banden dahinter.» Noch öfter mit Migrationshintergrund, aber he, wir sind bei Tamedia.

Dort gibt es bekanntlich keine Qualitätskontrolle mehr. Also darf das Trio infernale alle Peinlichkeiten ihrer lebensgefährlichen Recherche ausbreiten:

«Es dauert genau 79 Minuten. Am helllichten Tag stellen wir unser Velo vor dem Basler Bahnhof SBB ab. Unverschlossen. Dann vibriert das Smartphone in der Tasche des Reporters. Der GPS-Tracker meldet: Das Velo bewegt sich, aber bevor wir den Dieb stellen können, bringt er es an denselben Standort zurück.»

Eigentlich müsste man so einen Flop einfach übergehen. Aber he, wenn so wenig Fleisch am Knochen ist, dann muss alles herhalten.  Reporterglück: «Eine gute Stunde später wird es schon wieder geklaut.» Verfolgungsjagd mit quietschenden Reifen, dann Hatz zu Fuss, Überspringen von Zäunen und Nahkampf? Ach was: «Der Mann entschuldigt sich und gibt das Velo zurück.»

Zeit für den Aufschwung ins Allgemeine: «Der Recherchedesk von Tamedia wollte wissen, warum die Diebstahlzahlen in der Schweiz massiv steigen.» Nach knapp 5000 A, Spoiler, weiss der Leser, dass er es nach diesem Artikel auch nicht weiss. Dabei hatte man sich so Mühe gegeben: «Dafür haben wir zwei Velos mit einem GPS-Tracker und zwei Airtags präpariert und sie in Basel, Zürich und Bern platziert

Ein Tracker und zwei AirTags? Sparmassnahme?

Aber wow, Walraff wäre stolz auf diese Investigativjournalisten. Bitteres Resultat: «Ein Dutzend Mal wurde unser Velo entwendet.» Äh, und das zweite? Aber gut, das sind Details in der Hitze des Gefechts.

Worin bestand das? «Wir haben die Täter in Parks, vor Bahnhöfen, in Wohnquartieren und sogar in einem deutschen Wald aufgespürt. Die Ausreden zeichnen das Bild einer Gesellschaft, in der fremdes Eigentum manchmal erstaunlich schnell zum Allgemeingut wird.»

Die Gesellschaft ist halt auch nicht mehr das, was sie einmal war. Das gilt allerdings auch für den Recherchierjournalismus.

Als Schlussgag vermelden die Recherchegenies noch einen Totalflop. Als das Velo in Bern geklaut wird, findet der Dieb den GPS-Tracker und schmeisst ihn weg. Auch der AirTag verstummt, dann meldet er sich wieder. Er liegt bei einer Waschgarage rum. «Vom Velo fehlt jede Spur.»

Ob das auf Redaktionsspesen ging? Oder ob beschlossen wurde, dass so viel Unfähigkeit finanziell bestraft werden muss? Auf jeden Fall versucht der Recherchedesk, aus dieser müden Story so viel wie möglich herauszumelken:

ZACKBUM ist gespannt, womit das noch unterboten werden kann. Wird nicht einfach, aber wir sind zuversichtlich: die schaffen das.

Tamedianer, fürchtet euch

Denn Jessica Peppel-Schulz (oder ihr plappernder Avatar) hat ein Interview gegeben.

Eigentlich braucht es Mitgefühl. Wie soll das ein aufrechter Journalist, von denen gibt es noch ein paar wenige, nur aushalten? Die publizistische Leiter nach unten Simon Bärtschi übt sich als Terminator. Laut «Schweizer Journalist» feuert er mal so die bewährte Produktionschefin Viviane Joyce mit der Begründung, es brauche frischen Wind.

Den sollte ihr Stellvertreter, zufällig ein guter Freund von Bärtschi, dann bringen. Der kündigt stattdessen selbst. So geht gutes Management. Zudem scheint Bärtschi immer wieder darauf hinzuweisen, dass der Kündigungsstopp dann im September auslaufe. Auch das nächste Rausschmeissen wird der völlig schmerzfreie Mann mit dem verkniffenen Blick sicher als Qualitätssteigerung anpreisen.

Als wäre das nicht schwer genug zu ertragen, gibt seine Chefin Jessica Peppel-Schulz (die mit der grossen Leitungserfahrung als CEO) persoenlich.com ein Interview. Ihr, die ihr das lest, lasst alle Hoffnung fahren, wenn ihr für Tamedia arbeitet. Noch.

Erste nahtliegende Frage an die Quotenfrau: wenn die Gewinnmarge 2025 bei schlappen 3 Prozent lag, wie soll dann das Ziel von 8 bis 10 Prozent für 2026 erreicht werden? Denn wenn nicht, wird Pietro Supino sehr sauer.

Margenfreie Antwort: «Das Ziel ist ambitioniert, ich weiss – es ist aber bewusst so gesetzt, um uns zu zwingen, alte Strukturen loszulassen, auch wenn das schmerzhaft sein kann.»

Alte Strukturen loslassen, grandioser Schönsprech für: weil meine Strategie bislang nicht geklappt hat, muss halt noch mehr weggespitzt werden.

Oder gäbe es andere Möglichkeiten?

«Unsere Hebel sind klar: Erstens unsere qualitativen Inhalte, zweitens wollen wir mutige und moderne Produkte entwickeln, und drittens legen wir den Fokus auf sehr gute Beziehungen zu unseren Abonnenten. Wenn wir diese drei Hebel konsequent umsetzen, ist das Ziel erreichbar – aber nur mit grossem Engagement und klarem Fokus.»

Klare Hebel, alles klar? Nur: wo sind denn die qualitativen Inhalte, wenn selbst die «Weltwoche» online den Tagi bei den Single Visitors abtrocknet? Und wo sind denn die mutigen Produkte? Schliesslich: ist Leserverarsche mit Gaga-Interviews, Bauchnabelbetrachtungen und realitätsfernem linksgrünem Gedöns Ausdruck von guten Beziehungen?

Aber Nick Lüthi führt halt auch gerne Wohlfühlinterviews und verzichtet auf kritische Nachfragen. Also kommt noch jede Menge Gedöns hinterher:

«Diese Fokussierung auf unsere Kernmarken bedeutet nicht, dass unsere weiteren Titel weniger wichtig wären – im Gegenteil.» Kicher. «Unsere Strategie ist es, diese Stärken gezielt weiter auszubauen.» Gröl. «Wir befinden uns in einer Phase der Transformation», schenkelklopf.

Noch ein Heuler: «Unser Fokus liegt dabei klar darauf, unsere publizistische Leistungsfähigkeit zu sichern und gleichzeitig effizienter zu werden.» Und dann Breaking News: «Dieses Geschäftsmodell verschiebt sich gerade fundamental – weg von Print, hin zu Digital.» Wer das ohne rot zu werden noch im März 2026 sagt, dem ist eigentlich nicht mehr zu helfen.

Und bevor der ZACKBUM-Leser abklopft und um Gnade winselt, nur noch einen Abschiedsschwurbel zum Schönsaufen: «Alles, was uns publizistisch unterscheidet – also Recherche, Einordnung, lokale Nähe, starke Persönlichkeiten – das stärken wir gezielt.»

Denn völlig verfehlt wäre die Strategie, das gezielt zu schwächen. Durch demotivierendes ständiges Rausschmeissen zum Beispiel.

Nein, der hier muss noch sein, auch wenn’s weh tut: «Mein Ziel ist es – und das sage ich jetzt auch als Mutter von drei Kindern –, dass wir als Tamedia eine führende Rolle in dieser grossen Transformation einnehmen können.»

ZACKBUMs Ziel wäre, dass sich diese Mutter mehr um ihre drei Kinder und weniger um Tamedia kümmern würde. Das wäre eine Wohltat für alle.

So, dann hoch die Flaschen, anders ist das Leben im Glashaus an der Werdstrasse nicht mehr zu ertragen.

Das ist Journalismus

Daniel Ryser blüht beim «Infosperber» auf.

Es gibt den Meinungsmüll. Den Befindlichkeitsschrott. Die Bauchnabelbetrachtung. All die vielen Methoden, die Leser davon zu überzeugen, dass ein Abo rausgeschmissenes Geld ist – ausser für Masochisten.

Über die Flexibilität von Daniel Ryser (WoZ, «Republik», dann zum Oberinfokrieger Roger Köppel, nun «Infosperber») haben wir uns schon genügend geäussert.

Aber jetzt hat er ein Stück vorgelegt, das ist so überzeugend und gut, dass man geneigt ist, Nachsicht walten zu lassen. «Krieg auf Kredit» vereint all das, was guten Journalismus ausmacht. Beeindruckende Recherche, gute Schreibe, ein Stück zum Lernen und Staunen, ein Erkenntnisgewinn.

Der englische Historiker Adam Tooze legte mit «Ökonomie der Zerstörung» eine Gesamtdarstellung der nationalsozialistischen Wirtschaft vor. Was die Zwangsläufigkeit der Entwicklung hin zum Zweiten Weltkrieg (und die Gründe, wieso er von Anfang an für Deutschland verloren war) schlüssig nachweist. Denn wo der Marxismus recht hat, hat er recht: natürlich bestimmt die Wirtschaft alles, bestimmt das Sein das Bewusstsein.

Ryser sammelt Daten über die Kosten des Irankriegs. Aus nicht allen bekannten, aber allgemein zugänglichen Quellen wie Medien, das «Costs of War»-Projekt, der RAND Corporation und anderen.

Die Zahlen sind so beeindruckend wie erschreckend. In lediglich einer Woche verschossen die USA Munition im Wert von über 11 Milliarden US-Dollar. Das sind Peanuts im Vergleich zu den Gesamtkosten aller kriegerischen Aktionen der USA nach 9/11. Hier sprechen wir von zwei Billionen Dollar, 2000 Milliarden. Die Versorgung der Veteranen der Irak- und Afghanistan-Kriege wird bis 2050 bis zu 2,5 Billionen Dollar kosten.

Ganz zu schweigen von «posttraumatischen Belastungsstörungen, Depressionen und traumatischen Hirnverletzungen, die zu den charakteristischen Langzeitfolgen der Nach-9/11-Kriege gehören».

Eine rein ökonomische Analyse erwähnt bewusst die ungeheuerliche Zahl von 900’000 Menschen, denen diese Kriege das Leben gekostet haben, nur nebenbei, weil der Fokus auf der Ökonomie liegt.

Erschwerend kommt für die USA hinzu, dass diese gigantischen Kosten nicht etwa aus laufenden Einnahmen finanziert werden, sondern auf Kredit. Alleine die Zinszahlungen dafür werden bis 2050 auf 6,5 Billionen Dollar anschwellen.

Ausgaben für Kriege haben normalerweise kein Return on Investment. Im Gegenteil, sie richten lediglich Zerstörungen an, die anschliessend mit weiteren Multimilliarden wieder repariert werden müssen.

Aber natürlich gibt es auch Kriegsgewinner und Profiteure. Auch hier nennt Ryser Zahlen und Namen:

«Für jeden Dollar, den Amerika für die Kunst der Konfliktverhütung durch Diplomatie ausgibt, fliessen zwei Dollar in die Kassen von Händlern, die von der Kriegsführung profitieren. Die Politikanalysten William D. Hartung und Stephen Semler haben berechnet, dass private Unternehmen zwischen 2020 und 2024 Pentagon-Aufträge im Wert von 2,4 Billionen Dollar erhielten, rund 54 Prozent der frei verfügbaren Militärausgaben von 4,4 Billionen Dollar in diesem Zeitraum.

Besonders konzentriert ist dieses Geld bei wenigen Konzernen. 771 Milliarden Dollar gingen an nur fünf Rüstungsunternehmen: Lockheed Martin (313 Milliarden), RTX – früher Raytheon – (145 Milliarden), Boeing (115 Milliarden), General Dynamics (116 Milliarden) und Northrop Grumman (81 Milliarden)

Eine solche Aufarbeitung lässt den Leser mit hilfloser und kalter Wut zurück.

Und mit der Frage, wieso kein sogenanntes Qualitätsmedium in der Schweiz in der Lage ist, eine solche Recherche durchzuführen. Stattdessen Gejapse in mehrwertfreien News-Tickern, das Interviewen von sogenannten Experten, die meistens im Konjunktiv Analysen und Prognosen abgeben, die schon veraltet sind, bevor sie gelesen werden. Dazu die gewichtigen Meinungsstücke selbstherrlicher Journalisten, deren halbgare Ansichten nun wirklich niemand interessiert.

Aber eine kleine Plattform wie «Infosperber» und ein begabter Rechercheur wie Ryser genügen, um in all diese Düsternis, all dieses Elend ein Glanzlicht zu setzen. Chapeau.

Tamedia-Leser sind Masochisten

Oder sagten wir das schon? Diesmal wieder: quälen mit Sophie Passmann.

Aleksandra Hiltmann, eine der Rädelsführerinnen der erregten 78 Tagi-Frauen, die belegfrei behaupteten, sexistisch missbraucht worden zu sein, findet Sophie Passmann überhaupt nicht gut. Warum? Schwer zu verstehen, ZACKBUM hat’s trotzdem versucht.

Der «Teil der Strategischen Content Planung von Tamedia» Annik Hosmann «schreibt im Ressort Leben schwerpunktmässig über Kunst.» Ihr Gefälligkeit- und Wohlfühlinterview mit Sophie Passmann ist keine.

Zu der Dame sollte man wissen, dass sie eigentlich kaum etwas auslässt, um attention zu generieren. Sie labert über «alte, weisse Männer», enthüllt ihr Innenleben (leidet unter Depressionen, einer bipolaren Störung, hatte Essstörungen, steht zu ihren Schönheitsoperationen und dem neuerdings blond gefärbten Haar);  zudem produziert sie munter Quotenflops.

Nun hat sie mal wieder ein Buch geschrieben und giert besonders nach Öffentlichkeit. Man muss allerdings die Behauptung von Hosmann, ihr Interview sei «so polarisierend wie unterhaltsam», als Lesertäuschung zurückweisen. Es ist höchstens paralysierend und unterirdisch.

Vor allem aber ist es wieder einmal die langweiligste Form des Interviews; zwei Gleichgesinnte liegen sich verbal in den Armen, während der gequälte Leser wegschnarcht – oder noch besser weiterscrollt.

Aber eben, die Berichterstatterpflicht. Schon die erste Antwort riecht nach ungewaschenen Socken an eingeschlafenen Füssen. Was will man auf diese Frage auch schon Intelligentes sagen: «Was ist der Unterschied zwischen Frauen und Männern im Internet?»

Passmann rumpelt los: «Wir alle haben antrainiert bekommen, dass Frauen uns immer ein bisschen gehören. Dass wir Kontrolle über sie haben, gerade über Frauen in der Öffentlichkeit, indem wir sie darauf hinweisen, wenn sie – fremde Frauen – etwas getan haben, was uns nicht gefällt oder unserem individuellen Anspruch nicht genügt.»

Hä? Gerne hätte ZACKBUM Kontrolle über Hosmann, aber das ist halt auch nur so eine Männerfantasie.

Mangels Kontrolle lässt Hosmann das blonde Nichts weiter labern: «Mir wird oft Oberflächlichkeit vorgeworfen, etwa weil ich meine Haare blond gefärbt habe. Es wird so getan, als hätte ich noch nie ein Buch geschrieben.» Ach was. Noch mehr Erkenntnisse, die man lieber nicht wissen möchte? «Gleichzeitig ist es natürlich lustig, dass die Männer, für die ich vor drei Jahren noch viel zu streitlustig und verkopft war, mich jetzt für eine dumme Bumsbiene halten.»

Öhm, dann doch lieber Verkopftes: «Es gibt also eine leichte Selbstermächtigung, indem man sich selbst mehr erlaubt, als einem eigentlich erlaubt werden sollte. Die andere Seite ist aber nicht ganz so spielerisch und harmlos: Man hat in der Gesellschaft, die Frauen ohnmächtig sehen möchte, eine kurzzeitige Lebenserleichterung, wenn man sich selbst in so eine ohnmächtige Position bringt

Hä? Vielleicht doch lieber Oberflächliches. «Damit einher geht ein veränderter Popfeminismus: von der Girlboss-Mentalität hin zu einem Feminismus, der bedeutet, dass eine Frau alles machen darf – auch wenn das bedeutet, dass ich zufälligerweise jeden Abend meinem Mann, von dem ich finanziell abhängig bin, das Essen kochen möchte

Hä? Muss man da als Mann wieder einmal vor dem Rätsel Frau kapitulieren? Oder wäre es sexistisch zu sagen, dass hier jemand ungebremst und ungehemmt Stuss erzählt? Die Interviewerin auf der ganzen Linie versagt hat?

Zudem Inneinsichten publiziert, die man auch nicht wissen möchte: «Ich habe lange in der Therapie darüber reden müssen, um zu verstehen: Mir fehlt das Gefühl der Genugtuung. Mich belastete es, wenn Leute mir oder anderen Personen im Internet etwas total Böses schreiben

Hä? Also als Beweis, dass sich ZACKBUM wirklich bis zum Ende durchgekämpft hat, die letzte Frage und die allerletzte Antwort darauf:

«Es gibt im Buch immer wieder Fragelisten, etwa: Was hat sie machen lassen? Sind das ihre echten Haare? Wie sind die so schnell gewachsen? Ging es Ihnen darum, den Leserinnen den Spiegel vorzuhalten?
Das sind Fragen, die ich selber im Buch nicht beantwortet weiss. Ich wollte die Leerstellen markieren, die auch die Essays haben. Und es sind Fragen, von denen ich behaupten würde, dass viele Frauen sie sich insgeheim stellen, obwohl sie manchmal empörend oder unverschämt sind

ZACKBUM weiss wieder einmal nicht die Frage zu beantworten, wieso es bei Tamedia null, aber null Qualitätskontrolle oder Rücksichtnahme auf den Leser gibt.

Kritzeleien an der Klowand

Blütenlese in eigener Sache. Ein Plädoyer für die Abschaffung der Kommentarfunktion.

Roger Köppel ergriff in der «Weltwoche» das Wort und liess es länger nicht los. «Narrenschiff» Europa» nannte er seine Titelgeschichte (hinter der Bezahlschranke). Es ehrt ihn und macht ihn und sein Blatt einzigartig, dass er mir die Möglichkeit zur Replik einräumte. Nein, noch toller, die WeWo fragte an, ob sie meinen Artikel hier auf ZACKBUM übernehmen dürfe.

Selbstverständlich.

Es ist klar, dass die meisten Leser der WeWo leider auch in einer Gesinnungsblase schweben, was bei vielen zu Schnappatmung und Hirnstarre führt, wenn es jemand wagt, ihrem Vordenker zu widersprechen. So weit, so gut, sinnvoll und richtig.

Allerdings überkommt einen das kalte Grausen, wenn man versucht, aus inzwischen 93 Kommentaren den durchschnittlichen IQ des WeWo-Lesers abzuleiten. Zunächst einmal beflügelt fast alle, dass feige Anonymität mutig macht. Obwohl die Trottel nicht wissen, dass man sie über ihre IP-Adresse dingfest machen könnte. Aber wozu die Mühe, in diesen Abfallhaufen zu steigen.

Bei der kleinen Auswahl von Höhepunkten ist zu verstehen, dass dabei null persönliche Betroffenheit mitschwingt. Wer seit Jahren mit eher kantigen Meinungen in der Öffentlichkeit steht, hat schon ziemlich alles gesehen. Und im Gegensatz zu den Wecheiern, die nach dem Kadi rufen, weil sie sich von uns beleidigt fühlen, kämen wir nie auf die Idee, das zu tun.

Was die folgende Aufzählung eigentlich will: man sollte selbst die moderierte Aufschaltung von Kommentaren seinlassen. Es gibt Organe, die eine Verifizierung der Kommentarschreiber verlangen. Nun, Peter Müller mit der E-Mail p.müller789@gmail.com ist ganz sicher eine real existierende Person.

Für Kommentare spräche höchstens noch, dass es eine möglicherweise therapeutisch nützliche Triebabfuhr für Gestörte, Zu-kurz-Gekommene und vom Leben und sich selbst Enttäuschte ist. Aber vielleicht gäbe es andere Möglichkeiten der Müllabfuhr als den Kommentar …

Der erste kann immerhin noch einen Hauch von Idee für sich in Anspruch nehmen:

«Wenn in einer Firma McKinsey auftaucht ist ihr Untergang besiegelt. Das selbe gilt bei Zeitungen wenn Zeyer auftaucht. Aktuell ist die WW und IP in freiem Fall.»

Das Pseudonym «wadlbeisser» spricht hier für sich selbst: «Wer schützt uns vor Zeyee?» (Alles immer in Originalorthografie) Der hier findet, alles sei schon gesagt, aber noch nicht von ihm: «Da die übergrosse Mehrheit der Kommentatoren hier bereits festgestellt hat, dass dieser Artikel nur als absoluter Nosens zu bezeichen ist, spare ich mir alles Weitere und kann nur zustimmen.
Erschreckend finde ich, dass es Menschen gibt, die solch einen Müll von sich geben. Ich kann einfach nicht glauben, dass das ihre eigene Meinung sein kann.»

«Sicher einer der schlechtesten Artikel, die Zeyer jemals geschrieben hat.» Langsam merkt es der geneigte Leser: ein argumentationsfreier Raum, dieses Gewäffel. «Ihr Text schafft nicht mal die Einstufung als gehobener Blödsinn

«René Zeyer, auch Gastautor bei der «Achse des Guten». Das sagt uns doch alles! Einer der Gutmenschen, wie sie überall hocken.» Dieser Trottel weiss nicht mal, welche politische Ausrichtung diese Plattform hat. «Zeyers Text ist das hilflose Moralgeschwafel eines Wichtigtuers», schwafelt einer hilflos.

Hier bringt einer einen leicht rassistischen Oberton ins Spiel: «Deutsche bleiben vom Geiste her leider immer Deutsche.» Aber eine «Heidi V.» zeigt immerhin einen Funken Humor: «Herr Zeyer, ich denke Sie brauchen ein starkes Pferd, um sich nicht zu (ver)irren

Hier hat ein Anonymus blitzschnell seine Meinung gebildet: «Schon beim Lesen der ersten Zeile wusste ich, wer da schreibt: ein Neidhammel!» Und auch der hier weiss es genau: «Mit diesem Text haben Sie sich als ernst zu nehmenden Journalisten komplett disqualifiziert

Wie kann man diesen Schrotthaufen zusammenfassen? Null Argument, lediglich Verbalinjurien aus der Deckung des verbalen Heckenschützen, der nicht mal in der Lage ist, mit seinem Namen zu seiner Herabwürdigung zu stehen. Stammtischniveau wäre eine Beleidigung dieser ehrwürdigen Veranstaltung; Kneipenschlägerei kurz vor Sperrstunde trifft es besser.

Natürlich gab es auch ein paar wenige Kommentare, die wenigstens versuchten, zu argumentieren. Aber bei 88 Stück doch erschreckend wenige.

Ach, und wie steht es mit den Kommentaren bei ZACKBUM? Gute Frage, liebe Kommentarschreiber, gute Frage. Etwas über 18’000 hat es seit Beginn gegeben. Dank strengen Erziehungsmassnahmen mussten nur eine Handvoll in den Papierkorb geschmissen werden.

Allerdings ist auch hier manchmal sehr störend zu bemerken, dass sich Kommentatoren ineinander verbeissen, statt, wie es sich gehört, auf den Inhalt des Artikels einzugehen.

Also Jungs (und Mädels und everybody beyond), das ist ein ordnungspolitischer Zwischenruf, wie das die NZZ nennen würde.

 

Schiebereien im Wolkenkuckucksheim

Kuba verhandelt mit den USA. Gelegenheit für Unverständnis und Missverständnisse.

Es rauschte durch die Gazetten von «Spiegel» bis hinunter zu Tamedia, bluewin, Watson, nau, SRF oder NZZ. Exemplarisch das Missverständnis im Kommentar von Alex Baur, eigentlich ein Lateinamerika-Kenner, in der «Weltwoche».

Der Anfang vom Ende, «Regime change», wird geraunt und gemutmasst.

Baur behauptet, Trumps «Fokus liegt auf den (legitimen) sicherheitspolitischen und den wirtschaftlichen Interessen der USA. Wer mit ihm kooperiert, kann mit lukrativen Geschäften rechnen – jenen, die sich querstellen, droht die wirtschaftliche Vernichtung. In Kuba und Venezuela zeitigte die Strategie bislang ermutigende Resultate.»

Die USA würgen die kleine Insel mit einem widerrechtlichen Ölembargo, mit der absurden Behauptung, sie unterstütze den Terrorismus und stelle eine Gefahr für die USA dar. Daran ist nichts legitim, das ist brandschwarz illegal, wenn Regeln und Rechte noch etwas gälten.

Und die lukrativen Geschäfte. Nun, die bestehen darin, dass die bislang herrschenden Regimes bereit sind, den Kuchen neu zu verteilen und den USA oder dem Trump-Clan ein grosses Stück davon abzugeben.

Das sind keine guten, sondern ausnehmend schlechte Nachrichten für die Bevölkerung. Seit dem Kidnapping mit Kollateralschaden von Venezuelas Machthaber Nicolás Maduro hat man kein Wort davon gehört, dass es der Bevölkerung besser gehe oder die Millionen von Flüchtlingen ins Land zurückstrebten.

Denn selbst wenn die marode Infrastruktur durch Investitionen repariert wird, dauert das eine gute Weile, und die dann munterer sprudelnden Öleinnahmen werden sicherlich nicht in erster Linie der Notleidenden Bevölkerung zugute kommen.

Erschwerend kommt hinzu, dass sich in Kuba niemand ausmachen lässt, der den Verräterpart von Delcy Rodríguez einnehmen könnte. Den amtierenden Präsidenten Díaz Canel abzusägen, würde wenig bringen. Die Lücke, die er hinterliesse, würde ihn vollständig ausfüllen.

Aber wie in Venezuela der Staatskonzern PDVSA das ökonomische Machtzentrum ist, gibt es in Kuba den militärisch-industriellen Komplex GAESA, der fast monopolartig das Wirtschaftsleben beherrscht. Import/Export, Tourismus, Banken, Transport, die wenigen noch funktionierenden Fabriken, Dienstleistungen aller Art, das ist die Krake, die überall ihre Tentakel hat. Wer sie beherrscht, beherrscht Kuba.

Bislang ist das der Clan um Raúl Castro, der immer noch lebende Bruder des grossen Fidel. Der ruht inzwischen seit fast zehn Jahren unter einem riesigen Stein in Santiago de Cuba. Wohl deswegen, damit er nicht aus dem Grab steigt und die Schweinerei beseitigt, die sein Bruder seit seinem Tod angestellt hat.

Denn dieses Ausmass von Vetternwirtschaft, Korruption und ungehemmter offener Bereicherung, das gab es zuvor nicht. In den besseren Zeiten wechselte das damalige Politbüromitglied Carlos Lage, immerhin zuständig für die Wirtschaft, dann mal vom Velo auf einen Lada. Und eine Rationierungskarte musste kein Mitglied der cupola, der obersten Führungsschicht, benützen. Aber ansonsten wurde peinlich darauf geachtet, dass keine Funktionärsprivilegien offen sichtbar waren.

Bemerkenswert ist allerdings, dass Raúl Castro offenbar über alle Amtswege hinweg Familienmitglieder zu Verhandlungen mit dem US-Aussenminister Marco Rubio (Exilkubaner in zweiter Generation) geschickt hat.

Dass es wohl einer Mehrheit der Kubaner inzwischen egal ist, ob die Exilkubaner zurückkommen, die Yanquis wieder die Macht übernehmen und die Spielcasinos wieder in Betrieb gesetzt werden, ist das eine. Das läuft unter: alles lieber als ein weiter so.

Dass die Tausenden von kleinen und grossen Profiteuren des Regimes, zumeist Militärs, einfach kampflos auf ihre Pfründe verzichten würden und nicht wenigstens probieren, den vorhandenen Widerwillen der Kubaner gegen die imperialistische Grossmacht im Norden zu mobilisieren, ist sehr wahrscheinlich und das andere.

Ein Verräter zuoberst ist nicht in Sicht. Bombardieren oder punktuell mit Bodentruppen intervenieren, das ist wohl ausgeschlossen. Und viel mehr hat Amok Trump ja auch nicht zu bieten.

Da es andererseits wirklich nicht mehr so weitergehen kann, ewige Stromausfälle, Nahrungsmittelknappheit, Zusammenbruch der Infrastruktur, Schulen, Krankenhäuser, Müllabfuhr, ist eine Tatsache. Wo die Reise hingehen wird, ist absolut unvorhersehbar.

Morsches und Mürbes bricht manchmal plötzlich zusammen, wie man bei der DDR gesehen hat. Aber ob das auf der letzten Insel des real existierenden Surrealismus auch geschehen wird?