Rot, die Farbe der Dummheit

Wie man sich ohne Not in die Kacke manövriert.

Fangen wir beim Parteiprogramm der SP Schweiz an. Wirklich, immer noch den Kapitalismus überwinden und die Armee abschaffen?

Gehen wir weiter zur Parteispitze. Eine lange Zeit pausierende Mattea Meyer und ein durchaus auch Sabbaticals geniessender Cédric Wermuth. Beides ehemalige Jungsozialisten. Studenten, die noch niemals wirklich arbeitstätig waren. Sondern zwei Berufspolitiker.

Sie bedienen zwar ein wokes, städtisches Publikum, und Wermuth geriert sich als Frauenversteher, der deren Anliegen sogar noch besser als eine Frau vertreten kann. So seine putzige Begründung, als er eine SP-Ständeratskandidatin wegbügelte (und dann die Wahl verlor).

Zudem musste er als Polit-Oldtimer eine Sonderbewilligung einholen, dass er nochmals als Nationalrat kandidieren kann. Sonst wäre es eng geworden mit den Einnahmen.

Auf Kritik regieren beide mopsig. Als Rudolf Strahm bemängelte, dass die SP kein überzeugendes Konzept zur Zuwanderung habe, sich von ihrer Basis, der Arbeiterschaft, entfernt, zu moralisierend geworden sei und von einer kosmopolitischen Elite dominiert, schwiegen die beiden Vielschwätzer an der Spitze beleidigt.

Und schickten den Berner SP-Fraktionschef Samuel Bendahan vor, der Belangloses eierte.

Schon im Fall des seither mit einem Glanzresultat wiedergewählten Regierungsrats Mario Fehr zeigte die SP, dass ihr Linientreue wichtiger ist als eine erfolgreiche Politik. Als der sich für eine konsequente Durchsetzung des Asylrechts stark machte, beschloss die Geschäftsleitung der Zürcher SP, ihn 2021 ihren Delegierten nicht mehr für eine weitere Amtszeit als Regierungsrat zu empfehlen.

Darauf trat er nach 39 Jahren aus der Partei aus. Und erzielte anschliessend das beste Resultat aller Kandidaten.

Das Trauerspiel wiederholt sich nun mit Daniel Jositsch. Nach der alten Devise «tritt dir einer auf die Flosse, ist’s sicher ein Genosse», wurde der unbequeme Jositsch mit einer klassischen Intrige abgesägt. Zuerst kam ein absenderloses Papier in Umlauf, das alle seine Abweichungen von der Parteilinie aufzählte.

Als er eine Sonderdelegiertenversammlung beantragte, um seine Nomination für die nächsten Ständeratswahlen so früh wie möglich zu erlangen, lancierte sich die Zürcher Nationalrätin Jacqueline Badran via ein willfähriges Organ selbst als Ersatz. Dabei tat sie so, als sei sie erst kurz vor der DV auf diese originelle Idee gekommen.

Seither beharkt sie Jositsch in der ihr eigenen, zurückhaltenden Art («Möchtegern-Alphamännchen»). Jositsch keilt zurück, dass er sich schon frage, wieso Badran noch vor zwei Jahren seine Bundesrats-Kandidatur unterstützt habe, ihn jetzt aber als Ständerat für untauglich halte.

So sicher wie das Amen in der Kirche wird Jositsch morgen seine Kandidatur als Parteiloser oder zumindest ohne die Unterstützung der SP bekannt geben.

Damit hat auch hier die SP das schlimmstmögliche Szenario gebastelt. Wie im Fall Fehr hat sie einen Stimmengaranten ohne Not abgesägt. Ob es der Saftwurzel und Schwingerin des verbalen Zweihänders Badran gelingen wird, den Ständeratssitz für die SP zu halten, ist fraglich.

Ob es Jositsch gelingen wird, ihn ohne die Unterstützung der SP zu behalten, ist ebenfalls fraglich. Gut möglich, dass beide sich gegenseitig so viele Stimmen wegnehmen, das davon ein lachender Dritter profitieren wird.

Schon die ersten Scharmützel zwischen den beiden haben gezeigt, dass hier über politische Differenzen hinaus eine gegenseitige, tiefe Antipathie existiert. Erschwerend kommt noch hinzu, dass Badran zunehmend einen gewissen Altersstarrsinn entwickelt und bei Zahlenangaben immer fahriger und unsicherer wird, was sie mit verbalen Blutgrätschen zu überspielen versucht.

Und die Parteispitze? Schweigt auch hierzu, habe anscheinend Jositsch ein «Gesprächsangebot» gemacht. Worauf er dankend verzichtete; er wüsste nicht, worüber man noch sprechen solle.

Kommt halt davon, wenn ideologisch verbohrte Leichtmatrosen am Steuerruder sind.

Ensemble für ein Schmierentheater

Es folgt die Mannschaft in alphabetischer Reihenfolge.

Jean-Martin Büttner, Fabian Eberhard, Dominik Feusi, Markus Somm und als Special Guest Star Roger Köppel.

Was wird genau aufgeführt? Ein Ein-Personen-Stück und eine gemeinsame Leistung, bzw. Schmiere. Der Prolog stammt vom Ein-Mann-Recherchierteam Fabian Eberhard. Das ist der stellvertretende Chefredaktor des «SonntagsBlick», der nicht mal die Büroräumlichkeiten des Internetradios Kontrafunk findet. Daraus aber eine grosse Fake-Enthüllungsstory bastelte.

Das ist der Denunziant, der titelt «Russland nutzt «Weltwoche» für Propaganda-Operation». Und ausholt: «Tatsächlich verbreitet das Blatt von Roger Köppel seit Russlands Angriff auf die Ukraine immer wieder plumpe Putin-Propaganda.» Um aber im Lead zurückzukrebsen: «Der Bayerische Verfassungsschutz stellte die Zeitung deshalb an den Pranger – nun muss er zurückkrebsen».

ZACKBUM nannte diese Methode «Ich sage nicht, Sie sind ein Arschloch». Nun hat Eberhard einen neuen «Scoop» gelandet:

Das hat dem zweiten Kopf neben Markus Somm beim «Nebelspalter» die ersehnte neue Stelle in der Wirtschaftsredaktion der NZZ gekostet. Es wäre tatsächlich die Frage gewesen, was der Mann von Wirtschaft versteht. Wenn man sich die Zahlen des «Nebelspalter» anschaut: nichts. Nach diversen Sparmassnahmen musste Feusi dort so ziemlich alles machen, während sein Chef Somm auch auf allen Kanälen wenig Sinniges und viel Unsinniges verzapft («die Israeli sind die Guten, man sollte Moskau bombardieren»).

Was tun, wenn das Hirn leer, aber der Internetauftritt noch leerer ist? In der Not greift der Journalist zum Plagiat. In diesem Fall schrieb Feusi fast eins zu eins eine Schwachsinns-Meinung des britischen «Telegraph« ab. Immerhin hat Eberhard hier recherchiert und kommt zum Ergebnis: «Eine Analyse von Blick zeigt, dass rund 90 Prozent des Textes von Feusi nahezu eins zu eins vom britischen Original übernommen wurden.» Das untermauert er sogar in seinem Artikel.

Die Untat geschah schon im Herbst 2024. Und sei damals einem Redaktor der alten Tante aufgefallen: «Das Blatt aber sah schliesslich davon ab, das Plagiat publik zu machen. Warum, ist unklar.*» Das Sternchen hat sich Eberhard eingebrockt, weil er was behauptete, was er nicht belegen konnte: «* Hinweis: In einer früheren Version stand, Markus Somm hätte laut Insidern bei der «NZZ» interveniert. Laut Somm stimmt das nicht. Der eine Satz wurde deshalb entfernt.»

Geht doch nichts über eine versuchte Anpinkelei nach der Devise «ich sagen nicht, dass Sie …». Auf jeden Fall hat nun die NZZ herausgefunden, «dass dieser Sachverhalt mit ihren publizistischen Grundsätzen nicht vereinbar ist». Und bevor Feusi am 1. Juli seine Stelle hätte antreten können, ist er schon weg. Erinnert etwas an Patrizia Laeri, aber das wäre wieder eine andere Story.

Während Somm das macht, was man halt so macht, wenn etwas sehr Peinliches passiert ist – abwiegeln –, tritt Eberhard fröhlich nach: «Bevor Gujer 2015 die Chefredaktion übernahm, scheiterte ein Versuch rechtsbürgerlicher Kreise, Markus Somm an die Spitze der «NZZ» zu hieven, am Widerstand der Redaktion. Nun scheitert auch der Transfer von Somms Schützling Feusi.»

Schützling, Transfer? Feusi wollte offensichtlich seine Arbeitsplatzsicherheit erhöhen und nicht länger im roten Bereich Storys liefern müssen. Einen, wie heisst’s so schön, «rechtsbürgerlichen» Journalisten abschiessen wegen eines Uralt-Plagiats, die feine Art ist anders. Das ist die hämisch-schäbige Art, wobei Eberhard offensichtlich aus der NZZ angefüttert wurde.

Allerdings muss man Feusi tatsächlich vorwerfen, dass vor und während den Zeiten von KI es doch das Mindeste ist, einen plagiierten Text wenigstens neu zu mixen und kräftig durchzuschütteln. Aber daran sind auch schon viele Doktoranden gescheitert.

Eberhard hat das Problem des Plagiats weniger. Denn was er selbst erfindet, hat er ja exklusiv und muss dafür auch nichts direkt abschreiben.

Zwei grosse Koryphäen des Metiers.

Ach, dann wäre da noch Jean-Martin Büttner. Seit er den Sparmassnahmen bei Tamedia zum Opfer fiel, eiert er zwischen seinem ehemaligen Blatt Tagi, der «Weltwoche» und anderen Organen herum. Und tut im «Magazin» etwas, wofür selbst ZACKBUM die Worte fehlen:

Daraus macht das «Magazin», inzwischen völlig schamfrei, seine Titelstory:

Acht Seiten, schonungslos bebildert, schonungslos entblösst, wie dem Journalisten die Finger seiner linken Hand abhanden kamen. Und was das für ihn bedeutet. Früher hätte man den Mann vor sich selbst geschützt und ihm nahegelegt, das seinem intimen Tagebuch anzuvertrauen. Heutzutage hilft man ihm bei der Selbstentblössung. Unsäglich, schändlich.

Ach, 50 zu 50 NZZ

Wissen, worüber man berichtet: könnte nie schaden.

Die Packungsbeilage zuerst: der Autor war mehrere Jahre NZZ-Korrespondent für Kuba mit Wohnsitz in Havanna und besucht die Insel bis heute regelmässig.

Da schmerzt es besonders, wenn NZZ-Redaktorin Catherine Bosleyberichtet seit September 2025 über Geoökonomie für die NZZ. In Deutschland aufgewachsen. Nach dem Studium in den USA und Grossbritannien sammelte sie erste journalistische Erfahrungen bei Reuters in Berlin, Mumbai, London und Zürich») einen gewissen Andy S. Gomez interviewt. Der qualifiziert sich dafür so: «emeritierter Professor an der University of Miami und ein führender Kuba-Kenner. Der 71-Jährige wurde auf der Insel geboren. Gemeinsam mit seinen Eltern wanderte er wenige Tage vor der gescheiterten, von den USA unterstützten Invasion in der Schweinebucht im Jahr 1961 nach Venezuela aus. Später zog er in die USA

Er war jahrelang das Sprachrohr der Castro-Hasser in der exilkubanischen Gemeinde (und Mafia) von Miami. Laut eigenen Angaben will er Kuba das letzte Mal im Jahr 2000 besucht haben. Nun muss man natürlich nicht unbedingt die aktuelle Lage von Land und Leuten aus persönlicher Erfahrung kennen. Aber im Fall von Kuba, der letzten Insel des real existierenden Surrealismus, kann das nicht schaden.

Ist sogar nützlich, weil man dann einsieht, dass man eigentlich Mentalität, Denken und politischen Überzeugungen der Kubaner nur sehr rudimentär versteht – denn sie selbst tun das auch nicht.

Immerhin hält sich Gomez mit blöden Antworten auf blöde Fragen zurück. Zum Beispiel: «Ist ein Aufstand denkbar?» Antwort: «Es ist sehr schwierig, mit Steinen und Stöcken gegen die Regierung zu kämpfen

Aber auch der emeritierte Professor kann sich nicht enthalten, angebliche Interna aus dem Machtgefüge auf der Insel, aus dem noch nie etwas heraustropfte, zu enthüllen: «Nach Fidels Tod stellte Raúl sicher, dass alle Fidelistas aus Machtpositionen entfernt wurden. Die Generäle der alten Garde starben nicht nur altersbedingt weg. Heute besteht der innere Kreis ausschliesslich aus Raulistas. Deshalb ist Kuba sehr anders als Venezuela

Auch sonst enthüllt der Kuba-Kenner nichts Neues: «Die Elektrizitätswerke werden sehr bald ihren Betrieb einstellen. Es gibt einen enormen Mangel an Lebensmitteln, Wohnraum und Medikamenten. Die Bedingungen könnten kaum schlimmer sein.»

Auch die übliche Frage, was denn eigentlich nach dem Tod von Raúl Castro (wird 95) geschehe, umfährt er weise: «Ich kann Ihnen nicht sagen, wer Raúl Castro ersetzen wird. Wenn er morgen stirbt, wird es wahrscheinlich jemand aus dem Militär sein, aber ich könnte Ihnen nicht sagen, wer genau.»

Dazu die üblichen Klagen, dass die Jungen nicht mehr so sind wie die Alten: «Wenn man mit der Generation meiner Töchter und ihrer Ehemänner spricht, dann haben sie keine Ahnung. Absolut keine Ahnung

Originell wird Gomez hingegen, wenn es um den illegalen und völkerrechtswidrigen Militärstützpunkt geht: «Wegen dieser Gefahr geben die USA ihren alten, heruntergekommenen Stützpunkt in Guantánamo nicht auf. Denn ich nehme an, dass wir innerhalb von dreissig Tagen russische Schiffe sehen werden – und dann wird das Problem noch grösser

Interessant. Die USA dürfen also einen angeblich heruntergekommenen Stützpunkt, der die gesamte Bucht vor der Stadt Guantánamo umfasst, behalten und betreiben. Gegen den erklärten Willen der kubanischen Regierung seit 1960. Wenn sie auch nur russische Schiffe anlanden lässt, dann au weia. Was der Professor auch zu erwähnen vergisst: auf diesem Stützpunkt wurden und werden über Jahre hinweg sogenannte «enemy combatants» ohne rechtlichen Beistand oder Prozess unter unmenschlichen Bedingungen in Käfigen gehalten und auch gefoltert (Schönsprech «enhanced interrogativ techniques»).

Aber um diesen Schandfleck zu erwähnen, hätte die Geoökonomin vielleicht minimale Kenntnisse über Kuba haben sollen. Abschliessend nach der üblichen Verbindung Venezuela, Iran, Kuba gefragt, hält sich Gomez auch wieder altersmilde zurück: «Es gab keinen Regimewechsel (in Venezuela, Red.). Aber zumindest gibt es etwas Stabilität. Wir werden sehen, wohin das führt. In Kuba hätte Trump viel leichter handeln können. Doch er hat Kuba übersprungen und ist nach Iran gegangen. Das ist sehr kompliziert. Sehr, sehr kompliziert.»

Wir fassen zusammen: in der höchsten Liga «NZZ Pro» befragt eine kenntnisfreie Journalistin einen vorsichtig herumeiernden, parteiischen, ehemaligen Professor, der nun wirklich keine neuen Erkenntnisse zu bieten hat. Oder soll «sehr, sehr kompliziert» etwa neu sein?

Das ist völlig normal für den aktuellen Elendsjournalismus. Aber für die NZZ doch sehr peinlich.

 

20 Minuten Quatsch

Papierlos, warum nicht. Aber auch hirnlos?

Gut, «Watson» spielt in einer noch tieferen Liga. Aber auch «20 Minuten» bemüht sich klickgetrieben, jeden beliebigen Unfug ins Netz zu stellen. Gerne auch vom sogenannten «Leserreporter»:

Wobei, der heisst moderndeutsch nun «News-Scout». Beides Euphemismen für normale Mitmenschen, die mit einer Handykamera und Zugang zum Internet ausgerüstet und in der Lage sind, ein Video aufzunehmen. Das wird dann von der «Praktikantin» Michelle Brazerol online gestellt. In Befolgung ihres Lebensmottos: «Es ist ihr sehr wichtig, die journalistischen Werte von 20 Minuten zu vertreten, wie sie in den publizistischen Leitlinien festgehalten sind: verlässliche und ideologiefreie Berichterstattung in verständlicher Sprache.»

Die Vorlieben des Publikums des Gratisblatts, Pardon, der Gratis-Plattform, sprechen auch für sich:

Das erinnert irgendwie an den Spruch: Fresst Scheisse. Millionen von Fliegen können nicht irren.

Gerne wird auch hier dem Fachmann, sogar der Fachfrau, Raum für Selbstdarstellung eingeräumt:

Hier darf «Stadtpsychologin» Alice Hollensteinist Gründerin von Urban Psychology. Mit Ihrer Tätigkeit möchte sie Menschen einen würdigen Lebensraum ermöglichen, der eine achtsame Interaktion zwischen ihnen und der Umwelt fördert») Werbung für sich selbst und in eigener Sache machen. Gelegenheit dazu bietet ihr Daniel Graf, seines Zeichens «Leiter des Ressorts News, Wirtschaft & Videoreportagen und seit September 2023 Mitglied der Redaktionsleitung». Dafür braucht wohl auch er die extrabreite Visitenkarte.

Allerdings, um gratis Dienstleistung anzubieten (wobei die Frage offen ist, ob das tatsächlich etwas wert ist), braucht es natürlich Inserate. Besonders schmuck ist dieses hier:

Manchmal müsste man auch den Werbekunden beraten und vor sich selbst schützen.

Dann weitere Breaking News von «News-Scouts»:

Es ist allerdings vorläufig ungeklärt, ob Frosch oder Schlange etwas mit dem Stromausfall zu tun haben. Aber «20 Minuten» bleibt sicher dran.

Wenn es etwas gibt, was garantiert Klicks generiert, dann dieses Thema:

Allerdings: wie genau sie das geschafft haben soll, verrät der Artikel nicht. Dafür, dass hier gegenseitige Beschuldigungen aufeinander prallen. Das senkt die Erregungskurve des Lesers ungemein.

Dafür sind viele der Artikel mit einem hohen Nutzwertfaktor versehen:

Erschütternde Verbrechen weltweit geben die eine oder andere Schlagzeile her:

Auch hier darf der Leser mitspielen:

Dann gleich zwei Dramen unterschiedlicher Schwere nebeneinander:

Ein Beitrag zu «Jugendliche werden auch immer blöder»:

Das gilt allerdings auch für Erwachsene:

Als Absackerchen noch die News von gestern, brandheiss serviert:

Das alles ist natürlich nicht (nur) die Schuld der Redaktion. Sie versucht ja nur, die Wünsche ihres Publikums zu befriedigen. Während der kleine Bruder Tamedia sich darum bemüht, seine Leser ständig zu erziehen, zu bevormunden und zu schurigeln, verzichtet «20 Minuten» vollständig auf Meinung und Kommentare. Das ist gut.

Der Inhalt hingegen, au weia. Wenn man bedenkt, dass «20 Minuten» mit «blick.ch» darum wetteifert, welches die meistangeklickte News-Plattform der Schweiz ist …

Reine Panik

Den Gegnern der 10-Millionen-Initiative geht inzwischen der Arsch auf Grundeis.

Das ist ein schöner teutonischer Ausdruck, mindestens so sympathisch für den Schweizer wie «ich krieg‘ dann noch ein Bier».

Die Geschichte wiederholt sich als Farce. Es gab mal eine Kampagne, die an Bescheuertheit schlecht zu überbieten war:

Ein Willy Tell mit dysfunktionaler Armbrust, der nicht etwa die benützt, sondern mit einer Zeitung (!) auf eine Mauer (!) eindrischt, auf die «Fake News» gesprüht wurde. Das und die Geldgier der Medienclans Coninx und Ringier sorgte dafür, dass die schon sicher geglaubte Subventionsmilliarde flöten ging.

Nach anfänglicher, überheblicher Sicherheit breitete sich immer mehr Panik aus, als das Abstimmungsdatum näher rückte.

Genau das gleiche Phänomen lässt sich wenige Tage vor der Abstimmung über die SVP-Initiative zur Begrenzung der Wohnbevölkerung beobachten.

Einmal mehr klafft ein ziemlicher Spalt zwischen der Position der meisten Parteien und Medien und der Meinung der Bevölkerung. Ausser der SVP natürlich sind die anderen Parteien deutlich oder weniger deutlich dagegen. Natürlich ist Tamedia ausgesprochen dagegen, «Blick», CH Media oder NZZ eiern herum, sind aber zumindest chefredaktionell auch dagegen. Vom Schweizer Farbfernsehen ganz zu schweigen.

Auch hier war die Werbekampagne eine ganze Zeitlang eher staatsmännisch:

Plakate müssen plakativ sein und eine Botschaft möglichst einfach transportieren. Dieses Sujet war etwas leblos, also wurde Tell durch Helvetia ersetzt:

Aber mit zunehmender Panik wurde mehrere Gänge hochgeschaltet und ein neuer Kampfbegriff geboren und in den Vordergrund geschoben:

Das folgt dem guten, alten Propagandaprinzip: hau einen möglichst negativen Begriff raus und untermaure ihn mit unbewiesenen, aber Ängste schürenden Behauptungen. Sollte die Initiative angenommen werden, bräche Chaos aus. Keine Behandlung oder Betreuung mehr in Spitälern.

Schlimmer noch:

Dass sich ein Ständerat für den Schwachsinns-Slogan «Unsere Polizei würde blind» hergibt, bedenklich.

Hier versucht man’s mit einem schlechten KI-Bild und dem gleichen Topos. Allerdings, ein Polizist mit Haarproblemen von hinten, der auf einen leeren Bildschirm starrt, statt Verbrecher zu fangen, na ja. Wieso das dysfunktionale Schengen-Regime, das nicht einmal mehr von unserem grossen Nachbarn im Norden befolgt wird, für weniger Kriminalität sorgen sollte, ist allerdings schleierhaft.

Natürlich darf diese Angstmacherei nie fehlen:

Und wer verantwortet diesen Quatsch?

Die ««Allianz «NEIN zur Chaos-Initiative», c/o FDP. Die Liberalen Schweiz». Der ehemals liberalen Kraft scheint es nichts auszumachen, mit der SP und allen linken Kräften im gleichen Boot zu sitzen. Und kräftig gegen die eigene Wählerschaft anzurudern.

Es ist nun möglich, dass diese jämmerliche Kampagne von ausländischen Kommunikationskräften konzipiert wurde. Es ist aber auch möglich, dass Schweizer Nichtskönner am Gerät sind.

ZACKBUM wartet und hofft darauf, dass im Schlussspurt ein Wilhelm Tell hereinströmende Ausländer begrüsst, mit einem Juchzer willkommen heisst und ihnen einen Apfel offeriert. Oder so.

 

Putin geht’s ganz schlecht

Analysiert knallhart das Qualitätsblatt «Blick».

Boulevard wird meist dann unfreiwillig komisch, wenn Kompetenz vorgegaukelt wird. Entweder holt man sich die mit einem untauglichen Objekt ab:

Der Meister der Fehlprognose äussert gerne seine Meinung dort, wo sie noch gefragt ist. Entweder sind es Banalitäten («Der Krieg bedroht unseren gesamten Wohlstand»). Oder aber, Jan-Egbert Sturm hält sich bedeckt: «Die grosse Frage ist, wie lange die Strasse von Hormus geschlossen bleibt.» Einen Vorteil hat «einer der einflussreichsten Ökonomen der Schweiz». Wagt er eine Prognose, kann man mit grosser Sicherheit vom Gegenteil ausgehen: «Bis Ende Jahr erwarten wir keine Zinserhöhungen in der Schweiz

Aber am liebsten sind ihm watteweiche Konjunktivsätze: «der Krieg, sollte er noch länger andauern, könnte zu einer gewissen Normalisierung an den Börsen führen. Es könnte zu einer Korrektur an den Märkten kommen. Das ist nicht auszuschliessen.» Sollte, könnte, nicht auszuschliessen.

Als Vizepräsident der Swiss National COVID-19 Science Task Force stand Sturm indirekt auch für zahlreiche Annahmen über wirtschaftliche Folgen der Pandemiepolitik. Kritiker werfen der Task Force bis heute vor, wirtschaftliche Kollateralschäden, Inflationseffekte und gesellschaftliche Langzeitkosten unterschätzt zu haben.

Also wagt ZACKBUM eine Prognose: Sturm wird seiner Tradition der Fehlprognosen treu bleiben. Oder wie er es formulieren würde: könnte so sein, ist nicht auszuschliessen.

Aber das Lieblingsobjekt der «Analyse» ist natürlich der Kreml, genauer Putin. Ältere Semester erinnern sich noch an den Kreml-Astrologen Peter Kux. Im Kalten Krieg war es eine Lieblingsbeschäftigung dieser Sterndeuter, aus kleinen Anzeichen (wer steht wo auf dem Lenin-Mausoleum bei einem Festakt, wer durfte bei Beerdigungen auftreten, in welcher Reihenfolge wurden Namen in der «Prawda» erwähnt), grosse politische Verschiebungen herbeizufantasieren.

Denn im Gegensatz zu jeder US-Administration tropft aus dem Machtzentrum Kreml wirklich nichts raus. Das macht es zum idealen gegendarstellungsfreien Spekulationsraum. Da tobt sich Guido Felder aus: «Putin zittert vor der neuen Strategie der Ukraine». Assistiert wird er von der Kreml-Fachkraft Daniel Macher:

Eigentlich behauptet der «Blick»: «Sein Fokus liegt dabei auf Auslandsthemen, insbesondere auf Berichterstattungen aus den USA.» Aber Washington oder Moskau, Hauptsache Putin. Das ist er schon seiner rotumrandeten Designerbrille schuldig:

Die ist eigentlich eine Röntgenbrille, mit der er durch die dicken Mauern des Kreml sehen kann. Und dort sitzt ein zitternder Putin, der als «Verzweiflungstat» die «gefürchtete Oreschnik-Rakete» einsetzt. Dem geht Macher gnadenlos nach und auf den Grund. Ganze «sechs Entwicklungen» zählt er auf, die beweisen sollen, dass «der Kreml nervöser wirkt denn je». Kein Wunder, bei einem zitternden Präsidenten.

Welche Entwicklungen sind das? «Der Glaube an den Sieg schwindet.» Das weiss der «Chef des estnischen Auslandgeheimdiensts», der sich vielleicht Machers Brille geliehen hat. Ohne Quellenangabe bleibt diese Entwicklung: «Russland gehen Soldaten und Arbeitskräfte aus». Ebenso diese: «Der Krieg destabilisiert Russland im Inneren».

Hier hingegen verlässt sich Macher auf «Experten». Die «beobachten Spannungen innerhalb der russischen Elite». «Kreml-Analysten» hingegen «sprechen bereits von einer möglichen «inneren Spaltung»». Dann: «Wirtschaft und Alltag geraten unter Druck». Sagen das Experten oder Analysten? Nein: «Selbst kremlnahe Stimmen kritisieren inzwischen offen die Einschränkungen.»

Schliesslich: «Putin reagiert mit Kontrolle und Repression». Experten, Kreml-Analysten, kremlnahe Stimmen? Falsch:

«Genau das sehen Beobachter als Zeichen dafür, dass das System nervöser wird.»

All das sollten wir ernst nehmen, denn bekanntlich rüstet sich der Iwan für einen Angriff auf die Schweiz. ZACKBUM weisst aber, dass unsere beste Abwehr darin besteht, dass sich der Iwan totlacht, dass Putin im Kreml vor unterdrücktem Kichern zitterte, wenn er diesen Schwachsinn lesen würde.

Wieso bleibt der «Blick» nicht bei Themen, bei denen er sich auskennt? Dann kann er echte Lebenshilfe geben, denn, Hand aufs Herz, bzw. den Uterus, wussten Sie das?

Schluck.

Der Überflieger

NZZ-Redaktor Thomas Milz schwadroniert über Kuba.

Laut eigenem Bekunden hält sich Milz «bevorzugt auf lateinamerikanischen Flughäfen» auf. Dadurch fühlt sich der geborene Remscheider wohl zum Überflieger prädestiniert.

Also darf er seine Existenzberechtigung mit ein paar Spalten Geschwabbeltem untermauern:

Um die Frage kurz und bündig zu beantworten: nein.

Aber damit füllt man natürlich nicht den Platz im ansonsten immer noch herausragenden Auslandteil der NZZ. Nach dem Fragetitel ist vor dem Frageeinstieg: «Steht eine Militäraktion der USA gegen Kubas Ex-Präsidenten Raúl Castro kurz bevor?» Auch da ist die Antwort: nein.

Die USA verwenden als neue Drohung eine Anklage wegen des Abschusses von zwei Kleinflugzeugen anno 1996. Eine von kubanischen Spionen unterwanderte Exilgruppe in Miami provozierte unablässig das Regime auf der Insel, indem sie in den Luftraum eindrang und beispielsweise über Havanna Flugblätter herabregnen liess. Nachdem sie mehrfach gewarnt wurden, das zu unterlassen, befahl der damalige Verteidigungsminister Raúl Castro schliesslich den Abschuss.

Etwas, was die USA ständig machen, nebenbei.

Aber für Überflieger Milz ist das natürlich Anlass, Parallelen zur Anklage und Entführung des venezolanischen Machthabers Nicolás Maduro zu ziehen. Der wurde am 3. Januar gekidnappt, wobei Dutzende von Venezolanern und auch fast alle seiner kubanischen Leibwächter gekillt wurden.

Ginge das auch bei Castro, fragt sich Milz. Dann lässt er seine tropische Fantasie walten: «Obwohl Raúl Castro seit dem Sieg der Revolution im Jahr 1959 die wichtigsten Staatsämter innehatte, ist wenig über sein Privatleben bekannt. Bereits in seiner Zeit als Kubas Verteidigungsminister und als Präsident in der Nachfolge seines Bruders Fidel von 2008 bis 2018 gab es nur Gerüchte darüber, wo er lebt und welche Sicherheitsmassnahmen rund um seine Person in Kraft sind.»

Das ist nun alles falsch. Castro war mit Vilma Espín verheiratet, einer prominenten Guerillera und Revolutionärin, mit der er vier Kinder hat, darunter Mariela Castro, die sich als Lesbierin für Frauenrechte einsetzt. Sein Enkel Raúl Guillermo Rodríguez Castro spielt nicht nur eine wichtige Rolle beim Personenschutz seines bald 95-jährigen Grossvaters, sondern führt auch an Kubas Präsidenten vorbei Verhandlungen mit den USA.

Aber wo lebt denn Castro? Da wirft Milz mit verschiedenen Stadtteilen von Havanna um sich. Einmal soll es Atabey sein oder in der Nähe von El Laguito, wo sich auch die berühmte Cohiba-Tabakfabrik befindet. Oder in der «Stadt» Playa, die allerdings in Wirklichkeit ein Stadtteil oder Municipio von Havanna ist.

Aber aus der Vogelperspektive kann man so Sachen halt nicht genau erkennen. Dann schweift Milz etwas in die Geschichte: «Bereits seinem Bruder Fidel war nachgesagt worden, dass er über Dutzende über die Insel verteilte Luxusimmobilien verfüge. Seine dortigen Aufenthalte wurden stets geheim gehalten und von einem grossen Sicherheitsapparat begleitet.»

Warum das wohl?

«Dies sollte den Revolutionsführer vor den Mordkomplotten des amerikanischen Auslandsgeheimdienstes CIA schützen, der zahlreiche Attentatsversuche gegen Fidel Castro unternommen haben soll.»

Soll? Vielleicht waren es nicht über 500, wie im Museo del Ministerio del Interior behauptet wird. Aber viele Dutzend waren es schon.

Zudem war jedem, den es interessierte, bekannt, dass Fidel Castro auf einem weitläufigen Gelände nahe der Marina Hemingway lebte. Dorthin fuhr er jeweils in einer Kavalkade aus drei schwarzen Mercedes, die ihm der libysche Diktator Gaddafi geschenkt hatte.

Gelegenheit für eine nicht von aussen fabulierte, sondern als NZZ-Korrespondent in Havanna erlebte Anekdote. Als diese drei Limousinen meinen Jeep auf der Prachstrasse Quinta Avenida überholten, drückte der mutige Journalist aufs Gaspedal und hängte sich dran.

Kurz darauf wurde im hintersten Wagen die Seitenscheibe heruntergelassen und ein olivgrün bekleideter Arm kam zum Vorschein. Er tätschelte den Boden, auf Kuba das klare Signal: bremse und halte Abstand. Davon lässt sich ein harter Reporter natürlich nicht abschrecken. Also wurde der Arm zurückgezogen – und kam mit einer Kalaschnikow wieder zum Vorschein. Diesem dezenten Hinweis konnte der Journalist dann nicht widerstehen.

Milz hingegen weiss: «Auch Raúl wird stets von einem extrem dichten Netz aus Personenschützern und Spezialeinheiten des Innenministeriums begleitet.» Es geht. Als der kleine Bruder des grossen Castro noch ganz in der Nähe des NZZ-Korrespondenten im obersten Stock eines Mehrfamilienhauses wohnte, war das keineswegs von einem «extrem dichten Netz» umgeben. Jeder im Quartier kannte diesen Wohnsitz, und seine Besonderheit war lediglich, dass man vor ihm, sollte man dort parkieren wollen, von einem Olivgrünen höflich, aber bestimmt weggewiesen wurde.

Im Gegensatz zu seinem Bruder verwendet Raúl Castro übrigens BMW zur Fortbewegung.

Was Milz hingegen aus der Flughafen-Perspektive völlig übersieht: Trump ist’s mehr um einen Deal mit dem Castro-Clan und dem militärisch industriellen Komplex GAESA. Was die Exilkubaner allerdings ganz anders sehen. Das ist das eigentlich interessante Spannungsfeld.

Stattdessen wilde Spekulationen, Ungenauigkeiten, Unkenntnis. Oder in einem Wort: Platzverschwendung. Vielleicht sollte Milz besser über lateinamerikanische Flughäfen schreiben, da scheint er sich auszukennen.

 

Blattschuss

So macht man das, wenn man Jositsch weghaben will.

Für den Vielschwätzer Cédric Wermuth war es ein Spaziergang, die regelwidrige nächste Kandidatur für den Nationalrat absegnen zu lassen. Hätte das nicht geklappt, wäre der Berufspolitiker allerdings in die Bredouille geraten, da er den Löwenanteil seiner Einnahmen aus politischen Ämtern bezieht. Dann wäre nix mehr mit Asien-Sabbatical gewesen.

SP-Ständerat Daniel Jositsch hätte dieses Problem nicht. Im Gegensatz zu Wermuth ist er Anwalt und Professor seit 2004. Aber auch er möchte nochmals für den Ständerat antreten. Allerdings sass er schon von 2007 bis 2015 im Nationalrat und seither im Ständerat.

In solchen Fällen gibt es eine Delegiertenversammlung, um deren Vorverlegen Jositsch gebeten hat. Denn er weiss, dass er bei den SP-Linken nicht überaus beliebt ist, weil er immer mal wieder von deren absurden Positionen abweicht. Also sinnen die Genossen auf Rache, wollen ihn schlichtweg absägen.

Wie macht man das, wenn man sich dem woken, behutsamen, respektvollen Umgang verschrieben hat? Natürlich mit einer hinterlistigen Intrige und Kampagne. Gestartet wird die im Linksorgan tsri.ch, das für alles zu haben ist. Nur nicht unbedingt für Erfolgreiches.

Aber sei’s drum:

Chefredaktor Simon Jacoby greift höchstselbst in die Tasten: «Der Konflikt schwelt bereits seit Jahren, weil sich Jositsch immer wieder gegen die Positionen der Partei gestellt hat

Zufall aber auch, wenn man keine Hemmungen hat, sich instrumentalisieren zu lassen, dann fährt man so fort: «Innerhalb der Partei kursiert derzeit ein Papier ohne klare Absender:innen mit dem Titel «16 fragwürdige Positionen von Daniel Jositsch». Das Dokument, das der Redaktion vorliegt, listet Jositschs grösste «Aussetzer» auf.» Ohne klaren Absender, welch Euphemismus für Heckenschützen, die mit dem Machwerk Jacoby anfütterten.

Aber das reicht ja noch nicht, also muss noch ein weiterer Anonymus ran: «Nicht nur weicht der Ständerat immer wieder von der Parteilinie ab, ein Insider sagt, Jositsch sei im Parlament weitgehend wirkungslos und habe in keinem Dossier den Unterschied für die SP gemacht.» Der Insider, es darf gelacht werden, wenn es nicht so aschgrau wäre.

Ausser Anpinkeleien braucht es natürlich noch einen Ersatz, sollte Jositsch abgesägt werden. Zufall wieder auch: «Gegenüber Tsüri.ch bestätigt Badran, was bereits gemunkelt wird: «Sollte Jositsch nicht nominiert werden und die Partei respektive die Delegierten wollen, dass ich kandidiere, werde ich zur Verfügung stehen.»»

Die Saftwurzel und Plaudertasche Jacqueline Badran, die es mit Zahlen nie so genau nimmt, «bestätigt» also gegenüber dieser Postille, dass sie zur Verfügung stünde.

Am Schluss der Schmiere noch der vollendete Blattschuss:

«Für einige Delegierte und Parteimitglieder wäre die Nationalrätin eine willkommene Alternative. Jemand bezeichnet sie als eine «super Kandidatin», jemand anderes eine entsprechende Kandidatur als «begrüssenswert».  Die Stadtzürcher Wohnpolitikerin, so ist man sich weitgehend einig, hätte wohl als einzige eine Chance, für die SP den Ständeratssitz zu verteidigen.»

Natürlich wird das von Tagi und NZZ und so weiter fleissig aufgenommen; et voilà.

Obwohl ZACKBUM nicht der grösste Fan von Jositsch ist, wünschen wir ihm angesichts dieser miesen Intrige von anonymen Heckenschützen, die in einem würdelosen Chefredaktor einen willigen Helfershelfer gefunden haben, für morgen alles Gute.

Panik macht sich breit

Keiner zu klein, Meinungsträger zu sein.

Es ist wie beim Referendum gegen die schon auf sicher geglaubte Subventionsmilliarde für reiche Medien-Clans. Zuerst überhebliches Grinsen, dann ernste Gesichter und schliesslich reine Panik beim Schlussspurt. Eine bescheuerte Werbekampagne mit einem Wilhelm Tell, der mit einer Zeitung eine Mauer kaputthaut. Haben wir gelacht.

Bei der 10-Millionen-Initiative spielt sich sehr Ähnliches ab. Zuerst meinten die Gegner, das Massieren der Anti-SVP-Reflexe, plus ein Sprutz «alles Rassisten und Fremdenfeinde», plus Panikmache (wenn ihr das annehmt, gibt es in den Spitälern kein Personal mehr; dann ist eure Rente futsch), das würde doch locker reichen.

Aber dann, ja dann, ergaben die Meinungsumfragen, dass sich doch tatsächlich eine Mehrheit abzeichnet. Nun geht’s wieder los. Die Medien tun ihr Möglichstes, die Menge der Befürworter der Initiative zu steigern.

Zunächst, das ist gefürchtet bei Freund und Feind, griff Tamedia-Chefredaktorin Raphaela Birrer in die Tasten und warnte: «Achtung: Die SVP will Sie täuschen». Die Täuschung bestand allerdings darin,  dass es sich hier um einen Leitartikel mit Sinn und Verstand handeln sollte.

Auch das Hausgespenst bei Ringiers gibt Laut und Frank A Meyer empfiehlt den Lesern seiner Besserwisserkolumne im SoBli, dass sie gefälligst ein Nein in die Urne zu legen hätten.

Nun kommt noch Stefan Schmid von CH Media. Stefan who? Bitte schön, der Mann am Fenster beim St. Galler Tagblatt, dessen Einzugsbereich ebenfalls die Weltblätter Werdenberger & Obertoggenburger umfasst. Der darf in der immerhin auflagenstärksten Zeitung «Schweiz am Wochenende» seine Erkenntnisse auf den Leser regnen lassen.

Allerdings braucht der keinen Regenschirm und dürfte sich schon beim Titel leicht indigniert abgewandt haben: «Die Schweiz sitzt auf einem hohen Ross». Ach was, wie macht das denn die Schweiz?

Nun, so: «Nur wir Schweizer debattieren über volle Züge, Wohnungsknappheit und Expats, die das Bier auf Englisch bestellen. Luxusprobleme in einem der reichsten Länder Europas». Hm, interessant, in keinem anderen Land Europas wird über Dichtestress, Wohnungsknappheit und Masseneinwanderung debattiert?

Ist es ein Wunder, dass in der Schweiz lebhaft debattiert wird? Nein, aber dazu müsste der IQ leicht angehoben sein, weil erstens im Gegensatz zu allen anderen Ländern im Haus Europa in der Schweiz Volksabstimmungen ständig stattfinden. Und zweitens, weil sich die Wohnbevölkerung Deutschlands in den letzten 5 Jahren um 1 Prozent gesteigert hat, in der Schweiz um 17 Prozent.

Aber wieso soll man sich durch Fakten Geschwurbel kaputt machen lassen.

Dann will sich Schmid didaktisch in die Kurve legen: «Man muss Wachstumsschmerzen ernst nehmen. Die Schweiz wächst schnell und die Politik ist langsam. Der Wohnungsbau etwa ist ungenügend». Aber das wäre dann doch zu verständnisvoll, also fährt er fort: «ein freilich selbst gemachtes Problem, das wir nicht den Asylbewerbern in die Schuhe schieben können». Was eigentlich auch keiner tut, aber was soll’s.

Dann spricht Schmid eine Binse gelassen aus: «Ein Ja zur 10-Millionen-Initiative würde man in unseren Nachbarstaaten nicht als freundeidgenössischen Wink über den Gartenhag interpretieren.» Nein, würde man nicht. Nur: na und?

Aber wenn Schmid schon bei Banalitäten und Plattheiten verweilt, wieso nicht noch eine: «Europa wird der vom Wohlstand verwöhnten Eidgenossenschaft nicht entgegenkommen.» ZACKBUM wiederholt sich: na und? Erwartet das jemand?

Dann erhebt er die Banalität des Gedankens zur Weltordnung:

«Wir riskieren stattdessen ausgerechnet in einer Zeit, in welcher man sich mit den Nachbarn lieber gut stellt, weil auf andere kein Verlass mehr ist, politische und wirtschaftliche Verwerfungen. In der Konsequenz gar das Ende der bilateralen Verträge. Das wäre unklug.»

Die Schweiz soll sich also mit den verlässlichen Nachbarn Frankreich, Deutschland oder Italien gutstellen? Mit Liechtenstein vielleicht, warum nicht.

Aber was sind Banalitäten ohne einen guten Schuss reinen Schwachsinns? «Aber Deutschland, dessen Bürger bitte nicht in die Schweiz emigrieren sollen, darf uns dann wenigstens vor Russland schützen. Widersprüche noch und nöcher.» Deutschland schützt die Schweiz vor Russland? Weil sonst der Alptraum aller kalten Krieger von anno dazumal wahr würde und der Iwan käme? Und nicht mehr länger der Deutsche droht, das kleine Stachelschwein im Rückzug einzunehmen?

Aber auch hier gilt: Zum Glück oder zum Pech ist mal der Platz alle, also hurtig noch eins draufgesetzt aus den wilden Gefilden von Absurdistan: «Ein Kleinstaat, selbst ein reicher wie die Schweiz, sollte demütig bleiben, solidarisch auch, freundlich zu den anderen. Erfolg ist nicht gottgegeben. Man kann herunterfallen, wenn man nicht aufpasst, vom hohen Ross.»

Lustigerweise nennt man diese Sprachmarotte Rechtsversetzung. So kann ZACKBUM nur demütig bitten: ist denn niemand so freundlich, Schmid vor sich selbst zu schützen?

Giessen, goss, gegossen

Wir haben keine Ahnung, was an Pfingsten geschehen sein soll.

Aber ZACKBUM betrachtet es mit Ruhe und meldet sich am 26. Mai begossen und erfrischt zurück.