Benini als Ameti-Verteidiger

Der Tagi macht ein Pro und Kontra aus Ameti.

«Ich kann mir, politisch betrachtet, keinen von Ihnen schöntrinken.» Nüchtern betrachtet, sollte dieser Satz eigentlich die kurze und erfolglose Karriere der Co-Präsidentin der «Operation Libero» beenden.

Wer so etwas in einer TV-Diskussionsrunde zu zwei Bundesratskandidaten sagt, hat sich nicht nur selbst für jedes politische Amt disqualifiziert. Eine solch krude Beleidigung, schlimmer noch, ein so selten dämlicher Spruch müsste mehr Konsequenzen haben als das verlegene Grinsen von Sanija Ameti, als sie zu Recht von Hans-Ueli Vogt mit gewählten Worten niedergemacht wurde.

Hätten Vogt oder Rösti so etwas über Ameti gesagt, der Tagi hätte das als Aufmacher auf Seite eins geklatscht und sich vor Empörung nicht mehr eingekriegt. Arthur Rutishauser höchstpersönlich, oder, schlimmer noch, Andreas Tobler oder Philipp Loser hätten in einem Kommentar diesen neuerlichen Ausdruck einer Unkultur, einer Hetze, einer undemokratischen Rüpelei aufs schärfste verurteilt.

Aber so rum, was tun? Zunächst hoffte Tamedia, dass dieser üble Ausrutscher einfach verweht, verschwindet, kein Aufhebens verursacht. Als dem nicht so war, brauchte das Qualitätsorgan bis Donnerstagnachmittag um exakt 16.49 Uhr, um zu reagieren.

In höchster Qual, denn eine Verteidigung dieser Rüpelei ging ja auch nicht. Eine klare Verurteilung hätte beim woken Teil der Leserschaft zu gröberem «Unwohlsein» geführt. Was tun? Hach, ja keine Position beziehen, sondern ein Pro und Kontra machen.

«Nein», antwortet tapfer Sandro Benini auf die Frage, ob Ametis Aussage unverschämt und daneben war. Er versucht’s mit klassischer Sophisterei: ««Etwas schöntrinken» ist eine Metapher, die allenfalls beleidigend wäre, wenn sie sich auf Äusserlichkeiten bezöge.»

Dagegen habe Vogt die «beleidigte Leberwurst» gespielt, und weil Benini wohl selbst gemerkt hat, dass das etwas dünn ist, schob er noch hinterher, dass ja die SVP auch, und vom Gröberen, womit er in die Zielgerade einläuft: «Es fallen einem im Handumdrehen zwei Dutzend Politikerinnen und Politiker aus Vogts Partei ein, die für dessen im «Club» abgefeuerte Moralinkanonade die richtige Zielscheibe wären. Ameti ist es nicht.»

Das ist ungefähr auf dem gleichen infantilen Niveau wie der Schlötterli von Ameti. «Ich war’s nicht, und wenn doch, dann waren es die anderen auch», der beliebteste Spruch eines ertappten Primarschülers.

Es ist richtig, die SVP rüpelt auch, auf Plakaten und manchmal auch verbal. Aber Vogt und Rösti tun das nicht, also sind sie völlig legitimiert, Ameti in die Schranken zu weisen und darauf aufmerksam zu machen, dass solche dummen Sprüche einen Dialog, eine Debatte verhindern.

Wenn Benini dann noch behauptet, die Teilnahme von Ameti am «Club» beweise doch, dass sie durchaus zur Debatte bereit sei, unterbietet er noch infantile Gedankengänge. Denn sie wollte offenkundig in keiner Form eine Debatte, einen Meinungsaustausch, ein Ringen um mehr Erkenntnis. Sondern sie wollte ihren Auftritt nutzen, um geradezu autistisch ihre Argumente herunterzuspulen. Wobei sie so nervös war, dass sie auch schon mal Ukrainer und Russen verwechselte und davon faselte, dass einmal russische Panzer bei Kreuzlingen die Schweizer Grenze überrollen könnten.

Edgar Schuler ist es hoch anzurechnen, dass er sich dafür hergab, in diesem Schlammcatchen die richtige Position zu vertreten:

«Deplatziert, ungehörig, unanständig. Anders kann man Sanija Ametis Aussage im «Club» nicht bezeichnen. Akzeptiert würde so etwas, wenn überhaupt, höchstens auf dem Ballermann nachts um halb zwei.»

Allerdings muss man ihn da korrigieren: auch auf dem Ballermann erst um halb fünf, aber nur von Alkoholleichen.

Geld wert? CH Media

Teil drei der kleinen Serie: Als Beispiel der CH Media-Kopfblätter das «Badener Tagblatt».

Hier fing’s eigentlich an, und aus dem «Badener Tagblatt» ist dann ein Zeitungsimperium geworden, mitsamt Privat-Radio und -TV. Alles in der Hand des Wanner-Clans, der inzwischen auch die Mehrheit am Joint Venture mit der NZZ übernommen hat.

Beim «Badener Tagblatt» bekommt man für Fr. 3.50 an diesem Mittwoch 32 Seiten geliefert. Man zahlt also pro Seite rund 11 Rappen. Das ist bislang der Discount-Preis im Sektor Tageszeitungen im Print gegen Bezahlung.

Damit will das Tagblatt die Leser zum Kauf verführen:

Für Aargauer sicher interessant; im Kopfzeitungssystem achtet CH Media darauf, dass neben der Einheitssauce aus der Zentralredaktion in Aarau auch genügend Lokales auf die Front kommt.

Hauptstory und Kommentar beschäftigen sich mit dem kantonalen Budget, sauber. Dann das obligatorische «Bundesratskandidaten»-Schauen. Löblich, dass nicht «Kandidierende» verwendet wird.

Etwas unverständlich ist dann der vierte Titel: «Als gäbe es sie nicht: Keine Hilfe für Kinder mit Long Covid». Das mit der doppelten Verneinung ist auf Deutsch immer eine kitzlige Sache und sollte daher keinesfalls in der Provinz nicht verwendet werden. Oder so.

Auf Seite zwei kommt ein grosser Bericht über – schlaue ZACKBUM-Leser ahnen es – China. Riesenfoto mit ein paar Polizisten neben Polizeiauto, dazu der Knaller «Chinas Staatsapparat schlägt zurück». Das ist nun wirklich nichts Neues, aber immerhin von einem Mann aus Peking geschrieben. Allerdings schreibt Fabian Kretschmer als «Kindersoldat» aus Peking, wie ZACKBUM-Mitarbeiter Felix Abt schon höhnte.

Gleichzeitig für die NZZ, CH Media, die taz und wohl auch sonst alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Darunter erklärt der ausgewiesene China-Kenner Bruno KnellwolfNeues aus Forschung & Technik»): «Die Null-Covid-Strategie ist gescheitert».

Seite drei widmet sich, Überraschung, der «rasanten Aufholjagd» von Baume-Schneider im Rennen um einen Sitz im Bundesrat.

Da China schon auf Seite zwei verbraten wurde, der Iran gerade nichts Neues hergibt, muss halt nichts Neues aus dem Ukrainekrieg berichtet werden:

Autor ist Bojan Stula, bis vor Kurzem im Lokalressort der «BZ Basel» tätig. Seither hat er sicherlich in einem Schnellkurs Militärstrategie gelernt und ist fit für eine neue Aufgabe der Welterklärung. Ist ja auch was anderes als das Lokale in Baselland.

Dann Denksport, TV-Programm und «Zum Gedenken». Dazwischen war noch irgendwas mit Wirtschaft, aber das hat man so schnell vergessen, wie man die Seite umblättert.

Etwas lebendiger wird das Blatt ab Seite 15 («Leben & Wissen»): «Wie häufig haben Kinder Long Covid?» Antwort: kommt darauf an.

Passend darunter ein Rehash der sattsam bekannten Provokation der Modefirma Balenciaga mit komischen Teddys.

Auf Seite 16 dann allerdings wohl das Highlight der Ausgabe: ein Bericht der grossartigen Kulturjournalistin Daniele Muscionico über eine Fotoausstellung mit Thema Ukraine im Lausanner «Musée de l’Élysée».

Schliesslich das Nah-Lokale aus Baden, das Relativ-Lokale aus dem Aargau, dazu Lokales aus Baden-Wettingen, dem «Zurzibiet» und Brugg-Windisch.

Dann der Ratgeber, knackiger Titel: «Ein Hoch auf das Tief», daneben der Arzt über postnatale Depressionen, immer wieder gern genommen.

Unvermeidlich, der «Aargauer Sport», und dann drei Seiten Fussball-WM. Auch der Fensterplatz auf der letzten Seite wird einfach mit Fussball gefüllt.

Was soll man hier als Fazit sagen? Man erahnt, welche Koordinationsarbeit es bedeutet, die lange Latte von Kopfblättern von Basel über den Aargau, in der Innerschweiz und bis in die Ostschweiz, mit Einheitsbrei aus Aarau, aber auch mit Lokalem abzufüllen. Das ist in dieser Ausgabe – zumindest auf das «Badener Tagblatt» bezogen – durchaus gelungen.

Was CH Media in Ausland und Wirtschaft zu bieten hat, ist allerdings eher bescheiden. Kultur lebt von einer der besten Autorinnen, und da die wohl nicht täglich publiziert, dürfte das ein einsames Highlight gewesen sein.

Denksport, Leserbriefseite, Abdankungen und Todesanzeigen, TV-Programm, eine «Agenda», das Blatt atmet noch sehr den Geist des letzten Jahrtausends in seinen Gefässen. Ist es sein Geld wert?

Für den Badener, für den Aargauer durchaus. Allerdings nur dann, wenn sich der Träger von weissen Socken über die internationale Politik und Wirtschaft anderweitig informiert. Der Lokalteil atmet auch den Geist von früher ein und aus. Das ist aber in diesem Fall durchaus positiv, denn im Gegensatz zu Tamedia geht es hier nicht in erster Linie um die Befindlichkeit des Berichterstatters oder seine Meinung zu diesem und jenem. Sondern es wird einfach berichtet.

Das war ja mal eine der wichtigsten Aufgaben des Journalismus. Also sind Fr. 3.50 für im lokalen Einzugsbereich wohnende Leser durchaus akzeptabel investiertes Geld. Wenn auch 32 Seiten natürlich Magerkost ist – im Vergleich zum letzten Jahrtausend.

 

Himmel hilf: Sanija Ameti

«Operation Libero» am Abgrund. Dank ihrer Co-Präsidentin.

Sanija Ameti hat in ihrer kurzen, vom Mainstream bejubelten Karriere kaum einen Fettnapf ausgelassen. Wozu diese Schleimspur nochmals beschreiben.

Nun könnte es allerdings sein, dass der reine Überlebenswille der «Operation Libero» dazu führt, sie wegen Unfähigkeit und Schädigung der Reste des Ansehens zu kübeln.

Aus unerfindlichen Gründen war sie zum aktuellen «Club» im Schweizer Farbfernsehen eingeladen worden, in dem es um einen «Kandidatencheck» der beiden SVP-Politiker Alfred Rösti und Hans-Ueli Vogt ging.

Nach einer wackelig-nervösen Einleitung dachte Ameti wohl, sie müsse nun noch etwas Gas geben und sagte mit zittriger Stimme:

«Ich kann mir wahrscheinlich politisch betrachtet keinen von ihnen (gemeint sind die beiden Kandidaten, Red.) schöntrinken.»

Ein fataler Fehler. Denn Vogt liess sich die Gelegenheit zu einer öffentlichen Hinrichtung der Dummschwätzerin nicht entgehen.

«Frau Ameti, wir haben unterschiedliche politische Meinungen», setzte der Professor sanft an, unser Staat lebe von verschiedenen Meinungen. «Aber nie würde ich Ihnen am Anfang sagen», liess er dann das Fallbeil niedersausen, «dass ich Sie mir nicht einmal schöntrinken könnte». Ameti will hektisch intervenieren, Vogt behält die Oberhand und das Wort: «Konkordanz heisst, und ich respektiere das zutiefst, dass ein Mensch vor einem anderen Hintergrund redet. … Nie würde ich das Gespräch verweigern; Sie schaffen eine Gesprächsblockade. «Ich kann Sie nicht einmal schöntrinken», das ist eine krude Beleidigung. Ob Herr Rösti oder ich gewählt wird, wir respektieren zutiefst, dass man aufeinander zugehen und miteinander reden kann.»

Mit dem verlegenen Lächeln eines beim Rauchen erwischten Backfischs hörte sich Ameti die professorale Standpauke an.

Vielleicht hätte ihr noch geholfen, sich bei nächstbietender Gelegenheit für diesen Ausrutscher zu entschuldigen. Aber zutiefst unsichere Menschen überspielen das häufig mit Arroganz und Aggressivität. Wobei bei Ameti auch noch dazu kommt, dass sie einen eher kleinen Löffel dabeihatte, als der Herr Hirn vom Himmel regnen liess.

 

Geld wert? «Blick»

Teil zwei unserer kleinen Serie über Geld und Geist.

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

Wir haben ganz oben mit der NZZ angefangen, nun geht’s auf der Schaukel nach unten. Wir nehmen übrigens nur Bezahl-Tageszeitungen unter die Lupe, sonst müssten wir ja noch ein Wort zu «watson», «20 Minuten» oder nau.ch sagen.

Der «Blick» verlangt büezerfreundliche Fr. 2.80 am Kiosk. Dafür gibt’s dann 10 Seiten alles andere und 11 Seiten Sport, insgesamt 22 nun ja, durchaus bildlastige Seiten. Das ergibt einen Seitenpreis von knapp 13 Rappen. 3 Rappen billiger als die NZZ, dafür viel bunter.

Mit diesen Schlagzeilen über dem Bund will das Boulevard-Blatt zum Kauf reizen:

Etwas Politik, Frauen, Autos und Fussballer, soweit eine ausgewogene Mischung von Themen, die den «Blick»-Leser interessieren könnten.

Auf den Seiten zwei drei kommt nun relativ schwerer Stoff, die Bundesratswahlen. «Blick zeigt, was die Kandidierenden eint und was sie unterscheidet». Man beachte den woken und falschen Gebrauch des Partizips Präsens «Kandidierende». Das dürfte dem «Blick»-Leser nicht auffallen, der Inhalt eher auch nicht.

Dazu «Fachkräfte-Not», «CS-Aktie so tief wie nie» und «Raser müssen ein Jahr in den Knast». Aus dieser versteckten Meldung hätte der «Blick» früher die Titelschlagzeile gesaugt, aber da war er auch noch nicht woke, hatte noch kein angeblich weibliches Regenrohr im Logo und zeigte auf Seite drei auch noch leicht bekleidete Frauen.

Aber da hatte er ja auch noch eine Auflage von über 375’000, während er aktuell angeblich bei leicht über 100’000 dahindümpelt. Aber das ist sicherlich der allgemeinen Print-Krise geschuldet, nicht dem Versuch, Boulevard ohne Boulevard, ohne Kanten, Volkes Stimme, Reizthemen und nackte Haut zu machen. Also sich völlig vom Erfolgsmodell zu verabschieden «Blut, Busen, Büsis».

Das kommt halt davon, wenn man das Management einer im Print völlig unerfahrenen Frau aus Quoten-Gründen überlässt, die ausser durch die fleissige Verwendung des Wortes «Resilienz» eigentlich noch durch nichts aufgefallen ist.

Aber auf Seite 4 endlich mal eine kleine Reportage mit Krachbum:

Aber gleich untendran riecht es nach eingeschlafenen Füssen: «Junge Erwachsene greifen immer häufiger zu Stichwaffen». Diese schreckliche Entwicklung wurde bereits von der Sonntagspresse abgefrühstückt. Aber ein Beispiel, noch ein Beispiel, dann der Aufschwung ins Allgemeine und Statistische, der «Experte» expertiert, fertig ist der Platzfüller.

Natürlich passt auf diese Doppelseite die Militärübung in der Schweiz bestens. Aber auch hier, seufz:

Der «Blick»-Käfer war einmal ein Markenzeichen des Blatts; für seine volksnahen und träfen Sprüche gab man sich ziemlich Mühe. War einmal …

Dann der unvermeidliche Blick ins Ausland. Man meint, das Aufatmen zu spüren, dass endlich einmal nicht die Ukraine und auch nicht der Iran Thema ist, sondern:

Ein paar Hundert von 1,4 Milliarden, um genau zu sein. Dann  wird’s einen Moment lang peinlich, oder eben auch nicht:

Wieso berichten denn die anderen Schweizer Medien nicht flächendeckend über diesen Event? Nun, wer sitzt denn am Steuer dieses Aston Martin? Nein, nicht Michael Ringier, der fährt immer das neuste Modell. Hier ist es Silvia Binggeli, und die ist ihres Zeichens Chefredaktorin der «Schweizer Illustrierte», die diesen Anlass veranstaltet und zufällig wie der «Blick» zum gleichen Verlagshaus gehört.

Womit wir beim Sport wären. Gelegenheit, ein Zeichen zu setzen:

Gelegenheit, einen nur schwer verständlichen Titel zu setzen:

Gelegenheit, noch einen schwer verständlichen Titel zu setzen:

Nun gesteht ZACKBUM, dass wir nicht so Männer des Sportes sind, also erweckt eigentlich höchstens das TV-Programm auf Seite 20 noch unser Interesse.

Aber auf die letzte Seite hat sich Klatsch und Tratsch geflüchtet, die sozusagen letzte Gelegenheit, Frauen zu zeigen. Weitgehend verhüllt, aber immerhin:

Die «Unternehmerin und Influencerin» Kim Kardashian, eine Stilikone, deren Geschmack über jeden Zweifel erhaben und die besonders stolz auf ihr recht ausgeprägtes Hinterteil ist, reitet auf der Welle der Empörung gegen eine Balenciaga-Reklame.

Aber immerhin, hier setzt der «Blick» ein Zeichen für die Frauen. Das Kind in der Reklame mitgezählt, sind es 8 auf einer Seite. Nur knapp schafft es «Comedian» Pete Davidson auch noch auf ein Bild, aber nur wegen eines «Liebes-Outing beim Basketball» mit Emily Ratjakowski. Wer beide nicht so kennt: macht nix, B-Model und B-Comedian. Eine Verzweiflungstat von Flavia Schlittler, zuständig für Tratsch und Klatsch.

Kassensturz: Für 13 Rappen pro Seite bekommt man ziemlich viel Druckfarbe serviert. Die Buchstaben, nun ja, sagen wir so: Anhänger des Tiefergelegten kommen hier auf ihre Kosten. Themenmischung, Überblick, Informationsgehalt, Einordnungen, Analysen, Welterkenntnis? ?

Blut, Busen und Büsis? ?

Boulevard-Kracher, Aufreger, Kampagnen, Mord und Totschlag, billige Vorwände, viel nackte Haut zu zeigen? Pfuibäh.

Damit dürfte 100’000 nicht das Ende der Fahnenstange sein. Es geht noch tiefer.

Wumms: Laura de Weck

ZACKBUM wollte sich nicht mehr provozieren lassen. Aber …

Was ist schlimmer als gendern in der Sprache? Nichts? Doch, einer geht noch. Eine geht noch weiter nach unten. Das ist Laura de Weck mit ihren infantilen Dialogstücken bei Tamedia. ZACKBUM hatte nach ihrer letzten Leserquälerei angekündigt, dass einer von beiden aufgeben muss, und das seien wir.

Aber wir gestehen errötend: rückfällig geworden. Schon der Titel war unwiderstehlich:

Natürlich sagt de Weck «ätsch», natürlich denkt sie «reingefallen», wenn da einer meinen könnte, sie würde sich gegen diesen Woke-Wahnsinn aussprechen. Denn de Weck hat intellektuell nur Wüste zu bieten, dafür ist sie sehr woke.

Also gibt’s den üblichen Kindergarten-Dialog, wie wenn die Aufsichtsperson (!) dem Kind (ist Kind eigentlich Neutrum?) die Welt mal gaaanz laaaangsam und einfach erklärt.

Das Kind kann sich schlecht dagegen wehren, der Leser leider auch. Ausser durch Leseverweigerung, aber wir sind halt nochmals schwach geworden, bereuen das ausdrücklich und nehmen uns fest vor, es nie wieder zu tun.

Der Anfang lässt Schlimmes ahnen, aber es wird noch viel schlimmer:

Das hätte de Weck nun schnell dem unseligen Ende zuführen können, wenn sie nicht versucht hätte, an einem Beispiel zu zeigen wie dumm die Gegenwehr gegen das Gendern sei:

Das Problem ist, dass weder Lili noch de Weck die deutsche Sprache beherrschen. Dabei wäre es ganz einfach, um es auch mal gaaaanz laaaangsam zu erklären. Arzt, das ist keine Bezeichnung für einen Menschen, sondern für eine Funktion, die von einer Person ausgeübt wird. Ob es sich dabei um einen Arzt oder eine Ärztin oder eine nonbinäre Person handelt, ist sekundär und letztlich egal.

Genauso egal ist es, dass es keine männliche Form von Person oder Abstrakta wie Autorität oder Geschichte gibt. Die Verwechslung von Genus und Geschlecht beruht auf der Unart, dass Genus nicht korrekt mit Gattung, sondern – um es für Blöde leichter verständlich zu machen – mit Geschlecht übersetzt wurde.

Aber damit der Irrtümer nicht genug. De Weck lässt ihre Sprechpuppe Lili auch noch plappern, dass es doch keinen Zwang gäbe, Gendersternchen und ähnliche Vergewaltigungen der deutschen Sprache zu verwenden. Auch hier irrt sie, vielleicht mal den Stadtrat von Zürich oder diverse Unis in der Schweiz fragen, wie man es dort mit der sogenannt «inklusiven» und «nicht diskriminierenden» Sprache hält.

Aber auch hier will und muss de Weck ja mal zum Ende kommen, und wenn sie sich an einer Pointe versucht, wird’s ganz aschgrau. Also lässt sie Lili sagen, dass sie die «Hauptgefahren eher beim Klima und beim Krieg» sähe. Das ist nicht gendermässig problematisch, aber einfach gestolpertes Deutsch.

Damit will de Weck dann über die Ziellinie holpern, indem sie Lili das letzte Wort zuweist:

«Also, ehrlich, ich glaub, nicht die Sozialdemokraten und Grünen sind im Woke-Wahnsinn. Ich glaub eher, die Einzigen, die hier wahnsinnig werden, sind die Konservativen und du

Die «nur Frauen aufs Ticket»-SP und die «Green LGBTIQ+»-Grünen seien nicht im Woke-Wahnsinn? Dagegen die «Konservativen»? Also diejenigen, die die deutsche Sprache vor solchen Attentaten schützen wollen?

Dieser Dialog ist dümmlich, auf Kindergartenniveau. Dieser Dialog ist sprachlich unterirdisch. Dieser Dialog strotzt vor inhaltlichen Fehlern. Dieser Dialog ist primitives Bashing von Konservativen. Dieser Dialog ist peinlich. Aus all diesen Gründen passt er zu Tamedia.

Geld wert? NZZ

Eine Kurzserie zu unseren Tageszeitungen.

Wir steigen mal ganz oben ein. Zumindest preislich. Für Fr. 5.10 bekommt man 32 Seiten NZZ. Das sind ziemlich genau 16 Rappen pro Seite, ob mit Text (meistens) oder mit Inserat (selten).

Was bietet das Blatt als Kaufanreiz, also oberhalb des Bundes?

NZZ-Konservative schüttelt es schon mal beim nachkolorierten Foto. Kommt halt davon, wenn man von «kein Foto» über «Schwarzweiss, aber klein» zu «volle Dröhnung» fort- oder zurückgeschritten ist.

Aber ist sicher ein Hingucker. Bloss ist die Frage: Hat das die NZZ nötig? Was gibt’s sonst an diesem Montag? In China gehen ein paar Hundert Menschen auf die Strasse. Das ist sicherlich vermeldenswert, aber bei 1,42 Milliarden Einwohnern …

Die titelwürdige Mitteilung hingegen «Winter beeinflusst den Kriegsverlauf», das ist nun eine News, die den Leser überrascht. Verblüfft. Wer hätte das gedacht. Gilt das auch für den Sommer? Wie steht es mit Vollmond? Regen? Starke Winde? Wir erwarten, dass die NZZ dieses Thema weiter vertieft.

Und sonst? Was früher auch undenkbar gewesen wäre, das Zürich-Ressort schafft’s auf die Front, es gab im Kanton ein paar Abstimmungen.

Wir blättern 16 Rappen weiter und bekommen auf der nächsten Doppelseite ein Riesenfoto, einiges an Text und nette Kriegs-Sandkastenkarten gezeigt.

Richtig gewichtet? Bei diesem Panzer sicher nicht.

Auf Seite 4 dann endlich ein guter Grund, die NZZ zu kaufen. «Machtkampf in Pakistan», von Andreas Babst. Zwar in Delhi stationiert, aber das ist ja nur 614 km von der pakistanischen Hauptstadt entfernt. Seit 2020 Südostasien-Korrespondent des Blattes, das früher einmal in so ziemlich jedem Land der Welt wenigstens einen freien Mitarbeiter hatte. Aber gut, besser als nix, also besser als alle anderen Schweizer Tageszeitungen.

Dann «Der erbarmungslose Diktator», diesmal sitzt er in Teheran. Der Autor Michael Schillinger war bis 2020 Chef vom Dienst bei den Nachrichten, zuvor «Aufbau und Leitung des Onlinemagazins daslamm.ch.» Aus dem aktuellen Schaffen dieses Qualitätsorgans:

Dafür kann Schillinger nichts mehr? Nun ja, aber er hat’s aufgebaut und geleitet. Also Vergangenheit und Gegenwart erklären nicht so ganz, wieso er auf einer NZZ-Seite einen Ayatollah kompetent fertigmachen sollte.

Dann eine parteipolitisch völlig unabhängige und neutrale Seite: «Der glücklose Direktor Rösti». Aber scheint’s soll es nicht mehr obligatorisch sein, als NZZ-Redaktor Mitglied bei der FDP zu sein.

Dann Überblättern wir mal rund 4 Franken und kommen zur hübschen Medien-Story, dass der ältesten Zeitung der Welt das Aus drohe. Es geht um die «Wiener Zeitung», 1703 das erste Mal erschienen. Das wunderbare Foto aus dem Kaffee Hawelka tröstet über manches hinweg, auch darüber, dass die Medien-Seite der NZZ schon mal aktueller berichtete.

Schliesslich nimmt sich der Medien-Professor Urs Saxer dem auch nicht gerade taufrischen Thema an, dass die Floskel «es gilt die Unschuldsvermutung» nicht nur im Fall Vincenz zur lachhaften Leerformel verkam. Was noch danach kommt, läuft unter: kann man machen, muss man nicht machen.

Kleines Resümee. Fr. 5.10 verlangt die alte Tante im Einzelverkauf für 32 Seiten. Eine einzelne Stichprobe hat immer etwas Ungerechtes, zugegeben. Und die Sonntagsmannschaft ist traditionell bei Zeitungen nicht das A-Team. Aber: das hat sich nun nicht gelohnt. Zu teuer, zu wenig Gehalt, kaum Alleinstellung, nicht rasend kompetent, teilweise nicht mal Pflichtlektüre. Schade, wir wünschen gute Besserung.

Morgen: «Blick».

 

 

Wumms: Anna Wanner

Durch den Bauchnabel gesehen.

Es hat schon Vorteile, die Tochter des Chefs zu sein. Axel Wüstmann war weder das eine, noch das andere. Deshalb ist er weg, während Anna Wanner von niemandem gehindert werden kann, ihren Senf zu allem zu geben.

Immerhin macht sie es leserfreundlich unnötig, ihren Kommentar lesen zu müssen; schon der Titel stellt alles klar: «Vorentscheidung beim SP-Ticket: Eva Herzog ist die Richtige».

Während ihre Konkurrentin Elisabeth Baume-Schneider den grossen Vorteil habe, «nicht nur kompetent, sondern auch witzig» zu sein, habe sie natürlich keine Chance, dekretiert Wanner.

Wenn ein Mann, zum Beispiel Wüstmann, eine Frau so beschrieben hätte, da wäre die Feminismus-Fraktion ganz schön ins Hypern gekommen, was denn das für ein Kriterium sei, ob man das bei Männern auch, und überhaupt. Aber was kümmert das die Tochter vom Chäf.

Denn eben, Herzog sei die Richtige, weiss die Politik-Analystin. Während sich der Leser fragt, wen ausserhalb des Hauses Wanner diese Meinung interessiert. Vielleicht nicht einmal auf dem Schloss beim Tafeln im Rittersaal …

Wo bleibt der Aufschrei?

Der deutsche Demagoge Jan Böhmermann wird zum Amok.

Zur Erklärung:

Mit diesem Fahndungsplakat machte Anfang der 70er-Jahre des letzten Jahrhunderts die deutsche Polizei Jagd auf die Mitglieder der Roten Armee Fraktion (RAF). Die Linksterroristen ermordeten insgesamt 33 Personen, unter ihnen den damaligen Arbeitgeberpräsidenten Hans Martin Schleyer, bei dessen Entführung seine vier Begleiter, ein Fahrer und drei Polizisten, erschossen wurden.

Jan Böhmermann macht eine Satiresendung im öffentlich-rechtlichen ZDF in Deutschland. Dafür fiel ihm diese bösartige Geschmacklosigkeit ein, das damalige Fahndungsplakat wiederzuverwenden und mit neuen Köpfen zu bestücken.

Zwecks Analogie figurieren zuoberst Franca Lehfeldt, eine Journalistin und Ehefrau des deutschen Ministers Christian Lindner. Unter anderen sind auch Stefan Aust, ehemaliger «Spiegel»-Chefredaktor, Mathias Döpfner, Chef des Springer-Verlags, die FDP-Spitzenpolitiker Wolfgang Kubicki und Alexander Graf Lambsdorf sowie ein Pferd «Tosca» aufgeführt.

Weiter in Analogie zum damaligen Fahndungsplakat sollen sie wegen «Beteiligung an staatsfeindlichem Aktivismus, Bildung einer kriminellen Vereinigung, gemeinschaftlicher Vorbereitung schwerer staats- und menschheitsgefährdender Straftaten gesucht» werden. Wie damals wird eine Belohnung von 100’000 DM ausgelobt; der Fahndungsaufruf endet mit dem Hinweis: «Vorsicht! Diese Gewalttäter machen u.U. von ihrem Jagdschein rücksichtslos Gebrauch

Diese billige Hetze dürfte wohl zu einem Aufschrei in den deutschen Medien geführt haben, nachdem Böhmermann vergangenen Freitag diese Dummsatire, die FDP sei die neue RAF, im ZDF auswalzte.

Aber weit gefehlt, Lediglich die linke «tageszeitung» nimmt kein Blatt vor den Mund: «billig, erwartbar, geschmacklos». «Spiegel» und viele Mainstreammedien hingegen bemühen sich um Erklärungen. Noch einen Schritt weiter geht der «Stern»:

 

«In der neuen Ausgabe von Jan Böhmermanns Sendung «ZDF Magazin Royale» geht der Satiriker zurück zu seinen Wurzeln: der Satire. Schritt für Schritt zeigt er auf, wie eine Verschwörungstheorie entstehen kann.»

Ach so, der Satiriker will ein Fanal gegen die Hetze gegen die neusten Streiche der Klimabewegung setzen, na dann. Auf diese Hirnverrenkung muss man erstmal kommen.

Man will sich nicht vorstellen, was für ein Aufschrei durchs Land gegangen wäre, wenn ein nicht dem Mainstream entsprechender Kabarettist wie Dieter Nuhr eine solche Geschmacklosigkeit mit einer Baerbock/Habeck-Bande gemacht hätte. Da wär dann die Kacke so tief geflogen und die Entrüstung so hoch aufgebrandet, dass es kein TV-Sender mehr wagen würde, Nuhrs Show weiter auszustrahlen.

Jeglicher Versuch, für seine Satire um Verständnis zu werben, wäre als typisches Labern von Unmenschen, Zynikern, gewaltbereiten Rechtsfanatikern, hemmungslos- und sittenlosen Hetzern denunziert worden.

Man stelle sich das Hallo in der Schweiz vor, wäre dem letzten überlebenden Halbkomiker Deville so etwas eingefallen.

Nun ist diese «Satire» von Böhmermann zweifellos geschmacklos, nicht komisch und ein Schlag in die Fresse für alle Opfer der RAF. Sie ist im klaren Wortsinn menschenverachtend und kann in keiner Form begründet werden. Daher haben sich doch sicher in der Schweiz einige Stimmen gefunden, die diese üble Demagogie verurteilen oder zumindest kritisch darstellen.

Da wäre mal eine Kurzmeldung der NZZ, dann wäre da eine Kurzmeldung der NZZ, nun ja, und die Kurzmeldung der NZZ. Sonst nix. Schweigen. Nicht mitgekriegt? So eine Schweinerei hat doch genügend Erregungspotenzial; schon wenn ein SVP-Politiker sich ein wenig in der Wortwahl vergreift und als politische Aufforderung verstanden «Feuer frei» textet, war das Tamedia eine gerüttelte Seite Aufregung wert. Aber hier? Hier kommt der Ausrutscher aus der falschen, nämlich der guten Ecke.

So blöd wie der «Stern» will in der Schweiz niemand sein, also fällt Rechtfertigung weg. Verurteilung, ach nein, das könnte ja Beifall aus der falschen Ecke geben. Einfach neutrale Beschreibung? Das geht bei so einer Schweinerei nicht.

Also bleibt nur eines, «the rest is silence», wie schon Shakespeare dichtete. Der hatte allerdings ein etwas anderes Niveau als die heutigen Schweizer Lohnschreiber. Dass die opportunistische Heuchler sind, das denunzieren wir auf ZACKBUM schon lange. Das sie hier schweigen, das hätten nicht mal wir erwartet.

Fotoromanza mit Frank A.

Worüber er spricht? Egal.

Frank A. Meyer ist genial. Ideal. Einmalig. Unnachahmlich. Am besten ohne Ton zu ertragen. Dafür im Bild.

Weniger Beliebigkeit!

Mehr Relevanz!

Und Engagement!

Ich habe gesprochen.

Man beachte ausserdem: die Bücher (alle gelesen). Den Lehnsessel (selber ersessen). Die hochtoupierten Haare (neu). Das Pochettli (zusammen mit dem Hemd in einer Farbe, die die Natur nicht vorgesehen hat). Und schliesslich die sorgfältig über dem Embonpoint drapierte Krawatte.

Ach, worüber hat er gesprochen? Völlig egal.

Somnambule SoZ

Ein Grund für einen Winterschlaf.

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

ZACKBUM hat vielleicht in letzter Zeit das Schaffen zweier Sonntagsblätter etwas vernachlässigt. Beim «SonntagsBlick» wollen wir diese schöne Tradition auch fortsetzen. Gewisse minimale Anforderungen an Informationsvermittlung, Sprachbeherrschung und Durchdringung eines Themas sind Voraussetzung, um hier gewürdigt zu werden.

Schliesslich greifen wir auch nur in höchster Not zu «watson» oder der «Republik».

Also die SoZ. Sie macht’s einem aber auch nicht leicht:

Wer will hier schon aufblättern, wenn er nicht muss? Wir müssen, das ist unsere Berichterstatterpflicht. Eine Meldung auf der Front erregte allerdings unsere besondere Aufmerksamkeit: «Studierende können nicht mehr richtig Deutsch», klagt hier die SoZ. Wie wahr, denn das gilt in verschärftem Mass auch für Journalisten. Nur schon dieser Titel enthält einen gravierenden Fehler. Journalisten sind sozusagen Fehlende …

Die nächste Doppelseite hat die SoZ einem Thema gewidmet, dass wohl nicht einmal ihr Leserpublikum wirklich interessiert. Die Frage, welche Frauen denn nun die SP ins Rennen um den Bundesratssitz schickt, und was Irène Kälin dazu zu sagen hat. Nein, die Nationalratspräsidentin strebt nicht nach dem Amt einer Bundesrätin, sie will aber ein wenig die Wahlen aufmischen. Oder wie die SoZ formulieren würde, sie ist eine Aufmischende.

Aber immerhin, wir wollen gerecht sein, lasst uns gerecht Seiende sein, der entsprechende Artikel ist dann sogar korrekt betitelt: «Jetzt können sogar Studenten nicht mehr richtig Deutsch». Was uns aber als Fragende zurücklässt, wieso das auf der Front nicht auch möglich war. Wahrscheinlich hat diesen Titel hier einer der wenig zu korrektem Deutsch Fähigen gesetzt, während vorne ein politisch Korrekter am Werk war, sozusagen ein Verschlimmbessernder.

Aber auch hier kommt der Text nicht ohne Schäden davon. So ist von wieder von «Studierenden» und «Dozierenden» die Rede. Offenbar hat sich dieser falsche Gebrauch des Partizips Präsens mittels Gewohnheitsrecht Zugang zur normalen Schreibe verschafft.

Daher nochmal zum Mitschreiben. Auf Deutsch bezeichnet das eigentlich eher selten angewendete Partizip Präsens einen Zustand. Zum Beispiel das weinende Kind oder die liebende Mutter. Aber das Weinende oder die Liebende würde jemanden bezeichnen, der stetig in diesem Zustand verharrt.

Studierend ist jemand, während er studiert. Sollte er aber schlafen, dann ist es ein Schlafender, nicht mehr ein Studierender. Also ist diese Verwendung des substantivierten Partizips unsinnig. Falsch. Unpassend. Eine Quälerei, um dem nervigen «die Studenten und die Studentinnen» auszuweichen. Was ja dann alle non-binären und sich anderweitig sexuell Definierenden (!) ausschliessen würde.

Wohl oder übel, daran vergreift sich die Autorin nicht, zitiert sie eine Schulleiterin (immerhin keine Schulleitende) mit «Schülerinnen und Schüler». Aber, wieso ist es denn so weit gekommen? Da vermutet die Journalistin:

«Als Grund für das Deutschdebakel wird unter anderem die Verbreitung der sozialen Medien vermutet.»

Man kann hier allerdings auch eine gewisse Unsicherheit vermuten, wann es richtig wäre, Grund, wann Ursache zu verwenden …

Aber jetzt kommen wir – endlich – zu einem wichtigen, dramatischen, besorgniserregenden Thema. Ist es der Klimawandel? Nein. Der Ukrainekrieg? Nein. Die aufsteigende Weltmacht China? Nein, näher und schlimmer:

Furchtbar. Der Artikel folgt dem klassischen Aufbau. Ein Beispiel, der aufgelöste «Glarnerverein Basel». Ob die Welt dadurch schlechter wird, ob den Baslern und den Glarnern nun etwas Wichtiges fehlt, wir lassen es dahingestellt. Es bleiben nur noch Erinnerungen wie die, dass auch der «inzwischen verstorbene Alt-Bundesrat mit Glarner Wurzeln, Hans-Peter Tschudi, regelmässiger Teilnehmer des Glarner Kalberwurstessens im Mai war, einem Höhepunkt im Vereinsleben». Nun ist Tschudi vor doch schon 20 Jahren verstorben, also musste dieser Höhepunkt schon länger ohne ihn stattfinden.

Nach dem Beispiel folgt natürlich der Aufschwung ins Allgemeine, so seien auch «Hunderte Samaritervereine eingegangen». Schliesslich kommt noch der Fachmann zu Wort: «Soziologe Adrian Fischer forscht zum Thema freiwilliges Engagement.» Dazu gehören natürlich auch ein trauriges Bild und ein paar Kurven:

Blöd nur: es gibt weiterhin rund 100’000 Vereine in der Schweiz. Rund 40 Prozent aller Schweizer sind in der einen oder anderen Art Vereinsmeier (und -meierinnen, selbstverständlich). Natürlich war Corona dem geselligen Beisammensein nicht gerade förderlich, was wohl logisch ist.

Aber es geht nichts über den alten Dreisprung im Journalismus, wenn man sonst keine Themen hat. Ein Beispiel, dann eine Welle, der Experte ordnet ein, und tschüss.

Apropos, von einer besonderen Erfahrung des Jodlerclubs Walzenhausen berichtet die SoZ auch. Zu afrikanischen Klängen hatte sich ein Jodler das Gesicht schwarz geschminkt und trat im Baströckchen auf. Logisch, bleibt so etwas heutzutage nicht ungefilmt und unbemerkt, also entwickelte sich daraus flugs «Blackfacing – Jodlerverein sorgt für Rassismus-Eklat». So titelte das sonst zurechnungsfähige «20 Minuten», die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Solche zugegebenermassen etwas unsensible und geschmacklose Aktionen setzen natürlich auch kein Zeichen gegen das Vereinssterben.

Ein kurzer, seltener, aber sehr erheiternder Lichtblick ist aber wie fast immer Peter Schneider:

Dann wird’s allerdings wieder düster, wenn die berüchtigten «Investigativjournalisten» von Tamedia ihre mit vielen Konjunktiven, anonymen Quellen und Vermutungen gespickten Märchenstunden abhalten.

Auch hier ist der Aufbau eigentlich immer der gleiche. Zuerst ein kleiner Kracher, dann schwer nachlassen. Der Kracher: ««Hören Sie, es ist sehr gefährlich, darüber zu reden … physisch gefährlich», sagt der Mann. «Vielleicht nicht hier in der Schweiz, aber in anderen Ländern.» Dann legt er auf.»

Nach diesem rasanten Einstieg, bei dem man bewundern muss, wie todesmutig sich Sylvain Besson und Oliver Zihlmann in die gefährlichen, lebensbedrohenden Abgründe russischer Oligarchen und von Putins Umfeld begeben, lässt es aber wie bei einem schlechten Bond-Film dramatisch nach.

Denn nun regiert der Konjunktiv, der Vermutungs-, Behauptungs- und Schmierenjournalismus, mit diesem raunenden Sound, dass alles eigentlich ganz abgründig und schlimm ist. Sei. Sein könnte.

Nun stapeln sich die «In den USA und in Europa laufen inzwischen die Ermittlungen, … leicht sind die Nachforschungen nicht … Recherchen der SonntagsZeitung zeigen nun … 2016 wurde Chudainatow offenbar Kunde bei … deshalb wird im Westen und von russischen Oppositionellen vermutet … so soll die Scheherazade ein Geschenk einflussreicher Oligarchen an Wladimir Putin sein … auch deutsche Ermittler bringen die Yacht mit dem russischen Präsidenten in Verbindung … der Zusammenschluss internationaler investigativer Journalisten OCCRP sieht wiederum … wird in Verbindung gebracht … Boris F. hat einen Bruder in Monaco …»

Selbst die manchmal etwas fahrlässige Dokumentation des «Spiegel» würde bei einer solchen Anhäufung von Geschwurbel, Vermutungen, Behauptungen, Räuberpistolen und Mutmassungen sagen: ein John Le Carré schrieb zwar fiktive Spionagekrimis, aber so einen Schwachsinn hätte der sich nie getraut zu veröffentlichen.

Die ganze Story profitiert von zwei Dingen. Erstens, Oligarch, Luxusjacht, Putin. Sonst noch Fragen? Und zweitens: alles Geraune spielt sich im gegendarstellungsfreien Raum ab.

Und als Absackerchen noch diese merkwürdige Behauptung:

Man frag sich schon, was für Freundinnen Tina Huber hat.

Aber gut, ZACKBUM ist mal wieder dringend auf milde Gaben angewiesen. Oder müssen wir uns die Flaschen wirklich aus dem eigenen Sack bezahlen, die wir nach diesem Martyrium zur Wiederherstellung brauchen?