Wie tief kann die «Republik» noch sinken?

Waffenhändler. Juden. Raubkunst. Emotionen pur, Einordnung null.

Hier ein Schweizer Waffenfabrikant, der sich im Zweiten Weltkrieg ein Vermögen verdiente. Indem er seine Produkte an die Alliierten und an Nazi-Deutschland verkaufte.

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Emil Georg Bührle vor seinen Produkten.

Dort eine Kunstsammlung erlesener und erstklassiger Werke, die sich zum Teil vorher im Besitz von Juden befanden. Klare Schlussfolgerung: widerlicher geht’s kaum. Waffenfabrikanten sind sowieso der Abschaum der Menschheit. Machten sie auch noch Geschäfte mit den Faschisten …

Kauften sie mit diesem Geld flüchtenden Juden für ein Butterbrot deren Kunstwerke ab, nutzten also eiskalt deren Notlage aus, wird’s schwierig, ein moralisch verachtenswerteres Subjekt zu finden.

Claude Monet: Mohnblumenfeld, Sammlung Bührle.

Doch, es gibt allenfalls noch eine Steigerung. Wenn ein Erbe eines so Geprellten Gerechtigkeit und Wiedergutmachung verlangt, ihm «ins Gesicht lachen». Genau das sei Juan Carlos Emden passiert. Sein Grossvater hatte einen der grössten Warenhäuserkonzerne Europas aufgebaut. Der von den Nazis enteignet wurde. Der Grossvater hatte sich schon früh in der Schweiz eingebürgert und besass die beiden Brissago-Inseln im Lago Maggiore, wo auch der Vater von Juan Carlos aufwuchs.

 

Heute ein beliebtes Ausflugsziel: Die Brissago Inseln.

Den vertrieb es dann bis nach Chile, wo Juan Carlos heute lebt. Die «Republik» gab ihm Gelegenheit, sich über die angeblich ungerechte Behandlung durch die Bührle Stiftung und Schweizer Behörden, inklusive die Zürcher Stadtpräsidenten Corine Mauch, zu beschweren.

Einseitig, einäugig, unprofessionell. «Republik» halt.

Der Fall Emden und Monet

Wieder ein ellenlanger Text, 17’335 Anschläge, das wären zwei Zeitungsseiten Umfang. Nach einer länglichen Einleitung geht es um ein Werk der Bührle Sammlung, das heute im Kunsthaus Zürich ausgestellt ist. Das Bild Claude Monets sei «1941 unter umstrittenen Umständen in die Bührle-Sammlung gelangt». Behauptet die «Republik». Erbe Emden darf unwidersprochen hinzufügen: Beim Treffen 2012 in Zürich sei Folgendes passiert:

«Sie haben uns ins Gesicht gelacht. Sie haben gesagt: Was wollen Sie, Herr Emden, Ihr Vater war ein schwer­vermögender Mann, weshalb soll er unter Zwang verkauft haben?»

Er darf unwidersprochen hinzufügen: «Die Bührle-Stiftung scheint sich auf den Standpunkt zu stellen: Es ist völlig in Ordnung, einem reichen Juden seine Vermögens­werte abzupressen, solange ihm noch etwas bleibt zum Überleben. Es ist mir schleierhaft, woher die Nachlass­vertreter des Waffen­fabrikanten sich dazu das moralische Recht nehmen.»

Der Leser bekommt den klaren Eindruck: Bührle selbst war ein moralisch zutiefst verworfener Mensch, die Betreuer seiner Stiftung eifern ihm darin nach. Das ist ein Eindruck, der demagogisch, inkompetent und mehr als einseitig hergestellt wird. Entweder aus Unfähigkeit – oder aus Absicht. Beide Varianten sind gleich schlimm.

Wer die Notlage flüchtender Juden damals ausgenützt hat, ist ein zutiefst unanständiger Mensch. Davon gab es genügend. Hunderttausende, Millionen von Deutschen (und weitere Staatsbürger in Ländern, wo Juden verfolgt wurden) stahlen im Kleinen oder im Grossen jüdischen Besitz. Manches wurde nach 1945 wieder zurückgegeben, vieles nicht.

Viele wohlhabende Juden hatten Kunstwerke in ihrem Besitz. Vor allem Gemälde waren relativ leicht transportierbar und auch auf der Flucht zu verstecken. Daher entwickelte sich ein widerwärtiger Handel, in dem häufig damalige Marktpreise keine Rolle, die Not der Besitzer eine entscheidende spielte.

Auch Bührle machte damals mit

Auch im Fall Bührle gab es Kunstwerke, die er nach 1945 den Besitzern zurückgeben musste – und sie nochmals zu fairen Preisen zurückkaufte. Dieser Monet gehört nicht dazu. Eine unverdächtige Quelle ist der jüdische Kunsthändler Walter Feilchenfeldt. Denn sein Vater, ebenfalls Kunsthändler, beriet damals Emden Senior beim Verkauf: «Mein Vater hatte auch nach dem Krieg ein sehr gutes Verhältnis zu Hans Erich Emden», erinnert sich Feilchenfeldt in der SoZ,

«kein einziges Mal ist ein schlechtes Wort gefallen, zum Beispiel, dass man den Verkauf bereue oder dass er sich über den Tisch gezogen gefühlt habe.»

Auch konnte nachgewiesen werden, dass Emden zum Zeitpunkt des Verkaufs über ein beträchtliches Vermögen verfügte, er das Bild also nicht aus einer Notlage heraus abtreten musste.»

Zu dem Versuch des Erben, 2012 nochmals Geld zu fordern, hat Feilchenfeldt eine klare Meinung: «ein falsches Spiel, «dominiert von den Anwälten»».

Nun kann man natürlich bezweifeln, dass Feilchenfeldt die damaligen Ereignisse richtig darstelle.

Bezweifeln kann man alles, aber …

Zumindest bislang, trotz allem Geschrei, ist folgende Aussage unbestritten:

«Von den 203 Werken der Bührle-Sammlung haben 37 im weitesten Sinne einen Zusammenhang mit NS-Verfolgung, hatten also deutsch-jüdische Vorbesitzer. 26 davon erwarb Bührle erst nach Kriegsende. Laut aktuellem Forschungsstand stammen alle Bilder aus unproblematischer Herkunft, oder man hat sich längst mit den früheren Eigentümern verständigt. Bisher konnte niemand etwas anderes nachweisen.»

Die Familiengeschichte von Juan Carlos Emden verbietet jegliche leichtfertige Kritik an seinen Aussagen. Aber: es wäre die Aufgabe eines anständigen Journalismus gewesen, sie mit widersprechenden Aussagen zu konfrontieren. Es wäre anständiger Journalismus gewesen, Emden Junior vor sich selbst zu schützen. Es wäre anständiger Journalismus gewesen, dem Leser der «Republik» das komplette Bild in all seiner Widersprüchlichkeit zu präsentieren.

Platz genug hätte es dafür gegeben, die gesamte Berichterstattung der schreibenden Schmachtlocke könnte ein Buch füllen. Allerdings hat es darin dermassen viele Leerstellen, viele Unsauberkeiten, so viel Weggelassenes, weil es nicht in die Kampfthese passt, dass diese Bührle-Polemik als Prachtexemplar und abschreckendes Beispiel in jeder Journalistenschule verwendet werden könnte

Ach so, viel zu viel Buchstaben, und was wird denn noch Journalisten heutzutage beigebracht? Einen Ratschlag kann man ihnen allerdings in aller Kürze auf den Weg geben: werdet ja nicht so wie Andreas Tobler oder Daniel Binswanger. Dann könnt ihr euch am Morgen auch noch im Spiegel anschauen.

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