Was heisst da kritisch?

Neuer Wettbewerb: wer ist der Kritischste im Land?

Statt sich um die Sittenverluderung im Journalismus zu kümmern, dass mangels Recherchekapazitäten (und -fähigkeiten) Abgefüttertes gerne genommen wird, wollen nun alle Medien furchtbar kritisch und distanziert während der Corona-Krise berichtet haben.

Selbst Marc Walder, der quasi eine Standleitung ins Gesundheitsdepartement von Berset hatte, erwähnt einen (!) kritischen Artikel als Beweis, dass es da überhaupt keine unziemliche Nähe gegeben habe. Es darf anhaltend gelacht werden.

Natürlich sind nun auch der «Blick» und der «Tages-Anzeiger» immer ganz, ganz kritisch gewesen. Tamedia bemüht dafür eine Auswertung des University College London, die dem Haus attestiert, es habe bei Corona negativer über Berset geschrieben als alle anderen Schweizer Medienhäuser.

Was Tamedia schamvoll verschweigt: Tamedias Corona-Kreischen kritisierten Berset oft wegen dessen angeblich viel zu laschen Einschränkungen von Freiheitsrechten. Im roten Bereich drehende Redaktoren forderten sogar Impfzwang und kanzelten «Impfverweigerer» als potenzielle Mörder ab.

Die grossen Medienkonzerne sind nicht einmal mehr in der Lage, ihr eigenes Versagen während der Pandemie kritisch aufzuarbeiten. Während sich der «Blick» (und natürlich SRF) in Lobhudeleien über staatsmännische Führer und Lenker fast überschlugen, wollte der angeblich linksliberale «Tages-Anzeiger» möglichst noch harschere Einschränkungen. Dass damit Tausende von KMU in den Ruin getrieben worden wären, dass schon so mehr als die Hälfte aller Arbeitnehmer auf Kurzarbeit waren – was kümmerte es.

Kritisch? Allem gegenüber. Vor allem den anderen gegenüber. Selbstkritisch? Hat man von all den Unken, die Zehntausende von Toten prognostizierten, gar Endzeitstimmung mit bürgerkriegsähnlichen Zuständen prognostizierten, jemals ein Wort der Selbstkritik gehört? Hat man von all den ruchlosen Abkanzlern aller kritischen Stimmen jemals ein selbstkritisches Wort gehört? Hat von all denen, die gehorsamsverweigernde Skeptiker auf das Übelste beschimpften, als bescheuerte Aluhutträger, Anhänger von absurden Verschwörungstheorien, gerne bereit, rechten Populisten auf den Leim zu kriechen, jemals eine leise Andeutung einer Selbstkritik gehört?

Glauben all diejenigen, es gäbe keine Archive mehr, ihr Gerüpel und Gerempel und Gekeife, ihre liebedienerische Obrigkeitshörigkeit oder ihre arroganten Forderungen nach möglichst harten Massnahmen seien alle mitsamt dem Virus im Orkus verschwunden?

Es hat schon eine gewisse Schamlosigkeit, wenn nun unterwürfige Lobhudler, inquisitorische Rechthaber, Doomsday-Propheten und durch nichts qualifizierte Besserwisser so tun, als hätten sie ausgewogen, distanziert, kritisch und reflektiert über die Pandemie und ihre staatliche Bekämpfung berichtet.

Da gilt wohl extrem: ist der Ruf erst ruiniert …

3 KOMMENTARE
  1. René Küng
    René Küng says:

    Zeyer in (berechtigter) Hochform: 3 Artikel heute, rein in die Vollen.
    Das was unsere ‹Eliten›, unsere ‹Verantwortlichen›, unsere neuneutralen Neutrums in den letzten 3 Jahren abgeliefert haben ist Orwell & Huxley pur.
    Abgeschmiert in Jahrzehnten der zunehmenden Dekadenz und ignoranter Arroganz, jede/r seinem eigenen Vorteil verpflichtet, sich gegenseitig die Stelle oberhalb der Sonnenbrillen salbend.

    Aber halt mal, steht’s denn untenrum besser aus?
    Wo sind die Kommentarschreiber von zackbum, die die letzten 3 Jahre den Knicks machten?
    Genau so keiften, besser wussten, das Land und die ‹Solidarität› verteidigten.
    Alle an der Ostfront, die Freiheit und den Frieden verteidigend?

    Es ist Mittwoch 18.Januar 2023.
    Bis jetzt kein einziger Kommentar unter jedem Pfeffer-Artikel von zackbum. Vielleicht liegt das ganze Redaktionsteam, inklusive Forum-Betreuungsteam und juristischen Advisern in einem Zürcher Wellness-Hafen (dem Chef würd ich’s gönnen) und die Beitrags-Flut konnte noch nicht frei geschaltet werden.
    Aber gestern war’s nicht belebter.

    Oder besteht Hoffnung, dass gewisse Herren der Infanterie in Besinnung verfallen sind?
    Zumindest beim Fussvolk, wenn die Redaktionen sich weiter lächerlich machen.
    Denn unten muss gedeihen oder heran wachsen, wenn die Oben immer offensichtlicher ohne Garderobe dastehen. Ob wir’s wirklich kapieren oder weiterhin blind denen nachkuschen werden, die jetzt schon die nächste Pandemie, das digitale Geld, den nächsten Frieden durch Panzer, die totale Sicherheit durch die totale Kontroll-App planen.
    Und hej, bald sind Wahlen, wählt Ihr wieder die Gleichen wie bisher?
    Alternativlos.
    Wo gibt’s noch Graddenker, wer schreibt über die, machen wir uns weiterhin gegenseitig selber fertig?

    Haben die Oben doch recht, dass wir zu doof sind?

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  2. Oskar
    Oskar says:

    Es geht genauso weiter. Der Angstpegel muss hochgehalten werden, sei es Klima, Ukraine-Krieg, Feindbild China usw. Das verunsichert den Pöbel und sichert die Macht von Poltik und Medien. Schliesslich kennen nur sie die richtige Antwort auf die Probleme.

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