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Ex-Press XLV: Was berichtenswert ist

Blasen aus dem Mediensumpf: «All the News that’s Fit to Print». Sagt immerhin die NYT. Was sagen die Schweizer Medien?

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

Ein Überblick ist schnell erstellt. Man muss schlieslich nur Tamedia mitsamt allen Kopfblättern, dito CH Media, die NZZ und den «Blick» anschauen, dann weiss man, welche News sich am Donnerstag, 16. September 2021, in der Schweiz für die Publikation eigneten.

Wir haben jeweils die Printausgabe herangezogen, dafür wollen die Verlegerclans ja am meisten Steuerbatzeli.

Frauen in Not bei Tamedia

Beginnen wir in der unteren Mitte, also bei Tamedia. Der grösste Medienkonzern der Schweiz macht auf das Schicksal von Frauen und Kindern in Not aufmerksam. In Afrika? In Afghanistan? Ach was, in der Schweiz natürlich.

Der grosse Tageskommentar auf Seite zwei widmet sich der in der Schweiz rasend interessierenden Feststellung: «Merkel umarmt die Autokraten.»  Über ihre Abschiedsreise durch den Balkan darf sich Enver Robelli «irritiert» zeigen, was sicherlich nichts mit seinem persönlichen Erleben, seinem, wie sagt man’s korrekt, Migrationshintergrund zu tun hat.

Seite drei, früher mal eine Institution bei der «Süddeutschen Zeitung», widmet sich dem «Siegeszug des COVID-Zertifikats». Das sei inzwischen «breit akzeptiert». Kann man so sehen, muss man nicht. Auch die nächste Seite ist sozusagen einer idealen Mischung gewidmet. Corona plus SVP-Bashing: «Das SVP-Manöver mit den Corona-Tests». Zuerst seien die SVP-Bundesräte gegen die weitere Kostenübernahme gewesen, nun protestiere die SVP gegen kostenpflichtige Tests. Widerspruch, typisch, wissen nicht, was sie wollen. Populisten halt.

Dass die SVP-Partei ihren Protest mit der Einführung der Zertifikatspflicht nach diesem Bundesrats-Entscheid begründet, was soll’s, Manöver ist doch ein hübscher Titel über einer Null-Meldung.

Gibt es wenigstens international ein anderes Thema? Nun, da hängt man halt von der Süddeutschen ab, und für die ist Deutschland nicht ganz unwichtig: «Für Ungeimpfte wird es ungemütlich», hat die SZ recherchiert. Wenn die schon sechs Mitarbeiter dafür in die Schlacht werfen, muss das doch den Schweizer Leser interessieren, sagt sich Tamedia. Und nach 34 Seiten ist dann Schluss mit schlappem Inhalt, für happige Fr. 4.20.

Weiter im Mittelfeld; das Wanner-Imperium

Wir bleiben im Mittelfeld und wechseln zur Keimzelle des Wanner-Imperiums. Stellvertretend für all seine Kopfblätter nehmen wir das «Badener Tagblatt». Hier geht man auf Nummer sicher; der Knatsch um die unklarte Situation an Schulen ist immer eine Titelstory wert.

Als Aufmacherfoto hat man aus Verzweiflung eine Aufnahme aus glücklicheren Tagen des verunfallten Formel-1-Stars Michael Schumacher genommen. Anlass: eine Netflix-Dokumentation. Der Kanal ist zwar in der Schweiz nicht ganz unbekannt, aber nicht wirklich ein Mehrheitsprogramm.

Auch hier ist Seite 2 Meinungen reserviert. Die sind nicht nennenswert, aber ein Kurzbericht aus Pakistan lässt aufhorchen. Nein, nicht das, was Sie vielleicht denken. Es geht hier um den Klimawandel, eine Hitzewelle und den Zoo in Karachi. Dort bekommt nämlich eine Riesenschildkröte, obwohl die «aufgrund ihres Alters einiges gewohnt» sei, einen sparsamen Gutsch Wasser auf ihren Panzer. Wahnsinn, das «Bild des Tages».

Auch Seite drei ist einem Tier gewidmet, also einem Tierforscher: «Er liest die Spuren des Wolfes». Vielleicht eine Fortsetzung von «Der mit dem Wolf tanzt» oder so. Bevor man meinen könnte, sich in die «Tierwelt» verirrt zu haben, schlägt das BT im Ausland die Alarmglocke. Corona? Nein, für einmal nicht: «Europa droht eine Stromlücke». Ein Thema, das schon seit dem Atomausstieg immer mal wieder herangezogen werden kann, wenn wirklich tote Hose ist.

Erst auf Seite 17 geht’s endlich zur Sache: «Die Impf-Mär von den Fehlgeburten». Ein Schlag gegen Corona-Leugner und Fake-News-Verbreiter. Nach 36 Seiten ist auch hier Schluss, trotz zwei Seiten mehr als der Tagi kostet’s hier nur Fr. 3.50.

Wir spazieren zum Boulevard

Wenn sogar nicht mal ein Büsi von der Feuerwehr aus dem Baum gerettet werden muss, dann herrscht Verzweiflung auf dem Boulevard. Sex, Blut und Busen ist ja verboten, seitdem der «Blick» inklusive Regenrohr im Logo viel weiblicher werden will.

Da bleibt nur eins: die Lebensbeichte. Natürlich nicht irgendeine, sondern die «erschütternde» eines «Komikers». Wer noch nie vom «Divertimento-Star Jonny Fischer» gehört hat: macht nix, man kann doch trotzdem erschüttert sein.

Ein bisserl Crime muss dann schon noch sein; nicht erschüttert, sondern «fassungslos» sind «Freunde und Nachbarn der toten Geschwister von Frick AG». Denn die sind Opfer eines Verbrechens geworden, und der «Blick» läuft zu Überresten der alten Form auf:

«Eine Anwohnerin hat zudem beobachtet, wie ein Polizist den Hund des Ehepaars weggetragen hat.»

Ergebnisse seiner Befragung liegen aber offenbar noch nicht vor.

Hier ist dann schon nach 22 Seiten Schluss, dafür kostet’s auch nur Fr. 2.50.

Hinauf zur NZZ

Damit könnte man sich aber etwas mehr als eine halbe NZZ kaufen, die kostet schliesslich Fr. 4.90. Für ebenfalls 32 Seiten.

Die traut sich, den Gottseibeiuns aus Herrliberg prominent aufs Cover zu heben. Ein Foto in Übergrösse und in Farbe, das hätte vor 30 Jahren noch allen NZZ-Redaktoren den Magen umgedreht, nicht nur wegen des Sujets.

Aber schon auf Seite 2 zeigt die alte Tante, dass sie halt schon ein anderes Kaliber ist. Bericht aus Afrika «Mit einer Tombola gegen Impfskepsis», «Machtkämpfe in Haitis Regierung», «Wer profitiert, wenn Amerikas weisse Bevölkerung schrumpft?», «Amnestiepläne in Nordirland empören Angehörige von Terroropfern», dann anderthalb Seiten Interview mit dem Übervater der SVP:

«Die Treichler verstopfen zurzeit nicht die Intensivstationen».

Dazu ein Ranking der wichtigsten Ökonomen der Schweiz, ein wie immer unterhaltsamer Essay von Slavoj Zizec und weitere Guetzli im Feuilleton, das hat durchaus Niveau.

Natürlich kann man den Printausgaben nicht vorwerfen, dass sie die Bombe, die die «Weltwoche» am Donnerstag platzen liess, nicht aufnahmen. Ihren Internet-Auftritten allerdings schon.

Hilfe, mein Papagei onaniert!

Geflattertes und Absurdes: Die Welt als Corona und Taliban.

Zum Aufwärmen zwei Müsterchen aus Kannixverstan und Absurdistan:

«Und aus allen Poren dieser Musik quellte sie heraus, diese unfokussierte Melancholie, mit der die Dead Brothers europaweit zu gut frequentierten Dealern süchtigmachender Kaschemmenmusik arriviert sind.»

Alain Croubalians ist schon tot, wieso dann auch nicht gleich die starke Konjugation um die Ecke bringen, sagt sich Ane Hebeiesen von Tamedia. Was diese Musik mit Kaschemmen zu tun hat, lässt sich wohl auch nur so erklären, dass der Autor bemüht ein absonderliches Wort suchte, um vom Nonsensbegriff «unfokussierte Melancholie» abzulenken.

«Am Folio-Jubiläumsanlass im November sprechen Sie mit Bundesrätin Simonetta Sommaruga über die Welt von morgen. Was ist für Sie die drängendste Frage?
Wie tut man das Richtige, wenn man nicht weiss, was das Richtige ist?»

Diese Antwort von Aline Wanner (seit 8 Monaten Leiterin von «NZZ Folio») ist zwar grammatikalisch und so in Ordnung. Dafür völlig dadaistisch in der Aussage.

Das wahre Leben in Afghanistan

Aber kommen wir zu den wirklich wichtigen Dingen des Lebens. Genau, eines davon ist Afghanistan. So weit weg, aber doch so nah. Die Taliban sorgen auch durchaus für Spass und Unterhaltung, denn so stellt man sich den Präsidenten einer Nationalbank eher nicht vor:

Blüten oder blaue Bohnen oder beides?

Aber die Lage ist natürlich zu ernst für Scherze, das möchte Tamedia gleich doppelt unterstreichen:

Neuste Sparmassnahme: das gleiche Foto tut’s immer.

Problematischer ist allerdings die fortgesetzte Sparmassnahme: nicht nur die Fotos sind identisch, auch der Autor beider Artikel. Es handelt sich um Tobias Matern. Laut Autorenseite der «Süddeutschen» ist er «Jahrgang 1978, als Chef vom Dienst zuständig für die Themensteuerung der Außenpolitik. Er war während der Hochphase des Afghanistan-Krieges Korrespondent für Süd- und Südostasien mit Sitz in Delhi und Bangkok

Tamedia hat nicht mal alle seine Artikel übernommen …

Delhi ist bloss knapp 1000 km von Kabul entfernt, Bangkok dann schon 3900. Aber bei Hochphasen von Kriegen ist es immer gut, weitab vom Geschütz zu sein. Es erinnert aber gleichzeitig an den Scherz, was ein wirklich trockener Dry Martini sei. Bei dem werde die Martini-Flache nur am Glas voll Gin vorbeigetragen. Was James Bond aber scheissegal ist.

Das hindert Matern natürlich nicht, der Welt, dem Westen, Deutschland und somit auch der Schweiz zu erklären, was die überraschende Tatsache bedeutet, dass die Taliban doch keine Frauen in die Regierung berufen haben. Dabei waren wir schon hoffnungsvoll, dass es vielleicht sogar die erste Präsidentin Afghanistans geben könnte. Aber stattdessen zerstörte Illusionen, bis nach München.

Jetzt wird’s ernst: Corona!

Das Thema ist ernst und so umfassend, dass wir es eigentlich nur noch als Fotoromanza erzählen können. Covid-19, muss man leider sagen, schwächelte diesen Sommer etwas als Spalten- und Lückenfüller. Vorbei, jetzt geht’s wieder in die Vollen. Exemplarisch in der ausgewogenen Berichterstattung ist natürlich das Hausblatt der tiefen Denke, der tiefergelegten Analyse, mit einem Wort Frank A. Meyers «Blick».

Schritt eins: ungeimpft ist blöd.

Schritt zwei: ungeimpft ist wirklich blöd.

Schritt drei: ungeimpft ist so blöd, oder sagten wir das schon?

Schritt vier: das passiert mit Blödis.

Da kann natürlich CH Media nicht hintenanstehen.

Die Landesregierung macht eine Kehrtwende. Man erinnert sich an die Aussagen des BAG: Die Normalisierungsphase beginne, wenn «alle impfwilligen erwachsenen Personen geimpft» seien. Die «verbleibenden Massnahmen» sollten dann «schrittweise aufgehoben werden». Jetzt kommt’s:

«An dieser Strategie soll auch dann festgehalten werden, wenn die Impfbereitschaft der Bevölkerung entgegen der Erwartung tief bleibt.»

Ein Drittel der Eidgenossen ist noch ungeimpft, aber denen sagt der Bundesrat nun: selber schuld, ihr Idioten, dann bleibt doch zu Hause. Also eine glatte Kehrtwendung, normalerweise Anlass zu gerunzelter Stirn (NZZ), staatstragender Kritik (Tamedia, CH Media) und Gebrüll («Blick»). Doch in Erwartung einer zusätzliche Subventionsmilliarde sind alle Qualität- und Mainstreammedien ungeheuerlich obrigkeitshörig. Ein widerlicher Vorgeschmack auf Kommendes, sollte das Referendum keinen Erfolg haben.

Da lobte man sich selbst solche Einschübe bei «Blick», eigentlich besser als die nächste Covid-Kreische:

Aber es gibt noch andere Wichtigkeiten

Zum Beispiel diese hier:

Hier warnen gleich zwei «Kolumnistinnen» von «Tamedia» vor den Gefahren, die von fundamentalistischen Wahnsinnigen drohen. Öhm, Pardon, nein, die auf Restaurant-Toiletten lauern. Und nochmals nein, damit sind keine notgeilen Männer gemeint.

Turbinen-Handtrockner sind natürlich eine Pest. Lieber ungewaschen wieder raus, sagt sich da frau. Bei Otto, dem deutschen Blödelbarden, war das Thema wenigstens noch lustig. «Küss mich, sagt der Frosch zur Schönen, ich bin ein Prinz. Sie küsst ihn, aber der Frosch hatte gelogen. In Wirklichkeit war er ein verwunschener Föhn. Und wenn sie nicht gestorben sind, föhnen sie sich noch heute.»

Dank, nun ja, deutscher Quelle informiert Tamedia auch über einen fernen, deutschen Riesenskandal, bereits als «Pimmelgate» in den deutschen Medien gehandelt:

Seit Gerigate in Baden gab’s kein solches Pimmelgate mehr.

Aber, zugegeben, das letzte Absackerchen schlägt alles andere:

Wir wollen nicht wissen, was der Jäger getan hätte, wenn er ein Reh für ein Pferd gehalten hätte. Gesattelt und in den Sonnenuntergang geritten?

 

Talibanisierung: streiten verboten

Die Überlegenheit freier Gesellschaften lässt sich mit einem gefährdeten Wort erklären: offen debattieren.

Die grösste Gefährdung für eine der ältesten Demokratien der Welt geht weder von der grummeligen SVP, noch von linken Maulhelden aus. Schon gar nicht von Taliban, und auch nicht von einem Virus. Nicht einmal von fundamentalistischen Genderschützern. Sondern von der Gefährdung der freien Debatte.

Wobei alle diese Fanatiker auf ihre Art einen Beitrag zu dieser Gefährdung leisten. Denn die Gefahr erhebt überall ihr hässliches Haupt. Am deutlichsten ist diese Fratze auf den sogenannten sozialen Plattformen sichtbar.

Es ist ein Beweis dafür, dass zu grenzenlose Freiheit in Willkür, Übergriffigkeit, Verblödung und Elend ausartet. Eigentlich könnten auf Facebook, Twitter & Co. Debatten wie noch nie in der Geschichte der Menschheit stattfinden. Über alles und mit allen. Tabufrei, offen, dank Anonymität auch angstfrei vor Repressionen.

Man könnte mit allen kommunizieren oder mit Gleichgesinnten. Man könnte Stärke durch Zuspruch, Erkenntnisgewinn durch Widerspruch gewinnen. Man könnte Welterklärungen abrufen, dank Universalsprachen wie Englisch oder dank Simultanübersetzungsprogrammen mit Menschen kommunizieren, die tausende von Kilometern entfernt in ganz anderen Lebensumständen denken und sprechen.

Man könnte sich selbstbewusst und mit Respekt vor den Ansichten des Andersdenkenden begegnen. Man könnte jeden Tag eine Bereicherungsstunde abhalten, in der man versucht, Einblicke in alle fast 200 Länder dieser Erde zu gewinnen. In Traditionen, Kulturen, Mentalitäten, ins Andere.

Stattdessen sind diese Plattformen, allen voran Twitter, versumpft, verschlammt, unerträglich geworden. Der Stammtisch, die Rechthaberrunde zu später Stunde und mit durch Alkohol gelösten Zungen, die «jetzt rede ich, und du gibst mir recht»-Monologe haben sich ins Digital-Virtuelle erhoben. Dort verpesten Ego-Shooter die Luft, rotten sich Quadratschädel zu Mobs zusammen.

Wer ist stolz darauf, Teil eines Shitstorms zu werden?

Debatte und Widerspruch als einzige Möglichkeit zum Erkenntnisgewinn ist ihnen fremd, geradezu widerwärtig. Ihre Denkperversion zeigt sich darin, dass sie sogar heimlich oder offen stolz darauf sind, Bestandteil eines Scheissesturms zu werden. Ohne eine Sekunde darüber nachzudenken, was diese Bezeichnung aus ihnen selbst macht.

Ihre bedingten Reflexe funktionieren besser als beim pavlowschen Hund. Läutet irgendwo in ihrer Nähe das Glöcklein einer artfremden, abweichenden Meinung, sabbern und kläffen sie los, verbellen den Eindringling, empfinden es als grössten Erfolg, wenn er von der Meute weggebissen wurde.

Leider beschränkt sich dieses Phänomen des Rückfalls in voraufklärerische Zeiten nicht nur auf das geistige Prekariat, das in den asozialen Medien die Klowände des Internets vollschmiert.

Auch in den sogenannten Qualitätsmedien herrscht inzwischen ein Groove, an dem Torquemada seine helle Freude hätte (Kindersoldaten: Namen googeln). Selbsternannte Klein- und Grossinquisitoren verteidigen hier den rechten Glauben gegen Ungläubige. Mit einer Verve, die erschauern lässt. Denn von den fundamentalistischen Irren in Afghanistan unterscheidet sie eigentlich nur, dass sie ausser Maulheldentum und Beherrschung der veröffentlichten Meinung keine Macht haben.

Moderne Worttaliban fäusteln auch in der Schweiz

Hier geht es gegen «Impfgegner», «Coronaleugner», mit einem Wort: verantwortungslose Volldeppen. Selbst das halbstaatliche Portal «blue news» entblödet sich nicht, hier eine immerhin «nicht ganz ernstgemeinte» Typologie aufzublättern, von «Die Fiebrigen»  bis zu den «Verschwörungstheoretiker*innen». Nebenbei: alleine am Gebrauch des Sprachverhunzungswerkzeugs Gendersternchen entfachen sich Sprachkriege, moderne Kreuzzüge gegen Unmenschen und Sexisten.

Wie es sich für ein Boulevardblatt gehört, packen «Blick» und «SonntagsBlick» gleich die grobe Keule aus. Der SoBli-Chefredaktor entblödet sich nicht, Impfgegnern zu unterstellen, sie unterstützen damit die Pandemie («Die Impfgegner machen mit dem Virus gemeinsame Sache».) Der Vergleich zum Mittelalter, wo Seuchenzüge auch damit erklärt wurden, dass Juden die Dorfbrunnen vergiftet hatten, liegt nahe.

Deswegen:

«Der Freak» nach «Blick». Karikatur zum Kotzen.

Das ist so ziemlich das Übelste, was seit «Juden canceln»-Simone Meier in letzter Zeit in der Schweiz verbrochen wurde. Diese Karikatur soll den «Freak» zeigen. Der sonst für alles Gute und Edle kämpfende «Blick»-Journalist Reza Rafi schreibt mit der Klosettbürste als Erklärung:

«Hier reden wir von einem Sammelbecken für Outlaws, Aussteiger und Abgedriftete: Der völkisch denkende Arzt, die radikalisierte Kapitalismusgegnerin und der Goa-Veteran mit halluzinogenen Spätfolgen sind nur drei Beispiele. Typischerweise ist der Angehörige dieser Kategorie männlich, bewegt sich in einer weltanschaulichen Käseglocke und hat sich die vorherrschende Gesellschaft, ihre Politiker und Medien zu Feinden erklärt. Auch pathologische Fälle werden beobachtet.»

Man soll mit der Nazi-Keule vorsichtig hantieren, aber das unter eine Karikatur zu schreiben, die eine Kreuzung zwischen dem «Stürmer»-Juden und dem Komiker Marco Rima darstellt, das ist schon unerhört. Dass es diesen «Freaks» gelungen ist, innert kürzester Zeit mehr als 100’000 Unterschriften unter ein Referendum gegen die Corona-Gesetzgebung zu sammeln, erweckt offenbar den Ingrimm der staatlich subventionierten Medien der Schweiz.

Wieso bleiben Sanktionen, ein Aufschrei aus?

Bedenklich: der Aufschrei aller sonst immer schnell Empörten und Erregten blieb aus. Wählt die SVP ein schwarzes Schaf zur Illustration ihrer Absichten, kriegt sich eine Empörungsmeute kaum mehr ein. Aber hier? Wird der durchdrehende Chefredaktor eingefangen, korrigiert? Wird der verantwortliche Redaktor sanktioniert, entlassen? I wo, sie stehen doch auf der «richtigen» Seite, da ist dann alles erlaubt.

So stirbt die Freiheit scheibchenweise. Die Denkfreiheit, das Salz in der Suppe, der Motor jedes Fortschritts. Wo Aberglaube und Glaubensdoktrinen herrschen, herrscht Mittelalter, Elend und Dumpfheit. So wie in allen islamisch kontrollierten Ländern. Sie mögen dank Rohstoffen reich sein – was aber immer nur von einer korrupten Oberschicht unter Beteiligung des Klerus abgeschöpft wird –, aber sie sind zu Elend, Stagnation, Rückschritt und Untergang verurteilt.

So war das auch in Europa, als die christliche Kirche mit dem Leichentuch der Glaubensdoktrinen jeden Fortschritt erstickte. Aber hier und heute in der Schweiz darf doch noch alles gesagt werden? Selbst diese Haltung wird schon ironisiert, kritisiert, als Freipass für schädliche – soll man sagen volksschädliche – Meinungen von Aluhutträgern, von Freaks halt.

Inquisitorische Rechthaberei erhebt das hässliche Haupt

Es ist eine Perversion der Geschichte, dass vor allem linke Kreise, also die Urenkel der Aufklärung, die Enkel der Kämpfer für Meinungsfreiheit und offene Debatten, zu Vorkämpfern für Sprechkontrolle, Gedankenpolizei und inquisitorischer Rechthaberei werden. Während sie zunehmend die Oberhoheit über die Diskurse verlieren, verkrampfen sie sich immer mehr in einem Sprachfanatismus.

Der äussert sich in erster Linie darin, dass nicht mehr Meinungen als falsch kritisiert – und argumentativ niederdebattiert werden. Sondern dass hinter Standpunkten Haltungen denunziert werden. Nicht mehr: «Wer das sagt, liegt falsch, weil». Sondern: «Wer das sagt, ist». Hier kann man nach Belieben Hetzer, Rechtsradikaler, Rassist, Faschist, Fremdenfeind und alles Schlimme der Welt einsetzen.

Es liegen Welten zwischen Afghanistan und der Schweiz. Noch.

«Die Freiheit führt das Volk an»: wäre heute zu sexistisch.

Es darf gelacht werden: Afghanistan brunzblöd

Journalisten bei ihrer Lieblingsbeschäftigung beobachtet: Feldherren am Schreibtisch spielen.

Wenn von brunzblöd die Rede ist, kommt einem natürlich zunächst «watson» in den Sinn. Dort wird man auch sofort fündig. Der Geostratege und Historiker Peter Blunschi holt zuerst weit aus, knöpft sich dann die Kommentatoren beim «Tages-Anzeiger» und der NZZ vor, um zu urteilen:

«Kritiker von Joe Bidens Truppenabzug behaupten, der Verbleib von wenigen US-Soldaten in Afghanistan hätte die Taliban abschrecken können. Diese Illusion ist nicht nur dumm, sondern gefährlich.»

Wozu hatte man Geschichte in der Schule, sagt sich Blunschi, und zieht einen kühnen Bogen zum Ende des Ersten Weltkriegs und der «Dolchstosslegende» damaliger Militärköpfe. Hat zwar nix mit Afghanistan im Jahr 2021 zu tun, hört sich aber gelehrt an. Gelehrt? Blunschi studierte «zeitweise Germanistik und Publizistik, kam dann aber schon früh zum Journalismus». Auf Deutsch: Studium abgebrochen, seither schreibt er über alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist.

Gibt’s denn nur Kritik an der Kritik bei «watson»? Aber nein, Vanessa Hann weiss: «So hätte der Westen die Misere in Afghanistan verhindern können: 3 Punkte». Die Praktikantin hat an der ZHAW «vor ihrem Einstieg in den Journalismus Kommuniklation studiert» und schreibt ebenfalls alles weg, was nicht schnell genug die Flucht ergreift.

ZACKBUM hätte nie gedacht, dass wir den Obergeostrategen und Rechthaber aller Klassen mal vermissen würden. Doch leider scheint Philipp Löpfe in den Ferien zu weilen. Schade aber auch.

Nächstes Gratis-Angebot an Einblicken

Ans Portemonnaie fasst bei «20 Minuten» die neue leitende Redaktorin Claudia Blumer: Rund 30 Schweizer seien noch in Afghanistan, ohne in offizieller Mission unterwegs zu sein, und deren Evakuierung müssen die dann zu «marktüblichen Preisen» bezahlen. Das ist zwar schon seit Jahrzehnten überall auf der Welt so, aber vielleicht wusste das Blumer nicht. Das EDA weiss auch nicht viel:

«Wie viel die 30 Schweizer für ihre Rettung werden bezahlen müssen, gibt das EDA nicht bekannt. «Das ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht definiert», sagt Sprecher Valentin Clivaz.»

Nicht viel wissen, beste Ausgangslage für eine Newsstory. Immerhin, «20 Minuten» verzichtet weiterhin eisern auf Kommentare, das ist wohltuend. So bleibt auch Platz für die Hammermeldung der Woche:

Was die Taliban dazu sagen würden?

Die zwei weiteren Gratisportale und ihr Angebot

Das dritte Gratismedium im Bunde, nau.ch,  lässt es bei einem Newsticker bewenden, in der wohl richtigen Annahme, dass ohne grosses Gemetzel Afghanistan langsam aus den Schlagzeilen verschwindet.

Ach, da gäbe es noch den heimlichen Star unter den Gratis-Newsportalen: «blue news». Das hat sich sogar zu einer Eigenleistung aufgerafft, ein Interview. Kostet nix, braucht keine Spesen, der Journalist kann in seiner Verrichtungsbox sitzenbleiben.

Hinauf zum Hochamt der Analyse

Welche Erkenntnisse haben denn die Qualitätsmedien zur Hand? Wir schauen ganz nach oben, zur NZZ. Da ist Weltanalyse natürlich Chefsache, also dekretiert Eric Gujer:  «Der Westen kann die Welt nicht retten». Eine schockierende Nachricht nicht nur für Afghanistan. Brauchen wir nun geistliche Unterstützung, um uns auf das Ende der unrettbaren Welt vorzubereiten?

Wer solche Grossanalysen schwingt, sollte sich im Kleinen nicht irren. Doch Gujer schreibt einleitend über den Rückzug aus Vietnam:

«Das Bild des Helikopters auf dem Dach der US-Botschaft in Saigon hat sich in das Gedächtnis eingebrannt.»

Leider liest Gujer die reine Quelle der Wahrheit nicht aufmerksam genug. Wir bei ZACKBUM können zwar die Welt auch nicht retten, aber immerhin das Gedächtnis von eingebrannten Fehlmeinungen reinigen: Es war nicht das Dach der Botschaft, lieber Chefredaktor. Vielleicht mal wieder etwas das Hirn auslüften, am besten in einem Wellness-Hotel in Österreich?

Was weiss denn das Qualitätsimperium Tamedia? «Taliban in Afghanistan: Den Gotteskriegern droht das Geld auszugehen». Nun ist aber Tamedia selbst leider das Geld schon länger ausgegangen. Also das Geld, um eine eigenständige Berichterstattung als Gegenleistung für schweineteure Abonnements zu liefern. Denn dieser Artikel ist natürlich, wie das meiste in diesem Blatt, von der «Süddeutschen Zeitung» übernommen. Was es auch nicht besser macht, denn deren Analysefähigkeiten waren auch schon mal grandioser.

Das ist doch sicherlich beim anderen Mitspieler im Duopol der Tageszeitungen anders. Nicht wirklich. CH Media greift auf die Erkenntnisse von Michael Wrase zurück. Der kennt sich im Mittleren Osten aus, Iran, Beirut, Damaskus und so. Das qualifiziert ihn selbstverständlich zum Afghanistan-Spezialisten. Daher macht er sich hurtig an die Beantwortung von zehn Fragen. Als erfahrener «Spezialist» hält er sich bei seinen Antworten aber mehr zurück als ein Banker, der über die Kurse von morgen befragt wird; sind die Taliban nun gemässigter als früher?

«Wie ihre versprochenen Korrekturen aussehen werden, ist gegenwärtig schwer zu beurteilen.»

Das hätte ein afghanischer Windhund, könnte er sprechen, auch nicht besser formuliert.

Ganz deutlich positioniert sich hingegen das Blatt mit dem Regenrohr im Logo, der «Blick»:

Ob das tatsächlich flächendeckend gemacht wird, weiss allerdings niemand. Doch besser eine steile Ansage, als überhaupt keine Aussage.

Afganistan brunzblöd; wer bislang nicht verstanden hat, wieso die westliche Intervention dort scheiterte, nach diesem Scheitern der westlichen Medien, genauer der Schweizer, dürfte es klar sein. Ein fremdes Land mit fremden Gebräuchen und Traditionen braucht etwas Grips statt Geplapper. Kenntnis statt Geschwurbel. Sonst wird das nie was.

Falsche Frage: Junge oder Mädchen?

Ringier kümmert sich um die wirklich wichtigen Themen. Bravo.

Von Adrian Venetz

Welch erquickende Neuigkeit erreicht uns aus der Online-Redaktion des «Blick». Da lesen wir nämlich, dass eine Aargauer Influencerin mit dem wohlklingenden Namen Morena Diaz ein Kind erwartet. Und? Wird es ein Junge oder ein Mädchen? Halt! Eine solche Frage stellen nur Idiot*innen. Morena Diaz geht mit gutem Beispiel voran und antwortet auf diese Frage, wie künftig hoffentlich alle anständigen Schwangeren antworten werden:

«Mein Kind kommt mit weiblichen Geschlechtsteilen zur Welt

Das muss aber noch gar nichts heissen …

Aus gutem Grund: Würde sie das zu gebärende Wesen als Mädchen bezeichnen, legte sie dessen Genderidentität zu früh fest. Dies aber wäre, wie wir alle sanft nickend bestätigen, der Zipfel – Pardon: Gipfel – der Frechheit gegenüber dem Kind. Ob das Kind mit den weiblichen Geschlechtsteilen sich dann tatsächlich als Mädchen und später als Frau fühlt, sei ja keineswegs gewiss. Diese Entscheidung soll das Kind mit den weiblichen Geschlechtsteilen später selbst treffen dürfen.

Ist das der glückliche Vater?

Spenden wir an dieser Stelle einen tosenden Applaus für diese weise Voraussicht, für dieses mutige Zeichen auf dem Weg zu einer neuen Welt mit LGBTQIA+ auf der Flagge. Und hoffen wir, dass das Wesen mit weiblichen Geschlechtsteilen niemals eine Oldie-CD ihrer Mutter in die Finger kriegt, auf der Britney Spears singt: «I’m not a girl, not yet a woman.» Und sich dann bang fragen muss, ob die gute Mama in ihrer Hochschwangerheit da etwas falsch interpretiert hatte.

Ob die SI live dabeisein wird?

Wir sollten uns auf jeden Fall langsam Gedanken darüber machen, ab welchem Alter sich ein Kind mit weiblichen Geschlechtsteilen zum Geburtstag einen Penis wünschen kann. Damit es dann an der Geburtstagsparty mit noch unentschlossenen Kindern in voller Lautstärke zu James Brown singt: «This is a man’s world, but it wouldn’t be nothing, nothing without a woman or a girl» – indessen die eingeladenen Wesen mit männlichen Geschlechtsteilen heulend heim zu Mama rennen und ihr kundtun, dass sie ihren Penis loswerden wollen.

Nicht nur frohe Botschaften der Influencerin.

Angesichts so viel Korrektheit in Fragen der Geschlechteridentität und Offenheit haben wir aber eine Frage zum neuen Logo des «Blick», in dem diese Storys erscheinen. Das sieht bekanntlich so aus:

Die deutlichste Veränderung hat beim Buchstaben l stattgefunden. War der früher genderneutral einfach gerade, hat er nun einen Bogen bekommen. Spötter vergleichen ihn deswegen mit einem Regenabflussrohr. Aber andererseits: könnte man das nicht auch als Symbolisierung des – schluck – männlichen Geschlechtsorgans sehen? Fängt unten rechts an und bambelt dann nach oben? Wenn das so wäre: wäre das nicht eine verdammte Sauerei? Wieso wurde dagegen noch nicht protestiert? Franziska Schutzbach, übernehmen Sie!

Corona? War da mal was?

Lockerungen, Tests nicht mehr gratis, Wissenschaftler warnt. Alles normal.

Wollen wir mal über die Kosten der Corona-Bekämpfung sprechen? Ihre Auswirkungen auf Wirtschaft, Gesellschaft, Sozialsysteme, die Zukunft? Ach was, das zahlen doch die nächsten Generationen, also was kümmert uns das.

Ein wichtiges Anliegen aller Virologen ist es nach wie vor, immer mal wieder in den Medien aufzutauchen. Denn sie spüren, dass sich die das Ablaufdatum ihres Promi-Status nähert. Ist Corona mal vorbei, heisst es wieder zurück ins Labor, und kein Schwein schaut. Nur wenigen ist es gelungen, wie Marcel Salathé zum Status eines Superstars aufzusteigen und sich beruflich deutlich zu verbessern.

Der «Infektiologe» Jan Fehr spielt in der unteren Mittelliga, was seine Bekanntheit und die Anzahl seiner Auftritte in den Medien betrifft. Aber er hat sich mal wieder ein Interview im Blatt mit dem Regenrohr im Titel ergattert. Was tut er im «Blick»? Richtig, er «warnt»:

«Wir brauchen eine Impfquote von 80 Prozent».

Interviewt wird er übrigens von Ladina Triaca. Die eignet sich in der Ringier-Journalistenschule das nötige Rüstzeug an und kann als ausgebildete Virologin Fehr auf Augenhöhe begegnen. Oh, Pardon, sie ist ausgebildete Politologin, aber immerhin, die Endung ist doch die gleiche.

Alles Stehsatz oder was.

So darf Fehr routiniert das ganze Klavier der Corona-Themen bespielen. «Überlastung der Spitäler ist nach wie vor nicht ausgeschlossen», «wir müssen also mehr tun», «nicht der Zeitpunkt, die Tests kostenpflichtig zu machen», «kann nicht sein, dass wir extra ein Zertifikat geschaffen haben und es dann nicht zum Einsatz kommt».

Richtiges Foto, Name stimmt: alles Wichtige richtig gemacht.

Das ist nun alles etwas lauwarm, einen richtigen Knaller hat Fehr nicht auf Lager, so schafft er es nie in die erste Liga. Vor dem Abstieg in die Amateurliga gibt Martin Ackermann im gleichen Organ sein «Abschiedsinterview». Die Fragen stellt Guido Schätti. Der Wirtschaftsjournalist wurde vor Kurzem wegen Guy Lachappelle in den Senkel gestellt und flüchtet sich lieber in weniger konfliktive Themen.

Der letzte kleine Auftritt des grossen Ackermann

Ackermann darf nochmal in die ganz grosse Tröte blasen.

«Ich lag jede Nacht wach»,

erinnert er sich mit Schaudern an «die schlimmste Zeit seines Lebens». Er war «das Gesicht» der Task Force to the Bundesrat. Die Landesregierung hatte sich dieses Gremium geschaffen, um unabhängiger von den Expertenscharen in den Bundesämtern zu werden. Diese Truppe von Wissenschaftlern hätte eigentlich diskret den Bundesrat beraten sollen und nur in Absprache mit dem BAG an die Öffentlichkeit gehen.

Aber aus Profilierungssucht schwang sich die Task Force unter Ackermann zum Oberlehrer auf, beraumte eigene Pressekonferenzen ein und masste sich an, allen anderen, inklusive Bundesrat, Noten zu verteilen und Forderungen aufzustellen. Wohlfeil und verantwortungsfrei.

So kannte man Ackermann: platzend vor Wichtigkeit.

Schliesslich platzte selbst dem geduldigen BR Alain Berset der Kragen und er sah sich genötigt, darauf hinzuweisen, dass Expertenmeinungen zwar wichtig seien, die Entscheidungen aber immer noch von den dafür gewählten Volksvertretern getroffen werden, nicht von der Task Force.

Aber vor solchen kritischen Themen schreckt Schätti natürlich zurück, sein Auftrag ist offensichtlich, ein Wohlfühl-Interview zu führen, nach der Massgabe: Mit welcher Frage kann ich Ihnen möglichst tief in den Enddarm eindringen?

Kuscheliges Wohlfühlen-Interview

Daher darf auch Ackermann das murmeln, was man halt so sagt, wenn nur mit Wattebäuschen geworfen wird. Wie wird die vierte Welle? «Eine Prognose ist extrem schwierig.» Ausweitung der Zertifikat-Pflicht? «Das ist ein politischer Entscheid.» Impfpflicht? «Ich habe keine Mühe zu akzeptieren, wenn sich jemand bewusst gegen eine Impfung entscheidet.» Eigene Bedeutung?  «Ich bin froh, wenn sich die Taskforce möglichst schnell auflösen kann.» Krachende Fehlprognosen im Frühling 2021? «Ja, zum Glück lagen wir falsch.» Kritik an ihm? «Die Anfeindungen gingen an die Substanz.»

Schliesslich die Frage aller Fragen, wie hat Ackermann seine Tätigkeit «als Mensch» erlebt?

«Ich habe noch nie eine derart schwierige Zeit erlebt. Das Ausmass an Stress ging weit über das hinaus, was ich zuvor kannte.»

So gurgelt dieses Nicht-Interview das Regenrohr hinunter und versickert geräuschlos im Nichts. Ackermann ist wieder handzahm geworfen, denn ihm fehlt nun die Plattform, um sich als ständiger Gast in der «Tagesschau» und überall sonst zu profilieren. Also geht’s zurück ins Labor, zurück in den Kampf um Forschungsgelder, Assistenten und Doktoranden, zurück ins beschauliche Leben einer grauen Labormaus, an deren Tätigkeit die Öffentlichkeit nicht wirklich Anteil nimmt.

Um das zu symbolisieren, zeigt sich die Aufnahmequalität bei «Blick TV» in sehr bescheidener Unschärfe:

Gewählte Gemeinplätze aus professoralem Mund.

Elendsjournalismus à la «Blick»

Null Vorbereitung, Interview zum Erschrecken, aschgraues Niveau.

Die Corona-Kreischen sind langsam durch. Nur im harten Notfall, kein Aufreger weit und breit zu sehen, greifen die Schweizer Qualitätsmedien noch zum «Experten, Virologen, Forscher», der warnt, unkt, den Teufel an die Wand und Leichenberge vor die Intensivstationen malt.

Auch die neue Todeswelle mit der Variante Delta ist eher abgenudelt. Was tun? In der Verzweiflung zeigt das Organ mit dem Abflussrohr im Titel, was dumpfbackiger Journalismus alles kann.

Dazu hat der «Blick» den «Verhaltensökonom Gerhard Fehr» ausgegraben. Gerhard who? Na, der andere Fehr. Der Bruder des ziemlich prominenten Ernst Fehr, in der Schweiz als Ökonom und Glücksforscher sehr bekannt. Damit hat es sich allerdings auch schon mit der Qualifikation des «Verhaltensökonomen».

Auf seiner eigenen Webseite weltberühmt …

Besonders bekannt ist er auch nicht, wie er auf seiner Webseite selbst bekannt gibt:

Aber in den Weiten des Web eher weniger …

Wie auch immer, keiner zu klein, um Interviewpartner zu sein. Denn der «Behavioral Designer» (what the f*** das auch immer sein mag) weiss natürlich, dass man ein knackiges Quote abzuliefern hat, wenn man schon mal die Chance dazu bekommt. Also sagt er:

«Wir überzeugen nur mit Diskriminierung».

Was meint er denn damit?

Zum Beispiel das: «Nur noch diejenigen, die geimpft sind, dürfen ins Restaurant oder in ein Konzert gehen. Systematische Diskriminierung ist nichts Neues, sie begegnet uns dauernd im Alltag. Beispielsweise können sich die meisten Leute nicht jeden Tag einen Restaurantbesuch leisten und sind dementsprechend wegen ihres Lohns davon ausgeschlossen.»

Ein beknackter Ratschlag nach dem anderen

Ausserdem rät er zur Aufforderung mit Termin, sich impfen zu lassen. Wer schwänzt, bekommt eine Busse. Schon nach diesem Blödsinn beginnt man, sich Sorgen um die Zukunft von Firmen zu machen, die sich allenfalls von diesem «Designer» beraten lassen. Denn den Ausschluss von einem Restaurantbesuch damit zu legitimeren, dass es schliesslich auch genügend Leute gäbe, die ihn sich nicht jeden Tag leisten könnten, das ist schon Gaga-Logik.

Aber hat Fehr wenigstens ein paar Zahlen im Griff? «Alle Nichtgeimpften sind jederzeit bereit, an einem Virus zu erkranken, an dem sie mit 0,5-prozentiger Wahrscheinlichkeit sterben werden.» Stimmt das?

Das ist absoluter, relativer und unwissenschaftlicher Quatsch. Die Schweiz zählt offiziell rund 700’000 Fälle von an Corona Erkrankten. Davon sind knapp 11’000 verstorben. Das wären 1,57 Prozent. Also falsche Zahl. Nun ist es aber so, dass es eine unbekannte, sehr hohe Dunkelziffer gibt. Also Menschen, die symptomlos infiziert sind und das auch nicht testen liessen.

Daher ist es wohl sinnvoller – und wird deshalb auch so gemacht –, sich mit der sogenannten Übersterblichkeit zu befassen. Das wiederum bedeutet: sterben aktuell mehr Menschen als in einem gemittelten Vergleichzeitraum in der Vergangenheit? Da ist die Antwort: nein, es existiert sogar eine Untersterblichkeit in der Schweiz.

Schliesslich wäre es noch sinnvoll, die Altersverteilung der Todesfälle in Betracht zu ziehen:

Hohe Sterblichkeit über 80, kaum je ohne Vorerkrankung …

Oder den Medianwert des Alters der an Corona Verstorbenen zu ermitteln. Der liegt mit rund 85 sogar leicht oberhalb der durchschnittlichen Lebenserwartung in der Schweiz. Also mit anderen Worten: der «Behavioral Designer» designt im luftleeren Raum, basierend auf Quatschzahlen, ein Vorgehen, das an Untauglichkeit nicht zu überbieten ist. Solche «Diskriminierungen» sind weder durchsetzbar, noch hätten sie einen nennenswerten Einfluss auf die Impfbereitschaft.

Ein Windmacher, vor dem gewarnt werden müsste

Das spielt aber gar keine Rolle, weil schon die Zahlen, die der Dampfplauderer verwendet, keinem zweiten Blick standhalten. Also mit anderen Worten ein Windmacher, vor dem ein seriöses Blatt seine Leser warnen müsste. Statt ihm widerspruchslos an den Lippen zu hängen. Ob das an der Qualifikation der Journalistin liegt?

Wir wollen uns weder über abbiegende Köchinnen, noch über Jungjournalistinnen wie Rachel Hämmerli lustig machen. Ganz im Gegenteil, solche Entscheidungen wollen wir mit Applaus begleiten. Aber: dass es beim «Blick» keinerlei Kontrollinstanzen mehr gibt, die einen solchen Unsinn dem Leser ersparen, das ist in Wirklichkeit Ausdruck des Elends des modernen Magerspar-Skelett-Koma-Journalismus.

Die Qualitätskontrolle beim «Blick», in flagranti ertappt.

 

So von gestern: Sex sells.

Ach was, Boulevard geht auch ohne. Seite drei Girl? Pfuibäh. Sexratgeber? Igitt pfui.

«20 Minuten» weiss noch, wie man die Klickzahlen erigieren lässt: «Schweizer und Schweizerinnen wünschen sich doppelt so viel Sex». Man nehme irgendeine Studie oder Untersuchung als wohlfeilen Anlass, um das Zauberwort in den Titel zu pflanzen.

Suchbegriff Sex? 1535 Resultate in den letzten 30 Tagen in der SMD. Stichwort Rahmenvertrag? 628 Resultate. Was schliesst der erfahrene Medienmanager daraus? Vor allem, wenn er ein Boulevard-Blatt managt? Genau, weniger Sex, mehr Rahmenvertrag.

So macht der «Blick» mit der Selbstverzwergung und Denaturierung seiner selbst weiter. Heute erscheint das letzte Mal der Sex-Ratgeber. Unverzichtbar eigentlich, Markenzeichen, letzter Überlebender der Grundausstattung des Boulevards. Warum? Weiss keiner so genau, «strategische Neuausrichtung». Damit will Ladina Heimgartner wohl weiter die «Resilienz» steigern.

Auf dem Weg nach oben mit Business-Bullshit

Auch ein schönes Beispiel, wie man mit der Verwendung eines einzigen Modeworts schlank durch alle Diskussionen kommt. Zukunft? Resilient. Ausweg aus der Medienkrise? Mehr Resilienz. Strategie: der richtige Weg zur Resilienz. Was ist das eigentlich? Also bitte, noch nie von Resilienz-Management gehört? Agilität, Robustheit, Adaption, Innovation, Belastbarkeit, Widerstandsfähigkeit.

Wer diesen Business-Bullshit nicht beherrscht, wird niemals «Head of Global Media». Niemals «CEO der Blick-Gruppe». Keinesfalls Mitglied des «Group Executive Board von Ringier». Erfahrung im Print-Bereich? Null. Na ja, ein wenig freie Mitarbeiterin bei den «Freiburger Nachrichten» und dem «Bündner Tagblatt». Erfahrung in strategischer Planung der Ausrichtung einer globalen Medienfamilie? Null.

Da geht Karriere nur mit geschicktem Reputationsmanagement. Dazu gehört die Verwendung eines Modeworts, das eigentlich schon den kurzen Zenith seiner Bedeutung überschritten hat. Podiumsdiskussion über die Zukunft der Medien? Resilienz, sagt Ladina Heimgartner, und das sagt sie unablässig. Damit kommt sie garantiert durch jede Sitzung als Head, als CEO und auch als Member.

Da spielt es auch keine Rolle, dass aus dem Boulevard-Blatt «Blick» ein mit Kernseife geschrubbter Musterknabe an Korrektheit, Anstand und vornehmer Zurückhaltung werden soll. Crime-Storys? Aber nein, da will die Zeitung mit dem Regenrohr im Logo die NZZ an Dezenz in den Schatten stellen. Nur noch Vik Dammann, der letzte seiner Art, darf noch Gerichts- und Crime-Reporter sein. Mit Schalldämpfer.

Ist noch etwas übrig von der DNA einer Boulevard-Zeitung?

Absonderlichkeiten, Tierquäler, Freaks und Amoks? Aber nein, höchstens mit pädagogischem Anspruch: das wollen wir nie mehr sehen! Was ist noch übrig von «Blut, Busen und Büsis»? Busen? Himmels willen, Frauen (oder gar Männer) als Sexobjekt? Niemals. Womit hat schon das englische Königshaus Jahrhunderte überlebt? Genau: no sex, please, we’re English.

Nun ja, dass Prinz Charles, obwohl noch mit Diana verheiratet, lieber ein Tampon in seiner jetzigen Gattin sein wollte, das brachte ihm mehr Aufmerksamkeit als sein grüner Daumen. Aber das gilt nicht für den «Blick».

Daher erscheint heute die letzte Ausgabe des «Sex-Ratgebers». Nach dem Ableben des Seite-drei-Girls, nach der Säuberung des Blatts von allem Schmutzigen der letzte Überrest, sozusagen das gallische Dorf der DNA einer Boulevard-Zeitung. Sex und Ratgeber, eine bessere Mischung gibt es eigentlich nicht.

Liebe Marta, liebe Eliane, liebe Caroline. Zwei von ihnen sind tot, nun ist’s auch ihre Kolumne.

Seit Beginn immer fest in Frauenhand. Von der unvergessenen Marta Emmenegger über Eliane Schweitzer bis zu Caroline Fux. Frau, qualifiziert (Psychologin, Sexologin, studiert) und engagiert: als «leidenschaftliche Autorin begleite ich Menschen direkt und via Medien durch den Dschungel von Lust und Leidenschaft».

Es soll Medienmanager geben, die sich bei einer solchen Mitarbeiterin wöchentlich danach erkundigen, wie’s denn so geht, ob alles wohl ist, vielleicht etwas fehlt. Ein frischer Blumenstrauss auf dem Tisch Freude machen würde. Und ob die weitere Karriereplanung darin bestünde, dass einfach klaglos weitergemacht werde.

Man kann Erfolg haben. Oder resilient sein wollen

Aber das wären dann Medienmanager von erfolgreichen Verlagen, die nicht nach Staatshilfe krähen müssen. Die wissen, dass man eher aus der NZZ einen «Blick» machen kann – als umgekehrt. Die schlichtweg verstehen, was sie managen. Deshalb auch niemals «resilient» sagen würden. Auch nicht «da bin ich ganz bei dir». Schon gar nicht «ergebnisoffen».

Fachkräfte wie Peter Uebersax oder Fridolin Luchsinger haben den «Blick» zu Erfolgen und Höhenflügen geführt. Immer etwas genierlich für die Besitzerfamilie Ringier, die zwar gerne die Kohle einsteckte, aber doch lieber im Aston Martin vor der Kunstgalerie vorfuhr. Frank A. Meyer bevorzugte einen Jaguar. Uebersax fuhr Porsche, was denn sonst. Christian Dorer, der aktuelle Oberchefredaktor fährt Bus.

Sonst noch Fragen? Über das Fortbewegungsmittel von Heimgartner ist ZACKBUM nichts bekannt. Aber wir sind sicher: es ist ein Gefährt mit mehr Rückwärts- als Vorwärtsgängen.

Fassungslos, Part II

Wir haben lange gezögert, aber es braucht ein neues Gefäss: FASSUNGSLOS.

Lesen, staunen, verzweifeln. Das sind die drei Stufen auf dem Weg zur Medienenthaltsamkeit.

Das ist schön für die zwei. Hoffentlich beruht es auf Gegenseitigkeit. Immerhin kann man hier die Frage stellen: wer hat’s gefunden?

Ja, ZACKBUM verwandelt sich in ein richtiges Klatschorgan. Bei der Zeitung mit dem Regenrohr im Titel fragt man sich allerdings, ob das Rohr für eine lange Leitung steht. Denn es liess doch ein paar Tage vergehen, bevor es sich zu dieser Story aufraffte. Aber besser spät als nie, gell.

 

Wenn wir schon bei welterschütternden Enthüllungen aus zweiter Hand sind: Das hier hat der «Blick» der englischen «Daily Mail» abgeschrieben. Ein grosses Stück Klatsch-Journalismus nach der Devise: Diana verkauft immer. Bevor der Leser sich nicht mehr halten kann vor Spannung; das sollen die letzten Worte gewesen sein, natürlich auf Englisch: «Oh mein Gott, was ist passiert

Wir wussten es: «watson» hat Kontakt mit dem Jenseits. Das muss auch so sein, bei diesen jenseitigen Artikeln …

«watson» ist bekanntlich das Organ der Listicals. Das ist: es ist aufeinandergestapelte lauwarme Luft, aber es hat Struktur. Das gilt natürlich auch für die ewigen Sex- und Business- und Geld-Listicals. Bei diesem Titel hätte man sich aber diese Einsicht gewünscht: Wegen Orthographiehemmungen nie aNfangen Zu SchreiBeN.

Wenn wir schon bei Organen des höheren und tiefergelegten Schwachsinns sind: «bajour» schwächelt. Trotz Millionenunterstützung wird der eigene Output immer dünner. Für so viel Geld erfreut die Plumpsplattform ihre wenigen Leser mit immer mehr Agenturmeldungen.

Schon wieder Keystone-SDA als fleissiger Autor. Aber auch die Wissenschaftsplattform «Higgs» ist abschreibebar:

Selbst der Chef dort, Beat Glogger, greift zum Griffel:

Da muss man wenigstens nicht darauf hinweisen, dass auch das nicht auf dem eigenen Mist gewachsen ist.

Allerdings, ob es besser wird, wenn der notversorgte David Sieber ans Gerät geht und recycelt?

Auch diese tiefe Wahrheit muss mal wieder ausgesprochen werden. Bloss: warum eigentlich? Und wieso hier und jetzt? Und von dem?

Das gilt verschärft für das sogenannte «Highlight» im publikumsfreien «Nebelspalter». Dort frönt Markus Somm der längst vergangenen NZZ-Tradition des Samstags-Leitartikels. Man könnte den Tonfall pseudo-staatstragend, lächerlich-gehoben, Imitat-Burckhardt nennen:

Noch schmerzlicher als die Tatsache, dass diese hinter der Bezahlschranke der Weltöffentlichkeit verborgenen Zeilen kein Echo finden, ist die andere Tatsache, dass diese Thematik schon ziemlich erschöpfend debattiert wurde – vor ziemlich genau einem Jahr. Da sagten bereits eigentlich alle alles dazu, selbst der Autor dieser Zeilen:

Sag’s nochmal im Geheimen, spalte wieder den längst gespaltenen Nebel, trage Eulen nach Athen, oder einfach: kann man nicht häufig genug sagen. Oder sagte Somm das schon?

 

 

«Blick»: Fotoromanza!

Boulevard wird seriös. Die Sonne scheint. Es wird fürchterlich. Da sagen Bilder mehr als Worte.

Früher: «Blick», Busen, Blut und Büsis. Schlimm. Heute: nichts mehr davon. Noch schlimmer. Seit dem ehemaligen Krachbum-Blatt ein Regenrohr in sein Logo gemecht wurde (und hintendran noch ein Strich, der nichts mit dem Strich zu tun hat), regnet’s Langeweile bei strahlend blauem Himmel.

Endlich Lebensratgeber. Soll man? Soll man nicht? Die Auflösung im «Blick».

Genf. Biden. Putin. Herzschlagatmosphäre, Gänsehaut-Feeling. Reporter stehen zwecklos vor Absperrungen, dahinter die Leere. Wahnsinn.

Links wird eingestellt, rechts wird ausgebaut. Das freut den Leser.

Jetzt wird’s ernst. Wie können nur 24 Milliarden verschwinden? Jedes Jahr? Das wären ja 240 Milliarden in zehn Jahren. SKANDAL!

Die haben’s rausgefunden. Das CEP. Pardon, falsche Baustelle.

Die haben’s rausgefunden. Das CEP. Nie gehört? Macht nix, braucht’s nicht, gutes Marketing ist heutzutage alles. Und einen Dummen finden, das ist einfach. Nur beim «Blick» anrufen und ganz, ganz langsam sprechen.

Ach so. Die 24 Milliarden verschwinden gar nicht. Sie werden auch nicht hinterzogen. Zu der Absurd-Zahl kommt man, wenn man gewährte Steuererleichterungen (bspw. zur Förderung von Zusatzzahlungen in die Pensionskasse) zusammenzählt und Alarm schreit.

Nordkorea, das geheimnisvolle Land. Lebensmittelknappheit oder Hungersnot? Man weiss einfach nichts Genaues. Man weiss nur, dass der kleine Dicke mit der komischen Frisur der lokale Häuptling ist.

Oberchefredaktor Christian Dorer erklärt die Welt – anhand einer Crèmeschnitte. Das ist endlich seriöser Boulevard. Aber was sagen die Hersteller von Crèmeschnitten dazu,? Ja, bitte? Wieso diskriminiert er ausgerechnet dieses traditionelle Schweizer Dessert?

US-Präsident Biden ist bekanntlich 78 Jahre alt. Da ist es gar nicht so einfach, einen noch älteren Kommentator zu finden. Glücklicherweise gibt es Erich Gysling, nur echt mit Halstuch. Wird demnächst 85. Seit Peter Scholl-Latour nicht mehr unter uns weilt, hat er das Monopol auf dem Gebiet «alter Mann versteht die Welt nicht mehr, erklärt sie aber».

Ach, wir lieben den seriösen, neuen «Blick». Wir freuen uns schon darauf, wenn Christian Dorer die verbleibenden Leser persönlich einzeln begrüssen kann.