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Geld wert? «Blick»

Teil zwei unserer kleinen Serie über Geld und Geist.

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

Wir haben ganz oben mit der NZZ angefangen, nun geht’s auf der Schaukel nach unten. Wir nehmen übrigens nur Bezahl-Tageszeitungen unter die Lupe, sonst müssten wir ja noch ein Wort zu «watson», «20 Minuten» oder nau.ch sagen.

Der «Blick» verlangt büezerfreundliche Fr. 2.80 am Kiosk. Dafür gibt’s dann 10 Seiten alles andere und 11 Seiten Sport, insgesamt 22 nun ja, durchaus bildlastige Seiten. Das ergibt einen Seitenpreis von knapp 13 Rappen. 3 Rappen billiger als die NZZ, dafür viel bunter.

Mit diesen Schlagzeilen über dem Bund will das Boulevard-Blatt zum Kauf reizen:

Etwas Politik, Frauen, Autos und Fussballer, soweit eine ausgewogene Mischung von Themen, die den «Blick»-Leser interessieren könnten.

Auf den Seiten zwei drei kommt nun relativ schwerer Stoff, die Bundesratswahlen. «Blick zeigt, was die Kandidierenden eint und was sie unterscheidet». Man beachte den woken und falschen Gebrauch des Partizips Präsens «Kandidierende». Das dürfte dem «Blick»-Leser nicht auffallen, der Inhalt eher auch nicht.

Dazu «Fachkräfte-Not», «CS-Aktie so tief wie nie» und «Raser müssen ein Jahr in den Knast». Aus dieser versteckten Meldung hätte der «Blick» früher die Titelschlagzeile gesaugt, aber da war er auch noch nicht woke, hatte noch kein angeblich weibliches Regenrohr im Logo und zeigte auf Seite drei auch noch leicht bekleidete Frauen.

Aber da hatte er ja auch noch eine Auflage von über 375’000, während er aktuell angeblich bei leicht über 100’000 dahindümpelt. Aber das ist sicherlich der allgemeinen Print-Krise geschuldet, nicht dem Versuch, Boulevard ohne Boulevard, ohne Kanten, Volkes Stimme, Reizthemen und nackte Haut zu machen. Also sich völlig vom Erfolgsmodell zu verabschieden «Blut, Busen, Büsis».

Das kommt halt davon, wenn man das Management einer im Print völlig unerfahrenen Frau aus Quoten-Gründen überlässt, die ausser durch die fleissige Verwendung des Wortes «Resilienz» eigentlich noch durch nichts aufgefallen ist.

Aber auf Seite 4 endlich mal eine kleine Reportage mit Krachbum:

Aber gleich untendran riecht es nach eingeschlafenen Füssen: «Junge Erwachsene greifen immer häufiger zu Stichwaffen». Diese schreckliche Entwicklung wurde bereits von der Sonntagspresse abgefrühstückt. Aber ein Beispiel, noch ein Beispiel, dann der Aufschwung ins Allgemeine und Statistische, der «Experte» expertiert, fertig ist der Platzfüller.

Natürlich passt auf diese Doppelseite die Militärübung in der Schweiz bestens. Aber auch hier, seufz:

Der «Blick»-Käfer war einmal ein Markenzeichen des Blatts; für seine volksnahen und träfen Sprüche gab man sich ziemlich Mühe. War einmal …

Dann der unvermeidliche Blick ins Ausland. Man meint, das Aufatmen zu spüren, dass endlich einmal nicht die Ukraine und auch nicht der Iran Thema ist, sondern:

Ein paar Hundert von 1,4 Milliarden, um genau zu sein. Dann  wird’s einen Moment lang peinlich, oder eben auch nicht:

Wieso berichten denn die anderen Schweizer Medien nicht flächendeckend über diesen Event? Nun, wer sitzt denn am Steuer dieses Aston Martin? Nein, nicht Michael Ringier, der fährt immer das neuste Modell. Hier ist es Silvia Binggeli, und die ist ihres Zeichens Chefredaktorin der «Schweizer Illustrierte», die diesen Anlass veranstaltet und zufällig wie der «Blick» zum gleichen Verlagshaus gehört.

Womit wir beim Sport wären. Gelegenheit, ein Zeichen zu setzen:

Gelegenheit, einen nur schwer verständlichen Titel zu setzen:

Gelegenheit, noch einen schwer verständlichen Titel zu setzen:

Nun gesteht ZACKBUM, dass wir nicht so Männer des Sportes sind, also erweckt eigentlich höchstens das TV-Programm auf Seite 20 noch unser Interesse.

Aber auf die letzte Seite hat sich Klatsch und Tratsch geflüchtet, die sozusagen letzte Gelegenheit, Frauen zu zeigen. Weitgehend verhüllt, aber immerhin:

Die «Unternehmerin und Influencerin» Kim Kardashian, eine Stilikone, deren Geschmack über jeden Zweifel erhaben und die besonders stolz auf ihr recht ausgeprägtes Hinterteil ist, reitet auf der Welle der Empörung gegen eine Balenciaga-Reklame.

Aber immerhin, hier setzt der «Blick» ein Zeichen für die Frauen. Das Kind in der Reklame mitgezählt, sind es 8 auf einer Seite. Nur knapp schafft es «Comedian» Pete Davidson auch noch auf ein Bild, aber nur wegen eines «Liebes-Outing beim Basketball» mit Emily Ratjakowski. Wer beide nicht so kennt: macht nix, B-Model und B-Comedian. Eine Verzweiflungstat von Flavia Schlittler, zuständig für Tratsch und Klatsch.

Kassensturz: Für 13 Rappen pro Seite bekommt man ziemlich viel Druckfarbe serviert. Die Buchstaben, nun ja, sagen wir so: Anhänger des Tiefergelegten kommen hier auf ihre Kosten. Themenmischung, Überblick, Informationsgehalt, Einordnungen, Analysen, Welterkenntnis? ?

Blut, Busen und Büsis? ?

Boulevard-Kracher, Aufreger, Kampagnen, Mord und Totschlag, billige Vorwände, viel nackte Haut zu zeigen? Pfuibäh.

Damit dürfte 100’000 nicht das Ende der Fahnenstange sein. Es geht noch tiefer.

Wir sind nicht dabei

Der «Blick» versucht’s mal wieder mit einer Werbekampagne. Tut weh.

Soll man eine Agentur verwenden, die mit «a bigger bang for the buck» für sich selbst wirbt? Soll man eine Agentur beauftragen, die für die mehr als umstrittene Covid-Kampagne des BAG verantwortlich zeichnete? Soll man schliesslich eine Agentur nehmen, die zusammen mit Farner dafür sorgte, dass sich die Befürworter des Medienpakets lächerlich machten? Indem zur Schande der ganzen Werbebranche ein Wilhelm Tell mit einer Zeitung (!) eine Mauer kleinhackte, auf der «Fake News» steht?

Nun, die einzige Zeitung mit einem Regenrohr im Titel findet: ja, ich will – und engagierte Rod Kommunikation. Das hat sie davon:

Die Auflösung des Bilderrätsels:

Also die Gesellschaft versammelt sich massenhaft und trägt dabei eine riesige Pace-Fahne. Während hier hineingeblickt wird, schaut das Blöd-Blatt hier drauf:

Geht’s noch unverständlicher? Claro, null problemo:

Wer errät’s? Genau, das scheinen Schlittschuhfahrer auf der Suche nach Eis zu sein. Will man da wirklich dabeisein? Oder hier:

Neben diesem Blick in den leeren Nationalratssaal ist der hier aber der absolute Liebling von ZACKBUM:

Wenn der «Blick» auf den Rasen blickt, sieht er ein paar unscharfe Beine und rechts kollert ein Ball aus dem k heraus. Grossartig.

Das findet auch die Resilienz-Queen Ladina Heimgartner, diesmal in ihrer Funktion als «CEO der Blick-Gruppe»: «Der Blick hat Kraft und Grösse und berichtet über alles, was die Menschen bewegt. Die Sujets unterstreichen dieses breite Spektrum an Themen, die wir von allen Seiten beleuchten und informativ wie unterhaltend auf den Punkt bringen.»

Daraus muss man schliessen, dass Heimgartner, die schon die verunglückte Neugestaltung des Logos toll fand, auch für diese Geldverschwendung verantwortlich zeichnet. Berichten wir doch offen, was uns bewegt. Wenn’s ein Schuss in den Ofen wird, dann sagt diese Fachfrau: Ich bin dabei.

Ruhe. Trauer!

Wer diese Meldung belächelt, hat kein Herz.

ZACKBUM war unsicher, ob «Blick» noch irgend eine Ähnlichkeit mit einem Boulevard-Medium hat. Aber mit einer Meldung hat das Blöd-Blatt alle Zweifel beseitigt. Besser kann Boulevard nicht sein.

Denn alle Zutaten sind in dieser Story. Eine alternde (Alter geheim) «Jetset-Lady». Eine Exklusiv-Meldung (die sonst keiner haben will). Ein Todesfall (tragisch). Eine trauernde Hinterbliebene («wie soll ich das bloss verkraften?»).

Leser, zückt die Taschentücher, es darf geheult werden. Schämt euch nicht, so reagierten die Tennisgötter Federer und Nadal, als sie diese schreckliche Nachricht vernahmen:

Welche tragische Kunde erfuhren sie in diesem Moment? Nun, wir können die Tränendrüsen der Leser nicht länger schonen:

Ein Nackthund! Was ist denn geschehen? Hier zunächst ein Bildzitat aus besseren Zeiten:

Nackthund Murphy (unten im Bild) habe ihr «einmal ihren Salat vom Tisch weggegessen», schluchzt Dillier dem «Blick» ins Hemd. Aber was ist denn geschehen, was dieses Traumpaar (dem die übrigen Restaurantgäste sicherlich gerne beim gemeinsamen Mahl zuschauten) auseinanderriss?

Die Dillier-Fan-Postille weiss exklusiv Genaueres: «Nachdem ihr geliebter Murphy Anfang Jahr einen Schlaganfall erlitten hatte, kümmerte sich die Jetset-Lady mit viel Herzblut um seine Pflege. Nun ist der mexikanische Nackthund im Alter von 14,5 Jahren gestorben.»

Das ist nun auch für behaarte Hunde noch kein Alter, daher ist die Trauer verständlich, auch wenn der Vergleich etwas gewagt erscheint:

«Zuerst stirbt die beste Queen der Welt, dann der beste Hund. Ich weine nur noch

Gibt es denn wenigstens Trost? «Am Tag nach dem Tod war Dilliers Freund Josef (37) aus Hamburg (D) angereist. «Die beiden waren ein Dreamteam. Murphy lag immer bei ihm, wenn er da war», so die Jetsetterin.»

Aber natürlich hat der Salat-Esser eine Lücke hinterlassen, die schmerzlich klafft: «Auch wenn Murphy gestorben ist, ist er für Dillier nicht ganz weg. «Er wird nicht nur tief in meinem Herzen immer bei mir sein – um den Hals trage ich ein Ketteli mit seiner Asche drin.» Trotzdem leidet die Society-Lady vor allem morgens noch immer unter dem Verlust ihres Kleinen. «Ich bin noch immer perplex, wenn er am Morgen nicht zu mir ins Bett zum Kuscheln kommt», sagt sie. «Normalerweise hat er nachts immer in meinem Arm gelegen und wollte am Morgen schmusen. Jetzt ist er weg.»»

Das mag den angereisten Freund Josef etwas trösten; er muss das Lager nicht länger mit Murphy teilen und darf nachts in den Armen der «Jetsetterin» liegen und vielleicht, aber nur vielleicht sogar am Morgen mit ihr schmusen.

Wir neigen das Haupt in stummer Trauer und werden an Nackthund Murphy denken, wenn wir das nächste Mal einen Salat verspeisen.

Fürs Falsche demonstrieren

Eine Meldung und ihre Geschichte.

In Prag haben nach offiziellen Schätzungen rund 75’000 Menschen an einer Demonstration teilgenommen. Und niemand schaut hin. Niemand? Doch, zunächst muss man dem «Blick» ein Kränzlein winden:

Zwar die Anzahl leicht tiefer gelegt, und gleich mit der Meinung eines Gegners der Veranstaltung garniert, statt vielleicht eine Forderung oder Position der Demonstranten wiederzugeben. Aber immerhin.

Es ist auch nicht so, dass diese gewaltige Manifestation in den Medien nicht zur Kenntnis genommen worden wäre:

Allerdings fällt hier auf, dass ausschliesslich Medien aus Deutschland versammelt sind. In der Schweiz haben immerhin die SDA, nau.ch und bluewin.ch berichtet. Wenn wir allerdings das Augenmerk auf unsere grossen Qualitätsmedien richten, dann sieht die Berichterstattung so aus:

Tamedia, CH Media, NZZ: nichts. Mattscheibe. So zumindest der Stand am Montagmorgen.

Ob das daran liegt, dass Plakate getragen wurden, auf denen stand: «Das Beste für die Ukraine und zwei Pullover für uns»? Ob das daran liegen mag, dass eine beeindruckende Menschenmenge der Meinung Ausdruck gab, dass die Tschechei die Ukraine gegen Russland unterstütze, schon 400’000 Flüchtlinge aufnahm, aber nichts für die Unterstützung der eigenen Bevölkerung tue, die unter steigenden Energiepreisen leide?

Der tschechische Ministerpräsident verurteilte natürlich die Demonstration: «Es ist klar, dass es auf unserem Territorium russische Propaganda und Desinformationskampagnen gibt und manche Personen einfach darauf hören.»

Sollte es in der Schweiz zu ähnlichen Unmutsäusserungen kommen: wetten, dass das dann auch die Position der sogenannten Leitmedien sein wird? Die sich aber vorläufig in vornehmes Schweigen hüllen. Denn was es wert ist, berichtet zu werden, das bestimmt immer mehr die ideologische Scheuklappe, weniger die Wirklichkeit.

Der See ist getötet worden

Lukas Bärfuss leidet. Und lässt die Leser mitleiden. An ihm.

Dem grossen Büchner-Preisträger ist kein Anlass zu klein, Betroffenheit zu zeigen. Er leidet bekanntlich unter der Last der ganzen Welt, insbesondere der Schweiz, und weil ihn kein Qualitätsmedium mehr perseverieren lassen will, müssen die armen Leser des Blöd-«Blick» dran glauben.

Erschauert und vernehmt die schröckliche Kunde: ein See ist ausgetrocknet. Der Bodensee? Der Vierwaldstättersee? Der Genfersee? Nein, es handelt sich um den Lac des Brenets. Hä? Keine Bange, muss man nicht kennen. Die Pfütze ist in besseren Zeiten gerade mal 800’000 m2* gross:

Der liegt im Jura und wird normalerweise von der Doubs gefüttert. Ohne dem lokalen Tourismus zu nahe zu treten: kann man besuchen, muss man nicht besuchen.

Nun sieht der See auch dieses Jahr, was bei Trockenzeiten nicht ganz unüblich ist, halt so aus:

Das ist nicht besonders schön, für Bärfuss ist es aber Anlass, mal wieder richtig Guzzi zu geben:

Verschwörung, Schweigen? Jawohl, der Schriftsteller wirft sich extra aus diesem Anlass in eine neue Pose, denn der streng-tragisch-grimmige Blick reicht angesichts dieser Katastrophe natürlich nicht mehr aus:

Die Politik sei sprachlos, behauptet der Dichter, er selber ist’s leider nicht. Ganze 8257 Buchstaben mutet er dem «Blick»-Leser zu, der nun ehrlich gesagt eher ein Kurzstreckenläufer ist. Aber der Schriftsteller kann das Wasser, Pardon, die Tinte nicht halten.

Letzten Mittwoch hätten die Nachrichtenagenturen den Tod des Sees gemeldet. Und? Nichts und. Ging ein Aufschrei durch die Schweiz, eilten Politiker zur Leiche, wurden Sofortmassnahmen beschlossen, wurde wenigstens Wasser herbeigeschafft? Nein: «Er war kein politisches Traktandum, kein Menetekel, kein Zeichen an der Wand, kein Bild für die Falle, in die sich unsere Gesellschaft begeben hat. Wer vermisst hierzulande schon einen See

Der Tod fand in aller Stille statt. Das stimmt zwar nicht, aber ein Dichter ist nicht verpflichtet, mit der Wirklichkeit Kontakt zu halten. «Das minimale touristische und landwirtschaftliche Gewerbe hingegen, das von diesem See abhängig war, wird man mit vergleichsweise wenig Geld entschädigen können», weiss der Barde. Nur melden die Medien anderes:

«Auf Anfrage von Nau.ch bestätigt Urs Niederberger, der Besitzer des Campingplatzes «Lac les Brenets», dass wohl weniger Menschen die Region wegen See, Schifffahrt und Wasserfall besuchen. «Doch auch das Gegenteil ist der Fall», freut sich Niederberger. «Der Eine oder die Andere kommt gerade zu uns, um das Phänomen persönlich vor Ort zu sehen.» Jetzt kommen die Katastrophen-Touris!

Ausserdem werde der Campingplatz glücklicherweise nicht nur wegen dem See besucht. Niederberger zählt auf: «Die Gäste kommen in unsere Region und schätzen die Natur, die Ruhe, die Wanderwege, die Bikestrecken, und vieles mehr.»»

Also doch kein Weltuntergang, aber Bärfuss hat’s halt nie eine Nummer kleiner. Schnell wechselt er vom Ereignis auf die Metaebene der Sprache, denn da kennt er sich auch nicht so aus: «Die Verarmung der Sprache ist ein Zeichen für die Verarmung der Politik. Und wie der See, so trocknet auch die Sprache aus, sie verödet, flüchtet sich in Floskeln und Worthülsen.» Eigentlich spricht er hier nicht über die Politik, sondern über sein eigenes Schaffen, aber das fällt ihm nicht auf.

Denn Bärfuss will, muss schimpfen, auch wenn er die Anlässe an den Haaren herbeiziehen muss. Denn, wie schrecklich, zwei Tage «bevor der See verschwand», gab der Finanzminister eine Pressekonferenz, ohne auf dieses tragische Ereignis einzugehen. Stattdessen: «Die Pressekonferenz war reine Routine, ein totes Ritual ohne Bezug zur Wirklichkeit, die Sprache des Finanzministers hölzern, plump, angeödet von der Stumpfsinnigkeit und von der eigenen Entfremdung. Ausgestattet mit den Privilegien des Amtes, das jede persönliche Gefährdung ausschliesst, sprach der Bundesrat seinen ewigen, tödlich langweiligen Text.»

Geht’s noch schlimmer? Oh ja, auch Bundesrätin Sommaruga erregt das höchste Missfallen des Leidensmannes. Sie hielt eine Ansprache zum 1. August, was schon ein Weilchen her ist, aber dennoch ereilt sie sein Zorn: «Als wären die Anwesenden Kinder oder Schwachsinnige, so spricht die Bundesrätin. … Ausgerechnet eine sozialdemokratische Politikerin ergeht sich in einem nationalistischen Phantasma, das immer wieder zur Stilisierung dient und im Film «An heiligen Wassern», gedreht von einem alten Nazi, endgültig den Eingang in die lokale Mythologie gefunden hat. Die Walliser Weissweinseligkeit wird bei ihr zum Exempel für den sozialen Zusammenhalt in dieser Berggemeinde. Ihre Worte sind losgelöst von der Wirklichkeit und von den Menschen, an die sie sich wendet.»

Versteht hier einer das Dichterwort? Macht nichts, dunkles Geraune hat auch eine üble Tradition. Aber wer bis zum Schluss durchhält, und das sind sicher nicht viele, wird endlich aufgeklärt, worum es hier geht und was eigentlich die Ursachen für das Austrocknen des Sees sind. Hitze, mangelnde Wasserzufuhr? Ach was: «In dieser Wirklichkeit verschwindet nach vierzehntausend Jahren ein See. Niemand weiss, was das für die Gefühle, die Umwelt und unsere Kultur bedeutet, aber alle wissen, was die wesentlichen Ursachen dafür sind. Sie lauten «Steuersubstrat», «Wettbewerbsfähigkeit», «Arbeitsplätze» und «wirtschaftliche Rahmenbedingungen».»

Der See ist wegen diesen Begriffen ausgetrocknet? Da braucht es schon einen dichterischen Seher, um auf diesen Zusammenhang zu kommen. Aber leider widerspricht sich der Sprach- und Denkholperer dann noch am Schluss: «Totschweigen nennt man dieses Prinzip, es ist eines der Gewalt, denn tatsächlich tötet diese Methode. In der vergangenen Woche ist ihm unter anderem ein See zum Opfer gefallen.» Obwohl über die Auswirkungen des Austrocknens ausführlich berichtet wurde, soll das Schicksal des Sees totgeschwiegen worden sein. Das sei Gewalt, meint Bärfuss, diese Methode töte. Sogar ein unschuldiger See sei ihr zum Opfer gefallen.

Die einzig richtige Frage ist allerdings: was lösen 8257 Buchstaben von Bärfuss aus? Dagegen ist der Tod eines Sees ein Klacks …

*Nach Leserhinweis korrigiert.

Peinlich, Reloaded

Senden oder empfangen. Ist doch Hans was Heidi.

Mit amtlicher Trockenheit vermeldet die Nachrichtenagentur SDA: «Die Kommunikation des Innendepartements wird künftig von einem Zweierteam geleitet. Bundesrat Alain Berset hat Gianna Blum und Christian Favre zur Co-Leiterin respektive zum Co-Leiter Kommunikation ernannt.»

Das ist gendermässig korrekt formuliert. Die Neubesetzung war nötig geworden, weil der bisherige Stelleninhaber Peter Lauener plötzlich unpässlich geworden war. Er musste ein paar Tage in U-Haft verbringen, weil er in das Visier des Sonderermittlers Peter Marti geraten war, der die Crypto-Affäre untersucht.

Die Neubesetzung ist allerdings durchaus pikant. Denn Blum ist zurzeit noch auf der Payroll des Ringier-Verlags; als Bundeshausredaktorin des «Blick». Nun sind die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Ringier-CEO Marc Walder und Bundesrat Alain Berset notorisch. Walder vermeldete in einem Skandal-Video, dass er seine Redaktionen angewiesen habe, jeweils die Regierungspolitik während der Pandemie kräftig zu unterstützen. Berset seinerseits spazierte als Dressman und Interviewer durch ein Prestige-Blatt des Ringier-Verlags, als dessen Chefredaktorin nebenbei die Gattin von Walder amtiert.

So bleibt sozusagen alles en famille. Sauhäfeli, Saudeckeli, sagt man da umgangssprachlich. Es zeugt nun von einer gewissen Unverfrorenheit des bekennenden Privatfliegers Berset, eine solche Personalentscheidung zu treffen. Offenbar hat sich Blum durch ihre liebedienerische Berichterstattung im Sinne ihres obersten Vorgesetzten für diese Position empfohlen.

Statt die Handlungen Bersets wohlwollend zu kommentieren, darf sie sie nun wohlwollend vermitteln. Zugegeben kein grosser Unterschied. Verwunderlich ist allerdings, dass diese pikante Personalie in den Medien wenn überhaupt nur kühl-neutral zur Kenntnis genommen wird. Es würde wohl auch nicht für Aufregung sorgen, wenn Blum dereinst den Weg ins Haus Ringier zurückfindet.

Peinlich!

Es gibt Fehltritte, die über die normale Schmerzgrenze hinausgehen.

Es ist peinlich, wenn ausgerechnet in einer Reportage über einen Kleiderhersteller dessen makelloser Outfit so gelobt wird: «Wolfgang Grupp verkörpert den traditionellen Patron, wie man ihn sich vorstellt: massgeschneiderter Zweireiher, Hemd mit Bottom-down-Kragen, Krawatte und Einstecktuch.»

Bottom down? Unterseite nach unten? Da würde es den traditionellen Patron schütteln; ein Mitarbeiter, der Button-down-Hemden sprachlich vergeigt, würde bei ihm nicht mal die Probezeit überstehen. Aber im Journalismus ist inzwischen alles erlaubt, sogar in der NZZ

In Bild und Text peinlich ist der «Tages-Anzeiger». Nachdem Redaktor Huber die Co-Geschäftsfüherin der Lobbygruppe «Foraus» spätpubertär-peinlich anschmachten durfte, widmen sich Markus Häfliger und Philipp Loser nun genauso peinlich der oberpeinlichen Co-Präsidentin der Lobbygruppe «Operation Libero».

Sanija Ameti habe den «Ort selbst gewählt», unter dem Höllentor von Rodin macht sie es nicht; wenn der Künstler nicht schon längst verstorben wäre, müsste man ihm Schmerzensgeld zahlen. Denn Ameti entledigt sich ihrer potthässlichen Treter und hüpft Mal für Mal vom Podest, bis der Fotograf zufrieden ist über den Faltenwurf des Plisseerocks, die Position der Arme und den getragen-ernsten Gesichtsausdruck.

ZACKBUM ist gespannt, ob es menschenmöglich ist, ein peinlicheres Foto zu einem peinlicheren Interview zu stellen. Gut, die ukrainische Präsidentengattin hat da in der «Vogue» etwas vorgelegt, was nun schwer zu toppen ist. Aber der Fotograf Urs Jaudas, Häfliger und Loser geben sich wirklich Mühe.

Das Leben kann da Leben kosten, das wussten wir schon lange. Selbst so scheinbar harmlose Verrichtungen wie kochen, schlafen oder kauen bergen ungeahnte Todesgefahren. Aber der Blöd-«Blick» weiss noch einen draufzusetzen:

Wir warten auf die Fortsetzungen: Todesfalle Dusche. Überleben im Bett. Sterben beim Stuhlgang. Atmen kann das Leben kosten.

Journalisten müssen keine Hirsche bei der Beherrschung der deutschen Sprache sein. Inzwischen können sie sich auch ohne zu widersprechen jeden Gender-Unsinn erzählen lassen und drucken ihm im St. Galler «Tagblatt», ein Qualitätsprodukt aus dem Wanner-Konzern, sogar noch ab:

«Als Alternative verweise ich als Gleichstellungsbeauftragte gern auf geeignete Alternativen, inklusiv zu formulieren: sogenannte geschlechtsneutrale Formen. Partizipien im Plural wie «Mitarbeitende», «Studierende», abstrakte Bezeichnungen wie «das Mitglied», zusammengesetzte Wörter mit -kraft, -hilfe oder -person, ausserdem Relativ-und Passivsätze.»

Das trällert Rahel Fenini, «Co-Leiterin Abteilung Integration und Gleichstellung des Kantons St. Gallen». Wenn ein Berufsschreiber den Missbrauch des Partizips Präsens unwidersprochen hinnimmt, bei der Verwendung von «das Mitglied» nicht nachfragt, wie es denn dann mit der Exklusion von Männern bei «die Person» steht, dann ist Hopfen (männlich) und Malz (sächlich) verloren.

Kann eine Auflistung von Peinlichkeiten vollständig sein, wenn «watson» nicht vorkommt? Die Frage stellen heisst, sie beantworten:

Muss man sich das so vorstellen, dass sich ab einer gewissen Raumtemperatur das Hirn des Journalisten verflüssigt? Oder verdampft? Oder zwischen den Ohren ein Echoraum entsteht? Wir wissen es nicht.

 

 

Hitzestau

Schon mitgekriegt? Es ist heiss.

Wenn der Journalismus nichts anbrennen lässt, dann heizt er einem Thema richtig ein. Es gäbe eigentlich ziemlich viel zu erklären und aufzuklären in der Welt, aber es ist viel einfacher, dem staunenden Leser mitzuteilen: es ist heiss. Es ist wirklich heiss. Es ist Sommer, und erstaunlicherweise ist es heiss. Gelegenheit für eine Fotoromanza.

Zuerst zum Aufwärmen der Blöd-«Blick»:

Einzelfeuer aufs Thema Hitze.

Dauerfeuer aufs Thema Hitze.

Man zwingt den Leser auch dazu.

Gute Ratschläge dürfen nicht fehlen.

Dem Leser muss alles erklärt werden.

Für Leser, die zu blöd sind, eine Karte zu verstehen.

Keine Mär zu ausgeleiert, um nicht rezykliert zu werden.

Aber auch der hochstehende Qualitätsjournalismus aus dem Hause Tamedia kommt um das Thema nicht herum:

Bangemachen gilt nicht.

Wenn die B-Mannschaft am Gerät ist, gibt’s halt einen Ticker.

Und ein Sammelgefäss mit den schönsten Hitze-Storys.

Heiss, heisser, am heissesten.

Die Kollegen von CH Media werfen sich lieber aufs Lokale:

Besser ein Rasensprenger als den Rasen sprengen.

Auch der Wald stirbt mal wieder.

Schliesslich der Aufschwung in die Höhen des Oberliga-Qualitätsjournalismus, auch die NZZ kommt am Thema nicht vorbei:

Immerhin ein internationaler Aspekt.

Ein Beitrag für unsere vierbeinigen Freunde.

Gerne sagt’s auch die NZZ nochmal.

Den grossen IQ-Test haben wir uns bis zum Schluss aufgehoben. Wer weiss die Antwort auf die schwierige Frage: Was macht «watson» aus dem Thema? Bevor unsere Leser ins Schwitzen geraten: ist doch logo, ein Listical:

Wo bleibt das Positive?

Immer nur meckern und kritisieren. Nein, ZACBUM spendet auch Lob.

Allerdings müssen wir uns dafür wiederholen und auf das einzige Blatt in Reichweite rekurrieren, das Lob verdient. In der Schweiz hat man ja nur noch im Tageszeitungsmarkt eine kleine Qual der Wahl, mehr Qual als Wahl. Tamedia, CH Media und tschüss. Dann noch Blöd-«Blick», Randgruppenorgane in der Südostschweiz, wenige Einzelkämpfer wie in Schaffhausen.

Aber es gibt glücklicherweise immer noch die «Neue Zürcher Zeitung». Jawoll, ZACKBUM-Redaktor René Zeyer hat mal ein paar Jahre als Auslandredaktor für die NZZ gearbeitet. Das ist aber verjährt und verklärt den Blick keinesfalls.

Also blättern wir als Kontrastprogramm durch die Mittwoch-Ausgabe der NZZ im Print. Mit mageren 32 Seiten und einem Kaufpreis von stolzen 5.10 sollte sie dann schon etwas bieten.

Die Front kann man als, nun ja, konservativ bezeichnen:

Ein ausdrucksschwaches Foto, zwei breit abgenudelte Themen. Aber immerhin von eigenen Mitarbeitern bespielt, und erst noch solchen, die sich nicht das erste Mal mit Taiwan oder Afghanistan und Al-Kaida befassen. Aber schon auf Seite 2 vermag die alte Tante zu überraschen:

Das setzt sich auf Seite 4 fort; ein Bericht, der nicht im Mainstream der ewigen Wiederholungen schwimmt:

Zudem noch für NZZ-Verhältnisse üppig bebildert und auf zwei Seiten ausgerollt. Zudem das Werk eines hoffnungsfrohen Nachwuchsjournalisten.

Im Schweiz-Teil gibt es einigen Food for Thought, Denknahrung. Über das verdichtete Bauen, über die komplizierte Suche nach einem Neuen Kampfjet, ebenfalls ohne Rücksicht auf die Wisch-und-weg-Lesegewohnheiten auf zwei Seiten mit vielen Buchstaben angerichtet.

Im Zürich-Teilchen wird, das sei im Sommerloch verziehen, grossen Wert auf Nutzwert gelegt: «Die Badi-Kioske mit dem stimmungsvollsten Ambiente und dem besten kulinarischen Angebot in der Region Zürich».  Unter «Meinung und Debatte» macht dann Lorenz Honegger dem Häuslebesitzer Angst:

Hier könnte man höchstens meckern, dass Titel, die «das Ende naht» verwenden, eigentlich auf die No-Go-Liste gehören.

Dass sich die Wirtschaft um die Ernäherungssicherheit Afrikas kümmert, ehrt sie, setzt sich aber dem Vorwurf einer gewissen Beliebigkeit aus. Aber mit diesem Bericht erobert sich die NZZ wieder ihr Alleinstellungsmerkmal zurück:

Das Feuilleton befasst sich mit einer Künstlerin, die für den NZZ-Redaktor nun eindeutig der modernen Jugendkultur zuzurechnen ist. Illustriert wird der Artikel über Beyoncé zudem mit dem Foto der halbnackten Sängerin auf einem durchsichtigen Pferd. Zudem ist der Text eine geradezu schwärmerische Lobesarie über die «womöglich zu Recht als grösster lebender Popstar bezeichnete Sängerin». Ein wenig vorsichtige Distanz muss schon sein im Hause NZZ.

Das richtige Hammerstück fehlt dieser Ausgabe des Feuilletons, auch wenn sich Felix E. Müller um die Antwort auf die Frage verdient macht, wieso die Evangelikalen seit 50 Jahren ziemlich aktiv in der Politik mitmischen. Da hatte die Ausgabe vom Dienstag schon ein anderes Kaliber auf der letzten Seite der Ausgabe und damit des Feuilletons:

Aber immerhin: eine einzige Ausgabe der NZZ bietet mehr Eigenleistung und Anregung als eine ganze Wochenration der übrigen Tagespresse in der Schweiz.

 

 

Wo liegt denn Taiwan?

Nur mühsam reissen sich die Mainstream-Medien vom Ukrainekrieg los.

Auch das noch. Sommerloch, saure Gurken, in der Ukraine ist nicht wirklich was los, wer im Schweizer Journalismus was zu sagen hat, ist in den Ferien.

Ausgerechnet nach dem verlängerten Wochenende mit 1. August kommt nun ein neues Thema auf den Radarschirm. Eigentlich ein uraltes Thema. Denn seit 1949 existieren zwei chinesische Republiken. Die grosse bekannte auf dem Festland, und die kleine, nicht so bekannte auf einer Insel, die früher Formosa hiess.

Entstanden ist diese Verdoppelung dadurch, dass der damals regierende Diktator Tschiang Kay Check von der erfolgreichen Volksrevolution von Mao Tse Tung hinweggefegt wurde – und sich mit grösseren Teilen der Luftwaffe und Marine nach Formosa flüchtete. Im kalten Krieg war Taiwan ein wichtiger Stützpunkt im subversiven Kampf gegen Rotchina.

Aber die Zeiten ändern sich. Taiwan mauserte sich schnell zu einer erfolgreichen Wirtschaftsnation, dank der verheerenden Wirtschaftspolitik von Mao war Rotchina lange Jahrzehnte ein wirtschaftlicher Zwerg. Das änderte sich unter seinen Nachfolgern, und heutzutage ist China fast auf Augenhöhe mit den USA. Wirtschaftlich, militärisch klafft noch ein kleiner Abgrund zwischen den beiden Ländern.

Aber Taiwan hat seine Bedeutung als westlicher Showcase gegen kommunistische Elendswirtschaft längst verloren. China hat die Insel längst aus (fast) allen internationalen Organisationen gedrängt, nur noch eine Handvoll Staaten unterhalten diplomatische Beziehungen mit der Insel. Darunter so Schwergewichte wie Haiti, die Marshall-Inseln, Nauru oder der Vatikan.

Kein europäisches Land, auch nicht die Schweiz, anerkennen Taiwan länger als zumindest selbständigen Staat. Auch die USA nicht, die aber einerseits Festlandchina als einzig legitimen Vertreter anerkennen, andererseits aber Taiwan militärische Unterstützung zusagen, sollte die Insel von China angegriffen werden.

Umso stärker China wird, desto massiver macht es seinen Anspruch auch auf Taiwan geltend. Jede Unterstützung des Inselstaats wird als Einmischung in innere Angelegenheiten scharf verurteilt. Wer sich zu offiziellen Kontakten mit Taiwan hinreissen lässt, wird diplomatisch, politisch und wirtschaftlich abgestraft.

So eierten die letzten US-Präsidenten um dieses Problem herum, unabhängig davon, ob es Republikaner oder Demokraten waren. Nun hat sich die Nummer drei in der US-Regierungshierarchie zu Besuch nach Taiwan gegeben. Was genau die Sprecherin des Repräsentantenhauses Nancy Pelosi dort will, ist gar nicht so einfach zu erklären.

Überraschungsfrei reagiert China äusserst gereizt auf diesen Besuch. Es werden fürchterliche Konsequenzen angedroht, mit den Säbeln gerasselt und gleich zwei Flugzeugträger als Machtdemonstration Richtung Taiwan losgeschickt.

Das ist die ziemlich komplizierte Ausgangslage, die nun von den B-Teams den Lesern erklärt werden sollte. Tamedia macht es sich wie meist einfach: es berichten Lea Sahay und Christian Zaschke von der «Süddeutschen Zeitung». Vielleicht könnte die Schweizer Sicht sich von der deutschen etwas unterscheiden? Vielleicht, aber es ist heiss, Ferienzeit und überhaupt. Aus eigenen Kräften reicht es zu einem «News Ticker», wie diese Sparmassnahme, das Übernehmen beliebiger Agenturmeldungen, seit Längerem heisst. Vielleicht arbeitet der Auslandchef Christof Münger an einem Kommentar, vielleicht ist er auch selbst im Ausland in den Ferien. Bedeutendes zu sagen hätte er sowieso nicht.

Bei CH Media spannt der ausgewiesene China-Kenner Pascal Ritter seine Muskeln an. Offenbar ist die zweiköpfige Ausland-Redaktion des Wanner-Konzerns gerade in den Ferien oder unpässlich. Also muss ein Reporter ran, dem auf die Schnelle nichts besseres einfällt, als das kindische Frage-und-Antwort-Spiel: «Was Sie jetzt über den Konflikt wissen müssen». Zu den entscheidenden Fragen gehört: «Worum geht der Streit überhaupt?» Grossartig ist die Antwort auf die Frage: «Welche Auswirkungen hätte ein militärischer Konflikt

«Experten gehen davon aus, dass ein Krieg um Taiwan massive und grössere Auswirkungen hätte als der Angriff Russlands auf die Ukraine – auch auf Deutschland.» Kommt halt davon, wenn man in der Eile deutsche Experten abschreibt und vergisst, dass das hiesige Publikum vielleicht ein Mü mehr daran interessiert wäre, was für Auswirkungen das auf die Schweiz hätte.

Was macht denn Blöd-«Blick»? Da sagt ein Bild mehr als zehn Worte:

Und was macht der einsame Leuchtturm des publizistischen Schaffens in der Schweiz? «Ein Zwischenstopp mit Folgen», formuliert die NZZ zurückhaltend, begleitet von einem ersten, vorsichtigen Kommentar: «Pelosis Reise ins Ungewisse: Amerika riskiert eine unnötige Krise mit China».

Für diesen Erkenntnisstand muss man nun noch nicht unbedingt Leser der NZZ sein. Aber vielleicht legt die alte Tante mit der ihr eigenen Gemächlichkeit noch etwas nach …