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Reine Panik

Den Gegnern der 10-Millionen-Initiative geht inzwischen der Arsch auf Grundeis.

Das ist ein schöner teutonischer Ausdruck, mindestens so sympathisch für den Schweizer wie «ich krieg‘ dann noch ein Bier».

Die Geschichte wiederholt sich als Farce. Es gab mal eine Kampagne, die an Bescheuertheit schlecht zu überbieten war:

Ein Willy Tell mit dysfunktionaler Armbrust, der nicht etwa die benützt, sondern mit einer Zeitung (!) auf eine Mauer (!) eindrischt, auf die «Fake News» gesprüht wurde. Das und die Geldgier der Medienclans Coninx und Ringier sorgte dafür, dass die schon sicher geglaubte Subventionsmilliarde flöten ging.

Nach anfänglicher, überheblicher Sicherheit breitete sich immer mehr Panik aus, als das Abstimmungsdatum näher rückte.

Genau das gleiche Phänomen lässt sich wenige Tage vor der Abstimmung über die SVP-Initiative zur Begrenzung der Wohnbevölkerung beobachten.

Einmal mehr klafft ein ziemlicher Spalt zwischen der Position der meisten Parteien und Medien und der Meinung der Bevölkerung. Ausser der SVP natürlich sind die anderen Parteien deutlich oder weniger deutlich dagegen. Natürlich ist Tamedia ausgesprochen dagegen, «Blick», CH Media oder NZZ eiern herum, sind aber zumindest chefredaktionell auch dagegen. Vom Schweizer Farbfernsehen ganz zu schweigen.

Auch hier war die Werbekampagne eine ganze Zeitlang eher staatsmännisch:

Plakate müssen plakativ sein und eine Botschaft möglichst einfach transportieren. Dieses Sujet war etwas leblos, also wurde Tell durch Helvetia ersetzt:

Aber mit zunehmender Panik wurde mehrere Gänge hochgeschaltet und ein neuer Kampfbegriff geboren und in den Vordergrund geschoben:

Das folgt dem guten, alten Propagandaprinzip: hau einen möglichst negativen Begriff raus und untermaure ihn mit unbewiesenen, aber Ängste schürenden Behauptungen. Sollte die Initiative angenommen werden, bräche Chaos aus. Keine Behandlung oder Betreuung mehr in Spitälern.

Schlimmer noch:

Dass sich ein Ständerat für den Schwachsinns-Slogan «Unsere Polizei würde blind» hergibt, bedenklich.

Hier versucht man’s mit einem schlechten KI-Bild und dem gleichen Topos. Allerdings, ein Polizist mit Haarproblemen von hinten, der auf einen leeren Bildschirm starrt, statt Verbrecher zu fangen, na ja. Wieso das dysfunktionale Schengen-Regime, das nicht einmal mehr von unserem grossen Nachbarn im Norden befolgt wird, für weniger Kriminalität sorgen sollte, ist allerdings schleierhaft.

Natürlich darf diese Angstmacherei nie fehlen:

Und wer verantwortet diesen Quatsch?

Die ««Allianz «NEIN zur Chaos-Initiative», c/o FDP. Die Liberalen Schweiz». Der ehemals liberalen Kraft scheint es nichts auszumachen, mit der SP und allen linken Kräften im gleichen Boot zu sitzen. Und kräftig gegen die eigene Wählerschaft anzurudern.

Es ist nun möglich, dass diese jämmerliche Kampagne von ausländischen Kommunikationskräften konzipiert wurde. Es ist aber auch möglich, dass Schweizer Nichtskönner am Gerät sind.

ZACKBUM wartet und hofft darauf, dass im Schlussspurt ein Wilhelm Tell hereinströmende Ausländer begrüsst, mit einem Juchzer willkommen heisst und ihnen einen Apfel offeriert. Oder so.

 

Putin geht’s ganz schlecht

Analysiert knallhart das Qualitätsblatt «Blick».

Boulevard wird meist dann unfreiwillig komisch, wenn Kompetenz vorgegaukelt wird. Entweder holt man sich die mit einem untauglichen Objekt ab:

Der Meister der Fehlprognose äussert gerne seine Meinung dort, wo sie noch gefragt ist. Entweder sind es Banalitäten («Der Krieg bedroht unseren gesamten Wohlstand»). Oder aber, Jan-Egbert Sturm hält sich bedeckt: «Die grosse Frage ist, wie lange die Strasse von Hormus geschlossen bleibt.» Einen Vorteil hat «einer der einflussreichsten Ökonomen der Schweiz». Wagt er eine Prognose, kann man mit grosser Sicherheit vom Gegenteil ausgehen: «Bis Ende Jahr erwarten wir keine Zinserhöhungen in der Schweiz

Aber am liebsten sind ihm watteweiche Konjunktivsätze: «der Krieg, sollte er noch länger andauern, könnte zu einer gewissen Normalisierung an den Börsen führen. Es könnte zu einer Korrektur an den Märkten kommen. Das ist nicht auszuschliessen.» Sollte, könnte, nicht auszuschliessen.

Als Vizepräsident der Swiss National COVID-19 Science Task Force stand Sturm indirekt auch für zahlreiche Annahmen über wirtschaftliche Folgen der Pandemiepolitik. Kritiker werfen der Task Force bis heute vor, wirtschaftliche Kollateralschäden, Inflationseffekte und gesellschaftliche Langzeitkosten unterschätzt zu haben.

Also wagt ZACKBUM eine Prognose: Sturm wird seiner Tradition der Fehlprognosen treu bleiben. Oder wie er es formulieren würde: könnte so sein, ist nicht auszuschliessen.

Aber das Lieblingsobjekt der «Analyse» ist natürlich der Kreml, genauer Putin. Ältere Semester erinnern sich noch an den Kreml-Astrologen Peter Kux. Im Kalten Krieg war es eine Lieblingsbeschäftigung dieser Sterndeuter, aus kleinen Anzeichen (wer steht wo auf dem Lenin-Mausoleum bei einem Festakt, wer durfte bei Beerdigungen auftreten, in welcher Reihenfolge wurden Namen in der «Prawda» erwähnt), grosse politische Verschiebungen herbeizufantasieren.

Denn im Gegensatz zu jeder US-Administration tropft aus dem Machtzentrum Kreml wirklich nichts raus. Das macht es zum idealen gegendarstellungsfreien Spekulationsraum. Da tobt sich Guido Felder aus: «Putin zittert vor der neuen Strategie der Ukraine». Assistiert wird er von der Kreml-Fachkraft Daniel Macher:

Eigentlich behauptet der «Blick»: «Sein Fokus liegt dabei auf Auslandsthemen, insbesondere auf Berichterstattungen aus den USA.» Aber Washington oder Moskau, Hauptsache Putin. Das ist er schon seiner rotumrandeten Designerbrille schuldig:

Die ist eigentlich eine Röntgenbrille, mit der er durch die dicken Mauern des Kreml sehen kann. Und dort sitzt ein zitternder Putin, der als «Verzweiflungstat» die «gefürchtete Oreschnik-Rakete» einsetzt. Dem geht Macher gnadenlos nach und auf den Grund. Ganze «sechs Entwicklungen» zählt er auf, die beweisen sollen, dass «der Kreml nervöser wirkt denn je». Kein Wunder, bei einem zitternden Präsidenten.

Welche Entwicklungen sind das? «Der Glaube an den Sieg schwindet.» Das weiss der «Chef des estnischen Auslandgeheimdiensts», der sich vielleicht Machers Brille geliehen hat. Ohne Quellenangabe bleibt diese Entwicklung: «Russland gehen Soldaten und Arbeitskräfte aus». Ebenso diese: «Der Krieg destabilisiert Russland im Inneren».

Hier hingegen verlässt sich Macher auf «Experten». Die «beobachten Spannungen innerhalb der russischen Elite». «Kreml-Analysten» hingegen «sprechen bereits von einer möglichen «inneren Spaltung»». Dann: «Wirtschaft und Alltag geraten unter Druck». Sagen das Experten oder Analysten? Nein: «Selbst kremlnahe Stimmen kritisieren inzwischen offen die Einschränkungen.»

Schliesslich: «Putin reagiert mit Kontrolle und Repression». Experten, Kreml-Analysten, kremlnahe Stimmen? Falsch:

«Genau das sehen Beobachter als Zeichen dafür, dass das System nervöser wird.»

All das sollten wir ernst nehmen, denn bekanntlich rüstet sich der Iwan für einen Angriff auf die Schweiz. ZACKBUM weisst aber, dass unsere beste Abwehr darin besteht, dass sich der Iwan totlacht, dass Putin im Kreml vor unterdrücktem Kichern zitterte, wenn er diesen Schwachsinn lesen würde.

Wieso bleibt der «Blick» nicht bei Themen, bei denen er sich auskennt? Dann kann er echte Lebenshilfe geben, denn, Hand aufs Herz, bzw. den Uterus, wussten Sie das?

Schluck.

Der Iwan kommt!

Ist sonst nichts los, warnen die «Experten» vor einem russischen Angriff.

Ein Fragezeichen in einem Artikel ist meist ein Armutszeugnis:

Um ganz auf der sicheren Seite zu sein, quetscht der «Blick» noch ein «wirklich» rein. In die Unwirklichkeit von «sonst ist heute nix los?».

Gina Grace Zurbrügg, ihres Zeichens «Redaktorin News», zitiert: ««Ich gehe davon aus, dass in diesen Tagen in Moskau ernsthaft die Option geplant wird, in Absprache mit China Nato-Staaten militärisch anzugreifen, um die Unterstützung der Ukraine zu schwächen», sagte der deutsche Politologe Joachim Krause

Das Zitat hat sie allerdings nicht mal selbst abgeholt, sondern aus «20 Minuten» abgeschrieben. Krause ist ein seit 2016 emeritierter Professor mit Drang an die Öffentlichkeit.

Und worauf hat es denn der kriegslüsterne Russe abgesehen, den die bitteren Erfahrungen in der Ukraine ja nicht klüger machen? «Als mögliche Ziele nannte er die baltischen Staaten, Polen, Schweden, Finnland sowie Deutschland.» Grossartig. Das wäre das erste Mal in der Geschichte, dass Russland Deutschland überfällt – und nicht umgekehrt.

Aber das Schreckenskabinett wird noch vergrössert: «Militärexperte Thomas Theiner warnt zudem vor der strategischen Bedeutung einzelner Orte: «Fällt Gotland in russische Hände, werden die Russen dort Antischiffsraketen und Luftabwehrsysteme stationieren – damit wäre die gesamte Ostsee für Nato-Schiffe kaum noch nutzbar.»»

Keiner zu klein, Experte zu sein. Beruflich arbeitet bzw. arbeitete Theiner hauptsächlich in der Filmindustrie als Produzent. Er  ist kein aktiver General, kein offizieller NATO-Sprecher und auch kein akademischer Militärwissenschaftler. Aber immer gut für einen verbalen Knaller.

Während also diverse europäische Staaten Pläne für den Ernstfall machen müssen und die Insel Gotland dringend militärisch aufgerüstet werden sollte, gibt es leider auch Defätisten, die abwinken: «Der Chef des estnischen Geheimdienstes, Kaupo Rosin, sieht die Lage deutlich anders. «Derzeit benötigt Russland die meisten seiner militärischen Ressourcen für den Krieg gegen die Ukraine».»

Hm, also einerseits, andererseits. Diese klare Haltung nimmt auch der Geheimdienstchef ein: «Gleichzeitig betont er, dass sich die Lage künftig verändern könne und der Westen seine Verteidigungsfähigkeit weiter stärken müsse

Bleibt noch die Frage, welche Expertin denn die Artikel-Autorin Zurbrügg ist. KI weiss über sie:

Typische Themen von ihr sind etwa:

  • virale Tiktok-Trends und Gen-Z-Phänomene,
  • Wetter- und Alltagsthemen,
  • internationale News mit boulevardesker Zuspitzung,
  • kuriose Gerichts- oder Polizeifälle.

Einige Highlights aus ihrem aktuellen Schaffen: «Täglicher Eierkonsum reduziert Alzheimer-Risiko», «Forschung entkräftet Mythen über Gewichtsschwankungen», «Herrenlose Pferdekutsche kracht in Härkingen SO in Baum» oder «Bis zu 30 Grad an Pfingsten».

Neben der russischen Gefahr sieht sie auch noch andere: «Welche Insekten für Haustiere gefährlich werden können», «Wie gehen Schweizer Airlines mit dem Hantavirus um

Man sieht, eine Allzweckwaffe, um im militärischen Jargon zu bleiben. Böse Zungen mögen hier von einer «unguided missile» sprechen, einem ungesteuerten Flugkörper.

Weiteren Qualifikationen enthält sich ZACKBUM, unter Rücksicht auf die aktuellen Zeiten von Korrektsprech und Diskriminierungsverbot.

Ach, da bliebe ja noch eine mögliche Antwort auf die einleitende Frage, ob Putin nun nach der erfolgreichen militärischen Spezialoperation in der Ukraine weitere Angriffe plane.

ZACKBUM verrät hier weltexklusiv die Antwort, obwohl wir keinesfalls Experten auf diesem Gebiet sind: 42.

Im militärischen Sachbuch «Per Anhalter durch die Galaxis» ist das schliesslich auch die Antwort auf die ultimative Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest. Also muss sie doch auch hier zutreffen.

ZACKBUM hofft natürlich, dass wir nach diesem Verrat eines russischen Staatsgeheimnisses nicht selbst von einer Drohne getroffen werden.

Bliblö «Blick»

Einerseits ist das Boulevardblatt besser geworden. Andererseits …

Die beiden Chefredaktoren Reza Rafi und Rolf Cavalli haben der mehr oder minder glücklichen «Blick»-Familie wieder Drive und mehr Relevanz verschafft. Solange sie ihre unmittelbare Vorgesetzte (die mit der extrabreiten Visitenkarte) machen lässt und nicht wieder mit Schnapsideen reinfurzt (weiblicher, kein Boulevard mehr, Newsquelle, immer wieder neues Logo), steigert das die Überlebenschancen.

Auf der anderen Seite dümpelt noch relativ viel Schrott auf der Homepage. Darunter Abgeschriebenes:

Diese Schweinerei, die dem immer absurder werdenden Sanktionsregime der EU und der USA zu verdanken ist (und der sklavischen Übernahme durch die Schweiz), hat der «infosperber» aufgedeckt. Immerhin wird auf die Quelle verwiesen.

Dann gibt es immer noch Vorgaben für folgende Berichterstattung:

Der frühere Anti-SVP-Reflex war zwar zwanghafter, aber auch heute noch sieht sich das Boulevardblatt zur Volkserziehung verpflichtet, eine teuflische Mischung.

Dann in grossen Dosen Lebenshilfe, als ob sich das der Leser vorzugsweise beim «Blick» abholen wollte:

Der Beitrag steckt zudem hinter der Bezahlschranke von «Blick+». Angeblich soll dieser Versuch, die deutsche «Bild» zu imitieren, nach Jahren schlappe 30’000 Abonnenten haben. Wobei nicht ausgewiesen wird, wie viele davon schnuppern oder eines der vielen Gratis-Angebote nutzen.

Apropos, ob solcher Schabernack die Einschaltquote steigert?

Dann geht nichts über ein aussagekräftiges Bild, begleitet von einem «da muss ich weiterlesen»-Titel:

Es gibt auch Lebenshilfe, die man nicht unbedingt lesen oder sehen will:

Offenbar nimmt sich der «Blick» diesen Ratschlag selbst zu Herzen:

Dann gibt es auch Rätsel-Meldungen:

Wahnsinn: «Die Kantonspolizei ging am Wohnort des Fahrzeughalters vorbei. Der 57-Jährige war unverletzt und machte von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch

Schliesslich gibt es die im Boulevard beliebte Rubrik «zu blöde zu». Zu wohnen, zu kochen, zu kaufen, zu leben, zu atmen – und zu fliegen:

Was für erfahrungsschwangere Tipps sind das wohl? ZACKBUM verrät die Highlights:

– ein langweiliges Buch lesen, helfe beim Einschlafen
– viel Wasser saufen
– Lippencreme, Augentropfen und «pflegende Masken für die Haut»
– mindestens zwei Stunden vor Abflug am Flughafen sein
– Frühe Flüge im Frühling und Herbst nutzen

Schnarch. Und erst noch vom polnischen Onet abgeschrieben, das auch Ringier gehört.

Dann Banalitäten, die nun wirklich überall zu haben sind:

Meinungsumfragen sind auch immer ein vermeintlich bewährtes Mittel zur Leser-Blattbindung:

Eine Handvoll Leser hat sich aufgerafft. Die Mehrheit stimmt erwartungsgemäss, ZACKBUM entschied sich wie 28 Prozent der Leser.

Auch der «Blick» ist von der Unsitte der sogenannten «Live-Ticker» nicht frei. Das ist ein Euphemismus für: wir kippen ungefiltert Tickermeldungen in ein Gefäss, soll der Leser doch selbst auswählen.

Besonders putzig das dazugestellte Erklärvideo: «SMI, Dow Jones, DAX – was ist das eigentlich?» Für Leser, die sich fragen: ist Dow Jones der Sohn von Tom Jones?

Auch den guten alten Experten gibt es immer noch, und der mhnt und warnt unermüdlich, wenn er nicht Alarm schlägt:

Zugegeben, von der Existenz des Hunden und Katzen gefährdenden Eichenprozessionsspinners wusste ZACKBUM zuvor nichts.

Und als Absackerchen noch dieser hier, aus der unsterblichen Reihe: rezyklieren geht über studieren.

«Guac your Glow»? Verwunderlich, dass ein solcher Hammer-Artikel auch nach zwei Tagen noch null Kommentare hat. Nun, hier kommt einer: was soll dieses Symbolbild uns sagen?

Verliebter «Blick» auf Berset

Wenn eine schriftliche Schleimspur tropfen könnte …

Alte Freundschaft rostet nicht. Das waren noch Zeiten, als ein panischer Ringier-CEO in voll ausgeprägter Corona-Hysterie und ein überforderter Bundesrat auf dem kurzen Amtsweg kooperierten.

Als herauskam, dass Alain Berset und Marc Walder einen regen Mailverkehr unterhielten und ein Video veröffentlicht wurde, in dem Walder stolz verkündete, dass er seine Redaktionen angewiesen habe, staatliche Massnahmen bedingungslos zu unterstützen, war die Kacke kurzzeitig am Dampfen.

Der damalige Oberchefredaktor Christian Dorer verkündete tapfer: «Niemand beeinflusst Blick!» Als Dank dafür wurde er später brutal abgesägt.

Im Ringier-Organ «Interview» wurde Berset auf einer Modepuppenstrecke angehimmelt. Nach einer eher merkwürdigen ausserehelichen Liebesaffäre verabschiedete sich Berset dann nach Strassburg. Dem geneigten Leser dürfte es wie ein Déjà-vu vorkommen, wenn er die neuste Lobeshymne auf den Mann mit den mächtigen Augenbrauen lesen muss:

«Als hätte er das alles schon ein Leben lang getan: Mit Begeisterung, Leichtigkeit und viel Elan kämpft Alain Berset als Generalsekretär des Europarats gegen Machtpolitik, Polarisierung und für eine friedliche Welt

Eigentlich handelt es sich um einen aussichtsreichen Kandidaten für den Friedensnobelpreis, könnte man meinen, wenn man die ungebremst Eloge von Monique Ryser liest. Einer PR-Bude im Dienste des Politikers wäre es peinlich, so dick aufzutragen: ««Wir haben kein freies Wochenende, wir sind immer dran», meint er entschuldigend und eilt die Treppe der Villa Massol in der Neustadt von Strassburg herunter.»

Dann folgt eine Art Interview, getragen von einer begeisterten Unterwürfigkeit, wie man sie sehr selten ausserhalb von bezahlten Image-Anzeigen sieht. Zum Schutz des ZACKBUM-Lesers verzichten wir auf Zitate.

Fehlt noch was? Natürlich das Lob von anderen. ««Wir sind sehr froh um Alain, mit seinen Kontakten bringt er den Europarat und seine Wichtigkeit auf die Tagesordnung der Regierungen und der Bevölkerung», lobt Grünen-Nationalrätin Sibel Arslan». Da geht doch noch einer: «Ihr Kollege Damien Cottier, FDP, qualifiziert die Arbeit des Ex-Bundesrates knapp und klar mit «Exzellent!».»

Kann man diesen Schleimberg noch weiter in die Höhe wachsen lassen? Frau kann und lässt die Sprechpuppe plaudern: »Von der Schweiz sagt man oft, sie sei langweilig. Aber wer würde sich heute nicht etwas mehr Langeweile wünschen

Die Einleitung zum Schlusspunkt, zum Höhepunkt, zur Steigerung ins Unerträgliche: «Dieser Wunsch nach Langeweile wird für Alain Berset nicht in Erfüllung gehen. Er eilt davon, schon wartet das nächste Meeting, und auch die nächste Krise kommt bestimmt.»

Nein, die Krise ist schon da. Die Krise des Journalismus nämlich. Denn eigentlich ist es unvorstellbar, dass eine derartig grenzenlose Lobhudelei in einer Gazette erscheint, die noch gewissen Wert auf Verantwortung dem Leser gegenüber legt.

Dass C-Promis, Influencer und andere Unwichtigkeiten zu Storys aufgeblasen werden, nun, das ist Boulevard, wieso nicht, wenn’s interessiert. Aber eine ernsthafte Beschäftigung mit einem Politiker, der schon als Bundesrat sowohl politisch wie auch charakterlich überfordert war, sollte vielleicht doch mehr dem Porträt eines Menschen und weniger einem Heiligenbild eines Strahlemannes gleichen, der unermüdlich und ohne Fehl und Tadel angeblich «für eine friedliche Welt» kämpfe.

Ob es diesem hehren Ziel nützt, dass Berset den Europarat gegen Russland (Sondertribunal gegen Wladimir Putin) in Stellung bringt, und auch harsche Kritik an der Schweiz zulässt, die gefälligst rechtstaatsfrei Vermögen auch ohne Verurteilung (Fall Magnitski) beschlagnahmen soll?

Aber der «Blick» ist und bleibt Bersets Weisswäscher-Organ, wie er schon in Bersets ausser Kontrolle geratenen Liebesaffäre bewies.

Journalistische Schlampereien

20 Minuten Peinlichkeiten.

Von Thomas Baumann
«Wir recherchieren kritisch und hartnäckig. […] Faktentreue ist unser oberstes Gebot. Informationen sind vor der Publikation auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu überprüfen. Quellen sind grundsätzlich auf ihre Glaubwürdigkeit zu prüfen und zu benennen. Ist die Informationslage unklar oder lassen sich Informationen noch nicht offiziell bestätigen, machen wir das transparent.»
Das sind, gemäss eigenem Bekunden, die «Prinzipien der Recherche» in den Publizistischen Leitlinien von 20 Minuten.
In der Praxis sieht das dann so aus: «Meret Steiger (mst), arbeitet seit 2016 für 20 Minuten. Ihr Antrieb ist die Begeisterung für schöne Einrichtungen, architektonische Highlights und das Träumen von einzigartigen Wohnräumen. Sie orientiert sich an den publizistischen Leitlinien von 20 Minuten, insbesondere am Prinzip, die Leserschaft mit inspirierenden und relevanten Inhalten zu begeistern und ihr so Mehrwert für ihren Alltag zu bieten.»
Was ist also der Mehrwert, mit dem sie uns geglückt? Zum Beispiel dieser einzigartige Wohnraum: «Ein historisches Anwesen mit vier Wohnungen, Wellnessbereich und Garten» in der Nähe von Bellinzona für schlappe 3.25 Millionen.
«Laut dem Immobilieninserat hat das herzige Anwesen 2000 Quadratmeter Wohnfläche, die sich auf 7,5 Zimmer in drei Wohnungen verteilen.» Macht, nach Adam Riese, unglaubliche 270 Quadratmeter pro Zimmer.
Mal beim Inserenten nachfragen, ob alles stimmt? Iwo…
«Daneben befinden sich drei aneinandergereihte Wohnungen. Die Besitzer residieren derzeit in der grössten, einer 5,5 Zimmer-Wohnung. Daneben gibt es noch eine Duplex-Wohnung (2,5 und 2 Zimmer) sowie ein Einzelzimmer mit WC, Dusche und separatem Eingang. ‹Also insgesamt fünf Wohneinheiten, die separat genutzt und vermietet werden können›, schreiben die Besitzer
Sind es nun vier oder fünf Wohnungen? Und 5,5 + 2,5 + 2 + 1 Zimmer ergibt … 7,5 Zimmer. Wir verstehen…
Die Pointe der Geschichte: Die Redaktorin hat die Immobilie nicht einmal selber ‹recherchiert›, sondern einfach aus dem Blick übernommen.
Immerhin: Auf Rückfrage rechnete die Redaktorin das Ganze offenbar noch einmal durch und korrigierte die gröbsten Fehler. Aus 2000 Quadratmetern Wohnfläche wurden «2000 Quadratmeter Fläche» und auch die Zimmerzahl wurde korrigiert, bzw. gleich ganz weggelassen.
In vordergründig deutlich wissenschaftlicheren Gefilden ist hingegen ihre Kollegin Karin Leuthold unterwegs. Diese «arbeitet seit 2005 für 20 Minuten. Als Redaktorin im ehemaligen Ressort Panorama schreibt sie über verschiedene Themen, vor allem aber über Kriminalfälle weltweit, die sie umfassend und akribisch recherchiert. 2012 zieht sie mit ihrer Familie nach Buenos Aires, Argentinien, und arbeitet weiter im Ressort Ausland. Sie interessiert sich für politische und soziale Themen, Wirtschaft und Wissenschaft. Seit 2019 ist sie am Newsdesk tätig. Karin erwarb einen Master in Mediale Künste (Neue Medien) an der ZHdK. Es folgte eine wissenschaftliche Aushilfe an der ETH Zürich und Tätigkeiten bei Swiss Airlines und bei ADP, einem der weltweit führenden IT-Unternehmen. In diesen Positionen beschäftigte sie sich mit der Aufgabe der internen und externen Kommunikation. Karin ist bestrebt, den 20-Minuten-Lesern und -Leserinnen Qualitätsjournalismus zu bieten, indem sie Themen in kompakten, strukturierten und leicht verständlichen Texten aufbereitet.» Um diesen wahrlich beeindruckenden Lebenslauf nicht unnötig zu verkomplizieren, wurde dabei sogar ihr Engagement im Krisenkommunikationsstab des Kaninchenzüchtervereins Hintertupfingen weggelassen.
Karin Leuthold ist einem wahrlich mysteriösen Kriminalfall auf der Spur: «Mysteriöse Serie: 12 tote oder vermisste US-Forscher – ‹Da stimmt etwas nicht›».
«In den USA sind seit 2022 mindestens zwölf Wissenschaftler mit Verbindungen zu Atom- oder Raumfahrtprogrammen gestorben oder verschwunden. […] Nach dem Tod des bekannten UFO-Forschers David Wilcock, der sich am vergangenen Montag das Leben genommen haben soll, geriet die Gerüchteküche in heftige Bewegung. Mit seinem Tod war die Zahl der mysteriösen Fälle auf zwölf angestiegen.»
«Immer mehr Politiker in den USA [schlagen] Alarm angesichts der seit 2022 verstorbenen oder verschwundenen Wissenschaftler. Auffällig ist, dass sämtliche Betroffenen Verbindungen zu Atom- oder Raumfahrtprogrammen hatten, teils auch zu geheimen Projekten.»
12 Wissenschaftler, allesamt mit Verbindungen zu «Atom- und Raumfahrprogrammen»?
Die Redaktorin kommt ihrer journalistischen Aufgabe nach und präsentiert sämtliche 12 verschwundenen oder verstorbenen Personen, alle mit Foto. Das nennt man eine Recherche!
Zuerst einmal der zuletzt verstorbene David Wilcock: «Wilcock war für seine UFO- sowie ‹kosmisches Bewusstsein›-Theorien bekannt und behauptete Verbindungen zu geheimen Programmen und ausserirdischen Zivilisationen.»
Wissenschaftler? Verbindungen zu Atom- und Raumfahrtprogrammen? Darauf lässt das Geschriebene kaum schliessen und auch gemäss Wikipedia war er Schriftsteller, Medienpersönlichkeit und Youtuber.
Dann gibt es da noch einen 78-jährigen pensionierten Bauleiter, der einst am Los Alamos National Laboratory gearbeitet hat, sowie eine Sekretärin ebendort. Allesamt Wissenschaftler, wir verstehen. Bauen ist ja in der Tat eine Wissenschaft, das weiss jeder, der schon mal ein Einfamilienhäusern sein eigen nennen wollte.
Wissenschaftler gab es dann auch. Zum Beispiel Michael Hicks. Dieser «forschte insbesondere zu den physikalischen Eigenschaften von Asteroiden und Kometen.» Atom- und Raumfahrprogramm, wir verstehen…
Ein anderer Wissenschaftler forschte immerhin am renommierten MIT. «Seine Forschung konzentrierte sich auf die Theorie und Simulation astrophysikalischer und experimenteller Plasmen
Ein anderer Wissenschaftler war Astrophysiker «und befasste sich unter anderem mit Dunkler Materie, Galaxienstrukturen, Sternpopulationen und Exoplaneten.» Raumfahrtprogramm, wir verstehen…
Noch ein anderer war Forscher im Bereich der chemischen Biologie bei Novartis. Klar, Raumfahrt!
Und ein weiterer war am «Satelliten Jason-3 beteiligt, der Meeresspiegelmessungen zur Erforschung des Klimawandels durchführt
Alles klar? Wenigstens hat die Redaktorin sauber recherchiert, wenn es auch mit der Einordnung, nun, wenigstens ein klein wenig hapert…
Und der Knaller ganz zum Schluss: «US-Präsident Donald Trump vermutet, es handle sich ‹möglicherweise lediglich um einen Zufall›
Mit dieser unaufgeregten Einschätzung könnte der Maestro der Verschwörungstheorien ausnahmsweise sogar recht haben.

Wenn die NZZ fies wird

Die alte Tante verliert jeden Anstand.

Beatrice Bösiger kann man als Job-Hopperin bezeichnen. «Wirtschaftsblatt» in Österreich, dann Korrespondentin in Moskau, dann F&W, dann Tamedia und schliesslich ab Oktober 2024 Wirtschaft bei der NZZ.

Das muss noch nicht gegen sie sprechen. Aber offenbar hat sie aus ihrer Wiener Zeit den Schmäh mitgenommen. Die Fähigkeit, zuckersüss Bösartiges abzusondern.

Denn direkte Angriffe der NZZ auf die Forderung des Bundesrats, dass die Monsterbank UBS mit einer doppelt so hohen Bilanz wie das BIP der Schweiz, ihr Eigenkapital um lächerliche 20 Milliarden aufstocken soll, gab und gibt es genug. Dabei bliebe das EK immer noch im niedrigen einstelligen Bereich, was bedeutet, dass mehr als 90 Prozent fremdfinanziert und gehebelt sind.

Das ist so, wie wenn ein Formel-1-Pilot sich den Helm aufsetzt, das Visier runterklappt, nichts mehr sieht – und Vollgas gibt.

Nun beklagt Bösiger nicht etwa die harsche Gegenwehr der too-big-to-jail-Bank. Sondern sie steigt auf eine Metaebene: «Die Debatte um die UBS-Regulierung» sei «entgleist», behauptet sie. Wie das?

Seit Finanzministerin Karin Keller-Sutter «ihre Pläne» (die die Pläne des Gesamtbundesrats sind) präsentiert habe, «wird weniger über den Inhalt der Gesetzesvorlage diskutiert als vielmehr über das Lobbying der Grossbank. Hört man ihr zu, so muss man zum Schluss kommen, ein wahrer Lobby-Tsunami fege über die schutzbedürftigen Parlamentarier hinweg».

Schlimmer noch: «Die bürgerliche Bundesrätin bedient sich sogar eines typischen Arguments der Linken: Sie habe gehört, dass Parlamentarier befürchteten, die UBS könnte die Zuwendungen an ihre Partei kürzen, sagte sie im «Blick»

Nun habe die UBS ihr Lobbying «tatsächlich hochgefahren», räumt Bösiger zuckersüss ein. Um dann Vitriol zu tropfen. Denn «dass sie damit ihre Interessen bei der geplanten Regulierungsverschärfung verteidigt, ist legitim». Also nimm das, jammernde KKS: «Das ist kein Grund, dass die Finanzministerin das Lobbying der UBS ständig zum Thema machen muss. Statt sich immer wieder öffentlich darüber zu beklagen, wäre Keller-Sutter besser beraten, der UBS stärker auf einer inhaltlichen Ebene Paroli zu bieten.»

Damit reduziere sie die Auseinandersetzung «auf eine Stildebatte». Und damit werde sie baden gehen: «Nur mit Klagen über das Lobbying der UBS wird die Finanzministerin im Parlament nicht durchkommen. Zudem können Parlamentarier durchaus damit umgehen, dass diverse Akteure sie von allen Seiten beeinflussen wollen.»

Ds ist nun wirklich hinterfotzig. Eigentlich müsste sich die UBS im Sinne des Trennbankenregimes von ihren Auslandtöchtern trennen, damit deren Risiken nicht in die Schweiz hineinschwappen, wo die Bank über eine implizite Gratis-Staatsgarantie verfügt. Oder aber, sie mindestens ausreichend mit Kapital unterlegen, um das zu verhindern.

Glasklar, für jeden verständlich, der selbst mit Hilfe von Fingern auf vier zählen kann. So minim ist nämlich das harte Eigenkapital der Monsterbank.

Dagegen wehrt sich die Bonus-Etage der Gierbanker mit allem, was modernes Influencertum zu bieten hat. Mit Schreckensszenarien (Schaden für die Schweiz, teure Hypotheken, Arbeitsplatzverlust, Wettbewerbsnachteile, etc.). Mit der absurden Drohung (verkleidet als Prüfung von Optionen), aus der Schweiz wegzuziehen. Als ob die Bank anderswo die Sicherheit hätte, zum dritten Mal vom Staat gerettet zu werden, sollte sie schon wieder am Abgrund stehen.

Zudem zeigt sich die UBS mehr als undankbar für das Geschenk von 16 Milliarden AT 1 Bonds, die ihr vom Staat als Zückerchen auf den Schnäppchen-Deal Credit Suisse draufgelegt wurden.

Da inhaltlich die Sache völlig klar ist, hat KKS völlig recht, wenn sie das arrogante, undankbare und alle Geschütze auffahrende Verhalten der Bank kritisiert. Die damit beweist, was sie gleichzeitig abstreitet: dass die UBS viel zu viel wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Macht hat. Und dass ihre Bankenlenker, geldgierig und bonusgetrieben, keinerlei staatspolitisches Verantwortungsbewusstsein haben.

Stattdessen bemängelt Bösiger, dass sich KKS, nachdem inhaltlich alles klar ist, dieses unverschämte Verhalten der Monsterbank als wenig eidgenössisch abqualifiziert. Womit sie völlig recht hat.

Während die NZZ nicht nur dadurch, dass sie einen als «Experten» verkleideten ehemaligen UBS-Direktor als Gastkommentator gegen diese Kapitalerhöhung wettern lässt, jeglichen Stil vermissen lässt. Denn dieses Detail enthält sie ihren Lesern vor.

Wieso sich allerdings Bösiger als Bankenbüttel betätigt, das ist ihr süss-saures Geheimnis.

Die Zocker-Lobby

Die UBS lobbyiert im roten Bereich.

Eigentlich geht es nur um eine Winz-Witz-Eigenkapitalerhöhung von 20 Milliarden Franken, bei einer Bilanzsumme von 1600 Milliarden. Peanuts, viel zu wenig bei dem systemischen Risiko, das von dieser Monsterbank ausgeht, die ein viel grösseres Rad als das gesamte BIP der Schweiz dreht (einsamer Weltrekord).

Weil aber vom gehebelten EK der Bonus abhängt, wehren sich CEO Sergio Ermotti & Co. mit Händen und Füssen gegen dieses symbolische Pflästerchen. Und setzen Lobbying in einer für die Schweiz bislang ungenannten Dimension ein. Drohen sogar mit Wegzug, als ob sie anderswo eine Gratis-Staatsgarantie (von wegen too big to fail) kriegen würden.

Natürlich ist es auch eine mediale Schlacht, mit interessanten Kampflinien. Dass ein Dumpfschwätzer wie Markus Somm auf die UBS-Propaganda reinfällt, nun ja, bedauerlich, nicht überraschend, so what.

Bedenklicher ist schon, dass die NZZ sich plötzlich zum Sprachrohr der UBS aufschwingt und einen kritischen Kommentar nach dem anderen veröffentlicht, dass diese durch Aktienausgabe kinderleicht zu finanzierende Kapitalerhöhung eigentlich des Teufels sei und unbedingt vermieden werden müsse.

Sonst drohe mehr oder minder der Untergang der Eidgenossenschaft. Sogar ehemalige UBS-Direktoren dürfen hier als «Experte» verkleidet dagegen anstänkern.

Währenddessen ist der «Blick» das Sprachrohr der Kritiker der UBS geworden, wo wahre Experten wie Marc Chesney die dürftigen Argumente der UBS zerpflücken dürfen und sich Bundesrätin Karin Keller-Sutter in gewählten Worten über die Propagandaschlacht der UBS erregen darf: «Es entspricht aber nicht dem gängigen Stil, dass man so dezidiert gegen unsere Institutionen antritt. Das ist ein eher neuer Stil im Umgang eines Unternehmens mit dem Staat.»

Chesney geht noch einen Schritt weiter und prognostiziert die nächste Bankenkrise. Aus einem einfachen Grund. US-Präsident Donald Trump lockert wieder einmal die Regulierungsvorschriften für Banken in den USA: «Erste Erleichterungen sind bereits in Kraft, die zentralen Punkte wie eine tiefere Eigenkapitalquote sollen bis Anfang 2027 folgen. Darüber hinaus werden die Aufsichtsbehörden zurückgebunden und wird ihr Personalbestand erheblich gekürzt», fasst der «Blick» zusammen. Chesney setzt noch einen drauf: «Die Zutaten für die nächste akute Krise sind vorhanden, die Frage ist nur, wann sie kommt.»

Denn die letzte von 2008 begann genau mit solchen Lockerungsübungen.

Aber auch Gegner der Kapitalerhöhung wie der emeritierte Bankenprofessor Martin Janssen kommen zu Wort, er spricht gar von «einer Erpressung des Parlaments». Allerdings nicht durch das Lobbying der UBS, sondern durch die Finanzministerin.

Die NZZ unkt: «Keller-Sutter droht eine Niederlage im Parlament». Auch Beat Balzli steuert einen seiner verpeilten Kommentare bei: «Die UBS-Phobie oder warum die reine Fixierung auf das Kapital von gestern ist».

Tamedia tut das, was das Qualitätshaus an der Werdstrasse am besten kann: es eiert herum und interviewt. Auch CH Media ist sich nicht sicher, ob sich der Wannerclan das Wohlwollen der UBS verspielen will oder nicht. «Scharfe UBS-Regulierung würde Kredite verteuern», darf hier der Gastkommentator Urs Furrer schreiben. Er ist Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbandes und offenbar von Finanzkenntnissen eher unbeleckt.

Redaktorin Florence Vuichard flüchtet sich ebenfalls in ein gepflegtes Einerseits-Andererseits: «Der Bundesrat verschärft die Eigenkapitalvorschriften für die Grossbank, macht aber auch Konzessionen.» Ist das gut oder schlecht? Eben, einerseits, andererseits.

Und «20 Minuten» macht ebenfalls das, was das Pendlerorgan am besten kann: es zitiert Artikel der anderen. So habe die «Financial Times» geschrieben, «Parlamentarier hätten führenden UBS-Managern zugesichert, die strengen neuen Vorschriften würden abgeschwächt».

Was die UBS hier tut, ist tatsächlich ein professionelles, nicht gerade billiges Lobbying mit allen Schikanen. Direktkontakte zu Parlamentariern und Medienschaffenden. Einsatz von Verbänden als Multiplikatoren. Drohung mit Abstrichen bei der Parteienfinanzierung.

Zugleich werden die Narrative gesetzt («Schweiz verliert Wettbewerbsfähigkeit, Kapitalregeln gefährden Jobs»). Dazu typisches Framing. Diese Reform gefährde die Schweiz (weniger Kredite, teurere Hypotheken, Schwächung Finanzplatz). «Experten» werden mobilisiert, Reputations- und Elitennetzwerke aktiviert.

Klare Drohungen werden umgeschminkt (Vermeidung des Worts Bestrafung, Ersatz durch «Überdenken» von Optionen).

Bei den Medien ist die Drohung mit Inserateboykott bei unbotmässiger Berichterstattung Vergangenheit. Heute kommen andere Formen von Sponsoring zum Einsatz:

  • Konferenz-Sponsorings (Wirtschaftsforen, Debattenformate)
  • Content-Partnerschaften / Thought Leadership
  • Podcast- und Video-Sponsoring
  • Beilagen, Themen-Specials, Roundtables

Die Drohung mit einem Streichen dieser Anlässe wirkt genauso …

All das belegt ironischerweise genau das, was die Monsterbank abstreitet: sie hat offensichtlich viel zu viel politische Macht, weil sie systemrelevant ist.

Entlassung von Patrick Fischer

Medien geifern, Fakten werden ignoriert.

Von Thomas Baumann
Der Blick meinte nach der Entlassung von Eishockey-Nationaltrainer Patrick Fischer: «Was wäre passiert, wenn es zu einer Infektion gekommen wäre, die mit Fischer in Verbindung hätte gebracht werden können? Die Chinesen, von Covid mit Millionen Toten schwer gebeutelt, fuhren eine rigide Corona-Politik – und sie stehen nicht im Verdacht, bei Gesetzesverstössen mit sich diskutieren zu lassen. Spannungen auf diplomatischer Ebene wären garantiert gewesen – und könnten es auch jetzt noch sein.
Es geht auch eine Kategorie harmloser: Wäre Fischer dann dafür verantwortlich gewesen, dass eine Reihe von Snowboard-Crossern, Buckelpistenfahrern und Eiskunstläuferinnen, die mit ihrem Sport kaum Geld verdienen, um ihren Karrierehöhepunkt gebracht worden wären? Der Teamgedanke, den Fischer zur Verteidigung seiner Urkundenfälschung vorbrachte, endet scheinbar ausserhalb des Hockeyteams.»
Frage: Wenn in dieser Angelegenheit derzeit landauf, landab der «Rechtsstaat» bemüht wird — warum sollen da ausgerechnet mögliche diplomatische Spannungen mit einer Regierung, welche in ihrem Land bestenfalls ‹rule by law›, aber nicht ‹rule of law› praktiziert, als Argument angeführt werden?
Auch die NZZ  liess sich herab. Wobei es hier ein gewisser Samuel Burgener war, der in die Tasten griff. Dieser pflegte in seiner Zeit beim Walliser Boten derart penetrant vom hohen Ross herab zu moralisieren, dass er von der Walliser Zeitung den Übernamen ‹Prediger› erhielt. Also meinte Burgener:
«Fischer, der erfolgreichste Nationaltrainer in der Geschichte des Schweizer Eishockeys, hatte den so geheimnisvollen Teamgeist stets bemüht, er hatte sehr hohe Ansprüche an die Disziplin und das Commitment der Spieler und war teilweise extrem streng. Nur nicht mit sich selbst. Er stellte sein Ego über die Interessen des Teams, er wollte zwingend an den Olympischen Spielen coachen. Für die Karriere eines Trainers ist ein solches Turnier von grosser Bedeutung. Fischer hat in dieser Intention durch eine mögliche Ansteckung mit Corona die körperliche Integrität seiner Spieler gefährdet und einen schweren Reputationsschaden für die Olympia-Delegation und das Eishockey der Schweiz in Kauf genommen. Das ist unentschuldbar.»
Man sieht: Moralisieren kann der moderne Journalist, recherchieren jedoch nicht.
Ansteckung? Vom Anfang Juli bis Ende 2021 war weltweit, in der Schweiz und Europa die Delta-Variante des Coronavirus vorherrschend. Und vorherrschend bedeutet bei Viren: Zu beinahe hundert Prozent vorherrschend. Das Coronavirus kennt, wie China faktisch, keine Mehrparteienherrschaft. (Felix Abt mag mich hier gerne korrigieren, dass China de jure eine Mehrparteienregierung hat.)
Bereits am 24. August 2021 schrieb die Welt-Gesundheitsorganisation WHO, welche bekanntlich nicht im Verdacht steht, dem Lager der Impfgegner nahezustehen, in ihrem 54. wöchentlichen Epidemie-Update: «Ähnliche Übertragungsrate zwischen geimpften und ungeimpften Personen» («Similar transmissibility between vaccinated and unvaccinated individuals»).
Es ist richtig, dass Patrick Fischer dem Team schweren Schaden zugefügt hätte, wenn er erwischt worden wäre.
Es ist richtig, dass es eine Schweinerei gewesen wäre, wenn er andere Sportler um ihren Olympiatraum gebracht hätte, wenn er als Ungeimpfter die Verbreitung des Coronavirus befördert hätte.
Bloss: Die Gefahr, dass er wegen seines Impfstatus als Ungeimpfter jemanden ansteckte, existierte schlicht und einfach nicht, wie selbst die Welt-Gesundheitsorganisation frühzeitig feststellte.
Das theoretisch valable Argument, dass Fischer durch eine Ansteckung andere Sportler um ihren Olympiatraum hätte bringen können, prallt an den Fakten der Realität ab.
Doch um Fakten schert sich der Journalist eben selten, wenn er ins Moralisieren kommt.
Eine Bemerkung zur Omikron-Variante des Coronavirus: Es ist richtig, dass die Omikron-Variante des Coronavirus zwischen Jahresende und Beginn der Olympischen Spiele die Weltherrschaft im Coronavirus-Universum übernahm.
Es ist ebenfalls richtig, dass damals nicht mit Sicherheit der Schluss gezogen werden konnte, dass die Aussage der WHO bezüglich der Delta-Variante auch bezüglich der Omikron-Variante Gültigkeit hat (obwohl dies später evident werden sollte).
Genauso gut wie es der Fall hätte sein können, dass die Impfung die Übertragung der Omikron-Variante verhindert, hätte auch der Fall sein können, dass die Impfung gar nicht gegen die Omikron-Variante schützt.
Hier stellt sich jedoch eine ganz andere ethische Frage: Darf man von Menschen verlagen, dass sie sich quasi auf Vorrat gegen ein Virus impfen lassen, bevor man weiss, ob die Impfung überhaupt sinnvoll und zweckmässig ist?
Wie dem auch sei: Solange Journalisten nicht wissen, ob eine Impfung die Übertragung eines Virus verhindert, oder sich diesbezüglich auf gültige Quellen berufen können, geht es nicht an, einfach behaupten, dass Ungeimpfte das Virus verbreiten würden.
Selbstdeklaration: Der Verfasser des Beitrags ist dreifach geimpft (obwohl das eigentlich nichts zur Sache tut) und trägt im ÖV gerne eine FFP2-Maske. Was bei der Luft im ÖV aber auch kaum zu verwundern vermag.

Ein Wunder an Ostern

ZACKBUM muss Marc Walder loben. Sind himmlische Mächte am Werk?

Wir geben zu: solcher Beistand wird uns nicht zuteil.

Ist vielleicht auch besser so, wenn man die Resultate anschaut.

Auf jeden Fall hätten wir nach der Affäre um eine Standleitung mit Ex-BR Berset und Walders Corona-Hysterie nie gedacht, dass er Analysen von sich gibt, die wenn vielleicht nicht total richtig, so doch sehr bedenkenswert sind.

Und das erst noch im Konkurrenzorgan NZZaS. Da wird der SoBli-Chefredaktor schön blöd geschaut haben.

Am Anfang des Interviews rudert der CEO und Mitbesitzer des Ringier-Verlags mit seinen Antworten um die Frage herum, wieso eigentlich Robin Lingg, der prädestinierte Nachfolger aus der Ringier-Sippe, nach 13 Jahren, nun ja, sich entschieden habe, «eigene Projekte verfolgen» zu wollen. Wohl deswegen, weil seine Performance bei Ringier so schwach war, dass er für höhere Weihen nicht mehr in Frage kam.

Hier geht es aber um Walders klare Ansagen, was die Zukunft der Medien in der Schweiz betrifft:

«Digital dürften in der Schweiz nur drei Medienmarken ökonomisch überleben: Die NZZ, der «Blick» und «20 Minuten». Und – subventioniert – natürlich srf.ch

Hoppla, da fragt die NZZaS eher fassungslos nach und kriegt nochmal eine klare Antwort serviert:

«Den «Tages-Anzeiger» und die Zeitungen von CH Media haben Sie jetzt gerade zum Tode verurteilt.
Als digitale Geschäftsmodelle dürften Regionaltitel und Lokalpublikationen nicht aufrechtzuerhalten sein. Es mag noch Nischenpublikationen geben, aber sie werden die Ausnahme sein.»

Er kann seine Prognose noch prägnanter auf den Punkt bringen: «Masse oder Spitze.» Und dazwischen gibt es dann nichts mehr.

Das gilt offenbar auch für das eigene Haus: «Heute haben wir 120 Medienmarken. In zehn Jahren werden es deutlich weniger sein. Wir haben zwanzig schwierige Jahre hinter uns. Die nächsten zehn werden noch schwieriger

Wen es als erstes lupfen wird, auch dazu macht Walder eine klare Ansage: «Es gibt Publikationen, die digital nie relevant sein werden. Die «Glückspost» zum Beispiel. Oder «Tele». Oder die «Schweizer Illustrierte». Diese drei verdienen mit Printpublikationen immer noch gutes Geld. Wunderbar. Digital werden sie das nie tun

Das wird natürlich die Noch-Angestellten bei diesen drei Zeitschriften ungemein freuen zu hören. Allerdings dürften es zumindest die intelligenteren unter ihnen bereits geahnt haben, dass es wohl kaum mehr bis zur Frühpensionierung im Job reichen dürfte.

Das alles ist von lobenswerter Klarheit und endlich mal eine Ansage, die ohne «wenn nicht, unter Voraussetzung, dass, von heute aus gesehen» und ähnlichem Blabla auskommt. Dafür ein grosses Bravo, denn wie schon mehrfach geschrieben, man muss auch loben können.

Auch was Walder zum Entstehen der KI sagt, hat Hand und Fuss und bringt ein Problem auf den Punkt: «Was in den letzten Jahren passiert ist, ist der grösste Diebstahl in der Geschichte. Als die chinesische KI Deepseek vor gut einem Jahr westliche Modelle überflügelte, warf Open-AI-Gründer Sam Altman den Chinesen vor, sie hätten alles nur geklaut. Das war amüsant. Open AI hat acht Jahre lang alles geklaut, was im World Wide Web auffindbar war.»

Nach so viel Lob muss natürlich auch getadelt werden, sonst würde es ja ein Schmuseartikel wie in den Mainstream-Medien. Denn der Börsengang der Swiss Marketplace Group (SMG), an der Ringier mit 20 Prozent beteiligt ist, war alles andere als ein Erfolg. Aber:

«Sie verfügt mit Brands wie Homegate, Immoscout, Autoscout, Ricardo und Tutti über sehr starke Plattformen. Dennoch hat sich der Börsenkurs fast halbiert. Die Entwicklung trifft das weltweite Segment der digitalen Marktplätze. Das Spannende daran ist: Bei der SMG hat sich kein einziger Performance-Indikator verschlechtert. Wir sehen nichts, was diese Abschläge rechtfertigen würde.»

Und weil das Ringier so sieht, hat er im Gegensatz zu Tx nicht einen schönen Teil seiner Aktien verkauft, als der Kurs noch doppelt so hoch war.

Aber auf jeden Fall gibt dieses Interview Anlass zur Hoffnung, dass wenigstens der CEO von Ringier weiss, wovon er spricht. Was man nicht von allzu vielen, vor allem weiblichen Grossverdienern auf der Teppichetage sagen kann.