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Wumms: Lorenzo Petrò

Das Tiefenlot muss für den Tagi schon wieder verlängert werden.

Petrò hat «an der ZHAW Journalismus-Praxis unterrichtet und verbringt seine Freizeit auf einem Quartierhof in der Stadt. Seinem Interesse für Mensch, Boden, Tier und Wurst geht er in unterschiedlicher Intensität auch immer wieder beim Schreiben nach».

Seinem Interesse für Wurstigkeit geht er hier nach:

Das schlägt nun der Wurst die Krone ins Gesicht, oder so. Köppel mache auf Charlie Kirk? Man erinnert sich: der politische Aktivist stellte sich in Podiumsdiskussionen in den USA mit seinen erzkonservativen Ansichten der offenen Debatte an Universitäten. Bis er am 10. September 2025 in Utah bei einer solchen Veranstaltung erschossen wurde.

Kurz darauf kündigte der Besitzer und Chefredaktor der «Weltwoche» an, dass er eine Diskussionsreihe «Köppel auf dem Campus» starten werde. Es dauerte acht Monate, bis der Verein der Studierenden der Uni Zürich (VSUZH) den Mut fand, ihn tatsächlich einzuladen:

Das gibt natürlich unter den angehenden Akademikern der Uni ein grosses Hallo. Dabei zeigt sich, dass einzelne Vertreter unserer geistigen Elite das intellektuelle Niveau einer Stubenfliege haben.

«Einer aus der 5.Kolonne… Nichts gelernt seit dem 2. Weltkrieg …Komplett unnötig persone ihlade und e bühni büüte wo nur wänd werbig für ihri krude ahsichte und ihstellige mache … Zudem solltet ihr offenlegen, was Roger Köppel für dieses Format erhält oder verlangt hat … Ihr hättet einfach «Nein» sagen sollen … de chan grad wider gah …»

Unmöglich, schliesslich falle Köppel «seit Jahren durch rassistische, frauenfeindliche und demokratiepolitisch problematische Aussagen» auf, holzt ein anderer Anonymus.

Dumm wie Brot, diese Studenten; offenbar reine Verschwendung von Steuergeldern, ihnen akademische Bildung zuteil werden zu lassen. Dass Erkenntnis nur im offenen Schlagabtausch verschiedener Meinungen möglich ist, dass niemand gezwungen ist, an dieser Veranstaltung teilzunehmen – das ist diesen beleidigten Schneeflocken in ihrer Gesinnungsblase egal.

Was will uns nun der Tagi-Redaktor mit seinem launigen Titel sagen? Wenn Köppel auf Kirk mache, soll damit angedeutet werden, dass ihm auch das gleiche Schicksal blühen könnte? Wird er damit zum Abschuss freigegeben?

Wäre nicht das erste Mal. Als er mutig die Mohammed-Karikaturen nachdruckte, war es nur dem aufmerksamen Sicherheitsdienst zu verdanken, dass ein fundamentalistischer Wahnsinniger mit Messer nicht zu ihm vordringen konnte. Als das schlecht benannte «Zentrum für politische Schönheit» 2016 angeblich per Exorzismus «den Schleicher» aus Köppel austreiben wollte («Tötet Roger Köppel! Köppel Roger tötet!») und einen Saubannerzug Richtung seines privaten Wohnsitzes begann, brachte er seine Familie vorsichtshalber in einem Hotel in Sicherheit. Die Aktion endete dann allerdings kläglich schon an der Stadtgrenze von Zürich.

Und nun titelt der gleiche Tagi, der das damals als verzeihliche Ankündigung eines «Theatermords» verharmloste, dass Köppel einen auf Kirk machen wolle.

Wetten, dass erregte Demokratieretter und Befürworter der freien Meinungsäusserung – solange es ihre Meinung ist – versuchen werden, die Veranstaltung zu verhindern? Dieser Titel dazu ist im besten Fall geschmacklos, im schlechtesten Fall hetzerisch.

Selbstkritik? Igitt, pfui

Aber doch nicht bei den transparenten selbsternannten Demokratierettern.

Endlich ist der Deckel vom Dampfkochtopf geflogen. Der jüngste Untersuchungsbericht belegt schonungslos das Versagen aller Beteiligten beim Zürcher Herzklinik-Skandal mit wohl über 70 vermeidbaren Todesfällen.

Nun wird natürlich geeiert und verwedelt und geschwiemelt. Der «Tages-Anzeiger», der eine gewisse Rolle bei der Aufdeckung dieses Skandals spielte, gibt Regierungsrätin Natalie Rickli Gelegenheit zur Weisswäsche. Peinlich. In der «SonntagsZeitung» darf die aktuelle CEO Monika Jänicke ihre Sicht der Dinge darlegen. Na ja.

Richtig schmerzlich peinlich wird’s aber, wenn man die Berichterstattung der «Republik» vom März 2021 anschaut. Die Gefahr ist allerdings nicht allzu gross, dass das viele tun. Denn in ihrer Trilogie «Zürcher Herzkrise» haben die drei Autoren Philipp Albrecht, Dennis Bühler und Brigitte Hürlimann sagenhafte 134’159 A darauf verwendet, den Skandal völlig falsch darzustellen.

Nimmt man noch einen Nachbrenner von Mitte März dazu, in dem die «Republik» ihrem Lieblingsfeind Tamedia eine reinwürgt, sind es sogar 146’193 A. Das war schon damals unerträglich, heute kommt noch erschwerend hinzu, dass sich diese angeblichen Cracks völlig verrannt hatten.

Sie ätzen gegen ihre Kollegen «Das Tamedia-Recherche­desk reagierte mit einem Gegen­angriff», als handle es sich hier um Kampfhandlungen und nicht um die Aufdeckung eines Skandals.

Der Whistleblower André Plass, der den Skandal ins Rollen brachte, der dadurch Stelle und Karriere verlor und dem heute sogar von er CEO des Unispitals gedankt wird, wurde von der «Republik» damals so abgekanzelt: «er soll im Team ein aufbrausendes, unkollegiales Verhalten gezeigt haben.  … Manche beschreiben ihn gar als «gefährlich»».

Der fehlbare und geldgierige Chefarzt mit Professortitel, aber ohne Doktortitel Francesco Maisano wird hingegen in den Himmel geschleimt: «An Maisanos Fähigkeiten als Chirurg, Akademiker und Innovator zweifelt fast niemand, weder Freund noch Feind

Im Licht der heutigen Erkenntnisse geradezu brüllend komisch, wenn es nicht so tragisch wäre. Aber die «Republik» legte noch einiges drauf:

«Von einem übermässigen Einsatz der Devices, an denen Maisano beteiligt ist, kann keine Rede sein. Im Gegenteil: Es werden am USZ erstaunlich wenige davon implantiert. Die klinische Forschung verläuft regelkonform.

Maisano ist an 7 Firmen beteiligt. Das ist zwar eine stattliche Zahl, aber nicht verboten.

Mit 12 weiteren Firmen hat der Herzchirurg Berater­verträge abgeschlossen. Auch das ist nicht wenig, aber mehr als zwei Drittel der Einnahmen daraus fliessen ans USZ und an die Universität.»

Das Laberblatt schafft es tatsächlich, auf fast 150’000 A den Begriff Cardioband nur zweimal Mal zu verwenden. Stattdessen ist schönfärberisch von «Devices» die Rede.

Eine Redaktion, die noch ein wenig Ehre im Leib hätte, würde nach einer solchen Peinlichkeit sich selbst kritisieren und ihre Leser um Entschuldigung bitten. Am besten durch einen Mitarbeiter, der mit dieser völlig verschriebenen Monsterstory nichts zu tun hätte.

Aber doch nicht die Korrektmenschen vom Rothaus. Da darf die Mitautorin Hürlimann «eine Reflexion über unsere Berichterstattung» absondern. Über unsere? Ja, auch über ihre eigene.

Zunächst werden die Erkenntnisse des Untersuchungsberichts ellenlang referiert – am 8. Mai, als hätten das selbst verschnarchte «Republik»-Leser nicht schon längst mitgekriegt. Aber auch hier gilt: wenn man eigentlich nichts zu sagen hat, sagt man’s auf 12’675 A.

Nach mehr als 9000 Buchstaben kommt Hürlimann endlich auf die Berichterstattung der «Republik» von damals zu sprechen: «Im März 2021 nahm sich auch die Republik der Vorkommnisse am Universitätsspital an.»

So, so. Ein «dreiköpfiges Autorinnenteam schilderte, … berichtete … thematisierte … beleuchtete die Frage …» und Blabla. Dann kommt Mitautorin Hürlimann etwas mehr zur Sache. Sie habe die beiden «Protagonisten» ins Zentrum gerückt: «Klinikdirektor Maisano, der in Mailand als Chefarzt an der Klinik San Raffaele in Mailand nach wie vor am Herzen operiert, und Whistleblower Plass, der heute für die SVP im Kanton Schwyz politisiert und regelmässig fürs Portal «Inside Paradeplatz» schreibt.»

Na, lieber Leser, wer von beiden ist wohl der Sympathischere? Von wem würden Sie sich am Herzen operieren lassen? Hm? Einmal raten, bitte.

Damals habe es eine «Medienlawine» gegeben, daran angeknüpft die pseudo-selbstkritische Frage: «Aber war die Republik nicht Teil dieser «Lawine»

Aber nein, weiss Hürlimann heute noch: «Unsere Berichterstattung deckt sich im Wesentlichen mit den Erkenntnissen einer Untersuchung, die von einer Subkommission des Zürcher Kantonsrats durchgeführt und zeitgleich mit unserem ersten «Herzkrise»-Artikel publiziert wurde.» Dass diese Untersuchung reine Weisswäscherei war, ungenügend, inkompetent und dermassen schlecht, dass sie dringend durch den aktuellen Untersuchungsbericht ersetzt werden musste – kein Wort drüber.

Also kein Hauch einer Selbstkritik? Doch, aber wirklich nicht mehr als ein Hauch, die Antäuschung eines Hauchs:

«Aus der Distanz und unter Berücksichtigung der neuesten Untersuchungsergebnisse stellen wir von der Republik fest: Zwar hat sich unsere systemische Kritik bestätigt – die Leitungsorgane des Universitätsspitals haben während der «Zürcher Herzkrise» total versagt. Zu optimistisch aber beurteilten wir die Innovationen und Intentionen von Klinikdirektor Maisano.»

Zu optimistisch? Das ist eine geradezu nordkoreanische Umdeutung eines krachenden Versagens. Das ist so, wie wenn ein Boxer k.o. geschlagen wird, und nach dem Aufwachen sagt: ich habe den Ausgang des Kampfes wohl zu optimistisch beurteilt. Das ist nicht mehr peinlich, das ist lachhaft.

Aber nicht mal so kann es Mitautorin Hürlimann stehen lassen: «Wir taten das auf der Grundlage zahlreicher Gespräche mit Herzspezialistinnen und der bis zu diesem Zeitpunkt vorliegenden Untersuchungen von Medizinerinnen oder von der Anwaltskanzlei Walder Wyss.»

Tja, aufgrund von viel weniger Gesprächen kamen andere zu ganz anderen, richtigen Ergebnissen in der Recherche.

Der Gipfel der Unverschämtheit ist aber, dass die «Republik», also die mitschuldige Autorin Hürlimann, Maisano heute noch in Schutz nimmt. Der äussere sich schliesslich im Untersuchungsbericht so:

«Der Mailänder Herzchirurg kritisiert in erster Linie die Zusammensetzung der Untersuchungskommission. Es fehle an interventionellen Kardiologen und damit an jenen Fachleuten, die seine Methoden korrekt beurteilen könnten. Diese unterschieden sich «grundlegend von der konventionellen Herzchirurgie». Und nicht zuletzt betont Maisano, die therapeutischen Entscheide seien stets von multidisziplinären Herzteams getroffen worden

Aus Geldgier ein dysfunktionales Cardioband verwendet, das zum Tod von zahlreichen Patienten führte und den Geldbeutel des Chirurgen durch den Verkauf des Patents füllte. Das wäre die Wahrheit. Aber die hat in der «Republik» schlechte Karten, keinen Platz.

Man kann mal daneben hauen. Aber auch noch Jahre danach im Licht der heutigen Erkenntnisse als Mitschuldige diese Schönschreibübung abliefern, das ist grotesk.

Das ist etwa so, wie wenn Relotius im «Spiegel» über seine Artikel räsonieren dürfte – oder Heidemann über die Hitler-Tagebücher im «stern». So wird der Bock zum Gärtner gemacht, wenn man das heutzutage über eine Frau noch sagen darf.

Chronik eines angekündigten Skandals

Am Unispital Zürich starben 70 Herz-Patienten, die anderswo überlebt hätten. Strippenzieher waschen weiter ihre Hände in Unschuld.

Von Isabel Villalon*

«Inside Paradeplatz» zeigt wieder einmal, wie kompetenter Journalismus geht. Mit dem folgenden Artikel und der Kritik an der verantwortlichen Regierungsrätin Natalie Rickli, die derweil im «Tages-Anzeiger» Weissewaschen betreiben darf. 

Es gibt Beiträge, die möchte man gar nicht erst schreiben. Man tut es doch, der Öffentlichkeit zuliebe, der Gesellschaft zuliebe, den Schwächeren zuliebe.

Spulen wir den Film zurück.

Im Jahr 2006 gründet der Israeli Yossi Gross zusammen mit seinem Vater Amir das Medtech-Start-up mit dem Namen Valtech Cardio Ltd. in Or-Yehuda, einem Vorort von Tel Aviv.

Gross entstammt aus dem Dunstfeld des Investors Eyal Liftschitz, Besitzer des israelischen Investment Fonds Peregrine Partners.

Liftschitz steuert das Grundkapital von lediglich 1,5 Millionen US Dollar für die Valtech Cardio Ltd. und hält 10 Prozent an der Unternehmung.

Vater und Sohn Gross dürften weit grössere Beteiligungen halten – Mehrheitsbeteiligung.

Und nun der Zeitsprung.

Im Jahr 2011 beteiligt sich der italienische med. pract. Francesco Maisano (weder doktoriert noch habilitiert) an der immer noch eher mickrigen israelischen Valtech Cardio Ltd.

In welchem Umfang?

Wieviele Aktien-Optionen er für seine Mitarbeit an der Entwicklung des zukünftigen Star-Produkts „Cardioband“ vertraglich zugesichert bekam, bleibt unbekannt. Noch.

Die versprochenen Aktien-Optionen dürften jedoch erklecklich gewesen sein, denn Maisano gibt Vollgas.

Einerseits nutzt er als Leiter der Herzklinik des Universitätsspitals Zürich (USZ) das Renommee der Klinik, um weltweit bei potentiellen Käufern der Valtech Cardio Ltd. mit CEO Yossi Gross auf Roadshow zu gehen.

(Entsprechende Roadshow-Präsentationen liegen auf meinem Schreibtisch.)

Andererseits setzt er das noch zu wenig erforschte Implantat Cardioband, an dem er als Erfinder mitwirkte, bei Patienten am USZ ein. Zu vielen Patienten.

Auch in Deutschland findet Valtechs Cardioband handverlesene, willige Operateure. Das Ziel ist, möglichst rasch das „CE Zertifikat“ für das Implantat zu erhalten.

Warum? Kasse.

Doch darauf kommen wir später zurück.

Die Leser werden sich nun sicher fragen: Dürfen experimentelle Implantate einfach so auf Schweizer Patienten losgelassen werden?

Nun, das System sieht sogenannte Einzelfallbehandlungen vor. Diese bedürfen einer vorgängigen Bewilligung von Swissmedic und der kantonalen Ethikkommission.

Diese zwei Organisationen haben sämtliche Cardioband-Eingriffe des med. pract. Maisano durchgewunken.

Warum?

Eine Frage lautet: Wurden zentrale Informationen seitens Maisano den Bewilligungsgebern vorenthalten?

Erstaunlich ebenfalls, dass den zuständigen Regierungsräten als obersten Aufsehern über die Zürcher Spitäler die vielen Sonderbewilligungen für Einzelfallbehandlungen mit experimentellen Implantaten an der Herzklinik des USZ nicht zugetragen wurden.

Kontrollmechanismen?

Anfang 2017 kauft die kalifornische Edwards Lifesciences die kleine Valtech Cardio Ltd. Die israelische Tageszeitung Haaretz erklärt triumphalisch: „Israel‘s Valtech sold for as much as 1 Billion US Dollar.“

Up-Front Zahlung von 340 Millionen, Restzahlungen gemäss abgemachten Milestones. Einer davon: Erhalt des „CE Zertifikats“ für das Cardioband, 50 Millionen Dollar Zahlung.

Kassiert.

Laut Angaben der israelischen Presse seien eigentlich nur 70 Millionen US Dollar in die diversen Produktentwicklungen der Valtech investiert worden (gemäss Eigenangaben des CEO). Geniales Geschäft.

Auf Kosten von wem?

Der renommierte Herzchirurg Professor Thierry Carrell traut im April 2018 seinen Augen nicht, als er in das Herz eines Cardioband-Patienten schaut.

Im Vorhof der linken Herzkammer zwei lose Schrauben aus Titan, je sechs Millimeter lang. Mit jeder Pumpbewegung des Herzens kullern sie herum.

Wer das überlebt hat einen Sechser im Lotto gewonnen.

Dr. med. André Plass, der spätere Whistleblower, schreibt einen Brief mit schwersten Vorwürfen zulasten Maisano an die Gesundheitsdirektion und an USZ-CEO Gregor Zünd.

Daraufhin wird der Whistleblower in bekannter Salamitaktikmanier plattgemacht. Karriere beendet. Ziviler beruflicher Tod auf Raten.

Die Cover-Up-Maschinerie des Kantons Zürich beginnt leise in den Hinterhöfen der Macht, wie eine träge, tonnenschwere Walze, zu dampfen. Böswillig, langsam, je nachdem beides.

Im Juni 2020 reicht Erika Ziltener, damalige Leiterin der Patientenstelle des Kantons Zürich, Strafanzeige gegen Francesco Maisano bei der Staatsanwaltschaft des Kantons ein.

Sorgfaltspflichtverletzung, begangen vom Chef der USZ-Herzklinik Maisano. Antwort? Nichtanhandnahme.

Der Tages-Anzeiger rollt den Fall auf, dieses Medium bleibt ebenfalls am Ball. Immer wieder erscheinen Artikel.

Kritisch werden die Maisanos Aktivitäten hinterfragt. Seit dem Jahr 2020 hat Regierungsrätin Natalie Rickli ein vollumfängliches Maisano Dossier auf ihrem Tisch.

Antwort? Volle Deckung.

Sprich, bezahlte Anwälte für eine interne Untersuchung aufbieten. In diesem Fall Walder Wyss und Partner.

Diese winden und würgen sich in ihrem Bericht durch – so gut, wie es halt der kaputte Sachverhalt erlaubt.

Lassen die Kardinalfrage jedoch aus: Wieviele Millionen kassierte Francesco Maisano aufgrund des Verkaufs von Valtech Cardio Ltd. an Edwards Lifesciences, deren erklärter Kaufgrund das „Star-Produkt“ Cardioband war?

Auch der Zürcher Kantonsrat wird als wichtiges Cover-Up-Zahnrad gebraucht. Unter dem Vorsitz einer FDP-Frau, Arianne Moser, kommt die Subkommission USZ zu einem Schluss, der nicht das Papier wert ist, auf das es gedruckt wurde.

Die Äffare Maisano sei eine Art Hahnenkampf unter Ärzten. Whistleblower gegen Maisano. Surreale Welt der dunklen Zürcher Machtstuben, wie eingangs erwähnt.

Trotzdem, Spitalrats-Präsident Martin Waser wird von Rickli in Pension geschickt, USZ-CEO Zünd darf bleiben.

Unter Zünd wirkt Maisano in der Herzchirurgie und darf nach Auffliegen des Skandals mit höchsten Tönen und Ehren zurück nach Italien gehen.

Es folgt ein weiteres offenbarendes Kapitel. Der Nachfolger Maisanos an der Herzklinik, Professor Paul Robert Vogt, muss im April 2024 vors ein Zürcher Gericht, wegen eines gegen ihn angestrengten Prozesses in einem anderen Fall.

Die Bezirksrichterin sprach Vogt vollumfänglich frei. Doch Vogt sagt in seinem Plädoyer:

Im Zeitraum von 2016 bis 2020 sind 150 Patienten unter fragwürdigen Umständen verstorben, es herrschte unethisches und kriminelles Verhalten an der USZ Herzklinik.“

Die Antwort der Gesundheitsdirektion des Kanton Zürich in üblicher Manier. Mauern.

Die Vorfälle seien schon alle untersucht worden. Punkt.

Doch so einfach liessen sich die Aussagen vor Gericht des Nachfolgers von Maisano nicht in den Wind schlagen. Die ganze Affäre drohte dem System Zürich vollkommen zu entgleiten.

Eine vollständige, wirklich unabhängige Untersuchung musste her, bevor es zu noch grösseren Reputationsschäden für die Zürcher Institutionen kommt – schliesslich ist die Schweiz ja auch ein Rechtstaat.

Oder nicht?

Der Spitalrat als direktes Aufsichtsorgan des USZ beauftragt im August 2024 den ehemaligen Bundesrichter Niklaus Oberholzer mit der Führung einer unabhängigen Untersuchungskommission.

Deren dramatische Schlussfindung und die Entschuldigung des Spitalrates für das Geschehen sind seit gestern bekannt.

Und nun, welche Fragen stellen sich? Warum hat das System Kanton Zürich so lange die Cover-Up-Maschinerie walten lassen?

Warum ist Regierungsrätin Natalie Rickli noch auf ihrem hochdotierten Posten? Warum hat die Staatsanwaltschaft Zürich seit 2020 nichts unternommen (trotz Strafanzeige seitens Patientenstelle Zürich)?

Welches surreale Spielchen trieb Arianne Moser, ehemalige FDP-Kantonsrätin, Zuständige für die USZ-Subkommission im Parlament, heute im VR der zur AG mutierten ehemaligen Kantonsapotheke?

Weshalb winkten sowohl die kantonale Ethikkommission als auch Swissmedic die Sonderbewilligungen für nicht erprobte Implantate in solcher Anzahl durch?

Wer wird nun die Angehörigen der Verstorbenen und die lebenslang Geschädigten entschädigen? Mit wessen Geld?

Eine Schlussbemerkung für die Staatsanwaltschaft Zürich: Israel liefert keine eigenen Staatsbürger aus.

Im Fall Italien könnte eine Auslieferung an die Schweiz verweigert werden, müsste aber nicht. Selbstverständlich gilt für alle Beteiligten die Unschuldsvermutung.

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*Der Artikel erschien zuerst auf «Inside Paradeplatz». Mit freundlicher Genehmigung.

Nicht komisch

Tamedia spart jetzt auch beim Humor.

Felix Schaad war seit 1999 für den «Tages-Anzeiger» am Zeichenstift. Sicher ist ihm nicht immer alles gelungen. Und so jemanden wie Nico (ältere Semester erinnern sich) findet man halt auch nicht alle Tage.

Nun ist der Karikaturist in die wohlverdiente Pensionierung abgeschwirrt. Und der 36-jährige Marco Arrigoni übernahm ab 1. April ohne Scherz. In einem 50-Prozent-Pensum, also sozusagen als halbe Portion.

In seinem Werdegang werden Highlights wie Mitarbeit bei der schnarchlangweiligen Late-Night-Show «Deville» und verschiedene Satire-Formate in der Schweiz und in Deutschland aufgeführt.

Allerdings würde selbst Ex-Bundesrat Johann Schneider-Ammann über das Schaffen von Arrigoni niemals sagen: «Rire c’est bon pour la santé». Denn bei dem gibt es wirklich nichts zu lachen, hat der arme Leser nichts zu lachen.

Oder anders formuliert: ein unbeholfener Zeichnungsstil paart sich perfekt mit holprigen Scherzen. Dazu müssen wir nun ein paar Bildzitate bringen:

«Er hat eins an der Glocke»? Man kann etwas an die grosse Glocke hängen (was man bei diesem Schwachscherz unterlassen sollte), man kann jemandem eins auf die Glocke hauen, man kann die Glocke von Friedrich Schiller zitieren oder man kann eins auf die Glocke kriegen. Aber man hat eins an der Waffel. So viel zum Inhalt. Zeichnerisch ist zu sagen: das Strichmännchen links soll Präsident Trump sein, das Strichmännchen rechts König Charles.

Oder dieser hier:

Öhm. Also links, das soll offenbar eine Urinprobe sein. Die bis heute für Dopingtests verwendet wird. Und rechts der Laufschuh des Marathon-Manns. Ist der nun gedopt? Wird der Schuh auf Doping untersucht? Wieso ist nun Material entscheidender als Urin? Sicher kein Spitzenwitz über den Spitzensport. Dafür garantiert ungedopt.

Aller schlechten Dinge sind drei, noch einer:

Der dunkelbraune Fleck hinten soll offenbar ein Wal sein. Der obere Nacktschwimmer mit falsch angesetztem Arm soll Präsident Trump sein, der untere mit deutlich verkürzten Beinen der abgewählte Ministerpräsident Orbán. Soweit ist das Bilderrätsel entschlüsselbar. Nur: der Witz ist wohl abgesoffen, vom Wal verschluckt worden, laut schreiend aus der Malträtur – eine Karikatur kann man das nicht nennen – geflohen.

Geht da doch noch einer, ist eine Absenkung – eine Steigerung kann man das nicht nennen – möglich?

Dankää, sagt da verständnislos der Bündner, was soll da komisch sein? Die beiden Schweine oder Rinder mit draufgepappten langen Hörnern vorne sollen wohl Steinböcke sein. Und wo soll da ein Bancomat explodieren, mitten in der Pampa oder im Wald?

Nun wird nicht jeder als Gary Larson geboren Oder als Luis Murschetz oder F.K. Wächter. Von Daumier, Hogarth,  Disteli oder Leiter ganz zu schweigen.

Aber das hier?

Das ist die Errichtung einer humorfreien Zone mit Zeichnungen auf Kindergartenniveau. Da vergisst jemand ständig, einen Scherzkeks zu frühstücken.

Dabei wäre die Lösung ganz einfach und auf der Hand liegend. Zudem ganz im Sinne von Big Boss Pietro Supino. Denn wenn immer mehr Artikel – so sie nicht von der Süddeutschen übernommen werden – mit KI hergestellt werden, wenn KI nun auch die Moderation von Leserbriefen übernimmt, wieso dann nicht KI als Karikaturist?

Schlechter kann’s ja wohl nicht werden, besser alleweil. Und, lieber Herr Supino, aufgepasst, es wäre kein 50-Prozent-Job. Sondern 100 Prozent gratis!

Die KI-Karikatur über dem Artikel ist vielleicht nicht oberste Liga. Aber zeichnerisch und inhaltlich allem hier Gebotenen haushoch überlegen.

Der wahre Weltkrieg

Das Tischtuch (und das Bettlaken) sind zerschnitten. Die Enthüllung.

Vergesst Iran. Vergesst die Ukraine. Vergesst den Sudan oder Myanmar (das haben wir ja schon). Denn in Wirklichkeit tobt ein Krieg hier vor unserer Haustüre. In unseren Wohnungen. Auf den Strassen. Dank gebührt Silvana Schreier vom Qualitätsorgan «Tages-Anzeiger», dass sie endlich ein Zeichen setzt, dieses Menschheitsverbrechen unerschrocken denunziert und ans Tageslicht zerrt.

Täter und Opfer, die Rollen sind klar verteilt. Wache auf, Öffentlichkeit: «In den vergangenen Wochen wurden mehrere besorgniserregende Fälle bekannt.» Aber was tun die Männer, diese Schweine? «Während Frauen mit Schock und Solidarität für Collien Fernandes reagierten, googelten Männer nach «Nacktbild» und «Collien Fernandes Porno»

Es soll allerdings Frauen geben, die das nicht taten, und Männer, die das ebenfalls nicht taten.

Der Krieg findet im Untergrund statt, aber mutige Journalisten enthüllen ihn, denn es gebe «eine verstörende Schattenwelt digitaler Netzwerke, in der Männer systematisch dazu angeleitet werden, ihre Partnerinnen zu betäuben und zu missbrauchen».

Merkt auf. Wer dachte, die Killing Fields im Gazastreifen oder sonstwo, wo die israelische Regierung Kriegsverbrechen verübt, sei ein gefährliches Pflaster, wer meint, gegen die Mullahs im Iran zu protestieren, sei mit Lebensgefahr verbunden, der übersieht das wahre Schlachtfeld: «Jede vierte Frau erlebt irgendwann in ihrem Leben körperliche, sexuelle oder psychische Gewalt durch den eigenen Partner. Das eigene Zuhause, wenn man es denn mit einem Mann teilt, ist schon längst der gefährlichste Ort für die Hälfte der Menschheit.»

Echt jetzt? Aber sicher: «Das zeigen zahlreiche Statistiken.» Da begeben wir uns allerdings wieder in den Antagonismus Frau und Mathematik. Denn Schreier führt an: «2025 wurden in der Schweiz 22’066 Straftaten im Bereich häuslicher Gewalt verzeichnet.» Selbst unter der irrigen Annahme, dass sich diese Gewalt ausschliesslich gegen Frauen richtete, wären das bei 4,16 Millionen Haushalten – 0,5 Prozent. Und nicht 25. Das kann nicht mal eine gigantische Dunkelziffer wegerklären.

Schlimmer noch: «Alle zwei Wochen verübt hier ein Mann einen Femizid.» Abgesehen davon, dass es keine offizielle Statistik darüber gibt: laut polizeilicher Kriminalstatistik gab es 2025 im häuslichen Bereich 34 Tötungsdelikte, 23 der Opfer waren Frauen. Auf eine weibliche Gesamtbevölkerung von 4,6 Millionen gerechnet waren das – 0,0005 Prozent.

2024 gab es 250 Verkehrstote in der Schweiz. Also ist der Verkehr eine viel tödlichere Bedrohung für Frauen …

Unfreiwillig komisch ist dann der Folgesatz von Schreier:«Der Satz «Gib Bescheid, wenn du gut nach Hause gekommen bist» ist Standard unter Frauen.» Aber laut ihr fängt die Gefährdung dort doch erst richtig an.

Denn «sie fürchten um ihre Unversehrtheit – zu Hause, auf der Strasse, im Netz». Aber damit nicht genug. «Das traditionelle Rollenbild gewinnt an Zustimmung. Und genau hier tut sich der Graben zwischen den Geschlechtern auf.»

Schlimmer noch, es gibt Verräterinnen in den eigenen Reihen bei diesem Überlebenskampf der Frauen. «Gleichzeitig trendet auch bei den Frauen der Begriff «Tradwife». Das sind traditionelle Hausfrauen, die in den sozialen Medien zeigen, wie sie Kuchen backen und in klassischem Rollenbild für ihre Familie sorgen.» Furchtbar, Frauen backen Kuchen und sorgen für ihre Familie. Pfui.

Die Folgen sind grauenhaft: «Die perfekte Ergänzung zur Manosphere – ein Tummelplatz für antifeministische, frauenfeindliche und sexistische Ansichten, die über Social Media verbreitet werden.»

Wer hätte gedacht, dass das Kuchenbacken der Anfang vom Ende ist: «Doch wohin führt das? Wenn Frauen nur noch in den konservativen Rollenbildern als wertvoll erachtet werden, sinkt sowohl in realen als auch in digitalen Räumen die Hemmschwelle. Diese Grundhaltung ist der Nährboden für Gewalt, Missbrauch und Übergriffe

ZACKBUM dachte bislang, dass alle Männer halt Schweine sind. Schreier belehrt uns eines Schlechteren. Männer führen Krieg gegen Frauen. Es gibt kein friedliches Zusammenleben mehr, Gräben tun sich auf, Abgründe. Frauen sind Freiwild, gejagt im Netz, auf der Strasse, gar zu Hause.

Unbewaffnet sollte keine Frau mehr in die Öffentlichkeit treten, der Pfefferspray sollte auch neben dem Bett und beim Kuchenbacken griffbereit sein.

Wohin führt das? Nun, zur Apokalypse, zum Armageddon, zum Endkampf, zur Entscheidungsschlacht. Männer gegen Frauen, Frauen gegen Männer. Es kann nur einen Sieger geben. So oder so ist die Menschheit dann zum Untergang verurteilt.

Was die Kampf- und Krampfschreiberin allerdings wohlweislich übersieht: Gewalt gegen Frauen ist oftmals gekoppelt an die Herkunft und Sozialisation der Täter. Was die sich vergaloppierende Fanatikerin übersieht: es gibt schätzungsweise 25’000 von weiblicher Genitalverstümmelung betroffene oder gefährdete Mädchen und Frauen – in der Schweiz. Kein Wort dazu …

Das wird sicherlich für Geschrei im dumpfbackigen kampffeministischen Lager sorgen, aber: ist die Tages-Anzeigerin inzwischen von allen guten Geistern verlassen, mindestens der Hälfte ihrer Leser einen solchen Schwachsinn in die Fresse zu hauen? Gefährlich-dummes Geranze, unfundiert, bar jeglicher Evidenz oder Absicherung durch reale Fakten.

Eine Kriegserklärung ohne Sinn und Verstand.

Tamedia im Tiefschlaf

Angriff Israels und der USA auf den Iran: ist da was?

Die NZZ, der «Blick», «20Minuten», CH Media, «blue news», auch «nau.ch» vermelden am frühen Samstagmorgen: «Israel greift Iran an». Das ist möglicherweise der Anfang eines neuen Krieges.

Für den Qualitätsblattkopfsalat Tamedia kein Grund, aus dem wohlverdienten Tiefschlaf zu erwachen. So sah die Homepage noch vor 8.06 h aus:

Eine dreiteilige Serie, gut abgehangen, damit machen die Blätter an der Werdstrasse auf. Am Samstag ruht die normale Redaktion; da arbeitet nur die Rumpfmannschaft der «SonntagsZeitung», insofern das Blatt nicht schon im Verlauf der Woche vorproduziert wurde.

Aber dann, lass niemals eine breaking news ein stolzes, selbstgebasteltes Stück verdrängen, hängt auch Tamedia um 8.07 h die Neuigkeit rein, belässt die Serie aber weiterhin zuoberst:

Tamedia schreibt – wie die anderen auch – Tickermeldungen von DPA, Reuters, AFP und so weiter ab. CNN hat schon längst Live-Aufnahmen auf seiner Webseite, natürlich auch die grossen angelsächsischen Zeitungen.

Sogar die alte Tante nimmt eine Sonderfarbe aus dem Regal und traut sich für ihre Verhältnisse ein Riesenbild zuoberst:

 

Nun ist «Der Arzt, der sich zu Tode arbeitete» ein Rührstück, auf das Catherine Boss und Thomas Knellwolf offensichtlich furchtbar stolz sind.

Allerdings ist der Angriff wieder mal ein Ereignis, das die gestern Nacht abgeschlossenen Printausgaben alt aussehen lässt, wenn sie noch druckfrisch in den Briefkästen lagern.

So sieht zum Beispiel das aus, das der Kopfblattsalat seinen Print-Lesern am Samstagmorgen servierte:

Die Studie über Instagram-Werbung staubt so richtig vor sich hin, und das angeblich künstlerisch bearbeitete Patina-Foto des Arztes verleiht der Frontpage den Groove von alter Möbelpolitur.

Dafür kann natürlich keiner was, das ist halt die Tragik einer eigentlich obsolet gewordenen Methode, Nachrichten zu distribuieren.

Die NZZ hingegen landet einen Glückstreffer, denn selbst God Almighty Eric Gujer konnte nicht ahnen, als er seinen grossen Welterklärungskommentar schrieb, dass er mit seiner Prognose genau richtig liegt:

Die NZZ nimmt sogar den sich anbahnenden Krieg zwischen Pakistan und den Taliban gross mit, womit die These widerlegt wäre, dass Zeitungen normalerweise nur einen Kriegs aufs Mal auf die Reihe kriegen.

Da hat es schon etwas Verschmocktes, wenn der Tagi unerschütterlich an seiner Eigenproduktion festhält; nochmals in aller Schönheit:

Allerdings bedient auch die «Berner Zeitung» aus dem gleichen Hause einige Vorurteile, die man gegen die Bewohner dieses Kantons hat:

 

Und natürlich, der Fluch des Verschiebebahnhofs einer Zentralredaktion, wo Artikel wie Legosteine zusammengestöpselt werden, muss auch die «Basler Zeitung» zuoberst etwas Lokales abfeiern:

Während aber ansonsten CH Media dem Lokalen frönt, hat man hier die Bedeutung des Ereignisses richtig eingeschätzt:

Wahrscheinlich war Qualitätspapst Simon Bärtschi, die publizistische Leiter nach unten bei Tamedia, nach seiner Qualitätssteigerung bei der Behandlung der SRG-Initiative so erschöpft, dass er hier nicht schon wieder eingreifen konnte. Dass dieser Konzern immer noch ein wichtiger Bestandteil der öffentlichen Meinungsbildung ist, Zürich, Bern und Basel beschallt, dabei immer deutlicher zu erkennen gibt, dass ihm journalistische Professionalität schnurzegal ist, ein Trauerspiel. Oder sagten wir das schon.

Friede, Freude, Eierkuchen

Mit dem Tages-Anzeiger auf Eiersuche.

Von Thomas Baumann
«‹100 Prozent arbeiten geht gar nicht!› Ein Gen-Z-ler bekommt einen Vollzeitjob — und einen Schock», so begrüsste einen der «Tages-Anzeiger» pünktlich zum 1. November.
Gleich darunter das Bild eines jungen Mannes — vermutlich Herr Genzler — der deklariert: «Ihr wollt mir doch nicht sagen, dass das das Leben ist!» Konkret beschwert er sich, dass er um 7:30 Uhr aus dem Haus muss und erst elf Stunden wieder vor der Haustüre steht. Und deswegen kommt er zum Schluss: «Ich muss auf jeden Fall meine Stunden reduzieren, 100 Prozent geht gar nicht.»
«Dass das das»: schon mal eine reizvolle Art, Worte aneinanderzureihen. Bürgerlich heisst Herr Genzler allerdings Julian Kamps. Julian wie? Nun, der Herr ist — so belehrt uns «20 Minuten», welches über solche Dinge natürlich immer bestens informiert ist — offenbar Influencer und «Germany’s Next Topmodel»-Teilnehmer.
Ein Video von ihm ging kürzlich angeblich «viral» und die dadurch ausgelöste Magen-Darm-Grippe kulminierte offenbar in einem «Shitstorm». Das ist natürlich Grund genug für das ‹Qualitätsorgan› «Tages-Anzeiger», sich dieser ausgesprochen wichtigen Person der Weltgeschichte anzunehmen.
Und weil sich wichtige Personen ja bekanntlich nur zu wichtigen Themen äussern, erhält das Blatt dadurch auch Gelegenheit, sich sehr gewichtigen Themen zuzuwenden.
Zuerst lässt sich die Redaktorin zwar ellenlang über die Befindlichkeiten von Personen aus, denen der normale Arbeitsalltag offenbar zu lang ist, inklusive Zitate in bedenklichem Deutsch: «Man gewöhnt sich ein Stück weit an den Pain, aber eigentlich hassen wir es doch alle. Warum lassen wir das die jungen Leute nicht endlich mal laut aussprechen, statt sie zu shamen.»
Doch dann, harte Recherche sei Dank, findet sie doch noch das Ei des Kolumbus:
«Isländische Betriebe verzeichnen höhere Produktivität und weniger Krankheitsausfälle durch reduzierte Arbeitszeiten.»
Mit einer Bevölkerung von 400’000 und einem BIP von 27 Milliarden Franken ist Island natürlich ein wirtschaftliches Schwergewicht. Aber gut, man muss die Beispiele eben dort nehmen, wo man sie findet. Immerhin handelt es sich dabei um «Forschung», wie die Redaktorin bedeutungsvoll anmahnt.
«Mittlerweile legt die Forschung zum Thema nahe, dass eine 40- oder gar 45-Stunden-Woche keineswegs das Nonplusultra an Produktivität bedeutet. Im Gegenteil, es heisst, dass die Viertagewoche sich häufig sogar profitabel auswirkt, der Absentismus sinkt, Qualität und Output zunehmen.»
Der Ökonom wagt anzumerken: Produktivität bezeichnet (in diesem Fall) den Output per Zeiteinheit, also z.B. pro Arbeitsstunde. Dass dieser zunimmt, wenn die Leute weniger lang arbeiten, leuchtet ein: Wer nur hundert Meter rennt, rennt in der Regel auch schneller als jemand, der einen Kilometer rennt. Output hingegen ist Produktivität multipliziert mit der Arbeitszeit — wenn letztere abnimmt, ist auch bei steigender Produktivität kein höherer Output garantiert.
Das hindert die Redaktorin aber nicht, ihr Loblied auf Island anzustimmen: «Ab 2019 hat Island nach und nach weitgehend auf eine Viertagewoche von durchschnittlich 35 Stunden bei vollem Lohnausgleich umgestellt. Weniger Burn-outs und sonstige Krankheitsausfälle sprechen eine deutliche Sprache. In Island ist von einer Win-win-Situation die Rede.» 35 Stunden verteilt auf vier Tage, ergibt nach Adam Riese 8 Stunden und 45 Minuten pro Tag.
«Neun Stunden täglich sind zu viel», meint die Redaktorin bloss zwei Abschnitte weiter. 8 Stunden und 45 Minuten aber offenbar kein Problem. «Ab 40 Stunden erhöhe sich das Risiko, ein Burn-out zu erleiden, zynisch zu werden», belehrt sie uns weiter. Obwohl das auf fünf Tage umgerechnet ja ‹nur› acht Stunden pro Tag ergibt. Aber gut, lassen wir die Rechnerei.
Einen Tag später begrüsst uns Matthias Chapmann, stellvertretender Chefredaktor, im Morgen-Newsletter des Tages-Anzeigers. Was zeigt uns das? Offenbar hat man im Konzern derart viele Stellen eingespart, dass jetzt schon stellvertretende Chefredaktoren den Newsletter schreiben müssen.
Chapman hat sich aber offenbar die Lektion von Alexandra Kedves, dass man sich nicht überarbeiten solle, zu Herzen genommen. Empfehlt er der Leserschaft doch einen Artikel, den er selber ganze fünf Tage früher geschrieben hat.
Und nein, es handelt sich dabei durchaus nicht um die grosse Enthüllungsstory der Woche, sondern um einen Text, welcher beschreibt, welche «neun Alternativen gegen den News-Frust» der «Tages-Anzeiger» bereithalte: Ein Newsletter, die Rubrik «Das Wichtigste des Tages», ein E-Paper (sic!), Podcast, Vorlesefunktion, die Rubrik «Redaktion empfiehlt», «das Magazin» (war da mal was?) und die wöchentliche Glückskolumne.
Ob durch das arbeitssparende Wiederaufwärmen solcher Geschichten fünf Tage später wohl «Qualität und Output» zunehmen? Oder versuchte uns der gute Herr Chapman hier einfach ein Ei unterzujubeln? What a chap…

Wumms:Fabian Renz

Der Schwurbler tut so, als wäre er blöd. Leserverarsche, Part III.

Renz fragt ja nur mal:

Dabei weiss er in Wirklichkeit ganz genau: nein. Ein Viertel der Bevölkerung sieht das laut Meinungsumfragen anders. Aber Alt Bundesrat Ueli Maurer «geht es um etwas anderes».

Der Reihe nach. Fabian Renz ist ein woker, linksgewickelter Journalist mit hohem Drang, seine Leser belehren, bevormunden und erziehen zu wollen.

Absurdes Auslöschen des Begriffs Mohr in Zürich? «Auf diese Inschriften können wir verzichten», dekretiert er im Pluralis majestatis.

Auch die ehemals kluge Haltung der Schweiz, die in der Verfassung festgeschriebene Neutralität, ist ihm ein Dorn im Auge: «Die Neutralität zeigt wieder mal ihr kaltes Zahnpastalächeln

Als ehemaliger «Leiter des Bundeshausteams» war er nie um einen Ratschlag an die Landesregierung verlegen, Der er zuerst mal die Knöpfe reintut: «Die Landesregierung ist aus dem Gleichgewicht». Das müsste sie schleunigst ändern: «Das Parlament muss diesen Zustand 2023 korrigieren.»

Also der typische Rechthaber, Besserwisser, Grossinquisitor und Mainstream-Meiner. Nun erregt seine Aufmerksamkeit, dass ein illustres Häufchen einen Verein gegründet hat, den Leonhard-Kreis. Präsident Ueli Maurer, im Vorstand Thilo Sarrazin und Hans-Georg Maassen.

Kollega Helene Obrist hat bereits einem «Experten» Gelegenheit gegeben, den Verein in die Pfanne zu hauen. Dass der «Experte» Co-Präsident der «Operation Libero» ist, die dem Verein Leonhard ideologisch konträr gegenüber steht, das unterschlug sie dem Leser. Für das gleiche Qualitätsorgan arbeitet Renz.

Der äussert ja nur seine Meinung:

«Man könnte versucht sein, die Gründung eines solchen Vereins durch ein Grüppchen älterer, längst aus Amt und Würden geschiedener Herren als spleenigen Aktionismus abzutun.»

Das wäre aber laut Renz ganz falsch, denn dem Verein gehe es überhaupt nicht um die Verteidigung der Meinungsfreiheit: «Stattdessen beklagten sich die Referenten über «Moralkeulen», «Inquisition», Sprachpolizei», «Denkverbote», «gesellschaftlichen Generalverdacht» – und ebenso unscharf wie diese Floskeln blieb auch, gegen wen sich die Vorwürfe eigentlich konkret richten.»

Dabei ist es doch sonnenklar: gegen Rechthaber wie Renz.

Schlimmer noch: «Die vernebelnden Begrifflichkeiten sind ein Wesensmerkmal des rechtskonservativen Diskurses um die Meinungsfreiheit – und eine seiner grossen Stärken.»

Denn hinter diesem Gejammer stecke eine von Renz enttarnte Absicht: «Es geht nicht um freie Rede, sondern um Macht. Die Klage über bedrohte Meinungsfreiheit ist der Auswuchs eines viel älteren Gefühls – der in rechten Kreisen weitverbreiteten Ansicht nämlich, dass man in den führenden Institutionen des Bildungswesens, der Medien und der Kultur unterrepräsentiert sei.»

Das ist zwar keine Ansicht, sondern eine belegbare Tatsache.

In den USA holze Trump da schon kräftig ab. «In der Schweiz und in Europa sollten wir daher wachsam bleiben. In der Logik von Maurer, Maassen und Co. könnte auch dieser Kommentar hier bereits ein Angriff auf die Meinungsfreiheit sein. Obschon er bloss eine Meinung wiedergibt.»

Renz tut so naiv und blöd. Vielleicht ist er es auch. Denn in seinem Kommentar wird er sich nicht bewusst, dass er genau diesen inquisitorischen Diskurs pflegt, vor dem Maurer und seine Mitstreiter warnen. Renz denunziert, missversteht absichtlich die Absichten dieses Vereins, diskreditiert seine Initiatoren, schreibt für ein Organ, das sich nicht entblödet, einen politischen Gegner dieses Vereins als «Experten» zu präsentieren.

Sein Kommentar ist keineswegs ein Angriff auf die Meinungsfreiheit und würde von diesem Verein auch nie so denunziert werden, da will sich Renz vergeblich als potenzielles Opfer darstellen. Sein Kommentar illustriert hingegen unfreiwillig, wogegen dieser Verein antritt.

Renz selbst als Leiter des Ressorts «Analysen und Meinungen» würde niemals zulassen, dass eine seiner vorgefassten Meinung widersprechende Ansicht im «Tages-Anzeiger» publiziert werden dürfte. Das ist nun keine Zensur im klassischen Sinne. Aber wenn nicht mal in einem Kommentar das Wort «zackbum» auftauchen darf, ohne dass er zensiert wird, dann repräsentieren Renz und sein klägliches Blatt doch genau das, was sie als nicht-existent abstreiten.

Nämlich eine woke Blase von rechthaberischen Gutmenschen, die die Weisheit mit Löffeln gefressen haben und ihre Leser unablässig belehren wollen und dazu anhalten, bessere Menschen zu werden. Während Maurer & Co. ihrer Ansicht nach dieser löblichen Absicht im Wege stehen und daher entweder totgeschwiegen – oder niedergemacht gehören.

Sozusagen ein Widerspruch in sich selbst, dieser Herr Renz. Nur merkt er es nicht mal. Also tut er vielleicht nicht nur so, als sei er blöd.

 

 

Leserverarsche beim «Tages-Anzeiger»

«Experte» von der Operation Libero «warnt» vor bürgerlichem Verein.

Von Philipp Gut*

So frech manipuliert der «Tages-Anzeiger» seine Leser. Die Schlagzeile des Aufmachers im Zürich-Bund des «Tages-Anzeigers» ist reisserisch: «Claudio Zanetti gründet Verein – Experte warnt».

Plant der ehemalige SVP-Nationalrat etwa ein Attentat auf einen Bundesrat? Will er, wie es kürzlich die Linksextremen getan haben, die Bundesstadt anzünden? Will er an der Volksschule die Rute einführen?

Natürlich nicht. Der Verein – er nennt sich Leonhard-Kreis – will das Gegenteil: Er will Demokratie, Bürgerrechte und Freiheit stärken. Ihm gehören hochverdiente und prominente Mitglieder an, wie der ehemalige Bundesrat Ueli Maurer (SVP), der den Verein präsidiert, oder der ehemalige Berliner Finanzsenator und Vorstand der Deutschen Bank, Thilo Sarrazin, oder der ehemalige Präsident des Bundesverfassungsschutzes, Hans-Georg Maassen.
Für den «Tages-Anzeiger» ist es aber eine Gefahr, vor der gewarnt werden muss, wenn solche Persönlichkeiten sich für den Rechtsstaat einsetzen. Er zitiert dafür einen «Experten» namens Stefan Manser-Egli, ein Postdoktorand, der zu «Staatsverweigerung und Souveränismus» forsche.

Schon der Begriff «Souveränismus» spricht Bände: Es ist ein wissenschaftlich verbrämter Kampfbegriff, der das Eintreten für die Souveränität von Staaten und Individuen negativ belegt. Dieser «Experte» ordnet den Verein für den Tagi am «rechten Rand» ein – «einordnen» ist ja auch so ein Codewort für Kästchendenken und Leserbevormundung. Der explizite Vorwurf dabei, pfui: «Der Staat gehöre zurückgebunden.»

Doch die Warnungen vor dem Verein, der sich erst am Montag (27. Oktober) öffentlich vorstellte, gehen noch weiter: «Man organisiere sich bewusst ausserhalb demokratischer Strukturen und gebe sich politisch neutral.» Ja klar, Ueli Maurer will die Demokratie abschaffen!

Solche Experten entlarven sich selbst. Aber die Causa wird noch lustiger, wenn man weiss, was der Tagi seinen Lesern unterschlägt: Dieser Stefan Manser-Egli ist Co-Präsident der Operation Libero, gemeinsam mit Sanija Ameti, die Schlagzeilen machte, weil sie auf ein Heiligenbild von Jesus und Maria schoss.

Wow! Wir sind beeindruckt. Was für eine journalistische Leistung, den Co-Präsidenten der Operation Libero als unabhängigen «Experten» zu verkaufen und den Lesern vorzuenthalten, was dieser Experte politisch so treibt. Dieses Kunststück hat den Zürcher Journalistenpreis verdient.

Auf Anfrage, warum sie diese wesentliche Information über ihren «Experten» den Tagi-Lesern vorenthalten habe, antwortete Autorin Helene Obrist schnippisch: «Wir haben Stefan Manser-Egli als Wissenschaftler eingeführt, da die Zitate im Artikel seine Forschung in den Bereichen Staatsverweigerung und Souveränismus untermauern. Dies war die relevante Qualifikation für die Einordnung des von Claudio Zanetti gegründeten Vereins.»

Logisch untermauern Zitate von Manser-Egli Forschungszitate von Manser-Egli. Wieso dieser Zirkelschluss allerdings eine Qualifikation sein soll, und wieso seine Funktion bei der Operation Libero für den Leser unerheblich sein sollte, weiss nur Qualitätsjournalistin Obrist.

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Dieser Artikel erschien zuerst in der «Weltwoche online». Mit freundlicher Genehmigung. Die Anfrage an die Autorin und deren Qualifikation stammt von ZACKBUM.

Persona non grata

Was erlaubt sich die ukrainische Botschafterin in der Schweiz?

Jedes Medienorgan, das etwas auf sich hielte, würde solche Sätze nicht unkommentiert oder nicht hinterfragt publizieren: «Ein Auftritt von Anna Netrebko in Zürich wäre eine Weisswaschung des Kreml».

Diese Ansicht ist, wie anderer Schwachsinn, natürlich von der Meinungsfreiheit gedeckt. Nach der Devise: jeder (und jede) kann sich öffentlich zum Deppen machen.

Hier handelt es sich allerdings um die ukrainische Botschafterin Iryna Wenediktowa in der Schweiz. Solche Frechheiten würden mindestens die Nachfrage des Journalisten verdienen, ob es sich dabei nicht um eine unstatthafte Einmischung in innere Angelegenheiten des Gastlandes handelt.

Erschwerend kommt noch hinzu, dass Grossinquisitorin Wenediktowa eine Vorgeschichte in ihrem eigenen Land hat. Wie der selbe «Tages-Anzeiger» 2023 vermeldete («Zu Hause ist ihr Ruf ruiniert»), ist die ehemalige Generalstaatsanwältin übel beleumundet:

««Oligarchenjägerin? «Das war sie sicherlich nicht», entgegnet Oleksi Sorokin, Journalist bei der Onlinezeitung «Kyiv Independent»: Wenediktowas Reputation in der Ukraine sei «ziemlich übel». Für unabhängige Medien und Organisationen der Zivilgesellschaft steht ihr Name stellvertretend für das Versagen der Regierung unter Präsident Selenski, die Justiz zu reformieren, die grassierende Korruption zu bekämpfen und korrupte Oligarchen vor Gericht zu bringen»,

beklagte der Tagi damals.

Noch dickere Post: ««Wenediktowa «sabotiert den Rechtsstaat», klagte im Dezember 2020 der bekannte Journalist Serhi Leschtschenko in einem Meinungsbeitrag in der «Kyiv Post». Er habe seine Meinung nie geändert, sagt Leschtschenko heute. Der ehemalige Chefredaktor Brian Bonner kennt «keinen einzigen Fall, den Wenediktowa als Generalstaatsanwältin abgeschlossen hat». Im Gegenteil: Sie habe dafür gesorgt, dass etliche Ermittlungen gegen prominente Verdächtige eingestellt worden seien.»

Eine Dame mit einer solchen Vorgeschichte wagt es, am Auftritt einer weltberühmten Sängerin in ihrem Gastland herumzumeckern. Immerhin wagt es Cyrill Pinto, eine halbwegs kritische Frage zu stellen:

«Netrebko hat sich 2022 vom Krieg distanziert und den Angriff Russlands auf die Ukraine verurteilt. Reicht das nicht
Allerdings verlässt ihn sein Mut, diese absurde Antwort der Botschafterin kritisch zu hinterfragen:

«Es genügt nicht, einmal einen Satz zu schreiben, man sei «gegen den Krieg». Wenn jemand über Jahre bewusst Teil eines Regimes war, muss sie oder er auch Verantwortung übernehmen und wenigstens einen gleich grossen Teil dessen tun, was sie zuvor zur Verherrlichung dieses Regimes beigetragen hat. Netrebko hätte sich aktiv für die Opfer einsetzen können – etwa für ukrainische Künstlerinnen und Künstler, die ihr Leben verloren haben, oder für Familien, die alles verloren haben.»

Sie darf noch weiteren Nonsens unbehindert absondern: «Kultur kann Brücken bauen, ja. Aber sie kann auch benutzt werden, um Kriegsverbrechen zu verdecken.»

Sollen also Künstler aus Israel, dem Iran, Venezuela und ungefähr weiteren 150 Ländern der Welt nicht mehr in der Schweiz auftreten dürfen, weil sie damit Kriegsverbrechen «verdecken» würden? Und wie steht es mit Künstlern aus der Ukraine, eines der korruptesten Länder der Welt, das auf Pressefreiheit scheisst und wo ein Präsident unter Ausnützung des Kriegsrechts demokratisch nicht legitimiert durchregiert?

Was würde wohl die Botschafterin sagen, wenn aus diesen Gründen einem ukrainischen Künstler der Auftritt in der Schweiz madig gemacht würde?

Keine Frage nach ihrer Vergangenheit und keine kritische Frage zu ihrer unverschämten Einmischung in Schweizer Angelegenheiten zu stellen, das ist das Versagen von Tamedia.

Bislang ist nicht bekannt, dass die Botschafterin in Bern einbestellt wurde und man ihr klarmachte, dass eine Wiederholung solcher Frechheiten dazu führen könnte, dass sie zur persona non grata erklärt würde.

Das ist das Versagen der Schweizer Politik.