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Sauglattismus

Es ist mal wieder Zeit für eine Fotoromanza!

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

Eigentlich schafft es nur der «Tages-Anzeiger», sich selbst auf der Frontseite mit einem riesigen, riesig-schlechten Cartoon jeden Hauch von Seriosität zu nehmen. Bravo.

Das setzt sich dann auf der Kommentarseite fort. Kalten Arsches (Pardon) fordert hier der mutige Redaktor, dass man ein Zeichen setzen soll. Solidarität üben. Leider ist diese Aktion nicht kriegsentscheidend. Aber ein frostiger Beitrag dazu.

Der «Blick» hingegen melkt wirklich alles aus der Null-Story des Besuchs einer politischen Null in der Ukraine. Blöd auch, dass es nicht mal zu dem üblichen Handshake-Foto gereicht hat, sondern das Blatt sich mit einer Fotomontage auf der Front behelfen muss. So viel Kooperation hätte man von Irène Kälin schon erwarten dürfen. Aber eben, man kann’s – oder man kann’s nicht.

Eher verhalten berichtet CH Media über das Kriegsreisli unserer Nationalrats-Präsidentin. Man beachte den deutlich ranzigen Gesichtsausdruck der Umstehenden, die sich offenbar nichts sehnlicher wünschen, als dass diese Frau aus der Schweiz endlich mal das Wort wieder loslässt.

Lobenswert ist hingegen, dass sich die vielen Kopfblätter von CH Media durchaus auch dem Lokalen verschrieben haben. Auch wenn die Prominenz der linken Prominenz vielleicht nicht für jeden erkennbar ist.

In einer Welt für sich lebt wieder einmal die NZZ, und dafür gebührt ihr grosses Lob. Natürlich beherrscht auch ihre Frontseite der Gaslieferungsstopp. Aber daneben und mit Bild widmet sich die alte Tante einem Thema, das allen anderen schwer an einem gewissen Körperteil vorbeigeht. ZACKBUM ist entzückt.

Dazu gehört auch ein üppig fotografierter Bericht über den Anteil, den Kosaken im Kampf gegen Russland leisten. Auch dafür hat kein einziges anderes Organ den Nerv. Aber die NZZ kann noch einen drauflegen:

Das ist sowohl inhaltlich wie thematisch sehr konträr zum Mainstream und verdient deswegen höchstes Lob.

Volkes Stimme

Wie halten wir’s mit der Meinungsfreiheit, Rede und Widerrede?

Bundespräsident Ignazio Cassis hat in seiner Funktion als Aussenminister in einem Interview gesagt, dass der Überfall auf die Ukraine das Ende «der Ära, in der seit Ende des Zweiten Weltkriegs kein einziges souveränes und demokratisches Land auf dem Kontinent angegriffen wurde», bedeute.

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

Das brachte ihm einen scharfen Verweis der Sprecherin des russischen Aussenministeriums ein. Maria Sacharowa belehrt Cassis, «dass die Grundlagenaushöhlung der Nachkriegszeit und die Zerstörung des Völkerrechtssystems aus den Bomben- und Raketenangriffen der Nato auf friedliche jugoslawische Städte 1999 resultierten».

Die Erklärung im Wortlaut:

Zudem habe das EDA «nach weiteren barbarischen Verbrechen des ukrainischen Regimes in Butscha und Kramatorsk unsere ausführlichen Erklärung ignoriert und alle Verantwortung rückhaltlos der russischen Seite zugeschoben».

Über die Richtigkeit der Geschichtslektion kann man durchaus diskutieren, denn es war ein völkerrechtswidriger Angriff der NATO auf einen souveränen Staat mit vielen zivilen Opfern. Die russische Position, dass es es sich bei dem Massaker von Butscha um Untaten seitens der Ukraine handle, ist hingegen peinlich.

Aber natürlich ist es der russischen Seite unbenommen, die bei uns herrschende Meinungsfreiheit zu benützen. Denn wenn die nur dann gilt, wenn die Meinungen dem Konsens entsprechen, wäre sie ja nichts wert. So sieht das sicherlich auch die Schweizer Öffentlichkeit. Wenn man allerdings die bislang 231 Kommentare zum entsprechenden Artikel im «Tages-Anzeiger» als repräsentatives Sample nimmt, muss man daran ernsthaft zweifeln.

Neben wenigen besonnenen Stimmen, die sofort als «Putin-Versteher» niedergemacht werden, tobt hier Volkes Stimme:

«Macht die russische Botschaft zu und schickt die Leute zurück nach Russland. – Sämtliche russischen Diplomaten sollten sofort des Landes verwiesen werden. – Liebe Putin Versteher, lest doch lieber die Weltwoche. – Die Sanktionen müssen verschärft werden und die Ukraine muss auf dem Feld siegen. – Der Russe hat von uns gar nichts zu fordern. – Falls es der Bundesrat nicht macht, sollte eine Menschenmenge auf dem Bundesplatz die sofortige Ausweisung des gesamten Botschaftspersonals verlangen. – Dieser Russische Lügerei und der Zynismus ist wirklich kaum noch zu ertragen. – Die Botschafterin sollte einbestellt und darüber belehrt werden, dass Milosevic und Konsorten in Den Haag der Prozess gemacht wurde (ja, ich weiss dass Milosevic gestorben ist bevor er verurteilt werden konnte). Danach kann man die Frau Botschafterin und ihren ganzen Stab medienwirksam ausweisen. Das wäre ein starkes Signal.»

Selbstverständlich sind all diese Aussagen durch die Meinungsfreiheit gedeckt. Auch wenn einer in seiner Erregung die Sprecherin des Aussenminsteriums in Moskau für die russische Botschafterin in Bern hält und sie gleich ausweisen möchte. Allerdings macht sich kein einziger der Kommentatoren die Mühe, den Wahrheitsgehalt der Geschichtslektion zu untersuchen. Denn Meinungsfreiheit geht häufig mit Kenntnisfreiheit daher. Also keine Ahnung haben, aber sehr viel Meinung.

Ahnungslosigkeit mit viel Meinung gibt’s überall

Das gilt nebenbei auch für die ehemalige Bundesanwältin und UNO-Chefanklägerin Carla Del Ponte. Die will sich wieder ins Gespräch bringen, indem sie behauptet, sie sei vielleicht die einzige Person, die wisse, wie man es anstellen müsse, um einen amtierenden Präsidenten vor den Internationalen Strafgerichtshof zu bringen. Denn: «Es ist möglich, Putin vor Gericht zu stellen

Allerdings: sollte diese Möglichkeit existieren, wäre unbedingt zu vermeiden, dass Del Ponte etwas damit zu tun hätte. Denn in ihrer langen und sehr geräuschvollen Karriere ist es der Staatsanwältin nie, in keinem einzigen Fall gelungen, eine von ihr eingereichte Anklage zu einer Verurteilung zu führen. Das fing schon mit ihrer ersten Karriere als «Mafiajägerin» an. Grosser Auftritt, Bodyguards, starke Ansagen – und dann regnete es Prozessentschädigungen auf zu Unrecht Angeklagte.

All das gehört zur Meinungsfreiheit und muss unbedingt geduldet werden. Ob das allerdings die Mehrheit der Schweizer Bevölkerung auch so sieht? Wenn dieses Kommentar-Sample bei Tamedia repräsentativ ist, muss man besorgt sein.

 

Mario Stäuble in Erklärungsnot

Der Co-Chefredaktor des «Tages-Anzeigers» ist peinlich.

Seine Fähigkeit zur Qualitätskontrolle ist seit dem Fall Kevin Brühlmann stark zu bezweifeln. Seine Bedeutung als zurückgestufter Mit-Chefredaktor war noch nie beeindruckend.

Nun will Stäuble «In eigener Sache» der Leserschaft erklären, wieso in der Berichterstattung des Tagi zum Blutbad von Wallisellen der Name des Entführungsopfers vom Blatt als Scoop zuerst veröffentlicht wurde, um dann gestrichen zu werden. Der ganze Artikel wurde durch die verkniffene Ankündigung ersetzt:

Anschliessend erschien der Artikel wieder, allerdings abgewandelt:

Während die übrigen Medien, inklusive SDA oder NZZ, ungehemmt den Namen von Christoph Berger, Impfchef der Schweiz, nannten. Das möchte Stäuble nun erklären: «Warum wir den Namen des Entführten nennen». Damit verwirrt der elegante Schreiber allerdings, denn die Leserschaft ist ja wenn schon irritiert, wieso er genannt wurde, dann gestrichen, dann wieder genannt, während die Konkurrenz keine solchen Tänze aufführen musste.

Item, man habe bereits am Donnerstagabend den Namen des Opfers gekannt. Daraufhin trat die «erweiterte Chefredaktion zusammen, um unter Beteiligung unseres Hausanwalts die medienethischen und medienrechtlichen Aspekte des Falls zu diskutieren.» Darauf folgt das übliche Geeier. Abwägung, politische Dimension, sicherheitspolitische Fragen, also «sahen und sehen uns gegenüber unserer Leserschaft dazu verpflichtet».

So nebenbei erwähnt Stäuble, dass der Sprecher von Berger bei Kontaktnahme durch die Redaktion klargestellt hatte, «dass Herr Berger keine Berichterstattung über seine Person wünsche». Nun sollte eine «erweiterte Chefredaktion» nebst juristischer Verstärkung wissen, dass das Opfer eines Gewaltverbrechens das Recht hat, seine Namensnennung zu untersagen.

Also könnte es einen kompetenten Co-Chefredaktor nicht gross erstaunen, dass Berger dann zum Mittel der Superprovisorischen griff, als sich der Tagi nicht an diese Forderung hielt. Da Berger offenbar zu diesem Zeitpunkt nur vom Tagi kontaktiert worden war, ereilte auch nur den der Blitz des Verbots der Namensnennung. Nachdem sich dann, angesichts der übrigen Medien, Berger zu einer kurzen öffentlichen Stellungnahme veranlasst sah, fiel dann das superprovisorische Verbot.

Was also Stäuble eigentlich dem Leser erklären sollte: wir haben’s versemmelt. Wir haben den Namen rausgegrübelt, den Betroffenen damit konfrontiert. Soweit noch gut. Wenn der aber sagt, dass er seinen Namen nicht in den Medien lesen will, gibt es nur zwei Möglichkeiten. Ihn vom Gegenteil überzeugen – oder das akzeptieren. Für Überzeugungsarbeit bräuchte es aber eine gewisse Eloquenz oder auch psychologische Fähigkeiten, was Stäuble offenbar abgeht. Also verstand man sich zur Fehlentscheidung: Opfer will nicht, Namen nennen wir trotzdem.

Was lernt der Leser daraus? Das Blatt wird von kompetenten journalistischen Hirschen gebastelt …

 

 

Gerüchteküche «Republik»

Zwischen Tamedia und dem Online-Magazin herrscht schon länger bissiger Kriegszustand.

Die «Republik» versuchte, sich mit einer ihrer gefürchteten ellenlangen Fortsetzungsgeschichten an Tamedia abzuarbeiten. Sozusagen im Schrotschussverfahren. Dann verbrach Daniel Ryser ein Schmierenstück über eine angebliche «Zerstörungsmaschine», die über eine streitbare und hasserfüllte Kämpferin gegen Hass und Hetze hereingebrochen sei. Ein Schrottschussverfahren.

Er betrat dabei journalistisches Neuland für einen Recherchierjournalisten, in dem er zwar jede Menge Gerüchte kolportierte, aber allen namentlich genannten Protagonisten seines Artikels keine Gelegenheit zur Stellungnahme einräumte. Als ZACKBUM freundlich nachfragte, wieso und gleichzeitig fragend auf einen ganzen Stapel von Ungenauigkeiten, Schludrigkeiten und sogar Fake News hinwies, blieb Ryser stumm.

Nun köcheln gleich zwei «Republik»-Redaktoren ein Süppchen auf der Entlassung des «Tages-Anzeiger»-Redaktors Kevin Brühlmann. Steife These: «Aus politischen Gründen?» Fragezeichen sind immer gut, wenn man austeilen will, aber nicht sicher genug ist, das im Indikativ zu tun.

Während bisher davon ausgegangen wurde, dass es Brühlmann die Stelle kostete, weil er ein eher verunglücktes Porträt über eine Zürcher Stadtratskandidatin schrieb, behaupten Dennis Bühler und Carlos Hanimann: «Ein Zürcher Reporter fällt bei Verleger Pietro Supino in Ungnade und verliert seine Stelle. Die Redaktion reagiert mit einem geharnischten Protestbrief.»

Darin habe die Redaktion die Wiedereinstellung Brühlmanns gefordert und verlangt, dass auch die in der Hierrachie obendran stehenden Mitarbeiter, die den Artikel durchwinkten, sanktioniert werden müssten. Es seien immerhin fünf gewesen. Der Brief sei, man erinnert sich an einen anderen Protestbrief, von 71 Mitarbeitern unterzeichnet worden. «Der Wortlaut des Briefs ist der Republik bekannt.» Das ist eine sehr interessante Formulierung, weit entfernt von der Aussage: der Brief liegt der «Republik» vor.

Der Blitz Supinos habe eingeschlagen, vermutet die «Republik»

Obwohl laut «Republik» im Brief Beschwerde geführt werde, dass es nicht anginge, dass ein Redaktor wegen eines einzigen Fehlers entlassen werde, vermuten die Recherchierkünstler – ohne sich des Widerspruchs bewusst zu werden – dass Brühlmann schon letztes Jahr den «Groll von Verleger Supino auf sich gezogen» habe, als er einen Artikel über die Baugarten-Stiftung veröffentlichte.

Der sei von Co-Chefredaktor Mario Stäuble bestellt, für gut befunden und publiziert worden. Aber dann:

«Gemäss mehreren gut unterrichteten Quellen habe sich Stäuble nach der Publikation in einer Sitzung mit allen Chef­redaktoren der Tamedia-Zeitungen und in Anwesenheit von Verleger Pietro Supino lange und ausführlich für die Recherche seines Reporters entschuldigt und für das eigene Versagen gegeisselt.»

Auch Brühlmann sei auf Intervention von Supino dazu gezwungen worden, sich bei Baugarten zu entschuldigen, will die «Republik» wissen. Nun ist es gerade bei ihr mit den «gut unterrichteten Quellen» so eine Sache. Die haben regelmässig ins Desaster geführt; Stichwort «Globe Garden», Stichwort «ETH» Stichwort weitere «Skandale» die auf solchen Quellen aufgebaut wurden – und kläglich verröchelten.

Hier kommt noch erschwerend hinzu: Der Artikel über die Stadtratskandidatin mit jüdischen Wurzeln ist tatsächlich teilweise verunglückt. Auf der anderen Seite hat die Porträtierte die Entschuldigung akzeptiert, den Fall für erledigt erklärt. Nur Katastrophen-Sacha ritt eine Attacke auf den «Stürmer von der Werdstrasse», mit der er sich selbst einmal mehr disqualifizierte.

Was Anlass zu Zorn geben könnte, ist nicht ersichtlich

Im Fall des Artikels über die Stiftung wird aber auch bei sorgfältiger Lektüre nicht klar, worüber sich da jemand hätte echauffieren können – und womit der Journalist den Groll Supinos auf sich gezogen haben könnte. Der Artikel ist sorgfältig recherchiert, scheint keine Fehlinformationen zu enthalten und erzählt, abgesehen von ein, zwei kleinen Schlenkern in die Vergangenheit des Stiftungspräsidenten als CEO von Holzim, faktenbasiert, unpolemisch die Geschichte einer der wohl bedeutendsten privaten Geldgeber Zürichs nach.

Es könnte vielleicht sein, dass sich Baugarten gewünscht hätte, nicht so öffentlich exponiert zu werden. Auf der anderen Seite ist es ja kein Geheimclub mit düsteren Aufnahmeritualen in dunklen Kellern. Im Gegenteil, sie verfügt sogar über eine eigene Webseite mit durchaus vorhandenen Informationen und Auskünften.

Schwacher Vorwurf, schweife in die Vergangenheit

Wenn der Hauptvorwurf nur sehr wolkig begründet werden kann, gehört es zu den ältesten Maschen, Parallelbeispiele aufzuzählen. Da fällt der «Republik» ein Artikel aus dem Jahr 2018 ein. Da drosch Philipp Loser unanständig, ohne die primitivsten journalistischen Benimmregeln einzuhalten und genauso unfundiert wie hier die «Republik», auf den Tamedia-Konkurrenten Hanspeter Lebrument ein.

Interessant war, dass auch dieses Schmierenstück durch alle hochgelobten «Qualitätskontrollen» durchrutschte. Dass es dann gelöscht wurde und Loser bei Lebrument zu Kreuze kriechen musste, war eigentlich selbstverständlich. Zudem überlebte Loser diesen Riesenflop. Leider.

Weiter ein von Supino der eigenen Redaktion gewährtes und dann zurückgezogenes Interview, eher ein Kuriosum und keine weitere Belegstelle für unziemliche Einmischung. Dass Supino tatsächlich stark intervenierte, um die gescheiterte Medienmilliarde zu unterstützen, das erwähnt die «Republik» lustigerweise nicht. Wohl weil sie auch dafür war.

Dann kommt noch die Uraltgeschichte der Entlassung von Chefredaktor Viktor Schlumpf anno 1991. Nach dieser sehr, sehr dünnen Suppe kommen die Autoren ohne jegliche Begründung zum Schluss:

«Der bissige Ton in Brühlmanns Text über die Baugarten-Stiftung wurde ihm zum Verhängnis.»

Wer in diesem Stück einen «bissigen Ton» entdeckt, hat wohl auch Angst vor einem Chihuahua, wenn der unter seinem rosa Mäschlein aus der Handtasche seiner Besitzerin kläfft.

Vorsicht, bissiger Ton.

Dass bei Tamedia bezüglich Qualitätskontrolle einiges im Argen liegt, ist offenkundig. Dass das auch bei der «Republik» der Fall ist, ebenfalls. Zudem vermisst man ein selbstkritisches Stück, wieso denn vom Chefredaktor abwärts weitere führende Redaktoren das Blatt verlassen. Wäre doch auch mal interessant zu wissen.

 

Tagi-Qualität, Part II

Wenn demonstriert wird, gerät das Qualitätsmedium aus dem Tritt.

Am Samstag war hübsch was los in Zürich. Mehrere unbewilligte Demonstrationszüge marschierten durch die Stadt, es gab Gewalt gegen Sachen und Personen.

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Da wäre man froh, wenn der «Tages-Anzeiger» das Geschehen einordnen und berichtend erklären würde. Stattdessen gibt der Tagi dem SP-Nationalrat Fabian Molina Gelegenheit, sich mal wieder öffentlich zum Deppen zu machen.

Aber das kann man noch als Beitrag zur unfreiwilligen Demontage durchgehen lassen. Etwas schräger wird’s bei der übrigen Berichterstattung. So kündigte das Blatt an, dass kommenden Samstag «Massnahmengegner und Rechtsextreme in Oerlikon auf die Strasse gehen».

Obwohl auch das sicherlich in der unerbittlichen Qualitätskontrolle von mindestens für Nasen gelesen wurde (kicher), musste der Tagi flugs ein «Korrekt» einrücken:

«Die Organisation (der Veranstaltung, Red.) legt Wert darauf, dass an ihrer Kundgebung weder Rechts-noch Linksextreme willkommen seien, und diese an der Demo – wenn nötig – weggewiesen würden.»

Peinlich, aber typisch. Gleich zwei Redaktoren wirft der Tagi in die Schlacht, um zu erklären,  «wie es zum Zürcher Kampf zwischen Antifaschisten und Neonazis kam».

Kampf, Antifaschisten, Neonazis? Schauen wir uns den Artikel kurz genauer an. Da haben wir die einen: «Später ziehen Tausende schwarz gekleidete Antifaschisten in zwei unterschiedlichen Demonstrationszügen durch das Limmatquai beziehungsweise das Langstrassenquartier. Ein kleiner, militanter Teil von ihnen sucht die Konfrontation mit Neonazis sowie der Polizei und randaliert.»

Auf einem Auge blind

Und die anderen: «Ein weiterer Demonstrationszug von sogenannten Corona-Massnahmen-Gegnern will am Limmatquai demonstrieren. Sie hatten all die Demonstrationszüge – von denen keiner bewilligt war – ausgelöst. Ob sich unter ihnen Neonazis befinden, ist nicht bekannt.»

Es bleibt dem Redaktionsgeheimnis unterstellt, wieso die einen «sogenannte» sind und die Chaoten und Krawallanten von links zwar den Namen Antifaschismus usurpiert haben, und geschichtsvergessen «no pasarán» grölen, während sie schwarzgekleidet wie Mussolinis Faschisten durch Zürich randalieren, kein «sogenannt» verliehen bekommen, obwohl sie nun wirklich nicht mal sogenannte Antifaschisten sind.

So nebenbei, obwohl die spanischer Republik im verzweifelten Kampf gegen die Faschisten die Losung «no pasarán» ausgab, wurde sie am Schluss besiegt. Wie ein Leichentuch senkte sich dann für Jahrzehnte der Franco-Faschismus über das Land. Ist es wirklich sinnvoll, die Losung eines Kampfes aufzunehmen, der mit einer bitteren Niederlage endete? Aber wer diesen Unsinn plakatiert, sich schwer anzieht und behauptet, gegen die «Faschisten» in Zürich zu kämpfen, hat sowieso einen an der Waffel.

Aber es wird noch peinlicher: «Die Junge Tat stehe auch in einem engen Kontakt mit sogenannten Identitären in Österreich, Belgien und Deutschland, zitiert das Onlinemagazin «republik» die Recherchegruppe Antifa Bern», zitiert das Qualitätsorgan Tagi eine dunkle Quelle, die sich ihrerseits auf eine noch dunklere Quelle bezieht.

Wir verstehen das richtig: statt eigene Recherchen anzustellen, quotet das Qualitätsorgan Tagi die Fake-News-Schleuder «Republik», die sich wiederum auf die «Antifa Bern» berzieht, eine nur auf Twitter existierende Blödeltruppe, ungefähr so seriös wie das «Megafon».

Geldwerte Schlussfolgerungen?

Wie lautet dann der analytische Schluss, welche Wirkkraft entfaltet hohe journalistische Kunst, die unbedingt wenn nicht mit einer Milliarde, dann doch mit ein paar hundert Franken fürs Abo honoriert werden sollte?

«Klar ist aber: Sowohl Neonazis als auch Antifaschisten werden versuchen, die Demonstrationen am vergangenen Samstag zu nutzen und weitere Menschen für ihre Anliegen zu gewinnen. Ob ihnen das – auch angesichts des nahenden Endes der Pandemie – gelingt, wird sich zeigen

Das ist klar wie Klosbrühe, wie man sagt. Klar wie banal. Klar wie blöd. Und «wird sich zeigen»? Das ist der Standardersatz für «Ich habe doch keine Ahnung und wage nicht mal eine Prognose

Also mal im Ernst, liebe Tagi-Journalisten, wollt Ihr wirklich so überdeutlich zeigen, dass ihr keinen Rappen wert seid und so was von überflüssig?

Toll ist auch eine damit nicht in Zusammenhang stehende Leistung. Der Jung-Redaktor Kevin Brühlmann, hatte sich an ein Porträt einer Kandidatin für den Stadtrat gewagt.

Die FDP-Kandidatin ist eine Frau – und jüdischen Glaubens. Der Journalist weiss, dass der ja nach der politischen Ausrichtung des Blatts im besten Fall Entschuldigungen serviert werden. Das passte also in diesem Fall jemandem ziemlich massiv nicht. Katastrophen-Sacha mischte sich ein und erklärt den Tagi kurzerhand zum «Stürmer an der Weststrasse», nach dessen Hauptquartier.

Alleine diese völlig überzogene Reaktion hätte Grund genug sein sollen, Fakten und Hypothesen genau zu untersuchen. Finde hier statt …

 

 

 

 

 

 

Lokaljournalismus dada

In Zürich geht’s um die Renovation des Schauspielhauses. Platz für gaga.

Schon seit einiger Zeit tobt ein Meinungskampf der luxuriösen Art. Die Direktion des Schauspielhauses will das Theater modernisieren. Also konkret für über 100 Millionen das Gebäude am Pfauen auskernen und innen neu bauen.

Die prekären Zustände der Bausubstanz und der Installationen mache das nötig; eine Restauration des Bestehenden käme viel teurer.

Nun ist die Pfauenbühne ein historisches Monument. Hier fand – einzigartig in Europa – während den dunklen Zeiten des Faschismus aufmüpfiges Theater statt, hier wurden Stücke von Bertold Brecht (wie der Kultursender SRF dessen Vornamen verhunzt) aufgeführt, hier fanden viele Exilschauspieler und bedeutende Regisseure ihre Wirkungsstätte. In eben dem Theatersaal, der bis heute in Rosa und Plüsch mit zugegeben ziemlich unbequemen Stühlen lockt.

Es tobt ein Glaubenskrieg in der Stadt Zürich

Der Zürcher Stadtrat und die Leitung des Theaters sind für die Variante «umfassende Erneuerung». Dagegen erhob sich grosses Geschrei, Opposition und Gegenwehr. Das könne man nicht machen, wäre ein Akt der Barbarei, dagegen wurden die Bedürfnisse moderner Theaterinszenierungen gestellt, samt endlich mal bequemen Stühlen.

All das spielt sich wohlgemerkt auf der Ebene Stadt Zürich ab. Hier sind alle Entscheider versammelt. Der Kanton Zürich hat in dieser Debatte kein Wort zu sagen. Eigentlich. Ausser, die Lokalredaktion des «Tages-Anzeigers» konstatiert genau das, um fortzufahren:

«Trotzdem wollten wir von Kantonsrätinnen und Kantonsräten wissen, wie sie zum Schauspielhaus stehen, welche Emotionen und Erinnerungen sie damit verbinden.»

Immerhin ist Zürich bekanntlich der Ort, an dem der Dadaismus gross wurde. Nehmen wir als Ehrenrettung für den Tagi an, dass dieses Stück einen Beitrag dazu leisten will, diese Tradition fortzuführen.

Das Cabaret Voltaire lässt grüssen

Nichtschwimmer haben wenig mit Brust- oder Rückenschwumm zu tun. Fragen wir sie dennoch dazu ab. Was halten Veganer von am Knochen gereiften T-Bone-Steaks? Welche Vorstellungen verbinden Menschen mit Höhenangst mit der Besteigung der Eigernordwand? Welche sexuellen Erfahrungen sammeln schwule Eunuchen?

Kraska, der König von Zürich und Meisterdadaist.

Hier gilt es endlich einmal Neuland zu betreten. Hier macht’s auch nichts, sollten die vielgerühmten Kontrollmechanismen bei Tamedia versagen. Hier ist’s sozusagen Programm. Wenn das der Spät-Dadaist Pjotr Kraska noch hätte erleben dürfen. Ach so, den kann man googeln, liebe Tamedia-Kulturbanausen und Amateur-Gagas.

Für den Tagi unerreichbares Vorbild …

Was bleibt?

Spielanlage: Keine Artikel über C oder D. Was serviert Tamedia sonst noch?

Es ist die 756-Franken-Frage. Denn das kostet ein «Classic-Jahresabo» des «Tages-Anzeiger». Alles drin. Zeitung täglich im Briefkasten, SoZ und «Das Magazin» dabei, E-Paper und werbefrei im Digitalen.

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Schrumpfen wir das auf einen Tag hinunter, bedeutet das am Mittwoch, 12. Januar 2022, ein Investment von 2 Franken.

Ist nicht viel. Dafür gibt’s auch nicht viel. Nehmen wir den Online-Auftritt des Tages. Klammern wir, bevor es uns allen vor Überfütterung schlecht wird, die Themen C wie Corona und D wie Djokovic (die sich ja auch überschneiden) aus.

Was leistet denn die immer noch vielköpfige Zentral- plus Lokalredaktion? Mit mehr Häuptlingen als ein ganzer Indianerstamm? Nun, es wird dürftig, das sei gleich verraten.

Medien sollen auch wegen des Lokalen mit einer Steuermilliarde unterstützt werden, heisst’s. Also beginnen wir mit «Zürich».

Das hört sich nach Lesespass an. Immerhin, Eigenleistung aufgrund des Polizeiberichts. «Der Zopfbeck von Züri gibt seine Backstube bei der Uni auf». Wow. «Brian darf die Einzelhaft verlassen». Huch. «Sechs Magazine, die sich mit der Schweizer Literaturszene auseinandersetzen». Boa.

Das war’s dann im Wesentlichen mit dem Lokalen. Wenden wir uns gleich dem Internationalen zu. «Hakenkreuzfahne auf dem Sarg». Unglaublich. Allerdings: im Norden Roms. Und keine Eigenleistung, SDA. Das gilt auch für einen Bericht über Prinz Andrew. Ach ja, und auch für den Artikel «US-Regierung klagt gegen Facebook». Alles Ticker.

Kommt mal was?

Aber, nun wieder ein kackiger Titel: «Joe Biden kämpft gegen die Bestie». Hallo, ZACKBUM dachte, dass er gegen Gedächtnislücken kämpft. Aber gegen welche Bestie? Ach, da hat mal wieder der Titelsetzer Sauglattismus geübt. Denn auf Englisch sagt man, wenn man an einen sehr unangenehmen Ort geht, man sei «in the  belly of the beast». Also im Bauch der Bestie, während man auf Deutsch die Höhle des Löwen betritt.

Macht ja nix, der Artikel stammt vom berüchtigten Fehlprognostiker (Bürgerkrieg in den USA?) Hubert Wenzel. Und der ist Angestellter der «Süddeutschen Zeitung», nicht vom Tagi. Hoffentlich muss der für dessen Ergüsse nicht mehr als 2 Franken zahlen.

Sport wollen wir, höchste D-Gefahr, weiträumig umfahren, die Meinungen auch. Wen interessieren denn noch die Meinungen von Tagi-Redaktoren? Also bleibt noch die Kultur. Oder so.

Wir retten uns in die Kultur

Nora Zukker (wir können nichts dafür, sie auch nicht) erzählt die Geschichte eines Verlagsangestellten, der sich Manuskripte von Bestsellerautoren erschlich – offenbar einfach, um sie selbst zu lesen.

Wunderbare Anlage für einen literarisch hochstehenden Text. Genau, doch nicht mit Zukker. «Laut der New York Times», «wie die FAZ schrieb», «laut der italienischen Zeitung «Repubblica»». Immerhin, ihre Quellen legt sie schonungslos offen.

Also ein Rehash, ein Zusammenschrieb, sozusagen das Gehackte im Journalismus. Aber vielleicht setzt Zukker noch ein Glanzlicht mit der Schlusspointe?

«Die Geschichte von Filippo Bernardini liest sich wie ein Thriller. Und um gute Geschichten ging es dem Italiener immer. Bloss hätte er für seine eigene wohl ein anderes Ende erfunden

Hallo, ist noch jemand da und wach? Wir blasen nun einen Papiersack auf und hauen kräftig drauf.

Um unser aufgewachtes Publikum so in das Ende dieser Abrechnung zu entlassen.  Ach, da gebe es doch auch noch die Print-Ausgabe? Stimmt.

Schliesslich noch die Print-Ausgabe

Schwein gehabt, dieses Thema beherrscht die Frontseite:

Sonstige Highlights? Nun, das hier ist interessant:

Jacqueline Büchi hat sich in die Todeszone begeben. Eigentlich zuständig für «Gesundheit und Gesellschaftspolitik». In dieser Funktion ist sie als Allzweckwaffe geeignet. So fuhr sie schon einen amtierenden Bundesrat an: «Maurer zündeln zu lassen, ist gefährlich», denn «in trumpesker Manier flirtete er zudem mit Verschwörungstheorien».

 

Da wurde Büchi dann ganz streng: «Die Gesamtregierung muss Haltung zeigen und den Brandstifter in die Schranken weisen. Sonst riskiert sie ihre eigene Glaubwürdigkeit – und den Frieden im Land.»

Glücklicherweise sind wir nochmal davongekommen. Nun muss sie den Eiertanz aufführen, als Tamedia-Angestellte so zu tun, als könne sie ganz objektiv über die Steuermilliarde für reiche Verlegerclans berichten.

Sozusagen ergebnisoffen. Journalistisch halt. Nur dem eigenen Gewissen und keinesfalls dem Portemonnaie von Coninx-Supino verpflichtet. Dass ihr oberster Boss zuvorderst für das Medienpaket ist – na und? Ist’s ihr gelungen? Nun ja, vielleicht reicht der Blick auf ihre Schlusspointe, wo es darum geht, ob in erster Linie Grossverlage von der Milliarde profitieren. Ja, schon, muss sie einräumen. Aber mindestens 70 Prozent, wie die Gegner behaupten, das sei dann schon «zu grosszügig kalkuliert» und beinhalte «Abenteuerliches».

Überhaupt, wer seien denn die Grosssverlage? Achtung, Kracher:

«Wenn die Gegner auch Publikationen wie die «Engadiner Post in ihre Rechnung einbeziehen, erhält der Begriff «Grossverleger» eine ganz andere Bedeutung.»

Feine Klinge, schneidend gegeben. Nur: ändert nix an der Aussage.

Aber gut, mal Hand aufs Herz: wer möchte schon einen solchen Artikel über ein solches Thema schreiben müssen? Da kann nur umsichtige Karriereplanung dahinterstehen.

 

Wichtiges und Unwichtiges

Früher waren Tagi und NZZ Konkurrenten. Vorbei.

Natürlich wurde diese Konkurrenz vor allem am Platz Zürich wahrgenommen. International hatte der «Tages-Anzeiger» nichts zu husten. Aber zumindest im Bewusstsein der Redaktionen sah man sich meistens auf Augenhöhe.

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Da ist nun Peinliches zu vermelden. Der Riesenkonzern Tamedia gewinnt in jedem Qualitätsranking den ersten Preis. Wenn von unten nach oben prämiert wird.

 

Name und Gebäude kommen und gehen …

Während sich die NZZ von ihren Lokalblättern getrennt hat und die in ein Joint Venture mit CH Media überführte, hat sich Tamedia eine ganze Kollektion von Kopfblättern zugetan, mit denen nun auch Basel oder Bern beschallt werden. Die Installation einer «Zentralredaktion» hat allerdings nichts zu einer Qualitätsverbesserung beigetragen. Im Gegenteil.

Augenfällig wird die zunehmende Distanz beim aktuell wichtigsten Thema überhaupt. Tamedia reagiert kreischig, besserwisserisch und mit einem apokalyptischen Unterton auf die Pandemie. Die Redaktion fordert, urteilt, kritisiert oder lobt, als hätten Journalisten irgend eine Verantwortung für ihr Tun. Stellt sich eine Prognose mal wieder als falsch heraus: man ist doch haftungsfrei, und her mit der nächsten.

Zudem darf offenbar jeder Redaktor sein Steckenpferd reiten. So wurde doch vom ehemaligen Leiter des ehemaligen Wissen-Bundes ernsthaft eine Debatte darüber angestossen, dass das Schmatzen im ÖV aufzuhören habe. Sekundiert wurde er von einem Wirtschaftsjourni, der zudem monierte, dass heisse Getränke in «kleinen Schlückchen» geschlürft würden.

Statt etwas über Wirtschaft zu schreiben oder an seiner Sprachkompetenz zu arbeiten, bspw. am Vermeiden eines doppelten Diminutivs. Aber irgendwie scheint das Programm zu sein bei Tamedia. Die allgemeine Einführung des doppelten Diminutivs.

Die NZZ teilt die Meinung von Karl Marx

Viel zurückhaltender, ausgewogener und vernünftiger berichtet hingegen die NZZ. Sie lässt nicht nur renommierte Gegner der Corona-Gesetzgebung zu Wort kommen (was Tamedia nicht im Alptraum einfallen würde).

Gleicher Name, gleiches Gebäude.

Zudem ist die NZZ mit Karl Marx der Auffassung, dass der materielle Unterbau, die Produktionsverhältnisse, die Wirtschaft ziemlich wichtig in einer Gesellschaft sind. Das meinen vielleicht auch die Pseudolinken bei Tamedia, aber meinen, wollen und können sind halt verschiedene Paar Schuhe.

Die einen erregen sich übers Schmatzen, die NZZ schreibt über die sagenhaften Gewinne bei Big Pharma.

Big Pharma kann nur noch Geld zählen

Für die ist die Pandemie der Jackpot, der feuchte Traum jedes leitenden Managers. Noch nie durften Pharmariesen ihre Produkte haftungsfrei verkaufen. Notfallregelungen und Ausnahmen erlauben das. Denn die Staaten wollten so schnell wie möglich an Impfstoffe kommen. Bitte sehr, sagte Big Pharma, aber da wir das nicht ordentlich austesten können, müssen wir haftungsfrei gestellt werden bei Neben- und Folgewirkungen. Sonst gibt’s keinen Tropfen von dem Zeugs.

Aktuell macht die NZZ auf einen Nebenverdienst aufmerksam, der noch risikoloser Geld in die Kassen spült:

«Mit Tests zum Nachweis von Sars-CoV-2 werden Milliarden verdient. Hersteller wie Roche sprechen von einer «sprunghaft» gestiegenen Nachfrage.»

Während es Mitte letzten Jahres noch so aussah, als ob die Nachfrage nach Tests langsam zurückginge, hat Omikron wieder richtig Schub reingebracht: Der Testkit-Hersteller «Abbott gehört in der Gesundheitsbranche ähnlich wie die Impfstoffhersteller Pfizer, Biontech und Moderna zu den grossen Profiteuren der Pandemie. Auch Roche zählt dazu – nicht nur wegen der Corona-Tests, sondern auch wegen der Medikamente, die das Unternehmen zur Behandlung schwerer Krankheitsfälle anbietet.»

Vorne und hinten.

Alles eine Frage von Angebot und Nachfrage, von Bedarf auch. Besonders an Flughäfen kann man sich mit einem Sars-CoV-2-Test mehrere goldene Nasen verdienen.

Man rechne kurz nach

Ein PCR-Schnelltest kostet am Flughafen Zürich mindestens 300 Franken. Handelsüblich sind in der Schweiz 140 Franken, als Discount gilt schon ein Angebot für 90 Franken mit Auswertung im Ausland.

Dabei herrscht starker Margendruck; ein Schnelltest ist im Grosseinkauf schon für unter 1 Franken erhältlich, ein PCR-Test für 10 oder weniger. Also dürften bei der branchenüblichen Gewinnspanne von mindestens 30 Prozent die Herstellungskosten entsprechend niedriger liegen.

Man rechne.

Ungeheuerliche Extraprofite, teilweise unverschämte Preise für Impfstoff, risikoloses Geldscheffeln, Wertschöpfung bei Tests von Hunderten von Prozent des Herstellungspreises: paradiesische Zustände, finanziert vom Steuerzahler und von Krankenkassen.

Wäre das nicht ein etwas interessanteres Thema als schmatzende Mitreisende im ÖV? Vielleicht schon. Aber eben, das übernimmt dann die NZZ. Und Tamedia schluckt höchstens trocken. Aber in kleinen Schlückchen, bitte.

Die einen gehen rauf, die anderen runter.

 

Obduktion des Medienkörpers

Erstaunliches und Verwunderliches aus dem täglichen Schaffen.

Das muss man dem «Blick» lassen. Zäh ist er, und António Horta-Osório wird die Medienschau nicht gerade zur Lieblingslektüre des Tages erklären. Oder vielleicht lässt er sich’s einfach nicht mehr übersetzen und schaut nur noch, ob Krawatte und Frisur auf den Fotos sitzen.

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Wohnsitz als Steuersparmodell? Vermuten darf man ja.

Nachdem das lustige Leben des Jetsetters in jeder Facette beschrieben wurde, hat der Whistleblower in der Credit Suisse offensichtlich die Bitte nach Nachschub erhört. Ist nicht mehr der Überknaller, aber bei möglichen Steuersparmodellen ist der «Blick»-Leser immer spontan sauer.

Kann man nun aus dem Ort der Einreichung der Selbstanzeige wegen Quarantäneverstoss schliessen, wo sich der wahre Wohnsitz des Bankenlenkers mit Lizenz zum Vielfliegen befindet? Schwer zu sagen.

Aber dem «Blick» gebührt zumindest ein kleiner Prix Courage. Der grosse Zampano des Hauses hatte ja in seiner SoBli-Kolumne verkündet, dass solche Vorwürfe gegen einen Manager völlig überflüssig seien, wenn sie zudem moralinsauer aufgeschäumt daherkämen. Da scheint’s um seinen Einfluss nicht mehr so rosig bestellt zu sein, denn früher wäre jeder Chefredaktor auf dem Absatz umgekehrt, inklusive Bückling. Oder gefeuert worden. O tempora, o mores.

Wenn der Cartoon den meisten Platz bekommt …

Nichts gegen die Würdigung des Künstlerwerks. Aber Übervater Nico (35’000 Karikaturen) kam noch mit Schwarzweiss und vergleichsweise bescheidenem Platz aus. Aber so Frechheiten, wie die Offiziersbeförderungsliste der Schweizer Armee mit der Vignette einer sprudelnden Champagnerflasche zu verzieren, unter der stand: «hoch die Flaschen», das ginge heute natürlich nicht mehr. Abgesehen davon, dass sich niemand mehr für den Generalstab der besten Armee der Welt interessiert.

Aber, Lob, wem Lob gebührt:

Das ist nun ein feines Stück Kleinrecherche und tut erst noch der eigenen Klientel mit vielen Anhängern in der Redaktion weh. Man kann höchstens meckern, dass auch hier der Bildanteil viel zu gross ist.

Aber herauszuarbeiten, dass der mediengeile Grünen-Präsident Balthasar Glättli den Bundesrat scharf kritisiert, gar von «Regierungsversagen» spricht und viel, viel schärfer Massnahmen gegen Corona fordert – während seine Parteikollegen still und heimlich in der Gesundheitskommission (SGK) gegen striktere Massnahmen stimmen, das ist ein hübscher Blattschuss.

«Dabei taten die drei grünen SGK-Mitglieder das Gegenteil von dem, was ihr Parteichef öffentlich sagt: Sie versuchten nicht etwa, die von der Regierung vorgeschlagenen Massnahmen zu verschärfen – sie versuchten sie massiv abzuschwächen»,

erzählt Markus Häflinger genussvoll. Lustig ist nebenbei, dass die Online-Version des Artikels um diesen Satz hier ergänzt ist, der in der Printausgabe fehlt:

«Weichelt kritisiert auf Anfrage, dass diese Informationen überhaupt bei dieser Zeitung gelandet seien. Dies sei «eine Verletzung des Kommissionsgeheimnisses und schädlich für die Demokratie».»

Dabei ist das in erster Linie schädlich für die Glaubwürdigkeit der Grünen.

Ist die alte Tante noch wiederzukennen?

Da werden sich manche altgediente Redaktoren fragen, ob es wirklich eine gute Idee war, vom jahrhundertelangen Prinzip abzuweichen: Auf der Frontseite der NZZ gibt es keine Fotos. Nicht mal schwarzweiss …

Aber, auch hier ein Lob; Zwiegespräch zwischen dem langjährigen Wirtschafts-Chef der NZZ, Gerhard Schwarz, und Werner Widmer, ehemaliger Spitaldirektor und Präsident der Zürcher Krebsliga, über Corona.

Das ist mal ein Hammersatz:

«Es kann doch nicht sein, dass sich die ganze Bevölkerung einschränken muss, um das Gesundheitswesen zu schützen.»

Und wenn Widmer schon mal in Fahrt ist: Wir geben 82 Milliarden Franken im Jahr dafür aus, «doch die Spitäler sind offenbar nicht in der Lage, mehr als 865 zertifizierte Intensivbetten zu betreiben.» Aber hallo.

Wir wollten eigentlich am Schluss hier zum Sturzflug ansetzen. Aber leider entzog sich der Landeplatz unserem Anflug:

ZACKBUM gibt niemals so schnell auf, aber mehr als das kam nicht:

Vielleicht sollte sich Online-Guru Hansi Voigt mal um seinen Maschinenraum kümmern. Oder sind das schon die ersten Vorboten des Endes?

 

 

Schlauer Bruce, blöder Tagi

Auch The Boss hat seine Songrechte verkauft. Warum bloss?

Bob Dylan hat’s getan. Neil Young hat’s auch getan. David Bowie selig war sowieso der Erste. Alle trennen sich von ihren Songrechten – für ein Heidengeld.

Bei Dylan waren’s 300 Millionen Dollar, nun topt Bruce Springsteen den Betrag mit 500 Millionen. Clever; nur: warum diese Welle, warum tun die alten Rockgötter das?

Mit 72 still on the road: Bruce Springsteen.

Dafür findet Tamedia eine ganze Latte von Erklärungen. Tourneen als Verdientsmöglichkeiten fielen weg, Spotify und andere Streamingdienste mit kleiner Marge für den Künstler, das Material ist nun gnadenlos für Werbezwecke einsetzbar.

Alles richtig, nichts ganz falsch. Nur der entscheidende Punkt entgeht dem Qualitätsorgan für gehobene Berichterstattung: Steuerersparnis. All diese Künstler, längst Multimillionäre, liegen in der Schwergewichtssteuerklasse von 40 Prozent aufs Einkommen.

Hier wird’s erklärt. Kurzgefasst: da die Tantiemen nun an den Käufer gehen und von ihm versteuert werden müssen, spart Springsteen rund die Hälfte an Steuern. Kapitalgewinn statt Einkommen, der Verkauf über ein Jahr gestreut, 20 statt 40 Prozent, that’s the trick.

Kann doch nicht so schwer sein, hat ZACKBUM schliesslich auch abgeschrieben. Aber wir sind halt ein echtes Qualitätsorgan, das die richtigen Informationen abschreibt und nicht rumeiert.