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Gaga-Titel beim Tagi

Kommt halt davon, wenn man (fast) alles aus der SZ übernimmt.

Vielleicht war es der Versuch, Spuren zu verwischen. Denn der Originaltitel des Originalbeitrags von Jakob Wetzel in der «Süddeutschen Zeitung» lautete so:

Er erschien am 14. Juni im Münchner Blatt, der Quelle von copy/paste des Qualitätsmedienkonzerns Tamedia. Der dachte schlau: da warten wir doch einfach acht Tage, bis wir unseren Lesern den gleichen Inhalt aufgewärmt als neu servieren.

Nun könnte ja eine klitzekleine Gefahr bestehen, dass der eine oder andere zahlende Gast beim Tagi denken würde: hm, ist das ein Test auf Alzheimer? Das habe ich doch vor einiger Zeit schon in der SZ gelesen.

Dieser Gefahr beugt der Tagi allerdings geschickt vor, indem er einen ganz anderen Titel setzt. Nach Art des Hauses so einen richtigen Kracher, im Stil von: vergessen Sie alles, was Sie über die Mayas gehört haben. Die Geschichte muss umgeschrieben werden. Neue Maya-Tagebücher aufgetaucht.

Der Lead bei Tamedia ist auch noch geheimnisvoll: «Die Maya opferten ihren Göttern reihenweise Menschen, vor allem junge Frauen, nahm man lange an. Forscher haben nun Knochen aus Massengräbern analysiert – und Überraschendes gefunden.»

Das ist nun – leicht erweitert – genau der gleiche Lead wie in der SZ. Denn die will natürlich auch etwas trommeln, um eine eigentlich stinklangweilige archäologische Untersuchung etwas aufzupeppen. Aber immerhin ist das Münchner Blatt so seriös, im Titel dann nicht nochmal gewaltig Gas zu geben.

Denn eigentlich besteht die grosse Überraschung aus der Vermutung, dass die Mayas nicht nur Fremde als Menschenopfer verwendet hatten, sondern auch – Mayas. Dazu noch das übliche Getrommel, dass es eben bis heute nicht ganz klar sei, wieso die ihre Stadtstaaten aufgaben und sich in den Dschungel zurückzogen.

Ihre heute noch in Mexiko lebenden Nachfahren können dazu leider auch nichts Sachdienliches beitragen.

Nun gibt es Tagi-Leser, die auch mit Fake-Titeln begeistert werden können: «Super spannender und lehrreicher Artikel!», meint einer. Ein anderer ist eine Spur kritischer: «Sehr interessanter Artikel, bloss der Titel ergibt wenig Sinn. Was erweist sich denn nun als falsch?» Und ein Dritter bringt es auf den Punkt: «Und was ist jetzt das Neue daran? Die spannenden Befunde reihen sich doch nahtlos in das bisherige Wissen ein?!»

Da weiss der Leser für einmal mehr als der Redaktor. Wobei, dem Autor Wetzel kann man eigentlich keinen Vorwurf machen. In seinem Einzugsbereich war der Titel ja noch okay und gibt zumindest wieder, was er in seinem Artikel beschreibt.

Ganz anders aber die Qualitätszeitung an der Werdstrasse. Die behauptet so kühn wie falsch, dass unser Wissen über die Rituale der Mayas auf einem Irrtum beruhe. Und wenn sie mit diesem Fliegenpapier den Leser eingefangen hat, fragt der sich dann bei der Lektüre: und was ist nun genau falsch an unseren Kenntnissen über die Mayas?

Auch eine Methode, Leser zu verscheuchen, die das nächste Mal solche Lockstoffe weiträumig umfliegen werden …

Seit die Bilder lügen lernten

Wieso machen die Medien nichts dagegen?

Dass Gedrucktes gelogen sein kann, wissen wir schon seit vor der Parteizeitung «Prawda» (Wahrheit). Es kann eine leichte Akzentverschiebung sein oder auch nur der Kontext. «Schweres Erdbeben mit vielen Toten» ist nicht das gleiche wie «Schweres Erdbeben, Rettungsnmassnahmen angelaufen». Das ist ein sehr weites Feld bis hin zu schlichten Fälschungen wie die Konstantinische Schenkung oder die Protokolle der Weisen von Zion.

Schon hier spielen die Massenmedien eine entscheidende Rolle. Denn sie entscheiden über die öffentliche Wahrnehmung von Ereignissen. Vor allem solche, die vom Konsumenten nicht aus eigener Erfahrung überprüft werden können. Ist Nordkorea ein gruseliger Unrechtsstaat mit Hungersnöten, Arbeitslagern und einem irren Diktator? Oder ein kleines Land, das versucht, sein Schicksal autonom zu bestimmen und fürchterlich verleumdet wird?

Da es die absolute Wahrheit nicht gibt und sie auch nicht in der Mitte liegt, ist also die Vorarbeit eines Newsmediums entscheidend. Wenn es schreibt, dass Präsident Putin schwer krank sei oder Nawalny gestorben, dann wäre es gut, wenn das auch zutreffen würde. Wenn es also Bestätigungen dafür gäbe.

Mit jeder Fake News verspielen die Medien ein weiteres Stück ihrer ohnehin schon angeschlagenen Glaubwürdigkeit, ihr angeblich wichtigstes Gut. Ihr teuerstes Gut, ihr wertvollstes.

Dafür tun sie aber erschreckend wenig, um hier Überprüfbarkeit und Authentizität zu gewährleisten. Ist der Film über «Putins Palast» eine reale Dokumentation oder ein Fake? Behaupten kann man beides, aber belegen sollte man es schon können.

Die Sprache wird zum Lügen verwendet. Mit der Fotografie meinte man, einen objektiven Zeitzeugen gefunden zu haben. Bis Fotografien verändert, gefakt wurden. Zunächst noch eher amateurhaft, wenn der Revolutionär Trotzki, der als zweitwichtigster Mann sehr häufig neben Lenin stand und fotografiert wurde, aus all diesen Bildern herausretouchiert wurde, weil er Stalin in der Sonne stand. Gelegentlich blieb da aber ein Fuss, ein Arm oder eine Mütze übrig.

Seit der Digitalisierung ist es selbst für den Fachmann ausgesprochen schwierig, ein echtes Bild von einem Fake zu unterschieden. Blieb noch das bewegte Bild, das sei dann nur sehr, sehr schwer zu manipulieren. Bis AI und Deep Fakes das Gegenteil bewiesen.

Daraus kann man entweder schliessen, dass wir sowieso bald alle eine virtuelle Bildweltbrille tragen werden und die Wirklichkeit an Bedeutung schwer verlieren wird. Oder aber, wir können lamentieren, dass man ja niemandem und nichts mehr glauben kann. Und all die verhöhnen, die noch davon ausgehen, dass ein Bericht in der «Tagesschau» vielleicht manipulativ getextet oder eingeordnet oder ausgewählt sei, das Video selbst aber der Wirklichkeit entspräche.

Kann sein, muss nicht sein. Denn auch diese News-Flaggschiffe kochen nur mit Wasser. Sie vertrauen der Quelle, normalerweise eine Agentur wie AFP oder Reuters, sie machen vielleicht eine Google-Suche, ob diese Bilder nicht schon mal gezeigt wurden, sie versuchen, zusätzliche Bestätigungen aus anderen Quellen einzuholen. Kann funktionieren, muss nicht.

Es gibt auch für den Laien erste Programme, mit denen er Videos auf ihre Echtheit überprüfen kann. Aber das Problem liegt ganz woanders.

Es hat seine Wurzeln in einem weiteren geizigen Versagen der Medienhäuser. Es kann doch keine Quantenphysik sein, mit Blockchain oder anderen Technologien zu garantieren, dass ein Video von der Aufnahme bis zur Ausstrahlung nicht manipuliert wurde. Natürlich, was gefilmt wurde und was nicht, das ist weiterhin potenziell eine Manipulationsmöglichkeit.

Aber zumindest die Authentizität solcher Newsvideos wäre garantiert. Warum passiert das nicht? Ganz einfach, weil es nicht ganz billig, aufwendig in der Herstellung und somit nicht sofort profitabel wäre. Und den kurzatmigen Medienmanagern fällt in der Krise sowieso nur eins ein: sparen, sparen, nochmal sparen. Und was vorher gratis war, verkaufen wollen.

Abgesehen von der Errichtung von mehr oder minder raffinierten Paywalls, hat man technologisch jemals etwas von ihnen gehört, so von Müller von Blumencron aufwärts und abwärts? Ausser Gedöns, natürlich?

Die überprüfbare Authentizität von Dokumentarvideos, wär› doch was. Aber ZACKBUM kann  diese Perle ohne zu zögern vor die Säue werfen. Sie werden nicht einmal grunzen und sie ignorieren.

 

 

 

 

Zeitungen von CH-Media verleumden Infosperber

St. Galler, Badener und Zofinger Tagblatt, Solothurner Zeitung, Walliser Bote etc. verbreiten eine Covid-Verschwörungsphantasie.

Von Martina Frei*

Ein identischer ganzseitiger Artikel in den genannten Zeitungen des CH-Media-Konzerns wirft alle in den gleichen Topf, welche die offiziellen Informationen über die Impfstoffe gegen das Corona-Virus hinterfragen. Unter dem Titel «Eine Wahnidee jagt die nächste – warum hört das nicht auf?» nennen diese Zeitungen als neustes Beispiel Berichte einiger Medien über mRNA-Impfstoffe, die mit DNA verunreinigt waren. Dies sei eine «abstruse Behauptung», die «schnell entlarvt» sei, schrieben die Zeitungen.

Autorin Sabine Kuster war lange im Regionalressort tätig und ist keine Wissenschaftsjournalistin. Dass der Pfizer-Impfstoff mit DNA verschmutzt ist, sei «die neueste einer nie endenden Kette von abstrusen Behauptungen von Impfgegnern. […] Über die angebliche Verschmutzung der Impfdosen mit DNA haben wir bisher nicht berichtet. Zu absurd erschien die Behauptung», schrieb sie.

Merke: In diesen CH-Media-Zeitungen werden Informationen nicht aufgenommen, wenn sie «absurd erscheinen». Ob sie zutreffen, wird nicht recherchiert. Dabei wäre das die Aufgabe von Journalistinnen und Journalisten.

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Seitentitel am 18. Januar 2024 im St. Galler Tagblatt: Pfizer-Impfstoff mit DNA verschmutzt – eine Wahnidee. © CH-Media

 

Was CH-Media ausser acht liess …

Der gross aufgemachte Artikel in den Zeitungen von CH-Media zitiert einzig ein deutsches Labor, das DNA im Impfstoff gefunden haben will und stellt dessen Laborleiterin als zweifelhaft dar. Zu Wort kommt die kritisierte Laborleiterin nicht.

Die CH-Media-Zeitungen haben den Eindruck erweckt, nur dieses Labor habe in Impfstoffen Verunreinigungen mit DNA nachgewiesen. Kuster verschweigt unter anderem die DNA-Funde von Phillip Buckhaults.

Buckhaults ist Molekularbiologe, Spezialist für Krebsgene und Professor an der Universität South Carolina. Er hat seine Ausbildung unter anderem an der Johns Hopkins University gemacht und in Wissenschaftszeitschriften wie «PNAS» oder «Nature Communications» Fachartikel veröffentlicht. Von einer solchen Karriere können viele Wissenschaftler nur träumen.

Buckhaults riet allen, die ihm am Herzen liegen, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen. Er ist also weder «Verschwörungstheoretiker» noch «Anti-vaxxer», im Gegenteil. Der bekannte Krebsforscher Wafik El-Deiry bezeichnete Buckhaults als kompetent und integer.

Die Aussagen vor dem Senatsausschuss

Im September 2023 sagte Buckhaults vor einem Senatsausschuss von South Carolina aus. Die Aufzeichnung seiner nicht öffentlichen Aussagen wurde publik. Er habe Milliarden von DNA-Stückchen im Pfizer mRNA-Impfstoff gefunden, berichtete Buckhaults vor dem Ausschuss und sagte: «Ich bin etwas beunruhigt, welche Konsequenzen das für die menschliche Gesundheit und Biologie haben könnte.»

Buckhaults hat seine Untersuchungen nicht veröffentlicht. Er teilte die Resultate dem Senatsausschuss mit, damit Gesetzgeber, Arzneimittelbehörde, Hersteller und Wissenschaftler diese Verunreinigung von Impfstoffen ernst nehmen. Buckhaults schlug vor, möglichst viele fachkundige Wissenschaftler sollten abklären, ob bei Covid-geimpften Menschen im Erbgut von Stammzellen Stücke der fremden DNA aus dem Impfstoff zu finden sind.

Die Grenzwerte für DNA-Verunreinigungen in Impfstoffen seien zu einer Zeit eingeführt wurden, als es um das Spritzen von «nackter» DNA ging, gab Buckhaults zu bedenken. In den mRNA-Impfstoffen sei die DNA aber im Körper transportfähig in Nanopartikel verpackt.

Die CH-Media Journalistin konstatiert «eine läppische Unsorgfältigkeit»

Weil der Journalistin die Information «zu absurd» erschien, erstaunt es nicht, dass die CH-Media-Zeitungen auch nicht darüber informierten, dass die Europäische Arzneimittelbehörde EMA bereits Ende 2020 und erneut im Frühling 2021 die DNA im Pfizer-Biontech-Impfstoff als Problem erkannte und beanstandete. Das geht aus Dokumenten hervor, die gehackt wurden oder welche die Behörde herausgab.

Möglicherweise betraf dieses Problem nicht alle Produktionsstätten, und vielleicht war es im zweiten Halbjahr 2022 behoben, vielleicht auch nicht. Vieles bleibt im Ungewissen, weil die EMA in den freigegebenen Dokumenten ganze Abschnitte einschwärzte.

Spekulationen oder Befürchtungen könnten Pfizer/Biontech leicht ausräumen, wenn sie offenlegen würden, wie viel DNA sie mit welchen Methoden im Impfstoff gemessen haben.

Die Geheimniskrämerei sollte Medien, die sich als vierte Gewalt im Staat verstehen, hellhörig machen. Doch die Autorin des CH-Media-Artikels nannte die Verunreinigung «eine läppische Unsorgfältigkeit».

Im Patentantrag von Moderna stand etwas anderes

Was sie ebenfalls nicht erwähnte, ist das Patent, das Moderna seit dem Jahr 2018 hält. Darin geht es um Methoden, wie DNA, die bei der Herstellung in das mRNA-Produkt gelangt, entfernt werden kann. Im Patentantrag schrieben Stéphane Bancel, der Mitbesitzer von Moderna, und seine Kollegen: «Die DNA muss entfernt werden, um die Wirksamkeit und die Sicherheit der Therapeutika zu gewährleisten, denn in den Produkten verbleibende DNA könnte die angeborene Immunabwehr aktivieren und hat das Potenzial, bei Patientengruppen krebserregend zu wirken.»

Das deutsche «Paul-Ehrlich-Institut» (PEI), zuständig für die Zulassung und Sicherheit von Impfstoffen in Deutschland, wandte sich in Sachen DNA-Verunreinigung kurz vor Weihnachten 2023 mit einer Mitteilung an medizinische Fachkreise. Aus seiner Sicht hätten die nicht von den Herstellern, sondern von anderen Laboren durchgeführten DNA-Analysen methodische Mängel, schrieb es. Was im Schreiben des PEI nicht steht: Die methodischen Mängel führen laut mehreren Wissenschaftlern dazu, dass der DNA-Gehalt bei den Analysen der Impfstoffe eher unterschätzt wurde.

Bei den DNA-Messungen verliessen sich die Behörden voll auf die Angaben der Hersteller. Eigene Messungen nahmen die Behörden nicht vor.

Anstatt zu recherchieren einfach abgetan

Freilich können Zeitungen wie jene von CH-Media zum Schluss kommen, über die DNA-Verunreinigung nicht zu informieren, weil die Redaktion diese als wenig relevant beurteilt. Doch anderen Medien, die darüber informieren, «Wahnvorstellungen» und das Verbreiten «abstruser Behauptungen» vorzuwerfen, entspringt einer Verschwörungsphantasie. Zu den Verbreitern solcher «Wahnideen» zählt die Autorin auch Infosperber. Mit dieser üblen Nachrede versucht CH-Media, die unabhängige Online-Zeitung Infosperber als unglaubwürdig darzustellen.

Die Arzneimittelbehörde EMA, der Molekularbiologe Philipp Buckhaults und weitere Wissenschaftler (hier ab Minute 13:04 oder hier im «WDR» ab Minute 17:33) hingegen hielten es für nötig, den DNA-Funden in den Impfstoffen nachzugehen.

Eine Replik von Infosperber zum Artikel in den CH-Medien lehnte Chefredaktor Patrik Müller ab: «Wir halten an unserer Darstellung fest.» Er akzeptierte einen «Leserbrief mit maximal 1200 Zeichen».


CH-Media-Zeitungen untergraben ihre eigene Glaubwürdigkeit

upg. Die Glaubwürdigkeit ist das höchste Gut, das seriöse Zeitungen besitzen. Die beiden erwähnten Artikel in den CH-Media-Zeitungen St. Galler, Badener und Zofinger Tagblatt, Solothurner Zeitung, Walliser Bote u.a untergraben die Glaubwürdigkeit unserer Online-Zeitung Infosperber, indem sie Infosperber mit «Verschwörungstheoretikern», «Wahnideen» und «abstrusen Behauptungen» assoziieren.

Konkret «belegt» wird diese Assoziierung nicht etwa mit konkret bezeichneten Artikeln. Falsche Darstellungen in den Artikeln von Infosperber werden keine genannt.

Seit Ausbruch der Epidemie hat Infosperber zu Corona über 500 Artikel veröffentlicht. Dabei hat Infosperber im Gegensatz zu vielen anderen Medien die Rolle der Vierten Gewalt wahrgenommen und Aussagen und Entscheide von Behörden und Pharmafirmen kritisch hinterfragt.

Infosperber deshalb vorzuwerfen, Verschwörungstheorien oder Wahnideen zu verbreiten, ist eine bösartige Unterstellung.

Die CH-Media-Zeitungen zitieren keinen einzigen Beleg, dass Infosperber eine Verschwörungstheorie oder eine Wahnidee verbreitet hätte.

Das Gegenteil ist der Fall: Infosperber hat über Verschwörungsphantasierer informiert, deren Namen genannt und deren Verschwörungsphantasien als solche aufgezeigt. Auch hat Infosperber über den Nutzen der Impfungen für vulnerable Personen informiert und auf das grosse Ansteckungsrisiko ohne Masken in geschlossenen Räumen mit vielen Personen regelmässig hingewiesen.

Die Redaktion von Infosperber besteht ausschliesslich aus professionellen Journalistinnen und Journalisten. Die meisten Artikel zur Corona-Pandemie haben Urs P. Gasche, seit langem Mitglied des «Schweizer Klubs für Wissenschaftsjournalismus» und Autor mehrerer Bücher über die öffentliche Gesundheit, sowie Martina Frei, ebenfalls Mitglied im «Klub für Wissenschaftsjournalismus», geschrieben. Als praktizierende Ärztin im Nebenberuf hat Martina Frei Menschen gegen Covid-19 geimpft und solche mit Covid behandelt.


*Der Artikel erschien zuerst auf «Infosperber». Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.

China zensiert brutal

Oder westliche Medien schreiben sich Fake News ab.

Von Felix Abt

Enthüllung: Das repressive China hat einen beliebten Spielzeugbären unterdrückt — oder waren es doch eher die Fake-News-Medien?

Als ich vor Jahren auf dem Markt einer mittelgroßen chinesischen Stadt zufällig einen großen Stand mit vielen Winnie-the-Pooh-Produkten sah, blieb ich stehen und war erstaunt. Hatte ich nicht kürzlich in den westlichen Medien gelesen, dass Winnie the Pooh in China verboten worden war?

Die Geschichte von den verbotenen Plüschbären, T-Shirts und anderen Winnie-the-Pooh-Utensilien ist seitdem immer wieder in den Medien zu vernehmen. Eine der ersten war die BBC, die 2017 «berichtete», dass Winnie the Pooh in China verboten worden sei.

Ein Jahr später, im Jahr 2018, «berichtete» Der Spiegel, dass der «chinesische Machthaber» Angst vor Winnie the Pooh hatte und der niedliche Spielzeugbär deshalb verboten werden musste. «Weil der Bär wie der Machthaber aussieht«, behauptete das Blatt, ohne zu scherzen. Und die Tatsache, dass Chinesen mit bärenähnlichen Gesichtszügen eine rassistische Beleidigung sein könnten, störte den ansonsten woken Moral-Spiegel nicht.

Er stellte die Behauptung auf, dass «Bilder von Winnie the Pooh in China seit langem verboten sind – eben um systemkritische Xi-Memes zu verhindern

Besser spät als nie: Ganze 5 Jahre später, also im Jahr 2023, «berichtete” auch die Neue Zürcher Zeitung über die unheimliche Bärenangst des chinesischen Staatsoberhauptes. Die NZZ führte das Winnie-the-Puuh-Verbot als hieb- und stichfesten Beweis für die allumfassende chinesische Repression an.

Winnie-the-Pooh  wurde auch anderswo verboten, weil der Bär als «unangemessener Zwitter» mit «fragwürdiger Sexualität» beschuldigt wurde. Da dies in einer polnischen und nicht in einer chinesischen Stadt geschah, war es in den westlichen Medien keine Schlagzeile wert.

Keiner dieser “Berichterstatter”, die über die Unterdrückung des Bären und seiner Fans in China schrieben, war vor Ort, um die Angelegenheit zu klären. Ideologische Überzeugungen haben die Macht, Fakten in den Medien zu ersetzen wie nie zuvor.

Glücklicherweise gibt es heute soziale Medien, die nicht nur Unsinn und Unwahrheiten verbreiten wie die traditionellen Medien, sondern auch Wahres, das in letzteren nicht zu finden ist.

In China lebende Ausländer, die westliche Medien weniger zur Information – das wäre Zeitverschwendung – als vielmehr zur Belustigung konsumieren, haben es gewagt, in den sozialen Medien Winnie Puuh zu posten, wie man ihn auf chinesischen Märkten oder auf von Chinesen getragenen T-Shirts sieht.

Der Brite Lee Barrett, der in Shenzhen lebt, twitterte beispielsweise kürzlich Fotos aus einem chinesischen Geschäft, in dem Winnie-the-Puuh-Produkte verkauft werden.

Und die in China lebende Amerikanerin Katrina twitterte ein Bild des mit Winnie the Puuh bemalten Autos ihres chinesischen Nachbarn.

Wo bleibt denn da die Repression, liebe NZZ? Wahrscheinlich ist ein neuer Artikel mit dem sinnigen Titel fällig: «Im unberechenbaren China kann man sich nicht einmal mehr auf die Repression verlassen

Fake News

Aus den Niederungen des Tagi.

Dass das Qualitätsorgan «Tages-Anzeiger» die Ansichten des neuen argentinischen Präsidenten nicht mag, ist offensichtlich. «Anarcho-Kapitalist», «Kettensäge», das Framing ist gesetzt und muss bedient werden. Für die Gesinnungsblase, für die der Tagi schreibt, mag das okay sein.

Allerdings ist doch eine immer tiefergehende Veränderung zu verzeichnen. Das fängt beim neutralen Titel an «Milei poltert in Davos gegen Feministinnen und Politiker». Ist das eine journalistisch zurechnungsfähige Zusammenfassung dessen, was er gesagt hat?

Das ist übrigens hier nachzulesen, bzw. nachzuhören. Das muss der Tagi nicht unbedingt liefern, aber es entlarvt seine Berichterstattung als Fake News.

Schon der erste Satz der Fachkraft Beatrice Bösiger ist schlichtweg falsch: «Auf die warmen Begrüssungsworte von WEF-Gründer Klaus Schwab geht Javier Milei nicht ein.» Damit will sie ihn als ungehobelten Rüpel hinstellen. In Wirklich begann Milei so: «Schönen guten Nachmittag und vielen Dank für diese Worte.» Und am Schluss behauptet Bösiger: «Mit dem Ruf «Es lebe die Freiheit, verdammt nochmals», verschwindet er von der Bühne. Zeit für Nachfragen bleiben keine.»

«Muchas gracias y vive la libertad, carajo», sagte Milei am Schluss; das ist eine seinem Wahlkampf geschuldete Floskel, ungefähr so kritisierbar wie «let’s make America Great again» oder «wir schaffen das». Damit verschwindet er auch nicht «fluchend von der Bühne», sondern beendet seinen Vortrag und lässt sich, wie alle anderen Redner auch, von der Bühne führen und verabschieden. Vielleicht hätte sich Bösiger lieber um so Details wir die richtige Konjugation eines Verbs kümmern sollen.

Was ist nun von der Berichterstattung über den Inhalt seiner Rede zu halten, wenn schon der erste Satz schlichtweg Fake News ist, so wie der letzte? Wo die Autorin zwischendurch beckmessert: «Offen bleibt allerdings, woher er die Zahlen hat», als wäre es der Sinn einer programmatischen Rede, mit Quellenangaben und Fussnoten zu arbeiten? Genau; nichts. Und dafür soll noch etwas bezahlt werden? Lachhaft. «Beatrice Bösiger ist seit 2023 bei Tamedia», heisst es über die Autorin. Ein Gewinn für das Blatt ist sie nicht.

Es ist allerdings auch nicht die feine Art, dass die «Weltwoche» in ihrer Dokumentation der Rede das Wort «carajo» am Schluss weglässt; ein kleiner Fleck auf der weissen Weste der Berichterstattung.

Ähnliches lässt sich über den Kommentar zum abrupten Abgang des SRG-Chefs Gilles Marchand sagen. Der überbezahlte und bislang mehr als unglücklich kommunizierende Boss wirft das Handtuch. Warum? Ganz einfach, der kommende Abstimmungskampf über die Initiative, die die Zwangsgebühren auf 200 Franken deckeln will, würde etwas provozieren, was sich Marchand eher nicht gewohnt ist: Arbeit und Engagement. Also stattdessen Frühpensionierung und Verzehren einer gewaltigen Pension.

Aber nein, meint die von der abserbelnden Journalistenpostille «Edito» zum Tagi eingewechselte Nina Farghani. Sie spannt ihren dialektischen Schönschwatzmuskel an und meint: «Ist er ein Schönwetterkapitän, der die SRG im Stich lässt, sobald ein Sturm aufzieht? Mitnichten.» Schliesslich habe Marchand «in seiner Zeit als Generaldirektor weitreichende Sparprogramme» angekündigt. Die sich allerdings als reines Geschwätz erwiesen, statt gespart wurde mehr ausgegeben.

Dann schlaumeiert Farghani noch: «Den Medien, insbesondere der SRG, kommt in der direkten Demokratie der Schweiz eine existenziell wichtige Bedeutung zu.» Das mag ja sein, aber Medien wie der Tagi verabschieden sich von jeder Bedeutung mit solchen Fake News …

 

 

 

Nebensächliche Fake News

Wie dummes Geschwätz ohne Recherche die Debatte vergiftet. Oder: das kommt Somm chinesisch vor.

Der Grosskommentator Markus Somm regte sich furchtbar auf: «Was die Hamas-Terroristen und ihre Anhänger im Westen fordern, nämlich die Vernichtung des Judenstaats, ist in China bereits vollzogen worden.»

Er echauffierte sich über eine Meldung des «Wall Street Journal». Das wollte nämlich «entdeckt» haben, dass Israel auf chinesischen Landkarten als Name nicht mehr existiere. Das WSJ wiederum bezog sich auf einen Tweet einer chinakritischen Bloggerin, die auch schon Fake News wie die streute, dass der chinesische Präsident Xi unter Hausarrest stünde.

Das Fehlen des Namens Israel hatte sie auf irgend einer Landkarte der chinesischen Suchmaschine Baidu entdeckt.

Und schon ist eine Mär geboren, die dann als Endmoräne das Gewäffel von Somm auslöste. Im Gegensatz zu ihm hat sich ZACKBUM die Mühe gemacht, dem verschwundenen Israel nachzugehen. Es ist richtig, dass auf einer solchen Karte von Baidu weder Israel noch Palästina namentlich eingezeichnet sind; die Landesgrenzen hingegen schon und akkurat. Also nicht wirklich ein Zeichen, dass China den Slogan summt «from the river to the sea».

Wer sich dann die Mühe macht, bei der «National Platform for Common Geospatial Information Services» nachzuschauen, benützt dann als Quelle das amtliche chinesische Karteninstitut.

Und siehe da:

ZACKBUM gesteht, dass wir weder flüssig noch trocken Chinesisch sprechen oder die Zeichen lesen können. Aber wozu gibt es moderne Camera Translator. Die können natürlich auch im Dienste dunkler Mächte stehen, die sich der «Vernichtung des Judenstaats» verschrieben haben und daher falsche Angaben machen. Das könnte zumindest Somm, der grosse Recherchierjournalist, vermuten.

Denn der Translator gibt hier das vollständige Verzeichnis der Ländernamen an, darunter Jordanien, Syrien, Libanon und – Israel sowie Palästina.

Bezüglich der Darstellung des gleichen Gebiets von Google Maps gäbe es dann auch noch ein paar Sachen zu sagen:

Man schaue sich zum Beispiel die interessante Grenzziehung bei den Golanhöhen an.

Aber wer nicht so einäugig und gleichzeitig verblendet wie Somm ist, zieht aus solchen Darstellungen nicht so absurde Schlüsse wie den von der «vollzogenen Vernichtung des Judenstaats» durch China.

Ausgangspunkt für diese kleine Recherche war die Anwendung der Vernunft; das ist Somm (und nicht nur ihm) leider nicht gegeben. Die Vernunft führte zur naheliegenden Frage: will China tatsächlich die «Vernichtung» Israels so ankündigen oder darstellen, indem es den Namen Israels von Landkarten streicht? Das kann ja wohl nicht wahr sein. Ist’s auch nicht.

China hat Israel als Staat und diplomatisch anerkannt; daran hat sich in den letzten Jahren und auch aktuell nichts geändert.

Womit mit einigem Aufwand eine Fake News entlarvt worden wäre.

Was aber bleibt: was soll man Journalisten wie Somm eigentlich noch glauben? Was soll man seinem Organ «Nebelspalter» noch glauben? Wer einen solchen Pipifax wie einen fehlenden Namen auf irgend einer Landkarte zu einem solchen Monster aufbläst, und damit erst noch auf die Schnauze fällt – hat der sich nicht als ernstzunehmende Informationsquelle desavouiert? Disqualifiziert?

Aber er profitiert sicher davon: das interessiert doch gar nicht gross, neuer Kommentar, neues Spiel, schnell wird Somm das nächste Schwein durchs Dorf treiben, obwohl das letzte geschlachtet wurde.

Wahrheit, zumindest Wahrhaftigkeit, eigene Recherche statt ungeprüfte Übernahme von Behauptungen? He, das wäre doch Journalismus. Pfui, machen wir nicht mehr, kommt auch nicht wieder rein.

China-Missversteher, Teil 3

«Die Partei und der Staat sind paranoid und bauen einen Überwachungsstaat auf».

Hier geht’s zu Teil eins.

Hier geht’s zu Teil zwei.

Von Felix Abt

Für Herrn Baumann ist klar: Die paranoide Partei treibt den Aufbau eines umfassenden Überwachungsstaates voran.

Jerry Grey hat vor einiger Zeit ein Video über den Überwachungsstaat gedreht, das Sie sich ansehen sollten. Es könnte Ihnen eine bessere Perspektive geben.

Ich kann nicht viel zu dieser Überwachungsstaatsthese sagen, außer auf Links zu verweisen, wo externe Agenturen China untersucht haben und zu dem Schluss gekommen sind, dass China ganz anders ist, als Herr Baumann es wahrnimmt:

– Das Ashe Center der Harvard Universität beschäftigte sich seit 13 Jahren mit dieser Frage. Hier ist einer seiner Befunde.

– Die Ipsos Global Satisfaction Survey ergab, dass China unter den 32 untersuchten Ländern den ersten Platz belegte.

– Die Universität von San Diego stellte fest, dass China sowohl happy als auch stabil ist.

Ich möchte chinesische Quellen nicht erwähnen, weil sie reflexartig als Propaganda angesehen würden, auch wenn sie genauso glaubwürdig oder unglaubwürdig sein können wie westliche Quellen.

“In China wird die Geschichte fast bis zur Unkenntlichkeit gefälscht”

So lautet die Geschichtsverfälschtertheorie von Thomas Bauman. Jerry Grey beschäftigt sich mit chinesischer Geschichte und erklärte mir das: “Wie bei allen Unwahrheiten über China steckt darin auch ein Körnchen Wahrheit – tatsächlich wird in China eher restauriert als gefälscht, aber wenn etwas für immer verschwunden ist, wie das alte Fort aus der Ming-Dynastie in Jaiyuguan, dem Ende der großen Mauer, wurde das Fort verlassen. Ich selbst komme aus dem Nordosten Englands und weiß, dass mit dem Hadrianswall genau das Gleiche passiert ist: Er wurde in den 100 Jahren, nachdem die Römer die Region verlassen hatten, als Baumaterial genutzt, und die Angelsachsen und Dänen kämpften um ihn. China hat die Festung als historische Stätte wiederaufgebaut – manch einer mag behaupten, sie fälschen die Geschichte, aber in Wahrheit stellen sie etwas Verlorenes wieder her – meine eigene Heimatstadt ist ein gutes Beispiel dafür – normalerweise verwende ich Wikipedia nicht als Quelle, aber aus Gründen der Zweckmäßigkeit hier ein Link zu meiner Heimatstadt South Shields im Norden Englands – fälschen die Briten die Geschichte oder schaffen sie ein Museum zur Erinnerung daran?

Grey fährt fort: “Der Sommerpalast steht noch, die Verbotene Stadt ist noch intakt, die Terrakotta-Krieger in Xi’an wurden während der Kulturrevolution entdeckt und sind eines der größten archäologischen Weltwunder der Welt. Eine der ältesten Zivilisationen der Welt befand sich in der Nähe des heutigen Chengdu, Sanxindui ist als neuntes Weltwunder bekannt. China fälscht die Geschichte nicht, sondern bewahrt sie, und wo das nicht möglich ist, stellt es sie neu her – man mag das als Fälschung bezeichnen, ich bin da anderer Meinung

Einer der Gründe, warum ich nicht zustimme, ist Chinas bekanntestes historisches Bauwerk, die Chinesische Mauer. Hätte China nicht so viel Zeit und Mühe in die Restaurierung gesteckt, hätten wir jetzt einen Haufen Steine und Schutt vor uns – ist das eine Fälschung? Manch einer mag das bejahen, aber ist es nicht besser, dass sie das getan haben, was sie getan haben, und dass die Menschen sich an den Ort erinnern können, an dem er einmal war, und nicht an eine Baustelle?

Fürs Protokoll: Es werden kilometerlange Restaurierungsarbeiten an der originalen großen Mauer in Westchina durchgeführt – ich bin mit dem Fahrrad entlanggeradelt und habe sie mit eigenen Augen gesehen. Als ich sie 2014 zum ersten Mal sah, sah sie so aus:

Im Jahr 2019 arbeiteten dort Teams bereits an der Restaurierung und Erhaltung
der wiederaufgebauten Mauer.

 

Ohrenbetäubende, diskriminierende Propaganda?

Als Herr Baumann die Lautsprecher in Kashgar, Xinjiang, hörte, die die Einheit des Landes beschworen, rollte ein Kantoneser resigniert mit den Augen, als er ihm sagte, er könne sich eine Reise nach Nordkorea sparen. Nun, dieser Han-Chinese würde wahrscheinlich zu den ersten Opfern gehören, wenn es von ausländischen Mächten unterstützte islamistischen Separatisten gelänge, die Provinz von China abzuspalten. Es ist mir oft passiert, dass Chinesen und Vietnamesen mit den Augen rollten, wenn ich sagte, dass ich in Nordkorea lebte. Ältere Chinesen brachten oft ihre Familie mit Kindern und Kindeskindern in den Urlaub nach Pjöngjang, um ihnen zu sagen: «Seht mal, so war es früher bei uns, hahaha!» Baumann schiebt nach, dass kulturelle Sensibilität in China sowieso nicht angesagt ist. Vielleicht wäre es interessanter gewesen, von ihm zu erfahren, warum auf chinesischen Banknoten die fünf Sprachen Mandarin, Tibetisch, Mongolisch, Uighurisch und Zhuang stehen und warum sogar ethnische Han in Tibet obligatorisch Tibetisch lernen müssen. Mehr über den angeblichen kulturellen Völkermord erfahren Sie, ebenfalls von Jerry Grey, in seinem Artikel hier.

Schließlich macht Baumann noch einen Seitenhieb auf die «bloß billig zusammengebauten iPhones», die die Menschen im Westen haben wollen, und bestätigt damit für einige den Eindruck, dass die KPCh die Bürger Chinas für schlechte Löhne zugunsten des Wohlstands im Westen ausbeutet.

Auch hier möchte ich einen echten Experten zu Rate ziehen, nämlich den Apple-CEO Tim Cook selbst, der sich dazu wie folgt äußerte:»Die gängige Meinung ist, dass Unternehmen wegen der niedrigen Arbeitskosten nach China kommen. …. Es ist schon seit Jahren nicht mehr das Land mit den niedrigsten Arbeitskosten. Der Grund, warum sie nach China kommen, sind die dortigen Fähigkeiten.» Er erläutert die beeindruckenden “Skills” der chinesischen Ingenieure, die er anderswo nicht finden kann.

Trau, schau, wem! — ein chinesisches Prinzip

Manch einer mag sich fragen, warum die westliche Berichterstattung über China so lausig ist und warum sich westliche Journalisten ihre China-Weisheiten aus den Fingern saugen müssen. Die Antwort ist einfach: Wichtige Akteure wollen keine Informationen mit ihnen teilen, weil sie ihr bescheidenes Vertrauenskapital längst verspielt haben.

Ende

Widerlegte Lügen

Wie die Medien den Sport als Propagandawaffe im Informationskrieg missbrauchen

Von Felix Abt

Passt nicht ins westliche Narrativ: Chinas uigurischer Basketball-Star Dilana Dilixiati  –
nur ein Beispiel von vielen.

Eigentlich müssten sich westliche Journalisten mehr um Nordkorea kümmern als um China; denn dann dürfen sie alles Mögliche berichten – gerne auch zusätzlich Erfundenes -, weil es eh nicht verifiziert werden kann und sie keine Widerlegung erwarten müssen. Ausserdem passen gerade die von der CIA gesponserten Horrorgeschichten über das vom Westen mit einem fast vollständigen Wirtschaftsembargo – dem umfassendsten Sanktionsregime der Welt – isolierte Land am besten zu den Erwartungen der seit Jahrzehnten entsprechend konditionierten Medienkonsumenten.

Viel schwieriger ist es jedoch, Horrorgeschichten über China zu verbreiten. Denn China ist weitaus transparenter, und wenn jemand beispielsweise die von den USA perpetuierte Behauptung überprüfen will, dass Uiguren unter unmenschlichen Bedingungen zur Baumwollernte gezwungen werden (weswegen chinesische Baumwollprodukte verboten werden mussten), kann er selbst nach Xinjiang reisen.

Forsche Behauptungen

Er könnte dort dann beispielsweise herausfinden, dass hochmoderne amerikanische John-Deere-Maschinen auf automatisierten Farmen, die übrigens grösstenteils Uiguren gehören, die angeblich menschenrechtswidrige “Zwangsarbeit” 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche verrichten – und noch dazu unbezahlt.

Amy Hawkins ist die leitende China-Korrespondentin des britischen “Guardian”. Anstatt sich eingehender mit den soeben zu Ende gegangenen Asienspielen in China zu befassen, verbreitete sie forsch die Behauptung, dass das Bild zweier chinesischer Sportlerinnen mit den Nummerschildern 6 und 4, die sich eng umarmen, an das Datum der “Massaker von Tiananmen” erinnere und deshalb sofort vom chinesischen Staat “gesperrt” worden sei.

(Screenshot: Twitter)

Ihr Kollege John Simpson, BBC-Starjournalist mit 226.000 Followern auf Twitter/”X”, verbreitete dieselbe Behauptung in seiner nachstehenden Botschaft:

(Screenshot: Twitter)

Viele andere Medien, darunter auch der “Spiegel”, der eigene Korrespondenten im Land hat, schrieben die Geschichte nach. Bei einer unvoreingenommenen Suche erscheint als erstes Ergebnis ausgerechnet die Meldung von “Xinhua News”, der Nachrichtenagentur der offiziellen chinesischen Staatsmedien. Mir ist auch aufgefallen, dass viele andere chinesische Medien das gleiche Bild veröffentlichten (und zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels immer noch zeigen). Hatte die “Xinhua” vielleicht Spass daran, das Bild zu verbreiten, obwohl es der Eigentümer von “Xinhua”, der chinesische Staat, westlichen Medien zufolge verboten haben soll?

(Screenshot: Xinhua)

Dem Vernehmen nach hat in China niemand mit der Wimper gezuckt, als das Bild mit den vermeintlich berüchtigten Zahlen auftauchte. Die westlichen Medien dachten bereits, sie hätten eine weitere gute Gelegenheit ergriffen, das ach so diktatorische China wieder einmal an den Pranger zu stellen. Der Lügen-“Spiegel“ etwa phantasierte, dass ein “Foto im Netz viel geteilt wurde – bis Chinas Zensoren aus politischen Gründen zugriffen“:

(Screenshot: Spiegel)

Aber was hat es eigentlich mit dem angeblichen Tiananmen-Massaker auf sich, auf das die westlichen Medien anspielen, wenn sie auf die sich umarmenden Sportlerinnen zeigen? Der ehemalige Leiter des Pekinger Büros der Washington Post, Jay Mathews, räumte 1998 ein, dass “alle verifizierten Augenzeugenberichte besagen, dass die Studenten, die auf dem Platz blieben, als die Truppen eintrafen, diesen friedlich verlassen durften“. Mathews bezeichnete das Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens als “Mythos” und betonte, es sei “schwer, einen Journalisten zu finden, der nicht zu diesem falschen Eindruck beigetragen hat.” Soweit es sich anhand der vorliegenden Beweise feststellen lässt, kam in jener Nacht auf dem Tiananmen-Platz offenbar niemand ums Leben.

Tiananmen-Proteste – Massaker oder Desinformation?

Diese Ansicht wurde auch von dem “Reuters”-Korrespondenten Graham Earnshaw bestätigt, der die Nacht vom 3. auf den 4. Juni 1989 im Zentrum des Platzes des Himmlischen Friedens verbrachte und viele Studenten interviewte. Er sagte, dass die meisten Studenten den Platz zu diesem Zeitpunkt bereits friedlich verlassen hatten und dass die verbleibenden paar Hundert überredet wurden, es ihnen gleichzutun. “Es gab keine Gewalt, geschweige denn ein Massaker”, so Earnshaw.

Als Leser erwiesener Fake-News fragt man sich, wie sich Journalisten von “Guardian”, BBC, “Spiegel” und vieler anderer westlichen Medien fühlen müssen, wenn ihre Desinformation durch Fakten entlarvt werden, und warum sie ihre Behauptungen aufrechterhalten, anstatt sie zurückzuziehen und mit einer Korrektur oder gar Entschuldigung aufzuwarten.

Nur propagandistisch verwertbare chinesische Sportlerinnen im Westen gefragt

Das letzte Mal, dass sich die Medien auf ein grosses Sportereignis in China einschossen, war im Vorfeld der Olympischen Winterspiele in Peking. Peng Shuai, eine chinesische Tennisspielerin, wurde berühmt, als sie laut westlichen Medien einen pensionierten Spitzenpolitiker der Vergewaltigung beschuldigte (das Wort “Vergewaltigung” verwendete sie in ihrem chinesischen Originaltext allerdings nicht!), nachdem die jahrelange heimliche Liebesbeziehung mit vielen Höhen und Tiefen zwischen den beiden in die Brüche gegangen war. Westliche Politiker – darunter auch die Ampelkoalition in Berlin – und ihre Assistenzmedien riefen daher sofort zum Boykott der Olympischen Winterspiele in Peking auf, denen sie aus Protest fernblieben. Die Neue Zürcher Zeitung zum Beispiel verurteilte das Olympische Komitee scharf für die Unverschämtheit, die Olympischen Spiele trotzdem in China stattfinden zu lassen. Die Sportlerin wurde in der Folge oft in der Öffentlichkeit gesehen, lachend und im Gespräch mit anderen Menschen. Weil sie offenbar nicht in einem Gulag gelandet war, wie die westliche Medien-Soldateska insgeheim gehofft haben muss, verschwand sie bald wieder aus dem westlichen Medienzirkus.

Dilana Dilixiati ist ebenfalls ein chinesischer Sportstar, aber anders als der Tennisstar kennt sie im kollektiven Westen niemand. Ihr Team hatte bei der FIBA-Frauen-Basketball-Weltmeisterschaft einen unerwarteten, sensationellen Sieg im Halbfinale gegen die Basketball-Supermacht Australien errungen. Australische Medien berichteten: “Sie besiegten die Gastgeberinnen am Freitagabend im Sydney Superdome mit 61:59 in einer spannenden Begegnung, die erst in den letzten Sekunden entschieden wurde.” Der “dramatische Thriller” löste Schockwellen aus.

Unerzählte, aber bewegende Geschichten

Wer das Spiel verfolgte, erkannte sofort, dass Dilana Dilixiati anders aussah als ihre Mitspielerinnen: Die Journalisten müssen sie bemerkt haben. Seltsamerweise hat die Uigurin – die ihren Namen auf Uigurisch wie folgt buchstabiert: دىلانا دىلشات, was nicht nach Mandarin aussieht – kein Interesse erregt, obwohl sie sich wie keine andere für eine sensationelle Erfolgsgeschichte, die zu Klicks einlädt, geeignet hätte. Der Fall war klar: Dilana Dilixiati, eine Uigurin, und ihre offensichtliche Erlaubnis und Fähigkeit zu reisen, widersprach dem in westlichen Köpfen verankerten Narrativ, dass Uiguren Gefangene und Opfer eines Völkermords seien und Xinjiang nicht verlassen dürften. Dilixiatis Geschichte musste folglich von den Agendajournalisten verschwiegen werden – denn die Medienkonsumenten hätten natürlich gemerkt, dass mit dem vorherrschenden Narrativ etwas nicht stimmen kann; und niemand lässt sich gerne manipulieren.

Es gibt noch andere Meldungen, die nicht erzählt werden, weil sie nicht ins Bild der antichinesischen Berichterstattung passen wollen und möglicherweise unerwünschte Sympathien mit dem dämonisierten Reich der Mitte wecken könnten: Zum Beispiel ist da die aussergewöhnliche Geschichte der Freude und der Tränen zweier befreundeten chinesischen und japanischen Schwimmerinnen. Obwohl sie äußerst bewegend war, wurde sie von den westlichen Medien nicht aufgegriffen – weil sie das vorherrschende China-Narrativ wahrscheinlich ebenfalls durcheinander gebracht hätte: Chinesische und japanische Schwimmstars standen bei den Asienspielen 2023 nämlich gemeinsam auf dem Medaillenpodest.

Japans Schwimmerin Rikako Ikee (rechts, rotes Trikot) und Chinas Schwimm-Goldmedaillengewinnerin Zhang Yufei (links, weißes Trikot) (Screenshot:Twitter/CGTSportscene)

Die Japanerin Rikako Ikee war seit ihrer Jugend eine Weltklasseschwimmerin gewesen; sie erkrankte aber an Leukämie und lag monatelang im Krankenhaus. Jetzt hat sie ein furioses Comeback geschafft. Das Rennen, an dem sie teilgenommen hatte, das 50-Meter-Schwimmen, war der letzte Schwimmwettkampf der Spiele in Hangzhou und Ikees letzte Chance, eine Einzelmedaille zu gewinnen – was ihr auch gelang. Die Botschaft war klar: Die Leukämie ist Geschichte, und ich bin wieder unter den Medaillengewinnern! Chinas Zhang Yufei kannte die ganze Geschichte.

Obwohl sie sportliche Rivalen waren, waren sie doch auch asiatische Nachbarn und Freunde, die eine gemeinsame Reise unternommen hatten. Es war ein emotionaler Moment. “Ich sagte zu Rikako: Nicht weinen, nicht weinen“, erzählte Yufei, die chinesische Schwimmerin. “Als sie ihren Namen auf dem Podium verkündeten, war mir schon zum Weinen zumute. Aber ich dachte mir: Das ist eine Live-Übertragung, ich kann nicht weinen. Dann sah ich, wie sie weinend ihren Trainer umarmte. Ich konnte meine Tränen nicht mehr zurückhalten.

In China rettet die KP den Kapitalismus, Part II

Dies und andere Dinge, die Ihnen die Medien hierzulande gar nicht oder falsch erzählen.

Hier geht es zu Teil 1.

Von Felix Abt

Geht es darum, die Medienkonsumenten ahnungslos zu halten? Man mag es den mit bescheidenem Wissen ausgestatteten “Tagesschau”-Mitarbeitern verzeihen, da selbst die sonst viel professionelleren Journalisten von “Bloomberg” rein innenpolitische Konflikte in Indien zwischen der dortigen Hindu-Mehrheit und der kleinen Sikh-Minderheit auf den “Streit zwischen Indien und China” zurückführen.

Bloomberg berichtet: «Der Mann, der im Mittelpunkt eines Streits zwischen Indien und China steht, war ein prominentes Mitglied der separatistischen Sikh-Bewegung.» China unterstützt keine Separatisten und Terroristen in Indien, ebenso wenig wie Indien Separatisten und Terroristen in China unterstützt. Solche Aktivitäten fallen in der Regel in den Zuständigkeitsbereich der Vereinigten Staaten.

Immerhin weiß der chinesische Außenminister, dass die derart “informierten” Menschen im Westen Chinesen, Japaner und Südkoreaner in der Regel nicht auseinanderhalten können. Seinen japanischen und koreanischen Amtskollegen empfahl er, gemäss “Japan Times”: “Egal, wie sehr wir uns die Haare blond färben und unsere Nase verändern, wir werden nie Amerikaner oder Europäer werden und sollten zu unseren Wurzeln stehen.

Sherelle Jacobs, Chefredakteurin der britischen “Nachrichten-Website des Jahres” des Londoner “Telegraph”, studierte Geschichte an der School for Oriental and African Studies in London, arbeitete eine Zeit lang für die “Deutsche Welle” in Bonn und als freie Journalistin in Tunesien.

Wirtschaftlich in der Krise – und dazu noch terroristisch!

Sie hat nie in China gelebt, spricht weder die Sprache noch versteht sie die Kultur des Landes; dennoch urteilt sie messerscharf über China und kommt zu dem Schluss, dass das Land “die größere Gefahr darstellt, als es die terroristische al-Qaida je war, und dass es die westliche Zivilisation in seinem Krieg bereits besiegt hat”.

Welch Schock! Werden von Peking entsandte Terroristen (vielleicht sogar hochkompetente und erfahrene aus Xinjiang) also bald Wolkenkratzer im zivilisierten Westen in die Luft jagen? Jedenfalls scheint es so, als ob die “Telegraph”-Journalistin Jacobs möchte, dass ihre Leser dies glauben:

(Screenshot: Telegraph)

Sherelle Jacobs’ Vater ist Nigerianer. Das britische Empire unterwarf Nigeria 1901 als Protektorat und begann von da an, die Nigerianer faktisch zu versklaven und dem Land diktatorisch seine Politik aufzuzwingen. In Afrika waren die Briten vielleicht weniger grausam als in China, gegen das sie zwei Opiumkriege führten. Vor den Opiumkriegen war China die mächtigste Volkswirtschaft der Welt, und nur ein Jahrzehnt später war seine Wirtschaft um die Hälfte geschrumpft.

Indien erging es noch schlimmer: Die britische Kolonialpolitik forderte zwischen 1880 und 1920 einhundert Millionen Menschenleben. Indiens Anteil an der Weltwirtschaft betrug 23 Prozent, als die Briten kamen; als die Briten gingen, waren es nur noch 4 Prozent. Außerdem lebten am Ende der britischen Kolonialherrschaft 90 Prozent der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze, und die Lebenserwartung betrug nur 27 Jahre.

Die Alphabetisierungsrate in der britischen Kolonie betrug weniger als 17 Prozent. Die Ausgaben für den Kindergarten bis zur Universität betrugen weniger als die Hälfte des Budgets des Staates New York für Grundschulen. Außerdem haben die Briten insgesamt einen volkswirtschaftlichen Gegenwert von 45 Billionen Dollar aus Indien gestohlen.

Über all das schreibt diese britische Journalistin nichts. Umso mehr versucht sie, China zu dämonisieren – ein Land, das selbst nie andere Länder kolonisiert hat und das als Weltmacht jahrhundertelang seine Flotte nicht für Kanonenbootpolitik und die Unterwerfung anderer Länder missbraucht hat, sondern sie nur für den friedlichen Handel nutzte.

Britische Kolonialtruppen in Nigeria (Quelle: answersafrica.com)

Aber könnte es sein, dass China unter der Führung der Kommunistischen Partei kolonialistische und imperialistische Tendenzen entwickelt hat? Zunächst eine kleine Korrektur: “Kommunistisch” ist sie immer noch im Namen, aber in Wirklichkeit ist sie eine bessere “kapitalistische” Partei als die, die etwa im Zweiparteiensystem in den USA den Ton angeben.

In China herrscht Kapitalismus mit chinesischen Merkmalen, der für die meisten chinesischen Bürger besser funktioniert als der ungezähmte Kapitalismus mit amerikanischen Merkmalen für die meisten amerikanischen Bürger. Peking greift ein, wenn die Marktwirtschaft dysfunktional wird, um sie zum Funktionieren zu bringen – etwa durch das Verbot von Kartellen und Monopolen -, um einen fairen Wettbewerb zu gewährleisten. So hat beispielsweise der Online-Vermarkter Alibaba in China eine Vielzahl von lokalen Konkurrenten, anders als sein amerikanisches Pendant Amazon in Amerika.

Kommunisten als Retter des kapitalistischen Systems?

Außerdem müssen im chinesischen Kapitalismus, anders als in den USA, die Reichen ihren gerechten Anteil an Steuern zahlen, die von der Regierung zur Verringerung von Armut und größeren sozialen Ungleichheiten verwendet werden. Sie nutzt den Markt als Wettbewerbsinstrument, um Innovation und Modernisierung voranzutreiben und letztlich den “chinesischen Traum” zu verwirklichen, den ich gleich erläutern werde. Die Ergebnisse ließen nicht lange auf sich warten: 800 Millionen Menschen wurden in den letzten Jahrzehnten aus der Armut befreit, das Land ist hochinnovativ, meldet die meisten Patente der Welt an, hat die besten Universitäten der Welt (vor allem im Bereich Ingenieurwesen und Technologie) und ist in mittlerweile 37 von 44 Technologiebereichen weltweit führend.

Der “Chinesische Traum” (中国梦), auf den sich chinesische Politiker häufig berufen, hat seine Wurzeln in der alten Literatur und Geistesgeschichte Chinas. Er ist eng mit der Idee einer Hoffnung auf die Wiederherstellung der verlorenen nationalen Größe früherer Dynastien verbunden. Das Ziel ist jedoch nicht, eine globale Vormachtstellung zu erlangen, sondern allen chinesischen Bürgern Zugang zu besserer Bildung, besserer Medizin und Gesundheitsfürsorge, besserem Wohnraum, stabileren Arbeitsplätzen, höheren Gehältern und einem höheren Maß an sozialer Sicherheit zu verschaffen.

Konfuzianischer Einfluss

Die Kommunistische Partei Chinas ist ebenfalls konfuzianisch geprägt und steht daher für die Meritokratie, in der Beamte nicht nur die Aufnahmeprüfungen für den öffentlichen Dienst bestehen müssen, sondern auch jederzeit ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen müssen, wenn sie ihre Stelle nicht verlieren wollen. Artikel 27 der chinesischen Verfassung verpflichtet die Beamten, im “besten Interesse des Volkes” zu handeln. Darin heißt es: “Alle Staatsorgane und Beamten müssen sich auf die Unterstützung des Volkes verlassen, engen Kontakt mit ihm halten, seine Meinungen und Vorschläge berücksichtigen, seine Aufsicht akzeptieren und ihm nach besten Kräften dienen.” Jeden Tag gibt es in China etwa 500 Proteste. Alle Bürgerinnen und Bürger haben das Recht, “gegenüber jedem staatlichen Organ oder Funktionsträger Kritik zu üben und Vorschläge zu machen“, heißt es in Artikel 41, in dem auch beschrieben wird, was geschieht, wenn die Beschwerde nicht beachtet wird.

Für viele im Westen ist es unvorstellbar, dass selbst chinesische Wissenschaftler, wie etwa Forscher der Tsinghua-Universität, Studien über Proteste veröffentlichen dürfen. Anstatt alle Proteste und jede Kritik in den sozialen Medien zu unterdrücken, will die Partei sie sogar nutzen, um die Regierungsführung des Landes zu verbessern. Die lokalen Behörden sind verpflichtet, sie ernst zu nehmen, und Differenzen werden in der Regel durch Kompromisse beigelegt. Die Bürgerinnen und Bürger können lokale Behörden sanktionieren, indem sie sie aus dem Amt wählen.

Das Streben nach einer harmonischen Welt

Wie sah Konfuzius, der das Denken der Chinesen stark beeinflusst hat, die Beziehung zwischen Regierenden und Regierten? Er lehrte, dass ein “Herrscher einen Auftrag des Himmels” hat und dem Volk ein gutes Beispiel geben muss, indem er überall Tugendhaftigkeit einflößt und damit seine “Harmonie mit dem Göttlichen” beweist. Die einzige Möglichkeit, den Frieden wiederherzustellen, wenn der Herrscher nicht mehr moralisch (oder zum Wohle des Volkes) regiert, besteht darin, ihn abzusetzen, so Konfuzius. Hier finden Sie eine detaillierte Beschreibung, wie im konfuzianischen China mit Kritik und Beschwerden umgegangen wird.

Die Partei vertritt auch das jahrtausendealte Konzept von “Tianxia (天下), was wörtlich “(alles) unter dem Himmel” bedeutet. Gemeint ist eine umfassende Welt voller Harmonie für alle, oder um es salopp und für die westlichen Konfrontationisten in Washington, London, Ottawa, Brüssel und Berlin verständlich zu formulieren: “Wir lassen euch in Frieden, und ihr lasst uns in Frieden.” Deshalb ist das Prinzip der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Länder für die Chinesen so wichtig. Im Laufe ihrer Geschichte war die Harmonie für die Chinesen immer ein hochgeschätztes Ideal.

 

«Tianxia» in Afrika – eine Herausforderung für westlichen Hegemonismus und Neokolonialismus

Zum Vergleich: Die USA haben 29 Militärstützpunkte in Afrika, China hat nur einen in Dschibuti, in der Nähe von Somalia, um Handelsschiffe vor Piraten zu schützen, und die Aktivitäten der chinesischen Regierung auf dem Kontinent beschränken sich auf den Bau von Energieversorgungsanlagen, Krankenhäusern, Schulen, Eisenbahnen und ähnlichem. Und die angebliche “chinesische Schuldenfalle” ist eine westliche Erfindung.

Der kollektive Westen, in dem Unilateralismus, Militarismus und die Ausdehnung der US-Gerichtsbarkeit auf extraterritoriale Gebiete in der ganzen Welt in Verbindung mit anderen Zwangsmaßnahmen wie Sanktionen (die «Hungerwaffe») selbstverständlich sind, versteht die Chinesen nicht und projiziert seine Haltung auf sie.

Zum Schluss noch eine Frage: Wussten Sie bereits von all dem, was ich Ihnen hier erzählt habe? Wenn nicht, dann ist das auch nicht weiter schlimm. Immerhin werden Sie ja regelmäßig von der “Tagesschau”, dem “Spiegel”, der “Neuen Zürcher Zeitung, dem “Tagesanzeiger” bzw. der “Süddeutschen”, und den vielen anderen Medien darüber bestens informiert, was in China alles schief läuft. Das macht Sie schon zu einem ziemlich guten China-Kenner.

In China rettet die KP den Kapitalismus

Dies und andere Dinge, die Ihnen die Medien hierzulande gar nicht oder falsch erzählen.

Von Felix Abt

Im Gegensatz zu den Europäern sind die Chinesen seit jeher ein Volk von Händlern und Kaufleuten und nicht von Soldaten, Abenteurern oder Plünderern. Das zeigt sich in ihrer langen Geschichte. Als sie vor Jahrhunderten eine wirtschaftliche Supermacht waren, hätten sie einen Großteil der Welt erobern können, aber stattdessen zogen sie sich hinter ihre eigenen Grenzen zurück, um sich um ihre eigenen Angelegenheiten zu kümmern.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Ein Tweet (oder “X”-Nachricht) der deutschen ARD-“Tagesschau” über China, der von 152.000 Menschen gesehen wurde, verwendete als Symbolbild – verständlicherweise – ein Foto einer chinesischen Stadt; vermeintlich, jedenfalls. Denn wenn man genauer hinsieht, erkennt man eine japanische Stadt. Berühmt für ihre Pachinko-Spielhallen, betrieben von der Yakuza. Und auf einem der Schilder steht “Karaoke” auf Japanisch.

Schwaches Wirtschaftswachstum – oder schwache Berichterstattung? (Screenshot:Twitter)

Laut “Tagesschau” ist das also eine chinesische Stadt. Oder wollten die ARD-Qualitätsjournalisten etwa andeuten, dass Japan jetzt Teil von China ist? Oh Schreck! Der umgekehrte Fall wäre akzeptabler. Vielleicht würden Japaner die “Tagesschau”-Mitarbeiter “Baka” nennen, was in ihrer Sprache “Narr” bedeutet, ein Schimpfwort ist und ursprünglich aus China stammt… Aber jetzt habe ich schon zu viel gesagt und möchte es dabei belassen, um nicht noch mehr Verwirrung unter den gutgläubigen Tagesschau-Zuschauern zu stiften. Der Fairness halber möchte ich jedoch hinzufügen, dass ein Bild einer chinesischen Stadt auf die Website hochgeladen wurde (nachträglich?). Der Tweet wurde jedoch nicht gelöscht oder ersetzt.

Worum geht es in dem zugehörigen “Tagesschau”-Beitrag? Um schwaches Wachstum in China! Das passt. Aber warum dann nicht statt eines japanischen Fotos eines aus einer deutschen Stadt mit Null- oder Negativwachstum verwenden? Der Journalist zitiert ein paar anonyme Quellen und vermittelt in seinem Bericht sinngemäß den folgenden Eindruck: “Ich habe das Gefühl, dass die chinesische Wirtschaft zusammenbricht, weil die Taxis in Shanghai sehr schnell fahren, weil es weniger Staus gibt, und ich habe ein geschlossenes Restaurant gesehen, als ich hungrig war.

Reuters-Umfrage: die chinesische Wirtschaft wächst 2023 “nur” noch um 5 Prozent (Screenshot: Reuters)

Krise in China?

Die deutsche “Tagesschau” behauptet: “Chinas Wirtschaft steckt in der Krise – und das zeigt sich im täglichen Leben der Menschen.” Es könnte ein Freudscher Versprecher gewesen sein – denn diese Aussage trifft voll auf Deutschland zu. Andere westliche Medien behaupten dasselbe. Dass sich Chinas zuvor bemerkenswertes Wirtschaftswachstum zwar etwas verlangsamt hat, ist unbestritten – aber “Krise” ist eine absurde Übertreibung oder gar westliches Wunschdenken. Es fällt auf, dass die “Lückenmedien” die wahren Ursachen verschweigen, auf die der renommierte amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Jeffrey Sachs unverblümt hingewiesen hat: “Die Medien sprechen von einer Verlangsamung der chinesischen Wirtschaft, aber sie verschweigen den Grund: Die USA greifen China auf eine Weise an, die eindeutig gegen die Regeln der Welthandelsorganisation verstößt.

Der von den westlichen Medien, Politikern und «Experten» vorhergesagte und herbeigesehnte wirtschaftliche Niedergang Chinas scheint nur von kurzer Dauer zu sein: Die chinesischen Konsumenten haben tiefe Taschen und haben auch während der Covid-Pandemie viel gespart und geben wieder Geld aus, und «Millionen chinesischer Touristen fahren wieder in den Urlaub

Wie schön, dass westliche Journalisten, die in China leben und mit Katastrophenbulletins über die dortige Wirtschaft berichten, dies auf Grundlage eines äußerst dürftigen wirtschaftlichem Grundwissens tun können! Andernfalls hätten sie vielleicht herausgefunden, was Jerry Grey, der seit 20 Jahren in der Volksrepublik lebt und fließend Mandarin spricht, schreibt: “Eines der größten wirtschaftlichen Probleme Chinas ist nicht die oft vorhergesagte, aber falsche Kollaps-Theorie, sondern ein ganz anderes Problem, ein Problem, das viele überrascht und manche sogar schockiert. So gerne die so genannten Experten auch glauben würden, dass es dazu kommen wird, Chinas Wirtschaft ist nicht vom Zusammenbruch bedroht, und einer der Gründe dafür ist, dass das Land einfach zu viel Geld hat; das ist richtig, China hat zu viel Geld, und das ist ein Problem.

“Probleme”, die sich andere wünschen würden

Da kann man nur sagen: Ein solches Problem sollte man sich wünschen, vor allem wenn man in Amerika, in Großbritannien oder in Deutschland lebt, deren Schulden in die Höhe schnellen!
Dass deutsche und andere westliche Journalisten, die in China stationiert sind, in der Regel kein Chinesisch können (und ihre in Japan stationierten Kollegen kein Japanisch), ist nichts Neues. Auch das passt: Wenn man nicht in der Lage ist, den Lesern, Zuschauern und Zuhörern die Unterschiede zwischen Asiaten zu erklären, für die Asiaten sowieso alle gleich aussehen – genauso wie asiatische Schriftzeichen -, dann bleibt die Kirche im Dorf.

Fortsetzung folgt morgen.