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Die Mär vom Enthauptungsschlag

Netanyahu und Trump wüten, die Massenmedien berichten kommentarlos.

Was sind das für Zustände, wo man den katarischen News-Sender Al Jazeera schauen muss, wenn man einigermassen vollständige Informationen über die alle internationalen Regeln brechenden Angriffskriege gegen den Iran, den Libanon und Jordanien bekommen will?

Wo auch in Mainstream-Medien als nebensächlich abgehakte Ereignisse berichtet werden:

Bevor nun ein Teil der Leserschaft Propaganda oder Fake News kräht, wobei kleinere Untaten der russischen Regierung in der Ukraine riesige Schlagzeilen machen: selektive Berichterstattung ist nur ein Problem, und dazu ein minderes.

Denn wie diese Beispiele zeigen, ist es dank Internet durchaus möglich, nach Informationsquellen Ausschau zu halten, die andere Blickwinkel liefern. In der Schweiz hat man zudem den Vorteil, dass dazu auch Russia Today gehört, das in der freiheitlich-demokratischen EU verboten ist. Dort werden auch ausländische Staatsbürger sanktioniert, wenn sie unerwünschte Meinungen äussern.

Das grösste Problem ist hingegen die jämmerliche Analysefähigkeit der versammelten Fachkräfte an der Tastatur, vor dem Mikrofon und der Kamera.

Dazu einige wenige Beispiele.

Es geht gar nicht darum, ob US-Präsident Donald Trump erratisch, sprunghaft, verlogen oder schlichtweg ein Amok ist. Sein Handeln versteht man nur dann richtig, wenn man sich bewusst macht, dass er ein hochkrimineller Mafioso ist, dessen höchstes Ziel darin besteht, seinen Clan und sich selbst unsäglich zu bereichern. Und zwar um Milliarden. Einen Raubzug am helllichten Tag, nennt das die «Financial Times», und das ist noch milde ausgedrückt.

Dass er damit die Welt in ein seit dem Zweiten Weltkrieg ungekanntes Chaos stürzt, ist ihm völlig egal. Auf dem Weg zur möglichst ungestörten Machtausübung will er die bewährten Checks and Balances in den USA aushebeln. Also Wahlen, das Militär und die Justiz. Trotz kleineren Rückschlägen ist er erfolgreich unterwegs.

Das Zollchaos, das er angerichtet hat, ist mindestens so schädlich wie der konzeptlose Krieg gegen den Iran oder der Versuch, Venezuela zu regieren. Von Kuba, Panama, Grönland oder Kanada ganz zu schweigen. Was ist das für ein Präsident, der eine abweichende Meinung wie diejenige Spaniens sofort mit Strafzöllen bestraft?

Trump betet im Oval Office. Sonst noch Fragen?

Aber es ist ja nicht nur unverantwortlich, was Trump treibt. Es ist schlichtweg schwachsinnig, was die Attacke auf den Iran betrifft. Die einzig erkennbare Strategie ist, mit Enthauptungsschlägen die Führung des blutrünstigen Regimes zu liquidieren. In der Annahme, dass dann das Regime zusammenbricht und die Bevölkerung die Macht übernimmt, ohne dass eine eigentliche Invasion dazu nötig wäre.

Wie unsinnig das ist, zeigt ein Vergleich. Nehmen wir an, die Führungsmannschaften in den USA und in Israel würden einfach nach Hause gehen. Sich von der Macht verabschieden. Würden dann die USA oder Israel zusammenbrechen, käme es zu Volksaufständen, Systemwechsel? Absurd.

In Venezuela hat geholfen, dass der ausnehmend dumme Präsident Maduro eine Verräterin zu seiner Stellvertreterin machte. Das ermöglichte den USA, durch seine Entfernung dort die Macht zu übernehmen. Das hat aber mit einem Systemwechsel nicht das Geringste zu tun; es herrscht nach wie vor die gleiche Clique von korrupten Funktionären wie zuvor, es gibt keine Berichte, dass es der Bevölkerung besser ginge.

Noch absurder: obwohl auch die USA das Ergebnis der letzten gefälschten Wahlen nicht anerkennen, benützen sie ihre Macht nicht etwa dazu, die um ihren Sieg gebrachte Opposition als neue Regierung zu installieren. Und obwohl die Friedensnobelpreisträgerin Maria Corina Machado alles tat, um das gekränkte Ego des US-Friedensfürsten zu besänftigen, ignoriert sie Trump und anerkennt offiziell die Wahlfälscherin Rodriguez.

Während aber in Venezuela unter einer dünnen Schutzschicht von angeblich revolutionärer Ideologie die Chavistas längst zu einer Bande von korrupten und geldgierigen Machthabern verkommen sind, ist das im Iran ganz anders. Auch dort ist die Führungsschicht korrupt, aber ihre Ideologie basiert auf einem fanatisierten fundamentalistischen Glauben, den die Revolutionswächter offensichtlich auch mit Massakern an der eigenen Bevölkerung verteidigen.

Wenn nun nach Chamenei auch sein Sohn und Nachfolger liquidiert würde, führt das einzig zu einer offenen Militärdiktatur, plus einem möglichen Bürgerkrieg. Oder zu einem Noch-stärker-Werden fanatischer Gläubiger. Wie in Afghanistan, wie im Irak.

Das alles liegt auf der Hand und könnte, sollte, müsste klar ausgesprochen werden.

Dass es das nicht wird, ist kein Anlass zu Verschwörungstheorien. Der Grund ist banal: erschreckende intellektuelle Verödung auf den Redaktionen. Bedenkenloses Nachplappern von Narrativen wie dem, dass es ein «legitimer», wenn nicht gar «guter» Krieg sei, der hier geführt werde.

Während die Weltwirtschaft im Chaos versinkt und die Hürden bei der Rückkehr von asiatischen Feriendestinationen oder aus den beschädigten Glitzerwelten der Scheichtümer bald einmal das kleinste Problem sein werden.

So nebenbei

Macht anfänglich immerhin in deutschen Medien die Runde. In der Schweiz: so nebenbei.

Das sind die Kollateralschäden, über die begeisterte Anhänger von völkerrechtswidrigen Angriffen so gerne hinwegsehen. Das Repertoire ihrer Argumente ist so überschaubar wie widerlich.

Das erste Argument, naheliegend: dabei handelt es sich um Regierungspropaganda des Regimes in Teheran. Das war auch ein beliebtes Argument, der israealischen Regierung, wenn sie abstritt, im Gazastreifen Kriegsverbrechen begangen und Zehntausende von Zivilisten getötet zu haben. Dazu gezielt mehr als hundert Journalisten.

Als die Aufmerksamkeit nachliess, schob dann das Militär nach, dass die von der Hamas genannten Zahlen durchaus realistisch seien. Während die Anzahl Tote in Wirklichkeit noch viel höher war.

Also ist doch auch dieser angebliche Angriff auf eine Mädchenschule in Minab im Süden Irans Fake News. Dass dabei mehr nach neusten Erkenntnissen mehr als 100 Menschen getötet und mehr als 60 verletzt worden seien, das kann man doch schnell behaupten.

Das gilt doch auch für den 12-tägigen Bombenangriff auf den Iran im Juni 2025, bei dem angeblich Tausende von Zivilisten getötet oder verletzt worden seien.

Zweites Argument: alles in Zweifel ziehen. Mädchenschule? Gibt es so etwas überhaupt im fundamental-islamischen Iran? Und selbst wenn, könnte es nicht sein, dass darunter eine Uranaufbreitungsanlage versteckt war? Oder ein Waffenlager?

Drittes Argument: selbst wenn es zutrifft, dass es sich um eine Mädchenschule handelte, es kein militärisches Ziel war und es viele Opfer gab – nun ja, das sind halt Kollateralschäden, die sich nie vermeiden lassen. Die muss man aber um das höhere Ziel willen in Kauf nehmen.

Denn diese armen Mädchen wären sonst in einem mittelalterlichen, fundamentalmuslimischen Land aufgewachsen, wären von den Revolutionswächtern schikaniert worden, wenn sie es wagten, unverschleiert und ohne männliche Schutzbegleitung auf die Strasse zu gehen.

Wären sogar vielleicht getötet worden, was in diesem barbarischen Regime durchaus immer wieder vorkommt.

Statt das alles erleben zu müssen, ist es vielleicht gnadenvoller, das eben nicht erleben zu müssen.

Viertes Argument: das wird niemals öffentlich verwendet oder auch nur angedeutet. Aber gerne gedacht und zur Besänftigung des Gewissens verwendet. Ein iranisches Leben, ebenso wie ein palästinensisches, sudanesisches oder irgend ein Leben in all den vielen Shitholes, wie der US-Präsident diese Länder zu bezeichnen pflegt, ist doch eigentlich nichts wert.

Oder zumindest nicht so viel wie ein US-amerikanisches, europäisches, ukrainisches, israelisches, schweizerisches Leben.

Hinter der durchsichtigen Fassade von Bekenntnissen zur Unverletzlichkeit jedes menschlichen Lebens ist das doch nackte Realität.

 

Wort zum Sonntag

Willkommen in der Unübersichtlichkeit.

Mal Hand aufs Herz. All diejenigen, die sich nicht in ihrer Gesinnungsblase unter Luftabschluss sauwohl und geborgen fühlen: irgend eine Ahnung von irgendwas?

Wie ist eigentlich die Lage im Gazastreifen? An der ukrainischen Front? Gibt’s Krieg mit dem Iran? Neuigkeiten vom Völkermord in Afrika? Ist das «Board of Peace» (allmächtiger Chef auf Lebenszeit Donald J. Trump) ein Furz oder bewegt es was? Sollte die Schweiz beitreten oder nicht?

Auch nicht ganz unwichtig: ist die KI-Blase am Platzen? Oder das Geschäftsmodell von Elon Musk, eine Wahnsinnsidee mit der nächsten zu ersetzen, was ihm von der «Weltwoche» eine anhimmelnde Titelgeschichte einbrachte («Da Vinci, genialster Unternehmer der Geschichte»)? Bei deren Prognose- und Wirtschaftskompetenz («la crise n’existe pas») gar kein gutes Zeichen.

Sind die EU-Verträge einfach unvermeidlich oder das Ende der direkten Demokratie? Oder kommt das, wenn die Zwangsabgabe für die SRG geschrumpft wird? Ist Crans-Montana ein Zeichen der Verluderung bei Schweizer Behörden oder halt einfach das Wallis? Warum muss das Bundesverwaltungsgericht einer staatlichen Behörde nach der anderen (FINMA, BAG) eine Klatsche verpassen?

Ach, und ganz wichtig: bringt Ex-Prinz Andrew das englische Königshaus ins Wanken? Mindestens so wichtig: beherrschen Superreiche wie Bezos, Gates, Thiel, Musk die Welt? Und wenn ja, ist das gut oder schlecht? Ist das Thema Corona aufgearbeitet oder verdrängt? Sind die Schneemengen ein Zeichen für den Klimawandel?

Werden in der Ukraine westliche Werte gegen asiatische Unmenschen verteidigt oder bloss einer der korruptesten Staaten der Welt unterstützt? Ist Trump der Fürst der Finsternis oder der grosse Disruptor, der endlich Bewegung in viele Problemfelder bringt? Ist Kuba selber schuld, wenn auf der Insel die Lichter ausgehen, oder ist das die Folge eines völkerrechtswidrigen Embargos durch die USA?

Wie kann es sein, dass der grosse Freund ennet des Teichs, der Leuchtturm von freedom and democracy, der Garant unserer Wertegemeinschaft, zum Totengräber Europas wird? Plant der Iwan den Angriff auf NATO-Staaten, wie eine Kriegsgurgel ausser Rand und Band in der NZZ befürchtet? Ist #metoo, Gendersternchen, Achtsamkeit, das Vermeiden böser Worte und die Schneeflocken-Empfindsamkeit vorbei – oder macht sie nur Pause?

Wo gibt es Halt in haltlosen Zeiten?

Früher, ja früher gab es auch im deutschen Sprachraum wenigstens eine mediale Welt, die gegen Bezahlung sich bemühte, einzuordnen, zu analysieren, Verständnis zu liefern. Wenn man heute den Begriff «eine Einordnung» liest, weiss man, dass man weiterblättern oder -scrollen kann.

Der Erkenntnisstand des durchschnittlichen Journalisten ist auf Augenhöhe mit einem sich im Internet informierenden Zeitgenossen. Mangelndes Hintergrundwissen, Bildung oder historische Kenntnisse werden durch Meinungsstärke ersetzt. Die aus Unsicherheit keinen Widerspruch duldet, weil die meisten Journalisten dieser intellektuellen Herausforderung mental und nervlich nicht gewachsen sind.

Das alte Lied: wieso gibt es im deutschen Sprachraum keine Organe wie die Financial Times, das Wall Street Journal, den New Yorker, The Atlantic, Mother Jones, selbst The New York Times oder die Washington Post und einige mehr?

Natürlich ist der sprachliche Einzugsraum viel grösser. Aber auch die Manpower. Während in der deutschen Schweiz vielleicht noch 4000 festangestellte Journalisten arbeiten, davon schon mal rund 1000 bei SRF, sieht das in den USA ganz anders aus.

Alleine die NYT beschäftigt immer noch rund 1700 Redakteure. Die WaPo vor der letzten Entlassungswelle rund 800. Ebenso viele sind bei der FT in Lohn und Brot, beim WSJ 900.

Symbolisch für den Unterschied steht der Wirecard-Skandal. Diese Luftnummer wurde von der FT aufgedeckt, gegen den erbitterten Widerstand auch der deutschen Medien, die meckerten, dass das fiese Albion den Teutonen ihre erfolgreiche IT-Bude neide.

Wer sich täglich durch das Elend der Schweizer Medien pflügt, wo sich gedankliche Tiefe oder analytische Schärfe meistens in Millimetern über Grund messen lässt, fragt sich, woher der mündige Bürger eigentlich heutzutage seine Entscheidungsgrundlagen, seine Welterkenntnis beziehen soll.

Der zunehmende Einsatz von KI wird weitere Heerscharen von Gebrauchshandwerkern im Journalismus überflüssig und arbeitslos machen. Gut so. Die Sonntagspresse wird in absehbarer Zukunft verschwinden. Gut so. Print wird immer mehr zu einer Veranstaltung im Altersheim. Eine Mehrheit der Jugendlichen informiert sich nicht mehr in den klassischen Medien, stellt aber immerhin langsam fest, dass die Beschallung in Echokammern zwecks Bestätigung der vorgefassten Meinung nicht wirklich Erkenntnisgewinn bringt.

Wie sieht also die Informationsvermittlung in der Zukunft aus? Fake News, Deep Fakes, alternative Wahrheiten, inhaltsleere Beschallung mit skandalisierten Triggermeldungen?

Nun, Lektüre oder Informationsaufnahme zwecks Erweiterung der Welterkenntnis war schon immer etwas für die happy few. Neu war nur die Illusion, dass nun die breiten Massen auch daran teilhaben. Könnten sie eigentlich, mit überschaubarem zeitlichen und finanziellen Aufwand. Wollen sie aber gar nicht.

 

Selbstkritik?

Ein Fremdwort für Tamedia-Journalisten.

Papers und Leaks, Corona, #metoo, die Liste liesse sich beliebig verlängern, wo flächendeckend Falschberichterstattung, Denunziation ohne Beweise, Bevormundung und moralische Unfehlbarkeit stattfand.

Aufarbeitung dieses wiederholten und gravierenden Fehlverhaltens? Niemals, in keinem einzigen Fall.

Deshalb ist das hier auch kein Einzelfall:

So berichtete der «Bund» vom 12. Juni 2021. Ganze 11 zufällig anwesende Journalisten von «Berner Zeitung» und «Bund» wollten einen klaren Fall von Polizeibrutalität beobachtet haben. Ein marokkanischer Asylbewerber sei gewalttätig überwältigt worden, er bekam ein Knie in den Bauch und in den Hals gerammt und schliesslich sei er «wie ein Sack» in einen Polizeikastenwagen gestossen oder geworfen worden.

Die Journalisten sind verstört und gehen ins Detail: «Wir hören, wie sein Kopf auf dem Kabinenboden aufschlägt.»

Das löste natürlich ein grosses Medienecho aus, schnell wurden Parallelen zum Fall George Floyd in den USA gezogen. Denn hier passt alles ins Framing und ins Narrativ. Ein dunkelhäutiger Asylbewerber, brutale, rassistische, unverhältnismässig und mit massiver Gewalt agierende Polizisten.

11 der Objektivität und Wahrheit verpflichtete Journalisten können sich doch nicht irren.

Der Berner Polizeidirektor Philippe Müller wehrte sich von Anfang an gegen die seiner Meinung nach «voreingenommene und unvollständige» Berichterstattung. Natürlich, wurde gehöhnt, das muss er ja auch, sich schützend vor seine Schlägerbullen stellen.

Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage gegen zwei an der Aktion beteiligte Polizisten, auch der Marokkaner stellte Strafantrag. 2023 wurde einer der Gesetzeshüter freigesprochen, der zweite erstinstanzlich verurteilt. Das wurde nun vom Obergericht aufgehoben.

Es sah keinen Hinweis darauf, dass der Mann übermässige Gewalt angewendet oder den Marokkaner absichtlich oder mit übermässiger Gewalt ins Fahrzeug gestossen habe. Vielmehr sei davon auszugehen, dass der gestolpert und hingefallen sei. Der Grund liegt auf der Hand:

«Ein forensisch-toxikologischer Bericht zeige, dass er zur Tatzeit erheblich alkoholisiert gewesen sei und zusätzlich Kokain, Cannabis und Benzodiazepine im Blut gehabt habe. Dieser Umstand sei für die Beurteilung seines Verhaltens und der polizeilichen Reaktion relevant; in der medialen Berichterstattung habe er jedoch kaum eine Rolle gespielt», schreibt die NZZ in einem ausführlichen Artikel über dieses Urteil: «Das Berner Obergericht spricht einen Polizisten frei – und kritisiert die Medien scharf».

Das Obergericht holte zudem zu einer eigentlichen Medienschelte aus. Es vermutet gegenseitige Absprachen, zudem hätten nicht etwa 11, sondern lediglich 4 Journalisten den Vorfall beobachtet. Ihre Beschreibungen seien zudem voller Widersprüche gewesen, eine Journalistin habe sogar Aussagen gemacht, die «offensichtlich falsch» seien.

Nochmal die NZZ: «Doch damit nicht genug. Nach Ansicht des Gerichts hat die Medienschaffende auch Dinge erfunden. Für eine von ihr geschilderte «Blutlache» am Boden habe sich kein weiterer Zeuge finden lassen, zudem finde sich in keiner fotografischen Dokumentation ein Flecken auf dem Boden. Auch habe ausser ihr niemand gehört, dass der Marokkaner um Gnade gebeten habe («per favore!»).»

Der freisinnige Sicherheitsdirektor Müller warf Tamedia schon damals vor, eine wahre «Medienkampagne» gegen die Polizei betrieben zu haben.

Im Licht des Gerichtsurteils ist klar: er hat völlig recht, wenn er in einer Medienmitteilung knapp zusammenfasst:

««Bund» und «Berner Zeitung» lösten mit irreführenden und vorverurteilenden Berichten zu Unrecht viel Empörung und – bei den betroffenen Polizisten und ihren Familien – viel Leid aus.

Nun hat das Obergericht des Kantons Bern sein schriftlich begründetes Urteil publiziert und zum Teil bis heute Unbekanntes zu Tage gefördert. Fazit:

  • Das Verhalten der Polizisten: Korrekt.
  • Das Verhalten der Journalisten von Bund/BZ: Schockierend

Es ist allerdings noch schlimmer. Nicht nur, dass sich Tamedia mal wieder völlig vergaloppiert hatte. Wenn ein Obergericht seinen Journalisten mögliche Absprachen, widersprüchliche Aussagen, Erfindungen und offensichtlich falsche Angaben vorwirft, dann müsste das eigentlich disziplinarische Folgen haben.

Denn es widerspricht diametral den Aufgaben eines Journalisten, so wirklichkeitsgetreu wie möglich zu berichten.

Aber was kann man auch von einem Medienhaus erwarten, dass auch in diesem Fall bislang zu diesem vernichtenden Urteil verkniffen schweigt. Mal schauen, ob es auf eine Anfrage von ZACKBUM zu reagieren geruht  …

Medienpranger

Das Weisse Haus will gegen Fake News vorgehen. Mit Fake News.

Präsident Trump pflegt eine zunehmend vulgäre und despektierliche Sprache gegenüber Journalisten («Schweinchen, dumm, hässlich»). An inhaltlicher Kritik hat er nicht viel zu bieten oder täuscht sich. Oder lügt, je nachdem.

Nun hat das Weisse Haus eine neue Webseite aufgeschaltet. «Irreführend, voreingenommen, entlarvt», verkündet sie. Sie nagelt einzelne Publikationen ans Kreuz und will vorführen, wie die «Feinde des Volkes» (Trump über missliebige Journalisten) ihm mit Falschmeldungen schaden wollen.

Schlimmer erwischt’s im Moment nur die SomalierAbschaum, Müll»).

Es ist durchaus so, dass bedeutende linksliberale Zeitungen oder auch CNN kaum ein gutes Haar an allem lassen, was Trump tut oder unterlässt. Ein Echo davon findet man in der USA-Berichterstattung von Tamedia, die der Qualitätskonzern von verbitterten Korrespondenten der «Süddeutschen Zeitung» übernimmt. Die haben sich bis heute nicht davon erholt, dass die US-Stimmbürger so blöd sind, Trump gleich zweimal zum Präsidenten zu wählen.

Obwohl sie ihnen doch eindringlich davon abgeraten hatten.

Eine Stichprobe ergibt allerdings, dass Trump angebliche Fake News mit Fake News bekämpfen lässt.

CNN und andere Medien sollen eine «Straftat» begangen haben, indem sie über «eine gerichtlich genehmigte Strafverfolgungsmassnahme» berichteten, «die in einer Fabrik in New York stattfand, wobei Formulierungen wie „verängstigt“ und „terrorisiert“ verwendet wurden, um die Strafverfolgungsbehörden zu dämonisieren und ein Unternehmen, das Straftaten begangen hatte, zum Opfer zu machen.»

Das läuft unter den «Kategorien voreingenommen und links-irr». Die «Wahrheit» sei: «CNN verunglimpfte legale Strafverfolgungsmassnahmen anstatt eines Unternehmens, das amerikanische Steuergelder nutzte, um illegale Einwanderer zu beschäftigen.»

Die Wirklichkeit ist, dass in den entsprechenden Artikeln die Besitzer dieser Fabrik zu Wort kamen, die berichteten, dass ihre Angestellten verängstigt seien, nachdem von 220 Mitarbeitern über 70 durch 50 teilweise vermummte ICE-Agenten abgeführt wurden. Teilweise wurden sie anschliessend wieder freigelassen, einigen soll es nicht erlaubt worden sein, ihre Papiere, die den legalen Status belegen würden, aus dem Auto zu holen.

Die Wirklichkeit ist, dass die Firma tatsächlich staatliche Unterstützung à fond perdu erhalten hat, um Lohnzahlungen zu garantieren. Allerdings war das keineswegs damit verknüpft, «Amerikaner» anzustellen («intended to be used by the company to employ Americans»).

«„Wir sind entsetzt, es gibt keine Erklärung“, sagte Lenny Schmidt»,

wird einer der beiden Besitzer zitiert. Beide unterstreichen: «Ihre Einstellungspraktiken und -standards entsprächen vollumfänglich dem Bundesrecht. Sie versicherten, alle Mitarbeiter verfügten über die erforderlichen Arbeitserlaubnisse.»

Die ICE und weitere zuständige Behörden wollten hingegen nicht erklären, welche Vorwürfe genau wie vielen dieser Arbeiter gemacht werden.

Ob dem so ist oder nicht, lässt die Berichterstattung offen. Die «dämonisierenden» Ausdrücke wurden von den betroffenen Besitzern gemacht, allen Seiten wurde Gelegenheit zur Stellungnahme eingeräumt.

Soweit sich das beurteilen lässt, eine professionelle, saubere Berichterstattung. Deren Inhalt allerdings Trump und dem Weissen Haus nicht in den Kram passt.

Es ist nicht erkennbar, was daran voreingenommen oder gar «left-wing lunacy» sein soll.

Nun macht sich diese Webseite durch solche «lunacy» selbst unglaubwürdig und lächerlich. Es ist allerdings ein weiterer Versuch Trumps, unliebsame Medien einzuschüchtern. Nachdem seine Klage-Offensive bislang noch keine nennenswerte Erfolge erzielt hat.

Abgesehen davon, dass auch damit die Institution Weisses Haus beschädigt wird.

Fake News von der «Republik»

Wir schalten mal wieder in die Märchenstunde aus dem Rothaus in Zürich.

Sicherlich, es hat etwas Repetitives, aber ZACKBUM muss seiner Berichterstatterprflicht auch aus den Sumpfgebieten des Gesinnungsjournalismus nachgehen.

Dort herrscht bekanntlich ein gröberes Missverhältnis zwischen der Realität und ihrer Wahrnehmung. Die äussert sich in geballter Form in gelegentlichen Newslettern, die zurzeit mit folgender Anrede verziert sind:

«Sehr geehrte Frau Verlegerin, Sehr geehrter Herr Verleger, and everybody beyondZACKBUM ist sich nicht sicher, ob das wirklich sprachlich korrekt alle Gender abbildet. Aber gut, es geht ja um den Inhalt (oder die Inhaltin?). Da behauptet der NL:

«Seit Sie zuletzt von uns gehört haben, ist einiges geschehen. Denn damals, im Januar, war noch nicht klar, ob wir das notwendige Umsatz­ziel von 3,5 Millionen Franken bis Ende Januar erreichen würden.
Doch nun haben wir gute Nachrichten.»

Aber dann kommen doch zuerst schlechte Nachrichten, denn eine gerade Argumentationslinie durchzuhalten, das ist nicht so das Ding der «Republik»:

«Rundherum wirkt es manchmal fast so, als versinke die Welt im Chaos. Faschisten, Populistinnen und Demokratie­feinde drängen vielerorts an die Macht, und nicht nur in den USA scheinen plötzlich Dinge nicht mehr zu gelten, die zuvor in einer Demokratie selbst­verständlich waren. Das macht auch uns grosse Sorgen

«Wirkt fast manchmal so», gäbe es noch einen Textchef in der Postille, hätte er diesen Schwamm entfernt. Und dass die Schreiberlinge mal wieder ernsthaft besorgt sind, das interessiert ausser sie selbst eigentlich auch keinen.

Aber, Halleluja, die Verleger gäben Anlass zu Optimismus: «Denn Ihre Anzahl wird seit Mai 2024 konstant grösser, Monat für Monat. Ausserdem, und das freut uns fast noch mehr, sind unsere bestehenden Verlegerinnen so treu wie noch nie. Im laufenden Geschäfts­jahr haben bisher durchschnittlich über 80 Prozent von Ihnen ihre Mitgliedschaft erneuert. Das sind 5 Prozent­punkte mehr als noch vor einem Jahr! Dank dieser Entwicklungen haben wir unser Umsatzziel im Januar erreicht und sind weiterhin auf Kurs für einen erfolgreichen Abschluss des Geschäfts­jahrs im Juni.»

Wie genau wurde denn nun das Umsatzziel Ende Januar erreicht oder nicht? Diese selbstgestellte Frage zu beantworten, das geruht die Crew der «Republik» allerdings nicht. Stattdessen streut sie fröhlich Fake News, als möchte sie sogar Donald Trump in den Schatten stellen.

Die Anzahl der Verleger werde konstant und Monat für Monat grösser. Hm. Schaut man sich im Cockpit allerdings den gerade vergangenen Monat März an, dann haben hier rund 1800 Verleger das sinkende Schiff verlassen, während etwas über 1250 neu «an Bord» kamen. Also da würde Trump wenigstens eine entsprechende Grafik fälschen, um nicht dermassen plump der Unwahrheit überführt zu werden.

Aber offensichtlich sind die Macher der «Republik» überzeugt, dass «unabhängiger, faktenbasierter, kritischer Journalismus» im Notfall auch darin bestehen kann, dass er von den tiefen Taschen zweier Erblinken abhängig ist, dass er nur dann auf Fakten basiert, wenn sie in den Kram passen, und dass er solchen (wie vielen anderen) Fehlleistungen absolut unkritisch gegenübersteht.

Daher verwundert es nicht, dass viele Verleger davon absehen, solchen Schrott weiterhin finanziell zu unterstützen. Erstaunlich ist hingegen, dass es andere gibt, die das Verröcheln der Wirklichkeit in einer luftdichten Gesinnungsblase weiterhin finanzieren wollen.

Das ist wahrscheinlich nur so zu erklären, dass sie damit ihr schlechtes Gewissen beruhigen wollen und sich davon freikaufen, den jämmerlichen Inhalt auch noch lesen zu müssen.

Fakten, Fakten, Fakten

Das war das Mantra des «Focus»-Erfinders und Chefredaktors Helmut Markwort.

Der zweite Teil: «und an den Leser denken». Damit hatte er als Erster Erfolg, neben dem «Spiegel» ein zweites Nachrichtenmagazin in Deutschland zu etablieren.

Wie sieht das heutzutage aus, in den Zeiten von Fake News und dem Verschwinden der Wirklichkeit in der öffentlichen Wiedergabe der Realität?

Der zweite Teil des Erfolgsrezepts von Markwort, da ist die Analyse einfach. Kaum ein Massenmedium kümmert sich darum, dass dem Konsumenten die Ware zusagen muss, nicht dem Hersteller. Die persönliche Weltsicht des Journalisten überschattet meistens die eigentliche Aufgabe, dem berühmten mündigen Leser oder Zuschauer oder Zuhörer, Entscheidungsgrundlagen für ein besseres Weltverständnis zu liefern.

Manchmal sind solche freihändigen Interpretationen durchaus unterhaltsam, meistens aber auf dermassen erbärmlichem intellektuellem Niveau, dass sie die Leser in Scharen vertreiben. Am ungeniertesten toben sich die Egoshooter bei Tamedia aus. Dort verschwinden Meldungen hinter Meinungen, Rechthabereien, Beckmessereien und aus Frust geborenen Ratschlägen, wie man es besser machen sollte, wenn, verdammt nochmal, nur irgend jemand auf den Journalisten hören würde.

Schwieriger ist die Analyse des Umgangs mit Fakten. Fangen wir mit Banalem an. Ein Fakt ist ein nachweisbarer oder anerkannter Sachverhalt. Wobei auch hier kaum allgemein anerkannte Sachverhalte existieren. Selbst die Aussage, dass die Erde eine Kugel ist und sich um die Sonne dreht, wird nicht von allen akzeptiert.

Dass in Myanmar ein schreckliches Erdbeben stattgefunden hat, dessen Epizentrum ganz in der Nähe der Stadt Mandalay lag, ist ein Fakt. Wie viele Opfer es gefordert hat, ob die Bauweise der Häuser dazu beitrug, wie effizient die Hilfsmassnahmen sind, ob die Diktatur sie behindert oder unterstützt, da verschwimmen bereits die Fakten im Ungefähren.

Und das ist nur eine vergleichsweise nebensächliche Angelegenheit. Dass Donald Trump laut «Washington Post» schon in seiner ersten Amtszeit Tausende von nachgewiesenen Lügen von sich gegeben hat, ist kein Fakt, sondern grob aufgeblasen. Dass Trump wohl eher mehr als andere US-Präsidenten lügt, dürfte hingegen ein Fakt sein.

Dass er beispielsweise bis heute behauptet, ihm sei bei den vorletzten Präsidentschaftswahlen der Sieg gestohlen worden, ist nicht nur eine nachweisliche Lüge, sondern untergräbt zudem das Vertrauen in die US-Demokratie. Dass die peinliche Offenlegung eines strikt vertraulichen Chats zwischen höchsten Vertretern der US-Administration «Fake News» und eine «Hexenjagd» sei, ist faktenfrei.

Gesicherte Fakten brauchen vertrauenswürdige Quellen. In den guten alten Zeiten beendete der Satz «das ist amtlich» (fast) jede Diskussion über Fakten.

Heutzutage werden im grossen Abholzen der wuchernden Staatsbürokratie auch Zahlenquellen zugeschüttet. So richtig das Abstellen völlig sinnloser Geldverröstereien von USAID ist, ist beispielsweise die Einstellung des Programms Demographic and Health Surveys eine helle Katastrophe.

Glaubhafte Statistiken, Zahlenquellen, glaubhafte Vermittlung von Erkenntnissen, das ist die Basis für eine sinnvolle öffentliche Diskussion.

Findet eine solche Diskussion in der Schweiz statt? Die Frage stellen, heisst sie beantworten.

Gibt es Abhilfe? Beschränkt. Der mündige Bürger kann sich nicht mehr darauf verlassen, dass Bezahlmedien für ihr Geld ihrer Aufgabe nachgehen. Also muss er sich selbst in den Weiten des Internets Informationsquellen zusammensuchen.

Es ist interessant, dass dafür kaum Hilfe angeboten wird, denn nicht jeder ist gelenkig genug, sich ein Nachrichtenportal einzurichten, das ihn zufriedenstellend versorgt. Dabei wäre Hilfe dabei eine klare Marktlücke.

Blattschuss

Wie Woke-Wahn einen Politiker erledigt.

Noch am 3. Januar wusste es die «Süddeutsche» ganz genau:

«Der Vorstand des Grünen-Kreisverbands Berlin-Pankow hat den Bundestagsabgeordneten «Stefan Gelbhaar aufgefordert, auf eine Kandidatur für die Bundestagswahl zu verzichten. Geldhaar steht wegen Vorwürfen sexueller Belästigung in der Kritik

Die NZZ legte am 9. Januar nach: «Nach Belästigungsvorwürfen hat die Ökopartei den Berliner Direktkandidaten in einer Kampfabstimmung abgewählt.» Er hatte vorher einen sicheren Listenplatz für die kommenden Bundestagswahlen; an seiner Stelle ist nun die Landespolitikerin Julia Schneider, die für einen Kreisverband plädierte, «in dem sich Frauen sicher und gehört fühlen können».

Geldbhaar beteuerte von Anfang an seine Unschuld.

Offenbar waren – inklusive eidesstattlicher Versicherungen – Vorwürfe wegen unangemessenem Verhalten bis zu strafbaren sexuellen Übergriffen bei der Ombudsstelle der Grünen Partei eingegangen. Das wurde Ende Dezember zur ARD-Anstalt Rundfunk Berlin Brandenburg (RBB) durchgestochen, der darüber die Öffentlichkeit informierte.

Dann der Knaller: der gleiche RBB gab zu, dass die Hauptbelastungszeugin Anne K. gar nicht existiere (aber im Beitrag von einer Schauspielerin dargestellt wurde)  und die Belästigungen erfunden worden waren. Welch eine Blamage eines Gebührensenders. Der veröffentlicht solche rufschädigenden und potenziell ruinösen Vorwürfe gegen einen zuvor unbescholtenen Parlamentarier, ohne sich wenigstens versichert zu haben, dass diese Zeugin überhaupt existiert.

Als Knall auf Fall die Feministin Shirin Kresse von allen Ämtern zurücktrat und die Grüne Partei verliess, war wenigstens klar, wer dieses Pseudonym erfunden hatte. Sofort setzte der übliche Schwiemel- und Verwedelzirkus ein. Natürlich zeigten sich die Grünen-Chefs nach kurzer Schrecksekunde «persönlich betroffen und erschüttert». Auch Kanzlerkandidat Habeck bequemte sich zur Aussage, die Vorgänge seien «gravierend und schockierend». Und natürlich durfte die Floskel der «rücksichtslosen» Aufklärung nicht fehlen.

Zwischenbilanz: die politische Karriere (und auch der Ruf) von Gelbhaar sind beschädigt, wenn nicht zerstört. Die an seiner Stelle gesetzte Direktkandidatin sieht keinen Anlass, ihrerseits nun zurückzutreten und allenfalls Gelbhaar wieder dorthin zu lassen, wo er vor dieser fiesen Intrige war.

Der RBB hat die entsprechenden Meldungen gelöscht und kurz Asche aufs Haupt gestreut. Die Betrügerin habe aber auch hohe kriminelle Energie gezeigt, da könne man halt nicht viel machen, jammerte er noch.

Schön wäre es, wenn dieser Skandal ein weiterer Sargnagel für die «#metoo»-Bewegung wäre. Er ist zumindest ein Paradebeispiel dafür, wie man heute einen Mann abschiessen kann, wenn einem dessen Position nicht passt. Man greift einfach zur Allzweckwaffe einer «sexuellen Belästigung», unterfüttert die mit angeblichen Zeugenaussagen, übermittelt das an die zuständigen Stellen und sorgt dafür, dass der Vorgang in die Medien und somit die Öffentlichkeit kommt.

Unschuldsvermutung, journalistische Sorgfalt, Versuch der Korrektur des angerichteten Schadens? I wo. Die Kreisparteileitung, die Gelbhaar abgesägt hat, bedauert inzwischen zwar den Vorfall, aber nicht einmal zu einer Entschuldigung – von Wiedergutmachung ganz zu schweigen – kann sie sich aufraffen.

So bleibt dieses Gebiet toxisch. Erschwerend kommt noch hinzu, dass bei solchen angeblichen Delikten immer in Anspruch genommen wird, dass nicht etwa wie üblich Indizien oder Beweise zählen, sondern das persönliche Empfinden des angeblichen Opfers. «Ich habe mich aber belästigt gefühlt», das reicht normalerweise; die Gegenbehauptung des Beschuldigten, «ich habe nicht belästigt und es ist auch objektiv nicht so, wer mich beschuldigt, muss das beweisen», die nützt ihm meistens einen Dreck.

Man erinnere sich an die kollektive Hysterie bei Tamedia. Dutzende von Zeuginnen, eine ganze Latte von Vorwürfen, kleinere wie grössere. Nur: alle anonym, alle nicht verifizierbar. Kein einziger. Musste eine der Frauen, die mit ihrem Pamphlet alle männlichen Tamedia-Mitarbeiter unter Generalverdacht stellten, dafür Konsequenzen tragen? Niemals.

Phantom-Soldaten

Der moderne faktentreue Journalismus am Tiefpunkt.

Die Medien überschlagen sich. Nordkoreanische Soldaten kämpfen auf russischer Seite im Ukrainekrieg. Sie erobern ein Kaff, sie werden zurückgeschlagen, sie werden dezimiert, es müssen bereits frische Truppen herangeführt werden.

Die USA bestätigen, die Ukraine bestätigt, nach einigen Wiederholungen ist es inzwischen in den meisten westlichen Medien ein Fakt, dass nordkoreanische Soldaten an der Front kämpfen und sterben. Allein: im modernen, faktenbasierten Real-Life-Journalism, wo Reporter oft schon vor Ort sind, bevor überhaupt etwas passiert: wo ist der Beleg, der Beweis, zum Beispiel das Foto?

Nun ja, so sieht der «Beweis» auf CNN aus:

Das sollen nordkoreanische Soldaten sein, die sich an einem nicht näher definierten Ort auf ihren Einsatz an der Front vorbereiten sollen. Dazu ein Artikel, in dem ukrainische Quellen behaupten, dass 30 nordkoreanische Soldaten «bei den Kämpfen getötet oder verwundet wurden und drei gelten bei Zusammenstößen in der Nähe der Dörfer Plekhovo, Vorozhba und Martynovka nahe der Grenze als vermisst».

Dazu: «Pentagon-Sprecher Generalmajor Pat Ryder bestätigte am Montag, dass es in der Region Kursk Verluste bei nordkoreanischen Soldaten gegeben habe

Die «Times of India» liefert dieses Video als «Beweis» für die Anwesenheit nordkoreanischer Soldaten:

Hier haben zur Abwechslung Nordkoreaner ukrainische Soldaten getötet, nicht umgekehrt.Der britische Soldatensender BFBS trägt mit diesem Video zur Aufklärung bei:

Die dunklen Gestalten sollen eindeutig nordkoreanische Truppen sein, die in dieser Version der Realität wiederum von ukrainischen Kampfdrohnen massakriert wurden.

Ohne jeden Beweis kommt diese Meldung von «The Guardian» aus:

NBC News vermutet, dass Nordkorea bereits mehr als 3000 Soldaten an die russische Front geschickt habe und untermauert das mit Satellitenaufnahmen des südkoreanischen Geheimdienstes, während das von russischer Seite dementiert wird:

Ds sollen Trainingslager der nordkoreanischen Soldaten in Russland sein. Irgendwo.

Sehr gerne werden auch die zahlreichen Fotos von Militärparaden in Pjöngjang als «Beweis» dafür verwendet, dass nordkoreanische Truppen in Russland kämpfen:

Natürlich echot auch die gesamte deutschsprachige Presse diese Meldungen: «Nordkoreanische Soldaten getötet, bei Kämpfen in der Region Kursk» («Der Standard»), «Laut Ukraine neue nordkoreanische Soldaten im Kursk-Einsatz» («nau.ch», SDA), «Erstmals Nordkoreaner im Angriff» (NZZ), «Russland setzt verstärkt auf nordkoreanische Soldaten» (bluewin.ch), «Nordkorea hat bereits über 10’000 Soldaten nach Russland geschickt» («Tages-Anzeiger»), usw, usf.

Wohlgemerkt: ZACKBUM behauptet keineswegs, dass keine nordkoreanische Truppen in Russland seien, ZACKBUM behauptet auch nicht, dass keine solche Soldaten im Ukrainekrieg kämpften.

Aber: es gab einmal Zeiten im seriösen und faktenbasierten Journalismus, wo etwa nicht zum Fakt wurde, weil es unablässig wiederholt wird. Während bis heute jeder belastbare Beweis fehlt. Bei Tausenden von Soldaten, bei Dutzenden von Toten, es gibt keinen einzigen Gefangenen? Es gibt kein einziges Bilddokument, dass diese Behauptung über jeden Zweifel erhaben stützt?

Eine Lüge so oft wiederholen, bis sie als Wahrheit geglaubt wird. Das ist einer der ältesten Propagandatricks der Welt, immer wieder gerne angewendet von repressiven Regimes, die Mühe mit dem Umgang mit der Wirklichkeit und der Wahrheit haben. Aber die angeblich so freie und unabhängige und seriöse westliche Presse?

Es gibt Satelliten, die können sogar Nummernschilder von Autos lesen, aber eine glaubwürdige Fotografie eines oder mehrere nordkoreanischer Soldaten an der Front, das ist nicht möglich?

Wer sich über Kreml-Propaganda beschwert und jede abweichende Meinung als Sabotage von Diversanten denunziert, wer alles, was «Russia Today» oder «Al Jazeera» ausstrahlt, als Fake News, plumpe Fälschungen, Lügen und Verdrehung der Wirklichkeit beschimpft – der sollte schon selbst ein Beispiel dafür geben, wie man es richtig, wie man es besser macht.

Aber dazu sind offensichtlich die westlichen Medien in ihrem Kriegstaumel auch nicht mehr in der Lage.

 

Peer Teuwsen leidet – an sich

Wenn Journalisten über Journalisten jammern …
… dann bekommt Fremdschämen eine neue Dimension. Und Teuwsen einen neuen Spitznamen.

Denn genau das tut der wohlbestallte (seine Spesenrechnungen sind legendär) NZZaS-Kulturchef Peer Teuwsen. Der hatte, nach etwas trübem Anfang bei der «Schweizer Illustrierte», den er schamvoll in seinem Lebenslauf verschweigt, immer Schoggijobs. Aber das will man ihm nicht vorwerfen.

Beginnen wir das Abkanzeln heimtückisch mit einem Lob. Am Schluss seiner Nabelschau mit Spiegelungen zitiert er Kurt Tucholsky. Dafür hat er schon mal 100 Punkte, die er aber zuvor vergibt. Denn er macht sich Sorgen und Gedanken: «Journalistinnen und Journalisten werden immer linker. Oder immer rechter. Was ist los mit dem Beruf, den ich so liebe?»

So etwa in der Mitte seines (zu) langen Textes behauptet er: «Ich habe mich als Journalist immer als einen verstanden, der sich mit nichts und niemandem gemeinmacht, der Distanz hält. Der nach bestem Wissen und Gewissen alle Seiten zu Wort kommen lässt. Und der keine Marschlieder singt.»

Wenn man so selbstverliebt ist wie er, fällt es einem offensichtlich nicht auf, dass er genau das nicht tut und sogar Tschingderassabum-Marschlieder singt: «Roger Köppel, Besitzer eines eher unbedeutenden Schweizer Magazins, hofiert Wladimir Putin, Angriffskrieger und mutmasslicher Kriegsverbrecher, an einer Pressekonferenz.» Hofiert mit einer Frage? Ist Teuwsen etwa neidisch, weil ihm dieser Spesenausflug nicht genehmigt wurde? Und fällt ihm nicht auf, dass die NZZaS selbst immer unbedeutender wird? Aber er kann noch viel garstigere Marschlieder singen:

«Markus Somm, Besitzer eines unbedeutenden Magazins, tritt in Zürich mit der xenophoben, europafeindlichen Wutbürgerin und AfD-Chefin Alice Weidel auf, um ihr entgegenzubrüllen: «Wir müssen an die Macht!»»

Noch nicht mal, dass Somm Besitzer eines unbedeutenden Magazins ist, stimmt hier. Und wie er eine mögliche Kanzlerkandidatin abkanzelt, ist nicht mal ein Marschlied, das ist demagogisches Gebrüll eines Wutschreibers. Ob Teuwsen wohl, um Äquidistanz (blöd auch, dass ihm dieses Fremdwort nicht eingefallen ist) zu halten, auch Netanyahu als mutmasslichen Kriegsverbrecher bezeichnen würde?

Dann erzählt Teuwsen selbstverliebt, wie er eingeladen wurde, um mit dem Chef von «correctiv» ein Interview bei einer Journalistenveranstaltung zu machen. Offenbar sollte das dann eher ein Podiumsgespräch werden, und Teuwsen hatte furchtbar kritische Fragen dabei.

Das beschreibt Teuwsen, um Distanz nach allen Seiten bemüht, so: «Das ist das spendenfinanzierte deutsche Online-Medium, das im Januar dieses Jahres von einem «Geheimtreffen» in Potsdam berichtete, an dem AfD-Politiker, Unternehmer und andere Gesinnungsgenossen «die Vertreibung von Millionen von Menschen aus Deutschland» geplant haben sollen. Als Folge der Recherche, die in Aussage und Vorgehen umstritten ist, gingen in ganz Deutschland Hunderttausende «gegen rechts» auf die Strasse.»

Das Medium ist nicht nur spendenfinanziert, sondern wird auch mit Steuergeldern unterstützt. Und die «Recherche» ist nicht nur «umstritten», sondern dem Verein (und allen, die diese Behauptung ungeprüft übernahmen) wurde gerichtlich verboten, diese Fake News einer angeblich geplanten Vertreibung weiter zu verbreiten. Aber solche Fragen hatte Teuwsen nicht «nach Bern mitgebracht». Auch sonst scheint er nicht viel kritische Fragen gestellt zu haben.

Dann jammert er los: «Was ich in Bern erlebte, ist Ausdruck einer grösseren Entwicklung hin zu einer Reideologisierung, die leider auch unseren Berufsstand erfasst hat. Die Parteipresse von damals ist abgelöst worden durch Meinungsmedien.»

Das nennt man den Balken im eigenen Auge nicht sehen. Zuerst trompetet Teuwsen seine abschätzige Meinung raus. Dann zeigt er, dass er sich nicht mal gut auf das Gespräch mit dem «correctiv»-Faktenfälscher vorbereitet hat. Und dann labert er über Meinungsmedien, der Meinungsträger.

Anschliessend muss er noch etwas geistreicheln und fremdwörterln: «Man kann das alles erklären, ohne es zu verstehen. Die Medienbranche ist eine prekäre. Die Digitalisierung hat auf die sogenannte vierte Gewalt derart disruptiv gewirkt, dass sie, wie die Gesellschaft auch, in immer kleinere Einheiten zerfällt.»

Kein modernes Gequatsche, Pardon, kein Diskurs ohne das Modewort «disruptiv». Bedauerlich nur, dass er keine Gelegenheit fand, «resilient» einzuarbeiten. Dafür aber das schwurbelig nachgestellte Adjektiv «ist eine prekäre». Ist das bemüht-peinlich; ob er weiss, dass man das eine Abart von postnominal nennt, der Sprachquäler?

Dann paraphrasiert er noch den grossartigen Spruch von Bernstein «Die schärfsten Kritiker der Elche waren früher selber welche»:

«Die Medienwelt eilt damit, Lemmingen gleich, dem Abgrund entgegen. Wer die Realität so verbiegt, dass sie in den eigenen kleinen Kopf passt, beleidigt die Intelligenz potenzieller Leser.»

Damit hat sich Teuwsen einen neuen Spitznamen redlich verdient: Elch Teuwsen.