Sendepause

ZACKBUM macht etwas Originelles: ein Ukraine-Sabbatical.

Am 24. Februar jährte sich der Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine. Bei aller Ursachen- und Motivforschung, bei allen gegenseitigen Schuldzuweisungen, bei allen auseinanderklaffenden Meinungen dazu: es war ein eklatanter Bruch der verbindlichen Zusage, gegen die Rückgabe der auf ukrainischem Boden stationierten Atomwaffen der ehemaligen UdSSR die territoriale Integrität des neu unabhängigen Staates zu garantieren.

Gleichzeitig ist es die übliche imperiale Machtpolitik, wie sie auch die USA (und neuerdings auch China) betreiben. Die USA sogar weltweit, von Südostasien bis in ihren sogenannten Hinterhof Lateinamerika.

Das macht natürlich die Invasion keinen Deut verständlicher, aber es relativiert alle Versuche, den Überfall eines korrupten Regimes auf einen korrupten Oligarchenstaat zu rechtfertigen.

ZACKBUM hat mit aller Stimmkraft klargestellt, dass wir persönlich null Bedürfnis haben, in einer geradezu endzeitlichen Auseinandersetzung zwischen dem angeblich Guten gegen das angeblich Böse atomar in Asche verwandelt zu werden.

Wir sind es zunehmend Leid, all diesen Schreibtischtätern auf die Finger klopfen zu müssen, die als Sandkastengeneräle gerne andere in den Tod schicken wollen, leiden lassen möchten, von der Verteidigung der Demokratie und der Freiheit und westlicher Werte ausgerechnet in der Ukraine faseln.

Daher hat die Redaktionsleitung von ZACKBUM beschlossen, in Rücksprache mit dem Verleger, der sich des Einverständnisses des Besitzers versicherte, vorläufig auf weitere Kommentierung zum Thema Ukraine zu verzichten. Die Redaktoren hat wie üblich keiner um ihre Meinung gefragt. Dieses Sabbatical gilt natürlich nicht für Zuarbeiter; so liberal sind alle Entscheidungsgremien bei ZACKBUM.

Das ist aber eine schlechte Nachricht für alle Medienschaffenden in der Schweiz. Sie produzieren ja auch auf anderen Gebieten jede Menge Stuss, der hier weiter aufgespiesst wird.

Ohne uns vergleichen zu wollen, Karl Kraus schrieb einmal: «Ich aber bleibe stumm, und sage nicht, warum.»

7 Kommentare
  1. Daniel Röthlisberger
    Daniel Röthlisberger sagte:

    Find ich gut. mal über was anders schreiben.
    Jedes Regionalblatt mit Beilage zum wöchentlichen Gmüesmäärt schreibt über Ukraine und die letzten Meldungen wie wenn sie Redaktoren hätten die vor Ort sind und stündlich berichten.
    Denke gibt genug andere aktuelle Themen. Danke an Zackbum !

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  2. Naomi Kate Iles
    Naomi Kate Iles sagte:

    Vielen Dank für die Sendepause. Das stände den moraltrunkenen und kriegsgeilen Medien in CH und EU gut an. Nicht so sehr, weil dann nicht mehr «berichtet» würde, sondern weil man dann ein paar Tage lang nicht mehr nach Strich und Faden belogen und manipuliert würde. Und, besonders in der Schweiz, auch das eigene Nest etwas sauberer bliebe.

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  3. Bockhorn
    Bockhorn sagte:

    Der Titel suggeriert ja eigentlich eher einen Frontaufenthalt als schreiberische Fahnenflucht. Ich bedauere das Schweigegelübde, gerade zu diesem Thema und gerade jetzt. Und mich interessierten die Beweggründe dafür, Krause hin oder her, zumal der Entschluss nicht leicht gefallen sein dürfte. Bei all dem Unrat, der täglich über uns ausgeschüttet wird, fehlt jetzt ein erfahrener Abfallverwertungsexperte.

    Motion to reconsider!

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  4. René Küng
    René Küng sagte:

    und einfach weil’s so abartig pervers ist, wieso einem das Schweigen und Innehalten oft unmöglich ist.
    Aus dem newsletter der Schweizer Handelszeitung vom 24.2.2023:

    ‹Jetzt gehts um die Existenz der Schweizer Waffenindustrie

    Am 8. März gilt es ernst. Dann debattiert das Parlament über Waffenexporte in die Ukraine. Und dabei geht es um ganz viel Geld und Jobs. Die Kollegen Andreas Valda und Bernhard Fischer skizzieren hier die Bedeutung der Politdebatte in Bern. Dazu bieten wir Ihnen zwei Storys zum Jahrestag vom Putin-Überfall auf die Ukraine: zum einen die Analyse von Professorin Angela Stent (hier Abo) und zum andern vier Porträts über ukrainische Flüchtlinge in der Schweiz (hier Abo). ‹

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  5. René Küng
    René Küng sagte:

    Wie immer von unten nach oben gelesen.
    Darum hier zuerst mein Dankeschön für die Empfehlung zu einem verbliebenen nicht matten Denker in der Schweiz. Inklusive den wunderbaren Gedanken zum ‹Innehalten›, denk mir dann dies und das davon noch in Ruhe hinter die Ohren.

    Dann zum Weltfrieden:
    sind UnSere NATO-Atomraketen in DE, Italien, Rumänien, Polen (?) und wo sonst noch stationiert?
    Wie weit war, ist denn der Weg noch, bis die ehemals sowjetischen, ‹zurückgegebenen› Atomraketen durch freiheitliche Nahtod Atomraketen in der Ukraine ersetzt werden?

    Nur die USA nehmen sich ihr eigenes Völkerrecht, ihren grossen Rivalen Atomraketen direkt vor die Haustüren zu setzen. Ob im osterweiterten EU-Hinterhof, auf den Philippinen, Süd-Korea, nun Japan, am liebsten auch direkt in Taiwan.
    Und auch das ‹Völkerrecht for us’ seit 80 Jahren jede kleinere Nation zu überfallen, zerstören, nach Möglichkeit zu plündern…. und wir heu-CH-len und verdienen eben so lang konstant mit.
    Prosit Wohlstand.
    Die skrupellosesten Schweizer Verbrecher (auch in unserem PARLAMENT !!!!!) wittern nun neu sogar noch die Chance, auch beim Rüstungsexport ‹für den Frieden› den Umsatz zu steigern.
    $Fr anstatt Neutralität, Profit anstatt letztes bisschen Anstand.

    Ich verstehe Ihren sabbatical, hoffe inständig, Sie müssen nicht in noch höherer Not zurück an den Griffel.

    Wenn ich widerliche Schweinebacken wie Markus Lanz hören muss, ‹Aushängeschild› der deutschen Medienlandschaft https://www.youtube.com/watch?v=bWVK8joMNWU
    dann fürchtet Mensch, dass es keine Ruhepause geben darf beim dagegen halten.
    Selbst wenn die schlimmsten Schweizer Hetzer im Vergleich meist armselige Bubis sind. Oder etwas weniger rabiate, verblendete .rauen als die deutschen Reichs-, Kriegs- oder PR-Missen.

    Einziger Lichtblick in diesem Grauen sind die ganz vielen, ganz eindeutigen Kommentare unter dem Youtube-clip oben:
    sowohl die Medien, wie die Politik haben den Kontakt, jegliches Vertrauen zum noch etwas geerdeten Volk verloren. Nicht nur in Deutschland.

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  6. Niklaus Fehr
    Niklaus Fehr sagte:

    Ich bin einverstanden. Das ganze Geschreibe ändert sowieso nichts am Lauf der Dinge. Und im Grunde genommen ist es mir egal, ob die Ukraine zu Russland gehört oder nicht.

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