Immer am Sonntag …

… geben drei Organe alles. Was nicht viel ist.

Wir wollen mit einem Lob der «NZZamSonntag» beginnen, auch wenn das den Leser überraschen mag.

Das ist immerhin ein Cover, das sich mit zwei Problemen beschäftigt, denen sich auch die Mitglieder der besseren Stände ausgesetzt sehen. Also tatsächlich etwas, was nahe beim Zielpublikum liegt. Was heutzutage im Gesinnungs- und Erziehungsjournalismus nicht allzu häufig passiert.

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

Ein Mü weiter weg vom Leser ist die «SonntagsZeitung»:

Von dieser Kampfansage für AKW hat man ausserhalb der SoZ noch nicht viel gehört. Und dass es den Gletschern auch schon mal besser ging, regt nicht mal mehr Greta (wo ist die eigentlich abgeblieben?) fürchterlich auf.

Der «SonntagsBlick» hingegen versucht überraschungsfrei, fürchterlich zu tümeln. Zu volkstümeln:

Nur gibt es dabei ein klitzekleines Problem. Im Zeitalter der elektronischen Medien haben das alle Schwinger-Fans bereits bis zum Abwinken in Bewegung gesehen. Wollen die das auf 15 Seiten nochmal nacherzählt bekommen, während die Chose heute weitergeht? Obendrüber ebenfalls Erwartbares. Putin muss natürlich sein (wenn einem sonst nichts einfällt), und eine «exklusive Umfrage» (wenn einem sonst nichts einfällt) soll ergeben haben, dass wir uns mehr umarmen möchten? Also auch auf die Gefahr hin, als unschweizerisch zu gelten: uns reichen die Umarmungen, die wir kriegen …

Bleiben wir einen Moment beim Blöd-Blatt. Das verbrät natürlich die Ergebnisse der «Exklusiv-Umfrage»:

Da sage wir Älteren zu den Jüngeren nur: ihr Weicheier, und von euch hängt unsere AHV ab? Aber im Ernst, der SoBli weiss auch, wo die Schweizer «positive Gefühle schöpfen»: In erster Linie aus «Natur und Partnerschaft». Wir wussten schon immer, dass es etwas bringt, Bäume zu umarmen. Nun könnte es vielleicht sein, dass der Leser meint, der SoBli habe immerhin das Geld aufgeworfen, um den psychischen Zustand der Schweizer erforschen zu lassen. Aber doch nicht im heutigen Spar-Journalismus: «… eine repräsentative Studie, die das Forschungsinstitut Sotomo im Auftrag der Krankenversicherung Helsana auf der Webseite Blick.ch durchgeführt hat und an der 5554 Personen über 18 Jahren teilgenommen haben».

Wie repräsentativ ist eine Studie, die nur mittels einer Online-Umfrage stattfand und keinesfalls einem statistischen Sample der Schweizer Gesamtbevölkerung entspricht? Hat der SoBli schon wieder vergessen, dass man Online-Befragungen so was von kinderleicht manipulieren kann? Ist sogar schon dem Schweizer Farbfernsehen passiert. Aber doch nicht dem «Blick», der übernimmt ja sowieso nur von Helsana und Sotomo.

Echt komisch ist hingegen eine Titelsetzung eines kommentierenden Redaktors:

Geben Sie’s zu: als regelmässiger ZACKBUM-Leser erwarten Sie hier eine Meinung zur Band «Lauwarm», die vielfachen linken Ingrimm auf sich zog, weil sie sich nicht mit gesenktem (und mit Dreadlocks geschmücktem) Haupt canceln lässt, sondern dort aufspielt, wo man sie will, warum auch nicht beim traditionellen «Weltwoche»-Fest. Aber nein, Aeschlimann versucht, sich Lustiges über Energiesparen und Händewaschen abzuringen. Duftmarke: «Bei zwölf Grad im Schlafzimmer behält man die Handschuhe sowieso am besten gleich an. Dann können wir uns das verschwenderische Händewaschen sparen.» Ein Brüller.

Dann aber, endlich, echte Lebenshilfe:

Hoppla:

Wenn der Inserent auf bessere Ideen als die Redaktion kommt …

Der ganze SoBli ist übrigens durchzogen mit solchen «Präsentiert von». Früher mal hiess das «Publireportage», und ganz früher «Inserat». Sicher, nun fragen sich alle: und wo bleibt Meyer, Frank. A. Meyer? Genau, wo bleibt er denn? Kä Luscht, fühlte sich unwohl, hatte Wichtigeres zu tun, wurde gecancelt? Man weiss nichts Genaues.

Zurück zum Blatt für die gehobenen Stände. Da formuliert der Chefredaktor himself etwas an der Kaufkraft seiner Klientel vorbei, die sich gerne mal vom Butler noch ein Scheit im offenen Cheminée drauflegen lässt, wenn die Bodenheizung kurzfristig bollert, um angenehme 23 Grad zu garantieren. Wenn jemand wie Jonas Projer mit «Fröhliche Farben und gelebte Solidarität» anhebt, wird’s meistens aschgrau. Es geht hier um ein Zeichen, um Solidarität mit der Ukraine:

«Wer bereit ist, den Thermostaten in der eigenen Wohnung ein oder zwei Grad tiefer zu stellen, könnte die Fahne als Erkennungszeichen an den Balkon hängen.»

«Frieren müssen wir deswegen noch lange nicht. Es würde reichen, Wollpullover, dicke Socken und Skimützen in den ukrainischen Farben zu den modischen Accessoires dieses Winters zu erklären. Wer dicke Kleidung trägt, würde seine Unterstützung für die Ukraine nicht nur signalisieren, sondern auch leben.»

Wunderbar. Wir sind uns aber nicht sicher, ob beim White Turf in St. Moritz alle Pelzmäntel umgefärbt werden. Nun aber Butter bei die Fische. Wir erwarten, ja wir verlangen ein Beweisfoto der Familie Projer im Winter, die schön eingemümmelt in ihrer Stube sitzt und zum Beweis ein Thermometer in die Linse zittert. In der ungewaschenen, weil behandschuhten Hand. Und nein, das Thermometer vorher in den Kühlschrank legen, das gilt nicht. Sollte man auf einer Stirne auch nur kleinste Schweissperlen erkennen, wären sie überführt: Fake News.

Als echtes Recherchierblatt erweist sich dann allerdings die NZZaS, indem sie einen typischen EU-Skandal an der türkisch-bulgarische Grenze aufdeckt. Bravo.

Etwas hinterfotzig ist dann der Beitrag zur Völkerfreundschaft zwischen Österreich und der Schweiz:

Nur weil Putin, nett wie er halt ist, als Überraschungsgast bei der Hochzeit der damaligen österreichischen Aussenministerin auftauchte …

Das hier ist ein kleiner Beitrag zum Thema «wie der Herr, so’s Gescherr»:

Wenn’s der Chäf vorne sagt, darf’s der Untergebene hinten nochmal sagen. Oder NZZaS-vornehm auf Latein: «Plane qualis dominus, talis et servus».

Dann aber der Schocker, eiskalt grafisch serviert:

Denn die AHV ist bekanntlich eine grosse Umverteilungsmaschine von Reich zu Arm. Das muss auch mal wieder gesagt sein. Wer allerdings die Aussage der Riesengrafik kapiert, bekommt von ZACKBUM den Ehrentitel «Schlaumeier des Monats» verliehen.

Ach, und die SoZ? Also bitte, es ist so ein schöner Montagmorgen, und wer erinnert sich da noch an News von gestern für gestern aus vorgestern?

Oder wollen wir wirklich so einen Quatsch lesen?

Wir hätten für diese Reihe noch ein paar Vorschläge: «Selber atmen», «Besser Fussnägel schneiden», «Hinternputzen leichtgemacht», «Frieren, aber richtig», «Kalte Küche köstlich».

6 KOMMENTARE
  1. Gili
    Gili says:

    Hallo Herr Zeyer
    Ich wünsche mir, einmal eine von Ihnen allein gemachte Sonntagszeitung zu lesen. Das muss das absolute non plus Ultra sein!

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    • Rolf Karrer
      Rolf Karrer says:

      René Zeyer meint bloss, dass Sonntagszeitungen eigentlich überflüssig sind. In früheren Tagen überboten sich diese Sonntagspublikationen mit Primeurs noch und noch. Der Gähnfaktor heute immens. Die Auflagen sinken Jahr für Jahr.

      Die CH Medien machten das Richtige und stampften ihre Sonntagsausgabe ein. Heute gibts bloss noch eine „Schweiz am Wochenende“ stattdessen als Samstagsausgabe.

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  2. Oskar
    Oskar says:

    Für Projer zählt einzig und allein, den Hintersten und Letzten wissen zu lassen, dass er zu den wirklich Guten gehört. Bringt zwar niemandem etwas, scheint sich aber führ ihn unglaublich gut anzufühlen.

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  3. Mathias Wyss
    Mathias Wyss says:

    Diesen Projer-Erguss (hier gelesen, NZZaS ist längst aussortiert) habe ich zuerst für Satire gehalten mit der Botschaft: Was hat die Ukraine eigentlich davon, wenn wir hier frieren? Aber nein, der Mann ist definitiv SRF- und Blick-geschädigt. Die Frage aller Fragen: Wie kommt so ein Tiefflieger zur NZZ, gar als Chef?

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  4. Tim Meier
    Tim Meier says:

    Wieder mal ein Wegwerfvorschlag von Projer. Niemand hält es mit Skijacke und Wollmütze – Farbe egal – 8.5 lange Arbeitsstunden vor dem Notebook aus. Da kommt nix Gescheites raus und die zittrigen Finger produzieren Schreibfehler en masse.

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