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Die Kultur des Tötens

Bei einem Bösewicht ist alles erlaubt. Wirklich alles?

Es gibt eine unselige Tradition solcher Aufrufe.

Nun kann der feinsinnige Kunstkenner einwenden, dass es sich bei dieser im Strassenmagazin «Surprise» erschienenen Geschmacklosigkeit um einen Aufruf handle, der dann erst noch im Rahmen der künstlerischen Freiheit ohne strafrechtliche Folgen blieb.

Während das Titelzitat in der «NZZamSonntag» den Wunsch eines Interviewten wiedergibt, der damit seiner Verzweiflung über die Zustände in Russland Ausdruck verleihen möchte.

Nun mag das der britische Historiker Orlando Figes so gesagt haben und möchte damit sicherlich PR für sein neuestes Buch über Russland machen.

Das ist seine Sache, es ist aber die Sache der NZZaS, ob sie dieses Zitat auch publiziert und erst noch zum Titel des Interviews macht. Offenbar geniessen dort die Ressortleiter immer noch gewaltig Narrenfreiheit. Wenn sich Peer Teuwsen zum Narren machen will, ist das wiederum seine Sache.

Dass aber dieses Titelzitat durch alle Instanzen rutschte, gereicht der Sonntagstante nicht zur Ehre. Sondern es ist eine Schande, ein Schmutzfleck auf der ansonsten weissen Weste. Das gehört sich nicht, es gehört zur Fürsorgepflicht eines seriösen Blatts, dass man auch Interviewpartner vor sich selbst beschützt, wenn die menschlich verständlich durchrasten.

Wenn dieser britische Historiker Putin töten will, dann sollte er es doch versuchen. Statt drüber zu quatschen. Falls der Kulturteil der NZZaS weiterhin ernst genommen werden will, dann sollte er solche boulevardesken Brüller nicht als Aufmacherschlagzeile missbrauchen. Denn das wertet alle ab. Den Interviewten und den Interviewer und das Blatt.

«Republik» kräht «unfair»

«Quelle angeben», fordert die «Republik» von der NZZaS. Aber selbst …

Sie ist «Co-Leiterin Inland» bei der «Republik», dazu «Dozentin» am MAZ und an der Uni Freiburg. Von einer dermassen qualifizierten Journalisten wie Bettina Hamilton-Irvine muss man gnadenlosen Qualitäts-Journalismus erwarten.

So zum Beispiel:

«Liebe @NZZaS, schön, dass euch unsere Recherche über die hohe von Zwangsmassnahmengerichten angeordnete Haft-Quote so gut gefällt, dass ihr einen substanziellen Teil davon übernommen habt. Aber die „Zeitung», die ihr als Quelle angebt, hat einen Namen: @RepublikMagazin.»

Ja hoppla, da habe doch die «NZZamSonntag» einfach eine «Recherche» der Demokratierettungsanstalt übernommen und als Quelle verschämt eine «Zeitung» angegeben. Ts, ts, das macht man doch nicht im seriösen Journalismus. Auch wenn die Kritik in wackeligem Deutsch abgefasst ist.

Das wäre ein starkes Stück, wenn an dieser Behauptung von Hamilton was dran wäre. Aber sie hält es nun auch nicht so genau mit der Wahrheit, bzw. will sich durch die Wirklichkeit doch keinen knackigen Tweet kaputtmachen lassen.

Denn in Wirklichkeit verhält es sich so: Sie nimmt Bezug auf einen Gastkommentar, ganz klar als «Der externe Standpunkt» gekennzeichnet. Hier nimmt sich der Strafverteidiger Andrea Taormina die Zwangsmassnahmengerichte und «ihre absurd hohe Haftquote» zur Brust.

In diesem Kommentar erwähnt er einleitend die Zahl von 1069 Entscheidungen über die Anordnung von Untersuchungshaft, wobei nur 47 Anträge der Staatsanwaltschaft abgelehnt wurden. Als Quelle gibt er an: «wie vor einigen Wochen aus einer Zeitung zu erfahren war».

Wir zählen mal die Fehler und Ungenauigkeiten bei Hamilton durch:

  1. Nicht die NZZaS hat das selbst so geschrieben, sondern ein Gastautor. Muss man da von der Sonntags-Tante wirklich erwarten, dass sie beim Strafverteidiger nachfasst, aus welcher «Zeitung» er denn diese Zahl habe? Wohl nicht.
  2. Natürlich ist dieser Gastkommentar in der NZZaS erschienen, insofern hat das Blatt eine gewisse inhaltliche Verantwortung. Aber so zu tun, als hätte die NZZaS selbst die Quellenangabe unterlassen, ist zumindest unredlich.
  3. Der dicke Hund kommt aber noch. Hamilton spricht von «unserer Recherche». Legen wir doch auch bei ihr das Beckmesser an. Denn in dem entsprechenden Artikel «Das düsterste Kapitel unser Justizpraxis», geschrieben mit dem üblichen dunklen Tremolo der «Republik», ausgewalzt auf 14’227 Anschläge, heisst es: «Die zwölf Zwangs­massnahmen­gerichte des Kantons Zürich erstellten die Statistiken erst, nachdem die Demokratischen Jurist*innen Zürich (DJZ) dies verlangt hatten – gestützt auf die kantonale Verfassung und das kantonale Gesetz über die Information und den Datenschutz.»
  4. Das heisst also auf Deutsch: Die angebliche «Republik-Recherche» bestand darin, die vom DJZ erkämpften Statistiken zu verwenden. Eine Quellenangabe, die Hamilton unterlässt.

Also ist nicht die «Republik» die Quelle, obwohl sie unbestritten diese Zahlen veröffentlicht hat, sondern die DJZ.

Ein typisches und übliches Soufflee aus der «Republik»-Küche. Ein Lufthauch der Realität, und schon ist’s nur noch ein hässlicher Bodensatz.

Apropos Statistiken und Zahlen: das steuerliche Problem der «Republik» scheint sich zu einem richtigen Skandal auszuwachsen. Denn dieser «Fehler» ist in Wirklichkeit eine Schlaumeierei, die nun dem Magazin ins Gesicht explodiert. Und ein ganz neues Licht auf die gesammelten Abgänge der letzten Zeit wirft. Von der Gründungscrew ist nun, nach dem Rücktritt von Constantin Seibt, niemand mehr im VR des Blatts. Der VR ist für die korrekte Rechnungslegung verantwortlich. Und haftbar

Wie geht’s?

ZACKBUM erhört den Wunsch der NZZaS.

Lauter kann man nicht nach einer kritischen Bestandsaufnahme rufen. NZZaS-Chefredaktor Jonas Projer gönnt sich mehr als eine halbe Seite für ein Editorial, in dem er seine ersten 12 Monate Revue passieren lässt.

Grossmütig verzichtet er auf Seitenhiebe gegen übelwollende Kollegen der Konkurrenz, die ihm bei Amtsantritt die Fähigkeit absprechen wollten, das Flaggschiff der Sonntagsmedien lenken zu können. Ausser, dass er mit übelwollenden Kollegen sprach, die ihn dann mit übellaunigen Porträts in die Pfanne hauten, hat er eigentlich keinen von aussen erkennbaren Fehler begangen.

Also sieht es durchaus danach aus, dass er nochmal 12 Monate «die raschelnde Ruhe des Sonntagsmorgens» beliefern wird. Mindestens. Aber womit?

Die Wahrheit ist konkret, wusste schon Bertolt Brecht. Also konkret die Ausgabe vom 23. Oktober 2022. Schon auf dem Cover müssen wir etwas kritisieren, was auch im Blatt selbst schon mehrfach – leider bislang vergeblich – zu Beanstandung Anlass gibt. Das Verbraten von viel wertvollem Zeitungsplatz mit inhaltsleeren, überdimensionalen und wenig aussagekräftigen Bildern und Illustrationen. Ein Smiley mit der Zeile «Wie geht es dir?» anstelle des lächelnden Mundstrichs, das ist doch der NZZaS nicht würdig.

Der dazugehörige Zeitgeist-Text; ein Psychologe hat mal wieder Bedeutendes herausgefunden, allerdings ist die Bedeutung bereits verraucht, bevor die NZZaS zu Altpapier wird, das sollte die NZZaS lieber der Konkurrenz auf den billigeren Plätzen überlassen.

Der Aufrüttler über die offenbar unhaltbaren Zustände an der Ballettschule Basel hingegen ist, obwohl im Gefolge des Skandals von Zürich, erstklassige Recherchearbeit. Dass die NZZaS dafür allerdings die Mitarbeit des Basler Leichtgewichts «Bajour» benötigte, schmälert die Leistung ein wenig. Befremdlich, dass die Schulleitung, mit den ausführlich dokumentierten Vorwürfen konfrontiert, jede Schuld abstreitet. Entweder handelt es sich hier um die kollektive Hysterie von vielen Ex-Schülerinnen, oder aber das Kader der Schule leidet unter galoppierendem Realitätsverlust.

Genauso gute, weil interessante und recherchierte Kost ist der Artikel über die angeblich so saubere und ökologische Fernwärme, die in Wirklichkeit eine CO2-Schleuder ist, viel Gas verbraucht, das Rezyklieren erschwert und durch Ausbau immer mehr Kehrrichtimporte aus dem Ausland braucht. Eine gute und gnadenlose Abrechnung mit einer rotgrünen Mär.

Dass das Abführen des ehemaligen chinesischen Präsidenten Hu Jintao als «Bild für die Geschichtsbücher» ausnahmsweise seinen Platz verdient hat, ist unbestreitbar. Welch merkwürdige Machtdemonstration und Demütigung auf Chinesisch. Wieso dazu allerdings auf dem Rest der Zeitungsseite erklärt wird, dass man sowieso nie erfahren werde, was sich genau abgespielt habe, ist dann eher Slapstick als seriöse Analyse.

Ärgerlich ist dann aber sowohl das Riesenfoto wie der Text zum unheimlich schwachen Abgang der englischen Premierministerin. Man kann deren Versuch, Rezepte des österreichischen Ökonomen August von Hayek anzuwenden, mit Fug und Recht kritisieren.

Das hätte allerdings zur Voraussetzung, dass man dessen Werke gelesen hat – und dass man neben reiner Polemik auch inhaltlich etwas zu bieten hätte. Beides geht der Autorin Bettina Schulz ab.

«Gruppe libertäre Ideologen, … im Sinne neoliberaler Vorstellungen, … Hetze des Rechtsextremisten Nigel Farage, … Boris Johnson liess sich willig vor den Karren der Ideologen spannen, … neoliberale Hardliner, … Werte der konservativen Partei wurden über den Haufen geworfen, … die Finanzmärkte straften den ideologischen Fanatismus so brutal ab …»

Wer so austeilt, sollte vielleicht etwas mehr als oberflächliche Schlagwörter zur Stützung seiner Abrechnung auf Lager haben. Nach dieser Philippika kommt Schulz zum warnenden Fazit: «Fraglich ist, wer im Land begriffen hat, wie gefährlich der Einfluss der Brexit-Extremisten und neoliberalen Ideologen ist

Noch fraglicher ist, wieso die NZZaS dieser ideologischen, einseitigen, dünnen Brutalpolemik eine Seite einräumt. Da hätte man etwas weniger intellektuell Leichtgewichtiges erwarten dürfen. Das hier hat so etwa das Niveau von kleinen Kläffern, die sich jahrzehntelang am Marxismus abarbeiteten. Ohne das geringste intellektuelle Niveau, aber mit Verve.

Parteipolitisch lustig wird es, wenn sich die NZZaS an der Werweisserei beteiligt, ob Albert Rösti nun Bundesrat wird oder nicht. Schliesslich ist das für die FDP, die dem Blatt nun unbestreitbar näher steht, nicht unwichtig. Eigentlich kann die liberale Partei, die um ihre beiden Sitze bangen muss, nur hoffen, dass sich die SVP möglichst blutig bei der Suche nach einem Nachfolger für Ueli Maurer zerlegt. Dafür hat sie sich hier aber – im Gegensatz zur hämischen SoZ – zu einem staatsmännischen Ton verstanden.

Im «Hintergrund» hilft uns Peer Teuwsen bei der Entscheidung, ob man das Werk «Blutbuch» lesen sollte oder nicht. Vielen Dank für die Erkenntnis: auf keinen Fall. Bestärkt, wenn überhaupt nötig, wird man zusätzlich durch den Ratschlag von Linus Schöpfer: «Bitte lesen Sie das Buch». Als Appetithäppchen serviert er eine kurze Szene, die angeblich auch noch «Heiterkeit» ausstrahlen soll.

Der Erzähler liege «neben seinem neusten Gspusi», und nun kommt der Ausbruch von Heiterkeit; wir zitieren das Zitat:

«Farid liegt da, er schwitzt aus den Augen. Ich stehe in unserer Asche. «Aber ich heisse doch Thilo», sagt Farid.»

Das soll Heiterkeit ausstrahlen? Das soll Literatur sein? Prätentiöse Kacke wie «ich stehe in unserer Asche», während man im Bett liegt? Aus den Augen schwitzen, statt weinen? Farid will Thilo heissen? Heiterkeit ob dieses Gestammels kommt höchstens ins Form eines hilflosen Gekichers auf, wieso dieser Schrott mit Preisen geehrt wird. Aber es musste ja so kommen, dass sich der Kulturbetrieb nach der Verleihung des Büchner-Preises an einen Unwürdigen zu steigern vermag.

Das kann auch die NZZaS, indem sie die für Lobhudeleien am untauglichen Objekt zuständige Rafaela Roth über die Initiatorin des «ersten Lehrstuhls für Gendermedizin» schwärmen lässt. Da schafft auch Aline Wanner mit ihrer Medienspalte, dass die Recherchierdauer im Fall überhaupt nicht per Definition für Qualität sorge. Es sollten im Gegenteil öfter «die Arbeiten jener gewürdigt werden, die in hoher Kadenz kurz und klar und schnell die Welt erklären». Also genau das tun, wogegen die NZZ und die NZZaS doch mit aller Kraft anzuschreiben versuchen.

Es kommt allerdings einem Mann zu, den Höhepunkt im Genre Bauchnabelbetrachtung zu setzen. Patrick Imhasly, Redaktor im vom Chefredaktor ausdrücklichgelobten Ressort Wissen, lässt den Leser am Schicksal seiner Familie teilhaben, die doch tatsächlich durch eine Corona-Infektion geschwächt wurde. Bedauerlicherweise zeigte der Nachwuchs kein grosses Interesse an solidarischer Mithilfe, bedauert Imhasly. Aber: «Dafür hat das heimtückische Virus meine Frau und mich noch mehr zusammengeschweisst.» Da wünschen wir eine weitere, lange Ehe, fragen uns aber, wieso ein Wissenschaftsredaktor von einem «heimtückischen Virus» faseln kann.

Dann eine weitere Doppelseite, auf der sozusagen das Schlechteste aller möglichen Welten zusammentrifft. Eine riesige Illustration voller unverständlich-raunender Symbolik. Und ein Text der «erfolgreichsten Krimiautorin der Schweiz», die schon andere Themen in der NZZaS vergeigt hat. Diesmal versucht sie einen Mord zu begreifen, der von seltener Abscheulichkeit ist. Welche Worte findet denn die Literatin? «Ein qualvoll langes Sterben, das sich niemand vorstellen kann, niemand vorstellen mag.»

In einem Pennäleraufsatz mag das vielleicht noch durchgehen, aber es gibt dann schon eine Tradition der Gerichtsberichterstattung, einen Gerhard Mauz, der ein Niveau vorlegte, das man nicht mutwillig so unterbieten darf. Mauz schrieb mit einer den Leser in den Bann ziehenden Anteilnahme, verstehend, nicht wertend, aber klar urteilend, von der Christine Brand etwa so weit entfernt ist wie Lukas Bärfuss von der Beherrschung der deutschen Sprache.

Dafür arbeitet sich die «Wirtschaft» an einem heiklen und interessanten Thema ab. Wieso sind die Exporte der Schweiz nach Russland, immerhin im Wert von rund 2,2 Milliarden Franken in diesem Jahr, nicht deutlich gesunken, nach den Sanktionen? Denn dieser Betrag entspricht ziemlich genau dem Vorjahr, dem Jahr vor dem Krieg.

Eine Bling-Bling-Uhr von dermassen ausgesuchter Geschmacklosigkeit versöhnt dann für einmal mit der Übergrösse des Fotos.

Und die Konkurrenz am Sonntag? Ach ja, welche Konkurrenz?

 

 

Mitleiderregend

Schon blöd, wenn einfach nix los ist.

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Früher, ja früher, profitierten die Sonntagszeitungen davon, dass es am Samstagabend sehr schwierig ist, einen Richter zu finden, der eine superprovisorische Verfügung ausstellt. Das bedeutet, dass man am Samstag den Betroffenen mit knackigen Vorwürfen konfrontieren konnte, der dann aufheulte und vergeblich zum Kadi rannte, worauf man am Sonntag eine fette Schlagzeile hatte.

Aber diese Zeiten sind im skelettierten Sparjournalismus vorbei, heutzutage muss man zusammenkratzen, was in der Pfanne liegt, und sei es das hier:

Der Donnerschlag am Sonntag; 40 Prozent der Teilnehmer an einer Umfrage sind für einen Bundesrat Rösti. Wer hätte das gedacht. Niemand. Deshalb folgen dann auch noch insgesamt 7 Seiten über die Nachfolge von Bundesrat Maurer. Wer danach noch nicht das Blatt ermattet zu Boden sinken lässt und sich einem süssen Sonntagsschlummer hingibt, kriegt noch diese Schlafpille nachgereicht:

Nein, das ist keine Realsatire, das ist satirische Realität.

Zwischendurch, das sei der Gerechtigkeit halber vermerkt, siracht Frank A. Meyer gegen die feministischen Befürworter der Burka. Soweit aufrecht, aber nix Neues. Danach gibt der SoBli allerdings weiterhin sein Bestes, die letzten Leser in Tiefschlaf zu versetzen, indem er eine Frage (nicht) beantwortet, die sicherlich allen unter den Nägeln brennt:

Das ist keine Satire, oder sagten wir das schon. Schliesslich noch ein Betrag zum Thema «was macht eigentlich». So gesehen, wäre ein Interview mit dem längst verglühten und mit Schimpf und Schande aus dem Amt geschiedenen österreichischen Ex-Bundeskanzler Sebastian Kurz eine Schmonzette wert. Aber ein ernsthaftes Interview zu aktuellen Fragen?

Und was weiss der Frührentner denn so?

Dafür lohnt es sich natürlich drei Seiten auf ein Interview zu verschwenden. Denn der Mann plaudert doch auch noch ungeniert Privates und Intimes aus:

Ganz der charmante Österreicher, statt zu sagen: was ist denn das für eine beknackte Frage.

Aber nicht nur mit Buchstaben, auch mit Bildern setzt der SoBli hier neue Massstäbe:

Dieses Foto soll drei Dinge beweisen. Erstens, der Redaktor (rechts) war tatsächlich im gleichen Raum wie Kurz. Zweitens, sie können gekonnt gemeinsam in die Kamera lächeln. Und drittens, ganz wichtig: sie tun zumindest so, als könnten sie ein Buch lesen (das zufällig der Herr links hat ghostwriten lassen).

Aber, sozusagen als Schlusspunkt will der SoBli den Leser wieder wachrütteln, mit einer unterirdisch geschmacklosen Karikatur:

Die nächste «SonntagsZeitung» kann man schon nach diesem Cover ermattet aus der Hand sinken lassen:

Es wäre wenigstens ehrlich gewesen, wenn die SoZ stattdessen getitelt hätte: es ist nix los, und uns ist auch nix eingefallen.

Uns ist wirklich nix, einfach nix eingefallen:

Uns ist nix eingefallen, oder sagten wir das schon?

Die SoZ deckt auf und enthüllt: eine Trennung der Eltern hat nicht unbedingt positive Auswirkungen auf die gemeinsamen Kinder. Wahnsinn.

So schleppt sich das Blatt dahin, und als letzten rettenden Strohhalm (aus Plastik) greift es dann noch in den Fundus der «Süddeutschen Zeitung», die sich eines Themas widmet, das die Deutschen sehr, die Schweizer eher am Rande umtreibt:

Aber selbst dem SZ-Autor fällt dazu so wenig ein, dass Bild und Titel samt Lead genauso viel Platz einnehmen wie der Text.

Dass der einstmals journalistische Leistungen enthaltende «Fokus» wieder und wieder mit einem Interview aufmacht, dem journalistischen Kleingeld, wen wundert’s noch.

Blätter, gähn, Blätter, gähn, Blätter, schnarch. Nur einmal schreckt der Leser kurz auf, erschüttert ob so viel Bescheuertheit:

Riesen-Symbol-Bild, darunter ein Durchhaltetext wie aus einem Weltkrieg. Aber auch das hätte die Kapazitäten der kälteresistenten SoZ-Redaktion überfordert, also kaufte sie den Artikel lieber bei einer Freelancerin ein.

Nein, nach diesem Parforce-Ritt gegen Schlafattacken hatten wir nicht mehr den Nerv, auch noch die NZZaS durchzublättern. In dieser Meinung bestärkte uns das Titelblatt:

Wirklich wahr, das Blatt für die gehobenen Stände und den anspruchsvollen Leser kümmert sich um die Barbie-Welt? Seitenfüllend? Als Gruss an die schwule Leserschaft?

Aber oben links gibt es eine Nachricht, bei der sich der Leser spontan fragt: nur beim Maulwurf?

Sonntag war vorvorgestern

Die Sonntagsmedien sind Wochenzeitungen. Wirklich?

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

Machen wir den Elchtest. Welche Artikel der Sonntagspresse lösen am Mittwoch keinen Gähnreflex aus? Beginnen wir mit dem Hoffnungsträger NZZaS.

Damit allgemeine Waffengleichheit herrscht, nehmen wir jeweils das Cover und drei willkürlich ausgewählte Artikel:

Wir vergeben von 0 bis 5 gähnende Waschbären, je nach Gähn-Faktor. Hier haben wir einen Nachtisch zum Rücktritt Ueli Maurers. Eine gross angekündigte Story über die Babyboomer, die bei diesem Titel keiner versteht. Eine russische Niederlage in der Ukraine, «Einsichten eines Gynäkologen» und schliesslich ein Stück über das aus dem Schauspiel Zürich flüchtende Publikum. Ohne Boomer ergäbe das zwei Waschbären, so sind’s halt:

Schon auf Seite 3 geht’s ziemlich in den Keller, bzw. der Gähnfaktor wächst nicht erst durch die Distanz vom Mittwoch. Markus Bernath versucht sich am beliebten «könnte, würde, dürfte, Fragezeichen»-Artikel. Thema: «Schattenkrieg» Putins gegen den Westen. War der Anschlag auf die Ergaspipeline ein Beispiel dafür? «Könnte» dieser Krieg «jetzt eskalieren»?

Natürlich masst sich Bernath nicht an, diese Fragen selbst zu beantworten. Daher kommt Sascha Dov Bachmann zu Wort. Sascha who? Na, DER Sascha-Dominik Dov Bachmann, Professor an der weltberühmten Canberra Law School. Machte seinen Doktor an der nicht minder berühmten Universität von Johannesburg und sei «ein Theoretiker des hybriden Krieges». Für ihn sei klar, dass der Anschlag auf die Nord-Stream-Pipelines «eine Operation unter «falscher Flagge» war.» Da er Theoretiker ist, braucht er für diese Feststellung keinerlei Fakten oder Beweise, ausser: «Eine Tat ganz in der Tradition militärischen Denkens der Sowjetunion und Stalins, um die Öffentlichkeit im Westen wie im eigenen Land in die Irre zur führen».

Interessanter theoretischer Gedankengang, offenbar hat auch Stalin irgendwelche Sachen in die Luft gesprengt, um alle irrezuführen. Zum Beispiel, ähm, also beispielsweise, hm, räusper, hüstel. Also theoretisch in Canberra sicherlich ein kluger Gedankengang, praktisch anderswo eher weniger.

Hintergrund, «Kubakrise». Alan Cassidy bemerkt einleitend ganz richtig, dass die Ereignisse im Oktober 1962 zu den «am besten erforschten Kapiteln des Kalten Krieges» gehörten. Dennoch erzählt er die Geschichte nochmals, wie die Welt damals an den Rand eines Atomkriegs geriet. Ergänzt durch eine kleine Anekdote. Allerdings schafft es Cassidy, eine ganze Seite zu füllen, ohne auf die Vorgeschichte hinzuweisen, die gescheiterte Invasion in der Schweinebucht vom April 1961. Damals versuchten Exilkubaner mit US-Unterstützung, Fidel Castro von der Macht zu vertreiben. Das endete in einem Desaster, erweckte auf Kuba allerdings die Furcht, dass es die USA nochmal probieren könnten. Ohne diese Vorgeschichte ist jede Darstellung der Oktoberkrise bloss:

ZACKBUM ist natürlich immer gerecht und will nicht alles niedermachen. Also erwähnen wir am Schluss den Artikel «Es kriselt im House of Wokeness». Eine punktgenaue Abrechnung mit dem verpeilten Kurs des Zürcher Schauspielhauses, das Korrektheit über alles setzen will – und scharenweise Zuschauer verliert. Nur 72 Prozent der Abos wurden auf die neue Spielzeit hin erneuert. Daran sei Corona schuld, ist die wohlfeile Erklärung. Dabei haben andere Bühnen die üblichen 95 Prozent längst wieder erreicht, auch die Zürcher Oper.

Im Kampf gegen «systematische Diskriminierung» mit einer «Agentin für Diversität» bleibt Nebensächliches auf der Strecke: das Publikum. Die Stadt Zürich, also deren Steuerzahler, steuern knapp 40 Millionen Franken für diesen Unsinn bei. Die Co-Direktorin der städtischen Kulturbehörde wird mit dem bedenkenswerten Satz zitiert, die Entwicklung «gehe in die gewünschte Richtung». Die scheint zu sein: weniger Publikum, unverständliche Stücke, super Sache.

Wir tauchen nach unten:

Der Nachfolgekampf um den Bundesratsposten; Albert Rösti vorne. Das ist am Mittwoch doch schon sehr gähn. Eingerahmt wird der Brüller von einem Artikel über graue Haare, missglückte Schönheits-OPs und dann hätten wir noch «124 Seiten über den King». Elvis Presley lebt? Nein, Roger Federer geht, und da muss der letzte Filzball rausgequetscht werden. Gesamteindruck vom Mittwoch her:

Leider kann sich der SoBli noch steigern. «Die Zeit der Billigkassen ist vorbei». Diese News war schon am Sonntag Anlass für einen medizinisch bedenklichen Gähnreflex. am Mittwoch droht Kiefersperre. Chronisch wird’s mit der Folgegeschichte, dass «missglückte Schönheit-OPs die Krankenkassen» belasteten.

Geht da noch einer drunter? Nun, wenn wir den Autor  Fabian Eberhard erwähnen, das Recherchier-Genie, dann ahnt der Leser: ja. Richtig, Eberhard füllt zwei Seiten mit der lustigen Ankündigung: «In der Schweiz hätte Meloni verloren». Das habe eine Auswertung der italienischen Wählerstimmen aus der Schweiz ergeben. Hätte, hätte, Fahrradkette, wie der Deutsche so sagt. Vielleicht hätte Meloni in der Schweiz verloren, nun hat sie aber, und das ist nicht unwichtig, in Italien, wo sie angetreten ist, gewonnen. Das wäre vielleicht eine Analyse wert, aber eben, hier schreibt Eberhard. Wir vergeben dafür einen Sonderpreis:

ZACKBUM hat sich wirklich Mühe gegeben, auch beim SoBli etwas Positives zu finden. Es war nicht einfach, es mag überraschen, aber es gibt eine Trouvaille in all dem Elend. Sie stammt von, Achtung, Frank A Meyer. Er nimmt sich die dümmliche SP-Nationalrätin Tamara Funiciello zur Brust, die auch gerade als Kolumnistin der SoZ gekübelt wurde. Die hatte eine sogenannte Wutrede gehalten, es seien «reiche, alte, weisse Männer gewesen, die den Frauen den Rentenabbau aufgedrückt» hätten. Diesen Unsinn nimmt Meyer nach allen Regeln der Kunst auseinander, und das soll gebührend gelobt werden.

Wir kommen zu diesem hier und wissen nicht genau, was wir dazu sagen sollen:

Echt jetzt? «Die geheimen Wanderwege der Schweiz» als Bildaufmacher? Solidarisch den Arsch abfrieren, aber dafür weniger Miete zahlen? «Zähneputzen, so geht’s richtig»? Schliesslich leide jeder siebte Alte unter Armut. Wenn da nicht die Glosse von Peter Schneider wäre, müssten wir leider die maximale Gähnzahl geben, so bleibt ein Waschbär draussen:

Aber auch hier müssen wir den Sonderpreis vergeben. Auf Seite 7 der Eisbrecher: «Haushalte haben bei kalten Wohnungen Recht auf Mietzinsreduktion». Anrecht wäre zwar deutscher, aber wir wollen nicht kleinlich sein. Denn auf der nächsten Seite wird aufgeklärt: «So erhalten Sie Fördermittel für energetische Sanierungen». Das ist doch mal ein Service-Stück der SoZ-Redaktion. Ohä, leider nein, das ist ein «Paid Post», ein «Commercial Publishing», ein «kommerzieller Inhalt». Oder auf Deutsch: ein Inserat. Damit hat sich auch die SoZ das hier verdient:

Neuland betritt die SoZ allerdings mit dem Beitrag über die Unruhen im Iran, in Teheran. Dort steht bei der Autorenzeile ein einsames *. Erklärung: «Jede Nacht hat unser Reporter in Teheran Angst, abgeholt zu werden. Die Redaktion entschied sich für eine anonyme Veröffentlichung seines Textes.» Vielleicht hätte aber die Redaktion den Leser noch darüber aufklären können, dass das nicht «unser Reporter» ist, sondern ein Reporter der «Süddeutschen Zeitung», von wo das Qualitätsorgan auch diesen Artikel samt Anonymisierung übernommen hat. Ob der Wahrheitsgehalt auch aus zweiter Hand ist, kann man schlecht beurteilen. Aber eine solche Niederlage des Qualitätsjournalismus läuft ausser Konkurrenz.

Auch hier haben wir uns ums Positive bemüht, geblättert, gegrübelt – und nichts gefunden. Im Gegenteil. Die normale Portion Gähn löst dieser Artikel aus, allerdings ist sein Inhalt dann noch für ein Doppelgähn gut: «Jetzt musst du sprinten, Papi, Weisst du, wie das geht?» Journalisten, die über ihre eigenen Befindlichkeiten schreiben, sind schon schlimm genug. Hier schreibt aber Philippe Zweifel darüber, wie er mit seinem Sohn «Fifa» auf der Playstation spielt. Im Vergleich zu diesem Text ist der Farbe beim Trocknen auf der Wand zuschauen, dagegen ist das Unterhaltungsprogramm einer Waschmaschine im Schongang von brüllender Attraktivität und bannender Spannung. Ungeheuerlich, was die Qualitätsmedien heutzutage auf die Leser loslassen. Anonyme Second-Hand-Artikel, «geheime Wanderwege in der Schweiz», und nun auch noch «Papi spielt Computerspiel mit Sohn».

Wir verzichten erschüttert auf eine Bewertung.

 

Bombenstorys

Da macht man mal eine Woche Pause im Aburteilen der Sonntagspresse …

Schon regnet es Bombenstorys:

Eine genauso riesige wie hässliche Illustration auf der Front plus Editorial plus 5 Seiten widmet die NZZaS der Frage, ob Putin tatsächlich Atomwaffen einsetzen könnte, und wenn ja, warum nicht, und wenn nein, wieso doch, und überhaupt, und die Schweiz. Im Editorial schafft es Inland-Chefin Anja Burri tatsächlich, zunächst das Überangebot an Bombenstorys zu begründen, um dann versöhnlich die weinenden und Händchen haltenden Tennisstars Federer und Nadal anzuhimmeln: «Sie gehören nicht nur für ihr Tennis gefeiert, sondern auch dafür, wie sie allen zeigen, was männliche Stärke heisst.»

Ja was heisst sie denn, wenn wir der etwas merkwürdigen Formulierung der Autorin (Frauensprache?) folgen können. Öffentlich weinen und Händchen halten? Echt? Also diese Geste (aber bitte ohne weinen) ist höchstens bei solchen Gelegenheiten angebracht:

Verdun, Mitterrand, Kohl. Das war stark.

Ganz anders gewichtet die SoZ:

Federer, milder Winter, Macarons und sexuelle Revolution.

Nochmal anders geht’s der «SonntagsBlick» an:

Vielleicht ein Wort zum Faktischen. Putin hat angeordnet, 300’000 Reservisten einzuberufen. In Russland leben rund 68 Millionen Männer. Davon sind 43,5 Millionen im Alter von 15 bis 65, also potenziell mobilisierbar. Also werden zurzeit 0.69 Prozent aller waffenfähiger Männer mobilisiert. Etwas mehr als einer von 200. Für jeden, den’s trifft, eine Tragödie. Aber «Putin holt sich Russlands Söhne»? Nicht mal im Streubereich der Wahrheit.

Genauso wenig wie das Editorial: «Warum läuft Russlands Krieg gegen die Ukraine unter dem Buchstaben Z? … Z steht für da Ende des Schreckensregimes von Waldimir Putin. Zumindest ist der Verbrecher im Kreml am Ende seines Alphabets angelangt …» Oh je, Gieri Cavelty.

Man kann versuchen, ein schiefes Bild zu retten. Aber dafür grosszügig darüber hinwegsehen, dass das kyrillische Alphabet kein Z kennt?

Der nächste journalistische Tiefpunkt wird mit dem Interview mit dem EU-Botschafter Petrus Mavromichalis erreicht. Der darf unwidersprochen jede Menge Unsinn verzapfen: «Wir unterstützen sie mit Geld, Material und humanitärer Hilfe. Und zwar so lange, bis die Ukraine diesen Krieg gewinnt.» Mit der Hilfe der EU zum Endsieg über Russland? Was für ein Traumtänzer.

Schmallippig wird er aber, wenn er nach der Unterstützung von Deserteuren aus Russland gefragt wird. «Wir schützen Dissidenten aus allen Ländern. Aber wir müssen sorgfältig prüfen, ob Schutzbedürftige oder zweifelhafte Personen kommen.» Auf Deutsch: Die EU konnte sich noch nicht darauf einigen, wie sie Asylsuchenden aus Russland begegnen will. Während der Diplomat dann meint, dass die EU überhaupt nicht mit der aktuellen russischen Führung verhandeln könne, behauptet er nassforsch, dass die Schweiz schon noch mehr tun könnte: «Leider hat es der Bundesrat kürzlich abgelehnt, dass ausländische Staaten Waffen aus Schweizer Produktion an die Ukraine liefern können. Das ist eine verpasste Gelegenheit, etwas Gutes zu tun.»

Das kann man so sehen. Allerdings nur, wenn man keine Ahnung von der Schweizer Gesetzgebung bezüglich Waffenexporte in Kriegsgebiete hat. Sehr vage wird der Botschafter dann, was die Beziehungen der Schweiz zur EU betrifft: «Es gibt, wie gesagt, weiter Unklarheiten.» Auch mit dieser Antwort lässt ihn das Interview-Duo Danny Schlumpf und Gieri Cavelty davonkommen.

Daher darf der Botschafter auch zum Abschluss noch richtige Flachheiten absondern: «Die Schweiz und die EU sind Freunde und werden es immer bleiben. Freundschaft ist aber nicht dasselbe wie die Teilnahme am Binnenmarkt der anderen Seite.» Das ist wohl wahr, aber die Gültigkeit eigener Gesetze im anderen Land zur Voraussetzung für dessen Teilnahme am Binnenmarkt zu machen, auf diese Idee kommt weltweit ausser der EU niemand. Hätte man nachfragen können, aber dann wär’s kein Weichspüler-Wohlfühl-Interview geworden.

Zurück zum Organ der besseren Stände und wohlgeborenen Kreise. Die NZZaS wartet mit einer journalistischen Merkwürdigkeit der Sonderklasse auf:

Der Wirtschaftsbund beginnt mit einem Knaller. An der skandalgeplagten HSG hat offenbar ein Professor Mühe, zwischen seiner professoralen Tätigkeit und seiner Funktion als Mitbesitzer einer GmbH zu unterscheiden, die genau die gleichen Themengebiete beackert. Zudem ist seine Frau sowohl an der HSG als «Office-Managerin» wie auch in der GmbH als «Vorsitzende der GL und Miteigentümerin» tätig. Ein neues, saftiges Stück aus dem Fundus dieser Merkwürdig-Uni. Nur: obwohl das Tätigkeitsgebiet des HSG-Instituts ziemlich genau beschrieben wird, handelt es sich um «Herbert Künzle». Der heisse «in Wirklichkeit anders, es gilt die Unschuldsvermutung». Natürlich auch für seine Frau, «nennen wir sie Zita Bergmann».

Ds ist nun Borderline-Journalismus in seiner reinsten Form. Jeder Insider weiss sofort, wer gemeint ist. Aber die NZZaS versteckt sich hinter Pseudonymen. Wunderlich, sehr wunderlich.

Wir haben schon so ausführlich und so notwendig auf dem «NZZaS Magazin» herumgeprügelt, dass es die ausgleichende Gerechtigkeit verlangt, einen Artikel ausdrücklich zu loben:

Ds ist eine singuläre Leistung. Der Autor Daniel Etter ist zwar kein NZZ-Redaktor, aber es gereicht dem Magazin zur Ehre, diese Reportage veröffentlicht zu haben. Dafür verzichten wir auch auf eine kritische Würdigung des Rests des Inhalts …

 

Glotzen statt lesen

Wir blättern das Sonntags-Bilderbuch auf.

Es ist die Bilderpest. Nicht nur, dass die Umfänge der Sonntagsblätter seit Langem unter Schwindsucht leiden. Längst vorbei die Zeiten, als die «SonntagsZeitung» sogar Inserate und Beilagen ablehnen musste, weil sie sonst nicht mehr durch den Schlitz der Ausgabebox gepasst hätte. Vorbei. Die Dicke und die Box.

Nun könnte man sich bemühen, den geschrumpften Platz mit mehr Inhalt zu füllen. Also mehr Buchstaben, mehr Denke, mehr Analyse, mehr Schreibstärke. Aber das alles, vor allem die Denke, ist rationiert in den Medienhäusern. Krankgeschrumpft. Nehmen wir zuerst den Trendsetter für alles, was schlechter wird im Journalismus.

Ein SoZ-Interview mit dem wiederauferstandenen deutschen Impfpapst Drosten. Hier sagt er nochmal, was er gerade auf allen Kanälen sagt. Wieso dazu ein halbseitengrosses Ganzkörperfoto gestellt werden muss, das ungefähr so aussagekräftig ist wie das Interview? Zwei Platzhalter, wo früher der Platz mit Inhalt gefüllt wurde.

Geht’s noch schlimmer? Immer. Die Pest ist auch das sogenannte Symbolfoto. Es gibt keine reale Abbildung zur Bebilderung, also greift man in den extra dafür von Bildagenturen aufgebauten Fundus. Schon wieder eine halbe Seite gefüllt, und der Inhalt des darunterstehenden Textes ist bereits im Titel und Lead vollständig und ausreichend wiedergegeben. Statt eine Seite zu verschwenden, hätte es auch eine Kurzmeldung getan.

Auch reale Fotos können zu einem Symbolbild degenerieren. Statt den üblichen Panzer und einen länglichen Artikel hätte die SoZ auch eine knackige Kurzmeldung draus machen können. Schon wieder eine Seite für Wichtigeres freigemacht. Aber wenn das halt fehlt …

Wir kehren zum reinen, völlig überflüssigen Symbolbild zurück, mitsamt einer Frage, die sonst der absoluten Newsflaute vorbehalten ist.

Zwar ausnahmsweise ein echter Mensch auf echtem Foto, aber wieder zusammen mit dem ausreichend erklärenden Titel und Lead getretener Quark, der bekanntlich nur breit wird, nicht stark (Goethe, kann man googeln).

Und als krönender Abschluss noch das faszinierende Foto, wie Kartoffelmilch in ein Glas gegossen wird, ein Prozess, dem man noch nie so gebannt und von nahe beiwohnen durfte. Plus der ernüchternde Text: in der Schweiz kann man höchstens das Bild anglotzen, den Inhalt gibt’s gar nicht.

Wir freuten uns schon, eine neue Kampfgenossin gewonnen zu haben:

Allerdings hatten wir schon nach der ersten Folge leichte Zweifel, ob das was wird. Nun sind wir sicher: wird nix. Immerhin, Badran schreibt über sich selbst: «Meinung ohne Wissen». Oh, Pardon, natürlich nicht, denn beim Wissen hapert es zwar, aber Rechthaberei ist ihre Lieblingsbeschäftigung. Beginnt mit der kühnen Behauptung, gute Medienleute und Politiker hätten gemeinsam: «Sie sind der Wahrhaftigkeit verpflichtet.» Was meint also die nicht gute Politikerin und Medienkritikerin? Sie vergleicht munter Pensionskassen mit der AHV. Kapitalbildungsverfahren gegen Umlageverfahren? Äpfel, Birnen? Ach, ist doch egal. Es ist auch nicht einfach, der doch etwas sprunghaften Badran zu folgen, die mit einer kleinen Medienschelte beginnt, sich dann in den Untiefen des BVG und der AHV verliert, da und dort wäffelt, um dann in die Zielgerade zu biegen: «Es ist unser Job, für möglichst viele Menschen möglichst hohe Renten zum günstigsten Preis zu schaffen.» Renten zum günstigen Preis? Discount-Renten? Hohe Rente, aber billig? Schon wieder eine Kolumne, die man nicht lesen muss.

Leider macht auch die NZZaS den Trend mit: halber Text zum ganzen Preis. Möglichst hohe Informationsdichte im günstigen Angebot? Leider nein:

Fünf Profile, eine älterwerdende Frau, eine kühne Behauptung. Schon ist die Front (fast) gefüllt. Und der Leser not amused.

Eigentlich sollte auch in der Sonntagspresse bekannt sein, dass ein Interview mit dem Dampfplauderer Balthasar Glättli reine Platzverschwendung ist. Genau wie das Riesenfoto, auf dem er aus seinem Fundus mal wieder den Gestus «ich fasse mir wichtig an die Brille» hervorzieht. Peinlich.

Auch die NZZaS frönt der neuen Mode: Grosses Ganzkörperfoto zu heisser Luft nebendran. Warum nicht dem abgehalfterten Sergio Ermotti Gelegenheit geben, seine Nachfolger mit Ratschlägen zu nerven.

Selbst in die Hallen der Kultur dringt fotografischer Sauglattismus. Sagt eine überlebensgrosse Wiedergabe des Klingelschilds von Gurlitt irgend etwas aus? Ausser: verdammt, wir brauchen hier noch ein Foto?

Aber, die NZZaS weiss dann doch da und dort zu versöhnen: Während in der SoZ Badran das Gefäss Medienkritik ähnlich malträtiert wie in der NZZaS Aline Wanner und der schreibende Pensionär, gibt dann immerhin ein kenntnisreicher Essay etwas Stoff:

Zwar ebenfalls so massiv wie überflüssig illustriert, aber daneben hat es Denkstoff.

Das Stichwort für die denkstofffreie Zone am Sonntag:

Das ist eine Schlagzeile, die an Einfalt, Dummheit und Belanglosigkeit, zudem bar jedes Informationswerts, entweder einem durch Inzucht völlig degenerierten Adligen – oder dem «SonntagsBlick» einfallen kann. Er walzt dann das Thema, um das auch die übrigen Sonntagsblätter sehr dankbar waren, auf sagenhaften 15 Seiten aus.

Darunter ist allerdings ein Kuriosum, über das noch lange schallend gelacht werden kann:

Wir haben hier etwas wahrhaft Historisches. Frank A. Meyer verzichtet auf sein Foto (wir erinnern uns mit Schaudern: ein viel jüngerer Meyer mit dunkler Brille vor dem Brandenburger Tor, das nur mühsam Haltung bewahrt angesichts seines fliederfarbenen Jackets, während die Säulen deshalb nicht brechen, weil sie das undefinierbar bunte Pochettli nicht sehen müssen).

Meyer verzichtet auf sein Foto, stattdessen hat er eine Kinderkrakelzeichnung einer Figur hineingestellt, die auf den Strich geht – oder im Begriff ist, über ihn zu stolpern. Sie ist gesichtslos, aber Hut und Handtasche scheinen darauf hinzuweisen, dass es sich wohl um die Queen handeln soll. Die würde es ob dieser Verballhornung wohl bei einem «oh, really?» bewenden lassen, denn sie hat eigentlich alles mit Fassung getragen. Allerdings ist sie noch nicht unter der Erde, da sollte man ihr vielleicht noch mit Respekt begegnen.

Wer hat denn diesen hingezitterten und nachkolorierten Klecks zu verantworten? Ah, da steht der Name der Künstlerin, Lilith Frey. Was, der Name ist Ihnen unbekannt? Das ist DIE Lilith Frey. Ehemalige Moderedaktorin bei der «Schweizer Illustrierte». Dann die erste, letzte und einzige «Feuilleton-Chefin». Beim Blatt für die gebildeten Stände und lesenden Lastwagenfahrer, beim «Blick». Vor allem aber war und ist sie die Lebensgefährtin von Frank A. Meyer.

Nein, lieber Leser, das hat überhaupt nichts damit zu tun, dass diese, nun ja, diese Illustration das Porträt Meyers ersetzte. Hier zählt einzig der künstlerische Ausdruck, die malerische Bedeutung des Werks. Sagt da etwa jemand, die Körperproportionen stimmten dann auch nicht? Also bitte, der Arm des Jünglings mit der roten Weste von Cézanne ist auch viel zu lang, meckert doch auch keiner. Höchstens darüber, von wem und wo der ausgestellt ist. Aber das wäre wieder ein anderes Thema.

Wir halten aber abschliessend fest: was ist noch schlimmer als eine Meyer-Kolumne mit einem Meyer-Foto? Wir konnten uns nichts vorstellen. Bis zu diesem Sonntag.

Immer am Sonntag …

… geben drei Organe alles. Was nicht viel ist.

Wir wollen mit einem Lob der «NZZamSonntag» beginnen, auch wenn das den Leser überraschen mag.

Das ist immerhin ein Cover, das sich mit zwei Problemen beschäftigt, denen sich auch die Mitglieder der besseren Stände ausgesetzt sehen. Also tatsächlich etwas, was nahe beim Zielpublikum liegt. Was heutzutage im Gesinnungs- und Erziehungsjournalismus nicht allzu häufig passiert.

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

Ein Mü weiter weg vom Leser ist die «SonntagsZeitung»:

Von dieser Kampfansage für AKW hat man ausserhalb der SoZ noch nicht viel gehört. Und dass es den Gletschern auch schon mal besser ging, regt nicht mal mehr Greta (wo ist die eigentlich abgeblieben?) fürchterlich auf.

Der «SonntagsBlick» hingegen versucht überraschungsfrei, fürchterlich zu tümeln. Zu volkstümeln:

Nur gibt es dabei ein klitzekleines Problem. Im Zeitalter der elektronischen Medien haben das alle Schwinger-Fans bereits bis zum Abwinken in Bewegung gesehen. Wollen die das auf 15 Seiten nochmal nacherzählt bekommen, während die Chose heute weitergeht? Obendrüber ebenfalls Erwartbares. Putin muss natürlich sein (wenn einem sonst nichts einfällt), und eine «exklusive Umfrage» (wenn einem sonst nichts einfällt) soll ergeben haben, dass wir uns mehr umarmen möchten? Also auch auf die Gefahr hin, als unschweizerisch zu gelten: uns reichen die Umarmungen, die wir kriegen …

Bleiben wir einen Moment beim Blöd-Blatt. Das verbrät natürlich die Ergebnisse der «Exklusiv-Umfrage»:

Da sage wir Älteren zu den Jüngeren nur: ihr Weicheier, und von euch hängt unsere AHV ab? Aber im Ernst, der SoBli weiss auch, wo die Schweizer «positive Gefühle schöpfen»: In erster Linie aus «Natur und Partnerschaft». Wir wussten schon immer, dass es etwas bringt, Bäume zu umarmen. Nun könnte es vielleicht sein, dass der Leser meint, der SoBli habe immerhin das Geld aufgeworfen, um den psychischen Zustand der Schweizer erforschen zu lassen. Aber doch nicht im heutigen Spar-Journalismus: «… eine repräsentative Studie, die das Forschungsinstitut Sotomo im Auftrag der Krankenversicherung Helsana auf der Webseite Blick.ch durchgeführt hat und an der 5554 Personen über 18 Jahren teilgenommen haben».

Wie repräsentativ ist eine Studie, die nur mittels einer Online-Umfrage stattfand und keinesfalls einem statistischen Sample der Schweizer Gesamtbevölkerung entspricht? Hat der SoBli schon wieder vergessen, dass man Online-Befragungen so was von kinderleicht manipulieren kann? Ist sogar schon dem Schweizer Farbfernsehen passiert. Aber doch nicht dem «Blick», der übernimmt ja sowieso nur von Helsana und Sotomo.

Echt komisch ist hingegen eine Titelsetzung eines kommentierenden Redaktors:

Geben Sie’s zu: als regelmässiger ZACKBUM-Leser erwarten Sie hier eine Meinung zur Band «Lauwarm», die vielfachen linken Ingrimm auf sich zog, weil sie sich nicht mit gesenktem (und mit Dreadlocks geschmücktem) Haupt canceln lässt, sondern dort aufspielt, wo man sie will, warum auch nicht beim traditionellen «Weltwoche»-Fest. Aber nein, Aeschlimann versucht, sich Lustiges über Energiesparen und Händewaschen abzuringen. Duftmarke: «Bei zwölf Grad im Schlafzimmer behält man die Handschuhe sowieso am besten gleich an. Dann können wir uns das verschwenderische Händewaschen sparen.» Ein Brüller.

Dann aber, endlich, echte Lebenshilfe:

Hoppla:

Wenn der Inserent auf bessere Ideen als die Redaktion kommt …

Der ganze SoBli ist übrigens durchzogen mit solchen «Präsentiert von». Früher mal hiess das «Publireportage», und ganz früher «Inserat». Sicher, nun fragen sich alle: und wo bleibt Meyer, Frank. A. Meyer? Genau, wo bleibt er denn? Kä Luscht, fühlte sich unwohl, hatte Wichtigeres zu tun, wurde gecancelt? Man weiss nichts Genaues.

Zurück zum Blatt für die gehobenen Stände. Da formuliert der Chefredaktor himself etwas an der Kaufkraft seiner Klientel vorbei, die sich gerne mal vom Butler noch ein Scheit im offenen Cheminée drauflegen lässt, wenn die Bodenheizung kurzfristig bollert, um angenehme 23 Grad zu garantieren. Wenn jemand wie Jonas Projer mit «Fröhliche Farben und gelebte Solidarität» anhebt, wird’s meistens aschgrau. Es geht hier um ein Zeichen, um Solidarität mit der Ukraine:

«Wer bereit ist, den Thermostaten in der eigenen Wohnung ein oder zwei Grad tiefer zu stellen, könnte die Fahne als Erkennungszeichen an den Balkon hängen.»

«Frieren müssen wir deswegen noch lange nicht. Es würde reichen, Wollpullover, dicke Socken und Skimützen in den ukrainischen Farben zu den modischen Accessoires dieses Winters zu erklären. Wer dicke Kleidung trägt, würde seine Unterstützung für die Ukraine nicht nur signalisieren, sondern auch leben.»

Wunderbar. Wir sind uns aber nicht sicher, ob beim White Turf in St. Moritz alle Pelzmäntel umgefärbt werden. Nun aber Butter bei die Fische. Wir erwarten, ja wir verlangen ein Beweisfoto der Familie Projer im Winter, die schön eingemümmelt in ihrer Stube sitzt und zum Beweis ein Thermometer in die Linse zittert. In der ungewaschenen, weil behandschuhten Hand. Und nein, das Thermometer vorher in den Kühlschrank legen, das gilt nicht. Sollte man auf einer Stirne auch nur kleinste Schweissperlen erkennen, wären sie überführt: Fake News.

Als echtes Recherchierblatt erweist sich dann allerdings die NZZaS, indem sie einen typischen EU-Skandal an der türkisch-bulgarische Grenze aufdeckt. Bravo.

Etwas hinterfotzig ist dann der Beitrag zur Völkerfreundschaft zwischen Österreich und der Schweiz:

Nur weil Putin, nett wie er halt ist, als Überraschungsgast bei der Hochzeit der damaligen österreichischen Aussenministerin auftauchte …

Das hier ist ein kleiner Beitrag zum Thema «wie der Herr, so’s Gescherr»:

Wenn’s der Chäf vorne sagt, darf’s der Untergebene hinten nochmal sagen. Oder NZZaS-vornehm auf Latein: «Plane qualis dominus, talis et servus».

Dann aber der Schocker, eiskalt grafisch serviert:

Denn die AHV ist bekanntlich eine grosse Umverteilungsmaschine von Reich zu Arm. Das muss auch mal wieder gesagt sein. Wer allerdings die Aussage der Riesengrafik kapiert, bekommt von ZACKBUM den Ehrentitel «Schlaumeier des Monats» verliehen.

Ach, und die SoZ? Also bitte, es ist so ein schöner Montagmorgen, und wer erinnert sich da noch an News von gestern für gestern aus vorgestern?

Oder wollen wir wirklich so einen Quatsch lesen?

Wir hätten für diese Reihe noch ein paar Vorschläge: «Selber atmen», «Besser Fussnägel schneiden», «Hinternputzen leichtgemacht», «Frieren, aber richtig», «Kalte Küche köstlich».

Shit Parade

Was wummernde Bässe und nz, nz, nz bei der Sonntagspresse auslösen.

Es ist natürlich blöd, wenn man ein Sonntagsblatt zusammennageln muss, während vor dem Glasholzhaus an der Werdstrasse Bässe wummern, die Wiederholung des Ewiggleichen gute Laune macht und mehr oder minder rhythmische Zuckungen auslöst. Draussen auf der Strasse, wo das Leben lebt und feste gefeiert wird. Da kann man sich schon mal vergreifen:

Wir wollen keinem und keiner der hier Aufgeführten zu nahe treten. Aber das sollen alles kluge Köpfe sein? Abgesehen davon, der Blattmacher rief mal wieder in die Runde: Ukraine? Wir brauchen was zur Ukraine. Unbedingt! Und das bekam er dann:

Da soll noch einer sagen, dass der Krieg nicht auch seine guten Seiten habe. Die Bewährungsprobe für alle Diversen und Non-Binären.

Sparmassnahmen und die Übernahme von immer mehr Inhalten aus München hat allerdings eigentlich nur schlechte Seiten; zum Beispiel diese hier:

Denn was interessiert den Schweizer Leser ein Interview mit dem deutschen Wendehals-Wirtschaftsminister Habeck, der von Wirtschaft ungefähr so viel versteht wie eine Kuh von Foxtrott? Die beiden Interviewer von der «Süddeutschen Zeitung» gehen mit ihm deutsche Themen durch, die für deutsche Leser der SZ sicherlich interessant sein mögen.

Auf Seite 9 wird’s dann einen Moment lang schwierig-schmierig:

Völlig zu Recht erregen sich hier zwei Autoren der SZ darüber, dass der feige Mordanschlag auf den Schriftsteller von iranischen Medien bejubelt wird. Sie können ja nicht wissen, dass der Schmierenjournalist Andreas Tobler im «Tages-Anzeiger» den Mordaufruf «Tötet Roger Köppel!» als «Theatermord» verharmloste und ihn als «Reaktion» auf Auftritte von Köppel im deutschen Fernsehen «verstanden werden» wollte, es sei halt «eine Künstleraktion» im Sinne von Schlingensief, meinte der Kunstkenner feinsinnig. Blöd halt, wenn man auch solche Inhalte aus dem Ausland kopiert, wo man diese abscheuliche Unterscheidung zwischen fundamentalistischen und künstlerischen Mordaufrufen nicht kennt.

Zu den wenigen sicheren Werten der SoZ gehört allerdings Peter Schneider, das muss man immer wieder sagen:

Bislang fehlt aber ein Standard in der SoZ. Welcher? Ah ja, Prügel für die SVP. Et voilà:

So wummert es dumpf dahin in der SoZ, und ZACKBUM wollte bereits gähnend aufgeben, als wir plötzlich hellwach, erregt und feministisch entrüstet diese Schlagzeile lesen mussten:

Ein Loblied auf den Tanga? Die Fortsetzung des Arschgeweihs mit wenig Stoff? Die Reduzierung der Frau auf die lüsterne männliche Sicht, Sexobjekt, Diskriminierung, wir fassen es nicht. Das wäre bei Salomé Müller nicht passiert. Wo bleibt Aleksandra Hiltmann? Wo bleiben Andreas Tobler und Philipp Loser und all die anderen Genderpäpste? Das muss Folgen haben.

Solche Bilder wollen wir nie mehr in der SoZ sehen:

Erschwerend kommt noch hinzu, dass das Foto von Christina Aguliera aus dem Jahr 2000 stammen soll …

Wir mussten hier die Lektüre entrüstet abbrechen, weil wir uns unwohl in dieser frauenfeindlichen Umgebung fühlten. Zum Ausgleich lasen wir wieder mal «Angst vorm Fliegen» von Erica Jong.

Und sagen pfui, pfui, pfui zu solchen Fotos, die wir wohl demnächst auch in der SoZ abdecken müssen:

Wir wollten uns auf diesen Schock in der Gazette für die gehobenen Stände, im Zentralorgan der intellektuellen Überlegenheit, im Blatt für Brainfood erholen.

Hurra, die ganze Frontseite ist ukrainefrei! Da nehmen wir sogar – echt jetzt? – eine Aufmacherstory über vegetarische Hunde in Kauf, obwohl das für uns an Tierquälerei grenzt. Verschlimmert wird es dadurch, dass dieser vierbeinige Freund offenbar auch noch zum Barbesuch animiert wurde.

Einen wummernden Tiefpunkt erreicht die NZZaS bereits auf Seite 3. Da lässt sich Peer Teuwsen über den Mordanschlag auf Salman Rushdie aus. Es gelingt ihm dabei, den Leser gleich mit den ersten Sätzen zu vergrätzen, zu verstimmen, ihn sich angewidert abwenden zu lassen. Denn wie peinlich ist es, wenn ein Autor den Überlebenskampf des Schriftstellers als Einleitung zu dieser eitlen Selbstbespiegelung nimmt:

«In diesen Stunden, in denen Salman Rushdie in einem Krankenhaus in Erie, Pennsylvania, liegt, künstlich beatmet, unfähig zu sprechen, erinnert man sich gerne an ein Abendessen mit dem Schriftsteller zu Beginn der 2000er Jahre in der Zürcher «Kronenhalle».»

Erinnert man sich gerne? Da kommt einem ja das Frühstück, das Mittag- und das Abendessen hoch, ob dieser bodenlosen Geschmacklosigkeit. Aber der Adabei ist noch nicht fertig mit seiner Erinnerung:

«Er war auf Lesereise in Europa, in Begleitung seiner vierten Frau, der Amerikanerin Padma Lakshmi, die als Schauspielerin, Model und Fernsehmoderatorin tätig ist. Der Auftritt des Ehepaares versetzte das Publikum im edlen Zürcher Traditionsrestaurant in hörbare Aufregung, was an diesem Ort, wo sich die Prominenz die Klinke in die Hand gibt, eine Seltenheit darstellt.»

Die Aufregung, in die diese Zeilen den Leser versetzen, wollen wir aus juristischen Gründen nicht hörbar machen. Ein Pfuiteufel soll genügen.

Anschliessend wird’s auch nicht viel besser:

Denn was macht der vorsichtige Journalist, wenn er nichts Neues zu berichten hat und deshalb einen Blick in die Glaskugel wagt? Genau, er entwickelt «vier Szenarien», wie’s weitergehen könnte. Hat er Schwein, trifft eines davon ein, hat er Pech, vertraut er aufs Vergessen des Lesers.

Ständiger Grund zur Aufregung ist die Medienspalte, also das, was von der einstmals kompetenten Medienbeobachtung auf einer eigenen Medienseite übrig geblieben ist. Neben einem schreibenden Rentner meldet sich hier die «Redaktionsleiterin Folio» regelmässig zu Wort. Diesmal hat Aline Wanner einen bunten Strauss von Tipps für «Arbeitgeber, die konkurrenzfähig bleiben möchten». Da gibt es zwei Möglichkeiten. Sie zielt damit subversiv auf das eigene Haus, insbesondere auf die NZZaS, die doch eine gewisse Fluktuation zu verzeichnen hatte. Oder aber, sie will der Konkurrenz unter die Arme greifen. In beiden Fällen sind ihre Tipps aber nz, nz, nz. Eine lachhaft-gähnlangweilige Wiederholung von Gemeinplätzen, wie sie jeder Unternehmensberater aus dem Stehsatz holt. Bevor ihm die Tür gewiesen wird:

«Wer gute Leute will, muss eine Idee haben und aktiv auf sie zugehen. Eine Marke zu sein, reicht nicht, marktkonforme Löhne hingegen helfen. Machtmissbrauch, Mikromanagement und Mobbing kommen nicht gut an, besser ist es, grosszügig und transparent zu sein, Freiheiten zu bieten, in eine moderne Führung zu investieren. Viel Erfolg!»

Wann bekommen wir eine Beschreibung der Umsetzung im «Folio»?

Uns sonst? Weitere Synkopen, Musikfetzen, Loops, Schleifen, welche Sprach-DJs bespassen den Leser weiter? Da kann man leider nur Shakespeare zitieren. Mit der Ausnahme eines interessanten Artikels über eine merkwürdige Sprache: the rest is silence

Das gilt übrigens auch für den «SonntagsBlick». Nz, nz, nz, nz. Nz, nz, nz, nz. Nz, nz, nz, nz. Nz, nz, nz, nz. Nz, nz, nz, nz. Nz, nz, nz, nz. Nz, nz, nz, nz.

Hilfe, mein Papagei onaniert!

Bei der Hitze tun einem die Macher der Sonntagsblätter leid. Ein wenig.

Ein Thema, zwei Meinungen. Die NZZaS zieht sich ein Bettlaken über und macht als Schreckgespenst buhu:

Nach dem Run auf Elektroheizöfeli kann das nun zu einem Ausverkauf von Kerzen und Holz führen. Förster müssen Überstunden leisten, um Holzfrevel zu bekämpfen. Ganz anders dagegen die «SonntagsZeitung»:

Also lasst die Finger vom Horten von Kerzen und Holz. Keep cool, kann man nur sagen. Und lasst das mit den Elektroöfen, das bringt doch auch nix, wenn der Strom ausfällt …

Nun ist es bei der aktuellen SoZ so, dass man in den Schnelldurchlauf gehen kann. «Der grosse Check der News-Moderatoren». Der findet statt, wenn die Verzweiflung bei der Suche nach Themen so unangenehm stechend im Raum stinkt wie der Achselschweiss ungewaschener Redaktoren. Der «Fokus» macht einen weiteren Versuch, ganz tief nach unten zu tauchen. Aufmacher ist eine Story über ein Backpacker-Hotel. Ein weiterer Beitrag zur Serie: Journalisten porträtieren Journalisten. Diesmal ist Marc Walder dran, der CEO und Mitbesitzer von Ringier. Aber leider ist das Riesenfoto mindestens so aussagekräftig wie der Inhalt des Artikels.

Wer sich bis hierher durchgequält hat, gibt bei diesem aussagekräftigen Riesenfoto endgültig auf:

Und die NZZaS? Auch sie kümmert sich um Umweltfragen:

Wirklich auf Abwegen, wenn’s das Vieh bis in die NZZaS schafft …

Auch in den heiligen Hallen der Wirtschaft schwitzt man aus dem letzten Loch und saugt sich verzweifelt die Themen aus dem Finger:

Hatte uns denn vergangenen Sonntag auch die NZZaS nichts wirklich Wichtiges zu sagen?

Kann man das auch auf aufgeblasene Artikel und Themen anwenden?

Und fragt da jemand nach dem «SonntagsBlick»?

Sonst noch Fragen …