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Weiber!

Eine Literaturkritikerin kritisiert. Autorinnen! Furchtbar.

In der NZZaS sezierte die Redaktionsleiterin der Beilage «Bücher am Sonntag» das Kalkül hinter den Werken dreier Bestseller-Autorinnen. Dabei behandelt Martina Läubli die Methoden der Selbstvermarktung. Kritisch deskriptiv, aber keinesfalls bösartig.

Das kommt aber bei einer der drei Vorgeführten ganz, ganz schlecht an. Während Christine Brand und Seraina Kobler eher professionell es so sehen, dass «any news is good news» gilt, verwandelt sich die Beziehung-Spezialistin Claudia Schumacher in eine beleidigte Leberwurst. Aber wie:

Das Fremdwort Misogynie ist normalerweise für Männer reserviert (extreme Abneigung von Männern gegenüber Frauen), aber im weiblichen Furor wird es nun auch auf eine Geschlechtsgenossin angewendet. Denn die wagte zu erwähnen, wie sich Schumacher auf ihrer Webseite präsentiert:

Viel Bein, viel Aufmerksamkeit? (Screenshot claudiaschumacher.com).

Pardon, wir liefern noch den Oberkörper nach:

Frau trägt Männerhemd.

Da kann einem die Erwähnung solcher Selbstvermarktung glatt die Champagnerlaune über den Aufstieg in den Bestsellerlisten verderben:

Friede, Freude, Freundschaft und Bestseller:

Aber nun kommt doch diese Läubli, ist dummerweise kein Mann, und schreibt solche Sachen:

«Am gleichen Tag schreibt Seraina Kobler: «Von 0 auf Platz  9. Ich weiss nicht, was sagen.» Am 14.  Juni kommentiert Claudia Schumacher den Bestseller-Platz ihres Romans mit «CRAZY!». «Ich hüpf dann mal eine Runde im Zimmer rum.»»

Das ginge ja vielleicht noch, aber:

«Indessen feiern die Autorinnen ihren Erfolg nicht nur mit Champagner, sondern auch mit strahlenden Instagram-Bildern, von sich selbst, von sich selbst mit Buch, vom Cover ihres Buchs, von Bücherstapeln. Denn sie wissen: Ohne Aufmerksamkeit geht nichts. Im Kampf um dieses knappe Gut bringen sie ihre Person ins Spiel, posten Selfies, teilen die Posts der Kolleginnen, lächeln mit tiefroten Lippen (Schumacher), zeigen Bein (Schumacher, Kobler), die Föhnfrisur (Kobler) oder stimmungsvolle Fotos von Schreiborten in der Zürcher Altstadt und am Strand von Sansibar, wo Christine Brand als schreibende Nomadin zeitweise lebt. Beim Betrachten denkt man: Autorin zu sein, was für ein Lifestyle! Frau ist an schönen Orten, sieht gut aus, und am Ende kommt ein Bestseller heraus.»

Ist eine Beschreibung dessen, was die Damen tun. Aber so nicht, wütet Schumacher:

«Verbrennt die Hure, weibliche Features, Hass, Shaming», Schumacher dekliniert locker das Vokabular durch, mit dem sich Frau normalerweise gegen angeblich frauenhassende Männer wehrt. Sie werde auf ihr Äusseres reduziert, statt dass über Inhalte gesprochen werde. Dass Läubli nebenbei eine exzellente Kritik am Inhalt des Buchs von Schumacher abliefert, ist ihr offenbar vor lauter Äusserlichkeiten entgangen.

Immerhin, ein Kommentator bringt es dann auf den Punkt:

Nachdem Schumacher blitzartig von der WeWo zu Tamedia gewechselt hat, präsentiert sie sich übrigens so:

Um der Gefahr zu entgehen, als misogyner Mann denunziert zu werden, enthält sich ZACKBUM jedes Kommentars.

Ausser vielleicht: eine Autorin präsentiert sich mit ausgewählten Fotos – gerne auch als Ganzkörper — auf ihrer Webseite und kriegt sich nicht ein, wie ihr Buch die Bestsellerlisten erklimmt. Das wird von einer Fachfrau zum Anlass genommen, über die kalkulierte Selbstvermarktung von Schumacher und anderen nachzudenken.

Läubli wird auch noch vorgeworfen, dass sie doch schon vor einem Jahr solche Formen des Eigenmarketings kritisiert habe, unverschämt. Damals nahm sie ein solches Facebook-Foto zum Anlass für gelinde Kritik:

Lustige Huhn-oder-Ei-Frage: Ist das Foto der Autorin mit Manuskript auf nackten Oberschenkeln und roten Fussnägeln das Ei oder das Huhn? Darf es Anlass zu Kritik sein oder reduziert ein Naserümpfen die Autorin auf Äusserlichkeiten wie Schenkel und Fussnägel, die sie allerdings selbst zur Schau stellt?

Bei der Reaktion von Schumacher fällt einem spontan das Wort stutenbissig ein, aber das würden wir niemals hier anwenden. Auf keinen Fall. Ausgeschlossen. Eine beruhigende Erkenntnis nehmen wir mit: auch Frauen können misogyn sein. Oder zumindest so beschimpft werden, wenn einer Kritisierten die Kritik nicht passt und sie inhaltlich nicht dagegenhalten kann.

Sonntagssommerloch

Zugegeben, es ist hart, wenn alle anderen in der Badi liegen …

Da wird sogar die NZZaS schwach und pflegt Sauglattismus auf der Front:

Macht irgendwie Sinn. Viele Dinosaurier waren Vegetarier. Aus verfaulenden Dinosauriern entstand Öl. Wird als Treibstoff in Autos gekippt. Aber werden die nun auch zu Fossilen? Und wenn ja, wird Öl draus? Oder Gras? Daraus ergibt sich die Frage, ob man auch bei der NZZaS verbotene Substanzen raucht

Aber immerhin, nebendran hat das Sonntagsblatt mal wieder einen Knaller zu bieten: «SVP-Nationalrat kassierte heimlich ein Einkommen». Das gehe aus einem internen E-Mail-Verkehr hervor. Das wird heisse Köpfe geben, und das bei dieser Sommerhitze. Sicherlich kommt dann als Fortsetzung die Enthüllung, dass das auch in der SP, in der Mitte, bei den Grünen, den Grünliberalen – und gar bei der FDP der Fall ist. Da capo.

Wenn wir schon bei Parteipolitik sind: sympathisiert die NZZaS im Zweifelsfall mit der FDP? Gut, die Frage ist etwa so intelligent wie: macht Wasser nass? Daher gibt es auf der Front schön ausbalanciert auch noch eine Watsche Richtung SP: «Der zweite Bundesratssitz der SP ist gefährdet. Interne Kritiker schlagen Alarm.» Was sie extern via NZZaS tun. Auch hier sind wir sicher, dass der gleiche Artikel über die FDP erscheinen wird, denn auch deren zweiter Sitz wackelt

Wir müssen dann bis Seite 15 durchhalten, um wieder ein Stückchen Sauglattismus bewundern zu dürfen, denn der Chefredaktor himself verlässt seinen angestammten Platz auf Seite 2 und kalauert: «Für die Schweiz schlägt die Kilowattstunde der Wahrheit.» Das ruft nach Fortsetzungen: «Das Ölglas ist nur halbvoll.» Oder: «Ohne Gas kein Spass». ZACKBUM empfiehlt allerdings einen staatsmännischen Auftritt des Chefredaktors und erinnern ihn an den unerreichten Klassiker aus dem Hause NZZ: «Ordnungspolitischer Zwischenruf». Höchstens steigerbar zu «Ordnungspolitischer Weckruf». Denn merke: «Blick TV» war gestern …

Auf S. 23 zeigt die NZZaS dann, was eine fotografische Handschrift ist:

Man beachte: auf dem Cover steht der Mann links, hier rechts. Wunderbar, nur: wo bleibt die Frau? He? Typisches männliches Rollenbild, Frauen können nicht autofahren. Ein klarer Fall für die Gender-Beauftragte im Hause NZZ. Von allen weiteren Gendern, mühsam zusammengefasst unter divers, wollen wir gar nicht reden. Auf jeden Fall erwarten wir einen geharnischten Protest betroffener NZZ-Mitarbeiterinnen. Vielleicht sogar von Mitarbeiter:innen. Mitarbeiter!innen? Mitarbeiten*den*? Wie auch immer.

Heiss, Sommerloch, wo gähnt es bei der NZZaS am vernehmlichsten? Hier:

Das ist mit Verlaub ein Thema, das von unsterblicher Zeitlosigkeit ist. Gestern, vorgestern, heute und morgen aktuell bleibt. Diese Erkentnis ist so uralt, dass sie eigentlich auch schon ein Fossil geworden ist. Wir warten auf die Fortsetzungen: So schaffen wir den Weltfrieden. Mit diesen Mitteln liesse sich die Klimaerwärmung stoppen. So wird der Fundamentalismus milde. Oder: Wenn alle Chinesen gleichzeitig hopsen, gibt’s ein Riesenerdbeben.

Nächster Beitrag aus dem Sommerloch. Man nehme: eine starke Typolösung, persönliche Betroffenheit des Autors, ein herzzerreissendes Thema und viel Nutzwert. Et voilà:

Man ist hin und  hergerissen, ob das böse Wort vom Schicksalsporno hier zutrifft oder nicht.

Und als Absackerchen eine Merkwürdigkeit:

 

Martina Läubli geht hier der Frage nach, wie es Autorinnen in die Bestsellerliste schaffen. Eventuell mit geschicktem Marketing? Die aufgeführte Christine Brand, «erfolgreichste Krimiautorin der Schweiz», zeigte vor Kurzem in der NZZaS, dass Bestseller nur begrenzt mit literarischer Qualität zu tun haben müssen, so schlecht war der Artikel geschrieben. Claudia Schumacher hat sich über die Jahre in der WeWo und seit Neuerem bei Tamedia einen Ruf als Beziehungskolumnistin erschrieben. Die Dritte im Bunde arbeitete jahrelang im Journalismus, auch bei der NZZ, bis sich Seraina Kobler selbstständig machte und seit 2020 in schöner Regelmässigkeit einen Roman über dies und das publiziert. Die «schönsten Wald- und Wiesensträusse» oder «Zürich-Krimi» im immer noch marketingstarken Diogenes erschienen …

Die Autorin Martina Läubli wiederum ist Redaktionsleiterin von «Bücher am Sonntag», die NZZaS-Beilage, und schreibt selbst über eher nicht bestsellerverdächtige Themen: «Subjekt mit Körper. Die Erschreibung des Selbst bei Jean-Jacques Rousseau, Karl Philipp Moritz und W.G. Sebald».

Bleibt noch ausgewogen Platz für die Konkurrenz? Ein Plätzchen für die SoZ:

Solche zwei Coverstorys kann man nur als Verzweiflungstat im Hitzestau verstehen:

Aber schön, dass es keinen Tomatenmangel im Sommer gibt.

Wer nun meint, das sei doch eine stramme Ansage unserer Bundesrätin, sollte sich dann das Titelquote des Interviews zu Gemüte führen:

Und wir dachten, das könne jemand garantieren. Man beachte auch die weichste aller Politiker-Schwurbelformulierungen: «kann nicht ausschliessen». ZACKBUM kann auch nicht ausschliessen, dass wir diesen Winter noch erscheinen werden. Wir wollen aber die Leser vor Einschränkungen schützen. Ehrenwort.

Dafür kann die Konferenz von Lugano jetzt schon als voller Erfolg gewertet werden:

Unter vier Augen! Ganz persönlich! Im gleichen Raum! Nur: wer will schon ein Gespräch mit Flinten-Uschi, der blonden Betonfrisur aus deutschen Landen, die auf die undemokratischste Art überhaupt EU-Kommissionspräsidentin wurde. Ohne für das Amt zu kandidieren. Aber das wird Cassis sicherlich nicht ansprechen.

Und wo gähnt hier das Sommerloch am lautesten? Voilà:

Der letzte der ganz grossen Welterklärer erklärt die Welt. Peter Scholl-Latour schaut von oben zu und denkt sich sicherlich: Ach, Erich Gysling, das hätte ich aber viel besser hingekriegt.

Und der SoBli?

Den Chefredaktor mussten wir ja schon zurechtweisen. Was der SoZ ihre Sommaruga ist, ist dem SoBli seine Keller-Suter:

Auch hier prasseln im Sommerloch ungeheuerliche neue Erkenntnisse wie ein warmer Regenschauer auf uns ein: Die Bundesrätin «rechnet mit mehr Flüchtlingen». Da haben sich doch alle verrechnet, die mit weniger rechneten …

 

 

Schwafel gegen Newsjournalismus

Die NZZaS brauchte anderthalb Seiten. Danach war alles unklar.

Wir erinnern uns: Die angeblich beste Krimiautorin der Schweiz verwirrte mit blutrotem Geschreibe den Leser am Sonntag. Daraus entstand ein holpriger Kriminaltango mit fast 15’000 Buchstaben.

Wie es konzis, verständlich und klar geht, beweist das vielgeschmähte Gratis-Blatt «20 Minuten». 1685 Anschläge, vom Titel bis zum Schluss ein Paradebeispiel für «Short and Sweet»:

«Wurde sie erstickt, vergiftet, oder war es ein Herztod?» Es bitzeli besser als «Der Tod der alten Dame» oder gar der die Unschuldsvermutung verhöhnende Titel auf der Front: «Tod auf Bestellung».

Der Lauftext erklärt dann alles knapp und gut:

«Der Staatsanwalt wirft einer Frau und ihrem damaligen Freund vor, eine wohlhabende Ärztin aus Küsnacht getötet zu haben. Die 48-Jährige soll 2016 ihren Freund gefragt haben, ob er bereit wäre, für 300000 Franken ihre Mutter zu töten. Dies, weil die Tochter mit einem Millionenerbe rechnete. Am gestrigen Prozess verweigerte der 39-jährige Hauptbeschuldigte jegliche Aussage. Er hat dem Obergericht einen Brief geschickt, in dem er schrieb, dass er die Tat nicht begangen habe. Die Tochter wollte sich an nichts mehr erinnern und gab sich unschuldig.

Der Anwalt des Ex-Freundes verlangte für seinen Mandanten einen Freispruch. Er stützte sich dabei auf das Gutachten des renommierten Gerichtsmediziners Klaus Püschel aus Hamburg. Die Todesursache sei ungeklärt, es gebe keine Anhaltspunkte für ein Ersticken, ein plötzlicher Herztod sei die wahrscheinlichste Todesursache. Die Zürcher Rechtsmediziner hätten es versäumt, die Tote sofort zu obduzieren. «Es kann nicht sein, dass durch die Versäumnisse des IRM eine Person zu einer langjährigen Freiheitsstrafe verurteilt wird», sagt der Anwalt.

Der Staatsanwalt klagt den 39-Jährigen des Raubmordes an und verlangt eine Freiheitsstrafe von 19,5 Jahren. Seine DNA-Spuren seien am Körper der Toten und an der Klarsichtfolie gefunden worden, mit welcher die 73-Jährige erstickt wurde. Auf seinem Handy waren Fotos des Deliktsguts und er hat mit den Kreditkarten der Toten 30 000 Franken bezogen. Die Tochter habe ihn dazu angestiftet und ihm den Schlüssel des Hauses ausgehändigt. Dem widersprach ihr Anwalt und verlangte die Bestätigung des Freispruchs des Bezirksgerichts Meilen. Der Prozess am Obergericht Zürich wird morgen weitergeführt.»

So macht man das, liebe NZZaS.

 

 

Kriminaltango

Das Sommerloch gähnt bereits vernehmlich.

Ein Todesfall. Nicht restlos aufgeklärt. Ein Mörder sitzt im Gefängnis, aber wurde er angestiftet? Auf der Front ist’s glasklar. Denn auch die NZZaS pfeift inzwischen auf die Unschuldsvermutung. Trommelwirbel, schneidende Geigen, blutrote Illustrationen:

Der arme Dürrenmatt.

Denn wir bewegen uns hier auf einem angeblich hochstehenden literarischen Niveau. Die als «erfolgreichste Krimiautorin der Schweiz» geltende Christine Brand kehrte «für diese Reportage zu ihren Wurzeln als Journalistin zurück». Zudem arbeitete sie früher im Ressort «Hintergrund» der NZZaS.

Im Eigenmarketing ist die Dame grossartig:

Im Nacherzählen einer eher banalen Story weniger. Eigentlich sollte der Lektor blutrot anlaufen, wenn eine Kriminalgeschichte so beginnt:

«Noch denkt niemand etwas Schlimmes

Dann stolpert Brand durch ein Potpourri, aus dem man (auch frau) etwas Anständiges hätte machen können, obwohl – oder gerade weil – es «alle Klischees bedient». Alte, wohlhabende Ärztin stirbt in ihrer Villa an der Zürcher Goldküste. Wird erst zwei Tage später gefunden, zu spät obduziert. Natürlicher Tod oder nicht?

Der Verdacht fällt schnell auf ihre Tochter. Drogenabhängig, in Gefahr, das Erbe zu verlieren. Deren Freund, Bauarbeiter, Rotlichtmilieu, Drogenkarriere, wird verurteilt. Und schweigt eisern bis heute. Die Tochter kann sich an nichts mehr erinnern. Kein Wunder, sie soll bis zu «120 Pillen Ritalin» genommen haben – täglich. Dabei sollte eine Höchstdosis von 8 Tabletten nicht überschritten werden. Heisst’s. Also müsste die Tochter eigentlich schwer hirngeschädigt oder tot sein. Aber was soll’s.

Medizinische und andere Ungereimtheiten sind Brand ziemlich egal. Neues hat sie auch nicht zu bieten, das Urteil des Obergerichts aufgrund von Berufungen gegen das erstinstanzliche Verdikt wird erst am 4. Juli erwartet. Also bleibt nichts anderes als der vage Schluss:

«Wollte Beatrice K. (die Tochter, Red.) den Tod ihrer Mutter oder war sie ahnungslos? Entweder wird Beatrice K. für Jahre ins Gefängnis gehen oder eine freie, reiche Frau sein. Doch die Wahrheit, warum Veronika T. sterben musste, wird wohl verborgen bleiben.»

Nun, da ein verurteilter Mörder im Knast sitzt, scheint diese Wahrheit eher offenkundig zu sein. Da in seinem Besitz Wertgegenstände der Toten gefunden wurden, könnte der gewiefte Krimiautor, wenn er mal in überschwengliche Kombinierlaune gerät, eine gewagte These zum Warum aufstellen. Stichwort Habgier, Stichwort Sicherung des Erbes  …

Trommelwirbel, Fade out, ein Aktendeckel schliesst sich gewichtig. Vorhang zu, alle Fragen offen. Das Hazy Osterwald Sextett stimmt den «Kriminaltango» an. Das Publikum flüchtet.

Aufrüstung mit Rafaela Roth

Man kann auch einen Vegetarier ins Schlachthaus schicken.

Einerseits mag das eine gute Idee sein. Auf der anderen Seite sind die Resultate eher vorhersehbar. Gelingen könnte das Experiment höchstens, wenn eine gute Schreibkraft aus dem Klischee was Besonderes macht.

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Rafaela Roth ist in letzter Zeit eher durch verunglückte Stücke aufgefallen. Besonders peinlich war ein Jubelporträt über eine furchtbar wichtige und angeblich erfolgreiche Medienanwältin, die aber um die Publikation des Frauensolidaritätsstücks eine Klatsche nach der anderen, eine Niederlage vor Gericht nach der anderen einsteckte. Ohne dass Roth das in ihrem Zerrbild auch nur im Ansatz darstellte.

Nun muss ein Schlaumeier es eine gute Idee gefunden haben, Roth an die grösste Rüstungsmesse Europas zu schicken. Das könnte durchaus was Explosives werden. Es wird aber zum Rohrkrepierer, wenn Roth den Fehler vermeiden will, mit Abscheu über die Zurschaustellung von Mordinstrumenten zu schreiben. Denn es ist ihr durchaus bewusst, dass der Ukrainekrieg viele Pazifisten in Kriegsgurgeln verwandelt hat.

Auf der anderen Seite läge ihr eine Jubelarie über die «Eurosatory» natürlich fern; Begeisterung für neue Waffensysteme, Applaus für ordensbehängte schwarzafrikanische Militärs? Niemals. Was bleibt?

Der Versuch eines Mosaiks mit hingewürgtem Sauglattismus: «Krieg wird zunächst in Anzügen gemacht – und mit Jutebeuteln.» Oder: «Serviertablette mit Prosecco schaukeln aus dem weissblauen Pavillon hervor, Rheinmetall hat ein ganzes Gebäude zur Messe mitgebracht.» Ist das für den Leser hilfreich, sind das signifikative Beobachtungen, ergibt sich daraus ein Gesamtbild? Ach was.

Es braucht natürlich noch ein Leitmotiv durch den Artikel, am besten eine Person. Daher hat Hanspeter Fäh, «Organisator des Schweizer Pavillons», richtig Pech gehabt. Der wird gleich im ersten Satz kurz hingerichtet: ««Krieg, Krieg, weisst du, wo er beginnt, der Krieg?» Hanspeter Fähs Zunge ist schon etwas schwer. Es ist der Rotwein, es sind die langen Tage, die vielen Fragen., manchmal verliert er die Geduld.»

Die Schnapsdrossel kommt dann ab und an wieder im Text vor: «Hanspeter Fäh taucht seine Hand in eine Schüssel Hackfleisch. Jetzt muss alles klappen: Gehacktes und Hörnli, Fondue und asiatischer Nudelsalat

Da fehlt doch was, aber das wird als Schlusspointe, nun ja, als letzter Rohrkrepierer nachgereicht: «Selten sind die Antworten einfach. Hanspeter Fäh hat auch keine mehr. Er hat sich eine Zigarette angezündet und holt noch eine Flasche Wein. So als wäre dies auch eine Antwort. Er sieht, trotzdem, irgendwie zufrieden aus

Das kann man ohne Weiteres als Charaktermord bezeichnen. Nicht mit moderner Artillerie begangen, sondern mit Buchstaben. Fäh, der Süffel. Der sich fehlende Antworten schöntrinkt und mit schwerer Zunge Philosophisches zum Krieg von sich gibt. Weisheiten aus der Rotweinflasche.

Da Roth nicht sicher ist, was sie denn eigentlich von so einer Waffenverkaufsshow halten soll, darf, heutzutage, wo völliger Abscheu gegenüber Mordmaschinen eher ausser Mode gekommen ist, knöpft sie sich halt den Organisator des Schweizer Pavillons vor. Mal schauen, ob er diesen Beschuss überleben wird.

 

Entrüstung über Jonas Projer

Sich von der Konkurrenz porträtieren lassen? Ziemlich mutig.

Journalisten haben ein Problem. Also sie haben viele Probleme, aber eines der grössten ist: sie nehmen sich selbst viel zu wichtig. Der Bote kommt ihnen mindestens so bedeutend vor wie die Botschaft. Eitel sind sie auch noch, und Kritik vertragen sie eher schlecht bis überhaupt nicht.

Es gibt also einige Gründe dafür und dagegen, sich in einem Medium porträtieren zu lassen. Es braucht eine besondere Art von Mut, das von der direkten Konkurrenz bewerkstelligen zu lassen.

Jonas Projer hat diesen Mut – oder soll man von Tollkühnheit sprechen? Er ist noch nicht einmal ein Jahr amtierender Chefredaktor der NZZaS. Schon bevor er diese Stelle antrat, fiel es einem Tamedia-Konzernjournalisten ein, ihn präventiv wegschreiben zu wollen:

«Als jetziger Chefredaktor bei einem Boulevardmedium wie Blick TV widerspricht Projer auch dem Qualitätsanspruch der «NZZ am Sonntag» – und der linksliberalen Positionierung des Blattes

Der Autor Andreas Tobler wetteifert mit Philipp Loser darum, der willigste Konzernjournalist zu sein. Loser ging mit einem Schmierenstück über den Verleger Hanspeter Lebrument unangefochten in Führung, bekam dann aber wegen übertriebener Härte die rote Karte gezeigt. Tamedia entschuldigte sich, der Artikel wurde gelöscht, weil er angeblich nicht den Qualitätsstandards des Hauses entsprach.

Das Qualitätsorgan Tamedia sah aber keinen Handlungsbedarf, als Tobler sehr viel Verständnis für einen Mordaufruf gegen den Verleger und Chefredaktor Roger Köppel zeigte. Ganz vorne dabei ist Tobler auch, wenn es um die Beförderung der Genderwahns geht. Ganz klein und hässlich wird er allerdings, wenn man ihm Gelegenheit zur Stellungnahme geben will. Austeilen ja, rechtfertigen niemals.

Also alles in allem ein Schreiberling, von dem man sich nicht wirklich gerne porträtieren lassen möchte. Aber Tobler hat, wie damals Loser, den Auftrag gefasst. Wieso allerdings Projer mitmachte und ein paar Quotes beisteuerte, muss wohl sein süsses Geheimnis bleiben.

Es ist allerdings wohl kein Zufall, dass es bislang kein von der Konkurrenz geschriebenes Porträt über Arthur Rutishauser, Patrik Müller oder Christian Dorer gibt.

Projers unverdientes Glück ist allerdings, dass Tobler ein selten schwacher Recherchierjournalist ist. Schwatzhaft, wie die Branche so ist, hätte es doch möglich sein sollen, ein paar saftige, natürlich anonyme Anschwärzungen auszugraben. Insbesondere von ehemaligen Mitarbeitern der NZZaS, die ihren Abgang mehr oder minder Projer zu verdanken haben. Oder denen er in der Sonne steht, weil sie selber gerne Chef geworden wären.

Aber um ein Riesenfoto herum schafft es Tobler eigentlich nur, eine einzige News auszugraben, die er auch gleich im Titel verbrät: Projer hatte sich am Anfang des Ukrainekriegs eine Auszeit genommen. Oder um es im demagogischen Duktus von Tobler zu formulieren: er kam an seine Grenzen, «brauchte bereits eine Auszeit». So etwas ist Tobler noch nie passiert, das wäre angesichts seines mageren Ausstosses auch überraschend.

Aber hier kann Tobler nur raunen, dass sich «seit einigen Wochen die Zeichen häufen, das(s) bei Projer vieles nicht mehr rundläuft: Mehrere namhafte Journalisten kündigten innert kürzester Zeit ihre Jobs.»

Was hat Tobler denn sonst noch so ausgegraben? Himmels willen, als Mitglied der «Zunft zum Schmieden» schlug Projer doch tatsächlich das Thema «aussterbender Beruf des Schmieds» vor. Das habe «auf der Redaktion zu reden gegeben», will Tobler wissen. Damit hat er aber bereits seine «News» verballert; so ungefähr ab der Mitte des ellenlangen Stücks wird es grausam repetitiv.

Und belehrend: «Sollte man als Chefredaktor nicht seine Kräfte besser einteilen und seine Grenzen kennen, um solche Absenzen zu vermeiden», fragt Tobler streng. Er ist offenbar der Auffassung, dass nur ein ewig präsenter Chef seine hohen Massstäbe erfüllt, und eine zweiwöchige Absenz von Rutishauser könnte sich Tobler offensichtlich niemals vorstellen.

Eigentlich gibt es eine verblüffende Parallelität zwischen der verunglückten Reportage von Rafaela Roth über eine Waffenshow und diesem Versuch, dem Chef eines Konkurrenzorgans eine reinzuwürgen. Vom Versuch, ein wirklichkeitsnahes Porträt abzuliefern, sind beide Stücke meilenweit entfernt. Gerade über Projer, der nun tatsächlich als Quereinsteiger und Multitalent eine interessante Figur ist, könnte man ein spannendes Werk abliefern.

Aber die Voraussetzung dazu ist natürlich: wenn man das könnte. Wenn man das wollte. An beidem hapert es bei Tobler. Da bleibt nur, Geheimrat Goethe zu zitieren: «So fühlt man Absicht, und man ist verstimmt.»

Oder moderndeutsch formuliert: sackschwach. Gewollt und nicht gekonnt. Übler Konzernjournalismus. Und erst noch nix ausgegraben. Zeitverschwendung.

Hilfe, mein Papagei onaniert

Wir können nichts dafür. Wir beginnen mit einem Lob.

Normalerweise ist die Sonntagspresse reicher Quell für Spass und Tollerei. So war auch ZACKBUM gestimmt, als wir das Cover der NZZaS sahen:

Clever, sehr clever. Während der «Blick» Corona wieder hochzieht, wenn das mit der Ukraine mal nicht mehr Monothema ist, wählt die NZZaS Sommer, Hitze, Wasser, Stromknappheit, furchtbar. Kann man machen, muss man nicht machen.

Aber dann kam das:

Eine Philippika gegen den offenbar hitzegeschädigten Zürcher Stadtrat. Der will ja nicht nur die Verwendung von Biersigneten bei der Aussenwerbung von Restaurants verbieten, nun hat er auch noch ein ellenlanges Reglement erlassen, das im Wesentlichen sagt: «verwenden Sie den Genderstern.» Was für Aussenstehende lachhaft erscheint, ist für städtische Beamte Pflicht.

Das Femininum sei nur noch in Ausnahmefällen zu verwenden, zum Beispiel hier: «Schweizerinnen erhielten das Frauenstimmrecht 50 Jahre später als die Schweizer.» Redaktor Urs Bühler möchte man ganz politisch unkorrekt dafür knutschen, wie er diesen Satz auseinandernimmt:

«Als hätte das Frauenstimmrecht schon für Männer gegolten. Übersteigertes Gendern verwirrt halt den Geist.»

Schön ist auch: «Was der Stadtrat, Pardon, die Stadtratte, im Reglementierwahn anordnet, geht auf keine Kuh- und auch auf keine Stierhaut.» Ein klares Wort, ein Bundesgenosse im Kampf von ZACKBUM gegen Genderwahn und Verunstaltung der deutschen Sprache. Das Merkwürdige daran ist: dass jede Form von Gendern schlichtweg schwachsinnig ist und mehr Probleme schafft als löst, ist schon tausendmal beschrieben, nachgewiesen, erklärt, sinnhaft gemacht worden. Aber die Fraktion Genderwahnsinn macht einfach weiter, als wäre da nix.

Sprache als Therapieanstalt für angeblich diskriminierte, exkludierte, nicht berücksichtigte Gender. Eine unglaubliche Fortsetzungsgeschichte.

Aber wo Licht ist, ist auch Schatten. «Gefährlicher Rüpel» titelt die NZZaS über einem Porträt von Jean-Luc Mélonchon, der sei ein «polternder Polemiker», resümiert der Artikel. Dazwischen bemüht sich Autorin Christine Longin damit ab, hinwegzuerklären, wieso diesen polternden und gefährlichen Rüpel und seine Linksallianz ganze 28 Prozent der Franzosen wählen wollen. Nicht weniger als das Lager von Präsident Macron, auf den bei den Parlamentswahlen eine Klatsche zukommen dürfte.

Noch schlimmer: «Besonders gut kommt der Linkspopulist bei den 18- bis 24-Jährigen an. Ein Mehrheit von ihnen will bei den Parlamentswahlen Nunes (der Linksallianz, Red.) die Stimme geben.» Warum? Das habe mit der «Unzufriedenheit mit dem politischen System zu tun», fällt einem Mitarbeiter des «Deutsch-Französischen Instituts» ein; für Longin offenbar die einzig greifbare Expertenmeinung – als ganz dünne Suppe.

Polemik und Beschimpfung auf der einen Seite, platte und magere Erklärung, wieso denn so viele Franzosen einen solch gefährlichen Mann wählen wollen. Die Unfähigkeit einer wirklichkeitsnahen Beschreibung erinnert fatal an die Porträts über Donald Trump vor seiner Wahl …

Auch Fotos können demagogisch sein: kein Ruhmesblatt für die NZZaS.

Wir wollen aber wieder ein Lob dranhängen:

Denn Kate Bush ist erst 63 Jahre alt. Damit senkt die NZZaS nach ihren Lobes-Interviews mit Mick Jagger oder Elton John das Alter des angepriesenen Musikers gewaltig. Es fehlt nicht mehr viel, dann ist sie bei kontemporären Stars angelangt. Ausser natürlich, sie hängt der Meinung an, dass Elvis lebt. Ein Film über ihn wird immerhin schon mal rezensiert …

Wer Wert auf Dynamik legt, muss nach der NZZaS den «SonntagsBlick» anschauen. Der hat mal wieder einen Knaller auf dem Cover:

Das ist natürlich furchtbar. Nur hat der Knaller eine nasse Zündschnur: bis zu den Sanktionen nach dem Einmarsch in die Ukraine war der Export solcher Chips völlig legal.

War’s das schon vom SoBli? Ja, oder wollen wir uns noch die Gedanken von Frank A. Meyer antun? Eben.

Hin und her gerissen ist aber die «SonntagsZeitung». Das hier ist sozusagen Pflichtstoff:

Das aber die SoZ diesem Thema gleich die Seiten zwei und drei widmet, ist erstaunlich:

Da möchte man gerne Mäuschen bei der Redaktionskonferenz gewesen sein. Was, das sind doch nur wenige Einzelfälle. Das ist doch völlig kontraproduktiv. Damit schürt man doch Xenophobie. Ein Bärendienst für flüchtende Ukrainer. Wollen wir wirklich der SVP Wasser auf ihre Mühlen lenken? Sind wir hier neuerdings bei der «Weltwoche»? Da müssen wir unbedingt positive Beispiele dagegenstellen.

So und ähnlich dürfte dort gepoltert worden sein.

Ansonsten stellt die SoZ Fragen, die sich sonst keiner traut:

Schliesslich geht Nora Zukker, die schon mal gerne ein Autorengespräch auf dem Friedhof mit einem Flascherl Schampus führt, einer weiteren wichtigen Problemstellung nach:

Wollen wir wissen, welche Worte Zukker mit der Autorin eines Buchs wechselt? Falls es tatsächlich ein paar Leser geben sollte, die sicherlich unter Drogeneinfluss ja sagen, wir lassen es bei diesem Absackerchen bewenden:

Es geht doch eigentlich nichts über weibliche Bekenntnisliteratur, in der ein persönliches, recht überschaubares Problem zum grossen Beichtbuch aufgeblasen wird.

 

Geistvolle Sonntagsblätter

Diesmal legen wir in der Auswahl nur ein Kriterium an: geistvoll.

Zugegeben, beim «Sonntagsblick» wird das schnell schwierig. Denn schon auf dem Cover überraschte das Pfingstblatt mit dieser Erkenntnis:

Eine nobelpreisverdächtige Prognose.

Aber Bundesrat und SoBli können noch einen drauflegen:

Dann muss der SoBli allerdings alleine weitermachen:

Und als Absackerchen noch das Wort zum Pfingstsonntag des intellektuellen Schwergewichts Frank A. Meyer: «Das bedrängte Land braucht Raketen, Flugzeuge, Panzer und Munition. Jetzt!» Ob wir Meyer noch beim Beladen von Munitionszügen beobachten dürfen?

ZACKBUM räumt ein: diesmal war’s bei der «SonntagsZeitung» eine Mission impossible. Geistreich? Schwierig, aber dem Ingeniör ist nichts zu schwör:

Alles ist relativ, und dann ist das geistreich. Wie das hier auch:

Und das:

Schliesslich das:

Gut, das unterscheidet Schimpansen noch nicht von Journalisten.

Eigentlich müsste hier nun noch eine Würdigung der NZZaS kommen. Aber was eigentlich nie passieren kann, ist hier geschehen. ZACKBUM hat es (fast) die Sprache verschlagen.

Das ist wohl auch besser so, denn unterhalb von diskussionslos mit Strafen belegten Verbalinjurien könnte man dieses Stück nicht beschreiben. Wer meint, Journalismus hätte alle Barrieren nach unten, ins Geschmacklose, Unanständige, Widerwärtige schon längst durchbrochen, wir hier eines Schlechteren belehrt. «watson» rüpelt mit dem Wort «Geschichtsporno» in Serie. Wir überlassen es der Fantasie des Lesers, für dies hier den richtigen Begriff zu finden.

Hilfe, mein Papagei onaniert: Hitzestau

Reden wir über das Wetter.

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

Wenn’s mal heiss wird in der Schweiz, haben die Sonntagsblätter ihr Thema gefunden.

Wenn alle vom Wetter reden, wieso dann nicht einen Riesenartikel übers Wetter machen? Dazu das Reizwort «Klimawandel», ein Wetterfrosch runzelt bedenklich die Stirne, und schon ist eine Doppelseite plus Cover gefüllt.

Fehlt noch was? Natürlich, ein Frauenthema. Wie kann man das mit dem kleinsten Aufwand ins Blatt heben? Richtig, man macht ein Interview.

Auch der ansonsten sehr geschätzte Armin Müller kann mal danebenliegen: «Bei Bitcoin & Co. handelt es sich um Nullsummenspiele, der Gewinn des einen ist der Verlust des anderen. Es entsteht kein Mehrwert.» Bei Bitcoin & Co. handelt es sich um Währungen. Die sind immer Nullsummenspiele. Oder käme jemand auf die Idee, bei einer Kursänderung des Schweizerfrankens gegenüber dem Dollar von Gewinn und Verlust zu sprechen? Oder sich darüber zu beschweren, dass aus einer Währung kein Mehrwert entsteht? Vielleicht nochmal zum Thema Geldtheorie etwas nachlesen.

Denn weder ist die Kryptogemeinde gescheitert, noch ändert der letzte Kurssturz (in einer langen Reihe) etwas daran, dass Kryptowährungen den ersten ernsthaften Versuch darstellen, das Geldmonopol der staatlichen Notenbanken in Frage zu stellen. Deshalb werden sie auch so kritisch beharkt. Als Facebook ernsthaft mit dem Gedanken spielte, auch eine eigene Kryptowährung ins Leben zu rufen, klingelten in der Politik (und somit auch in den Medien) überall die Alarmsirenen. Und der Versuch wurde (vorläufig) abgewürgt. Alles, weil auf Blockchain aufgebaute Zahlungsmittel die Zukunft sind.

Vom ernst Falschen zum unernst Lächerlichen. Dass Daniel Craig sich in ein rosa Samtjackett zwängte, konnte man nur als Stinkefinger in Richtung seiner Rolle als James Bond interpretieren. Er hatte wohl Angst, dass man ihn trotz Todesfall wiederbeleben könnte. Aber ein Bond in einem rosa Anzug? Niemals. Der einzige Grund, als Mann rosa zu tragen, ist: ich will zeigen, dass ich Mut zur Lächerlichkeit habe.

Hier geht’s wenigstens noch schön männlich zu. Auch wenn so ein Töff, mit dem Mann über Stock und Stein brettern kann, so ziemlich allem widerspricht, wofür Tamedia ideologisch steht. Aber Gesinnung ist das eine, Inserateeinnahmen ist das andere, Wichtigere.

Alle reden vom Wetter, natürlich die NZZaS auch. Plus eine extra Öko-Beilage, grossflächig beworben auf der Front. Braucht das Thema wirklich die halbe Seite vorne? Nun ja, wenn es sonst nicht viel zu berichten gibt …

Im Blatt wird die Allerweltsexpertin Anne Applebaum interviewt. Das tut so ziemlich jeder, und sie sagt auch zu ziemlich jedem so ziemlich das Gleiche. Wieso auch noch die NZZaS ihr eine Plattform gibt, damit sie Altbekanntes wiederholt?

Aber offenbar wollte man eine Reihe «wir interviewen oder porträtieren altbackene Menschen» machen. Dazu passt auch ein Porträt von Andreas Gross. Genau, der Gross, der vor vielen, vielen, vielen Jahren mal mit der Gesellschaft für eine Schweiz ohne Armee Furore machte. Und anschliessend eigentlich nur noch durch seine üppigen Reisespesen auffiel.

Zu guter letzt setzt Peer Teuwsen seine Reihe fort: Ich interviewe scheintote Rockstars. Nach Mick Jagger nun auch noch Elton John. Ja, meine lieben jungen Leser, das ist so ähnlich wie mit den Sissi-Filmen. Umso mehr sich der Leser altersmässig gegen unten von Teuwsen unterscheidet, desto mehr fragt er sich: Jagger? Wer ist Jagger? Elton John? Wer ist denn das? Macht der vielleicht Werbung für Fielmann?

Aber, sonst wäre es nicht die NZZaS und man müsste nur meckern, dann kommt noch eine grosse Reportage über Äthiopien. Äthiopien? War da mal was? Gab es da nicht mal einen Friedensnobelpreisträger? Und gibt es ausserhalb der Ukraine tatsächlich noch eine Welt? Immerhin, diese Fragen beantwortet die NZZaS, und dafür sei sie am Schluss hier versöhnlich gelobt.

Und der SoBli? Ach nö, auch ZACKBUM braucht manchmal eine Verschnaufpause.

Hilfe, mein Papagei onaniert: Faule Eier

In der zeitlichen Distanz wirkt die Ostersonntags-Presse noch abgestandener.

Ostern ist medial gesehen blöd. Drei Feiertage, ausgerechnet am Samstag muss für die Sonntagspresse gearbeitet werden, los ist meist auch nicht viel. Man kann es sich nun ganz einfach machen wie die «Berner Zeitung/ Der Bund», die im Rahmen der Sparmassnahmen zur Qualitätsverbesserung im Hause Tamedia über Ostern einfach Artikel rezykliert.

So verzweifelt ist die Sonntagspresse noch nicht, aber fast.

Der SoBli probiert’s mit der ältesten Nummer überhaupt. Wenn nix los ist, mach eine Umfrage. Und ein Quiz. Da kann nix schiefgehen:

Gegen den erhöhten Gähn-Faktor dann noch ein Interview mit dem aalglatten Grünen-Chef Balthasar Glättli. Der lässt sonst keine Gelegenheit aus, in die Medien zu kommen, hier hätte er sicher lieber gekniffen. Denn seine Grünen sind rechte Militärköpfe geworden und wollen unbedingt in die NATO. Was ist denn mit dem grünen Pazifismus, will der SoBli wissen. Glättli gerät auch beim schriftlich geführten Interview ins Eiern: «Mich erstaunt die NATO-Positionierung sehr.» Schliesslich stünde in der Wahlplattform «das Gegenteil». Nämlich «stärkeres Engagement der Schweiz für die Friedensförderung in der Uno und der OSZE statt in der NATO-Partnership for Peace».

Da fragt der SoBli frech, ob diese Postion nicht überdacht werden müsse. Worauf Glättli 15 Zeilen Geschwurbel ablässt, um die Frage in Watte zu packen und zu entsorgen. Jämmerlich gut.

Aber die ersten zehn Seiten des Blatts sind mit dem Thema Ukraine abgefüllt, man meint den Seufzer der Erleichterung zu hören. Nun Platz für das «Oster-Lexikon», eine taufrische, originelle, neue Idee.

Dann folgen weitere Artikel, so über den «Drang nach Süden», die mehr oder minder streng nach eingeschlafenen Füssen in roten Wandersocken riechen. Die Präsidentschaftskandidaten Marie Le Pen wird schnell zur «gefährlichsten Frau Europas» ernannt, womit sie offenbar vor Figuren wie von der Leyen oder Lagarde läge.

Einen weiteren Höhepunkt erreicht der SoBli mit diesem Interview:

Merke, wer eine solche Null-Aussage als Titelquote verbraten muss, will damit sagen: lies mich nicht, weiterblättern.

So landet man dann hier:

Ei, ei, ei, was für Fragen. «Was wird an Ostern gefeiertZACKBUM treibt seine Leser an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit und serviert folgende Antwortmöglichkeiten (nein, die sind original, bevor jemand Satire sagt):

– Ende des Winters
– Auferstehung von Jesus
– Geburt von Jesus
– Beginn des Frühlings

Wir sind verwirrt, denn wir vermissen die richtige Antwort: Die Eier des Osterhasen.

Und was macht das Blatt für die halbgebildeten Stände? Da hat leider das Geld für eine Meinungsumfrage nicht gereicht, also muss man so fahren:

Dann würde «watson» von einem Sozialporno sprechen, denn unter dem erschütternden Titel «Meine Füsse bluten» wird über Fluchten aus der Ukraine berichtet. Ach, nein, so geht’s im Gastgewerbe zu und her, «Betroffene berichten». Dann frönt die SoZ ihrer Unsitte, Artikel mit Riesenfotos aufzublasen, die allerdings so inhaltsleer wie der Bericht selbst sind:

Das nächste Mal spürt man die Tamedia-Sparmassnahmen im «Fokus»-Bund. Der besteht aus heisser Luft und dem gesprochenen Wort. Wenn Bundesrätin Sommaruga interviewt wird, dann weiss man, dass die Redaktion schon am Samstag dringend Ostereier verstecken wollte und es ihr dabei egal ist, ob sich der Leser durch Watte arbeiten muss.

Man beachte auch bei diesem Interview das Verhältnis Fotos – Text. Eins zu eins, würden wir sagen. Etwas Farbe ins Ostergrau bringt einzig Michèle Binswanger, die sich an ein Interview mit Alice Schwarzer traut. Die grosse alte Dame der deutschen Frauenbewegung ist bekanntlich in feministischen Kreisen in der Schweiz untendurch, weil sie es doch wagte, den Vollkörperschleier nicht als Ausdruck des Selbstbestimmungsrecht emanzipierter islamischer Frauen zu sehen (wie Frauenversteher Daniel Binswanger), sondern als Käfig, als Gefängnis, weswegen Schwarzer natürlich für das Burka-Verbot war. Nun nimm sie die «Transsexualität» unter die Lupe und erklärt sie für «in Wahrheit rückschrittlich». Wie immer mit intelligenten Argumenten. Aber das wird ihr hierzulande nix nützen.

 

Die NZZaS hingegen hat ein echtes Generationsproblem. Woran merkt man das?

Richtig, wenn ein Blatt ein Jugendfoto des 78-jährigen Mick Jagger (das ist so ein Überlebender der «Rolling Stones», das ist so eine Band, die vor vielen Jahren ihr letztes Album rausbrachte) riesig aufs Cover nimmt, dann bedeutet das, dass die U-50 eher schwach in der Redaktion vertreten sind. Denn die sagen mehrheitlich: Mick who? Natürlich ist es ein biologisches Wunder, dass der immer noch ohne Krückstock über die Bühne hupft und auch Keith Richards, der nun seit vielen Jahren so alt aussieht, wie er niemals werden kann, hält sich noch an seiner Gitarre fest. Ansonsten stirbt aber ein Mitglied nach dem anderen weg.

Anlass des Riesenfotos ist, dass es dem Kulturchef doch tatsächlich gelungen ist, ein Interview mit Jagger zu ergattern. Das ist natürlich toll für einen Fan, aber ausser, dass sich Peer Teuwsen darüber wundert, dass Jagger den Begriff «Tautologie» kennt, ist’s nun ungefähr so originell wie «I can’t get no satisfaction» .

Und sonst? Ukraine, Ukraine, Vincenz, Vincenz, schliesslich The Man:

So sah Jagger vielleicht vor der Erfindung der Farbfotografie aus, heute eher so:

 

 

 

 

 

Trost findet Jagger höchstens hier:

Saufen und rauchen hat Keith Richards übrigens aufgegeben.