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Sommer mit Loch

Die NZZaS hat wirklich ein Problem.

Nur eins? Gute Frage. Sie hat eine Reihe von Problemen, und wie bei Ebbe kommen die halt zum Vorschein, wenn das Sommerloch hässlich gähnt und nichtmal die Hand vor den Mund hält.

Aber der Reihe nach. Wenn eine Redaktion, ein Chefredaktor eine solche Cover-Illustration zulässt, dann haben sie die Kontrolle über ihr Leben verloren, wie Karl Lagerfeld selig sagen würde.

Sieht aus wie von KI gepinselt; was soll eine Umarmung zwischen einem Marlboro-Cowboy und der Freiheitsstatue uns sagen? Echte Nähe von Extremen? Geknutscht wird nicht, weil er nicht mal die Kippe aus dem Mund nimmt?

Dann verliert sich der Chefredaktor Beat Balzli in aufgewärmten Überlegungen zum amerikanischen Wahlkampf, nicht ohne dem Leser am Schluss launig «I Wish you a Great Sunday» nachzurufen, Versteht zwar keiner, was das soll, «Make Sunday Great again» wäre wenigstens noch einigermassen lustig gewesen.

Aber das geht wenigstens schnell vorbei, es folgen zwei Seiten Geseier zur Frage, was «uns eigentlich noch zusammen» halte. Gemeinschaft, starke Institutionen, gemeinsame Geschichte, ist die banale Antwort, die man – ausgewalzt – in einer Spalte hätte geben können.

Werbung ist sonst nicht so das Thema von ZACKBUM, aber hier müssen wir eine Ausnahme machen, denn das ist zum Schieflachen:

Das soll «Eleganz auf höchstem Niveau» bildlich ausdrücken. Dabei ist es Idiotie auf tiefstem Niveau. Da steht ein Range Rover blöd rum. Fährt er zurück, kracht er in die elegante Mauer. Fährt er nach vorne, platscht er in den eleganten Seerosenteich. Eigentlich braucht es einen Kran, um ihm aus dieser eleganten Situation herauszuhelfen.

Ach, und wenn wir schon bei gelungenen Illustrationen sind:

Ein Sarg, aus dem Geldnoten herausquellen, offenbar funktioniert die Klimaanlage bei der NZZ nicht.

Aber dann, sonst wär’s halt nicht die alte Tante, kommt ein Stück, das mit vielem versöhnt. Ist von der Altmeisterin Margrit Sprecher, die mal wieder zeigt, dass sie Reportage besser beherrscht als all die verschwurbelten Möchtegerns, die aufpumpen und nur zeigen, dass sie weder Form noch Inhalt beherrschen.

Anders aber Sprecher.

Natürlich lebt das Stück vom Setting und den beiden Protagonisten. Aber finden muss man die auch erst mal, und gültig beschreiben können auch. Da ist Simon Bühler, einst ein gefeierter Starkoch, erfolgsverwöhnt, getrieben. Der plötzlich umschaltete und nun die Walserstuba in Avers betreibt. Mit einfachen Gerichten zu zivilen Preisen (Abendmenü 35 Franken), «Nada es perfecto», ist sein Wahlspruch, und Sprecher bringt ihn dem Leser näher. Ergänzt wird er durch Bruno Loi, dem Macher, der als «Tschinggeli» in der zweiten Generation allen zeigen muss, was er kann. Und das ist viel. Eingebettet in ein Walserdorf, wo man wohl erst so ab der fünften Generation nicht mehr als fremder Eindringling empfunden wird.

Ein wunderbares Stück, das zeigt, wie Journalismus immer noch funktioniert. Idee haben, hingehen, anschauen, aufschreiben, verdichten. Geht aber nur, wenn man’s kann, denn was so einfach daherkommt, ist die hohe Kunst.

Das trägt einen auch problemlos über die nächste Seite mit Patti Basler und Rolf Dobelli hinweg. Und in die «Wirtschaft» hinein, die so siech ist, dass man ihr gerne so ein Krankenzimmer auf dem Bürgenstock empfehlen würde. Ein Abknutsch-Interview mit Tucker York, dem Chef der globalen Vermögensverwaltung von Goldman Sachs, wie es dessen PR-Abteilung nicht besser geschnitzt hätte. Ein Stück über die Zuger Kirschtorte, bzw. den finanziellen Erfolg des Kantons, nach der Devise: kann man machen, muss man nicht machen.

Dann lässt Nicole Kopp mal wieder Nostalgie aufkommen. Denn die Kolumne «Geld & Geist» wurde mal von geistreichen Autoren bespielt. Jetzt ist es halt eine Frau, die nicht einmal geistreichelt, sondern nur langweilt: «Die meisten Sitzungen sind überflüssig. Schaffen wir sie ab!» Seit es Büros gibt, die wohl am häufigsten geäusserte Phrase.

Im «Wissen» hat man auch gemerkt, dass es angeblich «grausam heiss» sei. Wenn’s nicht kalt ist und regnet, natürlich. Dazu passend die «Verlagsserie Zeit fürs Klima». Wunderbar, «in Kooperation mit Rolex». Weiter kann man als ernsthaftes Organ die Beine eigentlich nicht spreizen.

«Kultur»? Was für Kultur? Sinfonien aus Estland («gegen Putin»), das Taormina-Filmfest (heute nur noch Sizilianern bekannt), dann noch «Die Antiromatiker von Göschenen», deren Kunst, ehrlich gesagt, ungefähr so attraktiv ist wie das Kaff selbst.

Links die Künstler ohne Kunst, rechts das Kaff, auch ohne.

Dann noch die Leserbriefe, und Fr. 7.10 sind weggerauscht. Wenn man noch 2.40 Fr. drauflegt, gäbe es ein «Big Bang Menu» von McDonald’s. Immerhin mit «saftigem Rindfleisch von der Metzgerei Bell, zarter Schmelzkäse, Zwiebeln, Essiggurken, Ketchup und Senf in einem Brötchen aus IP-Suisse-Mehl». Plus Getränk! Eine echte Alternative.

 

Die Zürcher Staatsanwaltschaft …

… ist ein Desaster.

Wirtschaftsdelikte brauchen ein gewisses Know-how und Kompetenz. Das ist bei der Zürcher Staatsanwaltschaft Mangelware.

Schon beim Swissair-Debakel fuhr die Staatsanwaltschaft eine krachende Niederlage ein. Freispruch auf ganzer Linie für alle Angeklagten. Obwohl die diese fliegende Bank in den Boden krachen liessen. Banker, verantwortlich für Milliardenverluste oder den Untergang einer traditionellen Bank? Nun ja, shit happens.

Am Unispital Zürich kommen in der Herzchirurgie mehrere Dutzend Patienten unter merkwürdigen Umständen zu Tode, während der Klinikchef ein von ihm entwickeltes und untaugliches Produkt ausprobiert, das er für viele Millionen verkauft? Kein Anlass für Unruhe. Aber derjenige der das Schlamassel aufräumt, wird von Intriganten angeschwärzt und angezeigt? Strafanklage. Krachende Niederlage in der ersten Instanz? Na und, Rekurs ans Obergericht, das sich nun mit diesem Unsinn befassen muss.

Aber dem Fass die Krone ins Gesicht schlägt der Fall Vincenz. Den gefallenen Starbanker von Raiffeisen verfolgte Staatsanwalt Marc Jean-Richard-dit-Bressel wie eine Furie. Schon ganz am Anfang stand die Strafuntersuhung unter einem schlechten Stern. Indem er Vincenz (und seinen Kompagnon) über 100 Tage in U-Haft schmoren liess, legte er die Latte für die Anklage ungebührlich hoch.

Spesenbetrug hätte da nicht ausgereicht, also betrat Jean-Richard juristisches Neuland mit einer gewaltig gewagten Konstruktion. Damit erreichte er zwar eine Verurteilung und drakonische Strafen in der ersten Instanz. Aber lange konnte er sich, nach so vielen vorherigen Niederlagen, nicht in diesem Ruhm sonnen («Die Strategie der Anklagebehörde ist aufgegangen»).

Eine fürchterliche Klatsche vom Obergericht traf ihn. Urteil aufgehoben, Anklageschrift zu ausschweifend und unpräzise, alles wieder auf Null. Auch dagegen, obwohl eigentlich aussichtslos, ging die Staatsanwaltschaft in Rekurs. Ist ja bloss Steuergeld.

Zum Fremdschämen peinlich. Aber was zuvor schon gerüchteweise die Runde machte, scheint sich zu bewahrheiten, und das bedeutet nochmals grosses Ungemach für Jean-Richard. Die NZZaS schreibt, dass ihre Recherchen ergeben hätten, dass der Staatsanwalt den emeritierten Professor Andreas Donatsch als externen Experten zur Überprüfung der Anklageschrift beigezogen haben soll.

Das wäre dann eine Verletzung des Amts- wie des Untersuchungsgeheimnisses. Das ist keinesfalls ein Kavaliersdelikt. Besonders frappant scheint laut NZZaS auch zu sein, dass diese Kontakte zwischen dem Staatsanwalt und dem Betreuer seiner Habilitationsschrift zu einer Kehrtwende in der Strategie des Anklägers geführt haben sollen. Denn im Januar 2019 hatte die Staatsanwaltschaft den Angeschuldigten mitgeteilt, die Untersuchung sei demnächst, voraussichtlich im April bis Juli, abgeschlossen, dann folge die Anklageerhebung.

Im April, nach Konsultationen zwischen Jean-Richard und Donatsch, sei das dann über den Haufen geworfen worden. Neue Untersuchungen, erst im April 2020 kam es zum Abschluss.

Sollten diese Kontakte tatsächlich stattgefunden haben, ist das Desaster perfekt. Rund 6 Jahre nach der spektakulären Verhaftung von Vincenz muss der Staatsanwalt nicht nur nochmals von vorne beginnen, wobei ihm die Verjährung mögliche Straftaten durch die Finger rieseln lässt. Erhärtet sich der Verdacht einer Amtsgeheimnisverletzung – ausgerechnet in der Staatsanwaltschaft – hat er zudem selber ein Problem.

Eigentlich handelt es sich dabei um ein Offizialdelikt, dem die Staatsanwaltschaft obligatorisch nachgehen müsste. Tut sie das? Kein Kommentar. Wenn schon, müsste das sowieso ein ausserkantonaler Staatsanwalt tun.

Wenn eine Behörde in einem einzigen Fall dermassen viele Frag- und Merkwürdigkeiten aufeinanderstapelt (strengere Worte verbietet das Strafgesetzbuch, das in diesem Fall sicherlich gnadenlos zur Anwendung gebracht würde), dann haben wir ein systemisches Problem, nicht das Versagen eines Einzelnen.

Obwohl das beunruhigend ist, wird die Staatsanwaltschaft das nach Beamtenart aussitzen.

 

Porno-NZZaS

Errötend bringt ZACKBUM einen Ausschnitt des Covers zur Kenntnis.

Beat Balzli weiss nicht, wohin er mit der NZZaS will. Das ist bedenklich. Er lässt aber auf dem Cover Dinge zu, die sicherlich die Mehrheit der NZZaS-Leser irritieren, abschrecken, abstossen.

Denn ineinander verschlungene, nackte und  weibliche Körper, schwarze und weisse, die Andeutung zweier Gesichter, brutal beschnitten, was soll das? Dazu der Lockstoff-Titel «Verstehen Sie Sex noch?» Und der herbeigezerrte Anlass, dass es seit einer Woche ein neues Sexualstrafrecht in der Schweiz gilt.

Der Text dazu, von der einschlägig bekannten Nicole Althaus, die gerne mehr oder minder wackelige Texte über Sexualität absondert, dazu das männliche Feigenblatt Thomas Isler, mangels inhaltlichem Gewicht gleich nochmal mit einer merkwürdig illustrierten ganzen Zeitungsseite eingeschenkt, was soll das?

Indem man die Hände merkwürdig verschränkt?

«Wie geht heute Sex?» Ist das eine Frage, die man sich stellen muss? Die man beantwortet haben möchte? Und selbst wenn, auf den folgenden knapp 24’000 A bekommt man auch nur unablässig Fragen, sehr wenig Antworten.

Immerhin kommen die Autoren zu einer trivialen Erkenntnis: «Nun wird kaum jemand sein Liebesleben verändert haben, weil vor einer Woche das neue Gesetz in Kraft getreten ist.» Und zitieren aus einer alten und umstrittenen Umfrage von Amnesty International aus dem Jahre 2019, wo 22 Prozent aller befragten Frauen (Männer zählen da bekanntlich nicht) angaben, «ungewollt sexuelle Handlungen erlebt» zu haben.

Dazu wurden rund 4500 Frauen in der Schweiz befragt, davon über 4000 online, «beworben über die Kanäle von Amnesty International». Bekanntlich ist anonymen (und nicht erst nachträglich anonymisierten) Umfragen mit grosser Skepsis zu begegnen. Erschwerend kommt hinzu, dass der Begriff «ungewollte sexuelle Handlungen» oder seine Abgrenzung zu «sexuelle Belästigung» nicht definiert wird. Also schlichtweg eine Nonsens-Umfrage.

Ansonsten können die Autoren nur fragen, fragen, fragen.

«Was also läuft in den Schlafzimmern im Land falsch? … Was ist Sex? … Welche Bedeutung hat Sex in unserer Gesellschaft, und welche Bedürfnisse befriedigt er? … Doch wie lernt der Mensch, das, was er will, von dem zu unterscheiden, was er nur meint, wollen zu sollen?» Ad nauseam, wie man in gehobenen Kreisen sagt.

Dazu kommen dann Expertinnen und Spezialistinnen und Buchautorinnen zu Wort. Und wenn ein Journalist heutzutage eine Reise tut, und sei’s auch nur ins Zürcher Oberland, dann muss er dieses welterschütternde Ereignis gleich in den Text einbauen:

«Am Kiosk beim Zürcher Klusplatz lockt der «Blick» mit Kim Kardashian im knappen Leoparden-Bikini auf der Front, kurz bevor die Stadt ins Land übergeht, ist das Rüebli auf dem Werbeplakat für die Eigenmarke «Miini Region» von Coop zu einem erigierten Penis übermalt worden. Und auch wo die Häuser seltener werden, entdeckt man vor und nach jeder Haltestelle irgendein Graffito an einer Hauswand, welches das F-Wort enthält.»

Was das mit der Frage, wie heute Sex gehe, zu tun hat? Wieso wurden nicht die Wetterbedingungen oder der Preis des Taxis thematisiert?

Dazu noch eine Prise Sauglattismus (die BDSM-Szene sei vorbildlich, weil hier eben vorher ausführlich geredet wird), und zum Abschluss kommt noch tatsächlich der «vorvorgestrige «Playboy»-Gründer Hugh Hefner» zu Wort und wird gelobt, denn der habe gesagt: «Sex findet zwischen den Ohren statt, nicht zwischen den Beinen.»

Damit Isler auch noch etwas zu schreiben kriegte, darf er dann noch die «Geschichte des Sexualstrafrechts» ab 1532 aufrollen. Das erspart natürlich das Googeln ungemein.

Was für eine neuerlich dysfunktionale Ausgabe. Beat Balzli verliert sich im Editorial in Erinnerungen an «Das grosse Fressen» (ein Film von 1973). Daneben werden die «letzten Tage von Joe» heruntergezählt. Man ist nun schon per du mit dem US-Präsidenten, und alle diese Countdowns erinnern fatal an das Herunterbeten der letzten Monate, Wochen, Tage, Stunden, Minuten, Sekunden der Herrschaft Fidel Castros. Der dann friedlich mit 90 Jahren im Bett starb, nachdem er freiwillig die Macht altershalber abgegeben hatte.

Dann ein interessantes Stück über das korrupte Bildungssystem Indiens und ein Versuch, mit Snobismus die krachende Niederlage der Torys in England zu erklären. Dann ein riesig und kühn illustriertes Porträt von Präsident Macron, der unbeeindruckt wie weiland angeblich Nero dem Brand von Paris-Rom zuschaut. Diese Idee muss man erst mal an den Haaren herbeiziehen. Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich.

Dysfunktion dann auch die «Wirtschaft». Oder ist ein Artikel darüber, dass Schweizer Firmen die Namensschilder überdenken, weil Mitarbeiter gestalkt werden könnten, wirklich einen Aufmacher wert? Dabei wäre die Recherche darüber, dass Banken mit riskanten Hypothekenvergaben gewaltige Risiken in ihre Bücher nehmen, durchaus interessanter.

Und sonst? Was sonst? Auf Seite 52 ist mit den Leserbriefen Schluss, das ist sonst.

Nicht nur, dass Balzli schmerzlich vermissen lässt zu enthüllen, was es denn nun mit der Digitaloffensive auf sich hat, was eigentlich schon die Aufgabe seines Vorgängers gewesen wäre. Mit einer unablässig sich nach unten, ins Belanglose, Schlüpfrige, Niveaulose steigernden Covergestaltung setzt er sich auch der Frage aus, wie lange Eric Gujer dem noch zuschauen wird.

NZZaS: unser Sorgenkind

Geistesnahrung in Sonntagszeitungen: stattdessen Hungerspiele.

Es gibt Grenzen für alles, vor allem nach unten. Daher hat ZACKBUM die Lektüre des «SonntagsBlick» aufgegeben. Die «Sonntagszeitung» schwankt auf der dünnen Linie zwischen Abfall und Beifall hin und her. Ein einigermassen sicherer Wert war bis anhin die NZZaS, wenn man ihre grenzdebile Beilage aussen vor lässt.

Aber auch das Mutterblatt schwächelt in letzter Zeit in einer Art, die besorgniserregend ist. Da ZACKBUM nur diagnostizieren und nicht therapieren kann, eine weitere Bestandsaufnahme der Merkwürdigkeiten, Flachheiten und Haltlosigkeiten.

Das fängt wie immer mit der Coverstory und ihrer Bebilderung an:

Auch bei dem Blatt aus dem Hause NZZ wogt nun Wokes? Mit Verlaub, Fussball, auch wenn das sexistisch und diskriminierend empfunden werden mag, gar als Ausdruck unserer «Rape Culture», ist ein Männerspiel. Von Männern, mit Männern, für Männer. Es gibt auch Frauenfussball, zugegeben. Aber das ist eine Verirrung wie Zwergenwerfen.

Warum nur, warum, muss dann die NZZaS zwei weibliche Fans ins Bild rücken? Und abgesehen davon, ist «Warum berührt Fussball unsere Seele?» wirklich ein Aufmacherthema für das Blatt der Richter und Denker? Die höchstens Kopfball spielen, und wer ist hier schon in der Lage, die Abseitsfalle richtig zu erklären.

Und daneben eine Blödelei über Garfield? Und weiter unten die überschätzte, aber von der NZZaS gehätschelte Krimiautorin Christine Brand? Dazu «Russische Hackerangriffe rollen an», eine Schlagzeile von zeitloser Aktualität.

Muss Beat Balzli den Leser in seinem Editorial wirklich damit belästigen, dass er schlecht geschlafen hat? Vom Start eines Jets auf einer Schweizer Autobahn zurück zur Landung in der Normandie: «Welch historische Klammer, welch Gänsehautmoment.» Welch Geschwurbel. Offen bleibt, ob Balzli beim Lesen seines Texts ein Feuerzeug oder das Handylicht geschwenkt hat.

Denn, es ist mal wieder so weit: «Sie ist die Zeitenwende, und sie ist gekommen, um zu bleiben. Die Welt, wie wir sie gekannt haben, existiert nicht mehr.» Und die Geschichte muss umgeschrieben werden. Und als Konzernlautsprecher muss Balzli natürlich auch noch das «Swiss Economic Forum der NZZ» erwähnen. Sich dafür aber mit quietschen Reifen in die Kurve legen.

Dann die übrige Doppelseite am Anfang zum brandheissen Thema: «Was soll das Ganze überhaupt?». Ist halt schon blöd, wenn der Bundesrat, der das Birkenstock-Theater inszeniert, zu den Freisinnigen gehört.

Dann aber eine lustige Sammlung von Europaparlamentariern als Ansammlung von Skandalnudeln und Ausgemusterten. Immerhin ein sinnvoller Beitrag zu den Wahlen, die den meisten Wahlberechtigten in der EU schwer am Füdli vorbeigeht.

Dann wirft die NZZaS das Dreigestirn Georg Humbel, Daniel Friedli und Simon Marti in die Schlacht. Allerdings hätten die ein besseres Thema verdient. Denn «Das Zürcher Liebesnest» des deutschen NSU-Terroristen, na ja. Die brandheisse Story:

«Der dringende Verdacht: Die Frau soll vor Jahren eine intime Beziehung mit einem der meistgesuchten Rechtsterroristen Deutschlands unterhalten haben. Sie soll die ehemalige Freundin von Uwe Mundlos sein. Der Terrorist habe sich während der brutalen Anschlagserie auf Ausländer immer wieder in der Schweiz aufgehalten, berichtet das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel».»

Also die Story ist vom «Spiegel», was können die drei – ausser abschreiben – sonst noch bieten? «Das Bundesamt für Justiz erklärt gegenüber der «NZZ am Sonntag», dass die Schweiz die deutschen Ermittlungen unterstützt». Hallo, Breaking News, der Hammer, wieso wird das nicht auf die Front gehämmert?

Vielleicht, weil das eigentlich die einzige News in diesem ellenlangen Artikel ist, der nochmals die längstbekannte Geschichte der rechten NSU-Terroristen nacherzählt. Und die Geschichte des «Spiegel». Angereichert mit solchen Hammerquotes: «Kenner des NSU halten Mundlos’ Schweizer Beziehung für plausibel

Aber nun kommt noch die Eigenrecherche, ganz gegen Schluss:

«Gemäss Recherchen der «NZZ am Sonntag» verkehrte die mutmassliche Freundin des Rechtsterroristen im Umfeld einer bekannten Band aus der Szene, für die sie Konzertsäle gemietet haben soll. Von deutschen Rechtsextremen wurde sie als wichtige Organisatorin bezeichnet. Die Frau lebte zeitweise in einer Wohngemeinschaft mit anderen Rechtsextremen in einer Zürcher Vorortsgemeinde.»

Wenn man «gemäss Recherche» schreiben muss, macht man sich eher lächerlich.

Aber leider: «Die Frau hat auf mehrfache Kontaktversuche dieser Zeitung nicht reagiert.» Richtig blöd ist dann: «Bei der Befragung im März soll die mutmassliche Freundin des Terroristen bestritten haben, Mundlos gekannt zu haben. Auch die Durchsuchung der Wohnung soll keine Ergebnisse geliefert haben, schreibt der «Spiegel». »

Oder auf Deutsch: dünne Geschichte, vom «Spiegel» angerührt, von der NZZaS nacherzählt, für den Schweizer Leser von sehr beschränktem Wert.

Dann begibt sich die NZZaS aber mutig in die Todeszone, in den Feminismus (oder das, was vom ihm heute noch übrig ist):

Streitende Frauen beim Frauenstreik? Kann man das mit Schlammcatchen regeln? Stutenbissig? Darf auch an Haaren gerissen werden? Warum müssen Frauen nur immer männliche Vorurteile bestätigen?

Wieso dann die NZZaS der Autorin Brand eine Doppelseite einräumt, obwohl die bekannt dafür ist, dass sie Crimestorys so erzählt, dass der Leser völlig verwirrt zurückbleibt? Dürfen wir den Anfang ihrer letzten in der NZZaS zitieren? «Noch denkt niemand etwas Schlimmes». Das wird schon bei Schulaufsätzen in der oberen Primarschule moniert.

Aber sehr lustig ist dann die Fortsetzung der Häme über die Migros, diesmal das «MMMuskelspiel». Der Migros-Kommunikationschef soll beim «Blick» interveniert – und indirekt mit einem Inserateboykott wegen zu kritischer Berichterstattung gedroht haben. Das ist grossartig, denn Christian Dorer war zuvor lange Jahre der erfolgreiche Oberchefredaktor der «Blick»-Gruppe, bis er von seiner Vorgesetzten wegen nie substantiierter, schwammiger Vorwürfe von einem Tag auf den anderen abserviert wurde.

Rache soll man kalt geniessen, obwohl der Mann mit dem Schwiegersohncharme das natürlich abstreiten würde.

Das sagte sich offenbar auch Peer Teuwsen, der sich immerhin die Feder an den Hut stecken kann, auf die skandalöse Behandlung des Autors Alain Claude Sulzer aufmerksam gemacht zu haben. Der sollte über die Verwendung des Wortes «Zigeuner» in einem eingereichtem Manuskript ernsthaft nachdenken, obwohl die Handlung in den 70er-Jahren spielt, wo der Begriff diskriminierungsfrei in aller Munde war. Sonst bekäme er halt keine Fördermittel.

Sulzer zog daraufhin sein Gesuch zurück. «Was wurde er verhöhnt und als Mimose belächelt. Er hätte doch sehr wohl zu einem Gespräch mit der staatlichen Förderungsstelle erscheinen können», schreibt Teuwsen. Aber: es war alles noch viel schlimmer: Die Baselbieter Kulturchefin «Esther Roth hatte ihr Veto eingelegt, sie sei laut GPK (Geschäftsprüfungskommission des Grossen Rats, Red.) nicht bereit gewesen, «Mittel zu sprechen». Entgegen der Empfehlung des Fachausschusses, der das Gesuch «aufgrund seiner literarischen Qualität» fördern und dies dem Autor schriftlich mitteilen wollte».

Roth hatte zuvor noch den Vorwurf der Zensur weit von sich gewiesen. Nun will sie «keine Stellung nehmen», der Autor Sulzer ist «nur noch sprachlos angesichts dieser staatlichen Willkür». Es bleibt zu hoffen, dass die von Anfang an laut gewordenen Rücktrittsforderungen gegen Roth endlich erfüllt werden.

Kafka hätte was draus gemacht

Aber er ist vor hundert Jahren gestorben, und seither ist die Welt ärmer.

Zunächst werfen wir einen Blick in den Zuschauerraum des «SonntagsBlick»:

Wer das als buntes Bilderblatt aufs Cover setzt, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen. Pst, wir schleichen uns auch ganz leise raus und werfen einen Blick auf die NZZamSonntag. Was labt da das Auge?

Nun ja. Zunächst: Weiss auf Hellgrau und Orange, das kann vor allem der ältere Mitbürger auch ohne Sonnenbrille schwer lesen. «So werden Sie am sorglosesten Silver-Ager», das soll wirklich eine Aufmacherstory für die NZZaS sein?

Dann verschwendet Die NZZaS fast zwei Seiten auf die Frage «Warum machen wir nicht einfach mehr Schulden»? Vielleicht, weil’s blöd wäre? Weil man sie zurückzahlen muss? Weil es bei steigenden Zinsen mehr Schuldendienst gibt?

Dann aber wirft Andreas Mink, New York, einen ganz neuen Aspekt in die Wahldebatte: «Die Hoffnung der Demokraten, von Trumps Verurteilung zu profitieren, trügt. Viel wichtiger ist für Joe Biden der Preis eines Big Mac.» Das organisierte Erbrechen entscheidet die Präsidentschaftswahl, so weit sind wir gekommen.

Aber immerhin, ««Milei ist nicht verrückt» – sagen Schweizer in Argentinien». Das ist beruhigend, und wenn es erst noch Schweizer sagen, dann muss es doch wahr sein.

«Das Kauen des Krieges», das ist eine etwas gewagte Titel-Alliteration. Des Rätsels Lösung: Sudan ist einer der grössten Exporteure des Safts des Akazienbaums, mit dem Kaugummi hergestellt werden – und womit der grausame Bürgerkrieg dort finanziert wird.

Endlich mal Lebenshilfe at its best; zum Ausschneiden und Aufbewahren:

«Nichtbinär, trans, queer . . . Wie bitte?
Lexikon
Queer: Ist ein Überbegriff für Menschen, deren Geschlechtsidentität und Begehren nicht der Norm entsprechen. Der Begriff wird als positive Selbstbezeichnung verwendet.
LGBTQ: Steht für lesbisch, gay (schwul), bisexuell, trans und queer.
Nichtbinär: Sind Menschen, die sich weder ausschliesslich als Frau noch ausschliesslich als Mann identifizieren. Bekannte nichtbinäre Personen sind ESC-Star Nemo und die Autorenperson Kim de l’Horizon.
Trans: Bezeichnet Menschen, die sich nicht mit dem Geschlecht identifizieren, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde.
Intergeschlechtlich: Steht für Menschen, deren Körper bei der Geburt nicht eindeutig den Kategorien «Mann» und «Frau» zugeordnet werden kann.
Agender: Bezeichnet Menschen, die sich keinem Geschlecht zugehörig fühlen.
Flinta: Steht für Frauen, Lesben, intergeschlechtliche, nichtbinäre, trans und agender Personen.
Tina: Ist die Abkürzung für Transmenschen, intergeschlechtliche, nichtbinäre und agender Personen.»

Hier bekommt der Begriff Idiotikon eine ganz neue Bedeutung.

Für einen seltenen kulturellen Tiefpunkt in der NZZaS sorgt der deutsche Autor Björn Hayer. Er nimmt sich als Zeitgeistsurfer der Frage an: «War der gefeierte Franz Kafka womöglich ein Frauenfeind?» Dafür zitiert er die naheliegenden und einschlägigen Stellen aus dessen Romanfragmenten, alleine der Name «Fräulein Bürstner», also wirklich.

Und dann dreht er aus der Erwähnung Kafkas, dass in der Einleitungszene vom «Prozess» auf dem Waschtisch der Hauptfigur ein Apfel liegt, eine veritable Locke auf der Glatze:

«Zum einen lässt sich die gesamte Szenerie – die Anspielung auf das Rotlichtetablissement, der Apfel als Symbol für den Sündenfall, die vermeintliche Promiskuität der Frau – als Reinszenierung einer durch weibliche Verführungskraft ausgelösten Verbannung aus dem Paradies lesen; zum anderen kommt Kafkas besonderes Sexualitätsverständnis zum Tragen, das sich in dieser Szene mehrfach bildlich verdichtet und in einem Hygienefetisch zum Ausdruck kommt

Und auch aus dem «Schloss» extrahiert Hayer: «Hinein in dieses Metaversum, das für Gott oder Werte wie Gerechtigkeit stehen könnte, gelangt man offenbar nur durch den Sex mit den Frauen.» Tja, wenn man «Vor dem Gesetz» nicht gelesen hat oder um der These willen einfach weglässt …

Nun ist über Kafka, das macht den Autor so unsterblich, bereits so ziemlich alles und auch dessen Gegenteil gesagt worden, ohne dass man die hermetisch geschlossenen Räume seiner Dichtkunst gänzlich erforschen konnte.

Da gibt es ein Meer von intelligenten Interpretationen, von Klaus Wagenbach aufwärts und abwärts. Aber so etwas Dümmliches gibt es eher selten. Um zu seinen flachen Thesen zu gelangen, muss Hayer zudem den riesigen Briefwechsel auslassen, den Kafka mit seinen Geliebten Milena und Felice unterhielt, und in denen erschöpfend und ausführlich sein Verhältnis zu Frauen von ihm selbst dargestellt und interpretiert wird. Ebenso in seinen «Tagebüchern».

Am Schluss rudert Hayer dann noch von seiner Fragethese zurück: «Ist der regelmässige Bordellbesucher Kafka also ein Frauenfeind? Obwohl die Etikette naheliegt, wäre dieser Schluss voreilig.» Was denn nun? Eine genderdebattenkompatible Frage, längst abgelutschte Textbeispiele, und am Schluss Rückzug auf ganzer Linie.

Man kann selbst über den faszinierenden, bannenden, nie zu Ende lesbaren Kafka Brunzlangweiliges absondern. Wenn man’s darf. Wieso das allerdings die NZZaS zulässt? Ein geradezu kafkaeskes Rätsel.

Das Niveau senkt sich deutlich

Auch die SoZ braucht dringend Auffrischung.

Bu, bu, sagt das Cover der «SonntagsZeitung», der Mann mit dem bösen Blick, der Wahnsinnige, der Verbrecher, der Kriegsverbrecher, kurz Putin, hat’s nun auf die Schweiz abgesehen. Richten sich bereits seine Atomraketen auf die Eidgenossenschaft? Ist es wieder Zeit fürs Alpenreduit? Müssen wir einen General ernennen? Stehen schon die grünen Männchen ohne Abzeichen wie bei der Krim vor der Türe? Müssen «wir» noch ganz schnell Gold gewinnen?

Noch nicht ganz. Nur: In der Schweiz gebe so viele russische Spione wie sonst nirgends. Hu, hu. Allerdings: der Bundesrat will sie rausschmeissen. So macht man sich seine Angst-Story schon kaputt. Und was hat der grausame Kremlherrscher sonst noch Teuflisches vor? «Er sabotiert die Bürgenstock-Konferenz und leakt bereits das angebliche Ergebnis.»

Gleich drei Fachkräfte, Sylvain Besson, Thomas Knellwolf und Bernhard Odenahl wirft die SoZ in die Schlacht gegen den Iwan. Als wäre es eine Verschwörung, ist hier die Illustration ähnlich bescheuert wie bei NZZaS:

Der Inhalt ist’s allerdings weitgehend auch. Duftmarke: ««Der Anschlag auf Skripal wurde von Genf aus vorbereitet – ich kann keine Details nennen, aber wir haben die Beweise gesammelt», sagt ein Schweizer Diplomat, der mit dem Dossier vertraut ist.» Ein anonymer Schweizer Diplomat, so, so. ZACKBUM hat eine Quelle unter dem Schreibtisch von Bundesrat Cassis, die leider auch ungenannt bleiben möchte. Die weiss aber weltexklusiv, dass der Aussenminister unter Fussschweiss leidet.

Ist die Schweiz zu lasch bei der Ausweisung russischer Diplomaten, die unter Spionageverdacht stehen? ««Die meisten russischen Diplomaten sind bei den UNO-Organisationen akkreditiert», erklärt ein ehemaliger Botschafter. «Wir können ihre Einreise blockieren, aber dafür brauchen wir ein verdammt gutes Dossier.»» Abgesehen davon, dass das schon wieder eine anonyme Quelle ist: schon wieder in den eigenen Fuss geschossen.

Weitere zwei Kräfte braucht der Ergänzungsartikel «Kreml leakt angebliche Schlusserklärung der Bürgenstock-Konferenz». Auch hier bemühen sich die Autoren nach Kräften, die eigene Story totzuschreiben: «Unlängst hat Aussenminister Sergei Lawrow die Schweiz sogar als «offen feindseliges Land» bezeichnet. Die Schweiz hat in der Folge darauf verzichtet, Russland an die Konferenz einzuladen. Sergei Garmonin, russischer Botschafter in Bern, betont, «ohne russische Beteiligung» sei «jedes Gespräch über die Konfliktbehebung sinn- und aussichtslos»».

Da hat er allerdings recht. Anschliessend gibt es ein wildes Hin und Her, ob die Konferenz als Erfolg oder als Desaster anzusehen sei. Wer nimmt teil, wer nicht, macht es überhaupt Sinn, wenn eine der beiden Konfliktparteien nicht dabei ist, und wieso genau wurde Russland nicht mal eingeladen? «Das EDA teilt mit, man habe darauf verzichtet, weil Russland bereits öffentlich gesagt habe, dass «es kein Interesse an einer Teilnahme» habe.» Immerhin hat diese No-News einen Absender. Deshalb wohl wird sie im Text gleich zweimal dargeboten.

Und was steht denn nun in dem geleakten Schlussdokument (ein übrigens übliches Vorgehen, denn kein Staatschef reist gerne wohin, um zu palavern und anschliessend sagen zu müssen, dass es keine Ergebnisse gab)? «Neun der zehn Punkte von Selenskis Friedensplan», aha.

Dann kommt es nochmals knüppeldick: «Das russische Vorgehen scheint bereits Wirkung zu zeigen. China und Brasilien haben am Freitag demonstrativ eine gemeinsame Erklärung unterzeichnet für eine alternative Friedenskonferenz «mit gleichberechtigter Beteiligung aller Parteien sowie einer fairen Diskussion aller Friedenspläne». Dialog und Verhandlungen seien «die einzige gangbare Lösung für die Ukrainekrise», heisst es in der Erklärung.»

Hört sich eigentlich ziemlich vernünftig an. Dann kommt allerdings eine Seite, wo das unorganisierte Erbrechen herrscht. Ein «Schnappschuss» über Jennifer Lopez, die angeblich «Lämpen» habe. Billigstes GlüPo-Niveau. Darunter ein «#Korrigendum» von Jacqueline Badran. Nomen est omen, so vieles müsste hier korrigiert werden. Aber wozu? Und nebendran reitet Markus Somm sein Steckenpferd zu Tode (Duftmarke: «Und armes Israel. Noch nie in seiner Geschichte war das kleine Land so isoliert. Was für eine Schande, dass auch die kleine Schweiz ihm nicht beisteht.»).

Ist Israel so arm? Ist es so isoliert? Und wenn ja, sind da nur die Bösen dran schuld, also Hamas & Co.? Kein Eigenverschulden? Und wieso und wie sollte Israel «die kleine Schweiz» beistehen? Weil die Kleinen zusammenhalten sollten, auch wenn einer der Kleinen wie ein Grosser den Gazastreifen zu Klump schiesst?

Ist es nicht primitivste Ebene: wenn mir die Handlung eines Gerichts nicht passt, dann wäffele ich es an. Parteiisch, einseitig, anti- was auch immer. Und hilft alles nichts, dann kommt die Todeskeule: antisemitisch.

In der Wirtschaft macht die SoZ dann mal wieder den Niveauunterschied zur NZZaS deutlich. Gleiches Aufmacherthema, die Migros. Autorin ist die langjährige persoenlich.com-Redaktorin Edith Hollenstein. Das sieht nach Strafaufgabe aus. «Eine betroffene Person, eine weitere Angestellte, eine der Auskunftspersonen», auch hier wird der Quellenschutz hochgehalten. Wobei man sich solche Quotes auch problemlos am Schreibtisch ausdenken kann.

Aber Analyse, wenigstens Erwähnung des Kernproblems der Migros, dass die Zentrale nichts, aber die zehn Provinzfürsten alles zu sagen haben? Erwägung, dass in den Regionen bislang niemand entlassen wurde, aber ausgerechnet die Zentrale, die eigentlich gestärkt werden sollte, krankgeschrumpft wird? Der Riesenflop der Genossenschaft Zürich mit der Biomarktkette Tegut; wie war das möglich, wie lässt sich das verhindern?

Ach was.

Aber noch schlimmer ist «Die schwierige Suche nach Benkos Vermögen». Ein Null-Inhalt-Artikel, dessen Schlusssatz nach lauter Rehash genügen soll: «Wie reich René Benko tatsächlich noch ist, bleibt also nach wie vor unklar.» Wow.

Aber Trost naht: «Die 125 besten Hotels der Schweiz» von Karl Wild. Da weiss man, was man hat.

 

Was ist bloss mit der NZZaS los?

Erfindet sie sich nicht neu, dann könnte sie untergehen.

Die NZZaS hat, ungewöhnlich für beharrliche und gemächliche alte Tante an der Falkenstrasse, einige Chefredaktorenwechsel hinter sich. Der erste Nachfolger von Felix E. Müller wurde als zu leicht befunden. Der zweite wurde von der Redaktion weggemobbt. Nun ist der dritte am Gerät, der eigentlich gar nicht dafür, sondern für einen Einsatz in Deutschland vorgesehen war.

Beat Balzlis Editorials merkt man an, dass er noch sehr in Deutschland verwurzelt ist, dass er ein Wirtschaftsjournalist ist und dass er niemandem auf die Füsse treten will. Seiner Redaktion, offenbar gewitzigt von den Erfahrungen seines Vorgängers, lässt er weitgehend Freiraum. Den sie dann auch – zum Leidwesen des Lesers – fleissig ausnützt. Egotrips, Geschmäcklerisches von Spesenkönig Peer Teuwsen, das Feuilleton tobt sich ungehemmt aus, das Magazin müsste eigentlich sofort eingestellt werden, bevor es noch mehr zur Lachnummer verkommt.

Von der erwarteten Online-Offensive ist nichts zu merken, intelligenter und unterhaltsamer Denkstoff auf Niveau, schön wär’s. Es ist die Frage, wie lange God almighty Eric Gujer hier noch zuschaut, bis er die Fusion mit der NZZ vollendet und den Chefredaktor der NZZaS zum Grüssaugust zurückstuft. Das wäre dann nicht mehr Balzli, der sich endlich der Aufgabe widmen könnte, für die er für teures Geld eingekauft wurde. WEr’s dann würde, schwer zu sagen. Nur eines ist klar: es wird eine Frau sein, wetten?

Aber zurück in die Gegenwart. Ein Editorial über das Klima-Urteil von Strassburg und die Reaktion der Ständeräte? Echt jetzt? Die Schlafpille zum Einstieg. Dann ein Stück Betrachten der Betrachter beim Betrachten. Die Betrachter betrachten Amal Clooney, an der sich Kritiker des Internationalen Strafgerichtshofs (ICC) abarbeiten, die wegen den Haftbefehlen gegen den israelischen Ministerpräsidenten und seinen Verteidigungsminister in Wallungen geraten. Sie behandeln sie dabei sexistisch wie ein Pin-up-Girl.

Clooney gehört nämlich einem hochkarätigen Expertenteam an, mit Juristen der allerersten Liga, die den Erlass von Haftbefehlen für alle für rechtens beurteilt haben. Ende der Durchsage. Oder höchstens noch das, was Clooney hinzufügt: «Kein Konflikt darf ausserhalb des Rechts sein, kein Täter über dem Gesetz.» Einfacher kann man es selbst für Blödköpfe und unreflektierte Israel-Groupies nicht sagen.

Aber immerhin, auch die NZZaS arbeitet zwar mit dem Glamour-Faktor, indem sie ein Foto verwendet, auf dem Amal in Designerrobe an der Seite vom nicht minder attraktiven George posiert. Aber sie würdigt deren Eintreten als Menschenrechtsanwältin; ein Gebiet, auf dem sie sich grosse Meriten erworben hat.

Selbstverständlich verübte und verübt die Hamas Kriegsverbrechen. Deren kann sie auch angeklagt werden, weil sie den ICC anerkennt. Israels Regierungspersonal kann nur angeklagt werden, weil es dort wütet; der Staat anerkennt (wie die USA, wie Russland, wie Syrien) den Gerichtshof nicht.

Also, das Foto ist der NZZaS unwürdig, der Text nicht.

Die nächste Seite ist mehr Bauchnabelschau, denn sie handelt vom Niedergang der deutschen FDP. Als klarer Warnhinweis an die Schweizer Freisinnigen: aufgepasst, so könnte es euch auch gehen. Überhaupt, die NZZaS beschreibt mit Lust Abgänge: «Da stand der britische Premierminister Rishi Sunak am Mittwoch vor dem Regierungssitz in Downing Street sprichwörtlich im Regen. Das englische Wetter, das die Himmelsschleusen immer zum richtigen Zeitpunkt öffnet, durchnässte seinen massgeschneiderten Anzug. Je  länger die Rede dauerte, desto mehr klebte das Jackett an seinem Körper.»

Dann wird’s allerdings etwa zeitgeistig dünn, angefangen beim Titel: «Fremde im eigenen Bad». Hä? Gemeint ist, dass angesichts der Mietzinse nicht nur Studenten (Pardon «Studierende», wieso dann aber nicht Berufstätigende?) in WGs ziehen. Der Klassiker wird albgenudelt, Einzelfall, dann Aufschwung ins Allgemeine, dann der Fachmann, dann wieder Einzelfälle. Gähn.

Peer Teuwsen weiss genau, der bislang nicht gross als TV-Experte auffiel, was die neue SRG-Direktorin zu tun hat. Typischer Besserwisser-Journalismus.

Dann sozusagen das Herzstück dieser Ausgabe, eine Abrechnung mit der Migros. Ein echtes Sahnestück, gut recherchiert, munter geschrieben: «Doch das grosse M ist derzeit eher ein auf den Kopf gestelltes W: Es wankt, es wackelt, es wurstelt vor sich hin.» Ein Lob für Moritz Kaufmann und Janique Weder. Sie hätten allerdings eine bessere Illustratorin verdient; das Gekleckse schreckt den Leser eher ab, als dass es ihn animiert. Was schade wäre. Was da blaue Männchen mit zu Dreiecken verformten Pinseln wollen oder sollen, ein Graus:

Dass man das auch mit Texten kann, beweist dann Teuwsen, Rostock. Dorthin ist er geeilt, um ein paar Sätze mit der deutschen Erfolgsautorin Caroline Wahl zu wechseln. Die sei grossartig, besonders, was ihre Dialogführung betrifft, behauptet Teuwsen. Dann gibt er ein Beispiel dafür (ZACKBUM versichert eidesstattlich: das haben wir nicht erfunden):

«Tilda: Ida. Ich schüttle den Kopf. Ida: Nein, Tilda. Tilda: Ida. Ich weiss einfach nicht mehr, was ich machen soll. Wie ich dir helfen kann. Ich: Gar nicht. Ich brauche keine Hilfe. Tilda: Ich mache mir Sorgen. Ida: Musst du nicht. Ida: Ich habe es doch bis jetzt ganz gut allein geschafft. Habe ich das gerade wirklich gesagt?, frage ich mich, sehe in Tildas Augen, dass ich das gerade wirklich gesagt habe, und wir brechen tränend in Lachen aus. Ich korrigiere: Ich habe bis jetzt überlebt.»

Den Text von Teuwsen muss man auch überleben … Da kann man sich nur damit trösten, im Kino den Kracher «Furiosa: A Mad Max Saga» anzuschauen.

 

Wo bleibt der Geist?

Pfingsten ist die Hölle für Sonntagszeitungen.

Zum einen ist nur das B-Team am Gerät, weil jeder, der kann, natürlich in den Ferien ist. Zum anderen ist die Nachrichtenlage erfahrungsgemäss eher flau. Und ausserdem sind die armen Arbeiter sehr motiviert, ein tolles Blatt zu machen. Statt blau.

Aber muss man seinen Frust gleich so am Leser ausleben?

Man könnte es ja vielleicht mit noch ein paar Anrissen mehr auf der Front versuchen. Aber wozu auch, zwei Polizisten, eine sympathische Demonstrantin, was braucht es mehr, um (fast) den Teil über den Bund zu füllen? Wird doch sicher einen Kaufrausch am Kiosk auslösen.

Dass die Kufiya in der Arafat-Version schwarzweiss sein sollte, na und. Wer war den Arafat schon wieder, wird sich die Demonstrantin sicher sagen.

Aber, das muss man der «SonntagsZeitung» lassen, ganz zum Schluss hat sie noch einen Knaller auf Lager, der einen einfach sprachlos zurücklässt:

ZACKBUM fragt sich, ob das auch mit Hamstern, Wellensittichen oder Schildkröten möglich ist. Da bleibt dieser Artikel leider etwas unscharf. Auf der anderen Seite sind wir gespannt auf die Reaktion des Schweizer Tierschutzes. Denn ob der Hund da wirklich freiwillig mitgemacht hat und sein Einverständnis zur Abbildung auf der letzten Seite der SoZ gegeben hat, ist doch sehr die Frage.

Aber dazwischen gibt es noch einen seltenen Lichtblick:

Das ist eine hochinteressante Untersuchung. Jeder, der Medien konsumiert, kann das nur bestätigen. Allerdings bleibt völlig unverständlich, wieso sich dieses Phänomen auf Kommentare beschränken soll. Oder aber, es ist eine hinterlistige Kritik an den eigenen Kommentarschreibern. Wenn man zum Beispiel an Markus Somm  («Höckes Hitler»; Achtung, Stabreim!) oder Gülsha AdiljiUnterschätzte Form des Protests»; sie durfte ein «Referat» halten) denkt, dann kann man den Dunning-Kruger-Effekt live beobachten.

Da braucht’s etwas Erholung, leichte Kost, gleichzeitig etwas unübertrefflich Lachhaftes. Genau, Auftritt «Bellevue» des «NZZamSonntag Magazin». Da hätten wir mal diesen Fingerzeig des Wahnsinns:

Was das ist? Nun, angeblich Kissen. Das kleinere, nun ja, Ding, kostet bloss schlappe 720 Franken. Weiter zum Sauglattismus:

Das ist nun echt ein Schnäppchen; 345 US-Dollar. Plus Shipping and Taxes, of course, und nur für den Rock-Stofffetzen. Was das Top mit Crevettencocktail kostet, lässt sich nicht eruieren. Dass sich Frauen so eine Anspielung auf «hier fischelt’s» freiwillig anziehen, ist aber hoffentlich zu bezweifeln.

Immer, wenn man denkt, mehr bescheuert geht nicht, setzt aber «Bellevue» noch ein weiteres Glanzlicht:

Wer’s nicht merkt: das Teil soll ein Stuhl sein. Das deutsche Designerteam preist ihn so an: «RUG’N ROLL is a play of contrast – soft looking yet highly robust.» Das Teil sieht verknautscht aus und erweckt den Eindruck, dass es zwar hässlich, aber vielleicht bequem sei. Ätsch, sagt da das Designerteam, das Teil wiegt 15 kg, weil es – aus Beton ist. 2000 Euro. Nein, die kriegt man nicht als Schmerzensgeld, die muss man zahlen.

Darauf einen Schluck? Aber sicher, wie wäre es mit dem «Lava Cup»?

«Erleben Sie die perfekte Mischung aus Ästhetik und Funktionalität in unserem Lavabecher», preist das die Künstlerin an. ZACKBUM würde eher von einer perfekten Mischung von unpraktisch, unhandlich und gequält «Achtung, Kunst» blökend sprechen. Dafür kostet er auch nur 290 Euro. Plus 22 Euro für den Versand. Für einen Vierertisch ist man also mit rund 1200 Euro dabei.

Ach, und das Mutterblatt, was bietet das Hochstehendes an Pfingsten?

Vielleicht etwas besser als Hunde-Yoga. Aber wie verzweifelt muss eine Redaktion sein, wenn sie das abgelutschteste aller abgelutschten Themen mit so einer fürchterlichen Illu zum Aufmacher macht? Apropos Illu, hier hat ZACKBUM die Lektüre eingestellt. Auch wir haben Gefühle.

 

Wumms: David Gugerli

Was für ein grossartiges Interview in der NZZaS.

Normalerweise dient diese Kategorie dazu, Kritik an einer Person zu üben. Hier ist es ein uneingeschränktes Lob. Wenn man das Titelzitat liest, denkt man noch: oh je, das wird wohl langweilig: «Wir werden das Menschsein neu definieren».

Aber davon sollte man sich nicht täuschen lassen. Es sind die beiden besten Seiten zum Thema KI, die man bislang lesen durfte. Das liegt in erster Linie an dem Technikhistoriker Gugerli. Der ist kompetent, informiert, witzig und schlagfertig. Er schüttelte die passenden Beispiele aus dem Ärmel, hinterfragt gnadenlos dumme Implikationen in den Fragen und verschafft dem Leser das, wonach er so oft vergeblich dürstet:

unterhaltsamen Erkenntnisgewinn.

Zunächst killt er mal den «Begriff Fortschritt», den der Interviewer in seiner ersten Frage verwendet: «Er kann fast nichts erklären. Er impliziert einen zwangsläufigen und zielgerichteten Weg in die Zukunft, von der wir doch praktisch nichts wissen. Zudem blendet der Begriff die Frage aus, für wen sich Vorteile und für wen sich Nachteile ergeben werden. Dieser «Fortschritt» ist gewissermassen naturwüchsig. Ich spreche lieber von technischem Wandel. Er lässt sich evaluieren und findet nicht einfach statt.»

Auch die obligate Frage nach der Zukunft der KI pariert er bravurös: «Es stimmt, im Moment hat man die Wahl zwischen Apokalypse und Erlösung. Aber das heisst eigentlich nur, dass noch kein Konsens darüber gefunden worden ist, was zu erwarten ist

Auch zur Frage, ob die KI das «Menschsein», unsere Vorstellung vom Menschen infrage stelle, wird souverän abgeklatscht:

«Da würde ich gern zurückfragen: Wer ist gemeint mit «der Mensch»? Ursula von der Leyen oder Jacqueline Badran? Trump oder Putin? Peter Alexander hätte das wohl noch gewusst. «Hier ist ein Mensch» hiess sein Schlager: «Kennst du seinen Namen? / Seinen Namen kennst du nicht / Sieh zu ihm hinüber / Und dann kennst du sein Gesicht.»

Das bedeutet?

Der sogenannte Mensch ist Kitsch. Es gibt Junge, Alte, Reiche, Arme – das Entscheidende sind die unterschiedlichen Motivationen und Interessen. Als Historiker frage ich mich, was man sich in einer bestimmten Gesellschaft zu einer bestimmten Zeit unter dem «Menschen» vorgestellt hat. Und je nachdem, wie diese Gedankenfigur aussah, gab es Irritationen angesichts des technischen Wandels.»

Dann traut sich der Interviewer noch, den Begriff Artefakt zu verwenden. Hätte er besser gelassen:

«Was wollen Sie denn jetzt noch mit den Artefakten? Ich dachte schon, wir hätten mit dem «Menschen» und dem «Fortschritt» alles analytisch Unbrauchbare weggeräumt. Wenn Sie einen alten Apparat vor sich haben, den Sie nicht mehr aus eigener Erfahrung kennen, dann wissen Sie vermutlich auch nicht, ob Sie damit Gartenabfälle klein hacken, Kaffee machen oder Saiten für Musikinstrumente herstellen können. Das heisst: Ohne den Benutzer, ohne Gebrauch, ohne Anschluss an erwartbare, zulässige oder befürchtete Einsatzformen ist «Technik selber» bloss eine Ansammlung von Teilen aus Blech, Glas, Gummi und Plastik. Sie hat nur einen Wert und einen Sinn, wenn sie in Gebrauch genommen wird.»

Man kann gar nicht genug zitieren, aber hiermit muss es ein Bewenden haben. Nicht ohne den Aufruf: das müssen Sie lesen. Vollständig. Unbedingt. Besorgen Sie sich dieses Interview, es ist die Anstrengung wert.

«Gehen Sie als Technikhistoriker anders durch die Welt?

Anders als eine Spezialistin für fakultative Rückversicherungsverträge? Ja, die «déformation professionelle» ist nicht zu vermeiden. Was sehe ich, wenn ich am Morgen meinen Kaffee am Bellevue trinke? Ich sehe interagierende Menschen und Geräte und Systeme aus ganz unterschiedlichen historischen Zeiten – ein Gewusel von Trams, Fussgängern, Velos, Kinderwagen. Auf dem Platz kreuzen sich Schienen und Stromleitungen und Strassen, «Züri rollt» hat einen Container, es gibt eine Wurstbude und eine Bedürfnisanstalt, jemand verkauft noch alte Uhren. Das ist das Bellevue, und es ist ein künstlicher Ort, aufgeschüttet mit dem Bau der Quaianlagen am See im 19. Jahrhundert, als Zürich so schön wie Luzern werden wollte, mit nobler elektrischer Beleuchtung und bald auch gepflästert. Und während in den 1980er Jahren vor allem die Junkies das Rondell benutzten, hat man mittlerweile ein Café mit hohem Umsatz eingebaut. Das sind die Dinge, die ich dort sehe – und alles ist Technik. Sie lebt, und sie lebt im Gebrauch.»

Zufälle gibt’s

Die NZZaS lässt sich inspirieren.

Anders ist es nicht zu erklären, dass die hochgeschätzte Zoé Baches einen Artikel über die US-Knüppelbande OFAC schreibt. Das «Office of Foreign Assets Control» (Assets mit s bitte, liebe NZZaS) sorgt dafür, dass sich die ganze Welt an US-Sanktionen zu halten hat.

Das geht ganz einfach. Eigentlich gelten US-Gesetze nur in den USA. So wie Schweizer Gesetze in der Schweiz. Aber damit US-Gesetze auch in der Schweiz gelten, gibt es den Riesenknüppel US-Dollar. Der gehört den USA, und wer ihn benutzt, wer in den USA Geschäfte macht, wer Geschäfte macht, in denen US-Produkte vorkommen, wer in Richtung USA niest, ist fällig. Denn ein Entzug der Möglichkeit, mit Dollar zu handeln, bedeutet – vielleicht von ein paar abgelegenen Einsiedler-Tätigkeiten abgesehen – den sofortigen Exitus jedes Unternehmens. Und wer als Privatperson auf die über 12’000 Einträge umfassende OFAC-Liste kommt, ist auf milde Gaben seines Freundeskreises angewiesen. Alle Bankkonten werden gesperrt, nichts geht mehr.

Das alles weiss ZACKBUM, weil das (und noch viel mehr) am 26. April ein ausführlicher Artikel auf «Inside Paradeplatz» erklärt hat. Es dürfte nun keine Autoreneitelkeit sein, wenn sich daraus die Frage ergibt, wie weit sich die NZZaS davon motivieren liess, rund zwei Wochen später einen Artikel über «Uncle Sams sehr lange Arme» zu publizieren.

In dem haarklein erklärt wird, was das OFAC ist und was es kann. Angereichert um die Mitteilung eines «Beobachters, der anonym bleiben will», dass OFAC-Büttel regelmässig in die Schweiz reisen, um auch hier nach dem Rechten zu schauen. Das verwundert ja nicht wirklich, so sass in der Credit Suisse jahrelang ein US-Anwalt, um deren Wohlverhalten nach der Riesenbusse im Steuerstreit zu überprüfen. Und sicherheitshalber macht das der gleiche Anwalt neuerdings bei der UBS. Was jeweils Multimillionen kostet, denn hier muss der Kontrollierte auch noch den Kontrolleur bezahlen.

Das Monster UBS kann noch so gross ein, ein Dinosaurier, der die ganze Schweiz erschüttern würde, fiele er um, aber selbst dieser Dinosaurier hat Schiss vor dem OFAC und den langen Armen der USA. Denn mit dem Knüppel US-Dollar und der Atombombe ISDA Master Agreement können die USA jede Bank innert 48 Stunden in die Knie zwingen.

So zitiert die NZZaS einen älteren Artikel der deutschen «Welt», auf einen Hinweis zu IP verzichtet sie aber schamvoll. Vielleicht ist auch sie sauer, dass die One-Man-Show Lukas Hässig mehr Primeurs raushaut als die immer noch vielköpfigen Wirtschaftsredaktionen der sogenannten Qualitätsmedien.

Allerdings ist es dann doch etwas befremdlich, dass im ganzen Artikel von Baches nur «anonyme Beobachter» vorkommen, dazu «Befragte, die bestätigen», was auch ein «Vertreter einer grossen international tätigen Bank» tut (was das wohl für eine Bank ist?). Dann gibt es wieder «Befragte», oder aber «niemand will hier offiziell Stellung nehmen», auch «das Seco will nicht konkret Stellung nehmen», selbst die FINMA gebe sich «verhalten», worauf nochmals ein «Befragter» zu Wort kommt, schliesslich räumt gar «ein Vertreter einer Behörde» etwas ein.

Auch das ist nicht gerade eine Glanzstunde der Wirtschaftsberichterstattung.