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Schlagwortarchiv für: SoZ

René Zeyer

Elends-Journalismus übers Elend

17. September 2026/9 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Wer erinnert sich noch an Christiane F.?

Es war die Knaller-Story des «Stern» aus dem Jahr 1978. Eine mehrteilige Serie über das Leben der heroinabhängigen Jungprostituierten Christiane Felscherinow, abgekürzt zu Christiane F. Angekündigt als «Wir Kinder vom Bahnhof Zoo».

In zwölf Folgen wurden die Schicksale von halben oder ganzen Kindern erzählt, die um den Berliner Bahnhof Zoo herum ihre Drogensucht mit Prostitution finanzierten, unter ihnen Christiane F., damals 15 Jahre alt.

Die Serie schlug ein wie eine Bombe, ihr Inhalt war erschütternd. Daraus entstand das Buch «Wir Kinder vom Bahnhof Zoo» und schliesslich die Verfilmung durch Uli Edel im Jahr 1981. Durch ihn wurde Christiane F. noch berühmter; ein Musiker wie David Bowie spielte sich darin selbst.

Vor diesem Hintergrund macht die SZ-Journalistin Renate Meinhof eine Story über die heutigen Zustände am Bahnhof Zoo. Viel geändert hat sich offenbar nicht. Obwohl der Bahnhof damals aufgrund eines Viermächteabkommens der Alliierten zwar in West-Berlin stand, aber unter Kontrolle der DDR war.

Meinhof startet mit dem üblichen szenischen Einstieg, um dann schnell auf die Geschichte von Christiane F. umzuschwenken und dem Regisseur Edel grossen Platz zu geben, sich über die damaligen Dreharbeiten, den Riesenerfolg mitsamt Tournee durch die USA und Felscherinow zu verbreitern:

«Ein Star war sie. «Sie hatte etwas Charismatisches», sagt der Regisseur. «Sie hat ’nen ganz klaren Verstand gehabt, aber nicht, wenn es um Drogen ging. Sie war eine tolle Erscheinung.»»

Diese Erscheinung benützte auch der «Stern» und klatschte sie stark geschminkt aufs Cover vom 28. September 1978. 1985 legte er mit «Die neuen Leiden der Christiane F.» nach.

Genauso geschminkt wie die Protagonistin war allerdings auch die Story. Sie wurde konsequent in der Ich-Perspektive erzählt; es wurde so getan, als sei das eine von ihr selbst geschriebene Autobiografie. In Wirklichkeit beruhte die Story auf mit Tonband mitgeschnittenen Gesprächen, die die «Stern»-Reporter Kai Hermann und Horst Rieck über zwei Monate hinweg mit ihr geführt hatten.

Das ist keine Fälschung wie später die Hitler-Tagebücher, aber erzeugt die Illusion einer Authentizität, die gefälscht ist. Dabei wurde das intimste Leben der Protagonistin – Sex, Prostitution, Gewalt, Heroin, Entzug – zum öffentlichen Eigentum.

Christiane F. bekam der Ruhm nicht gut. 2013 schrieb sie das Buch «Christine F. – Mein zweites Leben». Auch hier führte eine Journalistin, Sonja Vukovic, auf der Grundlage ausführlicher Gespräche die Feder. Das Buch beschreibt, dass Christiane F. weder ihre Drogensucht, noch ihr Leben in den Griff bekam.

Selbst die Geburt ihres Sohnes im Jahr 1996 kann sie nicht retten. Nach elf Jahren des Zusammenlebens greift das Jugendamt ein und entzieht ihr das Sorgerecht, Auslöser eines neuerlichen schweren Rückfalls. Sie beschwert sich bitterlich darüber, dass der «Mythos Christiane F.», ihre Stigmatisierung als «Promi-Junkie», der ewig von der Frage begleitet wird, ob sie wieder auf Drogen sei oder nicht, es ihr erschwert habe, ein anderes Leben zu führen.

Ds Buch endet mit der Beschreibung einer gesundheitlich schwer angeschlagenen 50-Jährigen. Heute ist sie 64 und hat sich völlig aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Sie stand auch für ein Gespräch mit Meinhof nicht zur Verfügung.

All das kommt in der Reportage der «Süddeutschen Zeitung» unter dem üblichen Datumsfetischismus – 45 Jahre danach – nicht vor. Noch 2021 kritisierte die SZ sehr deutlich die «fragwürdige Ikonisierung einer jungen Frau» als «medialen Missbrauch».

Aber die Erinnerung an diese Problematik, komplexere historische Zusammenhänge, damit hat der heutige Elends-Journalismus nichts mehr am Hut. Ortstermin, szenische Beschreibung der weiterhin vorhandenen Drogen- und Elends-Szene, Gespräch mit einem Helfer, Nacherzählung der damaligen Erfolgsstory, Besuch beim Regisseur Edel, der sich offensichtlich darüber freut, dass sich noch jemand an seinen inzwischen uralten Film erinnert – und tschüss.

Wenn die SoZ schon rund 18’500 A aus der «Süddeutschen Zeitung» per copy/paste übernimmt, hätte eine kleine Zusatzrecherche vielleicht den Leser davon überzeugt, dass er für Kopiertes Geld ausgeben sollte.

Aber dieser Journalismus berichtet nicht nur über Elend, er ist selbst das Elend.

 

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-13-um-16.38.46.png 359 863 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-09-17 05:00:422026-09-14 09:22:14Elends-Journalismus übers Elend
René Zeyer

Selbstkritik? Igitt, pfui

12. Mai 2026/6 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Aber doch nicht bei den transparenten selbsternannten Demokratierettern.

Endlich ist der Deckel vom Dampfkochtopf geflogen. Der jüngste Untersuchungsbericht belegt schonungslos das Versagen aller Beteiligten beim Zürcher Herzklinik-Skandal mit wohl über 70 vermeidbaren Todesfällen.

Nun wird natürlich geeiert und verwedelt und geschwiemelt. Der «Tages-Anzeiger», der eine gewisse Rolle bei der Aufdeckung dieses Skandals spielte, gibt Regierungsrätin Natalie Rickli Gelegenheit zur Weisswäsche. Peinlich. In der «SonntagsZeitung» darf die aktuelle CEO Monika Jänicke ihre Sicht der Dinge darlegen. Na ja.

Richtig schmerzlich peinlich wird’s aber, wenn man die Berichterstattung der «Republik» vom März 2021 anschaut. Die Gefahr ist allerdings nicht allzu gross, dass das viele tun. Denn in ihrer Trilogie «Zürcher Herzkrise» haben die drei Autoren Philipp Albrecht, Dennis Bühler und Brigitte Hürlimann sagenhafte 134’159 A darauf verwendet, den Skandal völlig falsch darzustellen.

Nimmt man noch einen Nachbrenner von Mitte März dazu, in dem die «Republik» ihrem Lieblingsfeind Tamedia eine reinwürgt, sind es sogar 146’193 A. Das war schon damals unerträglich, heute kommt noch erschwerend hinzu, dass sich diese angeblichen Cracks völlig verrannt hatten.

Sie ätzen gegen ihre Kollegen «Das Tamedia-Recherche­desk reagierte mit einem Gegen­angriff», als handle es sich hier um Kampfhandlungen und nicht um die Aufdeckung eines Skandals.

Der Whistleblower André Plass, der den Skandal ins Rollen brachte, der dadurch Stelle und Karriere verlor und dem heute sogar von er CEO des Unispitals gedankt wird, wurde von der «Republik» damals so abgekanzelt: «er soll im Team ein aufbrausendes, unkollegiales Verhalten gezeigt haben.  … Manche beschreiben ihn gar als «gefährlich»».

Der fehlbare und geldgierige Chefarzt mit Professortitel, aber ohne Doktortitel Francesco Maisano wird hingegen in den Himmel geschleimt: «An Maisanos Fähigkeiten als Chirurg, Akademiker und Innovator zweifelt fast niemand, weder Freund noch Feind.»

Im Licht der heutigen Erkenntnisse geradezu brüllend komisch, wenn es nicht so tragisch wäre. Aber die «Republik» legte noch einiges drauf:

«Von einem übermässigen Einsatz der Devices, an denen Maisano beteiligt ist, kann keine Rede sein. Im Gegenteil: Es werden am USZ erstaunlich wenige davon implantiert. Die klinische Forschung verläuft regelkonform.

Maisano ist an 7 Firmen beteiligt. Das ist zwar eine stattliche Zahl, aber nicht verboten.

Mit 12 weiteren Firmen hat der Herzchirurg Berater­verträge abgeschlossen. Auch das ist nicht wenig, aber mehr als zwei Drittel der Einnahmen daraus fliessen ans USZ und an die Universität.»

Das Laberblatt schafft es tatsächlich, auf fast 150’000 A den Begriff Cardioband nur zweimal Mal zu verwenden. Stattdessen ist schönfärberisch von «Devices» die Rede.

Eine Redaktion, die noch ein wenig Ehre im Leib hätte, würde nach einer solchen Peinlichkeit sich selbst kritisieren und ihre Leser um Entschuldigung bitten. Am besten durch einen Mitarbeiter, der mit dieser völlig verschriebenen Monsterstory nichts zu tun hätte.

Aber doch nicht die Korrektmenschen vom Rothaus. Da darf die Mitautorin Hürlimann «eine Reflexion über unsere Berichterstattung» absondern. Über unsere? Ja, auch über ihre eigene.

Zunächst werden die Erkenntnisse des Untersuchungsberichts ellenlang referiert – am 8. Mai, als hätten das selbst verschnarchte «Republik»-Leser nicht schon längst mitgekriegt. Aber auch hier gilt: wenn man eigentlich nichts zu sagen hat, sagt man’s auf 12’675 A.

Nach mehr als 9000 Buchstaben kommt Hürlimann endlich auf die Berichterstattung der «Republik» von damals zu sprechen: «Im März 2021 nahm sich auch die Republik der Vorkommnisse am Universitätsspital an.»

So, so. Ein «dreiköpfiges Autorinnenteam schilderte, … berichtete … thematisierte … beleuchtete die Frage …» und Blabla. Dann kommt Mitautorin Hürlimann etwas mehr zur Sache. Sie habe die beiden «Protagonisten» ins Zentrum gerückt: «Klinikdirektor Maisano, der in Mailand als Chefarzt an der Klinik San Raffaele in Mailand nach wie vor am Herzen operiert, und Whistleblower Plass, der heute für die SVP im Kanton Schwyz politisiert und regelmässig fürs Portal «Inside Paradeplatz» schreibt.»

Na, lieber Leser, wer von beiden ist wohl der Sympathischere? Von wem würden Sie sich am Herzen operieren lassen? Hm? Einmal raten, bitte.

Damals habe es eine «Medienlawine» gegeben, daran angeknüpft die pseudo-selbstkritische Frage: «Aber war die Republik nicht Teil dieser «Lawine»?»

Aber nein, weiss Hürlimann heute noch: «Unsere Berichterstattung deckt sich im Wesentlichen mit den Erkenntnissen einer Untersuchung, die von einer Subkommission des Zürcher Kantonsrats durchgeführt und zeitgleich mit unserem ersten «Herzkrise»-Artikel publiziert wurde.» Dass diese Untersuchung reine Weisswäscherei war, ungenügend, inkompetent und dermassen schlecht, dass sie dringend durch den aktuellen Untersuchungsbericht ersetzt werden musste – kein Wort drüber.

Also kein Hauch einer Selbstkritik? Doch, aber wirklich nicht mehr als ein Hauch, die Antäuschung eines Hauchs:

«Aus der Distanz und unter Berücksichtigung der neuesten Untersuchungsergebnisse stellen wir von der Republik fest: Zwar hat sich unsere systemische Kritik bestätigt – die Leitungsorgane des Universitätsspitals haben während der «Zürcher Herzkrise» total versagt. Zu optimistisch aber beurteilten wir die Innovationen und Intentionen von Klinikdirektor Maisano.»

Zu optimistisch? Das ist eine geradezu nordkoreanische Umdeutung eines krachenden Versagens. Das ist so, wie wenn ein Boxer k.o. geschlagen wird, und nach dem Aufwachen sagt: ich habe den Ausgang des Kampfes wohl zu optimistisch beurteilt. Das ist nicht mehr peinlich, das ist lachhaft.

Aber nicht mal so kann es Mitautorin Hürlimann stehen lassen: «Wir taten das auf der Grundlage zahlreicher Gespräche mit Herzspezialistinnen und der bis zu diesem Zeitpunkt vorliegenden Untersuchungen von Medizinerinnen oder von der Anwaltskanzlei Walder Wyss.»

Tja, aufgrund von viel weniger Gesprächen kamen andere zu ganz anderen, richtigen Ergebnissen in der Recherche.

Der Gipfel der Unverschämtheit ist aber, dass die «Republik», also die mitschuldige Autorin Hürlimann, Maisano heute noch in Schutz nimmt. Der äussere sich schliesslich im Untersuchungsbericht so:

«Der Mailänder Herzchirurg kritisiert in erster Linie die Zusammensetzung der Untersuchungskommission. Es fehle an interventionellen Kardiologen und damit an jenen Fachleuten, die seine Methoden korrekt beurteilen könnten. Diese unterschieden sich «grundlegend von der konventionellen Herzchirurgie». Und nicht zuletzt betont Maisano, die therapeutischen Entscheide seien stets von multidisziplinären Herzteams getroffen worden.»

Aus Geldgier ein dysfunktionales Cardioband verwendet, das zum Tod von zahlreichen Patienten führte und den Geldbeutel des Chirurgen durch den Verkauf des Patents füllte. Das wäre die Wahrheit. Aber die hat in der «Republik» schlechte Karten, keinen Platz.

Man kann mal daneben hauen. Aber auch noch Jahre danach im Licht der heutigen Erkenntnisse als Mitschuldige diese Schönschreibübung abliefern, das ist grotesk.

Das ist etwa so, wie wenn Relotius im «Spiegel» über seine Artikel räsonieren dürfte – oder Heidemann über die Hitler-Tagebücher im «stern». So wird der Bock zum Gärtner gemacht, wenn man das heutzutage über eine Frau noch sagen darf.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-10-um-14.39.04.png 574 1189 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-05-12 05:00:512026-05-12 08:07:17Selbstkritik? Igitt, pfui
René Zeyer

Sonntagsblätter stochern im Nebel, Teil 1

3. März 2026/6 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Was machen die Redaktionen mit dem Kenntnisstand bis Samstagnacht?

Wenn SoZ, SoBli und NZZamSonntag am frühen Morgen in den Briefkästen liegen oder an die Kioske geliefert werden, sind mindestens fünf Stunden vergangen seit Redaktionsschluss. Das ist am Anfang eines solchen Krieges eine kleine Ewigkeit.

Dieser Artikel wurde am Sonntag geschrieben und erscheint am Dienstag und Mittwoch. Schafft noch mehr Distanz.

Wie gehen die Blätter damit um?

Fangen wir mit dem ersten Schrumpfblatt an. Das räumt fast alles oberhalb des Bundes frei, um ein Riesenfoto von Al Khamenei draufzuklatschen. Samt der vorsichtigen Schlagzeile, dass Israel behaupte, was inzwischen offiziell bestätigt ist: der Oberayatolle ist tot.

Und dann? Eine klare Positionierung von Chefredaktor Arthur Rutishauser:

«Es ist nicht einfach, für den US-Präsidenten Donald Trump Sympathien zu entwickeln. Aber für das Gelingen seines Iran-Abenteuers kann man ihm eigentlich nur Erfolg wünschen.»

Dann erinnert er immerhin daran, dass es «fast auf den Tag genau vor 23 Jahren war, als George W. Bush seinen Irakkrieg startete». Der bekanntlich mit der Lüge angeblicher Massenvernichtungswaffen begann und in einem blutigen und endlosen Bürgerkrieg seine Fortsetzung fand. «Mission accomplished»? My ass, wie der Ami zu sagen pflegt.

Gute Wünsche, Prinzip Hoffnung, etwas Geschichtslektion, sagen wir für ein Editorial gibt das die Note 4,5.

Und sonst? Die Time line, natürlich das Interview mit dem Islamwissenschaftler Reinhard Schulze, durchgeführt vom Chef Ausland ohne Ausland Christof Münger. Also ein Dilettant spricht mit einem Kenner der Sachlage, wunderbar. Wobei der arme Schulze auf viele absurd-hypothetische Fragen («Wie lange wird der Krieg dauern? Wie reagiert die iranische Bevölkerung?») mit gewundenen Konjunktivsätzen antworten muss. Geteilte Note, für Schulze eine 5, für Münger eine 3.

Dann die obligatorische Infografik, seit dem Irakkrieg beliebt für alle Sandkastengeneräle unter den Lesern. Und dann noch der Schweizer Aspekt: «In der Schweizer Botschaft in Teheran gibt es keinen Bunker, wo das Personal hinflüchten kann». Na, dann ist zu hoffen, dass die USA oder die Israeli hier kein Kriegsverbrechen begehen. Gesamtnote 5.

Dann kommt das «Gesicht der Diaspora in der Schweiz» zu Wort: «Unsere Sorge ist, dass es nicht Richtung Demokratie geht, sondern in die nächste Diktatur.» Das ist wohl leider keine Sorge, sondern die realistischste Prognose zurzeit. Note 5,5.

Das war’s dann mit dem Iran im Blatt, 4,5 Seiten, daher logischerweise Gesamtnote 4,5.

Auch der «SonntagsBlick» hat noch mitgekriegt, dass Chamenei, wie man ihn hier schreibt, tot sein soll:

Darunter eine Schlagzeile, die wohl Hoffnung machen soll, so nach der Devise: es gibt dann auch gute Nachrichten.

In seinem Editorial fängt Reza Rafi damit an, was Journalisten gerne tun: mit einem «ich war dabei»-Start. «Da steht Donald Trump also in Fleisch und Blut.» Schliesslich soll sich die Teilnahme an der Gockelparade WEF doch irgendwie auszahlen. Das kommt dann auch als Klammer gelegen, wenn Rafi nach seinem Slalom zum Iran in die Zielgerade einbiegt: «Bei der Begegnung am 21. Januar in Davos blieb unklar, ob der Verräter oder der Befreier Irans vor uns steht. Im Augenblick deutet viel auf Letzteres hin. Gestern jedenfalls hat Trump geliefert.» Verräter? Ein dunkles Wort des Chefs. Daher Note 4.

Fortsetzung folgt.

 

 

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/03/Bildschirmfoto-2026-03-01-um-15.45.24.png 833 1309 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-03-03 05:00:382026-03-01 15:50:25Sonntagsblätter stochern im Nebel, Teil 1
René Zeyer

Sonntagszeitungen ade?

10. Februar 2026/5 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Fällt noch eine, ist die Distribution futsch.

Auf Englisch gibt es ein grossartiges, wenn auch etwas rustikales Erfolgsprinzip im Detailhandel: get the shit on the shelves. Hau das Zeugs in die Regale. Denn nur was in der Auslage liegt, kann verkauft werden.

Bei den drei verbleibenden Deutschschweizer Sonntagszeitungen heisst das: hau das Zeugs in die Briefkästen. Früher gab es noch die Zeitungsboxen, alleine der SonntagsBlick unterhielt über 3000. Weg, rentierte sich nicht mehr.

Die gesamte Auflage ist in den letzten 15 Jahren um bis zu 60 Prozent eingebrochen, auf rund 400’000 Exemplare (Print plus E-Paper). Der SoBli verkauft noch knapp 100’000 Exemplare, die NZZaS rund 90’000 und die SoZ um die 80’000.

CH Media eierte eine Zeitlang auch im Sonntagsmarkt herum. Zuerst mit «Der Sonntag», dann ab 2013 mit der «Schweiz am Sonntag», die dann im Februar 2017 eingestellt und durch die «Schweiz am Wochenende» ersetzt wurde. Die erscheint kostengünstiger am Samstag. und ist mit einer Auflage von rund 380’000 der Platzhirsch am Wochenende.

Denn Sonntag ist in erster Linie teurer als Wochentage. Die Redaktion muss am Samstag arbeiten, was vielen verweichlichten Familienvätern kräftig auf den Zeiger geht. Die Druckerei muss Samstagnacht arbeiten, und schliesslich muss in aller Herrgottsfrühe die Verteilung in die Briefkästen und an die Kioske klappen, die sonntags geöffnet haben.

Dabei greift der Staatsbetrieb Post den Verlegern kräftig unter die Arme. Diese Zustellung gehört zur universellen Dienstleistungspflicht oder Grundversorgung. Dabei liegen die verrechneten Preise deutlich unter den tatsächlichen Kosten. Diese Subvention läppert sich auf insgesamt bis zu 100 Millionen Franken im Jahr.

Für die frühmorgendliche Zustellung (wochentags und am Sonntag) ist die Presto-Presse-Vertriebs AG zuständig. Sie ist eine 100-prozentige Tochter der Schweizerischen Post AG und beschäftigt ungefähr 8000 Zusteller. Daneben gibt es noch die Somedia Distribution AG, die sich um die Zustellung von Tages- und Sonntagszeitungen in Graubünden und Teilen der Ostschweiz kümmert. Auch die TX Group (das Mutterhaus von Tamedia) beschäftigt noch ein paar eigene, kleine Zustelldienste.

Im Elendstal der Printdistribution sind die Sonntagsblätter besonders gefährdet. Ihr mögliches Ende würde durch ein Bündel von Faktoren beschleunigt:

– die Auflage sinkt unter eine kritische Schwelle, die keinen Deckungsbeitrag mehr erwirtschaftet
– die Inserate im Print nehmen weiter ab
– Druck- und Papierkosten steigen weiter
– das Frühzustellungsnetz reisst
– die zahlende Leserschaft, die nur noch digital konsumiert, überschreitet die Schwelle von 75 Prozent, während die Print-Abos weiter überaltern
– Die Preissteigerungen erreichen ein Level, bei dem die Zusatzeinnahmen die Abgänge nicht mehr kompensieren

Es kein Naturgesetz, dass wochentags um 6.30 Uhr und sonntags um 7.30 Uhr ein Druckexemplar im Briefkasten des Abonnenten liegt. Nicht allzu selten ist der Inhalt bereits online überholt worden und altert auch durch den Tag relativ schnell.

Gegen eine Einstellung spricht, dass die Sonntagszeitung hohe Reichweitenmultiplikatoren haben und werbliche Pluspunkte (Lesezeit, Freizeit, ergänzende Hochglanzbeilagen) sammeln.

Sollte allerdings eine der drei verbleibenden Deutschschweizer Sonntagsblätter auch noch das Handtuch werfen (am ehesten wohl die «SonntagsZeitung», gell Herr Supino?), dürfte die Distributionsinfrastruktur in Frage gestellt werden.

Daher ist zu vermuten, dass sich Ringier, Tamedia und NZZ belauern, ob einer der Drei plant, den Sonntag im Print aufzugeben. Nachdem Tamedia bereits bei «20 Minuten» diesen Schritt vollzogen hat, würde ZACKBUM Wetten in nicht unbegrenzter Höhe halten, dass sich dieses Jahr hier was bewegen wird.

Dafür spricht auch, dass bereits die Integration der früher unabhängigen Sonntagszeitungsredaktionen in die Stammredaktion weitgehend stattgefunden hat. Vorbei die lustigen Zeiten, als eine Sonntagszeitung einen raushaute, worauf ihr vom eigenen Verlag am Montag selbst eine reingehauen wurde.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/02/Bildschirmfoto-2026-02-09-um-13.27.17.png 611 915 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-02-10 05:00:042026-02-10 10:12:40Sonntagszeitungen ade?
René Zeyer

Unvergessen, unverzeihlich

14. November 2025/9 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Einer zeigt Grösse, die anderen bleiben so, wie sie waren und sind.

Der bekannte englische TV-Moderator Piers Morgan hat sich bei Novak Djokovic entschuldigt. Während der damaligen Covid-Hysterie hatte er den Weltklasse-Tennisspieler beschimpft, weil der sich weigerte, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen.

Trotz gegenteiliger Zusicherung durfte Djokovic 2022 nicht an den Australien Open teilnehmen und verbrachte sogar ein paar Tage in Auslieferungsarrest. Die Erkenntnis, dass diese Impfung keinesfalls vor Ansteckung schützt, brachte Morgan spät, aber nicht zu spät dazu, sich für seine damalige harsche Verurteilung zu entschuldigen.

Djokovic nahm das gelassen entgegen, meinte aber, dass ihn die damaligen Ereignisse weiterhin belasten.

«Der Weltranglistenerste ist zum Symbol der Egozentrik, der Uneinsichtigkeit, der Ungleichheit und zu einem weltweiten Anführer der Impfgegner geworden», 

keifte damals der ehemalige Tamedia-Qualitätsjournalist René Stauffer. Als ein australischer Richter Djokovic freiliess, sei das «wie ein Schlag ins Gesicht» gewesen.

Schlimmer noch: das Urteil sei «brandgefährlich für Melbourne und Australien. In der Stadt drohen nun Tumulte … Sollte er tatsächlich als Spieler in die Rod Laver Arena schreiten, ist ein Aufruhr garantiert», fantasierte er völlig von der Rolle.

Das blieb der Welt dann erspart. Aber nicht weitere Schludrigkeiten und Rempeleien Schweizer Medien. Der Mann renne in ein «Fiasko», behauptete die SoZ, samt eines Fotos, das übel denunziatorischer nicht sein könnte.

Er spielt «Russisches Roulett» (CH Media). Die damalige «Chefredaktorin Sport» des «Blick» wusste: «Die Pointe in der Aussie-Open-Geschichte ist, dass Djokovic am Flughafen festsass und offenbar das Land wieder verlassen muss.» So Steffi Buchli, die als Chefredaktorin später scheiterte, aber angeblich von Sport etwas verstand.

«Und täglich grüsst der Drama-King», verballhornte die «Blick»-Fachkraft den Titel eines schönen Films, der das nicht verdient hätte.

Ein Vollpfosten aus dem Hause Tamedia sah schon den «tiefen Fall eines grandiosen Tennisspielers» voraus, eines «Schwurblers» auch, der eine «grosse Narrenfreiheit» geniesse. Und die Serben? «Wer in diesen Tagen die serbische Krawallpresse liest, der wähnt sich kurz vor einem Weltkrieg.»

Typisch für diese -itsch. Unzivilisiert, unrasiert, aggressiv, grössenwahnsinnig, gefährlich halt.

Da gäbe es von Stauffer abwärts genügend Gründe, sich nicht nur zu schämen, sondern auch zu entschuldigen. Das gilt natürlich auch für die Corona-Kreische Marc Brupbacher, der inzwischen zur Klima-Kreische mutiert ist.

Aber all diese Journis kämen nicht im Traum auf diese Idee. Sie waren und sind Symbole «der Egozentrik, der Uneinsichtigkeit».

Auch Simon Graf diagnostizierte: «Djokovic geht im Herbst seiner Karriere immer mehr auf in seiner Rolle als Aussenseiter.» Ein langer Herbst fürwahr.

Hatz auf einen Serben mit rassistischen Ober- und Untertönen. Unqualifiziertes Gekeife, nachplappern, was damals Mainstream war, wo jeder Impfgegner befürchten musste, als potenzieller Massenmörder beschimpft zu werden, wo der damalige Bundeshaus-Chef Denis von Burg von Tamedia sich nicht entblödete, vom Bundesrat Durchgreifen und Zwangsimpfen zu fordern.

Inzwischen hoffen all diese damals Ausgerasteten, dass sich niemand mehr an ihre damaligen Peinlichkeiten erinnert. Diesen Gefallen kann ihnen ZACKBUM nicht tun.

Auf die Idee, dass vielleicht auch hier Entschuldigungen fällig wären, kommt natürlich keiner von ihnen. Morgan hat immerhin diese Grösse. Sie bleiben, was sie immer waren: klein und hässlich. Disqualifiziert, unglaubwürdig, ohne Rückgrat oder Anstand.

 

 

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2025/11/Bildschirmfoto-2025-11-12-um-18.35.12.png 292 596 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2025-11-14 05:00:122025-11-14 13:24:59Unvergessen, unverzeihlich
René Zeyer

Shaky Jackie

5. Oktober 2025/4 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

So würde Trump vielleicht Jacqueline Badran nennen.

Es ist eine alte Weisheit: jeder hat das Recht, sich öffentlich zum Deppen zu machen. Davon machen einige im Übermass Gebrauch.

In einem ihrer sogenannten «#Korrigendum» in der «SonntagsZeitung» wütet Badran gegen den «orangen Dauerstargast», gegen den «orangen Widerling», gegen den «orangen Superschurken». Etwas repetitiv, aber bitte, Fantasie ist nicht jedem gegeben.

Ihr Zorn richtet sich auch gegen Brendan Carr, den Direktor der Federal Communication Commission (FCC), die US-Regulierungsbehörde für Medien.

Nun wird ihre Argumentation etwas kurvig, höflich formuliert. Carr habe im «Projekt 2025» prominent Abschnitt 230 des «Communications Decency Act» von 1996, «das Onlineplattformen erlaubt und Anreize schafft schädliche Inhalte wie Hassrede, Aufrufe zur Gewalt oder sexistische Inhalte zu moderieren, ohne haftbar gemacht zu werden, denunziert».

Und weiter: Die FCC hätte laut Carr «eine wichtige Rolle zu spielen wegen der Bedrohung individueller Freiheiten durch Konzerne, die ihre dominante Marktmacht missbrauchen. Heutzutage würden eine Handvoll Konzerne alles beeinflussen können, von der Information, die wir konsumieren, bis zu den Orten, wo wir einkaufen».

Nach der Inauguration  des orangen Gottseibeieuns hätten die grossen Plattformen «alle Moderationen von Inhalten» eingestellt. «Damit war der Pfad zu unbehelligter rechter Propaganda gelegt.»

What a Bullshit, würde da «das orange Mannbaby» sagen. Völlig zu recht. Denn dieses Gesetz sagt glasklar: “No provider or user of an interactive computer service shall be treated as the publisher or speaker of any information provided by another information content provider.”  Oder auf Deutsch, falls Badran auch nicht Englisch kann:

  • Plattformen wie soziale Netzwerke, Foren, Blogs usw. haften grundsätzlich nicht für von Nutzern gepostete Inhalte.

  • Sie dürfen Inhalte moderieren, entfernen oder sperren, ohne dadurch wie ein „Verlag“ behandelt zu werden.

Oder eben auch nicht. Während alle Medienorgane – auch ZACKBUM – nicht nur für die selbsterstellten Inhalte verantwortlich und haftbar sind, sondern auch für Kommentare oder Fremdbeiträge, gilt das für die sogenannten Sozialen Medien nicht. Wenn also Carr das kritisiert, hat er völlig recht.

In ihrer Aufzählung von mächtige Medienmogulen, die eben dem «orangen Superschurken» helfen würden, erwähnt Badran auch «Medien-Milliardär Rupert Murdoch». Unterlässt aber zu erwähnen, dass der vom «orangen Widerling» auf 10 Milliarden Dollar Schadenersatz verklagt wurde, was nun nicht gerade als Freundschaftsgeste gewertet werden kann.

Aber nach diesen Loopings will Badran auch noch etwas zur Schweizer Medienszene sagen: «Auch das Schweizer Parlament hat die SRG und die Medienlandschaft noch weiter geschwächt.»

Nun, in Wirklichkeit ist das ein weiterer intellektueller und verbaler Schwächeanfall von Badran. Wobei die SoZ hier ihrer Fürsorgepflicht nur unzureichend nachkommt und die Dame nicht davor schützt, sich immer mal wieder öffentlich lächerlich zu machen.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2022/01/Clown2.jpeg 323 455 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2025-10-05 05:00:472025-09-28 12:16:26Shaky Jackie
René Zeyer

Wumms: Markus Somm

2. September 2025/7 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Selbstzerfleischung in aller Öffentlichkeit.

In linksradikalen Kreisen war und ist die Selbstkritik eine gern gepflegte Form des Masochismus. Der linke Renegat Markus Somm pflegt sie bis ins höhere Alter.

Grund genug hat er. Gescheitert als Chefredaktor der «Basler Zeitung», die ihm von Christoph Blocher unter dem Hintern weg an Tamedia verkauft wurde.

Gescheitert als Unternehmer, Chefredaktor und Alleinherrscher des «Nebelspalters». Ein Millionengrab ohne Resonanz oder Wirkung.

Und auch als Publizist muss er ständig seine Fehlanalysen öffentlich richtigstellen. Denn er darf aus Gründen der Ausgewogenheit in der «SonntagsZeitung» eine Kolumne bespielen. Offensichtlich wird das von der eher woken Redaktion toleriert, weil sich Somm dort immer wieder lächerlich macht. Indem er Versager wie Amherd oder Keller-Sutter über den grünen Klee lobt

Nicht nur dort. In seinem «Memo» forderte er schon mal die Bombardierung Moskaus. Lobhudelt die zaristische Diktatur, um die leninsche Revolution runtermachen zu können. Er ist in unverbrüchlicher Solidarität der israelischen Regierung und ihren Kriegsverbrechen zugetan («das sind die Guten»). Ein paar zehntausend zivile Opfer? Das sind für ihn lediglich «Kollateralschäden». Eigentlich wollte ZACKBUM nach diesen widerlichen Ausfällen die Berichterstattung über Somm einstellen.

Aber auch die besten Vorsätze sind dazu da, gebrochen zu werden. Denn was andere geschützt durch das Berufsgeheimnis im stillen Kämmerlein auf der Couch ausleben, das tut Somm weiterhin öffentlich: sich selbst zerfleischen. Sich an seiner linken Vergangenheit abarbeiten. Denn es gibt wirklich nichts Schlimmeres als Renegaten, die an sich selbst leiden.

Dafür verwendet er gerne einen pseudomartialischen Tonfall, als ehemaliger Armeegegner: «Kaum gerät die Schweiz unter Beschuss einer ausländischen Macht, drehen die Schweizer Journalisten die Artillerie um und schiessen auf die eigenen Truppen.» Alles Defätisten, Diversanten, Fünfte Kolonne, Vaterlandsverräter. Die wollten doch alle nur das eine: «Waren 700 Jahre nicht genug? Die Schweiz soll sich bitte auflösen.»

Absurd, aber nur die Einleitung für einen Schnelldurchgang durch die jüngere Geschichte. Jüdische Gelder in Schweizer Banktresoren? «Ich gehörte damals auch zu den Anti-Patrioten.» Anflugregime Kloten und Prügel für Bundesrat Leuenberger? «Ich gehörte ebenfalls zu den Kritikern».

Was geht dieser Journaille ab? «Warum ein Land ohne Helden verteidigen? Fragen sich jene, die nichts mehr zu fürchten scheinen, als die Liebe zum eigenen Land.»

Der deutsche Bundespräsident Gustav Heinemann antwortete auf die Frage, ob er Deutschland liebe: «Ich liebe meine Frau.» Aber solche Zitate sind dem studierten Historiker Somm nicht geläufig.

Schlimmer ist: er kritisiert die wichtigste Aufgabe der Medien: zu hinterfragen, zu bezweifeln, zu kritisieren. Er wirft ihnen tatsächlich vor, auf die «eigenen Truppen zu schiessen», als ginge es bei politischen Auseinandersetzungen um Kriegshandlungen. Wer kritisiert, wolle, dass sich sich die Schweiz auflöse. Wer kritisiert, sei ein «Anti-Patriot». Jemand, der sein Land nicht liebe.

Bevor ZACKBUM die Berichterstattung wieder einstellt: wieso schützt die SoZ Somm nicht vor sich selbst? Und schenkt ihm ein Moleskine, auf dessen ersten Seite Somm schreiben kann:

«Mein liebes Tagebuch, dir vertraue ich meine innersten Zweifel und meine Selbstzerfleischung an. Denn siehe, ich war in meiner Jugend ein ganz Schlimmer, und daran habe ich bis heute zu tragen.»

 

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2022/01/Wumms.jpeg 438 882 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2025-09-02 05:00:372025-08-31 11:09:53Wumms: Markus Somm
René Zeyer

SoZ, stottert, spotz

20. Januar 2025/0 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Oh je. Was immer wieder der einzige Lichtblick am Sonntag war …

Eigentlich ist es zur Spezialität der NZZaS geworden, Covers zu machen, bei denen der Leser denkt: selbst Weissraum wäre eine bessere Alternative.

Die SoZ ist ein gelehriger Schüler. «Städte am Meer, «Alles weg», Doppelspitze». Höfliche Menschen halten beim Lesen die Hand vor den Mund.

«Streit um muslimische Grabfelder, Keine Lust auf Stress im Job, Bundesrat: Pfister verzichtet auf Kandidatur». Selbst die höflichsten Menschen halten nicht mehr die Hand beim Gähnen vor den Mund.

Es ist wirklich symbolisch. Auf Seite zwei links steht normalerweise das Editorial von Arthur Rutishauser. Nicht immer, aber häufig ein Lichtblick in der Finsternis im Glashaus. Statdessen steht dort diesmal Raphaela Birrer. Und es wird so schlimm, wie man befürchten muss. Ein Riesenfoto von Gerhard Pfister; um es aufzublasen, wird auch noch die Studioeinrichtung gezeigt. Dazu ein Interview über fast zwei Seiten. Wenn man bei dem die Luft rauslässt, genügte ein Satz: Pfister will nicht Bundesrat werden. Meine Güte.

Daneben noch die obligate «Analyse» über die Turbulenzen in der Partei «Mitte». Aufgewärmtes Gehacktes, meine Güte. Man fragt sich, ob Birrer hier Rutishauser zeigen wollte, wo der Hammer hängt.

Aber es ist noch nicht ausgestanden. Dann die obligate Seite Gewerweise, wer denn der Nachfolger (oder die Nachfolgerin) sein könnte, werden könnte. Der übliche Eiertanz, denn man möchte auf keinen Fall mit einer Prognose danebenliegen. Meine Güte.

Grabstein in Weinfelden; soll es dort muslimische Gräber geben? Ein Thema, das im wahrsten Sinne tötelet. Meine Güte, da gibt es wohl grössere Probleme mit unseren muslimischen Mitbürgern, solange sie am Leben sind.

Dann der Beitrag «der lebt noch?» über Ulrich Schlüer. Bettina Weber dreht weiter an ihrem Aufreger «Sie wollen einen reichen Mann – und nennen es Feminismus». Wird sicher auch in der Wiederholungsschlaufe wie gewünscht Kampffeministinnen zur Weissglut treiben.

Man hätte darauf wetten können, dass die furchtbare Minentragödie in Südafrika, die unter der Woche höchstens im ganz Kleingedruckten interessiert, am Sonntag ihren Auftritt hat. Samt der «immer wieder gut, wenn wir sonst nix haben»-Story vom Mann, der seine Bitcoins im heutigen Wert von 800 Millionen Dollar samt der Festplatte in einen Müllsack packte, den seine damalige Lebensgefährtin umsichtig entsorgte. Und dem er seit 12 Jahren nachrennt.

Dann kommen wir zu verdammt, die Inauguration von Trump ist erst am Montag, was machen wir da bei Redaktionsschluss Samstag? Überraschung, ein Interview natürlich. Wobei, wer, der einen geraden Satz sagen kann und irgend einen Titel hat, ist in den USA denn noch nicht interviewt worden? Der alte Hase Martin Suter wurde natürlich fündig: der «Über-Geograf» (schöner, neuer Titel) Joel Kotkin. Joel who? He, lehrt an einer Uni, hat zehn Bücher geschrieben, wird von der NYT gelobt. Also DER Joel. Muss man lesen, was er zu sagen hat? Nein.

Das ist alles ist so schwach, dass man fast versucht wäre, Jacqueline Badran und Markus Somm zu lesen, nur um wach zu werden ob so viel Unsinn. Aber nur fast.

Als ob man nicht schon genügend Mühe mit Wachbleiben hätte, langweilt dann die Wirtschaft mit dem Aufmacher «Die Musterschüler im Norden stecken in der Krise, der Süden boomt». Bis es dann mal wieder umgekehrt ist. Blöd auch, auch das WEF fängt erst am Montag an, also auch hier was Hinprügeln: «Die Ära der grossen WEF-Proteste ist vorbei». Überraschung aber auch, die Ära der grossen WEF-Bedeutung halt auch.

Man wird einfach nie überrascht bei dieser Ausgabe der SoZ; was fehlt noch? Also bitte, nicht mehr als einmal raten. Genau, «Die Schäden der Waldbrände in Los Angeles … Forscherin über die Kosten der Erderwärmung». Meine Güte.

Dann machen Christian Brönnimann und Oliver Zihlmann ungeniert mit ihrer Lieblingsbeschäftigung weiter: Schimpf und Schande zu einem «Putin-nahen Oligarchen» sagen, über einen «sanktionierten Multimilliardär». Wieso der und aufgrund wessen sanktioniert ist, dass der sich mit Händen und Füssen gegen die Pauschalverurteilung ohne Beweise oder Gerichtsverfahren «reich, Russe, Schweinebacke» wehrt – kein Wort drüber. Das Seco habe, nicht nur bei diesem Oligarchen, gesperrte Gelder freigegeben. Aber hallo, nicht etwa «für lebensnotwendige Dinge wie Nahrung oder eine warme Stube». Das würde das Duo Infernal sogar einem Oligarchen noch zubilligen. Nein, für den Unterhalt von Helikoptern und einen Landsitz. Als Beitrag zum Sozialneidthema: Reiche leben reicher als wir. Schweinerei, so was. Aber leider: «Das Vorgehen des Seco ist laut Einschätzung von mehreren Experten rechtlich korrekt».

Nochmal eine Schweinerei. Ein Schweizer Experte für Sanktionsrecht erfrecht sich sogar noch zu sagen: «Bei staatlichen Zwangsmaßnahmen solle sich jeder wehren können, auch Oligarchen.» Muss man sich mal vorstellen, auch für solche Schweinebacken soll der Rechtsstaat gelten? Und nicht einfach die Vorverurteilung von zwei wildgewordenen Journalisten, die immer gerne Ankläger, Richter und Henker in einer Person spielen möchten? Meine Güte.

Wollen wir schliesslich noch «das Geheimnis der dauerhaften Liebe» wissen? Aber her damit. Bloss: «Es gibt keins».

Wollen wir das Geheimnis eines interessanten Sonntagsblatts wissen? Unbedingt. Die Redaktion der SoZ will das auch sehnlichst.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2025/01/Bildschirmfoto-2025-01-19-um-08.55.55.png 576 926 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2025-01-20 05:00:472025-01-19 12:35:18SoZ, stottert, spotz
René Zeyer

Der Zweikampf

9. Dezember 2024/1 Kommentar/in Allgemein/von René Zeyer

SoZ gegen NZZaS: wer gewinnt?

Ein fairer Wettkampf ist nur mit klaren Regeln möglich. Nach objektiven Kriterien, und am Schluss entscheidet ganz subjektiv ZACKBUM. So macht man das, wie im aktuellen Journalismus halt.

Zunächst haben beide Sonntagsblätter mal wieder echt Pech gehabt. Dass in Syrien der Diktator Assad gestürzt wurde, verdichtete sich erst nach Redaktionsschluss zur Gewissheit. Wie reagiert man darauf, wie fängt man das Thema ein, ohne am Sonntag mit abgesägten Hosen dazustehen?

Überhaupt, welche Anreize bietet man auf der Front, oberhalb des Bundes, als dort, wo der Kioskkäufer zum Zugreifen animiert werden soll?

So versucht es die NZZaS:

Immerhin, es ist diesmal keine verunglückte Illustration. Nein, es ist noch schlimmer. Oder wer will einen spärlich behaarten Mann mit fürchterlicher Operationsnarbe über der linken Brust sehen? «Europa im Chaos», Reportage über Schweizer auf der Spur der Wikinger, etwas heile Welt, ansatzlos ein drohendes, «peinliches Debakel», und «Die letzten Tage eines Diktators». Nach der Devise: da kann man nichts falsch machen. «Will haben»-Reflex: mässig.

Auch die SoZ fängt etwas schwach an; «Festtagsmenü» und «Die besten Geschenke» unter einer Weihnachtsschleife, gähn. Dann aber der unermüdliche Arthur Rutishauser: «Das grosse Versagen des Parlaments» beim Credit-Suisse-Debakel, was ein wahres Desaster ist und durchaus schlagzeilenwürdig. Florian Ast hat keinen Kontakt mehr zu einem seiner drei Kinder von drei Frauen. Schlimm für ihn, uninteressant für den Leser, platz- und bildmässig überverkauft. «Das Drama der Christen im Nahen Osten», das hingegen ist eine elegante Sideline zu Syrien, ein interessantes Thema, unabhängig vom Sturz Assads. Und schliesslich noch ein Aufreger angesichts der aktuellen Debatte im Parlament: «EDA bezahlt 1 Milliarde Franken an NGOs». «Will haben»-Reflex: vorhanden.

Kriterium zwei: Das Editorial. Andreas Kunz bemüht sich in der SoZ um Originalität: «Warum schliesst sich die EU nicht der Schweiz an?» Gute Idee, exemplifiziert an den vielen, grossen Problemen, die der Chaoshaufen EU hat. Dann, man ahnt es, Beat Balzli: «Die Sugus-Affäre verschärft die Wohnungsnot». Kommt halt davon, wenn man in Zürich wohnt und arbeitet, denn diese Affäre interessiert in Romanshorn oder in Freiburg herzlich wenig. Aber macht nichts, bei der Einleitung schnarchen sowieso die meisten weg: «Selten hat ein Wort so schnell seine Unschuld verloren. Gerade eben noch stand «Sugus» für Kindheit …» Traut sich denn niemand, dem Chef zu sagen, dass er nicht der geborene Editorial-Schreiber ist? «Will lesen»-Reflex: bei der SoZ vorhanden, bei der NZZaS abwesend.

Kriterium drei: die Aufmacherstory. Bei der NZZaS kommt der Lieblingsspielplatz der Journalisten zum Zug, wenn wirklich nichts Gescheites eingefallen ist. «Vier Szenarien, wie es mit dem Kontinent wieder aufwärts gehen könnte». Meine Güte, soll das wirklich jemand interessieren, was Markus Bernath und Gordana Mijuk dazu einfällt? Nicht allzu viel, denn übergross hat hier wieder der Illustrator zugeschlagen. Das wäre als Briefmarke schon überverkauft, aber fast seitengross?

Brr. «Steige animiert ins Blatt ein»: nicht vorhanden, stattdessen null Bock

Die SoZ hingegen macht mit der Sideline auf, die durchaus interessant ist, über das Schicksal der Christen in der muslimischen Welt: «Verfolgt, vertrieben, vergessen». Interessante Zusammenstellung, illustrativ, das Symbolbild einer vom Islamischen Staat zerstörten christlichen Kirche: gut, aber auch viel zu gross. «Steige animiert ins Blatt ein»: durchaus.

Kriterium vier: gute Titelideen. Der Titel ist immer der grösste Schuhlöffel, um den Leser in den Artikel zu kriegen. Wie steht’s da? Die SoZ ist da etwas laberig: «Ametis EU-Initiative wird für Operation Libero und Grüne zum Desaster». Da das eigentlich schon der Inhalt der Seite ist, wozu dann noch den Artikel lesen? Oder: «Für Musk ein «illegaler Arm der Regierung» – der grosse Angriff auf das Feindbild NGO». Wieso zu Musk ausweichen, wenn das Thema die Kürzung der Entwicklungshilfsgelder in der Schweiz ist? «Der Schmerzensmann: Psychogramm des Robert Habeck». Gut, wen’s in der Schweiz wirklich interessiert, denn Kanzler wird dieser Wendehals niemals. «In der Rushhour des Lebens beginnt der Motor zu stottern». Erster Preis für den unverständlichsten Titel.

«Leben & Kultur», oh je:

«Festliche Kochtipps», weinende Ariane Grande und HIV-Verbrecher, guten Appetit. Der vergeht einem auch beim übergrossen Symbolbild von Getty Images, offensichtlich aus den USA zu den Kochtipps. Politisch korrekt lacht hier ein Schwarzer, ob in den Sektgläser aber Alkohol drin ist, weil offensichtlich auch gleich Sylvester gefeiert wird? Ach, und dann durfte Eva Dignös nach Lanzerote und titelt überraschungsfrei, dass man «gerade jetzt» auf die Kanaren reisen sollte. Dass diese «Recherchereise» (ja, es darf gelacht werden) nur «zum Teil unterstützt» (es darf nochmal gelacht werden) wurde von «Anbietern, Hotels, Transportunternehmen und Tourismusagenturen», hat mit diesem Titel garantiert nichts zu tun (es darf schon wieder gelacht werden). Gute Titelideen: Fehlanzeige.

Auch die NZZaS fängt ziemlich schwach an: «Who makes Europe great again?» Die x-te Abwandlung von «great again», kann man wirklich nicht mehr ab. «Die Tyrannendämmerung», nun ja, wenn man nicht schreiben will: Genaues weiss man bis Redaktionsschluss nicht. Dann aber, der Kandidat kriegt hundert Punkte, nicht gerade originell, aber immer wieder gut: «Den Reichen reicht’s». Tatä.

Dann wieder der gefürchtete Text-im-Bild-Titel, das Testprogramm des Augenarztes (aber nicht als IQ-Test brauchbar):

Wer den Lead im Wolkenmeer problemlos lesen kann, bekommt 1000 Flugmeilen geschenkt. Und oben drüber hängen sinnlos, aber das sagten wir wohl schon. Auch etwas gewagt: «Ist Kiew das neue Kabul?» Ist Schwarz das neue Rot? Ist heute morgen das Gestern? Ach, und dann ist es der NZZaS auch aufgefallen, dass in Avignon so ein Prozess über widerliche Sexualstraftaten stattfindet. Also her mit der Übertragung auf die Schweiz, sagt sich Patrizia Messner, und titelt dräuend: «Spuren, die bleiben». Dann vergibt die NZZaS weiter Punkte, indem sie offenbar diese Dracula-Variante von Titeltypo zur stehenden Einrichtung machen will:

Und noch der Fehltitel des Tages:

Haben sich die Brötchen beim Grösserwerden irgendwie geschlechtsumgewandelt? Metastasen gebildet? Oder war einfach kein Brötchenbild zur Hand? Gute Titelideen? Ein Knaller, sonst trübe.

Kriterium fünf: quick and dirty, wie viele Artikel würde ZACKBUM in der SoZ, wie viele in der NZZaS lesen? Insgesamt standen in beiden Blättern 139 Texte zur Auswahl. Bei der SoZ haben es 7 geschafft, in der NZZaS 6.

And the winner is die «SonntagsZeitung», aber im Fotofinish. Wahrscheinlich wird’s auf Weihnachten hin immer schlimmer …

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2024/12/Bildschirmfoto-2024-12-08-um-12.26.54.png 399 704 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2024-12-09 05:00:182024-12-09 06:37:38Der Zweikampf
René Zeyer

Grauenhaft

14. Oktober 2024/2 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Was passiert, wenn der Brachialpolit-Aktivist und Andreas Tobler aufeinandertreffen? «The Horror», würde Marlon Brando sagen.

Jan Böhmermann ist – gelinde gesagt – umstritten. Ob er sich mittels eines geschmacklosen Gedichts mit dem türkischen Machthaber anlegt, ob er regelmässig offenkundigen Unsinn verzapft wie den, dass ein AfD-Politiker am Oktoberfest eine Runde Champagner mit 200 Flaschen bestellt haben soll – regelmässig ist er in Rechtshändel verwickelt, die er dank der wohlbestückten juristischen Abteilung des öffentlich-staatlichen Rundfunks locker wegstecken kann.

So unterstellte er dem ehemaligen Präsidenten des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik Nähe zu russischen Geheimdiensten. Damit erlitten er (und das ZDF) vor Gericht eine bittere Niederlage; Fake News.

Über den wirren, missionarischen und unausgegorenen Gast-Beitrag Böhmermanns in der «Zeit» urteilte noch der gleiche «Tages-Anzeiger», die Zeilen des sogenannten Komikers hätten «die intellektuelle Schärfe eines Butterbrots».

Nun kommt Böhmermann in die Schweiz, also eine gute Gelegenheit, ihm auf den Zahn zu fühlen. Der Lead in der «SonntagsZeitung» verspricht immerhin: «Im Gespräch nimmt er Stellung zur Kritik an seiner Arbeit». Das ist aber ein leeres Versprechen, so wie die Behauptung Böhmermanns, dass seine Politverarsche lustig sei.

Denn Andreas Tobler (welche Fehlbesetzung für dieses Interview) versucht es nun mit Fragen, weich wie ein gut gewässertes Butterbrot.

Hier kann Böhmermann nun unwidersprochen blanken Unsinn verzapfen. Was passiere bei seinem Gastspiel in der Schweiz? «Wir reichen uns die Hand über den Graben und schauen, was das andere politische Lager so zu bieten hat.» Das hat immerhin einen gewissen Charme einer Realsatire. Denn im Vergleich zu Böhmermann arbeitet selbst Andreas Glarner mit ganz feiner Klinge.

Wie Böhmermann Kritiker seiner Sendung verortet, lässt auch an Realitätsferne nichts zu wünschen übrig: «In Berlin hatten wir bei einem unserer letzten Auftritte eine grosse Demo gegen unser Konzert. Da haben sich Querdenker, Rechtsextreme und Verschwörungsmystiker zusammengeschlossen.»

Aber dann rafft sich Tobler zu einer pseudokritischen Frage auf. Pseudo deswegen, weil er das scheunentorgrosse Loch in Böhmermanns Antwort nicht für eine einzige kritische Nachfrage verwendet. Tobler sagt, natürlich abgedämpft durch «viele nehmen Sie anders wahr», dass Böhmermann ein politischer Aktivist sei:

«Aber das Bild ist falsch. Das «ZDF Magazin Royale» ist nichts anderes als eine sehr gut recherchierte, extrem mühevoll hergestellte, auf Faktentreue bedachte, von vielen schlauen und kreativen Menschen gemeinsam verfasste und aufgeführte Meinungskolumne. Also im Grunde das genaue Gegenteil von dem, was Roger Köppel alle zwei Tage auf seinem «Weltwoche»-Blog rausballert.»

Das tut Köppel sogar täglich, aber das ist der gut recherchierenden, auf Faktentreue bedachten Redaktion um Böhmermann offenbar entgangen.

Aber während sich bei diesem «Interview», das den Namen nicht verdient, zwei Gesinnungsgenossen in den Armen liegen und den Leser in den Schlaf wiegen, hört sich der Original-Böhmermann, wenn er die Hand zu Andersdenkenden reicht, so an:

«Sackdoof, feige und verklemmt
ist Erdogan, der Präsident.
Sein Gelöt stinkt schlimm nach Döner,
selbst ein Schweinefurz spricht schöner.»

Über Maybrit Illner schnödete er, dass die fleissig AfD-Mitglieder in ihre Talkshow einlade, damit sie selbst nach deren Machtergreifung weiterhin eine Sendung habe.

Auch vor billigsten Scherzen schreckt er nicht zurück: «Die letzte deutsche Produktion, die im Ausland so sehr in der Luft zerrissen wurde, war von Messerschmitt.»

Auch unübertroffen geschmackvoll:

«Nicht immer die Nazi-Keule rausholen, sondern vielleicht einfach mal ein paar Nazis keulen.»

Ebenfalls geschmackssicher: «Die Queen ist tot und auch Putin ist vergänglich.»

Auch vor Resultaten demokratischer Wahlen hat er nicht wirklich Respekt, wenn sie ihm nicht passen: «Wer hat die durchgeknallten, rechtsextremen Corona Leugner in den Reichstag gelassen? Etwa wir alle bei der letzten Bundestagswahl?»

Es hätte allerdings genug Material gegeben, um «Kritik an seiner Arbeit» zu untermauern. Aber doch nicht Tobler. Der findet auch einen Mordaufruf gegen Köppel ganz okay, sei doch nur ein «Theatermord». Ansonsten kümmert er sich seitenlang um Sprachvergewaltigung und Leserquälung mit Gender-Sternchen und ähnlichem Unfug. Drischt faktenfrei auf die Bührle-Sammlung im Kunsthaus ein. Und interviewt den Bruchpiloten Böhmermann in sanfter Umarmung zweier Gesinnunsgenossen.

Sicher, der arme Arthur Rutishauser als Chefredaktor ohne Redaktion kann sich auch nicht um alles selber kümmern. Aber solchen Schrott hätte er früher nicht in seine SoZ gelassen.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2024/10/Bildschirmfoto-2024-10-13-um-10.16.51.png 502 804 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2024-10-14 05:30:012024-10-14 09:51:34Grauenhaft
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  • Kleines Vademecum für Kommentarschreiber27. August 2020 - 16:08
  • Wer wir sind und was wir wollen25. August 2020 - 15:07
  • ZACKBUM.ch startet: Die Rückkehr der Medienkritik25. Juli 2020 - 6:05
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