Wichtigtuer ohne Wichtigkeit

Interessiert die Botschaft oder der Botschafter? Tamedia ist unentschieden.

Früher hiess es: «the medium is the message». Form und Methode, die zur Kommunikation verwendet werden, haben einen bedeutenden Einfluss auf den Inhalt der Botschaft.

Im Rahmen des Elendssparjournalismus gibt es ein neues Phänomen zu beobachten. Man könnte es «the messenger is the message» nennen. Das äussert sich in verschiedenen Formen.

Zunächst einmal ist der eigene Bauchnabel des Schreibers ins Zentrum gerückt. Die eigene Befindlichkeit, Unwohlsein, Leiden, persönliches Erleben; der Leser wird zwangsweise in Beziehungsprobleme, Erziehungsknatsch, Essgewohnheiten, Hobbys und Vorlieben des Autors einbezogen.

Der geht durch eine Strasse, sieht einen Mohrenkopf an einer Hauswand – und ist betroffen. Er (kann auch eine Sie sein) verteidigt das Recht auf Burkatragen. Quält den Leser (kann auch eine Leserin sein) mit pseudofeministischen Sprachvergewaltigungen, verhunzt ganze Wörter mit Gendersternchen, Binnen-I und ähnlichen Folterwerkzeugen.

Der Autor (kann auch eine Autorin sein) fühlt sich diskriminiert, ausgeschlossen, eingeschlossen, leidet an seinem Arbeitsplatz unter männlicher Diskriminierung (eher selten unter weiblicher), kommt nicht zu seinem Recht als Mutter, Single, Lesbe, Dicker oder was auch immer.

Ablassventil für Frustrationen

Das ist offenbar das Ventil, um Frust über zunehmende Bedeutungslosigkeit abzudampfen. Inflationär gibt es daher auch Kommentare und Meinungen. Als ob es die Welt interessieren würde (oder den Leser), was ein Pseudo-Chefredaktor eines Kopfblatts eines Medienkonzerns zur Ukraine, Putin oder Biden meint. Als ob es jemanden interessieren würde, welche militärischen Sandkastenspiele veranstaltet werden.

Nun hat Tamedia seit einiger Zeit ein neues Wellnessprogramm für Journalisten aufgelegt. Unter jedem gezeichneten Artikel (also wenn nicht einfach SDA-Meldungen per copy/paste reinrutschen) wird der Leser – wenn er überhaupt so weit gekommen ist – mit ausführlichen Informationen über den Autor beglückt.

Eine unrepräsentative Sammlung:

Wollen wir wirklich wissen, dass eine Autorin vor vielen Jahren den Greulich-Kulturpreis gewann? Eine andere in Konstanz, Oxford und Freiburg i.Br. studierte? Jemand YB-Fan ist? Oder gar aufschreibt, was er hört und sieht, was natürlich für einen Journalisten schon bemerkenswert ist?

Woher diese neue Unsitte wohl kommt? Richtig, der abgehärtete Tamedia-Leser hat so seine Vermutung. Wenn schon jede Menge Inhalt von der «Süddeutschen» übernommen wird …

Original ist besser als Kopie

Allerdings gilt auch hier, dass das Original meistens eine Spur besser ist. Denn bei der SZ steht das nicht so aufdringlich am Schluss des Artikels. Sondern der Autorenname ist jeweils mit einem Link versehen, mit dem man auf eine Autorenseite kommt. Dort gibt es dann für Fans weitere biographische Angaben. Das hat Tamedia auch kopiert, aber zunächst wird der Leser mit ersten, launigen Hinweisen auf Vorlieben, Ausbildung, Themenbereiche und anderes belästigt.

ZACKBUM findet, dass das noch ausbaufähig ist. Irgend etwas stimmt noch nicht, wenn der Artikel länger als dieser Hinweis ist. Das scheint uns eine ganz falsche Gewichtung zu sein. Wir wären da für halbe, halbe. Mindestens. Zudem müssen wir an der Positionierung der Hinweise scharfe Kritik üben. Ganz am Schluss? Ganz falsches Signal. Das muss an den Anfang.

Schliesslich ist der Bote doch viel wichtiger als die Botschaft. Vor allem dann, wenn die Botschaft aus gebackener Luft besteht. Da ist man dann schon froh, dass wenigstens ein Mensch und kein Textroboter am Werk war. Wobei: wo ist genau der Unterschied?

5 KOMMENTARE
  1. René Küng
    René Küng says:

    Entschuldigung, wenn ich mich nochmals melde.
    Und ich bin ja ein Fan vom zackbum Publikum und von ZBZ, der mir täglich die Chance bietet, zur Psycho-Hygiene aller Art. Obwohl er die Haftung ablehnt, mangels des artspezifischen Doktor-Titels.
    Aber passen wir doch auf, dass wir nicht auch noch mitmachen im gegenseitigen Zerfleischen (ich brauch’s manchmal auch zur therapeutischen Linderung, angesichts aller Arten von Kreischen).
    Versuchen wir doch, uns nicht ABLENKEN und in den gleichen Sändelikasten bugsieren zu lassen, wo wir, wir Alle der Pöbel, das ganz miese Spiel des SPALTENS, uns gegenseitig nieder machens und uns gegeneinander aufhetzen lassen nicht allzu doll mitspielen.
    ‹Schliesslich ist der Bote doch viel wichtiger als die Botschaft› müssten wir nämlich auf unsere Provinz-Eliten anwenden und mal genau sondieren, wer von den Verlegern, Politikern, ziemlich Reichen & Reichtums-Verwaltern im Auftrag, Prestige-geilen und Karriere-süchtigen Kadetten oder ‹Young Global Leaders› die an die BILDERBERG-Konferenzen, am WEF, in Brüssel eingeladen werden und dort die INSTRUKTIONEN abholen (kriechend, aber auf feinem Teppich) und uns dann die Botschaften übermitteln.

    Das sollten die aufgeweckten zackbum-Leser diskutieren, für & MIT allen JournalistInnen, nicht verblendeten, gekauften Parlamentariern und Parlamentarierinnen, kritischen Juristen, unbequemen Denkern der ‹Bewegung›.
    Die Schlimmsten abwatschen ist ok, hie und da (nützen wird’s wohl nicht viel). Aber ansonsten müssen wir, das einfache Volk, ZUEINANDER finden, die grosse Gefahr lokalisieren, darauf fokussieren und diese Aggressoren in feinen Anzügen beim Namen nennen.
    Ansonsten gleiten wir ab und gehören halt einfach mit zum ‹doofen mob›, dem kontinuierlich die Grundrechte, die Verfassung, der Anstand und die FREIHEIT unter den Füssen weggerissen wird.
    Auch wenn wir uns bemühen, die Fäkalsprache nicht, oder nur indirekt zu verwenden.
    Einfach mal nachdenken, ob die belächelten Trychler, auch wenn sie wohl kein akademischer Zirkel sind, nicht mehr kapiert haben als viele ‹Gebildete›. Menschen die ihren unguten Bauchgefühlen mit Tönen Ausdruck geben, die vielleicht nicht symphonisch, aber ein gutes Zeichen und Signal in wahrhaft eindunkelnden Zeiten sind.

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    • Gerd Sommer
      Gerd Sommer says:

      Wie beim notorischen „schwarzen Block“, so gibt es auch bei den „Freiheitstrychlern“ viele Mitläufer.

      Unterschied ist allerdings, dass diese „Trychler“ tonnenschwere Glocken mitschleppen, die man erst nach langem Krafttraining zu stemmen fähig ist.

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  2. Victor Brunner
    Victor Brunner says:

    Genaue Angaben fehlen natürlich, zum Beispiel wieviele Semester studiert wurde, oder Studium abgebrochen, oder Studium nicht verstanden aber durchgeseucht!

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  3. Gabriel
    Gabriel says:

    Besser wird es beim Tagi-Autor, der sich gerne über böse Wörter echauffiert und mit woken Meinungen belehrt. Bei ihm steht «Er hat ein Buchkapitel über Heidi im Film geschrieben». Dann wird auch klar, aus welchen Gefilden diese zart besaitete Seele kommt und warum sie sich so unwohl fühlt in dieser Welt.
    Ich hatte übrigens einmal einen Aufsatz über mein schönstes Ferienerlebnis geschrieben – dies werde ich nun auch in mein Curriculum Vitae aufnehmen.

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  4. Tim Meier
    Tim Meier says:

    In den Mini-CVs fehlen noch Angaben zur Haltung. Also nur bei den paar Promillen an Leuten, die nicht dauernd für Linksgrün Gratis-Werbung machen ohne diese mit ‹Free Sponsoring› / ‹Supporting Content› zu labeln. Die übrigen Schreiberlinge kann man getrost in den Topf der Greta-Fans und Antifa-Versteher werfen. Schlussendlich ist deren Output so was von voraussehbar und demzufolge stinklangweilig .

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