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Somms Sturzflug

Der Mann hat noch Potenzial. Nach unten.

Lässt sich «Amerika, wir danken Dir!» noch unterbieten? Das ist nicht einfach. Dafür muss man völlig skrupellos, schmerzfrei, losgelöst von der Wirklichkeit und vor allem schamfrei sein. Also ein Markus Somm. Der hat bekanntlich auch schon gefordert, dass im Ukrainekrieg endlich mal Moskau bombardiert werden solle. Selenskyj, der vor Bräunlichem in der Geschichte der Ukraine nicht zurückschreckt, hat ihm den Gefallen getan.

Also wendet sich Somm einem anderen Schlachtfeld zu und zeigt, dass sich Kriegsgurgel Häsler in der NZZ noch steigern lässt. Wieso allerdings in der «SonntagsZeitung» alle Sicherungen durchgebrannt sind, bleibt Arthur Rutishausers süsses Geheimnis.

Denn man muss schon den Titel zweimal lesen und dann den folgenden Text, um sich zu vergewissern, dass es sich hier nicht etwa um eine Art abseitigen Humor oder bitterböse Satire handelt. Nein, dem Mann ist das offenbar ernst:

«Selbstredend, was blieb ihm anderes übrig, erklärte Trump den Waffenstillstand für beendet, und um seine vielen Worte, an deren widersprüchliche Diversität und verkürzte Halbwertszeit wir uns mittlerweile gewöhnt haben, auch mit Taten zu unterlegen, liess er wenige Stunden später den Iran wieder bombardieren.»

Selbstredend? Das hat was, irgendwie scheint es, dass etwas in Trump von selbst redet. Allerdings mit gespaltener Zunge. Einmal sind die Führer in Teheran intelligente Leute, mit denen sich verhandeln und ein Deal machen lässt, Dann wiederum sind sie «Abschaum und Lügner». Bloss, weil sie den angeblich grossartigen Dealmaker im Weissen Haus über den Tisch gezogen und vorgeführt haben.

Das quittiert Somm doch tatsächlich – da flimmert selbst der Bildschirm in stummem Protest – mit:

«Gott sei Dank!»

So wie die fundamentalistischen Wahnsinnigen im Iran meinen, im Sinne und Namen Allahs zu handeln, beruft sich der frühere Atheist (denn als Trotzkist konnte man kaum gläubig sein) doch tatsächlich auf den christlichen Gott und bedankt sich bei ihm dafür, dass Präsident Trump wieder Ziele ins Iran in die Luft jagen lässt. Gott sei Dank, dass es endlich wieder Tod und Zerstörung gibt.

«Deus vult» – Gott will es – soll die Menge gerufen haben, als Papst Urban II. 1095 zum ersten Kreuzzug aufrief, zum ersten Blutbad im Nahen Osten, bei dem die beteiligten gläubigen Christen anschliessend direkt in den Himmel kommen sollten. Ob der Historiker Somm das weiss? Man zweifelt, wie überhaupt an fast allem bei ihm.

Als sei er selbst über diesen gotteslästerlichen Spruch erschrocken, kokettiert er anschliessend: «Damit keine Missverständnisse aufkommen: Ich bin kein Freund des Krieges, ich verabscheue Gewalt, ich hasse den Tod». Er hasse den Tod? Interessant, da wird der Tod aber schön beleidigt und betupft sein. Aber das ist ja auch nur das Feigenblättchen vor der Fortsetzung:

«und dennoch war es höchste Zeit, dass Trump wieder auf die Erde zurückkehrt – nach seinem Trip ins Nirwana des Pazifismus. Nur Krieg bringt im Nahen Osten den Frieden. Mit den iranischen Mullahs kann man nicht verhandeln

Nirwana des Pazifismus, sagt der Renegat und ehemalige Unterstützer der GSoA. Dann wird es wirklich ganz kurios: «Sie sagen das eine, tun das andere, sie lügen in kürzeren Abständen, als sie atmen.» Das schleudert Somm in Richtung der Mullahs, aber träfe das nicht genauso auf denjenigen zu, für dessen Tun sich Somm bei Gott bedankt?

Aber er hat noch mehr absolut Absurdes auf Lager: «Ein Regime, das auf Lüge und Gewalt beruht, kann nicht anders als zu lügen und Gewalt anzuwenden. Fragen Sie Adolf Hitler, er weiss, wovon ich spreche.» Ähm, ob man Somm schonend beibringen sollte, dass Hitler sogar noch toter als Elvis Presley ist?

Aber das ist höchstens ein Zwischenstopp auf dem unaufhaltsamen Weg nach ganz unten: «Wer den Macho aus Queens so vor aller Welt vorführt, muss sich nicht wundern, wenn dieser ihm eine Bombe an den Kopf wirft. Meine Prognose: Trump wird keinen richtigen Krieg mehr auslösen, sondern je nach Tagesform ein paar Bomben schicken, dann wieder etwas verhandeln, schliesslich wieder Bomben und Blockaden, bis das Regime zerbricht – ohne dass er sich diese Taktik allzu ausführlich zurechtgelegt hätte.»

Ach so, das ist also Trumps Masterplan, den bislang nur ein Einziger durchschaut hat. Er hat auch, Allah sei Dank, einen guten Ratschlag fürs iranische Regime zur Hand. Es sollte «alles tun, um dieses Abkommen in trockene Tücher zu bringen». Aber, offenbar ist weder Allah noch Gott mit denen: «Sie tun es nicht. Warum? Siehe oben. Es fängt mit dumm an und hört mit arrogant auf.»

Äh, was fängt denn mit dumm an und hört mit arrogant auf? Ausser einer Sonntagskolumne? Für die Iraner sei Trump ein «Satan ohne Stamina», geistreichelt Somm, also ein Teufel ohne Ausdauer. Dann verlässt ihn aber Gott sowie Sinn und Verstand: «Gibt es inzwischen in der amerikanischen Hölle nicht auch Airconditioning

Das mag verstehen, wer will und kann. Aber auch für Gottesdanker Somm ist mal Ende Gelände mit der Kolumne, also husch, husch noch einen letzten Aberwitz: «Kurz, sie wissen nicht, was sie tun. Und Trump? Mag sein, dass er es auch nicht weiss».

Was weiss Somm selbst denn nicht? Das hier: «doch wie es der britische Staatsmann Winston Churchill einmal ausgedrückt hat: Amerika tut immer das Richtige, nachdem es alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft hat». Ein schönes Bonmot mit einem klitzekleinen Fehler: das wird zwar Churchill zugeschrieben, nachweislich gesagt hat er es aber nicht. Also ein Fake Zitat.

Wenn diese Kolumne auch am besten ungesagt und ungeschrieben geblieben wäre, das wäre wahrhaft ein Grund, sowohl Gott wie Allah zu danken.

Die Mär vom Enthauptungsschlag

Netanyahu und Trump wüten, die Massenmedien berichten kommentarlos.

Was sind das für Zustände, wo man den katarischen News-Sender Al Jazeera schauen muss, wenn man einigermassen vollständige Informationen über die alle internationalen Regeln brechenden Angriffskriege gegen den Iran, den Libanon und Jordanien bekommen will?

Wo auch in Mainstream-Medien als nebensächlich abgehakte Ereignisse berichtet werden:

Bevor nun ein Teil der Leserschaft Propaganda oder Fake News kräht, wobei kleinere Untaten der russischen Regierung in der Ukraine riesige Schlagzeilen machen: selektive Berichterstattung ist nur ein Problem, und dazu ein minderes.

Denn wie diese Beispiele zeigen, ist es dank Internet durchaus möglich, nach Informationsquellen Ausschau zu halten, die andere Blickwinkel liefern. In der Schweiz hat man zudem den Vorteil, dass dazu auch Russia Today gehört, das in der freiheitlich-demokratischen EU verboten ist. Dort werden auch ausländische Staatsbürger sanktioniert, wenn sie unerwünschte Meinungen äussern.

Das grösste Problem ist hingegen die jämmerliche Analysefähigkeit der versammelten Fachkräfte an der Tastatur, vor dem Mikrofon und der Kamera.

Dazu einige wenige Beispiele.

Es geht gar nicht darum, ob US-Präsident Donald Trump erratisch, sprunghaft, verlogen oder schlichtweg ein Amok ist. Sein Handeln versteht man nur dann richtig, wenn man sich bewusst macht, dass er ein hochkrimineller Mafioso ist, dessen höchstes Ziel darin besteht, seinen Clan und sich selbst unsäglich zu bereichern. Und zwar um Milliarden. Einen Raubzug am helllichten Tag, nennt das die «Financial Times», und das ist noch milde ausgedrückt.

Dass er damit die Welt in ein seit dem Zweiten Weltkrieg ungekanntes Chaos stürzt, ist ihm völlig egal. Auf dem Weg zur möglichst ungestörten Machtausübung will er die bewährten Checks and Balances in den USA aushebeln. Also Wahlen, das Militär und die Justiz. Trotz kleineren Rückschlägen ist er erfolgreich unterwegs.

Das Zollchaos, das er angerichtet hat, ist mindestens so schädlich wie der konzeptlose Krieg gegen den Iran oder der Versuch, Venezuela zu regieren. Von Kuba, Panama, Grönland oder Kanada ganz zu schweigen. Was ist das für ein Präsident, der eine abweichende Meinung wie diejenige Spaniens sofort mit Strafzöllen bestraft?

Trump betet im Oval Office. Sonst noch Fragen?

Aber es ist ja nicht nur unverantwortlich, was Trump treibt. Es ist schlichtweg schwachsinnig, was die Attacke auf den Iran betrifft. Die einzig erkennbare Strategie ist, mit Enthauptungsschlägen die Führung des blutrünstigen Regimes zu liquidieren. In der Annahme, dass dann das Regime zusammenbricht und die Bevölkerung die Macht übernimmt, ohne dass eine eigentliche Invasion dazu nötig wäre.

Wie unsinnig das ist, zeigt ein Vergleich. Nehmen wir an, die Führungsmannschaften in den USA und in Israel würden einfach nach Hause gehen. Sich von der Macht verabschieden. Würden dann die USA oder Israel zusammenbrechen, käme es zu Volksaufständen, Systemwechsel? Absurd.

In Venezuela hat geholfen, dass der ausnehmend dumme Präsident Maduro eine Verräterin zu seiner Stellvertreterin machte. Das ermöglichte den USA, durch seine Entfernung dort die Macht zu übernehmen. Das hat aber mit einem Systemwechsel nicht das Geringste zu tun; es herrscht nach wie vor die gleiche Clique von korrupten Funktionären wie zuvor, es gibt keine Berichte, dass es der Bevölkerung besser ginge.

Noch absurder: obwohl auch die USA das Ergebnis der letzten gefälschten Wahlen nicht anerkennen, benützen sie ihre Macht nicht etwa dazu, die um ihren Sieg gebrachte Opposition als neue Regierung zu installieren. Und obwohl die Friedensnobelpreisträgerin Maria Corina Machado alles tat, um das gekränkte Ego des US-Friedensfürsten zu besänftigen, ignoriert sie Trump und anerkennt offiziell die Wahlfälscherin Rodriguez.

Während aber in Venezuela unter einer dünnen Schutzschicht von angeblich revolutionärer Ideologie die Chavistas längst zu einer Bande von korrupten und geldgierigen Machthabern verkommen sind, ist das im Iran ganz anders. Auch dort ist die Führungsschicht korrupt, aber ihre Ideologie basiert auf einem fanatisierten fundamentalistischen Glauben, den die Revolutionswächter offensichtlich auch mit Massakern an der eigenen Bevölkerung verteidigen.

Wenn nun nach Chamenei auch sein Sohn und Nachfolger liquidiert würde, führt das einzig zu einer offenen Militärdiktatur, plus einem möglichen Bürgerkrieg. Oder zu einem Noch-stärker-Werden fanatischer Gläubiger. Wie in Afghanistan, wie im Irak.

Das alles liegt auf der Hand und könnte, sollte, müsste klar ausgesprochen werden.

Dass es das nicht wird, ist kein Anlass zu Verschwörungstheorien. Der Grund ist banal: erschreckende intellektuelle Verödung auf den Redaktionen. Bedenkenloses Nachplappern von Narrativen wie dem, dass es ein «legitimer», wenn nicht gar «guter» Krieg sei, der hier geführt werde.

Während die Weltwirtschaft im Chaos versinkt und die Hürden bei der Rückkehr von asiatischen Feriendestinationen oder aus den beschädigten Glitzerwelten der Scheichtümer bald einmal das kleinste Problem sein werden.

Tamedia im Tiefschlaf

Angriff Israels und der USA auf den Iran: ist da was?

Die NZZ, der «Blick», «20Minuten», CH Media, «blue news», auch «nau.ch» vermelden am frühen Samstagmorgen: «Israel greift Iran an». Das ist möglicherweise der Anfang eines neuen Krieges.

Für den Qualitätsblattkopfsalat Tamedia kein Grund, aus dem wohlverdienten Tiefschlaf zu erwachen. So sah die Homepage noch vor 8.06 h aus:

Eine dreiteilige Serie, gut abgehangen, damit machen die Blätter an der Werdstrasse auf. Am Samstag ruht die normale Redaktion; da arbeitet nur die Rumpfmannschaft der «SonntagsZeitung», insofern das Blatt nicht schon im Verlauf der Woche vorproduziert wurde.

Aber dann, lass niemals eine breaking news ein stolzes, selbstgebasteltes Stück verdrängen, hängt auch Tamedia um 8.07 h die Neuigkeit rein, belässt die Serie aber weiterhin zuoberst:

Tamedia schreibt – wie die anderen auch – Tickermeldungen von DPA, Reuters, AFP und so weiter ab. CNN hat schon längst Live-Aufnahmen auf seiner Webseite, natürlich auch die grossen angelsächsischen Zeitungen.

Sogar die alte Tante nimmt eine Sonderfarbe aus dem Regal und traut sich für ihre Verhältnisse ein Riesenbild zuoberst:

 

Nun ist «Der Arzt, der sich zu Tode arbeitete» ein Rührstück, auf das Catherine Boss und Thomas Knellwolf offensichtlich furchtbar stolz sind.

Allerdings ist der Angriff wieder mal ein Ereignis, das die gestern Nacht abgeschlossenen Printausgaben alt aussehen lässt, wenn sie noch druckfrisch in den Briefkästen lagern.

So sieht zum Beispiel das aus, das der Kopfblattsalat seinen Print-Lesern am Samstagmorgen servierte:

Die Studie über Instagram-Werbung staubt so richtig vor sich hin, und das angeblich künstlerisch bearbeitete Patina-Foto des Arztes verleiht der Frontpage den Groove von alter Möbelpolitur.

Dafür kann natürlich keiner was, das ist halt die Tragik einer eigentlich obsolet gewordenen Methode, Nachrichten zu distribuieren.

Die NZZ hingegen landet einen Glückstreffer, denn selbst God Almighty Eric Gujer konnte nicht ahnen, als er seinen grossen Welterklärungskommentar schrieb, dass er mit seiner Prognose genau richtig liegt:

Die NZZ nimmt sogar den sich anbahnenden Krieg zwischen Pakistan und den Taliban gross mit, womit die These widerlegt wäre, dass Zeitungen normalerweise nur einen Kriegs aufs Mal auf die Reihe kriegen.

Da hat es schon etwas Verschmocktes, wenn der Tagi unerschütterlich an seiner Eigenproduktion festhält; nochmals in aller Schönheit:

Allerdings bedient auch die «Berner Zeitung» aus dem gleichen Hause einige Vorurteile, die man gegen die Bewohner dieses Kantons hat:

 

Und natürlich, der Fluch des Verschiebebahnhofs einer Zentralredaktion, wo Artikel wie Legosteine zusammengestöpselt werden, muss auch die «Basler Zeitung» zuoberst etwas Lokales abfeiern:

Während aber ansonsten CH Media dem Lokalen frönt, hat man hier die Bedeutung des Ereignisses richtig eingeschätzt:

Wahrscheinlich war Qualitätspapst Simon Bärtschi, die publizistische Leiter nach unten bei Tamedia, nach seiner Qualitätssteigerung bei der Behandlung der SRG-Initiative so erschöpft, dass er hier nicht schon wieder eingreifen konnte. Dass dieser Konzern immer noch ein wichtiger Bestandteil der öffentlichen Meinungsbildung ist, Zürich, Bern und Basel beschallt, dabei immer deutlicher zu erkennen gibt, dass ihm journalistische Professionalität schnurzegal ist, ein Trauerspiel. Oder sagten wir das schon.

Immerhin: Sudan

Es ist ein Elend, vor dem (fast) alles andere verblasst.

Die Ukraine? Der Nahe Osten? Der Gaza-Streifen? Die Bombardierung Libanons? Das Gemetzel der fundamentalistischen Wahnsinnigen? Die Kriegsverbrechen der israelischen Regierung, deren Ministerpräsident mit internationalem Haftbefehl gesucht wird?

Schlimme Sachen, täglich, stündlich in allen Massenmedien der Welt dargestellt, beinahe bis zum Überdruss.

Im Sudan findet zurzeit die grösste humanitäre Katastrophe der Welt statt, noch schlimmer als in den das afrikanische Land umgebenden Elendslöchern, noch schlimmer als das Wüten der Militärdiktatur in Myanmar.

Aber alle diese Gegenden der Welt haben etwas gemein: das Leiden der Menschen dort ist uns schlichtweg scheissegal. Der Reporter der «Süddeutschen Zeitung» Arne Perras gehört zu den Wenigen, die immer wieder versuchen, auf diese unsägliche Elend hinzuweisen. Er formuliert zurückhaltender:

«Der Krieg zweier Generäle hat eine Hungersnot ausgelöst, wie sie die Welt lange nicht mehr erlebt hat. Doch der Westen schaut weg

Immerhin, Tamedia, die ja bekanntlich nur noch über eine Rumpf-Auslandredaktion verfügt, deren Chef Christof Münger durch wirre Kommentare zu den US-Präsidentschaftswahlen auffiel, übernimmt für einmal sinnvollerweise eine Leistung der SZ und versteckt sie nicht einmal hinter der Bezahlschranke.

Das sei hier ausdrücklich gelobt.

Natürlich ist die Gebärfreudigkeit der Sudanesinnen ein Problem. Natürlich sind die Ursache, die zu dieser humanitären Katastrophe führen, ebenfalls hausgemacht. Und natürlich hat die ganze grossartige «Entwicklungshilfe» des Westens seit der Unabhängigkeit der schwarzafrikanischen Länder nicht nur nicht gefruchtet, sondern im Gegenteil Schaden angerichtet, brutale Diktaturen unterstützt, denen das Wohlergehen ihrer Untertanen völlig egal ist und die erfreut zur Kenntnis nehmen, dass dumme Westler sich um ihre darbende Bevölkerung kümmern. Es ist keine Lebenshilfe, es ist Todeshilfe, wie die afrikanische Wissenschaftlerin Dambisa Moyo völlig zu recht sagt.

Ein paar Zahlen? 25 Millionen Menschen in dieser Region sind unterernährt, eine Dreiviertelmillion ist akut vom Hungertod bedroht. Mehr als 11 Millionen Menschen sind auf der Flucht. Nach Schätzungen (den wer zählt schon die Toten) sind bislang über 150’000 Todesopfer zu verzeichnen. Und das ist erst der Anfang einer Katastrophe, die Hunderttausende von Menschenleben fordern kann.

Eine der Ursachen dieser Katastrophe ist der Machtkampf zwischen zwei Generälen, der mit äusserster Brutalität geführt wird. Die Skrupellosigkeit geht soweit, dass diese Verbrecher sogar Abgaben oder Schmiergeldzahlungen dafür verlangen, dass Hilfsorganisationen helfen dürfen.

Die kämpfenden Bandenchefs machen sich aller vorstellbarer und nicht vorstellbarer Kriegsverbrechen schuldig. Folter, Versklavung, Massenvergewaltigungen, Völkermord, Bombardierungen und Angriffe ohne die geringste Rücksicht auf die Zivilbevölkerung.

Wie es auch im Nahen Osten vorkommt, nur wird dort mehr oder minder Buch geführt über solche Verbrechen.

Im Sudan interessiert sich der Westen einen Dreck dafür. Dabei wäre es, wenn man sich schon nicht an die Gepflogenheiten des Völkerrechts hält, für eine westliche Militärintervention ein Leichtes, diesem Gemetzel ein Ende zu bereiten.

Aber alle vor Betroffenheit bebenden Gutmenschen, die sich nicht einkriegen, wenn sie wieder einmal einen Fall von Sexismus, Ausgrenzung oder gar Rassismus in der Schweiz erlebt haben wollen, die sich furchtbar unwohl fühlen, wenn sie dem Wort Mohr begegnen, die tapfer für den Genderstern streiten, als hinge das Wohl der Menschheit von dieser Sprachvergewaltigung ab, die verlieren  kein Wort über diese Menschheitskatastrophe.

Warum?

Ganz einfach: falscher Ort, falsche Hautfarbe, falsche Himmelsrichtung. Hier kann kein ideologischer Kampf zwischen Gut und Böse, zwischen richtig und falsch, zwischen dem Wertewesten und dem Unwerteosten geführt werden. Also sollen die Schwarzen dort doch am besten laut- und klaglos verrecken.

Menschenrechte sind unteilbar, jedes Lebewesen ist gleich viel wert. Was für eine unerträgliche Heuchelei von all denen, die das in ihren Gesinnungsgottesdiensten sabbern.

Im Leiborgan der Gesinnungslinken «Republik» findet man im ganzen vergangenen Jahr unter dem Stichwort Sudan ganze 21 Treffer. Ein einziger eingekaufter Artikel beschäftigt sich mit diesem schreienden Elend.

Alleine schon deswegen ist zu hoffen, dass dieses Magazin auch bald verhungert.

 

Wumms: Aline Trede

Die grüne «Nationalrätin und Unternehmerin» heuchelt vor sich hin.

Die Fraktionschefin der Grünen ist keine Zierde des Parlaments. So keifte sie in Fäkaliensprache «Stoppt dieses Scheissbuch», obwohl die umfangreiche Recherche von Michèle Binswanger gar noch nicht erschienen war. Aber sie gehört halt zum Unterstützerkreis einer Zuger Aktivistin, um die es eher ruhig geworden ist.

Auch opportunistische Heuchelei ist ihr nicht fremd: «Ich fliege nicht und finde, dass es in Europa für mich noch genug zu entdecken gibt.» Es gibt allerdings auch in Brasilien und Uruguay genug zu entdecken, weshalb Trede an einem Parlamentarierreisli dorthin teilnahm. Denn merke: Reisen auf Kosten des Steuerzahlers machen am meisten Spass. Und Trede fliegt nicht, ausser sie fliegt doch.

Nun berichtet sie in ihrer Kolumne im «Blick» über einen Ausflug nach Orgosolo. Der sardische Ort ist bekannt für seine Murales, seine Wandgemälde. Die sind in ihren Aussagen nicht über jeden Zweifel erhaben; so wird der deutsche Staatsmann Helmut Schmidt wegen des Todes von RAF-Terroristen in Stammheim als «Experte in Sachen Staatsmord» beschimpft.

Trede hat aber anderes betrachtet: «Zu sehen sind Wandmalereien, die aufzeigen, dass Krieg und Unterdrückung ein Teufelskreis sind.» Daher kümmert sich Trede gleich um die grossen Fragen:

«Warum führt jemand Krieg? Warum sollen alle die gleiche Religion haben? Warum leben einige in Saus und Braus, während andere nichts zu essen haben

Das beschäftigt die Menschheit, seit unsere Vorfahren sich in der Höhle ein Mammut gebraten haben und beim Kauen darüber philosophierten. Aber leider hat auch Trede keine Antwort darauf. Oder höchstens eine kleine:

«Wir sollten mehr in die Friedenspolitik investieren und eine friedenspolitische Strategie entwickeln. Dass diese Diskussion nicht mehr geführt wird, ist auch dem von der bürgerlichen Mehrheit und den Medien sofortigen Abtun als naive Pazifisten geschuldet. Klar bleibt: Frieden ist die einzige Lösung. Krieg hat keine Zukunft.»

Tja, ob die GSoA heute noch ein paar Prozent Stimmen machen würde? Und wo werden Debatten über friedenspolitische Strategien abgetan? Sie werden schlichtweg nicht geführt, am allerwenigsten von Trede.

Aber gut, dass sie endlich eine gültige Antwort gibt. Gewalt ist keine Lösung, wussten wir’s doch. «Krieg hat keine Zukunft», behauptet sie noch kühn. Das wagen wir allerdings zu bezweifeln. Oder sollte das gar eine versteckte (oder offene) Kritik an den Kriegshandlungen Israels sein? Will Trede damit sagen, dass im Nahen Osten endlich Friedensverhandlungen geführt werden sollten? Damit setzt sie sich doch der Gefahr aus, als Antisemitin gebrandmarkt zu werden, ts, ts.

ZACKBUM hingegen hatte nur eine kleine, friedfertige Frage an Trede. Mit welchen Transportmitteln denn die Nicht-Fliegerin auf die Insel Sardinien gelangte. Bequem per Flieger oder tatsächlich mit Zug und Schiff? Aber so friedfertig sich Trede auch gibt, die mitteleuropäische Sitte, auf journalistische Anfragen zu antworten, die geht ihr nachhaltig ab.

Schon als ZACKBUM fragte, wie sich denn die Flugreisen nach Lateinamerika mit ihrem Bekenntnis, nicht zu fliegen, vereinbaren liessen, schwieg sie verkniffen.

Grün ist die Farbe der Heuchelei, das gilt nicht nur in Deutschland.

Ukraine am Ende

Ein paar simple Tatsachen über Kriegsführung.

Man kann einen militärischen Zwerg wie die Ukraine mit genügend Militärhilfe zu einem Scheinriesen aufpumpen. Man kann einen ehemaligen Komiker zum Präsidenten aufblasen, der nach seinem gekauften Wahlsieg eine Weile blendend die Rolle als tapferer Kriegsherr spielt.

Man kann Mal für Mal die drohende Niederlage der russischen Invasoren behaupten, von einer Gegenoffensive faseln und einen «Friedensplan» ernsthaft vorstellen, der von Russland niemals akzeptiert würde. Schon alleine, weil er eine Aburteilung russischer Kriegsverbrecher fordert, das aber bei der Ukraine unterlässt. Man kann auch versuchen, in der Schweiz eine Friedenskonferenz einzuberufen, die Russland zu Recht als Farce bezeichnet. Nicht zuletzt deswegen, weil die Schweiz durch das Mittragen der sinnlosen Sanktionen ihre Neutralität aufgegeben hat.

Man kann daran vorbeisehen, dass Präsidentschaftskandidat Donald Trump schon jetzt verhindert, dass die USA ihre Militärhilfe fortsetzen. Man kann daran vorbeisehen, dass die EU nur einen kleinen Teil der versprochenen Waffenhilfe geleistet hat. Man kann darüber hinwegsehen, dass Präsident Selenskyj in der Ukraine eine Autokratie errichtet hat – ohne Opposition, ohne freie Presse, dafür anhaltend hochkorrupt –, die sich immer weniger von der Autokratie in Russland unterscheidet.

Man kann einem Präsidentendarsteller in martialischer Uniform und sorgfältig gestutztem Kriegsbart zujubeln, obwohl der sein Interesse, an der Macht zu bleiben, über die Interessen seines Landes und des Militärs stellt. Denn es gibt ja keinen Grund, einen erfolgreichen Armeechef wie Waleri Saluschni abzusetzen – ausser, dass dessen Zustimmungswerte haushoch über denjenigen des Präsidenten liegen.

Man kann ständig über den ungebrochenen Kampfeswillen, ja eine Reheroisierung in der Ukraine faslen und den Zustand der russische Streitkräfte als desaströs und nahe an der völlige Niederlage beschreiben.

Man kann darüber hinwegsehen, dass Selenskyj von US-PR-Agenturen beraten und von Mitspielern im Showgeschäft gelenkt wird. Sein Stabschef Andri Jermak war zuvor als Wirtschaftsanwalt und Filmproduzent tätig. Nichts davon befähigt ihn, wie den Präsidenten auch, ein Land im Krieg verantwortungsvoll zu führen.

Man kann darüber hinwegsehen, dass die Ukraine längst den Zeitpunkt verpasst hat, mit Russland einen für beide Seiten akzeptablen Frieden auszuhandeln. Nach fast zwei Jahren Krieg zeigt sich, dass die russische Kriegsindustrie auf vollen Touren läuft, die Sanktionen nur marginale Wirkung zeigen und die Einnahmen aus dem Verkauf von Rohstoffen sprudeln wie nie.

Währenddessen vermeidet die Ukraine nur deswegen den Staatsbankrott, weil immer noch von der EU Mulitmilliarden für das Funktionieren des Staates hineingepumpt werden.

Oder in banalen Zahlen: 831’000 Soldaten gegen 200’000. 4182 Flugzeuge gegen 312. 12’600 Kampfpanzer gegen 1900. Selbstfahrende und geschleppte Artillerie 10’000 gegen 1’800.

Man kann über das Interview herziehen, dass Präsident Putin dem US-Journalisten Tucker Carlson gab, über die Grösse des Tischs oder die Farbe von Carlsons Krawatte perseverieren. Und den Inhalt mit ein paar übellaunigen Nebensätzen abtischen.

All das kann man tun.

Man kann auch behaupten, dass in der Ukraine so ziemlich alle westlichen Werte verteidigt würden, obwohl sie dort nicht existieren. Man kann alte Feindbilder von slawischen Horden, entmenschten russischen Kämpfern, brutalen asiatischen Kriegern wieder aufwärmen. Man kann behaupten, Deutschland müsse sich ernsthaft auf einen russischen Angriff gefasst machen. Obwohl in den letzten Jahrhunderten Russland zweimal von Deutschland und einmal von Frankreich überfallen wurde und selbst niemals Westeuropa überfiel.

All das kann man tun.

Man kann auch jeden Abweichler von dieser Generallinie als Putin-Versteher, Diktatorenfreund, Befürworter von militärischen Überfällen, gar als Landesverräter, Demokratiefeind, nützlichen Idioten, wehrunwilligen Lakaien Moskaus, Opfer feindlicher Propaganda, Defätisten, Diversanten und Befürworter von Diktatur und Unrechtsstaaten denunzieren.

All das kann man tun.

Man kann auch einseitige Kriegspropaganda betreiben wie in den schlimmsten Zeiten der beiden vergangenen Weltkriege, wo die eigene Seite heroisch, blütenweiss, tapfer, menschlich, unerschrocken und siegeswillig dargestellt wird. Die feindliche Seite als verschlagen, dunkelschwarz, feige, unmenschlich, verzagt und wankelmütig.

All das kann man tun.

Man kann aber nicht behaupten, dass damit ein wirklichkeitsnahes Bild der Situation in der Ukraine hergestellt würde. Man kann nicht behaupten, dass so die sogenannten deutschsprachigen Qualitätsmedien auch nur im Ansatz ihrer Aufgabe nachkommen, ihre Konsumenten mit Einordnungen, Analysen und realitätsnahen Beschreibungen zu versorgen, auf dass sich die eine eigene Meinung bilden könnten.

Unabhängig davon, wie der Krieg in der Ukraine ausgeht: eine weitere dramatische Niederlage haben die Massenmedien bereits erlitten. Allerdings nicht durch feindliche Einwirkung, sondern selbstverschuldet.

Kriegsberichterstattung, reloaded

Kann man absurd steigern? Die Medien probieren’s.

Neues vom Sändele im militärischen Sandkasten. Das Kriegsglück schwankt, die Meldungen sind widersprüchlich, aber energisch vorgetragen.

In der militärischen Kommandozentrale des «Blick», aka Samuel Schumacher, «Ausland-Reporter» mit Einsatzgebiet Newsroom, herrscht Konsternation:

Statt Triumphmeldungen von den tapferen Ukrainern muss Schumacher Trauriges vermelden: «Das Fiese am russischen Killer-Kopter: Er kann seine Raketen aus bis zu zehn Kilometern Entfernung abfeuern und sie mit seinem integrierten Laserstrahl auf jedes erdenkliche Ziel in seinem Blickfeld lenken – bei Tag und bei Nacht. Damit liegt der Alligator ausserhalb der Reichweite der allermeisten ukrainischen Flugabwehrgeräte an der Front. Ein verzweifelter ukrainischer Soldat sagte gegenüber der «Bild»: «Wir haben nichts, um die russischen Helikopter in acht Kilometern Entfernung zu bekämpfen

Ist ja wirklich fies von den Russen, eine neue Wunderwaffe einzusetzen, mit der niemand gerechnet hat. Wobei: «Seit 2008 wird der 310-Stundenkilometer schnelle Killer-Heli in Russland seriell hergestellt.» Also eher ein Oldie auf dem Schlachtfeld.

Schon am 21. Juni musste Chiara Schlenz, «Ausland-Redaktorin» mit Einsatzgebiete Bildschirm, Unerwartetes von der Front vermelden:

Da sind die fernen «Kriegsbeobachter» mal wieder «überrascht», diese schwankenden Gestalten. Sie können ja auch nur abschreiben, was geschrieben steht: «Berichte über eine heftige russische Gegenoffensive zur Gegenoffensive häufen sich in den letzten Tagen.» Und versuchen, das Beste draus zu machen: «Diese aufwendigen Verteidigungsanlagen zeugen aber nicht nur von guter russischer Vorbereitung – sondern auch von russischer Angst.»

Wechseln wir zu Organen, die wenigstens behaupten, Journalismus in langen Hosen zu betreiben. In der neu benannten Rubrik «Russlands Krieg» zeigt Tamedia Tierliebe («Tiere suchen nach der Flut von Cherson ein neues Zuhause», was man als Tierporno bezeichnen könnte). Dann erholen sich «Ukrainierinnen, die von Russen missbraucht worden sind, im Zistertienserinnenkloster in Freiburg». Putin gebe «sich ganz volksnah», und im «Ticker» wird auch nur Pipifax vermeldet. Alles ruhig an der Front, wenn man Tamedia glauben will.

Auch CH Media berichtet weitab vom Kampfgeschehen: «Rache ist süss – Putin liquidiert das Wirtschaftsimperium des Söldner-Chefs». Auch der «Ukraine-Newsblog» muss News zusammenkratzen: «Selenski will Ukraine für Basis für Rakentschutzschirm in Europa machen» und «Bedrohter Getreidedeal: EU -Staaten erwägen Zugeständnis an Europa». «Will» und «erwägen», die beiden Allheilverben für: alles reine Spekulation. Eine knallharte Reportage hingegen ist das hier: «Die besten Skiakrobaten der Ukraine trainieren in der Schweiz – was macht der Krieg mit ihnen

Ach, und: «Rätselhafter Angriff in der Wüste – der Druck auf die Wagner-Söldner ausserhalb von Russland steigt». Das haben wir noch vergessen: «Druck steigt», die Allerweltsformel für «nichts Genaues weiss man nicht».

Nun ein militärstrategischer Zwischenruf der Kriegsmaschine «watson»:

Das trifft sich gut; da Putin bekanntlich auch wahnsinnig ist, müssten sich die beiden ausgezeichnet verstehen.

«20 Minuten» hat die geheimen Operationskarten des ukrainischen und des russischen Generalstabs durchgeblättert und versucht es mit einer grafischen Darstellung der Lage:

Korrekt ist sicherlich Transnistrien eingezeichnet, der Rest ist allerdings gegendarstellungsfreier Vermutungsraum.

Weit in die Vergangenheit blickt hingegen die NZZ, um weit in die Zukunft zu schauen:

Tatsächlich korreliert der Rückzug aus Afghanistan mit der Auflösung der UdSSR, wieweit er auch kausal daran beteiligt sein soll, weiss nur Ulrich Schmid, der Russland-Experte auf allen Kanälen. Noch wilder ist sein Blick in die Zukunft: «Was geschieht mit dem Vielvölkerstaat Russland nach einer Niederlage in der Ukraine?» Wenn man das auch historisch sehen will: nichts. Abgesehen davon, dass es zu einer Niederlage noch weit, sehr weit hin ist. Und zur Voraussetzung hätte, dass auch Russland, wie die USA in Vietnam oder Korea, gegen den Ratschlag der Militärs auf den Einsatz von Atomwaffen verzichten würde.

Aber die NZZ sorgt sich auch um die Heimatfront: «Die Schweiz wird als Spionage-Drehscheibe für Russland wichtiger – müssen die Behörden härter durchgreifen?» Die Frage stellen, heisst natürlich für die NZZ, sie auch beantworten.

Wer sich die Mühe machen würde, die Kriegsberichterstattung im Ersten oder Zweiten Weltkrieg durchzublättern, würde wenig überrascht zur Kenntnis nehmen: dass die Wahrheit im Krieg zuerst stirbt, ist eine ewig gültige Wahrheit.

Armes Rammstein

Alles nur geträumt? Tom Kummer will in Bern gewesen sein.

Früher hatten seine Storys bei der «Weltwoche» wenigstens einen Warnhinweis als Packungsbeilage: «Basierend auf wahren Begebenheiten». Oder auf Deutsch: kann so gewesen sein, muss aber nicht.

Wenn man bei einer Reportage nicht weiss, was erlebt und was erfunden, erschwindelt, halluziniert, gedichtet ist, wieso soll man sie dann noch lesen? Also stellte ZACKBUM die Lektüre von Kummertexten als Zeitverschwendung ein. Schlimm genug, dass die «Weltwoche» ihren kostbaren Platz darauf verschwendet.

Nun will Kummer beim Konzert von Rammstein in Bern gewesen sein und schreibt darüber. Das hat – was immer man vom Sänger und von der Musik und den Texten halten mag – die Band nicht verdient. Schon im Lead türmt Kummer Geschwurbel aufeinander: «Überwältigungskunst, deutsche Seele, Richard Wagner, «Blade Runner», Friedrich Nietzsche».

Hier beschleicht einen zum ersten Mal der Verdacht: ist Kummer eine KI? Oder hat er einen Chatbot diesen Text schreiben lassen?

Denn genauso schwülstig geht’s weiter: «Deutsches Bombergeschwader, Heimatkrieg, Bern brennt!» Interessant, dass solche Beschallung ermüdend langweilig sein kann, obwohl der Autor atemloses Stakkato imitieren will. «Hier ist jetzt alles möglich. Auch der Untergang», fabuliert Kummer. Jeglicher Reporterstolz ist bereits untergegangen.

Sieht er aber anders: «ich denke bereits ein wenig wie vielleicht der deutscheste aller Komponisten, Richard Wagner». Denken wie Wagner? Auf eine solche Sottise muss man erst mal kommen. Einzig gesicherte Tatsache ist: so hat Wagner nie gedacht.

«Filmästhetik von Leni Riefenstahl … ewige Strahlkraft der Nazi-Ästhetik, die im Pop nie verschwunden sei … Schlachtenszenen aus «Herr der Ringe»… Bomben fallen! Das Feuer breitet sich jetzt aus … jene vorderste Front, wo in einem wahren Krieg der Fleischwolf beginnt.»

Was wohl Kummer vom wahren Krieg weiss? Wohl so viel wie von Wahrhaftigkeit. Dafür schwurbelt Kummer hemmungslos alles durcheinander: «Es ist jene magische Stelle, von wo aus Helmut Rahn im alten Wankdorf beim WM-Finale 1954 mit dem linken Fuss das Tor schiesst, das heute noch ein Zeichen des Aufbruchs nach dem verlorenen Weltkrieg und den Entbehrungen der Nachkriegszeit gilt.»

Während Kummer wie Wagner denkt und wie ein Irrwisch schreibt, muss nun auch noch Nietzsche dran glauben. Der ist im Banalduktus nie weit: «Er hätte seine wahre Freude an Rammstein gehabt.» Weiss Kummer, der nun wohl auch wie Nietzsche denkt. Aber eigentlich ist er ja an einem Konzert. Oder auch nicht. Weiss man’s? «Es regnet gerade K.-o.-Tropfen – so jedenfalls sieht’s aus, als der Anführer eine Wasserflasche ins Publikum wirft und einige Mädchen auf die Knie fallen, um die Flasche kriechend aufzuspüren.» Check, sagt man da in Kummers Wahlheimat, auch dieser Punkt ist abgehakt.

Aber es ist mal wieder Zeit, beliebig Namen regnen zu lassen. «Goethe, Brecht und KraftwerkTheodor Fontane und die Gebrüder GrimmWilhelm Busch.» Ob da die KI wieder mal mit den Namen deutscher Autoren gewürfelt hat? Wieso ist ihr dann nicht «Dichtung und Wahrheit» eingefallen? Ist doch von Goethe. Hätte Nietzsche auch gefallen. Wagner wollte es vertonen. Busch zeichnen. Alles wahr.

Aber nun schlüpft Kummer aus dem Kopf von Wagner, Nietzsche und wem auch immer. Dafür in den Kopf von Konzertbesuchern: «Es sind auch ältere Menschen darunter, die aussehen, als hätten sie sehr viel Zeit mit Videospielen verbracht, wo sie in Rollen von folternden und tötenden Figuren geschlüpft sind.»

Nun ist Kummer auf Betriebstemperatur: «Die Wankdorf-Frauen, die mich einkreisen, fordern jetzt den totalen Krieg.» Obwohl er an einem Rammstein-Konzert ist, hat er nicht kapiert, wo der Unterschied zwischen künstlerischer Provokation und kunstloser Geschmacklosigkeit liegt.

Aber he, Kummer ist nicht einfach ein normaler Besucher: «Schliesslich gibt’s auch im Wankdorf einen Backstage-Bereich, konnte mich selbst davon überzeugen.» Natürlich gibt’s den, nur: wenn Kummer das behauptet, ist man geneigt, an seiner Existenz zu zweifeln.

Aber leider ist er immer noch nicht fertig, er muss ja noch zur Apotheose kommen, zum Erhabenen, wie das Nietzsche im wagnerischen Sinne mit den Worten Fontanes und in den Zeichnungen von Busch sagen würde. Oder so: «Die deutschen Bomber sind nach Bern gekommen, um uns mit Stechschritt und Poesie, Brachialität und Innerlichkeit, Feuer und Detonationskringel zu unterhalten.»

Das mag ja sein. Aber sie haben vergessen, Kummer Stadionverbot zu erteilen. Oder sie haben es gemacht und er war gar nicht dort. Oder er hat’s Konzert verpasst. Man weiss es nicht. Aber man weiss, dass dieser Text unerträgliches Hypern ist, ein abschreckendes Beispiel dafür, was herauskommt, wenn ein Nichtkönner versucht, New Journalism und Gonzo zu kreuzen. Und Gonzo konnte höchstens Hunter S. Thompson, aber auch der nicht immer.

 

Sudan? Falscher Ort

Und falsche Hautfarbe. Ausserdem zu weit weg.

Seit dem 15. April tobt im Sudan ein Krieg zwischen zwei verfeindeten Warlords, die um die ganze Macht im Land kämpfen. Die «Sudan Armed Forces» unter Abdel Fattah al-Burhan stehen den «Rapid Support Forces» unter Hemedethi gegenüber. Beide verfügen über jeweils rund 100’000 Kämpfer.

Konservativ geschätzt wurden bereits mehr als 2000 Menschen getötet, über 6000 verwundet. Eine Million Menschen sind auf der Flucht. Die wenigen Spitäler sind grösstenteils nicht mehr in Betrieb, Nahrungsmittel, Wasser, Medizin und Treibstoff sind extrem teuer geworden.

Natürlich kochen auch diverse ausländische Mächte dort ihr Süppchen, darunter ein libyscher Warlord, die Wagner Truppe, Ägypten, Äthiopien und die Vereinigten Arabischen Emirate. China, der französische Konzern TotalEnergies oder der US-Multi Chevron Corporation kümmern sich um die Ausbeutung der Ölvorräte des Landes.

Also alles in allem ein Desaster mit Hunderttausenden von Vertriebenen, Verhungernden, Elenden. Nur: ab und an poppt eine Meldung in den Medien auf. Aber gibt es ernsthafte Anstrengungen, den Konflikt zu befrieden? Sollen die Warlords mit Sanktionen zur Räson gebracht werden? Wird Druck auf alle Länder ausgeübt, die die Kriegstreiber mit Waffen und Ausrüstung versorgen? Fordert wenigstens Fabian Molina die sofortige Aufnahme von ein paar tausend Flüchtlingen?

Ach wo. Warum ist das so? Auch wenn es alle Gutmenschen, die am liebsten in einer ukrainischen Flagge eingewickelt schlafen, entrüstet abstreiten würden: interessiert niemanden wirklich. Schwarzafrika. Elendsloch. Immer das Gleiche. Neger, Pardon, Schwarze, Pardon, PoC metzeln sich ab. Kein blauäugiger Weisser weit und breit. Keine Lichtgestalt vorhanden, im Kampf gegen den Bösewicht. Zu kompliziert. Zu weit weg. Man kann sich doch nicht um alles kümmern.

Die Kamikaze-Krakeeler

Widersprich nie deinen Lesern. Alte Journalistenregel. Pfeif drauf.

Von Strack-Zimmermann aufwärts und abwärts gibt es Flachdenker, die meinen, Massenimmigration führe zu einer multikulturellen Durchmischung und Bereicherung der Gesellschaft.

Es gibt auch Flachdenker, die meinen, eine militärische Auseinandersetzung mit einer Atommacht könne man auf dem Schlachtfeld gewinnen. Die wollen als strahlende Sieger in den atomaren Holocaust marschieren.

Unterwegs dahin plappern sie ein Sammelsurium von Narrativen nach, die von geschickten US-PR-Buden in die Welt gesetzt wurden.

Kurze Packungsbeilage: natürlich ist der Überfall Russlands auf die Ukraine völkerrechtswidrig, geschieht unter Bruch eigener Versprechen und macht Russland zu einer Atommacht, der man längere Zeit nicht vertrauen kann, selbst wenn sie heilige Eide schwört.

Warum genau soll Russland eine militärische Niederlage in der Ukraine erleiden?

– weil hier der freie Westen gegen eine slawische Diktatur kämpfe

– weil Putin nach der Ukraine den übrigen Ostblock aufrollen wolle, gebietet man ihm dort nicht Einhalt

– weil es darum gehe, die ukrainische Demokratie, Souveränität und den heldenhaften Wehrwillen zu unterstützen

– weil Russland als Verlierer für die angerichteten Schäden aufkommen müsse. Ersatzweise können auch beschlagnahmte russische Vermögen dafür eingesetzt werden

– weil ein solcher Bruch aller Regeln des friedlichen Zusammenseins nicht geduldet werden könne

– weil die ganze Welt diese Invasion verurteile und Russland mit Sanktionen bestrafe

– weil Putin und seine Kamarilla vor ein internationales Kriegsgericht gehörten

– weil Präsident Selenskjy und seine Getreuen die Werte des freien Westens und die Demokratie verteidigten

– weil Putin zweifellos böse, irr, verbrecherisch, wahnsinnig, machtgierig, hinterhältig und keinem vernünftigen Argument zugänglich sei

– weil er und ganz Russland bestraft werden müssten

– weil Russland die Fähigkeit genommen werden müsse, das nochmal zu probieren

Einige dieser Argumente sind dermassen bescheuert, dass sich eine Widerlegung kaum lohnt. Es genügt, den wahren Satz des wohl einflussreichsten Intellektuellen der Welt wieder und wieder zu wiederholen. Noam Chomsky sagt:

Kriege werden nur auf zwei Arten beendet. Durch eine vollständige Niederlage einer der beiden Kriegsparteien – oder durch Verhandlungen.

Eine vollständige Niederlage Russlands ist ausgeschlossen, eine vollständige Niederlage der Ukraine ist denkbar, aber nicht sehr wahrscheinlich.

Nun gibt es Schlaumeier, die sagen: ja, sicher, irgendwann muss es Verhandlungen geben. Aber vorher muss Russland so geschwächt werden, so herbe Verluste hinnehmen, dass auch seine Verhandlungsposition geschwächt ist.

Diese Sandkastengeneräle wünschen also aus ihrer wohlig beheizten Klause heraus, dass es noch möglichst viele weitere Tote in der Ukraine gibt, noch mehr Infrastruktur zerstört wird, noch mehr Leid und Gram über die Bevölkerung hereinbrechen. Das ist schlichtweg widerwärtig.

Da nicht die ganze Welt, sondern nur eine einstellige Zahl von Staaten (wenn man die EU als ein Staatsgebilde nimmt) Sanktionen gegen Russland verhängt haben, ist es auch illusorisch anzunehmen, dass die Atommacht mit angeschlossener Rohstoffindustrie wirtschaftlich in die Knie gezwungen werden kann. Im Gegenteil, in erster Linie leiden unter den Sanktionen schwächere europäische Staaten.

Völlig pervers werden sie, wenn sie beispielsweise die Produktion von Düngemitteln betreffen. Darunter leidet dann nicht Russland (oder die Düngemittelfabrtikanten), sondern die Dritte Welt, von allem afrikanische Staaten, die sich den Import von dringend benötigten Düngemitteln nicht mehr leisten können. In Afrika ist von einer heraufziehenden schweren Hungersnot die Rede, was aber im Westen keinen interessiert. Oder in Umkehr von Ursache und Wirkung wird das auch Russland in die Schuhe geschoben.

Vielleicht sollten sich diese Kriegsgurgeln eine einfache Frage stellen: ist die Unterstützung eines zutiefst korrupten Oligarchenregimes eines Staates, der erst seit etwas mehr als 30 Jahren taumelnde Schritte in die Selbständigkeit unternimmt, das Risiko eines Atomkriegs wert?

Ist ein Präsident, der ein begabter Schauspieler ist, unter martialischem Olivgrün seine Muskeln spielen lässt, sich mitsamt Gattin sogar in der «Vogue» wie von Leni Riefenstahl inszeniert ablichten lässt, ist ein Präsident, der sich seine Präsidentschaft von einem Oligarchen kaufen liess, der damit ein eigenes Milliardenproblem löste, ist ein Präsident, der selbst Multimillionär ist und prominent in den letzten geleakten Papieren über Offshore-Konstrukte vorkam, ist ein Präsident, der masslose Korruption duldet, bis er nicht umhin kann, fürs Schaufenster durchzugreifen, ist ein Präsident, der die Opposition und potenzielle politische Konkurrenten übel unterdrückt, ist ein Präsident, der eine Pressezensur betreibt, die der russischen in nichts nachsteht, ist ein solcher Präsident wirklich die Lichtgestalt, für die wir alle in den Tod gehen wollten?

Früher gab es den blöden Spruch «Lieber tot als rot.» Dabei wäre «lieber rot als tot» viel intelligenter, hoffnungsfroher, subversiver, lebensbejahender gewesen.

Daher hat ZACKBUM eine klare, eindeutige Meinung, insofern die überhaupt eine Rolle spielt, was die Unterstützung der Ukraine mit noch mehr Waffen und mit noch gewaltigeren Waffen betrifft.

Sie lautet nein. Nein, und nochmals NEIN.

Wir sind da nicht ganz alleine. Das Manifest für den Frieden ist innert kürzester Zeit bereits von knapp einer halbe Million Menschen unterschrieben worden.