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Quellenstudium à la Tagi

Wer war gewalttätig? Erregte Massnahmengegner oder Agents Provocateurs? Tamedia probiert eine neue Methode der Wahrheitsfindung.

Auch Tage nach der Demo vom Donnerstag in Bern gehen die Wogen noch hoch. Wer war gewaltbereit, wer hat am Zaun gerüttelt, wer hat wen provoziert, wer hat eskaliert?

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

Während sich der SoBli darum kümmert, alles in einen Topf zu schmeissen, von den «Freiheitstrychlern» über Ueli Maurer bis zum Referendumskomitee, das erfolgreich 50’000 Unterschriften gegen das Milliarden-Subventionsgesetz für Medien gesammelt hat, geht Tamedia investigativ auf Spurensuche.

Im ganzen Schlamassel vom Donnerstagabend gibt es zwei Vorfälle und eine Behauptung, die besonders kontrovers dargestellt werden. Haben Gegendemonstranten der sogenannten Antifa-Bewegung gewalttätig versucht, den Demonstrationszug aufzuhalten und dabei einen Sicherheitsmann der Freiheitstrychler «mittelschwer» verletzt, wie die behaupten?

Waren es Demonstrationsteilnehmer oder Provokateure, die solange am Absperrgitter vor dem Bundeshaus rüttelten, bis die Polizei Wasserwerfer einsetzte? Wurde dabei vom Ordnungsdienst der Demonstration deeskalierend eingegriffen oder weggeschaut?

Trifft es schliesslich zu, dass ein «Sturm aufs Bundeshaus» gerade so abgewehrt werden konnte?

Zusammenfassend: Kann man aus all diesen Ereignissen schliessen, dass die «Gewaltbereitschaft» der Massnahmen-Kritiker zunimmt?

Heutzutage wird alles aufgezeichnet und ist digital vorhanden

Angesichts der heutigen Handyvideo-Kultur sollte es doch möglich sein, all die kontrovers dargestellten Vorfälle zu dokumentieren und mit Zeugenaussagen den Ablauf zu rekonstruieren. Eigentlich eine klassische Aufgabe für ein Qualitätsmedium wie die «Berner Zeitung». Oder den «Bund». Oder den «Tages-Anzeiger». Oh, das ist ja alles das Gleiche.

Nein, das war nicht am Donnerstag letzter Woche.

Macht ja nix, die Aufgabe ist klar und lösbar. Wäre. Im Titel des Tamedia-Kurzartikels wird immerhin das Problem adressiert, wie man so schön sagt:

«Nach der eskalierten Corona-Demo in Bern geben prominente Massnahmengegner linken Gegendemonstranten die Schuld für die Gewalt. Daran gibt es jedoch Zweifel.»

Lassen wir die Definition der Begriffe «eskaliert» und «Gewalt» beiseite. Also, wie spielte sich die Auseinandersetzung zwischen Gegendemonstranten der Antifa und den Manifestanten ab? Da kommt nun sicher eine Zusammenfassung der Recherche-Ergebnisse einer Zentralredaktion plus der Doppelpower von immer noch existierenden zwei Lokalredaktionen zu Bern.

So sieht es in Bern aus, wenn Gewalt eskaliert.

Zunächst schildert Christoph Albrecht ausführlich, wie die Massnahmengegner versuchten, «den Spiess umzudrehen» und anderen die Schuld für Eskalationen in die Schuhe zu schieben. Vielleicht etwas länglich, aber gut, wieso nicht. Schliesslich steigert das die Spannung auf die Ergebnisse seiner Eigenrecherche.

Leider wird die Spannung grausam enttäuscht: ««Das «Megafon» lässt an der Darstellung der Massnahmengegner jedenfalls deutliche Zweifel aufkommen. Auf Twitter hat die Zeitung aus der Berner Reitschule die Vorkommnisse vom Donnerstagabend akribisch aufgearbeitet.»

  • Wie bitte?

Lobeshymne im «Schweizer Journalist».

Kann Albrecht (29) noch für sich in Anspruch nehmen, als Kindersoldat im Lokalressort der «Berner Zeitung» mildernde Umstände einzufordern? Das höchsten journalistischen Standards und der Objektivität verpflichtete «Megafon», das Gewaltexzesse jeglicher Art und vor allem um die Reitschule herum immer klar und deutlich verurteilt hat, soll Tamedia die Recherche abgenommen haben? Auf Twitter? «Akribisch»?

Faulpelz Albrecht stört sich nicht einmal daran, dass auf dem «Megafon»-Twitterkanal die Videos über die Auseinandersetzungen zwischen schwarzem Block und Demonstranten bis fast zur Unkenntlichkeit weichgezeichnet oder verpixelt sind. Erkenntniswert, wie auch die Interpretation anderer Aufnahmen: null.

800 Abos, weitgehend anonyme Redaktion.

Man könnte fairerweise sagen, dass es weder für die Behauptung Provokateure noch für den genauen Hergang, der zur Verletzung eines Sicherheitsmannes führte, sachdienliche Hinweise gibt. Auch nicht zur Frage, ob das Sicherheitspersonal wegschaute oder Schlimmeres verhindern wollte.

Das Material ist weder akribisch zusammengestellt, noch aussagekräftig

Klar erwiesen scheint mit diesem Material nur, dass von einem drohenden «Sturm» auf das Bundeshaus nicht im Ansatz die Rede sein kann. Eine Handvoll Chaoten rüttelt am Absperrgitter, wird abgeduscht und verzieht sich. Als Höhepunkt der Gewalteskalation tritt einer sogar dreimal ans Gitter. Mit Anlauf, aber ohne Erfolg.

Ist das alles ein Beleg dafür, dass die «Gewaltbereitschaft» der Demonstranten zugenommen habe? Im Gegenteil, auf der Tonspur hört man immer wieder Rufe, sich ja nicht provozieren zu lassen. Dafür, dass sich eher konservative Manifestanten Aug in Aug mit Schwarzvermummten gegenüberstanden, ging es eigentlich wie bei der Kappeler Milchsuppe zu. Hätte nur noch ein grosser Topf gefehlt.

Aber all das wird überstrahlt von einer Bankrotterklärung des grössten Medienkonzerns der Schweiz. Echt jetzt, das ist alles, was Tamedia zur Aufklärung der Vorfälle beitragen kann? Und das soll eine Steuermilliarde an Zusatzsubventionen wert sein?

Das kann ja wohl nicht Euer Ernst sein, lieber Arthur Rutishauser, lieber Herr Supino.

 

Ex-Press XLV: Was berichtenswert ist

Blasen aus dem Mediensumpf: «All the News that’s Fit to Print». Sagt immerhin die NYT. Was sagen die Schweizer Medien?

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

Ein Überblick ist schnell erstellt. Man muss schlieslich nur Tamedia mitsamt allen Kopfblättern, dito CH Media, die NZZ und den «Blick» anschauen, dann weiss man, welche News sich am Donnerstag, 16. September 2021, in der Schweiz für die Publikation eigneten.

Wir haben jeweils die Printausgabe herangezogen, dafür wollen die Verlegerclans ja am meisten Steuerbatzeli.

Frauen in Not bei Tamedia

Beginnen wir in der unteren Mitte, also bei Tamedia. Der grösste Medienkonzern der Schweiz macht auf das Schicksal von Frauen und Kindern in Not aufmerksam. In Afrika? In Afghanistan? Ach was, in der Schweiz natürlich.

Der grosse Tageskommentar auf Seite zwei widmet sich der in der Schweiz rasend interessierenden Feststellung: «Merkel umarmt die Autokraten.»  Über ihre Abschiedsreise durch den Balkan darf sich Enver Robelli «irritiert» zeigen, was sicherlich nichts mit seinem persönlichen Erleben, seinem, wie sagt man’s korrekt, Migrationshintergrund zu tun hat.

Seite drei, früher mal eine Institution bei der «Süddeutschen Zeitung», widmet sich dem «Siegeszug des COVID-Zertifikats». Das sei inzwischen «breit akzeptiert». Kann man so sehen, muss man nicht. Auch die nächste Seite ist sozusagen einer idealen Mischung gewidmet. Corona plus SVP-Bashing: «Das SVP-Manöver mit den Corona-Tests». Zuerst seien die SVP-Bundesräte gegen die weitere Kostenübernahme gewesen, nun protestiere die SVP gegen kostenpflichtige Tests. Widerspruch, typisch, wissen nicht, was sie wollen. Populisten halt.

Dass die SVP-Partei ihren Protest mit der Einführung der Zertifikatspflicht nach diesem Bundesrats-Entscheid begründet, was soll’s, Manöver ist doch ein hübscher Titel über einer Null-Meldung.

Gibt es wenigstens international ein anderes Thema? Nun, da hängt man halt von der Süddeutschen ab, und für die ist Deutschland nicht ganz unwichtig: «Für Ungeimpfte wird es ungemütlich», hat die SZ recherchiert. Wenn die schon sechs Mitarbeiter dafür in die Schlacht werfen, muss das doch den Schweizer Leser interessieren, sagt sich Tamedia. Und nach 34 Seiten ist dann Schluss mit schlappem Inhalt, für happige Fr. 4.20.

Weiter im Mittelfeld; das Wanner-Imperium

Wir bleiben im Mittelfeld und wechseln zur Keimzelle des Wanner-Imperiums. Stellvertretend für all seine Kopfblätter nehmen wir das «Badener Tagblatt». Hier geht man auf Nummer sicher; der Knatsch um die unklarte Situation an Schulen ist immer eine Titelstory wert.

Als Aufmacherfoto hat man aus Verzweiflung eine Aufnahme aus glücklicheren Tagen des verunfallten Formel-1-Stars Michael Schumacher genommen. Anlass: eine Netflix-Dokumentation. Der Kanal ist zwar in der Schweiz nicht ganz unbekannt, aber nicht wirklich ein Mehrheitsprogramm.

Auch hier ist Seite 2 Meinungen reserviert. Die sind nicht nennenswert, aber ein Kurzbericht aus Pakistan lässt aufhorchen. Nein, nicht das, was Sie vielleicht denken. Es geht hier um den Klimawandel, eine Hitzewelle und den Zoo in Karachi. Dort bekommt nämlich eine Riesenschildkröte, obwohl die «aufgrund ihres Alters einiges gewohnt» sei, einen sparsamen Gutsch Wasser auf ihren Panzer. Wahnsinn, das «Bild des Tages».

Auch Seite drei ist einem Tier gewidmet, also einem Tierforscher: «Er liest die Spuren des Wolfes». Vielleicht eine Fortsetzung von «Der mit dem Wolf tanzt» oder so. Bevor man meinen könnte, sich in die «Tierwelt» verirrt zu haben, schlägt das BT im Ausland die Alarmglocke. Corona? Nein, für einmal nicht: «Europa droht eine Stromlücke». Ein Thema, das schon seit dem Atomausstieg immer mal wieder herangezogen werden kann, wenn wirklich tote Hose ist.

Erst auf Seite 17 geht’s endlich zur Sache: «Die Impf-Mär von den Fehlgeburten». Ein Schlag gegen Corona-Leugner und Fake-News-Verbreiter. Nach 36 Seiten ist auch hier Schluss, trotz zwei Seiten mehr als der Tagi kostet’s hier nur Fr. 3.50.

Wir spazieren zum Boulevard

Wenn sogar nicht mal ein Büsi von der Feuerwehr aus dem Baum gerettet werden muss, dann herrscht Verzweiflung auf dem Boulevard. Sex, Blut und Busen ist ja verboten, seitdem der «Blick» inklusive Regenrohr im Logo viel weiblicher werden will.

Da bleibt nur eins: die Lebensbeichte. Natürlich nicht irgendeine, sondern die «erschütternde» eines «Komikers». Wer noch nie vom «Divertimento-Star Jonny Fischer» gehört hat: macht nix, man kann doch trotzdem erschüttert sein.

Ein bisserl Crime muss dann schon noch sein; nicht erschüttert, sondern «fassungslos» sind «Freunde und Nachbarn der toten Geschwister von Frick AG». Denn die sind Opfer eines Verbrechens geworden, und der «Blick» läuft zu Überresten der alten Form auf:

«Eine Anwohnerin hat zudem beobachtet, wie ein Polizist den Hund des Ehepaars weggetragen hat.»

Ergebnisse seiner Befragung liegen aber offenbar noch nicht vor.

Hier ist dann schon nach 22 Seiten Schluss, dafür kostet’s auch nur Fr. 2.50.

Hinauf zur NZZ

Damit könnte man sich aber etwas mehr als eine halbe NZZ kaufen, die kostet schliesslich Fr. 4.90. Für ebenfalls 32 Seiten.

Die traut sich, den Gottseibeiuns aus Herrliberg prominent aufs Cover zu heben. Ein Foto in Übergrösse und in Farbe, das hätte vor 30 Jahren noch allen NZZ-Redaktoren den Magen umgedreht, nicht nur wegen des Sujets.

Aber schon auf Seite 2 zeigt die alte Tante, dass sie halt schon ein anderes Kaliber ist. Bericht aus Afrika «Mit einer Tombola gegen Impfskepsis», «Machtkämpfe in Haitis Regierung», «Wer profitiert, wenn Amerikas weisse Bevölkerung schrumpft?», «Amnestiepläne in Nordirland empören Angehörige von Terroropfern», dann anderthalb Seiten Interview mit dem Übervater der SVP:

«Die Treichler verstopfen zurzeit nicht die Intensivstationen».

Dazu ein Ranking der wichtigsten Ökonomen der Schweiz, ein wie immer unterhaltsamer Essay von Slavoj Zizec und weitere Guetzli im Feuilleton, das hat durchaus Niveau.

Natürlich kann man den Printausgaben nicht vorwerfen, dass sie die Bombe, die die «Weltwoche» am Donnerstag platzen liess, nicht aufnahmen. Ihren Internet-Auftritten allerdings schon.

Der Tagi und das Treicheln

Normalerweise machen Kuhglocken Kühe wahnsinnig. Kann aber auch bei Journis passieren.

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

 

Ueli Maurer, also unser Ueli, kann verschiedene Grassorten am Geschmack erkennen. Das kann nicht jeder Bundesrat. Maurer ist durchaus volkstümlich und volksnah. Das möchte jeder Bundesrat, die meisten kriegen’s aber nicht hin.

Nun geschah Unerhörtes, aber Fotografiertes. Maurer hat an einem Anlass teilgenommen. Das «Megafon» der «Reitschule Bern» hat’s gemerkt und sofort einen Tweet gebastelt. Genau, das sind die, die es lustig finden, den Kopf einer missliebigen Journalistin in eine Hinrichtungsszene zu mechen.

Die kollegialen Kollegen der Reitschule.

Diesmal legen sie aber Wert auf die Feststellung, so als bekannte Fälscher: «Ja, das Bild ist echt.» Ob die neben Maurer abgebildeten Personen mit der Veröffentlichung einverstanden sind, das kümmert die Schützer von Personenrechten allerdings einen Scheiss. Denn es geht – natürlich – um die gute Sache.

Also um die Denunziation einer schlechten Sache. Denn die Staatskundler wissen auch: «Nein, das ist nicht mit dem Kollegialitätsprinzip vereinbar.» Bis hierher ist’s eine weitere pseudo-satirische Veranstaltung, lustig für wenige.

Tamedia gibt Vollgas

Richtig brüllend komisch wird’s aber, seit Tamedia, immer auf einschlägigen Plattformen unterwegs, das Foto erspäht hat. Das gab vielleicht ein Hallo, wie seit dem Protestbrief gequälter Tamedia-Frauen nicht mehr.

Grosse Krisensitzung, volles Programm, alle guten Kräfte an Bord, die Gelegenheit für die krankgeschrumpfte Rumpfredaktion, mal wieder zu zeigen, was Einsatz ist. Berichterstattung, Nachzug, Kommentar, «the works», wie Journis zu sagen pflegen. Denn es ist ein Skandal, wie Journis schnell japsen.

«Umstrittene Aktion: «Maurer sägt an der Glaubwürdigkeit der Schweizer Corona-Politik»», dazu ein fäustelnder Kommentar: «Ueli, der Zündler» von einem Redaktor, der sich an den Titel eines Romans erinnert. Plus, wo gefuchtelt wird, darf Zeusler Andreas Tobler nicht fehlen: «Dialog oder gezielte Provokation: Ueli Maurer posiert mit radikalem Impfgegner». Das ist übrigens der gleiche Tobler, der «Roger Köppel tötet. Tötet Köppel Roger» für eine verzeihliche theatralische Überhöhung hält. Oder sich der Leichenfledderei am Soziologen und Philosophen Michel Foucault schuldig macht.

Bei Tamedia benützt sie eher ein Dienstbote denn ein Meister …

Christian Zürcher weiss, was er der Staatsmilliarde und seinem Arbeitgeber schuldig ist:

«… nicht nur egoistisch – es ist auch verantwortungslos. … Hasseskalation. … Seine Bundesratskollegen bewegen sich heute nur noch mit erhöhtem Polizeischutz in der Öffentlichkeit.»

Der letzte Satz ist an demagogischer Perfidie schwer zu überbieten. Denn er impliziert, dass Maurer dazu einen Beitrag leiste – und selbst keinen Polizeischutz brauche, weil er ja bei denen verkehre, die sich «gern am Rande des Legalen» bewegen, wie die Freiheitstreichler eben, diese Kuhglocken-Anarchisten, diese militanten Staatsgegner, diese gewaltbereiten Hooligans, von deren Konfliktpotenzial sich jeder friedliebende Reitschule-Sympathisant mehrere Scheiben abschneiden könnte.

Aufruf zur Gewalt?

Tamedia mit Alarmsirene gegen Kuhglocken

Deshalb muss Zürcher nicht die Kuhglocke, aber die Alarmsirene betätigen: «Die Aktion des Finanzministers ist nicht nur ein Protest gegen den Bundesrat. Sie ist auch gefährlich, gerade im aufgeheizten Klima dieser Tage.»

Das zeigt sich insbesondere, wie Tobler weiss, indem sich Maurer doch erfrechte, sich neben einem furchterregenden «ultra-radikalen Massnahmen-Kritiker» ablichten zu lassen. Diese Schreckensgestalt trete auf sozialen Medien als «Attila der Kluge» auf, hat Tobler knallhart recherchiert. «Auf seinen Kanälen teilt «Attila der Kluge» täglich Fake News zur Impfung», erschreckt sich Tobler.

Noch schlimmer:

«So forderte jemand in seinem Chat, einen Molotowcocktail auf einen Impfbus zu werfen. Das Votum blieb auf Telegram unwidersprochen.»

Wir schauen hier in gewaltbereite Abgründe. Insgesamt vier Tamedia-Fachkräfte haben den Beweis geführt.

Treicheln – Maurer – Hemd – Foto – Moltowcocktail.

Dagegen ist doch ein lustiger Theatermord an Roger Köppel Pipifax. Tobler, der Frauenversteher und Heuchler, senkt mal wieder das Niveau bei Tamedia ab, und das ist gar nicht so einfach.

Treiben Journis zum Wahnsinn: die «Freiheitstrychler».

Kürzlich wurde ZACKBUM beim Einkaufen von einem unglaublichen Lärm angelockt. Auf einer Grünanlage fand tatsächlich eine Demonstration von Massnahmenskeptikern statt. Ein bunter Haufen, darunter ein kleiner schwarzer Block mit einer Anarcho-Fahne. Friedlich vereint mit eben diesen «Freiheitstrychlern», die einen Riesenkrach veranstalteten.

Seither wundert sich ZACKBUM, wieso es nicht häufiger Fälle von durchdrehenden Kühen gibt, die durch das ewige Geläute wahnsinnig geworden sind. Aber Tamedia und Tobler beweisen, dass solche Anfälle auch ohne treicheln möglich sind.

 

Hilfe, mein Papagei onaniert!

Geflattertes und Absurdes: Die Welt als Corona und Taliban.

Zum Aufwärmen zwei Müsterchen aus Kannixverstan und Absurdistan:

«Und aus allen Poren dieser Musik quellte sie heraus, diese unfokussierte Melancholie, mit der die Dead Brothers europaweit zu gut frequentierten Dealern süchtigmachender Kaschemmenmusik arriviert sind.»

Alain Croubalians ist schon tot, wieso dann auch nicht gleich die starke Konjugation um die Ecke bringen, sagt sich Ane Hebeiesen von Tamedia. Was diese Musik mit Kaschemmen zu tun hat, lässt sich wohl auch nur so erklären, dass der Autor bemüht ein absonderliches Wort suchte, um vom Nonsensbegriff «unfokussierte Melancholie» abzulenken.

«Am Folio-Jubiläumsanlass im November sprechen Sie mit Bundesrätin Simonetta Sommaruga über die Welt von morgen. Was ist für Sie die drängendste Frage?
Wie tut man das Richtige, wenn man nicht weiss, was das Richtige ist?»

Diese Antwort von Aline Wanner (seit 8 Monaten Leiterin von «NZZ Folio») ist zwar grammatikalisch und so in Ordnung. Dafür völlig dadaistisch in der Aussage.

Das wahre Leben in Afghanistan

Aber kommen wir zu den wirklich wichtigen Dingen des Lebens. Genau, eines davon ist Afghanistan. So weit weg, aber doch so nah. Die Taliban sorgen auch durchaus für Spass und Unterhaltung, denn so stellt man sich den Präsidenten einer Nationalbank eher nicht vor:

Blüten oder blaue Bohnen oder beides?

Aber die Lage ist natürlich zu ernst für Scherze, das möchte Tamedia gleich doppelt unterstreichen:

Neuste Sparmassnahme: das gleiche Foto tut’s immer.

Problematischer ist allerdings die fortgesetzte Sparmassnahme: nicht nur die Fotos sind identisch, auch der Autor beider Artikel. Es handelt sich um Tobias Matern. Laut Autorenseite der «Süddeutschen» ist er «Jahrgang 1978, als Chef vom Dienst zuständig für die Themensteuerung der Außenpolitik. Er war während der Hochphase des Afghanistan-Krieges Korrespondent für Süd- und Südostasien mit Sitz in Delhi und Bangkok

Tamedia hat nicht mal alle seine Artikel übernommen …

Delhi ist bloss knapp 1000 km von Kabul entfernt, Bangkok dann schon 3900. Aber bei Hochphasen von Kriegen ist es immer gut, weitab vom Geschütz zu sein. Es erinnert aber gleichzeitig an den Scherz, was ein wirklich trockener Dry Martini sei. Bei dem werde die Martini-Flache nur am Glas voll Gin vorbeigetragen. Was James Bond aber scheissegal ist.

Das hindert Matern natürlich nicht, der Welt, dem Westen, Deutschland und somit auch der Schweiz zu erklären, was die überraschende Tatsache bedeutet, dass die Taliban doch keine Frauen in die Regierung berufen haben. Dabei waren wir schon hoffnungsvoll, dass es vielleicht sogar die erste Präsidentin Afghanistans geben könnte. Aber stattdessen zerstörte Illusionen, bis nach München.

Jetzt wird’s ernst: Corona!

Das Thema ist ernst und so umfassend, dass wir es eigentlich nur noch als Fotoromanza erzählen können. Covid-19, muss man leider sagen, schwächelte diesen Sommer etwas als Spalten- und Lückenfüller. Vorbei, jetzt geht’s wieder in die Vollen. Exemplarisch in der ausgewogenen Berichterstattung ist natürlich das Hausblatt der tiefen Denke, der tiefergelegten Analyse, mit einem Wort Frank A. Meyers «Blick».

Schritt eins: ungeimpft ist blöd.

Schritt zwei: ungeimpft ist wirklich blöd.

Schritt drei: ungeimpft ist so blöd, oder sagten wir das schon?

Schritt vier: das passiert mit Blödis.

Da kann natürlich CH Media nicht hintenanstehen.

Die Landesregierung macht eine Kehrtwende. Man erinnert sich an die Aussagen des BAG: Die Normalisierungsphase beginne, wenn «alle impfwilligen erwachsenen Personen geimpft» seien. Die «verbleibenden Massnahmen» sollten dann «schrittweise aufgehoben werden». Jetzt kommt’s:

«An dieser Strategie soll auch dann festgehalten werden, wenn die Impfbereitschaft der Bevölkerung entgegen der Erwartung tief bleibt.»

Ein Drittel der Eidgenossen ist noch ungeimpft, aber denen sagt der Bundesrat nun: selber schuld, ihr Idioten, dann bleibt doch zu Hause. Also eine glatte Kehrtwendung, normalerweise Anlass zu gerunzelter Stirn (NZZ), staatstragender Kritik (Tamedia, CH Media) und Gebrüll («Blick»). Doch in Erwartung einer zusätzliche Subventionsmilliarde sind alle Qualität- und Mainstreammedien ungeheuerlich obrigkeitshörig. Ein widerlicher Vorgeschmack auf Kommendes, sollte das Referendum keinen Erfolg haben.

Da lobte man sich selbst solche Einschübe bei «Blick», eigentlich besser als die nächste Covid-Kreische:

Aber es gibt noch andere Wichtigkeiten

Zum Beispiel diese hier:

Hier warnen gleich zwei «Kolumnistinnen» von «Tamedia» vor den Gefahren, die von fundamentalistischen Wahnsinnigen drohen. Öhm, Pardon, nein, die auf Restaurant-Toiletten lauern. Und nochmals nein, damit sind keine notgeilen Männer gemeint.

Turbinen-Handtrockner sind natürlich eine Pest. Lieber ungewaschen wieder raus, sagt sich da frau. Bei Otto, dem deutschen Blödelbarden, war das Thema wenigstens noch lustig. «Küss mich, sagt der Frosch zur Schönen, ich bin ein Prinz. Sie küsst ihn, aber der Frosch hatte gelogen. In Wirklichkeit war er ein verwunschener Föhn. Und wenn sie nicht gestorben sind, föhnen sie sich noch heute.»

Dank, nun ja, deutscher Quelle informiert Tamedia auch über einen fernen, deutschen Riesenskandal, bereits als «Pimmelgate» in den deutschen Medien gehandelt:

Seit Gerigate in Baden gab’s kein solches Pimmelgate mehr.

Aber, zugegeben, das letzte Absackerchen schlägt alles andere:

Wir wollen nicht wissen, was der Jäger getan hätte, wenn er ein Reh für ein Pferd gehalten hätte. Gesattelt und in den Sonnenuntergang geritten?

 

«Etwas Grausames»

Autoren müssen ihre Bücher promoten.  Also geben sie Interviews. Auch an Nora Zukker. Das tut weh.

Zunächst eine gute Nachricht: «Juden canceln»-Simone Meier, die «Kulturjournalistin des Jahres» («Schweizer Journalist:In*»), hat (noch) keinen Ton zum neusten Werk von Sven Regener gesagt.

Wenn Sie nun sagen: Sven who?, dann sind Sie zwar kein Kulturbanause, aber nicht so wirklich mit der Berliner Szene vertraut. «Element of Crime» (is’ so ‘ne Band), und der Frontmann schreibt in seiner Freizeit Bücher. Als Musiker, das sei vor allem nach seinem neuen Jazz-Album gesagt, ist er klasse.

Mit «Herr Lehmann» landete er 2001 einen Beststeller. Berlin, Kneipen, Mauerfall, Jackpot. Das weidet er seither aus, und so kam es zum neuen Schriftwerk «Glitterschnitter». Bis hierhin ist es eine übliche Literatur-Story. Autor schreibt, Verlag publiziert, Autor wird zu Interviews herumgereicht.

Die «Süddeutsche», die «Schaffhauser Nachrichten», die NZZ, auch die «Nidwalder Zeitung» nimmt dieses Ereignis zum Anlass für Gespräch und Würdigung. Das ist gut so, denn es wird ja immer weniger gelesen.

Einigermassen lustig und unterhaltsam.

Nun hätte Tamedia wie gewohnt das Porträt der «Süddeutschen» übernehmen können. Ist keine Spitzenleistung, aber brauchbar. Das hätte dem Leser aller Tamedia-Kopfblätter, und deren sind viele, das Interview mit Sven Regener erspart, dass die sogenannte Literaturchefin Nora Zukker mit ihm führte.

Auch hier muss man eine gute Nachricht vorausschicken: es fand nicht auf einem Friedhof statt, und – soweit bekannt – wurde auch nicht übermässig dem Alkohol dabei zugesprochen.

Den braucht allerdings der Leser, will er tapfer bis zum Schluss durchhalten. ZACKBUM hat sich – hoch lebe die internationale Solidarität – für einen «Pampero Aniversario» aus Venezuela entschieden. Alles Geschmacksache, aber wohl der beste Rum der Welt. Wenn ein Kuba-Kenner das sagt, muss es wohl stimmen.

Es war nur eine Flasche, im Fall.

Wir kommen nicht um die Beschreibung des Elends herum

Aber es hilft nichts, wir müssen zum Interview schreiten. Der Titel ist immerhin so gewählt, dass der Leser gewarnt wird, ob er sich das wirklich antun will: «Kacki, das hat etwas Grausames». Das mag so sein, aber das ist nix gegen den Fragenkatalog der Literaturchefin ohne Bildungsrucksack.

Das ist wahr, aber es gibt Schlimmeres.

«Was trinken Sie denn hier», «wie lebt es sich denn über die Jahre mit dem ganzen Personal?»,

«Wie haben Sie zu dieser gesprochenen Sprache (!) gefunden?»,

«Dialoge können Sie!», «Im November kommen Sie nach Zürich. Haben Sie eine Beziehung zur Stadt, oder ist sie Ihnen zu klein?»

Gut, die ersten Leser winseln bereits um Gnade, ich habe ein Einsehen. Was antwortet Regener nun auf diese strenges Desinteresse auslösenden Fragen? Besonders zu der über die «gesprochene Sprache»? Nun, er ist ein Profi, der auch auf die Frage: Wie gefällt Ihnen das Wetter heute?, eine zumindest anekdotische Antwort geben könnte. Aber hier verschlägt es selbst ihm etwas die Sprache, also die gesprochene: «Ich verzichte darauf, zu beschreiben, wie die Leute aussehen, das interessiert mich nicht so sehr.»

Nun könnte es ja sein, dass ein solches Interview dem Leser dabei hülfe, sich zu entscheiden, ob er sich diese 480 Seiten antun will. Das Interview selbst ist dafür nicht zweckdienlich, schliesslich sagen höfliche und sogar witzige Antworten auf Nonsens-Fragen nichts über literarische Qualitäten aus.

ZACKBUM findet es aber eher unfair, dass Zukker mit dieser Beschreibung sicherlich unfreiwillig vor der Lektüre abschrecken will:

«Sven Regeners Stil der gesprochenen Sprache hat manchmal einen Hang zur Länge, weil er die Leute beim Reden denken lässt. Wobei dabei auch Dialoge entstehen, die toll sind: «Wie schon Toulouse-Lautrec sagte: Wir haben unser ganzes Leben gebraucht, damit wir das erst seit drei Wochen machen können.» – «Das hat er gesagt?» – «So ähnlich.»»

Nein, das haben wir nicht erfunden. Das geht gar nicht. Ausser, man heisst Zukker und ist Literaturchefin bei Tamedia.

 

Wirtschaft: noch ein Bier, bitte

Volkswirtschaft, Gartenwirtschaft: ist doch Hans was Heidi.

Rechthaberei auf dem schwankenden Boden der zunehmenden Bedeutungslosigkeit: eine ganz üble Mischung.

Gerade hat der Qualitätskonzern, der Marktplatzbetreiber mit noch angeschlossenem Newsbereich, das Kompetenzzentrum für Analysen des Finanzmarkts, also kurz Tamedia, mal wieder der Schweizerischen Nationalbank die Knöpfe reingetan.

Das Thema ist das Steckenpferd von Markus Diem Meier. Immer wieder reitet er auf seinem Holzpferdchen wie einstmals ein berühmter Vorgänger gegen die Windmühlen der SNB, bzw. gegen den Chef Thomas Jordan.

Der kann’s Diem Meier einfach nicht recht machen: «Während andere Notenbanken über die Einführung einer digitalen Währung sinnieren, will man bei der SNB nichts davon wissen. Das ist ein Fehler.»

So sieht ein Fehler aus.

Nimm das, du Pfeife, fäustelt der Tagi-Mann. Aber bezüglich Währungspolitik ist man sich selbst im Wirtschaftsbeobachtungsturm Tagi nicht ganz einig: «Die Schweizerische Nationalbank scheint die jüngste Frankenaufwertung ausbremsen zu wollen. Inwieweit dies gelingen wird und was künftig von der SNB zu erwarten ist.» So verbreitet Andreas Neinhaus seine Erkenntnisse aus der Glaskugel.

Dem muss Diem Meier entschieden widersprechen:

«Nationalbank lässt Aufwertung zu. Unsicherheit an den Finanzmärkten. Nichts galt vor Corona als grössere Bedrohung für die Schweizer Wirtschaft als ein rasches Erstarken des Frankens. Jetzt tritt genau das ein. Doch die Währungshüter bleiben untätig.»

Wie heisst es so schön: zwei Finanzspezialisten, drei Meinungen.

Vermutungen auf allen Fachgebieten

Die Herzoperation von Jordan treibt Diem Meier sogar zu einem Ausflug in ein weiteres Gebiet, auf dem er nicht wirklich sattelfest ist: die Psychosomatik. Denn er diagnostiziert: «Die jüngsten Ereignisse und die Gefahr für die Gesundheit des SNB-Präsidenten lassen zumindest vermuten, dass die Kritik und die Herausforderungen Thomas Jordan weit stärker beschäftigt haben, als er es bisher zugeben wollte, wenn er darauf angesprochen wurde.»

«Lassen vermuten», die Formulierung als Allzweckwaffe für: ich habe keinen blassen Schimmer, aber ich hau’ mal einen raus.

Aber zurück zur Kernkompetenz von Diem Meier, dem wir auf diesem Weg viel Gesundheit und Tatendrang wünschen. Denn neben der ewigen Währungsthematik, der anschwellenden Bilanz und der ins Aberwitzige gestiegenen Geldreserve der SNB gibt es ein weiteres Thema, das dem Tagi-Mann steile Sorgenfalten auf die Stirne treibt. Richtig, die Entwicklung auf dem Immobiliensektor.

SNB-Vize Fritz Zurbrügg nützt die Abwesenheit seines Chefs aus, um sich auch mal fünf Minuten Ruhm und Aufmerksamkeit abzuholen. Daher erwähnte er in einem Vortrag:

«Wir sehen sowohl deutliche Anzeichen einer nicht nachhaltigen Hypothekarkreditvergabe wie auch eine erhöhte Gefahr einer Preiskorrektur

Das riecht allerdings schwer nach eingeschlafenen Füssen und Mundgeruch beim Gähnen, so langweilig ist diese Aussage. Hellwach ist dagegen Diem Meier. Er zerschlägt die schützende Glasscheibe und drückt den roten Alarmknopf. Schliesslich weiss er, wer die Hauptschuld für einen drohenden Immobiliencrash hat:

«Denn der Hauptgrund für die Entwicklung an diesen Märkten ist die Politik der SNB selbst: vor allem die extrem tiefen Zinsen. Sie verbilligen die Hypotheken und befeuern die Nachfrage nach Immobilien.»

Wenigstens einer weiss Rat

Himmels willen, was tun? Während die SNB die Hände in den fruchtbaren Schoss der ewig sprudelnden Geldquelle und der Nullzinsen legt, weiss Diem Meier Rat: «Wichtiger als Worte sind Taten. Es braucht Sand im Getriebe.»

Das ist normalerweise nicht das, was man sich für ein Getriebe wünscht, aber es ist ja auch nur ein schiefes Bild für die rettende Massnahme: «Dazu zählt der antizyklische Kapitalpuffer, der Banken zusätzlich zu den übrigen Sicherheitspolstern auferlegt wurde, um ihnen die Hypothekarvergabe zu verteuern. Im Zuge der Corona-Krise wurde er aufgehoben, um die Banken zu schonen.»

Damit wäre wieder einiges im Lot, hofft Diem Meier, die Steigerung der Immobilienpreise um über 80 Prozent in wenigen Jahren, ebenfalls beim Volumen der Hypothekarkredite, während die gesamte Hypothekarverschuldung in der Schweiz 150 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung betrage. Aber: «Dass er aber nicht bereits wieder eingeführt wurde, ist unverständlich», schüttelt Crash-Kreische Diem Meier verzweifelt das Haupt.

In ein Bettlaken gehüllt macht er das Immobiliencrash-Gespenst und sagt «buhu». Wenn die Tragbarkeit der Schuldendienste nachlässt, wenn die Immobilienpreise sinken, wenn von Schuldnern Nachschuss verlangt wird, wenn die Finanzhäuser auf zunehmenden Ausfallrisiken sitzenbleiben: das könnte ein Massaker werden. Eine Krise, eine Rezession. Plus noch Corona. Ein Weltuntergang.

Selektive Auswahl hilft ungemein beim Thesenjournalismus

«Wenn die Banken ins Wanken geraten», «sind die Sicherheitspolster wirklich ausreichend?» Diem Meier greift tief in den Stehsatz der Leserschreckung. Das funktioniert natürlich nur dann, wenn man, nun ja, etwas selektiv in der Auswahl von Zitaten des SNB-Vizes ist.

Denn, Ausnahmen bestätigen die Regel, Tragbarkeitsprüfungen, Grenzen der Belehnung, SNB-Vize Zurbrügg warnt zwar, beruhigt aber gleichzeitig:

«Dank substanziellen Kapitalpuffern sollten die meisten Banken jedoch in der Lage sein, die damit verbundenen allfälligen Verluste zu absorbieren.»

Aussen traditionell, innen hochmodern: SNB zu Bern.

Och, damit so eine blöde Aussage die ganze Stortyline nicht durchkreuzt, lässt sie Diem Meier einfach weg. Genauso wie eine andere Tatsache. Die SNB sei mit ihrer Niedrigzinspolitik überhaupt an der Immobilienblase schuld, sagt er. Räumt dann aber verschämt ein, dass die SNB als kleine Notenbank gar nicht anders kann als den beiden grossen Verbrechern US-FED und EU-EZB zu folgen.

Blasen blasen, bis sie platzen.

Es gibt einen entscheidenden Unterschied …

Ohne aber, das ist auch entscheidend, deren Verbrechen nachzuahmen. Diese beiden Notenbanken kaufen nämlich im eigenen Währungsraum Schuldpapiere, auch von Staaten, dermassen wild auf, dass die Märkte fast ausgetrocknet sind. Linke Hosentasche, rechte Hosentasche, dieser üble Taschenspielertrick wird früher oder später in einem Riesenschlamassel enden. Nicht bei der SNB.

Zudem: Der CHF ist die einzige Währung der Welt, die schlichtweg zu einer Handelsware geworden ist. Die SNB kann – in Massen – Fränkli wie Weggli herstellen, sie werden ihr aus den Händen gerissen. Absurd, aber real. Doch so kompliziert mag es ein Vereinfacher wie Diem Meier halt nicht.

Spiess-Hegglin: nächste Klatsche

Nachdem sie schon in anderer Sache vor dem Zuger Obergericht vollständig verlor, nun eine teure Niederlage gegen eine Tamedia-Redaktorin.

Es ist kein Anlass zu Häme, aber eine beruhigende Wiederherstellung der Rechtsordnung im Medienbereich.

In einem skandalösen Fehlurteil hatte ein Zuger Richter zuerst in einer superprovisorischen Verfügung, die dann sogar in eine Massnahme umgewandelt wurde, präventiv ein geplantes Buchprojekt über die leidlich bekannte Zuger Affäre verboten.

Genauer hatte er die Behandlung ganzer Themengebiete wie beispielsweise Alkoholkonsum untersagt, die aber für eine Aufarbeitung eines Sexualkontakts während einer Politikerfeier in Zug nötig wären. Während solche Superprovisorische gegenüber geplanten Artikeln immer wieder verhängt werden, betrat er damit Neuland, was ein noch nicht geschriebenes Buch betrifft.

Glücklicherweise hat nun das Zuger Obergericht korrigierend eingegriffen und mit klaren Worten diese Fehlmassnahme aufgehoben. Allerdings brauchte es fast genau ein Jahr, um zu diesem naheliegenden Entscheid zu kommen.

Kein Anlass, eine neuerliche Persönlichkeitsverletzung zu befürchten

Zwar sei die Veröffentlichung des «Blick» zum Thema Landammannfeier persönlichkeitsverletzend gewesen – der einzige Erfolg vom juristischen Feldzug Spiess-Hegglins bislang – aber:

«In den seither vergangenen sieben Jahren haben vielmehr andere Faktoren – etwa diverse öffentliche Gerichtsverfahren und die Medienarbeit von Jolanda Spiess-Hegglin selbst – diese Ereignisse allgemein bekannt gemacht und vor allem bekannt gehalten.»

Damit legt das Gericht den Finger auf den grössten Schwachpunkt der Position von Jolanda Spiess-Hegglin, die sich ständig über das Eindringen in ihre Privatsphäre beklagt, das aber damit selbst unermüdlich in der Öffentlichkeit hält und mit äussert fragwürdigen Aktionen wie der Denunziationsplattform «netzpigcock» auf sich aufmerksam macht.

In seiner 33-seitigen sorgfältigen Urteilsbegründung zerfetzt das Zuger Obergericht unter anderem einen zentralen Punkt der Behauptungen der Anwältin von Spiess-Hegglin:

«Diese verweist in der Berufungsantwort auf anonyme Quellen und behauptet neuerdings, sie wisse, dass das Manuskript der Gesuchsgegnerin bereits vorliege, es viele «intime und private Schilderungen» enthalte und die Gesuchsgegnerin an zahlreichen Stellen «spekuliere». Mit dieser Behauptung ist sie nicht zu hören. Im Rahmen der Beweis- bzw. Glaubhaftmachungslast trägt die Gesuchstellerin auch die Behauptungslast und hat demzufolge die Anspruchsvoraussetzungen zu substanziieren.»

Auf Deutsch: Diese Hilfsbehauptung müsste belegt und damit allenfalls auch bestreitbar vorgetragen werden; einfaches Behaupten ist lachhaft.

Das wird langsam ziemlich teuer …

Spannendes Juristenfutter wird nun, ob ein allfälliger Weiterzug ans Bundesgericht aufschiebende Wirkung haben könnte, also das Publikationsverbot weiterhin aufrecht erhalten bliebe.

Besonders schmerzlich muss für Spiess-Hegglin sein, dass das Gericht ihr Kosten von insgesamt 48’000 Franken auferlegte. Dazu kommen noch die sicherlich happigen Honorarnoten ihrer Anwältin, die zwar von Niederlage zu Niederlage prozessiert, aber dafür natürlich auch Rechnung stellt.

Unverdrossen hat sie bereits angekündigt, dieses Urteil ans Bundesgericht weiterzuziehen, obwohl die Aussichten, hier einen formalen Fehler erfolgreich zu bemängeln, minim sind. Der einzige Vorteil dieser weiteren Geldverschwendung: das Urteil des Zuger Obergerichts ist damit noch nicht rechtskräftig.

Merkwürdige Preisverleihung

Dass Spiess-Hegglin nebenbei soeben einen Preis für ihre Denunziationmaschine mit dem putzigen Namen «netzpigcock» verliehen bekam, ist eine weitere Peinlichkeit.

Anlass zur Häme ist, dass sich auch im Licht dieses Urteils die Veranstalter des #fembizswissawards mit der Verleihung an Spiess-Hegglin für ihr «NetzPigCock-Tool» in der Kategorie «Innovation» ziemlich lächerlich gemacht haben. Neben der Initiatorin Tijen Onaran ist wie meist, wenn ein Fettnäpfchen herumsteht, auch Patrizia Laeri dabei. Die Mitglieder der Jury sollten sich vielleicht ihr Engagement nochmals überlegen, ebenfalls die namhaften Partner, die auf das Buzzword Frauen und Business hereingefallen sind.

Wenn frau krampfhaft auf lustig machen will …

Spiess-Hegglin selbst bleibt überraschungsfrei unbelehrbar: «Das Gericht kommt zum Schluss, dass meine Intimsphäre nun zum Allgemeingut gehört, gerade weil ich mich gegen die krasse Verletzung dieser Intimsphäre juristisch und öffentlich gewehrt habe.»

Das ist verständlich, wenn man diese Obsession zum Lebensinhalt und zur Geschäftsgrundlage auf #netzcourage gemacht hat. Aber was meint denn nun der ehrenamtliche Lautsprecher von Spiess-Hegglin, der Heuchler Pascal Hollenstein, der auch schon mal eine Sperrfrist bricht, um der Erste zu sein, der einen angeblichen Triumph von Spiess-Hegglin vermeldet, der in Wirklichkeit eine krachende Niederlage war?

Natürlich versucht er – als leuchtendes Vorbild journalistischer Objektivität – dieses Urteil runterzumachen: «Das Zuger Obergericht hebt vorsorgliche Massnahmen zum Schutz der Persönlichkeitsrechte von Spiess-Hegglin auf.»

Diese Version wird dann aber schnell so verändert: «Gericht hebt vorsorgliche Massnahmen auf und gibt Tamedia-Journalistin Michèle Binswanger recht.»

Offenbar ist es der journalistischen Leiter nach unten selbst aufgefallen, dass es bei der nun aufgehobenen erstinstanzlichen Massnahme keinesfalls um einen Schutz der Persönlichkeitsrechte ging – sondern um eine unerhörte präventive Zensurmassnahme ohne Beispiel.

Woher soll das Geld für all die Rechnungen kommen?

Auch Hollensteins Aufzählung der wenigen Erfolge von Spiess-Hegglin gegen den «Blick» und die «Weltwoche» ändert ja nichts daran, dass Spiess-Hegglin seither eine Klatsche nach der anderen einstecken muss. Ihre letzte finanzielle Hoffnung ist nun noch die Klage auf Gewinnherausgabe gegen den Ringier-Verlag. Da gibt es aber nur die absurde Hochrechnung des Geldverrösters Hansi Voigt, der mal kurz Umsatz und Gewinn gleichsetzt und behauptet, Ringier habe mit seinen Artikeln über den Vorfall rund eine Million Franken Umsatz – oder Gewinn – gemacht.

Ernstzunehmende Internet-Kenner gehen eher davon aus, dass es sich insgesamt um allerhöchstens 10’000 Franken handeln könnte. Selbst wenn Spiess-Hegglin eine solche Summe erstreitet: das würde nicht mal einen Bruchteil ihrer Anwaltskosten decken …

Oh Herr, lass Hirn …

… vom Himmel regnen. Oder schenke der Schweiz Wirtschaftsjournalisten.

Klaus Stöhlker ist entschuldigt. Er hat von wenig eine Ahnung, aber zu vielem eine Meinung. So schreibt er zum Zusammenschluss der Marktplätze von Ringier, TX Group und Mobiliar: «Gesichert ist jetzt schon, dass damit die Medienprodukte von Ringier und TX (Tages-Anzeiger ff.) demnächst teurer werden. Die beiden Verlegerfamilien ziehen sich aus der Querfinanzierung der Redaktionen zurück.»

Gesichert ist damit schon: eine Holdingstruktur oder das Wort Profitcenter, böhmische Dörfer für den Alt-Kommunikator. Oder auf Deutsch: falsch, genau diese Querfinanzierung wird schon lange verweigert, was das zunehmende Elend der Newsplattformen wie «Tages-Anzeiger» verursacht, denen die gleiche Profitabilität wie von Handelsplattformen abverlangt wird.

Die können aber nicht skalieren (erklären wir ein andermal), auch strukturell kaum sparen, nur rausschmeissen und behaupten, das habe null Einfluss auf Quantität und Qualität des Gebotenen.

Wie Stöhlker sich auch mokiert: «Als Teil von TX Group verzichtet «Finanz und Wirtschaft» auf eine Einordnung der Transaktion und der Halbjahresresultate sowie auf eine Bewertung der Aktie.» Schlussfolgerung: «Es ist immerhin klargestellt, dass die Unabhängigkeit der Berichterstattung in beiden Verlagshäusern nicht mehr gesichert ist.»

So fabuliert er auf «Inside Paradeplatz», wo auch der ZACKBUM-Autor präsent ist.

Homer Simpson ist überall.

Dass ausgerechnet ein alter Fuchs wie Stöhlker auf naiv macht und erstaunt sein will, dass weder bei Tamedia noch bei Ringier Artikel erscheinen wie: «Unsere Verlegerclans sind geldgierige Säcke» – oder bei CH Media «Wanners sollten in ihrem Schloss eingemauert werden».

Überall männliche Primadonnen

Auch Eric Gujer reagiert dem Vernehmen nach sehr angepisst, Pardon, angefasst, wenn die Feriengestaltung seiner Majestät durch den Kakao gezogen wird. Nur Roger Köppel ist da die strahlende Ausnahme: der lädt sogar dazu ein, dass man ihn in seinem eigenen Blatt beschimpft. Argumentativ natürlich.

Aber in der fehlenden Unabhängigkeit der Redaktionen von zwei Grosskonzernen in der Schweiz liegt gar nicht das Problem. Es gibt ja noch CH Media und die NZZ  – und die «Weltwoche». Dort waltet der Medienkritiker Kurt W. Zimmermann schon seit Jahren seines Amtes.

Dabei hofft er auf die Gnade des Vergessens, was seine eigene Schneise der Zerstörung betrifft, die er bei von ihm verantworteten Ausflügen in elektronische und digitale Medien hinterliess, Stichwort TV 3.

Aber es gilt ja Verjährung und Resozialisierung, immer wieder mischt er mit knackigen Betrachtungen die lethargische Branche auf. Allerdings ist Ökonomie bis heute nicht seine starke Seite. Denn er behauptet, der Zusammenschluss der Marktplätze sei so ziemlich das grösste Ding in der Schweizer Medienlandschaft seit Gründung der NZZ. In seinen Worten:

«Die zwei Verlagshäuser haben ein gemeinsames Unternehmen gegründet, das heute schon drei Milliarden Franken wert ist. In ein paar Jahren werden es sechs Milliarden sein. Dann werden Ringier und TX Group so gewaltig Kasse machen, wie noch nie jemand Kasse machte in unserer Medienbranche.»

Hört sich nach einer Wahnsinnsanalyse an, der Knaller, der Brüller, der Aufdecker. Leider: völliger Quark. Beide Zahlen sind Humbug. Zurzeit ist der Zusammenschluss nämlich schlichtweg null wert. Weil er erst angekündigt ist, gar noch nicht existiert. Auf die 3 Milliarden kommt Zimmi, indem er den Einkaufspreis des US-Finanzinvestors hochrechnet. Der soll 300 Millionen für seine 10 Prozent bezahlen.

Wirtschaftskunde, schwere Sache

Allerdings hat er sich nebenbei auch 25 Prozent der Stimmrechte gegriffen, umsonst? Bedeutet das, dass das Joint Venture nun 3 Milliarden wert ist? Natürlich nicht, es bedeutet, dass General Atlantic annimmt, hofft, vermutet, no risk, no fun, dass es mal 3 Milliarden wert sein könnte. Oder glaubt jemand im Ernst, ausser vielleicht Zimmermann, dass General seinen Anteil zurzeit für 300 Millionen verkaufen könnte?

Wo kein Markt ist, ist auch kein Preis, aber wenn Zimmi das jemals gewusst hätte, hätte er nicht so viel fremdes Geld verröstet.

Aber wenn schon grosse Zahlen, dann richtig. Es sei ja ein Börsengang geplant, dabei gelte: «Ziel ist es, den Unternehmenswert in den nächsten drei bis vier Jahren zu verdoppeln.»

Werden also sagenhafte 6 Milliarden beim IPO erlöst, «ernten TX Group, Ringier und die Mobiliar dann jeweils rund 1,8 Milliarden Franken. Der Equity-Investor von General Atlantic geht mit 600 Millionen davon».

Solch blühender Blödsinn stand das letzte Mal in Anlageprospekten für Derivategebastel, bis die Blase platzte. Denn was Zimmi leider nicht einplant: dieser Zusammenschluss ist nicht aus Profitgier und wegen der tollen Zukunftsaussichten erfolgt. Sondern aus Not und Verzweiflung als letzte Gegenwehr. Bevor die grossen Player, die bereits über 90 Prozent des Online-Marketingkuchens in der Schweiz abfrühstücken, auch noch mit ihren eigenen Handelsplattformen die Schweizer Zwerge plattmachen.

Ein letztes Aufbäumen aus Verzweiflung

Ob das gelingen wird, dieser Zwergenaufstand gegen Amazon, Google, Facebook & Co., ist sehr zweifelhaft. Gegen diese kühnen Zukunftsträume von Zimmi ist das Managergeblubbel von Pietro Supino im Interview mit persoenlich.com geradezu eng der Wirklichkeit verhaftet:

«Wir stärken unsere Marktplätze, indem wir die Relevanz für ihre Nutzerinnen und Nutzer und die Effizienz für die Anbieter erhöhen. Das wird uns erlauben, die Produktentwicklung und die Attraktivität als Arbeitgeberin auszubauen. So können wir eine digitale Perspektive für den Standort Schweiz aufzeigen und im internationalen Wettbewerb bestehen.»

Ist Schönsprech für: nachdem wir immer alles verschnarcht haben, pumpen wir uns gemeinsam auf.

Zuvor hatten sich bereits Tamedia, Ringier, CH Media und die NZZ zum Thema blamiert. Nur gut, dass keiner dieser Windmacher unternehmerische Verantwortung trägt.

Öhm, Supino trägt aber …

 

Geld beherrscht die Welt

UKW-Stationen ruiniert, Tamedia saniert (im Bild das Endziel der Sparmassnahmen). So liegen Leid und Lust nahe beieinander.

Jürg Bachmann ist der Präsident des Verbandes der Schweizer Privatradios. Wäre Bachmann eine Radiostation, würde er auf der Langwelle senden. Denn schnell ist nicht so seine Sache.

Bachmann macht eine unglückliche Figur im Streit um die Verhinderung der Abschaltung der UKW-Ausstrahlung der Schweizer Privatradios. Geht nicht, blöde Idee, muss man gar nicht erst ignorieren, meinte er sinngemäss, als der Radiopionier Roger Schawinski seinen Feldzug gegen diese Abschaltung startete.

Sekundiert vom Radio-Amateur Wanner Junior meinte Bachmann dann, dass man Schawinskis Attacke schon ernst nehmen müsse, aber der habe keine Chance, es werde wie geplant abgeschaltet.

Seit dem gegenteiligen Entscheid hat er auch diese Position geräumt, obwohl er immer wieder drohend wiederholte, dass die Verlängerung der UKW-Übertragung unglaubliche Kosten verursachen würde.

Das wollte ZACKBUM genauer wissen:

«Der Verband Schweizer Privatradios wird mit der Aussage zitiert, dass die Verschiebung der Abschaltung der UKW-Frequenzen auf Ende 2014 zusätzliche Kosten in «mehrstelliger Millionenhöhe» verursachen würde.

Dazu haben wir drei Fragen:

  1. Mehrstellig bedeutet mehr als zweistellig. Es ist also mit Kosten von mindestens 100 Millionen Franken zu rechnen?
  2. Ob mehrstellig oder zweistellig, wodurch entstehen diese gigantischen Kosten?
  3. Ausser Roger Schawinskis «Radio 1» hat noch kein privater Radio-Betreiber die Kosten ausgewiesen, die eine Weiterführung des UKW-Angebots verursachen. Gibt es da inzwischen mehr Informationen?»

Aber da hatte Bachmann plötzlich überhaupt kein Sendungsbewusstsein mehr: Pausenzeichen, statisches Rauschen, Schweigen. Daher wissen wir leider weiterhin nicht, ob es dermassen schweineteuer ist, auf UKW zu senden. Wir wissen aber auch nicht, ob der Verband den richtigen Präsidenten hat. Wenn der für seine Tätigkeit einen mehrstelligen Betrag bekommt, ist das definitiv zu viel.

Senden kostet, schreiben macht Gewinn 

Bei so viel Zahlenelend sind wir aber froh, dass es dem Big T wieder gutgeht. Also Tamedia, also der TX Group. Offenbar sind die Kosten der ständigen Namensänderungen verdaut.

Nur die Drehtüre bleibt …

Der Ankauf einer neuen Coninx-Yacht kann nun endlich in die konkrete Phase gehen. Es Bitzeli Reingewinn von über 20 Millionen Franken, da hat sich doch das Sparen gelohnt. Selbst Tamedia, also das News-Geschäft, konnte wieder Geld ins Kässeli schaufeln, allerdings nur, wenn man die Abschreibungen nicht berücksichtigt.

Da hat das anhaltende grosse Rausschmeissen zumindest im Portemonnaie der Aktionäre wohltuend gewirkt. Wenn nur nicht der Konsument weiterhin davonlaufen würde. Der ist ja auch ein ganz undankbares Wesen. Versteht nicht, wieso er für den Dünnpfiff von skelettierten Redaktionen auf fast durchsichtig-dünnen Tagesausgaben immer noch gleichviel zahlen soll wie zu Zeiten, als noch genügend eigene Redaktoren mit Sachkenntnis vorhanden waren.

Zwischen mehr und leer geht’s dahin.

Damals konnte man ja noch Gründe dafür anführen, wieso 700 Franken im Jahr gut investiertes Geld ist. Aber heute? Sich der eigenen Nabelschau, eigenen Problemen, eigenen Steckenpferden widmende Redaktoren, plus das Bürgerbräu aus München, das sich in alle Gefässe ergiesst, ist das noch einen tiefen Griff ins Portemonnaie wert?

Aber bleiben wir bei den guten Nachrichten. Schon ein Viertel des Sparziels von 70 Millionen sei im ersten Semester bei Tamedia erreicht worden. Also fehlen bloss noch Dreiviertel, das wird sicherlich weiterhin ohne die geringste Qualitätseinbusse möglich sein.

Links die Nachahmung, rechts das Original, die New York Times.

Im Gegenteil, da ja neuerdings auch beim Seitenumbruch keine Bäume mehr ausgerissen werden, erhöht sich der Wiedererkennungswert ungemein. Ist schliesslich auch wie beim Münchner Bierbrauen. Gefässe abfüllen nennt man das.

Nur werden in München Flaschen abgefüllt, in Zürich füllen Flaschen ab.

Zum Beispiel Viviane Joyce

Wie Karriere verformen kann. Ein bedauerliches Lehrstück.

Viviane Joyce war sozusagen die Tätschmeisterin bei der BaZ. Bei der alten «Basler Zeitung», als unter der Leitung von Markus Somm noch Journalismus mit Hand und Fuss und Herz betrieben wurde.

Als Debatte grossgeschrieben wurde, keine Meinung zensiert und deshalb auch das mit Millionen unterfütterte Gegenprojekt «TagesWoche» kläglich verröchelte. Da hatten auch Externe mit eher konfliktiven Beiträgen problemlos Platz. Natürlich sprechen wir hier von René Zeyer.

Joyce sorgte damals dafür, dass alles seinen geordneten Gang ging und kümmerte sich um die vielen grösseren oder kleineren Probleme, die das Zusammenschreiben doch nicht ganz pflegeleichter Charaktere so mit sich brachte.

Dann schaffte Joyce als eine der ganz Wenigen der BaZ den Sprung in den Tamedia-Konzern, als der die Zeitung übernahm und begann, mit seiner Zürcher Einheitssosse abzufüllen. Seither hat die BaZ nur noch nominell einen Chefredaktor, der ängstlich darauf verwies, dass solche Entscheidungen nur in Zürich getroffen werden können, als ich ihm ein Stück mit Schwerpunkt Basel anbot.

Viviane Joyce, Überlebenskünstlerin.

Karriere war auch schon einfacher

Das ist nun alles verständlich, man muss heutzutage im Journalismus schauen, wo man bleibt. Ausserhalb von ZACKBUM gilt die Devise: ja nicht unangenehm auffallen, das könnte nicht nur die Karriere, sondern gleich den Job gefährden. Denn nach der Sparrunde ist immer vor der Sparrunde, nach dem grossen Rausschmeissen ist vor dem nächsten Rausschmeissen.

Immerhin blieb der BaZ das Schicksal der «Berner Zeitung» und des «Bund» erspart. Allerdings verfügt Tamedia am Platz auch nur über die BaZ, da kann nicht sonderlich zusammengelegt und gespart werden.

Aber Tamedia verfügt auch über die sogenannten Editorial Services. Also den Maschinenraum von Layoutern, Produzenten, Korrektoren, Bildredaktoren und allen, die für den ordentlichen Weg eines Artikels in die Abfüllmaschine Tamedia zuständig sind.

Alles so schön bunt hier, in der Selbstdarstellung.

Was bei einem Automotor eher ungut wäre, ist bei einer Zeitungsherstellungsmaschine scheinbar problemlos möglich: immer wieder ein paar Stücke abschrauben, wegschmeissen, geht auch so. Allerdings sind das keine Stücke, sondern Mitarbeiter, aber was soll’s.

Joyce ist inzwischen «Leiterin Editorial Services» und auch Mitglied der Geschäftsleitung von Tamedia. Das ist sicherlich ein verdienter Aufstieg einer kompetenten Frau. Allerdings gehört dann dazu, die neue Sparrunde nach der vorhergehenden Sparrunde möglichst schönzuschwätzen.

Schönreden statt schimpfen

Das tat sie gegenüber seidenweichen Fragen von persoenlich.com, als es darum ging zu erklären, dass der neuerliche Abbau von 710 Stellenprozenten eigentlich keinerlei Auswirkung auf die Qualität der Dienstleistung habe. Zurzeit werkeln noch «102 feste Mitarbeitende»; Joyce lenkt also einen ziemlich grossen Töff im Tamedia-Imperium. Dass sie die neuerliche Sparrunde nicht öffentlich als Riesensauerei beschimpft, ist verständlich. «Synergien nutzen», keinerlei Einbusse bei der Qualität, bessere Abstimmung, das übliche Blabla halt.

ZACKBUM hatte allerdings noch ein paar konkrete Nachfragen, unterbreitete die mit grosszügig bemessener Bedenkfrist:

  1. Nach der Sparrunde ist vor der Sparrunde. Wann ist die nächste geplant?
  2. Wie erklären Sie das Wunder, dass mit weniger Mitarbeitern gleiche Qualität geliefert werden kann?
  3. Sie haben sicherlich die Begriffe Synergie und Straffung und so weiter verwendet. Aber das würde ja bedeuten, dass zuvor Leerläufe und überflüssige Tätigkeiten existierten, oder nicht?
  4. Sie gehören zu den wenigen «Überlebenden» der BaZ ausserhalb der BaZ, aber innerhalb von Tamedia. Haben Sie bei Stellenantritt bereits geahnt, dass Sie vor allem Zeichen im Abbau setzen werden?
  5. Können Sie umreissen, ab welcher Work Force eine gleichbleibende Qualität nicht mehr garantiert werden kann?

Auch hier gibt sich niemand der Illusion hin, dass Joyce als Mitglied der GL aus ihrem Herzen keine Mördergrube machen würde. Aber eine ernsthafte Befassung mit den Fragen wäre eigentlich nicht zu viel verlangt gewesen.

Geblubber und Geschwurbel statt Inhalt und Strategie.

Stattdessen kam das hier von Joyce:

«Grundsätzlich ist alles gesagt auf persönlich.com: Tamedia Editorial Services muss einen Beitrag an die Kostenreduktion leisten. Ich bedauere, dass die organisatorischen Veränderungen bei Tamedia Editorial Services personelle Massnahmen mit sich führen. Dies hat aber keine Auswirkungen auf die Qualität, auch mit den neuen Abläufen und Zuständigkeiten ist diese stets gewährleistet. Zudem gibt es Synergiepotenzial durch die Neuaufstellungen der Redaktionen in Zürich und Bern, aber auch mit einer Einführung des TES-Hubs an zwei Standorten.»

Da kann man nur noch sagen: oh je.