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Wer hat’s erfunden?

Roger Schawinski bekommt Journalistenpreis. Schon wieder.

Es begab sich zu Weihnachten 2020, dass ZACKBUM die alternativen Schweizer Journalistenpreise verlieh. And the winner is: natürlich Roger Schawinski als Journalist des Jahres. Aus unserer Kurzlaudatio:

Roger Schawinski (Radio 1)

Schawinski trägt persönlich enorme Verluste wegen fehlenden Werbeeinnahmen, hat aber niemandem gekündigt. Hat sein Angebot sogar während der Krise ausgebaut. Und er ist als Moderator wegen Corona zu neuen Höchstleistungen aufgestiegen, mit seinem Talkradio. Zudem ist sein Doppelpunkt nach wie vor das Mass aller Interviews.

Allerdings wurde Roger Schawinski vom Schweizer Journalisten noch nie in dieser Funktion ausgezeichnet. Erstaunlich…

Auch sonst hielt es niemand für nötig, dem wohl bedeutendsten Medienmacher der Schweiz jemals einen Preis zu verleihen. Dafür ist er zu erfolgreich, zu eigenwillig, zu dominant. Ein Marathonläufer halt, der auch mit 77 noch wacher und jünger im Kopf ist als ganze Redaktionscrews.

Aber immerhin, nach jahrelangem, um nicht zu sagen jahrzehntelangem Ignorieren hat die Jury des Zürcher Journalistenpreises die Auszeichnung an Schawinski verliehen. Für sein Lebenswerk. Wobei ZACKBUM für einmal stolz sagen kann: Wer hat’s erfunden? Wir. Und wir haben nicht fürs Lebenswerk gelobt und gepriesen. Sondern für konkrete Taten in diesem Jahr.

Das Lebenswerk ist natürlich beeindruckend. «Die Tat», «Kassensturz», «Radio 24», «Tele Züri», «Tele 24», Leitung Sat 1 Deutschland, Talkshow «Schawinski», nachdem ihm das SRF den Stecker zog, nun bei Blue. Der «Doppelpunkt», legendär. Sein Talk Radio während Corona und nun zum Ukrainekrieg. Nicht zu vergessen sein erfolgreicher Ein-Mann-Aufstand gegen das Abschalten der UKW-Ausstrahlungen.

Der Mann ist so gross, dass selbst alle Neider und Kleinmacher nicht mehr umhin konnten, ihn auszuzeichnen. Ihr langes Zögern erklärt sich wohl damit, dass sie hofften, dass sie das Lebenswerk dann ehren können, wenn es vollendet ist – also wenn Schawi in die Pension abgezwitschert wäre. Aber den Gefallen tut er ihnen nicht. Obwohl ein Lob des Lebenswerks immer die Einleitung für einen Nachruf ist …

Ein wenig altersweise ist er geworden, aber nicht altersmüde. Auch wenn er im persoenlich.com-Interview gesteht: «Nach jeder längeren Sendung sehne ich mich heute nach einem Power Nap, einer Siesta. Früher war dies nicht nötig.»

Dann hoffen wir auf noch viele Siestas. Denn davor macht er immer irgendwas, das man sich ansehen oder anhören sollte. Wo Schawinski ist, da ist Leben im Äther. Das ist so wichtig wie nie, denn es ist so viel Narkosemittel im Äther.

Kritik musste er mehr als genug einstecken, nun ist er etwas erstaunt: «Belobigungen gab es eher wenige von Branchenkollegen und Konkurrenten. An die muss ich mich erst noch gewöhnen.»

Doch, ZACKBUM mochte und mag ihn schon sehr, bei allen Differenzen gibt es so etwas wie vertraute Nähe.

Lob mag er nach wie vor sehr; auf Kritik reagiert er nach wie vor eher ungnädig. Aber das sei ihm nachgesehen. Denn er ist etwas, was fast ausgestorben ist. Ein Radio Man. Mit Herzblut, Engagement, Kreativität. Er ruht sich nicht auf seinen Lorbeeren aus, obwohl er mit ihnen ein bequemes Lotterbett füllen könnte. Er macht jede Sendung, als wäre sie seine erste und seine letzte. Vielleicht ist er manchmal masslos, übermässig, a Man in Full halt. Aber das ist hundertmal besser als Mittelmass und Mainstream. Eigentlich hätte jemand vom Format eines Tom Wolfe seine Biographie schreiben sollen.

Natürlich ist ZACKBUM nicht ganz unparteiisch in dieser Sache. Na und?

Abrazo. Y adelante, compañero. Hasta la victoria siempre.

Es kann nur besser werden

Oder auch nicht. Auf jeden Fall wird’s ein neues Jahr.

ZACKBUM wünscht allen Lesern (vor allem allen Gönnern!) einen guten Rutsch und alle Kraft, die es für ein neues Jahr braucht.

So könnte gefeiert werden, wird aber wohl nicht.

2021 war das erste Jahr, dass sich einer Rundumbetreuung durch ZACKBUM erfreuen konnte. 2022 wird das nächste.

So kann gefeiert werden (auf die Tröte drücken und Spass haben).

Wir sehen uns wieder.

Am Montag, 3. Januar 2022.

Schauen wir der Realität ins Auge:
Wir sind nicht wirklich Raketenwissenschaftler.

ZACKBUM – der Zwischenstand

ZACKBUM schreibt mal über sich selbst. Man gönnt sich ja sonst nix.

Zunächst das Quantitative: Seit die letzte Plattform für kritische Medienbetrachtung am 25. Juli 2020 das Licht der Welt erblickte, wurden bislang 1295 Artikel veröffentlicht.

Seit die beiden Mitstreiter im Frühling 2021 zackbum entschieden, weder zack noch bum mehr zu machen, wird das Projekt mit einem Autor und ein paar wenigen mutigen Mitschreibern weitergeführt.

920 Artikel stammen inzwischen von René Zeyer.  Er vergleicht seinen täglichen Ausstoss immer gerne mit dem der «Republik». Dort sind insgesamt 50 Nasen auf der Payroll, verbraten so viele Millionen, dass sie immer wieder mit Selbstmord drohen müssen, um zusätzliche Kohle aufzutreiben.

Und pusten auch nicht mehr raus. Nur Längeres. Aber Langweiligeres.

Wie der Name und die Unterzeile schon sagen, geht es hier nicht um die gepflegte Abwägung im subkulturellen Kontext bei besonderer Berücksichtigung von Obertönen und Sensibilitäten. Sondern es geht zur Sache.

Rund 4200 Kommentare wurden online gestellt, einige mehr eingesandt. Wir sind da sehr liberal, dulden aber keine Untergriffe und stoppen auch bilaterale Battles nach einigen Fortsetzungen.

Es gab auch einige ernstgemeinte Drohungen. Lustigerweise nie mit der Forderung nach Gegendarstellung, sondern immer, indem mit dem Big Stick Prozess gefuchtelt wurde.

Hat sich in dieser Laufzeit etwas verändert? Oh ja. ZACKBUM will es scheinen, dass die Bereitschaft zur Auseinandersetzung, die Fähigkeit zum souveränen Umgang mit Kritik schwer nachgelassen hat.

Der zunehmende Sturz in Bedeutungslosigkeit und elende Sparmassnahmen, die Angst um den eigenen Arbeitsplatz treibt viele Medienschaffende ins geistige Exil.

Sie verwandeln sich in His Master’s Voice, denaturieren zu wiedergeborenen Seuchen-Spezialisten, sind rechthaberischer als Xanthippe und bewirtschaften hingebungsvoll den eigenen Bauchnabel.

Sie haben vor allem eine Vorliebe für sogenannte Genderfragen und für political correctness im Allgemein entwickelt, die ausser ihnen eigentlich kein Mensch interessiert.

Sie haben das Gefühl für Mass und Mitte verloren, auch Qualitätsansprüche ans eigene und ans im gleichen Haus veranstaltete Schaffen werden ständig tiefergelegt.

Nicht nur über Corona, auch über Politik, Geschichte, Kultur oder gesellschaftliche Fragen schreiben Kleingeister, die nicht mal ihre eigene Beschränktheit erkennen.

Beunruhigend ist die Dialogverweigerung. Während es noch letztes Jahr zum einigermassen guten Ton gehörte, wenn auch manchmal genervt auf Presseanfragen von ZACKBUM zu reagieren, weil das ein Verhalten ist, dass die Journalisten auch immer einfordern, wenn sie selbst unterwegs sind, greift immer mehr ein «pfeif drauf» um sich.

Einen bedenklichen Höhepunkt erreichte dieses Verhalten bei dem Protestschreiben von immerhin 78 weiblichen Medienschaffenden von Tamedia. Mehrfache Anfragen mit ausführlichen Bitten zur Stellungnahme, an alle 78 Unterzeichner geschickt, wurden ignoriert. Keine Antwort, null, nada. Auch die aus Verzweiflung angeschriebenen Nicht-Unterzeichner hüllten sich in tiefes Schweigen. Kadavergehorsam.

ZACKBUM kommt es immer mehr so vor, als ob wir hautnah den unaufhaltsamen Niedergang eines einstmals angesehenen Berufsstands verfolgen müssen, wo Selbstwertgefühl, Anstand und Qualitätsansprüche gemeinsam durchs Abflussrohr rauschen.

Das ist kein schöner Anblick, und Besserung ist auch nicht in Sicht. Aber vielleicht Erholung; über die Festtage wird die Kärrnerarbeit von ZACKBUM wieder mehr nach Lust und Laune vollbracht.

Obwohl es ja nie Pflicht ist, sondern immer Neigung.

Es ist zwar keine Oscar-Verleihung hier, aber wir danken dennoch unseren Lesern. Ihrem Input, ihren Kommentaren. Und auch ihren finanziellen Zuwendungen. Die natürlich in der Weihnachtsstimmung noch deutlich gesteigert werden könnten.

Falls jemand nicht weiss, wie das geht:

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

 

Das ist vielleicht das wichtigste Alleinstellungsmerkmal von ZACKBUM. Wir sind niemals bierernst, immer offen für Kritik und machen uns eigentlich über alles, inklusive uns selbst, lustig.

In diesem Sinne lustige Festtage.

Der Prophet im eigenen Lande

ZACKBUM sieht es als Ritterschlag, dass es inzwischen verkniffen auf allen Medienplattformen totgeschwiegen wird.

Primeur, Aufreger, Enthüllung, klare Kante? Na und, wir haben schon längst aufgegeben, Medienmitteilungen zu versenden. Dass wir von (fast) allen gelesen werden im Medienkuchen, dafür haben wir genügend Belege.

Schön ist’s, wenn man dafür von der deutschen FAZ erwähnt wird. Damit pinseln wir gerne den eigenen Bauch:

«Beim Konzert des Rappers Stress in Lausanne waren fünfzig Besucher anwesend – obwohl online alle Plätze Abnehmer gefunden hatten. In Sitten waren es hundert. Der Boykott wurde als konzertierte Aktion entlarvt: „Sabotage!“ Die NZZ schrieb: „Stell dir vor, es ist Impfwoche und keiner geht hin.“ René Zeyers Medienportal Zackbum illustrierte die Kritik der Berichterstattung mit einem Bild des nordkoreanischen Diktators an einem Krankenbett – Kim Jong-un ist bekanntlich in der Schweiz zur Schule gegangen.»

Da hat einer sogar den impliziten Bildscherz kapiert. Chapeau, wie man hierzulande sagt.

 

Tag der deutschen Zweiheit

Der 3. Oktober ist deutscher Nationalfeiertag.

Gut, dass wir das in der Schweiz wissen. Na und? Gleichzeitig ist der 3. Oktober aber auch das Wiegenfest des unermüdlichen ZACKBUM-Redaktors.

Er kann immerhin die historische Besonderheit betrachten, dass ausgerechnet an seinem Geburtstag sein Geburtsland in der Geschichte verschwand. Denn am 3. Oktober hörte die DDR, der erste Arbeiter- und Bauernstaat auf deutschen Boden, auf zu existieren.

Aber immerhin, dafür wurde der Welt René Zeyer geschenkt. Das mögen natürlich einige bedauern. Lässt sich aber mit friedlichen Mitteln nicht ändern.

Mit Verlaub feiert heute Deutschland sich selbst, das Geburtstagskind tut’s auch und nimmt frei.

Um Enttäuschungen vorzubeugen: Am Montag geht’s in alter Frische, also in älterer Frische weiter.

Nochmal danke!

Eigentlich wollten wir nicht, aber wir müssen. Es ist begeisternd.

Ein ironischer Leser und Spender schreibt vom «Bettelbalken». Da er gelöhnt hat, sei ihm das verziehen.

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

 

Das Echo auf die Möglichkeit, ZACKBUM finanziell zu unterstützen, ist überwältigend. Die für die Verlosung von 5 ZACKBUM-Shirts nötige Zahl von 50 Spendern ist längst überschritten, seufz.

In die Tombola kommen noch alle Teilnehmer, die bis Mitte nächster Woche eine milde Gabe rüberschieben, die T-Shirts müssen ja auch erst gedruckt werden und so.

All das ist wirklich oberhalb der Erwartungen, daher muss das sein:

DANKE!

Aber bloss nicht nachlassen. Die Zahl ist rund, der Rubel rollt, nach der Spende ist vor der Spende.

Apropos, wir erinnern hier an das Lebensmotto von George Best:

«Ich habe viel von meinem Geld für Alkohol, Weiber und schnelle Autos ausgegeben. Den Rest habe ich einfach verprasst.»

Versichern aber: ZACKBUM tut das nicht. Jeder Rappen der Spenden wird in den Ausbau der Plattform investiert. Schliesslich betreibt ZACKBUM kein Verlegerclan, sondern ein Einzelkämpfer.

PS: Wenn sich das jeden Monat wiederholt, katapultieren wir damit ZACKBUM in die Liga der meistbesuchten Webseiten der Schweiz! Oder wir kaufen uns doch eine Yacht.

Danke

Im Internet ist (fast) alles gratis. Aber nur wenig wertvoll. Wie ZACKBUM …

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

ZACKBUM ist unter die Bettler gegangen. Wir machen also das Gleiche wie die grossen Verlegerclans.

Leider können wir aber nicht einfach allen Steuerzahlern das Geld aus der Tasche ziehen. Umso mehr freut es uns, wie viele ZACKBUM-Leser spontan und freiwillig ins Portemonnaie gegriffen haben.

Wir nehmen das als Ausdruck der Wertschätzung unserer Arbeit. Wie versprochen werden all diese Einnahmen ausschliesslich für die Weiterentwicklung der Plattform verwendet. Es wird also demnächst Bild und Ton geben, weitere Mittel der Beschallung des geneigten Publikums sind in Vorbereitung.

Eine Idee von 1941 zum Nachahmen. Aber ohne Tanz und Chanson.

Schliesslich soll es noch den einen oder anderen Medienschaffenden geben (es handelt sich allerdings nur noch um wenige Eremiten), die noch nie von ZACKBUM gehört haben. Auch das wollen wir ändern.

Wir danken allen Spendern und rufen denjenigen zu, die noch nicht gespendet haben: für eine Yacht reicht das aber noch nicht, im Fall. Wir könnten nun auch aufmunternde Sprüche loslassen wie: «Schaffen wir heute noch die 50’000?»

Der Sprung in die ökonomische Freiheit.

Aber wir halten es mit der Wahrheit. ZACKBUM will gar keine Yacht. Ist doch totlangweilig, und immer hat ein anderer eine längere. Wir haben auch schon ein Dienstfahrzeug. Wir sind sehr schlank aufgestellt (also 44 Redaktoren, darunter Bildredaktion, Geschäftsleitung, Grafik, Internet, Online-Marketing, Buchhaltung, Aboverwaltung, New Business Development, Software-Entwicklung, Produktion, Art Director, Community Manager – oh, hoppla, da haben wir uns ins Impressum der «Republik» verirrt), da fallen kaum Grundkosten an.

Muss kein Aston Martin sein …

Wir wollen also kein Schloss (sind wir denn bei Wanners), keine Kunstsammlung (das überlassen wir Coninx und Ringier), wir brauchen auch keine Wellnesshotelaufenthalte mit Gattin (hallo, Familie Gujer).

Wir wollen einfach geschätzt und geliebt werden. Nein, nicht abgeknutscht, das mögen wir nur von einer Person. Aber bezahlt. Das können sehr viele sein.

 

Oder nochmal und einfach (wir werden hier nicht regelmässig jubilieren oder jammern): danke. Wir sind wirklich gerührt (aber nicht geschüttelt).

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

In eigener Sache

Hier spricht die Redaktionsleitung. Zwei wichtige Mitteilungen. Weltexklusiv. Nur auf ZACKBUM.ch

Packungsbeilage: Wer die Ankündigung des Endes von ZACKBUM.ch erwartet oder erhofft: schleich di, wie der Bayer so richtig sagt. Wird nicht geschehen.

I

Am 8. Mai, also vor knapp einem Monat, machte unser Mitarbeiter Adrian Venetz ein Angebot zur Güte. Er bastelte dafür extra eine Webseite, lobte sogar eine Belohnung aus und wollte nur das hier:

«Ich möchte Jolanda Spiess-Hegglin und Andreas Glarner Folgendes beliebt machen:

  • Beide sind während zwei Wochen mucksmäuschenstill auf Twitter. Sie verteilen keine Herzchen, sie retweeten nicht, sie kläffen nicht.
  • Sie treten stattdessen auf der neutralen Plattform jolandreas.ch in einen Dialog. Ein digitaler Briefwechsel. Durchaus pointiert, aber anständig. Beide schreiben in diesen zwei Wochen mindestens zehn Beiträge mit je mindestens 300 Wörtern. Sie beleidigen sich nicht, sondern legen ihre Standpunkte dar und gehen auf die Standpunkte ihres Gegenübers ein. Sie verhalten sich wie zwei vernünftige Menschen. Sie beweisen, dass sie mehr können als kläffen.
  • Auf jolandreas.ch  kommen nur diese zwei Personen zu Wort. Ihre Beiträge werden nicht kommentiert. Es werden keine Daumen nach unten verteilt, keine Herzchen gesammelt. Das Publikum hält einfach die Schnauze.»

Als zusätzliches Zückerchen legte er noch obendrauf: «Halten sich die beiden an die oben aufgeführten Spielregeln, spende ich je 300 Franken an eine von ihnen ausgewählte wohltätige Institution. Ich bin finanziell alles andere als auf Rosen gebettet, 600 Stutz sind verdammt viel Geld für mich.»

Das war wohl einer der interessantesten Beiträge, die jemals auf ZACKBUM.ch erschienen sind. Venetz wollte austesten, ob Jolanda Spiess-Hegglin und Andreas Glarner tatsächlich dialogfähig sind, neben der Dauererregungsbewirtschaftung der asozialen Medien in kontrollierter und geschützter Umgebung eine Auseinandersetzung mit Argumenten führen könnten.

Am 11. Mai hätte der erste Beitrag eintreffen sollen; egal, von wem. Wie von uns befürchtet, passierte nichts. Dialog, Debatte, heraus aus den Schützengräben von Twitter, Facebook, Instagram & Co.? Geradezu hellseherisch schrieb Venetz:

«Es ist wie in Kafkas Parabel «Auf der Galerie»: Glarner und Spiess-Hegglin werden von all den Dampfhämmern auf Twitter durch die Manege gejagt, führen brav ihre Kunststückchen auf, unterhalten ihr johlendes Publikum. Sie kommen nicht zur Ruhe.»

Es geht beiden nicht um Dialog, Debatte, Diskussion. Bedauerlich, aber nicht überrschend. Seither ist einzig Venetz etwas verstummt. In seinem Fall ist das bedauerlich.

II

Nun greifen wir dorthin, wo das wichtigste Körperteil des Menschen sitzt. Nein, liebe Männer, nicht das. Nein, der Pass ist’s auch nicht. Es ist natürlich das Portemonnaie. ZACKBUM erfreut sich einer dermassen fantastischen Leserschaft (schleim, schleim), dass immer wieder in Kommentaren oder direkt die Frage gestellt wird, wie man dafür zahlen könnte. Es werden Spenden, regelmässige Beiträge, Überweisungen in Aussicht gestellt. Auch gute Ratschläge erteilt, ob wir bspw. Substack kennen würden. Ja, tun wir.

Diese über das übliche «nur weiter so, gebt allen Saures» hinausgehenden Bekundungen von Sympathie und Wertschätzung im wahrsten Sinne des Wortes berühren uns. Motivieren uns, mit dieser Pro-bono-Tätigkeit für das Überleben des Journalismus fortzufahren.

Niemand muss mit unseren Ansichten einverstanden sein. Niemand konnte bislang einen einzigen Fehler bemeckern (ausser der gelegentlichen Falschschreibung von Namen, unsere Achillesferse). Jeder kann mitspielen (wenn er kann). Jeder hat die Möglichkeit zur Stellungnahme, wird darum angefragt.

ZACKBUM hätte beim Start am 25. Juli 2020 nie gedacht, dass es inzwischen die einzige unabhängige und ernstzunehmende medienkritische Plattform ist. In den ersten Monaten 2021 waren weitere Ausbauschrite geplant. Podcasts, Videocasts, mehr Interviews, Text to Speech, plus ein paar Überraschungen. Stattdessen schrumpfte die Mannschaft deutlich, nun gibt es noch einen Herausgeber mit (wenigen) Helfern.

Aber diese Krise ist überstanden; Stillstand ist Rückschritt, nachhaltig, zukunftsfähig, Blabla. Um diese finanziellen Angebote seriös einzutopfen, dachten wir zuerst an die Gründung eines Vereins. Als wir noch zu dritt waren. Das fällt nun weg, da immer wieder Anfragen hereinkommen, wo denn das Kässeli stünde, verkünden wir hiermit: bis Ende Juni werden wir eine Lösung für den Wunsch präsentieren, uns Geld zu geben.

Ehrenwort, beim Teutates. Wäre doch gelacht, wenn wir nicht auch eine Million zusammenkriegen würden. Oder doch nicht, denn wir werden niemals betteln oder winseln, und auch niemals mit Entleibung drohen.

Aber wir werden den Weg freimachen, damit der Rubel rollt. Dankeschön.

Geruhsame Pfingsten

Viele verbringen Pfingsten gerne vor dem Gotthard.

Andere glauben, dass sich der heilige Geist ergiesst.

ZACKBUM macht einfach eine kleine Pause bis Dienstag.

Dann ergiessen wir uns wieder.

Oh je, Ackeret*

Der Schmusekurs von persoenlich.com war einer der Gründe für die Geburt von ZACKBUM. Gute Entscheidung.

*Nein, das ist natürlich nicht Matthias, sondern Kim jong-un, aus der wunderbaren Reihe: Kim looking at things. Der Scherz wird aufgelöst …

Was macht man, wenn die wenigen Organe, die sich im weitesten Sinn mit den Medien befassen, die Zugbrücken hochziehen? Wenn die NZZ ihren langjährigen Medienredaktor spült, daraufhin ihre wöchentliche Medienseite?

Man jammert lautstark – oder man wird tatkräftig. ZACKBUM ist der lebende Beweis, welche Entscheidung getroffen wurde.

ZACKBUM hat in den ziemlich genau 8 Monaten seiner Existenz inklusive dieses 708 Beiträge publiziert. Darauf haben knapp 2000 Kommentatoren reagiert. Zudem hat ZACKBUM 17 Pressemitteilungen verschickt. Da war die Resonanz allerdings überschaubar: null.

Kein Gejammer, einfach ein höflicher Abschied

Schulterklopfen und Gequengel? Aber nein, das ist nur der Abschluss all diesen Tuns. Da wir auf sicher haben, dass wir in der Medienbranche lebhaft, überall und von (fast) allen gelesen werden, was wir nicht zuletzt an ständigen Informationen aus dem gequälten Medienvölkchen messen können, hören wir auf.

Schluck! Echt jetzt? Ja. Wir hören auf, die letzten Mohikaner mit Mitteilungen, Hinweisen, Primeurs, Recherchen oder was auch immer zu versorgen. Vergebliche Liebesmüh.

Das letzte, bezeichnende Beispiel: Wir waren der vielleicht nicht ganz einseitigen und parteilichen Auffassung, dass die Tatsache, dass ZACKBUM als einziges Schweizer Medienorgan zweimal alle Unterzeichner des Protestbriefs von Tamedia und alle im Impressum ausgewiesenen weiblichen Nicht-Unterzeichner persönlich anschrieb und um Stellungnahme bat, durchaus eine Meldung wert sein könnte.

Vor allem deswegen, weil die Protest-Frauen zwar ultimativ eine Antwort auf ihren Brief verlangen, auf unsere – zunächst privat, dann öffentlich – formulierten Bitten um Antwort schnöde schwiegen. Mehr als hundert im Journalismus tätige Frauen! Null, nix, nada. Ausser den üblichen Abwesenheitsmeldungen und immerhin zwei höflichen Unterzeichnerinnen, die antworteten, dass sie nichts antworten wollen.

Das ist ein Running Gag …

Ist das eine Meldung wert? Mal schauen

Also trug sich folgendes zu. Am 20. März schickte ich diesen Hinweis an meine alte Bekannte Edith Hollenstein (Himmels willen, das ist nicht sexistisch gemeint!) und an die persoenlich-Redaktion. Am 22. bekam ich die Antwort, dass mein Mail leider im Spam-Ordner gelandet sei, aber man «schaue es sich an». Am 24. wechselte ich meine Mailadresse und erkundigte mich höflich, ob man inzwischen draufgeschaut habe. Darauf bekam ich am 25. die Antwort: «Ich schau’s an und wir würden ggf. eine Meldung machen.»

Die Redaktion schaut sich’s an.

Ich erkundigte mich freundlich, ob das Stehsatz sei. Keine Antwort. Am 26. versuchte ich es mit dem Scherz, dass es doch eine wunderbare Bildreihe gebe: Kim jong-un looking at things.

Keine gute Idee: «Wir haben viele andere Themen, und wenn wir dir zu langsam sind: Du kannst in der Zwischenzeit bei euch darüber berichten oder deinen Rechercheinput an anderer Stelle platzieren.»

Die Redaktion schaut sich viele andere Themen an.

Ach nö, eine Woche ist überhaupt nicht langsam, auch angesichts der Tatsache, dass der Antritt des Mutterschaftsurlaubs einer Reinigungskraft jeder beliebigen Werbebude sofort Erwähnung findet.

Aber okay, ich werde den ordentlichen, peristaltischen Stuhlgang der Newsherstellung bei persoenlich.com nicht mehr stören. Und wünsche weiterhin gute Verrichtung.

 

PS: Wir möchten gerne die Gelegenheit benützen, wieder mal an ein paar Benimmregeln beim Kommentarschreiben zu erinnern. Nicht unerwartet häufen sich Rülpsereien, die unter dem Schutz der Anonymität und einer Absurd-Mailadresse von Feiglingen ausgestossen werden. Spart Euch die Mühe und streichelt Euch lieber selbst in Euren Gesinnungsblasen.