Danke

Im Internet ist (fast) alles gratis. Aber nur wenig wertvoll. Wie ZACKBUM …

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

ZACKBUM ist unter die Bettler gegangen. Wir machen also das Gleiche wie die grossen Verlegerclans.

Leider können wir aber nicht einfach allen Steuerzahlern das Geld aus der Tasche ziehen. Umso mehr freut es uns, wie viele ZACKBUM-Leser spontan und freiwillig ins Portemonnaie gegriffen haben.

Wir nehmen das als Ausdruck der Wertschätzung unserer Arbeit. Wie versprochen werden all diese Einnahmen ausschliesslich für die Weiterentwicklung der Plattform verwendet. Es wird also demnächst Bild und Ton geben, weitere Mittel der Beschallung des geneigten Publikums sind in Vorbereitung.

Eine Idee von 1941 zum Nachahmen. Aber ohne Tanz und Chanson.

Schliesslich soll es noch den einen oder anderen Medienschaffenden geben (es handelt sich allerdings nur noch um wenige Eremiten), die noch nie von ZACKBUM gehört haben. Auch das wollen wir ändern.

Wir danken allen Spendern und rufen denjenigen zu, die noch nicht gespendet haben: für eine Yacht reicht das aber noch nicht, im Fall. Wir könnten nun auch aufmunternde Sprüche loslassen wie: «Schaffen wir heute noch die 50’000?»

Der Sprung in die ökonomische Freiheit.

Aber wir halten es mit der Wahrheit. ZACKBUM will gar keine Yacht. Ist doch totlangweilig, und immer hat ein anderer eine längere. Wir haben auch schon ein Dienstfahrzeug. Wir sind sehr schlank aufgestellt (also 44 Redaktoren, darunter Bildredaktion, Geschäftsleitung, Grafik, Internet, Online-Marketing, Buchhaltung, Aboverwaltung, New Business Development, Software-Entwicklung, Produktion, Art Director, Community Manager – oh, hoppla, da haben wir uns ins Impressum der «Republik» verirrt), da fallen kaum Grundkosten an.

Muss kein Aston Martin sein …

Wir wollen also kein Schloss (sind wir denn bei Wanners), keine Kunstsammlung (das überlassen wir Coninx und Ringier), wir brauchen auch keine Wellnesshotelaufenthalte mit Gattin (hallo, Familie Gujer).

Wir wollen einfach geschätzt und geliebt werden. Nein, nicht abgeknutscht, das mögen wir nur von einer Person. Aber bezahlt. Das können sehr viele sein.

 

Oder nochmal und einfach (wir werden hier nicht regelmässig jubilieren oder jammern): danke. Wir sind wirklich gerührt (aber nicht geschüttelt).

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

Geld her!

ZACKBUM kann nicht länger widerstehen: auch wir wollen nur das Eine.

Wir haben lange Zeit die flehentlichen Bitten unserer Leserschaft ignoriert. Es wurde gebettelt und gebeten. Her mit einer Kontonummer, wo kann man spenden, wir wollen Geld loswerden für eine sinnvolle Sache.

Unsere erste Idee.

Hartherzig haben wir das überhört. Das ist nun vorbei.

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

 

Nun kann, soll, muss bezahlt werden. Kinderleicht: auf den Balken klicken, Zahlungsweg wählen, eine (möglichst grosse) Zahl einsetzen, die nötigen Angaben ausfüllen, ab damit. ZACKBUM sagt: you made my day.

Oder …

Denn ZACKBUM kriegt keine Steuermillionen. Schluchz. Niemand sammelt für #TeamZeyer. Heul. Keine spendierfreudige Milliardärin erbarmt sich unser, auch keine reichen Erben. Grein. Dabei wollen wir doch nicht mehr als auch mal eine eigene Yacht haben. Also bitte, spendet, was die Kreditkarte hergibt. Oder mit Paypal. Oder Twint. Alle Kanäle sind ab jetzt offen. Alle Wege führen zu ZACKBUM.

Danke villmohl.

 

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

PS Dieser diskrete Bezahlbutton wird nun unsere Artikel begleiten. Denn:

 

Nach der Spende ist vor der Spende!

 

PPS: Unter den ersten 50 Spendern verlosen wir 5 dieser geschmackvollen Knitter-Shirts:

Ein klares Statement!

Reiner Sozialneid

Wie schlecht geht’s unseren grossen Verleger-Clans? Die brauchen mal eine Milliarde von uns. Damit weiter gilt: hoch die Flaschen.

Ihre Medien sind als unerbittliche Enthüllungsorgane bekannt. Tamedia beteiligt sich immer wieder am Ausschlachten gestohlener Geschäftsunterlagen und prangert die kriminellen Methoden reicher Säcke an, ihren gesellschaftlichen Verpflichtungen nicht nachzukommen. Also Steuern zu hinterziehen.

Stimmt dann meistens nicht, macht aber nichts. CH Media schreckt nicht davor zurück, den Skandal aufzudecken, dass ein giggeriger Stadtammann Fotos seines Gemächts aus seinen Amtsräumen an seine aussereheliche Geliebte schickte.

Ringier fiel schon damit auf die Schnauze, einem Schweizer Botschafter zu Berlin den Kontakt mit einer halbseidenen Dame zu unterstellen, die nicht seine halbseidene Frau war.

Selbst die NZZaS und die NZZ wühlen tief im lebhaften Privatleben und Finanzbedarf eines gefallenen Bankerstars. Da kennt die Aufklärungspflicht nichts, da wird schonungslos alles verwurstet, was an Informationen zugesteckt, angefüttert, gestohlen wurde. Vierte Gewalt und so, wir dürfen das, wir müssen das.

Privat! Zutritt verboten

Nun haben all die Organe Besitzer, denn auch Privatmedien sind kapitalistisch organisiert. Nur bei der NZZ handelt es sich um ein breit gestreutes Aktionariat, wo kein Einzelbesitzer dominiert. CH Media hingegen gehört auch nach dem Joint Venture mit den Lokalblättern der NZZ dem Wanner-Clan. Angeführt vom Patriarchen Peter Wanner, der auch schon seine Kinder in Stellung bringt. Ein Sohn verantwortet das elektronische Geschäft, also seine hübsche Sammlung von Radio-Stationen. Nicht unbedingt zu deren Besseren.

Aber was soll’s, im Hause Wanner gibt es kein Widerwort gegen Wanner, wär’ ja noch schöner. Neben Führungsversagen, findet eigentlich der Reichtum und der Lebensstil der Wanners gebührende Aufmerksamkeit in den Wanner-Gazetten? So wie der Reichtum der Familie Blocher, die hier nicht wirklich geschätzt wird?

Gruss aus der grünen Hölle: die Wanners.

Vielleicht animierte der Badener Sexskandal die Qualitätsmedien von CH Media, das Grüselformat «Mein peinlichster Sex-Unfall» einzukaufen und auf TV25 auszustrahlen. So viel zum gehobenen Niveau, an dem – horribile dictu – auch die NZZ beteiligt ist.

Privat! Geht niemanden etwas an

Aber was wissen wir denn über das Privatleben des Wanner-Clans? Nein, seine Intimsphäre interessiert nicht. Aber vielleicht Lebensstil, Vermögen, Fuhrpark, Wohnsitze, Schlösser? Da weiss man herzlich wenig, nur dass dieses Jahr die Familie Wanner wieder zu 100 Prozent Besitzer der AZ Medien AG ist, ihrem Teil von CH Media.

Mut zu Giftgrün und zu strangen Fremdwörtern …

Die zehn Prozent Streubesitz sammelte sie wieder ein: «Als Zeichen des Dankes und der langjährigen Verbundenheit wollen der Verwaltungsrat und die Verlegerfamilie die Minderheitsaktionäre zu einem Konzert von Argovia Philharmonic in der neuen Aarauer Reithalle einladen. Das Konzert wird voraussichtlich am 24. November dieses Jahres stattfinden.» Hofberichterstattung bei Louis XIV. war ein Klacks dagegen.

Dass der Wanner-Clan auch knallhart-kritische Berichterstattung zulässt, beweist ein Titel über Sprössling Wanner: «Sind Sie für ArgoviaToday nicht zu alt?» Der Hammer; die naheliegende Frage, ob er dafür nicht zu blöd sei, wurde allerdings nicht gestellt. Die noch näherliegende Frage, wie reich der Wanner-Clan eigentlich ist, auch nicht. Immerhin weiss man, dass grosszügig ein Teil der Nothilfe in Sachen Pandemie zurückgezahlt wird. Wäre bei sprudelnden Gewinnen auch zu peinlich, weitere 7 Millionen Steuergelder einfach so einzusacken.

Knallhart, kritisch, gnadenlos.

Da wurde den Wanners in ihrer Residenz Schloss Bickguet doch etwas mulmig zumute. Dem Vernehmen nach werden sogar die Cheminées nicht mehr mit Banknotenbündeln angefeuert, wie es sich für Multimillionäre eigentlich gehören würde.

Nur aus der Ferne zu beobachten: Schloss Blickguet ist blickdicht abgeriegelt.

Auch der Ringier-Clan (geschätztes Privatvermögen eine Milliarde Franken) gibt sich sehr zugeknöpft, was das stille Geniessen der Geldbündel betrifft. Man weiss, dass Patriarch Michael Ringier gerne mit seinem Zweitwagen, einem Aston Martin, zu Kunstvernissagen fährt. Aber Homestory, Sofa würde ja reichen, muss nicht die Badewanne sein? Niemals, nichts, nein.

Das einzig bekannte Foto des Clans.

Genauso wenig ist über den Dritten im Bunde bekannt, den Clan Coninx-Supino. Wohl noch reicher als Ringier (geschätzte 1,5 Milliarden), Yacht, Privatjet, ebenfalls Kunstsammlung, man lässt es sich wohlergehen.

Das gilt auch für den Lebrument-Clan und den Hersant-Clan. Auch Multimultimillionäre.

Bitte kein Sozialneid gegen diese Leistungsträger

Nun aber mal kein Sozialneid. Schliesslich verantworten diese Clans die Vierte Gewalt in der Schweiz. Kontrollfunktion, unverzichtbar für eine funktionierende Demokratie. Da wird vor allem dem Staat, den Behörden, den Ämtern, den Regierenden gnadenlos auf die Finger geschaut, notfalls auch draufgeklopft.

Kritisch, unbestechlich, knallhart. Daran würde doch auch nichts ändern, dass diese Clans es geschafft haben, zusätzliche Subventionen in der Höhe von über einer Milliarde Franken durchs Parlament zu schaukeln. Was überhaupt nichts damit zu tun hat, dass Politiker auf Öffentlichkeitsarbeit angewiesen sind.

Nun ist gegen diesen kühnen Griff von Superreichen in das Portemonnaie der Steuerzahler erfolgreich das Referendum ergriffen worden. Immerhin ein politisches Ereignis von gewisser Bedeutung für diese Medien. Entsprechend fällt auch die Reaktion aus.

Schweigen ist Gold, zumindest für Redaktoren.

Schweigen. Tiefes Schweigen. Fassungsloses Schweigen. Trauer und Stille sinkt über Yachten, Luxusautos, Schlösser. Das Personal tritt nur mit Zehenspitzen auf, der Kaviar wird abgeräumt,

Witwe Clicquots Blase perlt unbeachtet im Glase,

wie schon Wilhelm Busch unsterblich dichtete. Kein Wort über diese Majestätsbeleidigung in den Gazetten der Wanners, Ringiers, Coninx-Supinos, Lebruments, Hersants.

Zisterzienser und vor allem Karteuser haben sich dem Schweigegelübde verschrieben. Neu stösst die Clique der überlebenden Redaktoren in ihren Schweige-, Pardon, Verrichtungsboxen hinzu.

Blick in einen tiefen Verleger-Keller.

Wer finanzierte Spitzel Cincera

Die Schweiz war in Angst: Übernehmen die subversiven Roten die Macht?

Es gibt ab und an einen Lichtblick im trüben Sumpf der Schweizer Journaille. Der von der Schaffhauser AZ zum «Tages-Anzeiger» gestossene Redaktor Kevin Brühlmann hat ein feines Stück abgeliefert.

Er hat sich auf die Spuren des «Kommunistenjägers» Ernst Cincera begeben. Um den zu verstehen, muss man sich in die 70er-Jahre des letzten Jahrhunderts zurückbegeben. Es war die Hochzeit des Kalten Kriegs zwischen dem kapitalistischen und dem kommunistischen Lager, angeführt von den USA und der UdSSR. Da beide Supermächte über genügend Atomwaffen verfügten, um die Welt gleich mehrfach in die Luft zu sprengen, rückte die Möglichkeit einer militärischen Auseinandersetzung in weite Ferne.

Aber auch in der Schweiz ging die Angst um. Die Angst vor einer subversiven Wühlertätigkeit von verkappten Linksradikalen oder Kommunisten, die sich insgeheim daran machten, das Schweizer System zu unterwandern – und schliesslich mit einem Umsturz oder gar einer Revolution die Macht zu ergreifen.

Das Bürgertum wollte sich wehren – mit allen Mitteln

So jedenfalls die schreckensbleiche Vorstellung in rechtsbürgerlichen Kreisen. Um in den Verdacht zu geraten, zu diesen Umstürzlern zu gehören, reichte oft bereits eine Mitgliedschaft in der SP, Gewerkschaftsarbeit oder öffentliche linke Äusserungen. Zu trauriger Berühmtheit gelangte damals Ernst Cincera. Der nur 163 cm grosse gelernte Grafiker und Werber hatte es sich zur Lebensaufgabe gemacht, den Kampf gegen die Subversiven persönlich zu führen.

Eine journalistische Spitzenleistung.

Schon in den späten 60er-Jahren hatte Cincera damit begonnen, ein Archiv anzulegen. Auf tausenden von Karteikarten notierte er die Namen von potenziell Verdächtigen, von Linken, von aus Moskau gesteuerten Systemveränderern. Oder zumindest von Personen, die Cincera dafür hielt. Längst war er nicht mehr als Werber tätig, sondern sammelte Informationen, Zeitungsausschnitte, Berichte, Spitzelrapporte und notierte all das fleissig auf seinen Karteikärtchen.

Denunziant Cincera zerstörte Karrieren

Was sich aus heutiger Sicht verschroben-putzig anhört, war es damals keinesfalls. Denn immer häufiger bedienten sich Firmen und sogar staatliche Stellen dieser Kartei. Man konnte sich bei Cincera melden und ihn um Auskunft über einen Stellenbewerber bitten.

Fand sich dessen Namen in seiner Kartei, wurde es nichts mit der Anstellung.

Cincera, Jahrgang 1928, war das Kind einer Arbeiterfamilie und sympathisierte selbst in seiner Jugend mit dem Kommunismus. Aber in der Rekrutenschule hatte er eine Art Erweckungserlebnis und gelangte zur Überzeugung, dass die Schweiz vor der Unterwanderung durch rote Gesellen geschützt werden müsse.

So denunzierte er einige Jahre ungestört vor sich hin. Bis 1976 der Journalist Jürg Frischknecht zusammen mit ein paar Helfern zum Gegenschlag ansetzte. Das Grüppchen brach in Cinceras Geheimarchiv ein, klaute ein paar tausend Karteikarten und brachte das Tun dieser «unheimlichen Patrioten» ans Tageslicht.

Cincera war aber nur die Spitze eines Eisbergs

Darauf wandten sich viele, die zuvor seine Dienste eifrig benützt hatten, offiziell von ihm ab. Aber das war nur das Vorspiel zu einem viel grösseren Bespitzelungsskandal. Nicht zuletzt gefüttert mit Erkenntnissen aus Cinceras Denunziantenarchiv, hatte die Bundespolizei ein eigenes Archiv von angeblich subversiven Zeitgenossen angelegt. Und zwar mit der grossen Kelle: Als auch diese geheime Fichensammlung 1989 aufflog, waren darin rund 900’000 Personen verzeichnet.

Später konnte man Einsicht in die eigene Fiche nehmen. Der ZACKBUM-Autor durfte dabei feststellen, dass sogar ein Besuch der kubanischen Botschaft in Bern verzeichnet worden war, nicht ohne die Erwähnung, dass er von einer nicht identifizierten Person dabei begleitet wurde. Herzerwärmend war auch, dass sogar ein Physiklehrer der Kantonsschule Aarau meinte, seiner staatsbürgerlichen Pflicht nachgehen zu müssen und den Autor – ohne konkrete Verdachtsmomente – als ganz gefährlichen Aufrührer bei der Bundespolizei denunzierte. Eigentlich war dieser Mann dadurch charakterlich nicht geeignet, Schüler zu unterrichten, als bösartiger Spitzel.

Die ironische Fussnote besteht darin, dass Moritz Leuenberger, als er nach dem Studium auf der Suche nach einer Anstellung war, selbst Opfer des Denunziationsarchivs Cinceras wurde. Später aber seine politische Karriere vorantrieb, indem er zuvorderst bei der Aufklärung des staatlichen Fichenskandals wirkte – und schliesslich den Sprung in den Bundesrat schaffte.

Spitzel Cincera, Opfer Moritz Leuenberger (oben rechts).

Ein wichtiger Aspekt der Tätigkeit Cinceras bliebt aber bislang unbeleuchtet: wer hat dieses aufwendige Archiv, wer hat die Tätigkeit Cinceras finanziert? Da ist Brühlmann ein echter Fund und Treffer gelungen. Als Sammelbecken für Spenden diente damals das «Institut für politologische Zeitfragen», sozusagen eine bürgerliche Tarnorganisation. In dem Beirat sass Cincera, direkte Geldflüsse sind natürlich nicht nachweisbar.

Alle grossen Firmen spendeten für Spitzeltätigkeiten

Aber mit Schweizer Akkuratesse sind alle Spender von 1970 bis 1992, bis zur Auflösung des Instituts, aufgeführt. Darunter so ziemlich alle bedeutenden Schweizer Unternehmen; Migros, Zurich Versicherung, Nestlé, natürlich die Schweizer Grossbanken, usw.

Die akkurate Liste aller Spender.

Brühlmann zieht eine berechtigte und bittere Bilanz aus seiner hochinteressanten Recherche:

«In einer Demokratie, die sich rühmt, auf dem Wettbewerb um die besten Ideen zu fussen, musste man Anliegen junger Menschen, zum Beispiel gute Löhne oder mehr Mitbestimmung im Betrieb, nicht diskutieren, denn man konnte sie als Staatsfeinde an den Rand der Gesellschaft schieben. Und darüber hinaus.»

Die Liste der Spender eines Jahres.

Die Frage, ob sich ähnliche Strukturen heute wieder herausbilden, diesmal im Umgang mit den sogenannten Corona-Skeptikern, liegt auf der Hand. Wie China erschreckend vorführt, sind zudem heutzutage die Kontrolle- und Überwachungsmöglichkeiten durch die zunehmende Digitalisierung um Zehnerpotenzen grösser als zu Zeiten der kalten Krieger und unheimlichen Patrioten im letzten Jahrtausend.

Amateurhafte Stümper im Vergleich zu den heutigen Möglichkeiten

Der Karteikärtchen-King Cincera, die Bundesbeamten, die mit Schreibmaschine Fichen anlegten und archivierten, das waren alles Anfänger, Kinderkram, lachhafte Amateure im Vergleich zu den heutigen Spitzelmöglichkeiten der staatlichen Geheimdienste.

Brühlmann ist ein gelungenes Stück Recherche zu verdanken. Eine kleine Sternstunde des Journalismus, die zeigt, was alles möglich ist, wenn man sich nicht um die eigene Befindlichkeit kümmert, in wahnhafter Suche nach Diskriminierung oder nach einer gendergerechten Sprache verliert. Sondern das macht, wozu der Journalist da ist: einen Faden aufnehmen, ihm nachgehen durchs Labyrinth der Zeitgeschichte, um mit einem schönen, runden Ball an Story zurückzukehren.

 

Die Wüste lebt

Wir taten es nicht freiwillig. Aber ein Artikel des «Magazin» lohnt die Lektüre. Unfassbar.

Es gibt nichts Schöneres, als wenn Vorurteile zerbrechen. Also sagen wir so: Das «Magazin» unter Finn Canonica ist das tragischste Opfer eines sich ins Elend sparenden Journalismus. Ein Schatten früherer Grösse. Selbst der Abgang von Daniel Binswanger konnte daran nichts ändern.

Aber: «Warum sind wir so besessen von Genitalien?» ist ein grossartiger Essay der Berliner Schriftstellerin Nele Pollatschek.

«Vor einigen Wochen unterhielt ich mich mit einem Journalistenkollegen und sagte: «Ich, als Schriftsteller…» Der Journalist unterbrach mich: «SchriftstellerIN». Da fiel es mir wieder ein. Ich bin ja kein Schriftsteller, ich bin ja eine Frau.»

Eigentlich ist das Thema gendergerechtes Deutsch zu Tode geschrieben worden (auch hier auf ZACKBUM). Umso verblüffender, dass ein Schriftsteller mit Elan, Frische und Humor dieser Perversion wahrlich den Todesstoss versetzt. Das abgedruckt zu haben, dafür gebührt dem «Magazin» grosses Lob. Es erst so lange nach Publikation gelesen zu haben, dafür gebührt ZACKBUM ein grosser Tadel. Aber wozu hat man gute Freunde, die Hinweise geben.

Jeder sollte das lesen, es ist heilsam

Aber wir leisten Abbitte. Jeder (auch jede, non-binär, transgender und eine der weiteren rund 160 Genderausformungen inbegriffen) sollte das lesen. Wer dann noch meint, gendern hätte irgendwas in der Sprache verloren, würde irgend etwas bringen, besser machen, bewirken, dem ist nicht mehr zu helfen.

Ein Text wie eine Oase in der Wüste.

Natürlich kann man nun noch einwenden, dass uns der Text ausnehmend gefällt, weil er genau in unser Weltbild passen würde. Auch das ist nicht von der Hand zu weisen, aber in erster Linie gefällt das Essay, weil es intelligent, witzig, auf Niveau und herausragend gut geschrieben ist. Das würden wir auch über jeden Text sagen, der das Gendern als unabdingbar nötig für den Fortschritt der Menschheit bezeichnete. Wenn es ihn denn gäbe.

Besonders amüsant ist das Spielen mit verschiedenen Metaebenen, das einen federnden Text von einem gesinnungsschwer platten unterscheidet:

«Ich würde diesen Artikel übrigens gerne anfangen, ohne mehrmals auf mein Geschlecht zu verweisen, das geht keinen etwas an. Ich würde ihn gerne mit rationalen Argumenten gegen das Gendern anfangen. Täte ich das aber, würde ich sofort als Anti-Feminist gelesen werden und diejenigen, für die ich das schreibe, die guten, aufgeklärten Gerechtigkeitsliebenden, würden aufhören zu lesen.»

Dann kommt noch eine hübsche Prise Dialektik dazu. Die Autorin gibt zu, dass ihr Diskriminierung durchaus bekannt ist; als jüdischer Frau in Deutschland. Aber: «Ich gendere nicht, ich möchte nicht gegendert werden, gerade weil ich weiss, wie Diskriminierung sich anfühlt.»

Ein virtuoser Todesstoss

Nachdem Lele Pollatschek die üblichen Argumente gegen das Gendern fulminant abgeklatscht hat, setzt sie virtuos zum Todesstoss an:

«Im Grunde gibt es nur ein einzig wirklich gutes Argument gegen das Gendern: Es ist leider sexistisch.

Ich sage leider, denn Menschen, die gendern, sind mir doch eigentlich so nah. Wer gendert, tut das in der Regel, um auf sprachliche und gesellschaftliche Ungerechtigkeiten hinzuweisen. Gendern ist eine sexistische Praxis, deren Ziel es ist, Sexismus zu bekämpfen.»

Das dekliniert sie nun vergnüglich durch, dabei hilft ihr die Aussenperspektive, die sie durch ihr Studium in Cambridge und Oxford gewann. Denn schon englischen Feministen ist die deutsche Manie, durch die Verwendung möglichst vieler Genderformen mehr Sprachgerechtigkeit herzustellen, mehr als suspekt.

«Wer aus meinem «Schriftsteller» ein «Schriftstellerin» macht, kann auch gleich «Vagina!» rufen. Das hat den gleichen Informationswert, wäre aber komischer und aufrichtiger und mir deutlich lieber.»

Es gibt auch ganze Denkgebäudeansiedelungen in der Wüste.

Aus der Vielzahl ihrer Argumente, wie die Aneignung von Begriffen richtig stattfinden könnte, sei nur eines herausgegriffen: «Genauso wie das Wort «US-President» für die ersten Jahrhunderte der amerikanischen Geschichte per Gesetz nur Weisse bezeichnen konnte und faktisch bis 2008 nur weisse Männer bezeichnet hat. Die Realität, also Barack Obama, hat die Sprache verändert.»

Realität und Sprache ist eine dialektische Wechselwirkung

Nicht die Verwendung des Begriffs Bundeskanzlerin hat dieses Amt auf Frauen erweitert. Sondern die Amtsausübung durch Angela Merkel. Damit hat Pollaschek den wesentlichen Punkt festgenagelt: die Realität verändert die Sprache, nicht die Sprache die Realität. Besser: Sprache kann dabei helfen, aber nicht der Genderwahn. Ihr Schlusswort kann man nur mit beiden Händen unterschreiben:

  • «In einer Welt, in der innerhalb weniger Jahrzehnte aus «Fräuleins» «Frauen» wurden, können aus Frauen noch immer Menschen werden. Menschen, die Bücher schreiben, wir nennen sie dann Schriftsteller, Menschen die wählen, wir nennen sie dann Bürger, Menschen die regieren, wir nennen sie dann Kanzler oder Bundesrat, Menschen, die zu Gast sind, wir nennen sie dann Gäste. In dieser Welt würde ich sehr gerne leben.»

Auch im Death Valley blüht’s – nach einem Regenfall.

Wer nicht. Aber zurzeit sieht es eher danach aus, als ob wir uns von dieser Welt mit grossen Schritten entfernen würden. Allerdings auch nur in sehr elitären Zirkeln, deren Kriegstänze um den Popanz Gender eigentlich nicht wirklich interessieren.

 

Bibber, schlotter, schimpf

Gegen das sogenannte Mediengesetz wird das Referendum ergriffen. Die Verleger sind überhaupt nicht amused.

In diesen Tagen gab es eine echte Strafaufgabe für die bis hierher überlebenden Journis in den Medienkonzernen. Wer kriegt die Arschkarte und muss über das Referendumskomitee berichten? Welches? Na, das Komitee, das Unterschriften für ein Referendum gegen die zunehmende Staatsfinanzierung von Privat-Clans sammelt.

Wohin das führt, sieht man beim Staatsfunk; Pardon, bei der zwangsgebührenfinanzierten, aber ansonsten völlig unabhängigen und objektiven SRG. Die mit aller nötigen Distanz über die Pandemie-Bekämpfung des Bundesrats, über den Anschluss an die EU, über Umweltgesetze, über Ex-Präsident Trump und über auch sonst alles auf der Welt berichtet.

Aber bei der SRG wird das Geld immerhin nur so sinnlos verröstet, indem zwei Sesselfurzer auf einen tatsächlich medial Arbeitenden kommen. Indem von Nathalie Wappler abwärts und aufwärts kein Kader den geringsten Zusammenhang zwischen der Höhe seines exorbitanten Gehalts und seiner Leistung sehen will. Der oberste Chef steht in der Affäre um den ehemaligen Romandie-News-Star mehr als jämmerlich da? Na und, eine halbe Million ist das alleweil wert. Wappler wappelt von einem Flop zum nächsten? Pah, so viel wie ein Bundesrat verdient, das verdient sie locker.

Das Ende vieler Bemühungen.

Susanne Wille, die noch nie durch besondere Affinität zur Kultur auffiel (und auch noch nie irgend einen Erwachsenen als Vorgesetzte geführt hat), kassiert als Mitglied der Geschäftsleitung knapp 400’000 Franken, während ihr armer Gatte als Aushängeschild von SRF in der «Tagesschau» auf vielleicht 130’000 kommt? Na und?

Noch schlimmer ist es bei den Privat-Clans, die die Schweizer Medienszene beherrschen. Da fliessen weiterhin hübsche Gewinne in den Unterhalt des Lebensstils der Coninx, Ringiers, Wanners und Lebruments. Das war schon immer so, das soll auch so bleiben.

Aber eben, Referendum, Komitee, muntere Versammlung von aktiven Mitarbeitern, könnte sogar klappen, dass die 50’000 Unterschriften zusammenkriegen. Totschweigen geht nun schlecht, aber was tun? Viele haben sich natürlich in die Ticker-Meldung der SDA geflüchtet. Berichterstatterpflicht erfüllt, kann keiner Zensur krähen, uff.

Im Wanner-Imperium CH Media mussten Otmar von Matt und Dennis Frasch ans Gerät. Bei dem schönen Wetter. Scheiss-Idee von Arschlöchern, das können die natürlich nicht schreiben. Also umschreiben sie es:

Das Komitee bestehe aus «zwanzig Unternehmern und Verlegern. Sie sind fast alle parteiungebunden, gehören aber dem rechtsbürgerlichen Milieu an – und verfügen über beträchtliche finanzielle Potenz». Hübsche demagogische Spitze Nummer eins. Von Matt ist zwar Lohnabhängiger von Wanners Gnaden, aber ansonsten ganz parteiungebunden. Selten so gelacht. Über beträchtliche finanzielle Potenz verfügt er eher nicht, sondern muss sich als Mietmaul verdingen.

Also, rechtsbürgerlich, Haufen Kohle. Federführend scheinen ein gewisser Philipp Gut (ehemals stellvertretender Chefredaktor der WeWo) und Bruno Hug, ein «schillernder Verleger aus der Ostschweiz», zu sein. Am Schluss schwant von Matt Übles: «Damit rollt eine Politlawine auf die Medienkonzerne zu.»

Gut, dass er einen Lawinenmelder auf Mann hat. (Noch) gewohnt neutral berichtet die NZZ: «Widerstand gegen mehr Bundesgeld für Medien: Komitee will Referendum lancieren»

Tamedia hingegen ist noch in Schockstarre und – berichtet nichts. Ist ja auch so viel los wieder, «die Rache der Landschweiz» bei den Abstimmungen, Frauenstreiktag, man (und frau) kommt ja zu nichts. Ausserdem konnte Supino vielleicht nicht auf der Coninx-Yacht erreicht werden; der Handyempfang in der Karibik ist halt so eine Sache.

Ringier, «Blick»? Ach, das Organ mit dem Regenrohr vermeldet auch Wichtigeres, als Start oben: «Heute landet der US-Präsident in der Schweiz». Wahnsinn, gut, dass wir das wissen. Und heiss werden soll es auch, wie wär’s da mit einem Mini-Klimagerät?

Also bleibt dem geneigten Leser von ZACKBUM.ch im Moment nur, sich hiermit schlau zu machen:

Zweimal «Blick», zwei Blicke in die seriöse Zukunft.

Denn keine Bange, wenn geklärt ist, wer den Büttel spielen muss und gegen das Referendum wäffeln, kommt dann schon noch Stimmung auf. Garantiert.

 

Wird der «Blick» ganz anders?

Busen, Blut, Büsis. So funktioniert Boulevard. Oder nicht mehr? Ringier versucht die Wende, begleitet von Häme und Unglauben.

Nick Lüthi ist ein alter Hase, was die Berichterstattung über Medien betrifft. Als altgedienter Gewekschaftsjournalist verzehrt er nun noch sein Gnadenbrot bei der «Medienwoche». Leider auch ein Opfer der Medienkrise; viel Gesinnung, wenig Gehalt.

Drittklassige Gastautoren, die noch nicht mal eine erkennbare Gesinnung haben. Aber ab und an greift auch Lüthi selbst noch zum Griffel. So vermeldete er Ende Mai, dass der «Blick» sich nicht nur ein neues Logo verpasst hatte, sondern auch neue «Anstandsregeln». Er meint damit die «News-Richtlinien» an die sich seit Mitte Mai 2021 die «Blick»-Gruppe halten soll. Schon zuvor hatte sich das einzige Boulevardblatt der Schweiz von lieben Angewohnheiten getrennt.

Busen, also das «Seite 3»-Girl, war schon längst durch den «Star des Tages» ersetzt worden. Aber auch der verglühte mit dem Stellenantritt von Christian Dorer. Und nun wird auch noch der Sex-Ratgeber eingestellt. Damit aber nicht genug. Die Gerichte legen den Persönlichkeitsschutz immer extensiver aus, also jegliche Art von identifizierender Berichterstattung kann sehr schnell in kostspielige Probleme führen.

Methoden wie auf dem Boulevard

Lüthi bleibt allerdings skeptisch – und gnadenlos: «Die neuen Regeln sind zwar umfassend, weisen aber an entscheidenden Stellen Lücken auf.» Tja, umfassend oder lückenhaft, da muss Lüthi noch etwas in sich gehen. Am Schluss seines Artikels tat er das schon. Als wollte Lüthi die alte Tradition des Boulevard selber fortführen, musste er selbst bereits zu Kreuze kriechen:

«Wir bitten um Entschuldigung für die unzutreffende Unterstellung unethischen Verhaltens.»

Lüthi, der Recherchierjournalist, hatte dem Verfasser dieser neuen Richtlinien unterstellt, er selbst habe erst vor Kurzem dagegen verstossen. Sandro Inguscio wehret sich mit Erfolg gegen diese Unterstellung. Auch der Grand old man des Schweizer Journalismus, Karl Lüönd, äussert in einem Leserbrief grosse Vorbehalte gegen diese «schulmeisterliche Art» von Lüthi. Der zwar aus alten Reflexen auf die Boulevard-Gurgeln der Ringier-Presse einprügelt, aber, wie Lüönd maliziös anmerkt:

«Die seit Wochen mit Abstand knackigste  Boulevardgeschichte – die Hintergründe um den Arzt, der am Zürichberg seine Villa und sich selbst vernichtet hat – stand am gleichen Tag, an dem Du Deine Moralpredigt veröffentlicht hast, im Tages-Anzeiger.»

Dumm gelaufen für Lüthi, aber da gibt es ja noch Jolanda Spiess-Hegglin, immer zu Stelle, wenn es darum geht, etwas noch schlimmer zu machen. Offenbar ist JSH durch die Erstellung der Online-Denunziationsseite «netzpigcock.ch» nicht ausgelastet, die sich dem angeblichen Problem widmen soll, dass schon jede zweite Frau in der Schweiz unverlangt Penis-Fotos zugestellt bekam.

Entscheidende Frage für 

JSH kämpft bekanntlich um eine «Gewinnherausgabe» beim Ringier-Verlag, der sich mit Storys über sie eine goldene Nase verdient haben soll. Rund eine Million Umsatz habe er damit gemacht, also «Bruttogewinn», wie Hansi Voigt behauptet, neuerdings der Spezialist dafür, wie man im Netz Geld verdient und nicht verröstet. Ernstzunehmendere Internet-Spezialisten sprechen von allerhöchsten 20’000 Franken, nebenbei.

Für JSH ist diese Summe aber ziemlich entscheidend. Denn sie wird nicht nur von einer sackteuren Anwältin vertreten, nachdem ihre Berufung vom Obergericht Zug auf ganzer Linie abgeschmettert wurde, alle ihr von der unteren Instanz zugesprochenen Summen noch deutlich gekürzt wurden, braucht sie schlichtweg Geld.

Daher poltert sie weiterhin auf allen Kanälen gegen den «Blick». Eigentlich ginge es ihr gar nicht so sehr um Geld, liess sie noch vor dem Prozess in Zug verlauten, viel wichtiger wäre es doch, wenn sich – wie sie auch forderte – Ringier bei ihr entschuldigen würde. Dieses Begehren wurde vom Gericht abgelehnt, aber noch bevor sich JSH darüber so richtig echauffieren konnte, passierte aus ihrer Sicht etwas ganz Blödes.

Marc Walder entschuldigte sich öffentlich bei JSH, gerade weil er gerichtlich dazu nicht gezwungen wurde. Jeder andere hätte das zumindest akzeptiert oder sogar dieser noblen Aktion Respekt erwiesen. Aber doch nicht JSH. Sie verstummte einfach. Nun hat sie sich aber wieder erholt. In einer ganzen Twitterkanonade von glaub’s 34 Tweets schimpft sie weiter auf Ringier.

Fake News gegen JSH? Aber sicher nicht …

Natürlich bietet ihr auch der Artikel von Lüthi willkommenen Anlass, die Tweets nochmal als Leserbrief aufzuwärmen. Und wie: «Über 200 konstruierte, persönlichkeitsverletzende, menschenverachtenden Artikel voller Sex– und Männerfantasien über mich, nach allen Regeln der Schmierfinken-Kunst.» Souverän sieht JSH darüber hinweg, dass tatsächlich gerichtlich eine Persönlichkeitsverletzung festgestellt wurde. Aber bislang musste der «Blick» keine einzige Darstellung der Fakten korrigieren. Die stimmen nämlich blöderweise.

Ringier will keinen Gewinn herausgeben

Das findet JSH aber nicht der Erwähnung wert. Hingegen erregt sie sich höchlichst, dass es Ringier doch tatsächlich wagt, ihrer Forderung nach Gewinnherausgabe mit juristischem Widerstand zu begegnen. Jetzt wird es sehr trashig, als wär’s ein altes Stück vom «Blick». Denn JSH zitiert ausführlich aus der Rechtsschrift des Verlags gegen ihr Ansinnen, furchtbar viel Geld zu bekommen. Das ist zwar nicht richtig illegal, aber auch nicht die feine Art. Aber JSH und feine Art, das ging ja noch nie zusammen. Da wagt es der Verlag doch tatsächlich, unter anderem das hier ins Feld zu führen:

«In den eingeklagten Artikeln ist nichts falsch, nichts diffamierend, nichts verletzend, sondern alles die schlichte, banale, einfache Wahrheit.» «Den Gedächtnisverlust erfindet man, um sich nicht an Einzelheiten erinnern zu müssen.» «Den Ehemann als den «Gehörnten» zu bezeichnen, ist nach Lage der Dinge ebenfalls zulässig.»

Entspricht vielleicht nicht der Auffassung von JSH, aber kann man mit Fug und Recht so sehen. Die entscheidenden Sätze, über die sich JSH aber unendlich aufregt, sind diese: «Die Beklagte hat mit den eingeklagten Artikeln keinen Gewinn erwirtschaftet.» Und: «Wo es keine Persönlichkeitsverletzung gibt, gibt es auch keine Gewinnherausgabe.» Das treibt JSH natürlich zur Weissglut, denn das könnte ja bedeuten, dass ihre Hoffnung auf viele, viele Batzeli sich nicht erfüllt. Deshalb schäumt sie:

«Da macht ihr einfach weiter mit dem Victim Blaming. Mit der Frauenverachtung, dem Sexismus, der Verhöhnung einer Frau».

So wirr sind die modernen Zeiten. Das Organ mit dem Regenrohr im Logo bemüht sich nach Kräften, als Boulevardblatt verantwortungsbewusst und seriös zu werden. In die Lücke springt zum Beispiel der «Tages-Anzeiger» in einem fetten Boulevardstück über den Selbstmord am  Zürichberg. Der jeden Boulevard-Methoden abholde Lüthi muss sich auf den Knien für eine boulevardeske Falschbehauptung entschuldigen.

Entschuldigen, nicht entschuldigen, doch entschuldigen

Und das angebliche Opfer JSH verlangte eine Entschuldigung, forderte sie sogar vor Gericht ein – und wurde abgeschmettert. Aber der Ringier-CEO entschuldigte sich öffentlich und freiwillig bei ihr. Echt blöd gelaufen, wo es ihr doch nie um Geld ging. Aber jetzt ausschliesslich darum. Das Opfer wird zum Täter. Lüthi verwendet Boulevard-Methoden. Der «Blick» wird seriös wie ein Regenrohr. Einer, der mit am meisten Geld im Internet verröstet hat, wird Fachmann für die Berechnung von Gewinnen im Web. Der Tagi schreibt das, was der «Blick» hätte schreiben müssen.

Und keiner traut sich, wie bei des Kaisers neue Kleider, das Offenkundige auszusprechen: die Zuger Affäre ist auserzählt. Ein Unschuldiger wurde deswegen als Politiker, als öffentliche Person vernichtet. JSH steht vor der merkwürdigen Situation, dass ihr Lover auf dem Boot sie sicherlich nicht mit Drogen willenlos machte. Zudem gibt es genügend Zeugen für vorangehendes hemmungsloses Geknutsche. Wenn es aber ihr Lover nicht war, dann muss sie ein unbekannter Dritter unter Drogen gesetzt haben, um sie zu missbrauchen. Bevor man nach dem fahndet: am unbestritten im Separée anwesenden Lover vorbei?

Unsere Nationalbank beim Eierquetschen

Vornehmer heisst das Short Squeeze und bedeutet, Spekulanten in die Hose zu fassen.

Das ist normalerweise ein Spiel für die Big Boys an den Börsen. Zu denen gehört aber auch unsere gute, alte Nationalbank. Wenn ganz grosse Hedgefunds grün und blau vor Ärger und Angst werden, hält sich das Mitleid in Grenzen. Citron Resarch, Melvin Capital oder Citadel sind solche Giganten, die normalerweise unter dem Radar fliegen. Zurzeit aber eher unbekleidet dastehen und sich die Hände vors Gemächt halten.

Wie so häufig hat die «Financial Times», eines der wenigen Organe, in dem Wirtschaft noch kompetent analysiert wird, den Fall aufgeblättert. Wie so häufig hat «Inside Paradeplatz» als bislang einziges Schweizer Organ darauf hingewiesen.

Die Probleme beim Leerverkaufen sind in der Leere des Journalismus zu kompliziert

Ein Short Squeeze ist eine ziemlich unangenehme Klemme, die beim Shorten entsteht. Shorten heisst, ein Wertpapier auf Termin leer zu verkaufen. Zum heutigen Kurs, weil der Spekulant davon ausgeht, dass er es sich bei fallenden Kursen später billiger besorgen kann und so ohne die geringste Wertschöpfung Reibach macht.

Für Fallschirmspringer ohne Fallschirm ist die Variante des leer Shortens. Der Spekulant geht voll ins Risiko und hat seine Wette auf die Zukunft mit nichts unterlegt. Ein theoretisches, aber naheliegendes Beispiel: Die Aktie der Credit Suisse ist mit 9.85 am Freitag aus dem Markt gegangen. Ich biete sie zu diesem Preis zum Verkauf am Mittwoch. In der Hoffnung, dass ich mir sie dann für 9.75 besorgen kann. Hübscher Gewinn ohne Arbeit.

Peinlich wird’s aber, wenn sie am Mittwoch nur für 9.95 zu haben ist. Denn ich muss mein Verkaufsversprechen halten, mich also mit Verlust eindecken. Der ist hier bitter, aber überschaubar.

Richtig peinlich wird’s aber, wenn der Kurs durch die Decke geht. Das war bei der US-Trümmelfirma Gamestopp vor Kurzem der Fall. Deren Aktienkurs dümpelte friedlich bei rund 20 Dollar vor sich hin. Einige Hedgefonds verloren das Vertrauen ins Geschäftsmodell der Bude und begannen zu shorten. Aber statt dass der Kurs ihnen den Gefallen tat, weiter abzusaufen, explodierte er auf bis zu 480 Dollar. Nun stelle man sich vor, dass ein Spekulant zu diesem Preis sich mit ein paar tausend Aktien eindecken muss, die er für 20 Dollar zu liefern hat.

Ein Short Squeeze ist sehr unangenehm

Zumindest Männer, und die überwältigende Mehrheit der Börsenhaie sind Männer, haben dann ein Gefühl, als würden ihre Testikel in einen Schraubstock geraten. Sehr unangenehm. Das gleiche Spiel läuft zurzeit mit den Aktien der Kinokette AMC. Eigentlich, dank Corona, auch ein Kandidat für fallende Kurse. Aber auch AMC wird zu einer Meme-Aktie. So wiederum nennt man Papiere, deren Börsenwert nichts mehr mit dem inneren Wert der dahinterstehenden Firma zu tun hat.

Hedgefunds müssen ja irgendwie Geld verdienen, und sei es nur, um die exorbitanten Fees und Boni des Managements zu bezahlen. Die sind aber im Allgemeinen sehr gut im Abkassieren, weniger gut im Analysieren und Spekulieren. Das neue beim Gamestopp-Casino war, dass auf der Versammlungsplattform Reddit ein Trader unter dem putzigen Pseudonym «Roaringkitty» (brüllendes Kätzchen) eine Community von Kleinhändlern aufgebaut hatte, die gemeinsam so viel Gewicht bekamen, dass sie den Kurs der Spielefirma nach oben treiben konnten.

Das wiederum trieb ein paar Hedgefonds fast in den Bankrott; einer soll dabei beinahe 50 Prozent seines Wertes verloren haben. Aber da ja die meisten Einnahmen von Händlern weiterhin umsatzabhängig sind (schliesslich ist auch das Verrösten von Geld Umsatz), bedeutet eine verlorene Wette die nächste Wette, diesmal aber in die Vollen.

Auch die AMC-Aktie explodiert – nach oben

Das scheint gerade bei der AMC-Aktie zu passieren. Statt sich gefälligst nach unten zu bewegen, explodiert sie förmlich nach oben. Ganz echt furchtbar blöd wird es dann, wenn Shorties – so nennt man diese Spekulanten – mehr Kontrakte ausgestellt haben, als es überhaupt Aktien gibt.

Wie diverse Finanzkrisen gezeigt haben, kann man an der Börse ziemlich viel anstellen; Aktien aus dem Nichts herbeizaubern gehört aber nicht dazu. Auch bei AMC ist inzwischen rund 80 Prozent der Aktien im Besitz von einer Community von Retailhändlern. Allerdings, unvermeidlich sind auch Big Boys wie BlackRock, die Pensionskasse von Arizona – und die Schweizerische Nationalbank (SNB) eingestiegen. Ihr, also uns, gehören rund 200’000 AMC-Aktien. Ihr Paket hat die SNB erst Anfang Mai verdoppelt.

Auf der anderen Seite, also womöglich auf der Verliererstrasse steht – man möchte fast sagen: logisch – die Credit Suisse. Sie soll zu den grösseren Leerverkäufern der Aktie gehören. Funktioniert auch hier der Short Squeeze, dürfte es diesmal ein paar grosse Hedgefunds lupfen.

Unvergessen: der Short Squeeze mit de VW-Aktie 2008.

Richtig lustig wird’s aber dann, wenn die SNB zwar zu den Gewinnern gehört. Aber der CS unter die Arme greifen muss, too big to fail, nicht wahr. Gewinne kassiert das Management, Verluste deckt der Staatsbürger mit seiner SNB ab. Ein Scheissspiel? Aber sicher. Nur hätte es der Staatsbürger ja in der Hand, kräftiger bei seiner SNB mitzureden. Denn die ist auch eine AG. Aber eben, von «da sollte man mal» bis zur Aktion ist es ein weiter Weg.

Vor der Aktion stehen auch Horden von Bedenkenträgern, die ein Hindernis nach dem anderen aufstapeln. Und den Gründungszweck der SNB völlig aus den Augen verloren haben.

Immerhin; endlich ist die Schweiz mal wieder Weltspitze. Mit Abstand. Die Bilanz ihrer Notenbank ist bedeutend grösser als das BIP. Und die SNB ist der grösste Hedgefonds der Welt. Mit ganz tiefen Taschen. Und mit der Lizenz zum Drucken. Zum Gelddrucken.

Dieser Artikel erschien zuerst auf «Die Ostschweiz».

Tamedia wird weiblicher!

Wenn das Salome Müller noch erleben darf! Das Ende von Sexismus, Diskriminierung und unerträglichem Arbeitsklima.

Schwatzhaft, wie Frauen nun mal sind, konnte es nicht lange ein süsses Geheimnis bleiben. Jetzt greift die Führungsriege durch. Schluss mit sexueller Belästigung. Stattdessen wird endlich ernst gemacht mit Diversity und Frauenförderung.

Keine Frau im ganzen, grossen Tamedia-Imperium muss mehr heimlich «Woman is the nigger of the world» von John Lennon (und Yoko Ono natürlich) hören. Toller Song, übrigens.

Marco Boselli, Co-Geschäftsführer von Tamedia, bestätigte gegenüber persoenlich.com, dass die Würfel gefallen sind, mit ihnen die männlichen Bastionen. Ob er selbst auch an eine Geschlechtsumwandlung denkt, liess er aber offen.

40 Prozent. Frauen. Überall.

Auf jeden Fall verkündete er die Ergebnisse der von Co-Chefredaktorin Priska Amstutz geleiteten internen Arbeitsgruppe. Genau, die Bestseller-Autorin Amstutz, die wie kaum ein Chefredaktor vor ihr Inhalt und Umgangsformen geprägt hat. Oder so. Auf jeder Hierarchiestufe soll es zukünftig einen Frauenanteil von mindestens 40 Prozent haben. Das soll mit einer jährlichen Steigerung um 5 Prozent mehr Frauenanteil geschafft werden.

Sicherlich nehmen die meisten frauenbewegten Männer (und divers und überhaupt) diese Absicht zustimmend zur Kenntnis. Es gibt sogar einen fixen Fahrplan, will persoenlich.com wissen:

«Für Mai 2022 heisst das, basierend auf der heutigen Anzahl von Mitarbeitenden, den Frauenanteil um vierzehn Mitarbeiterinnen, eine Teamleiterin, sechs Kaderfrauen sowie zwei Obere Kadermitarbeiterinnen zu erhöhen, wie aus der Präsentation vom Mittwoch hervorgeht

Das stellen wir uns grossartig vor, endlich die negative Dialektik, die Negation der Negation, nun beim Tagi. Sicherlich bringen die Tamedia-Männer dieses kleine Opfer, dass nun sie diskriminiert werden. Nur deswegen, weil sie Männer sind. So im Stil: «Lieber Marco Boselli, auch wir sind überzeugt, dass sie als Co-Geschäftsführer auch in Zukunft gute Dienste leisten würden. Leider, da sie mit Vornamen nicht Mara heissen, müssen wir dennoch auf Ihre Dienste verzichten, um Platz für eine Quotenfrau zu schaffen.»

Was man vielleicht auch nicht vergessen sollte: mit natürlichen Fluktuationen ist das nicht zu schaffen, liebe Tagi-Männer …

Durchdachter Ersatz eines untauglichen Systems

Wunderbar, endlich wird ein unerträgliches System durch ein anders-unerträgliches ersetzt. Ob nun Salome Müller ihre Kündigung rückgängig macht? Ob Aleksandra Hiltmann ihren Output steigert? Ob Michèle Binswanger wieder in die Gruppe «selber monden, gemeinsam monden» aufgenommen wird? Ob die 78 Unterzeichnerinnen des Protestschreibens nun ihr Schweigegelöbnis brechen und Fragen beantworten? Man weiss noch nichts Genaues, denn diese Ankündigung war wohl eher eine Sturzgeburt, wenn dieser Kalauer gestattet ist.

Kehren vielleicht auch alle Mitarbeiterinnen zurück, die wegen diesen unerträglichen Arbeitsbedingungen gekündigt haben? Jetzt, wo Stellen endlich nicht mehr nach Befähigung, sondern nach dem Besitz einer Vagina vergeben werden. Wenn das gelingen sollte, dürfte Tamedia dem Untergang einen guten Schritt nähergekommen sein.

Dass die Besetzung vor allem von Kaderstellen nach Geschlecht –auch mittels Männerbünden, Seilschaften – jahrelang, jahrzehntelang in den Familienbetrieben, die unsere so grossartigen Bannerträger der Vierten Gewalt halt sind, zum Vorteil von Männern stattfand – das wird jetzt ersetzt durch umgekehrte Diskriminierung, ebenfalls ohne besondere Berücksichtigung der Kompetenz.

Das wollen wir bei Tamedia nie mehr sehen.

Und was wird aus Blumer?

Eine Frage bleibt noch zu beantworten, bevor dann alles gut wird: was geschieht nun mit Claudia Blumer? Mitunterzeichnerin, Bannerträgerin, obwohl selbst gar nicht betroffen? Sie war von Oberchefredaktor Arthur Rutishauser mit der Untersuchung der Vorwürfe beauftragt worden. Als es dem Organisationsgenie einfiel, dass es vielleicht etwas merkwürdig wäre, wenn eine Protestunterzeichnerin die ausschliesslich anonym erhobenen Vorwürfe überprüfen würde, wurde Blumer zur Ansprechperson degradiert. Den Posten ist sie nun auch los, da sie zu «20 Minuten» wechselt.

Aber sie kommentiert noch fleissig, jüngst die Forderung nach Bezahlung der Hausarbeit. «Keine Lösung», donnert Blumer, «Hausarbeitslohn oder Grundeinkommen, beides wird in absehbarer Zeit nicht realisiert.» Kann ihr bei dem Lebensabschnittsgefährten auch völlig egal sein.

Statt ihrer lässt Tamedia nun aus Deutschland «die Expertin Christine Lüders» kommen. Wer? Na, DIE Lüders, «unter anderem Leiterin der deutschen Bundes-Antidiskriminierungsstelle.» In dieser Funktion machte sie was? Also bitte, sie setzte Zeichen, forderte «wir müssen uns der Homophobie entgegenstellen, egal aus welcher Richtung sie kommt.» Wir können uns knapp zurückhalten, dieses schiefe Bild tiefer auszumalen.

Seit Lüders pensioniert wurde, ist sie gerne im Einsatz für Diversität und gegen Sexismus. Als in Deutschland letzten Sommer die Werbebranche dran war, holte sich die Agentur Scholz & Friends – im Feuer wegen Sexismus und Diskriminierung – als «Fachexpertin» – Christine Lüders. Zudem habe man «Listening Sessions» mit allen Mitarbeitenden und eigene «Round Tables» nur für Frauen durchgeführt, schliesslich einen Aktionsplan entwickelt und umgesetzt.

Wir fordern eine Beauftragte für DEI bei Tamedia

Wunderbar, seither ist es an der Geschlechterfront ruhig bei Scholz & Friends. Das wünscht sich natürlich auch Tamedia. Hier hat man den Aktionsplan sogar schon verabschiedet, nun soll Lüders die konkreten Vorwürfe abklären. Da alle anonym erhoben wurden, nicht einmal bekannt ist, wie alt sie sind, dürfte das Lüders einige Zeit in Lohn und Brot halten. Bis sie das Ergebnis verkündet, interessiert das keinen mehr.

Vielleicht noch ein kleiner Tip; als clevere Agentur hat sich Scholz & Friends damals gleich eine neue Position einfallen lassen: die Beauftragte für «Diversity, Equity und Inclusion», kurz DEI. Dieser Titel passt wie angegossen auf Priska Amstutz.

 

 

 

Ein Medienanwalt in eigener Sache

Das mit der Pressefreiheit ist für Daniel Glasl nicht so sehr in Stein gemeisselt.

Rechtsanwalt Glasl hat sich einen Ruf als energischer Verteidiger von Medienopfern erarbeitet. Wie den meisten Anwälte ist ihm dabei die wahre Reputation des Klienten ziemlich egal.

Die «Weltwoche» unterstellte zwei Uni-Historikern eine Liaison und deshalb eine Art von Beziehungskorruption. Daniel Glasl als Vertreter der beiden jedenfalls nachmaligen Turteltauben sieht darin eine Persönlichkeitsverletzung. Auch Carl Hirschmann, der verzogene Millionärserbe, von Beruf vor allem Sohn, gehörte zu Glasls Mandanten. Was den armen Tamedia-Konzern teuer zu stehen kam.

Schon anlässlich jenes Falles giftete Glasl gegen den Bannerträger des Boulevard, Matthias Schwaibold, der ein Urteil zugunsten von Hirschmann kritisiert hatte. Der Disput verblieb im exklusiven Leserkreis der einzigen medienrechtlichen Fachzeitschrift.

Nun geht’s um die Pressefreiheit

Kein Wunder, dass er sich nun auf einer grösseren Plattform aus anderem Anlass, aber in gleicher Rollenverteilung abspielt. Schwaibold hatte als einer der Ersten darauf hingewiesen, dass die geplante Streichung des Wortes «besonders» in Artikel 266 der Zivilprozessordnung einen weiteren Schlag gegen die Pressefreiheit darstellt. Denn damit werden Massnahmen gegen Medien noch einfacher, auch und gerade die superprovisorischen Massnahmen. Was Schwaibold als Zensurgefahr kritisierte.

Wogegen Glasl aktuell in der NZZ als die obere Instanz für Medien- und Rechtsfragen auftritt. Sich als Leiter der Fachgruppe Medienrecht des Anwaltsverbands präsentierend und damit quasi höhere Legitimation erheischend. Der zuvor in der NZZ publizierte Gastbeitrag Schwaibolds rufe «nach einer korrigierenden Einordnung». Diesen Ruf hat zwar ausser Glasl niemand gehört, aber kein Grund zu schade, mit einer Replik auch etwas mediales Licht auf sich zu lenken.

Die Streichung des Wörtchens «besonders» sei völlig richtig, meint Glasl. Und glasklar daher das Ergebnis seiner korrigierenden Einordnung: «Die geplante Gesetzesänderung ist geboten und angemessen. Die Zensur bleibt verboten, und nichts wird zu Makulatur.» Auch dann, wenn ein geplanter Beitrag schon superprovisorisch vor Erscheinen (und ohne Anhörung des Medienunternehmens!) verboten werden könne, wofür schon ein schwerer und nicht erst ein «besonders schwerer» Schaden ausreichen soll.

Bevor wir aufatmen, welcher Einordnungsprozess geht denn dem voraus? «Wer behauptet, eine «superprovisorische Massnahme gegen periodisch erscheinende Medien» sei ein Akt der Zensur, vergisst, «dass die Medien eine Verantwortung für die Einhaltung des Rechts haben». Was nirgendwo steht und ausser Glasl vermutlich auch nur andere Medienopferanwälte behaupten.

Drohende weitere Rechtsverletzungen werden erwähnt

Mehr noch: Die Medien seien durch die nur auf sie gemünzte Verwendung des Wortes «besonders schwer» privilegiert – in anderen Zusammenhängen genügen für vorsorgliche Massnahmen «bereits die Annahme eines schweren Nachteils». Bloss geht es in «anderen Zusammenhängen» nicht um Grundrechte wie Meinungs- und Medienfreiheit, und zu deren Schutz war das «besonders» denn auch mit Bedacht 1985 zum Gesetz gemacht.

Dass ausserdem die «drohende Rechtsverletzung» auch noch zu «bestehender oder drohender Rechtsverletzung» erweitert werden soll, erwähnt Glasl zwar. Welche Auswirkungen diese doppelte Änderung aber haben würde, lässt er lieber unter den Tisch fallen. Wie viel einfacher wird doch die Abwägung von Persönlichkeitsrechten und des Informationsauftrags der Medien sein, wenn sie kein Sonderfall mehr sind, weil das «besonders» nicht mehr stört. Was sehr wohl auch eine Bremse gegen die Superprovisiorien ist: Denn wer am Artikel 266 etwas ändert, erweitert damit auch den Anwendungsbereich des Artikels 265, was Glasl zu verschleiern sucht.

Weshalb wir den Positionsbezug von Glasl etwas einordnen wollen. Als Vertreter von «Medienopfern» zieht er für vorzugsweise gut betuchte Mandanten in die Schlacht. Und was vereinfacht seine entsagungsvolle Schwerstarbeit mehr als die völlig neutral und objektiv von ihm befürwortete Streichung eines hinderlichen Wortes?