Rufmord am Rufmord

Was Andreas Tobler kann, muss man erst mal hinkriegen.

Der Tamedia-Redaktor entwickelt sich zum Spezialisten für Hinrichtungsversuche.  So arbeitete er sich bereits am NZZaS-Chefredaktor Jonas Projer ab. Schon bevor der überhaupt sein Amt angetreten hatte, wusste Tobler:

«Als jetziger Chefredaktor bei einem Boulevardmedium wie Blick TV widerspricht Projer auch dem Qualitätsanspruch der «NZZ am Sonntag» – und der linksliberalen Positionierung des Blattes.»

Tobler selbst entspricht nun überhaupt keinem Qualitätsanspruch. Er schreibt unter jedem Niveau, beschönigte auch schon mal einen Mordaufruf gegen den WeWo-Chefredaktor Roger Köppel.

Aktuell arbeitet sich Tobler am neuen Internetradio «Kontrafunk»* ab. Das tat schon eine Reporterflasche des SoBli. Der spürte dem Redaktionssitz in Cham nach und entdeckte tatsächlich einen Namenskleber auf einem Briefkasten. Allerdings scheiterte der Investigativjournalist daran, die Büroräumlichkeiten aufzufinden. Unter Lebensgefahr drang er in ein Bürogebäude ein und fotografierte leere Zimmer und einen leeren Gang.

Wo solche Grosstaten des Schmierenjournalismus vollbracht werden, kann Tobler nicht fehlen. Wenn ein Journalist Unsinn schreibt und dem widersprochen wird, dann schreibt der nächste Journalist natürlich: «Kontroverse um Internetradio». Auch ein blindes Huhn findet manchmal ein Körnchen Wahrheit. Das besteht hier aus einem Satz:

«Gegründet wurde das Radio vom 65-jährigen Journalisten Burkhard Müller-Ullrich, einem Schweizer Staatsbürger, der in seiner Berufslaufbahn für verschiedene Medien gearbeitet hat. Zuletzt moderierte er als freier Mitarbeiter eine Diskussionssendung beim SWR.»

Wobei, die Erwähnung der letzten Tätigkeit unterschlägt die jahrzehntelange Radiokarriere von Müller-Ullrich. Aber item, schnell wird es aschgrau: «Das Zielpublikum vom Sender scheint vor allem in Deutschland zu leben, wenn es nach den thematischen Schwerpunkten der bisherigen Sendungen geht. In Deutschland hat Müller-Ullrich offensichtlich gute Kontakte zu stramm bürgerlichen Publizisten, die auf Kontrafunk weitgehend unwidersprochen zu Wort kommen.»

Gäbe es bei Tamedia noch so etwas wie Qualitätskontrolle, hätte hier gefragt werden müssen: steile These, gibt es dafür wenigstens ein Beispiel, einen Namen, einen Beleg? Aber da es diese Kontrolle nicht mehr gibt …

Von aschgrau wechselt der Ton dann zu Schmiere: «Im «SonntagsBlick» wurde die Vermutung laut, Kontrafunk habe seinen Sitz in der Schweiz, um die in Deutschland geltenden Qualitätsauflagen zu umgehen.» Eine völlig unsinnige Vermutung, wie schon dem SoBli erklärt wurde. Aber das hält Tobler nicht davon ab, sie zu wiederholen.

Was schon der SoBli andeutete, muss Tobler wiederkäuen: «Die Frage nach Geldern aus der AfD drängt sich auf, da der Kontrafunk-Gründer bereits seit September 2017 Mitglied der rechtspopulistischen Partei ist. Für die Gründung von Kontrafunk erhielt Müller-Ullrich auf Facebook Applaus von prominenten Parteimitgliedern wie Erika Steinbach und dem AfD-Scharfmacher Björn Höcke.»

Gerne wüssten wir, welcher Partei Tobler angehört, denn das scheint entscheidend wichtig zu sein bei der Beurteilung journalistischer Leistungen. Wir können allerdings nur hoffen, dass weder Freiheitstrychler, noch Nicolas Rimoldi, noch Gottseibeiuns Christoph Blocher jemals einem Artikel von Tobler applaudieren. Denn dann könnte man ihn auch in die «rechtspopulistische» Ecke stellen.

Der nächste Tiefpunkt im Schaffen von Tobler folgt sogleich: «Was die Höhe des Kapitals von Kontrafunk anbelangt, das nach Medienberichten bereits auf über eine Million Franken angewachsen sein soll, sind Zweifel angebracht: Im Zuger Handelsregister und auf dem Meldeformular des Bundesamtes für Kommunikation (Bakom) ist für Kontrafunk nur ein Aktienkapital von 100’000 Franken eingetragen.»

Vielleicht sollte ein Wirtschaftsredaktor von Tamedia Tobler mal kurz beiseite nehmen und ihm den Unterschied zwischen Aktienkapital und Betriebskapital erklären. Aber ganz, ganz langsam, er scheint da begriffsstutzig zu sein.

Dann nimmt Tobler verschiedene Angaben über die Anzahl der Mitarbeiter zum Anlass, Müller-Ullrich «mit diesen Widersprüchen zu konfrontieren», als sei Tobler ermittelnder Staatsanwalt. Dabei ist er nur ein Schreibwürstchen, schwimmend in seiner Gesinnungsblase. All das kulminiert dann zum abschliessenden Tiefpunkt:

«Angesichts der Fluktuationen und vielen Unbekannten könnte der Eindruck entstehen, dass Kontrafunk – in finanzieller Hinsicht – ein Scheinriese ist, für den Thiel seine Arbeitskraft und seinen Namen zur Verfügung stellt, mit dem er sein Büro teilt – und mit dem er nun so viel Ärger hat.» ZACKBUM wollte Tobler Gelegenheit zur Stellungnahme geben und fragte ihn unter anderem zu diesem Schluss: Glauben Sie nicht, dass man diese Zusammenstellung als Musterbeispiel für billige Demagogie in jeden Schulungskurs für angehende Journalisten aufnehmen sollte?

Aber zu niveaulosem Journalismus gehört es, als selbstverständlich vorauszusetzen, dass angefragte Personen dem Schreiber antworten. Tun sie das nicht, wird das übellaunig vermerkt. Aber selber antworten auf eine journalistische Anfrage – niemals.

Tobler kniff schon damals, als er den Mordaufruf schönschrieb, Tobler kneift auch jetzt. Wer wissen will, wie tief Journalismus sinken kann – nur Tobler lesen.

*Packungsbeilage: ZACKBUM-Redaktor René Zeyer sendet gelegentlich auf «Kontrafunk».

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