Beiträge

Bock zum Gärtner

Res Strehle wühlt nochmals in der Vergangenheit von Emil Bührle. Statt in seiner eigenen.

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

Gibt es noch Neues vom Waffenfabrikanten und Stifter der bedeutendsten Sammlung von Impressionisten ausserhalb Frankreichs? Es scheint, dass gewisse Kreise nicht ruhen wollen, bis dieser Ausstellungsmagnet des Erweiterungsbaus des Kunsthauses Zürich weggeschrieben ist. Da einzelne Kunstwerke bereits ausführlich – wenn auch vergeblich – skandalisiert wurden, der Lebenslauf Bührles zur Genüge dargestellt, seine Waffenlieferungen an Nazi-Deutschland (mit Einverständnis des Bundesrats und von ihm mit Krediten finanziert) genügend niedergemacht wurden, was bleibt?

Dieser Ansatz: «Bührle und seine Lakaien: Wie der Nazi-Profiteur mit dem Kunsthaus die Herzen der Schweizer Elite eroberte».

Auch das ist nicht gerade originell, und Strehle überschüttet und überfordert den Leser in seinem Artikel in «Republik»-Länge (22’791 A) mit einer Flut von Namen, eher zusammenhangslos aneinandergereiht. Das kommt eben davon, wenn ein ehemaliger Tagi-Chefredaktor in die Tasten greift: keiner traut sich, ihn anständig zu redigieren.

Im Wesentlichen will Strehle aufzeigen, wie es Bührle gelungen sei, sich mit Aktivitäten im kulturellen Bereich zu rehabilitieren und die Aufnahme in die besseren Kreise zu bewerkstelligen. Dabei ist ihm keine Häme zu billig: «Im Haus Bührle reichte ein Gärtner, der mit dem Fahrrad angeradelt kam, weil ihm der Patron die Anfahrtskosten der Strassenbahn nicht abgelten wollte.»

Auch wenn Bührle etwas nicht tat, bekommt er dafür von Strehle keine Absolution: «Bührle war klug genug gewesen, nur drei Jahre nach seiner Einbürgerung die «Eingabe der Zweihundert» nicht zu unterzeichnen.»

Besonders ein Dorn im unbestechlichen Auge Strahles sind sozialdemokratische Helfershelfer von Bührle:

«Die SP-Politiker halfen mit, den Waffenindustriellen in Zürich salonfähig zu machen, ähnlich wie ihre späteren Parteigenossen dessen Kunstsammlung allzu unbesehen mit einer eigenen Abteilung im Erweiterungsbau des Kunsthauses adeln würden.

Stadtpräsident Elmar Ledergerber setzt drei Jahrzehnte später die guten Beziehungen seiner Vorgänger zur Bührle-Familie fort und bahnt nach der Jahrtausendwende zusammen mit Walter Kielholz und Kunsthaus-Direktor Christoph Becker die Überführung der Bührle-Sammlung in einen Erweiterungsbau des Kunsthauses an.»

Was stört Strehle genau daran? Ganz zum Schluss lässt er die Katze aus dem Sack: «die zweitwichtigste Sammlung französischer Impressionisten weltweit, aber leider noch nicht unabhängig in ihrer Provenienz erforscht und beschönigend deklariert. Ein Mahnmal der jahrzehntealten Wahlverwandtschaft Emil Georg Bührles mit Zürichs Elite.»

Nichts gegen Vergangenheitsbewältigung und das neuerliche Umwühlen längst vergangener Taten oder Untaten. Nur: gerade Res Strehle wäre gefordert, das endlich einmal in eigener Sache zu tun. In Sachen der eigenen linksradikalen Vergangenheit. Die wurde mehrfach von der «Weltwoche» thematisiert. Aber ausser mit juristischen Massnahmen sah sich Strehle bis heute nicht dazu veranlasst, zu sich selbst Stellung zu nehmen.

Auch seine Haltung in der Vergangenheit war den damaligen Zeiten und Umständen geschuldet, und jeder hat das Recht auf Vergessen und Veränderung. Ausser, er seziert dermassen beckmesserisch die Vergangenheit eines anderen. Zitieren wir einmal anrüchige Aussagen des sich aufs hohe moralische Ross schwingenden Strehle aus anderen Zeiten:

«Im März 1993 etwa verfasste Strehle einen krachenden Nachruf auf die Schweizer Terroristin Barbara Kistler, der selbst der WoZ, die er 1981 mit gegründet hatte, zu weit ging. Die ­Redaktion lehnte die Veröffentlichung ab, auch weil die Einschätzungen offenbar nicht stimmten. Kistler, von Strehle liebevoll «Babs» genannt, hatte sich in der Türkei einer militanten leninistischen Splittergruppe angeschlossen. «Sie ist nicht im Bett gestorben, wie es ihr grösster Horror war», so Strehle, «sondern mit der Waffe in der Hand, wie es ihr Wunsch war.» Mit «der Konsequenz ihres Handelns» habe die Revolutionärin «für viele GenossInnen und FreundInnen einen Massstab gesetzt», schrieb Strehle. Er schloss den pathetischen Aufruf mit dem Guerilla-Gruss: «Barbara presente!» Laut der WOZ-Redaktion hatten zum fraglichen Zeitpunkt allerdings gar keine Kämpfe in dieser Region der Türkei stattgefunden. Doch Strehle liess sich von den Tatsachen nicht beirren: Er warf seinen Kollegen hinterher vor, «jegliche Solidarität» mit der Gewalttäterin vermissen zu lassen.»

Schon zuvor hatte Strehle ein recht lockeres Verhältnis zu Gewalt unter Beweis gestellt, revolutionäre Gewalt, versteht sich: Am 10. Januar 1986 erklärt er den Lesern, warum die portugiesische Terrorgruppe «Volkskräfte des 25. April» (FP-25), die die junge Demokratie – entstanden nach der friedlichen Nelkenrevolution 1974 – abschaffen wollte, mordend und brandschatzend das historisch Notwendige und ­moralisch Richtige tue.

««Revolutionäre Gewalt», so Strehle, sei « die Antwort auf die Repression des Staates, die den Arbeitern zeigen soll, dass es auch andere Formen des Klassenkampfes gibt». Vor «diesem Hintergrund» seien «die militärischen Aktionen der FP-25 zu verstehen: Erschies­sung von Unternehmern, Grossgrundbesitzern, Aktionen gegen die Nato und Geldbeschaffung». Minutiös vermerkt Terrorversteher Strehle eine Liste der Heldentaten, welche die FP-25 verübt hat: «6. 12. 82: Erschiessung des Unternehmers Monteiro Pereira, 19. 10. 83: Anschlag gegen das Arbeitsministerium, 7. 2. 84: Erbeutung von umgerechnet 2 Mio. Franken in Lissabon, 30. 4. 84: Anschlag auf einen Grossgrundbesitzer, 30. 5. 84: Erschiessung des Unternehmers Canha E Sá», und so fort. Das ist längst nicht alles: In der Manier des pflichtbewussten Buchhalters nennt Strehle ein Dutzend weiterer Terrorakte, darunter ein Angriff auf «BRD-Militärs». 

Strehle stimmt zu: Politische Gewalt ist inte­graler Bestandteil des sozialistischen Projekts. «Die Aktivitäten der FP-25 erfolgen nicht isoliert von anderen Formen des Klassenkampfes. Die FP-25 kämpfen für die Zerstörung des kapitalistischen Staates durch eine sozialistische Revolution, die sich in allen Strukturen der Arbeiter durch den lang andauernden täglichen Kampf entwickelt.»

Nun könnte man meinen, dass das halt längst vergangene linksradikale Haltungen eines im Marsch durch die Institutionen geläutert in der Chefredaktion des «Tages-Anzeigers» Angekommenen seien. Aber die alten Reflexe spielten auch noch viele Jahre danach.

Ein verpeiltes «Zentrum für politische Schönheit» wagte 2015 die launige Schlagzeile «Tötet Roger Köppel! Köppel Roger tötet!», das Strassenmagazin «Surprise» druckte diesen Mordaufruf ab und der Tagi-Mitarbeiter Andreas Tobler zeigte Verständnis für diesen «Theatermord», er könne als eine Reaktion auf Köppels Auftritt in der Talkshow «Menschen bei Maischberger» im deutschen Fernsehen «verstanden werden», wo er sich «in gewohnt pointierter Manier» geäussert habe.

Der «Tages-Anzeiger» verstand sich den höchsten journalistischen Standards verpflichtet, denen auch der Autor Tobler nachzuleben hätte. Res Strehle sah damals auf Anfrage in diesem «nachrichtlich und nicht reisserisch aufgemachten Beitrag» keine «journalistische Fehlleistung». Im Übrigen sei seine persönliche Meinung, dass der Mordaufruf «geschmacklos» sei.

Immerhin hatte sich seine Haltung zu Mord und Gewalt in der politischen Auseinandersetzung verändert. Aber über seine eigene Verwicklung mit der linksradikalen Szene in Zürich sagt Strehle bis heute nichts – oder nur Beschönigendes. Was er im Fall Bührles aufs schärfste kritisieren würde, erlaubt er sich selbst.

So wird der Bock, mit oder ohne Velo, zum Gärtner gemacht, werden zwei Massstäbe angelegt, feiert typisch linke Heuchelei, Doppelmoral Urständ.

 

Selbstkritik ist was anderes

Tamedia berauscht sich am neusten «Qualitätsreport». Alles in allem alles super; stinksaure Frauen kommen nicht vor.

Gutes Timing ist alles, das weiss jeder Journalist (und jeder Politiker). Zu früh ist schlecht, zu spät auch. Und dann gibt es noch die ärgerlichen blöden Zufälle. Wie zum Beispiel den, dass der als Zubrot vom ehemaligen Tagi-Chefredaktor Res Strehle jährliche «wir klopfen uns auf die Schulter»-Report ausgerechnet dann erscheint, wo Tamedia in den Schlagzeilen ist wegen angeblich unerträglicher Behandlung von Mitarbeiterinnen.

Aber davon soll der Gottesdienst natürlich nicht gestört werden, auch im Interview mit persoenlich.com wird Strehle nicht auf dieses sehr dominante Thema angesprochen. Wahrscheinlich aus der Überlegung heraus: Steht in diesem Report nicht drin, also lassen wir das.

In dem Report stehen klitzekleine Kritiken und ein grosses Lob.Gespendet von völlig unabhängigen Experten wie dem Rentner Felix E. Müller, Vinzenz Wyss und Otfried Jarren.

Das «Magazin» soll spitze sein?

Wie der – von Strehle an der Hand geführt – zum gemeinsamen Schluss kommen kann, dass das «Magazin» in «allen Qualitätsuntersuchungen» gut wegkomme und das Thema Corona ansprechend abgehandelt habe, ist schleierhaft. Diese zum Skelett abgemagerte Ruine, wo früher einmal ein wirklich hochstehendes Magazin gestaltet wurde, mit guten und extra dafür durchgeführten Reportagen, Essays und Analysen.

Um das so zu sehen, reicht schönsaufen nicht aus, da müssen auch verbotene Substanzen im Spiel gewesen sein. Ebenso bei dieser krachlustigen Selbstbeweihräucherung von Strehle zu Corona: «Das Qualitätsmonitoring kam insgesamt zum Schluss, dass die Tamedia-Redaktionen mit hoher Kadenz zu diesem Thema berichteten und dabei eine Mischung von vermittelnder und behördenkritischer Berichterstattung boten.»

Echt jetzt? Von welchen Redaktionen spricht er da? Gibt es ein Paralleluniversum, in dem ein solcher Tamedia-Konzern existiert? In unserer Welt wurden in hoher Kadenz Forderungen, Kritiken, fachmännische Meinungen von Laienjournalisten im Wechsel mit geradezu kriecherischer Übername aller offiziellen Positionen geboten.

Offenbar ist im ganzen Thema Qualitätskontrolle bei Tamedia der Wurm drin. Da darf eine Mitunterzeichnerin eines Protestschreibens in aller Objektivität untersuchen, ob die darin erhobenen Vorwürfe auch zutreffen. Und hier darf ein durch seine Flexibilität in Erinnerung gebliebener Ex-Chefredaktor einen Qualitätsraport federführend gestalten?

Der Begriff Feigenblatt ist da geradezu ein Euphemismus.

Feigenblatt? Sitzt.

Das Heesters-Phänomen

Die fidelen Tagi-Rentner

Irgendwann wurde es peinlich. Als Johannes Heesters noch mit 80 «Ich werde jede Nacht von Ihnen träumen» trällerte, hörte sich das eher nach Katzenmusik an. Das Problem war, dass Hesters noch weitere 27 Jahre lang leben sollte und mit Frack und Zylinder in jedes Mikro krächzte.

Martin Ebel durfte 150 Mal literarische Sprachanalysen in die laufende Kamera sprechen.  Mit der «Kleinen Sprachsprechstunde» wollte der langjährige Kulturchef das «Sprachgefühl pflegen und gegen sprachlichen Egalismus angehen». Damit die Sache nicht zu spannend wird, sollten die Videos ausserdem «ein Bewusstsein wecken für so vieles, was man tagtäglich (…)  an subtiler Beeinflussung zugemutet bekommt.»

Jetzt könnte eigentlich Schluss sein. Denn Ebel geht in den wohlverdienten Ruhestand. Oder eben doch nicht. «Martin Ebel», so der Verlag, «wird auch nach seiner Pensionierung in einem reduzierten Pensum weiterhin für Tamedia tätig sein.» Folgen also noch weitere dieser unverzichtbaren Literaturbetrachtungen? «Wir bitten um Verständnis», antwortet die Pressedame, als wäre jemand gestorben, «dass wir keine weiteren Details zu den Anstellungsverhältnissen unserer Mitarbeitenden kommunizieren.»

Res Strehle hört auf

Ebel ist nicht der einzige frischfröhliche Tagi-Pensionär, der anderen Journalisten vor der Sonne steht und das Redaktionsbudget belastet. Res Strehle hatte bis im Oktober ein Autorenfixum, das im «gegenseitigen Einvernehmen beendet» wurde, wie er auf Anfrage schreibt. Auch die anderen Rentner Ruedi Baumann, Miklós Gimes oder Fredy Wettstein hauen arthrosenbefreit in die Tasten und versperren dadurch anderen, jüngeren Journalisten die paar Redaktionsseiten, die noch übrig geblieben sind.

Und auch Ruedi Baumann

Einspruch allerdings bei Ruedi Baumann, dem alten Schlachtross des Lokaljournalismus›. Seine Antwort sagt auch viel über die Nachrückenden und ist so bestechend, dass wir sie in der ganzen Länge lesen wollen:

«Ich habe seit meiner offiziellen Pensionierung im Februar 2017 meinem Vorgesetzten immer gesagt, dass er mich per sofort und ohne schlechtes Gefühl rausstuhlen kann. Ich wurde immer wieder quasi auf den Knien gebeten, doch bitte noch etwas weiterzumachen. Ich hatte in den letzten drei Jahren seit meiner Pensionierung ein 40-Prozent-Pensum und habe dies jeweils vor allem in den Ferienzeiten abgestrampelt, wenn die Jungen in den Ferien waren. Ich bin zudem in einem Gebiet tätig, um das sich hoffnungsvolle Jungjournalisten nicht reissen: kantonale Politik, Kantonsrat, Bausachen, Planung etc. Die Jungen suchen vor allem aufwendige Recherchen und Reportagen und keine Kurzschnurz-Artikel aus dem Tag heraus. Ich hatte in den letzten drei Jahren keinerlei Sonderbefugnisse – im Gegenteil – und habe über jede Hundsverlochete berichtet, vom Campingplatz über langfädige Kantonsratssitzungen bis zu SVP-Delegiertenversammlung bis Viertelvormitternacht. Ich habe allermeistens über Themen berichtet, um die sich niemand gerissen hat. Wer geht zum Beispiel schon freiwillig am Freitagabend ins Albisgüetli oder berichtet über den Bau des Gubristtunnels? 
 
Ein Argument für meine Weiterbeschäftigung war zudem, dass ich sehr viele Leute kenne und Zugang zu Informationen habe, die ich den Jungen weitergeben kann. Ich bin quasi das Gedächtnis der Redaktion. Viele Politiker im Regierungs- oder Nationalrat oder Chefbeamte hatten zusammen mit mir begonnen und haben ein besonderes Vertrauensverhältnis. Was mühsam und hemmend, aber auch nützlich sein kann.
 
Wir hatten immer genügend Abgänge, so dass ich niemanden auch nur ein Stellenprozent weggenommen habe. Vielmehr wären meine Stellenprozente von der TX Media wohl eingespart worden, wenn ich früher aufgehört hätte.
 
Und nun – Ende Jahr – höre ich endgültig auf. Im Alter von bald 69 Jahren.»

MAZ Runner: Die Auserwählten im Labyrinth

Das MAZ arbeitet an Unterrichtsmaterialien für Privatgymnasien. Geldgeber? Unbekannt.

Ich habe zwei Verwandte. Eine kann ausser Ivrith: nichts. Also unterrichtet sie an der Migros-Klubschule Ivrith für Anfänger. Die andere kann noch weniger, aber hat mehrere Kinder. Also passt sie auf andere Kinder auf. Gegen Bezahlung, natürlich.

Was aber machen Journalisten, die keinen Job, keine Lust oder keine Nerven mehr haben? Sie gehen ins MAZ, der sogenannten „Schweizer Journalistenschule“ in Luzern. Die Liste der Dozierenden ist länger als der Flaum von König Drosselbart, länger als die Streichliste von Nathalie Wappler und länger als die längste Praline der Welt, nämlich:  295 Dozentinnen und Dozenten.

Diese 295 müssen irgendwie ernährt werden. Nur die wenigsten taugen etwas als Strassenmusikantinnen und Strassenmusikanten. Wie soll das also funktionieren, in Zeiten von Corona? Nun, zum Glück gibt es viele Projekte, die ein bisschen Geld abwerfen. Zum Beispiel die Initiative «Publizistische Medienkompetenz in Ausbildung und Schule».

Finanzierung noch nicht abgeschlossen

Das MAZ durfte da an Unterrichtsmaterialien mitarbeiten, die ab September an vorwiegend christlichen Privatschulen verteilt werden: Freie Evangelische Schule, Freie Katholische Schule Zürich, Freies Gymnasium Zürich u.a. «Das Programm beinhaltet», so MAZ-Stiftungsratspräsident Res Strehle, «eine Medienwoche mit Erstellung eines journalistischen Beitrags, die Aufbereitung von aktuellen Unterrichtsmaterialien sowie die Weiterbildung von Lehrpersonen und Schülern.»

Das Recherchemagazin «Republik» hätte unter anderem seine Mitwirkung versprochen. Jesus, Maria! Das grössere Problem ist aber die Finanzierung. Sind die Lehrmaterialien denn bereits fertig erstellt? «Nein», schreibt Strehle auf Anfrage, «unser Finanzierungsgesuch für die Aufbereitung aktueller Unterrichtsmaterialien ist bei einer Stiftung hängig.» Welche Stiftung, denn? Vielleicht die Ave-Maria-Republik-Stiftung mit Pfarrer Dünnschiss im Vorstand?

Strehle reicht den Kelch weiter an Herrn Dr. Lucht, vom Forschungsinstitut Öffentlichkeit und Gesellschaft (fög), das ebenfalls mit an Bord ist.  Man sei zwecks Aktualisierung des Unterrichtsmaterials mit mehreren «Drittmittelgebern/Stiftungen» in Kontakt. «Haben Sie bitte Verständnis», so Lucht, dass man sich erst dann äussern wolle, wenn konkrete Ergebnisse vorlägen.

Wir haben für alles Verständnis. Sind ja nicht unsere Kinder, die gepiesackt werden.

Schreiben mit der Klosettbürste

Tagi-Journalist Andreas Tobler ist Wiederholungstäter.

Die feine Klinge ist seine Sache nicht. Wenn Tobler in die Tasten haut, geht’s zu, als ob er mit einer Klosettbürste hantieren würde.

Ein dümmlicher Schlingensief-Imitator wollte im Theater am Neumarkt provozieren und entwarf ein Plakat mit dem Text: «Tötet Roger Köppel! Köppel Roger tötet!» Das druckte dann das Strassenmagazin «Surprise» ab, laut Selbsteinschätzung «journalistisch hochwertig».

Nachdem ihn fundamentalistische Wahnsinnige mit dem Tod bedroht hatten, weil er mutig Mohammed-Karikaturen nachdruckte, musste sich Roger Köppel zum zweiten Mal Sorgen um seine persönliche Sicherheit und die seiner Familie machen.

Viel Verständnis für einen Mordaufruf

Die Redaktion von «Surprise» zeigte sich damals einsichtig, die Publikation sei «ein Fehler» gewesen, der ihnen «Leid tut». Aber da hatten sich schon Linksausleger in Stellung gebracht, um den Mordaufruf umzudeuten: Es handle sich um den «Versuch, mittels eines künstlerischen Statements zum Nachdenken anzuregen», säuselte Sylvia Egli von Matt, sonst die Siegelbewahrerin von Sitte und Anstand im Journalismus.

Viel Feingefühl zeigte auch der Mitarbeiter Kultur beim «Tages-Anzeiger». «Dieser Mordaufruf», so Tobler damals, könne als Reaktion auf die Auftritte Köppels in deutschen Talkshows «verstanden werden», zudem stehe diese «Künstleraktion» in der Tradition Schlingensiefs, der auch wiederholt zum Mord an Helmut Kohl und Christoph Blocher aufgerufen habe. Es sei ja wirklich nur ein «Theatermord».

Man stelle sich vor, wie Tobler ins Hyperventilieren mit Schnappatmung geraten wäre, wenn in aller künstlerischen Freiheit ein solcher Mordaufruf gegen den damaligen Tagi-Chefredaktor Res Strehle ergangen wäre.

Nun reitet er gegen die «Cancel Culture»

Feige verzichtete Tobler damals darauf, sich auf Anfrage zu erklären. Nun reitet er wieder, diesmal gegen die sogenannte «Cancel Culture». Sie sei die Beschwörung eines «Phantasmas», wer davon rede, wolle sich endlich als Opfer präsentieren.

Dann zählt Tobler einige Beispiele aus Deutschland auf, wo sich Künstler darüber beschwerten, dass man sie wegen ihrer Gesinnung zensiert oder boykottiert habe. Das sei nun keineswegs so, urteilt Tobler, es hätten höchstens «viele Menschen ihre demokratischen Rechte wahrgenommen», indem sie im Netz den üblichen Hassmob bildeten.

Das würde Tobler sicherlich als Anschlag auf die Freiheit der Kunst beklagen, wenn die Betroffenen nicht eine in seinen Augen falsche Gesinnung hätten. So sei es völlig richtig, dass der Sänger Xavier Naidoo in München keinen Termin für ein Ersatzkonzert bekommen habe, nachdem das geplante Corona zum Opfer gefallen war.

Naidoo sei ein Antisemit

«Der Antisemitismus und die Homophobie eines Naidoo» seien »nichts, was geschützt ist, denn Hass ist keine Meinung». Meint Tobler hasserfüllt. In seiner Verblendung ist ihm offenbar entgangen, dass Naidoo in Deutschland gerichtlich untersagen liess, dass man ihn als Antisemiten anrempelt.

Denn der dunkelhäutige Naidoo engagiert sich seit vielen Jahren gegen Rassismus und jede Form von Diskriminierung. Muss er erwähnen, dass sein Sohn einen hebräischen Namen trägt und ihn auch sein – im Übrigen jüdischer – Konzertveranstalter gegen solche unqualifizierten Verleumdungen in Schutz nimmt?

Naidoo wird insbesondere vorgeworfen, er verbrüdere sich im Lied «Marionetten» populistisch mit deutschen Rechten. Obwohl man das diesem Text nicht entnehmen kann. Aber das alles ist Tobler in seinem blinden Hass egal, schliesslich treibe Naidoo «in Netzwerken wie Telegramm weiter sein Unwesen».

Gegen jeden Sinn, jede Logik

Während an der Meinung Toblers wohl die Welt genesen solle. Denn von «Cancel Culture» sprächen «rechtskonservative Publizisten gesetzteren Alters», weil im Netz deren «Machtanspruch in Sachen Meinungsbildung unterlaufen» würde.

In Wirklichkeit wird hier nur jeder Sinn, jede Logik unterlaufen. Denn in den Leitmedien herrscht bekanntlich nicht die Meinung konservativer, alter weisser Säcke vor. Sondern von dümmlichen Traumtänzern wie Tobler. Und im Netz wird kein Machtanspruch in Frage gestellt, weil es den gar nicht gibt. Und Shitstorms, üble Beschimpfungen unter dem Deckmantel der Anonymität zu einem Akt des zivilen Aufbegehrens umzuschreiben, das zeugt von pathologischem Realitätsverlust.

Mehr braucht es nicht zum Heuchler

Austeilen und sich dann feige vom Acker machen, das hat bei Tobler Methode. So rempelte er auch im «Tages-Anzeiger» Roger Schawinski anlässlich von dessen Buch über Narzissten an, warf ihm Plagiat und unsaubere Zitiermethoden vor, verwendete unautorisierte Zitate von Schawinski. Als der ihm daraufhin anbot, die Sache vor laufendem Mikrophon auszudiskutieren, kniff Tobler.

So wie er sich beim «Theatermord» nicht erklären wollte, so wie er es Roger Köppel nicht gönnt, als «brillanter Journalist» bezeichnet zu werden. Neid, Einseitigkeit und fehlende Standfestigkeit: mehr braucht es nicht zum Heuchler.