«Satan auf dem Weg zur Hölle»

 So jubelt die iranische Presse über den Mordanschlag auf den Schriftsteller Salman Rushdie.

Erst kürzlich wurde das Kopfgeld auf ihn erhöht. Unglaublich, diese schiitischen Fanatiker.

Die regierungsnahe Teheraner Zeitung «Kayhan» kriegt sich gar nicht ein: «Die Hand des Mannes, der dem Feind Gottes den Hals umgedreht hat, muss geküsst werden.» Wahnsinn, diese religiösen Fanatiker, die einen feigen Anschlag auf den Menschen, auf die Redefreiheit, auf die Grundwerte aufgeklärter und moderner Gesellschaften nicht nur rechtfertigen, sondern begrüssen. Schön, dass es das in der Schweiz nicht gibt.

Immerhin, der hiesige Islamische Zentralrat «verurteilt die feige Attacke» und «ruft den Iran auf, die Fatwa rückwirkend zu annullieren». Schön, dass sich auch Moslems in der Schweiz so klar äussern. Schön, dass es solche Mordaufrufe in der Schweiz nicht gibt.

«Roger Köppel tötet! Tötet Köppel Roger!»

Im «führenden Strassenmagazin der Schweiz» erschien 2015 dieser Mordaufruf als Inserat. Ein Schweizer Schmierenjournalist verniedlichte das zum «Theatermord» und zeigte viel Verständnis: Dieser «Aufruf zum Mord» könne als eine Reaktion auf Köppels Auftritt in der Talkshow «Menschen bei Maischberger» im deutschen Fernsehen «verstanden werden», wo er sich «in gewohnt pointierter Manier» geäussert habe, erklärte Andreas Tobler im «Tages-Anzeiger». Diese «Künstleraktion» stehe halt in der Tradition von Christoph Schlingensief, merkte der Redaktor noch kunstsinnig an.

Auf Anfrage schwieg Tobler verkniffen, sein damaliger Chefredaktor Res Strehle sprang ihm zur Seite: er sehe in diesem «nachrichtlich und nicht reisserisch aufgemachten Beitrag» keine «journalistische Fehlleistung». Auch der emeritierte Strafrechtsprofessor Peter Aebersold, Präsident des Trägervereins des Strassenmagazins «Suprise», sah «strafrechtlich kaum ein Problem».

Ein Mordaufruf gegen einen Chefredaktor, der 2006 die Mohamed-Karikaturen nachgedruckt hatte, worauf islamische Hetzer auch gegen Köppel einen Mordaufruf lancierten. Ein pakistanischer Student versuchte, mit einem Messer den Worten die Tat folgen zu lassen. Im Fall Köppels glücklicherweise erfolglos.

Immerhin entschuldigte sich die Redaktion von «Surprise» in einer gewundenen Erklärung. Dagegen gibt es in der Schweiz Verpeilte, die feinsinnig zwischen echten und «künstlerischen» Mordaufrufen unterscheiden wollen. Ist das Ziel eine Hassfigur von ihnen, ist das eine lässliche Sünde. Selbst Strafrechtsprofessoren verlieren völlig den Kompass und die Contenance. Sich nachträglich wenigstens entschuldigen, auch im Licht der aktuellen Schandtat? Niemals, stattdessen hoffen diese Figuren auf das Vergessen. Vergeblich.

Es gibt genügend fundamentalistische Irre auf der Welt, die sich motiviert fühlen, mit Feuer und Schwert Beleidigungen ihrer Gewaltreligion mit Gewalt zu begegnen. Wo Korangläubige an der Macht sind, senkt sich Dunkelheit, mittelalterliche Zivilisationsferne und grausame Willkür übers Land.

Wo sie sogenannte islamische Staaten errichten oder errichten wollen, herrschen Barbarei, Mord und Totschlag und Untergang. Wo sie nicht an der Macht sind, fühlen sie sich zu recht als Modernitätsverlierer, viele von ihnen werden aus Minderwertigkeitskomplexen heraus fanatisch.

Ob in Nizza, auf dem Weihnachtsmarkt in Berlin, ob gegen die Redaktion von «Charlie Hebdo» oder gegen die Mohamed-Karikaturisten: der Islam ist völlig humorlos, überschnell beleidigt und kennt nur ein Urteil gegen jedwelche Form von Kritik, Satire, Polemik: das Todesurteil. Dass das Sicherheitsdispositiv im Fall von Rushdie versagt hat, dass man meinte, nach so vielen Jahren sei das gegen ihn vom Ajatollen Chomeini ausgesprochene Todesurteil vergessen, ist ein Fehler.

Dass die aufgeklärten und toleranten Gesellschaften der Welt, die wenigen, die es gibt, dem Treiben von Islamisten zusehen, Hassprediger mit Samthandschuhen anfassen, zusammenzucken, wenn intolerante Fanatiker sich auf Religionsfreiheit und Toleranz berufen, die sie in ihren Herrschaftsgebieten nicht im Traum gewähren würden, das ist unser Fehler.

Der Islam ist eine unzivilisierte, gewalttätige, Fanatiker am Laufmeter produzierende Ideologie. Überall, wo er herrscht, herrscht Rückschritt, werden Frauen unterdrückt, Andersdenkende verfolgt, werden vormals moderne Gesellschaften unter das Joch einer mittelalterlichen Verblendung gepresst.

Natürlich ist noch nicht erwiesen, dass der Attentäter ein weiterer fundamentalistischer Irrer ist, der gewalttätig wurde. Aber genügend Indizien sprechen dafür, obwohl auch für ihn die Unschuldsvermutung gilt. In unserer Gesellschaft wird er nicht ausgepeitscht, auch nicht gesteinigt, er wird nicht gefoltert und es werden ihm keine Gliedmassen abgehackt.

Aber das ausgerechnet Rushdie nun um sein Leben kämpfen muss, offenbar schwer verletzt wurde, künstlich beatmet werden muss, ein Auge verlieren könnte, nachdem er so viele Jahre untertauchen musste, sich erst in den USA wiederfrei fühlte und ungefährdet, das ist unser aller Versagen.

Es ist unser Versagen, weil wir nicht lautstarker, deutlicher und entschlossener fordern, dass unsere Toleranz dort aufhören muss, wo sie von intoleranten religiösen Fanatikern missbraucht wird. Dafür hat die Aufklärung nicht unter so viel Opfern erkämpft, dass wir uns frei äussern können.

Wer aber diese Freiheit so unsäglich missbraucht wie derjenige, der zu einem «künstlerischen Mord» an Köppel aufrief, wer sie so verächtlich missbraucht wie dieser Schmierenjournalist, der das verniedlicht und verständlich machen will, auch die verdienen unsere ganze Verachtung und Missbilligung.

5 KOMMENTARE
  1. Guido Kirschke
    Guido Kirschke says:

    Ich kann die Angst von Herr Zeyer vor den hiesigen Islamisten durchaus nachvollziehen. Mein Verstehenwollen dieser Kultur hat sich spätestens seit dem Massaker in Paris in Luft aufgelöst. Wir dürfen resp. wir müssen hier auf die Intoleranz mit Intoleranz reagieren.

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  2. Felix Abt
    Felix Abt says:

    “Der Islam ist eine unzivilisierte, gewalttätige, Fanatiker am Laufmeter produzierende Ideologie. Überall, wo er herrscht, herrscht Rückschritt, werden Frauen unterdrückt, Andersdenkende verfolgt, werden vormals moderne Gesellschaften unter das Joch einer mittelalterlichen Verblendung gepresst.” — Im Ernst, René?

    Die Bibel enthält Texte, die zu Gewalttaten anstiften, sie befehlen, verurteilen, belohnen, bestrafen, regeln und beschreiben. War das der Grund, warum diese «unzivilisierte, gewalttätige Ideologie, die Fanatiker hervorbrachte» im Mittelalter «Frauen unterdrückte» und «Andersdenkende verfolgte»?

    Ist die Bibel nicht noch gewalttätiger als der Koran? (https://www.npr.org/2010/03/18/124494788/is-the-bible-more-violent-than-the-quran)

    Und bringt die christliche Ideologie nicht immer noch gewalttätige Extremisten hervor? (https://www.politico.com/news/magazine/2021/02/04/qanon-christian-extremism-nationalism-violence-466034)

    Katar, Brunei, Dubai und Abu Dhabi sind von islamischen Herrschern in Oasen des Wohlstands verwandelt worden. Wäre es nicht an der Zeit, mit einigen ihrer Bewohner, darunter auch Europäer, die dort leben, darüber zu sprechen, was sie von diesem «Rückschritt» halten?

    Selbst in Libyen unter Gaddafi und im Irak unter Saddam, die vielleicht keine lupenreinen Muslime im Sinne des Korans waren und Islamisten verfolgten, entwickelten sich diese Länder, bis der christliche Wertewesten sie bombardierte und in einen Scherbenhaufen und eine Brutstätte für islamistische Extremisten und Terroristen verwandelte.

    Auch der einst blühende demokratische Libanon wurde zertrümmert, wenn auch weniger grausam als in Libyen und im Irak, und dieses Mal nicht vom sich christlich nennenden Westen, sondern gemeinsam von libanesischen maronitischen Christen und libanesischen Sunniten und Schiiten.

    Aber warum sprichst Du nicht über das weitaus größte muslimische Land, Indonesien, das eine ziemlich lebendige Demokratie ist und dessen Wirtschaft gegenwärtig immerhin ein 5%-iges Wachstum aufweist? War die indonesische Präsidentin Megawati nicht die erste weibliche Präsidentin des Landes, das erste muslimische weibliche Oberhaupt eines modernen Staates und das erste indonesische Staatsoberhaupt, das nach der Unabhängigkeit Indonesiens geboren wurde?

    Mein Vermieter in Kairo war Professor für Medizin und eine führende Persönlichkeit der Muslimbruderschaft. Ich hatte ihn daher gefragt, wie seine Haltung gegenüber Christen und anderen Gläubigen sowie gegenüber Frauen sei. Er erklärte mir, dass Mohamed Christen und Juden, die der islamische Prophet als «Volk des Buches» bezeichnete, als natürliche Verbündete betrachtete und dass Christen, Juden und Muslime wesentliche Werte teilten. «Und meine Töchter studieren und dürfen den Beruf wählen, den sie selbst wollen», fügte er hinzu. Nachdem das ägyptische Militär, das die Unterstützung des christlichen Wertewestens genießt, den einzigen demokratisch gewählten Präsidenten Ägyptens, einen Muslimbruder, gestürzt hat, sitzen die Anführer dieser Gruppe nun im Gefängnis.

    Im Buddhismus sind Gewalttaten nicht mit den Lehren des Buddha über Karma und des Prinzips “kein Leid verursachen” vereinbar. Das erste der fünf Gebote, die die grundlegenden ethischen Verpflichtungen des Buddhismus darlegen, ist die Verpflichtung, nicht zu töten. Dennoch haben buddhistische Mönche mit der Behauptung, der Islam sei eine Bedrohung für den Buddhismus, in Myanmar einen grausamen Völkermord an den Rohingya, einer muslimischen Minderheit, angeführt. Offiziell erkennt das mehrheitlich buddhistische Myanmar die Rohingya nicht an, obwohl die ersten Rohingya bereits im 7. Jahrhundert sich dort ansiedelten; sie wurden seither als Muslime bezeichnet und stets diskriminiert. Daran hat sich übrigens auch nichts geändert, als die Ikone des Wertewestens, Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, an der Macht war: Der Völkermord ging unvermindert weiter!

    Da die Gruppen, die sich als buddhistisch bezeichnen, aus einfachen Menschen bestehen, ist es nicht verwunderlich, dass einige so verblendet sind, dass sie die Lehren verdrehen, um Gewalt – sogar Mord – zu rechtfertigen. Dies ist im Laufe der Jahrhunderte auch bei allen anderen großen Weltreligionen geschehen. Und es wird wahrscheinlich auch immer wieder passieren. Eine bestimmte Religion herauszugreifen und sie pauschal für Gewalt und Rückschritt zu verunglimpfen, hilft da nicht weiter.

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    • René Küng
      René Küng says:

      Die Plattform funktioniert.
      Widerspruch ist erlaubt, auch oder sogar (?) aus den eigenen Reihen.
      Und Merci für die stilbildende Art und Weise: beruhigend, unterfüttert mit Gedanken&Informationen.
      Nicht das nieder machen, diffamieren, hetzen, das heutige Medien als Journalismus, Ware Wahrheit, verkaufen wollen, an die letzten übrig gebliebenen ‹Gläubigen›.
      Gut vorgelebt von Abt Zeyer, fast schon wie abgesprochen.
      Wenn es nicht ein so sensitives, wichtiges, explosives Thema wäre.
      Mit Religion, Spiritualität kann die sogenannt zivilisierte Menschheit (oder westliche Mehrheit) trotz oder wegen aller Ratio beschränkt umgehen.
      Vor allem wegen der Sprengkraft, da, wo unsere Kopflastigkeit an den Anschlag kommt. Und absolut zu Recht wegen all den irregeleiteten Aneignungen von Machtgeilen mit dem Ungreifbaren – das sie dann für ganz profane Zwecke missbrauchen.

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    • Niklaus Fehr
      Niklaus Fehr says:

      Der Zeyer haut einfach mal drauf um zu sehen was rauskommt. Und siehe da, es ist der Felix. Vielen Dank für die Aufklärung. Ich hatte subjektiv immer das Gefühl, dass islamische Kulturen überhaupt keinen Sinn für Humor haben und alles hinterfragen, ob es in einem religiösen Kontext steht den es zu verurteilen gilt. Trotz alledem, der Islam wird verschwinden – gemäss Nostradamus.

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  3. Victor Brunner
    Victor Brunner says:

    Wer Mordaufrufe nicht explizit verurteilt oder verniedlicht ist Mittäter. Mordaufrufe haben mit Kunst nichts zu tun. Dumpfbacke Tobler hat das damals nicht begriffen. Wäre ein Inserat in der WeWo erschienen das zum Mord an Strehle aufgerufen hätte, Strehle hätte Personenschutz beantragt, TAmedia hätte Fackelzüge organisiert, die Linken sich als Schutzschild vor der Werdstrasse gesammelt, der Untergang der freien Welt erklärt. Mit der versuchten Rechtfertigung des Aufrufes zum Köppelmord hat Tobler der Bezeichnung «4. Gewalt» eine neue Dimension gegeben. Strehle, auch eine Dumpfbacke, heute Feigenblatt bei TAmedia, hat sich vor Tobler gestellt. Supino auch nicht reagiert.
    Heute ist das anders, wenn Kevin einen gut recherchierten Artikel zu Baumgarten schreibt, einen dummen Artikel zu einer Frau die als Stadträtin kandidiert, dann interveniert Supino und Kevin wird gefeuert. Wohlverstanden, Kevin hat keinen Mordaufruf gerechtfertigt!

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