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Anschwellende Verluderung

So wie in Havanna die Müllberge wachsen, verludert der öffentliche Diskurs.

Nach über 4200 Beiträgen darf man mal wieder Bilanz ziehen.

Als ZACKBUM im Juli 2020 startete, konnte man sich vieles noch nicht vorstellen. Corona mitsamt Hysterie und im roten Bereich drehenden Journalisten, die jeden Kritiker staatlicher Entscheidungen als potenziellen Massenmörder, Schwurbler oder Verschwörungstheoretiker denunzierten.

Man konnte sich auch nicht vorstellen, dass keiner dieser Hysteriker, dieser Corona-Kreischen wie Marc Brupbacher & Co.  anschliessend auch nur ein Wort der Selbstkritik verlor.

Man konnte sich nicht vorstellen, dass bei all dem anschwellenden Gejammer über einbrechende Einnahmen der Medien und die dadurch unausweichlichen Sparmassnahmen der wichtigste Grund dafür übersehen wurde und wird: die Selbstverzwergung, die Belanglosigkeit, die mangelnde Relevanz, Kompetenz und das Überhandnehmen der Betrachtung des Bauchnabels des Journalisten.

Je unwichtiger seine Meinung wird, desto wichtiger nimmt er sie. Je inkompetenter und wirklichkeitsferner er sie äussert, desto allergischer reagiert er auf Kritik.

Debatte und argumentative Auseinandersetzung, man kann es nicht oft genug wiederholen, ist der einzige Weg zu Erkenntnisgewinn. Im Gegensatz zu Naturwissenschaften herrscht hier nicht in erster Linie falsch/richtig, sondern stringent und überzeugend, vor dem Hintergrund eines gewissen Bildungs- und Wissensniveaus.

Dummheit, Heuchelei, Einäugigkeit, selbstreferenzielles Geschwafel, Bebreiung mit vorurteilsgeschwängertem Gequatsche, die bewusste Verwechslung von Mensch und Meinung – immer mehr aktive und passive Teilnehmer an öffentlichen Auseinandersetzungen verlieren die Lust daran.

Israelische Kriegsverbrechen im Gazastreifen und anderswo – Antisemit. Die Unterstützung der EU für die Ukraine könnte ein fataler Fehler sein – Putinknecht. Nicht alles, was Trump tut, ist kreuzfalsch – Vollidiot. Die Welt hasst die europäische Heuchelei, bei der die Völker- und Massenmorde in Schwarzafrika keine Rolle spielen – verpeilter Panafrikaner. USA, China, Russland, Indien, Asien sind die herrschenden Machtzentren der Welt – nein, wir Zentraleuropäer sind die Wiege der Kultur und das Zentrum der Welt.

Trump belegt ein paar Europäer wegen ihm nicht genehmer Meinungen oder Handlungen mit Einreiseverboten – Riesengeschrei in der EU. Die EU belegt zwei Schweizer wegen ihr nicht genehmen Meinungen mit drastischen und existenzgefährdenden Sanktionen – Ruhe und recht geschieht’s ihnen.

Das Problem all dieser Flachdenker in den Medien ist: wer die Widersprüche aus der Wirklichkeit nimmt, weil sie sonst für ihn überkomplex, unverständlich, bedrohlich wird, lässt den Teil des Publikums wegschnarchen, der nicht einfach wieder und wieder eine Bestätigung der eigenen, vorgefassten Meinung braucht und will.

Die Welt war schon immer, seit wir in der Lage sind, ihr intellektuell, reflektierend und abstrahierend zu begegnen, kompliziert, bunt, widersprüchlich und vor allem sich jeder Vereinfachung entziehend.

Es gab Zeiten, als man das als bereichernd und spannend empfand.

Mit zunehmender Verunsicherung, Verblödung und dem damit einhergehenden Bedürfnis, für komplexe Sachverhalte simple Erklärungen zu erhalten, geht das zunehmend verloren.

Es steigert sogar die allgemeine Verunsicherung. Denn immer wieder stellt sich heraus, dass diese furzdummen Reduktionen auf einfache Schlagworte früher oder später an der Komplexität der Wirklichkeit zerschellen.

Diktatoren wie im Irak oder in Panama sind Freunde des Westens und eigentlich unverstandene, nette Menschen. Bis sie es nicht mehr sind. Die afghanischen Mudschahedin waren tapfere Freiheitskämpfer gegen die UdSSR, bis sie es plötzlich nicht mehr waren. Die EU war das Friedensprojekt, das Haus Europas, die Wertegemeinschaft, bis sie es nicht mehr war. Die USA waren der Hort von freedom and democracy, der grosse Freund Europas, bis sie es plötzlich nicht mehr waren.

Wer soll das verstehen? Wer soll das verstehen, wenn ihm die Welterklärer in den Massenmedien nur ihr eigenes Unverständnis wortreich servieren?

Wie oft in den letzten Jahren hat Putin den Krieg gegen die Ukraine bereits verloren, ist Russland wirtschaftlich zusammengekracht, wächst die Spannung in der Bevölkerung, muss die Machtelite Aufruhr und Aufstand fürchten, sind die militärischen und finanziellen Ressourcen aufgebraucht?

Dem Mut dieser falschen Propheten, dieser angeblichen Koryphäen und Fachleuten, die letzte Fehlprognose ungerührt durch die nächste zu ersetzen, gebührt eine gewisse Hochachtung vor so viel fehlendem Schamgefühl.

Es hat etwas zunehmend Masochistisches, täglich durch diesen Wortmüll zu waten und als Antidotum Kritik daran zu üben, die von den happy few verstanden, von den meisten als zu anstrengend empfunden wird.

Und vom Autor zunehmend als sinnfrei und zwecklos.

Wumms: Marcus Keupp

Quatsch erzählen? Na und, einfach weiter Quatsch erzählen.

Beim «Militärexperten» und Dozenten an der Militärakademie der ETH Zürich stellen sich ernsthaft zwei Fragen:

  1. Ist er ein Rohrkrepierer?
  2. Ist er ein von Moskau bezahlter Diversant?

Denn sein öffentliches Wirken begleitet eine Spur von Fehleinschätzungen, Fehlprognosen und unbeirrter Rechthaberei.

So meinte der grosse deutsche Stratege: «Russland wird den Krieg im Oktober verloren haben.» Zu dieser schneidenden Prognose kam er «aufgrund mathematischer Berechnungen». Wahrscheinlich hantierte er mit Fantastillionen, dividiert durch null. Blöd nur: er meinte den Oktober 2023. Blöd nur: das haben die Russen bis heute nicht eingesehen.

Auf die Anfrage, was er denn im Nachhinein zu diesem Schlag ins Kontor sage, reagierte er nicht.

Das hielt ihn nicht davon ab, auch im April 2024 an seiner im März 2023 geäusserten Prognose festzuhalten, dass Russland den Krieg im Oktober 2023 verloren habe. Allerdings nur «strategisch».

Als Militärökonom erlaubt er sich auch Prognosen allgemeiner Art: «Der Kollaps des russischen Finanzsystems ist nur noch eine Frage von Tagen.» Aber diese Tage verstrichen ohne Kollaps – im März 2022.

Unbeschadet solcher Quatschaussagen findet der «Blick» immer wieder Gelegenheit, den Fehlprognostiker zu interviewen, der unbeirrt behauptet: «Wenn es so weitergeht, wird Russland den Krieg verlieren.»

Die grosse Keule hat er für alle parat, die versuchen, ohne das zu billigen, die Motive Putins zu ergründen. Diese Menschen seien «moralisch verrottet».

Nun ist Weihnachten bekanntlich Saure-Gurken-Zeit im Journalismus. Da sind Redaktionen zu Verzweiflungstaten bereit. Zum Beispiel der «Blick» zu dieser:

Nein, das ist nicht der Stehsatz von 2022, 2023, 2024 oder Anfang 2025. Das ist alt und neu zugleich.

Das Interview beginnt mit einer ganz kritischen Frage von Ausland-Reporter Samuel Schumacher:

«Herr Keupp, im April sagten Sie, Russland verliere den Krieg, wenn es so weitergeht. Bleiben Sie dabei?
Marcus Keupp: Wenn die westliche Waffenhilfe weitergeht und Russland weiterhin so viel Personal und Material durchbrennt, dann ja. Russland lebt von seinen Reserven. Und diese Reserven gehen aus.»

Dass Russland laut Keupp eigentlich schon mehrfach verloren habe und ausserdem sein Finanzsystem kollabiert sei, diese Erinnerung erspart Schumacher allerdings dem Fantasten.

Dafür lässt Keupp neue Ratschläge auf den wehrlosen Leser herabregnen. Gefragt, was das denn kosten würde, meint der «Militärökonom» knapp: «Das weiss ich nicht.» Muss ihn als wohlbezahlten ETH-Professor auch nicht weiter kümmern, würde ja der Steuerzahler der EU berappen.

Allerdings ist er nach einigen bitteren Erfahrungen mit Prognosen der Niederlage Russlands vorsichtiger geworden: «Der Krieg wird auch 2026 weitergehen.» Obwohl er doch schon mehrfach verloren wurde.

Auch der Kollaps steht nicht mehr unmittelbar bevor: «Aber die Fantasie, Russland sei ein Märchenland mit unbegrenzten Ressourcen, fängt langsam an zu bröckeln.»

Vom Zusammenbruch zum Bröckeln und zurück. Das Einzige, was hier bröckelt, ist die Sinnhaftigkeit dieser wilden Behauptungen.

Das hier nennt man militärisch eine Ausweichstrategie, eine Frontbegradigung, ein Ablenkungsmanöver, das Zünden von Nebelgranaten: «Russlands Krieg gegen uns ist bereits im vollen Gang. Man muss schon sehr tief schlafen, um das nicht zu merken.» Natürlich sei das ein «hybrider Krieg», denn: «Das Einzige, was derzeit noch fehlt, sind mechanisierte Mittel: Panzer und dergleichen.»

Aber Vorsicht, wenn wir alle innehalten beim Singen von Weihnachtsliedern und aus dem Tiefschlaf erwachen, hören wir da nicht leise und fern, nein, nicht das Rieseln von Schnee, aber das Rasseln von Panzerketten?

Keupp entlässt uns ganz unfriedlich ins Fest: «Für Russland ist Krieg besser als Frieden

Was er nicht erwähnt: für ihn ist ein Interview besser als kein Interview. Denn: «Dieses Jahr ist Marcus Keupps neues Buch «Spurwechsel – die Welt nach Russlands Krieg» erschienen.» Und wer will ihn denn noch interviewen.

Übrigens: Amazon-Bestsellerrang 3870 …

Wumms: Peter Burghardt

Der erhobene Zeigefinger aus Deutschland im Reich der Tamedia-Qualitätsmedien.

Der SZ-Korrespondent in Washington ist mehrfacher Wiederholungstäter. Unbelehrbar will er der Realität zeigen, wie sie seiner Meinung nach zu sein hätte – und quält seine Leser damit.

Immer wieder unkt und raunt er («So stirbt die Demokratie», «Vielleicht hat Trump einen entscheidenden Fehler gemacht»). Dass seine Prognosen und Wünsche nie eintreffen, was kümmert ihn das. Irgendwann, so seine unerbittliche Hoffnung, muss die Realität, muss Trump doch mal ein Einsehen haben.

Nun sind allerdings zur Abwechslung die Demokraten dran:

«Ende des US-Shutdowns: Die Demokraten knicken wieder vor Donald Trump ein – das wird sie teuer zu stehen kommen».

Zumindest haben sie sich damit wütendes Gezeter von Burghardt eingehandelt. Dem Vernehmen nach ist das Stadtgespräch in Washington, demokratische Parlamentarier lesen sein Werk ehrfürchtig und geloben Besserung, Trump ist bei gemeinsamer Lektüre der Zeilen mit seinem ganzen Familienclan beobachtet worden. «Great guy, huge, I like him», soll er gemurmelt haben.

So sieht das vielleicht in Burghardts Wunschwelt aus. In Wirklichkeit interessiert es dort keinen Menschen, dass er tobt: «Eine Mehrheit der Wählerschaft lehnt Trumps Kurs ab, das zeigen auch Umfragen.» Blöd auch, dass eben diese Wählerschaft Trump zum Präsidenten gewählt hat. Was mal wieder beweist: wer nicht auf Burghardt hört, ist blöd – und selber schuld.

Es ist auch wieder zum Mäusemelken: «Aber Trumps Riege hätte einlenken müssen, nicht das Lager seiner Gegner.» Lang lebe der Wunsch-Konjunktiv.

Vergeblich warnt und mahnt die Unke aus München mal wieder: «Dieser Mann mit seinen Kryptodeals und Milliardärsfreunden darf dieses Land nicht kaputtsparen. Doch acht Abweichler haben Trumps Eigensinn abgenickt

Nur Hohn und bitteren Spott hat er für die acht Demokraten, die für einen Zwischenhaushalt für die nächsten Monate stimmten; ihr Argument, «es habe halt nicht funktioniert, ist eine Bankrotterklärung und wird die Partei teuer zu stehen kommen».

Meine Güte, Trump will, aber darf das Land nicht kaputtsparen. Demokraten erklären schon mal Bankrott. Dann lässt Burghardt die Katze aus dem Sack, bzw. gesteht seine Tagträumerei:

«Erstmals seit Monaten hatte man in den vergangenen Tagen den Eindruck, als wackle Trump etwas, als hätten die Demokraten ein Thema, vorneweg Trumps Wirtschaftschaos. Dieses Momentum wurde am Sonntag kaputt gemacht.»

«Man», schreibt er, sich meint er. Für diese Abweichler hat er nur Verachtung übrig: «Der Präsident kommt wieder durch, weil acht demokratisch/unabhängige Senatoren lieber seinen Wünschen nachgeben, als Haltung zu zeigen. Kurzfristig hilft das den USA, langfristig wird es für viele Menschen teuer, auch für die Demokraten.»

Wird es für viele Menschen teuer, wenn Demokraten Bankrott erklären und der Präsident kaputtspart? Das Schöne an Langfristprognosen ist dagegen: sie müssen gar nicht eintreffen, denn sie sind doch langfristig. So im Sinne: spätestens vor der nächsten Eiszeit.

Es ist wie bei der BBC. Dass Burghardt kein grosser Diagnostiker oder Analytiker vor dem Herrn ist, ist sein Problem. Dass die Realität nicht so will, wie er es gerne hätte, ist deren Problem. Dass niemand auf seine ungebetenen Ratschläge hört, ist das Problem Trumps und von US-Parlamentarieren.

Dass aber weder bei der «Süddeutschen Zeitung» noch bei Tamedia jemand verhindert, dass ein solcher Stuss publiziert wird, ist das Versagen aller Kontrollmechanismen.

Dass die damit gequälten Leser scharenweise die Flucht ergreifen, ist allerdings nicht deren Problem, sondern deren Lösung. Ein klares Nein zu Masochismus und Geldverschwendung.

Wundertüte Milei

Weit weg ist immer gut für die Journaille.

Argentinien ist ziemlich weit weg, die Hauptstadt Buenos Aires ist genau 11’253 km von Zürich entfernt. Also ist Berichterstattung gegendarstellungsfreier Raum.

Weil so ziemlich alle Argentinien-Kenner aus der Ferne damit rechneten, dass der argentinische Präsident bei den Zwischenwahlen eine krachend Niederlage einfahren würde, war das wirkliche Resultat dann eine «Überraschung». Denn die Realität hatte den Journalisten mal wieder nicht den Gefallen getan, sich so zu verhalten, wie sie es ihrer Meinung nach sollte.

Schliesslich sei Javier Milei «angeschlagen», habe Rückhalt verloren, und überhaupt. War dann nix. Kommt halt davon, wenn man Fehldiagnosen aus der Ferne feilbietet.

Andererseits beschönigen seine wenigen Anhänger in den Medien seine Fäkalsprache; er drücke sich halt manchmal etwas ruppig aus, das sei nicht schön, aber halt lateinisches Temperament.

Nun ja, eine kleine Liste von Milei-Sprüchen:

pichón de Stalin“, „burro eunuco“, „pelotudo“ (Stalins Taube, Eunuchen-Esel, Idiot). Oder „rata, excremento humano, zurdo de mierda“ (Ratte, menschliche Kacke, Scheiss-Linker). Oder „imbéciles“, „pelotudos“, „soretes“, „mandriles“, „degenerados fiscales“ (Schwachköpfe, Idioten, Dreckskerle, Affen, degenerierte Staatsanwälte).

Milei hat auch eine spezielle Vorliebe für Journalisten, also für solche, die ihn kritisieren: „Periodistas corruptos, ensobrados … pedazos de soretes“ (korrupte Journalisten, eingehüllt in Scheisse).

Von US-Präsident Trump ist man ja schon ein starkes Vokabular gewohnt, aber Milei setzt da durchaus noch einige Glanzlichter drauf. Ist das die Sprache, die man von einem Präsidenten erwarten darf, der eine gewisse Ehrfurcht vor der Würde seines Amtes hat? Sicher nicht.

Disqualifiziert das Milei als Präsident? Sicherlich nicht. Aber jemand, der sich verbal dermassen nicht im Griff hat, der gibt Anlass zu Zweifel, wie kompetent er sein Amt ausübt. Und wie oft er sich selbst im Weg steht.

«Militärexperte» Keupp: Rohrkrepierer

Der «Militärökonom» an der ETH ist ein kriegsuntauglicher Diversant.

Die Schweizer Armee hat einige Probleme. Eines davon ist leicht zu identifizieren und heisst Marcus Keupp. Der Deutsche ist die Fehlbesetzung auf einem verlorenen Posten. Oder aber, schrecklicher Verdacht: er ist vom Feind bezahlt oder gesteuert.

Wikipedia weiss über ihn: «Als Dozent an der Militärakademie der ETH Zürich unterrichtet er angehende Berufsoffiziere der Schweizer Armee und beschäftigt sich in seiner Forschung insbesondere mit militärischer Logistik.»

Deshalb hat die Schweizer Armee offensichtlich ein Führungsproblem …

Keupp wusste: «Russland wird den Krieg im Oktober verloren haben.» Zu dieser schneidenden Prognose kam er «aufgrund mathematischer Berechnungen». Wahrscheinlich hantierte er mit Fantastillionen, dividiert durch null. Blöd nur: er meinte den Oktober 2023. Blöd nur: das haben die Russen bis heute nicht eingesehen.

Wikipedia weiss auch: «Im April 2024 hielt Keupp an seiner im März 2023 geäußerten Einschätzung fest, dass Russland den Krieg bereits im Herbst 2023 „strategisch verloren“ habe.»

Als Militärökonom erlaubt er sich auch Prognosen allgemeiner Art: «Der Kollaps des russischen Finanzsystems ist nur noch eine Frage von Tagen.» Aber diese Tage verstrichen ohne Kollaps – im März 2022.

Das kann doch einen Wissenschaftler wie Keupp nicht erschüttern. Wenn man ihm ein Mikrophon hinhält, ist er sofort bereit, seinem Lebensmotto zu frönen: nach der Fehlprognose ist vor der Fehlprognose.

«Wenn es so weitergeht, wird Russland den Krieg verlieren.» Mit diesem militärischen Fehlschlag überrascht Keupp aktuell die Welt im «Blick». Das Organ für gehobene Stände hat leider ein kurzes Gedächtnis – oder ist zu höflich, dem Quatschprognostiker seine Fehlprognosen von früher um die Ohren zu hauen.

Kriegsgurgel Keupp hat noch weitere ungebetene Ratschläge auf Lager: «Mit Putin darf man nicht verhandeln. Wer jetzt Verhandlungen mit Russland fordert, ist ein Pseudohumanist.» Dass Keupp ein Pseudomilitärwissenschaftler ist, liegt aber entschieden näher an der Wahrheit. Denn Kriege werden bekanntlich entweder durch die Kapitulation einer Partei – oder durch Verhandlungen beendet.

Dann nimmt der Irrwisch des Krieges noch die ganz grosse Keule hervor: «Es gab damals und gibt heute noch immer so einen Typ Mensch, der denkt, dass Hitler oder Putin gar nicht so falschliegen, dass die doch auch gedemütigt worden seien, dass die sich doch auch wehren dürften. Wer das sagt, ist moralisch verrottet.»

Moralisch verrottet, das Werturteil muss man sich als Berufsrohrkrepierer erst mal trauen. Und was passiert, wenn so moralisch verrottete Menschen, also all diese Putinversteher, die deswegen auch Hitlerversteher waren, die Meinungsführerschaft übernähmen?

«Ja, auch neutrale Staaten wie die Schweiz könnte das jederzeit treffen. All jene, die jetzt poltern, es zähle ja eh heute schon nur das Recht des Stärkeren, die dürften sich noch wundern, was mit ihnen passiert, wenn das regelbasierte System erst mal ausser Kraft gesetzt ist.»

Zunächst muss man sich allerdings Sorgen machen, was eigentlich passiert, wenn eine solche Fehlbesetzung einen wissenschaftlichen Lehrstuhl verunziert und auf Kosten des Steuerzahlers noch grösseren Unsinn als «Russia Today» verzapft. Wobei Keupp offenbar noch nicht mitbekommen hat, dass das «regelbasierte System» tatsächlich ausser Kraft gesetzt wurde.

Mal mit einer Prognose danebenliegen, das kann ja passieren, sollte aber nicht vorkommen, wenn man sich Wissenschaftler schimpft. Aber ständig und ausnahmslos und immer wieder danebenhauen, da muss man schon von einem Systemversagen bei Keupp sprechen.

Wieso ihm der «Blick» allerdings die Spalten öffnet, um sich nochmals lächerlich zu machen, das gehört wiederum zu den Geheimnissen des Qualitätsjournalismus aus dem Hause Ringier.

 

 

Phantom-Journalismus

Tomas Avenarius berichtet aus 1001 Nacht. Äh, aus Damaskus.

Normalerweise fällt Avenarius mit krachenden Fehlprognosen auf. So sah er schon das baldige Ende Putins nahen. War dann nix. Als Spezialist für alles hatte er auch die definitive Analyse für die Zukunft des Gazastreifens zur Hand: «Knallharter, unparteiischer Druck auf Israelis, Palästinenser und Iraner – das ist das Einzige, was vielleicht noch Aussicht auf Erfolg hätte

War dann auch nix. Nach so vielen Fehlschlägen verlegt er sich nun auf einen Bericht aus der Twilight Zone. Er will sich in Damaskus mit einem ehemaligen «Offizier des Militärnachrichtendiensts» getroffen haben.

Der will nichts Besseres zu tun haben, als sich an einem öffentlichen Ort mit einem unauffälligen ausländischen Journalisten zu treffen und ihm ins Hemd zu heulen.

Gerd Heidemann ist tot, Avenarius lebt: «Der Mann schaut sich um im leeren Café, setzt sich an einen der hintersten Tische, scannt den Raum mit unruhigen Augen. Er steht auf, setzt sich um, nun mit dem Rücken zu der winzigen Kamera, die er in einer Ecke unter der Decke entdeckt hat. Der Mann zieht die Kapuze über den Kopf.»

Wow, was für ein konspirativer Einstieg. Dann geht’s los: «Da sitzt Rami Habib und erzählt mit leiser Stimme. Vielleicht ist es das schlechte Gewissen, vielleicht auch nur die Angst vor Mithörern.» Natürlich heisst er nicht so, natürlich konnte er nichts dafür:

«Rami Habib, Hauptmann beim gefürchteten Militärgeheimdienst in Damaskus, konnte nicht anders. Er musste mitmachen. Eigentlich wollte er all das nie

Einfühlsam, aber dennoch mit kritischer Distanz beschreibt Avenarius die Lage: «Eine Woche nach dem Sturz des Assad-Regimes sucht er Verständnis. Die Welt müsse doch verstehen, wie das System funktioniert habe. Für einen Alawiten wie ihn gab es keinen Ausweg. Dem Täter geht es um Gerechtigkeit. In erster Linie für sich selbst, nicht für die Opfer

Nach der üblichen Suada, die alle Schuldigen nach dem Zusammenbruch ihres Systems absondern, hat sich Avenarius noch einen besonderen Schlussknaller ausgesucht. Denn der Geheimdienstmann kennt nix; er habe das berüchtigte Gefängnis Saidnaya besucht:

«Als er durch die Haftanstalt gelaufen sei, habe er Angst bekommen: Die Besucher, viele auf der verzweifelten Suche nach Spuren zu ihren vermissten Angehörigen, hätten alle Alawiten verflucht beim Blick in die Verliese, Vergeltung angedroht. Dann schweigt Rami Habib einen kurzen Moment und sagt: «Das war ein Schlachtplatz für Menschen.»»

Das ist ungefähr so realistisch, wie dass ein ehemaliger KZ-Wächter oder ein Angehöriger der SS kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs mal einen Augenschein in einem solchen Vernichtungslager genommen hätte. Dabei Gefahr laufend, von einem der anderen Besucher oder ehemaligen Insassen erkannt zu werden.

Hanebüchen, das Ganze. Wie er sich der wahren Identität seines Gesprächspartners versicherte, wieso der solchen Mitteilungsdrang hat, als angeblich ganz einfacher Mensch ausgerechnet mit dem Korrespondenten der «Süddeutschen Zeitung» ein wenig plaudern will, der sich von Istanbul nach Damaskus begeben hat und dort offensichtlich gleich Zugang zu Geheimdienstmitarbeitern fand, die ja zurzeit nichts lieber täten, als sich öffentlich zu zeigen – scheunentorgross offene Fragen.

In der SZ erscheint die gleiche Räuberpistole unter dem Titel «Ich wusste alles» und ist um ein Drittel länger.

Tamedia, gesegnet mit einer hochkompetenten Auslandredaktion, übernimmt diesen Stuss auch noch und holzt ihn auf die ihr passende Länge zusammen.

 

Inflationäres Geschwafel

Teuerung ist ein Thema für Kristallkugel-Gucker.

Lange Zeit war sie weg, dann war sie plötzlich wieder da: die Inflation. Die Teuerung. Die echte und die gefühlte. Die ansteigende, gar die galoppierende. Und damit natürlich die Inflationsangst. Wenn neben der Ukraine und anderen Aufregern noch Platz war, äusserte sich die Journaille dazu ausführlich.

Steigende Konsumentenpreise, steigende Hypothekarzinsen, steigende Mieten, weniger stark steigende Löhne und Zinsen auf Geldanlagen. Wo soll das alles enden, wo geht’s hin, wie geht’s weiter? Droht der Weltuntergang, wird die Inflation auch in der Schweiz zweistellig, wie wirkt sich das auf die Konjunktur aus? Was tun? Welche Art von Hypothek wählen? Lang, kurz, Saron? Wohin mit dem Ersparten? Aktien? Bitcoins? ETF?

Nun ist es so, dass der durchschnittliche Wirtschaftsjournalist bis heute nicht in der Lage ist, in die Zukunft zu schauen. War er noch nie, daher wollen wir es Tamedia ersparen, die rund 150 Treffer zum Begriff «steigende Teuerung» seit einem Jahr durchzugehen. Wir haben schon genug über den «Blick» gelacht.

Aber so sicher wie das Amen in der Kirche ist ein solcher Artikel:

Das könnte daran liegen, dass es bei künftigen Entwicklungen eines Indizes nur drei Möglichkeiten gibt. Er steigt, er sinkt – oder er bleibt unverändert. Ach ja, oder die Erde explodiert, aber dann ist alles egal. Nun könnte man meinen, dass angesichts dieser Verteilung ungefähr gleich viele Ökonomen auf die eine wie auf die andere Entwicklung setzen.

Das ist aber falsch. Interessanterweise gibt es immer eine Mehrheit von solchen Zukunftsguckern, angeführt von der «Konjunkturforschungsstelle KOF» der ETH, die auf das falsche Pferd setzen. Sie prognostizieren mit wissenschaftlicher Überlegenheit, dass beispielsweise die Inflation sinken wird. Während sie dann steigt. Oder umgekehrt. Das Gleiche natürlich auch bei der Konjunkturprognose. Nach der Prognose ist vor der Korrektur der Prognose. Grund: Na, du laienhaftes Dummerchen, das Unvorhersehbare hat mal wieder zugeschlagen.

Nun erklärt Simon Schmid vom «Tages-Anzeiger» recht launig, «warum so viele Ökonomen falsch lagen», was Prognosen über die weitere Entwicklung der Inflation betrifft. Das ist lustig zu lesen; noch lustiger wäre es, wenn er Beispiele aus dem Schaffen seines eigenen Hauses wählen würde. Weniger lustig ist, dass er den eigentlichen Grund für das zunehmende wilde Gerate der Ökonomen nicht nennt: seit der Finanzkrise eins im Jahre 2008 und der anschliessenden turmhohen Staatsverschuldung, für deren hemmungslose Fortsetzung immer neue Gründe gefunden werden (Eurokrise, Covid, Ukraine, Naher Osten), bewegen wir uns in der Finanzwelt auf nicht kartografiertem Gebiet.

Alle Inflationstheorien, die an der HSG und anderen Kraftorten der vermeintlichen Wirtschaftswissenschaft gelehrt werden, sind für den Papierkorb. Haben mit der geldpolitischen Realität nichts zu tun, aber wenn der Professor seine Vorlesung schon seit zwanzig Jahren so hält, will er sich dadurch doch nicht Arbeit aufhalsen.

Daher kommt Schmid am Schluss seiner Ausführungen zur erschütternden Erkenntnis: «Die Geschichte wiederholt sich, trotz aller Warnungen inflationsfürchtender Experten, nicht.»

Nun überlässt es aber der geballte Sachverstand der Wirtschaftsredaktion von Tamedia der SDA, folgendes Phänomen zu schildern: «Festhypotheken sinken auf neues Tief». So was. Das führt natürlich zur drängenden Frage: wie geht’s damit weiter? Darauf hat selbst die SDA nur eine etwas unbefriedigende Antwort: «Wie es 2024 weitergeht, hängt allerdings von vielen Faktoren ab.» Immerhin, ZACKBUM dachte, das hängt einzig und alleine von der Schneehöhe in Andermatt und dem Profil von Winterreifen ab.

Angesichts dieser erschütternden Erkenntnis, die eigentlich einen Wirtschaftsnobelpreis verdient, serviert die SDA eine grosse Portion Geeiertes. Wir lassen es bei einem Mütterchen bewenden:

«Beim Ausblick tut sich Moneyland etwas schwer, denn es gebe viele Faktoren, die die Zinsentscheidung der Schweizer Nationalbank beeinflussen. Daher bestünden grosse Unsicherheiten. Sollte beispielsweise die Konjunktur wider Erwarten deutlich schwächeln, könnte die SNB zu früheren Leitzinssenkungen gezwungen werden. Andererseits seien unerwartete Inflationsschübe mit einer nötigen Straffung der Geldpolitik ebenfalls nicht unmöglich.»

Da war selbst Paul, die Krake, zukunftssicherer und sagte sämtliche Ergebnisse der Fussball-WM für Deutschland richtig voraus.

In diesem «einerseits, andererseits, wobei, wenn nicht, falls, oder doch» setzt der Schluss dann doch noch einen humoristischen Akzent. Aber nur für den Leser, dem die weitere Entwicklung der Inflation eigentlich egal ist:

«Obwohl sich die Inflationsraten in der Schweiz nun schon den sechsten Monat in Folge deutlich unterhalb der von der SNB anvisierten 2-Prozent-Obergrenze befänden, beobachteten die Währungshüter die Entwicklung der Inflation. Es bestünden neben geopolitischen Unsicherheiten weitere Kostentreiber wie etwa Mietzinserhöhungen und Strompreise.»

Das Beobachten des Beobachters beim Beobachten. Könnte fast ein Titel von Handke sein, aber der ist nicht Ökonom, sondern Schriftsteller.

 

Wumms: Peter Rásonyi

Der Mann mit dem verbalen Zweihänder.

Die NZZ hat eine der besten Auslandberichterstattungen im deutschen Sprachraum. Immer wieder gibt es dort Juwelen zu entdecken. Aktuell unter «Meinung & Debatte» einen Beitrag über die vergessene Vertreibung der Armenier aus Nagorni Karabach durch den Diktator in Baku. Titel: «Aserbaidschans Waffen stammen auch aus Israel». Der Artikel beleuchtet die milliardenschweren Waffenlieferungen Israels und seine Unterstützung einer üblen Diktatur mit Know-how, eine schmutzige Sache.

Der Leiter der Auslandredaktion Peter Rásonyi könnte das möglicherweise als ungeheuerliche Vorwürfe bezeichnen. Obwohl die Darstellung dieser üblen Zusammenarbeit auch aus israelischen Medien stammt. Denn Rásonyi mag den verbalen Zweihänder.

Das tut der Ukraine-Kriegsberichterstattung nicht gut, in der die NZZ bereits unzählige Male den nahe bevorstehenden Sieg der Ukraine verkündet. Aber richtig mopsig wird der Auslandchef, wenn es um Israel geht.

Da verurteilt der UNO-Generalsekretär den «schrecklichen und einzigartigen Terrorangriff» der Hamas-Mörderbande, er sei «durch nichts zu rechtfertigen». Dann sagt António Guterres richtig, «dass die Angriffe der Hamas nicht in einem luftleeren Raum geschehen sind. Das palästinensische Volk ist 56 Jahre lang einer erstickenden Besatzung unterworfen worden». Damit bezieht sich Guterres unter anderem auf die klar völkerrechtswidrige Siedlungspolitik Israels in besetzten Gebieten.

Dazu donnert Rásonyi: «Die Vorwürfe von Uno-Generalsekretär Guterres sind ungeheuerlich und menschenverachtend, weil er den Terror eben doch rechtfertigt und die Verantwortung dafür in absurder Weise umkehrt.» Die Bemerkung zum «luftleeren Raum» könne «genau so verstanden werden: Israel habe den Terrorakt letztlich selbst verschuldet, weil es die Palästinenser zuvor so schlecht behandelt habe».

Auch die Bemerkung, dass es regnet, kann missverstanden werden. Aber dem Generalsekretär zu unterstellen, er hätte andeuten wollen, dass Israel den Terrorakt selbst verschuldet habe, ist schon ungeheuerlich. Er selbst weist das als «schockierend» zurück.

Anschliessend setzt Rásonyi einige Fragezeichen hinter die israelische Blockade des Gazastreifens. Aber wenn man seine Methode gegen ihn verwenden will, nützt dem Auslandchef das nichts, so wenig wie es in seinen Augen Guterres genützt hat, dass der die Gräueltaten der Hamas ohne Wenn und Aber verurteilte.

Dass der israelische UNO-Botschafter gleich den Rücktritt von Gutteres forderte, ist als Bestandteil des Propagandakampfs verständlich. Wie aber ein leitender Redaktor eines Blatts dermassen verbal ausrasten kann, das sich doch die ruhige und gelassene Analyse auf die Fahnen geschrieben hat, ist befremdlich. Solches Gejapse sollte die NZZ doch anderen Organen überlassen, um als Stimme der Vernunft weiter wahrgenommen zu werden.

Prima Klima

Der «Club» schafft sich ab.

Das geht so nur bei SRF. Wenn die Leiterin einer Sendung dank Verbandelung mit ihrem Chef unangreifbar ist (unkündbar ist man bei SRF sowieso, ausser man stiehlt silberne Löffel oder sagt etwas Böses über die Chefs), dann sinken Niveau und Einschaltquote dramatisch – ohne Konsequenzen.

Seit 2018 leitet Barbara Lüthi den «Club». Qualifikation: Frau vom Chef. Frau. Suchte neue Herausforderung. Resultat: Zuschauerdurchschnitt 2020 125’000. 2021 noch 101’000. 2022 klägliche 87’000. Ein Schwund von fast einem Drittel. Das führt nur beim Schweizer Farbfernsehen (oder beim «Blick») nicht zu dramatischen Konsequenzen.

Lüthi ist überfordert. Entweder grätscht sie hektisch bei ihr nicht passenden Meinungen rein, oder sie lässt ihr sympathische Meinungsträger ungeniert labern. Gerne macht sie auch Sendungen über Abwesende. So wurde der kantige SVP-Nationalrat Andreas Glarner durchgehechelt – er war nicht eingeladen, um sich allenfalls zu wehren.

Besonders peinlich wird es, wenn der eigene Sender zum Thema wird. Genauer die systematischen Fehlprognosen von SRF Meteo. Dass Thomas Bucheli dabei ist, das versteht sich von selbst. Dass die Nullnummer Elia Blülle vom klimaneutral inaktiven «Klimalabor» der «Republik» dabei ist: Gesinnungs-Gratis-PR. Reto Knutti hat seine Berufung als Klimawandel-Unke gefunden. Christof Appenzeller, Beamter und Direktor von Meteo Schweiz, neigt auch nicht zur Ausgewogenheit.

Also vier gegen eine. Denn richtig Contra gab eigentlich nur die NZZ-Journalistin Claudia Schwartz, die immerhin Bucheli mit hartnäckigem Nachfragen im wohltemperierten Studio etwas in Schwitzen und Rudern brachte. Obwohl sie, wie auch Lukas Rühli von «Avenir Suisse», nicht vom Fach ist.

Skandalös wurde die Sendung aber wieder durch eine Abwesenheit. Bekanntlich hat der Medienkritiker Kurt W. Zimmermann in der «Weltwoche» die ganze Debatte angestossen, indem er Bucheli & Co. mehrfach gravierende und systematische Fehlprognosen nachwies und sie mit viel besseren Vorhersagen der Konkurrenz verglich, womit das Argument «furchtbar kompliziert, verstehen nur Fachleute» flachfiel, obwohl es Bucheli gerne verwendet.

Als Sahnehäubchen verglich Zimmi dann noch die nächsten Fehlprognosen von SRF Meteo (bis zu 10 Grad zu hoch!) mit den Resultaten eines WeWo-Leserwettbewerbs im Vorhersagen. Die Leserschaft gewann haushoch. Also wäre es selbstverständlich gewesen, Zimmi (oder einen anderen Vertreter der WeWo) einzuladen. Oder deren Abwesenheit zumindest zu erwähnen oder gar zu erklären.

Aber doch nicht Lüthi. Die fand offenbar, dass Schwartz schon anstrengend genug werden könne. Und überhaupt, dem SVP-Schmuddelblatt «Weltwoche» eine Plattform geben? Niemals. Den nicht gerade auf den Mund gefallenen Zimmermann in der Sendung haben, wieder hektisch reingrätschen, gar lautstarke Duelle zwischen Moderatorin und Gast? Wieder mal offenkundig werden lassen, dass Lüthi trotz ganzer Vorbereitungscrew im Rücken nicht sattelfest ist, keine Autorität ausstrahlt, schnell einmal die Sendung nicht mehr im Griff hat? Niemals.

Hm, vielleicht wäre ja Jörg Kachelmann noch eine Möglichkeit gewesen. Ist immerhin vom Fach. Oder Thomas Matter, der als Initiant entschieden erfolgreicher ist als in seiner Funktion als DJ. Hat sich schliesslich auch über die Fehlprognosen aufgeregt. Angefragt, nicht gewollt? Aber nein; Zimmi sagt knapp «» auf die Frage, ob er wenigstens eingeladen wurde.

Dafür die Sendung weiter in die Bedeutungslosigkeit moderieren? Ungehindert und ungehemmt. Denn Lüthi weiss: ihr kann keiner.

«Blick» ist peino

Konzernjournalismus ist eine üble Sache.

Der Ringier-Verlag ist der SRG über die Werbeverwertungsgesellschaft Admeira herzlich verbunden. Früher war’s sogar ein Joint Venture, bis sich das Farbfernsehen zurückzog und seine Anteile an Ringier verkaufte.

Das bei einer Berichterstattung über TV-Themen anzumerken, nun, anständig wär’s. Nachdem der frischgebackene SoBli-Chefredaktor bereits beim SRG-Boss Gilles Marchand (Jahresgehalt rund 550’000 Franken) Mikrophonständer gespielt hatte und dem die verunglückte Gelegenheit gab, gegen die «200 Franken sind genug»-Initiative zu wäffeln, muss der «Blick» gut Wetter machen.

Denn eines der Aushängeschilder von SRF, Wetterfrosch Thomas Bucheli, ist in ein veritables Tiefdruckgebiet geraten. Ihm wurde mehrfach nachgewiesen, dass seine Temperaturprognosen konsequent und massiv (bis zu 10 Grad) von den gemessenen Temperaturen abweichen. Konsequent nach oben.

Als typische Beamtenseele meinte Bucheli zunächst, dass er diese Vorwürfe der «Weltwoche» als «absurd» abtischen könnte. Vor allem, dass insinuiert wurde, dass die Wurstigkeit gegenüber diesem Problem damit zu tun haben könnte, dass man im Staatsfunk keine Gelegenheit auslässt, die kommende Klimakatastrophe an die Wand zu malen, wies er «vehement» zurück.

Als das nicht reichte, entschuldigte er sich zu bester Sendezeit für die Fehlprognosen, behauptete aber weiterhin, dass das keine Absicht sei – und sehr, sehr schwer zu verbessern. Dabei eilte ihm Tamedia zu Hilfe und führte wortreich aus, dass solche Temperaturvorhersagen unglaublich schwierig seien, fast unmöglich.

Aber der grosse Elefant bleibt weiterhin in der Meteo-Zentrale stehen und wird fleissig ignoriert: wenn das so wäre, wieso gelingt es dann der Konkurrenz der 15-köpfigen Wetter-Crew regelmässig, viel präzisere Vorhersagen zu machen? BBC, Weather Channel, auch Kachelmannwetter liegen viel näher an den gemessenen Temperaturen. Immer.

Nun könnte man die einfache Frage stellen, wieso SRF Meteo – statt sich mit seinem wahnsinnig komplizierten Algorithmus ständig zu verhauen – nicht einfach die besseren Daten von der Konkurrenz übernimmt.

Aber der «Blick» doch nicht. Da muss Camilla Alabor, «Redaktorin SonntagsBlick», dran glauben und ihre Pflicht tun. Nämlich dem im Sturm stehenden Bucheli ein schützendes Dach bieten. Allerdings verhaut sie sich geradezu SRF Meteo-mässig gleich am Anfang:

«Thomas Bucheli (66) war sichtlich aufgewühlt.» Vielleicht war auch Alabor aufgewühlt, der Mann ist 62 Jahre alt. Oder sie hat sich aus Solidarität nach oben verhauen. Dann bekommt der Aufdecker der Fehlprognosen eins vor den Latz: «Das rechtskonservative Magazin (gemeint ist die «Weltwoche», Red.) hatte der Wettersendung vor einer Woche unterstellt …»

Pfui, aber hier redet nun Bucheli: «Wir werden dafür sorgen, dass der Fehler korrigiert wird.» Das ist ihm allerdings bis heute nicht gelungen, wie Nachmessungen regelmässig ergeben. Inzwischen hat sich sogar oberpeinlich herausgestellt, dass das Kollektiv von rund 1000 WeWo-Lesern entschieden präzisere Vorhersagen macht als Bucheli mit seinem Algorithmus. Kurt W. Zimmermann hatte daher süffisant angeboten, dass doch zukünftig die WeWo den Wetterbericht übernehmen könne. Sei billiger und besser.

Aber auf solche Fiesigkeiten will «Blick» natürlich nicht eingehen. Dafür Vorhang auf für Bucheli:

««Die Vehemenz der Kritik hat mich überrascht.» Der Vorwurf der politischen Einflussnahme sei so skurril, dass er ihn nicht ernst nehmen könne, sagt Bucheli. «Es handelt sich um eine bedauerliche wissenschaftliche Fehlprognose, die aber keinen riesigen Schaden angerichtet hat.»»

Also alles in Ordnung, lasst den Mann doch einfach in Ruhe arbeiten. Aber nun muss das Ganze natürlich noch «eingeordnet» werden. Im besten Framing-Stil schreibt daher Alabor: «Die Angriffe von rechts auf die vielleicht unpolitischste Sendung – die Wetterprognose – zeigen: Auch in der Schweiz droht die Meteorologie zum Spielball der Politik zu werden.»

Pfui, gibt es etwas Unpolitischeres als Fehlprognosen? Aber für seinen geknödelten Auftritt mit Entschuldigung hat Bucheli natürlich fachfrauliches Lob verdient: «Für seinen handgestrickten Auftritt indes erhält Bucheli von einer Expertin für Krisenkommunikation gute Noten. Inhaltlich sei es richtig, dass SRF Meteo dem Thema in der Sendung grosses Gewicht gegeben habe, sagt Claudia Jenni (52) von der Agentur Kommunikationsatelier.» Hierbei handelt es sich um eine Zwei-Frauen-Klitsche, die sich darüber freut, mal in den Medien erwähnt zu werden.

Dann erweitert Alabor das Panorama des Schreckens zum Schluss:

«Diese Woche hat die SVP ihre Halbierungs-Initiative eingereicht, mit der sie die TV- und Radiogebühren von 365 auf 200 Franken senken möchte. Vor diesem Hintergrund dürften Angriffe auf das Schweizer Fernsehen in Zukunft nicht abnehmen. Ganz im Gegenteil.»

Aha. Konzertierte Aktion dieser Rechten mit ihren «Angriffen auf das Schweizer Fernsehen». Pardon, seit wann ist die berechtigte Kritik an erstaunlich konsequenten Fehlprognosen und bescheuerten Erklärungen, wieso das nicht anders sein könne, ein Angriff auf die SRG?

Und wann hatte das letzte Mal ein «Blick»-Artikel über die SRG etwas mit Journalismus zu tun?