Die Verlegerclans schiessen zurück

Das Komitee «Die Meinungsfreiheit» ist auf der Welt. Eine Sturzgeburt.

Der Name ist etwas grossmäulig: «Die-Meinungsfreiheit.ch» nennt sich das «das breit, und parteiübergreifend abgestützte Komitee».  Herr Duden ist noch nicht an Bord, aber das kann noch kommen.

Was soll uns dieser Namen eigentlich sagen? Ist die Meinungsfreiheit in der Schweiz in Gefahr? Muss sie gerettet, beschützt werden? Echt? Vor wem denn? Die lustige Antwort darauf gibt’s am Schluss.

Wenn man aus dem Tiefschlaf von null auf hundert kommen will, sieht’s dann so aus:

Fotorecherche ungenügend. Dumm gelaufen.

Macht ja nix. Wer steckt denn dahinter? Leider führt der Menüpunkt «Über uns» hierher:

«Über uns» gibts nichts zu sagen.

Macht ja auch nix, auf die Inhalte kommt es schliesslich an. Das Komitee setzt sich für ein Ja bei der kommenden Abstimmung über das im Parlament verabschiedete Mediengesetz ein. Dagegen wurde erfolgreich das Referendum ergriffen.

Nach einer schreckensbleichen Pause werden nun erste Argumente ausgerollt, wieso es gut und richtig sein soll, die Verlegerclans der Schweiz mit einer runden Milliarde Steuergeldern zu unterstützen.

Schauen wir mal. Was ist Dichtung, was Wahrheit?

Wie ist die Lage? «Der Werbemarkt wird durch die globalen Internetgiganten unter Druck gesetzt und die Erträge für die lokalen Medien sinken seit Jahren ungebremst.»

Das ist richtig, allerdings fehlt zur vollständigen Beschreibung, dass das daran liegt, dass die grossen Schweizer Verlage die Verlagerung ins Internet jahrelang schlichtweg verschnarcht hatten und bis heute keine sinnvolle Strategie entwickelten, um aus dieser Todesspirale herauszufinden.

«Die privaten Schweizer Medien haben ihr umfassendes journalistisches Angebot auf allen Kanälen ausgebaut und leisten so einen unverzichtbaren Beitrag zur medialen Grundversorgung in der Schweiz.»

Das ist falsch. Die Medienclans haben ihr Angebot auf allen Kanälen abgebaut, massenhaft Journalisten entlassen, Redaktionen zusammengelegt und verbreiten aus zwei zentralen Newsrooms die gleiche Sauce über die ganze Deutschschweiz.

«Die Schweizer Medien sind der Dorfplatz der direkten Demokratie.»

Das ist falsch. Geradezu nassforsch falsch. Das ist, wie wenn ein Detailhandelsriese ein zentrales Shoppingcenter eröffnet und darin mit Pappe und Plastik Dorfmärkte zusammenleimt.

«Während Schweizer Medien unter Druck stehen, sind Internetgiganten wie Facebook, Google oder TikTok massiv auf dem Vormarsch. Die Werbegelder, die im Schweizer Markt verloren gehen, fliessen hauptsächlich zu diesen Plattformen.»

Das ist richtig. Aber warum ist das so? Warum fliessen 90 Prozent der Erlöse aus dem Online-Marketing zu diesen Giganten? Weil die Schweizer Medienmanager mehr als zwanzig Jahre lang mit offenem Mund zugeschaut haben und «das ist irgendwie nicht gut» murmelten. Aber solange üppige Gehälter, Dividenden und Gewinne sprudelten, war das kein Anlass zu tiefer Besorgnis.

Die Internetgiganten (oben), die Schweizer Medienhäuser (unten).

Es gibt allerdings einen Punkt, den das Komitee wohlweisslich weiträumig umfährt. Totschweigt. Gar nicht erst ignoriert. Die Schweizer Anbieter, die eigene Handelsplattformen im Internet unterhalten, haben gerade Elefantenhochzeit gefeiert. Also eher eine Mäuseheirat zwischen Tamedia, Ringier und Mobiliar, die wiederum an Ringier beteiligt ist. Sie legen ihre Handelsplattformen zusammen. Endlich. Damit sausten die Unternehmenswerte nach oben.

Nur leere Worte von Vierter Gewalt und so

Warum wird das nicht erwähnt? Weil die Verlegerclans die Herstellung von News, die vollmundigen Selbstbeweihräucherungen als Vierte Gewalt, als Wächter und Kontrolleure nur noch aus Imagegründen blubbern. In Wirklichkeit verdienen sie die Kohle schon längst mit Marktplätzen, Wertschöpfungsketten und Beigemüse.

«Demokratie braucht starke Medien», so lautet der Slogan des Komitees. Super Satz.

Bloss: das sagen die gleichen Verlegerclans, die den Journalismus in der Schweiz zum Skelett runtergespart haben, auf Rumpfredaktionen runtergehobelt? Das sagen die im Geld schwimmenden Verlegerclans (die Besitzerfamilien sind Milliardäre oder zumindest Multimillionäre)? Das sagen die ohne rot zu werden, nachdem seit Jahren nach der Sparrunde vor der Sparrunde ist?

Das sagen sie ohne mit der Wimper zu zucken, während sie gleichzeitig jede «Quersubvention» durch im Print gegründete und aufgebaute Plattformen, die ins Internet abgezwitschert sind, an ihre Printmütter unterbinden?

Jeder für sich und der Clan gegen alle, das ist ihr Prinzip. Kaum verhüllt hinter solch wohltönenden Wortblasen.

Am besten Neustart, sonst wird das nix

Da müssen Kommunikationsspezialisten, Mietmäuler (sogenannte Testimonials) und Helfershelfer den Finger aus einem nicht dafür vorgesehenen Körperteil nehmen. Denn so wird das nix.

Dass schon über 70 Politiker das Komitee unterstützen, ist schliesslich auch keine Auszeichnung. Logisch machen die das, die brauchen die Medien im Kampf um die Lufthoheit über die veröffentlichte Meinung. Politiker sind graue Mäuse, sind kaum bemerkbar, wenn sie nicht immer wieder Auftritte in den Medien haben.

Denn nur dann nimmt man Kenntnis davon, dass gefordert, verurteilt, beantragt, kritisiert wird.

Also, liebes Komitee: das geht noch besser. Viel Geld ist nicht alles. Viel Brain ist wichtiger. Denn:

die grösste Gefahr für die Meinungsfreiheit, für den Meinungspluralismus sind doch die grossen Verlegerclans,

die von Basel bis Zürich, von Aarau bis St. Gallen mit Kopfblättern die gleiche Sauce über alles schütten.

In der Bundeshauptstadt Bern gab es immerhin noch zwei Tageszeitungen. Niemals werde da an eine Zusammenlegung gedacht, tönte Tamedia. Bis zur Zusammenlegung.

Noch ein paar kostenlose Ratschläge: Impressum? Verantwortlicher? Datenschutzhinweise? Anfängerfehler. Amateure, Dilettanten am Gerät.

Liebes Komitee, liebe Verlegerclans: der Medienkonsument ist vielleicht nicht der Hellste. Aber so blöd ist er auch nicht, dass man ihm ein X für ein U vormachen kann. Also tief durchatmen, dieses jämmerliche Komitee spülen, nochmal ansetzen. Es soll doch ein echter Kampf werden, kein K.o. schon in der ersten Runde.

TX geixt? Neuer Name?

Der Coninx-Clan liebt Umbenennungen. War’s nun eine zu viel? Sozusagen ein neues Triple X?

Journalistische Kompetenz ist das eine. Dafür sollte ja angeblich Tamedia zuständig sein. Nun ist alles, was mit der Herstellung und Verpackung und Bauchnabel-Darbietung zu tun hat, in ein separates Profitcenter gestopft worden, das heisst Tamedia. Hiess auch schon mal kurz und knackig T, wobei das T auch für alles stand.

War auch mal so eine Idee. Links Kopie, rechts Original.

Aber, man geht ja mit der Zeit, also man rennt ihr hinterher, und seitdem es Internet und digital gibt, ist der Buchstabe x sehr beliebt für Firmennamen. Damit will man so einen Geruch nach Techno, vorne dabei, Matrix, Internet, Blabla verströmen.

Also montierte man nach Tamedia und T das Schildchen schon wieder vom Glaspalast an der Werdstrasse und schraubte stolz ein TX dran.

Name wechsle dich, Drehtüre bleibe doch.

Seit Dezember 2019 heisst der grösste Medienkonzern der Schweiz TX Group. Das war vielleicht die längste Zeit so.

Juristisch nicht ganz sattelfest, das Medienhaus

Denn bei Tamedia, Pardon, T, Äxgüsi, TX, also im Hause Supino-Coninx, sind nicht nur die Journalisten nicht über jeden Zweifel erhaben, was ihre Kompetenz betrifft. Wir erinnern nur an Claudia Blumer.

Auch juristisch könnte das Haus vielleicht eine Auffrischung vertragen. Denn mit dem Namen TX gibt es ein kleines Problem. Der wurde am 18. Dezember 2019 zur Registrierung beim Handelsregisteramt eingereicht. Nur: nicht vom Coninx-Clan. Denn zwischen der Ankündigung der neuerlichen Umbenennung und dem Antrag auf Eintrag ins Handelsregister seitens Coninxclan verging mehr als ein Monat.

Ätsch, sagte da ein Rapperswiler Anwalt, ich bin schneller. Weil beide Anträge in die Weihnachtszeit fielen und zeitlich sehr eng beieinander lagen, passierte nun ein bürokratischer Lapsus. Beide wurden genehmigt. So berichtet der SoBli nicht ohne Häme, dass am 23. Dezember im «Schweizerischen Handelsblatt» die TX Group aus Rapperswil publiziert wurde, und am 27. die TX Group aus Zürich.

Das darf aber eigentlich nicht sein, und es gilt das einfache Prinzip: der Schnellere ist der Geschwindere. Zuerst angemeldet, zuerst eingetragen, normalerweise keine Diskussion: dem gehört’s.

Sagen auch einschlägig bewanderte Markenrechtler. TX, also die Zürcher TX, sagt hingegen, in dieser Angelegenheit habe «das Eidgenössische Handelsregisteramt zu unseren Gunsten entschieden». Damit bezieht sich Big T (sagen wir nun der Einfachheit halber) auf den Fakt, dass die Doppeleintragung existiert. Aber eben irrtümlich.

Auch Tamedia hat etwas mit dem Schlamassel zu tun

Die Story wird noch lustiger. Es kommt auch noch ein gewisser Serge Aerne ins Spiel. Unternehmer und Gründer einer Pensionskasse. Der SoBli fasst zusammen: «Anfang November 2019 publizierte die «Sonntagszeitung» einen Artikel, in dem Aerne vorgeworfen wurde, der Pensionskasse mit fragwürdigen Immobiliengeschäften geschadet zu haben. Aerne reichte darauf Klage gegen das Medienhaus ein. Die Sache ist bis heute nicht abgeschlossen.»

Das Sahnehäubchen: Nicht mehr der Rapperswiler Anwalt, sondern Aerne ist nun der Besitzer der drei Tage älteren TX Group. Und der sagt eiskalt, dass es ihm nicht um Geld gehe, sondern dass er einfach möchte, dass die Zürcher TX Group ihren Namen ändere. Deshalb liegt der Fall nun vor dem Bundesverwaltungsgericht.

 

Vielleicht sollte Vin Diesel eingreifen?

Das nach Meinung diverser Anwälte eigentlich nur ein Urteil fällen kann. Was dann bedeuten würde, dass an der Werdstrasse schon wieder ein neues Türschild fällig wird. Wir haben auch gleich einen Vorschlag: XXX. Oder Triple X. Steht für vieles und für nichts. Allerdings: auch diese beiden Bezeichnungen sind schon eingetragene Marken. In Glarus gibt es zum Beispiel eine GmbH, die eine Bar unter dem Namen XXX betreibt.

Die doppelte TX Group im Handelsregister.

Kostenloser Tipp für die Big T-Juristen, damit die nicht das nächste Mal reinfallen. Triple X ist auch schon weg. Aber hallo, X wäre noch frei. Blöd nur: das kann man nicht als Marke registrieren lassen. Ist halt nur ein Buchstabe.

Letzter Versuch: Ich könnte zum Beispiel CHplus anbieten. Hört sich gut an, ist eine im HR eingetragene GmbH, gehört mir – und könnte unter Umständen, wenn der Preis stimmt, käuflich erworben werden. Ist doch sicherer als die nächste Klatsche einfangen, liebe TX-Gruppenmitglieder. Also die in Zürich meine ich.

Ich, der Korrespondent

Das Anforderungsprofil ist niedrig. Kamera, Mikrophon, Screen, gerunzelte Stirn. Et voilà.

«Wir schalten zu unserem Laos-Korrespondenten. Wo steht Vientiane in der Bekämpfung der Pandemie?» Ich mache ein ernstes Gesicht und hebe an:

«Gerade ist eine Pressekonferenz des Gesundheitsministeriums zu Ende gegangen. Kurz vorher konnte ich noch mit dem stellvertretenden Vizeminister sprechen. Der bestätigte mir, dass die Lage völlig unter Kontrolle ist.»

Bin gerade mal in Vientiane.

Ich hole mir schnell ein Gipfeli in der Migros bei mir um die Ecke im Zürcher Kreis vier, gönne mir einen Schluck Kaffee und bin bereit für den nächsten Einsatz.

Irgendwo im Nirgendwo in Mali.

«Wir haben das unseren Mali-Korrespondenten René Zeyer gefragt», ist diesmal die Einleitung. Ich mache ein sehr ernstes Gesicht und sage: «Die Lage in den von Islamisten beherrschten Gebieten ist nach wie vor unübersichtlich. Die wenigen Nachrichten, die uns von dort erreichen, lassen das Schlimmste für die Zivilbevölkerung befürchten

Oldtimer, Kapitol, alles klar: Havanna.

Ich lockere die Krawatte, als ich meine nächste Korrespondentenstelle antrete. «Für die kubanische Regierung ist es der perfekte Sturm», intoniere ich geübt, «ausbleibende Touristen, kaum Exporte, immer grössere Probleme mit Geldüberweisungen von Exilkubanern, die Lage ist ernst.» Hier war nur ein Soundbite von 15 Sekunden gefragt, das wird dann wohl noch um die Hälfte gekürzt werden.

Burma, Myanmar, ist doch egal.

Aus diesem Grund macht der Korrespondent immer wieder eine kurze Kunstpause, damit der Schnitt nicht zu auffällig wird. Ich schaue auf meinen Terminkalender. Aha, noch zwei TV-Stationen, eine möchte ein kurzes Update zu Burma, die andere interessiert sich doch tatsächlich für den Jemen.

Auch im Jemen regnet’s manchmal.

Dann ist Bild und Ton vorbei, es kommt eine Latte von Radiostationen, die ich ohne Krawatte, einfach mit Kopfhörer und Kondensermik bedienen kann. Ich mische dann noch über mein Programm etwas statisches Rauschen und gelegentliche Knackser rein, damit die Übertragung nicht zu geleckt daherkommt.

 

Fiktion und Wirklichkeit: Wer kann noch unterscheiden?

TV, Radio, Hauptsache authentisch mit O-Ton

Am Radio kann ich auch etwas mehr mit der Tonlage spielen; mal gelassen, aber seriös, mal etwas angespannt und gepresst. Denn am Radio bin ich selbstverständlich immer vor Ort. Meine letzte «Live»-Übertragung vom Flughafen Kabul brachte ganz schön Geld in die Kasse; Stationen standen Schlange, um mich exklusiv zu verpflichten.

Echter Afghane aus Kabul.

Das kann ich in solchen Situationen natürlich nicht zusagen, aber ich garantiere exklusive Zweitverwertung und mische verschiedene O-Töne drunter, die ich bei YouTube abgesaugt habe.

Ein richtiger Knaller war auch mein Interview mit Mohammad, ein ehemaliger Mitarbeiter der Schweizer, deutschen oder österreichischen Entwicklungshilfe, je nachdem. Er ist afghanischer Familienvater, hat zwei Töchter, 12 und 14, also im besten Alter für eine Zwangsverheiratung. Er selbst harrt am Flughafen aus, während sich seine Frau mit den Töchtern in einer klandestinen Wohnung in einem Vorort Kabuls versteckt.

Bin ich froh, dass es neben Tamilen und anderen Asylanten auch afghanisches Personal in Zürcher Restaurants gibt, das sich gerne ein Zubrot verdienen möchte. Burma und Mali, das ist etwas schwieriger, ich arbeite gerade an zwei Augenzeugenberichten, leider hapert es da etwas mit den Deutschkenntnissen, aber vielleicht lasse ich das auf Englisch und Französisch einsprechen und mache dann eine Übersetzung drüber.

Das ist doch kein Beschiss, einfach alternativer Journalismus

Das ist doch Beschiss, höre ich da? Das verbitte ich mir. Ich kenne schliesslich einen Schweizer in Vientiane, der brieft mich jeweils, und Kuba kenne ich, weil ich dort tatsächlich mal Korrespondent war. Burma ist doch gleich um die Ecke bei Laos, und Mali, nun ja, wie soll es denn in einem gescheiterten schwarzafrikanischen Staat schon zugehen, wo die ehemalige Kolonialmacht Frankreich wütet?

Ich bereite mich schliesslich auf jeden Einsatz seriös vor. Das kann doch nicht falsch sein; das Schweizer Farbfernsehen befragt seinen Afghanistan-Korrespondenten doch auch beinahe täglich, und der sitzt in Amman mit dem grossen Fernrohr. Die deutsche «Tagesschau» und die NZZ lassen Kabul von Delhi in Indien beobachten, niemand hat einen Korrespondenten in Burma, Laos, Kuba oder Mali. Vom Jemen ganz zu schweigen.

Ich denke allerdings daran, mein Portefeuille noch etwas auszuweiten. Doha kommt immer mehr ins Gespräch, seitdem dort die Luxus-Taliban sitzen. Dubai ist allerdings eher auf dem absteigenden Ast; schade, ich hatte so ein schönes Video des Burj al Arab auf meinem Greenscreen als Hintergrund. Sogar im Morgen- und im Abendlicht, je nachdem.

Nicht mehr so gefragt: Dubai.

Oh, schon wieder Skype, der nächste Kunde wartet. Der möchte mit seinem Afrika-Korrespondenten über den Kongo sprechen, da muss ich nochmal das Zitat von Joseph Conrad nachschlagen, hier sprechen wir ein gebildetes Publikum an.

Vorbei, gestorben, nie wieder.

Intransparenz herrscht

Die Verleger-Clans lassen über Privates, Intimes und Persönliches berichten. Aber sie selbst bleiben im Schatten.

Der Ringier-Verlag hat den Schweizer People-Journalismus erfunden und gewährt bis heute Einblicke in Privates und Intimes von Cervelat- und anderer Prominenz. Badewanne, Sofa, Wohn- und Schlafzimmer, immer gut ausgeleuchtet und sympathisch fotografiert, dazu einfühlsame bis liebedienerische Texte.

Das ist eines der Hauptfelder der Berichterstattung. Nur gibt es da einen blinden Fleck. Alles, was mit dem Ringier-Clan zu tun hat, bleibt aussen vor. Wie leben die Ringiers? Wie verstehen sich die Familienmitglieder? Wie sieht ein lustiger Abend mit Marc Walder aus? Trägt Frank A. Meyer auch zu Besuch ein Jackett mit Poschettli, dazu Hosen in unmöglichen Farben?

Der Ringier-Clan für ein Mal vereint.

Welches Aston Martin-Modell fährt Michael Ringier aktuell? War der deutsche Ex-Bundeskanzler Schröder jemals in seinem Büro an der Dufourstrasse? Und wenn ja, bekam er dort eine Currywurst? Das sind vielleicht nicht weltbewegende Fragen, aber so investigativ der Ringier-Verlag bei anderen ist, all das ist absolute Tabuzone.

Auch die anderen Clans leben verschlossen wie eine Auster

Auch Tamedia, T oder die Tx Group hat bei allen Namenwechseln eine Konstante. Der Coninx-Clan besitzt die Aktienmehrheit des börsenkotierten Konzerns und hat ihn fest im Griff. Aber so ausführlich über das Privat- und Intimleben eines Pierin Vincenz, eines Tidjane Thiam und von vielen anderen berichtet wird: die weit verzweigte Familie Coninx ist Tabu. Wie geht es bei einem Familientreffen zu? Wie lang ist die Yacht? Über wie viele Villen, Häuser, Feriendomizile verfügt sie? Schweigen im Blätterwald.

Das gilt genauso für den Wanner-Clan oder den Hersant-Clan in der Westschweiz. Das Intimlebens eines ehemaligen Badener Stadtammanns wird seziert und detailliert ausgebreitet. Aber wie steht es denn bei den Wanners selbst? Wie geht’s auf deren Schloss zu, wenn die Champagnerkorken knallen? Tabuzone, nichts weiss man.

Nun sind wir ja alle dafür, dass die Intimzone, das Private privat bleiben sollte, geschützt werden muss, keine billige Neugier befriedigt, kein Schlüsselloch-Journalismus betrieben wird.

Wohin fliessen 400 Millionen Steuerfranken genau?

Nur: Wenn der Steuerzahler schon rund 400 Millionen pro Jahr aufwerfen soll, um diesen Verlagshäusern unter die Arme zu greifen, wäre es da nicht an der Zeit, etwas mehr über die Lebensumstände der Besitzer zu erfahren? Selbst der Chefredaktor der diskreten NZZ hatte keine Mühe damit, dass seine Frau über das Wellness-Hotel in der NZZ Loblieder sang, in dem das Ehepaar Ferien verbracht hatte; er selbst liess ich zu einem Interview in der Hauspostille herab.

Wie verbringen denn Ringiers, Wanners, Coninx’ oder Hersants ihre Ferien? Golf, Polo, Himalaya-Expedition? Schnorcheln auf den Malediven, Städtetrip nach Hongkong, Test des neusten Sushi-Schuppens in Tokio? Möchte man doch gerne wissen, denn dieser Lebensstil wird ja zu einem gewissen Teil von unseren Steuergeldern finanziert.

Wäre da gelegentlich eine Postkarte mit fröhlichen Feriengrüssen an die lieben Schweizer Steuerzahler nicht angebracht? Muss gar nichts Intimes sein, eine fröhliche Runde in Harry’s Bar in Venedig, ein Diner im Pariser Ritz, ein High Tea im Peninsula, mehr möchte man doch nicht sehen.

Aussen unscheinbar, innen voller Geschichte.

Oder, das zeichnet ja zumindest Ringier und Coninx aus, der Besitzerstolz beim Ankauf eines neuen Kunstwerks, da möchte man doch dabei sein. Denn die meisten der in ihren Gazetten dargestellten oder vorgeführten Personen beziehen keine Subventionen vom Staat.

Wir wollen endlich die Homestorys lesen und sehen

In einem Satz: Wann kommt die Homestory? Wie sieht die Badewanne bei Ringiers zu Hause aus? Auf welchem Sofa entspannt Coninx? Steht Supino auch mal in seiner Küche? Haben Wanners einen Split-TV zu Hause, auf dem zeitgleich alle ihre Privat-TV-Stationen laufen? Wie unterhält man sich bei Hersants? Gibt’s dort eine Bibliothek oder eine Sammlung von Fabergé-Eiern?

ZACKBUM weiss, unser Beitrag zu den 400 Millionen Staatsknete ist überschaubar. Aber nicht null. Dafür hätten wir es doch verdient, dass dieser Vorhang ein klitzekleines Bisschen gehoben wird. Vielleicht zum Anfang nur einen Blick in die Garagen der Hauptwohnsitze. Bitte, das kann doch nicht zu viel verlangt sein.

Sieht’s so aus wie bei Jay Leno zu Hause?

Yachten, Villen, Sportwagen

Sollen arme Milliardäre mit Steuergeldern unterstützt werden?

Nehmen wir an, vier Fabriken stellen Dampflokomotiven her. Das sei eine bewährte Technologie, inzwischen auch sehr umweltfreundlich und fast abgasfrei.

Zudem sei die Herstellung von Dampflokomotiven systemrelevant, denn nur mit ihnen könne der nötige Transport von Gütern und Menschen sichergestellt werden. Unverständlicherweise sei es aber so, dass es mit dem Verkauf von Dampfloks immer mehr hapert. Es drängen Mitbewerber auf den Markt, die so neumodisches Zeugs wie Elektroloks, wasserstoffbetriebene Busse oder gar Drohnen anbieten.

Aber nur Dampfloks garantieren die notwenigen Transporte, darauf bestehen die Hersteller. Zudem bestehe die Gefahr, dass viel billigere Triebwagen aus dem Ausland auf den Schweizer Markt drängen könnten; vor allem aus den USA und aus China. Das gefährde das einzige Zusatzgeschäft, das den Dampflokherstellern eingefallen ist.

Sie betreiben nämlich neben dem Kerngeschäft viele Handelsplattformen und basteln ganze Verwertungsketten mit Produzenten zusammen. Aber diese Geschäfte drohen auch obsolet zu werden, weil Giganten wie Amazon, Facebook und Google den Markt aufrollen. Bevor die vom Übergiganten Alibaba aufgerollt werden.

Verlegerclan-Traum.

Den wohlbezahlten Managern der Dampflok-Remisen sind in den Jahren seit Bestehen des Internets eigentlich nur zwei Massnahmen eingefallen, um den Auswirkungen einer neuen Technologie zu begegnen. Sparen, bis es quietscht, aber eine skelettierte Dampflok weiterhin zu Preisen verkaufen, als wäre es eine vollständig ausgestattete Maschine wie in früheren Zeiten.

Staatlich subventionierte Unfähigkeit

Und jammern. Jammern in allen Tonlagen und Tonhöhen. Sie seien unverzichtbar, ohne Dampfloks gehe der Schweiz der Dampf aus, Dampfloks seien notwendig für die Demokratie, die Gesellschaft, den Zusammenhalt, die Kontrolle.

Zudem könne man doch nichts dafür, dass das Internet so plötzlich und unerwartet und eigentlich erst vorgestern aus dem Gebüsch gesprungen sei. Damit seien für sicher geglaubte Einnahmen abgeschwirrt, auf Nimmerwiedersehen. Dann noch Corona mit all den Lockdowns und Unsicherheiten, damit sei dann eine lebensbedrohende Krise ausgebrochen.

Völlig klar und logisch, dass hier der Staat einspringen muss. Also genauer der Steuerzahler. Denn die vier grossen Verlagshäuser der Schweiz nagen bereits am Hungertuch. Ihre Besitzer machen sich ernsthafte Sorgen, wie sie den Unterhalt von Yachten, Villen, Feriendomizilen, Wagenparks, ihre Kunstsammlungen, Hobbys und Weltreisen weiter finanzieren können.

Alleine der Unterhalt …

Gerüchteweise hört man, dass die Familien Ringier, Coninx-Supino, Wanner und Hersant, also die grossen Verlegerclans, an eine Demo denken. Sie lassen sich bereits bei Gucci und Versace Lumpenkleider nähen, haben Emissäre zu Flohmärkten ausgesandt, um möglichst abgetragene Turnschuhe und zerfranste Käppis zu kaufen, um das Outfit zu vervollständigen. So wollen sie dann auf dem Bundesplatz zu Bern in bester Tradition der Klimajugend ein Sit-in veranstalten. Erst spätnachts, wenn die hauseigenen und die wenigen fremden Medien verschwunden sind, wird das Catering mit Kaviar, Krug und weiteren Köstlichkeiten aufgefahren werden.

Noch mehr Geld für obsolete Geschäftsmodelle

Die Verlegerclans sind sich ziemlich sicher, dass sie die Öffentlichkeit weiterhin für dumm verkaufen können. Denn sie bringen zusammen ein Privatvermögen von rund 4 Milliarden Franken auf die Waage. Alleine die vier grossen Verlage haben im Jahr 2020, trotz Corona und furchtbar, einen operativen Gewinn von über einer Viertelmilliarde erwirtschaftet.

Keiner der jammernden Manager oder Besitzer wäre auch nur im Traum auf die Idee gekommen, aus dem eigenen Sack mal etwas draufzulegen, um weitere Sparmassnahmen, Zusammenlegungen, Entlassungen, Zusammenstreichungen zu verhindern.

Zudem ist es ihnen gelungen, das «Massnahmenpaket zugunsten der Medien» schlank durchs Parlament zu bugsieren. Knapp 130 Millionen zusätzliche Staatsknete, Steuergelder. Zusammen mit weiteren Subventionen, reduziertem MWST-Satz usw. kassieren die Medienhäuser satte 400 Millionen Franken im Jahr.

Damit sie ihr obsoletes Geschäftsmodell weiterführen können und den Eintritt von Mitbewerbern möglichst verhindern. Denn der Löwenanteil dieser 400 Millionen fliesst in die Kassen der vier grossen Verlegerclans der Schweiz; neue Gratisangebote gehen leer aus.

Wer zahlt, soll wenigstens abstimmen dürfen

Das kann doch alles nicht sein, meint das Referendumskomitee «Staatsmedien nein» und sammelt fleissig Unterschriften dafür, dass die Steuerzahler wenigstens darüber abstimmen können, ob sie mit dieser Subvention mit allen schädlichen Folgen einverstanden sind oder nicht.

Bislang strafen die Verlegerclans das Unterfangen mit finsterem Schweigen. Sobald die 50’000 Unterschriften zusammen sind, was bis 1. Oktober der Fall sein wird, geht’s dann los dem der Gegenwehr. Da wird dann vollmundig von Vierter Gewalt, Systemrelevanz, unabdingbar für das Funktionieren der Demokratie usw. getönt werden.

Wer hat die Längste?

Als ob es für die Demokratie oder Gesellschaft unabdingbar wäre, dass die reichen Verlegerclans mit ihren Bentleys, Aston Martins, Rolls-Royces oder Jaguars von der Villa zur Yacht und zurück fahren können.

Und Managerhorden unterhalten, denen seit 25 Jahren zu einer inzwischen nicht mehr so neuen Technologie nichts anderes einfällt als: ist nicht schön, dass Google und Facebook 90 Prozent des Online-Marktes abräumen; finden wir gar nicht gut.

 

Viktor und Gülsha

Keiner zu klein, Sprach-Inquisitor zu sein.

Von Adrian Venetz

Kaum glaubt man, der Zenit des Schwachsinns sei erreicht, kommt irgendjemand daher und setzt noch einen drauf. Als oberster Inquisitor der gendergerechten Sprache tritt nun auch Viktor Giacobbo auf die Bühne. Wo? Natürlich auf dem Sektenforum Twitter. Stein des Anstosses ist der «Blick», der in einer Schlagzeile eine 26-jährige Sportlerin als «Schweizer Ski-Sternchen» bezeichnet hatte. In Giacobbos nicht zu übersehenden und höchst empfindlichen Ohren hört sich «Ski-Sternchen» nämlich «verächtlich» an. Er fragt den «Blick», ob man auch einen männlichen jungen Skifahrer so bezeichnen würde.

Komiker wird ernst.

Und wie das halt so ist bei Twitter, dauert es nicht lange, bis nach einem Tweet die gesammelte Schweizer Genderpolizei auf der Yogamatte steht, um ihre reine Lehre zu verkünden. Eine Twitter-Frau (Twitterin? Twitteuse? Twitterwesen?) setzte den Hashtag «#unterstesNiveau» unter ihren Empörungs-Tweet mit ebendieser «Blick»-Schlagzeile.

Was geht wohl im Kopf von Sibylle Forrer vor?

Das rief eine andere Frau namens Gülsha auf den Plan. (Sie hat wie Giacobbo ein blaues Häkchen auf Twitter, scheint also irgendwie bekannt zu sein.) Diese Gülsha griff tatsächlich zu folgender mehr oder minder originellen Redewendung, nachdem sie die Bezeichnung «Ski-Sternchen» gelesen hatte: «Man kann gar nicht so viel essen wie man kotzen will.» (Kommas gehen bei Brechreiz offenbar rasch vergessen.)

Das kann auch beim Lesen dieses Unfugs passieren.

Vielleicht weiss Gülsha (vielleicht auch nicht), von wem dieser Ausspruch in welchem Zusammenhang getätigt wurde. Da er nur mündlich überliefert ist, dürfte er sich etwa so angehört haben:

«Ick kann janich so ville fressen, wie ick kotzen möchte!»

So soll Max Liebermann seinen Ekel ausgedrückt haben, als er am 30. Januar 1933 den Fackelzug der Nazis durch Berlin von seinem Haus am Pariser Platz aus ansehen musste. Wer Liebermann, ein Nazi oder der Pariser Platz ist, das kann gegoogelt werden. Dass die Verwendung dieses Zitats in diesem Zusammenhang Brechreiz auslöst, kann nicht bestritten werden.

Kleiner Hinweis: Selbstporträt aus dem Jahre 1935.

Nun kann man gewiss geteilter Meinung sein, ob die Bezeichnung «Ski-Sternchen» in unserem Zeitalter der Sprachhochsensibilität noch angebracht ist oder ob das «Sternchen» zu einem schwarzen Löchlein kollabieren sollte, wo es unwiederbringbar verloren geht. Aber man fragt sich schon, ob die Sprachpolizist*innen hin und wieder auch einen Blick werfen auf das unsägliche Leid, das so vielen Menschen auf dieser Welt widerfährt – sich wenigstens hin und wieder fragen, ob sie ihre Empörungsprioritäten sinnvoll setzen. Und Gülsha sei vielleicht mal eine Reise in Regionen zu empfehlen, wo die Menschen ebenfalls nicht so viel essen können, wie sie kotzen wollen. Aber aus ganz anderen Gründen.

Die Media-Mega Leaks: Krisenbesprechung

ZACKBUM werden laufend die Protokolle von Geheimtreffen der Schweizer Medienclans zugespielt.

Es sind erschütternde Tondokumente, die uns zugehalten werden. Es handelt sich offensichtlich um Mitschnitte von Krisenbesprechungen auf höchster Ebene. Anwesend sind jeweils Führungskräfte aus den grossen Medienclans der Schweiz.

Also Vetreter der Wanner-Dynastie, die CH Media beherrscht. Repräsentanten von Ringier, der zwar immer noch Namensgeber, aber nicht mehr Herr im Haus ist, da Axel Springer und Mobiliar inzwischen am Gerät sind. Dazu der Coninx-Supino-Clan, und manchmal meint man auch die Stimme eines Vertreters der NZZ Gruppe zu vernehmen.

Natürlich haben diese Gespräche niemals stattgefunden; es gibt keine Ufos, Bilderberg ist einfach der Name eines Hotels, und diese sogenannten Zürichberg-Meetings werden von allen Beteiligten dementiert.

Daher mussten wir auch hier auf die Namen der sprechenden Personen verzichten und haben ihre Interventionen – wie bei Darstellungen von «Toxic Leaders» üblich – verfremdet und fiktionalisiert.

Hier ein aktuelles Dokument des Grauens; eine Krisenbesprechung per Videocall.

«Ich sehe, der Kleine hat eine Cola Zero vor sich, dann können wir ja loslegen.»

«Pass bloss auf, dass Ihr Euch nicht gleich wieder öffentlich in den Staub werfen müsst. Bei uns bleiben Artikel wenigstens länger als 48 Stunden online.»

«Also bitte, dieses boulevardeske Wühlen im Privatleben von Wirtschaftsführern oder Prominenten, das ist doch einfach degoutant

«Hast ein Fremdwörterlexikon gefrühstückt, oder was? Und wie war das mit diesem Badner Stadtammann, der gerne Fotos seines Gemächts aus Amtsräumen verschickte?»

«Meine Herren, wir haben eine Krisensituation, der wir nur mit Resilienz …»

«Wer hat denn die wieder eingeladen, das weckert dermassen, dass die nur einen einzigen Begriff auf der Platte hat.»

«Das ist wohl Eure Quotenfrau, nachdem die Sex-Beraterin gekübelt wurde.»

«Kehren wir aufs Spielfeld zurück. Obwohl der Satz schon fast gewonnen schien, sind wir nun plötzlich im Tie Break, da müssen wir unsere Kräfte bündeln.»

«Na, das ist ja so, wie wenn man versuchen würde, bei Dir einen Scheitel zu ziehen, aber meinetwegen, kommen wir zur Sache.»

«Vielleicht einfach noch vorher: dass Dein Sohn viele Haare auf dem Kopf hat, bedeutet nicht, dass drunter viel vorhanden ist.»

«Ich verbitte mir Anspielungen auf meine Familie, bei Euch mag ja der Vertreter der nächsten Generation eine Künstlermähne haben, aber …»

«Ich darf vielleicht einen ordnungspolitischen Zwischenruf in die Debatte werfen; das ist schon nicht das Niveau, das ich mir von einer Debatte gewohnt bin.»

«Ach komm, geh doch wieder mit Deiner Gattin in ein Wellnesshotel und erhol Dich dort schön.»

«Hallo? Hallo? Oh, es scheint so, als ob wir einen Teilnehmer weniger hätten. Gohts no? Die Lage ist ernst, also bitte.»

«Ja, die Lage ist ziemlich zero. Ihr habt sicher mitgekriegt, dass Komitees gegen die nötige Mediensubvention wie Unkraut spriessen. Da gibt’s mal die Rechten um Philipp Gut. Dann sogar linke Journalisten. Dann ein bürgerliches Komitee dagegen. Und nun auch noch ein sogenanntes «überparteiliches Komitee» mit Exponenten der SVP, der FDP und sogar der Mitte

«Ja, und die feuern nun wie eine Ballmaschine unablässig übers Netz, wobei …»

«Nochmal eine Tennis-Metapher von Dir, und ich bin auch weg.»

«Das Netz ist ein Symbol für die Resilienz, die wir entwickeln müssen. Daher …

Stimmenchor: «Schnauze!»

«Meine Herren, gut, meine Dame, zunächst möchte ich wissen: wer hat bei diesen Politikern versagt? Wir hatten uns doch aufgeteilt, um alle durchzutelefonieren. Und den Renitenten den Unterschied zwischen einer wohlwollenden Berichterstattung über sie oder einer kritischen klarzumachen. Also bei mir haben das alle kapiert.»

«Hör mal, Du Dummerchen mit Flasche leer, ich hatte den FDP-Ständerat und den SVP-Nationalrat am Rohr. Die haben mir beide versichert, dass sie absolut und bedingungslos für die Mediensubvention sind.»

«Na, Du Herausgeber eines Blatts mit Abflussrohr im Titel, und Du hast nicht gedacht, dass die Dich einfach anlügen könnten, nein?»

«Wie bitte, die verhalten sich wie wir? Das ist aber unverschämt, das geht doch nicht.»

«Wieso, wenn Du ständig davon quatschst, dass die Zusammenlegung der beiden Berner Blätter nicht zur Debatte stünde, was erwartest du denn dann von den Politikern?»

Hier bricht das helle Chaos aus, Stimmengewirr, die Wogen schlagen hoch, man hört nur noch vereinzelt Rufe wie «leck mich», «selber blöd», «macht doch Euren Dreck alleine», «Resilienz», «Persönlichkeitsverletzung», dann hat sich auch der letzte Teilnehmer abgemeldet.

Das Meeting, das es nie gab

Bilderberg war gestern, heute ist Zürichberg. Das Geheimtreffen der Medienclans.

ZACKBUM wurde das Protokoll eines Spitzentreffens der Schweizer Medienclans zugespielt. Natürlich anonym, leider sind uns deshalb auch die Motive völlig unklar. Wie steht es um die Authentizität, den Wahrheitsgehalt? Fand es so statt? Wurde das alles so gesagt? Wir wissen es nicht.

Dennoch nennen wir es die Media Megaleaks. Es handelt sich um insgesamt 4 Giga, deren Auswertung uns natürlich wochenlang ausgelastet hat. Wir präsentieren als Erstes ein Gesprächsprotokoll einer Unterhaltung auf höchster Ebene.

Das grosse Vorbild der Schweizer Medienclans.

Aus rechtlichen und anderen billigen Gründen haben wir die Gesprächsteilnehmer verfremdet. Zudem ist die Qualität der Tondatei nicht über jeden Zweifel erhaben. Aber die hier gemachten Aussagen dürfen der Weltöffentlichkeit nicht vorenthalten werden. Denn die Geschichte der Schweizer Medien muss definitiv umgeschrieben werden.

Hier der erste Teil der Media Megaleaks.

«Ich hätt’ noch eine Cola Zero gerne.»

«Und ich hätte gerne mehr Haare auf dem Kopf, können wir endlich mal zur Sache kommen?»

«Krieg ich nun eine Cola Zero oder nicht?»

«Der Mann nervt vielleicht; meinst du, damit würdest du wenigstens etwas grösser?»

«Also meine Herren, ich muss doch bitten, dieser Abend ist dem Thema Resilienz gewidmet, können wir das endlich mal angehen?»

«Resilienz? Was ist denn das wieder für ein Modewort? Ich schlage vor, dass wir uns darüber einigen, wie auch Gratis-Medien an die Staatsknete rankommen.»

«Wieso, ihr hättet halt unserem Beispiel folgen sollen; wir haben unser letztes Gratis-Angebot schon lange eingestampft, also da sehe ich doch nicht ein, wieso wir da in einem Boot sitzen sollten.»

«Ich finde, das Thema Resilienz ist wirklich von ganz entscheidender …»

«Kann endlich mal jemand diese Frau abstellen, die nervt vielleicht.»

«Also ich verbitte mir solche sexistischen Bemerkungen, gerade vom Vertreter eines Konzerns, der ja selbst ganz hübsch Probleme mit so Sachen hat.»

«Und das sagt der Vertreter eines Konzerns, der gerade erst seine Seite mit Sex-Inseraten gekübelt hat.»

«Also wir haben keine Sexinserate und auch keine internen Protestweiber. Aber ich finde, das Thema der Verteilung der Staatssubventionen ist noch nicht ausdiskutiert.»

«Wieso, haben wir doch soweit gut geschaukelt. Endlich mal eine erfolgreiche Lobbyarbeit. Fast 3 Milliarden in den nächsten Jahren, ist das was oder ist das was?»

«Ist was. Aber da hat sich doch so ein Komitee gebildet, das dagegen das Referendum ergreift. Wie können wir denen den Stecker rausziehen?»

«Ein Komitee? Du liest wohl nur deine eigene Blätter, was? Es gibt schon drei Komitees inzwischen.»

«Wie auch immer, müssen wir das ernst nehmen? Ich glaube nicht.»

«Ja, das hat dein Sohn auch schon gesagt, als Roger Schawinski seinen Feldzug für die Erhaltung der UKW-Frequenzen begann.»

«Lass meinen Sohn da raus, jeder hat sein Päckchen zu tragen, gell? Oder wollen wir nun anfangen, schmutzige Familienwäsche zu waschen?»

«Ich möchte nachdrücklich zum Thema Resilienz …»

(Mehrstimmig): «Schnauze!»

«Kriegen wir hier mal etwas Struktur in die Debatte? Das ist ja wie ein Tennismatch mit vielen Bällen und ohne Netz.»

«Du immer mit deinen Tennisvergleichen, kannst da vielleicht mal rauswachsen?»

«Apropos, hat nun jemand dem Zwerg eine Cola Zero besorgt?»

«Den Zwerg habe ich gehört, im Fall; ich habe wenigstens noch Haare auf dem Kopf.»

«Also bitte, meine Herren, das ist hier zwar alles strikt vertraulich. Aber stellen wir uns nur mal vor, das käme an die Öffentlichkeit.»

«Na und? Wir bestimmen doch, was Öffentlichkeit ist, wo soll’s da ein Problem geben?»

«Das wahre Problem ist, dass uns Google, Facebook, Amazon und bald auch Alibaba die Butter vom Brot nehmen, das Brot gleich dazu, und wovon sollen wir dann leben?»

«Genau das meine ich ja mit dem Thema Resilienz, das …»

(Mehrstimmig, das Mikrophon übersteuert): «Schnauze!»

«Vielleicht vertagen wir diese Besprechung, gleich fängt der Match an.»

An dieser Stelle bricht dieses Tondokument ab. Es wirft ein Schlaglicht auf das Niveau, die Flughöhe, die geballte Fachkompetenz, mit der die Führer und Lenker der Medienclans über die Zukunft des Journalismus in der Schweiz nachdenken.

Der Gender-Todesstern

Es passiert wieder Ungeheuerliches. Das ist dem Zentralorgan des Genderns fast eine Seite wert.

Aleksandra Hiltmann musste die schwere Bürde der Berichterstattung tragen. «Die Bundeskanzlei sagt Nein zum Genderstern», «Betroffene sind schockiert», bebt Hiltmann mit. Obwohl: «Sprachexperte nennt die neue Regelung «vernünftig»», aber das ist ja auch offensichtlich ein Mann.

Geschmackvoll präsentierte Aufforderung zur Sprachvergewaltigung.

Es war wieder einmal eine längere Zeit der Schockstarre zu überwinden, denn die «Weisungen und Erläuterungen der Bundeskanzlei» wurden bereits am 15. Juni 2021 veröffentlicht. Auf knappen 6 Seiten wird hier ausgeführt:

«Die Bundeskanzlei lehnt die Verwendung des Gendersterns und ähnlicher typografischer Mittel zur Markierung von Genderdiversität aus sprachlichen, sprachpolitischen und rechtlichen Gründen ab.»

Anschliessend werden 8 Gründe aufgeführt, von denen jeder einzelne schon reichen würde, diese Sprachvergewaltigung, diese neuste Marotte, diesen Missbrauch, diesen Stellvertreterkrieg für obsolet zu erklären.

Zunächst nur Hiobsbotschaften

Hier muss man sagen, dass die Bundeskanzlei ihre sprachlichen Hausaufgaben gemacht hat. Das gibt Hiltmann zähneknirschend und unvollständig wieder. Dann muss sie gleich mit einem weiteren Nackenschlag fortfahren: «Jürg Niederhauser, Präsident des Schweizerischen Vereins für Deutsche Sprache, findet die Weisungen zum Genderstern «vernünftig».»

Der Hiobsbotschaften nicht genug: «Das sieht auch Helena Trachsel, Leiterin der Fachstelle für Gleichstellung des Kantons Zürich, so – solange es um die strikt behördliche Kommunikation geht. «Mit Einwohnenden hingegen kommunizieren wir möglichst inklusiv», sagt Trachsel.»

Einwohnende? Wer kein blosser «Teilhabender» an der deutschen Sprache ist, sondern sie beherrscht, dem dreht es den Magen um bei diesem Missbrauch des Partizips Präsens, durch diese Missbrauchende. Aber, sonst wäre Hiltmann sicherlich verzweifelt, also eine Verzweifelnde geworden, schliesslich spricht einer Klartext: «Alecs Recher vom Transgender Network Switzerland (TGNS) findet:

«Die neue Weisung ist ein Fehler. Sie ist schockierend, verletzend und widersprüchlich.»»

Was tun? Auch dazu hat Recher eine klare Meinung, ist also ein klar Meinender: «Die Expertise von nicht binären Menschen ist da, die Bundeskanzlei muss diese nun schnellstmöglich bei Organisationen wie TGNS abholen, von sich aus.» Bis dahin, so fordert Recher, solle die Bundeskanzlei ihre neu erlassene Weisung zum Genderstern zurückziehen.»

Wer ist eigentlich diese Organisation TGNS?

Wer ist eigentlich diese Organisation TGNS? Gegründet von ebendiesem Recher, der zudem dort angestellt ist, besteht sie aus einer unbekannten Anzahl Mitgliedern; ihr Vorstand präsentiert sich so:

  • May Freigang, Co-Präsidium (sie / ihr)
  • Eneas Pauli, Co-Präsidium (er / they)
  • Siméon Seiler (er / they / kein Pronomen)
  • Mi (kein Pronomen)
  • Louis Käser (er)
  • James Ackermann (er)
  • Iliri Rexhepi (kein Pronomen, they / them)
  • Henryk Amalia (hen)

Sagen wir mal vorsichtig so: gewöhnungsbedürftig. Oder schlichtweg Randgruppenprogramm, unwichtig, nebensächlich, bedeutungslos. Eigentlich würde es zu den Aufgaben einer kompetenten Journalistin gehören, für den Leser transparent zu machen, wie bedeutend die von ihr zitierten Personen sind, bzw. welche Bedeutung deren Positionen oder Organisationen haben.

Aber Hiltmann ist eben eine Journalierende, keine ernstzunehmende Journalistin. Sie arbeitet zudem weiterhin für den als sexistisch, frauenfeindlich, demotivierend und ungerecht gegenüber Frauen stigmatisierten Tamedia-Konzern: «Der Genderstern wird in journalistischen Texten nicht angewendet», muss sie die Position der «Redaktion Tamedia» wiedergeben.

Was sagt denn die Konkurrenz zum Thema?

Der Artikel ist hinter der Bezahlschranke von Tamedia verborgen, was also den Lesenden sagen will, dass dieser Text, auch als Textin, formuliert von einer Textenden, Geld wert sein soll. Das wagen wir zu bezweifeln. Die Konkurrenz aus dem Hause CH Media hat sich immerhin zu dieser Zusammenfassung hier aufgerafft:

  • Genderstern: Bürger*in. Das Sternchen – der Asterisk – steht für die geschlechtliche Vielfalt. Wird zusehends von Behörden, Firmen und Organisationen genutzt.
  • Gender-Doppelpunkt: Bürger:in. Diese Schreibweise ist gerade für Seheingeschränkte angenehmer zu lesen. Ebenso soll der maskuline Wortstamm weniger im Vordergrund stehen.
  • Gendergap: Bürger_in. Die Lücke steht für geschlechtliche Variationen. Auch als kleine Pause beim Sprechen zu hören.
  • Schrägstrich-Schreibweise: Bürger/in. Hat sich namentlich bei amtlichen Stellen als Variante in Kurztexten etabliert.
  • Binnen-I: BürgerIn. Seit über 30 Jahren etabliert, um Frauen und Männer in einem Wort zu nennen.
  • Ausrufezeichen: Bürger!n. Wird von Luise F. Pusch, der Begründerin der feministischen Linguistik, als Übergangslösung vorgeschlagen. Soll weniger Lückenfüller sein als der Gendergap.

Wer Nachhilfe will; wir verlangen keine Kommission …

Das Organ der vertieften Recherche fügt hinzu: In Zürich empfiehlt die Fachstelle für Gleichstellung, den Genderstern im Unterricht zu verwenden. Die oberste Schweizer Lehrerin ist darüber nicht erfreut. So raportiert «watson» einen Bericht im «Tages-Anzeiger». Besonders lustig dabei: der zuständige Stadtrat Filippo Leutenegger soll von diesem Anschlag auf unschuldige Schüler nichts gewusst haben.

Wir möchten eigentlich von solchem Unfug überhaupt und allgemein nichts mehr wissen …

Fassungslos, Part 1

Wir haben lange gezögert, aber es braucht ein neues Gefäss: FASSUNGSLOS.

Lesen, staunen, verzweifeln. Das sind die drei Stufen auf dem Weg zur Medienenthaltsamkeit.

Ja, das kann nur eine: Laura de Weck. Dafür zahlt der Tamedia-Lesende sicher gerne mehr als 700 Franken im Jahr, um so was hinter der Bezahlschranke zu finden.

Wandel ist gut, echter Wandel ist besser. Nur: wie? Weiss das Annik Hosmann?

Gleichberechtige Gesellschaft mit «echter» Chancengleichheit? Also wenn das bedeutet, dass solche Autorinnen gleichberechtigt würden: niemals!

Dass der «Republik»-Linke im Sinne der Unabhängigkeit von einem multimillionenschweren Brüderpaar gesponsert wird, das stört Philipp Albrecht überhaupt nicht. Dass er sich hier über den Untergang der Club-GV freut, sollte wenigstens seine Leser stören.

Das vierfache Grauen.

Wer den sympathischen Herrn nicht kennt: Nik Walter, Leiter «Wissen» bei Tamedia. Hier setzt er in aller journalistischen Unabhängigkeit ein Zeichen.