Fehlende Sternchen

Gendern, endlich konsequent. Wir haben ein paar Vorschläge.

Wir wissen spätestens seit Orwell: wenn schon, denn schon. Wenn der New Speak nicht vollständig umgesetzt wird, funktioniert er nicht.

Daher eine unvollständige Liste von noch nicht genügend gegenderten Wörtern:

  • Der Taliban. Die Taliban*Innen, die Taliban:in
  • Der Baum. Die Bäum!innen, die Bäum:erIn*
  • Der Penis. Die Penis:Innen, die Pen*is*
  • Der Atomkrieg. Die Atomkrieg+erInnen, die Atomkrieg!in
  • Der Sprachreiniger. Die Sprachreiniger!Innen**, die Putzfrau
  • Der Kopf. Die Köpf*Innen, die Geköpfte
  • Der Patriarch. Die Patriar*sch:Innen, die Mamapatriarchin
  • Der Blinde. Die Blind*!innen, die Geblendete
  • Der Schwule. Die Schwul!innen**, die Schwulstige
  • Das Gender. Die Gender!Innen, die Gender*Inin!*

Gendergegner: hier fehlt doch was Weibliches.

Nicht nur für Genderforscher, auch für feministische Linguistinnen gibt es noch Unmengen zu tun. Aber immerhin: es heisst die Tat und die Täterin.

Als Zwischenschritt empfehlen wir die «geschlechtsneutralen» Formulierungen.

Feuerwehrleute ist viel besser als Feuerwehrmänner. Assistenz statt Sekretärin. Selbstverständlich Reinigungskraft statt Putzfrau. Ganz wichtig auch: Fahrerlaubnis statt Führerschein!

Es hat nicht piks gemacht

Steuerzahler dürfen beim Verrösten von 100 Millionen zuschauen. Ungeimpft. Unerschrocken.

Das nennt man mal volle Kanne. Impfwoche! Medienkampagne! Inserate! Konzerte! Raclette! Impfdörfli, -busse und -zelte.

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

Alles, was einem Werber wie Rod Kommunikation einfällt, wird aufgeboten, um in einer nationalen Anstrengung noch die letzten Impfskeptiker zum Piks zu treiben. Wäre doch gelacht, wenn das nicht möglich wäre.

Da ist auch beim «Blick» guter Rat teuer (aber bezahlbar).

Schliesslich kriegt es doch Apple auch regelmässig fertig, einen Riesenhype zu veranstalten, nur weil es eine neue Version des ewig gleichen Smartphones zu noch absurderen Preisen gibt. Da campieren immer Leute vor den Shops und zeigen dann stolz ihr gerade erworbenes Gerät, als sei das eine Leistung wie die Ersteigung des Mount Everest.

Läuft, behaupten alle wider besseres Wissen

Läuft, sagten sich Bundesräte, BAG und alle guten Kräfte. Läuft, sagten sich auch Schweizer Künstler wie Stefanie Heinzmann oder Stress. Läuft, sagten sich die Mainstreammedien, klatschvoll mit Inseraten und Lobhudeleien und Beschimpfungen der letzten «Coronaleugner», die ja nun daran schuld sind, dass wir schon wieder von einer Welle überrollt werden.

Dabei wollten wir doch nur die Willigen impfen, weil das angeblich gereicht hätte. Dabei wollten wir doch nie einen Impfzwang. Dabei wollten wir doch nie eine Diskriminierung via Zertifikat. Dabei wollten wir doch nie die einzige Hochrisikogruppe schützen, Alte mit Vorerkrankung. Hops, der ist uns jetzt durchgeschlüpft.

Zwei Aktionen ragen durch besondere Einfalt heraus. Da wäre mal das Zusammentrommeln aller Ex-Bundesräte der Schweiz. Also der lebenden. Also der mehr oder minder lebenden. Denn in der Unterstufe der Kommunikationsschule lernt jeder Depp: Testimonials. Testimonials helfen ungemein. Wenn Roger Federer eine bestimmte Kaffeemaschine benützt, dann steigt der Verkauf an die Decke.

Aber auch Prominente funktionieren nicht immer.

Also lassen wir doch neben Prominenten auch Bundesräte zu Wort kommen. Nun gibt es aber bekanntlich nur sieben, da geht noch was. Genau, es gibt doch auch Ex-Bundesräte. Also jubiliert Tamedia:

«13 Alt-Bundesrätinnen und -Bundesräte, zum Teil seit Jahrzehnten in Rente, zum Teil über 80 Jahre alt, treten noch einmal auf. Gemeinsam appellieren sie an ihr Volk: «Lasst euch impfen!»»

Drei haben gekniffen. Darunter Gottseibeiuns Christoph Blocher.

Der gute Kaiser Franz Josef von Österreich konnte sich wenigstens noch an «meine Völker» wenden, das geht nun hier leider nicht. Wieso es irgend jemanden zum Impfen motivieren soll, wenn 13 Alt-Bundesräte ihn dazu auffordern? Dumme Frage, Testimonials!

Wie erreiche wir die Jugend? Mit Stress natürlich

Besonders stolz war man bei den Kommunikationsfuzzis auf die Idee: die Jugend muss angesprochen werden. Das können Alt-Bundesräte eher schlecht. Aber he, Jugend steht doch auf Konzerte. Auf Disco oder wie das heute immer heisst; Clubs oder so. Da geht doch was ab. Die Hammeridee: Live-Konzerte. Mit Stars wie Stefanie Heinzmann oder Stress.

Hammer. Mega. Vollkrass. Cool. Geil. Knallt voll rein. Spritz keine Drogen, spritz Vakzin. Aber hätte man mit so viel Gemeinheit gerechnet?

Sabotage! Tickets posten, nicht hingehen. Gemein.

Unfassbar, sagte auch Stefanie Heinzmann: ««Dass es eine solche Boshaftigkeit gibt, hätte ich nie gedacht». Ihre Zusage zur Impfwoche hätte bei vielen «grosse Enttäuschung» ausgelöst. Ihr sei unterstellt worden, sie unterstütze die Zertifikatspflicht, die «Zwangsimpfung» oder Spaltung der Gesellschaft bis hin zur Diktatur. Davon distanziere sie sich aber ganz klar. Sie fände es einfach schön, gemeinsam mit der Kulturbranche eine Plattform zu erhalten.»

Zurück zum Miteinander mit Gänsehautfeeling

Jö, barmt der «Blick», genau, ist doch einfach schön, wenn die etwas ins Vergessene geratene Sängerin meint: «Ihr gehe es mit den Konzerten darum, dass Menschen zurück zum Miteinander finden.» Daran haben die Kommunikationsfuzzis sicherlich unter Zuhilfenahme kleinerer Berge von Koks lange gebastelt:  «zurück zum Miteinander». Weg vom Gegeneinander. Spürä. Begägnä. Mönsch siii. Gänsehautfeeling. Feuerzeuge schwenken. Smartphones schaukeln. Selfies knipsen. Vollgeil.

Wunderbar. Was hat die ganze Sause eigentlich gekostet, dieser Megaflop, dieser Schlag ins Wasser, dieser schlecht durchdachte, noch schlechter organisierte Steuergeldermissbrauch? Offiziell eingestanden sind bislang rund 100 Millionen Fränkli. Peanuts.

Ach, und was die Künstler wohl kassierten, um vor einer Handvoll Zuhörer auf der Bühne rumzuhampeln? Denn eines ist sicher: ihre Beihilfe zum «Miteinander» war natürlich nicht gratis. So weit geht dann das Engagement auch nicht.

Auch die NZZ runzelt vornehm leicht die Stirn über so viel Unfähigkeit.

 

Mehr Sichtbarkeit für Körper mit Vagina!

Qualifikation durch Geschlecht: der neuste Gender-Unsinn.

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

Die Welt hat das eine oder andere Problem. Kriege, Hungersnöte, Unterdrückung, Ausbeutung, Diktaturen. Und erst noch der Klimawandel.

Frauen haben Probleme. Klitorisbeschneidung in vielen rückständigen Ländern der Welt. Brutale Unterdrückung in Indien und anderen patriarchalischen Gesellschaften, wo Frauen misshandelt, entstellt und mit weniger Wertschätzung als eine heilige Kuh behandelt werden.

Frauen halten in vielen Gesellschaften die Wirtschaft am Laufen, sind fast ausschliesslich die Empfänger von Mikrokrediten, weil sie – im Gegensatz zu den Männern – damit verantwortungsvoll umgehen können.

In Afghanistan und anderswo werden sie von fanatischen Islamisten ins Gefängnis der Burka, der Unselbständigkeit, der völligen Abhängigkeit vom Mann zurückgequält. Oder mittels perverser Auslegung des Korans dort gehalten. Sie werden als Sexsklaven missbraucht, als Gebärmaschinen, als billigste Arbeitskräfte ohne die geringsten Rechte.

Es gäbe also genug Themen und Kampffelder, auf denen man (und natürlich auch frau) sich für Frauen einsetzen könnte. Aber das würde in Anstrengung ausarten, wäre nicht so toll telegen und so billig zu erreichen – wie der Einsatz für mehr «Sichtbarkeit».

Die Verantwortlichen des «Edit-a-thons». Nein, Männer verstehen den Titel nicht.

Im öffentlichen Leben und in den Medien ist es nach vielen Kämpfen und Diskussionen einigermassen gelungen, dass sich ein Kriterium für die Berechtigung das Wort zu ergreifen, durchgesetzt hat: Qualifikation. Kompetenz.

Etwas zu sagen haben, das war mal ein Massstab

Es ist gut, wenn ein Arzt etwas zu medizinischen Fragen sagt. Ein Wissenschaftler zu wissenschaftlichen Themen. Ein Architekt zu architektonischen. Oder ein Betroffener zu ihn betreffenden Problemen. Ein katholischer Priester zu Verhütungsmethoden. Öhm, eher weniger.

Aber wir haben das Prinzip wohl verstanden. Qualifikation und Kompetenz ist nichts, was mit dem biologischen Geschlecht zu tun hat. Kompetenz ist auch themenunabhängig. Nicht nur Schwule können etwas zur Homosexualität sagen. Nicht nur schwarze Frauen dürfen sich zu Problemen schwarzer Frauen äussern. Auch weisse, alte, heterosexuelle Männer haben das Recht, sich über den ganzen Genderzoo mit über 160 verschiedenen Orientierungen lustig zu machen.

Das ist eine fundamentale Errungenschaft der demokratischen und öffentlichen Debatte. Man muss nicht mehr Mann, Besitzbürger, weiss, adlig oder Würdenträger sein, um mitzudiskutieren. Wer solche Forderungen heute aufstellen würde, machte sich lächerlich. Echt jetzt?

Michael Ringier und Marc Walder als Frauenversteher.

Es gibt einen Rückfall in diese längst überwunden geglaubten Massstäbe. Sie, Pardon, er kommt als «Equal Voice» daher oder als «Edit-a-thon». Zum sechsten Mal fand am Mittwoch ein Zusammensein von Frauen bei Kaffee und Kuchen statt, wo Strick- und Kochrezepte ausgetauscht wurden.

Schade, ZACKBUM hätte so gerne mitgemacht. Obwohl wir keinen Körper mit Vagina zu bieten hätten.

Sturm auf Wikipedia

Nein, leider nicht. Die virtuell Anwesenden bemühten sich, neue Einträge für Wikipedia zu verfassen. Ausschliesslich über Frauen. Warum? Die Mitveranstalterin Susanne Wille schwurbelt auf «persoenlich.com»: «Gleichstellung beginnt auch mit Sichtbarkeit, mit Auffindbarkeit, mit einer Präsenz im Netz. Auch in der Kultur ist – wie überall – Gleichstellung wichtig. Es gibt noch immer zu wenige Dirigentinnen, Künstlerinnen, die medial sichtbar sind. Konkret will ich darum anlässlich des diesjährigen Edit-a-thons die Biografie einer Kulturschaffenden für Wikipedia verfassen.»

Veranstaltet wird die Sause von der Kulturchefin von SRF, die es eigentlich in der Hand hätte, dort für mehr «Sichtbarkeit» zu sorgen. Zusammen mit Katia Murmann und Muriel Staub. Natürlich unvermeidlich ist auch Patrizia Laeri mit an Bord. Obwohl alle diese Frauen – ausser Staub – schon einen Wikipedia-Eintrag haben. Bei Laeri zum Beispiel wird vermerkt:

«Von Juli bis August 2020 war sie Chefredaktorin bei CNNMoney Switzerland.»

Das fragt sich man und Mann, ob es wirklich eine gute Idee mit den Fraueneinträgen auf Wikipedia ist.

Die armen Schweine des Gebührensenders hingegen müssen sich zunehmend nicht nur mit Ausgewogenheit in jeder Beziehung, der Verwendung eines Knacklauts zur korrekten Aussprache von «Journalist:innen» und ähnlichem Unsinn herumschlagen, sondern nun auch noch damit:

«Die Redaktionen und Teams erfassen Daten täglich. Das Datenteam von SRF hat Datenblätter zur Verfügung gestellt, mit denen sich das Datensammeln besonders einfach und effizient gestalten lässt. Jede Redaktion bestimmt einen Datenverantwortlichen, der die entsprechenden Daten sammelt.»

Welche Daten? Die Daten über die Anzahl von Körpern mit Vagina, die als Expertinnen zu Gehör kamen, erklärt Wille. Einzige Qualifikation: eine aktive oder ehemalige Menstruierende zu sein.

Wer solche Kriterien aufstellt oder umsetzt, ist der schlimmste Sexist von allen.

It’s a man’s, man’s world, ladies and gentlemen and beyond.

 

 

Was für eine Frau

Sie Sexist, Sie. Sie haben den Titel sicher ohne Protestgeschrei gelesen.

Wie sagte ein Bekannter so richtig: Immer wenn man denkt, es geht nicht mehr dümmer … Genau, dann kommt eine ernsthafte Debatte über Absurdes.

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

Leider unterschätzt man meistens den Wahnsinn am Anfang. Als die SoZ titelte «Die Wörter Mann und Frau werden ausgemustert», kicherte man noch leise und schüttelte den Kopf. Obwohl die Dummheit bereits in Deutschland angekommen ist: «Die SPD forderte in Sachsen kürzlich zum Beispiel am Weltmenstruationstag im Mai Gratis-Produkte für «menstruierende Männer und menstruierende nicht-binäre Personen in öffentlichen Männertoiletten». Der staatliche Sender MDR schrieb zum selben Anlass auf seiner Website ganz selbstverständlich von «menstruierenden Menschen»».

Gut, der Deutsche, dachte man, aber hierzulande doch nicht. Da unterschätzte man aber «die Empfehlungen der «Nationalen Ethikkommission im Bereich Humanmedizin»» (NEK). Die hat sich Volontärin Anielle Peterhans angeschaut, und kein Qualitätskontrolleur im Hause Tamedia hat sich getraut, ihren Artikel zur Überarbeitung zurückzuweisen.

Längst in der Schweiz angekommen

Sie behauptet, das «Thema Geschlecht und inklusive Frage» sei bislang so behandelt worden, dass «die Annahme» mitgeschwungen sei, dass «die Debatte primär im englischsprachigen Raum geführt» werde, so auch in einem Artikel in der SoZ. Falsch, setzen, donnert Peterhans ihrer Kollegin vor den Latz, «das Thema ist längst in der Schweiz angekommen».

Tut er zwar nicht, macht aber nix.

Dann linst sie aber selbst, Frau und Konsequenz, über den Teich: «In vielen US-Bundesstaaten kann man bereits im Führerschein neben «männlich» und «weiblich» auch «X» als Geschlecht eintragen lassen.» Da will natürlich auch die NEK nicht hintenanstehen. Wer einmal zuschauen will, wie Steuergelder sinnlos zum Fenster rausgeschmissen werden, sollte sich deren «Ethische Erwägung zum Umgang mit dem Geschlechtseintrag im Personenstandsregister» zu Gemüte führen.

Wer die Lektüre im Kopf nicht aushält, ab S. 33 gibt es eine Zusammenfassung, die zwar auch noch unglaublich schwafelig ist. Wir lehnen jede Verantwortung für Veränderungen des Blutdrucks des Lesers ab und servieren ein Müsterchen:

«Die heute bestehende Pflicht, kurz nach Geburt einen registerrechtlichen Eintrag des Geschlechts als entweder «weiblich» oder «männlich» vorzunehmen, ist Ausdruck dieser binären Geschlechterordnung, die es – wie die NEK-CNE in Erinnerung ruft –, zwar als sozial konstruiert zu verstehen gilt, die aber auch in ihrer traditionellen lebensweltlichen Verwurzelung und für viele Teile der Gesellschaft grundlegenden Rolle ernst zu nehmen ist.»

Ach, wer meint mit einem «verstehe kein Wort» sich aus der Affäre zu ziehen: so geht das auch nicht. Das muss man ernst nehmen. Oder zur Strafe das Literaturverzeichnis von S. 36 bis 42 durchackern. Für Fragen darf man sich gerne an die Präsidentin der NEK wenden, oder an die 14 Mitglieder, allesamt Prof. Dr. oder mindestens Dr. Allenfalls helfen auch die vier Akademiker auf der «Geschäftsstelle» weiter.

Giftgrün und völlig unbekömmlich.

Gut, das eignet sich nun entweder für fassungsloses Schweigen – oder für eine Glosse. Aber doch nicht für Peterhans. Sie referiert diesen schreienden Unsinn mit ernstem Gesicht und gibt auch noch gleich ein Beispiel, wieso eine solche Nonsens-Debatte dringend nötig sei:

«Gemäss dem Bericht der Ethikkommission sind die Begriffe Mutter und Vater im Abstammungsrecht klar geschlechtlich konnotiert. Allerdings gelte auch, dass Mutter diejenige Person ist, die das Kind geboren hat. Eine Geschlechtsbezeichnung der Person im Gesetzestext sei deshalb nicht zwingend.»

Verstehen Sie auch nicht? Also ZACKBUM hat schon, nun ja, IQ-mässig etwas herausgeforderte Leser, um das mal ganz korrekt auszudrücken. Allerdings sollten die nicht den gleichen Fehler wie ZACKBUM machen und solches Geschwafel nicht ernst nehmen. Denn der Schluss von Peterhans enthält eine Drohung: «Noch ist das Schweizer Recht aber auf der binären Unterscheidung der Geschlechter aufgebaut.»

Noch.

Let it flow

Lasst es fliessen, Körper mit Vagina! ZACKBUM entdeckt seine feministische Seite.

Wir widmen den heutigen Tag Frauenthemen. Das ist überfällig, das muss sein. Ausserdem passiert ja auch nichts Wichtiges auf der Welt oder in den Medien. Oder wollen Sie wirklich im Ernst die Antwort von Alain Berset auf die Frage lesen: «Tausende protestieren – macht Ihnen das Angst, Herr Bundesrat?»

Wenn doch: Er beantwortet sie nicht.

What a man, sagen wir als Mann mit Pimmel.

Aber wir schweifen ab, was sonst eher eine weibliche Eigenschaft ist, nicht die eines Menschen mit Pimmel (doch, so wollen wir als Solidarität zu «Menschen mit Vagina» von nun an heissen). Das, was für ein eleganter Übergang, ist auch das erste, nun ja, weibliche Thema des Tages.

Es geht nämlich, wir zitieren furchtlos, um das hier:

«Natürlichkeit bei der Monatshygiene: Lasst es fliessen, Ladys».

Denise Jeitziner schreibt unerschrocken über ein sogenanntes Tabuthema. Denn, bis das Klimakterium, Pardon, die Menopause eingreift, menstruieren Frauen bekanntlich. Früher mal schlossen sie sich zu Menstruationszirkeln zusammen, gemeinsam monden nannten sie das.

Aber das war eine andere Generation von Ladys. Da ging es noch um gesellschaftliche Forderungen, nicht um die Betrachtung des eigenen Bauchnabels, das Abtasten eigener Befindlichkeiten oder eben um den Unterleib.

Wir wollen ja nicht rechthaberisch sein, aber …

Ohne hier männlich rechthaberisch erscheinen zu wollen: Ladys? Weiss die Autorin denn nicht, dass dieser Ausdruck ursprünglich so etwas Neckisches wie «Brotkneterin» bedeutete, dann adeligen, vornehmen Frauen vorbehalten war, schliesslich für alle Stände galt, wobei «Lady» doch ziemlich altmodisch ist?

The Lady of Shalott (John William Waterhouse 1888).

Aber gut, das muss man als Redaktorin doch nicht wissen, und es wird halt immer schwieriger, einen akzeptierten Ausdruck für diese Wesen mit Vagina zu finden. Wie auch immer, was ist das Problem?

«Zwischen dem allerersten Tröpflein Periodenblut im Teenageralter bis hin zur Menopause gibt es für die meisten Frauen nur eine Mission: dafür zu sorgen, dass auf keinen Fall etwas davon in der Unterhose landet oder – der Gipfel der Peinlichkeit – sichtbare Flecken hinterlässt.»

Da kann man als Mensch mit Pimmel nur staunen und lernen, DAS ist also die Mission der Frauen. Inzwischen können sie aber dieser Bestimmung mit neuen Methoden nachgehen: «Junge Frauen propagieren das Free Bleeding – also den Verzicht auf Tampons, Binden oder Menstruationstassen während der Periode.»

«Free Bleeding», auch auf diesen Begriff muss man mal kommen. Als – wir wagen das Wort – Mann ist man ja tatsächlich konsterniert, welche Hilfsmittel da zum Einsatz kommen:

Das Panoptikum der Hilfsmittel.

Wir schwanken auch, ehrlich gesagt, ob wir die Gratis-Abgabe von Tampons befürworten sollen oder als Verschwendung von Steuermitteln ablehnen. Oder uns dagegen wehren wollen, solange nicht gratis Rasierapparate verteilt werden. Aber, durch diese neue Frauenbewegung erweist sich diese Debatte als – hoppla – frauenfeindlich. Denn sie will den Weibern, Pardon, Ladys, ja dieses Hilfsmittel aufzwingen.

Das Wesen eines Tampons

In Wirklichkeit ist so ein Tampon, sprechen wir es doch aus, ein männliches Unterdrückungssymbol. Ein Penisersatz. Es unterdrückt den freien Fluss. Sperrt Frauen in das Gefängnis der abgefangenen Menstruation, will ihre Weiblichkeit unsichtbar machen, schliesst aus, statt dass es inkludiert. Sollen sich die Männer doch auch mal einen Tampon reinschieben. Gut, mangels Vagina halt woanders.

Aber, diese Frage stellt sich nun sowohl die Lady wie der Gentleman, wie soll denn das gehen mit dem freien Bluten? Also doch einfach in die Unterhose? Das kann’s ja auch nicht sein. Ist’s auch nicht, denn – es gibt Kurse, die leider Männer diskriminieren und ausschliessen.

Auch Frauen sind geschäftstüchtig, es gibt schon kostengünstige Angebote, hat Jeitziner recherchiert: «Für 49 Euro gibt es verschiedene Module mit Übungen, zwei Stunden Videomaterial, Bonuslinks, ein Zertifikat und Antworten auf Fragen wie: «Wie spüre ich, wann das Periodenblut kommt?»»

Auch uns Männer hält es kaum mehr auf dem Stuhl, wie geht das nur? Natürlich, es gibt einen «Trick»: die Lady kann doch schliesslich die Zeichen ihres Körpers deuten, «um dann im richtigen Moment auf die Toilette zu gehen und das Blut kontrolliert abzulassen. Zu Beginn der Periode alle 20 bis 30 Minuten, ab dem zweiten Tag müsse man nur noch alle zwei bis drei Stunden deswegen aufs Klo.»

Ehrlich gesagt: So genau wollen wir Gentlemen das eigentlich gar nicht wissen. Fügen aber unerschrocken hinzu: Frauen, die ständig aufs Klo müssen, nerven ungemein. Vor allem beim Autofahren.

Gut, es ist heraus. Aber wenigstens werden wir nun weniger mit gebrauchten Tampons beworfen.

Qual der Wahl

So sad, würde Trump sagen. Wenn er die Kandidaten des «Schweizer Journalist» sehen könnte.

Pardon, der «Schweizer Journalist:in» natürlich. Wir von !ZACK:BUM* (nur echt mit Knacklaut) sind zwar empört. Dieser fehlgeleitete Doppelpunkt plus die Endung diskriminiert mindestens 162 der bislang aufgefundenen 164 Gender-Orientierungen. Insbesondere alles Non-Binäre, alle Transmenschen spüren den Schmerz.

Aber gut, darum soll es hier nicht gehen. Denn dieses Produkt, auf dessen Gratis-Zustellung wir bereits verzichtet haben, ruft zur Wahl der «Journalist:in» des Jahres. In vielen wunderbaren Kategorien.

Die Elendsverwalterinnen, Pardon, Sparmassnahminnen, Äxgüsi, die «Chefredaktorinnen» (wo bleibt hier der Doppelpunkt?) sind schon ganz aufgeregt:

«Wir haben in den letzten Wochen viele grossartige Nominiationen erhalten – es ist uns nicht leicht gefallen, uns auf 5 Kandidat:innen pro Kategorie zu beschränken.»

Gleichzeitig zeigen sie klare Kante: «Wir haben uns daher entschieden, dass jeder und jede nur in einer Kategorie nominiert sein kann – wer zum Beispiel als Journalist des Jahres nominiert ist, kann nicht auch noch Reporter des Jahres werden.»

Finden wir schade, ist irgendwie auch diskriminierend, ausgrenzend, diesem Ansatz fehlt es an Inklusion. Und überhaupt: wo bleibt hier die korrekte Falschschreibung? Müsste es nicht «Journalist:in», «Reporter:in» heissen? Ja, bitte? Wir erwarten Antworten! Aber gut, auf welche Kandidat:innen*!+ hat man sich denn beschränkt?

Schon die Auswahl stellt einen vor Qualen

Ach, wir wissen gar nicht, wen wir bei dieser Auswahl speziell erwähnen sollen. Es sind insgesamt 70 Nas*Innen, da wird die Personaldecke im links-alternativen Feuchtgebiet dünn.

Nun, die wichtigste Kategorie, wenn wir so vorprellen dürfen, ist wohl die des Journalisten des Jahres. Aber nicht nur hier werden eigentlich alle vorherigen Preisträger indirekt aufgefordert, ihre Auszeichnung zurückzugeben. Denn wer möchte sie schon mit Salome Müller (also bitte, DIE Müller, Verfasserin des Tagi-NL, Schönschreiberin von Schulaufsätzen und vor allem Initiatorin des Tamedia-Frauen-Protest-Aufschreis) teilen. Oder mit Larissa Rhyn (also bitte, DIE Rhyn, seit September 2021 TV-Bundeshausredaktorin von SRF, schon 2018 Praktikantin bei der «Tagesschau», anschliessend Volontärin bei der NZZ).

Das waren noch Zeiten, das waren noch Journalisten, das war noch eine Feier.

Noch schwieriger wird die Wahl des Chefredaktors des Jahres. Sollte es das «Kollektiv (Megafon)» werden, sind wir gespannt, wer den Preis entgegennähme – und ob die geschmackvolle Kopf-ab-Karikatur speziell gewürdigt würde. Andrea Fopp (also bitte, DIE Fopp, allen paar Dutzend Lesern von «bajour» bekannt) oder Jacqueline Krause-Blouin (also bitte, DIE Krause von der «Annabelle») wären natürlich auch valable Kandidaten und sogar Kandidatinnen. Wir könnten uns aber auch Mario Stäuble und Priska Amstutz vorstellen (also bitte, DIE ins dritte Glied zurückbeförderten Co-Chefredaktoren des Tagi).

Weiter im Panoptikum der Nicht-mal-Adabeis

Oder dann Naomi Gregoris, Lena Oppong oder Katja Fischer de Santi (also bitte, ZACKBUM hat auch noch nie von denen gehört) als Gesellschaftsjournalist des Jahres. Oder wie wär’s mit dem Autor eines Konzern-Konkurrenz-Niedermachartikels Philipp Loser als «Kolumne des Jahres»; er könnte Hanspeter Lebrument als Laudator einladen. Oder vielleicht Ina Bullwinkel, was aber den Laudator vor grössere Herausforderungen stellen würde: Ina who? Aber eigentlich sind das ja auch nicht Kolumnen, sondern Kolumnisten, aber das ist natürlich schon ein schwieriges Wort.

Schliesslich noch Andreas Tobler, der Freund von Theatermorden, als Kulturjournalist des Jahres oder Jürg Steiner als Lokaljournalist (Premiere, von der «Hauptstadt», die es noch gar nicht gibt). Aber Obama hat ja auch präventiv den Friedensnobelpreis gekriegt, wieso nicht.

Immerhin, Roger Schawinski könnte «Audiojournalist des Jahres» werden. Vorausgesetzt, er würde noch für «SRF» arbeiten, was er aber nicht tut.

Nun senken wir die Stimme zu einem konspirativen Flüstern, halten die Hand vor den Mund und mit der anderen die Nase zu. Denn wie um aller Göttinnen willen kommt DER auf die Liste der Politjournalisten des Jahres? Bevor wir seinen Namen aussprechen, versprechen wir, den Mund anschliessend mit Bimsstein zu reinigen und mit aufdringlichem Raumduft den Schwefelgeruch zu bekämpfen:

Wer seinen Augen nicht traut: ja, er ist’s, the one and only Christoph Mörgeli.

Es tut aber weh, dass es tatsächlich möglich ist, den schon letztes Jahr völlig abgewrackten Preis noch weiter ins Unterholz zu schlagen.

Zufälle gab’s aber auch; ob das an der Jury lag?

Schon damals hatten alle Wahlen Schlagseite

Schon die Wahl der Nachlassverwalterinnen des gescheiterten David Sieber hatte ein Geschmäckle.

Rückfragen nur bis zum Rücktritt.

ZACKBUM war schon beim letzten Mal so irritiert von der Kandidatenauswahl, dass wir ein eigenes Ranking durchführten und – was vom Preisträger geschätzt und vom Publikum applaudiert wurde, Roger Schawinski zum Journalisten des Jahres wählten.

Der wohl erfolgreichste Journalist der Schweiz mit einer beeindruckten Lebensleistung von Taten war nämlich noch nie gewürdigt worden. Aber gut, nun hat er die Chance, als «Audiojournalist» (für längst vergangenen TV-Journalismus, sähen, nicht hären) in die Kränze zu kommen.

Ist das peinlich, aber peinlich, oberpeinlich 

Ist das vielleicht peinlich. Schmerzlich peinlich, denn der Preis bedeutete früher mal was. Er wurde vom ersten Chefredaktor des «Schweizer Journalist», als auch der noch was war, auf die Landkarte gestemmt und zur Trademark gemacht. Aber was hochkommt, fällt auch wieder runter. Nicht von alleine, das macht es dann auch noch ärgerlich.

Heutzutage muss nur schon die Nominierung ein Gefühl auslösen, als würde man in ein nasses Handtuch beissen, während die Kreide über eine Wandtafel quietscht.

Wer etwas Anstand und Ehre im Leib hat, muss diese Preisfarce boykottieren.

Wir verleihen aber einen Trostpreis an den einzigen Journalisten, der sich sicherlich grämt, wieso er nirgends nominiert wurde. Komm her, Hansi Voigt, wir organisieren Ihnen Pascal Hollenstein als Laudator, und Jolanda Spiess-Hegglin wird Ihnen den Preis als unsäglichsten Heuchler und Hetzer des Jahres überreichen.

Noch ein kleiner Tipp für Ego-Shooter: wer den Link zur Wahl bekommen hat und keine Scham kennt, kann beliebig oft für sich selbst abstimmen …

Noch so eine Tamedia-Niete

Oliver Zihlmann ist «Co-Leiter Recherchedesk». Nur ist das nicht so sein Ding.

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

Normalerweise kümmert sich Zihlmann um das Ausschlachten gestohlener Geschäftsunterlagen. Aus dieser Hehlerware entstehen dann Leaks und Papers und Gedöns. Zum Riesenskandal hochgejazzte Tropfen und Tröpfchen, die dann schneller als Eis an der Sonne verdunsten.

Oder erinnert sich noch jemand an die Paradise-, Panama- oder Pandora-Papers? Eben. Nun haben die sogenannten «Facebook Files» seine Aufmerksamkeit erregt. Das hört sich für Zihlmann so etwas nach seiner eigenen Lieblingsbeschäftigung an, also hat er etwas drin rumgeschnüffelt.

Das Thema ist nicht mehr wirklich taufrisch, aber natürlich hat die Welt mit angehaltenem Atem auf einen Kommentar des Co-Leiters gewartet. Bevor sie dabei rot und blau anläuft, hat er geliefert:

«Die Lektüre der Facebook Files hinterlässt ein Gefühl der Bedrohung.»

Obacht, Zihlmann fühlt sich bedroht. Das kann ja nicht gut enden: Die Papiere zeigten, «dass das soziale Netzwerk für zahllose Menschen eine Gefahr ist». Also für uns nicht, aber wir sind ja auch nicht zahllos. Andere werden aber sozusagen zahnlos: «Hass, Gewalt, Desinformation, gefährliche Seiten, die junge Menschen in Essstörungen treiben

Für Zihlmann kein Sympathieträger: Mark Zuckerberg.

Das sei aber nur die Spitze des Zuckerbergs. Viel gefährlicher sei noch, dass sich viele lediglich über Facebook informierten: «Für sie sind Hass und Desinformation eine echte Gefahr.» Allerdings, leichte Entwarnung: «Viele westliche Nutzer informieren sich derzeit noch in privaten und öffentlich-rechtlichen Medien und können so Gerüchte aus Social Media überprüfen.»

Eigenlob stinkt nicht: Selbstdarstellung des Recherchedesks.

Nun ja, wer sich beispielsweise mit der Einheitssosse von Tamedia zuschütten lässt, wo regierungshörige Berichterstattung vorherrscht, dazu Elendsjournalismus mit Papier- und Brainmangel, wo wilde Corona-Kreischen, Genderwahnsinnige im Nabelschaumodus, Antidemokraten und Fakefakt-Checker am Gerät sind, kann auch nicht als ungefährdet bezeichnet werden.

Knallharte Diagnose, knallharte Therapie

Nun outet sich auch noch der Recherche-King als Kaiser ohne Kleider. Denn nach der Diagnose kommt unweigerlich der Therapievorschlag: angesichts dieser Gefahr müsse «die Politik hier mit aller Härte eingreifen». Was, gegen Tamedia? Aber nein, so weit will Zihlmann nicht gehen.

«Warum zum Beispiel die Betreiber der sozialen Medien nicht haftbar machen für das, was sie verbreiten, wie bei jedem traditionellen Medium? Dann würden der Hass und die Falschinformationen wohl zum ersten Mal wirklich von den Seiten verschwinden.»

Das ist nun eine dermassen dämliche Frage, dass sich Zihlmann mit ihr die Pole-Position im Inkompetenz-Team von Tamedia erobert. Schliesslich gehört er auch zu den vielen Lesern von ZACKBUM, und nicht nur deswegen sollte er wissen, wieso die sozialen Medien eben nicht haftbar für ihre Inhalte sind. Wenn nicht, hätte er es am 19. Oktober nachlesen können, dort haben wir es auch für Begriffsstutzige in aller Ausführlichkeit erklärt.

Zum Beispiel, dass aus «T» «Tamedia» und daraus «Tx» wurde?

Heute möchten wir aber noch ein paar weitere intelligente Fragen in den Raum stellen. Warum zum Beispiel nicht den Hunger auf der Welt besiegen? Alle kriegerischen Handlungen einstellen? Warum nicht Rassismus, Diskriminierung und Hetze einfach verbieten? Dann würde auch eine gute Portion Hass und Falschinformationen verschwinden.

Gut, das liesse sich auch durch die Einstellung des Tamedia-Elendsjournalismus befördern, aber dann wäre Zihlmann arbeitslos, und das wollen wir auch nicht. Aber wir empfehlen ihm, das nächste Mal – wenn schon, denn schon – eine alte Forderung der Zürcher Jugendbewegung aufzunehmen, die auch noch nicht erfüllt ist: «Freie Sicht aufs Mittelmeer. Nieder mit den Alpen!»

Oder vielleicht:

Freie Sicht auf die Realität. Nieder mit den Denkbarrieren des Recherchedesks.

Es darf gelacht werden: Satire, hilf!

Die Welt als Wahnvorstellung. Schwarz auf Weiss ist vorbei. Heute gilt Brilletragen.

Man muss in Szenarien denken. Das ist mindestens so wichtig wie Resilienz zeigen. Oder eine zunehmende Spaltung der Gesellschaft beklagen. Oder sich über Diskriminierung, Ausgrenzung und männerbeherrschte Sprache beschweren.

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

Aber vor allem sind Szenarien wichtig. Da gibt es zurzeit eigentlich nur eines, in mehreren Varianten.

Aufgehetzt durch abgefeimte Demagogen, die unsere Meinungsfreiheit missbrauchen, formiert sich eine gewaltbereite Gruppe von Staatsfeinden und Regierungsgegnern. Sie sind undemokratisch, unpatriotisch, unschweizerisch.

Perfiderweise benützen aber ihre Einpeitscher Urschweizer Symbole. Dazu gehört die Schweizerfahne, das Edelweiss – und die Treichel. Als sogenannte «Freiheitstrychler» verkleidete Krawallanten marschieren bei wahren Saubannerzügen vorneweg und peitschen die Massen auf. Neuerdings, als müsste das Unschweizerische noch betont werden, sind auch Dudelsackbläser dabei. Als ob der Dudelsack irgend etwas mit der Eidgenossenschaft zu tun hätte.

Dazu erschallen Rufe nach «Freiheit», als ob nicht alle diese Heuchler wüssten, dass das Wort Freiheit in der Geschichte schwer missbraucht wurde und vor ihm nur gewarnt werden kann. Die Jahrhundertverbrecher Adolf Hitler und Josef Stalin verwendeten es nämlich auch, und wo das hinführte, weiss man ja.

Denn diese Rufer wollen gar keine Freiheit, im Gegenteil sie wollen etwas Totalitäres. Sie akzeptieren nur ihre eigene Meinung und halten alle anderen für bescheuert, für Covidioten, für folgsame Lämmer, für Schafe, die nichts dagegen haben, sich scheren, bzw. impfen zu lassen.

Es ist in Wirklichkeit noch viel schlimmer

Aber eigentlich ist’s noch schlimmer. Treicheln, Rufe nach Freiheit, dann wird aber auch noch der Name «Ueli» skandiert. Sollte dieser Ueli der neue Führer sein, wird bald einmal «heil Ueli» gerufen werden? Oder «Moll Maurer»? Wird dieser Ueli den ersten Schweizer Reichsparteitag einberufen? Stimmen die Gerüchte, dass ein Grashalm das Symbol dieser Bewegung sein soll?

Ist gar zu befürchten, dass im totalitären System der Ueli-Anhänger bald einmal die ersten Umerziehungslager, Gulags, in der Schweiz eingerichtet werden?

Wie könnte es dazu kommen? Die ersten Versuche wurden ja schon gemacht. Verwunderlich, dass niemandem von den Kommentatoren, die weit in die Geschichte und die grossen Verbrechen zurückgriffen, die Parallelen zum Bürgerbräu-Putsch auffiel. 1923, also vor fast hundert Jahren, marschierten da auch aufgeputschte Bürger zur Münchner Feldherrenhalle; ihr Ziel war der Sturz der deutschen Reichsregierung und die Errichtung einer Diktatur à la Mussolini.

Das scheiterte zwar, aber es sollte doch als Menetekel dienen. Denn war es nicht so, dass auch in Bern aufgeputschte Massen zum Bundeshaus zogen? War es nicht so, dass der «Sturm aufs Bundeshaus» nur in höchster Not verhindert werden konnte? War es nicht so, dass bereits einige Schrauben der Absperrgitter gelockert waren, die ersten Umstürzler bereits damit begannen, am Zaun zu rütteln oder ihn gar mit Fusstritten zu malträtieren? Wäre nicht rechtzeitig ein Wasserwerfer aufgetankt und Tränengas bereitgestellt worden, wo hätte das geendet? Wie im US-Kapitol?

Es ist noch schlimmer als 1918

Immer wieder wird da und dort in den seichten Untiefen des Internets zu Widerstand, gar zu Kampf, zur Entscheidungsschlacht aufgerufen. Da muss man sich schon fragen: Wieso wurde noch nicht der Notstand erklärt? Was ist mit einer Generalmobilmachung? Erinnert sich niemand mehr an den Generalstreik von 1918 in der Schweiz?

Dabei ist es diesmal womöglich noch schlimmer. Denn ein Feind sitzt sogar im Bundesrat selbst. In unserer Landesregierung. Und was machen seine Kollegen? Diese Frage muss man in aller Deutlichkeit stellen. Gut, der Gesundheitsminister ist mit anderen Dingen ausgelastet. Covid, Kultur, Kulturförderung, vierhändig Klavierspielen, da bleibt nicht viel Zeit für anderes.

Aber was ist mit der Verteidigungsministerin? War es wirklich eine gute Idee, dieses Amt einer Frau anzuvertrauen? Fehlt es ihr vielleicht an der nötigen Härte, um Zündler und Zeusler Ueli in die Schranken zu weisen, in den Senkel zu stellen, ihn zu warnen, dass er den Frieden im Land gefährde?

Eine Krise in der Krise

So ist es immer, wenn sowieso schon Krise herrscht. Eine unvorhersehbare Krise sogar. Denn wissen wir, wie es mit der Pandemie weitergeht? Kommt die vierte Welle, wie die einen behaupten, oder sind wir über den Berg, wie andere sagen? Sind die Intensivstationen an ihrer Leistungsgrenze oder nicht? Bricht das Gesundheitssystem demnächst zusammen, werden sich Leichen vor den Spitaleingängen stapeln, wird es zu herzerreissenden Szenen in Spitälern kommen, wo überforderte Ärzte Triage machen müssen, also entscheiden, wer leben darf und wer sterben muss?

Kann man noch guten Gewissens sich nicht freiwillig impfen lassen?

Alle diese Fragen wälzen doch die Medien ständig vor sich hin und her. Warnen unablässig, vergleichen, kritisieren, beschuldigen, beklagen ein gewaltbereites Klima, einen Zerfall der öffentlichen Debattenkultur. Und das alles und ausschliesslich wegen Treichlern, Hetzern, Freiheit-Rufern und eben dem Ueli.

Wann nur, wann wird endlich gefordert, dass mit aller Härte, mit allen Mitteln, ohne falsche Rücksichten durchgegriffen wird? Remedur geschaffen, aufgeräumt, in den Senkel gestellt. Das ist doch überfällig.

 

Die Verlegerclans schiessen zurück

Das Komitee «Die Meinungsfreiheit» ist auf der Welt. Eine Sturzgeburt.

Der Name ist etwas grossmäulig: «Die-Meinungsfreiheit.ch» nennt sich das «das breit, und parteiübergreifend abgestützte Komitee».  Herr Duden ist noch nicht an Bord, aber das kann noch kommen.

Was soll uns dieser Namen eigentlich sagen? Ist die Meinungsfreiheit in der Schweiz in Gefahr? Muss sie gerettet, beschützt werden? Echt? Vor wem denn? Die lustige Antwort darauf gibt’s am Schluss.

Wenn man aus dem Tiefschlaf von null auf hundert kommen will, sieht’s dann so aus:

Fotorecherche ungenügend. Dumm gelaufen.

Macht ja nix. Wer steckt denn dahinter? Leider führt der Menüpunkt «Über uns» hierher:

«Über uns» gibts nichts zu sagen.

Macht ja auch nix, auf die Inhalte kommt es schliesslich an. Das Komitee setzt sich für ein Ja bei der kommenden Abstimmung über das im Parlament verabschiedete Mediengesetz ein. Dagegen wurde erfolgreich das Referendum ergriffen.

Nach einer schreckensbleichen Pause werden nun erste Argumente ausgerollt, wieso es gut und richtig sein soll, die Verlegerclans der Schweiz mit einer runden Milliarde Steuergeldern zu unterstützen.

Schauen wir mal. Was ist Dichtung, was Wahrheit?

Wie ist die Lage? «Der Werbemarkt wird durch die globalen Internetgiganten unter Druck gesetzt und die Erträge für die lokalen Medien sinken seit Jahren ungebremst.»

Das ist richtig, allerdings fehlt zur vollständigen Beschreibung, dass das daran liegt, dass die grossen Schweizer Verlage die Verlagerung ins Internet jahrelang schlichtweg verschnarcht hatten und bis heute keine sinnvolle Strategie entwickelten, um aus dieser Todesspirale herauszufinden.

«Die privaten Schweizer Medien haben ihr umfassendes journalistisches Angebot auf allen Kanälen ausgebaut und leisten so einen unverzichtbaren Beitrag zur medialen Grundversorgung in der Schweiz.»

Das ist falsch. Die Medienclans haben ihr Angebot auf allen Kanälen abgebaut, massenhaft Journalisten entlassen, Redaktionen zusammengelegt und verbreiten aus zwei zentralen Newsrooms die gleiche Sauce über die ganze Deutschschweiz.

«Die Schweizer Medien sind der Dorfplatz der direkten Demokratie.»

Das ist falsch. Geradezu nassforsch falsch. Das ist, wie wenn ein Detailhandelsriese ein zentrales Shoppingcenter eröffnet und darin mit Pappe und Plastik Dorfmärkte zusammenleimt.

«Während Schweizer Medien unter Druck stehen, sind Internetgiganten wie Facebook, Google oder TikTok massiv auf dem Vormarsch. Die Werbegelder, die im Schweizer Markt verloren gehen, fliessen hauptsächlich zu diesen Plattformen.»

Das ist richtig. Aber warum ist das so? Warum fliessen 90 Prozent der Erlöse aus dem Online-Marketing zu diesen Giganten? Weil die Schweizer Medienmanager mehr als zwanzig Jahre lang mit offenem Mund zugeschaut haben und «das ist irgendwie nicht gut» murmelten. Aber solange üppige Gehälter, Dividenden und Gewinne sprudelten, war das kein Anlass zu tiefer Besorgnis.

Die Internetgiganten (oben), die Schweizer Medienhäuser (unten).

Es gibt allerdings einen Punkt, den das Komitee wohlweisslich weiträumig umfährt. Totschweigt. Gar nicht erst ignoriert. Die Schweizer Anbieter, die eigene Handelsplattformen im Internet unterhalten, haben gerade Elefantenhochzeit gefeiert. Also eher eine Mäuseheirat zwischen Tamedia, Ringier und Mobiliar, die wiederum an Ringier beteiligt ist. Sie legen ihre Handelsplattformen zusammen. Endlich. Damit sausten die Unternehmenswerte nach oben.

Nur leere Worte von Vierter Gewalt und so

Warum wird das nicht erwähnt? Weil die Verlegerclans die Herstellung von News, die vollmundigen Selbstbeweihräucherungen als Vierte Gewalt, als Wächter und Kontrolleure nur noch aus Imagegründen blubbern. In Wirklichkeit verdienen sie die Kohle schon längst mit Marktplätzen, Wertschöpfungsketten und Beigemüse.

«Demokratie braucht starke Medien», so lautet der Slogan des Komitees. Super Satz.

Bloss: das sagen die gleichen Verlegerclans, die den Journalismus in der Schweiz zum Skelett runtergespart haben, auf Rumpfredaktionen runtergehobelt? Das sagen die im Geld schwimmenden Verlegerclans (die Besitzerfamilien sind Milliardäre oder zumindest Multimillionäre)? Das sagen die ohne rot zu werden, nachdem seit Jahren nach der Sparrunde vor der Sparrunde ist?

Das sagen sie ohne mit der Wimper zu zucken, während sie gleichzeitig jede «Quersubvention» durch im Print gegründete und aufgebaute Plattformen, die ins Internet abgezwitschert sind, an ihre Printmütter unterbinden?

Jeder für sich und der Clan gegen alle, das ist ihr Prinzip. Kaum verhüllt hinter solch wohltönenden Wortblasen.

Am besten Neustart, sonst wird das nix

Da müssen Kommunikationsspezialisten, Mietmäuler (sogenannte Testimonials) und Helfershelfer den Finger aus einem nicht dafür vorgesehenen Körperteil nehmen. Denn so wird das nix.

Dass schon über 70 Politiker das Komitee unterstützen, ist schliesslich auch keine Auszeichnung. Logisch machen die das, die brauchen die Medien im Kampf um die Lufthoheit über die veröffentlichte Meinung. Politiker sind graue Mäuse, sind kaum bemerkbar, wenn sie nicht immer wieder Auftritte in den Medien haben.

Denn nur dann nimmt man Kenntnis davon, dass gefordert, verurteilt, beantragt, kritisiert wird.

Also, liebes Komitee: das geht noch besser. Viel Geld ist nicht alles. Viel Brain ist wichtiger. Denn:

die grösste Gefahr für die Meinungsfreiheit, für den Meinungspluralismus sind doch die grossen Verlegerclans,

die von Basel bis Zürich, von Aarau bis St. Gallen mit Kopfblättern die gleiche Sauce über alles schütten.

In der Bundeshauptstadt Bern gab es immerhin noch zwei Tageszeitungen. Niemals werde da an eine Zusammenlegung gedacht, tönte Tamedia. Bis zur Zusammenlegung.

Noch ein paar kostenlose Ratschläge: Impressum? Verantwortlicher? Datenschutzhinweise? Anfängerfehler. Amateure, Dilettanten am Gerät.

Liebes Komitee, liebe Verlegerclans: der Medienkonsument ist vielleicht nicht der Hellste. Aber so blöd ist er auch nicht, dass man ihm ein X für ein U vormachen kann. Also tief durchatmen, dieses jämmerliche Komitee spülen, nochmal ansetzen. Es soll doch ein echter Kampf werden, kein K.o. schon in der ersten Runde.

TX geixt? Neuer Name?

Der Coninx-Clan liebt Umbenennungen. War’s nun eine zu viel? Sozusagen ein neues Triple X?

Journalistische Kompetenz ist das eine. Dafür sollte ja angeblich Tamedia zuständig sein. Nun ist alles, was mit der Herstellung und Verpackung und Bauchnabel-Darbietung zu tun hat, in ein separates Profitcenter gestopft worden, das heisst Tamedia. Hiess auch schon mal kurz und knackig T, wobei das T auch für alles stand.

War auch mal so eine Idee. Links Kopie, rechts Original.

Aber, man geht ja mit der Zeit, also man rennt ihr hinterher, und seitdem es Internet und digital gibt, ist der Buchstabe x sehr beliebt für Firmennamen. Damit will man so einen Geruch nach Techno, vorne dabei, Matrix, Internet, Blabla verströmen.

Also montierte man nach Tamedia und T das Schildchen schon wieder vom Glaspalast an der Werdstrasse und schraubte stolz ein TX dran.

Name wechsle dich, Drehtüre bleibe doch.

Seit Dezember 2019 heisst der grösste Medienkonzern der Schweiz TX Group. Das war vielleicht die längste Zeit so.

Juristisch nicht ganz sattelfest, das Medienhaus

Denn bei Tamedia, Pardon, T, Äxgüsi, TX, also im Hause Supino-Coninx, sind nicht nur die Journalisten nicht über jeden Zweifel erhaben, was ihre Kompetenz betrifft. Wir erinnern nur an Claudia Blumer.

Auch juristisch könnte das Haus vielleicht eine Auffrischung vertragen. Denn mit dem Namen TX gibt es ein kleines Problem. Der wurde am 18. Dezember 2019 zur Registrierung beim Handelsregisteramt eingereicht. Nur: nicht vom Coninx-Clan. Denn zwischen der Ankündigung der neuerlichen Umbenennung und dem Antrag auf Eintrag ins Handelsregister seitens Coninxclan verging mehr als ein Monat.

Ätsch, sagte da ein Rapperswiler Anwalt, ich bin schneller. Weil beide Anträge in die Weihnachtszeit fielen und zeitlich sehr eng beieinander lagen, passierte nun ein bürokratischer Lapsus. Beide wurden genehmigt. So berichtet der SoBli nicht ohne Häme, dass am 23. Dezember im «Schweizerischen Handelsblatt» die TX Group aus Rapperswil publiziert wurde, und am 27. die TX Group aus Zürich.

Das darf aber eigentlich nicht sein, und es gilt das einfache Prinzip: der Schnellere ist der Geschwindere. Zuerst angemeldet, zuerst eingetragen, normalerweise keine Diskussion: dem gehört’s.

Sagen auch einschlägig bewanderte Markenrechtler. TX, also die Zürcher TX, sagt hingegen, in dieser Angelegenheit habe «das Eidgenössische Handelsregisteramt zu unseren Gunsten entschieden». Damit bezieht sich Big T (sagen wir nun der Einfachheit halber) auf den Fakt, dass die Doppeleintragung existiert. Aber eben irrtümlich.

Auch Tamedia hat etwas mit dem Schlamassel zu tun

Die Story wird noch lustiger. Es kommt auch noch ein gewisser Serge Aerne ins Spiel. Unternehmer und Gründer einer Pensionskasse. Der SoBli fasst zusammen: «Anfang November 2019 publizierte die «Sonntagszeitung» einen Artikel, in dem Aerne vorgeworfen wurde, der Pensionskasse mit fragwürdigen Immobiliengeschäften geschadet zu haben. Aerne reichte darauf Klage gegen das Medienhaus ein. Die Sache ist bis heute nicht abgeschlossen.»

Das Sahnehäubchen: Nicht mehr der Rapperswiler Anwalt, sondern Aerne ist nun der Besitzer der drei Tage älteren TX Group. Und der sagt eiskalt, dass es ihm nicht um Geld gehe, sondern dass er einfach möchte, dass die Zürcher TX Group ihren Namen ändere. Deshalb liegt der Fall nun vor dem Bundesverwaltungsgericht.

 

Vielleicht sollte Vin Diesel eingreifen?

Das nach Meinung diverser Anwälte eigentlich nur ein Urteil fällen kann. Was dann bedeuten würde, dass an der Werdstrasse schon wieder ein neues Türschild fällig wird. Wir haben auch gleich einen Vorschlag: XXX. Oder Triple X. Steht für vieles und für nichts. Allerdings: auch diese beiden Bezeichnungen sind schon eingetragene Marken. In Glarus gibt es zum Beispiel eine GmbH, die eine Bar unter dem Namen XXX betreibt.

Die doppelte TX Group im Handelsregister.

Kostenloser Tipp für die Big T-Juristen, damit die nicht das nächste Mal reinfallen. Triple X ist auch schon weg. Aber hallo, X wäre noch frei. Blöd nur: das kann man nicht als Marke registrieren lassen. Ist halt nur ein Buchstabe.

Letzter Versuch: Ich könnte zum Beispiel CHplus anbieten. Hört sich gut an, ist eine im HR eingetragene GmbH, gehört mir – und könnte unter Umständen, wenn der Preis stimmt, käuflich erworben werden. Ist doch sicherer als die nächste Klatsche einfangen, liebe TX-Gruppenmitglieder. Also die in Zürich meine ich.