Bildbetrachtung

Besserwisser Yann Cherix liest dem Bundespräsidenten die Leviten.

Cherix leitete einige Jahre den «Züri Tipp» und ist laut Selbstbeschreibung so: «Surft, tschuttet und glaubt an konstruktiven Journalismus.» Das ist wunderbar, und normalerweise äussert sich Cherix zu solchen welterschütternden Ereignissen:

Aktuell sieht Cherix aber ganz anderen Handlungsbedarf; er versucht sich an einer Bildbetrachtung:

Da muss nun Cherix den Aussenminister scharf rügen: «Cassis’ Fotopanne mit Lawrow». Himmels willen, hat unser Bundespräsident dem russischen Aussenminister die bedingungslose Kapitulation der Schweiz angeboten? Die Aufhebung aller Sanktionen? Hat er ihm gar das Matterhorn geschenkt?

Nein, aber er hat doch tatsächlich die Hand seines russischen Kollegen geschüttelt. «Der Fehlgriff – für alle sichtbar. Und das ausgerechnet am Tag der russischen Teilmobilmachung und Putins Atomkriegsdrohungen. Andere wie die Deutsche Annalena Baerbock zeigten Lawrow in New York die kalte Schulter

Baerbock ist ja auch eher Kriegs- denn Aussenministerin («Deutsche Panzer für die Ukraine»). Aber dann setzt Cherix zu einem merkwürdigen Eiertanz an: «Doch Ignazio Cassis hat durchaus Gründe, den russischen Amtskollegen zu treffen.» Denn die Schweiz wird bekanntlich nächstes Jahr Mitglied im UNO-Sicherheitsrat, da liessen sich solche Treffen nicht vermeiden, räumt Weltpolitiker Cherix ein. «Aber es ist eben oft so: Der Neuling ist übermotiviert. Die Hand, das Lächeln. Das ist zu viel. Das wurde vom alten Kämpfer Russland geschickt ausgenutzt.»

Das kann man allerdings auch von Cherix sagen. Der hält nun gnadenlos Gericht über Cassis: «Warum hat sich die Schweiz im Bilderkampf übertölpeln lassen?» Diese Frage muss Cherix allerdings im Raum stehen lassen, dafür weiss er: «Die UNO in New York ist eine grosse Bühne, im Fokus der Weltöffentlichkeit. Das hätte Cassis’ Delegation antizipieren müssen

Es ist halt immer blöd, wenn Cherix gerade im «Paradies für Freestyle-Sportler» unabkömmlich ist und leider keine antizipierenden Ratschläge erteilen kann.

Daher gibt es nur einen dringenden Rat an das EDA: bevor Cassis das nächste Mal jemanden die Hand schüttelt, muss unbedingt Cherix konsultiert werden. Nur er kann verhindern, dass sich unser Neuling im wahrsten Sinne des Wortes eines Fehlgriffs schuldig macht, sich übertölpeln lässt. Andeutungsweise lächelt, statt dem russischen Aussenminister die kalte Schulter zu zeigen. Vor ihm auszuspucken. Den Handschlag demonstrativ zu verweigern.

Also wenigstens in die Hand kneifen hätte er ihn können. Den Krawattenknoten lockern. Die Haare verwuscheln. Oder was auch immer Cherix als Alternative eingefallen wäre. Wir hoffen allerdings doch, dass dem Schweizer diplomatischen Dienst dieser Neuzugang erspart bleibt, wenn es bei Tamedia die nächste Sparwelle gibt.

Allerdings findet Cherix in einem Dummschwätzer seinen Meister. SP-Nationalrat Fabian Molina, der Mann, der prinzipiell schneller spricht als denkt, ist mit einem vernichtenden Urteil zur Hand: «Mit dem lächelnden Händedruck hat Cassis alle Bemühungen zerstört.» Molina frage sich, «wie die Entourage von Cassis diesen PR-Gau zulassen konnte.» Das Bild spiele Russland in die Hände und «schadet dem Ansehen der Schweiz massiv», zitiert ihn nau.ch.

ZACKBUM fragt sich hingegen, wie Molina selbst in eigener Sache diesen GAU zulassen konnte:

Ein Politiker-Rüpel an einer unbewältigten Demo, umgeben von schwarzbekleideten Linksautonomen. Aber damit schadet er nur seinem eigenen Ansehen massiv.

 

Schweizer Finanzplatz in Gefahr

Es ist nicht nur die Chefetage …

«Inside Paradeplatz» wird vorwiegend von Bankern, Finanzleuten und Back-Office-Hirschen gelesen. Die haben, bevor die nächste Entlassungswelle sie rausspült, offenbar viel Freizeit am Co-Working-Schreibtisch, zu dem sie jeden Morgen ihr Rollköfferchen schieben dürfen.

Diese Freizeit nützen sie kräftig, indem sie Kommentare schreiben. Natürlich unter Pseudonym, denn das macht mutig und ist ein willkommenes Ventil für den geknechteten Bürogummi, der vergeblich von einem eigenen Eckzimmer mit Pflanze und Besprechungsbeule am Schreibtisch träumt. Es ist beelendend zu lesen, welche Hemmungslosigkeit ausbricht, wenn der Wäffler meint, aus dem geschützten Hinterhalt schiessen zu dürfen. Dabei ist er zu blöd zu wissen, dass man ihn über seine IP-Adresse problemlos identifizieren kann …

Wenn ZACKBUM-Autor René Zeyer dort publiziert, geht’s meistens rund; im Kommentarmorast blubbern die Blasen, dass es eine Unart hat. Das ist ausgesprochen erheiternd, wenn man sich die zurzeit über 160 Kommentare zu einem aktuellen Artikel anschaut. Zunächst ist festzuhalten, dass Kritik erlaubt und erwünscht ist; im Gegensatz zu allen Kommentarschreibern sind wir keinesfalls der Auffassung, die einzig richtige, unantastbare und ewige Wahrheit zu verkünden.

Aber das Gelächter verkümmert etwas, wenn man sich überlegt, dass diese Kommentarschreiber wohl einen repräsentativen Querschnitt der Angestellten in der Schweizer Finanzbranche darstellen. Was da an Frust, Unkenntnis, wildem Gehampel, krakeelender Rechthaberei losgelassen wird, ist Anlass zu schwersten Bedenken, wie diese Nulpen denn eigentlich ihrem Beruf nachgehen. Auffällig ist auch die fast immer völlige Abwesenheit von Sachverstand und Argumenten. Natürlich gibt es einige strahlende Ausnahmen, aber wenn man sich folgende, kommentarlos dargebotene Blütenlese anschaut (in Original-Rechtschreibung), dann fürchtet man schon das Schlimmste für die Zukunft des Finanzplatzes Schweiz …

«Der mit Abstand schwachsinnigste Kommentar den ich in den letzten Jahren gelesen habe.»

«Mit Verlaub Sie sin ein Loch Dumm Arsch & S. Wenn Sie nicht raffen, dass eine Axpo nicht den Auftrag hat im Casino Geld zu verlieren, sondern die Grundversorgung von Strom sicherzustellen. Dann sollte man Ihnen einfach den Stecker ziehen.»

«Germanist & Berliner erklärt Stromkonzerne ;-))) Brüder Grimm für Nebelspalter, Weltwisch & Zackbum Freunde der Morgenröte …»

«Der Autor (und die allermeisten) verstehen das wirkliche Ausmass dieser Tragödie nicht

«Wer keinen blassen Schimmer hat von Stromhandel, soll gefälligst nicht darüber schreiben. Auch wenn er dafür dreissig Silberlinge bekommt

«So ein Quatsch. Schönreden kann man ja irgendwie alles.»

«Warum zum Teufel behauptet die Axpo GL dass eine Absicherung notwendig war??? Entweder glaubt man am eigenen Business oder macht man zu!!»

«Die Axpo hatte nie die Aufgabe, mit Strom zu spekulieren, sondern die Stromversorgung in den beteiligten Kantonen sicherzustellen.»

«Ich glaube, der Herr Zeyer schreibt sich einfach den Frust über seine eigenen Fehlleistungen vom Leib

«Herr Zeyer, hatten Sie mit dem Mathe-Fach Logik ihre Probleme? Das erahne ich aus ihrem wirren Geschreibsel

«Welche Schande, dass Sie sich „Journalist“ nennen! Sie demaskieren sich selbst: Weder Ahnung vom Strommarkt, noch von der internen „Strombarone“-Kultur in allen grösseren EVUs. Wie viel Geld erhalten Sie von Axpo & Co?»

«Leider wird nicht geklärt, ob der Autor von der Axpo, vom Bund, von involvierten Kantonen, von einschlägigen Verbänden, etc. direkt oder indirekt Mandate erhalten hat.»

«Sie, Herr Zeyer, haben keine Ahnung.»

«Auftrag der Axpo ist die Stromproduktion Handel waere meines Erachtens nur mit evtl Ueberschuss Produktion erlaubt»

«Wieviel hat Ihnen die AXPO bezahlt für dieses Märchen

«Danke Zeyer, besser kannst Du den Schrott, den Du hier regelmässig vom Stapel lässt, nicht beschreiben

«Ein weiterer oberflächlicher Artikel zum Thema. Bitte zurück an den Start. Machen Sie Ihre Aufgaben und erklären Sie weshalb wir in dieser miserablen Situation sind

«Eine kurze aber sehr präzise Antwort von Herrn Zeyer erwarte ich an dieser Stelle in den nächsten 48 Stunden

Sparen, sparen, sparen

Die fetten Zeiten sind vorbei. Jetzt wird gespart.

Die Mainstream-Medien machen aus dem neuen Überthema noch viel zu wenig. Das liegt daran, dass dort zu viel eingespart wurde. Kindersoldaten in Verrichtungsboxen, die Journalisten spielen, dazu frustrierte Hosen- und Meinungsträger, die die Welt mit ungewollten Ratschlägen zusossen, auf der Nase eine Gesinnungsbrille, dick wie Flaschenböden? Da kann noch gewaltig gespart werden.

Raumtemperatur senken, kurz duschen, Zähne kalt putzen, Kühlschrank erwärmen, Tiefkühler abtauen, Deckel auf den Topf, das ist doch alles Kinderkram. Da fehlt noch die letzte Konsequenz, die nötig ist, um den Kreml-Herrscher in die Schranken zu weisen.

Fangen wir bei der Heizung an. Was heisst da 17 Grad? Die Zeiten sind noch nicht so lange vorbei, als es gar keine Zentralheizung gab. Eine Bettpfanne für die Nacht, mit dem Herd wurde gleich noch geheizt, das reichte. Hat auch niemandem geschadet. Der echte Ukraine-Unterstützer dreht die Heizung vollständig ab. Seine Solidarität zeigt er dann, ganz im Sinne des Chefredaktors der NZZaS, indem er eine Ukraine-Fahne vor dem Fenster mit lustigen Eisblumen flattern lässt, darauf einkopiert das Foto des auf 0 gestellten Thermostaten.

Duschen, gar baden? Wieso eigentlich? Ist es nicht ein Vorteil des Winters, dass kalte Temperaturen Körperausdünstungen minimieren? Und wer unbedingt muss, etwas praktische Intelligenz kann nie schaden. Dafür nützt man den Besuch bei Freunden und Bekannten. Jammert etwas von «Dusche kaputt» und verschafft sich so Zugang zu Warmwasser. Bis man dann nicht mehr eingelassen wird.

Auch bei körperlichen Verrichtungen gibt es Sparpotenzial. Closomat und ähnliche dekadente Einrichtungen: sofort stilllegen. Wer sich in der Natur versäubert, braucht kein Wasser. Wer dabei rezykliertes Papier verwendet, erleichtert sich umweltbewusst. Wem der rasche Zugang ins Gebüsch verwehrt ist, kann anders sparen. Es gibt kein Gesetz, das vorschreibt, dass nach jedem Stuhlgang gespült werden muss. Das kann man auch erst dann tun, wenn die Schüssel bereits wohlgefüllt ist.

Ein grosses Thema ist auch der Individualverkehr. Das eigene Auto bleibt selbstverständlich in der ungeheizten Garage. Auch Elektro-Fahrer müssen einsehen, dass ein Tesla indirekt Putin hilft. Also stilllegen. Der ÖV, ein Stromfresser ohne Gleichen. Gut, dass die SBB Selbstversorger sind, allerdings nicht bei so unwichtigen Sachen wie Signalen oder Weichen. Die Züge bleiben dann ganz von selbst stehen, womit sich diese Stromverschwendung auch erledigt hat.

Wie man dann von A nach B kommt? Auch da kann man sich die Altvorderen als Vorbild nehmen. Zu Fuss, wie denn sonst. Ausser, man besitzt ein Pferd, aber das war damals auch nur wenigen vorbehalten. Ausserdem gibt es inzwischen Velos. Die sind übrigens nicht nur als Transportmittel geeignet. Mit einem Velo kann man eine Glühbirne und einen Kühlschrank betreiben, zum Beispiel. Eine vierköpfige Familie kann sich problemlos ablösen beim Trampen.

Das hat ganz nebenbei wohltuende Auswirkungen auf Fitness und Gesundheit. Treppensteigen statt Lift, Buch lesen statt TV glotzen, kalte Küche ist auch schmackhaft, Gemüse ist billiger als Fleisch und kann man prima roh essen. Wer nicht TV schaut, braucht auch kein Abo mehr. Das gilt natürlich auch fürs Internet, diesen Stromfresser. Man kann doch wieder Briefe schreiben, und ab und an ein Telefonat, das sollte noch möglich sein, aber bitte sich kurz fassen.

Wem es in der eigenen Stube zu kalt ist, der kann sich in den noch geöffneten Warenhäusern aufwärmen, bis auch dort die Heizung abgestellt wird. Mitsamt der Beleuchtung.

Ein grosser Vorteil unserer Breitengrade besteht darin, dass man, auch wie früher, Lebensmittel aufbewahren kann, indem man sie einfach der Kälte aussetzt. Das macht Kühlschrank und Tiefkühler völlig überflüssig. Dann gibt es ungeheuerliches Sparpotenzial bei Haushaltgeräten. Staubsauger, Föhn, Bügeleisen, Mixer, Kaffeemaschine, erst noch auf stand-by, elektrische Zahnbürste und Rasierapparat, da kann gespart werden, bis die Wasserkraftwerke überlaufen.

Der Volksgesundheit wäre auch ungemein zuträglich, wenn wir uns wieder an den von der Natur vorgegebenen Tagesablauf halten. Wenn es dunkel ist, ist’s halt dunkel. Dann geht man ins Bett. Oder, wer’s unbedingt wissen will, der setzt sich halt aufs Velo und strampelt sich Licht herbei.

Auch und gerade für Journalisten ist die Benützung einer mechanischen Schreibmaschine etwas Hilfreiches. Schliesslich haben auch Koryphäen wie Hemingway so ihre Artikel verfasst. Wer jeden Vertipper mit Tipp-Ex behandeln muss, beim Einfügen eines Absatzes die Schere benützen, bei einer Umstellung am besten den ganzen Artikel nochmal abtippt, der wird viel sorgfältiger formulieren und – das ist wahrhaft möglich und tut nicht übermässig weh – vor dem Schreiben zuerst nachdenken.

Genau das vermissen wir; denn all diese Tipps werden in den Medien noch nicht genügend propagiert. Aber das kommt hoffentlich noch.

Ach, Charles!

Die «Weltwoche» sollte bei ihren republikanischen Leisten bleiben.

Niemand kann in die Zukunft sehen. Aber wenn die «Weltwoche» einen Politiker oder VIP lobt, geht’s für den meistens den Bach runter. Extrembeispiel ist der Versager und Lügner Donald Trump. Das gilt auch für den Vollversager und Amok Steve Bannon. Ebenfalls für den ungarischen Regierungschef Orban.

Auch Putin misszuverstehen, war keine wirklich gute Idee. Nun wirft sich die «Weltwoche» ein wenig auf die britische, Pardon, englische Politik. Die neue Premierministerin Liz Truss wurde bereits als «die richtige Frau zur richtigen Zeit» gelobt. Zum Dank kündigte die angebliche Thatcher-Nachahmerin das grösste staatliche Hilfsprogramm aller Zeiten an.

Nun will sich die WeWo auch noch auf dem Gebiet gekrönter Häupter lächerlich machen:

Ein Zwangsneurotiker, von dessen Eignung für das Amt die eigene Mutter so überzeugt war, dass sie lieber bis zum letzten Atemzug selber die Krone trug? Ein frischgebackener König, der alleine schon im Umgang mit Füllfederhaltern in den ersten Tagen seiner Regentschaft häufiger die Fassung verlor als seine Mutter in über 70 Jahren Regentschaft? Ein ungetreuer Ehemann, der lieber ein Tampon an einem unaussprechlichen Ort seiner Geliebten Camilla wäre?

Nobel reicht Charles III. den tropfenden Füller seiner Gattin …

Aber lauschen wir den weihevollen Worten der WeWo:

«Ein weiterer positiver Aspekt der neuen Regentschaft wird das glückliche und stabile Privatleben des Königs sein.» Da rotiert die arme Diana im Grab. Camilla überzeuge durch «Charme, Zugänglichkeit, Unkompliziertheit und wahre Noblesse im besten Sinne. Die tragische Zeit, in der es auch um Prinzessin Diana ging, liegt inzwischen mehr als ein Vierteljahrhundert zurück und ist ein abgeschlossenes Kapitel.» Charles habe «mehr als ein halbes Jahrhundert über seine neue Rolle nachgedacht», «eine baldige Reise des neuen Königspaars in alle Commonwealth-Staaten, inklusive der kleinsten wie Tuvalu im Pazifik und Nevis in der Karibik, wäre ein guter Ausgangspunkt, um für den Fortbestand der konstitutionellen Monarchie zu kämpfen». Hoffentlich begegnet er dort keinen Füllern.

Und dann der krönende Höhepunkt: «Seine Mutter, erklärte er in seiner Rede, habe ein erfülltes Leben gehabt und ihr Versprechen eingelöst. Von ihm wird man das dereinst auch sagen.»

Das schlägt aber vielmehr dem Fass die Krone ins Gesicht. Ein ewiger Warteinweiler, der nicht mal sein Privatleben nobel und privat halten konnte? Ein Gärtner, der mit untauglichen Umweltratschlägen auffiel? Ein gebrochener Mann, der bis ins hohe Alter damit konfrontiert war, dass ihn die eigene Mutter für einen so grossen Vollpfosten hielt, dass sie eine vorzeitige Abdankung nicht mal in Erwägung zog?

Wer ihn nur einmal dabei beobachtet hat, wie er manisch mit seinen Wurstfingerchen ständig an seinen Manschetten zupft, dann hektisch die Nase reibt, leicht vornübergebeugt so offenkundig Interesse an seiner Umgebung nur heuchelt, dass niemand mit ihm warm wird: der ist keine moderne Fortsetzung der konstitutionellen englischen Monarchie, sondern ihre grösste Gefahr.

Deren Überlebenschancen würden deutlich steigen, wenn er so schnell wie möglich seinem Sohn und Thronfolger Platz machte. Aber wer ganze 72 Jahre darauf warten musste, nicht mehr Prinz Charles zu heissen, sondern Charles III., der wird sich wohl an der Krone festhalten, bis sie ihm vom Kopf fällt.

 

Blöd-«Blick», reloaded

Aus der Verrichtungsbox im Newsroom.

Wir brauchen neue Storys über Putin, sagt der Tagesleiter im Newsroom, und die Kindersoldaten, mit nichts mehr bewaffnet als einem Computer mitsamt Internetanschluss, machen sich auf die Suche. Sie picken und scharren und rufen schliesslich kikeriki.

Genaueres regelt dann die Bildlegende im Artikel:

Der Beweis: schlaff herunterhängender Arm. Und überhaupt, wer sich mit der linken Hand am rechten Ohr kratzt, hat ein Problem.

Aber damit nicht genug der verblüffenden Neuigkeiten von und über Putin. Trotz schlaffem Arm sorgt sich der Kremlherrscher nämlich auch um seine Zukunft:

Normalerweise gehören Fluchtpläne von Diktatoren und Autokraten zum Geheimsten, was es so gibt auf der Welt. Hier aber hat «Blick» eine verlässliche Quelle aus erster Hand: das schreibe «auf Telegramm ein Russe, angeblich Kreml-Insider und ehemaliger Geheimdienst-Offizier».

Dieser angebliche Insider weiss um die Vorbereitungen Putins, sollte die Invasion der Ukraine scheitern und die Stimmung in Russland gegen ihn umschlagen: «In diesem Falle würde Putins Flugzeug bereitstehen. Er würde mit seiner Familie und seiner Gefolgschaft nach Syrien flüchten und dort im Exil leben wollen, behauptet der Telegramm-Kanal von «General SVR»

Ein Fluchtplan ist allerdings nur so gut wie sein Flugplan. Und da sieht dann der «Blick» ein klitzekleines Problem: «Der Flug von Russland nach Syrien würde jedoch durch den Luftraum der Türkei führen, ein Nato-Mitgliedsstaat. Würde der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan (68) dem Putin-Flieger die Erlaubnis verweigern, würde dies die schnellste und möglicherweise einzige Fluchtroute Putins zunichtemachen.»

Das wäre dann echt blöd für Putin, wenn er flüchten will, aber nicht fliegen kann. Aber es gibt noch einen Plan B: den Iran. Sollte das mit Syrien nicht klappen, dann halt bei den Mullahs und Ayatollen in Teheran.

Frage: will uns damit der «Blick» auf seinen schlaffen Arm nehmen?

CS: völlig losgelöst

Milliardenverlust, Chefwechsel, Aktie im Keller. Na und?

Eigentlich ist die Medienmitteilung nur so zu erklären, dass die Verfasser bereits dermassen abgebrüht sind, dass ihnen alles egal ist. Denn das Wunderwerk moderner Rabulistik hebt so an:

«Die Credit Suisse Group AG (Credit Suisse) hat heute die Ernennung von Ulrich Körner zum Group Chief Executive Officer ab 1. August 2022 bekannt gegeben. Er ersetzt Thomas Gottstein, der zurücktritt. Gleichzeitig hat die Bank angekündigt, dass sie eine umfassende strategische Überprüfung mit folgenden Zielen durchführt:»

Zunächst: «der zurücktritt»? Der zurückgetreten wurde. Der doch vor Kurzem das «volle Vertrauen» seines VR-Präsidenten genoss, der unbedingt mit ihm gemeinsam in die Zukunft schreiten wollte. Aber gut, das ist so wie in einer Ehe. Eigentlich bis der Tod uns scheide, aber dann scheidet doch das Leben.

Nun findet aber auch eine «umfassende strategische Überprüfung» statt. Das ist wunderbar, denn ein schwindsüchtiger Aktienkurs, Milliardenverluste, ständige Rückstellungen für neue Rechtsfälle, ein neuerlich desaströses Quartalsergebnis, da muss was gehen. Was denn?

Achtung, nun kommt eine Hammerankündigung:

«Alternativen, die über die Ergebnisse der letztjährigen Strategieüberprüfung hinausgehen, sollen in Betracht gezogen werden, insbesondere angesichts des veränderten Wirtschafts- und Marktumfelds. Das Ziel der Überprüfung besteht darin, eine fokussiertere, agilere Gruppe mit einer deutlich niedrigeren absoluten Kostenbasis zu schaffen, die allen Anspruchsgruppen nachhaltige Erträge liefern sowie Kundinnen und Kunden herausragende Dienstleistungen bieten kann.»

Etwas wolkig formuliert, finden Sie? Na, dann hören Sie sich mal an, was passiert, wenn auch noch eine ganze Ladung Realitätsverlust dazukommt:

  • «Das erstklassige globale Vermögensverwaltungsgeschäft, die führende Universalbank in der Schweiz und das Asset-Management-Geschäft mit Mehrfachspezialisierung sollen gestärkt werden.
  • Transformation der Investment Bank in ein kapitalschonendes, beratungsorientiertes Bankgeschäft und ein stärker fokussiertes Marktgeschäft, das das Wachstum des Wealth Managements und der Swiss Bank ergänzt.
  • Überprüfung strategischer Optionen für den Securitized Products-Bereich, die auch die Einbringung von Fremdkapital in diese marktführende, renditestarke Plattform einschließen können, um ungenutzte Wachstumschancen zu realisieren und zusätzliche Ressourcen für die Wachstumsbereiche der Bank freizusetzen.»

Nein, es ist hier von der Credit Suisse die Rede, Ehrenwort. Es ist allerdings schleierhaft, wieso eine dermassen tolle Bank überhaupt gestärkt, transformiert und überprüft werden muss. Läuft doch alles super. Wenn einer geht, einer kommt, dann dürfen natürlich alle drei Beteiligten was dazu sagen. Also eigentlich sagen nicht sie selbst das, sondern Corporate Communication holt aus dem Textarchiv ein Wording, staubt es ab, setzt neue Namen ein, und ab die Post.

Zunächst hat Axel P. Lehmann, VR-Präsident, das Wort: «Es freut mich, Ueli als unseren neuen Group CEO willkommen heissen zu dürfen, um die umfassende strategische Überprüfung in einem für die Credit Suisse so entscheidenden Moment zu beaufsichtigen. Mit seinen fundierten Branchenkenntnissen und einer beeindruckenden Erfolgsbilanz …» Das von «Ueli» zu verantwortende Asset Management hat zwar hindertzi gemacht, aber das tut einer beeindruckenden Erfolgsbilanz doch keinen Abbruch. Die besteht nämlich aus, ähm, also aus, räusper, also, hüstel, wir drücken die Pausetaste.

Dann darf Thomas Gottstein, gewesener CEO: «Es war mir eine grosse Ehre und ein Privileg(,) der Credit Suisse über diese letzten 23 Jahre zu dienen.» Wunderbar, aber wieso stellt er diesen Dienst denn ein? «In den letzten Wochen bin ich nach Gesprächen mit Axel und meiner Familie sowie aus privaten und gesundheitlichen Gründen zum Schluss gekommen, dass es der richtige Zeitpunkt ist, zurückzutreten …» Ach so, er ist gar nicht zurückgetreten worden. Männergespräche mit Alex, die Familie, die Gesundheit, sowie «private Gründe». Wir vermuten: zu wenig Zeit für den Golfplatz.

Dann darf noch Ulrich Körner, neuer CEO der Credit Suisse: «Ich danke dem Verwaltungsrat für sein Vertrauen … freue mich darauf, mit allen Kolleginnen und Kollegen in der Bank und in der Geschäftsleitung  … volle Energie für die Umsetzung unserer Transformation … herausforderndes Unterfangen … auch eine grosse Chance … Dank gilt auch Thomas für seine Unterstützung …»

So, nun holen wir Eimer und Schäufelchen und wischen diese Worthülsenstapel vom Tisch. Besen ist nicht nötig, pusten genügt, so luftig-leicht sind die. Völlig losgelöst von der Realität, ohne Gehalt. Daher erschreckend für Mitarbeiter und Aktionäre. Und dann vielleicht auch mal für den Schweizer Steuerzahler, wenn er dieser «systemrelevanten» Bank dereinst unter die Arme greifen müsste. Denn glaubt irgend jemand, dass diese Dampfplauderer ein Rezept hätten, um die einstmals stolze Bank aus dem Elendstal zu führen?

Der Preis der Regierungstreue

Marc Walder, Ringier, «Blick», «Blic» und Putin: alles Ansichtssache.

Das Faszinierende am Journalismus ist, dass die Realität Geschichten liefert, die man sich nicht besser oder verrückter ausdenken könnte. Was wir auf den folgenden Zeilen berichten, könnte ebenso gut aus einem bitterbösen Roman über die Branche stammen, doch es ist die wahre Story des vielleicht mächtigsten Medienmanagers im Land – eine Story über die Glaubwürdigkeitskrise und den Zustand des Journalismus im Jahr 2022.

Sie erinnern sich: Am 31. Dezember veröffentlichte der «Nebelspalter» ein Video, in dem Marc Walder, CEO des international tätigen Ringier-Konzerns («Blick»), verriet, dass er die Ringier-Redaktionen weltweit angewiesen habe, in der Pandemie die Regierung zu unterstützen. Die Reaktionen auf die Enthüllung innerhalb und ausserhalb der Branche waren praktisch überall dieselben: Walders Direktiven wurden als Anschlag auf die journalistische Unabhängigkeit und die Glaubwürdigkeit der Medien als kritischer vierter Macht im Staat gehandelt. Verleger Michael Ringier musste sich auf der Frontseite des «Blicks» entschuldigen. Ein weiteres «Mea culpa» sandte Walder an den Bruderkonzern Axel Springer in Berlin, den er wegen seiner massnahmenkritischen Berichterstattung in dem Video scharf attackiert hatte.

Stargast bei Journalistenpreis

Das zweite Kapitel dieser unglaublichen, aber wahren Geschichte sollte am 28. Juni im ewigen Kultlokal Kaufleuten in Zürich über die Bühne gehen. Dort fand die 42. Verleihung des Zürcher Journalistenpreises statt, der wichtigsten Auszeichnung dieser Art in der Schweiz. Und wer war als «Keynote-Speaker» und Stargast angekündigt? Marc Walder. Noch ein halbes Jahr zuvor hatten sich die Medien nach der Walder-Video-Enthüllung des «Nebelspalters» in kritischen Kommentaren überboten. Von «Gift für die Demokratie» sprach der «Tages-Anzeiger» und meinte: «Das untergräbt die Glaubwürdigkeit der Medien». «Medien unter Generalverdacht: Deswegen ist Marc Walders Video so fatal», titelte die «Neue Zürcher Zeitung». Mit seinen Aussagen rücke Walder «den seriösen Journalismus in ein schiefes Licht», so die NZZ.

Wie schief müssen denn die Scheinwerfer eingestellt sein, wenn ausgerechnet bei der Verleihung des prestigeträchtigsten Schweizer Journalistenpreises Marc Walder seinen grossen Auftritt haben sollte? Er, der nach einhelliger Meinung der Medien mit seinen Video-Aussagen der Glaubwürdigkeit des Journalismus einen solchen Schaden zugefügt hat?

Serbische Ehrenmedaille für Marc Walder

Doch es kommt noch dicker. Der dritte Akt ging am Dienstag, dem 28. Juni 2022, in Belgrad über die Bühne. Dort überreichte der serbische Präsident Aleksandar Vučić Marc Walder die «serbische Ehrenmedaille für die Förderung der digitalen Transformation und die Ankurbelung der nationalen Wirtschaft». Wie es der diabolische Drehbuchschreiber dieser Realsatire will, fand die Verleihung in Belgrad am selben Tag statt wie die Feier des Zürcher Journalistenpreises. Walder musste sich deshalb kurzfristig im Kaufleuten abmelden, um vom serbischen Staatspräsidenten mit Pauken, Trompeten und einem Meer von serbischen Flaggen empfangen zu werden.

Ein Schuft, wer vermutet, dass Walders Anweisung auch an seine Redaktion in Serbien, einen Regierungskurs zu fahren, irgendeinen Einfluss auf die Verleihung der «serbischen Ehrenmedaille» an den Ringier-CEO gehabt haben könnte.

Ringier-Blatt verehrt Putin als Helden

Wie problematisch die notorische Nähe von Marc Walder zu den Mächtigen dieser Welt ist, zeigt sich in diesen Tagen exemplarisch am Ringier-Produkt «Blic», dem Pendant des schweizerischen «Blick». Das serbische Boulevard-Blatt fährt im Ukraine-Krieg einen propagandistischen Russland-Kurs und betreibt Heldenverehrung für Wladimir Putin. «Russland wärmt sich in der Ukraine gerade auf», titelte der «Blic» am 9. Juli. Illustriert war der Artikel mit zwei Grossaufnahmen von Putin und einem Bild des Kreml-Sprechers. Am 2. Juli lobte der «Blic» Putin als «entspannten Präsidenten». Und am 30. Juni, zwei Tage nach der Verleihung der Ehrenmedaille an Marc Walder aus der Hand des serbischen Präsidenten, brachte der «Blic» aus dem Hause Ringier mehrere Oben-ohne-Porträts samt Video von Putin, in denen sich der Kreml-Herrscher und Kriegstreiber als gestählten Kämpfer in Macho-Pose inszeniert. Übertitelt war der Artikel mit dem Putin-Zitat: «Wenn sie sich ausziehen würden, wäre das ein ekelhafter Anblick». Eine Anspielung auf die G7-Führer, die Putin kritisiert hatten, wie der «Blic» monierte.

Veganer Boulevard in der Schweiz

Bedenkt man, dass Serbien vor nicht allzu langer Zeit selbst einen brutalen Angriffskrieg gegen Nachbarstaaten auf dem Balkan geführt hat, bekommt die aktuelle Berichterstattung des Ringier-Blatts «Blic» zusätzlich einen üblen Beigeschmack. Während der «Blick» in der Schweiz die Regenbogen-Fahne der politischen Korrektheit hochhält und eine Art veganen Boulevard macht, jubelt das serbische Schwesterblatt «Kriegsheld» Wladimir Putin zu. Irgendwie ist das konsequent: regierungstreu ist schliesslich beides. Der Preis, den Ringier dafür bezahlt, ist der fortgesetzte Verlust der journalistischen Glaubwürdigkeit.

Mitarbeit: Mihajlo Mrakic

*Dieser Artikel erschien zuerst auf nebelspalter.ch. Mit freundlicher Erlaubnis des Autors.

Der Tiefflieger

Unser Bundesrat fliegt. Nur: wohin?

Ausserhalb der Schweiz wäre das ein Dauerbrenner für die sommerliche Saure-Gurken-Zeit. Ein Regierungsmitglied, dessen Partei eine traditionelle Flugshow verbieten will, gurkt im Privatflieger ins Ausland, kapriolt durch den Himmel und wird schliesslich von einem französischen Kampfjet zur Landung gezwungen.

Offenbar ist «Top Gun Alain» («Inside Paradeplatz») in ein militärisches Sperrgebiet eingedrungen. Der fliegende Bundesrat ist zunächst einmal ein flunkernder Bundesrat:

«Gegenüber der Nachrichtenagentur SDA gab der Innenminister an, er werde seine Ferien zusammen «mit der Familie in der Schweiz verbringen»

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Selbst die staatstragende NZZ greift zu frivolen Formulierungen:

«Ob der Bundesrat irgendwo Schnecken essen oder eine Freundin besuchen wollte, weiss man nicht.»

Immerhin erspart ihm die Autorin den Scherz mit Froschschenkeln oder Austern.

Einen sinnlosen Recherchier-Ausflug unternimmt Tamedia: «Bersets Cessna mit dem Kennzeichen HB-TDR steht auch Tage nach seiner Rückkehr prominent vor dem Hauptgebäude.» Dagegen trägt CH Media Finanzielles zur Untersuchung des Desasters bei: «Kostenpunkt: 489 Franken pro Stunde plus 63 Franken fürs Benzin.» Da scheint Berset aber sehr günstig getankt zu haben.

Aber vielleicht kommt doch noch eine gesalzene Rechnung auf ihn zu: «Einsatz der Luftpolizei – «Für Alain Berset kann es richtig teuer werden»», will «20Minuten» wissen.

nau.ch spannt den Spekulationsmuskel kräftig an:

Tamedia weidet sich hingegen an den gequälten Windungen der SP: «Keine inhaltlichen Kommentare gibt es bei der SP. Liv Mahrer, Co-Präsidentin der SP Stadt Zürich, die Flugshows am Züri-Fäscht verbieten will, sagt: «Der Bundesrat hat natürlich eine Vorbildfunktion. Das gilt für öffentliche Auftritte.» Sie möchte aber «nicht kommentieren, was SP-Bundesräte in ihrer Freizeit machen».

Samira Marti, die Inlandflüge verbieten wollte, ist nicht erreichbar. Cédric Wermuth, der Europaflüge verbieten wollte, weilt in den Ferien und verweist an Co-Präsidentin Mattea Meyer. Diese teilt per SMS mit: «Die SP verzichtet auf eine Stellungnahme.»»

Da und dort kommt man zu abschliessenden Forderungen: «Kurz: Es ist Zeit für einen Jobwechsel.» (Tamedia) «Fliegt Berset, der Vielflieger, nun aus dem Bundesrat? Anmerkungen zu einer tödlichen Bagatelle», macht Markus Somm vor kleinem Publikum im «Nebelspalter».

Inzwischen findet die NZZ wieder zur gewohnten zurückhaltenden Ausgewogenheit: «Rücktrittsforderungen an Alain Berset sind übertrieben. Der Bundesrat offenbart allerdings ein merkwürdiges Verständnis von «privaten Angelegenheiten». Irgendwo hört auch die Privatsphäre eines Regierungsmitglieds auf, und da begänne die öffentliche Verantwortung.»

Wohin und zu wem gurkte unser fliegender Bundesrat durch den französischen Himmel? Wieso behauptete er, mit seiner Familie Ferien in der Schweiz zu machen, während er mutterseelenallein im Flieger durchs Ausland düst? Das wären doch interessante Fragen, die ganze Sache ein gefundenes Fressen für den Boulevard. Aber offenbar durch die Hitze erschöpft fällt dem «Blick» nichts Langweiligeres ein, als «Krisenkommunikationsspezialisten» zu befragen, was die denn von Bersets Kommunikation, bzw. Schweigen hielten. Nicht viel, machen die Werbung in eigener Sache.

Über 500 Treffer verzeichnet das Medienarchiv SMD bislang zum Thema. Aber langsam verröchelt es und wird wohl bald einem Hitzschlag erliegen. Wenn nicht endlich mal ein Recherchierjournalist aufwacht und Neues zu Tage fördert. Prädestiniert dafür wäre Peter Hossli, der angeblich sowieso noch auf einem nicht-veröffentlichten Enthüllungsstück zum Thema Berset sitzt. Mit dem Rückenwind des Propellers einer Cessna wäre das doch nun die Gelegenheit …

Weiber!

Eine Literaturkritikerin kritisiert. Autorinnen! Furchtbar.

In der NZZaS sezierte die Redaktionsleiterin der Beilage «Bücher am Sonntag» das Kalkül hinter den Werken dreier Bestseller-Autorinnen. Dabei behandelt Martina Läubli die Methoden der Selbstvermarktung. Kritisch deskriptiv, aber keinesfalls bösartig.

Das kommt aber bei einer der drei Vorgeführten ganz, ganz schlecht an. Während Christine Brand und Seraina Kobler eher professionell es so sehen, dass «any news is good news» gilt, verwandelt sich die Beziehung-Spezialistin Claudia Schumacher in eine beleidigte Leberwurst. Aber wie:

Das Fremdwort Misogynie ist normalerweise für Männer reserviert (extreme Abneigung von Männern gegenüber Frauen), aber im weiblichen Furor wird es nun auch auf eine Geschlechtsgenossin angewendet. Denn die wagte zu erwähnen, wie sich Schumacher auf ihrer Webseite präsentiert:

Viel Bein, viel Aufmerksamkeit? (Screenshot claudiaschumacher.com).

Pardon, wir liefern noch den Oberkörper nach:

Frau trägt Männerhemd.

Da kann einem die Erwähnung solcher Selbstvermarktung glatt die Champagnerlaune über den Aufstieg in den Bestsellerlisten verderben:

Friede, Freude, Freundschaft und Bestseller:

Aber nun kommt doch diese Läubli, ist dummerweise kein Mann, und schreibt solche Sachen:

«Am gleichen Tag schreibt Seraina Kobler: «Von 0 auf Platz  9. Ich weiss nicht, was sagen.» Am 14.  Juni kommentiert Claudia Schumacher den Bestseller-Platz ihres Romans mit «CRAZY!». «Ich hüpf dann mal eine Runde im Zimmer rum.»»

Das ginge ja vielleicht noch, aber:

«Indessen feiern die Autorinnen ihren Erfolg nicht nur mit Champagner, sondern auch mit strahlenden Instagram-Bildern, von sich selbst, von sich selbst mit Buch, vom Cover ihres Buchs, von Bücherstapeln. Denn sie wissen: Ohne Aufmerksamkeit geht nichts. Im Kampf um dieses knappe Gut bringen sie ihre Person ins Spiel, posten Selfies, teilen die Posts der Kolleginnen, lächeln mit tiefroten Lippen (Schumacher), zeigen Bein (Schumacher, Kobler), die Föhnfrisur (Kobler) oder stimmungsvolle Fotos von Schreiborten in der Zürcher Altstadt und am Strand von Sansibar, wo Christine Brand als schreibende Nomadin zeitweise lebt. Beim Betrachten denkt man: Autorin zu sein, was für ein Lifestyle! Frau ist an schönen Orten, sieht gut aus, und am Ende kommt ein Bestseller heraus.»

Ist eine Beschreibung dessen, was die Damen tun. Aber so nicht, wütet Schumacher:

«Verbrennt die Hure, weibliche Features, Hass, Shaming», Schumacher dekliniert locker das Vokabular durch, mit dem sich Frau normalerweise gegen angeblich frauenhassende Männer wehrt. Sie werde auf ihr Äusseres reduziert, statt dass über Inhalte gesprochen werde. Dass Läubli nebenbei eine exzellente Kritik am Inhalt des Buchs von Schumacher abliefert, ist ihr offenbar vor lauter Äusserlichkeiten entgangen.

Immerhin, ein Kommentator bringt es dann auf den Punkt:

Nachdem Schumacher blitzartig von der WeWo zu Tamedia gewechselt hat, präsentiert sie sich übrigens so:

Um der Gefahr zu entgehen, als misogyner Mann denunziert zu werden, enthält sich ZACKBUM jedes Kommentars.

Ausser vielleicht: eine Autorin präsentiert sich mit ausgewählten Fotos – gerne auch als Ganzkörper — auf ihrer Webseite und kriegt sich nicht ein, wie ihr Buch die Bestsellerlisten erklimmt. Das wird von einer Fachfrau zum Anlass genommen, über die kalkulierte Selbstvermarktung von Schumacher und anderen nachzudenken.

Läubli wird auch noch vorgeworfen, dass sie doch schon vor einem Jahr solche Formen des Eigenmarketings kritisiert habe, unverschämt. Damals nahm sie ein solches Facebook-Foto zum Anlass für gelinde Kritik:

Lustige Huhn-oder-Ei-Frage: Ist das Foto der Autorin mit Manuskript auf nackten Oberschenkeln und roten Fussnägeln das Ei oder das Huhn? Darf es Anlass zu Kritik sein oder reduziert ein Naserümpfen die Autorin auf Äusserlichkeiten wie Schenkel und Fussnägel, die sie allerdings selbst zur Schau stellt?

Bei der Reaktion von Schumacher fällt einem spontan das Wort stutenbissig ein, aber das würden wir niemals hier anwenden. Auf keinen Fall. Ausgeschlossen. Eine beruhigende Erkenntnis nehmen wir mit: auch Frauen können misogyn sein. Oder zumindest so beschimpft werden, wenn einer Kritisierten die Kritik nicht passt und sie inhaltlich nicht dagegenhalten kann.

Serie Sommerloch: Zahlen der «Republik»

So ein Newsletter, der ist lustig. Wenn er von Dampfplauderern geschwurbelt wird.

Die Anrede ist neuerdings auf Denglisch, also teils deutsch, teils englisch: «Sehr geehrte Frau Verlegerin, Sehr geehrter Herr Verleger and everybody beyond».

Darunter gibt es zunächst einen grossen Schluck reine, bösartige Demagogie: «Am Ende warten die Echsenmenschen. Das sagt Ihnen nichts? Es geht da um die Theorie, dass Ausser­irdische auf der Erde schon lange die Macht übernommen haben. Dass in der Haut von Politikerinnen, Bankern, Industrie­magnaten in Wirklichkeit böse Echsen stecken, die die Menschheit unterjochen wollen

Daran würden viele Menschen glauben. Schuld daran seien auch «Menschen wie diejenigen Schweizer Medien­macher und Influencer, die in der Schweiz am rechten Rand seit Jahren ein Medien­biotop aufbauen, in dem Fakten keine Rolle mehr spielen. Im Zweiteiler «Die Infokrieger»» habe die «Republik» diese «Profis» vorgestellt. Über dieses Stück aus dem Klo der journalistischen Verrichtung haben wir schon gerichtet.

Nun geht’s aber um anderes. Um Niederlagen: «Wir lancierten einen Ukraine-Newsletter.» Damit wollte man an den Erfolg des Corona-NL anknüpfen. Aber: «Das hat überhaupt nicht funktioniert.» Nur «527 Neuanmeldungen». Woran das wohl liegt?

Zweiter Versuch: «In den Tagen nach dem russischen Einmarsch boten wir Ihnen auch an, die «Republik» für 8 Wochen an Freunde, Familie, Bekannte zu verschenken.» 3000 «Verleger» hätten davon Gebrauch gemacht und im Rahmen dieser Aktion rund 10’000 Einladungen ausgesprochen. «Republik», gratis, empfiehlt eine Vertrauensperson, das muss doch krachen. Allerdings: «Nur etwas über die Hälfte der Eingeladenen hat die Einladung auch angenommen – insgesamt 5199 dieser Zugänge wurden eingelöst.» Hoppla. Die andere Hälfte sagte also: nicht mal gratis lese ich das. Und von den Gratis-Benutzern wandelten «immerhin 342 Personen» in ein Monats- oder gar Jahresabo um. Weniger als 10 Prozent …

Das hindert die «Republik» aber nicht daran, ganze 8 «Neuzugänge» zu begrüssen. Denn wenn’s harzig läuft, ist das doch lange kein Grund, die Payroll nicht weiter aufzublasen.

Das ist auch – aus Sicht der «Republik» – dringend nötig, denn: «Wir denken jedenfalls nicht im Traum daran, den «Infokriegern» das Feld zu überlassen.» Denn dass auch die «Republik» Fake News, Demagogie, Skandalisierungen und Verschwörungstheorien kann, hat sie zur Genüge unter Beweis gestellt. Aber kein NL ohne eine knallige Schlusspointe. Oder so: «Und übrigens: Bei Echsen wächst das Schuppen­kleid nicht mit. Früher oder später müssen sie sich also alle häuten.»

ZACKBUM denkt seither vergeblich darüber nach, was uns die «Republik» damit sagen will. Natürlich während wir uns häuten …