• Home
  • QA
  • Links
  • Podcast
  • Video
  • Suche
  • Menü Menü

Schlagwortarchiv für: Alain Berset

René Zeyer

Wandeln auf dünnem Eis

4. Februar 2022/22 Kommentare/in Allgemein, Recherche/von René Zeyer

Ein veritabler Krimi: wurde in der NZZaS zensiert?

Medienkenner Kurt. W. Zimmermann liess in der «Weltwoche» eine kleine Bombe platzen. Chefredaktor Jonas Projer habe eine zweiteilige Story über das Liebesleben von Bundesrat Alain Berset gekippt.

«Reporter Hossli recherchierte monatelang über Bersets Liebesleben in seinem politischen Umfeld. Er redete mit mehreren Frauen, die intime Beziehungen zum Bundesrat hatten, unter anderem mit einer Diplomatin, einer Angestellten der Bundesverwaltung und einer Journalistin.»

Resultat: «Der erste Teil handelte von den diversen Gespielinnen des verheirateten Bundesrats und ging der Frage nach, ob Alain Berset dabei seine Macht und seine Privilegien missbraucht hatte. Im zweiten Teil ging Hossli auch auf das Thema ein, wie die Strafakten an die Öffentlichkeit gelangt waren, die im letzten Herbst die sogenannte Erpressungsaffäre Berset ausgelöst hatten.»

Soweit Zimmermann. Während die «Weltwoche» aus den ihr zugespielten Strafakten zitierte, trug Peter Hossli in der NZZaS noch das Detail nach, dass sich Berset von einem Liebeswochenende in Freiburg im Breisgau mit der Staatslimousine nach Bern zurückkutschieren liess. Allerdings ohne das in weitere Rechercheergebnisse einzubinden.

Man fragt sich nun, ob der Wechsel von Hossli an die Spitze der Journalistenschule von Ringier und der Abgang des Ressortleiters Hintergrund bei der NZZaS einen Zusammenhang mit dieser verhinderten Publikation haben.

Projer verteidigt sich in dieser ersten echten Bewährungsprobe in seinem Amt nicht sonderlich geschickt. Gegenüber Zimi soll er gesagt haben, dass er nicht bestätigen könne, dass es eine solche Berset-Story gegeben habe.

Nun tritt er auf persoenlich.com nach und erklärt, dass Artikel in der NZZaS erst dann publiziert würden, wenn eine Recherche hieb und stichfest sei und den hohen Qualitätsansprüchen der NZZ genüge.

Das heisst mit anderen Worten, dass das auf die Arbeit von Hossli nicht zutrifft, wenn nun allgemein akzeptiert ist, dass es die Recherche gab, der Artikel in zwei Teilen fertig geschrieben und laut Zimi juristisch überprüft vorlag und auch vom Ressortleiter Hintergrund befürwortet wurde.

Noch eins auf die Kinnlade von Projer

Hossli ist inzwischen zu Ringier gewechselt, auch Michael Furger ist von Bord gegangen und meldete sich auf Twitter zu Wort. Er kenne Hossli seit einigen Jahren und «keinen Journalisten, der höhere Qualitätsanforderungen an seine Arbeit stellt als er».

Das ist nun indirekt eins in die Kinnlade von Projer. Der hatte gerade die Chefredaktion auf- und umgeräumt und sich seiner Nummer zwei entledigt. Damit wollte er offenbar auch signalisieren: ich bin gekommen, um zu bleiben.

Es ist kein grosses Geheimnis, dass seine Einwechslung von «Blick TV» und seine Vergangenheit als Fernsehmann ohne grosse Printerfahrung nicht gerade Begeisterungsstürme bei der NZZaS-Redaktion auslöste. Zudem schmerzte die erst zweite Abservierung eines amtierenden Chefredaktors in der langen Geschichte der NZZ und der kurzen der NZZaS. Schliesslich gab es auch einen oder zwei interne Anwärter, die sich das Amt zugetraut hätten und auch gerne auf dem Chefsessel platzgenommen hätten.

Nun hat Zimmermann sicherlich nicht das Redaktionsarchiv der NZZaS geknackt und dort den Artikel von Hossli im Quarantänebereich gefunden. Natürlich wurde ihm das zugesteckt, und zwar entweder von Hossli selbst oder aus der Redaktion der Zeitung. Was bedeutet, dass wir an der Falkenstrasse so eine kleine Imitation der Verhältnisse in der Credit Suisse haben. Ein Heckenschütze versucht, Projer durch diese Indiskretion abzuschiessen.

Da ist die Frage, ob er – wie im Fall von Horta-Osório – noch mehr Pfeile im Köcher hat oder damit bereits am Ende seiner Möglichkeiten angelangt ist.

Zudem ist die Redaktion verunsichert, wie und ob ein weiterer Zusammenschluss mit der NZZ-Stammmannschaft stattfinden wird. Sollte die NZZ den Weg von Tamedia gehen, braucht es eigentlich nur mehr einen Frühstückdirektor bei der NZZaS. Oder Eric Gujer regiert gleich direkt durch.

Wirrungen und Weiterungen

Diese bislang von Projer leicht verstolperte Affäre könnte Anlass bieten, so aufzuräumen. Dann wären seine Gegner zwar Projer losgeworden, dafür aber direkt in die harte Hand von Gujer gefallen.

Lustige Ausgangslage: wer bei der NZZaS möglichst viel Autonomie behalten möchte, muss eigentlich Projer unterstützen. Ob der ihm passt oder nicht. Projer wollte auf Anfrage keine Stellung nehmen.

Lustig ebenfalls: Hossli sitzt nun auf einem fertiggeschriebenen Doppelstück, das zumindest die juristische Prüfung überstanden habe. Ob es qualitativ wirklich mässig ist? Das könnte man erst beurteilen, wenn es veröffentlicht würde. Auch er reagierte nicht auf eine Anfrage.

Nun ist es so, dass normalerweise der Autor im Besitz der Recht an seinen Werken ist. Nachdem Hossli bei der NZZaS nicht mehr in einem Abhängigkeitsverhältnis steht, es ganz danach aussieht, dass er seine neue Stelle als Leiter der Journalistenschule bei Ringier nicht als Kurzzeitengagement sieht, könnte er natürlich …

Schon alleine, um zu belegen, dass einer, der Journalisten ausbildet, sich den Vorwurf nicht gefallen lassen kann, er liefere qualitativ ungenügende Artikel ab. Auf der anderen Seite ist bekannt, dass das Haus Ringier und sein CEO dem Bundesrat Berset nicht unbedingt kritisch gegenüberstehen.

Man könnte es also so formulieren: würde Hossli seine Story anderweitig publizieren, hätte er ein zumindest arbeitsrechtliches Problemchen mit der NZZ. Zudem würde es dann wohl mit seinem Stellenantritt bei Ringier nichts. Also wird er das lassen.

Nun ist es unbestreitbar so, dass Christoph Mörgeli von der «Weltwoche» das Thema «Liebesleben eines Bundesrats» an die Öffentlichkeit brachte. So wie Zimi für seinen Artikel angefüttert wurde, bekam auch Mörgeli entsprechendes Material zugespielt. In beiden Fällen ist die spannende Frage: von wem?

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2022/02/Hossli5.jpeg 358 642 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2022-02-04 06:30:402022-02-03 19:07:13Wandeln auf dünnem Eis
René Zeyer

Nachtreten

7. Januar 2022/6 Kommentare/in Allgemein, Medienschelte/von René Zeyer

Wie der Herr, so das Gescherr. Statt zu schweigen, gurgelt die «Blick»-Chefredaktion durchs Abflussrohr.

Zunächst die gute Nachricht: auf einer Hierarchiestufe drängeln sich noch die Häuptlinge. Ganze sieben Nasen umfasst die «Chefredaktion der Blick-Gruppe». Die schlechte: Es ist nur eine einzige, sportliche Frau dabei. Ts, ts. Verwunderlich, dass man dennoch auf die Auflistung von Ladina Heimgartner verzichtet hat.

Die ist schliesslich nicht nur «Head Global Media», sondern auch «CEO Blick Group». Bedauerlich, so kommt ihr Lieblingswort «Resilienz» kein einziges Mal vor.

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

  • Twint
  • Mastercard
  • Visa
  • Amex
  • PayPal

Ist denn immer noch nicht alles gesagt? Aber nein:

Wenn gleich sieben Köche einen Meinungsbrei anrühren, dann muss man sich nicht wundern, dass Gordon Ramsay («In Teufels Küche») echten Handlungsbedarf sähe. Während der Chäf himself einen sauberen Text hinlegte («Augenmass»), kommen nun elendslange 6000 A Geschmürzeltes, Geheucheltes, Gehacktes, Weichgespültes und Verkochtes hinzu.

Während Michael Ringier auf dem Boulevard spaziert, schiesst sich diese Versammlung gleich selbst ins Knie:

««Auf meine Initiative hin», «wir wollen die Regierung unterstützen» – herausgepickt kann das tatsächlich nach Befehlsausgabe, nach Appell zu Regierungshörigkeit klingen. Die Äusserungen unseres Chefs rücken uns in ein falsches Licht. Marc Walder hat sich bei der Redaktion entschuldigt, er bedauert seine Wortwahl.»

Wieso eigentlich? Gab es diese Initiative denn nicht? Was bedauert Marc Walder denn? Dass er darum bat, diese Bemerkungen sollten im kleinen Kreis verbleiben, denn es sei ja nichts Geheimes daran. Dann hat er sich bei der «Bild» entschuldigt, die er anrempelte. Schliesslich hatte er gelobt, dass der «Blick» nur mit Wattebäuschen nach der Regierung wirft.

Die Lächerlichkeit dieser Stellungnahme der Unterhäuptlinge liegt darin, dass sie etwas bestreiten wollen, was unbestreitbar ist:

«Denn es ist klar: Es gab nie einen «Befehl», und Blick hätte ihn auch nicht ausgeführt. Es ist nicht die Kultur, die wir bei Ringier kennen. Die Corona-Berichterstattung der vergangenen fast zwei Jahre zeigt es. Blick war nicht regierungstreu, sondern nach bestem Wissen und Gewissen faktentreu.»

Dann wird’s so peinlich, dass es beim Lesen wehtut:

«Im Newsroom hängt ein Manifest, das für alle Blick-Journalistinnen und -Journalisten verbindlich ist. Darin steht unter anderem: «Wir treten für Transparenz und Aufklärung ein. Wir berichten über Missstände, unabhängig davon, ob das den Verantwortlichen und Betroffenen nützt oder schadet.» Regierungshörigkeit wäre das Gegenteil davon.»

In welcher Welt leben diese Chefredaktoren?

Der Gesundheitsminister Alain Berset wurde harsch kritisiert? Durfte nicht als Dressman und Interviewer durch ein Ringier-Magazin tänzeln? Seine aussereheliche Affäre wurde nicht kleingeschrieben, der Einsatz von martialischen Polizeitruppen nicht als durchaus sinnvoll gerechtfertigt? Come on, you’re kidding, wie der Ami sagt.

Passt irgendwie zusammen …

Diese «Stellungnahme» wurde von einem Chefredaktor mitunterzeichnet, der nicht davor zurückschreckt, von der offiziellen Linie abweichende Staatsbürger als «totalitär» zu beschimpfen und ihr Verhalten mit den Massenmördern Hitler und Stalin zu vergleichen.

Soll man diesen Herren (und der einzigen Dame) als Beispiel unter vielen vorhalten, wie sie über die Affäre «Walliserkanne» berichtet haben? Faktentreu? «Die Einheimischen sind erleichtert, dass das Treiben der Skeptiker gestoppt wurde. Die meisten sind froh, dass sie dank dem Zertifikat wieder normal arbeiten können – und freuen sich auf die Wintersaison.» Und wie sülzte Oberchefredaktor Christian Dorer: «Weil sie sich bis zur Verhaftung allen Corona-Regeln widersetzten, wurden die Wirte der Walliserkanne in Zermatt landesweit bekannt. Doch trotz allem Rambazamba unterstützt die überwiegende Mehrheit den Kurs der Vernunft.»

Ganz objektiv, regierungskritisch, unabhängig und ausgewogen meinte Dorer:

«Wer die Corona-Immunisierung ablehnt, verlängert die Pandemie, stresst die Spitäler und schadet den Geimpften.»

Oder müssen wir Dorer daran erinnern, wie er sich als Trump-Groupie gebärdete und sich nicht einkriegte, als der höchstpersönlich eine ihm untertänig entgegengestreckte «Blick»-Ausgabe signierte? Atemlos durch die Macht berichtete das Blatt: «Christian Dorer will ihm einen Kugelschreiber geben, doch Trump will lieber seinen eigenen schwarzen Filzstift.» Wahnsinn.

Die «Blick»-Häuptlinge zeigen Haltung. Und was für eine …

Aber einem Satz im aktuellen Gemurmel kann man zustimmen: «Wir zeigen Haltung.» Das tut auch ein Bückling. Ein Wendehals. Ein Opportunist. Ein Gummirücken. Eine Windfahne.

Aber wozu viele Worte verlieren; als Absackerchen zwei Beispiele für die verantwortungsvolle, tiefschürfende und hochstehende Berichterstattung:

Man stelle sich vor, was «Blick» sülzen und toben würde, wenn das dem Ringier-Liebling Roger Federer passierte. Aber wenn’s einer ist mit einem -ic am Ende des Namens:

«Qualis dominus, talis et servus.» Das ist Latein und bedeutet «Wie der Herr, so auch der Sklave». Dabei gilt allerdings auch die alte Indianerweisheit: Der Häuptling singt immer am schönsten. Das trifft hier eindeutig zu. Marc Walder sagt schlichtweg die Wahrheit. Michael Ringier wirft sich für ihn mit einem eleganten Kommentar in die Bresche.

Was wäre eine gute Stellungnahme gewesen?

Die «Chefredaktion der Blick-Gruppe» hingegen entlarvt sich einmal mehr als eine Versammlung von Nulpen. Man stelle sich nur die Wirkung vor, wenn statt dieses Gewäschs eine wirklich mutige Stellungnahme erfolgt wäre:

Natürlich folgen wir den Vorgaben aus der Teppichetage. Natürlich wollen wir uns in der Gnade und dem Wohlgefallen des Besitzers und des CEO sonnen. Das kann doch nicht anders sein, denn seit wann folgt der Lohnabhängige und Weisungsgebundene nicht den Anregungen des Brötchengebers und Chefs?

Mit diesem Eingeständnis des Offenkundigen hätte diese Versammlung tatsächlich mal ein Zeichen gesetzt.

Jeder, der länger als ein paar Monate im Journalismus arbeitet, hat schon erlebt, dass eine Idee, ein Artikel, eine Kritik, unabhängig von Richtigkeit und Relevanz, einfach abgelehnt wurde. Mit oder ohne Begründung, aber eindeutig wegen: nein, das passt nicht in unsere Richtung. Nein, das sähe spätestens Ringier-Walder, Coninx-Supino oder Wanner-Wanner ganz anders. Auch das wird gesagt, allerdings nur hinter vorgehaltener Hand und so, dass es jederzeit abgestritten werden kann.

Aber Vorsicht, nicht nur ZACKBUM kennt genügend Beispiele dafür.

Journalismus verreckt nicht an wegbrechenden Einnahmen oder Lesern. Er verreckt nicht mal an der Unfähigkeit der Medienmanager. Er verreckt an seiner offenkundigen, unappetitlichen, widerwärtigen Heuchelei.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2021/04/Blick_neu.jpeg 247 479 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2022-01-07 07:00:342022-01-06 16:09:44Nachtreten
René Zeyer

Das grosse Schweigen

13. Dezember 2021/4 Kommentare/in Allgemein, Skandal/von René Zeyer

Es wird einsam um Jolanda Spiess-Hegglin. Man verharrt in feigem Schweigen.

Kein Hass- oder Hetzkommentar von der Kämpferin gegen Hass und Hetze im Internet. Nun ja, fast: Es seien harte Tage. «Nicht, weil die alten, widerlichen Typen an ihren Bürotischen sich nahezu einen runterholen, weil sie sehen, dass ich gewisse Sachen nicht bewältigen kann. Sie grölen. Sie lechzen. Weil wir – ich – den ganzen Sommer und Herbst dermassen am Anschlag war.»

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

  • Twint
  • Mastercard
  • Visa
  • Amex
  • PayPal

Einen runterholen? Wäre eigentlich ein Fall für Netz Pig Cock. Aber es ist kein Anlass für Scherze: «Ich bin so müde», gesteht Spiess-Hegglin. Und stellt unbewiesene Behauptungen auf: «Das Umfeld von Glarner wusste schon vor 2 Wochen, dass uns das EBG die Unterstützungsgelder streicht. Ich hingegen musste mich innerhalb von 24 Stunden organisieren und in Stellung bringen.»

Das linke Gleichstellungsbüro im Department von SP-Bundesrat Alain Berset informierte SVP-Glarner vorab? Echt jetzt?

Aber noch bedrückender ist: Die Medienmitteilung auf Facebook bekam 2 Kommentare und wurde 4 mal geteilt. Dieser Stossseufzer erhielt 34 Kommentare (nicht sichtbar) und 192 Likes.

Hansi Voigt, der sonst keine Gelegenheit auslässt, einer guten Sache mit schlechten Sprüchen zu schaden – verstummt. Ein schlapper Retweet eines anderen, der die kurze Stellungnahme von Spiess-Hegglin tweetet. Dabei ist Voigt im Beirat von #netzcourage, da könnte man etwas Solidarität erwarten. «Das Lamm», Daniel Ryser, alle grossen Worthelden, ohne Worte.

Warum schweigen fast alle, so viele?

«Bajour»? Lieber «6 Optionen, wo du am Sonntag in Basel brunchen kannst» vom 27. Oktober (immerhin 2021) zuoberst auf der Webseite. «Republik»? Sprachlos. All die Twitter-Kings, die Fans, die sofort zuschnappen, wenn ihr Idol «fass» sagte? Ein müder Versuch, «#wirsindnetzcourage» trenden zu lassen, was Spiess-Hegglin gleich munter mit «Neiiiin! Nicht auch noch Platz 1» anfeuert.

Besonders betrüblich ist auch das verkniffene Schweigen von Hardcore-Unterstützern. Der seinem Namen alle Schande machende Verein «Fairmedia» hatte eine eigene Fanpage für Spiess-Hegglin aufgeschaltet, wo man unter «Team Jolanda» Geld abdrücken kann. Der Geschäftsführer und ehemalige «TagesWoche»-Bruchpilot Jeremias Schulthess geruht erst gar nicht, auf die höfliche Presseanfrage zu reagieren, wie sich der Verein denn zu diesem Entscheid des Bundeamts positioniere.

Gleich reagiert auch die Interimspräsidentin des Vereins Netzcourage, obwohl Liliane Ritzi doch als Auskunftsperson für weitere Fragen auf der Medienmitteilung angegeben ist. Von ihr wollte ZACKBUM unter anderem wissen, wohin denn Geschäftsbericht, Kommunikationskonzept und Code of Conduct verschwunden sind, die bis vor Kurzem noch auf der Webseite standen. Damals spreizte man sich, wie transparent man doch sei. Und heute?

Eine fehlende Reaktion ist besonders widerwärtig

Am widerwärtigsten ist aber die Reaktion von ganz anderer Seite, Beziehungsweise das dröhnende Schweigen der erregten 78 Tamedia-Frauen. Man erinnert sich? Deren Protestschreiben über unerträgliche Zustände auf den Redaktionen von Tamedia wurde via Spiess-Hegglin in die Medien eingespeist und sorgte dann für grosses Hallo. Ob das allen Unterzeichnern passte oder nicht: diese Publizität hatten sie ihr zu verdanken.

Nun ist Spiess-Hegglin selbst etwas in einem dummen Rank. Wann, wenn nicht jetzt solidarisch sein? Wo ist denn Salome Müller, Aleksandra Hiltmann, wo sind alle anderen, wenn man sie mal bräuchte? Wenn es etwas Rückgrat bräuchte? Da bislang keine der 78 Journalistinnen geruhte, auf mehrfache höfliche Anfragen von ZACKBUM zu reagieren, haben wir diesmal darauf verzichtet.

Da tun alle so, als wäre Spiess-Hegglin schon waidwund, auf der Verliererstrasse. Da folgt man doch lieber dem Beispiel der beiden Nationalrätinnen Funiciello (SP) und Gysin (Grüne): nichts wie weg. Abtauchen, Schnauze halten. Abwarten, woher der Wind weht, wie sich die Sache entwickeln wird. Und erst dann wieder aus den Löchern kriechen, wenn man weiss, wo der Sieger steht.

Was soll man, was darf man zu den charakterlichen Befindlichkeiten all dieser Menschen sagen? Leider nichts, was nicht juristische Verwicklungen nach sich ziehen würde.

 

 

 

 

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2021/12/Schweigen2.jpeg 349 699 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2021-12-13 06:30:382021-12-11 23:17:51Das grosse Schweigen
René Zeyer

Werbemüll im Internet

24. September 2021/0 Kommentare/in Allgemein, Werbewelt/von René Zeyer

Die Kostenfreiheit fördert Sumpfgebiete.

Mehr als die Hälfte aller E-Mails weltweit sind Spam. Also unverlangter Werbemüll. Das ist ein ziemlich hoher Haufen, denn 2021 dürften rund 320 Milliarden E-Mails versandt und empfangen werden. Pro Tag.

Obwohl sich der Aufwand für das Abfeuern von Spam in überschaubaren Grenzen hält, würde er nicht betrieben werden, wenn es nicht zumindest kostendeckend genügend Deppen gibt, die darauf reinfallen.

Also Produkte zur Penisverlängerung kaufen wollen, angeblich totsichere Geldanlagen ausprobieren möchten. Den Reizen einer Dame erliegen, die sich einfach so und spontan unsterblich in den Empfänger verliebt hat. Natürlich jede Menge Schnäppchenpreise ausnützen wollen, das neue iPhone für 100 Stutz, kein Problem, nur ist die Anzahl beschränkt, sofort zuschlagen. Oder lieber gleich ein Testgerät, selbstverständlich gratis?

Es gibt auch einigermassen cleveren Spam

Es gibt auch aufwendigere, sowie fiesere Lockmails. Der Verwandte eines afrikanischen Potentaten, der ungetreue Buchhalter mit Prokura, der sterbenskranke Reiche, die alle nichts lieber täten, als dem Empfänger einen beeindruckend grossen Geldberg zu schenken.

Nett sind auch die Erpressermails; man habe den Empfänger bei unsittlichem Tun vor seiner Computer-Kamera beobachtet, der Inhalt der Festplatte werde verschlüsselt und anschliessend geschrottet, peinliche Videos an alle Bekannten und Verwandten verschickt, wenn nicht …

Es gibt auch immer wieder Konjunkturwellen, als hätten sich weltweit die Spamer auf Modeerscheinungen geeinigt. So war es eine Weile üblich, dass mit dem Absender eines tatsächlich vorhandenen Mailkontakts ein Hilferuf abgesetzt wurde. Die Person sei im Ausland in einer finanziell prekären Situation, der nur durch die sofortige Überweisung eines vierstelligen Betrags abgeholfen werden könnte, per Western Union oder so, asap.

Adressen sammeln, Spam schleudern, alles fast gratis

Der bedeutendste Kostenfaktor dabei ist das Aufkaufen von E-Mail-Adressen. Wobei sich auch der in überschaubaren Grenzen hält. In trüberen Gewässern des Internets kriegt man solche Pakete, zum Beispiel eine Million Adressen aus Deutschland, für schlappe 25 $.

Will man etwas selektionierter vorgehen, also nach Alter, Kaufkraft oder Affinität zu Online-Käufen unterscheiden, wird’s ein wenig teurer. Das Versenden, wenn man ein Botnet verwendet, also ein Netz von ohne Wissen der Besitzer gekaperten Computern, ist ebenfalls kriminell billig.

Bleibt nur noch der heikelste Punkt, die Geldübergabe. Aber da bietet die schöne, neue Welt der Kryptowährungen ganz ungeahnte Möglichkeiten. Oder aber die immer noch existierenden Bargeldüberweisungssysteme oder Finanzhäuser in den vielen Gegenden der Welt, wo die Rechtsstaatlichkeit nicht wirklich ausgeprägt ist.

Neben Mails gibt es auch Inseratespam

Es gibt auch eine Art Werbe-Spam, der alle Plattformen zumüllt, die sich entschieden haben, Google Ads Plätze zu vermieten. Der grosse Vorteil für den Besitzer der Webseite: er muss sich nicht um Vermarktung, Belegung und alles Administrative kümmern. Besonders für kleinere Plattformen, die nicht über die Möglichkeit einer eigenen Akquise verfügen, ergeben sich hier sehr willkommene Zusatzeinnahmen.

Downside ist aber, dass der Leser gelegentlich mit Müll belästigt wird, der nervt. Auch das sind Wellen, das Grundprinzip einer Form des Werbespams ist immer das Gleiche. Es wird eine bekannte Persönlichkeit genommen, in der Schweiz sehr beliebt Roger Federer zum Beispiel, der habe mit einer neuen Geschäftsmethode unglaubliche Gewinn erzielt; wer sich davon einfangen lässt, wird auf eine Webseite geleitet, die diese Story mit angeblichen Berichten aus seriösen Medien untermauert.

Es gibt auch erheiternde Beispiele

Das nervt und weckert. Ausser bei der neusten Variante. Denn offensichtlich haben die hier verwendeten Algorithmen ausgerechnet, dass ein Schweizer Bundesrat so sehr im Gespräch ist, dass er sich als unfreiwilliger Werbeträger eignet.

So lächelt einem Knutschkugel Alain Berset mit einer verfänglichen Botschaft entgegen:

Das bringt wenigstens etwas Humor in dieses trübe Thema, obwohl mit seinem Foto keine Werbung für Potenzmittel gemacht wird:

Ach, wer sich fragt, wieso die Missbrauchten sich nicht dagegen wehren: viel Spass beim Kampf mit einem schmierigen Server in Usbekistan, Vanuatu oder Kasachstan. Oder mit Google Ads.

PS Das hier ist weder Werbung, noch Spam:

 

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

  • Twint
  • Mastercard
  • Visa
  • Amex
  • PayPal
https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2021/09/Spam3.jpeg 547 916 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2021-09-24 06:00:292021-09-23 14:15:11Werbemüll im Internet
René Zeyer

Knutschkugel Berset

18. September 2021/4 Kommentare/in Allgemein, Skandal/von René Zeyer

Die WeWo zündet eine Bombe. Die Mainstream-Medien in Schockstarre.

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

  • Twint
  • Mastercard
  • Visa
  • Amex
  • PayPal

Das Wochenmagazin wirft dem Bundesrat Alain Berset Unerhörtes vor. Zwecks Bodigung der Folgen einer ausserehelichen Affäre habe der seine Machposition brutal ausgenützt.

Genauer: Der SP-Politiker habe «die Unwahrheit gesagt, Bundesbeamte missbraucht und Steuergelder verschleudert». Happige Vorwürfe; sollten sie sich bewahrheiten, haben wir eine veritable Staatsaffäre.

Was wir jetzt schon haben, ist eine Medienaffäre. Ab Donnerstagmorgen spätestens um 7 Uhr war die «Weltwoche» mit ihrem Cover am Kiosk erhältlich. Mit einer Bombenstory, mitten hinein ins langweilige Grau der Bundespolitik. Ein gefundenes Fressen für alle Medien.

Nur: kein Schwein schaut. Einzig «Inside Paradeplatz» berichtet sofort, was dort die Klickzahlen durch die Decke jagt, über 100’000 Leser hat der Artikel inzwischen. Rekord. Es berichtete noch «Die Ostschweiz» und natürlich ZACKBUM über die Medienresonanz.

Über 100’000 and counting: Klick-Rekord für den Finanzblog.

Was ist aber mit Tamedia, CH Media, Ringier, NZZ und SDA? In ihren Verrichtungsboxen in den Newsrooms sind die Kindersoldaten doch darauf getrimmt, jede Meldung sofort aufzunehmen, die Klicks generieren könnte. Denn das ist die Währung im Tagesgeschäft der Newsverbreitung.

Blick in einen Schweizer Newsroom.

Aber Wunder über Wunder: nichts ist. Schweigen herrscht. Man kann nun annehmen, dass es erst Chefentscheide brauchte, ob man der ungeliebten Konkurrenz, dem «SVP-nahen Organ», der Köppel-Postille den Gefallen tun soll, sie zu zitieren. Und Chefs stehen üblicherweise nicht so früh auf wie Roger Köppel, der in aller Herrgottsfrühe bereits die Schweiz mit seinem «Weltwoche Daily» beschallt.

Schweigen im Blätterwald, dröhnendes Schweigen

Aber der Donnerstag geht ins Land, nichts. Nichts am Morgen, nichts am Mittag, nichts am Nachmittag. Die vielen rasenden Reporter von SRF haben es selbst einen Tag später noch nicht für nötig gehalten, den wohl grössten Polit-Skandal seit Elisabeth Kopp zur Kenntnis zu nehmen. Bei der ersten Bundesrätin reichte übrigens das Herumdrucksen wegen eines Telefonats an ihren Gatten, damit sie so unter Druck geriet, dass sie zurücktrat.

SRF-Top News am Tag danach: gut investierte Gebührenmilliarden.

Aber doch nicht bei unserem Gesundheitsminister. Der trägt doch immer so scharf geschnittene Anzüge mit schmalen Krawatten, endlich etwas Clooney-Effekt in Bundesbern. Der hat doch so einen süssen welschen Akzent, und dann diese Augenbrauen unter der Glatze. Eine Knutschkugel halt.

Erst gegen Abend – und wie von seiner Kommunikationsabteilung bestellt – wagen sich CH Media, NZZ, Tamedia und «Blick» an das Thema heran. Allerdings alle mit dem Tenor: ach, alles halb so wild. Die WeWo, typisch Parteiblatt, übertreibt masslos.

Die Pille danach: die alte Tante rafft sich endlich auf.

Anhand des jetzigen Wissensstands werde die Affäre für den Gesundheitsminister kaum politischen Konsequenzen haben, meint die NZZ staatstragend. Sie will immerhin wissen, dass die Geliebte fälschlicherweise Geld für eine Abtreibung einer vom Bundesrat hergestellten Leibesfrucht gefordert habe, es handle sich in Wirklichkeit um die Einnahme einer Pille danach.

Das Recherchierblatt will sogar wissen: «Polizeiliche Ermittlungen legen offenbar den Schluss nahe, dass es sich bei der angeblichen Abtreibung um die Einnahme einer sogenannten Pille danach gehandelt haben dürfte – allerdings mehrere Monate nach Beendigung der Beziehung mit Berset, also im Zusammenhang mit einem anderen Partner. Die Konfrontation mit diesen Fakten soll die Künstlerin dazu bewogen haben, die schriftliche Vereinbarung mit Berset zu unterzeichnen.»

CH Media vermeldet, dass SVP-Nationalrat Alfred Heer in der Aufsichtskommission den Antrag stellen wird, diese Affäre genauer zu untersuchen. Was bedeutet: das wird dauern und das Resultat wird keinen Menschen mehr interessieren, wenn es publiziert wird.

CH Media, aufgewacht nach Tiefschlaf.

Tamedia hat immerhin vier seiner wenigen verbleibenden Journalisten in die Schlacht geworfen, um zu titeln: «Weltwoche» erhebt schwere Vorwürfe gegen Bundesrat.» Eingeschnappt vermeldet der Konzern, dass sich die WeWo auf eine Strafakte beziehe, «die dieser Zeitung nicht vorliegt.

Ob alle Informationen korrekt und vollständig wiedergegeben sind, lässt sich daher nicht verifizieren».

Bei CH Media wird Parteigenossen von Berset natürlich die Gelegenheit zum Zünden der üblichen Blendgranate gegeben: «Parteikollegen von Berset versuchen, die Aufregung als parteipolitisch motiviert darzustellen. Schliesslich stammt die Artikelserie von Ex-SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli, und das Magazin wird von SVP-Nationalrat Roger Köppel herausgegeben. Und nun beantragt SVP-Nationalrat Heer eine Untersuchung der GPK.»

Alles easy, alles gut: der «Blick» knutscht den Bundesrat von oben und unten ab.

Den Vogel schiesst aber der «Blick» ab. Der nähert sich dem Halszäpfchen des Bundesrats von unten und knutscht gleichzeitig den Magistraten von oben ab. Muss man mal hinkriegen.

  • Sondereinheit Tigris im Einsatz? Ach, da gab es eben Drohungen aus Deutschland, und wusste man, ob die Erpresserin damit nichts zu tun hatte? «Involvierte sprechen von einer «Gefährdungssituation». Es war unklar, ob das Erpresser-Mail damit in Verbindung stand oder nicht.»
  • Amtsmissbrauch? Ach was, «da die Erpresserin aus Bersets persönlichem Umfeld stammte, schaltete der Innenminister gleichentags privat den Berner Anwalt Patrik Eisenhut ein.»
  • Missbrauch von Bundesbeamten? I wo, «die Vorwürfe lassen sich kaum stützen. So hat Bruhin (Bersets Stabschef, Red.) wohl etwa zwei Arbeitsstunden fürs Bearbeiten der Erpressung aufgewendet – auch weil man die Verbindung zur Gefährdungslage eruieren musste, sagen zwei Involvierte».
  • Verfahren gegen Berset? Ausgeschlossen, hingegen müsse die WeWo mit einer Anzeige wegen Verstosses gegen das Amtsgeheimnis rechnen, unkt «Blick».

Peinlich ist gar kein Ausdruck, wie die grossen Medienhäuser mit dieser Affäre bislang umgehen. Nur dem Schweizer Farbfernsehen kann man keinen handwerklichen Fehler vorwerfen. Wer die Hände im Schoss hat, macht keinen.

Skandalträger links, Hutträger rechts.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2021/09/Berset16.jpeg 361 584 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2021-09-18 07:00:122021-09-17 10:11:11Knutschkugel Berset
René Zeyer

Berset-Bombe: Betretenes Schweigen

17. September 2021/14 Kommentare/in Allgemein, Skandal/von René Zeyer

Schweizer Politik ist langweilig. Ist sie’s mal nicht, wird drüber geschwiegen.

 

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

  • Twint
  • Mastercard
  • Visa
  • Amex
  • PayPal

Es war die Ente des Nachrichtenmagazins «Facts». Es berichtete 1999 in Andeutungen darüber, dass sich angeblich ein aus einer Stumpendynastie stammender Bundesrat im Berner Rotlichtmilieu herumtreiben würde.

Selbst wenn man das hätte belegen können: das tut man in der Schweiz nicht. «Facts» krebste zurück, der Chefredaktor entschuldigte sich, die übrigen Medien schäumten über diese Grenzüberschreitung, diesen Tabubruch.

Seither ist das Liebesleben führender Politiker wieder Privatsache. Bis Alain Berset kam. Über ein aussereheliches Techtelmechtel des lebensfrohen Bundesrats wurde mit mehr oder minder langen Fingern berichtet. Und es flugs als seine Privatangelegenheit erklärt, in der nur Schmutzfinken und/oder politische Gegner herumwühlen wollten.

Sogar der Name der Angebeteten machte mehr oder minder verhüllt die Runde, es solle sich um eine Musikerin handeln. Pikant: sie werde von einem der vielen Subventionstöpfe des Schweizer Staates unterstützt. Aber damit entschlief die Story auch selig.

Bis nun die «Weltwoche» eine Bombe platzen liess. Laut Untersuchungsakten habe es tatsächlich eine mit Dokumenten belegte, heisse aussereheliche Liebesaffäre des Magistraten gegeben. Das sei im Jahr 2012 geschehen, im November 2019 habe dann die abgelegte Geliebte von Berset die Übergabe von 100’000 Franken gefordert; zur Begleichung von angeblichen «Schulden» und für die Kosten, die eine Abtreibung verursacht habe.

Ein Skandal? Was für ein Skandal, meinen die Mainstream-Medien.

Damit wurde die pikante Beziehung öffentlich; Berset reichte Strafanzeige ein, die Dame wurde wegen versuchter Erpressung verurteilt. Im Vorfeld hatte der Bundesrat seinen Stabschef damit beauftragt, mit der Erpresserin Kontakt aufzunehmen und sie von ihrem Vorhaben abzubringen, an die Öffentlichkeit zu gehen oder Kontakt mit Bersets Frau aufzunehmen.

Zitate aus brisanten Untersuchungsakten, fröhlich enthüllt

Laut Untersuchungsakten soll die Dame per E-Mail gedroht haben:

«Wenn herauskommt, dass Herr Bundesrat seine Frauengeschichten durch einen vom Staat finanzierten Sekretär abhandeln lässt, könnte sich die Täterrolle wegen Amtsmissbrauchs auf Ihren Chef wenden.»

Da war dann natürlich Feuer im Dach, die Affäre wollte «alles auf den Tisch legen» an die Öffentlichkeit gehen und Strafanzeige wegen Nötigung und Amtsmissbrauch stellen.

Daraufhin wurde die Frau von der Elite-Einsatztruppe «Tigris» der Bundesanwaltschaft verhaftet, ihre Wohnung durchsucht und ihre Computer beschlagnahmt. Am 14. September 2020 wurde sie wegen «versuchter Erpressung» verurteilt. Dann die plötzliche Wende, laut «Weltwoche»:

«Plötzlich nahm sie per vierseitigem zivilrechtlichem Dokument unter Entschuldigung an die Adresse des Ehepaars Berset sämtliche Vorwürfe zurück. Weder habe ihr Alain Berset ein späteres gemeinsames Leben versprochen noch sei sie von ihm schwanger gewesen noch habe er sie zum Abbruch der Schwangerschaft genötigt und dafür 100 000 Franken versprochen.»

Eine Stillschweigensvereinbarung legt den Mantel des Schweigens über die Vorfälle, im Gegenzug soll BR Berset auf alle Forderungen wie Parteienentschädigung verzichtet haben.

Sollten diese Exzerpte von offiziellen Untersuchungsakten zutreffend sein, handelt es sich um einen veritablen Politskandal, käme endlich Farbe in den beamtengrauen Berner Bundesratsalltag. Wäre das Überstülpen eines Treichler-T-Shirts Pipifax dagegen.

So sieht ein Skandal aus – laut Tamedia.

Darüber schüttete Tamedia auf einen Schlag drei Artikel, geschrieben von vier der wenigen überlebenden Redaktoren. Hier wird nun einem Magistraten Amtsmissbrauch und der Einsatz von Herrschaftsmitteln sowie Personal vorgeworfen, um aus einer Liebesaffäre so unbeschädigt wie möglich herauszukommen.

Sollte sich das bewahrheiten, wäre das ein Knaller, der möglicherweise mit einem Rücktritt enden müsste. Also eigentlich DAS Thema des Tages, wenn nicht der Woche.

Vom Treicheln betäubt oder neidisch?

Status im Mediensumpf: dröhnendes Schweigen. Null, nix, nada. Gar nicht erst ignorieren, kein Wort drüber. Was macht eigentlich Bundesrat Maurer, was gibt’s zum Abendessen und wird es am Wochenende wohl regnen?

Erst nach längerem Grübeln erschienen am Donnerstagabend die ersten Meldungen in der NZZ, Tamedia oder auf CH Media. Tenor: alles kein Ding, Privatsache, kein Fehlverhalten des Bundesrats erkennbar.

Geradezu abenteuerlich legt sich der «Blick» für den Bundesrat ins Zeug. Der Einsatz der Sondereinheit «Tigris» habe damit zu tun, dass BR Berset damals mit Drohanrufen belästigt worden und es nicht klar gewesen sei, ob die Erpresserin damit etwas zu tun habe.

Der «Blick» wäscht weisser.

Damit wird der Berset-Skandal noch zu einem Medien-Skandal. Bei allem Neid, bei allem Hass, bei aller Aversion gegen die «Weltwoche»: das ist nun ein Primeur erster Güte, der sofort vermeldet werden müsste. Wenn der Journalismus der Mainstream-Konzerne noch Minimalanforderungen an Qualität und Berichterstatterpflicht genügen würde.

Es sei im Übrigen kein Fehlverhalten Bersets erkennbar, weiss das Boulevardblatt: «Die Vorwürfe lassen sich kaum stützen.» Das Verfahren wegen Erpressung sei abgeschlossen, fügt es mit drohendem Unterton hinzu, aber es «könnte wegen des Artikels ein Verfahren geben».

Nur IP vermeldet sofort – und bricht damit alle Visitors-Rekorde mit über 100’000 Lesern.

Ein weiteres Beispiel dafür, dass es wirklich keinen Grund gibt, die veranstaltenden Verlegerclans für solche Leistungen mit einer weiteren Milliarde Steuergelder zu unterstützen. Das haben sie wirklich nicht verdient.

Psst! Nicht an die grosse Glocke hängen.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2021/09/Berset2.jpeg 146 869 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2021-09-17 06:00:162021-09-16 23:28:30Berset-Bombe: Betretenes Schweigen
René Zeyer

Bei Geburt getrennt?

9. Juni 2021/16 Kommentare/in Allgemein, Skandal/von René Zeyer

Kellyanne Conway mit ihren «alternativen Fakten» und Alain Berset mit seiner «Wahlfreiheit» bei Corona? Einmal blond, einmal blank. Aber sonst?

Nehmen wir, aber nur der Gemeinheit halber, die Berichterstattung des «Blick» über einen Medienauftritt unseres sympathischen Gesundheitsministers. Wie immer scharf geschnittener Anzug, schmale Krawatte, sorgfältig rasierter Schädel (ausser natürlich die Augenbrauen, Berset wäre nur halb so viel ohne Augenbrauen).

Und dieser knuddelige welsche Dialekt, einfach zum Abknutschen. Das spielt auch eine gewisse Rolle in seinem Leben, aber das soll hier nicht Thema sein. Sondern ein paar Ausführungen unseres Bundesrats über Zwang oder Freiheit. Erteilen wir der kompetenten Zusammenfassung eines Auftritts von Berset in Solothurn das Wort. Hier zeigt ein gewisser Ruedi Studer vom «Blick», dass wir nicht wissen, welchen Beruf er verfehlt hat. Aber Journalismus ist’s nicht.

«Guter Weg, aber vorsichtig bleiben», so zitiert er einleitend die weisen Worte von uns Berset, der Knutschkugel und der vorderste Kämpfer gegen die Pandemie. Wenn wir uns das noch mit diesem süssen Akzent vorstellen, zum Hinschmelzen. Nun zuckert Berset auch das Folgende mit diesem süssen fransösischen Döutsch, nisch wahhr:

 «Die Freiheit ist, eine Auswahl zu haben», sagt Berset zu den Vorwürfen, das Zertifikat führe zu einem indirekten Impfzwang und zu einer Zweiklassen-Gesellschaft. «Es gibt keinen Zwang! Das Impfen ist freiwillig. Es schafft absolut keine Zweiklassen-Gesellschaft.»

Da lauscht Studer noch verzückt, während Berset seinen Amoklauf gegen alle Grundlagen der Logik fortsetzt: «Niemand braucht eine Impfung. Wer sich nicht impfen lassen will, muss halt einen Test machen.» Man habe also die Wahl.

George Orwell hatte eine erfrischend klare Sprache.

Gut, nun zeigt aber der «Blick», das Organ verantwortungsbewusster Staatsbürger um Frank A. Meyer – für die EU, gegen Blocher –, was kritischer und einordnender Journalismus ist. Indem es diesen Wirrlauf in die Schranken weist, den Bundesrat harsch kritisiert. Oh, nein, der Berichterstatter lässt auch diese Worte Bersets still verklingen: «Das Impfen ist freiwillig. Es schafft absolut keine Zweiklassen-Gesellschaft.»

Irgendwo ein kritisches Wort über einen schreienden Unsinn?

Gut, im Schwesterblatt SoBli dürfen auch Hörgeschädigte wie Lukas Bärfuss unwidersprochen publizieren. Aber vielleicht die «Solothurner Zeitung» aus dem Hause Wanner, die ihrem eigenen Regierungsrat so auf den Wecker geht, dass der sich doch tatsächlich über die Berichterstattung beschwert? Nein, nur Bericht, kein kritisches Wort.

Richard Burton in einer beeindruckenden Verfilmung von «1984».

Tamedia, Bluewin, wenigstens die NZZ? Nope, nix, nada; ein gepflegtes Stück in der NZZ: «Alain Berset kann Corona – kann er auch AHV?» Nein, Corona kann er nicht, aber was soll’s. Bleibt doch nur noch «watson», das letzte Organ der seriösen Berichterstattung – kein Wort. Gut, dann aber die Retter der Demokratie? «Die Kartoffel unangreifbar machen», schenkt das Organ der teuren, aber vergeblichen Denke heute der Welt, dazu «Das Ende ist da», Gedanken der «Republik» über den Unterschied zwischen dem «heutigen Rechtspopulismus und dem historischen Faschismus». Ein wichtiger Beitrag im Kampf gegen Schlafstörungen.

Aber dass unser Bundesrat gerade richtig Unsinn verzapft hat, wohl mal wieder die französische Übersetzung von Orwells «1984» las, «Krieg ist Frieden», Newspeak, Doppeldenk, «Unwissenheit ist Stärke», «Freiheit ist Sklaverei»? Wer war Orwell, und was ist «1984», mag sich nun nicht nur Nora Zukker fragen.

Das hier ist Orwell: Es gibt keinen Impfzwang. Man hat die freie Wahl. Man muss nicht. Dann darf man aber auch nicht. Niemand wird gezwungen. Auch nicht dazu, an Anlässen teilnehmen zu wollen. Reisen zu wollen. Arbeiten zu wollen. Ist alles freiwillig, liebe Leute. Das ist gelebte Freiheit.

Wahlfreiheit ist nicht unbegrenzt

Wahlfreiheit ist das Gegenteil von Unfreiheit, von Zwang. Worin besteht denn die Wahl? Nun, sich nicht impfen zu lassen. Dann aber sich testen lassen. Nein, ‘tschuldigung, das ist bereits die Wahl. Mehr Freiheit, also weder impfen noch testen, das wäre nicht mehr Freiheit, das wäre Anarchie. Freiheit ist zudem nicht umsonst, liebe Mitbürger. Wer frei sein will, muss Verantwortung tragen, Konsequenzen.

Das ist wie beim Fallschirmspringen. Niemand muss das tun. Aber wenn, dann ist es eine gute Idee, einen Fallschirm dabei zu haben. Und zu hoffen, dass der sich auch öffnet. Aber im Prinzip könnte man auch ohne Fallschirm springen. Wobei aus Schutz vor sich selbst und von Mitbürgern, denen man auf den Kopf fallen könnte, dann doch nicht. Aber das ist eben kompliziert mit der Freiheit.

Will unser Bundesrat austesten, was die Medien alles schlucken?

Überhaupt nicht kompliziert ist hingegen, dass unser Bundesrat die immer wieder aufkommenden Kritik an der indirekten Einführung eines Impfzwangs durch eine Zweiklassengesellschaft mit mehr oder weniger Privilegien mit ein paar völlig absurden Erklärungen entkräften wollte.

Mit einem Newspeak, den Orwell wohlwollend als akzeptable Nachahmung seiner Dystopie akzeptieren würde. Mit offenkundigen Widersprüchlichkeiten auf dem Niveau von «Krieg ist Frieden», oder «Wahrheitsministerium» heisst das Lügen- und Propagandaministerium in Orwells Ozeanien, eine China vorwegnehmende Diktatur mit totalitärem Kontrollanspruch.

Wollte Berset bewusst austesten, ob er auf Widerspruch und Kritik stösst, wenn er offenkundigen unlogischen Unsinn schwatzt? Wir wissen es nicht, aber auf jeden Fall ist das Experiment gelungen. Aus der Sicht all derer, die Newspeak, Sprach- und dann Gedankenkontrolle für eine gute Idee halten.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2021/06/Berset8.jpeg 292 503 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2021-06-09 07:00:392021-06-08 23:04:17Bei Geburt getrennt?
redaktion@zackbum.ch

«Bersets jahrelange Affäre»

29. Januar 2021/3 Kommentare/in Allgemein/von redaktion@zackbum.ch

Eva Wannenmacher sprach im Podcasts «Wahrheit, Wein und Eisenring» aus, was sonst tabu ist.

In den online-Ausgaben der Tamedia-Zeitungen preist Yvonne Eisenring (aufgeführt als Artikelautorin) die neuste Folge ihres Podcast gleich selber an. «Radikal ehrlich wird das Gespräch, zu dem Yvonne Eisenring die Moderatorin Eva Wannenmacher («Kulturplatz») eingeladen hat». Neben den üblichen Themen wie Masturbation und Sexualtrieb erzählt Wannenmacher über ihre Zeit mit 27, als sie mit Journalismus-Preisen überhäuft wurde. Die heutige Moderatorin der SRF-Sendung Kulturplatzes: «Man ist einsam. Als öffentliche Person meinte ich, ich müsse mich dauernd rechtfertigen. Heutzutage, wenn auskommt, dass Alain Berset jahrelang eine Affäre mit einer anderen Frau hatte, dann kann er das abblocken, indem er sagt, das ist privat. Das hätte mir damals auch in den Sinn kommen können. Mit 27 kann man das wohl nicht so gut.» Das seien Learnings, so Wannenmacher, die ihre TV-Karriere bei Tele Züri gestartet hat.

Wannenmacher sagt, sie habe damals Fehler gemacht, sie sei unreif gewesen und voll reingelaufen. «Ich habe meinen Preis bezahlt. Wenn man hinauf geschrieben wird, wird man auch hinunter geschrieben.»

Um einen Blick hinter die Mechanik des Medienbetriebs zu erhalten, lohnt sich das Hineinhören. Der Passus mit Bundesrat Alain Berset kommt ein wenig nach nach Minute 36. 

 

 

 

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2021/01/Screenshot-66.png 834 1036 redaktion@zackbum.ch https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg redaktion@zackbum.ch2021-01-29 07:00:572021-01-28 16:48:04«Bersets jahrelange Affäre»
René Zeyer

Aufgefallen III (Marc Brupbacher)

29. Dezember 2020/10 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Eigentlich ist Brupbacher «Leiter Interaktiv-Team» bei Tamedia. Aber seine Berufung ist Epidemiologe, Virologe und Chefberater der Regierungen.

Wir haben uns bereits ernsthafte Sorgen um den Geisteszustand von Brupbacher gemacht und die auch mit ihm geteilt. Aber leider hat er alle Ratschläge in den Wind geschlagen. Er führt auch an den Festtagen einen unermüdlichen Kampf gegen Versager und Verniedlicher, vor allem ganz oben. Beratungsresistent, wie es bei Fanatikern üblich ist.

Er fordert schon mal ultimativ, dass die Uni Luzern einen «Dreck» von ihrer Webseite nehmen soll. Der «Dreck» besteht aus einer wissenschaftlichen Untersuchung von zwei erfahrenen Dozenten. Aber zu ihrem Pech kamen sie nicht zu Schlussfolgerungen, die Oberexperte Brupbacher akzeptieren konnte. Seine Frage, ob denn «alle durchgeknallt sind in diesem verrückten Land», hat er inzwischen für sich beantwortet: Ja. Mit einer Ausnahme.

Über den Regierenden hat er den Stab gebrochen

Der Wüterich gibt dem Gesundheitsminister keine Chance mehr: «Mit Alain Berset bin ich durch. Kollegialitätsprinzip hin oder her, es gibt keinen Grund, Fakenews zu verbreiten.»  Statt einen Kurs in Rechtschreibung zu besuchen, wuttwittert er so vor sich hin.

Aber auch mit dem Zürcher Regierungsrat ist Brupbacher überhaupt nicht zufrieden. «Das Gesundheitspersonal muss über die Festtage schuften. Der Regierungsrat wird in der warmen Stube sitzen.» Statt dass, wie sonst üblich, das Gesundheitspersonal in der warmen Stube sitzt und der Regierungsrat schuftet.

Aber so ist das halt, wenn «der RR sich bis heute weigert, adäquate Massnahmen zu ergreifen». Das ist wirklich ein Skandal, wo Brupbacher doch unermüdlich gute Ratschläge gibt. Und die Schuldigen gnadenlos beim Namen nennt: «Eine der Hauptverantwortlichen ist Regierungspräsidentin Silvia Steiner.»

Unterwegs zu 20’000 Toten

Da muss Brupbacher schon auf seine Kernkompetenz zurückgreifen, das digitale Storytelling. Seine Übersetzung dafür ist offensichtlich: Märchenstunde. So beklagt er, dass die Schweiz 7000 Corona-Tote zähle. Schon im März habe einer der Skandalschreier 20’000 bis 35’000 Tote prognostiziert. Das stimmt, der Wettbewerb ging sogar bis zu 100’000 Toten. Und? Na: «Nun sind wir – mit starken Massnahmen – nicht weit weg vom Kurs auf 20’000. Von wegen Panikmacher.»

Wir sind nicht weit weg vom Kurs auf? Unsere Besorgnis verstärkt sich; ob es ohne den Einsatz von Medikamenten gelingt, Brupbacher wieder vorsichtig an die Realität heranzuführen?

Er findet immerhin noch Zeit, sich für den 2. Platz im Ranking «Recherche» des «Schweizer Journalist» zu bedanken; statt das schamvoll zu verschweigen. Wir fassen also nochmal kurz zusammen.

Alle durchgeknallt. Ausser ihm natürlich

Mit BR Berset ist er inzwischen fertig; mit dem gesamten Regierungsrat Zürichs auch. Ist ja auch kein Wunder, da alle ausser ihm «durchgeknallt» sind. Wir fragten schon beim letzten Mal fürsorglich beim Oberchefredaktor Arthur Rutishauser an, ob er nicht dafür sorgen will, dass ein leitender Mitarbeiter von ihm den sowieso schon lädierten Ruf der Journalisten nicht noch weiter beschädigt.

Mit unanständiger Sprache, haftungsfreien Forderungen und verantwortungslosen Kritiken. Offensichtlich basierend auf einer zunehmenden Fanatisierung, die täglich mehr gegen Vernunft und Realitätskontakt immun macht. Aber leider geruhte Rutishauser nicht, sich darum zu kümmern oder zu antworten.

Natürlich ignorierte Brupbacher selber auch die an ihn gerichteten Fragen. Ist immer das Gleiche: austeilen ja, dazu stehen nein. Es ist zu befürchten, dass er auch seine eigene Frage falsch gestellt hat. Sie müsste lauten: «Ist zumindest einer durchgeknallt in diesem Land?» Darauf gäbe es eine realistische und richtige Antwort.

https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg 0 0 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2020-12-29 08:00:142020-12-28 15:05:54Aufgefallen III (Marc Brupbacher)
René Zeyer

Berset: toujours l’amour?

12. Dezember 2020/6 Kommentare/in Allgemein, Meinung/von René Zeyer

Wer darf einen Blick auf den Unterleib eines Bundesrats werfen?

Wie sagte Karl Valentin so unsterblich richtig: Wenn’s einer kann, ist’s keine Kunst. Kann’s einer nicht, ist’s auch keine. Wie ist’s damit in den Schweizer Medien bestellt?

Der Gralshüter des moralisch hochstehenden Diskurses donnert im Blatt für die gehobenen Stände: «Keine Geschichte.» Man reibt sich etwas die Augen; das muss wohl ein Doppelgänger von Frank A. Meyer gewesen sein, der im gleichen Boulevard-Blatt SoBli den Lausch- und Fotoangriff auf den Unterleib des damaligen Botschafters in Berlin als gerechtfertigt bezeichnete, weil der ja durch eine angebliche Liebschaft erpressbar sei.

Das endete dann eher peinlich. Der Botschafter war weg, aber die Teutonentruppe bei der «Blick»-Familie auch, dazu gab es einen empfindlichen finanziellen Aderlass, der Verleger höchstpersönlich musste sich auf Seite eins entschuldigen, und Meyer wurde wegen übertriebener Härte kurzfristig auf die Strafbank gesetzt.

Die Bundespolizei zeigte für einmal, was sie kann

Ach ja, das waren noch Zeiten. Nun ist es einem Bundesrat widerfahren, dass er mit Erpressung bedroht wurde. Offenbar ziemlich konkret; die Erpresserin hatte schon extra zwei Konten für die Überweisung von 100’000 Franken eröffnet. Wenn nicht, würde sie mit verfänglichen Fotos und pikantem Geschreibsel des Bundesrat an die Öffentlichkeit gehen.

Das geschah schon im Dezember 2019, und nachdem der Bundesrat sie vergeblich via Anwalt von diesem Plan abbringen wollte, schaltete er die Bundespolizei ein. Die zeigte für einmal, was sie kann, wenn sie will. Die Übeltäterin wurde verhaftet, einem strengen Verhör unterzogen und willigte freiwillig ein, dass die möglicherweise belastenden süssen Erinnerungen von all ihren Datenträgern entfernt werden.

Da sie schon kurz zuvor einen Rückzieher von ihrer Absicht gemacht hatte, durch Erpressung 100’000 Franken einzunehmen, wurde die ganze Angelegenheit mit einem Strafbefehl erledigt. Und wäre überhaupt erledigt gewesen, wenn solche Strafbefehle nicht eine kurze Zeit öffentlich einsehbar sein müssten.

Wer ist wie und wann erpressbar?

Und schon wieder ging die Debatte los, ob der Bundesrat zwar in diesem Fall der Erpressung nicht nachgegeben habe, aber möglicherweise eben doch erpressbar sei. Das wurde natürlich von ihm selbst und von Meyer zurückgewiesen, und dann kann es ja auch nicht so sein.

Seine einzige Waffe?

In wohl jedem anderen Land der Welt wären ab Bekanntgabe der Affäre die Journalisten ausgeschwärmt, um die Hintergründe zu recherchieren, die Erpresserin ausfindig zu machen, mindestens ein Porträt über sie zu schreiben, wenn ihr schon nicht ein Quote zu entlocken wäre.

In der Schweiz wird bei solchen Sachen geeiert. Als der katholisch-christliche Parteipräsident einer die Ehe und christliche Werte hochhaltenden Partei sich bei einem Seitensprung fortpflanzte, machte er mit dem «Blick» ein Päckli; Exklusiv-Story mit reuigem Sünder, dafür keine blöden Nachfragen. So schaffte er es sogar, in die Walliser Regierung gewählt zu werden, der Heuchler. Dagegen hatte Meyer keine Einwände.

Berset hat Glück im Unglück

Nun hatte Bundesrat Alain Berset Glück im Unglück. Nicht etwa das eigentlich zuständige Boulevard-Blatt hatte die Story, die Sonntagszeitungen hatten sie zwar, rechneten aber nicht damit, dass sie die WeWo am Samstag im Internet mit dem Primeur abtrocknen würde. Statt selber eine saftige Aufmacherstory zu liefern, konnten sie nur missmutig nacherzählen.

Anschliessend wurde natürlich nicht nur von Meyer debattiert, ob das nicht wirklich eine Privatangelegenheit des Bundesrats sei, zudem erledigt, also könnten doch nur rechte Hetzer daraus einen Skandal hochzwirbeln wollen. Ausserdem wisse man ja gar nicht, worum es hier genau gegangen sei, worin das Material bestünde, mit dem erpresst werden sollte.

Nun ja. Wenn man sich die Hintergründe etwas genauer anschaut, kommt man doch auf ein paar merkwürdige Zufälle. Bei der gescheiterten Erpresserin handle es sich um eine Künstlerin, die im weiten Feld der Performance unterwegs ist. Obwohl sie ein überschaubares Oeuvre vorgelegt hat, bekam sie bereits den Schweizer Kunstpreis, immerhin mit 25’000 Franken dotiert. Ihre Ausstellungen, Aufenthalte, ihr Wohnsitz zeugen zumindest von einer gewissen Weltläufigkeit und Vernetzung.

Eigentlich könnte jeder den Namen der Künstlerin herausfinden

Inzwischen sind auf «Inside Paradeplatz» und anderswo dermassen viele Details über diese Künstlerin veröffentlicht worden, dass es keiner grossen Anstrengungen bedarf, ihren Namen herauszufinden und ihr ein Mail zu schicken, ob sie nicht mal ihre Sicht der Dinge darlegen wolle.

Sie will leider nicht, und Bersets Anwalt droht jedem mit Pech und Schwefel, der es wagen sollte, ihren Namen zu publizieren. Sie selbst ist zudem in einer Schweizer Kulturstätte im Ausland versorgt, bis Mitte nächsten Jahres. Ist auch ziemlich praktisch; bis dahin dürfte endgültig Gras über die Sache gewachsen sein.

Darf nun ein Bundesrat kein Privatleben haben, und wenn doch, ist das dann nicht seine Privatsache und geht niemanden etwas an? Ausser den Direktbeteiligten, darunter auch seine Frau und Kinder?

Bei politischen Exponenten ist die Privatsphäre anders gestaltet

Das mag so sein. Aber wenn der kleine Angestellte Müller, verheiratet, mit der Serviertochter des «Ochsen» ein Verhältnis hat, ist das keine Geschichte, selbst wenn sie ihn nach einem Streit über einen Schwangerschaftstest erpressen will. Nun ist das bei einem Bundesrat etwas anderes. So wie bei einem Botschafter oder Parteichef. Zumindest sollten alle Fakten auf den Tisch kommen.

Interessant ist dabei auch, dass sogar von Politikerinnen bestritten wird, dass es sich bei dieser Frau um ein Opfer handeln könnte. Trotz #metoo und der klassischen Ausgangslage, mächtiger Mann, ohnmächtige Geliebte – keinen scheint ihre Geschichte, ihre Sicht der Dinge zu interessieren. Eine Schweizer Besonderheit oder eine Schweizer Absonderlichkeit?

 

https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg 0 0 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2020-12-12 09:30:572020-12-11 15:39:21Berset: toujours l’amour?
Seite 4 von 512345

  • Kleines Vademecum für Kommentarschreiber27. August 2020 - 16:08
  • Wer wir sind und was wir wollen25. August 2020 - 15:07
  • ZACKBUM.ch startet: Die Rückkehr der Medienkritik25. Juli 2020 - 6:05
© Copyright - Zackbum | Webdesign: 60francs.ch |  info@zackbum.ch | Datenschutz |  Impressum
Nach oben scrollen
Unsere Website verwendet Cookies zur besseren Bedienbarkeit. Durch Ihre Nutzung unserer Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.