Schlagwortarchiv für: Mario Stäuble

Gschpürsch mi?

Mattea Meyer geht es wieder gut. Tamedia weniger.

Natürlich ist es immer schön, wenn sich ein Mensch nach tiefer Erschöpfung wieder einsatzbereit fühlt. Also darf Tamedia weltexklusiv vermelden: «Die SP-Co-Präsidentin kehrt nach einer fünfmonatigen Erschöpfungspause zurück ins Bundeshaus.»

Damit dieser kühne Plan auch gelingt, führen die beiden sensiblen und achtsamen Journalisten Philipp Loser und Mario Stäuble ein Interview mit der Genesenen, aus dem der Schleim in grossen Mengen tropft.

Nach dem einfühlsam-obligatorischen «Frau Meyer, wie geht es Ihnen?», hätte man vielleicht die eine oder andere kritische Frage erwarten dürfen. Einfach so, weil es sich für anständigen Journalismus gehören würde, einer Politikerin nicht einfach eine PR-Plattform in eigener Sache zu bieten.

Stattdessen reines Geschleime nach der Devise: was wollten Sie schon immer mal ungestört über ihre Erkrankung sagen? Wie möchten Sie sich im besten Licht darstellen? Ein Primarschüler, vor die Aufgabe gestellt «interviewe einen Politiker», hätte intelligentere Fragen gestellt als «Was machten Sie konkret in der Pause? Hatten Sie auch professionelle Hilfe? Was war die wertvollste Einsicht, die dabei herauskam? Hatten Sie Angst, nie mehr zurückzukommen

Immerhin, zweimal rutscht den beiden eine pseudo-kritische Frage durch: «Es gab aber auch Kritik: Sie würden auf Kosten der Steuerzahler Ferien machen.» Bei der zweiten disqualifizieren die beiden Gutmenschen die Frage gleich durch die einleitende Wertung: «Gleichzeitig ätzten manche bürgerliche Politiker hinter vorgehaltener Hand: Jetzt haben die doch ein Co-Präsidium – und trotzdem ist die Meyer erschöpft.»

Das ganze Interview wirkt so leblos, dass der Verdacht entsteht, es sei schriftlich geführt worden. Oder kräftig redigiert und glattgespült.

Sie lassen Meyer sogar ohne Nachfrage durchgehen, dass sie ihr Problem ins Allgemeine hebt: «40 Prozent der Arbeitnehmenden fühlen sich oft erschöpft. Unsere Leistungsgesellschaft kann gnadenlos sein.» Es soll sich dabei aber laut Selbstauskunft um eine «emotionale Erschöpfung» handeln, was immer das sein mag. Müsste man dann also, au weia, damit rechnen, dass potenziell 40 Prozent aller Werktätigen mal Erschöpfungspause machen werden?

Natürlich darf und kann jeder Mensch krank werden. Da es Meyer offenbar gelungen ist, sich zu 100 Prozent krankschreiben zu lassen, konnte sie einen Arzt davon überzeugen, dass sie tatsächlich nicht arbeitsfähig ist. Allerdings ist «Erschöpfung» keine ärztliche Diagnose. Wenn schon, wäre es ein Burnout, eine Depression, das Chronik Fatigue Syndrome oder eventuell eine Neurasthenie.

Die zweite Frage wäre gewesen, ob jemand, der eine traditionelle und grosse Partei leitet, bei diesem Symptomen nicht von seiner Position zurücktreten sollte. Vor allem, da der zweite Häuptling auch dazu neigt, sich seine Ferien durch nichts vermiesen zu lassen, nicht mal durch eine massive Kritik eines angesehenen Parteigenossen.

Die dritte Frage wäre, ob eine Politikerin, die zudem Mitglied des Nationalrats ist, in diversen Kommissionen sitzt und natürlich auch im Parteipräsidium, eine Lücke hinterlässt, die sie vollständig ersetzt. Und wenn das so wäre, wieso muss sie sie dann wieder ausfüllen?

Die vierte Frage wäre: da Cédric Wermuth nach eigenem Bekunden als Mann viel besser die Anliegen der Frauen vertreten kann als die Frauen selbst: wieso braucht es da eigentlich eine Co-Präsidentin? Die zudem nach Kräften darum bemüht ist, einige Vorurteile gegen Frauen in der Politik zu bestätigen.

Die fünfte Frage wäre, ob es dann zutrifft, dass Meyer ihre Auszeit auf Kosten der Beitragszahler der Krankenkassen genommen hat und wer nach welchen Kriterien entschieden hat, dass sie happige fünf Monate dauern soll.

Und die letzte Frage wäre: in der freien Wildbahn, also bei einem normalen Angestelltenverhältnis, kann ein Arbeitgeber einen kranken Mitarbeiter auch kündigen. Da gelten zwar gewisse Sperrfristen, aber «ich bin krank, daher unkündbar», das gilt natürlich nicht. Zudem wäre auch die Frage denkbar, ob es sich um eine selbstverschuldete Krankheit handle.

Aber eben, das wären für die Wohlfühl-Fraktion des Tagi Fragen eines Unmenschen, die den Leser nicht zu interessieren haben. Und würde er sie sich selber stellen, wäre er auch ein Unmensch und sollte sein Tagi-Abo umgehend kündigen.

 

Geschichtsklitterung und niemand hat den Autor gestoppt

Ein Tamedia-Journalist unterschlägt in einem Buch über eine kriminelle Zürcher WG die Schlüsselfigur – mit dem Wissen des Verlags.

Mit dem Geschwurbel von Andreas Tobler hat sich ZACKBUM schon mehrfach beschäftigt. Jetzt hat der preisgekrönte Historiker und Journalist Hansjörg Zumstein nachgelegt. Und dokumentiert Unglaubliches. Es ist nicht die einzige Auslassung durch Tobler. Hier ist die Story:

Von Hansjörg Zumstein*

An der Bändlistrasse in Zürich Altstetten springt ein Mann durch ein geschlossenes Fenster im dritten Stock und bleibt unten schwerverletzt liegen. Seine geschockten WG-Genossen raffen Geld, Waffen und Einbruchswerkzeug zusammen und fliehen.  Als die Polizei eintrifft und die Wohnung durchsucht, findet sie Traktate über den bewaffneten Kampf, weitere Waffen, ein Sprengstoff-Labor und Munition. An der Wand leuchtet in roten Buchstaben ein fünfzackiger Stern mit der Unterschrift «RAF».

Jetzt läuten alle Alarmglocken: Bundespolizei, Nachrichtendienst, Kriminalpolizei – alle sind involviert. Das geschah am 24. April 1972.

Bereits am 10. August 1972 erhielt der Bundesrat einen ausführlichen Bericht der Bundesanwaltschaft über die «Aushebung einer anarchistisch-revolutionären Gruppe in Zürich».

Fazit: «In der Folge erwiesen sich C.M. neben T.L. (beide anonymisiert) als die eigentlichen Schlüsselfiguren (…), die sich an der «Bändlistrasse» (…) zusammenfanden. (…) C.M. unterhielt Beziehungen zur Baader-Meinhof-Bande

C.M. ist im gesamten Aktenbestand «Bändlistrasse» im Schweizer Bundesarchiv die zentrale Figur, er erscheint immer und immer wieder als wichtiger Verbindungsmann zur deutschen Baader-Meinhof-Gruppe, auch «Rote Armee Fraktion» (RAF) genannt.

Hinweis in eigener Sache

Die nachfolgenden Sachverhalte sind ein Zufallsfund. Ich erforsche im Auftrag des Vereins «Ortsgeschichte Küsnacht» einen Waffendiebstahl mit anschliessender Brandlegung im September 1974. Für das lokale «Küsnachter Jahrheft». Wegen einer Sprayinschrift «Waffen für die RAF» am Tatort ermittelte damals die Polizei im sogenannten Kommunenmilieu in Zürich. Ziel laut Ermittlungsakten: «Bändlistrasse und C.M.».

Diese Akten veranlassten mich, das Buch «Bändlistrasse» des Tamedia-Redaktors Andreas Tobler («Echtzeit»-Verlag, 2022) für die Recherche heranzuziehen. Das Buch ist in weiten Teilen eindrücklich: Es schildert die Stimmung jener Jahre, die Empörung über die Zustände in Erziehungsheimen und die damalige Rebellion einer jungen Generation gegen staatliche Eingriffe.

Grundsätzliche Fragen

Toblers Buch verdient aber nicht nur Lob. Wenn Geschichte dargestellt wird, stellt sich jedem Historiker und Journalisten die Frage: Welches Ereignis wählt man aus, welche lässt man weg? Wer aber wissentlich zentrale Elemente bei der Darstellung eines Sachverhalts weglässt, gerät unweigerlich in den Verdacht der Geschichtsklitterung.

Dies ist bei Toblers Buch der Fall. Der Autor schildert darin die Zürcher Kommune «Bändlistrasse» – jene Gruppierung, die Anfang der 1970er-Jahre in Kontakt mit der RAF stand.

Gewaltbereite WG

Die Kommune «Bändlistrasse» sah damals nur einen Ausweg, um die angeblich katastrophalen Zustände in der Schweiz zu verändern:  Den bewaffneten Kampf gegen den Staat. Das grosse Vorbild: «Rote Armee Fraktion». Und so bewaffnete sich die Kommune «Bändlistrasse» heimlich, experimentierte mit Sprengstoff und plante Raubüberfälle.

Schlüsselfigur C.M.

C.M. wohnte nicht in der Kommune, aber gehörte zum engeren Umfeld. Er wird im gesamten Aktenbestand «Bändlistrasse» im Bundesarchiv als zentrale Figur geführt, er erscheint immer und immer wieder als wichtiger Verbindungsmann zur deutschen RAF.

Auch «Bändlistrasse»-Autor Tobler bezieht sich auf diesen Aktenbestand. Das Bild auf dem Buchumschlag zeigt sogar das Waffenversteck von C.M. im zürcherischen Weiningen. Doch C.M. kommt in Toblers Buch nie vor. Die zweite Schlüsselperson, T.L., hingegen ist erwähnt. Ihn anonymisiert Tobler als «Psychologiestudent».

Unverständliche Auslassung

Diese Auslassung erstaunt, und es stellt sich die Frage: Aus welchen Gründen wird die in den Akten belegte Person C.M. im Buch nicht berücksichtigt?

Der «Tagesanzeiger» schreibt zum Buch, sein Redaktor Tobler habe «Tausende von Aktenseiten» durchforstet. Und der «Echtzeit»-Verlag betont, Tobler habe «akribisch recherchiert» und zeige auf, «ob die Schweizer Linke tatsächlich bereit war, in einen bewaffneten Kampf zu ziehen. Und welche Rolle dabei die Kontakte zur RAF spielten».

Bei den Schweizer Kontakten zur RAF fokussiert Tobler auf eine Person: den damals prominenten Journalisten Rolf Thut. Dieser habe die RAF-Mitglieder Andreas Baader, Gundrun Esslin, Jan-Carl Raspe und andere mehrmals getroffen. Dies beschreibt der Autor mit vielen Details.

Was er unterschlägt: Rolf Thut reiste wiederholt zusammen mit C.M. zu RAF-Treffen. Zum Beispiel am 11. März 1972. Und wenige Wochen später nochmals, am 15. April 1972.  Insbesondere letztere Reise zeigt:  C.M. war für die RAF weit wichtiger als Thut.

Der Waffenlieferant

C.M. lieferte der RAF, so die Akten im Bundesarchiv, Waffen. Und zwar nicht irgendwelche Waffen, sondern:  «3 Schrotgewehre, die er in Kriegswaffen umänderte, indem er die Läufe um ca 40 cm verkürzte». C.M. sagte damals aus:

«Baader hatte die Absicht, die verkürzten Schrotgewehre unterhalb des Armaturenbrettes mit Klammern zu befestigen, dass sie mit einem Handgriff behändigt und sofort eingesetzt werden können.»

C. M. war also jener Schweizer, der «bereit war in einen bewaffneten Kampf zu ziehen». Verglichen mit ihm war Rolf Thut ein harmloser Ideologe, bekannt für seine pointierten 1.-Mai-Reden. Aber kein Mann, der wie C.M. «die ehemaligen Jagdgewehre abänderte, die Fabriknummern ausschliff, sodass sie nicht mehr als Jagdwaffen, sondern als Kriegsmaterial betrachtet werden müssen» – so die Stadtpolizei Zürich.

Die «Mai-Offensive»

Die Waffen und Munition (unter anderem «1000 Projektile Kal 45, 444 Patronen Kal 7,65, 200 Schrotpatronen selbst hergestellt» – so die Ermittlungsakten), die C.M. an Andreas Baader übergab, waren also alles andere als harmlos. Und die Baader-Meinhof-Gruppe, startete wenige Tage später eine brutale Anschlagsserie, die sogenannte «Mai-Offensive». Diese forderte vier Todesopfer und zahlreiche Schwerverletzte. Hauptziele waren Stützpunkte der US-Armee in Deutschland, Auslöser die amerikanische Offensive in Nordvietnam.

Kurz danach verhaftete die Polizei Andreas Baader bei einem Schusswechsel. Tage zuvor wurde C.M. in Zürich festgenommen und intensiv einvernommen. Seine Aussagen und die Fotos der beschlagnahmten Waffen liegen im Bundesarchiv-Bestand, der wie erwähnt unter anderem Grundlage für Toblers Buch bildete.

Der Stammheim-Prozess

Wenige Jahre später bot die deutsche Staatsanwaltschaft C.M. als einzigen Schweizer für den Prozess gegen Baader und Co. als Zeuge auf. Er lehnte das Aufgebot zwar ab. Immerhin reisten zuvor aber zwei deutsche Ermittler eigens nach Zürich, um ihn ausführlich zu vernehmen. Nicht etwa Rolf Thut, den Autor Tobler als einzigen wichtigen Schweizer RAF-Kontakt aufführt, sondern C.M. interessierte die deutsche Staatsanwaltschaft.

Toblers Buchverlag «Echtzeit» verspricht Aufklärung über Verbindungen der Schweizer Linken zur RAF. Doch weshalb kommt der wichtigste Schweizer RAF-Kontaktmann im Buch nicht vor?

Toblers Auslassung verändert die Wahrnehmung der geschichtlichen Ereignisse. Aus welchen Gründen fehlt C.M. in der Darstellung, obwohl er in den offiziellen Ermittlungsunterlagen mehrfach als zentrale Figur erwähnt wird?

Der Verlag spurt

Verleger und Lektor Markus Schneider vom «Echtzeit»-Verlag gibt zuerst offen Auskunft:

«Uns war der Sachverhalt bekannt und wir haben mit Andreas Tobler offen diskutiert. Am Ende jedoch haben wir als Verlag den Wunsch des Autors respektiert.»

Nach Angaben Schneiders hat Tobler also bewusst unterschlagen, dass C.M. die Schlüsselperson war. Und der Verlag willigte ein.

Offene Fragen

Warum also wollte Tobler den wichtigsten Schweizer RAF-Kontakt im Buch mit dem Untertitel «RAF, LSD, PKO und TNT» nicht erwähnen?

Tobler selbst antwortet zuerst, er habe keine Zeit, auf solche Anfragen zu antworten. Später ergänzt er, er habe sich in seinem Buch auf die Mitglieder der «Bändlistrasse»-Kommune konzentriert. Auf die Nachfrage, weshalb er dann Rolf Thut erwähne, ebenfalls kein Mitglied der Bändlistrasse, droht der «Tagesanzeiger»-Redaktor mit rechtlichen Schritten: «Wie im Telefonat festgehalten, bleibt es bei meiner Stellungnahme von heute 13.35 Uhr. Weitere Äusserungen dürfen nicht zitiert werden.»

In der Stellungnahme verweist er auf Persönlichkeitsrechte von C.M., weshalb er auf dessen Erwähnung verzichtet. Darüber, dass er im Buch aber die andere Schlüsselperson, nämlich T. L., prominent erwähnt – einfach anonymisiert als «Psychologiestudent» – will sich Tobler nicht äussern. Er habe keine Zeit, auf die Frage zu antworten.

Weshalb benutzte er nicht einfach die Initialen der Schlussfigur?

In Buchrezensionen der «Bändlistrasse» vor drei Jahren wird die merkwürdige Entscheidung des Autors, die zentrale Figur wegzulassen, zwar erwähnt, aber überraschend kurz und milde kritisiert.

Vollmundiges Marketing

Ankündigung: «Herausgekommen ist ein Report über ein Stück Schweizer Geschichte, das bisher gerne beschönigt und verschwiegen wurde.» © Tages-Anzeiger

Der «Tagesanzeiger» kündete das Buch als «exklusive Recherche» an – begleitet von einem Podium am 9. Mai 2022 im Zürcher Restaurant Kaufleuten, moderiert vom damaligen Co-Chefredaktor und heutigen Ressortleiter Mario Stäuble. Präsentiert werde «ein Stück Schweizer Geschichte, das bisher gerne beschönigt und verschwiegen wurde». Um dann selbst ein Buch vorzustellen, in dem die Schlüsselfigur verschwiegen wird. Wie geht das zusammen?

Mario Stäuble erklärt zu Toblers Auslassung zuerst, er werde Tobler damit konfrontieren. Doch dann kommt die Antwort: «Ich verzichte auf eine Stellungnahme. In das Projekt war ich nicht involviert, ich habe lediglich die Veranstaltung im Kaufleuten organisiert.»

Wusste Stäuble auf dem Kaufleuten-Podium von Toblers Auslassung? Wusste er um die Schlüsselrolle von C.M. bezüglich RAF? Wusste er von dessen bewusst tolerierter Unterschlagung durch Tobler und den «Echtzeit»-Verlag? Auf diese schriftlichen Fragen reagiert Chefredaktor Stäuble nicht mehr.

Fazit

Dass Autoren bei der Auswahl ihres Materials Schwerpunkte setzen, ist selbstverständlich. Doch angesichts der zentralen Rolle von C.M. – durch die einschlägigen Bundesarchiv-Akten bestens dokumentiert – stellt sich Frage: Ist diese Auslassung legitim oder handelt es sich um Geschichtsklitterung? Einfach die Schlüsselperson der Schweizer RAF-Kontakte unterschlagen – ist das salopp gesagt: Fake News?

Der verantwortliche Verleger und Lektor Markus Schneider, der Toblers Auslassung schlussendlich genehmigt hat, reagiert empfindlich und droht ebenfalls mit rechtlichen Schritten: «Ihr Vorwurf ‹Geschichtsklitterung› ist deplatziert, eine Absicht zur Verfälschung hatte und hat unser Verlag nie.»

Eine zentrale Figur absichtlich ausklammern? Und gleichzeitig betonen, so der «Tagesanzeiger», man enthülle «ein Stück Schweizer Geschichte», das «bisher gerne beschönigt und verschwiegen wurde»? Eine eigenartige Auffassung von Geschichtsschreibung.

______

*Dieser Artikel ist zuerst auf «Infosperber» erschienen. Mit freundlicher Genehmigung.

Anmerkung ZACKBUM: Dieser C.M. ist zudem in der damaligen Berichterstattung mit Klarnamen genannt worden. Im Artikel «Der Schweizer Waffenlieferant der RAF – wie ein Bühnenkünstler in die Militanz abgeglitten ist», zeichnete die NZZ am 14. 5. 2022 seinen Werdegang ausführlich nach.

Sprachrohr Tagi

Zuerst anprangern, dann übers Anprangern schreiben. Sagenhaft.

Zuerst brauchte es gleich drei Nasen, um über einen Vorfall zu berichten. Dafür spannten Mario Stäuble (ehemals Chefredaktor, bzw. Mann am Fenster), Christian Brönnimann (bekannt für Fertigmacherjournalismus wie im Fall Bastos) und Oliver Zihlmann (glückloser Verwurster von Hehlerware, genannt Leaks und Papers) ihre Muskeln an:

Als wäre er their master’s voice, zitieren sie ehrfürchtig den übergriffigen Scott Miller: ««Die Schweiz (…) kann und muss mehr dafür tun, damit ihr Rechtsrahmen nicht für illegale Finanzaktivitäten missbraucht wird», lässt sich der US-Botschafter in Bern in einer Pressemitteilung zitieren.» Das ist dieser schnarrende Befehlston, für den Amis bekannt sind, die meinen, die ganze Welt müsse nach ihrer Pfeife tanzen.

Als Hilfsknüppel haben die USA dafür ihre Sanktionsliste des Ofac. Wer aus welchen Gründen draufkommt, ist der völligen Willkür der US-Behörden überlassen. Gegenwehr ist sinnlos, Rechtsmittel dagegen gibt es nicht. Im Wettlauf, ein sinnloses Sanktionspaket mit dem nächsten zu ergänzen, haben die USA «zwei Schweizer Anwälte mit Büro in Zürich auf ihre schwarze Liste (gesetzt): Andres Baumgartner und Fabio Delcò von der Kanzlei Dietrich, Baumgartner & Partner.»

Warum genau, aufgrund welcher Indizien, Belege, Beweise? «Washington wirft den beiden vor, «wichtige Verwalter russischer Vermögenswerte» zu sein. Sie hätten für «viele russische Kunden, darunter sanktionierte russische Privatpersonen», Dienste erbracht. Beide seien Direktoren zahlreicher russischer Unternehmen», zitieren die drei Recherche-Genies von der Werdstrasse. Und geben wieder dem US-Botschafter das Wort, der dafür eigentlich einbestellt und gerügt werden müsste, wenn die Schweizer Regierung Rückgrat zeigen wollte:

«Die Botschaft ist klar: Die Vereinigten Staaten fokussieren darauf, die Umgehung von Sanktionen überall auf der Welt zu bekämpfen. Wir müssen zusammenarbeiten, um die Fähigkeiten des Kremls zu stoppen, seine Kriegsmaschinerie gegen das ukrainische Volk einzusetzen. Und wir müssen auf der richtigen Seite der Geschichte stehen – zur Unterstützung des ukrainischen Volkes, das die demokratischen Werte verteidigt, die wir teilen

Die eigentliche Botschaft ist klarer: die USA pfeifen wieder einmal auf die Rechtssouveränität der Schweiz. Aber das schreiben die drei Tagi-Nachplapperer natürlich nicht. Sondern sie klopfen sich selbst auf die Schultern:

«Die Panama-Papers-Recherche zeigte, dass Roldugins Firmen Einfluss auf Medien und gar auf Rüstungsbetriebe in Russland hatten. Durch Dokumente liess sich minutiös nachzeichnen, wie die Angestellten der Zürcher Kanzlei Befehle aus Russland annahmen und Kontoverbindungen für Roldugin errichteten.» Das ist ein Vertrauter von Präsident Putin, dem vorgeworfen wird, einen Teil von dessen Finanzhaushalt zu regulieren.

Allerdings muss der Tagi einräumen, dass «bis heute keine Massnahmen gegen die Zürcher Anwälte bekannt» seien. Das liege aber am «Schweizer Geldwäschereigesetz», fahren sie fort. Auf Deutsch: offensichtlich geht hier alles mit rechten Dingen zu, aber den Tagi-Journalisten passt dieses Gesetz nicht. Nach der Devise: ist’s nicht illegal, so doch illegitim. Oder einfach: wir finden, es sei illegal.

Daher zitieren sie nochmals den Befehlshaber in seiner Botschaft in Bern: «Andres Baumgartner und Fabio Libero Delcò ermöglichten den illegalen Geldfluss und umgingen dabei die Aufsicht aufgrund einer Gesetzeslücke im Schweizer Recht», heisst es in der Mitteilung. «Botschafter Miller hat die Schweiz öffentlich und privat vor den Reputationsrisiken gewarnt, die mit dieser Gesetzeslücke verbunden sind.»

Schon einen Tag später wird zurückgerudert. Diesmal sind Thomas Knellwolf (nicht ganz ausgelastet mit dem promoten seines neusten Buchs) und wieder Oliver Zihlmann am Gerät:

«Angeprangerte Anwälte», schreiben sie neutral im Titel, als hätte nicht der Tagi selbst die beiden angeprangert, als Sprachrohr des US-Botschafters in Bern. Zunächst wiederholen die beiden Redaktoren die gleiche Leier wie im ersten Artikel. Um dann nochmals einzuräumen:

«Baumgartner und Delcò (die beiden neu auf die US-Sanktionsliste genommenen Anwälte) hingegen blieben in der Schweiz bislang – nach allem, was bekannt ist – unbehelligt. Darauf lässt insbesondere eine Stellungnahme schliessen, welche die beiden am Tag nach Bekanntwerden ihrer Sanktionierung durch die USA an die Medien verschickten.»

Offensichtlich haben die Rechtsanwälte beim Tagi Druck gemacht, der daher diesmal als Windfahne deren Position referiert:

«Während unserer über 30-jährigen Anwaltstätigkeit wurden wir weder strafrechtlich noch disziplinarrechtlich jemals zur Verantwortung gezogen.»

Natürlich japst der Tagi nach: «Dies würde auch bedeuten, dass weder eine Selbstregulierungsorganisation noch die Anwaltsaufsicht ein- bzw. durchgegriffen haben. Unabhängig überprüfen lässt sich dies allerdings nicht, weil allfällige Verfahren dieser Organisationen nicht öffentlich sind.» Womit er den beiden Rechtsanwälten unterstellt, möglicherweise die Unwahrheit gesagt zu haben, eine gelinde Unverschämtheit.

Dass die beiden Juristen mehr Durchblick haben als die geballte Fachkraft des Tagi, beweisen sie mit ihrer Stellungnahme, die das Blatt sicherlich nicht ganz freiwillig publiziert:

«Baumgartner und Delcò bestreiten jegliches Fehlverhalten: «Geschäfte zur Umgehung von Sanktionen wurden durch uns weder vorgenommen, noch haben wir diesbezüglich irgendjemanden beraten.» Anderslautende Verlautbarungen der US-Behörden seien «falsch und rufschädigende Unterstellungen». Die amerikanischen Sanktionen zielten darauf ab, «die europäischen Länder im geopolitischen Streit mit Russland hinter sich zu scharen». Die Vereinigten Staaten wollten «internationale Finanzplätze wie die Schweiz unter ihren totalen Einfluss und ihre umfassende Kontrolle bringen»

Auch das können die Journis natürlich nicht unwidersprochen stehen lassen und geben nochmals dem US-Botschafter das Wort, der «wehrt sich gegen den Vorwurf der unzulässigen Einmischung». Was ein vom Tagi unkommentierter Witz ist, denn natürlich mischt er sich massiv und völlig unzulässig in die Rechtshoheit der Schweiz ein. Und wie wehrt sich der Diplomat? Indem er auf die nachrichtenlosen Vermögen verweist und «auf die Raubkunstdebatte». Zwei absurde Vergleiche.

Aber er kann noch einen draufstehen: ««Meine Hoffnung ist es», sagt Miller mit Blick auf die aktuelle Diskussion, «dass die Schweiz dies nicht als eine Attacke auf ihre Souveränität und die Demokratie sieht.»»

Ja was sonst soll das denn sein, müssten Stäuble, Brönnimann, Knellwolf und Zihlmann zumindest fragen. Aber selbst zu viert fällt ihnen das nicht ein, weil sie in ihrer Gesinnungsblase solche offensichtlichen Realitäten nicht sehen wollen.

Dass der Tagi auch noch zum Sprachrohr und Mitteilungsorgan der US-Botschaft in Bern denaturiert, das lässt sich selbst mit der Bärtschi-Peinlichkeitsskala nur schwer fassen.

Es ist überhaupt nicht zu fassen.

 

Wenn Meinungsfreiheit weh tut

Bei der Debatte um ein Vermummungsverbot in der Schweiz vertraten linke Vollpfosten irre Ansichten.

Die schreibende Schmachtlocke Daniel Binswanger erklärte schon mal in der «Republik», dass in Europa Gesichts- und Ganzkörperpräservative  vor allem von selbstbewussten und selbstbestimmten Frauen freiwillig getragen werde: «Nikab-Trägerinnen in Europa sind typischer­weise unabhängige und selbst­bestimmte Frauen, die ihren Fundamentalismus gegen den Willen ihrer Familie praktizieren. Sie gehorchen mit der Vollverschleierung nicht einer Familien­tradition, sondern im Gegenteil, sie affirmieren ihre muslimische Born-again-Identität. Gerade für den Nikab greift also das Argument der Fremd­bestimmung nicht.»

Der inzwischen verzwergte damalige Chefredaktor des Tagi Mario Stäuble warnte, «ein Ja zum Burkaverbot» sei «ein Angriff auf unsere Grundrechte». Den Sieg der Burkagegner sah Tamara Funiciello, SP-Frauen, als «bedenkliches Signal an die Minderheiten», denn: «Wir müssen den Frauen das Recht lassen, anzuziehen, was sie wollen.» Auch Nicole Althaus von der NZZ eierte: «Ein liberaler Staat darf etwas nicht einfach deshalb verbieten, weil es manchen als unmoralisch scheint.»

Kurz nach ihrer Machtübernahme in Afghanistan log ein Sprecher der Taliban dem SoBli ins Mikrophon: «Wir haben bereits betont, dass die Rechte der Frauen im Rahmen des islamischen Rechts geschützt werden.»

Es gibt Saudi-Arabien. Es gibt den Iran. Es gibt Pakistan. Es gibt immer noch den IS. Überall, wo die mittelalterliche Religion des Islams staatliche Macht hat, herrschen finstere Zeiten, gelten Menschenrechte nicht für Frauen, wird die Brutal-Gesetzgebung der Scharia angewendet. Herrscht gesellschaftlicher Rückschritt, geht es auch wirtschaftlich den Bach runter, wenn nicht einfach Rohstoffe exportiert werden können.

Die schlimmste Steinzeitversion des Islams herrscht in Afghanistan. Nachdem die Taliban merkten, dass ihre Schalmeiengesänge weder zur Anerkennung ihres Regimes, noch zu wirtschaftlichen Hilfsleistungen führten, werden sie bei der Unterdrückung der Frauen immer brutaler.

Schulen für Mädchen? Geschlossen. Frauen auf dem Arbeitsmarkt? Verbannt. Eine Frau alleine ausser Haus? Verboten. In Begleitung des Mannes oder engen Verwandten erlaubt, aber dann mit Burka. Reicht das? Nein, das reicht nicht:

«Weil schon das Hören einer Frauenstimme die Männer erregen könnte, dürfen Frauen in Afghanistan seit Mitte August in der Öffentlichkeit auch nicht mehr sprechen», schreibt die NZZ ins europäische Schweigen über diesen Skandal unserer Aussenpolitik.

Der Absurditäten nicht genug: «Die Gesundheitsversorgung wird den Frauen vorenthalten: Ein männlicher Arzt darf sie nicht untersuchen, aber zu einer Frau können sie auch nicht gehen, denn den meisten Ärztinnen ist die Ausübung ihres Berufs untersagt.»

Nebenfolge: Afghanistans Wirtschaft ist am Boden. Der Grossteil der Menschen lebt unter der Armutsgrenze und ist auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen.

Was hat das mit der Schweiz und den Gegnern des Burkaverbots zu tun? Sehr viel. Denn nicht nur in seinen extremen Ausformungen ist der Islam mit westlichen Grundwerten und unserer Auffassung von Freiheit und Toleranz nicht vereinbar. Er ist eine Verliererreligion, der Minderwertigkeitskomplex seiner Anhänger führt schnell und überall zu Machtfantasien und Gewalttaten, wie die Messerattacken in jüngster Zeit wieder belegen.

Dagegen wird angeführt, dass das schliesslich nur einige verirrte und verwirrte Radikale seien, während die grosse Mehrzahl der Moslems friedliche Mitbürger seien. Das wird schon dadurch widerlegt, dass Meinungsumfragen zeigen, dass sie mehrheitlich die Scharia über die Gesetze stellen, die in den Ländern herrschen, in die sie sich vor dem Elend islamischer Staaten geflüchtet haben.

Die meisten von ihnen wollen sich gar nicht assimilieren, weil sie sich und ihre Religion der westlichen Zivilisation für weit überlegen halten. Ungläubige sind im besten Fall Untermenschen, im schlimmsten Fall müssen sie in der Befolgung des Korans getötet werden.

Natürlich ist die wörtliche Auslegung von Suren des Korans, genau wie bei Bibelstellen, mit Vorsicht hat zu geniessen, da es sich um Schriftstücke von umherziehenden Beduinen handelt, die im 7. Jahrhundert in der Wüste einer archaischen Mentalität lebten. Aber es gibt genügend Aufforderungen zu Gewalt gegen Ungläubige, so wie auch christliche Kreuzritte («deus vult» Gott will es) im Namen der Bibel in Jerusalem immer wieder Blutbäder anrichteten. Unterschied: das tun Christen nicht mehr, der Aufklärung sei Lob und Dank.

Anders der Koran:

Sure 2, Vers 191: «Und tötet sie, wo immer ihr auf sie trefft, und vertreibt sie, von wo sie euch vertrieben haben, denn Verfolgung ist schlimmer als Töten! Kämpft jedoch nicht gegen sie bei der geschützten Gebetsstätte, bis sie dort (zuerst) gegen euch kämpfen. Wenn sie aber (dort) gegen euch kämpfen, dann tötet sie. Solcherart ist der Lohn der Ungläubigen.»

Da braucht es, wie bei der Bibel, viel Rabulistik und Umschwätzen, um das zu relativieren.

Wie es Politiker und Publizisten geben kann, die unter Missbrauch unserer Meinungsfreiheit verschwurbelt versuchen, Verständnis für religiösen Wahnsinn zu schaffen, ein mittelalterliches Frauenbild schützen wollen, die potenzielle Gefahr von notgeilen islamischen Jugendlichen ausblenden, für Toleranz gegenüber dem Intoleranten plädieren, das ist unverständlich.

Noch schlimmer wird es, wenn sie Versuche, dieser gewalttätigen Gefahr innerhalb unserer freiheitlichen Gesellschaften zu begegnen, als fremdenfeindlich, hetzerisch, rechtsradikal, faschistoid oder gar faschistisch abkanzeln.

Der Islam in seiner heutigen Form ist nicht reformierbar, erhebt einen Allmachts- und Überlegenheitsanspruch, radikalisiert als Verliererreligion viele Gläubige. Er hat allerdings damit recht, dass der in seinen Augen dekadente Westen mit seiner falsch verstandenen Duldsamkeit einen grossen Beitrag dazu leistet, dass der Islam immer mächtiger und gefährlicher wird. Inmitten unserer Gesellschaft.

Dummes Gewäffel

Da ZACKBUM sowieso Schreibverbot bei Tamedia hat …

Schauen wir mal an, wie die Qualitätszeitung «Tages-Anzeiger» über den Zwischenfall im Bundeshaus berichtet. An vorderster Front kläfft der geschrumpfte ehemalige Grüssaugust-Chefredaktor und jetzige Inlandchef Mario Stäuble. Der muss Arbeitsplatzsicherung betreiben, nachdem seine ehemaligen Co-Chefredaktorin eher unsanft zunächst für besondere Aufgaben eingeteilt und dann zur Türe hinaus begleitet wurde.

Also titelt er seinen Kommentar «Rösti schadet seinem Profil als Staatsmann». Sagen wir so: damit schadete Stäuble seinem Ruf als Journalist – wenn er einen hätte.

Wie der kleine Besserwisser in der Schule, der mit den Fingern schnalzt und ruft «ich weiss es, ich weiss es», bevor der Lehrer eine Frage gestellt hat, hält Stäuble fest: «Eigentlich ist die Sache klar. «Den Anordnungen des Sicherheitspersonals ist Folge zu leisten», heisst es in Ziffer 5.2. der Hausordnung des Parlamentsgebäudes.»

Dann verwandelt er sich selbst in den benotenden Lehrer und spricht eine scharfe Rüge aus: «Die SVP-Nationalräte Thomas Aeschi und Michael Graber haben einen Fehler gemacht, als sie sich am Mittwoch auf eine Machtprobe mit bewaffneten Polizeibeamten einliessen, die den ukrainischen Parlamentspräsidenten schützten

Und was haben die beiden Amoks davon? «Damit verspielten sie politische Glaubwürdigkeit». Also, abtreten Aeschi und Graber, ohne politische Glaubwürdigkeit kann man doch schlecht politisieren. Zudem ist Graber ein blöder Nazi-Vergleich herausgerutscht, für den er sich ausführlich entschuldigte. Auch das nützt natürlich nichts, «aber der Schaden ist angerichtet». Das könnte man auch zu diesem Kommentar sagen. Selbst wenn sich Stäuble dafür entschuldigen würde, was er nie täte, ein Schaden wäre angerichtet, wenn es etwas zu beschädigen gäbe.

Dann doziert Stäuble munter weiter, man könne «das Dispositiv kritisieren». Das ist natürlich nur die Einleitung zu einem Aber: «Aber erstens besteht bei völkerrechtlich geschützten Personen eine Pflicht, für deren Sicherheit zu sorgen. Zweitens ist das Bundeshaus keine risikofreie Zone. Drittens ist der ukrainische Parlamentspräsident besonders exponiert. Viertens dauerte der Einsatz nur wenige Minuten.» Und schliesslich gäbe es noch andere Wege, im Parlamentsgebäude von A nach B zu kommen, sagt Schlaumeier Stäuble.

In Wirklichkeit ist es so, dass erstens eine Plattitüde ist. Zweitens ist Quatsch, selbst Stäubles Schreibtisch ist keine risikofreie Zone. Drittens ist wieder eine Banalität, und viertens tut nichts zur Sache, wie lange der «Einsatz» dauerte. Vielleicht wäre noch der Zweck zu erwähnen, den Stäuble wohlweislich weglässt.

Der ganze Aufwand wurde betrieben, dass sich der SP-Nationalratspräsident (Neue AKWs sind Quatsch)-Eric Nussbaumer für einen Fototermin mit dem ukrainischen Parlamentspräsidenten an einem weihevollen Ort in Pose werfen konnte. Zugegeben, dabei hätte ein SVPler gestört, der vielleicht noch Grimassen geschnitten hätte.

Auf ähnlich hohem Niveau äussert sich ein Martin Erdmann, ein «BE-Post-Kolumnist», was immer das sein mag im Hause Tamedia. Der will offenbar das Humorniveau von Mike «Arschlosch»-Müller unterbieten, was ihm  fast gelingt. Zwei SVP-Nstionalräte hätten bewiesen. «was passiert, wenn rationales Denken von zu viel Testosteron sabotiert wird».

Lösungsvorschlag Erdmann:

«Natürlich könnte man nun das biologische Wunder untersuchen, wie Männer in ihren 40ern in der Spätadoleszenz stecken geblieben sind. Viel einfacher wäre es jedoch, künftig mithilfe von Walgesängen den Ratsbetrieb zu sichern.»

Ob solch unlustigem Flachsinn würde Müller vor Neid erblassen.

Ausserhalb des Universums der Qualitätsmedien aus dem Hause Tamedia weist immerhin der «Blick», nicht gerade als SVP-nah bekannt, darauf hin, dass sich auch unverdächtige Parlamentarier kritisch geäussert hätten. So der FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen:

«Das habe ich wirklich noch nie erlebt. Überall im Treppenhaus im Parlamentsgebäude stehen mit Maschinenpistolen bewaffnete Bundespolizisten, die die Leute und Mitglieder des Parlamentes daran hindern, sich im Gebäude frei zu bewegen. Das geht nicht!»

Auch der müsste sich eigentlich eine scharfe Rüge plus Strafaufgabe von Stäuble einfangen.

Aber immerhin, dank SDA gibt es 326 Treffer im Medienarachiv für diesen Zwischenfall.

So kindisch die Provokation der beiden SVPler auch gewesen sein mag: dass Parlamentarier im Parlament drangsaliert werden, nur weil der Nationalratspräsident ein nettes Foto mit seinem Amtskollegen Ruslan Stefantschuk machen will, ist schon schräg.

ZACKBUM ist sich schmerzlich bewusst, dass mit diesem Beitrag das Schreibverbot in Tamedia nicht aufgehoben wird. Daher fordern wir: die beiden beleidigten Leberwürste (feminin) in der Chefredaktion sollten mangels ausreichender Qualifikation  zurücktreten.

 

Ach, Tagi, wohin nur?

Wir führen die Sonde in den Online-Auftritt am Mittwoch ein.

Eine Momentaufnahme des Niedergangs. Das bietet der Tagi online am Mittwoch um 15.00 Uhr als Aufmacher:

Die grosse News: es geht (mal wieder) gegen Christoph Blocher. Da holt der eingeschrumpfte Mario Stäuble gross aus: «87 Persönlichkeiten fordern, dass die Schweiz die Neutralität neu denkt. Sie skizzieren ein Gegenmodell zur Initiative des SVP-Doyens – und setzen den Bundesrat unter Druck.»

Das ist nun eine sehr kühne Behauptung. Wenn man sich alleine das «Kernteam» anschaut, handelt es sich hier doch eher um eine Muppetshow als um eine ernsthafte Veranstaltung. Dass man das nicht ernst nehmen kann, dafür garantiert schon mal der «Ex-Diplomat» Daniel Woker, der in den letzten Jahren immer wieder mit verbalen Amokläufen verhaltensauffällig wurde, in denen er auf das Übelste gegen die SVP und Blocher austeilte. Wer sich mit dem an den gleichen Tisch setzt, hat ein ernsthaftes Haltungsproblem.

Dann rapportiert der Tagi den geplanten Abbau von Poststellen; eine Information, die jeder gratis überall beziehen kann. In Indien war’s heiss, das interessiert natürlich Klimabewegte ungemein. Und die betroffenen Inder. Aber sonst?

Dann kümmert sich eine Michelle Muff, deren Qualifikation nicht bekannt ist, weil ihre Autorenseite leer ist, um den «Ukraine-Blog». Darin berichtet sie, was sich Kiew von der Konferenz auf dem Bürgenstock erhoffe. Das sind brandheisse News, von vorvorgestern. Das einen «Friedensgipfel» im Titel zu nennen, ist doch eher kühn. Denn wenn eine der beiden Kriegsparteien sowie wichtige Player wie China nicht daran teilnehmen, auch der US-Präsident höchstwahrscheinlich Besseres zu tun hat, dann sollte man so etwas eher «Meinungsaustausch über nichts mit wichtiger Miene» nennen.

Werfen wir noch einen Blick auf die «Empfehlungen der Redaktion»:

Die richten sich alle an Abonnenten; wer nichts zahlt, kriegt auch nichts empfohlen. Marketingtechnisch grossartig.

Der erste am Mittwoch empfohlene Artikel stammt vom Dienstag. Auch grossartig. Die vier Spassbremsen Jacqueline Büchi und Philippe Zweifel, unterstützt von Patrick Vögeli und Thomas Weyress, versuchen sich an einer Satire. Aber schon der Titel und der Lead sind so abschreckend, dass man sich die umzingelten Scherze nicht weiter antun will: «Vulva, Wolf und Geri: Wie die neue SRG-Chefin die Parteien glücklich machen würde Keramik-Vulven auf dem SP-Kanal, «Putin, der Unverstandene» auf SVP 1 – und Geri total bei der Mitte: So sähe der Service public aus, wenn Parteien das Fernsehprogramm gestalteten.»

Auch der nächste empfohlene Artikel ist von gestern, weiterhin toll. Hier geht es um das schockierende Video über eine Prügelattacke auf eine Frau in Schaffhausen. Das ist alles bekannt, seit SRF-«Rundschau» die schockierenden Bilder gezeigt hat. Was tun, fragte sich der Tagi, und kam auf die schlechte Idee, der selbsternannten «Expertin für geschlechtspezifische Gewalt», Agota Lavoyer, Gelegenheit zu geben, sich öffentlich lächerlich zu machen.

Die sagte schon so absurde Sachen wie: «Es ist nicht zuletzt der fehlenden Gleichberechtigung geschuldet, dass sexualisierte und häusliche Gewalt an Frauen in der Schweiz noch immer so verbreitet sind.» Aber gut, wenn die Alternative wäre «wir haben nix zu dem Thema», dann halt Lavoyer.

Dann halt «Showdown in Lower Manhattan». Ist halt blöd, wenn man sich etwas aus den Fingern saugen muss, wo das Urteil im Prozess gegen Donald Trump noch nicht bekannt ist. Dass auch der Artikel vom Vortag stammt, macht die Sache nicht besser.

Und schliesslich «Feiern und hetzen: Das Sylt-Video ist kein Einzelfall». Der Artikel ist, richtig geraten, vom Vortag. Für Schweizer Leser: Sylt ist eine kleine Insel ganz hoch oben im Norden Deutschlands. Dort haben ein paar besoffene Deutsche Nazi-Sprüche geklopft und «Ausländer raus» gegrölt. Das zeichnen gleich vier Mitarbeiter der «Süddeutschen Zeitung» nach, das ist in Deutschland ein überproportional aufgeblasenes Thema. Denn Ähnliches ist auch aus Sachsen-Anhalt, Stuttgart, von einem «Erntefest im vorpommerschen Bergholz» oder gar Hamburg zu vermelden.

Natürlich darf hier auch die fragwürdige Amadeu-Antonio-Stiftung zu Wort kommen, die in der Schweiz keiner kennt. Dass deutsche Gutmenschen in deutschen Gazetten in Wallungen geraten, wenn mal wieder Bräunliches und Angebräuntes gegrölt wird, ist verständlich – für Leser in Deutschland.

All diese Empfehlungen der Redaktion von gut abgehangenen Stücken, von denen jedes einzelne so seine gravierenden Probleme hat, sind eigentlich eine Bankrotterklärung für ernstzunehmenden Qualitätsjournalismus. Alle vier sind hinter der Bezahlschranke, genau wie der aufgepumpte Aufmacherartikel gegen Blocher.

Und mal ehrlich, man muss zwar weit, ganz weit nach unten scrollen, um die in den höchsten Tönen angepriesene «Kochserie «Elif x Tagi»» noch zu finden. Aber wenn ZACKBUM nochmals «Eiersalat à la Mama» lesen muss, dann bekommen wir echte Magenprobleme. Immerhin, weiter unten kommt nur noch der Ratgeber «Was Sie gegen Heuschnupfen tun können». Auch so ein Thema aus der Reihe «es fällt uns aber gar nichts Originelles mehr ein, und das Feierabendbier lockt.».

Eine Momentaufnahme, sicherlich. Aber entweder hat ZACKBUM die absolut schwächste Stunde des «Tages-Anzeigers» erwischt, oder aber, dem Blatt ist so nicht mehr zu helfen. Denn fällt irgend jemandem irgend ein Grund ein, wieso man für irgend etwas hier Eintritt bezahlen soll?

Tx xen und sparen

Bei so vielen X Men könnte man ein X machen …

Wieso eigentlich immer nur bei den armen Indianern sparen? Das Potenzial ist überschaubar, der Betrag auch, ausserdem gibt das immer schlechte Stimmung.

Viel besser (und ertragreicher) wäre es doch, mal ganz oben mit Sparen anzufangen. ZACKBUM hat da ein paar Vorschläge.

Fangen wir mal beim Verwaltungsrat an. Da ist Dr. Pietro Supino, Präsident und Verleger. Wie wäre es, ihn zum Ehrenpräsidenten zu machen, der pro bono arbeitet? Sparpotenzial: sicher über eine Million. Dann hätten wir Claudia Coninx-Kaczynski, Mitglied des Vergütungsausschusses. Jemals etwas von ihr gehört? Andere Qualifikation als der erste Nachname? Also, Sparpotenzial bei 100 Prozent. Dr. Stephanie Caspar, «Partnerin des Private-Equity-Unternehmens Summa Equity». Das sollte sie doch eigentlich völlig auslasten, wieso noch VR bei Tx? Und schliesslich Pascale Bruderer, null Ahnung von Verlegen, einfach aus Verlegenheit eine Quotenfrau aus der SP. Weg damit.

Schon hätten wir den Betrag eingespart, den fast 50 Mitarbeiter mit ihrem Job bezahlen müssen. Aber damit ist das Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft.

Wir haben noch die «Gruppenleitung». Da ist Dr. Pietro Supino Chairman & Publisher. Er trägt zwar auf dem Foto den gleichen grünen Pullover, aber diesmal darf er seine Titel auf Englisch benützen. Macht nix, you can take a leave. Dann hätten wir Daniel Mönch, «Chief Strategy Officer». Also ist er der Hauptverantwortliche für die gescheiterte Strategie. Sollte Konsequenzen haben. Dr. Ursula Nötzli, «Chief Communications & Sustainability Officer». Jemals etwas von ihr kommunikativ gehört? Und dann noch Nachhaltigkeit, das Ersatzwort für «unnötig».

Aber da ist noch Luft drin. Andreas Schaffner, CEO Tamedia. Hauptverantwortlicher für den dramatischen Niedergang. Geht dann sowieso mal. Wieso nicht jetzt? Schliesslich Davide Villa, CEO JobCloud. Braucht’s den für irgendwas?

Damit hätten wir schon viele Millionen eingespart, ohne dass es sonst wie spürbar wäre. Aber wir haben noch einen Wasserkopf, den man problemlos etwas entleeren könnte. Die Chefetage von Tamedia, Pardon «Tages-Anzeiger». Oder wie immer das heissen mag. Dass es eine Chefredaktorin und einen Stellvertreter braucht, wohlan. Vielleicht nicht diese, aber besser als nix. Hoffentlich. Aber was sollen hier Matthias Chapman und vor allem Kerstin Hasse? Raum- und Geldverschwendung.

Dann hätten wir noch, oberhalb der Ressortleiter, die «redaktionelle Steuerung». Abgesehen davon, dass hier Zurbriggen, Chapman und Hasse noch einen Zweitjob gefasst haben: braucht es da wirklich eine sechsköpfige «Printleitung»? Und wenn man diese 14 Nasen einsparen würde, käme man doch locker auf mindestens 3 Millionen Franken; Geld, das nicht einfach rausgeschmissen wird.

Dann wäre mal in einer ersten Runde das sinnvolle Sparpotenzial ausgeschöpft. Es gibt allerdings noch ein paar Häuptlinge mit vielen Federn und wenig Bedeutung. Mario Stäuble als Schweiz-Chef. Bloss, weil man seine Degradierung versüssen wollte? Wieso macht man mit ihm nicht das, was mit seiner ehemaligen Co-Chefredaktorin passierte? Projektleiter neue Märkte Antarktis, und dann tschüss?

Oder Christof Münger, Leiter Ausland, samt Enver Robelli, Stellvertreter. Der wird höchstens wach, wenn es gegen Djokovic was zu bellen gibt, Münger leitet eigentlich nix, sondern leidet darunter, dass alles von der «Süddeutschen Zeitung» angeliefert wird. Und um das ß durch ss zu ersetzen, dazu braucht es nun wirklich keine Leitung, weder eine lange, noch eine kurze.

Das «Recherchedesk». Wird meistens auffällig, wenn es um das Ausschlachten von Hehlerware geht, mit der es sich hemmungslos anfüttern lässt. Könnte man auch direkt aus München übernehmen; die Schweizer Beispiele (wie Gunter Sachs oder Jean-Claude Bastos) waren sowieso Vollflops.

Das liebe «Leben», das Sammelgefäss für Übriges und Randständiges. Das «Team Kultur» könnte gestrichen werden, ohne dass der Leser etwas davon merkt. Und bei «Daten & Interaktiv» hat der Co-Leiter Marc Brupbacher offensichtlich so viel Freizeit, um einen Hobbys und Sonderlichkeiten nachzugehen, dass er das doch auch als Privatier tun könnte.

Sonst noch was? Nun, da wäre der finanzielle Aspekt überschaubar, aber der Leser fühlte sich entschieden weniger gequält. Kahlschlag bei den Kolumnisten. Kathrin Bertschy, Markus Freitag, Kim de l’Horizon, Petra Ivanov, Cenk Korkmaz, Andri Silberschmidt. Peter Schneider als Ein-Mann-Orchester reicht völlig.

Die rückgratlose «Magazin»-Redaktion könnte ebenfalls eine Lücke hinterlassen, die sie vollständig ersetzt. Und dann hätten wir noch so tolle Funktionen wie «Chief Product Officer», Chief Revenue Officer, Head of Service, Head of Commerce Platforms und viele weitere Heads und «Teamleiter» ohne Team. Head off, oder will man da wirklich den «Blick» nachahmen?

Und last, but not least die Abteilung «Digital Technology». Das Projekt Aurora in den Sand gesetzt. Weder digital noch technologisch irgend etwas gebacken gekriegt. Vier Nullnummern, können weg.

ZACKBUM hat’s nicht im Einzelnen ausgerechnet, aber das ergäbe eine Einsparung, die weitere Sparrunden auf Jahre hinaus überflüssig machen würde. Und, um es im Management-Gequatsche auszudrücken, es wäre erst noch win-win. Denn es würden zudem massenhaft Fehlentscheidungen eingespart werden.

So sähe die Zukunft von Tx rosig und hoffnungsfroh aus. Leider ein schöner Traum.

Neid hat viele Töne

Mario Stäuble mag die SVP nicht.

Das ist zusammengefasst die Botschaft einer angeblichen «Glosse zum SVP-Wahlkampf». Ob Stäuble wohl weiss, was eine Glosse ist? Wenn ja, vermag er es gut zu verbergen. Der degradierte ehemalige Co-Chefredaktor Lokales vom «Tages-Anzeiger» musste sich zum Wahlkampfvideo der SVP äussern.

Wie in jedem Wahlkampf zeigen da die SVPler, angeführt von DJ Tommy, alias Thomas Matter, dass die Partei neben Verkniffenem und Schmallippigem auch zu selbstironischer Lockerheit in der Lage ist.

Wenn Bundespräsident Berset an der Street Parade in pinker Federboa teilnimmt und eine Bierdose an den Hut kriegt, dann ist das Tamedia keine böse Zeile wert. Wenn aber die ganze Mannschaft der SVP wie aus dem Feindbild von Stäuble ausgeschnitten zu einer Musik performt, die an «We are Family» erinnert, dann muss das Stäuble natürlich scheisse finden.

Gesteigert wird das nur durch die Dumpfpostille «watson»: «Damit du es nicht anhören musst: Das neue SVP-Tanzvideo in 13 Gifs.» Gesteigert wird das nur durch den angeblichen Humoristen «Karpi». Der wandte sich auf Twitter an den Komponisten Nile Rodgers mit der Behauptung, die SVP habe ihn doch sicher um Erlaubnis gefragt, «We are Family» verwenden zu dürfen. Dummerweise hat Rodgers noch nicht geantwortet.

Stäuble beginnt mit Einzelkritik: «Ems-Chemie-Chefin Magdalena Martullo-Blocher bewegt ihre Arme hin und her wie zwei Scheibenwischer.» Aber damit ist der satirische Muskel von Stäuble noch nicht erschlafft, er kann noch nachlegen: «Die Inszenierung sieht nach einer frühen Probe für die nächste Abendunterhaltung der Männerriege aus». Ist zwar Gefasel, hört sich aber irgendwie abwertend an, also hat’s Stäuble stehenlassen.

Er ist sich schmerzlich bewusst, dass das noch keine Glosse ist, nur Geholze. Also versucht er es auf einer abstrakteren Ebene. Der Clip sei ein Beispiel für die Entpolitisierung der Politik: «Weil man bei einem Segment des Publikums mit inhaltlichen Botschaften nicht mehr durchdringt, versucht man, gute Stimmung zu schaffen.»

Das ist geradezu unverschämt von der SVP. Aber Stäuble wird immer noch nicht den nagenden Verdacht los, dass er es der SVP noch nicht richtig gegeben hat. Also legt er nach: «Das Video lässt sich aber auch anders lesen: Keine andere Partei ist schambefreiter im Vortragen ihrer eigenen Botschaften.»

Das gälte für für «die harten Parolen wie «Ausländer raus!», für Beleidigungen an die Adresse der Freisinnigen – «das gilt aber auch für Matters Gute-Laune-Befehl». Befehl?

Den wenigen Lesern, die sich durch dieses Gestammel bis hierher gekämpft haben, gibt Stäuble dann noch ein letztes Rätsel mit auf den Weg: «Dass man dabei auch mal Minderheiten verunglimpft oder im Wahlsong einen Holperreim platziert? Gehört dazu. … Und ist der Ruf erst ruiniert, politisiert es sich ganz ungeniert.»

Das hingegen ist eine verblüffende Selbsterkenntnis. Oder auf Stäube übersetzt: ist der Journalist erst degradiert, lebt sich’s ungeniert.

Denn was uns Stäuble mit dieser angeblichen Glosse sagen will, was genau ihm an diesem Clip nicht passt (ausser, dass er von der SVP) ist, das bleibt sein süsses Geheimnis.

Wie schreibt er so  richtig: «Man fragt sich: Was ist noch geiler als geil? Noch steiler als steil? Das Ausfüllen der Wahlunterlagen? Antworten gibt es keine.»

Man wird den Verdacht nicht los, dass Stäuble meint, der Begriff Glosse sei die deutsche Übersetzung von Lippgloss. Oder komme von glotzen. Mit satirischem Sprachwitz hat das auf jeden Fall nichts zu tun.

Stäuble: und tschüss

Wir erweitern die Liste der Un-Personen. Um Mario Stäuble.

Wie die Herrin, so’s Gescherr. Reimt sich zwar nicht so, aber das, was Raphaela Birrer von sich gibt, tut’s auch nicht. Auf ihren Spuren wandelt Mario Stäuble, der abmontierte Co-Chefredaktor des «Tages-Anzeiger».

Er tut das, was alle hilflosen und einfallslosen Journalisten tun, die zu faul zum Recherchieren sind. Er kommentiert. Und wie: «Selenski legt die Heuchelei in der Schweizer Ukraine-Politik frei». Unglaublich, und wie schafft er das? Nun, sowohl der Präsident des Nationalrats wie die Präsidentin des Ständerats hätten Selenskyj vor und nach seiner Rede ihrer Solidarität versichert. Aber hinzugefügt: im Rahmen der Neutralität.

Da kommt Stäuble ins Vibrieren: «Solidarisch, aber neutral. Präsident Selenski ist in jenem Moment auf den Monitoren im Nationalratssaal noch nicht eingeblendet. Ob sich wohl Falten auf seiner Stirn gebildet haben? Wie sollen diese beiden Adjektive zueinander passen

Leider weiss Stäuble nichts Genaues über die Faltenbildung bei Selenskyj. Aber er weiss: «In den beiden kurzen Reden offenbarte sich die ganze Heuchelei der Schweizer Ukraine-Politik. Selenski hielt der Schweiz den Spiegel vor – allein durch seine virtuelle Präsenz.»

Der Mann spricht Dunkles und Unverständliches. Wieso soll der Hinweis auf die Schweizer Neutralität Heuchelei offenbaren? Wieso soll Selenskyj der Schweiz den Spiegel vorgehalten haben? Gaga.

Aber nun kommt Stäuble erst richtig in Fahrt: «Eine Partei, der die Souveränität des eigenen Landes heilig ist, verweigert dem höchsten Vertreter eines angegriffenen souveränen Rechtsstaats das Ohr.» Damit ist wohl die SVP gemeint, die nicht damit einverstanden war, dass zum ersten Mal in der modernen Geschichte der Schweiz ein Präsident, der in einen Krieg verwickelt ist, direkt zum Parlament sprechen darf.

Deren Absenz ist nicht etwa der anständige Ausdruck eines Protests, nein: «das ist feige». Welch ein Irrwisch; was soll denn daran feige sein?

Aber Stäuble hat noch nicht fertig. In einem wilden Gedankensprung wechselt er zu den «Hackerangriffen, welche diese Woche auf zahlreiche Schweizer Websites eingeprasselt sind». Nächster Schritt in die Absurd-Logik: «SVP-Vertreter argumentierten: Die Schweiz müsse sich eben auf die neutrale Vermittlerrolle beschränken, dann stelle man auch kein Angriffsziel dar.»

Aha, aber: «Dabei ist das Gegenteil der Fall. Die – vergleichsweise harmlosen – Cyberangriffe sind ein Beispiel dafür, wie sich Risiken heute manifestieren

Wir versuchen zu entwirren. Für Russland ist die Schweiz, nicht zuletzt, weil sie die Sanktionen ungeprüft übernimmt, nicht mehr neutral. Aber das nur nebenbei. Denn Stäuble hat immer noch nicht fertig. Nun kommt der Abschuss des Air-Malaysia-Flugs vom Juli 2014 dran. Was der mit der Schweiz und der Neutralität zu tun hat? Nun, in dem Flugzeug seien 192 Niederländer gesessen. Daher: «Heute gehören die Niederlande zu den offensivsten Staaten, was die Unterstützung der Ukraine betrifft.»

Allerdings sind die Niederlande, wenn wir uns nicht täuschen, nicht neutral und Mitglied in der NATO. Im Gegensatz zur Schweiz. Die hingegen sei «wenn es zu schärferen Angriffen auf die Schweizer Infrastruktur käme», auf «internationale Unterstützung angewiesen». Aha. «Und auf befreundete Staaten, die nicht schulterzuckend erwidern: Wir sind solidarisch. Aber leider auch neutral

Allerdings gibt es, wenn wir uns nicht täuschen, in Europa nur noch den Vatikan, Liechtenstein und Österreich, die sich für neutral erklären. Oder meint Stäuble etwa Andorra, die Mongolei, Turkmenistan oder Costa Rica? Ohne deren Hilfe wäre die Schweiz allerdings verloren.

Es ist Sonntag, das Wetter ist zu schön, um sich weiterhin mit einem solchen Ausbund von Unlogik, Unfähigkeit und blinder Angriffigkeit herumzuschlagen. Wir nehmen auch Stäuble auf die Liste der personae non gratae von ZACKBUM. Kein Wort mehr über ihn.

 

 

Mario Stäuble

Die Kommentare sind noch der Untergang von Tamedia.

«Die Unabhängigkeit der CS geopfert, die Stabilität des Finanzsystems gesichert.» Das habe der Bundesrat getan, behauptet der frischgebackene Inlandchef von Tamedia. Frisch degradiert zeigt er ungefähr so viel Sachkompetenz wie Finanzministerin Karin Keller Sutter.

Die hat gerade vom Nationalrat eine zwar nur symbolische, aber dennoch schallende Ohrfeige gekriegt. Denn die Volksvertreter lehnten das Notrecht-Gemurkse des Bundesrats ab. Damit bewiesen sie mehr Fachkenntnis als Bundesrat, Nationalbank, FINMA und Stäuble zusammen.

Denn jedem vernunftbegabtem Menschen muss es klar sein, dass die Lösung, eine strauchelnde Dinosaurierbank zu «retten», indem man sie in einen noch grösseren Dinosaurier transplantiert, grotesk schlecht ist. Dass das wieder per Notrecht in höchster Eile geschah, macht aus der Groteske eine Tragödie.

Was wird passieren, sollte die UBS – wie bereits zehn Jahre nach ihrer Gründung 1998 – wieder am Abgrund stehen und nur durch künstliche Beatmung mit Milliarden Staatsgeldern gerettet werden könnte? Das stellte damals 66 Milliarden ins Feuer. Bei der CS sind es bereits 259 Milliarden. Wie viele müssten es bei einer neuerlichen UBS-Rettung sein? Die Bank ist nun dreimal grösser als die CS, man rechne.

Also tat der Nationalrat das einzig Vernünftige, obwohl das folgenlos bleiben wird. Es ist ein Unding im Gemurkse, dass per Notrecht gefasste Beschlüsse alternativlos sind. Weder vom Parlament, noch vom Stimmvolk überprüft oder korrigiert werden können.

Aber statt diese naheliegenden Probleme zu thematisieren, kritisiert Stäuble, dass Parteipolitik betrieben worden sei: «Man spürt: Es ist Wahljahr.» Das hat was, aber dann müsste der kompetente Kommentator vielleicht kritisieren, dass die SP zunächst einem sinnvollen Vorschlag der SVP zur Lösung der «too big to fail»-Problematik zustimmte, dann aber aus rein parteitaktischen Gründen auf dem Absatz kehrt machte und ihn versenkte. Angeführt von der Schnellschwätzerin Jacqueline Badran.

Aber das will Stäuble seinem linksliberalen Publikum nicht zumuten. Stattdessen versteigt er sich zu einer absurden Behauptung: «Das Parlament sendet Signale des Misstrauens aus – wenige Wochen nachdem der Bund mit einem dreistelligen Milliardenbetrag einen Bank Run gestoppt hat. Mit ihrem Widerstand unterlaufen SP, Grüne und SVP die Strategie des Bundesrats, um jeden Preis Stabilität zu garantieren.»

Der Mann hat keine Ahnung. Der Bundesrat hat, wenn seine Behauptung stimmt, dass die CS alle Eigenkapitalvorschriften erfüllt und solvent gewesen sei, keineswegs einen Bank Run gestoppt. Er hat vielmehr einen Notverkauf der Bank erzwungen. Ob er damit Stabilität hergestellt hat, ist mehr als fraglich.

Aber Stäuble zeigt dem Parlament, wo der Hammer hängt: «Statt Lösungen zu debattieren, betreiben die Parteien Wahlkampf.»

Als Stammtischmeinung nach dem zweiten Halbeli durchaus akzeptabel. Als Kommentar des Inlandchefs des zweitgrössten Medienkonzerns der Schweiz inakzeptabel.

Die GV der CS hat immerhin die Vergütung der Geschäftsleitung der Krisenbank abgelehnt – Quittung für Unfähigkeit. Stäubles Kommentar steht hinter der Bezahlschranke bei Tamedia. Ist zwar nichts wert, kostet aber. Wäre es da nicht naheliegend, dass auch der Tamedia-Leser die Honorierung von solchem Unfug verweigern dürfte? So als Anregung Richtung Supino.