Auf der Suche nach dem verlorenen Leib

Der «Tages-Anzeiger» lotet Abgründe in Untiefen aus.

Man verspürt die Absicht und ist verstimmt. Aber genug der literarischen Anspielungen, sonst wird es Nora Zukker noch ganz anders. Denn die Absicht von Tamedia ist offenkundig: was unsere eigenen Schreibkräfte an unterirdischem Unfug und Unsinn nicht gestammelt kriegen, das lassen wir unsere neuen Kolumnisten erledigen.

Und wer wäre da besser geeignet als der «Shootingstar der Literaturszene», der Mann, Pardon, das Wesen «von Gethen, einem Planeten weit, weit weg, aus einer anderen Geschichte». Sein Nom de Plume ist so bescheuert wie sein irdischer Name banal, also lassen wir beide weg.

Auf jeden Fall hat hier eine*r zugeschlagen:

Nun könnte man auf ihn (der Einfachheit halber verwenden wir sein dominierendes irdisches Geschlecht) reinfallen und sich an seinen angeblichen «Neuigkeiten» abarbeiten, die in Wirklichkeit altbackene und einfältige Reflexionen sind, was passiert, wenn sich jemand sonderlich kleidet, sonderlich spricht und schreibt.

Aber besser als die erste Kommentatorin unter seinem Gebabbel kann man es nicht zusammenfassen, also lassen wir es dabei bewenden:

«Ich bin weder gekränkt noch freudig – es interessiert mich einfach nicht. Gewisse Leute haben offenbar ein sehr grosses Mitteilungsbedürfnis und können nicht verstehen, dass andere sich nicht für deren Leben interessieren, besonders da man die Person persönlich nicht kennt.»

ZACKBUM möchte höchstens hinzufügen: Dass wir uns einmal nach einer Kolumne von de Weck oder Bleisch zurücksehnen, das hätten wir nie gedacht …

Wo Welten klaffen

Wie behandeln Schweizer Medien die Gewaltorgien in Deutschland?

Der «Blick» brauchte drei Anläufe, um das unkorrekte Wort «Migranten» aus dem Titel zu kriegen. Zunächst steigerte er sich sogar zu «Migranten-Mob», dann wurde es ein gender- und hintergrundneutraler «Silvester-Mob».

Seither bemüht sich das ehemalige Boulevardblatt, dem Abflussrohr in seinem Logo alle Ehre zu machen:

Eine Fernanalyse der Schweizer Polizeibeamten-Präsidentin mit der überraschenden Erkenntnis, dass allgemein der Respekt abnehme und solche Zustände auch in der Schweiz möglich seien. Dann die politisch korrekte Meldung, dass immerhin «45 der 145 verhafteten Chaoten Deutsche» seien. Wie viele davon mit Migrationshintergrund, darüber schweigt das Rechercheblatt.

Aber immerhin, der meistens am Schreibtisch anzutreffende «Ausland-Reporter» Samuel Schumacher riskiert einen Karriereknick mit der klaren Aussage: «Nach allem, was bislang über die Ausschreitungen in Deutschland bekannt ist, handelt es sich bei einem signifikanten Teil der Täterschaft um junge, männliche Migranten

Wie eigentlich meistens bietet Tamedia das kläglichste Bild von allen Schweizer Bezahlmedien. Es lässt den völlig verpeilten Berlin-Korrespondenten der «Süddeutschen Zeitung» schwadronieren, der das Problem, dass fast ausschliesslich ein Migrations-Mob tobte, so schön- und wegschreibt, wie es halt nur einem Gesinnungsjournalisten einfallen kann.

Während er in einem ersten Artikel den «Migrationshintergrund» der Krawallanten noch völlig ausblendete, zieht er sich in einem zweiten hinter die Formulierung zurück: «Das deutsche Innenministerium jedoch verwies darauf, dass es noch keine Übersicht zu den Verdächtigen gebe

Das bringt sogar die gutmütigen Tagi-Kommentatoren in Wallungen, die überwiegend Klartext äussern und sich solche Schönschreibungen verbitten. Es ist mal wieder erbärmlich, wie ein Bauchnabel-Journalist an der Realität (und an seinem lesenden Zielpublikum) vorbeischreibt – und dass Tamedia das Geschwurbel unkommentiert stehenlässt.

Aber zum Gutmenschentum gehört auch eine gewisse Flexibilität. Plus ein Schuss Lächerlichkeit. Denn der Tagi legt nach: «ARD-Video befeuert Debatte über Nennung von Täter-Herkunft», berichtet das Blatt der korrekten Denkungsart. Damit ist gemeint, dass in der Hauptausgabe der deutschen «Tagesschau» der zugeschaltete Berlin-Korrespondent um eine klare Aussage zur Herkunft der überwiegenden Mehrheit der Chaoten und Gewalttäter herumstolperte: «Von den Tätern zu sprechen ist in solchen Kontexten immer ein bisschen schwierig», erklärte der Journalist im TV», referiert der Tagi.

Dann wird’s echt lustig. Die sich daraufhin in Deutschland entwickelnde Debatte, wie es mit der Nennung von Nationalitäten im Zusammenhang mit den Gewaltorgien in Berlin stehe, wird vom Tagi ausführlich dargestellt. Allerdings verliert das Tamedia-Kopfblatt kein Wort darüber, dass auch der eigene Spar-Korrepondent von der «Süddeutschen» anfangs kein Wort zu diesem Thema verlor und auch in der nachgeschobenen Story um das Problem Migranten-Mob herumeierte.

Ganz anders CH Media, die sich immer mehr als wohltuende Alternative zum Gesinnungsbrei aus dem Hause Tamedia positionieren. Beispielsweise im St. Galler «Tagblatt» darf Cornelie Barthelme kommentieren. Sie ist seit 20 Jahren Berlin-Korrespondentin für verschiedene Tageszeitungen und nimmt mit norddeutscher Zurückhaltung, aber auch Klarheit Stellung. Sie hat die Sachkompetenz einer Journalistin, die nicht erst seit gestern per Google von den Problemen weiss: «Gerade in Neukölln aber hatte schon in den Nullerjahren der damalige Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) vor dem Totschweigen der Probleme durch den hohen Anteil von Migranten gewarnt.»

Auch Barthelme schreibt Klartext: «Dass am 1. Januar noch nichts bewiesen ist, auch am 2. und am 3. vieles und das meiste über die Identität der Täter noch im Vermutungsbereich, dass also nicht in den Zeitungen steht, es handle sich ganz eindeutig um nicht-deutsche Gewalt, führt zu den ebenfalls üblichen Vorwürfen gegen Politik und Medien, hier solle gelogen und totgeschwiegen werden. Heraus ist bis Dienstag spätnachmittags aber nur, dass mindestens 103 der Festgenommenen wieder frei sind. In der öffentlichen Wahrnehmung passt das zur Forderung von Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) nach Strafen «mit der ganzen Härte des Gesetzes» wie die Faust aufs Auge.»

Eine Steigerung nach oben ist hier höchstens noch in der NZZ zu konstatieren. Fatina Keilani, Redaktorin im Berliner Büro der NZZ, die alleine vom Namen her nicht wirklich sofort rassistischer Vorurteile verdächtigt werden kann, macht das, woran all die anderen Schweizer Journalisten (oder für Schweizer Organe schreibende deutsche Journalisten) nicht gedacht haben (oder sich nicht trauten): «ein forschender Spaziergang auf der Sonnenallee nach der Silvesternacht», überschreibt sie ihre Lokalreportage. Hier fanden die gröbsten Ausschreitungen des Migranten-Mobs statt.

Besonders ergiebig sind ihre Erkenntnisse nicht, aber auch ihr Bericht über Sprachlosigkeit, Ablehnung von Journalisten oder Verdrängung ist interessant. Sie begibt sich unerschrocken in ein «Albaner-Café» und reportiert: «Am Tresen steht eine junge, knochige Frau mit grossen Augen und eisigem Blick, mit der keine Verständigung möglich ist. Das Café war schon öfter Ziel von Razzien. Hier redet niemand mit der Presse.»

Kein Blatt vor den Mund nimmt im «anderen Blick» auch der Chefredaktor des NZZ-Büros in Berlin. «Wenn Politiker hilflos sind, aber entschlossen wirken wollen, dann kommen drei Mittel fast immer zum Einsatz: die Feststellung der eigenen Fassungslosigkeit, die scharfe Verurteilung und die Forderung nach einer Debatte», leitet Marc Felix Serrao seinen Kommentar ein.

Er hält mit klaren Zahlen dagegen:

«Die Gewalt mit Migrationshintergrund ist nicht unerwartet und plötzlich explodiert, wie die nun zur Schau gestellte Ratlosigkeit vieler Politiker insinuiert. Laut dem Bundeskriminalamt stellen Syrer, Afghanen und Iraker seit Jahren den grössten Anteil tatverdächtiger Zuwanderer in Deutschland, zuletzt lag er bei knapp 40 Prozent. Die Straftaten, um die es geht, sind vor allem «Rohheitsdelikte», also etwa Körperverletzung oder Raub.»

Er zögert auch nicht, Lösungsvorschläge anzubieten: «Was tun? Der erste Schritt wäre eine ehrliche Bestandsaufnahme. Die meisten Migranten und Deutschen mit Migrationshintergrund sind gesetzestreu; sie arbeiten und zahlen Steuern, und viele sind eine Bereicherung für das Land. Das bleibt wahr, wenn man zugleich feststellt, dass eine bestimmte Gruppe von Migranten ein immer grösser werdendes Problem darstellt. … Praktisch braucht es schnelle und abschreckende Strafen und eine Migrationspolitik, die die Interessen der Bevölkerung – der Einheimischen wie der gesetzestreuen Zuwanderer – in den Mittelpunkt stellt. Ganz konkret: Ein Land, das ein solches Problem mit jungen, ungebildeten Männern aus muslimischen Ländern hat, sollte aufhören, immer mehr von ihnen einwandern zu lassen.»

Aber davor schrecken seit 2015, seit den massenhaften Übergriffen auf der Kölner Domplatte, die meisten Politiker und die überwiegende Mehrheit der Medienschaffenden zurück. Also zieht Serrao das bittere Fazit: «Aber dazu wird es wohl nicht kommen. Schon die ehrliche Bestandsaufnahme hat in Deutschland kaum eine Chance. Dafür ist das öffentliche Gespräch über kriminelle Migranten zu verkorkst, zu angstbesetzt. Niemand will zu Unrecht als Rassist oder gar als Nazi gescholten werden, was hierzulande schneller als irgendwo sonst passiert. Also ist man lieber fassungslos. Oder man fordert eine Debatte, am liebsten «schonungslos» und mit «klarer Kante».»

Soweit sind die meisten Schönschreiben in der Schweiz nicht einmal. Dass aber das Verdrängen von Problemen, mit denen weite Teile der Bevölkerung konfrontiert sind, üble Auswirkungen hat und rechtsradikalen Brandstiftern wie dem AfD-Björn-Höcke Wähler und Zustimmung zutreiben – daher brandgefährlich ist –, zu dieser einfachen Erkenntnis sind all diese Schwurbler von Tamedia abwärts nicht in der Lage.

Fast wohltuend ist in diesem Kontext die «Republik». Ihr sind die Krawalle keinen einzigen Buchstaben wert.

Der Bauchnabel-Journalismus

Die Welt und das Ich: Icherstattung.

Heute Morgen bin ich mal wieder vor dem Läuten des Weckers aufgewacht. Die Verdauung funktionierte zufriedenstellend, die Bartstoppeln waren etwas länger als sonst, da ich mich am Sonntag nicht rasiert habe. Ob ich Corona-positiv bin, weiss ich nicht, weil ich mich nicht getestet habe. Obwohl ich kürzlich bei Freunden zum Lunch war, bei denen der Gatte Omikron hat. Aber das beunruhigt mich nicht sonderlich.

Hallo, noch jemand da und nicht weggeschnarcht? Danke. Das war ein Ausflug in die Niederungen des modernen Spar- und Bauchnabeljournalismus. Corona-Kreische Marc Brupbacher twittert Intimes über seinen letzten Familienausflug ins Elsass, ist aber nicht in der Lage, eine journalistische Anfrage zu beantworten.

Nicht nur Nicole Althaus füllt regelmässig Gefässe mit der Betrachtung des eigenen Bauchnabels (und der Gebärmutter) ab. Überhaupt wächst einem weltpolitischen Ereignis nur dann berichtenswerte Bedeutung zu, wenn es am Empfinden des Journalisten gespiegelt werden kann. Der ist dann «beunruhigt», er «befürchtet», «warnt», «fordert».

Ein Journi fällt im Fitness vom Laufband? Tritt auf der Strasse in Hundekot? Hat sich den Magen verdorben? Eine Story, ein «Erlebnisbericht». Immer mehr Journalisten meinen: was mich selbst beschäftigt, ist doch auch für die Leser rasend interessant. Meine Meinung zur Wahl Lulas in Brasilien ist doch viel wichtiger als das Ereignis selbst. Meine Gefühle gegenüber Putin sind doch von weltgeschichtlicher Bedeutung. Meine Entscheidung, ob ich mich so oft boostern lasse, bis ich durchlöchert wie ein Stecknadelkissen bin, ist nicht nur berichtenswert, sondern sollte als Vorbild für alle dienen.

So degeneriert Berichterstattung immer mehr zur Icherstattung. Mangelnde Fähigkeit zur Beschreibung, Einordnung und Analyse wird durch ungehemmtes Ego ersetzt. Statt Berichte über das, was in Nah und Fern so passiert, heisst das Thema «ich und die Welt, die Welt durch mich». Als hätten die Journis sich der philosophischen Denkrichtung verschrieben, die davon ausgeht, dass die Welt nur durch das Individuum existiert, der Raum, den es gerade verlassen hat, keine Existenzberechtigung mehr hat und verschwindet.

Dazu sind sie zu ungebildet. Aber das Prinzip wenden sie mit schlafwandlerischer Sicherheit an. Geradezu teuflische Ergebnisse hat diese Ichperspektive in der «Weltwoche». Wen sie hochlobt oder hochhält, verliert garantiert. Das war bei Donald Trump so. Das ist bei Liz Truss oder bei Jair Bolsonaro so. Sie ernennt den neuen britischen Premier Rishi Sunak zum «Supertalent», nachdem doch noch vor Kurzem Truss «die richtige Frau am richtigen Ort» war. Nun muss man sich um die politische Zukunft von Sunak echt Sorgen machen. Und Roger Köppel himself erklärt Heinz Tännler zu seinem «Bundesratsfavoriten». Der Arme, damit hat er – Fluch der WeWo – keine Chance mehr.

Wahlprogramme, vergangene Erfolge oder Misserfolge, Persönlichkeitsstruktur, Umfeld, Analyse der Situation? Pustekuchen, es geht um «ich und Putin», «ich und die Bundesratswahlen», «ich und Corona».

Es ist ausserdem ein sehr narzisstisches Ich, also schnell eingeschnappt, beleidigt, wenn es feststellen muss, dass nicht alle in der Welt seiner Meinung sind. Was sehr bedauerlich ist, denn sonst wäre die Welt ein viel besserer Ort. Da das Ich ja Lösungen für eigentlich alles zur Hand hat, vom Kater nach dem zuvielten Glas bis zum Weltfrieden: nur das Ich fragen.

Wer das nicht tut, wird entweder zum Leugner oder zum Versteher. Immerhin nicht zum verstehenden Leugner oder zum leugnenden Versteher. Aber zum Klima- oder Corona-Leugner, bzw. zum Putin- oder China-Versteher. Beides ist schlecht und falsch. Das muss auch nicht weiter begründet werden; verwendet das narzisstische Ich diese beiden Bannbegriffe, dann hat der Betroffene eigentlich nur noch die Möglichkeit, sich zu schämen und zu verstummen.

Im angelsächsischen Journalismus, immer noch die Benchmark, die für alles Deutsche in unerreichbare Ferne abschwirrt, ist es eine Selbstverständlichkeit bis heute, dass in der Berichterstattung über ein Ereignis ein Wort garantiert nicht vorkommt: I. Im Kommentar ist’s erlaubt, bei der Nachricht selbstverständlich nicht.

Sicherlich ist es schwieriger geworden, angesichts des krachenden Versagens der Verlagsmanager und der ungebrochenen Geldgier der Besitzerclans der Schweizer Medienkonzerne, anständigen, qualitativ hochstehenden und geldwerten Journalismus zu betreiben.

Wer aber statt Mehrwert und ausgewogene Orientierung bietenden Informationsjournalismus saure Milch, verschwitzte Socken, Mundgeruch, flackernde Blicke und Notizen rund um den Bauchnabel sowie Maulaffen und vorgefasste Meinungen feilhält, muss sich wirklich nicht wundern, dass sich immer mehr zahlende Leser mit Grausen abwenden.

Was all diesen Egobolzen fehlt, könnte man in ihrem Jargon so bezeichnen: sie sind keine Leserversteher.

Weltfremde Provinzmedien

 Wie man in der Schweiz auf andere Sichtweisen reagiert.

Von Felix Abt

Meinen Artikel mit einem anschaulichen, aktuellen Beispiel über den Umgang mit «kultureller Aneignung» in Asien — in der Schweiz ein heisses, hier in Asien ein eher lauwarmes Thema — habe ich zeitgleich an die Neue Zürcher Zeitung (NZZ), die Handelszeitung und die Weltwoche geschickt.

Wie es sich für eine vornehme Dame mit guten Manieren gehört, antwortete die alte Tante von der Falkenstrasse höflich und innerhalb von 48 Stunden: «Wir haben in den letzten Wochen schon sehr viele Beiträge rund um das Thema der kulturellen Aneignung veröffentlicht und weitere Artikel sind in Planung, sodass wir nichts Zusätzliches mehr entgegennehmen können.»  Natürlich kann ich verstehen, dass neue, etwas aus der Reihe tanzende Aspekte von der NZZ nicht mehr berücksichtigt werden können. «Don’t rock the boat!», ist wohl das Motto der Zeitung, die nur wenige Gehminuten vom sanften Wellengang, Ruhe und Erholung bietenden Zürichsees entfernt liegt.

Die Handelszeitung hat es sich wesentlich leichter gemacht, indem sie überhaupt nicht reagiert hat. Ich habe fälschlicherweise angenommen, dass das Thema für eine Zeitung, die «Handel» im Namen trägt, mit Lesern, die Handel in Asien treiben, von Interesse sein könnte. Diese waren aber wahrscheinlich klug genug, ihr Abonnement zu kündigen und sich direkt in asiatischen Medien zu informieren.

Im März dieses Jahres wurde ich von der «Weltwoche» kontaktiert: «Gerade habe ich Ihren hochinteressanten Artikel über die Uiguren im ‘CovertAction Magazine’ gelesen. Wäre es möglich, eine deutsche, allenfalls leicht gekürzte Version davon in der ‘Weltwoche’ zu veröffentlichen? Wir sind immer bemüht, unseren Leserinnen und Lesern neue Sichtweisen auf bekannte Themen zu präsentieren. Ihr Artikel erfüllt dieses Kriterium ideal.» Sehr gerne, war meine Antwort und in der ersten Aprilwoche wurde der Artikel von beiden Seiten mit «Gut zum Druck» abgezeichnet. Warum der Artikel aus mir unbekannten Gründen nicht veröffentlicht wurde, bleibt das Geheimnis der Weltwoche.

Daher war ich nicht ganz überrascht, dass ich keinerlei Reaktion auf meinen neuen Artikel erhielt. Wahrscheinlich ist die vielgepriesene Meinungsvielfalt in dieser Zeitschrift so wahr wie die «Welt» im Titel, aber als Verkaufsargument für Roger Köppel erfüllt sie dennoch ihren Zweck.

Als in Asien lebender Schweizer mit einer «anderen Sichtweise» (ein weiterer Begriff, den Köppel gerne verwendet), die durch meine verschiedenen Aufenthalte und beruflichen Tätigkeiten geprägt ist, kann ich vielleicht einige ungewöhnliche Denkanstösse geben. Zum Beispiel, dass ich als einer der wenigen Schweizer, vielleicht sogar als einziger, ausgerechnet in Nordkorea ein Schwingerfest besucht habe. Wäre das nicht eine interessante Geschichte für die Weltwoche: Wie beliebt ist das Schwingen in Nordkorea? Haben es die Koreaner von den Schweizern abgekupfert oder gar umgekehrt? Bekommt der Sieger auch einen Muni geschenkt, einen abgemagerten Lebendpreis? Aber wenn sich die Weltwoche zu diesem Thema an mich wenden würde, könnte meine Antwort nur so lauten: Einer echten Weltwoche würde ich gerne zu einem spannenden Artikel verhelfen, aber einer Provinzwoche, die Sie eigentlich sind, kann ich nur empfehlen, sich weiterhin ausschliesslich mit Schweizer Schwingfesten zu beschäftigen.

Der von den vereinten Schweizer Mainstream-Medien abgelehnte Artikel wurde inzwischen in den USA von «Eurasia Review», in Deutschland von den alternativen Medien «Ansage» und «Apolut» und in Österreich vom alternativen «tkp Blog für Science & Politik» veröffentlicht, wo Sie ihn unzensiert lesen und sich eine eigene Meinung bilden können.

 

Deutsches Gewäffel

Fortsetzung unserer Serie über copy/paste-Tamedia.

Das «Classic-Jahresabo» der Qualitätszeitung «Tages-Anzeiger» kostet 605 Franken. Oder im Monats-Abo 64 Franken. Für so viel Geld kann man doch einiges auf Papier und digital erwarten. Recherche, Analyse, Einordnung, Eigenleistung. Erwarten kann man viel, geliefert kriegt man wenig.

So veröffentlicht die «Süddeutsche Zeitung» einen Kommentar unter dem Titel: «Scholz lässt sich von Abbas vorführen». Autorin ist Alexandra Föderl-Schmid. Seit Juli 2020 stellvertretende Chefredakteurin dort, zuvor Israel-Korrespondentin. Sie erregt sich nicht zu Unrecht darüber, dass der Palästinenserführer Mahmud Abbas beim gemeinsamen Auftritt nach seinem Besuch im Kanzleramt gesagt hatte, dass Israel gegenüber den Palästinensern seit 1947 50 Holocausts begangen habe.

Geschmacklos, unappetitlich, widerlich. Der deutsche Kanzler Olaf Scholz reagierte darauf erst mit länglicher Verzögerung. Dafür wird er nun von Föderl-Schmid abgewatscht. «Er verabschiedete Abbas sogar noch mit Handschlag – eine Geste, die völlig deplatziert war und für die er allein verantwortlich ist.» Dazu «inhaltlich zu wenig eingearbeitet», «Vertrauen erschüttert», «Beziehungen zwischen Deutschland und Israel in schwieriger Phase», «Gefahr, dass dem Eklat im Kanzleramt ein weiterer folgt».

Zackbum. Da hat’s die Österreicherin dem deutschen Kanzler aber gegeben. Sozusagen eine innerdeutsche oder reichsdeutsche Angelegenheit, vorgetragen in diesem schneidigen Ton, den man im grossen Kanton im Norden so gerne anschlägt. Nur: was hat das mit der Schweiz zu tun? Richtige Antwort: nichts.

Moment, das sieht das Haus des Qualitätsjournalismus, der stupenden Eigenleistungen für üppige Bezahlung aber anders. Hier wird aus dem Kommentar schwups grossspurig eine «Analyse», die unter einem angespitzten Titel erscheint:

Aber nach dieser Gewaltsleistung sinkt die Ausland-Redaktion von Tamedia ermattet in ihre Verrichtungsboxen; schon der Lead wird eins zu eins übernommen, der übrige Text auch. Natürlich minus ß, so viel Anstrengung muss dann schon noch sein.

Da der Kommentar sich auf dem Weg von München nach Zürich zu einer «Analyse» gemausert hat, wäre es doch eigentlich angebracht, dass Ausland-Chef Christof Münger seinerseits einen Kommentar zum Kommentar, Pardon, zur Analyse, schreibt. Aber das wäre wohl zu viel der Mühewaltung. Für läppische 605 Franken kann man doch nicht mehr erwarten.

Um dem Tamedia-Leser eine eigene Analyse über Themen von schweizerischem Interesse zu servieren, dafür müsste der Kellner schon vierstellig kassieren dürfen. Aber die Redaktions-Kellner werden halt an der ganz kurzen Leine geführt und zu Tode gespart. Sonst könnte Tx-Boss Pietro Supino sich selbst und die Mitaktionäre vom Coninx-Clan doch nicht mit einer Sonderdividende erfreuen.

Wie ignorant dürfen Journalisten sein?

Würde dieser Chefredaktor die Probezeit überstehen?

Von Felix Abt

Im Laufe meiner beruflichen Tätigkeit habe ich viele Mitarbeiter eingestellt. Dabei habe ich, wie wahrscheinlich jeder andere Manager oder Unternehmer, auf die für die jeweilige Position erforderlichen Kernkompetenzen geachtet: Von einem Buchhalter erwartete ich zum Beispiel, dass er bilanzsicher ist, von einem Produktionsleiter, dass er sich mit PPS (Produktionsplanung und -steuerung) auskennt, oder von einem Marketingleiter, dass er über sehr gute analytische und kommunikative Fähigkeiten verfügt.

Ich hatte nie die Gelegenheit, Journalisten einzustellen – dem Himmel sei Dank! – weil ich es nie bis zum Chefredakteur, geschweige denn zum Verleger geschafft habe. Aber ich kann mir vorstellen, dass es auch in der Medienbranche bei der Personalauswahl um Fähigkeiten wie das Beherrschen von Interviewtechniken, exzellente Schreibfähigkeiten (und Sprechfähigkeiten im Falle audiovisueller Medien), investigative Fähigkeiten und eine gute Allgemeinbildung geht.

Aber Allgemeinwissen scheint hier ein extrem knappes Gut zu sein. Der deutsche Journalist Oliver Stock, selbst ein Chefredakteur eines deutschen Wirtschaftsmagazins, schreibt in der Weltwoche:

«Das Schiesspulver, der Buchdruck, das Auto und ja: zuletzt ein völlig neu konstruierter Impfstoff – all das sind Erfindungen aus Deutschland, die die Welt verändert haben.»

Gehen wir der Reihe nach vor und lassen Sie mich mit dem Faktencheck zum Schiesspulver beginnen:

Westliche Geschichtsbücher geben zwar zu, dass die Chinesen das Schießpulver 850 n. Chr. entdeckten und nicht der deutsche Mönch Berthold Schwarz im 14 Jahrhundert. Deren Autoren behaupten jedoch, dass die Chinesen diese Entdeckung nur für Feuerwerkskörper nutzten. Wer chinesische Geschichtsbücher liest, weiss, dass die Streitkräfte der Song-Dynastie bereits 904 n. Chr. Schiesspulvergeräte gegen ihren Hauptfeind, die Mongolen, einsetzten. Zu diesen Waffen gehörte zum Beispiel das «fliegende Feuer» (fei huo), ein Pfeil, an dessen Schaft ein brennendes Rohr mit Schiesspulver befestigt war.

Wer hat den Buchdruck erfunden:

History.com erklärt: «Die in China erfundene Druckerpresse revolutionierte dort die Gesellschaft, bevor sie in Europa im 15. Jahrhundert von Johannes Gutenberg und seiner Erfindung der Gutenberg-Presse weiterentwickelt wurde.»

«Im 9. Jahrhundert hatten chinesische Handwerker eine Methode zur Massenproduktion von Büchern entwickelt, indem sie Wörter und Bilder in Holzblöcke schnitzten, sie einfärbten und dann Papier auf die Blöcke pressten. Jeder Block bestand aus einer ganzen Seite mit Text und Illustrationen.» Zitat Columbia University, New York

Wenn Sie eher chinesische als deutsche Geschichtsbücher lesen, werden Sie erfahren, dass die erste Druckerpresse von Bi Sheng erfunden wurde, einem Mann, der im 10. Jahrhundert während der Song-Dynastie in Yingshan, China, lebte, mehr als vier Jahrhunderte bevor Gutenberg das Licht der Welt erblickte. Die Erfindungen des Holzschnitts und der beweglichen Lettern ermöglichten die Veröffentlichung einer Vielzahl von Texten und die Verbreitung von Wissen und Bildung in China und darüber hinaus.

Von den vier Beispielen, die Oliver Stock anführt, hat er mit einem Recht: Der Deutsche Karl Benz war der erste, der ein «Fahrzeug mit Gasmotor» patentierte, eine Binsenweisheit, die jedem Kreuzworträtsellöser bekannt ist.

Hat Deutschland einen weltverändernden Impfstoff erfunden?

Stocks Behauptung, ein «neuer Impfstoff, der die Welt veränderte», sei ebenfalls eine deutsche Erfindung, ist lediglich seine eigene Erfindung. Das deutsche Unternehmen BionTech sowie andere nicht-deutsche Unternehmen haben auf der Grundlage der neuen, in Amerika erfundenen mRNA-Technologie Covid-Impfstoffe entwickelt. Hunderte von Wissenschaftlern weltwet hatten jahrzehntelang an mRNA-Impfstoffen gearbeitet, lange vor dem Ausbruch der Coronavirus-Pandemie.

Was ist mRNA? 

Alle Zellen haben DNA (in Chromosomen). Stellen Sie sich die DNA wie ein Kochbuch vor, das die Anweisungen enthält, wie Ihre Zelle das herstellt, was sie zum Funktionieren braucht. Damit ein Koch ein Gericht zubereiten kann, muss er oder sie das Rezept sehen. Die mRNA ist eine Kopie des einzigen Rezepts, das Sie für die Zubereitung eines bestimmten Gerichts benötigen. Das «Kopieren» des Rezepts erfolgt in einem Prozess, der Transkription genannt wird, bei dem ein Teil der DNA (ein Gen) als Vorlage für die mRNA dient. Anschließend wird die mRNA in einem Prozess namens Translation in Protein umgewandelt. Die Translation ist so, als ob der Koch sich das kopierte Rezept ansieht und ein echtes Gericht zubereitet. Die mRNA eines Gens (DNA) wird in ein funktionelles Protein übersetzt, das eine Aufgabe in der Zelle erfüllen kann. Es gilt also: DNA -> mRNA -> Protein.

mRNA-Impfstoffe machen sich diesen natürlichen Prozess zunutze, um eine Immunreaktion gegen SARS-CoV2, den Erreger von COVID19, zu erzeugen. Bei diesen Impfstoffen wird Ihren Zellen eine mRNA zugeführt, die den Zellen das «Rezept» für ein spezifisches Protein für das COVID-Virus liefert.

Impfstoffe mit Messenger-RNA (mRNA) bringen unseren Zellen bei, wie sie ein Protein herstellen sollen, das in unserem Körper eine Immunreaktion auslöst.

Unsere Zellen erhalten die SARS-CoV2-mRNA und übersetzen sie dann in ein Protein (wie ein Koch, der nach einer Rezeptkopie kocht). Die Immunzellen erkennen dieses Protein als fremd und lösen eine Immunreaktion aus. Wenn wir also später mit SARS-CoV2 in Kontakt kommen, ist unser Körper bereit!

Es waren Drew Weissman, ein amerikanischer Arzt und Wissenschaftler, und Katalin Karikó, eine ungarisch-amerikanische Biochemikerin, die 2005 den Durchbruch mit der mRNA-Technologie erzielten, ganze drei Jahre vor der Gründung von BionTech!

Als sich das Corona-Virus zu verbreiten begann, erkannte Weissman schnell, dass es ein perfekter Kandidat für einen mRNA-Impfstoff war.

Zwei Biotech-Neulinge, Moderna aus dem amerikanischen Bundesstaat Massachusetts, und das deutsche Unternehmen BionTech lizenzierten die Patente von Weissman und Karikó. Letztere wurde von BionTech 2013 eingestellt, und das Unternehmen ging später eine Partnerschaft mit dem US-Pharmariesen Pfizer zur Impfstoffentwicklung ein.

Schlussfolgerung

Vier Behauptungen und nur ein Treffer: Sollten die Leser einen Journalisten im Rang eines Chefredakteurs so davonkommen lassen? Auf jeden Fall würde ein solcher Mitarbeiter die Probezeit des Arbeitsvertrages mit mir nicht überstehen!

Report auf den Spuren von Relotius

Verdient der Spiegel die Disqualifikation «Lügenpresse»?

Von Felix Abt

Es liegt mir nicht, Mainstream-Journalisten generell als Lügner zu bezeichnen, denn erstens lügen sie nicht immer und zweitens sind sie viel eher Unterlasser, d.h. sie berichten schlicht und einfach nicht über Dinge, die ihnen aus ideologischen oder anderen Gründen nicht in den Kram passen.

Doch nun hat der «Spiegel», der sich selbst als «das führende deutsche Nachrichtenmagazin» bezeichnet, den Vogel abgeschossen. Ein umtriebiger «Spiegel»-Reporter berichtete aus «Zug, Basel, Lugano und Zürich», die bösen russischen Oligarchen würden von der Schweiz untertänigst hofiert und seien dort in beschützenden Händen.

Ihm ist vielleicht völlig entgangen, dass die Schweizer Regierung schon Wochen vor seinem «Bericht», sklavisch die «Sanktionen» der Europäischen Union gegen russische Reiche übernommen hat, was gegen die Verfassung verstösst, die die staatspolitische Neutralität vorschreibt und dem Land verbietet, sich an Kriegen fremder Mächte zu beteiligen, darunter auch an dem von Washington und Brüssel angezettelten Wirtschaftskrieg gegen Russland.

Der «Spiegel», ein antirussisches Hetzblatt, erfindet die «Schweizer Willkommenskultur» für «Russlands Reiche, unter ihnen Kleptokraten und Kriegsverbrecher», während die Schweizer Regierung tatsächlich Jagd auf alle reichen Russen in der Schweiz macht. Was der «Spiegel» ebenfalls verschweigt, ist, dass die üppigen russischen Partys auf dem diesjährigen Weltwirtschaftsforum, zu denen Russen nicht mehr zugelassen waren, ausblieben. Dafür feierten die ukrainischen Oligarchen in Davos umso heftiger, trotz des Krieges in ihrem Land.

 Nicht nur die Neutralität, sondern auch die humanitäre Tradition, politisch Verfolgten und Kriegsopfern Schutz zu gewähren, sind seit Jahrhunderten Eckpfeiler der Eidengenossenschaft. Inzwischen wird das Asylrecht von «Gutmenschen» in der Politik zunehmend missbraucht. Sie nehmen vor allem Wirtschaftsflüchtlinge aus aller Welt auf, darunter auch radikale Islamisten, die in Schweizer Moscheen Hass predigen und nicht wenig Sozialhilfe kassieren, was den Schweizer Steuerzahlern jedes Jahr Milliarden kostet. Aber statt der fiktiven «Willkommenskultur» des «Spiegels» ist auf reiche Ausländer, die in der Schweiz nicht zu knapp Steuern bezahlen und unauffällig leben, eine regelrechte Hatz entfacht worden.

Der bekannteste der gejagten Russen ist Andrey Melnichenko, ein Physiker und erfolgreicher Selfmade-Unternehmer, der vom international ausgezeichneten Banker zum Industriellen aufstieg und sogar eine Megayacht baute, die ihm Apple-Gründer Steve Jobs abkaufen wollte.

Melnichenko ist in Weissrussland geboren. Seine Mutter ist Ukrainerin, sein Vater Weissrusse.

Der Unternehmer ist Eigentümer von EuroChem, einem weltweit führenden Düngemittelproduzenten, und von Kohleunternehmen. Seine Unternehmen beschäftigen weltweit 130 000 Mitarbeiter.

Melnichenko wird beschuldigt, ein «Putin-Anhänger» zu sein, natürlich ohne jeden Beweis. In einem Interview sagte er der «Weltwoche», der einzigen europäischen Zeitung, die sich für sein Schicksal interessierte: «Ich werde bestraft, weil ich Russe und reich bin.» Dabei ist er weder ein «Oligarch», noch gehört er zu «Putins innerem Kreis», wie die EU und die Schweiz behaupten. Selbst seine Frau, ein kroatisches Model, wurde sanktioniert. Wenige Wochen nach dem russischen Einmarsch in der Ukraine erklärte er, der Krieg in der Ukraine sei «wirklich tragisch», und er rief zum Frieden auf. Ein Sprecher von Melnichenko sagte damals auch, dass er «keine politischen Verbindungen» habe. Seine Anwälte protestieren seit Monaten in Brüssel und Bern, aber er und seine Frau erhalten nicht einmal eine juristische Anhörung.

Sein Unternehmen EuroChem produzierte im Jahr 2021 19,1 Millionen t Düngemittel, womit 80 Millionen Tonnen Getreide produziert und 280 Millionen Menschen ernährt wurden. Da er und seine Frau keinen Zugang mehr zu ihrem Unternehmen haben und es aufgrund der Sanktionen von Banken, Behörden und Geschäftspartnern geächtet wird, ist die Düngemittelproduktion gefährdet und damit die Ernährung von Millionen von Menschen, vor allem in armen Ländern.  Selbst wenn in der Ukraine 15 Millionen Tonnen Getreide blockiert sind, ist dies nur ein winziger Bruchteil der riesigen Ernteverluste, die jetzt durch die Sanktionen der Europäischen Union gegen die Düngemittelhersteller verursacht werden. Obwohl es sich hier um einen handfesten Skandal handelt, scheren sich der Spiegel und der Rest des Mainstreams einen feuchten Kehricht darum.

Melnichenko lebte seit 2009 mit seiner Frau und seinen Kindern in St. Moritz. Da er nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine auf eine EU-Sanktionsliste gesetzt wurde, wurden alle seine Vermögenswerte, Häuser, Autos usw. beschlagnahmt. Er und seine Familie dürfen nicht in ihr Haus in der Schweiz zurückkehren. Sie haben inzwischen Zuflucht in den Vereinigten Arabischen Emiraten gefunden. Die Schweizer Regierung hat nicht einmal auf seine Briefe und die seiner Anwälte geantwortet.

Sowohl die Europäische Union als auch die Schweiz haben bisher zivilisierte Werte wie Eigentumsgarantie, Rechtsstaatlichkeit, keine Strafe ohne Gesetz, Unschuldsvermutung und das Recht, sich zu verteidigen, gepflegt. Natürlich berichten Medien wie der «Spiegel» nicht über deren Rückfall in Stammesjustiz, Sippenhaft und Willkür. Stattdessen putzen sie sich lieber die Schuhe an der Schweiz ab und lügen dreist über eine nicht existierende «Willkommenskultur», die angeblich «Russlands Reiche, darunter Kleptokraten und Kriegsverbrecher», freudig willkommen heisst und hofiert.

Alternative Wahrheiten?

Wie vielfältig ist die «Weltwoche»? Ein Beispiel.

Von Felix Abt

Roger Köppel nimmt für seine «Weltwoche» in Anspruch, anders zu sein als die weitgehend gleichgeschalteten Medien und lobt sein Magazin für seine Vielfalt und dafür, dass es auch Nachrichten und Meinungen von anderen, die seine Ansichten nicht teilen, veröffentlicht. Dass er das zumindest versucht, kann man ihm sicher nicht absprechen.

Aber warum kopiert die Weltwoche zum Beispiel Verdächtigungen und Gerüchte über das chinesische Labor in Wuhan aus der englischen Boulevardzeitung «Daily Mail», ohne jemals einen Blick auf das vom amerikanischen Militär betriebene Labor Fort Detrick zu werfen? Dabei könnten seine Journalisten sogar von einer seriöseren englischen Zeitung abschreiben. Das würde Wuhan natürlich nicht von jeglichem Verdacht befreien.

Aber während die USA von China «Transparenz» fordern, bleiben die Geheimnisse des verdächtigen Fort Detrick und der Berichten zufolge mehr als 200 US-Biolabore in aller Welt verborgen. Möglicherweise ist dort beispielsweise auch die von Zecken übertragene Lyme-Borreliose-Krankheit entstanden. Vielleicht wäre das eine Chance für guten investigativen Journalismus, wenn die «Weltwoche» ernsthaft daran interessiert wäre.

Vor fast hundert Jahren wählte das «US-Militär Detrick als Standort für die Entwicklung seiner supergeheimen bakteriellen Kriegsführungspläne», und es wurde auch «das Nervenzentrum des verdeckten Chemie- und Gedankenkontrollimperiums der CIA», erklärte das ziemlich regierungstreue, und deshalb unverdächtige amerikanische Magazin «POLITICO» in einem Artikel vom 15. September 2019.

Unzählige Menschen sind bei ihren Experimenten als Versuchskaninchen gestorben, meist ohne es zu wissen. Auch Waffen zur Ermordung von Staatsoberhäuptern wurden dort entwickelt, ebenso wie Techniken und Medikamente zur Gehirnwäsche und Gedankenkontrolle.

Nur wenige Tage vor der vorübergehenden Schliessung von Fort Detrick wurde am 30. Juni 2019 eine «seltsame Atemwegserkrankung» in einer Gemeinde gemeldet, die nur eine Autostunde von Fort Detrick entfernt ist. 3 Patienten starben 15 Tage später. Kurz darauf trat eine weitere tödliche Atemwegserkrankung mit mehr als 2.800 Fällen und 68 Todesfällen auf.

Es ist wohl kein Zufall, dass wir viel über Wuhan hören, aber wenig bis nichts über das geheimnisvolle Fort Detrick und die vermuteten, mehr als 200 biologischen Labore der USA in der ganzen Welt! Und was genau hinter den Vorfällen steckt in der Nähe von Fort Detrick, die sich nur wenige Monate vor dem Auftreten von Covid in Wuhan ereigneten, wird wohl für immer ein gut gehütetes Geheimnis bleiben.

«Obwohl sich das USAMRIID (United States Army Medical Research Institute of Infectious Diseases) um die Einhaltung hoher Biosicherheitsstandards bemüht hat, lassen jüngste Beispiele von im Labor erworbenen Infektionen (Rotz und Tularämie) und Sicherheitsverstössen (Bacillus anthracis-Sporen) auf menschliches Versagen oder vorsätzlichen Missbrauch schliessen.»*

*Quelle: National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine. 2010. Evaluation of the Health and Safety Risks of the New USAMRIID High-Containment Facilities at Fort Detrick, Maryland. Washington, DC: The National Academies Press. 

Die Corona-Kreische ist zurück

Marc Brupbacher läuft wieder zur Höchstform auf.

Mit Gesundheitsminister Berset ist der Tamedia-Redaktor «schon längst fertig», den Gesamtbundesrat bezeichnete er auch schon mal als «völlig übergeschnappt». Unablässig warnte Brupbacher vor apokalyptischen Zuständen in der Schweiz. Überlastete Intensiv-Stationen, viele, viele Tote. Zögerliche Behörden, unfähige Beamte, nachlässige Bevölkerung, er wurde immer verzweifelter, weil niemand auf ihn hören mochte. Und weil sich all seine Ankündigungen des Corona-Weltuntergangs nicht bewahrheiteten.

Seit diesem Frühling köchelte er etwas auf kleinerem Feuer, aber jetzt ist er wieder zurück. Und ansteckend, denn weitere Tamedia-Redaktoren haben sich seinen neuen Befürchtungen vor einer Riesen-Corona-Sommerwelle angeschlossen. Die aber natürlich nur der Vorbote einer noch riesigeren Herbstwelle ist. Und von der Winterwelle wollen wir noch gar nicht reden, sonst kriegen wir alle Gänsehaut vor Schiss.

Eine volle Doppelseite lässt Tamedia auf seine nichtsahnenden Leser los:

Ein Gemeinschaftswerk von mehreren «Corona-Taliban», wie das Lukas Hässig auf seinem Finanzblog «Inside Paradeplatz» launig nennt. Brupbacher hatte vor ein paar Tagen bereits vorgelegt:

Nun aber kommt das volle Programm:

Da gibt es nur eins:

Also ein Booster für den Booster. Am besten immer wieder; in Deutschland sind bereits viele bei der vierten Impfung angelangt und überlegen sich die fünfte. Obwohl die Wirkung, gelinde gesagt, nicht wirklich erwiesen ist.

Das Merkwürdige an der Riesensommerwelle, deren Höhepunkt noch gar nicht erreicht ist: die Spitäler merken nichts davon. Triage vor Intensivstationen, alle Plätze belegt, Notfall im Notfall? Nein.

Will Tamedia tatsächlich wieder eine neue Impfwelle herbeischreiben? Mit Panikmache die Behörden vor sich hertreiben? Gibt es auch hier keine Qualitätskontrolle mehr, die Brupbacher und Konsorten einen Riegel schiebt? Werden nächstens Impfunwillige wieder übel beschimpft? Wird wieder gefordert, dass sie gefälligst zwangsweise zur Impfung verdonnert werden sollten?

Verabschiedet sich Tamedia nun endgültig vom verantwortungsbewussten Journalismus? Sicherlich ist nicht die ganze Redaktion (und Führungsmannschaft) auf der Linie der Corona-Kreische Brupbacher. Aber man lässt ihn gewähren.

Statt nochmals – und offensichtlich vergeblich – mit gesundem Menschenverstand und kritischer Analyse diesen Wahnsinn zu bekämpfen, macht ZACKBUM einfach auf den Artikel 258 des Schweizerischen Strafgesetzbuches aufmerksam.

Der besagt:

«Schreckung der Bevölkerung. Wer die Bevölkerung durch Androhen oder Vorspiegeln einer Gefahr für Leib, Leben oder Eigentum in Schrecken versetzt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft.»

Als juristischer Laie hält ZACKBUM den Straftatbestand für erfüllt …

Gähn: Ein Nicht-Ereignis

Die «Weltwoche» unter scharfer Beobachtung.

Für die Verschwörungstheoretiker von der «Republik» gehört die WeWo zu einem Netzwerk rechter «Info-Krieger». Das kann man nicht ernst nehmen. Aber das Blatt kann stolz darauf sein, dass es unter scharfer Beobachtung der Kollegen steht.

Normalerweise ist es denen eine Notiz wert, wenn ein neuer Autor anheuert. Das wird dann gerne dem staunenden Publikum mitgeteilt. In der irrigen Annahme, dass den Leser auch interessiert, was den Journalisten brennend beschäftigt. Aber leider ist es in Wirklichkeit so, dass es dem Konsumenten schwer an einem gewissen Körperteil vorbeigeht. Genauso wie Beschreibungen der inneren Befindlichkeiten von Schreibern. Genauso wie deren ordnende Ansichten und Meinungen zu den Weltläufen. Genauso wie deren Ratschläge, wie die Welt besser werden könnte, würde man nur auf den Schreiberling hören.

Die WeWo-Beobachtung hat gerade einen neuen Höhepunkt erreicht. Sie kann berichten, dass ein Autor nicht mehr für das Magazin schreibt. Für einmal sind sich «Blick» und NZZ ganz nahe. Das Boulevardblatt vermeldet:

Und das Blatt für die gehobenen Stände echot:

Nun werden von beiden Gazetten die Wortmeldungen des deutschen Kolumnisten Henryk M. Broder prinzipiell mit Missachtung gestraft. Schliesslich gehört er zu den Mitbegründern von «achgut.de», der ironisch so genannten Achse des Guten. Hier schreibt eine bunte Truppe gegen den Strom, angeführt von Dirk Maxeiner und eben Broder. Die meisten dieser Autoren würden von der «Republik» ohne zu zögern der grossen, rechten Medienverschwörung zugeschlagen werden. Ja, es gibt auch ein paar Beitrage von René Zeyer hier, wie in der WeWo.

Nun hat aber der langjährige WeWo-Kolumnist Broder mitgeteilt, dass er nicht mehr für die WeWo schreiben wird. Dafür holt er auf zwei Seiten aus – in der WeWo, notabene:

Sein Einstieg ist recht eigen, um nicht zu sagen merkwürdig. Alle, die es wagen, darauf hinzuweisen, dass der Ukrainekrieg wie eigentlich alles eine Vorgeschichte habe, «rechtfertigen die russische Intervention unausgesprochen, aber unüberhörbar». Auch ZACKBUM hat sich schon zur Vorgeschichte und weiteren Umständen geäussert, was aber niemals eine Rechtfertigung des russischen Überfalls ist. Wenn Broder fordert, man dürfe darüber nur ahistorisch schreiben, der Jetztzeit verhaftet, dann begibt er sich damit ausserhalb des vernünftigen Diskurses.

Zusätzlich störend an dieser Position ist, dass er selbst keine Gelegenheit auslässt, aktuelle Ereignisse mit der braunen deutschen Vergangenheit zu verbinden und unermüdlich an Judenverfolgung und Holocaust erinnert. Das ist sein gutes Recht, das aber gleichzeitig im Fall der Ukraine denunzieren?

Nach längeren Ausführungen, die mehr mit Deutschland und an ihn gerichteten Zuschriften als mit der WeWo zu tun haben, kommt er im letzten Absatz ansatzlos zu folgendem Fazit:

Putin-Versteher ist ein böses Wort, das normalerweise als Kampfbegriff allen entgegengeschleudert wird, die nicht in den Chor der Putin-Verdammnis einstimmen. Es gibt zwar tatsächlich Autoren mit zu grosser Putin-Nähe, und Köppel hat es mit der unreflektierten «Gegen den Strom»-Titelgeschichte «Der Missverstandene» punktgenau zum Kriegsausbruch mal wieder geschafft, mit beiden Füssen in den Fettnapf zu springen.

Dieser Abgang Broders ist nun der NZZ und dem «Blick» je einen länglichen Artikel wert. Die widerspiegeln mehr die Befindlichkeit der Autoren, den Hass, vielleicht auch den Neid auf die WeWo – als dass sie einem Informationsbedürfnis des Lesers nachkämen. Wenn bei der NZZaS die halbe Mannschaft des «Hintergrund» von Bord geht, die unablässigen Abgänge beim «Blick», das ist den Gazetten natürlich keine Zeile wert. Aber wenn ein einziger Kolumnist bei der WeWo aus Protest hinschmeisst, dann wird berichtet.

Was die Kritikaster in erster Linie dabei übersehen: niemals könnte das in ihren eigenen Blättern geschehen. Ein Kolumnist des «Blick», der im «Blick» erklärt, wieso er wegen diesem oder jenem nicht mehr für das Blatt schreiben wird? Undenkbar. Ein Mitarbeiter der NZZ, dem man eine Seite einräumt, um seine Motive darzulegen, wieso er unter Gujer nicht länger schreiben will? Unvorstellbar.

So ist der Abgang Broders kein Armutszeugnis für die WeWo. Aber die Berichterstattung darüber schon.