Ex-Press XLVIII: Titel

Blasen aus dem Mediensumpf. Heute das, was oben drüber steht.

Früher, ja früher war Titelsetzung eine Kunst für sich. Da wurde geschwitzt, geschraubt, gekünstelt, gescherzt und geliefert. Heute muss der Autor alles selber machen. Das merkt man. Ein Marsch durchs Titeltal der Qual.

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Wir beginnen mit einem dunklen Titel, dessen Aussage sich dem Leser nur schwer erschliesst, obwohl  nau.ch doch Kurzfutter bieten will:

Abstimmung über oder Wahl von. Oder halt beides.

Sauer macht lustig.

Wir gehen in den Wilden Osten, zum St. Galler «Tagblatt». Wie bei allen Kopfblättern im Reiche CH Media darf der Chefredaktor eigentlich nix mehr. Ausser kommentieren. Das tut er dann auch fleissig. Eine verfängliche Lage ist bitter, da muss gehandelt werden. Rätselauflösungen bitte an ZACKBUM.

Bitter, verfänglich, aber es muss.

Auch die vereinte Kopfblattsauce aus Aarau lässt in verschiedener Hinsicht einiges zu wünschen übrig. Dativ ist inzwischen etwas für Könner, denn er geht den Weg des Genitivs … Am Aussterben, und wenn er schon mal angewendet werden muss, dann geht’s bei CH Media in die Hose.

Dem Vize eilt ein was voraus?

Der «Blick» hingegen weiss, was Zahlen wollen. Was sie brauchen, wie sie sich wohlfühlen, worunter sie leiden.

 

Oder brauchen nationale Massnahmen steigende Corona-Zahlen?

Regenrohr, sinnloser Strich, hochgestellt und drangeklebt. Der Logo-Unfall.

Die Dame unter dem Logo tut etwas Sinnvolles. Sie übersetzt eine Ansprache in Taubstummensprache. Aber was tut dieses völlig verunglückte Logo obendrüber? Man muss doch loslassen können, auch wenn’s schweineteuer war.

Auch die NZZ betreibt Titelsetzung nicht mehr als höhere Kunst. Aber immerhin wird der Begriff «blutter Oberschenkel» weiträumig umfahren.

Rocklänge als Konjunkturbarometer. Der Yeti der Wirtschaftsberichterstattung.

Überbordende Metaphern gefährden meistens die Sinnhaftigkeit eines Titels.

Wankende Riesen, Leuchttürme und Lokomotiven belasten die Aussage.

In erkenntnistheoretische Höhen begibt sich für einmal der «Tages-Anzeiger». Wie sehr wünschte man sich, dass der Titel eine selbsterfüllende Prophezeiung wäre. Denn wenn man schon nicht aufhören soll, wenn es am schönsten ist, was die Autorin als «schlechtes Rezept» paraphrasiert, womit sie wohl eigentlich Ratschlag meint: Wie wär’s mit Aufhören, wenn’s am schlimmsten ist?

Wohin besteht philosophisch gesehen der Unterschied zwischen Rezept und Rat?

Zugegeben, das zum Abschluss ist kein Titel, aber ein Foto, das durchaus eine Erklärung verdient hätte, was Tamedia leider unterlässt. Das Setting, wie man so schön sagt, ist klar. Links, das ist unser Aussenminister. Um ihn herum ist der absolut geschmacklose Prunk der Villa von Prinz Mansour bin Nasser bin Abdulaziz al-Saud. Rechts sitzt der Prinz mehr schlecht als recht auf seinem Stuhl. Aber: man beachte das, was unten unter dem Rock herauslugt.

Hatte der Prinz nur eine Socke zur Hand?

Oder plagen ihn Schweissfüsse? Gar die Gicht?

Verbittet er sich hier gerade einen lockeren Scherz von Cassis zu seinem Schuhwerk?

 

 

Ich weiss nicht, was soll ich bedeuten

«Sternstunde Philosophie» über Sensibilität: Von Fallhöhen und Peinlichkeiten.

Es ist eine Sendung zu vorgerückter Stunde mit einer überschaubaren Einschaltquote. Aber ab und an sind es das Thema und der Gast, die die zähe Stunde leichtfüssig werden lassen.

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«Auf dem Weg zur hypersensiblen Gesellschaft?» war die Frage, um Antworten bemühten sich ein nicht nennenswerter «Philosoph, der sich als Feminist versteht», die beiden Moderatoren Barbara Bleisch und Wolfram Eilenberger sowie die Buchautorin Svenja FlasspöhlerSensibel»), Chefredaktorin des «Philosophie Magazins».

Während der «Philosoph» häufig Gelegenheit zur Pinkelpause für das Publikum im fortgeschrittenen Alter gab, Eilenbeger elegant vor sich hinplauderte, prallte dann eine gewandte Philosophin auf die «Philosophin» Bleisch. Die führt regelmässig Terroranschläge auf diesen Begriff in ihrer Tamedia-Kolumne aus.

Auch hier fällt Bleisch durch eher ruppige Einwürfe auf («wir sind hier nicht im deutschen Osten», als die Philosophin etwas über das andere Selbstverständnis von im Sozialismus sozialisierten Frauen sagen wollte).

Brachial-Philosophin Bleisch in Aktion.

Unweigerlich kam die Debatte natürlich auch auf das generische Maskulinum; also auf die Tatsache, dass mit «liebe Zuschauer» weibliche, männliche, non-binäre und alle denkbaren Gender mitgemeint sind. Dagegen stellte Bleisch, dass bei der aktuellen Pflege-Initiative der Begriff «Pfleger» fehl am Platz sei, weil die überwiegende Mehrheit der Beschäftigten «Pflegerinnen» oder dann halt «Pflegende» seien.

Mit wenigen Sätzen ins Abseits manövriert

Damit hatte sich Bleisch schon geschickt ins Abseits manövriert, denn wenn man diese Logik anwenden wollte, dürfte und müsste man ja überall dort, wo die Mehrheit Männer sind, mit allem Recht der Welt das Maskulinum, und nicht mal als generisches Geschlecht, anwenden. Dass man auf Deutsch das Partizip Präsens nicht so vergewaltigen darf, das sollte sich eigentlich auch bis zu Bleisch durchgesprochen haben.

Flasspöhler konterte trocken, dass es doch bei solchen Fragen nicht relevant sei, «was wir zwischen den Beinen haben». Gemeint ist: genau hierin liegt doch die eigentliche Diskriminierung, wahrer Sexismus, wenn man solche Fragen nicht nach Kompetenz, Qualifikation, Fachkenntnissen, Sinnhaftigkeit eines Sprechers beurteilt, sondern dessen Geschlecht als Hauptkriterium verwendet.

Das war nun für Bleisch etwas zu hoch, also zückte sie den Duden als Gegenargument, der habe doch inzwischen auch auf das generische Maskulinum verzichtet. Dass er dadurch Ungetüme wie «die Gästin» zulässt, erwähnte Bleisch allerdings nicht. Sie wurde dann ein zweites Mal in den Senkel gestellt:

«Der Duden ist eine Erziehungsmaschine geworden, ein Verhaltenskodex, das ist doch absurd»,

fetzte Flasspöhler.

Da blieb Bleisch nur noch die Tautologie: «Maskulinum bleibt Maskulinum», was nun von niemandem bestritten wird. Auch die Aussagen «Pferd bleibt Pferd,  Blau bleibt Blau oder blöd bleibt blöd» enthalten eine unzerstörbare Wahrheit.

Das Genus ist kein Geschlecht

Man kann es nicht oft genug wiederholen. Wenn ein Riesenidiot (männlich) nicht auf die Idee gekommen wäre, zwecks besserer Verständlichkeit das Wort Genus mit «Geschlecht» zu übersetzen (statt mit Art oder Gattung), hätten wir diese absurde Debatte nicht.

Wenn Inklusion als Gegenteil von Diskriminierung und Sexismus in der männerdominierten Sprache tatsächlich eine bedeutende Auswirkung auf die Geschlechterrollen in der Gesellschaft hätte, dann wären die türkischen Körper mit Vagina die emanzipiertesten, inkludiertesten und am wenigsten diskriminierten Frauen der Welt. Denn Türkisch kennt keine Genera.

Aber eben, auch in der «Sternstunde Philosophie» müssen immer wieder die Eulen nach Athen getragen werden. Da solche Randgruppensendungen sowieso höchst gefährdet sind, demnächst eingespart zu werden, wünscht man sich nur, dass die Moderatoren nach anderen Kriterien ausgewählt werden als: es muss ein Mann und eine Frau sein.

Clapton is God – fallen

Eric «Slowhand» Clapton ist der beste Blues-Gitarrist der Welt. So what?

Wenn es um musikalische Idole geht, ist der Musikfan so schnell begeistert wie auch abgeturnt. Wer gestern noch selig mit dem Fuss wippte, das Feuerzeug schwenkte und «Gänsehautfeeling» stammelte, kann heute «Verräter» knirschen. Das ging schon Grössen wie Bob Dylan so, als der sich eine elektrische Gitarre umhängte oder tief in religiösen Wahn verfiel.

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So geht es Jean-Martin Büttner mit Eric Clapton: «Der weisse Bluesgitarrist macht durch jahrzehntelang unkorrigierten Rassismus und drei fanatische Antiimpfsongs von sich reden. Wie ist das bei einem wie ihm zu erklären?»

Die Klage trägt den Verdammnis-Titel: «Der tiefe Fall des Eric Clapton». Was ist passiert? Musste er ein Solo abbrechen? Ist er wieder in den Alkohol versunken? Ist seine Stimme noch schlechter geworden? Ist die Magie aus seinem Spiel gewichen?

Nichts von alldem. Im Gegenteil; mit «The Lady in the Balcony, Lockdown Sessions» hat Clapton ein Unplugged-Album voller Altersweisheit eingespielt; eine Reise durch seine musikalische Geschichte. Selbst seine Stimme, die immer bedauerlicherweise viel schlechter war als seine Gitarrenkunst, bekommt langsam eine Patina, die sie erträglich macht.

Nun leidet Clapton unter peripherer Neuropathie, einer chronische Nervenerkrankung, die seine Begegnung mit der Impfspritze zu einem traumatischen Erlebnis machte. Und ihn zum Impfskeptiker. Das wird man heutzutage nicht ungestraft, und Büttner straft mit.

Selbst Clapton darf nicht ungestraft Lieder spielen

Dazu dient ihm ein nicht ganz taufrischer Song namens «Stand and Deliver». Komponiert hat den Van Morrison, auch so ein Urgestein und böser Bube, der sich ebenfalls kritisch mit den Massnahmen zur Bekämpfung der Pandemie auseinandersetzt. Solange Protestlieder sich gegen das Unrecht der Welt, den Hunger, Krieg und andere ferne Unabänderlichkeiten richten, wippt und schwoft man gerne mit, im erhebenden Gefühl, zumindest musikalisch auf der guten Seite zu summen.

Dass Clapton im wahrsten Sinne des Wortes durch persönliches Erleben impfkritisch wurde, unterschlägt Büttner allerdings. Denn erklären will er nicht,  eher verurteilen. Er will er ihm den Text des Protestsongs «Stand and Deliver» vorwerfen. Genauer diese Zeilen: «Do you wanna be a free man / or do you wanna be a slave?» Zusammen mit «Do you wanna wear these chains / Until you’re lying in the grave», sei das «ein Direktvergleich der weissen Impfgegnerinnen und Impfgegner mit den afrikanischen Sklavinnen und Sklaven im amerikanischen Süden.

Die Analogie kommt einer Demütigung afroamerikanischer Bürgerinnen und Bürger gleich.»

Es ist wohl den hysterischen Zeiten geschuldet, wo sich selbst Büttner vor Kurzem über diese Woke-Empfindlichkeit und völlige Humorlosigkeit beschwert,  gepaart mit Abscheu vor Selbstkritik. Und nun auch er? Wer sich den Song und seine Lyrics anhört, seine Beschwörung der Magna Carta, der Bill of Rights und der amerikanischen Verfassung, kann keinerlei Demütigung erkennen. Das sähe sicherlich auch der von Büttner sehr gelobte Comedian David Chappelle so, der nun wirklich unglaublich unkorrekte Scherze über Schwarze macht.

Es gibt richtige und falsche Protestsongs

Das Werk von Morrison/Clapton ist ein klassischer Protestsong, der zum Widerstand aufruft, zum eigenständigen Denken und am Schluss noch einen lustigen Ausflug in die Geschichte mit einer Erwähnung von Dick Turpin macht, dem maskierten englischen Strassenräuber und Viehdieb, der 1739 gehängt wurde.

Darf das noch gesungen werden?

Dass sich Musikerkollegen deswegen von Clapton distanzieren, ist dem unseligen Zeitgeist geschuldet. Da kann man aber noch von auf offener Bühne ausgetragenen Meinungsverschiedenheiten sprechen.

Was Büttner noch hinzufügt, ist aber unstatthaft. Zunächst will er den Titel eines früheren Albums «Me and Mr. Johnson» missverstehen. Mit der Reihenfolge habe Clapton gezeigt, dass er sich für wichtiger als den schwarzen Bluessänger der 20er-Jahre des letzten Jahrhunderts halte. Wenn das Janis Joplin gewusst hätte, als sie «Me and Bobby McGee» sang.

Ein besoffener Spruch vor 45 Jahren …

Aber selbst darüber könnte man noch mit Humor hinweggehen. Nun kommt aber das hier: «Clapton, schwer betrunken wie immer damals, trat ans Mikrofon und bekannte seine Sympathie für Enoch Powell. Der glühende Rassist, damals noch Präsident der Tories, hatte in seiner berühmten «Rivers of Blood»-Rede im April 1968 die Ausschaffung von Schwarzen, Indern, Arabern und Pakistanern aus Grossbritannien gefordert.»

Das war 1976. Schwerer Alkoholismus und Drogensucht entschuldigt nicht alles, aber ob man wirklich 45 Jahre später diesen unseligen Ausrutscher eines völlig besoffenen und bekoksten Musikers ihm heute noch um die Ohren schlagen muss? Obwohl sich Clapton dafür entschuldigte. Aber Büttner bleibt gnadenlos, denn: «Eric Clapton findet bis heute, Enoch Powell habe in vielem recht gehabt. Von dessen Rede in Birmingham hat er sich nie distanziert.»

Das wirklich Traurige ist hier, dass Büttner das Verhalten der von ihm so wortmächtig kritisierten Rechthaber der selbst angeeigneten Rechtschaffenheit und inquisitorischer Verurteilung übernimmt. Humorlos, übellaunig und ungerecht. Wer ist Büttner, dass er wie die von ihm kritisierte Inquisition eine «Distanzierung» von Clapton einfordert?

Da verstehe einer diesen Mann.

F*** den Faktencheck

Um es milde auszudrücken. Neuerlicher Tiefpunkt bei Tamedia.

Was früher vor der Publikation eines Artikels selbstverständlich war, wird heutzutage im Elendsjournalismus gross als Leistung heraustrompetet: der Faktencheck.

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Das ist ungefähr so wie wenn der Reifenwechsler ein grosses Gewese daraus machen würde, dass er am Schluss der Montage der Winterpneu noch die Schrauben nachzieht. Eine Selbstverständlichkeit wird zur Sonderleistung aufgepumpt.

Das ist schon lachhaft genug. Dass der Oberfaktenchecker von Tamedia es nicht checkt, zieht die Schraube der Lächerlichkeit noch weiter an. Nun hat Yannick Wiget zusammen mit dem Gesetz-Befürworter Edgar Schuler ein Stück online gestellt, das zwar hinter der Bezahlschranke versteckt ist, aber dennoch keinen Pfifferling wert: «Argumente für und gegen das Covid-Gesetz im Faktencheck»

Leider steht das Wort ungeschützt im Raum; jeder (und jede) kann dran rumfingern, es missbrauchen, abwerten, Lügen strafen. Das tun sogenannte Qualitätsjournalisten am liebsten, während sie das hohe Lied vom Vertrauen in ihre Tätigkeit singen. Und die nächsten Fakechecks schon vorbereiten, die in aller Objektivität ergeben werden, dass man ihnen unbedingt eine Milliarde Steuergelder reinschieben muss.

Wes Inserat ich nehm, des Lied ich sing

Aber zunächst geht es um die Abstimmung am 28. November. Bis und mit Sonntagsausgaben haben die Mainstream-Medien einen grossen Schluck aus der Pulle «Impfwoche» genommen. Inserate satt, milde Berichterstattung über einen Flop, bei dem locker 100 Millionen Franken an Steuergeldern sinn- und zwecklos verröstet wurden. Dabei steht als letzter Höhepunkt der Aufruf von 13 Ex-Bundesräten an «ihr Volk» noch aus, sich gefälligst zu impfen.

Aber keiner zu klein, Faktenchecker zu sein. 17’218 gecheckte Anschläge lässt Tamedia über seine schrumpfende Leserschaft herabregnen. Man will denen schliesslich mal wieder zeigen, wofür sie Hunderte von Franken pro Jahr ausgeben. Für Qualitätsjournalismus natürlich. Objektiv, ausgewogen, analytisch, lehrreich, einordnend, klarstellend. Verlässlich, richtig, voll gecheckt halt.

Bevor wir uns ins finstere Elendsloch des modernen Schrumpfkopfjournalismus abseilen, müssen wir uns noch eine Stirnlampe montieren. Lassen wir einen Moment Semantik aufblitzen. Faktencheck heisst, Aussagen «anhand von nachprüfbaren, rationalen und objektiven Fakten» überprüfen. Da kann man Wikipedia folgen, auch wenn wir den Begriff Fakt mal so stehenlassen.

Nun legen die beiden Cracks Schuler und Wiget «sechs Behauptungen zur Vorlage auf den Prüfstand». Diese «Behauptungen» stammen zur Hälfte von Coronaskeptikern. Also Leugnern, also Vollirren. Daher sind es auch keine Aussagen mehr, sondern eben Behauptungen. Wie sieht denn nun dieser «Prüfstand» aus? Das hört sich doch nach Technik an, Wissenschaft, Profigerät.

Prüfstand auf dem Prüfstand: ist gar keiner

Leider kann sich auch dieses Wort nicht gegen Missbrauch wehren. Denn der «Prüfstand» ist gar keiner. Schon die Einleitung der «Prüfung» ist gaga: «Wir haben uns die wichtigsten Argumente der Befürworter und Gegner genauer angeschaut.»

In Wirklichkeit werden sechs Aussagen jeweils bestätigt oder bestritten. Hier kommt nun der Intelligenztest für den ZACKBUM-Leser: die Aussagen von wem werden bestritten, von wem bestätigt? Wir sind uns sicher, dass alle unsere Leser hier die volle Punktzahl holen.

Im Kurzdurchlauf: «Ungeimpfte werden diskriminiert.» Ach was, ein Staatsrechtler sagt dazu, das erscheine «weitgehend übertrieben». Es gibt zwar auch renommierte Staatsrechtler, die schwerste Bedenken gegen dieses Gesetz äussern. Aber davon wollen die sich doch keinen «Faktencheck» verderben lassen. Schliesslich zitieren die Oberfaktenverdreher denjenigen, der ihnen in den Kram passt.

«Zertifikate bieten eine Scheinsicherheit». Damit mache unter anderem die «Schriftstellerin Sibylle Berg Stimmung gegen die Gesetzesänderung». Wohlgemerkt, sie argumentiert nicht, sondern, typisch Frau, alles Stimmungssache. Aber spielt ja keine Rolle, auch das ist Quatsch: «Von einer Scheinsicherheit kann aber nicht die Rede sein.» Schliesslich, wie steht es mit Befürchtungen vor einer «totalen Überwachung»? Nimm das, du Schriftstellerin:

«Die Befürchtungen von Sibylle Berg sind bedenkenswert, aber übertrieben.»

Wie überstehen die drei «Argumente» der Befürworter den Fickifackicheck, die genauso brutal auf den Prüfstand gelegt werden? «Die Aussage des Bundesrats ist richtig.»

«Die Aussage von Bundespräsident Parmelin ist richtig

«Grundsätzlich stimmt also Bersets Aussage.»

Tatä, wir haben ein eindeutiges Resultat. 3 Aussagen der Gegner des verschärften Gesetzes: falsch, falsch und nochmal falsch. 3 der Befürworter: richtig, superrichtig, grundsätzlich richtig.

Wir hätten auch drei Fragen, die wir gerne auf den Prüfstand legen möchten:

Sagt mal, Ihr beiden Faktenchecker, schämt Ihr Euch denn gar nicht? Habt Ihr jede journalistische Ehre aus dem Leib geprügelt bekommen? Könnt Ihr Euch wirklich noch morgens im Spiegel anschauen, ohne tief zu erröten?

 

 

Kanne leer

Das grosse Medienergiessen über eine leere Walliser Beiz. Gehört zum «service public».

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Wenn die Newsschleudern besonders demütig erscheinen wollen, sprechen sie vom «öffentlichen Dienst», den sie verrichten. Eine nötige Serviceleistung wie die Müllabfuhr, der Strassenunterhalt oder der ÖV.

Damit auf der Welt immer nur so viel passiert, wie in einer gedruckten Ausgabe oder neuerdings auf der Webseite Platz hat, besteht der Dienst am Kunden auch aus der Auswahl und Gewichtung der Nachrichten. Da wird gnadenlos Wichtiges von Belanglosem getrennt, und je nach Bedeutung mehr oder weniger viel Platz eingeräumt.

Exemplarisch kann man das Funktionieren dieses gut geölten Räderwerks, dieses Wunderwerks am Beispiel «Walliserkanne» verfolgen. Das Stichwort bringt es auf satte 330 Treffer in der Mediendatenbank, wenn man die Falschschreibung «Walliser Kanne» ebenfalls berücksichtigt. Aber Korrektorat war gestern.

Nun könnte man meinen, dass diese weltbewegende Staatsaffäre mit der Schliessung des Lokals, der Verhaftung – und Freilassung – der Wirte ihr Ende gefunden hätte. Noch etwas Aufarbeitung – war der Polizeieinsatz verhältnismässig, spinnt die Walliser Staatsanwaltschaft, die einen Monat U-Haft beantragte –, und gut ist.

Abstimmungspropaganda auf die unfeine Art

Dem wäre vielleicht so, wenn nicht am 28. November über das Referendum zum verschärften Corona-Gesetz abgestimmt würde. Nachdem in dem Mainstream-Medien inzwischen leichte Panik herrscht, ob dieses Referendum doch nicht nur von Verpeilten, Verwirrten, Verantwortungslosen und Verschwörungstheoretikern unterstützt wird, muss jedes Beispiel für solches Verhalten breiter als eine sechsspurige Autobahn ausgefahren werden.

Aber natürlich nicht dem Blöd-«Blick».

Die Devise lautet: seht her, solche Spinner rebellieren gegen verantwortungsbewusste staatliche Vorschriften. Wer das Corona-Kontrollgesetz ablehnt, unterstützt solch verwerfliches Tun.

Nun ist aber die Walliserkanne eigentlich bis auf den Grund geleert. Das Lokal ist geschlossen, die Übeltäter laufen frei herum, wie kann man da noch letzte Tropfen heraussaugen?

Blöd-«Blick» hat’s gefilmt, aber nicht gecheckt.

Peinlich, aber einfach. Denn «Blick TV», der Qualitätssender aus dem Hause Ringier, war vor Ort und hat gefilmt. Geglotzt, aber eine lustige Inschrift nicht verstanden. Dafür haben wir doch die übrigen Qualitätsmedien. Genauer das «Megafon». Richtig, das anonyme Hetzorgan aus der Küche der Berner «Reitschule», das schon durch einschlägigen Kopf-ab-Humor bekannt wurde.

Die geheimen Abgründe hinter der «Walliserkanne»

Das «Kollektiv» entdeckte auf dem Video von «Blick TV» Schreckliches, was allen anderen entging.

Inzwischen erledigt schon das «Megafon» Basisrecherchen für die Qualitätsmedien.

Seht Ihr’s? Da steht doch «WWG1WGA». Nur dem oberflächlichen Blick des Betrachters entgeht der unheimliche Hintergrund. Das ist nämlich die Abkürzung für «Where we go one we go all». Und das wiederum ist ein Slogan der QAnon-Verschwörungswelt. Die wiederum ist das Werk von Spinnern, die vor allem in den USA Zuspruch fanden. Nachdem allerdings alle «Vorhersagen» Flops waren, absurde Behauptungen wie die, dass die demokratische Partei unter Beteiligung von Hillary Clinton ein Pädophilennetzwerk unterhalte, als völliger Schwachsinn verlacht wurden, trotz mehreren Ankündigungen Donald Trump doch nicht als neuer Präsident inauguriert wurde, hat der Blödsinn schwer an Wirkung verloren.

«Wo einer hingeht, gehen alle hin». QAnon-Geschwurbel mit geklautem Logo.

Selbst ein Irrwisch wie Steve Bannon behauptet inzwischen, QAnon sei in Wirklichkeit ein «Psyop» des FBI. Also eine psychologische Kriegsführungsoperation, um die Opposition gegen den amtierenden Präsidenten der USA zu diskreditieren.

Die Original-Flagge von Gadsden.

Also eine Verschwörungstheorie verschwört sich sozusagen gegen sich selbst. Gut geeignet, eine Glosse über die Verführbarkeit der Menschen und über Massenhysterie zu verfassen. Nichts ist, sagt sich Tamedia, das Heim der qualitativ hochstehenden Berichterstattung.

Vom «Megafon» kopiert, von der SDA abgeschrieben. Qualität aus dem Hause Tamedia.

Fast 8000 Anschläge verschwendet das Organ auf die Ausleuchtung der schrecklichen Hintergründe der «Corona-Verschwörer in Zermatt». Mit diesem Graffiti entlarven sich die Wirte nämlich als QAnon-Anhänger, mit Aussagen als Vertreter der Ideologie von «Reichsbürgern».

Es ist schlimm, es ist schlimmer

Aber es ist ja alles noch schlimmer: Laut «Megafon» sind die Wirte auch schon vor Corona aufgefallen. Dazu postete die Zeitung auf Twitter ein Screenshot eines Kommentars auf Tripadvisor. «Darin erwähnt ein Gast ein Handgemenge («Dies vor einem Kleinkind») und beschwert sich über das aggressive Verhalten des Inhabers. Offenbar kein Einzelfall.»

Ein geschlossenes Lokal kann im «Walliser Bote» Schlagzeilen machen.

Was lernt der schreckensbleiche Leser daraus? Wer gegen das verschärfte Corona-Gesetz ist, spinnt. Wer sich gegen sinnvolle staatliche Massnahmen wehrt, spinnt. Wer als verantwortlicher Staats- und Stimmbürger handelt, muss dem Referendum eine Abfuhr erteilen. Sonst greift das Verhalten von ein paar Verpeilten Walliser Granitgrinden wie eine Epidemie um sich in der Schweiz.

Auch CH Media berichtet lang und breit über Pipifax.

Denn dann bricht das Chaos aus, der Bürgerkrieg, müssen überall Betonblöcke vor Lokaleingänge gewuchtet werden, füllen sich die Gefängnisse mit renitenten Wirten, während sich die Beizen in Brutstätten des Killervirus verwandeln. Da ist’s dann nicht weit bis zum Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung.

Befeuert wird das nur von ein paar Querschlägern:

WeWo-Hubi will auch mitspielen im Gruselkabinett des Lachhaften.

Da kann man nur in leichter Abwandlung von Asterix sagen: Die spinnen, die Walliser. Und die Medien.

Affäre Lachappelle: das Ende

Verfahren eingestellt, alle Vorwürfe haltlos. Das ist das Ende eines Medienskandals.

Den VR-Präsidenten von Raiffeisen kostete er den Job, Guy Lachappelle wurde persönlich schwer beschädigt. Die Journalistenmeute zieht weiter.

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Weder Tamedia noch CH Media noch Ringier konnten widerstehen. Eine aussereheliche Beziehung, die ausser Kontrolle geraten war. Eine rachsüchtige Ex-Geliebte, die den Banker mit Strafverfahren überzog und die Medien kräftig anfütterte.

Es erschienen Dutzende von Artikeln über diesen Fall. Herausragend wie meist Arthur Rutishauser, der Oberchefredaktor von Tamedia, und Pascal Hollenstein, die publizistische Leiter nach unten von CH Media.

Jetzt vermeldet das «Tagblatt»:

««Sämtliche Anschuldigungen haben sich als haltlos erwiesen», teilte Lachappelles Anwalt am Dienstag mit. Der Staat übernehme die Kosten des Verfahrens

Auf dem Höhepunkt der Affäre, als Lachappelle seinen Rücktritt bekannt gab, feuerte Rutishauser eine ganze Tamedia-Seite ab. Dabei wird ein höchst privater E-Mail-Verkehr im Faksimile der Öffentlichkeit präsentiert. Damit wurde Tamedia angefüttert, diese Mail schickte das Medienhaus an Lachappelle mit der inquistorischen Forderung um Stellungnahme.

Rutishauser gnadenlos: «bleiben Fragen offen».

Lachappelle sah keinen anderen Ausweg mehr als Rücktritt. Dennoch trat Rutishauser in einem Kommentar nach, mit der üblichen Nummer: «Trotz Rücktritt bleiben Fragen offen». Die Frage, ob es wirklich Berichterstatterpflicht sei, mit einem privaten Mailaustausch, der einem zugesteckt wurde – von wem wohl? – hausieren zu gehen, beantwortete er nicht. Wäre auch unstatthaft für einen Konzern, der regelmässig gestohlene Geschäftsunterlagen ausschlachtet und die Hehlerware als Leaks oder Papers verkauft.

Man kann Journalismus noch mehr tieferlegen

Ein paar Stufen nach unten ging es mit der Berichterstattung von Hollenstein. Zusammen mit Florence Vuichard meldete er sich im Qualitätsmedium «watson» nach dem Rücktritt zu Wort: «Doch hat Lachappelle am Donnerstag wirklich die ganze Wahrheit gesagt? Zum Buch und zu seiner Ex-Partnerin? Dieser Zeitung liegt sowohl die Klage Lachappelles vor als auch die Klageantwort seiner Ex-Partnerin. Das letzte Dokumente datiert vom April 2021. Beides sind Parteischriften. Doch der Grad der Widersprüchlichkeit ist bemerkenswert.»

Wer hat denn wohl dran gedreht?

Dann zitiert Hollenstein, der ehrenamtliche Lautsprecher von Jolanda Spiess-Hegglin, den «renommierten Medienanwalt Rudolf Mayr von Baldegg», tätig für die Ex-Geliebte, also parteiisch bis zum Abwinken: «Es sei Lachappelle selber gewesen, «der quasi die Figur des Joe für sich annektiert hatte und sich völlig unmotiviert gegenüber mehreren Personen in seinem Umfeld dahingehend geäussert» habe, heisst es in der Klageantwort der Ex-Partnerin. Es sei davon auszugehen, dass es Lachappelle darum gegangen sei, seine Ex-Partnerin «insbesondere an ihrem Arbeitsplatz in Misskredit zu bringen und beruflich und privat zu verunglimpfen und finanziell zu schädigen».»

Audiatur et altera pars? Wer kann denn noch Latein …

Unterste Schublade des Journalismus; «she said, he said», nennt man das, wenn sich ein getrenntes Paar schriftlich fetzt: «Trennung von der Ehefrau, Zusammenzug, öffentliche Auftritte als Paar. Was stimmt? Die Fragen sind persönlich und gehen die Öffentlichkeit im Grunde nichts an. Doch Lachappelle selber war es, der am Donnerstag Intimes an die Öffentlichkeit trug. Zudem sind die Fragen zentral, um den Rechtsstreit um das verbotene Buch der Ex-Partnerin zu beurteilen.»

Das Feigenblatt, um ungehemmt in der Öffentlichkeit schmutzige Wäsche waschen zu können. Um zu den inquisitorischen Fragen zu gelangen: «Was ist wahr an dieser Beziehungsgeschichte, die Guy Lachappelle vor den nationalen Medien am Donnerstag ausgebreitet hat? Was ist unwahr? Und was lässt sich überhaupt beweisen?»

In solchen Fällen wäre es vielleicht zweckdienlich gewesen, ein Grundprinzip des anständigen Journalismus zu beherzigen: der anderen Seite Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben. Aber doch nicht Hollenstein, das hat eine journalistische Leiter nach unten nicht nötig.

Hätte er das getan, wäre ihm vielleicht auch die Antwort von Lachappelles Anwalt zuteil geworden, wieso an der Rücktrittspressekonferenz auf diese Anschuldigungen der Ex-Geliebten nicht eingegangen wurde:

««Uns liegt die Strafanzeige nicht vor», begründet dies Lachappelles Anwalt, Jascha Schneider-Marfels. Darum habe sein Mandant am Donnerstag nichts dazu sagen können.»»

Tamedia, auch nicht zimperlich im Umgang mit Lachappelle, hatte immerhin den Anstand, nachzufragen.

Aber damit wollte sich Hollenstein sein Schmierenstück natürlich nicht kaputtmachen lassen. Nun haben sich also alle Vorwürfe in Luft aufgelöst, es bleiben keine Fragen mehr offen. Medienbilanz: ein Desaster.

Sogenannten Qualitätsmedien, die gerne eine zusätzliche Steuermilliarde für ihre wertvolle Tätigkeit hätten, unwürdig.

Ein Feigenblatt macht sich toll. An einem Feigenbaum.

Einer geht noch: dafür gibt es den «Blick»

Den Vogel schoss allerdings der «Blick» ab. Zuerst versemmelte er einen Hintergrundartikel, munitioniert von der rachsüchtigen Ex-Geliebten. Dann beschwerte sich der «SonntagsBlick» über das juristische Vorgehen von Lachappelle. Um am Montag im «Blick» eine Entschuldigung des Verlags für diesen Artikel in die Fresse gehauen zu kriegen; der Jammer-Beitrag wurde umgehend gelöscht.

Zuerst gejammert, dann gelöscht.

Und entschuldigt: «Es war nie die Absicht von Ringier, die Persönlichkeitsrechte von Herrn Guy Lachappelle zu verletzen. Sollte in der Öffentlichkeit ein anderer Eindruck entstanden sein, bedauert dies Ringier in aller Form, weshalb auch die bisherige Berichterstattung zu diesem Thema im Medienarchiv nicht mehr abrufbar ist

Die Ex-Geliebte hat weitgehend ihr Ziel erreicht. Rache via Medien. Lachappelle muss sich fragen, ob sein Rücktritt nicht zu voreilig erfolgte. Aber nach der Affäre Vincenz sah er wohl keine andere Möglichkeit.

Raiffeisen gibt weiter Gutzi

Passend zur Einstellung des Verfahrens hat Raiffeisen nach länglichem Zögern bekannt gegeben, wer denn nun der Nachfolger von Lachappelle werden, den interimistischen VR-Präsidenten ablösen soll. Das VR-Mitglied Thomas A. Müller. Der war früher Finanzchef bei der Basler Privatbank J. Safra Sarasin, dorthin von der Swiss Life geeilt. Angesichts der jüngeren Geschichte dieser Bank kann man sich auf möglichen Spass gefasst machen …

Werfen wir mal die Stichworte US-Steuerstreit, Versicherungswrapper und Cum/Ex in die Runde. Man darf gespannt sein, was Grabungen in der Vergangenheit von Müller ans Tageslicht fördern werden.

Lukas Hässig nimmt auf seinem Finanzblog «Inside Paradeplatz» schon mal Anlauf:

«Are they nuts», sind die bescheuert, so beginnt er vielversprechend seinen Artikel.

Hust, röchel, würg

Rauchen schadet der Gesundheit. Saufen auch. Rauchen ist nicht verboten. Saufen auch nicht.

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Alkoholkonsum verursacht gesellschaftliche Kosten von ca. 4,2 Milliarden Franken pro Jahr. Rund 1600 Todesfälle sind darauf zurückzuführen, mit Bier (900 Mio.), Wein (550 Mio.) und Spirituosen (250 Mio.) wird ein jährlicher Umsatz von 1,7 Milliarden Franken erzielt.

Die tabakverarbeitende Industrie erzielt in der Schweiz einen Umsatz von 27,3 Milliarden Franken. Pro Jahr werden dem Tabakkonsum rund 9500 Tote zugeschrieben. Die gesellschaftlichen Kosten (Medizin 3 Mia., plus Ausfälle durch Krankheit etc.) sollen sich pro Jahr auf über 5 Milliarden Franken belaufen.

Sowohl Alkoholkonsum wie auch das Rauchen sind erlaubt, wenn auch mit Restriktionen versehen. Die direkten Auswirkungen des Alkohols auf das Verhalten oder die Verkehrssicherheit sind ungleich gravierender als beim Tabak.

In regelmässigen Abständen wird auf das Rauchen eingeprügelt. So gerade wieder mal von Tamedia:

«Lobbying und Preisfreiheit statt Prävention und Regulierung: Ein Ländervergleich sieht die Schweiz als Zufluchtsort und Marketinglabor für die internationalen Tabakkonzerne.»

Schlimmer als in der Schweiz gehe es eigentlich nur in der Dominikanischen Republik zu, weiss Autor Gregor Poletti. Insgesamt 80 Länder seien untersucht worden, die Schweiz landet «auf dem unrühmlichen zweitletzten Rang, wie der demnächst offiziell publizierte Bericht zeigt».

Ein Artikel, der auf Datenschrott basiert

Abgesehen davon, dass der Bericht schon längst publiziert ist; um welche Untersuchung von wem handelt es sich, wie wurde diese Rangliste erstellt? «Daten herunterladen», verspricht unter der Tabelle ein Link. Er führt zu einer Excel-Tabelle:

Datenquelle als Witz bei Tamedia.

Wer hat diese Rangliste erstellt? Sie beruhe auf dem «Tobacco Industry Interference Index». Das hört sich irgendwie wissenschaftlich an, ist aber der nächste Witz:

Wissenschaftliche Untersuchung aus dem fernen Thailand.

Wer bastelt den nun?
«Dieser Global Tobacco Index, der ursprünglich von der Southeast Asia Tobacco Control Alliance (SEATCA) initiiert wurde, wird vom Global Center for Good Governance in Tobacco Control (GGTC) als Teil des globalen Watchdogs der Tabakindustrie STOP (Stopping Tobacco Organizations and Products) erstellt. GGTC mit Sitz an der School of Global Studies der Thammasat University ist eine gemeinsame Initiative mit SEATCA.»

Nichts gegen thailändische Universitäten, aber echt jetzt? Wie werden denn die Daten erhoben?

«Dieser Bericht basiert auf öffentlich zugänglichen Informationen über die Einmischung der Tabakindustrie in den Ländern und der Reaktion der jeweiligen Regierungen auf diese Einmischungen. Die Länder werden nach der Gesamtpunktzahl eingestuft, die von «Gruppen der Zivilgesellschaft» bereitgestellt werden.»

Sorry, Herr Journalist, bevor Sie dermassen in die Trompete blasen, hätten Sie sich vielleicht einmal über Ihre Quellen etwas genauer informieren können. Oder das dem Leser wenigstens mitgeben.

Der Link ins Nichts des «Entwicklers» der Datenquelle.

Der Autor will einfach sein Nebelsüppchen kochen

Schöner ist’s natürlich, über das unselige Wirken der «Tabaklobby» herzuziehen, wie die weiterhin die Kinder verführe und wie es noch striktere Werbeverbote für Glimmstengel brauche: «die Werbevorschriften bleiben zu lasch».

Wie kann man das ändern? «Damit erhält die Volksinitiative «Kinder und Jugendliche ohne Tabakwerbung» gewaltigen Auftrieb. Sie will jede Art von Werbung für Tabakprodukte, die Kinder und Jugendliche erreicht, verbieten. Obwohl dies in der Umsetzung nicht ganz einfach werden dürfte, ist dies ein gangbarer Weg.»

Denn: es gebe «praktisch keine Einschränkungen, wie die Tabakindustrie ihre Produkte in der Schweiz vermarkten» könne. Bloss: Neu gelte «zwar ein Werbeverbot auf Plakaten, in Kinos, in öffentlichen Verkehrsmitteln und Gebäuden sowie auf Sportplätzen. Werbung in der Presse und im Internet ist aber auch künftig nicht grundsätzlich verboten, ausser in Radio und TV.»

Wie man aus einem dermassen von Verboten umrankten Marketing «praktisch keine Einschränkungen» machen kann? Zu viel geraucht? Oder schon ein Halbeli intus?

Der Schaden, der gar keiner ist

Aber es wird noch schlimmer. Natürlich erwähnt auch Poletti die 5,6 Milliarden Franken «Schaden», die Tabakkonsum in der Schweiz anrichte. Unbeschadet davon, dass diese Zahl falsch ist. Die NZZ versucht immer mal wieder, diesen Unsinn richtigzustellen.

Etwas ermüdet durch die Aufklärungsarbeit fetzte die alte Tante 2019 in erstaunlich harschem Stil:

«Lasst die Raucher in Ruhe! Wer gesund lebt, verursacht höhere Kosten. Raucher müssen sich zurzeit wieder vorrechnen lassen, welch hohe volkswirtschaftliche Kosten sie verursachen. Richtig ist das Gegenteil: Die Raucher sind Nettozahler. Sie subventionieren die Nichtraucher. Teurer sind laut einer Studie die Gesunden.»

Hoppla, schon wieder so eine merkwürdige Studie, wahrscheinlich auch aus Thailand? Nicht ganz: «Die Arbeit datiert von 1998. Ökonomen der Universität Neuenburg haben im Auftrag des Bundes die sozialen Kosten des Tabakkonsums berechnet. Fazit: Raucher sind volkswirtschaftlich betrachtet Nettozahler. Sie kommen nicht nur voll für die Schäden auf, die sie anrichten, sondern leisten sogar einen Beitrag darüber hinaus. Die rauchende Minderheit subventioniert den Rest.»

Dazu nur zwei Zahlen: Da Raucher bekanntlich früher und schneller sterben als Nichtraucher, entlasten sie die AHV um mindestens 1,3 Milliarden Franken. Zudem drücken sie 2,1 Milliarden Tabaksteuer ab. Zählt man weitere entlastende Faktoren zusammen, kommt man zum Resultat «Nettozahler».

Das mag nun Schimpfkanonen wie Poletti nicht schmecken, das ändert aber nichts an den Zahlen. Vielleicht sollte man den Nebel, den er anrichtet, etwas lichten.

Was für ein journalistisches Niedrigniveau

Poletti arbeitet aufgrund von mehr als zweifelhaften Zahlen einer mehr als zweifelhaften Organisation. Er redet einer Initiative das Wort, die praktisch nicht umsetzbar ist. Er will faktisch jegliche Werbung für ein völlig legales Produkt verbieten.

Raucher, zu denen der Autor auch viele Jahre gehörte, müssen sich schon lange auf ihrem legal und für teures Geld erworbenen Produkt übel beschimpfen lassen und Horrorbilder anschauen. Das ist beim Alkoholkonsum nicht der Fall.

Warum eigentlich? Nun, es gibt doch ziemlich viele Weinbauern in der Schweiz mit entsprechender Lobby. Während die furchtbar einflussreiche Tabaklobby all diese Einschränkungen nicht verhindern kann, obwohl sie einen ungleich höheren Umsatz erzielt. Aber beide Produzenten bieten ein legales Produkt an, wie Milchproduzenten oder die Hersteller von Bratfett.

Auch bei diesen Produkten, wie bei allen legalen Stoffen, ist es dem Konsumenten überlassen, ob er sich damit dem Risiko gesundheitlicher Schäden aussetzen will oder nicht.

Ihn darauf aufmerksam zu machen, ist erlaubt. Unfug zu verbreiten, sollte hingegen verboten werden.

… und der böse Haudrauf

Wenn «Inside Paradeplatz» seine Kernkompetenz verlässt, wird’s schummrig.

Der Finanzblog von Lukas Hässig* hat gerade sein zehnjähriges Jubiläum gefeiert. Der Einzelkämpfer hat diese Webseite zu einer Institution gemacht, mit der er regelmässig die gesamte Wirtschaftspresse abtrocknet. Vasella, Vincenz, Thiam, wegen ihm gestolpert, desavouiert, skandalisiert.

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Inzwischen begleitet Hässig Bewunderung und Neid, was ja das beste aller Komplimente ist. Er gibt auch Gastautoren Schreibrecht, die sich über Themen äussern dürfen, die nur begrenzt mit der schönen Finanzwelt rund um den Paradeplatz zu tun haben.

Das kann bereichernd sein, das kann auch in die Hose gehen. Aber Konfliktivität, aufjaulende Kommentatoren, das gehört zur DNA des Blogs, da lässt Hässig viel zu. Zu viel?

Zu den regelmässigen Autoren bei IP gehört Beni Frenkel. Hier muss erwähnt werden, dass Frenkel zu den Gründern von ZACKBUM zählt und sich im Frühling dieses Jahres Knall auf Fall entschied, seine Mitarbeit einzustellen.

Schnee von gestern. Es muss aber erwähnt werden, weil ZACKBUM heilfroh ist, dass Frenkel dieses polemische Meinungsstück nicht hier, sondern auf IP veröffentlichte: «20 Millionen-Grab von «Fritz + Fränzi»»

Totengräber Frenkel am Gerät.

Frenkel ist ein begabter Polemiker, und wo er hinhaut, wächst normalerweise kein Gras mehr:

«Seit 20 Jahren pumpt Ellen Ringier Geld ins Elternmagazin. Der Grossteil der Auflage wird verschenkt. Macht jährlich rund 1 Million Verlust. Man hats.»

Schlag auf Schlag gegen das Elternblatt

ZACKBUM, möchte man sagen. Das Elternblatt habe mit einer Sondernummer seinen 20. Geburtstag gefeiert, Feierlichkeiten für die «Milliardärin», die ihren 70. beging, seien aber gestrichen worden. Damit erreicht Frenkel erst Betriebstemperatur.

Die Auflage werde gepumpt, indem man 70 Prozent verschenke, zum Ingrimm der Konkurrenz werde so Reichweite gebolzt, was den Inserate-Keilern vom «Blick» zugute käme, die sich auch um das Elternblatt kümmern müssten. Dadurch entstehe ein jährlicher Verlust von mindestens einer Million, wisse ein «Insider», macht also 20 in 20 Jahren: «Auch für Milliardäre kein Pappenstil.»

20 Jahre, 20 Millionen, runde Zahlen, nichts zu feiern.

Schlimmer: «Ellen Ringiers Hobby sorgt im Unternehmen ihres Mannes für Stirnrunzeln.» Denn: «Was Verleger Michael Ringier Millionen kostet, seiner Gattin einen Zeitvertreib ermöglicht, droht anderen Redaktionen das Wasser abzugraben.» Vernichtendes Fazit:

«Würde Geld im Hause Ringier eine Rolle spielen, hätte es „Fritz+Fränzi“ wohl nie gegeben

Als Schlusspointe hätte Frenkel auch gleich noch einen neuen Titel für dieses teure Hobby: «Vielleicht „Langeweile+Geld“».

Polemik ohne Faktentreue ist einfach

Das ist lustig, das ist unterhaltsam, dass ist IP, das hätte auch auf ZACKBUM erscheinen können. Ist es glücklicherweise nicht, denn Faktencheck ist bei uns immer Aufgabe und Verpflichtung des Autors. Leider hat Frenkel hier das Prinzip beherzigt, sich von Fakten oder Widerspruch doch nicht eine knackige Hinrichtung kaputt machen zu lassen. Denn sowohl Chefredaktor wie herausgebende Stiftung drücken öffentlich ihr Unverständnis aus:

Die Herausgeberschaft findet’s überhaupt nicht komisch.

Auf persoenlich.com sagt Nik Niethammer zu den Vorwürfen: «Mit Verlaub, das ist grober Unsinn. Wir wissen nicht, was den Autor geritten hat. Der Text strotzt vor Unwahrheiten, Behauptungen und Mutmassungen. Was mich am meisten stört, ist der gehässige, herablassende Tonfall. Der Autor hat uns im Vorfeld einen Fragenkatalog zukommen lassen. Wir haben seine Fragen ausführlich beantwortet und stellen erstaunt fest: Keine Silbe davon findet sich im Text wieder.»

In einer umfangreichen Gegendarstellung regt sich auch die Herausgeberschaft darüber auf. Sie zerpflückt in 11 Punkten die Anwürfe und hält fest: «Herr Frenkel hat der Stiftung Elternsein in der vergangenen Woche über verschiedene Kanäle drei Fragen schriftlich zukommen lassen. Wir haben diese Fragen ausführlich beantwortet und uns darüber hinaus Zeit genommen, auch Rückfragen zu beantworten. Wir sind ausserordentlich erstaunt, feststellen zu müssen, dass ganz offensichtlich vorsätzlich unsere Antworten in keiner Weise in den Text eingeflossen sind, sondern gezielt Falschinformationen gestreut werden.»

Und was sagt Frenkel? Plötzlich mit Schweigegelöbnis …

Wie es bei ZACKBUM Brauch ist, haben wir Ex-Kollegen Beni Gelegenheit gegeben, zu diesen Vorwürfen Stellung zu nehmen. Denn als er noch bei uns publizierte, wusste er ja, dass das zum unverzichtbaren Bestand journalistischer Benimmregeln gehört.

Aber leider hat er sich der Unsitte von so vielen anderen, den 78 erregten Tamedia-Frauen, der «Republik» usw. angeschlossen: austeilen wie ein Weltmeister. Aber Stellung zu höflich, jedoch präzise gestellten Fragen nehmen: nein, danke. Das ist eine Unsitte. Diese Feigheit macht den ganzen Inhalt der Polemik nicht nur fragwürdig, sondern nicht mehr glaubhaft. Unabhängig davon, wer hier Recht hat; «Fritz + Fränzi» oder Frenkel: er hat sich damit selbst ins Unrecht gesetzt, seine Glaubwürdigkeit verspielt, seine Reputation beschädigt.

Schon wieder können wir hier nur die Fragen publizieren, gerne hätten wir das mit den Antworten getan.

  1. Du schreibst, Ellen Ringier pumpe seit Jahren Geld in Fritz + Fränzi. Das wird aber von der Stiftung Elternsein herausgegeben, die seit Jahren eine ausgeglichene Rechnung präsentiert. Wie kommst Du auf diese Behauptung?
  2. Du verwechselst wohl «das Haus Ringier» und diese Stiftung, nicht?
  3. Du schreibst, die «Blick»-Anzeigenabteilung habe auch für F+F Anzeigen «anbaggern» müssen. Das stimmt offenbar nicht, woher hast Du das?
  4. Du schreibst, F+F koste «Verleger Michael Ringier Millionen». Ellen Ringier sagt, dass sie am Anfang ihr eigenes, geerbtes Geld investiert habe. Was stimmt?
  5. Kannst Du den Unterschied zwischen Auflage und Reichweite definieren?
  6. Du schreibst, die Leserbriefe seien «künstlich auf sieben Seiten aufgepumpt» worden. F+F sagt, dass die Redaktion normalerweise viermal mehr Zuschriften erreichen als abgedruckt werden können. Wie belegst Du Deine Behauptung?
  7. Die Stiftung behauptet, Deine ihr zugestellten Fragen und Rückfragen seien umfangreich beantwortet worden, davon fände sich aber nichts im Artikel. Stimmt das?
  8. Die Stiftung und der Chefredaktor von F+F behaupten, die würdest gezielt Falschinformationen wider besseres Wissen verbreiten. Was sagst Du dazu?
  9. Folgt man der Stiftung, scheint kein einziger von Deinen gravierenden Vorwürfen zuzutreffen. Siehst Du das auch so? Wenn ja, gibt es eine Gegendarstellung?

Schade auch, dass er bei ZACKBUM nicht mehr gelernt hat.

 

*Packungsbeilage: René Zeyer publiziert gelegentlich auf «Inside Paradeplatz».

Die Baldwin-Tragödie

Was macht man, wenn man nichts weiss? Man macht was draus.

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Es ist eine schreckliche Tragödie, dass der Schauspieler Alec Baldwin am Set zu einem Western eine Kamerafrau erschossen und den Regisseur lebensgefährlich verletzt hat.

Mehr gab es dazu am Tag der Tragödie eigentlich nicht zu sagen. Was aber im modernen Elendsjournalismus nicht geht. Berühmter Schauspieler, Hollywood, Western, Schüsse, echte Kugeln, Wahnsinn.

Also wurde das getan, was die Journaille in solchen Fällen zu tun pflegt. Zunächst wurde das Ereignis so detailliert wie möglich geschildert. Mit anderen Worten aus US-Quellen abgeschrieben.

In der Eile des Gefechts bietet «Blick» den gleichen Video zweimal an.

Nun folgte Phase zwei, damit die Kindersoldaten in ihren Verrichtungsboxen im Newsroom nicht etwa auf die Idee kämen, die Füsse hochzulegen, ihre Social Media-Seiten zu pflegen oder gleich ein Ballerspiel reinzuziehen.

Tamedia fragt sich, weiss aber doch schon, dass es definitiv ein Versehen war.

Nun fragt der Tagesverantwortliche nach den Nachzügen. Die Möglichkeiten liegen auf der Hand und sind banal:

  • Die Liste der schlimmsten Unfälle bei Drehs oder am Set
  • Der Fachmann sagt Fachmännisches
  • Was für Unfälle gab es schon an Schweizer Drehs?
  • Was sagt Baldwin, was sagen Kollegen, was sagen Hinterbliebene?
  • Wie funktioniert eigentlich der Einsatz von Schusswaffen an einem Dreh genau?
  • Sind das echte Waffen oder falsche, gibt es echte Munition oder nur Platzpatronen?
  • Welche Verschwörungstheorien kann man hochziehen? Wollte jemand Baldwin Übles? Der hat doch Donald Trump imitiert. Oder hatte Baldwin selbst etwas gegen die Kamerafrau?

Daraus ergibt sich dann das jämmerliche Bild von Newsplattformen, die eigentlich keine News haben, aber so tun als ob.

CH Media setzt auf Verschwörungstheorie.

Um sich von der Konkurrenz etwas abzuheben, versucht es die NZZ mit einer ganz gelehrten Einleitung:

«Der Versuch, Adolf Hitler zu stürzen, endet für Claus Schenk Graf von Stauffenberg nicht gut:

Nach dem gescheiterten Attentat wird er in der Nacht des 20. Juli 1944 von Nazi-Offizieren erschossen.
Der Schauspieler Tom Cruise hat den Dreh des Films Operation Walküre, in dem er Stauffenberg darstellt, dennoch überlebt.»

Das nennt man mal die Nazikeule in einem überraschenden Zusammenhang zücken.

Auch die NZZ übt sich in Boulevard und feuert gleich drei Artikel ab.

Ansonsten gilt das gute alte Boulevard-Prinzip: wenn man nichts Genaues weiss, ja nicht auf die Äste rauslassen.

Aber das Ereignis war selbst der «Tagesschau» eine Meldung wert, obwohl doch in den USA pro Jahre Tausende von Menschen erschossen werden. Allerdings nicht an einem Filmset.

So viele Fragen offen, so wenig Antworten

Wie ist es eigentlich mit der Verwendung von Waffen bei Drehs? Sind die alle echt oder gefälscht? Oder kommt’s drauf an? Gibt’s wirklich noch einen Waffenmeister? Wie ist das bei Wahnsinnskriegsszenen, zum Beispiel bei der einleitenden Sequenz von «Saving Private Ryan», wo die blutige Landung an der Normandie von Steven Spielberg so hautnah verfilmt wurde, dass der Zuschauer Angst bekommt, dass auch hier der Kameramann erschossen werden könnte, so brutal-realistisch sind die Szenen.

Wenn das Maschinengewehr rattert, die Kugeln in Mensch und Material einzuschlagen scheinen, Verputzstücke durch die Luft fliegen, Blutfontänen spritzen, Körper im Stakkato zucken, während sie vermeintlich durchsiebt werden: natürlich stehen alle wieder auf, wenn der Regisseur die Szene abwinkt. Aber wie geht das genau?

Da sind die Experten wieder verschiedener Meinung, von «eigentlich ausgeschlossen» über «niemals echte Munition am Set» bis zu «brandgefährlicher Umgang mit echten Waffen» ist alles zu haben.

 

 

 

Boost it, baby!

Unsere Medienlandschaft erinnert wirklich immer mehr an die DDR. Neu mit alternativen Fakten.

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Natürlich ist es Verschwörungstheorie, dass in einem Hinterzimmer zu Bern die tägliche Befehlsausgabe stattfindet, was unsere überlebenden drei Medienkonzerne plus Beiboot (Tamedia, CH Media, Springer-Ringier plus NZZ) zum Thema Corona zu schreiben haben.

Aber wenn man verfolgt, wie das Thema Booster-Impfung Schrittchen für Schrittchen dem geneigten und auch dem nicht geneigten Leser nähergebracht wird, dann wird’s einem schon anders.

Dass der Nicht-Geimpfte ein verantwortungsloser, dummer, sich selbst und andere gefährdender Idiot ist, daran haben wir uns gewöhnt. Dass Widerworte gegen die offizielle Corona-Politik, welche absonderlichen Wendungen und Widersprüchlichkeiten die auch beinhaltet, immer Ausdruck einer hetzerischen, unwissenschaftlichen, absurden Geisteshaltung sind, wissen wir inzwischen auch.

Dass man unserer Regierung wenn schon nur vorwerfen kann, dass sie nicht genügend Zwang, nicht genügend Druck auf die völlige Durchimpfung der Gesellschaft ausübt, dass wiederum das Impfen der einzige Königsweg aus der Pandemie sei, auch das ist bis zum Erbrechen wiederholt und bekannt.

Einmal impfen, zweimal impfen, nun neu bald einmal dreimal impfen. Die sogenannte «Booster»-Impfung. Die schiebt sich langsam, aber sicher von «ach nö, muss nicht sein» über «nun ja, vielleicht für Hochrisikogruppen» zu «also eigentlich schon, anderswo wird das bereits gemacht» zu «sollte kommen, kommt, muss sein».

Als wär’s ein Stück aus der Staatspresse

Exemplarisch dafür der Online-Auftritt des «Blick».

Piks, piks, piks. Heute die USA, morgen die Schweiz?

Wie wirksam? SEHR wirksam, welche Überraschung.

Abteilung Scherz lass nach: wenn «watson» Analyse sagt, darf laut gelacht werden.

Tamedia ist hingegen für freiwilligen Zwang.

Auf Seiten Tamedia sorgt der «Leiter Faktchecker-Team» zudem dafür, Zweifler an der Korrelation zwischen Impfquote und Neuinfektionen einzutopfen. Yannick Wiget nimmt sich dafür Stefan Millius*, «der als Corona-Massnahmenkritiker bekannt» sei, zur Brust. Der behaupte, dass durch die bekannte Harvard Studie von SV Subramanian, Professor für Bevölkerungsgesundheit und Geografie, erwiesen sei, dass es eine solche positive Korrelation nicht gebe, die Wirksamkeit der Impfung sei begrenzt.

«Die Aussage von Milius (!), die Eindämmung von Covid-19 durch die Impfung sei eine Mär, ist falsch.

Auf den ersten Blick sieht es zwar so aus, als würde die Studie zeigen, dass Impfungen unwirksam sind. Doch der Autor selbst widerspricht dieser Interpretation vehement. Die mangelnde Korrelation zwischen Impfung und Fallzahlen zeigt für ihn einfach, dass es neben der Impfung noch andere Massnahmen braucht.»

Wenn das die Qualitätsstufe des Leiters des Faktenchecker-Teams ist, dann muss man mit den Fakten – und dem Team – tiefempfundendes Mitleid haben. Denn wer eine faktische Aussage, die an Klarheit nicht zu überbieten ist, dermassen umbiegt, sollte es mal als Leiter eines Märchenerzählerteams probieren. Nebenbei: wer es als Oberfaktenchecker nicht mal schafft, den Namen Millius zweimal richtig zu schreiben, hat sowieso den Beruf verfehlt.

Ergebnisse referieren, dann umbiegen

Zunächst referiert Wiget noch einigermassen korrekt die Ergebnisse: «Die Forscher kommen zum Schluss, dass es keinen erkennbaren Zusammenhang zwischen dem Anteil der vollständig geimpften Bevölkerung und der Entwicklung der Fallzahlen gibt. Sie stellen sogar einen geringfügigen gegenteiligen Effekt fest.»

Dann schreibt Wiget fast wortwörtlich einen Gegenartikel im US-Magazin «Mother Jones» ab. Dort wird der Professor damit zitiert, dass er mit seiner Studie nicht grundsätzlich etwas gegen Impfungen gesagt habe, er halte sie im Gegenteil – neben anderen Massnahmen – für durchaus sinnvoll.

Was Faktenchecker Wiget dem Leser unterschlägt: Der Autor des Artikels ist ein vehementer Befürworter von Impfungen (warum die kritische Haltung von Millius erwähnen, das aber unterschlagen?). Was ebenfalls stehenbleibt, ist die Grundaussage der Untersuchung: Es gibt KEINE erkennbare Korrelation zwischen Impfquote und Ansteckungsquote. Sagt die Studie, sagt der Autor, davon nimmt er keinen Millimeter zurück.

Darum herumzukurven, um einen angeblichen «Corona-Massnahmenkritiker» zu desavouieren, ist schon mal unterste Schublade. Aber es geht noch tiefer. Das schafft man, wenn man den «Sozialwissenschaftler Marko Kovic» zitiert, den Entdecker des deutschen Ablegers des «Intellectual Darkweb». Das verbreite sich so, weiss Verschwörungstheoretiker Kovic: «Von «alternativen» Kanälen wie YouTube und Podcasts über quasi-journalistische Meinungspublikationen wie die «Weltwoche» oder den «Schweizer Monat» bis hin zur Neuen Zürcher Zeitung.»

Ein Faktechecker zitiert einen üblen Demagogen

Wer die NZZ als «quasi-journalistische Meinungspublikation» denunziert, hat jeden Anspruch verloren, ernst genommen zu werden. Schlimmer noch, Kovic ist ein übler Demagoge, der alle Fachmeinungen, die nicht in sein Weltbild passen, argumentenfrei niedermachen möchte: Kovic will diese Stimmen einer Gruppe zuordnen, diese Gruppe in eine gemeinsame Geisteshaltung pressen, die lächerlich machen und denunzieren. In «quasi-journalistischen» Organen äusserten die unwissenschaftlichen Stuss und beschwerten sich öffentlich darüber, dass man sie öffentlich nicht genügend wahrnehme. Ein Trottelhaufen, mit anderen Worten. Lächerlich, aber gefährlich.

Das schrieben wir schon über ihn:

«Gemach, lieber Herr Kovic, das eignete sich vielleicht als Selbstdiagnose. Nur: gefährlich, das sind Sie wirklich nicht.»

Dem «Faktenchecker» kommt der Herr aber wie gerufen: «Sozialwissenschaftler Marko Kovic entlarvt ihre Strategie in den sozialen Medien: «Massnahmengegner finden die Wissenschaft schlecht, wenn sie nicht in ihr Weltbild passt – und zelebrieren die Wissenschaft, wenn ihre vorgefassten Meinungen vermeintlich bestätigt werden. Das Kleingedruckte interessiert sie dabei nicht.»

Faktencheck als Märchenstunde mit Demagogen-Zitat.

Wiget merkt seinerseits nicht, dass das ebenfalls eine gute Selbstdiagnose sein könnte, so wie er mit der Harvard-Studie umgeht. Nur interessiert ihn das grossgedruckte nicht. Wir ernennen ihn zum Mitglied eines Tamedia-Trio-Infernal: Corona-Kreische Marc Brupbacher, Antidemokrat Denis von Burg und nun noch Fakten-Faker Yannick Wiget.

Es stellt sich wieder die Frage, wieso das auch nur einen Rappen Steuersubvention wert sein soll …

 

*Packungsbeilage: Stefan Millius ist Chefredaktor «Die Ostschweiz», wo René Zeyer regelmässig publiziert.