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Bramarbasierender Bärfuss

13. Juni 2023/5 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Veronika, der Lenz ist da. Aber nicht Jakob Lenz.

Legen wir das Bildungsniveau etwas tiefer, es geht schliesslich um den Büchner-Preisträger Lukas Bärfuss. Nun hat Georg Büchner eine Novelle «Lenz» geschrieben, in der in jeder Zeile mehr dichterische Schaffenskraft steckt als im Gesamtwerk von Bärfuss.

Der zeigt im Blatt für die gehobenen Stände und die literarischen Überflieger «SonntagsBlick», dass er auch an einfachen Themen scheitern kann. Denn er hat sich rechtzeitig zu dessen Ende den Frühling vorgeknöpft.

Frühling, das ist ein ewiges Aufsatzthema, an dem sich schon Primarschüler versuchen dürfen. Oftmals mit mehr Erfolg als der Dichter:

«Nun ist es warm geworden, von einer Woche zur andern, die Magnolien sind schon wieder verblüht, die Felder stehen grün, die Wolken hoch.»

Man beachte die doppelte Verwendung von «stehen», Wahnsinn. Wobei es nur einmal wirklich passt; grün «stehen» die Felder? Aber das ist nur die Einleitung zu tiefen, ganz tiefen Erkenntnissen: «Die Jahreszeiten prägen unser Leben. Ihr Wechsel gibt den Rhythmus vor, er treibt uns weiter, lässt uns niemals stillstehen im Tanz des Lebens.»

Tanz des Lebens, da hätte es selbst Utta Danella geschüttelt. Aber Bärfuss lässt nichts aus: «Der Tagbogen wölbt sich … Wir werden alle älter, und am Ende sind wir alle tot … Der Zauber in allem Anfang ist der Zauber der Vergänglichkeit … Erst die Tat, die Handlung, die Geste, die gefordert ist und die verändert, erst das tätige Leben gibt dem Frühling eine Antwort.»

Der Leser winselt um Gnade, aber wir sind – wie Bärfuss – gnadenlos: «Wir Menschen fürchten uns vor der Witterung. Wir sind ihrer nicht ebenbürtig, noch immer nicht, und das Klima zu verändern, bedeutet nicht, es zu beherrschen … Die Frage der Philosophie: Wie willst du sterben? Die Frage der Politik: Wie willst du leben?»

Dabei dachte ZACKBUM, die Fragen der Philosophie seien: «Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Was ist der Mensch?» Das wäre dann Immanuel Kant, andere Liga.

Aber auch der quälendste Text findet einmal sein Ende, darin liegt tiefer Trost: «Der Frühling wird nicht bleiben. Es wird ein neuer kommen. Nicht für alle, aber für immer.»

Auch Bärfuss reiht sich in den Reigen ein: heutzutage ist alles erlaubt. Keiner zu klein, Dichter zu sein. Nichts zu banal. Kein Halten im Sturz ins Bodenlose, Niveaulose. Selbst Primarschüler müssten vor Scham erröten, würden sie solches Geschwurbel zu Papier bringen. Seufzend läse es der Lehrer. Weil er muss.

Was aber das süsse Geheimnis des «SonntagsBlick» bleibt: warum nur, warum quält er seine Leser so? Will das Blatt wirklich, dass der Leser an einem schönen Sonntag so griesgrämig schaut wie der gequält-quälende Dichter?

Buchli und Rafi schreiben schamlos darüber, wie sie ein Interview in den Sand setzten. Meyer tobt vor sich hin. Und Bärfuss bramarbasiert; er sei «der wichtigste zeitgenössische Schweizer Schriftsteller», behauptet der SoBli. Das dürfte Peter von Matt, Thomas Hürlimann und ein paar andere erstaunen. Aber die Sonne der Kultur stand schon immer ganz, ganz tief beim SoBli. Nicht nur im Frühling.

Schlagworte: Frühling, Georg Büchner, Immanuel Kant, Lukas Bärfuss, SonntagsBlick, Utta Danella
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https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2023/06/Bildschirm­foto-2023-06-12-um-08.21.43.png 160 372 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2023-06-13 06:00:442023-06-12 08:38:13Bramarbasierender Bärfuss
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5 Kommentare
  1. Peter Bitterli
    Peter Bitterli sagte:
    13. Juni 2023 um 9:25

    Widerspruch, halten zu Gnaden:
    Dort, wo Büchner im „Lenz“ wörtlich bei Pastor Oberlin abschreibt, quält man sich durch Textpassagen, die auch von Käs-, äääh Bärfuss stammen könnten. In einigen originalen Büchner-Sätzen steckt dann allerdings mehr dichterische Schaffenskraft als im Gesamtwerk von Bärlauch, äääh -fuss.

    Antworten
  2. Victor Brunner
    Victor Brunner sagte:
    13. Juni 2023 um 7:47

    Bärfuss «der wichtigste zeitgenössische Schweizer Schriftsteller», er hat recht. Das Niveau der Schweizer Schriftsteller, inkl. Dominik Holzer, ist so tief das auch Bärfuss keine Mühe hat mitzuhalten!

    Antworten
    • Peter Bitterli
      Peter Bitterli sagte:
      13. Juni 2023 um 9:20

      Bärfuss schreibt in der Regel „dass“, wenn das so zu sein hat.

      Antworten
  3. Niklaus Fehr
    Niklaus Fehr sagte:
    13. Juni 2023 um 7:39

    Wohin des Weges, du Mann des Feuers? Zum Herd des Brandes du Loch des Arsches.

    Antworten
    • Hansruedi
      Hansruedi sagte:
      13. Juni 2023 um 23:46

      Soooo guet

      Antworten

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