Punkt. Ausrufezeichen.

Wie man eine «Arena» kaputtredet.

Das Schweizer Farbfernsehen kann einiges nicht. Besonders auffällig ist die Unfähigkeit, Talksendungen zu machen. Dass das mit Niveau geht, zeigen ARD und ZDF jeden Abend. Dass es geht, zeigen «Talk täglich» und «SonnTalk» auch in der Schweiz.

Dann gibt es noch den Altmeister aller Klassen, der weiterhin den «Doppelpunkt» kann, neu wieder den TV-Talk, dazu als einziger die Tradition des Talk Radio weiterführt. Sozusagen die One-Man-Talkshow Roger Schawinski.

Den hat SRF weggespart. Braucht’s nicht, kann doch jeder. Dass es nicht jeder kann, beweist Urs Gredig einmal wöchentlich. Da sitzen zwei im Glaskasten und werfen nicht mit Steinen, sondern haben sich lieb.

Das ist ein doppelter Verstoss gegen die Grundregel einer solchen Veranstaltung. Denn das ist keine kulturell hochstehende Erziehungsanstalt, sondern eine Show. Ein verbales Kräftemessen zwecks Bespassung und Unterhaltung der Zuschauer. Kommt dabei auch noch Erkenntnis zustande, ist das ein netter Zusatznutzen.

Früher war natürlich alles besser

Die «Arena» war ursprünglich als echte Krawallshow geplant und durchgeführt. Dazu brauchte es nur drei Elemente. Typen wie Christoph Blocher oder Peter Bodenmann, Heckenschützen aus der zweiten Reihe und einen Dompteur, der gelegentlich mit der Peitsche knallte, aber ansonsten die Diskutanten galoppieren liess.

Es gab immer mal wieder rote Köpfe, beleidigte Leberwürste und Vorwürfe der Parteilichkeit. Hatte sich der Vertreter einer Partei um Kopf und Kragen geredet, wurde anschliessend Filippo Leutenegger vorgeworfen, er sei zu links, zu rechts, zu liberal, zu herrisch, er hätte eingreifen sollen, es laufen lassen sollen, sofort reingrätschen, nicht immer unterbrechen.

Also war’s durchaus eine runde Sache. Natürlich schaffte es in den letzten zehn Jahren keine einzige «Arena»-Sendung in die Top-100 bei den Einschaltquoten. Dort tummeln sich fast ausschliesslich Fussball- und Sportsendungen, gelegentlich mal eine Tagesschau. Aber die «Arena» hatte anfänglich noch 22 Prozent Zuschaueranteil. Das brach dann auf 19 Prozent ein, in den letzten Jahren.

Natürlich ist eine Sendung, die real live aufgezeichnet und erst ab 22.20 Uhr am Freitagabend ausgestrahlt wird, kein Publikumsrenner. Aber das Format war bewährt und erprobt. Vorne am Kreis manchmal zu viele Diskutanten, aber das führte dann zu unterhaltsamen Ellenbögeleien und verbalen Blutgrätschen von erfahrenen Teilnehmern. In der zweiten Reihe Sekundanten, die Kurzauftritte hatten und manchmal geschickt einen der im inneren Kreis Stehenden aus dem Konzept bringen konnten.

Hintendran das Publikum, das durchaus gelegentlich Sympathie- oder Antipathiepunkte vergab. Das alles wurde Stück für Stück demontiert, reglementiert, zu Tode organisiert.

Den Todesstoss versetzt aber der aktuelle Moderator der «Arena». Denn Sandro Brotz ist alles andere als ein Ausgleicher, und ein mit natürlicher Autorität ausgestatteter Dompteur ist er auch nicht.

Sondern ein selbstverliebter Rechthaber, der vor Haltung beinahe platzt und auf den sozialen Plattformen ungefragt Noten verteilt. Zweifler an der offiziellen Corona-Politik sind für ihn «Flacherdler». Als sich daraufhin ein Shitstorm über ihn ergoss, zog er sich beleidigt und kurzzeitig zurück.

Der aktuelle Moderator ist im falschen Film

Er hat ein eklatant falsches Rollenverständnis, deshalb ist er in der «Arena» im falschen Film. Der Moderator hat die Fragen, die Gäste versuchen Antworten. Der Moderator leitet, die Gäste gehen aufeinander los. Der Moderator greift nur ein, wenn etwas aus dem Ruder läuft. So machen das routiniert in Deutschland eine ganze Riege von erfahrenen Diskussionsleitern.

Dass Brotz auf Twitter nachquengelt, dass man für eine Kritik seines Verhaltens nicht mit ihm geredet habe, obwohl er einräumen muss, dass er auf eine entsprechende Anfrage 24 Stunden lang nicht reagierte, ist bereits so lächerlich, dass es ihn desavouiert.

Dass er es sich herausnimmt, einen Diskussionsteilnehmer wegen einer Aussage als Rassisten abzuqualifizieren und dafür als hohes Gericht die Präsidentin der Antirassismus-Kommission zitiert, sollte ausreichend sein, um ihn zu ersetzen.

Natürlich muss SRF das eigene und das Gesicht des Moderators wahren, daher wird das nicht sofort erfolgen. Aber es ist unausweichlich. Nein, auch für diesen Kommentar wurde Brotz nicht um eine Stellungnahme angefragt. Wozu auch, seine Taten sprechen für sich. Punkt, Ausrufezeichen.

6 KOMMENTARE
  1. Jürg Streuli
    Jürg Streuli says:

    Juhui !!! Der SVP sei Dank wird die Arena endlich zum Kuschel-TV, wo niemand mit vom linken Mainstream abweichenden Meinungen noch stört. Sandro Brotz wird in Tränen ausbrechen über die ausschliesslich vielen Gutmenschen welche ihn umgeben. Doch das Wichtigste der Sendung wird bleiben: Sandro Brotz und Sandro Brotz und nochmals Sandro Brotz. Er ist und bleibt offenbar der Messias des Schweizer Fernsehens.

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  2. K. Meyer
    K. Meyer says:

    Da braucht Einer halt sehr viel Bestätigung. Und greift sie da ab, wo er sie am einfachsten und mit Sicherheit kriegt. Auf Twitter herumzukeifen ist in dem Alter auch nicht gerade souverän. Aber damit steht er beileibe nicht alleine da.

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  3. Victor Brunner
    Victor Brunner says:

    Nur dank der eigenen Anspruchslosigkeit hat Brotz («Bleiben sie uns treu, bleiben sie kritisch») die Sendung noch nicht geschmissen. Anspruchsloigkeit ist daily-business bei Wappler TV. Das hat auch sein Gutes. Immer mehr begreifen dass die Serafe Gebühr runter muss. Schrott bekommt der Konsument gratis von den privaten Doofmann/Dooffrau Sendern aus der Schweiz und Deutschland wo Wappler TV ja immer wieder mal abkupfert!

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  4. Tim Meier
    Tim Meier says:

    Mimosen werden an der Fasnacht verteilt. Die ist längstens vorbei. Die Mimose Brotz ist verwelkt. Zeit für einen freiwilligen Abgang. Dazu braucht’s aber Rückgrat.

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  5. Adrian Venetz
    Adrian Venetz says:

    Im Fussball gilt: Wenn man nicht über den Schiedsrichter spricht, hat er seine Arbeit gut gemacht. Brotz macht das Gegenteil. Was er mit seinem prätentiösen Gehabe bietet, hat mit professionellem Journalismus rein gar nichts mehr zu tun. Und wenn er nicht vor der Kamera stehen darf, stillt Twitter seinen Durst nach Aufmerksamkeit. Schade.

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