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Schlagwortarchiv für: Christoph Blocher

René Zeyer

Schmierenjournalismus

10. August 2026/39 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Es ist die übelste Form von Demagogie und Denunziation.

Man nennt es Kontaminieren durch Übertragung. Es gehört zu den ältesten von üblen Demagogen angewandten Methoden. Semantische Vergiftung, leicht gemacht: «Neutralitätsinitiative»? Ach was, «Putin Initiative». Restriktive Migrationspolitik? Ach was, «Trump-Politik» oder inzwischen vergangen, «Orbanisierung».

Forderung nach Friedensverhandlungen mit Putin? Ach was, «Putins Geschäft betreiben». Ablehnung  verschärfter Klimapolitik? Ach was, «Klimaleugung». Als ob jemand das Klima leugnen würde. Kritik an islamistischen Fundamentalisten? Ach was, «Islamophobie». Steuersenkung für Unternehmen? Ach was, «Geschenke an die Reichen». Direkte Demokratie gegen internationale Verpflichtungen? Ach was, «Rosinenpickerei». Von allen Themen, die mit Gender-Wahnsinn oder Sprachreinigung («Mohrenkopf») zu tun haben, ganz zu schweigen.

Natürlich kann das von allen Seiten angewendet werden. Der Begriff «notwendige Regulierung» ist neutral bis positiv. «Bürokratieausbau» ist bereits negativ. «Verbotskultur» noch stärker. Höhepunkt wäre hier «DDR-Methoden». Das gilt verschärft für den Einsatz der Nazikeule («erinnert an braune Zeiten, ist Ausdruck von faschistoidem Denken»).

Kontaktschuld, wer mit einem Gottseibeiuns auch nur redet oder ihn zu Wort kommen lässt, ist sein Helfershelfer. Schuld durch Assoziation, so heisst dieses Drecksspiel.

Es wird in letzter Zeit massiv von Kopfblattsalat aus dem Haus der Qualitätsmedien Tamedia betrieben. Und, leider, auch von der NZZ.

ZACKBUM hat sich bereits ausführlich dazu geäussert. Besonders bedauerlich dabei das Blatt der Dichter und Denker. Das ist zwar von der Meinungsfreiheit gedeckt, sorgt aber – als ob das noch fehlte – zu einer weiteren Verluderung der politischen Debatte. Man nehme eine politische Position oder Forderung, und verbinde sie mit den negativen Eigenschaften eines bösen Begriffs. Et voilà.

Die Methode hat einen unbestreitbaren Vorteil. Sie enthebt den Schmierenjournalisten von jeglicher Verpflichtung zur Argumentation. So nach alter Väter Sitte: Da sagt einer das. Das ist aber falsch, weil. Nach der korrekten Wiedergabe müsste eigentlich ein Argumentarium folgen, wieso diese Aussagen oder Positionen falsch sind. Wie in den Dialogen Platons, aber wer kennt die schon noch.

Der zweite Vorteil besteht im Ausnützen des heute grassierenden funktionalen Analphabetismus. Nach OECD-Erhebungen ist bereits jeder fünfte Schweizer zwischen 15 und 65 nicht in der Lage, mehr als kurze Texte zu verstehen, und nur, wenn die Information darin klar und einfach formuliert ist. Von einem längeren Text oder einem Satz mit einem oder zwei Nebensätzen ganz zu schweigen.

Dass es inzwischen viele Nachrichtentexte in sogenannter vereinfachter Sprache gibt, ist ein untrügliches und bedauerliches Zeichen dafür. Diese Demagogie hingegen ist häufig begleitet von einer mehr als mangelhaften Beherrschung der deutschen Sprache. Schiefe Bilder, falsche Kausalität, blasses Denken, Geholper in kurzen Hosen.

Die Lufthoheit über Debatten hat man noch nie mit Sätzen wie «es handelt sich hier um ein Diskursproblem, wo verschiedene Systeme im luhmannschen Sinn aufeinanderprallen, wozu schon Baudrillard ganz richtig bemerkte ...» erobert. Das ist schon immer etwas für die «happy few» (Stendhal) gewesen, wo an selbstentzündeten Lagerfeuern Intellektuelle Kriegstänze aufführen, sich verbal auf die Brust schlagen und vor eigener Bedeutsamkeit kaum geradeaus laufen können.

Eingesetzt werden sie von allen, vor allem in den USA. «Yes, we can» gegen «Make America great again». Zwei völlig inhaltsleere Slogans, die zudem völlig austauschbar sind und auch für Erektionshilfen eingesetzt werden könnten.

Aber parteiliche politische Propaganda sollte etwas anderes sein als die Aufgabe des Journalismus, durch Einordnung und Analyse den Lesern Entscheidungshilfen beim Verstehen der überkomplexen Welt zu liefern. Wo nur eins sicher ist: es gibt kein Schwarzweiss. Es gibt nur bunt, vielschichtig, kompliziert und widersprüchlich.

Nur ganz selten, wie im Fall des Hitlerfaschismus oder der Gräueltaten im Sudan (und wer spricht schon von der Menschheitskatastrophe dort, falscher Ort, falsche Hautfarbe der Betroffenen), gibt es nur Schwarzweiss. Aber auch hier trägt eine fulminante Verurteilung nicht viel zum Erkenntnisgewinn bei. Und nur der, wir danken der Aufklärung auf Knien, führt zu Fortschritt.

Was sich in der allgemeinen Orientierungslosigkeit seit dem Zusammenbruch des sozialistischen Lagers abspielt, ist aber das Stolpern im Durcheinandertal (Dürrenmatt). Während früher den Linken vorgeworfen wurde (auch von der SVP und ihrem Vorgänger BGB), die Fünfte Kolonne Moskaus, Helfershelfer der drohenden Gefahr aus dem Osten zu sein, widerfährt das inzwischen sogar der SVP selbst.

Christoph Blocher wird sich wundern, dass ihm im fortgeschrittenen Alter irgendwann noch «Moskau einfach» entgegengebrüllt wird. Das hat etwas Absurd-Komisches, ist aber in Wirklichkeit erbärmlich.

Bezeichnend ist auch, dass in der angeblichen Forumszeitung Tamedia (oder CH Media oder NZZ) niemals (oder in der NZZ ganz, ganz selten) die Gegenposition zu Wort kommen darf, die nicht in die eigene ideologische Gesinnungsblase passt.

Neben dieser miesen Demagogie wird ebenfalls immer direkter und hemmungsloser auf den Mann (und auf die Frau und auf everybody beyond) gespielt. Da äussert nicht einfach einer eine – möglicherweise falsche – Meinung. Nein, damit zeigt er, wessen Geistes Kind er ist. Es geht nicht um seine Meinung, sondern um seine Haltung. Und die ist verachtenswert. Also ist er ein verachtenswerter Mensch, der zum Schweigen gebracht werden muss. In der Schweiz bislang glücklicherweise nur mit Zensur oder der Vernichtung seiner bürgerlichen Existenz. Wie im Fall Baud und anderen.

Um ins gleiche Horn zu stossen: all die Schmierfinken, die dem Vorschub leisten, sollten mit Schreibverbot belegt werden. Aber wir äussern diese Forderung nur, weil wir wissen, dass sie völlig illusorisch ist. Kommt aber von Herzen.

 

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-09-um-15.33.14.png 591 1189 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-08-10 05:30:142026-08-09 18:24:19Schmierenjournalismus
René Zeyer

Nehmt das, Ihr Unschweizer von der SVP

8. August 2026/3 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Auf eine solche Idee kann nur Georg Häsler kommen. Aber nur nach einem Hitzschlag.

Man kann der SVP vieles vorwerfen. Aber dass sie, mitsamt ihrem Vordenker Christoph Blocher, nicht urschweizerisch, sondern unschweizerisch und russlandfreundlich sei, das hat bislang noch niemand behauptet.

Der Bundesrat hat gerade seine Befehle von der Kriegsgurgel aus Bern bekommen, also muss sich Häsler anderen Kriegsschauplätzen zuwenden. Denn neben der echten Kriegsgefahr, dass Russland (oder der Iran!) die Schweiz bombardieren, weil sie damit die Energieversorgung Westeuropas zerstören wollen, gibt es auch noch das:

«Moskau unterstützt offen die Neutralitätsinitiative der SVP. Dieser Beeinflussungsversuch ist Teil der hybriden Kriegsführung des Putin-Regimes.»

Sapperlot, das ist ja wieder ein Ding, und nur einer hat’s gemerkt. In der Aufregung verrutschen dem Armen mal wieder die Sprachbilder. Die Sprecherin des russischen Aussenministers setze «den Ton der russischen Staatspropaganda: den Generalbass der hybriden Kriegsführung gegen den Westen». Muss die Dame vielleicht eine tiefe Stimme haben. Wahrscheinlich halt ein russisches Mannsweib, ein weiblicher Iwan Rebroff.

Was tut die? Sie nimmt sich die Schweiz vor, «in einer beispiellosen Unverfrorenheit». Wie das? «Russland unterstützt expressis verbis das Vorhaben der SVP, die Neutralität immerwährend, bewaffnet und integral in der Verfassung zu verankern.»

Ha, damit ist die SVP als Fünfte Kolonne Moskaus entlarvt. Für Blocher muss gelten: Moskau einfach!

Wobei, ist das nicht genau die offizielle Definition seit Menschengedenken, halt nur nicht so in der Verfassung?

Nun, die russische Bärin unterfüttert das mit typisch absurden Argumenten. Die Sprecherin «behauptet, die Schweiz sei kein neutrales Land mehr, weil der Bundesrat seit dem russischen Grossangriff auf die Ukraine 2022 die EU-Sanktionen gegen Russland übernehme». Unverschämtheit, auch das weiss Häsler besser: «Der Bundesrat handelt im Rahmen seiner neutralitätspolitischen Möglichkeiten.» Nimm das, du Generalbass.

Der spielt wilder auf als ein Kasatschok: «Angstmacherei … gezielte Kampagne … europäische Unterstützer der Ukraine buchstäblich zu neutralisieren … überragender Sieg der russlandtreuen AfD vorausgesagt …»

AfD, russlandtreu? Und was hat die AfD mit der SVP und der Abstimmung in der Schweiz zu tun?

Wie auch immer, es geht noch weiter: «Ein wichtiger Einflüsterer der SVP-Führung pflegt einen regelmässigen Austausch mit dem Putin-Regime.» Wahnsinn, nur traut sich der Kalte Krieger nicht einmal einen Namen zu nennen. Vielleicht befürchtet er, damit auf die Todesliste Putins zu geraten. Wenn wir einmal raten dürfen: er meint Roger Köppel.

Aber vielleicht reicht dafür bereits seine Entlarvung dieser hybriden Kriegsführung: «Die Gegner der Vorlage sprechen von einer Putin-Initiative. Moskau gibt ihnen nun recht.» Der Beweis: «Es ist wohl kaum ein Zufall, dass die Kreml-Propaganda semantisch auffällig ähnlich klingt wie Werbung für die Neutralitätsinitiative.»

Daher hat Semantiker Häsler hier seine Befehlsausgabe für die SVP-Mitglieder parat: «Die Patrioten in der Partei müssen sich fragen, ob sie den russlandfreundlichen Kurs ihrer Spitze mittragen wollen – oder doch die Freiheit und die Souveränität der Schweiz höher gewichten.» Immerhin, er gesteht damit ein, dass es neben der moskauhörigen Fünften Kolonne doch noch senkrechte Schweizer in der SVP gibt.

Aber am Schluss blitzt etwas Optimismus in Häslers düsterer Welt auf: «Tatsächlich dürfte sich der Kreml am Abstimmungssonntag wundern, wie schlecht die Schweizerinnen und Schweizer auf fremde Vögte reagieren.» Auch auf dieses schiefe Bild muss man mal kommen: Putin als Gessler, der Schweizer Patrioten dazu zwingen will, sich vor seiner Uschanka zu verbeugen.

Aber nicht nur die Patrioten in der SVP, überhaupt alle Eidgenossen, die noch etwas Ehrgefühl im Leib haben, sind dazu aufgefordert:

«Wer zur Schweiz steht, wendet sich klar gegen die Einmischung Russlands in den schweizerischen Abstimmungskampf.»

Es ist eigentlich zum Totlachen, dass nun der SVP etwas passiert, was im Kalten Krieg regelmässig den Linken reingewürgt wurde: ihr seid doch nur nützliche Idioten, Helfershelfer Moskaus, Wegbereiter der roten Gefahr. Und daher keine echten Schweizer, sondern Vaterlandsverräter.

Auf so eine irre Idee kann nur einer kommen …

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-05-um-14.21.15.png 453 1082 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-08-08 05:00:132026-08-05 15:26:59Nehmt das, Ihr Unschweizer von der SVP
René Zeyer

Auf den Mann gespielt

7. August 2026/13 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Fehlen die Argumente, wird bei Tamedia gerüpelt.

Der Name Christoph Blocher löst bei fast allen aufrechten (und überlebenden) Tamedia-Journalisten weiterhin Schnappatmung aus, dazu stellen sich die Nackenhaare auf. Verstärkt wird dieser Effekt, wenn es um das Alterswerk Blochers geht, die Neutralitätsinitiative.

Auch dagegen ist man (und frau usw.) schon mal aus Prinzip, denn wo Blocher draufsteht und SVP drin ist, das kann ja nichts Gutes sein. Allerdings: es gebricht schmerzlich an Argumenten, wieso diese Initiative abgelehnt werden müsste. Immerhin: die Gegner hatten bislang einen beruhigenden Vorsprung in Abstimmungen. Doch der schmilzt wie Glace in der Sonne.

Daher muss jetzt der Hammer rausgeholt werden, die verbale Blutgrätsche auf Personen kommt zum Einsatz. Denn: Es gibt «eine unheilige Allianz hinter Blochers Initiative». Ihre Schreckensgestalten: «Linke Putin-Versteher und Corona-Rebellen». Ja pfuibäh.

Unheilige Allianz, das ist eine moralisch anstössige Zusammenarbeit, die den eigenen Prinzipien der Beteiligten widerspricht. Pfui, pfui, bäh, bäh.

Wer denn genau? Da vollbringt Bundeshausredaktor Adrian Schmid auf einer ganzen Seite das Werk des Denunzianten. Und spielt gnadenlos auf den Mann:

«Die folgende Übersicht zeigt, welche Milieus und Köpfe sich mittlerweile hinter der Vorlage scharen.»

Da sind mal die «Russland-Versteher». Die fallen dadurch unangenehm auf, dass sie sich sogar nach dem Kriegsausbruch in der Ukraine für «eine strikte Achtung der Neutralität» ausgesprochen haben. Pfui. Schlimmer noch, die PdA bezeichnet diesen Krieg doch tatsächlich «als «Stellvertreterkrieg des Westens gegen Russland». Wie können die nur eine so banale Wahrheit einfach aussprechen, doppeltes Pfui mit Sternchen.

Dann gibt es, verpeilt wie immer, die «Akademiker und Welterklärer». Beides ist per Definition schlecht, denn wenn einer die Welt erklären darf, dann der Tamedia-Journalist. Während nun ein ganz grosses Pfuibäh kommt: «Unterstützung bekommt die Initiative ausserdem vom umstrittenen Historiker und Publizisten Daniele Ganser.» Umstritten ist immer gut, muss man nicht begründen, wertet aber gnadenlos ab.

Wer fehlt noch? Natürlich, die «Gegner der Coronamassnahmen». Hat Schmids Vorgänger im Amt, der Amok Denis von Burg, nicht die Zwangsimpfung für alle gefordert? Vor allem für die umgeimpften potenziellen Massenmörder. Dennoch wagt es ein Christoph Pfluger, «eine Kundgebung zur Initiative» zu organisieren. Dabei sitzen in diesem Vorstand «Leute, die schon in der Coronakrise auffielen». Unangenehm, versteht sich.

Ganz schlimm  ist auch, dass ein Samuel Sommaruga in Genf mit einem Ja-Komitee weibelt. Dabei ist er der Sohn des SP-Ständerats gleichen Namens. Wie weit ist dieser faule Apfel vom Stamm gefallen.

Aber einen besonderen Gottseibeiuns hat sich Schmid bis zum Schluss aufgehoben: René Roca. Der ist «Gymnasiallehrer und hat ein Institut zur Erforschung der direkten Demokratie gegründet». Das kann man ihm nun nicht direkt vorwerfen, also muss Schmid ganz weit in die Vergangenheit zurückgreifen. Roca sei «Gründungsmitglied des Vereins zur Förderung der Psychologischen Menschenkenntnis (VPM). Die 2002 aufgelöste Organisation versuchte, die Schul- und Drogenpolitik in umstrittener Weise zu beeinflussen und wies gemäss behördlichen Berichten und Urteilen des Bundesgerichts sektenähnliche, autoritäre Züge auf».

War tatsächlich ein übler Verein, aber sollte man dem Alt-Journalisten Geni Sorg auch viele Jahre später seine damalige Mitgliedschaft vorwerfen? Oder Markus Somm seinen Ausflug zu den Trotzkisten und in die GSoA? All diese Organisationen gibt es längst nicht mehr, oder höchstens als verschattete Untote. Und was soll das mit der aktuellen politischen Auseinandersetzung zu tun haben?

Nichts, ausser, man sucht verzweifelt nach Schlamm aus der Vergangenheit, um in der Gegenwart denunziatorisch spritzen zu können.

Und schliesslich fantasiert Schmid noch einen angeblichen Dissens zwischen Blocher und Roca herbei, wer denn die Idee zur Initiative gehabt habe.

Ein unglaubliches Schmierenstück. Würde ein «rechtspopulistischer» Autor eine solche Denunziations-Orgie verfassen, man sähe bei den Tamedia-Redaktoren das Halszäpfchen vor entrüstetem Gebrüll.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-04-um-14.46.21.png 518 1044 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-08-07 05:00:322026-08-05 15:23:42Auf den Mann gespielt
René Zeyer

Verzweiflungstaten

26. April 2026/3 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Was haben drei Ereignisse gemeinsam?

Auf den ersten Blick scheinen sie nicht viel miteinander zu tun zu haben.

Christian Brönnimann, ehemals «Recherchedesk» von Tamedia, ist als Mediensprecher zur Bundesanwaltschaft (BA) gewechselt.

Michèle Binswanger, langjährige Redaktorin bei Tamedia, wechselt zum «Nebelspalter».

Die IMG, Betreiber des Portals nau.ch, übernimmt Christoph Blochers Zeitungshaus AG, seine Sammlung von Gratisanzeigern.

Brönnimann wurde unrühmlich bekannt, als er unter Ausschlachtung von Hehlerware, auch bekannt als Leaks und Papers, einen unbescholtenen schweizerisch-angolanischen Geschäftsmann und dessen Firma ruinierte. Er versuchte sich auch mal an einem kleinen Rufmord gegen den ZACKBUM-Autor René Zeyer, der ihn für seinen Geschmack ungebührlich kritisiert hatte.

Binswanger wurde unter anderem dafür bekannt, dass sie ein Buch über die Merkwürdigkeiten einer Zuger Landammann-Feier schrieb und dafür von der betroffenen Kämpferin gegen Hass im Internet kräftig gehasst und mit Prozessen überzogen wurde.

Während Brönnimann jegliche Verantwortung für sein Tun ablehnte, scheint im Fall von Binswanger die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers an seine Grenzen gekommen zu sein: per Crowdfunding muss sie Geld einsammeln, um sich der juristischen Bekämpfung durch eine verfolgende Unschuld zu erwehren.

ZACKBUM kennt das Problem ein wenig; so versuchte ein Mohrenkopf-Professor, ihn mit einer Beleidigungsklage finanziell zu schädigen. Was allerdings in diesem Fall in einem völligen Desaster für ihn endete. Er musste nicht nur die Kosten seiner Anwältin, sondern auch die Gerichtskosten und die Honorarnoten der Anwälte von «Weltwoche» und ZACKBUM bezahlen.

Dann hätten wir den Zusammenschluss von 23 Printtiteln mit einer Gesamtauflage von über 700’000 Exemplaren und einem reinen Online-Portal mit über 4 Millionen monatlichen Nutzern. Dieses Zusammenkaufen durch Blocher, nachdem er sich schmählich von der «Basler Zeitung» getrennt hatte, hat eigentlich niemand verstanden. Ist vielleicht eine Altersfrage, noch in Gedrucktes zu investieren.

Zu einem nicht veröffentlichten Preis (ob es mehr als ein symbolischer Franken ist?) kauft nun die IMG das Blätterbündel, während Blochers Holdinggesellschaft Robinvest sich mit 15 Prozent an der IMG beteiligt. Womit klar ist, wer der Juniorpartner bei dieser Fusion ist.

Was haben nun diese drei Ereignisse gemeinsam?

Es sind Verzweiflungstaten.

Vom wohldotierten Recherchedesk, wo jeder Mitarbeiter ungeniert seine Steckenpferde reiten konnte, zur Schnarch- und Flopbehörde BA, deren Lieblingsvokabel in der Medienarbeit ist: Dazu können wir keine Stellung nehmen.

Von der im heutigen Journalismus Schoggiposition der Gesellschaft-Autorin zum abrebelnden «Nebelspalter», dessen vorletzter Vielschreiber Dominik Feusi gerade zur NZZ abgesprungen ist, nachdem schon vorher angeberische Büroräume und eine aufgeblasene Payroll abgestossen werden mussten.

Und schliesslich Blochers Experiment, wenigstens in Gratisgazetten eine Kolumne führen zu können, die allerdings nicht wirklich zur Kenntnis genommen wurde. Dafür hätte er es auch bei Blocher-TV bewenden lassen können; das wird schlank und rank produziert.

Aber Print-Dinosaurier werden als Stand-alone-Geschäftsmodell den doppelten Einschlag von Internet und KI nicht überleben. Worin soll ihre Existenzberechtigung bestehen, wenn sie am Morgen druckwelk das servieren, was sich bis am späteren Vorabend zugetragen hat? Garniert mit Bauchnabelbetrachtungen der Journalisten und ihren unermüdlichen und ungehörten Ratschlägen an die Welt.

Dafür auch noch Geld zu verlangen, das ist langsam eine Frechheit. Wobei wir die NZZ und die «Weltwoche» von diesem Urteil ausnehmen wollen. Die beide natürlich auch einen durchmarschierenden Online-Auftritt haben.

Dass Blochers Blattsalat eine Ergänzung im Internet brauchte, ist sonnenklar. Wozu nau.ch mittelfristig Print braucht, ist unklar. Dass Brönnimann bis zur Frühpensionierung eine ruhige Kugel schieben will, ist klar. Dass es Binswanger im ungebremst woken Gutmenschenblatt Tamedia nicht mehr ausgehalten hat, ist ebenfalls klar.

Da sich Brönnimann von jeglichem journalistischen Anspruch verabschiedet hat, allerdings weniger erfolgreich als die ehemalige publizistische Leiter nach unten Pascal Hollenstein, erübrigt sich jegliche Qualifikation.

Ob Binswanger allerdings im Nischenprodukt «Nebelspalter», der es wie Blochers Organe nie zu Relevanz und Bedeutung gebracht hat, nochmal durchstarten kann, ist ebenfalls unklar. ZACKBUMs gute Wünsche begleiten sie auf jeden Fall.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/04/Bildschirmfoto-2026-04-22-um-11.54.07.png 473 1277 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-04-26 05:00:492026-04-22 11:57:49Verzweiflungstaten
René Zeyer

Ach, Häsler

23. März 2026/5 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Der Mann gibt nicht auf. ZACKBUM schon.

Es gibt die Koalition  der Willigen. Die Achse des Bösen. Und dann gibt es Georg Häsler. Nur echt im Kämpfer, mit Vollbart und grimmigem Blick. Und mit düsteren Ansagen und markigen Forderungen in der NZZ.

Diesmal:

«Eine Koalition der Vernünftigen muss die Geschicke in die Hand nehmen – über die Sicherheitspolitik hinaus – und ein Programm für mehr Einigkeit und mehr Widerstandskraft erstellen.»

Offensichtlich ist unser Stossseufzer Wer stoppt Häsler? unerhört verschallt. Nun reitet er wieder, und ZACKBUM weiss, wann genug ist. Also ein letztes Mal die Kriegsgurgelgurgel.

Diesmal greift er gleich am Anfang weit in die Geschichte zurück: «Das alte Bern ging satt, selbstgefällig und an der feudalen Sorglosigkeit der Patrizier unter.» Ach was. Und das junge, also zumindest aktuelle Bern?

Gemach, auch sein neues Steckenpferd, historischer Ausflug, muss Häsler zuerst zu Tode reiten: «Gewiss, das Ancien Régime hatte sich längst überholt, und es herrschte damals Krieg in unmittelbarer Nähe.» Also war damals doch einiges anders als heute. Oder nicht? «Aber das Denken der politischen Elite scheint sich kaum verändert zu haben.»

Potz tausend: «Auch der Bundesrat von 2026 – und mit ihm die Berner Blase aus Beratern, Verbandsfunktionären und Parlamentariern – glaubt, die Kriege der Gegenwart gingen die Schweiz im Grunde nichts an.»

Alles schlappe Zivilisten, Weicheier, Drückeberger. Dabei ist es mal wieder Mathäi am Letzten: «In der Welt der realen Rüstungspolitik rast der Schweiz die Zeit davon.» Und nur einer kann mit ihr Schritt halten, mit der rasenden Zeit. Der rasende Häsler natürlich.

Alle anderen hingegen, ein Bild des Jammers: «Eine vernünftige Sicherheitspolitik ist gegenwärtig blockiert – wie fast alle grösseren Projekte des Bundes.»

Kurzer Marschhalt, um dem Herrn aus Herrliberg eine reinzuhauen: «Die SVP unter ihrem Vordenker Christoph Blocher setzte die Versatzstücke der bürgerlichen Schweiz nach ihrem Gutdünken wieder zusammen – zu einer Karikatur eines supersouveränen Landes, das es nie gegeben hat.»

Himmels willen, was tun, ausser beten? «Es braucht deshalb jetzt dringend eine Koalition der Vernünftigen, die die Dinge an die Hand nimmt. Politikerinnen und Politiker aus allen Parteien, denen es nicht darum geht, die eigene Blase zu bespassen, sondern im Landesinteresse zu handeln.»

Das bestünde worin? Auf Spassbremse Häsler hören, heisst endlich wieder siegen lernen: «Die Bedrohung schafft eine hohe Dringlichkeit, jetzt Geld in die Hand zu nehmen, um mindestens die nötigen Mittel für die Luftverteidigung zu beschaffen.»

Da geht noch einer: «Statt endlos um die Neutralität zu tanzen, könnte die Koalition der Vernünftigen einen neuen Anlauf nehmen, das Dach-Format – die Zusammenarbeit der deutschsprachigen Länder – zu einer Alpenallianz mit Frankreich, Italien und Slowenien zu erweitern: für einen gemeinsamen Luftschirm.»

Gerade ist er so schön mit dem Luftschirm am Abheben, da erinnert er sich plötzlich, dass a) der Platz dann mal alle ist, und b) mit einer Artikelklammer doch der Anfang am Schluss wieder aufgenommen werden muss. Aber woher nehmen, und nicht stehlen? Da kraulte sich Häsler gedankenverloren den Bart und kam auf diese Glanzidee:

«Als die Franzosen das alte Bern besetzten, raubten sie den Staatsschatz der gnädigen Herren. Die volle Kasse nützte nichts. Der Legende nach liegt das Berner Gold vor der Küste Ägyptens. Die Republik der Patrizier zerfiel. Eine neue, beständige Ordnung begann erst 1848 mit dem modernen Bundesstaat, der jetzt – wie schon im Ersten und im Zweiten Weltkrieg – vor einer Bewährungsprobe steht. Die Schweiz braucht ein Programm für mehr Einigkeit und Widerstandskraft.»

Und ZACKBUM (wohl auch seine Leserschaft) braucht dringend eine Häsler-Pause. Mit reichlich Gurgelwasser.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/02/Bildschirmfoto-2026-02-18-um-10.41.42.png 604 923 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-03-23 05:00:372026-03-20 08:59:57Ach, Häsler
René Zeyer

Schwurbeln auf tiefem Niveau

23. November 2025/5 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Andreas Tobler redet mit Sibylle Berg. Das ist auch verrückt.

Tobler ist der Schmierenfink des Feuilletons. Oder von dem, was bei Tamedia von Kultur noch übrig geblieben ist. Er denunziert und verbellt, was ihm nicht passt. Margrit Sprecher zum Beispiel passt ihm nicht. Alice Weidel passt ihm überhaupt nicht. Geschichtsklitterung liegt ihm hingegen sehr.

Einen Mordaufruf gegen Roger Köppel verharmlost er zum «Theatermord».

Auch Sibylle Berg hat etwas Mühe, mit dem Thema Wahrhaftigkeit in ihrer Biographie und in ihrem Werk umzugehen. Was passiert dann, wenn Tobler Berg interviewt? Nun, es wird immerhin nicht über Dorothee Elmiger gesprochen. Das ist aber das einzig Positive, was man über diese Leserquälerei sagen kann.

Berg weiss wie Lukas Bärfuss, dass die Markenpflege entscheidend ist, wenn man inhaltlich nur Ärmliches zu bieten hat. Also hat er sich auf den grimmigen Blick geworfen, während Berg als Markenzeichen die Pupillen in den Augenwinkeln pflegt.

Wiedererkennungswert, das A und O jedes guten Marketings.

Ach, und das Interview? Lassen wir sie selbst sprechen, denn das sagt alles:

«In der EU haben wir eine steigende Armutsquote. Dort wie auch bei uns in der Schweiz haben viele Angst. Vor Kriegen, Armut, Wohnungslosigkeit, der KI. … Sehr viele Menschen sind am Anschlag. Wenn man den Zahlen Glauben schenkt, dann nehmen die Überlastungsdepressionen und Burn-outs zu. In Zürich, wo ich lebe, gibt es eine wahnsinnige Angst vor der Verdrängung, vor dem Verlust der Arbeit und dem Wohnraum. … Auch in unserem wohlhabenden Land wächst die Unzufriedenheit, der Stress. … Mehr Chaos als es jetzt in der Welt gibt, kann es doch kaum geben. … Im Moment haben wir an vielen Orten weltweit die Vorstufe zu einem Aufstand, den zivilen Ungehorsam, die Demonstrationen, in Ländern Europas, in Amerika, Südamerika. … Ich arbeite weiter gegen Überwachung und Armut, es dauert einfach, bis die Dinge sichtbar werden. … Wenn er (Christoph Blocher, Red.) mir neben der Besichtigung der schönen Bilder einen Kaffee anböte, dann würde ich sagen: «Gerne, mit Hafermilch bitte.» Dann wäre ich wahrscheinlich schon untendurch, denn ein ordentlicher Schweizer trinkt Kuhmilch.»

Wenn eine solche Ansammlung von Flachheiten, Beliebigkeiten, Gedöns, Dummheiten, Allgemeinplätzen und erschreckend Langweiligem in einem Schulaufsatz stünde, wäre die Note ungenügend sicher.

Wenn es bei Tamedia noch so etwas wie eine Qualitätskontrolle gäbe, hätte man Tobler bedeutet, dass dieser Worthaufen es wirklich nicht wert ist, Druckerschwärze oder auch nur kleinste Einheiten elektrischer Energie darauf zu verschwenden. Sondern ihm das Entsorgen dieses Sprachmülls empfohlen.

Vielleicht mal eine klitzekleine kritische Frage zu Ungereimtheiten in Werk und Biographie bei Berg? Aber das hätte ja die Gefahr beinhaltet, dass sie auf ähnliche Besonderheiten im Werk Toblers hingewiesen hätte.

In der Tamedia-Gesinnungsblase werden Gesinnungsblasen geblasen, Fragen dienen lediglich zum Aufpumpen.

Dass sich Berg über jede PR zu ihrem Werk freut, wer kann’s ihr verdenken. Dass der «Leiter des Gesellschafts- und Debattenteams im Ressort Leben» klaglos schluckt, dass Berg dafür plädiert, mit allen zu reden, die Streit- und Debattenkultur zu fördern, während er das niemals zulassen würde – ach, da ist Tartuffe Tobler ganz bei sich selbst.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2025/11/Bildschirmfoto-2025-11-22-um-16.53.46.png 934 2118 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2025-11-23 05:00:132025-11-22 17:30:26Schwurbeln auf tiefem Niveau
René Zeyer

Köppel kriegt Krawall

17. September 2025/5 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Nach der Ermordung von Charlie Kirk will der «Weltwoche»-Chef an Schweizer Unis debattieren. Das kann schwer ins Auge gehen.

Der Mann hat Mut. Als Roger Köppel Chefredaktor der «Welt» in Berlin war, drang ein fundamentalistischer Wirrkopf 2006 mit einem grossen Messer bewaffnet in die Redaktionsräume ein. Er wollte Köppel wegen der Wiederveröffentlichung von Mohammed-Karikaturen ermorden.

Sicherheitskräfte hielten den pakistanischen Studenten auf. Später beging der in Untersuchungshaft Selbstmord.

2016 wollte das berüchtigte «Zentrum für politische Schönheit» unter Mithilfe des Theaters am Neumarkt einen «Exorzismus» an Köppels Wohnort durchführen, um ihm «den Schleicher auszutreiben». Der Saubannerzug endete allerdings an der Zürcher Stadtgrenze, während sich Köppel mitsamt seiner Familie in Sicherheit gebracht hatte.

Am solidarischen, achtsamen und inkludierenden 1.-Mai-Fest im Kasernenhofareal versuchten 2019 vermummte Chaoten, den WeWo-Redaktor Alex Baur zu verprügeln und zerstörten den Empanada-Stand, den seine peruanische Frau mit ihren Kindern betrieb. Die «Weltwoche» habe hier nichts zu suchen.

Nach dem «Schuss ins Herz der Demokratie», wie Köppel das Attentat auf den religiösen Debattierer Kirk bezeichnet, sieht er «auch bei uns die Streitkultur bedroht».

Deshalb hat er angekündigt, er werde auf dem Campus das Streitgespräch mit Andersdenkenden suchen. Motto: Köppel auf dem Campus.

Das wird garantiert krawallig.

Wenn es überhaupt stattfinden wird. In der Schweiz sind Veranstalter ziemlich ängstlich. Als dieser Autor ein Buch in einem Streitgespräch mit Christoph Blocher vorstellen wollte, hagelte es Absagen. Vorgeschobenes Argument: «Sicherheitsbedenken» wegen Blocher.

Also wird die erste Hürde für Köppel sein, dass er überhaupt Bewilligungen erhält, um die heiligen Hallen von Universitäten und anderen Bildungsanstalten zu betreten.

Und dann? In der «Sonntagszeitung» sieht das Julia Bogdan, Co-Präsidentin des Verbands der Schweizerischen Studentenschaft (VSS), ganz entspannt:

«Ich finde es okay, wenn Roger Köppel mit Studierenden debattieren will. Ich glaube einfach nicht, dass die Debattenkultur an Schweizer Unis gefährdet ist.»

Eine typische Meinung aus dem Elfenbeinturm, der weit aus der Realität herausragt.

Offensichtlich hat Bogdan die diversen Protestaktionen und Unibesetzungen im Zusammenhang mit dem Krieg im Gazastreifen nicht mitbekommen.

Alleine seit 2024 kam es zu diversen Polizeieinsätzen. Im April 2024 wurde ein Gast-Vortrag an der ETH Zürich abgesagt. Die Uni Genf sagte gleichzeitig ein Treffen mit Hauptgeldgebern wegen erwarteter Proteste ab.

Die Uni Bern entzog einem Amnesty/UN-Podium kurz vor dem Event die Raumbewilligung. An der Uni Zürich wurde die Ringvorlesung «Antisemitismus» unterbrochen und gestört. An der Uni Freiburg wurde eine Podiumsdiskussion mit Aussenminister Ignazio Cassis wegen Sicherheitsbedenken abgesagt. An der ETH Lausanne und der Uni Lausanne wurden Veranstaltungen des «Palästina Talks» teilweise abgesagt – nach Protesten und wegen Sicherheitsbedenken.

So viel zur ungefährdeten Debattenkultur in der Schweiz an höheren Lehranstalten.

Bogdan liefert dann gleich selbst ein gutes Beispiel für das hohe Niveau der Auseinandersetzung mit Andersdenkenden unter Studenten. Sie findet es «offensichtlich», dass Köppel den Tod Kirks «in einer gewissen Weise instrumentalisiert».

Und eine solche Instrumentalisierung sollte man doch verhindern, oder nicht?

Natürlich weiss Köppel, der gerne den als Biedermann mit Krawatte verkleideten Brandstifter spielt, ganz genau, was er mit dieser Ankündigung provoziert. Denn auch hier in der Schweiz zeigen unbedachte Äusserungen auf Social Media, dass sich bei vielen Linken und Woken (natürlich nicht bei allen) die Trauer über den Tod von Kirk in überschaubaren Grenzen hält.

Die Argumentation ist immer ähnlich: natürlich sei Gewalt oder gar die Ermordung eines Andersdenkenden inakzeptabel. Dann kommt jeweils ein mehr oder minder verklausuliertes Aber. Aber er habe halt selbst Hass gesät. Er habe sich gegen eine Verschärfung der Waffengesetze ausgesprochen. Er habe Lügengeschichten über angebliche Wahlfälschungen verbreitet. Er habe selbst Gewalt wie den Sturm auf das Capitol befürwortet. Usw.

Man schaue sich nur an, was auf Bluesky so herumgeistert. Hierhin sind viele Linke und Woke geflüchtet, als Elon Musk Twitter übernahm und zu X machte.

Nun zeichnen sich auch Neonazis und andere Rechtsradikale nicht gerade durch eine offene Debatten- und Streitkultur aus.

Es ist aber unbestreitbar, dass vor allem Linke nicht nur zu Verbalinjurien neigen («Fuck you, Mr. President», der SP-Co-Präsident Cédric Wermuth). Sondern auch der Auffassung sind, dass gewisse Wörter (wie das M- und das N-Wort) verboten gehören.  Ein Stand der SVP an der Schwamendinger Chilbi zerstört gehört. Weil gewisse Ansichten nicht zulässig sind.

Genauso wenig wie dahinter vermutete Haltungen (Rechtsradikaler, Hetzer, Rassist, Populist). Und Träger solcher Haltungen sind Unmenschen, die einem gedeihlichen Zusammenleben im Weg stehen – und zumindest mundtot gemacht werden müssen.

 

Dieser Artikel erschien zuerst auf «Inside Paradeplatz». 

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2025/09/Bildschirmfoto-2025-09-14-um-11.31.40.png 812 1423 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2025-09-17 05:00:242025-09-15 09:50:49Köppel kriegt Krawall
René Zeyer

WoZ potz

18. Januar 2025/20 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Die linke Wochenzeitung knöpft sich Roger Köppel vor.

Gleich fünf WoZler haben ihre Kräfte zusammengelegt, um der «weissen Krähe» die Federn auszurupfen. Kaspar Surber, Renato Beck, Daria Wild, Anna Jikhareva und Jan Jirát – allesamt selbst nicht unbeschriebene Blätter – machen genau das, was sie ihrem Hassobjekt vorwerfen. Sie berichten einseitig, verdrängen alles von der Realität, was ihnen nicht passt.

Denn genauso wenig, wie man in der «Weltwoche» kaum ein schlechtes Wort über Donald Trump oder Wladimir Putin hört, darf man in der WoZ ein ausgewogenes oder zumindest nicht ideologisch durchtränktes Porträt von Roger Köppel erwarten.

Passgenau zu dessen ersten Auftritt an der Albisgüetli-Tagung der SVP regnen hier 34’500 Anschläge auf ihn nieder. Schon die Einleitung kann man zumindest als launig bezeichnen: «Manchmal wird die «Weltwoche» für die russische Sicht auch handgreiflich.» Dann muss das Autorenteam dieser starken Ansage hinterherrennen. Angeblich soll ein WeWo-Redaktor auf dem Bürgenstock sich bei der Schluss-Pressekonferenz durch einen «veritablen Bodycheck» in Besitz des Mikrophons für die letzte Frage gesetzt haben.

Leidtragender soll Oberst Georg Häsler gewesen sein, was die Verteidigungsbereitschaft der NZZ-Kriegsgurgel in einem ganz schlechten Licht erscheinen lässt. Aber das soll nur das Schmiermittel sein, um mit Anlauf einen Bodycheck nach dem anderen bei Köppel zu landen.

Auch hier wird zuerst eine These rausgehauen, der man dann hinterherrennt; «der Chefredaktor, Verleger und Inhaber Roger Köppel» habe sich «in den letzten Jahren überhaupt auf die Seite des russischen Aggressors geschlagen und» huldige «unverhohlen Machthaber Wladimir Putin».

Nun geben die tapferen Fünf Kunde, mit welchem Todesmut sie ihre Recherche betrieben hätten: «Die Entwicklung des Blattes ist ein Tabu der Schweizer Mediengegenwart. Alle wissen um die Radikalisierung, viele finden sie gefährlich, trotzdem gab es nur vereinzelte Berichte zu den Hintergründen.»

Die letzten Berichte, nebenbei, stammten von Daniel Ryser, dem ehemaligen Mitarbeiter der WoZ und dann der «Republik». Der arbeitet inzwischen fröhlich für sein ehemaliges Hassobjekt Köppel. Kann also die WeWo nach diesem Artikel mit dem Zuzug von fünf neuen Schreibkräften rechnen?

Denn schliesslich sind das Mutbolzen; im Gegensatz zu einem feigen SVP-Nationalrat, der ängstlich behaupte, er habe die WeWo gar nicht abonniert. «Um dann später im Bundeshausbistro angeschlichen zu kommen und sich über die Furcht in der Fraktion vor der Disziplinierung durch die Zeitschrift zu beklagen.»

Das eint Schmierenjournalisten wie Ryser und dieses Fünferkollektiv: es wird ausschliesslich mit anonymen Quellen gearbeitet: «Beispielhaft auch ein medialer Weggefährte, der sich entsetzt zeigt über Köppels Entwicklung, aber nicht einmal diese Aussage namentlich autorisieren will.» Was die Frage offenlässt, ob es diesen Weggefährten überhaupt gibt und ob er das gesagt hat.

Soll man die Herleitung von Köppels angeblicher Huldigung Putins und seiner Vorliebe für düstere Gestalten wie Orbán, Vucic oder Schröder nacherzählen? Eigentlich nicht, dafür ist es zu blöd, zu wolkig, findet im Freiraum des Erfundenen und nicht Belegten statt.

Natürlich werden Äusserungen von Köppel selbst zitiert, die fragwürdig, teilweise bescheuert und seinem Drang geschuldet sind, prinzipiell gegen den Strom zu schwimmen und das Gegenteil davon zu vertreten, ohne dass Sachkenntnis hinderlich im Weg stünde.

Das geht hin bis zu Absurditäten wie der Beschreibung, wie blitzsauber doch Moskau sei, «funkelnd», was für ein Kontrast zu den versiften westlichen Großstädten wie Berlin. Dass ihn Putins rustikal zur Schau getragene Männlichkeit fasziniert, auch daran lässt Köppel keinen Zweifel. Aber immerhin, was die WoZ natürlich nicht erwähnt, indem die WeWo das Interview von Tucker Carlson mit Putin vollständig vorlegt, kann sich jeder überzeugen, dass der Kremlherrscher sich in unendlichen Monologen durch ein krudes Geschichtsbild mäandert und überhaupt den Eindruck eines Herrschers macht, dem niemand zu widersprechen wagt, obwohl er für die grösste aussenpolitische und militärische Katastrophe Russlands seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs verantwortlich ist.

Die Darstellung der WoZ, wieso Köppel hingegen dem russischen Unternehmer Melnichenko breiten Raum für ein Interview einräumte, ist reiner Schwachsinn. Die Fünferbande schafft es tatsächlich, den Inhalt des Gesprächs vollkommen auszublenden. Obwohl der durchaus interessant ist.

Gegen Schluss ihrer Suada müssen sie sich noch etwas steigern, also werden sie ungehemmt demagogisch: «Diesen Freitag soll Köppels Geraune vom «Kolonialvertrag» der Schweiz im Zürcher Albisgüetli zu hören sein». Ohne ein Wort davon gehört zu haben, ist es Geraune. Was für ein armseliger Journalismus.

Natürlich kann auch der Gottseibeiuns von Herrliberg nicht ungeschoren davonkommen, denn der wagt es doch tatsächlich, Köppel zu verteidigen. Also auf ihn: «Es sei immer Köppers Anliegen gewesen, auch den Angegriffenen einen Verteidiger zu geben, säuselt er. Und meint damit nicht die Ukrainer:innen, die im Schlaf von russischen Raketen getötet werden.»

Der eine raunt, der andere säuselt, und Christoph Blocher werden dann noch Ukrainer, die im Schlaf von Russen getötet werden, in die Fresse gehauen.

Das ist nun übelster Fertigmacherjournalismus, der für Schenkelklopfer bei der Gesinnungsmittäterschaft sorgen will, die sich nicht einkriegt vor begeisterter Zustimmung. Geht noch einer? Aber ja, denn es braucht doch noch die Schlusspointe. Also komm heraus, du bist umzingelt:

«Blocher versichert: «Roger Köppel steht auf dem Boden der Partei.» Fragt sich nur, auf welchem Grund eine Partei mit einem solchen Festredner steht.»

Im braunen Sumpf? In Putins Welt? Im Lager der Befürworter, dass Ukrainer im Schlaf getötet werden? Man weiss es nicht. Man weiss aber, auf welchem Grund eine Zeitung steht mit solchen Journalisten. Mitten im Treibsand der Gesinnungsschreiberei, wo das Urteil über den Porträtierten schon feststeht, bevor der erste Buchstabe getöckelt wird. Wo es nicht um Wahrheit- oder Wirklichkeitssuche geht, sondern um das Zusammenstellen von Wirklichkeitsfetzen, die die anfängliche These belegen sollen. Alles, was der widersprechen würde, kommt weg. In den Abfall.

Wahrer Abfalljournalismus.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2025/01/Bildschirmfoto-2025-01-17-um-19.53.18.png 530 792 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2025-01-18 06:00:332025-01-18 09:32:44WoZ potz
René Zeyer

Grün vor Neid

22. November 2024/17 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Andreas Tobler ist eine Schande für seinen Beruf.

Tobler ist angeblich «Kulturredaktor». In einer Zeitung, die keine Kultur mehr hat. Tobler verharmlost verständnisvoll einen Mordaufruf gegen Roger Köppel als «Theatermord». Tobler «absolvierte 2024 eine Weiterbildung an der Columbia University in Recherche-Journalismus». Da muss was schwer in die Hose gegangen sein.

Tobler ist Mitglied einer Redaktion, die dermassen an den Leserinteressen vorbeischreibt, dass die Auflage des «Tages-Anzeiger» von 2008 bis heute von 213’738 auf 78’107 fiel. Um sagenhafte 135’631 Exemplare schrumpfte. Das sind weit mehr als 60 Prozent. Denn wer will schon zusammengeholzte Artikel aus der «Süddeutschen Zeitung» bezahlen und lesen. während die Redaktion zusammengestrichen und das Online-Layout verhunzt wird.

Das liegt auch an der Idiotie, den Leser mit Dummschreiben mit Genderstern und inkludierendem Geschwafel zu malträtieren. Das ist frustrierend für so einen Schmierfinken, deshalb kriegt er sich vor Neid nicht ein:

«Das sollte uns empören», behauptet der Empörte. Es ist nie ein schöner Anblick, wenn jemand öffentlich peinlich wird: «Der «Weltwoche»-Chefredaktor Roger Köppel und sein «Nebelspalter»-Kollege Markus Somm umgarnen ausländische Rechtspopulisten.»

Tobler versucht, in- und ausländische Gutmenschen zu umgarnen, aber das empört niemanden, weil es niemanden gross interessiert. Nun verliert Tobler aber jeglichen Halt und jede Haltung: ««Sie müssen an die Macht!», sagte Somm beim Event in Zürich zu Alice Weidel. Und dies nachdem Somm auf offener Bühne Verbesserungen im AfD-Parteiprogramm angeregt hatte.» Statt das im Geheimen zu tun.

Somm im gleichen Raum mit Weidel, pfuibäh. Dass das eine Veranstaltung des ehrwürdigen «Efficiency Club» war, bei der auch Joe Ackermann, Peter Spuhler, Martin Naville, Silvia von Ballmoos oder Frank Urbaniok anwesend waren, alles bekennende Weidel-Fans, verschweigt Schmierenjournalist Tobler wohlweislich. Auch, dass man nie auf die Idee käme, dieses kleine Licht einzuladen.

Einleitend fragt Tobler scheinheilig: «Was ist da los? Sind Somm und Köppel nicht treue Anhänger des SVP-Doyens Christoph Blocher? Und war es nicht eines von Blochers Prinzipien, öffentliche Auftritte mit ausländischen Rechtspopulisten, geschweige denn mit Autokraten, zu meiden?»

Was soll diese angebliche Politik Blochers mit den beiden Journalisten zu tun haben? «Roger Köppel biedert sich seit Jahren bei AfD-Politikern wie Björn Höcke an, er hofiert den ungarischen Autokraten Viktor Orban und umgarnt den Diktator Wladimir Putin. Menschenrechtsverletzungen werden dabei grosszügig ignoriert.»

Die schreibende Schmachtlocke Daniel Binswanger behauptet, NZZ-Chefredaktor Eric Gujer wolle Höcke «an die Macht schreiben», Vollpfosten Tobler behauptet, Köppel biedere sich bei Höcke an. Ist halt schon blöd, wenn Köppel bei Gipfeltreffen mit Gerhard Schröder und Viktor Orban in Wien internationale Aufmerksamkeit erzielt, während niemand von Tobler Kenntnis nimmt, der an der Werdstrasse vor sich hindumpft.

Aber er kann sich trösten: ZACKBUM würdigt sein Schaffen Und lacht sich tot über Toblers bittere Schlussfolgerung:

«Die Internationalisierung des Rechtspopulismus macht vor der Schweiz nicht halt. Es berührt unangenehm, dass zwei der lautstärksten Vertreter dieser Bewegung vorgeblich Journalismus betreiben wollen, wo es ihnen doch offensichtlich um etwas anderes geht: den Wunsch nach maximaler Selbstvergrösserung, die Expansion des eigenen Egos.»

Das nennt man in der Psychologie einen klassischen Fall von Übertragung. Denn eigentlich ist es so: Die Internationale der verpeilten und rechthaberischen Gutmenschen macht vor dem Tagi nicht halt. Es berührt peinlich, dass zwei der lautstärksten Vertreter dieser Bewegung, Binswanger und Tobler, vorgeblich Journalismus betreiben wollen. Wo es ihnen doch offensichtlich um etwas anderes geht: blanken, grünen, blauen, schwarzen Neid öffentlich vorführen, die maximale Selbstverzwergung, die Implosion des gekränkten Egos von Erfolglosen.

Niemand käme auf die Idee, diese beiden Nulpen für eine ernsthafte Podiumsdiskussion anzufragen; würden sie Politiker wie Schröder oder Orban anfragen, schickte allenfalls ein Mitarbeiter der Presseabteilung eine Absage aus Textbausteinen zurück.

Tobler mischt hier zudem zwei völlig verschiedene Formen von Publizistik zusammen. Köppel ist nicht nur überall dort, wo Weltpolitik gemacht wird, er produziert auch Woche für Woche das anregendste und interessanteste Magazin* der Schweiz. An ihm gäbe es einiges zu kritisieren, aber sicher nicht das, was Tobler ihm unterstellt. Somm hingegen ist der gescheiterte Verleger und Herausgeber eines Nonsens-Unterfangens namens «Nabelspalter», das ungefähr so viel Aufmerksamkeit erregt wie dieser Empörte.

Dass Tobler so empört ist, dass er jeglichen journalistischen Anstand beim Anrempeln vermissen lässt, ist das eine. Dass auch hier jede Qualitätskontrolle (wo ist Simon Bärtschi, wo nur?) bei Tamedia versagt hat und er in aller Öffentlichkeit beleidigte Leberwurst spielen darf – das ist der Verlust jeder Schamgrenze.


Packungsbeilage: ZACKBUM-Redaktor René Zeyer publiziert gelegentlich in der «Weltwoche». 

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2024/11/Bildschirmfoto-2024-11-21-um-21.27.28.png 496 906 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2024-11-22 05:00:562024-11-21 21:47:43Grün vor Neid
René Zeyer

Spiel nicht mit den Schmuddelkindern

13. April 2024/3 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

So sang Franz Josef Degenhardt. Heute heisst das «Kontaktschuld».

Aber wer kennt schon noch Degenhardt. Also verwenden wir besser das Framing «Kontaktschuld». Die entsteht dadurch, dass sich jemand mit jemandem unterhält, mit dem man sich nicht unterhalten sollte. Es kann auch die Teilnahme an einer öffentlichen Veranstaltung sein, an der man nicht teilnehmen sollte. Natürlich gilt auch ein Auftritt auf einer Plattform, auf der man nicht auftreten sollte, als Anlass für eine «Kontaktschuld».

Beispiele dafür gibt es immer mehr. Ein Gespräch mit einem Identitären, ja nur schon die Teilnahme an einer öffentlichen Veranstaltung mit dem (die dann flugs zu einem «Geheimtreffen» geframt wird), das geht nicht. Warum das nicht geht? Darum. Oder besser gesagt: weil das ein ganz Schlimmer ist. Ein Igitt-pfui-Mensch. Es wird unerbittlich die Frage gestellt, ob man mit einer Riesenschweinebacke wie zum Beispiel auch Björn Höcke im Rahmen eines demokratischen Wahlkampf überhaupt diskutieren sollte.

Und ob man eine solche Diskussion zwischen zwei aussichtsreichen Kandidaten überhaupt ausstrahlen sollte. Und ob man sie anders als «pfui Teufel, dieser Höcke» überhaupt kommentieren sollte. Selbstverständlich macht Höcke grenzwertige, bewusst provokative, immer an die Grenzen des Erlaubten gehende Sprüche – und damit die AfD eigentlich unwählbar.

Aber nicht mit ihm diskutieren? Nicht an einen Vortrag von ihm gehen? Weil man sich so anstecken könnte? Weil man ihm eine «Plattform» gibt, die er als möglicher Wahlsieger im deutschen Bundesland Thüringen aber sowieso hat?

Irrwisch Andreas Tobler geht da bei Tamedia noch einen Schritt weiter. Er behauptet: «Christoph Blocher betreibt ein doppeltes Spiel». Aber hallo, wieso denn, wie denn? «Der Alt-Bundesrat verteidigt die Kontakte seiner Jungpartei zu Rechtsextremen. Damit führt Blocher seine ambivalente Umgarnungs­strategie gegenüber rechts fort.»

Als gelernter Demagoge (was allerdings das Einzige ist, was Tobler beherrscht), formuliert der maliziös, es sei «bekannt geworden», dass sich die Strategiechefin der Jungen SVP mit «dem österreichischen Rechtsextremisten Martin Söllner getroffen» habe. Es ist zwar kein «Geheimtreffen» mehr, wie Tamedia zuerst tatsachenwidrig behauptete, sondern sie ging an eine öffentliche Veranstaltung, aber sie habe sich mit ihm «getroffen», hört sich natürlich viel schärfer an.

Damit hat sich die SVP-Politikerin in den Augen Toblers eindeutig eine «Kontaktschuld» eingehandelt. Worin besteht nun aber das «doppelte Spiel» Blochers? Nun, der findet an solchen Kontakten nichts auszusetzen, dieser Doppelspieler. Der halte zudem ein Buch Sellners für «harmlos», habe es allerdings nicht gelesen. Tobler zwar auch nicht, aber der ist sich sicher, dass da furchtbare Dinge drin stehen. «Gemäss eines Berichts des ZDF», macht sich der Recherchierjournalist lächerlich.

Muss nun aber Blocher mal wieder klar in die Schranken weisen:

«Es stünde in seiner Macht, die SVP gegenüber Rechtsradikalen zu distanzieren – und die Extremen in ihre Schranken zu weisen. Stattdessen fischt der 83-Jährige nach Zuspruch und Wählerstimmen für seine SVP ausserhalb des demokratischen Spektrums.»

Damit macht sich dann Blocher sozusagen des Tolerierens von «Kontaktschuld» schuldig.

Stattdessen ist aber richtig: Es stünde in der Macht von Pietro Supino, auch den verhaltensauffälligen Tobler in seine Schranken zu weisen, der hier mit billigen demagogischen Tricks sich an der SVP und seinem Lieblingsfeindbild Blocher abarbeitet, dass es nur so eine Unart hat.

Denn ausserhalb des demokratischen Spektrums begibt sich eindeutig Tobler selbst. Zu einer Demokratie gehört es, dass alle mit allen sprechen können. Und sollen. Und müssten. Während es in undemokratischen Gesellschaften Brauch ist, dass Ansichten ausgegrenzt werden, ihre Vertreter zu Schmuddelkindern, mit denen man weder spielt, noch spricht.

Hinzu kommt im Fall Tobler noch eine Riesenportion Heuchelei. Fordert ein sogenannter Künstler zum Mord an Roger Köppel auf, dann verharmlost er das als durch Äusserungen von Köppel verständlichen, niedlichen «Theatermord». Nimmt Fabian Molina ganz in Schwarz an einer unbewilligten Krawallantendemo gegen «Faschismus» in Zürich teil, dann vermisst man jedes zurechtweisende Wort von Tobler.

Woher so jemand den nassforschen Mut nimmt, so heuchlerisch und doppelbödig einen Alt-Bundesrat anzurempeln, das ist leicht erklärt. Der Mann ist völlig frei von Selbstreflexion und kümmert sich einen feuchten Kehricht um seine Wirkung auf die Tamedia-Leser. Wieso allerdings Supino dabei zuschaut, das ist die schwierige Frage.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2024/04/Bildschirmfoto-2024-04-12-um-18.36.55.png 546 1003 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2024-04-13 06:00:382024-04-12 19:33:31Spiel nicht mit den Schmuddelkindern
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  • Kleines Vademecum für Kommentarschreiber27. August 2020 - 16:08
  • Wer wir sind und was wir wollen25. August 2020 - 15:07
  • ZACKBUM.ch startet: Die Rückkehr der Medienkritik25. Juli 2020 - 6:05
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