Kulturelle Aneignung

Gerechtigkeit für König Christian IV.!

Es ist ein eklatanter Fall von Übergriffigkeit zu denunzieren. Von kultureller Aneignung. Unerträglich. Das Opfer ist der dänische König Christian IV. (1577 – 1648). Der überlebte den Dreissigjährigen Krieg, aber seither rotiert er im Grab.

Denn er trug mit Stolz seinen Weichselzopf. So nannte man damals eine Zusammenballung verfilzter Haare. Sein Beispiel machte über den Hofstaat hinaus Schule. Und dann? Dann eigneten sich Rastafari und andere Gruppen frech die Unsitte an, die Haare nicht mehr zu waschen oder zu kämmen. Das nannten sie dann Dreadlocks, um die Herkunft vom Weichselzopf zu verschleiern.

Dieser unappetitlichen und übelriechenden Unsitte wird von vielen Menschen gefrönt. Das darf aber nicht jeder. Sicher nicht Ronja Maltzahn. Denn die Musikerin wurde von den Aktivisten von «Fridays for Future» zuerst ein-, dann wieder ausgeladen. Sie sollte in Hannover helfen, die Zukunft zu retten.

So nicht, Ronja Maltzahn.

Aber nicht so: «Wenn eine weisse Person Dreadlocks trägt, dann handelt es sich um eine kulturelle Aneignung, da wir uns als weisse Menschen aufgrund unserer Privilegien nicht mit der Geschichte oder dem kollektiven Trauma der Unterdrückung auseinandersetzen müssen», meinen die Klimaschützer zur Begründung.

Das ist erlaubt: Whoopi Goldberg.

Nimm das, König Christian IV. Wieso setzen sich diese Kämpfer gegen Aneignung nicht für die Rehabilitation des Weichselzopfes ein? Wieso gibt es keine Ausladung von schwarzen Künstlern, die sich kulturimperialistisch dieses Zeichen vom dänischen Hof angeeignet haben?

Ist der Zopf ab, ginge es

Nun hätte Maltzahn allerdings eine Chance gehabt, doch auftreten und die Zukunft retten zu dürfen. Ganz einfach; wenn der Zopf ab wäre. Die Schuleschwänzer hatten der Musikerin anheim gestellt, dass sie mit abgeschnittenen Dreadlocks, also ohne, durchaus auftreten dürfe. Dieser Wahnsinn war dann aber selbst diesen Wahnsinnigen zu viel; das sei ein Eingriff in die Privatsphäre gewesen, entschuldigte sich «Fridays for Future» später.

Wir lernen: die Erderwärmung mag durchaus ein ernstzunehmendes Problem sein. Aber viel dringlicher wäre es, etwas gegen Kopferwärmung zu unternehmen. Gegen den im roten Bereich drehenden Schwachsinn, dass auch beispielsweise in Zürich ein Piktogramm wieder verschwinden musste, dass im ÖV darauf hinwies, dass Musizieren nicht erlaubt sei.

Das ist erlaubt: Verbot ohne Sombrero. Aber schwarz …

Das wurde verboten: mit Sombrero, auch schwarz.

Oh Graus: dafür wurde ein Gitarrist mit Sombrero gezeigt. Verdammter Rassismus. Aber wehe, wer an der Fasnacht einen Sombrero trägt (und kein Mexikaner ist). Dann wär’s kulturelle Aneignung. Auch pfuibäh.

Julia Timoschenko. Erlaubt, aber nicht zum Nachahmen.

Und aufgepasst, liebe Damen. Man erinnert sich sicherlich noch an die in der Versenkung verschwundene grosse weibliche Hoffnung der Ukraine: Julia Timoschenko. Die hatte auch eine spezielle Haartracht. Wer die nun als Solidarität nachahmt, muss sich sagen lassen, dass er damit das Verbrechen der kulturellen Aneignung begeht. Was allerdings schnurstracks zur Frage führt: darf ein Nicht-Ukrainer die ukrainische Flagge schwenken? Sich blau-gelbe Striche ins Gesicht malen? Wir erwarten eine Stellungnahme von «Fridays for Future». Oder zumindest des Eidgenössischen Büros für Gleichstellungsfragen.

6 KOMMENTARE
  1. Hans von Atzigen
    Hans von Atzigen says:

    Der König Christian IV hat das von den Chinesen gestohlen.
    Die Timoschenko von der Schweiz, Zöpfe waren mal in und das,hochstecken auch, warum soll denn jetzt bei den Haaren Multikulti vorbei sein, Haarrassismus oder was.
    Läuft aktuell ein Wettbewerb???
    Wettbewerb Frage, wer kotzt am blödesten in die Welt hinaus?

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  2. Arthur Fink
    Arthur Fink says:

    Rösti und salsa di pomodoro sofort verbieten! Kulturelle Aneignung nach dem von den Conquistadoren veranstalteten Genozid!

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  3. Leni
    Leni says:

    Das ist genau das gleiche wie mit allem anderen, was berechtigte Anliegen zur Sprache bringt. Ob es es dabei um Gleichberechtigung und Gleichbehandlung der Geschlechter, Sensibilität gegenüber Rassismus und Kolonialismus oder die „gendergerechte Sprache“ handelt (u.v.m.). Sobald solche Dinge wie im Artikel beschrieben geschehen, wird es einfach albern. Mittlerweile kann man ja viele solcher Beispiele nennen. Und das ist schade, weil die Themen wirklich wichtig sind.

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  4. Tim Meier
    Tim Meier says:

    Tja, wo hört diese «Aneignung» auf? Was da nicht alles vom «alten weissen Mann» in aller Welt übernommen wurde. Beispiel: Afrikaner zurück zu den Baströckchen, Jeans wurden schliesslich von einem jüdischen Deutschen erfunden.
    Schlussendlich eine weitere Kindersendung von FFF. Die Stellungnahmen der «eigenössischen» Büros und Kommissionen werden brennend erwartet.

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  5. Adrian Venetz
    Adrian Venetz says:

    Den jungen Schreihälsen sei zur Lektüre empfohlen: «Dantons Tod» von Georg Büchner. Vermutlich aber gehört das Lesen nicht zu deren Lieblingsbeschäftigung.

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