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Serientäter

ZACKBUM möchte vom Tagi lassen. Aber der lässt es nicht zu.

Das Forschungszentrum Öffentlichkeit und Gesellschaft (FÖG) nennt es «News-Deprivation». Und die nehme immer mehr zu. Bereits 46 Prozent der lesefähigen Bevölkerung der Schweiz informiere sich nicht mehr über die klassischen Newsquellen.

Eigentlich heisst das News Avoidance, aber das FÖG ist nach dem Tod von Kurt Imhof auch nur noch eine Schatten seiner selbst. Denn Deprivation ist natürlich gaga: das bezeichnet den Zustand der Entbehrung, des Entzuges, des Verlustes oder der Isolation von etwas Vertrautem sowie das Gefühl einer Benachteiligung.

Auf jeden Fall bemüht sich Tamedia nach Kräften, diese Zahl zu steigern. Mit einer unbekömmlichen Mischung aus Alarmismus, Rechthaberei, erhobenem Zeigefinger, Selbstbetrachtung und Abkehr von klassischem News-Journalismus.

Michael Marti fragt sich im Tagi völlig zu recht: «Wer sich also vor den News-Deprivierten gruselt, sollte sich zuerst fragen und dann verstehen, wovor viele dieser News-Deprivierten sich gruseln.» Allerdings vermeidet er tunlichst die naheliegenden Antwort: vor dem Tamedia-Journalismus.

Die Sopranistin Netrebko singt im Opernhaus? Ja schon, aber weil ein verlorenes Dutzend ein paar ukrainische Flaggen schwenkt, kam es dabei angeblich zu Misstönen. Ganz abgesehen davon, dass sich die Primadonna assoluta angeblich nicht deutlich genug von Putin und dem Ukrainekrieg «distanziert» habe. Unglaubliches Kulturbanausentum.

Dann der Alarmismus:

Marc Brupbacher, ehemals bekannt als Corona-Kreische und Beschimpfer von Bundesräten, hat umgesattelt. Klima ist schliesslich nachhaltiger als so ein flüchtiges Virus.

Der ehemalige Bundesrat Ueli Maurer gehört zu den Lieblings-Watschenmännern des Tagi. Kaum hat eine reingekriegt, weil er den Leonhard-Kreis präsidiert, der für Meinungspluralismus eintritt (was ist das, fragt sich fassungslos der Tagi-Redaktor, es gibt doch nur eine Meinung, nämlich die richtige, also meine), bekommt er schon wieder einen Kübel Häme übers Haupt geschüttet:

Für Tagi-Redaktorin Nicoletta Gueorguiev, eine Allzweckwaffe («Disney einigt sich im Rechtsstreit mit US-Schauspielerin Gina Carano», oder «Walliser sollen ihre Weihnachts­beleuchtung um 1 Uhr nachts abschalten»),wird eine freie Debatte gleich mit «umstritten» gelabelt. Obwohl Streit doch der einzig sichere Weg zu neuer Erkenntnis ist.

Sie beschwert sich: «Weder auf der Website noch im Programm ist indessen ersichtlich, welche Beiträge wissenschaftlich fundiert sind und welche nicht.» Bevor sie solche unfundierte Beschwerde erhebt, sollte sie sich vielleicht mal informieren, was man unter «wissenschaftlich fundiert» versteht. Nämlich Beobachtung, Experimente, Datenerhebung, Hypothesenbildung, Überprüfung und Veröffentlichung in Fachkreisen.

Dazu ein Beispiel: wenn der Tagi behauptet, er  betreibe «Qualitätsjournalismus», möchte ZACKBUM mal gerne eine wissenschaftlich fundierte Beweisführung dafür sehen. Sonst muss man das zumindest als «umstritten» bezeichnen …

Dann kommen wir zur Abteilung «wenn Wünsche wahr werden sollen»:

Meint Claudia Franziska Brühwiler. Angeblich «die meistgesuchte Forschende der HSG». Allerdings mit eher spärlichen Veröffentlichungen, während sie auch für den Tagi zu zu «den profiliertesten USA-Kennerinnen der Schweiz» gehöre. Was sie von Fehlprognosen aber noch nie abgehalten hat.

Dann hätten wir noch die Pflege von Randgruppenproblemen:

Wie viele lesbische Paare es in der Schweiz gibt und wie viele von ihnen vor diesem Problem stehen, ist schwer eruierbar. Im Jahr 2022 haben rund 350 lesbische Paare geheiratet. Wie viele das mit einem Kinderwunsch verbinden? Alle? Die «Ehe für alle» trat am 1. Juli 2022 in Kraft. Nehmen wir an, dass es seither 1000 Heiraten gab. Selbst wenn alle diese Paare einen Kinderwunsch verspürten und per Adoption befriedigen wollen, so wären das rund 0,01 Prozent der Wohnbevölkerung …

Schliesslich noch ein Beitrag zu «die Welt ist schlecht und wird immer schlechter»:

Woher kommt diese Zahl, wie wird sie eruiert, wie verlässlich ist sie? Alles journalistische Fragen, auf die das Qualitätsorgan Tagi nur rudimentäre Auskünfte erteilt. Bzw. einfach abschreibt, was die NGO «Save the Children» behauptet. Diese Organisation ist auf vielen Gebieten in schwerer Kritik, interner Kultur, Führungsstruktur, Kommunikation und politischer Stellungnahme. Plus wie meist bei solchen NGO die Saläre der Führungsschicht. Aber das soll doch eine knackige Schlagzeile nicht kaputtmachen.

Das ist von einem beliebigen Tag das gesammelte Bemühen von Tamedia, den Leser davon zu überzeugen, dass es rausgeschmissenes Geld ist, dafür auch noch etwas zu bezahlen. Ausser natürlich für Masochisten, Anhänger einer strengen Belehrung oder für Menschen, die gerne testen wollen, ab wann sie depressiv werden.

 

Wumms:Fabian Renz

Der Schwurbler tut so, als wäre er blöd. Leserverarsche, Part III.

Renz fragt ja nur mal:

Dabei weiss er in Wirklichkeit ganz genau: nein. Ein Viertel der Bevölkerung sieht das laut Meinungsumfragen anders. Aber Alt Bundesrat Ueli Maurer «geht es um etwas anderes».

Der Reihe nach. Fabian Renz ist ein woker, linksgewickelter Journalist mit hohem Drang, seine Leser belehren, bevormunden und erziehen zu wollen.

Absurdes Auslöschen des Begriffs Mohr in Zürich? «Auf diese Inschriften können wir verzichten», dekretiert er im Pluralis majestatis.

Auch die ehemals kluge Haltung der Schweiz, die in der Verfassung festgeschriebene Neutralität, ist ihm ein Dorn im Auge: «Die Neutralität zeigt wieder mal ihr kaltes Zahnpastalächeln

Als ehemaliger «Leiter des Bundeshausteams» war er nie um einen Ratschlag an die Landesregierung verlegen, Der er zuerst mal die Knöpfe reintut: «Die Landesregierung ist aus dem Gleichgewicht». Das müsste sie schleunigst ändern: «Das Parlament muss diesen Zustand 2023 korrigieren.»

Also der typische Rechthaber, Besserwisser, Grossinquisitor und Mainstream-Meiner. Nun erregt seine Aufmerksamkeit, dass ein illustres Häufchen einen Verein gegründet hat, den Leonhard-Kreis. Präsident Ueli Maurer, im Vorstand Thilo Sarrazin und Hans-Georg Maassen.

Kollega Helene Obrist hat bereits einem «Experten» Gelegenheit gegeben, den Verein in die Pfanne zu hauen. Dass der «Experte» Co-Präsident der «Operation Libero» ist, die dem Verein Leonhard ideologisch konträr gegenüber steht, das unterschlug sie dem Leser. Für das gleiche Qualitätsorgan arbeitet Renz.

Der äussert ja nur seine Meinung:

«Man könnte versucht sein, die Gründung eines solchen Vereins durch ein Grüppchen älterer, längst aus Amt und Würden geschiedener Herren als spleenigen Aktionismus abzutun.»

Das wäre aber laut Renz ganz falsch, denn dem Verein gehe es überhaupt nicht um die Verteidigung der Meinungsfreiheit: «Stattdessen beklagten sich die Referenten über «Moralkeulen», «Inquisition», Sprachpolizei», «Denkverbote», «gesellschaftlichen Generalverdacht» – und ebenso unscharf wie diese Floskeln blieb auch, gegen wen sich die Vorwürfe eigentlich konkret richten.»

Dabei ist es doch sonnenklar: gegen Rechthaber wie Renz.

Schlimmer noch: «Die vernebelnden Begrifflichkeiten sind ein Wesensmerkmal des rechtskonservativen Diskurses um die Meinungsfreiheit – und eine seiner grossen Stärken.»

Denn hinter diesem Gejammer stecke eine von Renz enttarnte Absicht: «Es geht nicht um freie Rede, sondern um Macht. Die Klage über bedrohte Meinungsfreiheit ist der Auswuchs eines viel älteren Gefühls – der in rechten Kreisen weitverbreiteten Ansicht nämlich, dass man in den führenden Institutionen des Bildungswesens, der Medien und der Kultur unterrepräsentiert sei.»

Das ist zwar keine Ansicht, sondern eine belegbare Tatsache.

In den USA holze Trump da schon kräftig ab. «In der Schweiz und in Europa sollten wir daher wachsam bleiben. In der Logik von Maurer, Maassen und Co. könnte auch dieser Kommentar hier bereits ein Angriff auf die Meinungsfreiheit sein. Obschon er bloss eine Meinung wiedergibt.»

Renz tut so naiv und blöd. Vielleicht ist er es auch. Denn in seinem Kommentar wird er sich nicht bewusst, dass er genau diesen inquisitorischen Diskurs pflegt, vor dem Maurer und seine Mitstreiter warnen. Renz denunziert, missversteht absichtlich die Absichten dieses Vereins, diskreditiert seine Initiatoren, schreibt für ein Organ, das sich nicht entblödet, einen politischen Gegner dieses Vereins als «Experten» zu präsentieren.

Sein Kommentar ist keineswegs ein Angriff auf die Meinungsfreiheit und würde von diesem Verein auch nie so denunziert werden, da will sich Renz vergeblich als potenzielles Opfer darstellen. Sein Kommentar illustriert hingegen unfreiwillig, wogegen dieser Verein antritt.

Renz selbst als Leiter des Ressorts «Analysen und Meinungen» würde niemals zulassen, dass eine seiner vorgefassten Meinung widersprechende Ansicht im «Tages-Anzeiger» publiziert werden dürfte. Das ist nun keine Zensur im klassischen Sinne. Aber wenn nicht mal in einem Kommentar das Wort «zackbum» auftauchen darf, ohne dass er zensiert wird, dann repräsentieren Renz und sein klägliches Blatt doch genau das, was sie als nicht-existent abstreiten.

Nämlich eine woke Blase von rechthaberischen Gutmenschen, die die Weisheit mit Löffeln gefressen haben und ihre Leser unablässig belehren wollen und dazu anhalten, bessere Menschen zu werden. Während Maurer & Co. ihrer Ansicht nach dieser löblichen Absicht im Wege stehen und daher entweder totgeschwiegen – oder niedergemacht gehören.

Sozusagen ein Widerspruch in sich selbst, dieser Herr Renz. Nur merkt er es nicht mal. Also tut er vielleicht nicht nur so, als sei er blöd.

 

 

Leserverarsche beim «Tages-Anzeiger»

«Experte» von der Operation Libero «warnt» vor bürgerlichem Verein.

Von Philipp Gut*

So frech manipuliert der «Tages-Anzeiger» seine Leser. Die Schlagzeile des Aufmachers im Zürich-Bund des «Tages-Anzeigers» ist reisserisch: «Claudio Zanetti gründet Verein – Experte warnt».

Plant der ehemalige SVP-Nationalrat etwa ein Attentat auf einen Bundesrat? Will er, wie es kürzlich die Linksextremen getan haben, die Bundesstadt anzünden? Will er an der Volksschule die Rute einführen?

Natürlich nicht. Der Verein – er nennt sich Leonhard-Kreis – will das Gegenteil: Er will Demokratie, Bürgerrechte und Freiheit stärken. Ihm gehören hochverdiente und prominente Mitglieder an, wie der ehemalige Bundesrat Ueli Maurer (SVP), der den Verein präsidiert, oder der ehemalige Berliner Finanzsenator und Vorstand der Deutschen Bank, Thilo Sarrazin, oder der ehemalige Präsident des Bundesverfassungsschutzes, Hans-Georg Maassen.
Für den «Tages-Anzeiger» ist es aber eine Gefahr, vor der gewarnt werden muss, wenn solche Persönlichkeiten sich für den Rechtsstaat einsetzen. Er zitiert dafür einen «Experten» namens Stefan Manser-Egli, ein Postdoktorand, der zu «Staatsverweigerung und Souveränismus» forsche.

Schon der Begriff «Souveränismus» spricht Bände: Es ist ein wissenschaftlich verbrämter Kampfbegriff, der das Eintreten für die Souveränität von Staaten und Individuen negativ belegt. Dieser «Experte» ordnet den Verein für den Tagi am «rechten Rand» ein – «einordnen» ist ja auch so ein Codewort für Kästchendenken und Leserbevormundung. Der explizite Vorwurf dabei, pfui: «Der Staat gehöre zurückgebunden.»

Doch die Warnungen vor dem Verein, der sich erst am Montag (27. Oktober) öffentlich vorstellte, gehen noch weiter: «Man organisiere sich bewusst ausserhalb demokratischer Strukturen und gebe sich politisch neutral.» Ja klar, Ueli Maurer will die Demokratie abschaffen!

Solche Experten entlarven sich selbst. Aber die Causa wird noch lustiger, wenn man weiss, was der Tagi seinen Lesern unterschlägt: Dieser Stefan Manser-Egli ist Co-Präsident der Operation Libero, gemeinsam mit Sanija Ameti, die Schlagzeilen machte, weil sie auf ein Heiligenbild von Jesus und Maria schoss.

Wow! Wir sind beeindruckt. Was für eine journalistische Leistung, den Co-Präsidenten der Operation Libero als unabhängigen «Experten» zu verkaufen und den Lesern vorzuenthalten, was dieser Experte politisch so treibt. Dieses Kunststück hat den Zürcher Journalistenpreis verdient.

Auf Anfrage, warum sie diese wesentliche Information über ihren «Experten» den Tagi-Lesern vorenthalten habe, antwortete Autorin Helene Obrist schnippisch: «Wir haben Stefan Manser-Egli als Wissenschaftler eingeführt, da die Zitate im Artikel seine Forschung in den Bereichen Staatsverweigerung und Souveränismus untermauern. Dies war die relevante Qualifikation für die Einordnung des von Claudio Zanetti gegründeten Vereins.»

Logisch untermauern Zitate von Manser-Egli Forschungszitate von Manser-Egli. Wieso dieser Zirkelschluss allerdings eine Qualifikation sein soll, und wieso seine Funktion bei der Operation Libero für den Leser unerheblich sein sollte, weiss nur Qualitätsjournalistin Obrist.

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Dieser Artikel erschien zuerst in der «Weltwoche online». Mit freundlicher Genehmigung. Die Anfrage an die Autorin und deren Qualifikation stammt von ZACKBUM.

Wer war in Peking?

Grosse Feier, aber die Medien erwähnen nur zwei Gäste.

Die Fotografien sagen etwas anderes, aber die meisten Schweizer Medien stellten die Sache so dar, dass neben Chinas Präsident Xi eigentlich nur Wladimir Putin und Kim Jong Un aus Nordkorea bei der grossen Militärparade in Peking anwesend waren.

Ach, und natürlich noch der alt Bundesrat Ueli Maurer, was an diversen Orten zu Schluckauf und fassungslosem Gefasel führte.

In Wirklichkeit war die Liste der anwesenden Staatschefs oder hohen Würdenträger eine Idee länger:

  • Armenien: Premierminister Nikol Pashinyan

  • Aserbaidschan: Präsident Ilham Aliyev

  • Weißrussland: Präsident Alexander Lukaschenko

  • Kambodscha: König Norodom Sihamoni

  • Kuba: Präsident Miguel Díaz‑Canel

  • Vietnam: Präsident Lương Cường

  • Indonesien: Präsident Prabowo Subianto (zunächst abgesagt, kam dann doch)

  • Iran: Präsident Masoud Pezeshkian

  • Kasachstan: Präsident Kassym‑Jomart Tokayev

  • Kirgisistan: Präsident Sadyr Japarov

  • Laos: Präsident Thongloun Sisoulith

  • Malaysia: Premierminister Anwar Ibrahim

  • Malediven: Präsident Mohamed Muizzu

  • Mongolei: Präsident Ukhnaagiin Khurelsukh

  • Myanmar: Militärchef Min Aung Hlaing

  • Pakistan: Premier Shehbaz Sharif

  • Nepal: Premier K. P. Sharma Oli

  • Usbekistan: Präsident Shavkat Mirziyoyev

  • Tadschikistan: Präsident Emomali Rahmon

  • Turkmenistan: Präsident Serdar Berdimuhamedov

  • Republik Kongo: Präsident Denis Sassou Nguesso

  • Simbabwe: Präsident Emmerson Mnangagwa

  • Serbien: Präsident Aleksandar Vučić

  • Slowakei: Premier Robert Fico

  • Neuseeland (ehemalige Premier): John Key, Helen Clark

  • Australien (ehemaliger Premier von Victoria): Daniel Andrews

  • Nicaragua: Berater Laureano Ortega Murillo

  • Brasilien: ehemalige Präsidentin Dilma Rousseff

  • Venezuela: Jorge Rodríguez (Präsident der Nationalversammlung)

Nicht alles Lichtgestalten oder lupenreine Demokraten, aber heutzutage wäre es schwierig, eine gleichlange Liste von Lichtgestalten herzustellen.

Noch etwas gewichtiger war die Teilnehmerliste des Treffens der Shanghai Cooperation Organisation (SCO), das kurz zuvor stattfand:

  • China – Xi Jinping (Gastgeber)

  • Russland – Vladimir Putin

  • Indien – Narendra Modi (Ministerpräsident)

  • Iran – Präsident Masoud Pezeshkian

  • Pakistan – Premierminister Shehbaz Sharif

  • Kasachstan – Präsident Kassym‑Jomart Tokayev

  • Kirgistan – Präsident Sadyr Japarov

  • Tadschikistan – Präsident Emomali Rahmon

  • Usbekistan – Präsident Shavkat Mirziyoyev

  • Belarus – Präsident Alexander Lukaschenko

  • Malediven – Präsident Mohamed Muizzu

  • Myanmar – Verwaltungschef Min Aung Hlaing

  • Vietnam – Ministerpräsident Phạm Minh Chính

  • Laos – Präsident Thongloun Sisoulith

  • Armenien – Premierminister Nikol Pashinyan

  • Aserbaidschan – Präsident Ilham Aliyev

  • Kambodscha – Premierminister Hun Manet

  • Nepal – Premier KP Sharma Oli

  • Türkei – Präsident Recep Tayyip Erdoğan

  • Mongolei – Präsident Ukhnaagiin Khürelsükh

Hier waren knapp 50 Prozent der Weltbevölkerung und über 25 Prozent der Weltwirtschaft vertreten.

Und keinen hat’s gekümmert, dass Europa, die USA und ein paar ihrer Verbündeten abwesend waren. Keinen hat’s gekümmert, dass es Sanktionen gegen Russland gibt. Wenn man die EU als einen Wirtschaftsraum nimmt, haben insgesamt lediglich 20 Länder der Erde Sanktionen verhängt, wobei nicht alle alles übernehmen, was die USA und die EU durchführen. Wobei die EU weiterhin, beispielsweise beim Erdgas, zu den besten Kunden Russlands gehört.

20 von insgesamt 195.

Die Kraft- und Machtverhältnisse verschieben sich auf der Welt. Der grosse Verlierer ist die EU, die trotz grosser Wirtschaftsmacht politisch in die Bedeutungslosigkeit versinkt.

Während sich um die neue Allianz China, Russland, Indien ein neues Zentrum bildet und die USA als verlässlicher Bündnis- oder Handelspartner ausfallen.

Aber bis sich das mal in den Schweizer Redaktionsstuben herumgesprochen hat …

Ein Selbstkommentar

Der «Blick» steigert das Nabelschaulaufen.

«Sara Belgeri ist Redaktorin bei Blick.» Das ist schön für sie. Sie weiss ziemlich viel und eigentlich alles besser. «Wohnungsnot: Expats sind nicht das Problem». «Frauen-Nati im Viertelfinal: Wie wärs mit Freude statt Gemotze?» «Fertig mit dieser Selbstoptimierung». «Warum die Schweiz beim Schutz von Frauen versagt».

Es ginge der Schweiz im Allgemeinen und den Frauen im Speziellen viel besser, wenn man endlich auf Belgeri hören würde.

Aber eben, diskriminierende Männer-Macho-Gesellschaft.

Dem setzt sie ein trotziges Lächeln entgegen und sehr viel Gemeintes. Nun hat sie aber einen Selbstkommentar geschrieben und damit ein neues Genre des Journalismus erfunden:

Damit meint sie die China-Reise des alt Bundesrats Ueli Maurer. China feiert mit einer grossen Militärparade sich selbst und das Jubiläum des Siegs über Japan im Zweiten Weltkrieg.

Eurozentristisch wird gerne übersehen, dass die Invasion und Besetzung durch Japan mindestens so grausam und barbarisch war wie der Russland-Feldzug des Dritten Reichs. Bis zu 20 Millionen Tote, das Massaker von Nanking, Grund genug, dem zu gedenken und die heutige Stärke Chinas zu feiern.

Und zu zeigen, dass China eine ganze Reihe bedeutender Staatenlenker um sich scharen kann. Was Präsident Trump so irritiert, dass er – statt teilzunehmen – etwas von einer Verschwörung gegen die USA motzt.

Dabei könnte man eher von einer Verschwörung gegen China sprechen, da kein europäischer oder angelsächsischer Staatsmann an dieser Feier teilnimmt – ausser Maurer.

Was in China sicherlich wohlwollend registriert wurde und die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen, auf die die Schweiz dringend angewiesen ist, durchaus befördert.

Das sieht Belgeri allerdings ganz anders: «Die Teilnahme an der Militärparade in Peking schadet jedoch eher seinem eigenen Image als dem Ansehen der Schweiz

Zum krachenden Schlusspunkt holt Belgeri den verbalen Morgenstern heraus:

«Das kann man peinlich und problematisch finden – und zwar zu Recht. Doch es geht nicht um mehr als einen alt Bundesrat auf der Suche nach Bedeutung. Deshalb ist Gelassenheit angebracht. Soll Maurer doch mit Autokraten posieren und sich für Propagandazwecke missbrauchen lassen. Am Ende beschädigt er damit eher sein eigenes politisches Erbe als das Ansehen der Schweiz.»

 

Allerdings: unfreiwillig trifft der Titel des Kommentars auf ihn selbst zu. Diese geschickte Handlung, die Schweiz ist offiziell nicht dabei, aber irgendwie schon, als «peinlich, aber bedeutungslos» abzuqualifizieren, das ist peinlich. Aber glücklicherweise bedeutungslos.

Peinlich, weil es völlig frei von Argumenten dahingeschrieben ist. Das chinesische Regime werde den Anlass «zu Propagandazwecken missbrauchen». Ja Himmelswillen, wozu denn sonst eigenen sich solche Feiern, sind sie dann überall auf der Welt missbräuchlich, oder nur in Peking?

Auf der Gästeliste stünden «Autokraten». Ja Himmelswillen, auf welcher Gästeliste denn nicht? Oder ist Mohammed bin Salman von Saudi-Arabien, der einen Dissidenten in seiner Botschaft umbringen und zerstückeln liess, der im Jemen einen schmutzigen Krieg führt, kein gern gesehener Gast im Westen?

Ist Maurer wirklich auf der «Suche nach Bedeutung»? Oder nicht vielmehr Belgeri?

Aber immerhin, einen Kommentar über den richtigen Umgang mit ihr gibt sie selbst ab: «Deshalb ist Gelassenheit angebracht

Denn nichts altert schneller, nichts zerfällt schneller zu Staub als ein dümmlicher Kommentar von vorgestern. Auch die Seufzer der Leser, die diesen Stuss serviert bekommen, verhallen.

Schreibtäter Tobler

Ein Realitätsverweigerer nennt einen anderen so.

Der frischgebackenes Leiter des «Teams Gesellschaft/Debatte» von Tamedia mag Ueli Maurer nicht. Andreas Tobler mag auch die SVP nicht. Das ist so bekannt wie langweilig.

Nun hatte sich der Alt-Bundesrat ausgerechnet Tamedia ausgesucht, um zum ersten Mal seine Meinung zu den Erkenntnissen der PUK zum desaströsen Untergang der CS zum Besten zu geben. Dazu gehört auch die erstaunliche Aussage, dass er den Bericht gar nicht gelesen, dennoch eine dezidierte Meinung dazu habe.

Wie jeder Politiker weist Maurer jegliche Schuld an der Katastrophe weit von sich, räumt lediglich ein, dass er vielleicht von der CS-Spitze etwas eingeseift worden sei. Das ist nun alles schon Altpapier, bevor das Interview gedruckt wurde. Schnee von gestern. Unerheblich. Keine Sternstunde Maurers.

Aber für den Brachialjournalisten «Rammstein-Konzerte absagen»-Tobler Anlass genug zum Nachtreten. Dabei wäre doch seine Beförderung eine gute Gelegenheit gewesen, mal ein wenig Selbstkritik nach einer solchen Anzahl von Fehlleistungen zu üben, die ihn in jedem anständigen Medienhaus zum Ausgang und nicht nach oben geführt hätten.

Oder vielleicht war es ein wenig Neid, dass der Interview-Crack Tobler (er kroch schon Bärfuss, Neubauer oder Friedman verbal hinten rein) nicht höchstpersönlich mit Maurer sprechen durfte.

ZACKBUM kann sich nicht oft genug wiederholen:

Wer solchen Unsinn verzapft, wer die Unschuldsvermutung mit Füssen tritt, wer künstlerische und wirtschaftliche Existenzen rücksichtslos vernichten möchte, ist eigentlich für ein sogenanntes Qualitätsmedium nicht mehr tragbar.

Stattdessen nun ein gähnlangweiliges Abarbeiten am politischen Feindbild:

«… Ueli Maurer selbst, der sich im Interview hartnäckig den Fakten verweigert … seine Aussage ist vor allem komplett faktenfrei … auch sonst verweigert sich Maurer wiederholt den Fakten … Maurer ist daher kein Sündenbock, sondern ein Realitätsverweigerer» usw.

Das ist Polemik auf niedrigstem Niveau. Gäbe es im Hause Tamedia noch Niveaukontrolle, würde ein solcher Kommentar als zu tiefergelegt schlichtweg vor der Publikation abgefangen und gelöscht werden. Aber doch nicht hier. Also kann Tobler so sicher wie das Amen in der Kirche am Schluss noch sein Gewäffel von Maurer auf die SVP ausweiten:

«Um glaubwürdig zu bleiben, müsste die SVP – die längst zur Classe politique gehört – sich mit der Kritik auseinandersetzen, dass sie in den Jahren der CS-Krise mit zahlreichen Vorstössen die Finma zu schwächen versuchte – und dass sie mit Ueli Maurer einen überforderten Bundesrat stellte, der sich nun aus der Verantwortung stehlen will.»

Das ist mal wieder ein Stück Zeigefingerjournalismus vom Unfeinsten. Tobler befiehlt der SVP («müsste»), was sie zu tun habe, um angeblich glaubwürdig zu bleiben. Tut sie das nicht, ist sie also nach seiner Logik unglaubwürdig. Und Maurer sei überfordert gewesen und wolle sich aus der Verantwortung stehlen.

Schau an, wer da spricht. Hat sich Tobler jemals gegenüber einer seiner vielen Fehlleistungen der Verantwortung gestellt? Hat man jemals ein selbstkritisches Wort von ihm gehört, nachdem er die Absage der Rammstein-Konzerte in der Schweiz forderte («es gilt die Unschuldsvermutung») und dann sämtliche gegen den Sänger der Band erhobenen Vorwürfe in sich zusammenfielen?

Wieso schreibt er nicht: Um glaubwürdig zu bleiben, müsste Tamedia sich mit der Kritik auseinandersetzen, dass sie mit zahlreichen Verstössen den Journalismus zu schwächen versucht – und mit Tobler einen überforderten Ressortleiter stellt, der sich immer aus der Verantwortung stehlen will.

Das wäre wenigstens lesenswert. Aber eher friert die Hölle ein, als dass wir das lesen können.

Rutishausers neuster Knaller

Der Mann rettet im Alleingang die Reputation von Tamedia.

Arthur Rutishauser ist der fleissigste Chefredaktor im Umzug. Seitdem er auf den Posten des Chefs der «SonntagsZeitung» heruntergestuft wurde, läuft er wieder zu Höchstformen auf. Zuvor war er das Bauernopfer bei der verunglückten Reaktion auf ein Protestschreiben von 78 erregten Tamedia-Frauen, die eine ganze Latte von anonymen und unbewiesenen Verleumdungen in Umlauf gebracht hatten.

Sein neuste Coup: er hat den vorläufigen Bericht der Parlamentarischen Untersuchungskommission (PUK) in die Hände bekommen, die den Untergang der Credit Suisse ausleuchten soll. Und dabei kam heraus, dass es zu regelmässigen Geheimtreffen zwischen dem damaligen Finanzminister Ueli Maurer, Nationalbankchef Thomas Jordan und CS-Präsident Axel Lehmann kam.

In bester Corona-Manier. Vertraulich, ohne Protokoll, ohne Mitwisser. Zudem legt Rutisuhauser nochmals den Finger in die Wunde, dass die CS nicht einfach wegen widriger Marktverhältnisse kollabierte, sondern weil sie von einem unfähigen Management in den Abgrund getrieben wurde. Dass Lehmann eine mögliche Staatshilfe ablehnte, weil das Auswirkungen auf die Boni gehabt hätte, ist nur eines der vielen unappetitlichen Details.

In seinem Kommentar zu diesem unwürdigen Stück nimmt Rutishauser kein Blatt vor den Mund:

«Alles wurde über Jahre hinweg vertuscht, wer aufmuckte, landete auf der Strasse. Zeitungen und Journalisten wurden eingeklagt, wenn sie versuchten, Licht ins Dunkel zu bringen. Und das seit bald 50 Jahren. So lange brauchte es, bis nach zahllosen Skandalen das Vermächtnis von Alfred Escher so weit ruiniert war, dass die UBS fast gratis ihre Konkurrenz übernehmen konnte

Auch jetzt versucht die Politik, den Deckel auf manch dunklem Geheimnis zu lassen. Als erste Aktion liess die windelweiche PUK-Präsidentin Isabelle Chassot die PUK-Akten für die nächsten 50 Jahre sperren. «Wozu? Das weiss nur Chassot, denn schützenswerte Geschäftsgeheimnisse der CS gibt es nicht mehr

Aber jede Menge Sauereien, die zurückbleiben:

«Die Bank hat von 2012 bis 2022 rund 12 Milliarden Franken für Bussen, Vergleichs- und Schadenersatzzahlungen bezahlt, mehr als jede andere Schweizer Bank. Und dabei ging es nicht «nur» um unversteuertes Schwarzgeld, sondern um Drogenhandel und Betrug. Im Fall von Moçambique haben die Banker sogar ein ganzes Land in Ruin und Armut gestürzt. Dafür hätten sich die hoch bezahlten Manager, die ja nie für etwas verantwortlich sind, öffentlich rechtfertigen sollen.»

Aber während in den USA wenigsten schwitzende Versager vor laufender Kamera Entschuldigungen stammeln müssen, hat in der Schweiz noch niemals ein solcher Vollpfosten sich wenigstens öffentlich rechtfertigen müssen. Von Haftbarkeit und Verantwortlichkeit ganz zu schweigen. Angefangen beim Oberversager Urs Rohner, der wie alle seine eingesackten, aber unverdienten Millionen geniesst.

Das macht mal wieder die Lektüre der SoZ unterhaltsam, wie in alten Zeiten. Aber alleine dadurch wird all das, was der «Tages-Anzeiger» anstellt, bzw. unterlässt, noch peinlicher.

Wenden wir hier die Bärtschi-Peinlichkeitsskala an. Benchmark ist Simon Bärtschis unterirdischer Kommentar «in eigener Sache» mit einer 10. Ohne, dass er etwas dazu tun musste, steht der publizistische Leiter durch diese Leistung von Rutishauser mit 15 Bärtschis da. Die Tagi-Chefredaktorin Raphaela Birrer bewegt sich in der Höhe von Patrizia Laeri und erreicht schweigend eine 20. Das Mitglied der Chefredaktion Kerstin Hasse, die sich um Astrologie, blanke Busen und einen angeblichen Skandal an der ETH kümmert, darf eine 12 in ihren Palmares eintragen.

Aber solange Rutishauser nicht zwecks Qualitätssteigerung eingespart wird, stemmt er ganz alleine das Niveau nach oben. Einziger Nachteil: desto peinlicher wirken die anderen traurigen Gestalten an führenden Positionen.

Meine Güte, Margrit Sprecher

Vor dieser grossen Dame sollten alle Zwerge verstummen.

Sie ist 88, man glaubt es kaum. Wenn Margrit Sprecher ein Porträt schreibt, dann fühlt man sich in den angelsächsischen Journalismus versetzt. Oder in eine Zeitreise zurück, als es noch Journalisten gab, die ein Porträt nicht nur beherrschten, sondern auch richtig verstanden.

Es geht nämlich darum, ein Bildnis von jemandem zu schaffen, dem Leser zu vermitteln, wer dieser Mensch eigentlich ist. Das ist heutzutage meistens zu Fertigmacher-Banalität verkommen, wo dem Journalisten schon vor dem ersten Wort, der ersten Begegnung völlig klar ist, was er mit dem Porträtierten machen will. Hinzu kommt zunehmendes sprachliches Unvermögen allerorten.

Dagegen Margrit Sprecher. Erst vor Kurzem zeigte sie in der NZZaS, wie Reportage geht. Und schon legt sie im NZZaS Magazin und in der NZZ nach; mit einem Porträt von Ueli Maurer. Echt jetzt, mag mancher denken, was gibt es denn über den noch zu schreiben? Ist doch alles bekannt, und ausserdem ist er nicht mehr Bundesrat.

Das ist richtig, aber dagegen kann man nur halten: wenn Sprecher ein Porträt schreibt, dann lohnt sich die Lektüre. Es ist über 21’000 A lang, und im Gegensatz zu den meisten solchen Strecken («Republik», horribile dictu) löst das Ende Bedauern aus. Das ist wohl das grösste Kompliment, das man einem Text machen kann: er sollte gar nicht aufhören.

«Treffen mit einem Erlösten», nennt Sprecher ihre Begegnung, und geschickt webt sie biographische Stationen, die Jetztzeit und Beobachtungen ineinander.

«Heute, im Sitzungszimmer der Zürcher SVP, vergleicht er sein Leben mit einem Stafettenlauf: «Solange du den Stab in den Händen hältst, musst du secklen.» Also ist er geseckelt.»

Und fiel immer wieder mit träfen Sprüchen auf. Allseits erinnerlich ist sein «Kä Luscht», als er überhaupt noch mit den Medien sprach, von denen er zunehmend und heute vollständig angewidert ist. Da es nur eine Sprecher gibt, völlig zu recht. Nicht schlecht ist auch sein Satz, den er «empörten Feministinnen» entgegenhielt: «Ich habe ein unverkrampftes Verhältnis zu den Frauen. Schon meine Mutter war eine Frau

Mit wenigen Sätzen erklärt Sprecher, wie erfolgreich Maurer als Bundesrat war: «Um die fehlende Widerspruchskultur zu fördern, erteilte er ganz offensichtlich sinnlose Befehle. «Niemand rebellierte.» Um die grassierende Kontrollitis einzudämmen, drohte er mit der Aufhebung von 78 Verfügungen, sollten sie die Zuständigen nicht bis Ende Jahr begründen können. «Begründet wurden genau fünf», sagt er.»

Wie gelingt ein solches Porträt, das einem Maurer näherbringt als alles andere, was schon über ihn geschrieben wurde? Eigentlich ganz einfach. Man macht sich mit der zu porträtierenden Person vertraut, vertieft sich in den Lebenslauf, den Leistungsausweis. Markiert entscheidende Weichenstellungen. Spricht mir ihr. Und dann sucht man aus all diesen Mosaiksteinchen die richtigen aus, und dann tut man so, als seien sie mit leichter Hand an die richtige Stelle gerückt worden.

Flachschreiber sehen eine Rolex an der Hand des NZZaS-Chefredaktors, sprechen zwei Stunden mit ihm, zitieren einen Satz, der in die Hinrichtung passt, und erwähnen natürlich die Uhr. Das ist Schweinejournalismus à la «Republik». Guter Journalismus ist, wenn man aus der Vielzahl von Beobachtungen, Anekdoten, Situationen, Zitaten diejenigen herausgreift, die sinnfällig ein Porträt vollkommen machen. So vollkommen es halt sein kann, wenn es um einen 73-Jährigen geht, der schon ziemlich lange in der Politik und der Öffentlichkeit steht.

Diese Auswahl, diese Ernte aus überreichlich Material, das ist’s was ein gelungenes Porträt ausmacht, das dem Porträtierten gerecht wird und den Leser bereichert.

Wie man das macht, das ist schwer zu vermitteln, unmöglich zu lernen. Da kann nur Goethe helfen: «Wenn ihr’s nicht fühlt, ihr werdet’s nicht erjagen.» Ein gutes Porträt muss sich beim Lesen gut anfühlen. Wenn man die Absicht spürt, ist man verstimmt. Aber wenn hier ein Mensch in all seinen Facetten entsteht und zu leben beginnt, dann fühlt sich’s gut an.

Also, liebe Margrit Sprecher. Ja nicht aufhören, Sie Quell der Labsal im dunkeldüsteren Tal der Flachschreiber.

Hysterie? Hysterie

Wie reagieren die Qualitätsmedien auf den Ex-Bundesrat Maurer?

Offensichtlich fühlt sich Ueli Maurer pudelwohl als ehemaliger Bundesrat. Endlich kann er klarstellen, wieso er bei der Credit Suisse nicht eingriff – wofür er kräftig Prügel bezog. Aber sein Argument, dass er gegen den Willen des damaligen Oberversagerrats Axel Lehmann nun schlecht einen Multimilliardenkredit beim Parlament habe verlangen können, leuchtet ein.

Noch prononcierter äussert sich Maurer zur überstandenen Pandemie: Die Reaktion darauf sei hysterisch gewesen, stellt er fest. Die «Sonntagszeitung» gab ihm Gelegenheit für ein langes Interview: «Wer eine kritische Frage stellte, wurde aussortiert, indem man ihn als ‹Verschwörer› oder als ‹Rechtsextremen› brandmarkte».

Nun ist Maurer nicht nur ähnlich beliebt wie Bundesrat Rösti, sondern gehört wie der für viele Mainstream-Medien der falschen Partei an. Der SVP.

Also keift die NZZ, das andere Organ aus dem eigenen Hause sozusagen als «Beweis» zitierend: «Ueli Maurer werde, befreit von den Zwängen bundesrätlicher Kollegialität, immer radikaler. Das schrieb die «NZZ am Sonntag» vor zwei Wochen – und führte zahlreiche Beispiele von provokativen Aussagen Maurers zur Schweizer Corona-Politik an

Noch schlimmer, ein anonymer «Soziologe» diagnostiziere: «In den Aussagen von Maurer fänden sich «gezielt gesetzte Versatzstücke vieler verschwörungstheoretischer Erzählmuster»».

Dann schwant der NZZ noch mehr Übles. Der alt Bundesrat sei zwar 73-jährig. «Doch der frühere Präsident der SVP zeigt keine Lust, in aller Ruhe die Rente zu geniessen und – wie andere frühere Bundesräte – der Maxime «servir et disparaître» zu folgen. Er erklärt bereits, gegen «einen möglichen schlechten Rahmenvertrag» an vorderster Front kämpfen zu wollen.»

Auf Radio 1 hetzt der ehemalige SP-Stapi von Zürich Elmar Ledergerber, Maurer sei «schon immer ein illoyaler Bundesrat gewesen», habe «gehetzt» und Parteipolitik betrieben. Offenbar meint der Schwätzer, das versende sich doch schnell.

Schon am 20 Januar hatte die NZZ gerüpelt: «Ueli Maurer stösst mit kruden Aussagen selbst Parteifreunde vor den Kopf»; Simon Marti und Georg Humbel, brav im Dienste der FDP, schreiben von einem «Entfesselten». Auch der «Blick» stösst ins gleiche Horn: «Alt Bundesrat Maurer verbreitet krude Thesen». Das ist besonders mutig von einem Blatt, dessen CEO ein perfektes Beispiel für die Corona-Hysterie abgibt und seine Redaktionen anwies, brav die Regierungspolitik in der Pandemie zu unterstützen. Von seiner Standleitung zum damaligen Gesundheitsminister Berset ganz zu schweigen.

Etwas vornehmer formulierte Tamedia: «Ueli Maurer irritiert mit neuen Aussagen zur Pandemie selbst SVPler». Abgesehen davon, dass diese Aussagen keineswegs neu waren oder sind, und ein irritiertes Parteimitglied, das so gerne in die Medien kommen möchte, findet sich immer.

Viktor Giacobbo, dem es auch immer mehr egal ist, wie er in die Medien kommt, damit seinem Ex-Kollegen Mike «Arschloch»-Müller ähnlich, erinnert an sich selbst, als Maurer-Imitator mit Clownnase:

Nun kann man zu Maurers pointierter Position durchaus geteilter Meinung sein. Allerdings wäre es dann zumindest redlich, auf die Begründungen des alt Bundesrats einzugehen. Immerhin hat ihm die SoZ dazu Gelegenheit gegeben, was aber innerhalb von Tamedia sicherlich nicht gerne gesehen wurde.

Aber die fundierteste Kritik kommt vom Weltorgan «Zofinger Tagblatt», im Verbund der CH Media Presse. Das druckt einen Kommentar des Chefredaktors der «Aargauer Zeitung» nach. Fabian Hägler war lange Jahre Leiter des «Ressort Aargau», und dermassen qualifiziert weiss er: «Corona war keine bewusst geschürte Hysterie, die Massnahmen dagegen keine Massenhypnose. Die Impfung dagegen ist nicht heisse Luft, sondern hat unzählige Menschen vor einem schweren Krankheitsverlauf bewahrt. Das sind die Fakten und der wissenschaftliche Konsens zur Pandemie.»

Abgesehen davon, dass Maurer das so nicht formuliert hat: es ist immer beruhigend, wenn ein Lokalredaktor sich als Virologe, Immunologe und Kenner der Sachlage outet. Aber vielleicht hätte er doch bei der Berichterstattung über das Jubiläum des Kleintierzüchtervereins Oberentfelden bleiben sollen.

Denn das kann er; wir geben ein Müsterchen aus seinem jüngeren Schaffen: «Wenig ist so eng mit Lenzburg verknüpft wie die ehemalige Spielwarenfabrik Wisa Gloria. Und kaum etwas aus deren Sortiment war und ist bekannter als die ikonischen Kinderwagen. Florina Haderer hat beides verknüpft, ein 140-Jahr-Jubiläum draufgelegt und herausgekommen ist: eine Neulancierung der Kinderwagen von anno dazumal

Das kann er. Er kann aber auch die ganz grossen Bögen: «Wie der Kanton Aargau die Schweizer Traditionsanlässe mitprägt. Fête des Vignerons 2019 in Vevey, Olma 2015 in St. Gallen und Expo.02 in Neuenburg: Das waren die letzten Auftritte als Gastkanton.»

Ach ja, das Peter-Prinzip hat wieder zugeschlagen.

 

Die Schande der Werdstrasse

Bei Schauspielern würde man von Publikumsgift sprechen.

Es gibt einen Tamedia-Journalisten, der eigentlich auf der schwarzen Liste von ZACKBUM steht. Aber auch auf die Gefahr hin, jedes zuträgliche Niveau nach unten zu durchschlagen; es muss dennoch sein.

Denn zum einen zählt Philipp Loser zusammen mit der von der NZZaS eingewechselten Anja Burri «die nicht so geheimen Geheimpläne» durch, die angeblich vor den Bundesratswahlen ausgebrütet würden. Dabei versteigt sich Loser sogar ins Latein: contradictio in adiecto. Denn, he he, ein öffentlicher Geheimplan sei gar keiner.

Das ist richtig, aber Loser fällt es nicht auf, dass er selbst genau diese Terminologie dennoch verwendet. Aber Intelligenz war noch nie die starke Seite des vielfach Gescheiterten («Volksstimme», «TagesWoche»). Darauf, dass ihm selbst unterstellt wird, an nicht so geheimen Geheimplänen zu werkeln, geht er gar nicht ein.

Aber das wäre bloss das übliche Tamedia-Gedöns. Substanzloses Zusammenschreiben von Längstbekanntem, gut Abgehangenem, Erkenntnisgewinn null, vom ins Archiv entsandten Korrespondenten.

Aber das ist ja nur der halbe Loser. Betriebstemperatur erreicht er erst dann, wenn er ungehemmt meinen und kommentieren darf, wozu ihm das Loser-«Magazin» reichlich Gelegenheit gibt. Dabei gibt er gerne his master’s voice, wenn es gilt, einen unliebsamen Konkurrenten wie Lebrument einzutopfen. Das tat er dann mit Verve, aber so ungeschickt, dass sich sein Master persönlich entschuldigte, der Artikel gelöscht wurde und Loser höchstpersönlich nach Chur dackeln musste, um einen Kratzfuss hinzulegen.

Andere Journalisten würden nach solchen Peinlichkeiten den Beruf wechseln, weil sie sich nicht mehr im Spiegel anschauen können. Aber doch nicht Loser; was soll er denn sonst machen, und von irgendwas muss er ja leben. Auch wenn’s auf Kosten der Tamedia-Leser geht.

Man könnte vom Kampffeministen und woken Regler der richtigen Verwendung des Gendersterns mal ein kräftiges Wort zum Sexismusskandal beim «Magazin» erwarten, schliesslich muss er ja Augen- und Ohrenzeuge gewesen sein und könnte Klarheit schaffen, ob einige Behauptungen von Roshani gegenüber dem ehemaligen Chefredaktor des «Magazins», dass er sie coram publico (Latein, Loser!) übel verbal angegangen sei, zutreffen oder nicht. Aber da schweigt Loser feige.

Stattdessen wäffelt er nun in selbst für Tamedia-Verhältnisse brutal-demagogischer Manier gegen einen alt Bundesrat. Nein, nicht gegen Blocher, diesmal nicht. Diesmal geht’s gegen «Ueli Maurer, der Medienfeind». Typisch für Loser: zuerst gibts eine langfädige Einleitung, in der er Maurer «eine ausgeprägte Vorliebe für Autokraten» unterstellt. Trump, Putin, Xi, Orbán, die üblichen Verdächtigen halt, über die Maurer mal nette Dinge gesagt habe, so wie alle anderen sich diplomatisch ausdrückende Bundesräte auch.

In einem Salto mortale (vielleicht würde Loser sogar von einer contradictio in adiecto schwafeln) kommt er dann zur Kritik Maurers am gebührenfinanzierten Staatsfunk in der Schweiz, für deren Konsum der alt Bundesrat scherzhaft Schmerzensgeld fordert. Wer Losers Kolumne liest, empfindet ähnlich: «Maurers Aussagen zu den «Mainstream-Medien» klingen wie aus einem Handbuch für internationale Rechtspopulisten.»

Gäbe es ein solche Handbuch, dürfte es aber nicht von einem geistigen Tiefflieger wie Loser geschrieben werden. Der wirft Orbán, Trump, Putin und Xi in diesen Topf von Rechtspopulisten. Dass der chinesische Präsident und Chef der kommunistischen Partei Chinas ein Rechtspopulist sei, auf diese hirnrissige Idee muss man erst mal kommen.

Dann gründelt Loser im Banalen: «Autokraten mögen keine unabhängigen Medien. Diktaturen und unabhängige Medien schliessen sich aus.» Auf dem Niveau «zwei plus zwei ist vier» gelingt Loser hier sogar eine richtige Aussage. Aber damit ist seine Sternstunde schon beendet: «Auch Ueli Maurer, der sich gerne als Super-Demokrat inszeniert, mag keine Medien

Maurer äussert als ehemaliges Regierungsmitglied seine persönliche Meinung über die Qualität (und die Kosten) des Dargebotenen bei der SRG. Das ist erlaubt. Ihm eine allgemeine Abneigung gegen Medien in Gesinnungsgemeinschaft mit Autokraten zu unterstellen, ist bodenlos, demagogisch und unverschämt.

Nach diesem Tiefpunkt darf dann herzlich gelacht werden. Denn Loser erklärt auf seine Weise die Ursachen der Krise, in der sich die Medien befinden: «Das alte Geschäftsmodell des Journalismus ist zusammengebrochen, die Ressourcen werden laufend kleiner, das Vertrauen in die Medien sinkt entsprechend

Wegen kleinerer Ressourcen sinke das Vertrauen in die Medien? Falsch, Loser, ganz falsch. Wegen solchen Schmierenjournalisten wie Ihnen sinkt es. Wegen Dummschreibern, die behaupten: «Leute wie Ueli Maurer» zersetzten das Vertrauen, «die Medien werden geschwächt – und damit auch die Demokratie».

Ein Trugschluss wird nicht richtiger, wenn er ewig wiederholt wird. Diese Leier spielten die Medienhäuser schon beim verlorenen Kampf um die Subventionsmilliarde für reiche Verlegerclans. Als wolle sich Loser um eine Stelle bei der «Republik» bewerben, eiert er weiter: «Ohne unabhängige Medien, die über die Herrschenden und die Mächtigen berichten, keine Demokratie.» Daher sei das Verhalten von Maurer «demokratiegefährlich», irrlichtert Loser am Schluss.

Nein, blühender Blödsinn. Weder Maurer noch Loser sind demokratiegefährlich. Und Loser kritisiert ja wohl einen Mächtigen. Aber er schlägt mit seinem unqualifizierten und unanständigen Gewäsch und Gerempel einen weiteren Sargnagel ein, auf dass die Organe von Tamedia dann einmal in die Grube fahren. Denn abgesehen von einem harten Kern Gesinnungsfreunde, die aber, wie die «Republik» beweist, kaum mehr als 30’000 Nasen umfassen: wer will denn freiwillig etwas dafür bezahlen, dass üppig entlöhnte Schreiberlinge wie Loser kübelweise unausgegorenen und unverdauten Gesinnungsbrei flächendeckend ausspeien dürfen?

Einen missliebigen alt Bundesrat in Sippenhaft mit Autokraten nehmen und ihm die Gefährdung der Demokratie zu unterstellen – dafür wäre mal wieder eine persönliche Entschuldigung angebracht: finden Sie nicht auch, Herr Supino?