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Gendern mit Glaskinn

Patti Basler läuft bei einem Politiker auf. Grund zum Greinen.

Sie will eine Komikerin, gar eine Satirikerin sein. Leider gibt ihr die NZZaS regelmässig Gelegenheit, das Gegenteil zu beweisen. Immer wieder fällt Basler mit eher sinnbefreiten Aussagen auf, so während der Debatte um das sogenannte Burka-Verbot:

«Eigentlich müsse man doch verbieten, dass Männer Frauen Kleidervorschriften machen dürfen. «Aber stattdessen will man Frauen verbieten, wie sie sich kleiden».»

Wenn ZACKBUM das richtig verstanden hat, sprach sich Basler damit gegen das Verbot aus, Frauen in mittelalterlicher Manier in Ganzkörperverhüllungen zu stecken.

Nun hat die «heute show» im ZDF schon vor Jahren das Gefäss kultiviert, dass ausgesandte Komiker Politiker abfangen und mit Fragen überfallen. Natürlich dergestalt, dass die Politiker einen möglichst dämlichen Eindruck beim Beantworten machen.

Das hat eine Weile lang ziemlich gut funktioniert, bis sich die Masche rumgesprochen hatte. Schlecht kopiert ist immer noch besser als schlechter selbst erfunden, sagte sich die sogenannte Satire-Sendung «Deville» vom Schweizer Farbfernsehen. Also durfte Basler auch versuchen, Schweizer Politiker mit schrägen Fragen anzurempeln.

Das ging eher geräuschlos über die Bühne, genauso, wie es der Sendung «Deville» selten gelingt, etwas anderes als Gähnreflexe auszulösen.

Dann hielt es Basler für eine humoristische Spitzenidee, den abtretenden Bundesrat Ueli Maurer auf offener Strasse mit der Frage zu überfallen, was er denn zum Gender-Gap bei der medizinischen Irgendwas zu sagen habe. Der zeigte sich genervt: «Die huere Fragen vom Fernsehen, viel dümmer kann man nicht sein, als ihr seid. ‹tschuldigung», meinte Maurer zum Thema Endometriose, weibliche Unterleibsschmerzen.

Wenn im Opener zur Sendung «Deville» die Wörter «Italia, Nasa, Prostata» durchs Bild wackeln, kann man ihm eigentlich nur recht geben.

Nun sah aber Basler die Chance, mal wieder für etwas Aufsehen zu sorgen. Nicht etwa, indem sie eingestand, dass das tatsächlich eine selten blöde Frage an einen Finanzminister war. Der Szene kann man zudem entnehmen, dass auch sie belustigt auf die Antwort Maurers reagierte.

Sondern indem sie sich im sofort zur Hilfe herbeieilenden Tamedia-Konzern darüber beschwerte, dass sie nach Ausstrahlung dieses Flachsinns viele Hassnachrichten erhalten habe: «Obwohl er zu mir respektlos war, wurde mir in zahllosen Messages und Kommentaren Respektlosigkeit vorgeworfen», schreibt sie auf den Social Media. «Ich bekam allerdings auch mehrere Morddrohungen, Vergewaltigungsandrohungen und unzählige übergriffige Kommentare zu meinem Körper und meiner Sexualität.»

Damit aber nicht genug; wenn sie als Cis-Frau schon solche Reaktionen einfange, «wie muss es dann Trans-Menschen, schwarzen Menschen, Queers, Non-Binären usw. täglich ergehen?» Maurer befeuere mit Sprüchen auf Kosten dieser Minderheiten Hass und Gewalttaten gegen ebendiese. Hass werde in den Augen gewisser Menschen dadurch «quasi legitimiert» und entfesselt, so Basler.

Maurer legitimiere mit seinem dünnen Scherzchen auf die ebenfalls dümmliche Frage, ob er lieber einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin habe, dass ihm das egal sei, nur bitte kein «es», diese Reaktionen? Er ist dafür verantwortlich, dass die üblichen Verpeilten, Vollidioten und Wutbürger die sozialen Plattformen als Therapiestation missbrauchen?

Man darf also im Umkehrschluss keine Scherze mehr über Minderheiten, zum Beispiel SVP-Wähler, machen? Schon die Sendung und die Frage waren weitgehend humorbefreit. Einzig Maurer zeigte sich leicht amüsiert, mit einem solchen Nonsens angegangen zu werden. Endgültig in der völlig humorlosen Zone sind wir durch die Reaktion Baslers angelangt.

Wer von den üblichen Attacken auf sich selbst schliesst, dass auch Hass und sogar Gewalttaten auf Minderheiten geschürt werden, ist nicht nur als Satiriker ungeeignet. Nein, noch schlimmer, so jemand gehört einer Mehrheit an. Der Mehrheit der schnell eingeschnappten Dummschwätzer.

Wumms: Aleksandra Hiltmann

Wie tief kann der Tagi noch sinken?

Aleksandra Hiltmann, seit dem von ihr mitinitiierten Frauenprotest bei Tamedia unkündbar, ist schockiert. Sie würdigt auf ihre verquere Weise einen Abgang: «Auf die Frage, ob sich Noch-Bundesrat Ueli Maurer eine Frau als Nachfolgerin wünscht, antwortete er an der Medienkonferenz zu seinem Rücktritt: Es sei ihm egal, ob Mann oder Frau, «solange es kein ‹es› ist, geht es ja noch»

Diesen kleinen Scherz findet Hiltmann – wie alle Fundamentalisten und Fanatiker völlig humorlos – überhaupt nicht lustig. Sie belehrt den «Noch-Bundesrat»: «Nonbinäre Personen sind stimmberechtigt – auch wenn sie sich auf offiziellen Dokumenten als weiblich oder männlich ausweisen müssen. Warum also äussert sich Ueli Maurer derart respektlos über queere Menschen?» Damit handelt sich Maurer einen scharfen Verweis ein: «es geht schlicht nicht an, sich so über queere Menschen zu äussern.»

Aber leider beschränkt sich diese Beschränktheit nicht auf den Bundesrat: «In der Schweiz ist das Verständnis von Diversität vielerorts beschränkt. Oft reicht es gerade mal bis zu den Frauen. Aber: Eine Person of Color im Bundesrat? Oder jemand, der in der Türkei geboren wurde? Heute für viele noch undenkbar. Genauso, wenn es um lesbische, schwule, trans oder nonbinäre Menschen im Bundesrat geht.»

Schliesslich reitet Hiltmann ihre Attacke zum bitteren Ende. Die Schweiz sei dann überhaupt noch nicht so weit «mit Diversity, wie wir das als wirklich demokratische Gesellschaft sein sollten».

Quod erat demonstrandum, würde Hiltmann sagen, wenn sie Latein könnte: «Das hat die Aussage von Noch-Bundesrat Ueli Maurer auf eine äusserst direkte, verletzende und respektlose Art bewiesen.»

Was beweist Hiltmann? Dass ihr die Repräsentanz sexueller Orientierungen, von Hautfarben oder ethnischen Zugehörigkeiten wichtiger ist als Kompetenz oder Qualifikation für das höchste Regierungsamt. Absurd, verquer und unsinnig. Sie beweist zudem, dass sie voller Rechthaberei nicht davor zurückschreckt, einen Regierenden in den Senkel zu stellen und ihm den Mund zu verbieten. Seine kleiner Scherz sei «schockierend», das gehe nicht an, der Bundesrat sei äusserst verletzend und respektlos.

Um die Dame vorsichtig in die Realität zurückzuführen: So ein Gewäffel gehört sich nicht, ist überheblich, respektlos, dumm, aber nicht verletzend. Hingegen sollte die Qualitätskontrolle bei Tamedia endlich mal aus den Zwangsferien zurückkehren, bevor sich der Medienkonzern noch weiter lächerlich macht.

Wumms: Philippe Reichen

Die Skandal-Kreische schlägt wieder zu.

Philippe Reichen ist nicht der Mann für Zwischentöne. «Die Mauer des Schweigens bricht», so versuchte er sich als Trompeter von Jericho im Nachgang um den angeblichen Sexskandal um den Starmoderator Rochebin, dem ungezügelte Übergriffe vorgeworfen wurden. Natürlich anonym, natürlich verröchelte das nach einer ersten Aufregung.

Da griff Reichen weit in die Vergangenheit zurück und beklagte 2020 das Ende einer Talkshow des französischsprachigen Staatssenders TSR. Das fand allerdings bereits 2015 statt – wegen mangelndem Zuschauerinteresse. Aber kein Problem für Reichen, an angeblich fürchterliche Zustände zu erinnern:

«Die Verbliebenen arbeiteten bis zur Erschöpfung, schliefen kaum noch und hielten sich teils nur dank der Hilfe von Psychopharmaka auf den Beinen. Konflikte brachen auf. Man deckte sich gegenseitig mit Vorwürfen ein. Am Ende implodierte die Equipe. Nach 12 Wochen brach die Moderatorin wegen Erschöpfung zusammen. Sie war nicht mehr arbeitsfähig.»

Auch als Denunziant ist Reichen fleissig: «Einflussreiche Westschweizer Journalisten distanzieren sich kaum vom russischen Präsidenten. Trotz Krieg zeigen sie Verständnis für Putin.»

Unerhört; würden sich seine Westschweizer Kollegen so wie er von Putin distanzieren, der Krieg in der Ukraine wäre schon längst beendet.

Nun nimmt Reichen einen seiner Lieblingsfeinde auf die Hörner:

«Ueli, der Knecht des Milliardärs. Statt die Steuergerechtigkeit zu fördern, ging der Finanzminister auf den obersten Aufpasser der Bundesverwaltung los.»
Da distanziert sich Reichen deutlich von seinem Finanzminister, der aber einfach seines Amtes waltete. Denn es gab eine Beschwerde eines pauschalbesteuerten Milliardärs, der sich vom Direktor der Eidgenössischen Finanzkontrolle in der Öffentlichkeit kujoniert sah und sich deshalb per Anwalt an den Bundesrat als Aufsichtsbehörde wandte. Wohlgemerkt alles legale Aktionen in einer funktionierenden Demokratie.
Ueli Maurer wagte es dann, dem Direktor ein Disziplinarverfahren in Aussicht zu stellen. Das hätte, völlig legal, klären sollen, ob an den Vorwürfen des Milliardärs was dran war oder nicht. Das hört sich bei Reichen allerdings so an: Maurer sehe sich eigentlich am liebsten als «Anwalt des kleinen Mannes». Alles Fassade: «Doch Maurer kann auch anders. Etwa sich schützend vor einen Milliardär zu werfen, wenn sich dieser durch allzu kritische Fragen zu seiner Pauschalbesteuerung bedrängt fühlt.»
Dass es ein Milliardär wagt, sich bedrängt zu fühlen und eine Untersuchung deswegen zu verlangen, Reichen kann es nicht fassen. Dass der Finanzminister das tatsächlich untersuchen will: ebenfalls unfassbar. Dass Maurer, nachdem er allen Beteiligten Gehör verschafft hatte, auf die Einleitung eines Disziplinarverfahrens verzichtete – das schützt ihn nicht vor dem Zorn des Reichen.
Etwas schwer verständlich, holperte Reichen in seinem Kommentar eine Anklage gegen Maurer zusammen, die nun überhaupt nichts mit dem hier verhandelten Fall zu tun hat. Aber direkt kann Reichen zu seinem grössten Bedauern dem Bundesrat keinen Vorwurf machen, also versucht er es indirekt: «Doch hätte Finanzminister Maurer nicht auch die Aufgabe, die allgemeine Steuergerechtigkeit zu fördern
Wieso er dieser Aufgabe nicht obliegt, wenn er einer Kritik am Verhalten eines Chefbeamten nachgeht – das bleibt das süsse Geheimnis der Skandal-Kreische. Wieso Tamedia solche faktenlose Verunglimpfung abdruckt – ebenfalls ein süsses Geheimnis. Ein Beitrag zu «Verlässlichkeit und Mehrwert», was Tamedia-Boss Pietro Supino unablässig von seinen Journalisten fordert, während er sie zum Skelett runterspart, ist das sicherlich nicht.

Wumms: Stefan Schmid

Früher hatte das «Tagblatt» noch Niveau. Heute hat es Stefan Schmid.

Als das St. Galler «Tagblatt» noch der NZZ gehörte, legte man Wert auf ein gewisses Niveau. Seit es zu CH Media gehört, amtiert zwar immer noch der gleiche Chefredaktor. Aber der ist längst zum Mann am Fenster runtergestuft; die Inhalte (ausser Lokales) kommen von der Zentralredaktion in Aarau. Das Einzige, was zur Frustbekämpfung bleibt, ist der Kommentar.

Bundesrat Ueli Maurer ist einer der Lieblingsfeinde von Schmid, und der hat sich doch tatsächlich zur SVP Ausserrhoden begeben, also ins Terrain von Schmid. Das muss der natürlich verbellen und verbeissen. Gnädig kanzelt Schmid den Bundesrat ab, denn dessen «Lageanalyse, die in den Grundzügen zwar nicht falsch» sei, «in der Substanz aber keineswegs in Einklang mit der Aussenpolitik des Bundesrats ist». Logische Folgerung: dann ist die Aussenpolitik des Bundesrats in den Grundlagen und in der Substanz falsch. Aber Schmid und Logik, wahrscheinlich bei Geburt getrennt.

Ginge es nach Schmid, «Maurer wäre seinen Posten im Kabinett wohl längst los». Leider geht es aber nirgendwo mehr nach Schmid, obwohl der doch die ganze Welt ordnen könnte. Maurer sehe im Ukrainekrieg nur einen «Stellvertreterkrieg», wo es doch in Wirklichkeit «ein gefährlicher Angriff auf eine europäische Ordnung» sei, «der im Kern auch einen Kleinstaat wie die Schweiz bedroht».

Wie steht es denn um die guten Dienste des Kleinstaats, nach Schmid? «Es scheint, vorsichtig formuliert, naiv, dem skrupellosen Zyniker Putin ein Schutzmachtmandat in der Ukraine anzubieten. Das gab diesem bloss die Gelegenheit, der Schweiz genüsslich einen vermeintlichen Neutralitätsbruch wegen der Übernahme der EU-Sanktionen vorzuhalten.»

Frechheit aber auch von Putin, die folgsame Übernahme ohne Prüfung von EU-Sanktionen ist doch kein Neutralitätsbruch. Überhaupt: «Schutzmachtmandate, also die Vertretung konsularischer Interessen anderer Staaten, sind wie andere gute Dienste schön und nett.» Aber eigentlich «von untergeordneter Bedeutung», urteilt Weltenkenner Schmid wegwerfend.

Vergesst Russland, rät er, denn: «Die Schweiz muss sich stattdessen im Grundsatz neu positionieren. Der Elefant im Raum ist der Umgang mit China.» Diesen Elefanten meint nur Schmid zu sehen, daher hat er noch weitere Ratschläge parat: «Neutralität gegenüber autokratischen Herrschern ist weder in unserem Interesse, noch liegt sie realpolitisch drin.»  Hurra, wir haben eine Neudefinition der Schweizer Neutralität. Erfunden von Schmid.

Zum Schluss hat er einen geschmackvollen Vorschlag auf Lager: «Ja, wir werden auch den Chinesen den Finger zeigen müssen.»

Wie gut, dass niemand auf Schmid hört und der so unbedeutend ist, dass man ihm nicht mal den Stinkfinger zeigen mag.

Wumms: Marko Kovic

Alle, alle sind noch da …

Immerhin, mit dieser Selbstbeschreibung hat der Gesinnungsschwurbler Kovic recht:

Leider versucht er aber auch, über Unwichtiges oder Falsches nachzudenken: «Die Regierung der Schweiz hielt vor Kurzem mit viel Tamtam eine «Ukraine Recovery»- Konferenz ab. Dieselbe Regierung verbietet nun, dass Schweizer Krankenhäuser Verwundete aus der Ukraine pflegen. So viel zur humanitären Tradition der Schweiz.» Und so viel zur Auffassungsgabe des selbsternannten Soziologen und Journalisten. Herrlich, wie er mit Schnellschüssen meist das eigene Knie trifft.

Oder den eigenen Fuss:

«Tamedia spinnt Alain Bersets Sportflieger-Panne zu einem Skandal – und fordert Bersets Rücktritt. Als sich z.B. Bundesrat Maurer mit den extremistischen «Freiheitstrychlern» solidarisierte, gab es seitens Tamedia keine Rücktrittsforderungen. Interessanter moralischer Kompass

Tamedia forderte tatsächlich nicht direkt einen Rücktritt, watschte aber den SVP-Bundesrat so ab: «Doch das Überstreifen des Hirtenhemds ist nicht nur egoistisch – es ist auch verantwortungslos. … Und das ist das Problematische an Maurers Geste: Sie kann im gegenwärtigen Klima der Empörung leicht missverstanden werden. Als Aufforderung, den passiven Widerstand aufzugeben und zur Tat zu schreiten. Maurer nimmt das mit seiner Zündelei in Kauf.»

Eine hyperventilierende Jacqueline Büchi legte dann noch nach: «Ein Regierungsmitglied darf in einem derart aufgeladenen Umfeld nicht zündeln. Und die Gesamtregierung muss Haltung zeigen und den Brandstifter in die Schranken weisen. Sonst riskiert sie ihre eigene Glaubwürdigkeit – und den Frieden im Land.»

Aber da Kovic auch mit einem Geständnis glänzt, dass er sich zu Themen äussert, über die er als Wissenschaftler nicht mal grundlegende Untersuchungen  gelesen hat, sehen wir ihm auch diese Dummheit nach.

Maurer, der Sitzenbleiber

Auch der «Blick» kann’s nicht fassen. Was wagt unser Bundesrat?

In Washington trafen sich die Finanzminister und Notenbankchefs der G-20, also der wichtigsten Industrienationen der Welt. Zu denen gehört nun leider auch Russland. Als daher dessen Vertreter Anton Siluanow zwar nur virtuell, aber immerhin zugeschaltet wurde, setzten die Politiker ein Zeichen. Ganze zehn Damen und Herren erhoben sich aus den Sesseln und verliessen den Sitzungssaal. Die kanadische Finanzministerin Chrystia Freeland postete auf Twitter das Beweisfoto:

Unter den mutigen Boykotteuren waren auch US-Finanzministerin Janet Jellen oder die Präsidentin der EZB Christine Lagarde. Die möchte offenbar nicht im gleichen Raum wie der Vertreter eines kriminellen Unrechtsregimes sein. Was von hoher Empfindlichkeit zeugt, weil sie selbst wegen «Fahrlässigkeit» im Amt verurteilt wurde. Allerdings verzichtete man angesichts ihrer «Persönlichkeit» auf eine Strafe. Ungefähr so geht es auch in Putins Unrechtsreich zu und her.

Putzig auch die Begründung der kanadischen Ministerin:

«Russia should not be participating or included in these meetings», meint sie. Weil es laut ihr wohl nicht die Aufgabe eines solchen Treffens sein könnte, mit Verhandlungen oder zumindest Gesprächen Lösungsmöglichkeiten zu ventilieren.

Das Allerschlimmste kommt erst:

Hatte er wieder mal «kä Luscht»? Wollte er sich etwa als Putin-Versteher outen? War er dann ganz alleine im Saal? Aber nein, es war ja nur eine Minderheit, die ein Zeichen setzen wollte. Auch der deutsche Finanzminister Lindner blieb sitzen – wie die Mehrheit der Versammelten. So will das auf jeden Fall CH Media beobachtet haben. Nun äussert sich das Finanzministerium nicht zu diesem «Boykott des Boykotts». Auch dort muss es jede Menge Putin-Versteher geben, das Aussenministerium EDA behauptet sogar, «dass die Schweiz grundsätzlich «keine Politik des leeren Stuhls» praktiziere»», zitiert «Blick».

Es darf gelacht werden: Satire, hilf!

Die Welt als Wahnvorstellung. Schwarz auf Weiss ist vorbei. Heute gilt Brilletragen.

Man muss in Szenarien denken. Das ist mindestens so wichtig wie Resilienz zeigen. Oder eine zunehmende Spaltung der Gesellschaft beklagen. Oder sich über Diskriminierung, Ausgrenzung und männerbeherrschte Sprache beschweren.

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Aber vor allem sind Szenarien wichtig. Da gibt es zurzeit eigentlich nur eines, in mehreren Varianten.

Aufgehetzt durch abgefeimte Demagogen, die unsere Meinungsfreiheit missbrauchen, formiert sich eine gewaltbereite Gruppe von Staatsfeinden und Regierungsgegnern. Sie sind undemokratisch, unpatriotisch, unschweizerisch.

Perfiderweise benützen aber ihre Einpeitscher Urschweizer Symbole. Dazu gehört die Schweizerfahne, das Edelweiss – und die Treichel. Als sogenannte «Freiheitstrychler» verkleidete Krawallanten marschieren bei wahren Saubannerzügen vorneweg und peitschen die Massen auf. Neuerdings, als müsste das Unschweizerische noch betont werden, sind auch Dudelsackbläser dabei. Als ob der Dudelsack irgend etwas mit der Eidgenossenschaft zu tun hätte.

Dazu erschallen Rufe nach «Freiheit», als ob nicht alle diese Heuchler wüssten, dass das Wort Freiheit in der Geschichte schwer missbraucht wurde und vor ihm nur gewarnt werden kann. Die Jahrhundertverbrecher Adolf Hitler und Josef Stalin verwendeten es nämlich auch, und wo das hinführte, weiss man ja.

Denn diese Rufer wollen gar keine Freiheit, im Gegenteil sie wollen etwas Totalitäres. Sie akzeptieren nur ihre eigene Meinung und halten alle anderen für bescheuert, für Covidioten, für folgsame Lämmer, für Schafe, die nichts dagegen haben, sich scheren, bzw. impfen zu lassen.

Es ist in Wirklichkeit noch viel schlimmer

Aber eigentlich ist’s noch schlimmer. Treicheln, Rufe nach Freiheit, dann wird aber auch noch der Name «Ueli» skandiert. Sollte dieser Ueli der neue Führer sein, wird bald einmal «heil Ueli» gerufen werden? Oder «Moll Maurer»? Wird dieser Ueli den ersten Schweizer Reichsparteitag einberufen? Stimmen die Gerüchte, dass ein Grashalm das Symbol dieser Bewegung sein soll?

Ist gar zu befürchten, dass im totalitären System der Ueli-Anhänger bald einmal die ersten Umerziehungslager, Gulags, in der Schweiz eingerichtet werden?

Wie könnte es dazu kommen? Die ersten Versuche wurden ja schon gemacht. Verwunderlich, dass niemandem von den Kommentatoren, die weit in die Geschichte und die grossen Verbrechen zurückgriffen, die Parallelen zum Bürgerbräu-Putsch auffiel. 1923, also vor fast hundert Jahren, marschierten da auch aufgeputschte Bürger zur Münchner Feldherrenhalle; ihr Ziel war der Sturz der deutschen Reichsregierung und die Errichtung einer Diktatur à la Mussolini.

Das scheiterte zwar, aber es sollte doch als Menetekel dienen. Denn war es nicht so, dass auch in Bern aufgeputschte Massen zum Bundeshaus zogen? War es nicht so, dass der «Sturm aufs Bundeshaus» nur in höchster Not verhindert werden konnte? War es nicht so, dass bereits einige Schrauben der Absperrgitter gelockert waren, die ersten Umstürzler bereits damit begannen, am Zaun zu rütteln oder ihn gar mit Fusstritten zu malträtieren? Wäre nicht rechtzeitig ein Wasserwerfer aufgetankt und Tränengas bereitgestellt worden, wo hätte das geendet? Wie im US-Kapitol?

Es ist noch schlimmer als 1918

Immer wieder wird da und dort in den seichten Untiefen des Internets zu Widerstand, gar zu Kampf, zur Entscheidungsschlacht aufgerufen. Da muss man sich schon fragen: Wieso wurde noch nicht der Notstand erklärt? Was ist mit einer Generalmobilmachung? Erinnert sich niemand mehr an den Generalstreik von 1918 in der Schweiz?

Dabei ist es diesmal womöglich noch schlimmer. Denn ein Feind sitzt sogar im Bundesrat selbst. In unserer Landesregierung. Und was machen seine Kollegen? Diese Frage muss man in aller Deutlichkeit stellen. Gut, der Gesundheitsminister ist mit anderen Dingen ausgelastet. Covid, Kultur, Kulturförderung, vierhändig Klavierspielen, da bleibt nicht viel Zeit für anderes.

Aber was ist mit der Verteidigungsministerin? War es wirklich eine gute Idee, dieses Amt einer Frau anzuvertrauen? Fehlt es ihr vielleicht an der nötigen Härte, um Zündler und Zeusler Ueli in die Schranken zu weisen, in den Senkel zu stellen, ihn zu warnen, dass er den Frieden im Land gefährde?

Eine Krise in der Krise

So ist es immer, wenn sowieso schon Krise herrscht. Eine unvorhersehbare Krise sogar. Denn wissen wir, wie es mit der Pandemie weitergeht? Kommt die vierte Welle, wie die einen behaupten, oder sind wir über den Berg, wie andere sagen? Sind die Intensivstationen an ihrer Leistungsgrenze oder nicht? Bricht das Gesundheitssystem demnächst zusammen, werden sich Leichen vor den Spitaleingängen stapeln, wird es zu herzerreissenden Szenen in Spitälern kommen, wo überforderte Ärzte Triage machen müssen, also entscheiden, wer leben darf und wer sterben muss?

Kann man noch guten Gewissens sich nicht freiwillig impfen lassen?

Alle diese Fragen wälzen doch die Medien ständig vor sich hin und her. Warnen unablässig, vergleichen, kritisieren, beschuldigen, beklagen ein gewaltbereites Klima, einen Zerfall der öffentlichen Debattenkultur. Und das alles und ausschliesslich wegen Treichlern, Hetzern, Freiheit-Rufern und eben dem Ueli.

Wann nur, wann wird endlich gefordert, dass mit aller Härte, mit allen Mitteln, ohne falsche Rücksichten durchgegriffen wird? Remedur geschaffen, aufgeräumt, in den Senkel gestellt. Das ist doch überfällig.

 

Ein Chefredaktor sieht rot

Oder braun-rot. Gieri Cavelty, gebeutelter Chef des SoBli (Lachappelle) rempelt Bundesrat Maurer an. Gibt’s diesmal die rote Karte?

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Die Höchststrafe hat Cavelty eigentlich schon kassiert. Am Sonntag beschwerte sich der SoBli lautstark über angeblich unanständiges Verhalten des damaligen VR-Präsidenten von Raiffeisen.

Am Montag durfte er – mitsamt der feixenden Öffentlichkeit – im «Blick» eine Entschuldigung des Ringier-Verlags dafür lesen mit der Ankündigung, dass dieser Artikel restlos aus allen Archiven gespült sei und man so etwas nie mehr tun wolle.

Zur allgemeinen Verwunderung blieb Cavelty auf seinem Sessel sitzen. Aber vielleicht reicht es diesmal für einen Abflug. Denn er will sich mit der Generallinie seines Hauses gut stellen und gleichzeitig kräftig nachtreten: «Die Bewegung der Impfgegner zeigt totalitäre Züge», behauptet er in seinem aktuellen Editorial.

Dafür nimmt er den ganz groben Hammer hervor. Denn die «radikalen Impfgegner» missbrauchten einen Begriff, dem wie keinem anderen in «den letzten 200 Jahren derart viel Gewalt widerfahren» sei: der Begriff «Freiheit». In den Beispielen greift er weit in die Geschichte zurück und ganz tief nach unten. So habe die NSDAP 1935 den «Parteitag der Freiheit» gefeiert. Dabei seien hier die Nürnberger Rassegesetze verkündet und die deutschen Juden ihrer bürgerlichen Freiheiten beraubt worden.

Fast noch schlimmer: «Der sowjetische Diktator Josef Stalin beschwor in seinen Reden die «Freiheit der Arbeiter und Bauern»», donnert Cavelty.

Bei den Nazis war allerdings die «Befreiung» von den Bestimmungen des Versailler Vertrags gemeint, und dass der sowjetische Diktator auch nur einmal von deren Freiheit gesprochen haben soll, dafür gibt es keinen Beleg.

Reichsparteitag der Impfgegner?

Offensichtlich beschlich dann Cavelty selbst leiser Zweifel, ob das statthaft sei: «Aber ist es nicht mehr als übertrieben, die paar Tausend radikalen Impfgegner in einem Atemzug mit den finstersten Gestalten der Geschichte zu nennen?»

Nun, die Jahrhundertverbrecher sollen nur illustrieren, dass jemand, der das Wort Freiheit verwende, «noch lange nicht ihr Fürsprecher» sei. Dafür hätte es wohl nicht den demagogischen Zusammenhang mit Hitler-Faschismus und Stalin-Diktatur gebraucht, aber item. Er sei halt erlaubt: «Doch gerade im Hinblick auf ihr Handeln darf sich man bei den radikalen Impfgegnern nichts vormachen. Die Bewegung zeigt erschreckend aggressive und totalitäre Tendenzen.» Solchen Ansprüchen der deutschen Syntax beugt sich Cavelty allerdings nicht.

Gab’s denn schon einen Reichsparteitag der Impfgegner, machen sie Anstalten, Millionen von Menschen zu liquidieren, wie das Stalin tat? Noch nicht, aber das kann vielleicht noch werden, denn: «In den Vorzimmern mancher Bundesräte stapeln sich Drohbriefe, praktisch täglich erhalten sie einschüchternde Anrufe und E-Mails.»

Es gibt auch in der Schweiz immer einen Bodensatz von Verwirrten und Amoks, die ihren Frust ablassen, indem sie anonyme Beschimpfungen oder Drohungen ausstossen. Widerwärtig, aber nichts Neues. Mindestens so widerwärtig ist es, das alleine den Kritikern der Massnahmen zur Pandemiebekämpfung in die Schuhe zu schieben.

Natürlich gibt es auch unter ihnen Verwirrte und Verblendete. Aber die Gewerkschaften und die SP haben es sich zu recht verbeten, dass man ihnen die Taten des Schwarzen Blocks in die Schuhe geschoben hätte, der jeweils nach den 1.-Mai-Demos Saubannerzüge durch Zürich mit beeindruckendem Sachschaden durchführte.

Hemmungslose Anbiederung der SVP

Aber damit bereitet Cavelty nur seinen eigentlichen Schlag vor:

«Hinzu kommt, dass sich die grösste Partei des Landes der Bewegung hemmungslos anbiedert.»

Wie äussert sich diese Hemmungslosigkeit? Bundesrat Maurer schlüpfte doch tatsächlich in ein T-Shirt der «Freiheitstrychler», «einer jener Organisationen, die bei den Demonstrationen der radikalen Impfgegner den Ton angeben», weiss Cavelty. Diese Bezeichnung würden sich wohl 99 Prozent aller Teilnehmer an solchen Manifestationen verbitten, aber auch damit ist Cavelty nur unterwegs zu seinem vermeintlichen Blattschuss.

Denn Maurer hielt auch noch eine Rede, die Cavelty so zusammenfasst: Die Menschen müssten sich «wehren gegen den Mainstream und gegen die Moral», sagte Maurer.

Er verbreitete bei dieser Gelegenheit gleich noch den Unsinn, die Covid-Impfung mache Frauen unfruchtbar.

Mit derlei Darbietungen bestätigt dieser Meister der Doppelzüngigkeit die radikalen Impfgegner in ihrer Haltung und er befeuert sie in ihrem Tun.»

Damit nähert sich Cavelty dem Schluss, dem Höhepunkt und der Climax seines Kommentars. Der verdient es, vollumfänglich zitiert zu werden:

«Unser Rechtsstaat gibt jedermann die Freiheit, Unfug zu erzählen und insbesondere dem Wort Freiheit noch mehr Gewalt anzutun. Ebenso aber gehört es in einem funktionierenden Rechtsstaat zur Aufgabe der Medien, den totalitären Charakter einer Bewegung zu benennen – sowie die Gefahren, die davon ausgehen. Nicht weniger deutlich müssen die Medien darauf hinweisen, dass Politiker wie Ueli Maurer unmittelbar die Verantwortung dafür tragen, wenn das Misstrauen gegenüber unseren Institutionen stärker wird.»

Das nennt man allerdings einen klassischen Schuss ins eigene Knie und in den Fuss zugleich. Cavelty will Bundesrat Maurer unterstellen, der trage die Verantwortung für zunehmendes Misstrauen in Institutionen. Währenddessen es die Aufgabe der Medien sei, aufrecht vor Gefahren zu warnen.

Schön gegeben, nur leider falsch …

Dieses schöne Selbstbildnis hat leider nur zwei Fehler. Denn von dieser Rede, blöd gelaufen für Cavelty, gibt es eine Aufzeichnung. Aus der geht eindeutig hervor, wie jedermann nachprüfen kann, dass Maurer einen solchen Unsinn NICHT gesagt oder verbreitet hat (ab Minute 11.25).

Alleine das ist schon hochnotpeinlich. Aufgrund von Drohungen von ein paar Verwirrten auf den totalitären Charakter «einer Bewegung» zu verweisen und sie mit Hitler oder Stalin zu vergleichen, ist geradezu widerwärtig. Einem Bundesrat etwas in den Mund zu legen, das er nicht gesagt hat, ist für einen Chefredaktor unverzeihlich. In einem ähnlichen Fall musste schon der damalige Chef der «SonntagsZeitung» den Hut nehmen, obwohl er selbst gar kein Falschzitat verwendet hatte. Aber einer seiner Redaktoren.

Schliesslich muss man Cavelty darauf hinweisen, dass solche demagogischen Falschbehauptungen das Misstrauen in die Medien ganz deutlich steigern. Um eine weitere Erosion des sowieso schon angeschlagenen Images zu vermeiden, kann es nur eine Konsequenz geben.

Untauglicher Verteidigungsversuch des Mediensprechers

Cavelty lies den «Mediensprecher der Blick-Gruppe» an seiner Statt antworten. Maurer berichte «von einer Zusammenkunft mit fünf jungen Frauen, die ihm von ihrer Angst erzählen, aufgrund der Impfung «keine Kinder bekommen» zu können. Er widerspricht diesen Bedenken nicht und stellt nichts klar, sondern verweist vielmehr darauf, dass es sich um «gescheite, gut ausgebildete Frauen» handelt.» Wie steht es um den Respekt vor dem Konjunktiv eins? Statt seinen Respekt für alle, die sich impfen lassen, und für alle, die das nicht tun, auszudrücken, hätte der Bundesrat widersprechen sollen?

«So unterstreicht er die vermeintliche Glaubwürdigkeit ihrer Aussage und verbreitet so das von Impfskeptikern in die Welt gesetzte Gerücht, dass eine Impfung Frauen unfruchtbar mache.» Zum Mitschreiben: Maurer referierte eine Begegnung und betonte das Bildungsniveau der Frauen. Er verbreitet damit weder ein Gerücht, noch unterstreicht er die Glaubwürdigkeit einer Aussage. Er referiert als Anekdote diese Begegnung. Wie viele Ringier-Journis braucht es, um diesen Unterschied zu verstehen?

Wie kann nur ein zurechnungsfähiger Fachmann einen solchen Unsinn erzählen: «Es gibt bisher wenige Daten bei jungen Frauen, weil die meisten Frauen nicht so schwer erkranken. Die Studie aus Wuhan zeigt jedoch, dass bei den Frauen mit ganz schweren Infektionsverläufen eine spätere Einschränkung der ovariellen Reserve vorliegt.» Wer verbreitet denn da solche Gerüchte? Hoppla, das tut die von SRF interviewte Abteilungsleiterin für Jugendgynäkologie des Unispitals Zürich. Eine Fachärztin! Am Unispital! Unterstreicht mit dem Wort «Studie» noch die vermeintliche Glaubwürdigkeit dieser Aussage! Ein Fall für Cavelty!

«Zu einer Richtigstellung sehen wir keinen Anlass», fügt his master’s voice noch hinzu. Immerhin: damit bringt er das ganze Elend der «Blick»-Gruppe auf den Punkt.

Der Tagi und das Treicheln

Normalerweise machen Kuhglocken Kühe wahnsinnig. Kann aber auch bei Journis passieren.

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Ueli Maurer, also unser Ueli, kann verschiedene Grassorten am Geschmack erkennen. Das kann nicht jeder Bundesrat. Maurer ist durchaus volkstümlich und volksnah. Das möchte jeder Bundesrat, die meisten kriegen’s aber nicht hin.

Nun geschah Unerhörtes, aber Fotografiertes. Maurer hat an einem Anlass teilgenommen. Das «Megafon» der «Reitschule Bern» hat’s gemerkt und sofort einen Tweet gebastelt. Genau, das sind die, die es lustig finden, den Kopf einer missliebigen Journalistin in eine Hinrichtungsszene zu mechen.

Die kollegialen Kollegen der Reitschule.

Diesmal legen sie aber Wert auf die Feststellung, so als bekannte Fälscher: «Ja, das Bild ist echt.» Ob die neben Maurer abgebildeten Personen mit der Veröffentlichung einverstanden sind, das kümmert die Schützer von Personenrechten allerdings einen Scheiss. Denn es geht – natürlich – um die gute Sache.

Also um die Denunziation einer schlechten Sache. Denn die Staatskundler wissen auch: «Nein, das ist nicht mit dem Kollegialitätsprinzip vereinbar.» Bis hierher ist’s eine weitere pseudo-satirische Veranstaltung, lustig für wenige.

Tamedia gibt Vollgas

Richtig brüllend komisch wird’s aber, seit Tamedia, immer auf einschlägigen Plattformen unterwegs, das Foto erspäht hat. Das gab vielleicht ein Hallo, wie seit dem Protestbrief gequälter Tamedia-Frauen nicht mehr.

Grosse Krisensitzung, volles Programm, alle guten Kräfte an Bord, die Gelegenheit für die krankgeschrumpfte Rumpfredaktion, mal wieder zu zeigen, was Einsatz ist. Berichterstattung, Nachzug, Kommentar, «the works», wie Journis zu sagen pflegen. Denn es ist ein Skandal, wie Journis schnell japsen.

«Umstrittene Aktion: «Maurer sägt an der Glaubwürdigkeit der Schweizer Corona-Politik»», dazu ein fäustelnder Kommentar: «Ueli, der Zündler» von einem Redaktor, der sich an den Titel eines Romans erinnert. Plus, wo gefuchtelt wird, darf Zeusler Andreas Tobler nicht fehlen: «Dialog oder gezielte Provokation: Ueli Maurer posiert mit radikalem Impfgegner». Das ist übrigens der gleiche Tobler, der «Roger Köppel tötet. Tötet Köppel Roger» für eine verzeihliche theatralische Überhöhung hält. Oder sich der Leichenfledderei am Soziologen und Philosophen Michel Foucault schuldig macht.

Bei Tamedia benützt sie eher ein Dienstbote denn ein Meister …

Christian Zürcher weiss, was er der Staatsmilliarde und seinem Arbeitgeber schuldig ist:

«… nicht nur egoistisch – es ist auch verantwortungslos. … Hasseskalation. … Seine Bundesratskollegen bewegen sich heute nur noch mit erhöhtem Polizeischutz in der Öffentlichkeit.»

Der letzte Satz ist an demagogischer Perfidie schwer zu überbieten. Denn er impliziert, dass Maurer dazu einen Beitrag leiste – und selbst keinen Polizeischutz brauche, weil er ja bei denen verkehre, die sich «gern am Rande des Legalen» bewegen, wie die Freiheitstreichler eben, diese Kuhglocken-Anarchisten, diese militanten Staatsgegner, diese gewaltbereiten Hooligans, von deren Konfliktpotenzial sich jeder friedliebende Reitschule-Sympathisant mehrere Scheiben abschneiden könnte.

Aufruf zur Gewalt?

Tamedia mit Alarmsirene gegen Kuhglocken

Deshalb muss Zürcher nicht die Kuhglocke, aber die Alarmsirene betätigen: «Die Aktion des Finanzministers ist nicht nur ein Protest gegen den Bundesrat. Sie ist auch gefährlich, gerade im aufgeheizten Klima dieser Tage.»

Das zeigt sich insbesondere, wie Tobler weiss, indem sich Maurer doch erfrechte, sich neben einem furchterregenden «ultra-radikalen Massnahmen-Kritiker» ablichten zu lassen. Diese Schreckensgestalt trete auf sozialen Medien als «Attila der Kluge» auf, hat Tobler knallhart recherchiert. «Auf seinen Kanälen teilt «Attila der Kluge» täglich Fake News zur Impfung», erschreckt sich Tobler.

Noch schlimmer:

«So forderte jemand in seinem Chat, einen Molotowcocktail auf einen Impfbus zu werfen. Das Votum blieb auf Telegram unwidersprochen.»

Wir schauen hier in gewaltbereite Abgründe. Insgesamt vier Tamedia-Fachkräfte haben den Beweis geführt.

Treicheln – Maurer – Hemd – Foto – Moltowcocktail.

Dagegen ist doch ein lustiger Theatermord an Roger Köppel Pipifax. Tobler, der Frauenversteher und Heuchler, senkt mal wieder das Niveau bei Tamedia ab, und das ist gar nicht so einfach.

Treiben Journis zum Wahnsinn: die «Freiheitstrychler».

Kürzlich wurde ZACKBUM beim Einkaufen von einem unglaublichen Lärm angelockt. Auf einer Grünanlage fand tatsächlich eine Demonstration von Massnahmenskeptikern statt. Ein bunter Haufen, darunter ein kleiner schwarzer Block mit einer Anarcho-Fahne. Friedlich vereint mit eben diesen «Freiheitstrychlern», die einen Riesenkrach veranstalteten.

Seither wundert sich ZACKBUM, wieso es nicht häufiger Fälle von durchdrehenden Kühen gibt, die durch das ewige Geläute wahnsinnig geworden sind. Aber Tamedia und Tobler beweisen, dass solche Anfälle auch ohne treicheln möglich sind.

 

Ex-Press XXXII

Blüten aus dem Mediensumpf.

 

Quo vadis, nau.ch?

Das Newsportal macht es allen, die gerne eine saubere Einordnung haben, nicht leicht. Das sind leider nicht allzu wenige, deren Weltbild ungefähr so aussieht: Wer meiner Meinung ist, darf die auch frei äussern. Wer nicht meiner Meinung ist, sollte die Schnauze halten. Denn ich bin für Meinungsfreiheit, aber nicht so.

Man könnte fast von absichtlicher Provokation sprechen, als nau.ch dem bekannten Amok Réda el Arbi die Möglichkeit gab, in einer Kolumne auf alles einzudreschen, was nicht links von ihm steht. Da musste er dann, wie vorher schon in anderen Organen, in eher kurzer Zeit aus dem Verkehr gezogen werden.

Er hatte alle Grenzen des Anstands und wohl auch des Strafgesetzbuchs überschritten, als er über die corona-kritsche Organisation «Mass-Voll» herzog. Sein Lieblingsausdruck dafür: «Rattenfängerbande».

Das war’s mal wieder für ihn. Alle nau.ch-Leser, die sich Sorgen machten, ob die Plattform eine scharfe Linkskurve fahre, konnten sich beruhigen. Dann gab nau.ch aber dem so wüst beschimpften Verein «Mass-Voll» die Möglichkeit zur Replik. Wie es sich eigentlich in einer neutralen Plattform gehört.

Aber weil das sonst kaum einer mehr macht, geriet nau.ch plötzlich unter strengen Rechtsradikalismus-Verdacht. Von schlimmeren Befürchtungen ganz zu schweigen. Dieses Gekeife ist ausgestanden, aber was sehen wir aktuell, wenn wir die Webseite anklicken?

Wen sehen wir denn da in 2 von 5 Meldungen?

Damit kann man nau.ch mal wieder die Maske vom Gesicht reissen. Oben links (!) der SVP-Nationalrat und Besitzer, Verleger sowie Chefredaktor der «Weltwoche». Roger Köppels Videoblog, um den die Meinungsfreiheit im oben geschilderten Sinn schätzende Bürger einen weiten Bogen machen, wird hier tatsächlich vorgeführt. Verdachtsmoment eins.

Unten rechts (!) die Intervention von Bundesrat Ueli Maurer an einer SVP-Delegiertenversammlung. Einfach berichtet, was er da gesagt hat. Unglaublich, das wäre den Qualitätmedien aus dem Hause Tamedia oder Ringier nie passiert. Der Verdacht verdichtet sich.

Gibt es noch mehr Beweise? Ha, diesen hier:

Reine Tarnung: diese Meldung von nau.ch.

Wieso das ein klares Indiz für die rechtsnationale Haltung von nau.ch ist? Na, wie alle subversiven Unterwanderer hängt sich nau. ch natürlich auch ein Feigenblatt vor die finsteren Absichten. Die da wären? Ähm, also, nun ja, die Weltherrschaft? Dass in der Schweiz das Virus ignoriert wird? Schwer zu sagen.

Aber für einen letzten lauten Lacher sorgte Réda el Arbi mit seiner Abschiedskolumne. Da schreibt er doch ohne rot zu werden: «Natürlich werde ich weiter die Fahne der Wissenschaft und der Empathie hochhalten, einfach auf anderen Kanälen.» Da freuen wir uns schon drauf, dass er noch mehr Empathie zeigt wie bei seiner Teilnahme an der Sofa-Demo #no-irgendwas.

«Weil ich die wenigen asozialen Schreihälse satt habe», fasste er auf Twitter seine Empathie für besorgte Staatsbürger in bewegende Worte. Die hatten zwar an einer bewilligten Demo teilgenommen, aber, das geht gar nicht, vertraten dabei nicht die einzig richtige Meinung auf der Welt. Natürlich seine.

 

Widerstand ist zwecklos: hier kommt «watson»

Nein, keine Widerrede, wir haben unser Publikum lange genug geschont, heute ist volle Härte angesagt. Fangen wir mal mit dem hier an:

Würden wir hier nicht unter Gelächter & Satire laufen lassen.

Lustig? Natürlich ist das lustig:

Wer gerne über Behinderte lacht …

Geht’s noch lustiger? Sicher, zumindest wir haben schallend gelacht:

Beim Tagi gäb’s keine Kritik. Es ist eine Autorin …

Nein, wir kriegten uns nicht über diesen Text kaum ein, sondern darüber, dass die Autorin noch dümmer ist, als «watson» normalerweise erlaubt. Oder aber, das wäre ein Entschuldigungsgrund, sie ist farbenblind. «LYOUVE»? Nein, Dummerchen, einfach die roten und blauen Buchstaben separat lesen. Also ich würde auch nein sagen, wenn das eine nicht kapiert.

Wo bleibt die Kompetenz, ohne Blabla?

Wollen wir «watson» noch eine Chance geben? Doch, wir hoffen auf die Intelligenzbestie Philipp Loepfe. Und hier ist er schon: «Was zum Teufel ist mit der CS los?» Eine berechtigte Frage, die allerdings schon von allen beantwortet wurde. Aber noch nicht von Loepfe. Wohlan: Finanzspezialist L. identifiziert problemlos den «Hedge Fund Archegos» als eine der zwei Wurzeln des Übels bei der CS. Hedge Fund sei aber «hoch gegriffen, bei Archegos handelt es sich um ein sogenanntes Family Office, eine Art private Vermögensverwaltung».

Der Laie mag sich fragen, was am Begriff Hedge Fund hochgegriffen sein mag und wieso ein Family Office nicht wie ein Hedge Fund agieren kann. Aber eben, so sind Laien, kapieren nix. L. kapiert’s aber auch nicht: «Archegos Capital ist ein amerikanischer Hedge Fund.» Öhm. Aber lassen wir das.

Was zum Teufel ist nun passiert? «CS-Investmentbanker betätigten sich als  sogenannte «prime broker» für seine Geschäfte.» Bis den Besitzer des Hedge Fund, also des Family Office, ach, Mist, also dieses Dings die «verpönten «margin calls» erreichten, will heissen, er musste Geld nachschiessen, um seine Geschäfte abzusichern». Na, «prime broker» versteht offenbar jeder, hingegen «margin calls» kaum einer nach dieser Erklärung.

Kommt halt davon, wenn sich dieser Family Fund nicht vom Finanz-Guru L. beraten lässt. Der sieht nämlich immer die grossen Linien hinter dem Lärm des Tages: «In der jüngeren Vergangenheit gibt es zwei Skandale, welche die Finanzwelt in ihren Grundfesten erschütterten: der Zusammenbruch des Hedge Funds LTCM und Enron.»

Ist die Vergangenheit zu jung oder Loepfe zu alt?

Die Investmentgesellschaft LTCM brach 1998 zusammen, der Energiekonzern Enron implodierte 2001 nach beeindruckenden Bilanzfälschungen.

Allerdings: wenn das für L. die «jüngere Vergangenheit» sein soll, was wäre dann für ihn die Finanzkrise eins von 2008, die Eurokrise danach? Oder die Griechenland-Krise? Oder die Target2-Krise? Die müssten allesamt eigentlich noch gar nicht geboren sein, so jung-jüngst wären die.

Nach diesem Irrlauf durch Zeit, Geld und Welt kommt L. wieder zur CS zurück: «Langsam müssen wir uns wirklich Sorgen um die traditionsreiche Grossbank machen.» Langsam? Nein, ganz schnell müssen wir uns Sorgen um den wissensarmen Herrn L. machen. Und um seine Leser.