Beiträge

Abfalleimer Twitter

Elon Musk marschierte mit einem Waschbecken ins Headquarter.

Man kann nicht von einer Liebesheirat sprechen. Obwohl Musk den Preis für gewaltig überteuert hält, sah er sich angesichts turmhoher Vertragsstrafen und Schadenersatzforderungen gezwungen, Twitter zu kaufen.

Als erste Amtshandlung feuerte er gleich mal die halbe Führungsriege. Wegen seiner Ankündigung, auch Ex-Präsident Trump wieder den Zugang zu Twitter zu erlauben, raunt es durch die Medien, dass da ein neuer, hetzerischer, populistischer Transmissionsriemen für üble Meinungen, Diskriminierung, Hass und so weiter entstehen könne.

Musk hingegen hat angekündigt, dass er zwar Anhänger von Redefreiheit sei, Twitter aber säubern wolle. Denn während sich viele darauf konzentrieren, Tod und Teufel in den Personen Trump und Musk heranreifen zu sehen, finden mehr oder minder aktuell diese gepflegten Diskurse auf Twitter statt:

Regula Stämpfli kriegt sich nicht ein, dass der Presserat die Beschwerden von Jolanda Spiess-Hegglin abgelehnt hat. Dabei muss sie noch einflechten, – Majestätsbeleidigung – der «TX -Group Chef hat mich blockiert». Weil ihr das noch nicht kreischig genug ist, behauptet sie noch, «Die verlorene Ehre der Katharina Blum» sei «ein Klacks im Vergleich der Macht gegen JSH».

Soweit sich dieses wackelige Deutsch verstehen lässt, will sie offenbar einen Vergleich zum Buch des Literaturnobelpreisträgers Heinrich Böll ziehen, das der in den dunkelsten Zeiten des deutschen Herbsts geschrieben hat. Gut, dass Böll das nicht mehr erleben muss, und wir versuchen Stämpfli zu Gute zu halten, dass sie das Buch wohl weder gelesen noch verstanden hat.

Eine weitere Sumpfblase:

Wenn’s richtig peinlich-unappetitlich wird, ist Marko Kovic nicht weit. Der Wegwerf-Soziologe keift ungebremst: «Das ist schlicht ungefilterter, entmenschlichender Hass.» Himmels willen, hat hier jemand die Auslöschung einer ganzen Bevölkerungsgruppe gefordert? Massenerschiessungen? Deportationen? Ach was, die SVP hat mal wieder ein wenig auf die Kacke gehauen. Und Kovic schmeisst damit zurück.

Aller schlechten Dinge sind drei:

Als wollte Fabian Eberhard beweisen, dass Kurt W. Zimmermann mit seiner ironischen Kritik völlig richtig liegt, dass der «Recherche-Chef» vom «SonntagsBlick» statt zu recherchieren überall Nazis wittert, vollbringt Eberhard auch hier seinen üblichen Dreisprung zwischen eher zusammenhangslosen Ereignissen. Die da wären: ein paar Verpeilte haben eine Gender-Veranstaltung belästigt. Die SVP fordert, dass solche Veranstaltungen nicht mehr durchgeführt werden sollen.

Konklusion à la Antifa-Eberhard: «Die grösste Partei des Landes als Erfüllungsgehilfin von Neonazis». Wer so die Realität zusammenklebt, hat sich als «Recherche-Chef« restlos disqualifiziert.

Das sind nur drei Beispiele unter Tausenden, zu welchem Abfalleimer Twitter verkommen ist, wie dort geholzt, gerempelt, gekeift, gehetzt und Sinnbefreites dargeboten wird.

Man darf gespannt sein, ob es Musk gelingt, diesen Sumpf auszutrocknen. ZACKBUM hat seine Zweifel angesichts dieser massiven Ballung von unappetitlichen Inhalten.

Als Zugabe noch eine Schmonzette. Da erscheint in der «WeWo» ein nicht gezeichneter Beitrag über die neusten Troubles im Verein von Jolanda Spiess-Hegglin. Aber die Autorin kann sich nicht zurückhalten und outet sich auf Twitter.

Daraufhin wird Joyce Küngaka Rabanna Winnetou») wegen ein paar Fehlern in ihrer Meldung kritisiert, was sie nicht auf sich sitzen lassen kann:

Worauf sie gleich nochmal eingetopft wird:

Es ist eben verwirrlich, wenn im Abfalleimer Twitter über die Ereignisse in einem anderen, nun ja, Gefäss berichtet wird …

Griff ins Klo

Was Donald Trump so alles unter sich lässt.

Zugegeben, ein Sympathieträger ist Ex-Präsident Donald Trump wahrlich nicht. Von der abenteuerlichen Fönfrisur über die quietschorange Gesichtsfarbe zu den viel zu kleinen Händen, dazu das makellose Gebiss und der Schnullermund: es gibt genügend Äusserlichkeiten, über die man sich lustig machen kann. Vom Inhalt des Anzugs und von dem, was unter der Frisur vorgeht, ganz zu schweigen.

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

Aber das hier hat nun nicht mal Trump verdient:

Das sollen angeblich Originalfotos von Toiletten des Weissen Hauses sein. Plötzlich wird es laut im stillen Örtchen. Denn in ihnen sind einwandfrei Papierschnitzel zu erkennen. Es ist nicht unüblich, dass man sich nach der Benutzung einer Toilette mit Papier versäubert. Allerdings fehlen hier, man muss nun leider ins Unappetitliche hinein, entsprechende Spuren.

Es soll sich zudem um Geheimdokumente handeln, die Trump zerrissen und ins Klo geschmissen habe. Man erkennt auch deutlich einen Namen rechts auf dem Schnipsel, der hier aber nicht genannt wird, um keinen Geheimnisverrat zu begehen.

Allerdings muss man sich doch fragen, ob selbst ein Choleriker wie Trump auf die tolle Idee käme, Papier, zudem Geheimakten, auf diese Weise entsorgen zu wollen. Es gibt wohl wenig Orte auf der Welt, wo dermassen viele Papierwölfe herumstehen wie im Weissen Haus. Oder sollten sie den letzten Budgetkürzungen zum Opfer gefallen sein?

ZACKBUM empfiehlt daher die Anschaffung dieses Aktenvernichters:

Entspricht laut Hersteller der Sicherheitsstufe P-4, zerkleinert «via Partikelschnitt sowohl längs als auch quer», und das Beste: kostet CHF 185.67. Für die Lieferung in die USA würden wohl noch Transportkosten anfallen, aber das könnte ja auch ein US-Militärflieger gratis übernehmen.

Es ist allerdings erstaunlich – sollte es sich tatsächlich um eine Original-Toilette des Weissen Hauses handeln –, welch primitiver Standard dort herrscht. Wohl noch nie etwas vom Closomat gehört:

Mit Sprühdusche und Luftfön für hygienische Popo-Reinigung. Und für ältere Herren (auch Damen) gibt es noch dieses Modell:

Das ist doch ein Sitzkomfort, wie ihn Präsidenten lieben. Es gibt allerdings noch ein schlagendes Argument, wieso es nicht um das Klo von Trump handeln kann. Denn sein schlechter Geschmack in jeder Beziehung ist ja weltweit bekannt. Deshalb sieht sein Klo – wir veröffentlichen hier weltexklusiv einen Einblick in sein intimstes Örtchen – so aus:

Auch hier lässt die Ausstattung ein wenig zu wünschen übrig, aber dafür ist das Teil aus purem Gold und daher würdig, den allerhöchsten Allerwertesten zu empfangen. Es ist auch eher unwahrscheinlich, dass die Papierrolle rechts im Bild von Trump gelegentlich durch Papierschnitzel ersetzt wird. Also mal wieder alles Fake News, wie Trump zu sagen pflegt, alternative Wahrheiten.

Fakten und Fiktion

Fake News vom Auslandchef des Tagi.

Das Ausland ist bekanntlich der gegendarstellungsfreie Raum. Selten wurde das so schamlos ausgenützt wie in einem Kommentar des Auslandchefs des Tamedia-Qualitätskonzerns:

Das sind 4428 Anschläge gegen Faktentreue und Tatsachen. Nun könnte man einwenden, dass ein Kommentar ja nicht unbedingt die Wirklichkeit abbilden sollte. Im Falle Taiwans plapperte Christof Münger längst gemachte Feststellungen nach, weil er zuvor wohl seine wohlverdienten Ferien genoss. Hier nimmt er es mit der Realität nicht genau.

Ebenso wenig mit der Logik, was er schon mit dem ersten Satz unter Beweis stellt: «Die amerikanische Demokratie ist angeschlagen. Das jüngste Anzeichen dafür ist die Razzia in Donald Trump Schloss Mar-a-Lago im US-Bundesstaat Florida.» Dem stellt er am Schluss die Feststellung entgegen: «Der FBI-Einsatz ist deshalb ein Lebenszeichen des amerikanischen Rechtsstaats.» Des angeschlagenen, wohlgemerkt. Und wie man diese geschmacklose Ansammlung von Anwesen Schloss nennen kann …

Den Anlass für die Razzia beschreibt Münger kurvenreich; Trump zitierend behauptet er: «Nur in einem «kaputten Land der Dritten Welt» ist denkbar, dass ein abtretender Staatschef vertrauliche Dokumente mit nach Hause nimmt.» Um sich gleich einzubremsen: «Trumps mutmassliches Fehlverhalten – auch für ihn gilt die Unschuldsvermutung – erinnert tatsächlich an Autokraten in Afrika.» Während die Verwendung der Unschuldsvermutung durch Münger eigentlich an nichts erinnert.

Das aber sind alles sozusagen noch lässliche Sünden. Nun setzt Münger aber zu einem faktenfreien Loblied auf das FBI an: «Die traditionsreiche US-Behörde gilt als unbestechlich, unparteiisch und vor allem unpolitisch.» War da nicht mal was mit E-Mails der ehemaligen Präsidentschaftskandidaten Clinton? Aber Schlamm drüber, wieso soll sich ein Auslandchef an frühere Politskandale des FBI erinnern.

Aber einmal in Fahrt, schreibt Münger weiter Geschichte um: «Noch stärker an ein «kaputtes Drittweltland» erinnern bereits der Sturm aufs Capitol und der nur knapp abgewendete Putschversuch des abgewählten US-Präsidenten am 6. Januar 2021.» Diese Schande war zwar für die US-Demokratie peinlich, aber ein «knapp abgewendeter Putschversuch» war das in keiner Weise.

Nun schäumen natürlich Trump-Anhänger und auch Exponenten der republikanischen Partei gegen diese Razzia, hinter der sie den Versuch vermuten, Trump von einer weiteren Kandidatur abzuhalten. Was ausserhalb von Drittweltländern ihr gutes, demokratisches Recht ist. Das ihnen aber Münger absprechen möchte: «Drohende soziale Unruhen und sogar politische Gewalt nehmen sie in Kauf.»

Nach diesem wilden Ritt durch ein Paralleluniversum setzt Münger mit seiner Schlusspointe noch dem Fass die Krone auf: «Angesichts dieser Gefahr auf die Hausdurchsuchung in Mar-a-Lago zu verzichten, wäre jedoch einer Kapitulation vor Trump und seiner antidemokratischen Bewegung gleichgekommen

Ausser Münger sieht eigentlich niemand eine drohende Gefahr von politischer Gewalt, oder meint er, Trump würde nun erneut zu einem «Putschversuch» ansetzen? Und wieso hätte das FBI vor einer «antidemokratischen Bewegung kapitulieren» sollen? Wir werden sicherlich noch erfahren, ob es genügend Anlass für diese Aktion gab. Denn der Eingriff in die Privatsphäre eines Bürgers, ob Präsident oder Strassenreiniger, ist im angelsächsischen Raum mit hohen Hürden bewehrt.

Zuerst Sendepause, dann zwei Knall-Kommentare hintereinander; vielleicht wäre es wirklich besser, das Ausland vollständig der «Süddeutschen» zu überlassen. Deren Kommentare sind zwar auch nicht besser, aber dann kommen sie wenigstens aus dem Ausland …

 

 

Blöd-«Blick»-TV

Journalisten interviewen Journalisten. Wie verzweifelt muss man sein?

«Blick» hätte theoretisch eine USA-Korrespondentin. Eine Anfängerin, die weit weg vom Geschehen in San Diego lebt. Dann hat «Blick» noch den «USA-Kenner» Peter Hossli. Der war ein paar Mal auf der anderen Seite des Teichs, das reicht schliesslich. Ausserdem steht er inzwischen auf der Gehaltsliste von Ringier, also muss er ran, wenn er rangepfiffen wird.

Aber das lässt sich noch toppen. In der Herzensangelegenheit von CEO Marc Walder interviewte die Moderatorin doch tatsächlich – eine CNN-Journalistin. Die stand Ortszeit um 6 Uhr morgens vor dem Club, den Donald Trump als seinen Hauptwohnsitz benutzt und der vor Kurzem vom FBI durchsucht worden war.

Nun hat selbst eine CNN-Reporterin zu dieser frühen Morgenstunde eigentlich nichts zu tun, wieso nicht ein paar Extramäuse machen, indem man sich von «the big Swiss TV Station» oder so interviewen lässt. Neues wusste die CNN-Dame nicht zu vermitteln, aber wieso auch Neues bringen, es heisst doch «Blick TV», nicht «News TV».

Also durfte nochmals durchgekaut werden, dass doch tatsächlich Agenten in den Wohnsitz von Trump eindrangen, dort anscheinend Dokumente sicherstellten. Dagegen gab es ein paar Proteste, aber auch befürwortende Stimmen. Das alles hat jeder schon mitbekommen, der in den letzten Stunden News hörte.

Eigentlich gibt es selbst im Elendsjournalismus wenig, das verpönter ist als sich selbst interviewende Journalisten. Aber wenn man schon eine hübsche Stange bezahlt, um das Videomaterial von CNN verwenden zu dürfen, dann kriegt man auch noch ein Extra draufgelegt. Wobei die Amis sicherlich zuerst erstaunt fragten: «You want what? But there’s no news at the moment.» Seither dürfte bei CNN die Rede von «crazy Swiss» sein, «perhaps they eat too much chocolate over there» könnte ein Erklärungsversuch sein.

Wumms: Frank Urbaniok

Ein Psychiater im Kriegsmodus.

Zuletzt hatten Ferndiagnosen bei Donald Trump Hochkonjunktur. Viele Psychiater legten den damaligen US-Präsidenten auf die Couch und förderten Bedenkliches aus seiner Psyche hervor. Die Welt hat ihn überlebt.

Nun leidet der forensische Psychiater Frank Urbaniok an ADS. An einer speziellen Form des Aufmerksamkeitsdefizit-Syndroms. 2018 trat er krankheitsbedingt nach 21 Jahren von seiner Position als Chefarzt des Psychiatrisch-Psychologischen Dienstes des Kantons Zürich zurück. In dieser Position war er ein häufiger Gast in der Öffentlichkeit; sozusagen der Experte der Wahl für alle psychiatrischen Fragen.

Hier ist’s wenigstens lustig …

Nun tritt er im Fachorgan für forensische Fragen auf, in «Blick TV». Dort wird er zu einer Ferndiagnose über den Geisteszustand von Präsident Putin befragt. Natürlich hat er seine Analyse zur Hand: Putin sei eine «kaltblütig manipulative Persönlichkeit», dazu «skrupellos». Solche «Psychopathen» hätten keine Hemmschwellen, ihr Handeln sei ausgerichtet nach reinem Nutzen, sie «können lügen, wie es andere nicht können».

Bis hierhin ist es eigentlich die Beschreibung eines Typus von Politiker, der überall vorkommt. Bei Putin komme noch hinzu, dass er «Angst und Schwäche» rieche, daher sei militärische Stärke etwas Wesentliches, man müsse ihm gegenüber «verteidigungsfähig sein», diagnostiziert Urbaniok.

Dann wird er ganz grundsätzlich:

«Manchmal muss man bereit sein, zu sterben, um leben zu können

Nun haben wir bekanntlich einen Doktortitel, sind aber nicht als Psychiater ausgebildet. Daher wagen wir nur in aller Vorsicht die Ferndiagnose, dass jemand, der einen solchen Nonsens-Satz von sich gibt, vielleicht selbst Hilfe braucht. Natürlich räumen wir ein, dass unsere Interpretation von ADS nicht mit der in Lehrbüchern übereinstimmt. Aber man kann doch nicht nur selbst unaufmerksam sein, sondern auch darunter leiden, dass man nicht die Aufmerksamkeit bekommt, die man gewohnt ist oder braucht.

In diesem Sinne meinen wir hier einen Patienten vor uns zu haben. Vielleicht könnte das als Morbus Urbaniok in die Medizingeschichte eingehen.

Wumms: Philipp Löpfe

Der Mann ist verwirrt. ZACKBUM ist besorgt.

Löpfe eiert durch die Geschichte und erinnert an Ungarn 1956 und Tschechoslowakei 1968: «Damals waren Linke und Rechte vereint, ein paar Alt-Stalinisten bei der völlig irrelevanten kommunistischen Partei PDA ausgenommen. Doch bald eroberten die Konservativen die Hoheit über den Luftraum der Debatte. Wer es wagte, die Schweiz zu kritisieren, bekam postwendend das Angebot für ein Ticket nach «Moskau einfach».»

Mit PDA meint er übrigens PdA, die Partei der Arbeit.

Hä?

Diesmal hielten sich «die Linken» allerdings zurück, währenddessen: «Die Rechtspopulisten hingegen gehen in die Offensive und küssen Putins Ring

Hä?

«Seit Jahrzehnten singen SVP und «Weltwoche» aus dem gleichen Gesangsbuch wie die amerikanischen Republikaner und Fox News. So kopierten Blocher und seine Mannen einst den «Vertrag mit Amerika» und Köppel versucht sich täglich mit mässigem Erfolg als Tucker-Carlson-Kopie

Hä?

«Dass Putin seine Rede in grossen Teilen von Hitler abgeschrieben hat, der vor dem Einmarsch in die Tschechoslowakei praktisch identisch argumentiert hat, dürfte Trump kaum bekannt sein.»

Hä?

«Wahrscheinlich heissen nicht alle SVP-Mitglieder Köppels peinlichen Kniefall vor dem russischen Präsidenten gut. Doch vorläufig kann Putin einen wichtigen Sieg an der Propaganda-Front verbuchen

Hä?

Sicher, man darf «watson» eigentlich nur bei seinen Listicals einigermassen ernst nehmen. Aber hier überschreitet Löpfe eindeutig die Grenze zur Verwirrtheit und erobert ein Gebiet des Nonsens nach dem anderen. Oder ist das sein Beitrag zu den närrischen Tagen?

Ex-Press XIX

Blasen aus dem Mediensumpf.

Werfen wir zunächst einen Blick auf ein gutes Stück Qualitätsjournalismus aus dem Hause Tamedia:

Interessen der deutschen Sprache in Untergewichtung.

Da muss man wie beim Schneeräumen geordnet vorgehen, um die Fehlersammlung vollständig wegzuräumen.

Fangen wir mit dem Einfachen an: Saudi-Arabien schreibt man so. Macht nix, ist ja auch irgend so ein Morgenland, und Pilatus ist im Fall richtig geschrieben.

Das gilt dann aber nicht für «Heraushaltung». Man ahnt zwar, was damit gemeint ist, aber leider existiert das Wort nicht. Obwohl es eine Lieblingsmarotte des Beamtendeutschs ist, alles, was nicht schnell genug davonläuft, zu substantivieren.

War’s das? Nein, bei so vielen Buchstaben kann man doch auch inhaltliche Fehler nicht vermeiden: «Welche Interessen sind höher zu gewichten …, oder Arbeitsplätze und der Technologiestandort Schweiz?» Da möchte man gerne wissen, welche Interessen denn Arbeitsplätze artikulieren, vom Technologiestandort ganz zu schweigen. Und durch die gewählte Form des Satzes kann der Hersteller vermeiden, die entscheidende Auskunft zu geben: wer gewichtet denn diese Interessen? Das Bundesverwaltungsgericht? Der Autor? Wir?

Man muss schon sagen: So wenig Wörter, so viele Fehler. Da weiss man doch wieder, wieso sich Geldausgeben für eine Zeitung lohnt.

Ein Wirtschaftschef im roten Bereich

Die Rechtschreibung hat hingegen Peter Burkhardt (oder der Korrektor der SonntagsZeitung, wenn es ihn noch gibt) im Griff. Der Wirtschaftschef des Hauses Tamedia ist normalerweise ein konzilianter Mensch, eher auf Ausgleich statt Konflikt bedacht.

Aber tiefe Wasser schlagen hohe Wellen, wenn sie mal aufgewühlt sind. So verwandelt Burkhardt das Editorial der aktuellen SoZ, den Leitartikel, in einen Leidartikel. In eine Schimpfkanonade ungekannten Ausmasses. Den ersten Pflock schlägt er bereits im Titel ein: «Die Schweiz – ein Opfer rechtsbürgerlicher Ideologie».

Solche Töne ist man sonst von der WoZ gewohnt. Auch in der Fortsetzung wirft Burkhardt nicht mit Schneebällen, sondern setzt seinen revolutionären Durchmarsch fort, es wird scharf geschossen. Mit einer klassischen Nummer. Zuerst lobt er Finanzminister Ueli Maurer. Der habe «vieles richtig gemacht», die Staatsfinanzen in Ordnung gehalten, bravo. Nur: «vor der Corona-Krise.»

Seither gilt: «Jetzt, in der Not, macht Maurer vieles falsch.» Warum? Weil Burkhardt etwas hat, was Maurer fehlt: «der Blick fürs grosse Ganze.» Was übersieht Maurer da? Bei der Bekämpfung der Pandemie brauche es «scharfe Massnahmen», weiss Pandemiologe B. Plus «grosszügige, rasche Geldspritzen», ergänzt der Wirtschaftskenner.

Denn, so die glasklare Logik, zunächst können wir uns das leisten. Geringe Staatsverschuldung, Negativzinsen, eine Pleitewelle «wegen unterlassener Hilfeleistung» sei dann im Fall noch schlimmer.

Nach Anlauf im Volldampf-Modus

Soweit aufgewärmter, kalter Kaffee von vorgestern. Aber bis hierher hat Burkhardt nur seine Betriebstemperatur erreicht und den Druck im Kessel erhöht. Nun lässt er aber richtig Dampf ab: «Die Schweiz ist in Geiselhaft rechtsbürgerlicher Ideologien.» Ausgerechnet die «Wirtschaftsparteien» FDP und SVP «gefährden damit die Wirtschaft». Das führt Burkhardt dann zu Volldampf am Schluss: «Wer behauptet, unser Land könne sich konsequente Massnahmen nicht leisten, setzt nicht nur den Wohlstand aufs Spiel – sondern nimmt letztlich Tote in Kauf.»

Aber hallo, FDP und SVP gehen über Leichen? Rechtsbürgerliche Ideologie will die Wirtschaft abwürgen, nimmt auch tote Eidgenossen hin? FDP und SVP als Totengräber des Kapitalismus? Wahnsinn. Wir sind allerdings verwirrt. Lautete der Vorwurf bislang nicht, dass wirtschaftsfreundliche Parteien Geld und Wirtschaft höher gewichten als Leben und Gesundheit?

Fehlt Maurer wirklich der Blick fürs grosse Ganze, wenn er – als einziger Bundesrat – darauf hinweist, dass hier Entscheidungen übers Knie gebrochen werden, die Auswirkungen für die nächsten 15 Jahre haben?

Money for free – jetzt auch von Wirtschaftschefs gefordert

Ist Burkhardt in seinem Zorn wirklich entfallen, dass Schuldenmachen, vor allem für Staaten, tatsächlich kinderleicht ist, dass aber konsumiertes Geld einfach weg ist, keine Wertschöpfung schafft, einfach Ersatz ist für vorher betriebene Produktion? Meint Wirtschaftschef Burkhardt wirklich, man könne eine Schraubenfabrik ins Koma versetzen, die Belegschaft nach Hause schicken, all das mit Hilfsgeld zuschütten, und das sei problemlos und zukunftsträchtig?

Money for free, das ist der uralte, feuchte Traum der Etatisten, der Gläubiger eines allmächtigen Staats mit tiefen Taschen. Das ist diese «kann sich doch die reiche Schweiz leisten»-Haltung. Dass so etwas von SP-Genossen propagiert wird, deren einziger Kontakt zur Wertschöpfung, zur Wirtschaft darin besteht, vom warmgefurzten Funktionärssessel aus gute Ratschläge zu erteilen, ist zumindest logisch.

Aber der Wirtschaftschef eines der beiden Duopolmedien der Schweiz? Fehlt nur noch, dass er eine Sondersolidaritätsabgabe von den Reichen fordert, denn die haben’s ja. Er hingegen hat wirklich nicht mehr alle Tassen im Schrank.

 

Jedem sein eigener «Experte»

Was die «Weltwoche» mit ihren irgendwo ausgegrabenen «Experten» kann, die noch ein nettes Wort zu Trump sagen, kann der SoBli erst recht. Nachdem nun wirklich von allen alles über den Abgang Trumps gesagt wurde, es bis zum nächsten Höhepunkt, der Amtseinführung, noch etwas hin ist, was tun?

Glücklicherweise sind die USA gross genug, dass man immer einen Spezialisten für alles findet. SoBli proudly presents: Eric Ward. DEN Extremismus-Experten, den verdienstvollen Mitarbeiter einer Bürgerrechts-NGO. Mehr Informationen über ihn zu finden, ist etwas schwierig, er hat im Internet nur wenige Spuren hinterlassen. Aber was soll’s, der richtige Gesprächspartner für die Frage, wie’s denn mit Trumps Partei weitergehen soll. Ward als alter Hase weiss natürlich, dass es bei solchen Interviews vor allem um ein titelfähiges Quote geht, und das liefert er: «Der Bürgerkrieg in der Republikanischen Partei hat begonnen». Um das zu merken, muss man allerdings Extremismus-Experte sein.

 

Noch ein Experte für alles und noch viel mehr

Ein anderer Experte für eigentlich alles und noch mehr kommt trotz fortgeschrittenem Alter in geradezu jugendliche Lockerheit und wagt den Kolumnen-Titel: «Huaweia». Dann drischt Frank A. Meyer mit ungestümer Energie auf den chinesischen IT-Konzern Huawei ein. Wunderbar, muss mal gesagt sein. Kleines Problem: Er stützt sich dabei auf eine weitere Grossreportage der «Republik». Mal wieder 41’000 Buchstaben brauchte die Plattform, um im Verbund mit anderen grosse Schweinereien eines grossen Konzerns aufzudecken.

Leicht unverständliche Illustration: Screenshot «Republik».

Auch wunderbar. Nur: bislang ist die «Republik» mit solchen «Enthüllungen» regelmässig auf die Schnauze gefallen. Mit ihren Vorwürfen gegen die ETH Zürich, mit ihren Verleumdungen gegen den Kita-Betreiber Globegarden als jüngste Beispiele. Das liegt meistens daran, dass die «Republik» konsequent mit anonymen (oder «anonymisierten», wie sie zu sagen pflegt) Informanten arbeitet. Deren Motivation, der Wahrheitsgehalt ihrer Aussagen sind für Redaktion und Leser nicht erkennbar. Da es sich fast immer um ehemalige Mitarbeiter handelt, muss ein weiteres Fragezeichen hinter ihre Wahrheitsliebe gesetzt werden.

Deshalb hat auch bei Globegarden eine externe und umfangreiche Untersuchung ergeben, dass kein einziger der Vorwürfe, die die «Republik» erhoben hatte, verifiziert werden konnte. Keiner, null, nada. Dass hingegen einige Vorwürfe nicht überprüft werden konnten, weil ausser der anonymen Aussage keine weiteren Angaben vorhanden waren.

Von wem möchte man gerne abgehört werden?

Das ist im Fall Huawei natürlich etwas anders. Ein Riesenkonzern aus China mit undurchsichtiger Besitzerstruktur, ihm wird Staatsnähe und mögliche Spionage oder Aushorchung im Dienst des chinesischen Regimes nachgesagt.

Die Betonung liegt auf nachgesagt; belastbare Beweise fehlen bis heute. In erster Linie schimpfen die USA über Huawei und verbieten ihm, als Mitbewerber bei IT-Projekten aufzutreten. Verständlich, denn Huawei ist vor allem bei 5G seinen Mitbewerbern meilenweit voraus. Er bietet die Infrastruktur stabiler, besser und billiger an als die US-Konzerne.

Für den Nutzer kann man es sicher so sehen: Ob seine Kommunikation von der NSA oder von China abgehört wird – oder von beiden –, kann ihm eigentlich egal sein.

Nun verwendet die «Republik» auch hier wieder ihr vermeintlich bewährtes Prinzip. Es gibt als Zeugen für das Innenleben von Huawei Joe, Sam und Ana. Richtig, die heissen nicht so, wollen auch nicht erkannt werden. Aber dienen als Kronzeugen der Kritik an Huawei. Plus «einen ehemaligen Mitarbeiter von Huawei treffen wir in London».

Das soll à la «Spiegel» Weltläufigkeit ausdrücken, Detailtreue: «Die kanadischen Beamten stecken Mengs Huawei-Telefon, ihr iPhone, ein roségoldenes iPad und ein rosafarbenes Macbook in Sicherheits­taschen, die jeden Versuch, sie aus der Ferne zu löschen, unmöglich machen.»

So beschreibt die «Republik» die Verhaftung der Finanzchefin von Huawei, der Tochter des inzwischen milliardenschweren Firmengründers in Kanada. Im Gegensatz zu Relotius beim «Spiegel» räumt die «Republik» immerhin ein, das von «Wired» abgeschrieben zu haben. Dann muss es ja stimmen.

 

Garniert mit dem üblichen «Republik»-Gedöns

Garniert werden diese anonymen Beschuldigungen mit dem üblichen «Republik»-Gemüse. Anschuldigungen, Dementis, Vorwürfe, von Huawei bestritten. Aber das gibt natürlich den Geräuschteppich für die These: Huawei ist ein ganz übler Ausbeuter. Ein wunderbares Beispiel: Dem «Recherche-Netzwerk» ist eine Excel-Tabelle in die Hände gefallen, in der die Arbeitszeiten von europäischen Mitarbeitern eingetragen sind. Könne man nicht meckern, räumt die «Republik» ein, auf dem Papier sehe alles ordentlich und gesetzeskonform aus.

Wer ahnt das Aber? Natürlich, anonyme Ex-Mitarbeiter behaupten, in Wirklichkeit werden die Arbeitszeiten nicht eingehalten, besonders, wenn ein Grossprojekt vor dem Abschluss stünde. Dann würden sogar, unglaublich, zusätzliche Kräfte aus China eingeflogen. Das kann vielleicht der Grund dafür sein, dass Huawei im Vergleich zu seinen Mitbewerbern als ausnehmend pünktlich gilt. Wer schon einmal mit gröberen IT-Arbeiten zu tun hatte, weiss, was das wert ist.

Leider ist die «Republik» wie Antifalten-Creme

Nebenbei: Militärischer Jargon in einer Firma, die von einem Militär gegründet wurde, die eine oder andere Schweinerei gegenüber fast 200’000 Mitarbeitern: unbestritten, üblich; mit drei anonymen Zeugen und viel Geraune nicht im Ansatz als systemisch bewiesen.

Es ist Meyer zu gönnen, dass seine Lektüre der «Republik» verjüngend auf ihn wirkt. Nur: auf den Wahrheitsgehalt von deren Storys sollte er sich nicht verlassen.

 

 

Aufgefallen II (Samuel Schumacher)

Schumacher ist ein kleiner Tausendsassa. Allerdings nicht ganz sattelfest.

Zunächst eine kurze Würdigung von Mann und Werk. In seinem noch jungen Leben war Schumacher bereits Mitbegründer der Quatsch-Zeitschrift «Das Lamm», Reporter und nun Leiter Auslandredaktion bei CH Media. Da sind seine leitenden Funktionen allerdings überschaubar, bei einem weiteren Mitarbeiter.

Deshalb pumpt er sich bei Linkedin mächtig auf: «Als Auslandchef bei CH-Media koordiniere ich die Zusammenarbeit mit 40 KorrespondentInnen rund um den Globus. Dazu kommen gelegentliche Auftritte in TV-Diskussionssendungen.»

Unglaublich, dass ihm zudem nicht nur Zeit dafür bleibt, über die USA, China und den Nahen Osten zu schreiben. Ein wirkliches Multitalent, dessen wahre Fähigkeiten nur dann zu ermessen sind, wenn man weiss, dass er auch noch «als Trekking-Guide beim Wanderreise-Anbieter Imbach Reisen regelmässig zweiwöchige Touren durch China, das Königreich Bhutan und Palästina/Israel» leite.

Eine Nicht-Glosse zu einem Nicht-Thema zu einem Nicht-Moment

Wahrscheinlich braucht der Mann keinen Schlaf, denn selbst an Weihnachten rafft er sich dazu auf, sich mit einem brandaktuellen Thema zu beschäftigen, über das allerdings schon so ziemlich alles gesagt und geschrieben wurde. Aber nicht von allen, also muss sich auch ein Ausland-Chef noch zu Wort melden, mit einer «Glosse zu Donald Trump». Wahnsinn, darauf hatte die Welt so lange vergeblich gewartet.

Er will zwar seinen Mitbürgern mehr als das Parlament helfen, aber das wäre wohl eine Fake News.

Nun fangen aber seine Probleme schon beim ersten Wort an. Entweder weiss bei CH Media keiner, was eine Glosse ist, oder man hält seinen Beitrag tatsächlich für komisch oder satirisch. Der erste Satz mag da vielleicht noch durchgehen:

«Donald Trumps Unterschrift sieht ein bisschen aus wie die zittrige Aufzeichnung eines Seismographen nach einem mittelschweren Erdbeben.» Nach diesem Brüller wischen wir uns die Lachtränen aus den Augen und erwarten mehr. Das ist aber im heutigen Elendsjournalismus fast immer die falsche Einstellung. Denn es kommt nichts mehr an Glosse.

Nach starkem Anfang stark nachlassen

Sondern die übliche Latte an Vorwürfen. Trump habe doch tatsächlich 204 Executive Orders in seiner Amtszeit unterzeichnet. Damit könne er jeweils den Gesetzgebungsprozess im Parlament umgehen. Man muss allerdings sagen, dass Trump auch hier eher faul war; sein Vorgänger Obama unterzeichnete 276. Okay, der wurde auch wiedergewählt.

Aber wir wollen ja auf Glosse machen. Also pickt sich Schumacher eine «zunehmende Abstrusität» zeigende Order heraus: Die fordert, dass US-Stadtplaner zukünftig nur noch «schöne Amtsgebäude» bauen dürfen. Wer schon mal in den USA war und monströs hässliche Amtsbunker gesehen hat, kann diese Forderung durchaus verstehen.

Wer allerdings – sicherlich im Gegensatz zu Schumacher – diese Executive Order vom 18. Dezember liest, kann sich durchaus der Meinung der National Civic Art Society anschliessen. Die Non-Profit-Organisation spendet uneingeschränkt «Applaus» für diesen Versuch, Regierungsgebäude weniger Vertretern von Brutalismus oder anderen Modeströmungen zu überlassen.

Zahlreiche Begnadigungen durch Trump, aber an seinen Vorgänger kommt er bei Weitem nicht heran

Dann habe Trump auch noch «zahlreiche weitere Begnadigungen» unterschrieben. Wieso «weitere»? Hat er denn vorher Amtsgebäude begnadigt? Aber item, sein Vorgänger Obama hat an seinem letzten Amtstag noch schnell 330 Knastinsassen begnadigt, Rekord. Das waren mehr als durch seine 12 Amtsvorgänger zusammen. Plus die Reduktion von Haftstrafen bei weiteren 1715 Sträflingen während seiner Amtszeit.

Unvergessen auch die Begnadigung von Marc Rich durch Bill Clinton; der Hasardeur und Händler hatte sich vor der US-Strafjustiz in die Schweiz geflüchtet, aber mit einer kräftigen Spende gut Wetter gemacht. Also eigentlich business as usual, weder aussergewöhnlich, noch eine Glosse. Sondern reines Gewäffel. Aber, das weiss Schumacher aus seinen vielen Jahren journalistische Tätigkeit, nicht nur eine Glosse, eigentlich alles im Journalismus braucht eine Schlusspointe. Soweit richtig, aber bei einer Glosse sollte wenigstens die etwas lustig oder satirisch sein.

Trekking, Führung, Schreibe, Wirtschaft: Nichts ist vor Schumacher sicher

Auf der anderen Seite, so weit unten im Text erinnert sich Schumacher vielleicht nicht an die Kategorie, in der er angeblich schreibt. Aber er bleibt immerhin seinem Leitmotiv treu, der Unterschrift. Die verweigere Trump nämlich unter das 900-Milliarden-Hilfsprogramm, das die «gebeutelte US-Wirtschaft so dringend bräuchte», lässt Schumacher auch noch profunde ökonomische Kenntnisse aufblitzen.

Dann wagt er noch abschliessend den Blick in die Zukunft, dass Trump weiterhin seinen Stift zücken werde, um «weitere Freunde aus dem Knast zu holen und absurde Executive Orders zu unterschreiben».

Das würde man einem Volontär um die Ohren hauen

Wir finden, das ist eine Glosse, die man einem Volontär um die Ohren hauen würde, mit der Ansage: Lern erstmal, was eine Glosse ist, dann schreib eine. Aber weder die 40 Korrespondenten, verteilt über den ganzen Globus, noch sein einsamer Mitarbeiter würden es wagen, dem Auslandchef des Mitglieds des Tageszeitungsduopols CH Media anzudeuten, dass das weder eine Glosse, noch originell, noch interessant, sondern schlichtweg Schrott ist.

Daher hoffen wir, dass Schumacher mehr seine Kernkompetenz Trekking ausbaut, sich nur noch um das Redigieren von Korrespondenten-News kümmert und so dem Ausland eine kleine Chance gibt, einigermassen unbeschädigt in die Spalten von CH Media zu kommen.

 

 

Keine deutsche Wertarbeit

Eine Qualitätszeitung braucht Qualitäts-Korrespondenten. Theoretisch.

Eigentlich ist das grosse Unternehmen Tamedia in den USA mit eigenen Korrespondenten nicht schlecht bestückt. Umso erstaunlicher, dass es auch hier deutsche Dummschwätzer von der «Süddeutschen Zeitung» in die eigenen Spalten lässt.

«So sterben Demokratien», raunte Hubert Wetzel noch vor einem Monat, der grosse Analytiker der SZ (und damit auch von Tamedia) in Washington. Das ist glücklicherweise dummes Geschwätz von gestern: «Die USA sind im Grossen und Ganzen eine erfolgreiche, stabile Demokratie», säuselt er inzwischen.

Leichte Unsicherheiten zeigt aber der Tagi bei der Titelsetzung. Hiess es noch in der ersten Version «Die US-Demokratie besiegt Donald Trump – und die Republikaner», ist das Qualitätsblatt inzwischen auf den Titel der SZ eingeschwenkt: «Die Demokratie funktioniert doch». Auch die Oberzeile «Analyse» sorgte offensichtlich für so viel Gelächter, dass sie durch ein neutrales «Wahlen in den USA» ersetzt wurde.

Ein deutscher Oberlehrer erklärt den Amis die Demokratie

Es ist immer wieder erfrischend, wenn ein deutscher Oberlehrer, der neben dem Untertan in jedem Teutonen steckt, den Amis mit erhobenem Zeigefinger erklärt, wie Demokratie so geht – und wie nicht. Nur 75 Jahre, nachdem die Amis, zusammen mit der UdSSR, den Deutschen mal wieder Demokratie einbläuen mussten – wogegen sich die Reichsbürger bis zum Letzten wehrten.

Seinen übrigen unangenehmen Eigenschaften hat Wetzel eine weitere hinzugefügt: Er ist auch noch Hellseher. Denn um mit seiner «Analyse» vorne dabei zu sein, ging er Montagmittag davon aus, dass die Wahlmänner mehrheitlich für Biden gestimmt hätten – obwohl diese Formalie noch bis am Abend in vollem Gang war. Man sollte Wetzel hören, wenn Venezuelas Maduro oder Russlands Putin ohne – das sowieso schon vorher feststehende – Wahlresultat abzuwarten, es verkünden würden, bevor der Wahlprozess beendet wäre.

Aber Wetzel hat alle Hände voll zu tun, den USA zu erklären, was demokratisch geht und was nicht. So habe Trump versucht, «durch Tricks im Amt zu bleiben, die vielleicht legal waren, aber auf keinen Fall legitim». Nun ja, Trump ist mit all seinen Versuchen gescheitert, das Wahlergebnis auf dem Rechtsweg anzufechten. Das zeigt einmal mehr, dass er ein Loser, aber gleichzeitig ein schlechter Verlierer ist. Aber dass ihm ein Deutscher Bescheid stösst, was legal und was legitim sei, das hat er nicht verdient.

Crescendo gegen die Republikaner

Wetzel neigt dazu, sich zuerst warmzuschreiben, um damit ein geradezu wagnerianisches Finale con tutti einzuleiten. Da Trump ja bald Geschichte ist, konzentriert Wetzel seinen analytischen Muskel auf die Republikaner. «Schamloser Angriff auf einen Eckpfeiler der amerikanischen Demokratie, ein blanker parteipolitischer Stunt», schäumt Wetzel auf.

Dabei haben sich bloss ein paar republikanische Parlamentarier einer völlig legalen (aber wohl nicht legitimen) Klage in Texas gegen das Wahlergebnis angeschlossen. Was sowohl ihr politisches, wie auch juristisches Recht ist. Ob es schlau ist, wäre eine andere Frage.

Das führt Wetzel, mit einem Zwischenschritt, zum üblichen Crescendo am Schluss. «Demokratie überlebt nur, wenn es genügend Demokraten gibt.» Ein grossartiger Satz von einem Deutschen, in dessen jüngerer Vergangenheit es mehrfach nicht genügend Demokraten gab. Im Gegensatz zu den USA, dort ist die Tradition seit 1776 ungebrochen.

Huldigen die Republikaner einem Möchtegernautokraten?

Nun sei aber nicht mehr ganz klar, ob die «Republikaner noch eine demokratische Partei sind». Oder doch nur «ein Führerkult, der einem Möchtegernautokraten huldigt». Gut, das Wort Führer habe ich reingeschmuggelt, weil es sich Wetzel nicht zu schreiben traute.

Mal für Mal keine deutsche Wertarbeit, sondern die Wiederbelebung des hässlichen Deutschen. Rechthaberisch, überheblich, formt die Realität nach seiner Vorstellung. Als Korrespondent sollte man – dafür ist man vor Ort – dem Leser seine Umgebung verständlich machen, erklären, einordnen. Da ist Wetzel ein Vollpfosten, rausgeschmissenes Geld. Hier gäbe es bedeutendes Sparpotenzial. Zumindest, was die Belästigung durch sein Gefuchtel in Schweizer Medien betrifft.

Die Angst vor der Leere

Trump ist am Abklingen, Corona muss bewirtschaftet werden.

«Corona bringt Walliser Bestatter an ihre Grenzen», erschrickt der «Blick». Damit nicht genug: «In Genf stehen die Ambulanzen im Dauereinsatz».

Mehr als praktischer Ratgeber sieht sich «20 Minuten»: «Hilft amerikanisches Anstehen gegen Chaos am Skilift?» Apropos, «Trump kündigt grosse Klagen an», tickert der «Tages-Anzeiger», aber nur mehr mässig an diesem Thema interessiert.

Keine Fertigsaucen wegen Corona

Viel wichtiger ist ihm das Schicksal der «Corona-Kontrolleure», deren ordnende Tätigkeit in einer Reportage in Basel hautnah verfolgt wurde. Besonders am Herzen liegt dem Tagi auch das leibliche Wohl seiner Leser. Deshalb serviert er ihnen ein Interview mit dem «Gault Millau»-Chef: «Wegen Corona plötzlich Fertigsaucen servieren, das geht nicht», dekretiert Urs Heller. Nun, solange überhaupt noch Saucen gereicht werden können …

Wie meist etwas über der Sache steht die NZZ: «Die Experten drängen auf einen landesweiten Teil-Lockdown – streiten sich aber über den Zeitpunkt.» Ob diese Forderung erfüllt wird oder nicht, das erwarten alle Restaurantbesitzer und ihre Köche – mit oder ohne Fertigsauce – mit Bangen.

Der Corona-Test im Medienarchiv ergibt: An diesem Montag hat es das Wort Corona schon am Morgen auf über 1000 Treffer gebracht. Dagegen stinkt Trump mit mageren 274 gewaltig ab.

Auf der Welt ist eigentlich nicht viel los

Sonst ist wie üblich eigentlich wenig los auf der Welt. Ein Bürgerkrieg in Äthiopien, aber das ist ja in dieser Weltgegend völlig normal. Ach, und China verkündet die grösste Freihandelszone der Welt; natürlich ohne Europa oder die USA. Aber was ist das schon gegen die News von CH Media: «Wir kämpfen ums Überleben. Aarau Taxifahrer können nicht auf Unterstützung des Bundes rechnen.»

Eher unentschieden sind daher die grossen Medienhäuser mit ihren unzähligen Kopfblättern, ob sie wie immer drakonische Massnahmen im Kampf gegen die Pandemie unterstützen sollen – oder Erbarmen mit am Rande des Bankrotts stehenden Firmen haben. Für den Aargau, Stammlande von CH Media, ist das natürlich das Schicksal von Knecht Reisen.

Die «Nummer eins im Schweizer Fernreisengeschäft» beschäftigte mal an diversen Standorten über 300 Mitarbeiter. Da bekanntlich die Umsatzeinbrüche in der Reisebranche zwischen 75 und 90 Prozent liegen, muss natürlich auch der Firmeninhaber Thomas Knecht ums Überleben seines Reiseveranstalters kämpfen.

Massenentlassung oder scheibchenweise?

Was bleibt ihm anderes übrig, als Mitarbeiter zu entlassen; ein Reiseveranstalter besteht ja nur aus Büros, Computern und Mitarbeitern. Nun wird ihm aber von den selben Medien vorgeworfen, denen der nächste Lockdown nicht schnell genug und drakonisch genug sein kann, dass er mit scheibchenweisen Entlassungen eine sogenannte Massenentlassung vermeiden wolle.

Das wäre natürlich furchtbar, denn wenn in einem KMU mehr als 10 Mitarbeiter innerhalb eines Monats entlassen werden, dann ist das eine Masse. Und dann? Da muss das Unternehmen ein paar Formvorschriften mehr beachten. Also Meldung ans Arbeitsamt, Konsultation der Angestellten, Bekanntgabe der Anzahl der Entlassenen und des Zeitpunkts. Und, aber einer gewissen Grösse des Unternehmens, ein Sozialplan.

Dagegen soll laut «SonntagsZeitung» Knecht verstossen haben, indem er die Entlassungen auf die einzelnen Unternehmen seiner Holding verteilte. Was zwar völlig legal wäre, abgesehen davon, dass ihm wohl nichts anderes übrigbleibt, aber meckern am Verhalten eines Firmenbosses kommt ja immer gut.

Was gibt’s denn sonst für Themen?

Aber es gibt Lichtblicke, falls dann auch das Thema Corona so ausgelutscht ist, dass es wirklich keinen mehr interessiert. Wegbereitend ist wie immer die NZZ. Sie erfreut den Leser neben all diesen schlechten Nachrichten mit der Würdigung eines historischen Jahrestags. Ohne das geht es auch hier nicht.

Denn vor genau 80 Jahren verurteilte ein Schweizer Gericht zwei Personen zu lebenslänglich Gefängnis. Unerhört, aber das Besondere ist: Sie waren im Juni 1940 vom Deutschen Reich in die Schweiz geschickt worden, um hier Militärflugzeuge zu sabotieren. Aber die Operation «Adler» flog auf. Die Flugzeuge blieben intakt – wobei auch half, dass sie fast nie in Kampfhandlungen verwickelt wurden, bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs.