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Schlagwortarchiv für: Trump

René Zeyer

Einer sieht Tod

1. Oktober 2026/18 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Samuel Schumacher vom «Blick» mit Schüttelbecher.

Ein guter Cocktail entsteht im Shaker. Da gibt es wahre Virtuosen, die aus der Vermischung verschiedener Ingredienzien eine wahre Show machen.

Wenn allerdings Samuel Schumacher Wirklichkeitsfetzen, Behauptungen und viel, viel «buhu» zusammenmischt und durchschüttelt, entsteht ein unbekömmliches Gebräu.

Es gibt die Weltuntergangspropheten, die mit der Ansage «the end is near» die Menschen erschrecken wollen. Meistens verbunden mit der Aufforderung, den bisherigen Lebenswandel zu bereuen, einzuhalten und umzukehren, meistens auf den Weg der religiösen Erleuchtung.

Schumacher warnt vor der Gefahr aus dem Osten: «Nie war die russische Bedrohung für Europa grösser als jetzt.» Natürlich ist auch die Schweiz ein mögliches Ziel, wenn auch, Gott sei Dank, nur «theoretisch»: «Eine neue Warnung der CIA zeigt: Auch die Schweiz könnte Moskaus Drohnenterror theoretisch bald zu spüren bekommen.»

Allerdings genügt dieses Schreckensszenario Schumacher noch nicht. Am liebsten würde er sich in ein Bettlaken hüllen und erschreckende Geräusche von sich geben. Stattdessen: «Dazu kommt eine neue Trump-Enthüllung aus Belgien, die alles noch schlimmer macht.»

Schreckensbleich machen wir einen ersten Kassensturz. Atomdrohung gegen Litauen, russische Bedrohung ganz Europas, inklusive Schweiz. Drohnenterror und dann noch ein enthüllter, passiver Trump. Schlimmer kann es kaum kommen:

«der Krieg ist so nahe wie noch nie.»

Bevor wir alle im atomaren Armageddon verglühen, versuchen wir mal, das Gemisch von Schumacher zu dekonstruieren, also in seine Einzelteile zu zerlegen.

Da hätten wir einen idiotischen und schnell gelöschten Artikel der Nachrichtenagentur RIA Novosti, in dem Litauen mit einem Angriff gedroht wurde. Plus angeblich belegte 151 russische Attacken, auch von Hackern und Desinformationskampagnen werden mitgezählt. Zwischen 2022 und 2026; gezählt wird von einer absolut objektiven Quelle, von «amerikanischen Geheimdiensten». Da kommt wenigstens etwas Humor in den Schrecken.

Doch die Litauer «sind resilient wie Granit», ein kleiner Hoffnungsschimmer. Woher Schumacher das weiss? Na, «ich habe die baltische Republik mehrfach besucht».

Aber nicht einmal der Granit der Schweizer Alpen könnte im Ernstfall Schutz bieten, denn «selbst der amerikanische Auslandsgeheimdienst CIA hat jüngst die Alarmglocken schrillen lassen». Trotzdem sind nur wenige Schweizer in ihren Zivilschutzbunker geflüchtet. Dabei macht Schumacher einen «kleinen Realitätscheck»: «Ja, auch die Südschweiz (Wallis, Tessin und Graubünden) läge theoretisch in Reichweite der russischen Mittelmeerdrohnen, vor denen die CIA explizit warnt.» Man hört das Aufatmen an der Dufourstrasse in Zürich.

Das Zeugs möchte ZACKBUM auch haben, das der Mann inhaliert.

Aber damit ist das Panoptikum des Schreckens noch nicht zu Ende erzählt. Ein «internes Dokument aus dem belgischen Aussenministerium», das die «Financial Times» einsehen konnte, halte «ganz unverblümt fest, die Vereinigten Staaten seien kein Verbündeter mehr, solange Trump das Land regiere».

Es gibt noch ein kleines Zeitfenster der Hoffnung: «Solange Wladimir Putins (73) Sturmtruppen in der Ukraine beschäftigt sind, bleibt das Risiko für einen russischen Angriffsversuch auf Europa klein.» Sturmtruppen? Das wäre eine Anspielung auf die SA, wenn Schumacher historische Kenntnisse hätte.

Aber sollte der Ukrainekrieg mal zu Ende gehen, dräut Schumacher wirklich Schlimmes. Denn diese Sturmtruppen gingen nicht einfach nach Hause, sondern bräuchten neue Aufgaben, um ihr Kriegshandwerk weiter zu verrichten.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-28-um-08.32.23.png 348 670 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-10-01 05:00:372026-10-01 13:15:11Einer sieht Tod
René Zeyer

Lauter Lämpels

31. Juli 2026/7 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Tamedia ist voll von Oberlehrern. Angeführt von einer Plappertante.

Ehre, wem keine gebührt, oder zumindest Ladies first: Jessica Peppel-Schulz (oder ihr Avatar oder eine Sprechpuppe) hat dem österreichischen «Standard» ein Interview gegeben. Zwei Jahre Sabbatical, dann seit zwei Jahren CEO von Tamedia. Mancher fragt sich: wieso dieser Aufstieg? Das lässt sich nur damit erklären, dass der unkaputtbare Big Boss Pietro Supino keine Kompetenz-Konkurrenz möchte. Und da liegt die Latte ziemlich tief.

Die Frage hingegen, wo genau der Unterschied zwischen Sabbatical und Leitungsfunktion sei, zeugt von abgrundtiefem Sexismus und Misogynie, was ZACKBUM aufs schärfste verurteilt.

Peppel-Schulz verschmäht ihre eigenen Blätter und weicht nach Wien aus. Zum Einstieg versucht sie, witzig zu sein. So auf der Ebene von Arrigoni: «Als gefühlte Schweizerin tröstet mich immerhin: Wir sind bei der Fußball-WM weiter gekommen als andere. Aber im Ernst …» Im Ernst gesteht sie unbekümmert ihr Versagen: «Von vier Schweizer Franken Werbespendings gehen drei an die großen Tech-Plattformen.» So ein knackiges englisches Wort, wofür es problemlos auch ein deutsches gäbe – das macht das Bullshit Bingo des Managergequatsches aus.

Dazu gehört auch, Fake News zu verbreiten: «Unser digitales Werbegeschäft ist 2025 um 30 Prozent gewachsen – in einem Markt, der insgesamt schrumpft.» Display-Werbung ist in der Schweiz 2025 um 0,6 Prozent – gewachsen. Das hat auch damit zu tun, dass Google Änderungen an der Erfassung von Search-Werbung vorgenommen hat, sonst wäre das gemessene Wachstum noch stärker.

Das ist nur die Einleitung zum richtigen Hammer: «Aber strategisch zählt für uns nur eines: das Abonnement.» Ergänzt mit: «Wir hängen noch zu mehr als 85 Prozent von Print-Einnahmen ab.» Bei Tamedia. Bei TX stammen inzwischen zwei Drittel des Konzernumsatzes aus digitalen Geschäften.

Bei Ringier sieht es so aus, dass inzwischen 83 Prozent des operativen Gewinns aus dem Digitalgeschäft stammen. Werbung insgesamt (digital und Print) machen 82,5 Millionen des Gesamtumsatzes aus, «digitale Aktivitäten» insgesamt dagegen 459,4 Millionen. Print-Abos dürften noch für rund 130 Millionen Franken zuständig sein. Tendenz abnehmend.

Tagianer, fürchtet euch, oder sagten wir das schon? Im September läuft die Beschäftigungsgarantie für die überlebenden Journalisten ab. Und wie soll’s denn in die Zukunft gehen, mit dem einzigen Zähler Abo? Da läuft das Bullshit Bingo zu Höchstformen auf:

«Journalismus muss serviceorientierter, alltagstauglicher sein. Er muss unterschiedliche Perspektiven anbieten – «vielstimmig statt eintönig» ist der Claim unserer aktuellen Werbekampagne. Wir müssen Lokaljournalismus neu denken. Denn wenn wir die regionale, die lokale Geschichte nicht erzählen, erzählt sie niemand.»

Toll, also mehr Power ins Regionale? Jein, also eigentlich nein, aber dann doch irgendwie ja:

«Das heißt jetzt nicht, dass wir neue Regionalredaktionen eröffnen. Wir können nicht mehr in Büros denken und investieren, wir investieren in Reichweite vor Ort. Nähe zu den Menschen, das schafft Vertrauen – ergänzt um Hyperlokalität mithilfe von KI, die uns hilft, auch kleinste Gemeinden abzudecken, die wir mit klassischen Redaktionsstrukturen nie erreicht hätten.» Hä?

Und wie wirkt sich die nächste Qualitätssteigerung durch Rausschmeissen aus, wie das die journalistische Leiter nach unten Simon Bärtschi formulieren würde? «Das Medienunternehmen verändert sich dynamisch weiter. Und wer das ehrlich sagt, kann keine absoluten Garantien über die Zukunft geben. Was ich aber versprechen kann: Unser Fokus liegt klar auf Wachstum mit wirtschaftlich nachhaltigem, unabhängigem Journalismus», plappert Peppel-Schulz.

In Wirklichkeit liegt der Fokus auf penetranter Belehrung und eintöniger Rechthaberei, übernommen zu grossen Teilen aus München. Aber auch die wenigen Wortmeldungen aus dem Glashaus an der Werdstrasse kommen im Lehrer-Lämpel-Gestus daher. So schurigelt «Sportjournalist» Thomas Schifferle: «Infantino wird immer dreister – Europa muss ihn endlich stoppen». Los, marsch, Europa, tu endlich was. Damit sich Schifferle befriedigt zurücklehnen kann:

«Ach!“ spricht er, „die größte Freud
Ist doch die Zufriedenheit!“
Wilhelm Busch

Ganz anders gestimmt ist die SZ-Unke Hubert Wetzel. Er tut wieder  das Unglaubliche: «Trump tut im Ukrainekrieg doch noch das Richtige». Da wird Trump aber aufatmen und ZACKBUM fragt sich, ob das auch mit der Hitze zu tun haben könnte. Allerdings, da der Irre im Weissen Haus seine Positionen schneller wechselt als seine Bräunungscreme, kann es wieder passieren, dass Wetzel diesen hier macht:

Wer soll nun für Lämpel leiten
Seine Amtestätigkeiten
Wilhelm Busch

Die Wirklichkeit wäre dann sozusagen Max & Moritz, und die spielt Arrigoni, Supino, Peppel-Schulz, Bärtschi, Schiferle und Wetzel ständig böse Streiche. Das Sextett eint dabei eines: sie tun ihr Mögliches, den Journalismus aus dem Hause Tamedia abzuschaffen.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-30-um-12.13.25-e1785415649563.png 423 797 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-07-31 05:00:402026-07-30 14:53:37Lauter Lämpels
René Zeyer

Wenn «Blick» gar nichts einfällt

23. Juli 2026/0 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Dann interviewt er die Botschafterin Monika Schmutz Kirgöz.

Gleich zwei Fachkräfte werden für ein sehr unboulevardesk langes Interview aufgeboten. Die beiden Politik-Co-Chefs Lucien Fluri und Sven Altermatt langweilen zusammen mit der Diplomatin den «Blick»-Leser auf sagenhaften knapp 9000 A.

Schon das Titelzitat tut alles, um dem Leser an eine Werbekampagne zu erinnern: «In einer lauten Zeit bleibt die Schweiz bewusst leise».

Die «Chefin der Abteilung Mittlerer Osten und Nordafrika im Aussendepartement, nimmt im Interview mit Blick Stellung» behaupten die zwei munter. In Wirklichkeit lebt Schmutz Kirgöz der Definition von Diplomatie nach: Diplomatie ist die elegante Kunst, Tatsachen so lange zu formulieren, bis sie niemanden mehr interessieren.

Oder noch besser: Diplomatie ist die professionelle Vermeidung klarer Sätze.

Bislang hat sich die Schweiz auf dem Bürgenstock zweimal lächerlich gemacht. Oder diplomatisch ausgedrückt: «Man fühlt sich wie auf einer Achterbahn. Es geht rauf und runter. Nach dem Bürgenstock-Treffen war die Hoffnung gross.» Mutige Journalisten würden versuchen, in diese Wortwolke hineinzustechen. Aber doch nicht die beiden. Die arbeiten einfach ihren Fragenkatalog runter:

«Haben Sie noch Hoffnung auf eine baldige Lösung?» Zugegeben, eine dumme Frage verdient eine entsprechende Antwort: «Die Hoffnung hat einen Dämpfer erhalten, aber sie ist nicht gestorben.» Und wie äussert sich das? «Wir planen fest damit, dass es zu weiteren Gesprächen kommen wird.» Wow, endlich wird das schöne Wort von «gut, haben wir darüber geredet», noch gesteigert: gut, werden wir möglicherweise darüber reden.

Nun wagen die beiden knallharten Interviewer aber eine bohrende Frage: «Können Sie einen konkreten Zeitpunkt nennen?» Kann die Diplomatin nicht, aber ein knappes Nein wäre natürlich undiplomatisch:

«Die Lage verändert sich laufend.» Blabla. «Wir setzen deshalb alles daran, die Lage zu deeskalieren. Es braucht Verhandlungen. Der Dialog muss fortgesetzt werden.» Blüblü.

Dann werfen die zwei Abfrager ein heikles Stichwort in den Raum: Trump. Was sagt die Diplomatin denn zu diesem Elefanten im Porzellanladen? Watteweiches, of course: «Der US-Präsident will schnelle Deals. Sobald ein Deal steht, erwartet er auch dessen rasche Umsetzung. Dafür braucht es aber mehr: intensive Diplomatie und vor allem den Aufbau von Vertrauen. Genau dort liegt der Mehrwert der Schweiz.»

Schliesslich werden die zwei noch richtig frech, muss man ihnen lassen. Sie bringen das Thema Syrien auf: «Was solche Gespräche bringen, ist oft wenig nachvollziehbar.» Daraufhin werden sie diplomatisch zurecht gewiesen: «Weil vieles im Verborgenen stattfindet, aus guten Gründen. Das ist die klassische stille Diplomatie.»

Merke: stille Diplomatie ist, wenn gebombt und gemetzelt wird, aber am Rande des Schlachtfelds einer steht und sagt: wir könnten doch auch mal drüber reden.

Und wie sieht die Spitzendiplomatin eigentlich die Lage im Nahen Osten? Natürlich so: «Wir stehen vor einer Neuordnung des Nahen Ostens. Trotzdem bin ich vorsichtig optimistisch, dass es nicht zu einem Flächenbrand kommt.» Woraus schliesst sie das? Daraus, dass es nicht dazu kommen kann, weil er schon da ist? Aber nein. «Bemerkenswert ist auch, dass selbst der syrische Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa immer wieder betont, er wolle Frieden.» Nun, wer betont das weltweit wohl nicht? Das sagen eigentlich alle, vor allem die, die Kriege führen.

Schliesslich noch, unvermeidlich, Israel und die Kriegsverbrechen der Regierung im Gazastreifen, was sagt Schmutz Kirgöz dazu, dass die Schweiz das nicht deutlich genug verurteile? «Ich empfinde die Schweiz nicht als zurückhaltend. Wir sagen, was gesagt werden muss, und orientieren uns am Völkerrecht. Aber wir sind nicht laut.»

Wenn’s ums Empfinden geht: der «Blick»-Leser empfindet diesen gefühlt «Republik»-lange Wolkenschieberei als ungefähr so überflüssig wie die diplomatischen Bemühungen der Schweiz. Damit Schmutz Kirgöz solche Wortwolken produzieren kann, kostet sie den Steuerzahler weit über 300’000 Franken im Jahr, ohne Spesen, versteht sich. Mit dem Geld könnte man auch ein hübsches, kleines 1.-August-Feuerchen machen. Wo das noch nicht verboten ist.

 

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-21-um-08.56.10.png 593 1043 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-07-23 05:00:402026-07-21 10:25:10Wenn «Blick» gar nichts einfällt
René Zeyer

Neues aus der Manosphere

18. Juni 2026/5 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Hitzschlag bei Tamedia? Männlichkeit im Wahnsinn.

Wieder einmal wird der Mehrheit der Leser Unerquickliches serviert. Tagi-Redaktorin Sabrina Bundi will wissen: «Jeder fünfte Schweizer Mann hegt restriktiv-dominante Männlichkeitsvorstellungen». Seither fragt sich ZACKBUM, wer aus unserem Bekanntenkreis, der mehr als fünf Männer umfasst, diese Ferkel sein mögen.

Natürlich fokussiert sich der Verdacht auf Junge: «Bei 18- bis 24-Jährigen sind es sogar 31 Prozent, die zur Hochrisikogruppe zählen.»

Bundi ist einschlägig als Manosphere-Kreische bekannt und erregt sich auch darüber, dass Präsident Trump (die völlig richtige) Zahl von 72 Prozent Ausländern in Schweizer Gefängnissen verwendet hat. Die ist natürlich durch so einen kontaminiert und nicht mehr zu gebrauchen. Wir kommen darauf zurück.

Hier bezieht sie sich auf «eine neue Studie», die vom «Jacobs Center for Productive Youth Development, Universität Zürich» veranstaltet wurde. Lähmend lange 102 Seiten verwendete es darauf, zu behaupten, jeder fünfte Mann sei «beispielsweise der Meinung, dass Gewalt ein legitimes Mittel sei, dass ihm gegenüber einer Frau eine Vormachtstellung zusteht, oder dass ein echter Mann niemals Emotionen zeige».

Mitverfasser ist Markus Theunert, Co-Geschäftsleiter von männer.ch. Der Berufsbetroffene fiel schon durch unverschämtes Geplapper über die beiden #metoo-Opfer Kevin Spacey und Till Lindemann unangenehm auf. Mit einem Rechtsverständnis, das in einem Rechtsstaat eigentlich keinen Platz haben sollte. So antwortete er auf die Frage, dass mit Falschanschuldigungen hier eine Karriere ganz und eine andere teilweise zerstört wurde:

«Die Anschuldigungen erwiesen sich ja nicht als falsch, sondern in den beiden konkret untersuchten Fällen als strafrechtlich nicht genügend. Bei beiden Männern gibt es von zahlreichen Menschen ähnliche Anschuldigungen. Es ist für mich schwer vorstellbar, dass da einfach nichts dran sei.»

Hier jammert er: Er «musste kurz leer schlucken, als er die Studienresultate sah – obwohl er sie erwartet hatte: «Wir haben gefunden, was wir vermutet haben.»»

Das ist eine verräterische Aussage, denn diesen Umfragen wird zu recht vorgeworfen: Wenn beispielsweise eine Studie «toxische Männlichkeit», «Frauenfeindlichkeit» oder «Bedrohungsgefühle» untersucht, basiert dies auf Fragebögen und daraus konstruierten Indizes. Die Ergebnisse hängen deshalb stark davon ab,

  • wie Fragen formuliert werden,
  • welche Antworten zusammengefasst werden,
  • wo die Schwellenwerte gesetzt werden.

«Manosphere, misogyne Ideologie, restriktiv-dominant, diskriminierende Einstellungen», kein Kampfbegriff darf fehlen. Und natürlich auch das hier nicht: «Im Jahr 2025 starben 34 Personen wegen häuslicher Gewalt. Drei von vier waren Frauen.» Genauer waren es 23 Frauen, 5 Männer und 6 Minderjährige, was einen Frauenanteil von 67,65 Prozent ergibt. Aber Frauen und Mathematik …

Übrigens gibt es rund 4 Millionen Privathaushalte, womit die Todesquote bei 0,00085 Prozent läge, gerundet bei 0,00.

Aber was interessieren ideologische Fanatiker schon Zahlen, die nicht ihrem Weltbild entsprechen. Übrigens, etwas anderes passt da auch nicht rein. Gibt es eigentlich, wie formulieren wir das politisch korrekt, soziologische, geographische, migratorische Hintergründe zum Entstehen dieser männlichen Vorstellungen?

Nun, räusper, hüstel, Mund verzieh, in einem klitzekleinen Teil einer länglichen Aufzählung wird doch tatsächlich erwähnt, dass bei jungen Männer mit Vorstellungen dominanter Männlichkeit «ihre Väter ausserhalb der Schweiz in patriarchalen Strukturen geboren wurden».

Nein, darf man hier das Wort von Männerfantasien in patriachalisch-islamisch geprägten Kulturen verwenden? Nein, darf man sicher nicht, obwohl das natürlich eine Hauptursache ist.

Da relativiert sich doch auch gleich die Aussage, dass frauenverachtend «jeder fünfte Schweizer Mann» denke.

Denn die Aufteilung nach der Hochrisikogruppe von Männern ergibt dann blöderweise dieses Bild:

Wobei erstaunt, dass Ex-Jugoslawien der Spitzenreiter sein soll, während die Moslems aus Nordafrika & naher/mittlerer Osten lediglich zu 30 Prozent zu dieser angeblichen Gruppe von Frauendiskriminierern gehören.

Allerdings ist ein Umfragesample von ganzen 177 Teilnehmern aus Ex-Jugoslawien und 136 aus Afrika & Co. alles andere als repräsentativ. Nordamerika, Australien, Neuseeland mit 30, Subsahara-Afrika mit 40 oder Ostasien/Polynesien mit 65 Vertretern wurden hingegen «wegen zu kleiner Fallzahlen» ausgeschlossen.

Dass ganz allgemein Gewalttätigkeit einen überproportional hohen ausländischen Hintergrund hat, ist eine Tatsache. Aber die wird  von Studien-Mitautor Denis Ribeaud weggeschwurbelt: «Wichtig ist mir, in diesem Kontext festzuhalten, dass wir Herkunft nicht als Ursache verstehen, sondern als Hinweis auf unterschiedliche soziale und strukturelle Bedingungen.»

Eine Umfrage, deren Antworten das ergeben, was die Fragen insinuieren. Garniert mit allen Kampfbegriffen von Manosphäre abwärts, deren wissenschaftliche Belastbarkeit mehr als fragwürdig ist. Wobei der Faktor Zuwanderung weiträumig umfahren wird. Ein voreingenommener Studienmitarbeiter, eine völlig unkritische Tamedia-Redaktorin: welch eine Mischung.

Ein übles Gebräu, das der überwiegenden Mehrheit der Tamedia-Leser (männlich, weiblich und beyond) sauer aufstösst.

Darf man vielleicht fragen, wieso es keine Untersuchungen zum Männerhass bei Frauen und Frauenverstehern gibt?

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/06/Bildschirmfoto-2026-06-17-um-10.28.50.png 415 832 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-06-18 05:00:482026-06-17 18:09:24Neues aus der Manosphere
René Zeyer

Das Prinzip unlustig

10. Juni 2026/2 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Arrigoni gibt nicht auf. ZACKBUM auch nicht.

Manchmal wirkt gutes Zureden. So wurde das Sprachrohr einer verstummten, hasserfüllten Kämpferin gegen Hass im Internet entsorgt. Zuvor hatte diese publizistische Leiter nach unten die Leser von CH-Media-Produkten beleidigt und kübelweise Häme über eine Kritikerin seines Idols ausgegossen.

Sein Pendant, die journalistische Leiter nach unten bei Tamedia, ist allerdings noch am Gerät.

Möglicherweise haben die Leser ihm zu verdanken, dass ein neuer Karikaturist die Karikatur eines Karikaturisten gibt, der es schafft, so unkomisch zu sein, dass nicht einmal darüber gelacht werden kann.

ZACKBUM dachte, dass es sich vielleicht um die Nervosität des Anfängers handeln könnte, der halt ein Weilchen braucht, um warmzulaufen. Inzwischen ist aber klar: der Mann kann drei Dinge nicht.

Er kann nicht zeichnen. Er kann keine Pointe herstellen. Er kann nicht witzig sein. Das ist nun aber hinderlich, wenn man Karikaturist des grössten Kopfblattsalats der Schweiz sein will.

Inzwischen hat Tamedia, in seinem ewigen Bemühen, die verbleibenden Leser zu quälen, sogar eine eigene Rubrik eröffnet:

Hier handelt es sich allerdings um eine Mogelpackung. Zunächst müsste es heissen: Arrigoni gibt nicht auf. Die Spitzmarke «Arrogoni zeichnet»: eindeutig Fake News. Und die Lockfrage: «Lust zum Schmunzeln», das ist grobe Leserverarsche. Knapp gefolgt von «Rein in die Welt unseres Karikaturisten». Was für eine Welt? Die Vorhölle?

Wir wollen unsere Leser weiterhin schonen, aber ein, zwei, drei Beispiele müssen schon wieder sein, begleitet von der verzweifelten Frage: Was, um Nicos willen, soll daran lustig oder zum Schmunzeln sein?

Bildzitat eins. Gehämmertes oder Belämmertes?

Bildzitat zwei. Das soll Matthias Hüppi sein. Aber wo ist der Witz?

Bildzitat drei. Eine «Karikatur» zur Beeinflussbarkeit beim Einkaufsverhalten. Rechts, nicht im Bild, ist der schreiend davongerannte Witz.

Bildzitat vier. E-Bike-Unfälle mit Ü 65 nähmen stark zu. Nicht witzig, dafür aber geschmacklos.

Bildzitat fünf. «Habe uns dafür einen neuen great plan»? Die Strichzeichnung links soll wohl Trump sein; die rechts schaut so, als hätte sie diese unverständliche und missglückte Anfängerzeichnung gesehen. Dazu typisch Trump: kann nicht mal einen ganzen Satz bilden.

In Rücksicht auf unsere Leser halten wir ein. Und ja, die Artikelkarikatur ist so viel besser als all dieser Schrott, dass wir sie gerne wiederholen.

Ebenso wie die Stossseufzer: Gnade! Aufhören! Das ist Folter!

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-01-um-14.38.22.png 520 1171 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-06-10 05:00:272026-06-04 18:35:38Das Prinzip unlustig
René Zeyer

Ach, Löpfe

20. Mai 2026/5 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Was der «watson»-Leser alles aushalten muss.

Weil der Wanner-Clan nicht zugeben kann, dass seine einzige Neuerfindung nicht nur ein Flop ist, sondern auch inhaltlich alle Grenzlinien nach unten durchschlägt, darf sich hier ein Philipp Löpfe ungeniert austoben.

Mal eine Sammlung von all time favorites:

«Die Demokratie stirbt in einem Feuerball.
Die SVP übernimmt das ganze Trump-Programm – auch die Lügen.
Eliten, Konzerne oder Rechte «verkaufen die Menschen für dumm».
Das System fliegt uns um die Ohren.
Ein politisches Monster, das wir selbst geschaffen haben.
Die Untoten der Finanzkrise sind zurück.
Ein fauler Kern, der alles vergiftet.
Hier wird ein Krieg gegen die Wahrheit geführt.»

Wie wahr. Oder ein paar Müsterchen aus dem aktuellen Schaffen. Am 10. Mai «analysierte» Löpfe: «Warum Trump eine Dynastie will».

Zunächst lässt er etwas pseudo-klassische Bildung auf den kopfschüttelnden «Watson»-Leser regnen: «Schon die Römer wussten, dass Ruhm vergänglich ist. «Sic transit gloria mundi», lautet ein bekanntes lateinisches Zitat.» Blöd nur: das wussten die alten Römer nicht, denn der Spruch lässt sich erst bei Papstkrönungen ab dem 15. Jahrhundert belegen. Und da waren die alten Römer nicht mehr alt, sondern schon längst tot.

Macht nix, weiter mit mit den wirklich alten Römern: «Und schon die römischen Imperatoren taten alles, um gegen den Zerfall ihres persönlichen Ruhms anzukämpfen. Caligula beispielsweise liess Tempel nach sich benennen, goldene Statuen von sich in Rom aufstellen und machte – um seine Verachtung der politischen Kaste zu demonstrieren – ein Pferd zum Konsul.»

Auch das enthält Spurenelemente von Wahrheit. Wobei das mit dem Pferd üble Nachrede ist; er soll höchstens damit gedroht haben. Aber macht nix.

Aus der Verlorengegangenheit in die Gegenwart: «Donald Trump singt aus dem gleichen Gesangsbuch.» Man kann über den Mann vieles sagen, aber gesungen hat er noch nie.

Dafür: «Nur wenn es ihm daher gelingt, ein Mitglied aus der eigenen Familie ins Oval Office zu hieven, besteht die Chance, dass sein grandioser Kitsch ihn überleben wird. Mit anderen Worten: Trump braucht eine Dynastie. Zu diesem Schluss kommt auch Edward Luce in der «Financial Times».» Na dann, wenn’s nicht auf Löpfes eigenem Mist gewachsen ist, muss es doch stimmen.

Dieser edlen Absicht stünden aber Aussenminister und Vizepräsident entgegen. Daher würden sie «regelmässig gedemütigt». Zum Beispiel, indem nicht DJ Vance als bekehrter Katholik nach Rom reisen durfte, sondern Marco Rubio. Der ist zwar auch Katholik, aber macht ja nix.

Oder in den Worten Löpfes: «obwohl dieser als Aussenminister und Sicherheitsberater in Personalunion angesichts des Irankrieges wohl dringendere Dinge zu tun hätte. Trump will damit aller Welt zeigen, dass Rubio kein Henry Kissinger ist».

Jetzt kommt, Fanfare und Trommelwirbel, der absolute Liebling von ZACKBUM:

«und – um das noch zu unterstreichen – lässt er ihn viel zu grosse, hässliche Schuhe tragen».

Haben wir gelacht. Rubio muss auf Anordnung von Trump zu grosse und hässliche Schuhe tragen, damit niemand denkt, er habe Ähnlichkeiten mit dem Kriegsverbrecher Kissinger. Dem kann man auch vieles vorwerfen, aber zu grosse und hässliche Schuhe hat er tatsächlich nie getragen.

Nun noch eine zusammenfassende Analyse der Zustände in Trumps Regierung:

«Dabei gehören Vance und Rubio zu den Mitgliedern des Kabinetts, denen man zwar mangelnde Moral, nicht jedoch mangelnde Intelligenz nachsagen kann. Für andere Mitglieder der Regierung trifft dies nicht zu, etwa für Verteidigungsminister Pete Hegseth oder FBI-Direktor Kash Patel. Ihr Wirken ist in einem Mass peinlich, dass in Washington derzeit Wetten laufen, nicht, ob, sondern wann sie – wie bereits die Justizministerin Pam Bondi, die Heimatschutzministerin Kristi Noem und die Arbeitsministerin Lori Chavez-Deremer – gefeuert werden.»

Also, entweder gebricht es den Mitgliedern an Moral – oder an Intelligenz. Oder vielleicht an beidem.

Woran es Löpfe gebricht, nun, da gibt es leider juristische Schranken, die eine Aufzählung verbieten.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-13-um-18.19.56.png 523 1180 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-05-20 05:00:512026-05-18 13:31:51Ach, Löpfe
René Zeyer

Nicht komisch

8. Mai 2026/7 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Tamedia spart jetzt auch beim Humor.

Felix Schaad war seit 1999 für den «Tages-Anzeiger» am Zeichenstift. Sicher ist ihm nicht immer alles gelungen. Und so jemanden wie Nico (ältere Semester erinnern sich) findet man halt auch nicht alle Tage.

Nun ist der Karikaturist in die wohlverdiente Pensionierung abgeschwirrt. Und der 36-jährige Marco Arrigoni übernahm ab 1. April ohne Scherz. In einem 50-Prozent-Pensum, also sozusagen als halbe Portion.

In seinem Werdegang werden Highlights wie Mitarbeit bei der schnarchlangweiligen Late-Night-Show «Deville» und verschiedene Satire-Formate in der Schweiz und in Deutschland aufgeführt.

Allerdings würde selbst Ex-Bundesrat Johann Schneider-Ammann über das Schaffen von Arrigoni niemals sagen: «Rire c’est bon pour la santé». Denn bei dem gibt es wirklich nichts zu lachen, hat der arme Leser nichts zu lachen.

Oder anders formuliert: ein unbeholfener Zeichnungsstil paart sich perfekt mit holprigen Scherzen. Dazu müssen wir nun ein paar Bildzitate bringen:

«Er hat eins an der Glocke»? Man kann etwas an die grosse Glocke hängen (was man bei diesem Schwachscherz unterlassen sollte), man kann jemandem eins auf die Glocke hauen, man kann die Glocke von Friedrich Schiller zitieren oder man kann eins auf die Glocke kriegen. Aber man hat eins an der Waffel. So viel zum Inhalt. Zeichnerisch ist zu sagen: das Strichmännchen links soll Präsident Trump sein, das Strichmännchen rechts König Charles.

Oder dieser hier:

Öhm. Also links, das soll offenbar eine Urinprobe sein. Die bis heute für Dopingtests verwendet wird. Und rechts der Laufschuh des Marathon-Manns. Ist der nun gedopt? Wird der Schuh auf Doping untersucht? Wieso ist nun Material entscheidender als Urin? Sicher kein Spitzenwitz über den Spitzensport. Dafür garantiert ungedopt.

Aller schlechten Dinge sind drei, noch einer:

Der dunkelbraune Fleck hinten soll offenbar ein Wal sein. Der obere Nacktschwimmer mit falsch angesetztem Arm soll Präsident Trump sein, der untere mit deutlich verkürzten Beinen der abgewählte Ministerpräsident Orbán. Soweit ist das Bilderrätsel entschlüsselbar. Nur: der Witz ist wohl abgesoffen, vom Wal verschluckt worden, laut schreiend aus der Malträtur – eine Karikatur kann man das nicht nennen – geflohen.

Geht da doch noch einer, ist eine Absenkung – eine Steigerung kann man das nicht nennen – möglich?

Dankää, sagt da verständnislos der Bündner, was soll da komisch sein? Die beiden Schweine oder Rinder mit draufgepappten langen Hörnern vorne sollen wohl Steinböcke sein. Und wo soll da ein Bancomat explodieren, mitten in der Pampa oder im Wald?

Nun wird nicht jeder als Gary Larson geboren Oder als Luis Murschetz oder F.K. Wächter. Von Daumier, Hogarth,  Disteli oder Leiter ganz zu schweigen.

Aber das hier?

Das ist die Errichtung einer humorfreien Zone mit Zeichnungen auf Kindergartenniveau. Da vergisst jemand ständig, einen Scherzkeks zu frühstücken.

Dabei wäre die Lösung ganz einfach und auf der Hand liegend. Zudem ganz im Sinne von Big Boss Pietro Supino. Denn wenn immer mehr Artikel – so sie nicht von der Süddeutschen übernommen werden – mit KI hergestellt werden, wenn KI nun auch die Moderation von Leserbriefen übernimmt, wieso dann nicht KI als Karikaturist?

Schlechter kann’s ja wohl nicht werden, besser alleweil. Und, lieber Herr Supino, aufgepasst, es wäre kein 50-Prozent-Job. Sondern 100 Prozent gratis!

Die KI-Karikatur über dem Artikel ist vielleicht nicht oberste Liga. Aber zeichnerisch und inhaltlich allem hier Gebotenen haushoch überlegen.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-01-um-14.38.22.png 520 1171 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-05-08 05:00:532026-05-05 22:17:59Nicht komisch
René Zeyer

Hier irrt Köppel

14. März 2026/21 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Der Vielschreiber vergaloppiert sich. Und keiner merkt’s.

Der Verleger, Besitzer, Herausgeber und Chefredaktor der «Weltwoche» hat ein neues Lieblingsthema gefunden. «Narrenschiff Europa», poltert er: «Die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten entlarven die Dummheit unserer Politiker».

Da ist was dran. «Tod, Feuer und Zorn werden über sie hereinbrechen», keift Kriegsverbrecher Donald Trump gegen den Iran, fordert dessen «bedingungslose Kapitulation». Halten wir ihm zugute, dass er nicht weiss, was das ist.

Währenddessen Kriegsverbrecher Netanyahu auch den neuen Religionsführer des Iran mit dem Tod bedroht, ausser Rand und Band umliegende Staaten bombardieren lässt. Die US-Bombardierung einer Mädchenschule mit über 160 Toten im Iran, angeblich wegen veralteten Karten, macht ungefähr so viel Schlagzeilen wie der Tod eines Kindes in der Ukraine durch den Kriegsverbrecher Putin.

Dazu sagt Köppel: «Es gibt unter Staaten kein Recht.» Denn: «Recht gibt es nur dort, wo es eine rechtsdurchsetzende Instanz gibt.» Das sei auch gut so, zumindest besser, als wenn es einen «Weltpolizisten» gäbe. Das wäre «die ultimative Despotie». Das ist der kleinere Irrtum in seiner Philippika.

Ob er wohl weiss, dass er den Titel und die Metapher von Sebastian Brant entlehnt hat? Der wollte mit seiner 1494 erschienenen Satire moralische Verirrungen anprangern – und zur Umkehr mahnen.

Da niemand Trump in seiner Raffgier und ungehemmten Selbstbereicherung (oder die seines Clans) stoppen kann, bei diesem Raubzug am helllichten Tag, wie es die «Financial Times» nennt, könnte man alle Gesetze gegen Betrug, Entwendung, Korruption in die Tonne treten, wollte man Köppel Logik folgen? Welch grandioser Unsinn.

Unbestreitbar ist das blutige Unrechtsregime der Ayatollen im Iran ein Schandfleck der Menschheit. Aber erlaubt es das, jede regelbasierte Ordnung über den Haufen zu werfen? Auch grausamen und unmenschlichen Verbrechern gegenüber gibt es Regeln, sie haben Rechte. Auch für den Kindsmörder gilt die Unschuldsvermutung, bis er rechtsgültig verurteilt ist. Würden wir das durch Lynchjustiz ersetzen, wären wir nicht weiter, sondern zurück im finsteren Mittelalter, wo die Ayatollen leben.

Grausame Taten, eines Einzelnen wie eines Verbrecherregimes, provozieren den Wunsch nach grausamen Reaktionen. Auge und Auge, Zahn um Zahn. Wenn die zivilisatorische Schicht, die uns davon abhält, bröckelig wird, sollte man sie nicht ganz abkratzen, sondern schützen.

Köppel legt noch einen drauf und macht einen dreifachen Axel ins Absurde und ohne sichere Landung. Er lobhudelt mal wieder die «immerwährende, bewaffnete, umfassende Neutralität» der Schweiz, «einst umverhandelbarer Schutzschirm in stürmischer Zeit».

Dabei übersieht er in seinem Lauf, dass ja genau diese Neutralität nicht aus sich selbst besteht, sondern aufgrund eines Appells an supranationale Übereinkünfte und Regeln. Die wurden sogar – horribile dictu – von Hitler und Mussolini respektiert. Denn gäbe es, im Gegensatz zur Meinung Köppels, kein Völkerrecht, gäbe es auch keine Neutralität der Schweiz, an die er so inbrünstig appelliert.

Dass auch diese Regeln, wie im Fall Belgiens im Ersten Weltkrieg, ignoriert wurden, sind eben Ausnahmen. Diese Rechtsbrüche werden auch im Nachhinein als solche wahrgenommen und nicht als rechtskonformes oder überrechtliches Handeln schöngeschwatzt.

Was empfiehlt nun der Irrläufer der Schweiz? Die Pflege ihrer Interessen, «das bedeutet Rückkehr zur integralen Neutralität». Welch putziger, grandioser und die Lachmuskeln strapazierender Irrtum.

Die Schweiz könnte noch so laut und unterstützt durch den Tiefdenker Köppel Neutralität krähen – gäbe es keine internationalen Übereinkünfte, gemeinhin Völkerrecht genannt, würde ihr das einen alten Dreck nützen.

Trump würde nicht nur wie ein Berserker immer neue Gründe erfinden, um Zölle gegen die Schweiz zu erheben. Er würde sagen: I give a fuck for your neutrality, stellt euch gefälligst an meine Seite.

Denn der tiefste Sinn des Rechts, national wie auch international, ist der Schutz des Schwachen gegen den Starken, des Kleinen gegen den Grossen.

Dass Recht gebrochen wird, dass Recht manchmal vergeblich eingefordert wird, ist noch lange kein Grund, seine Existenz zu negieren oder zu behaupten, es existiere gar nicht.

Auch Moral ist etwas Übergesetzliches. Sie existiert ohne Weltpolizisten, müsste aber von allen vernünftigen Menschen verteidigt werden.

Dass unsrer Schutzwall, unser letzter Schutzwall gegen Willkür, Faustrecht und Barbarei unter einem Ansturm von Barbaren leidet, wäre Grund genug, zu seiner Verteidigung aufzurufen. Nicht, seine Existenz zu leugnen.

Das wäre im besten Interesse der Schweiz, die Köppel doch zu verteidigen vorgibt.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/03/Bildschirmfoto-2026-03-13-um-08.14.29.png 857 1326 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-03-14 05:00:582026-03-13 14:26:09Hier irrt Köppel
René Zeyer

Die Mär vom Enthauptungsschlag

10. März 2026/3 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Netanyahu und Trump wüten, die Massenmedien berichten kommentarlos.

Was sind das für Zustände, wo man den katarischen News-Sender Al Jazeera schauen muss, wenn man einigermassen vollständige Informationen über die alle internationalen Regeln brechenden Angriffskriege gegen den Iran, den Libanon und Jordanien bekommen will?

Wo auch in Mainstream-Medien als nebensächlich abgehakte Ereignisse berichtet werden:

Bevor nun ein Teil der Leserschaft Propaganda oder Fake News kräht, wobei kleinere Untaten der russischen Regierung in der Ukraine riesige Schlagzeilen machen: selektive Berichterstattung ist nur ein Problem, und dazu ein minderes.

Denn wie diese Beispiele zeigen, ist es dank Internet durchaus möglich, nach Informationsquellen Ausschau zu halten, die andere Blickwinkel liefern. In der Schweiz hat man zudem den Vorteil, dass dazu auch Russia Today gehört, das in der freiheitlich-demokratischen EU verboten ist. Dort werden auch ausländische Staatsbürger sanktioniert, wenn sie unerwünschte Meinungen äussern.

Das grösste Problem ist hingegen die jämmerliche Analysefähigkeit der versammelten Fachkräfte an der Tastatur, vor dem Mikrofon und der Kamera.

Dazu einige wenige Beispiele.

Es geht gar nicht darum, ob US-Präsident Donald Trump erratisch, sprunghaft, verlogen oder schlichtweg ein Amok ist. Sein Handeln versteht man nur dann richtig, wenn man sich bewusst macht, dass er ein hochkrimineller Mafioso ist, dessen höchstes Ziel darin besteht, seinen Clan und sich selbst unsäglich zu bereichern. Und zwar um Milliarden. Einen Raubzug am helllichten Tag, nennt das die «Financial Times», und das ist noch milde ausgedrückt.

Dass er damit die Welt in ein seit dem Zweiten Weltkrieg ungekanntes Chaos stürzt, ist ihm völlig egal. Auf dem Weg zur möglichst ungestörten Machtausübung will er die bewährten Checks and Balances in den USA aushebeln. Also Wahlen, das Militär und die Justiz. Trotz kleineren Rückschlägen ist er erfolgreich unterwegs.

Das Zollchaos, das er angerichtet hat, ist mindestens so schädlich wie der konzeptlose Krieg gegen den Iran oder der Versuch, Venezuela zu regieren. Von Kuba, Panama, Grönland oder Kanada ganz zu schweigen. Was ist das für ein Präsident, der eine abweichende Meinung wie diejenige Spaniens sofort mit Strafzöllen bestraft?

Trump betet im Oval Office. Sonst noch Fragen?

Aber es ist ja nicht nur unverantwortlich, was Trump treibt. Es ist schlichtweg schwachsinnig, was die Attacke auf den Iran betrifft. Die einzig erkennbare Strategie ist, mit Enthauptungsschlägen die Führung des blutrünstigen Regimes zu liquidieren. In der Annahme, dass dann das Regime zusammenbricht und die Bevölkerung die Macht übernimmt, ohne dass eine eigentliche Invasion dazu nötig wäre.

Wie unsinnig das ist, zeigt ein Vergleich. Nehmen wir an, die Führungsmannschaften in den USA und in Israel würden einfach nach Hause gehen. Sich von der Macht verabschieden. Würden dann die USA oder Israel zusammenbrechen, käme es zu Volksaufständen, Systemwechsel? Absurd.

In Venezuela hat geholfen, dass der ausnehmend dumme Präsident Maduro eine Verräterin zu seiner Stellvertreterin machte. Das ermöglichte den USA, durch seine Entfernung dort die Macht zu übernehmen. Das hat aber mit einem Systemwechsel nicht das Geringste zu tun; es herrscht nach wie vor die gleiche Clique von korrupten Funktionären wie zuvor, es gibt keine Berichte, dass es der Bevölkerung besser ginge.

Noch absurder: obwohl auch die USA das Ergebnis der letzten gefälschten Wahlen nicht anerkennen, benützen sie ihre Macht nicht etwa dazu, die um ihren Sieg gebrachte Opposition als neue Regierung zu installieren. Und obwohl die Friedensnobelpreisträgerin Maria Corina Machado alles tat, um das gekränkte Ego des US-Friedensfürsten zu besänftigen, ignoriert sie Trump und anerkennt offiziell die Wahlfälscherin Rodriguez.

Während aber in Venezuela unter einer dünnen Schutzschicht von angeblich revolutionärer Ideologie die Chavistas längst zu einer Bande von korrupten und geldgierigen Machthabern verkommen sind, ist das im Iran ganz anders. Auch dort ist die Führungsschicht korrupt, aber ihre Ideologie basiert auf einem fanatisierten fundamentalistischen Glauben, den die Revolutionswächter offensichtlich auch mit Massakern an der eigenen Bevölkerung verteidigen.

Wenn nun nach Chamenei auch sein Sohn und Nachfolger liquidiert würde, führt das einzig zu einer offenen Militärdiktatur, plus einem möglichen Bürgerkrieg. Oder zu einem Noch-stärker-Werden fanatischer Gläubiger. Wie in Afghanistan, wie im Irak.

Das alles liegt auf der Hand und könnte, sollte, müsste klar ausgesprochen werden.

Dass es das nicht wird, ist kein Anlass zu Verschwörungstheorien. Der Grund ist banal: erschreckende intellektuelle Verödung auf den Redaktionen. Bedenkenloses Nachplappern von Narrativen wie dem, dass es ein «legitimer», wenn nicht gar «guter» Krieg sei, der hier geführt werde.

Während die Weltwirtschaft im Chaos versinkt und die Hürden bei der Rückkehr von asiatischen Feriendestinationen oder aus den beschädigten Glitzerwelten der Scheichtümer bald einmal das kleinste Problem sein werden.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/03/Bildschirmfoto-2026-03-09-um-08.56.05.png 756 931 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-03-10 05:00:422026-03-09 11:53:22Die Mär vom Enthauptungsschlag
René Zeyer

Zurück zur Barbarei

6. März 2026/9 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Israel und die USA bombardieren den Iran. Willige Helfershelfer in den Medien und in der Politik applaudieren verantwortungslos.

Dieser Text ist am 28. Februar auf «Inside Paradeplatz» erschienen. Er scheint gut gealtert zu sein …

Es gibt drei Arten von Bösewichten auf der Welt. Solche mit Atombomben wie Nordkorea oder Russland. Solche ohne Nuklearwaffen wie Venezuela oder Kuba.

Solche, die zwar widerwärtige Massenmörder sind, aber im Sudan oder in Äthiopien wüten können, weil das niemanden interessiert.

Und dann gibt es den Iran. Der vereint genügend Eigenschaften, um zum nächsten Ziel eines militärischen Angriffs zu werden.

Die Mullahs hätten «so viel auf dem Kerbholz, dass ein Angriff legitim wäre», behauptete Welterklärer Eric Gujer in der NZZ noch vor dem Angriff. Meist weniger elegant formuliert applaudieren auch viele andere dieser klar völkerrechtswidrigen Aktion.

Die gleichen, die sich über die Untaten der russischen Regierung in der Ukraine nicht einkriegen.

Dabei sind die untauglichen Begründungen für diesen Rückfall in waffenklirrende Machtpolitik deckungsgleich. Gefährdung der eigenen Sicherheit, barbarische Massnahmen der Machthaber, ergänzt um Dekadenz, Korruption und Wirtschaftskrise.

Die Enthauptung der Führungsspitze Venezuelas hatte einen Nachfolgeplan; in der Nummer zwei des Regimes fanden die USA eine willige Verräterin, die willfährig die Interessen der mächtigsten Militärmacht der Welt bedient.

Nach der Devise: ab jetzt teilen wir uns die Beute und die USA kriegen das grösste Stück, während allen Beteiligten die venezolanische Bevölkerung völlig egal ist.

Was aber ist der Plan beim Iran? Abgesehen davon, dass das Mullah-Regime in grossen Teilen der Bevölkerung abgewirtschaftet hat und sich nur mit blutiger Unterdrückung gegen Forderungen nach seiner Absetzung wehren kann.

Aber auf der anderen Seite verfügen die Ayatollen mit den sogenannten Revolutionswächtern über einen harten Kern gut ausgebildeter Kämpfer, die vielleicht aus religiösem Fanatismus, sicherlich aber aus dem Interesse, ihre Pfründe zu verteidigen, erbitterten Widerstand leisten werden.

Wie soll es also gelingen, im Iran einen Umsturz herbeizubomben? Sollte es überhaupt möglich sein, die wichtigsten Zentren in eine Ruinenlandschaft wie im Gazastreifen zu verwandeln? Was die Fanatiker der Hamas nicht davon abhielt, trotz Zehntausenden ziviler Opfer weiterzukämpfen.

Auch die Tötung fast all ihrer Anführer vermochte daran nichts zu ändern.

Zudem verfügt der Iran über ganz andere militärische Möglichkeiten, alleine schon über ein ganzes Arsenal von Kurz- und Mittelstreckenraketen, mit denen er Israel und US-Militärbasen angreifen wird.

Kommt es zu einem Volksaufstand? US-Präsident Trump forderte die Iraner schon vor Wochen auf, die Macht zu übernehmen. Und schaute dann zu, wie die Aufständischen massakriert wurden.

Und die Unterstützung eines Invasoren trifft niemals auf den gleichen Rückhalt wie der interne Versuch, ein Verbrecherregime loszuwerden.

Was also wäre der Plan für danach? Selbst in der doch kühnen Annahme, dass es durch Luftschläge und eine überschaubare Invasion gelingen könnte, das Mullah-Regime mitsamt dem greisen und grausamen Führer Chamenei zu stürzen: und dann?

Selbst die viel organisierter Opposition in Venezuela schaffte es nicht, das unfähige Regime um Präsident Maduro zu gefährden, geschweige denn, zu stürzen. Der Wechsel gelang nur, weil er bislang keiner ist. Die gleiche korrupte Machtelite ist dort weiterhin omnipräsent.

Im Iran gibt es nicht mal einen erkennbaren Oppositionsführer. Der Sohn des Schah, dessen brutales Unrechtsregime so gerne mit dem Weichzeichner verklärt wird, kann’s ja nicht sein. Wer sonst? Oder wird der Iran den Weg des Irak, von Libyen oder Syrien gehen? Zersplittern in von Clans und Warlords beherrschten Gebieten, wo der Verkauf von Rohstoffen genug Geld in die Kassen spült, um diese Schreckensherrschaften aufrecht zu erhalten?

Oder sollte man dem grossen Disruptor Trump, der seine Ansichten und Absichten schneller wechselt als seine Krawatten, für ein Mal einen Plan zutrauen?

Alles ungewiss, alles unvorhersehbar. Nur eine Gewissheit gibt es: international sind die Zeiten der Barbarei zurück. Wer überlegene militärische Macht hat, setzt sie rücksichtslos ein. Begründungen finden sich immer.

Dummköpfe, die sie glauben, ebenfalls.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/03/Bildschirmfoto-2026-03-01-um-16.33.30.png 744 1309 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-03-06 05:00:422026-03-01 16:34:20Zurück zur Barbarei
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