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Schawinskis Wohlfühl-TV

Talking Heads allerorten, aber niemand hat etwas zu sagen. Niemand?

Dieser Kommentar braucht in den heutigen Zeiten gleich am Anfang eine Packungsbeilage. Ich bin mit Roger Schawinski bekannt und sass auch schon vor seinem Mikrophon. Ich bin mit Roger Köppel bekannt und habe auch schon in der «Weltwoche» publiziert.

Da ich aber beides tue (und wohl auch weiter tun werde), obwohl oder vielleicht weil ich beide auch schon kräftig kritisiert habe (was diese beiden Primadonnen sogar vertragen), sollte man hier nicht auf Motivsuche gehen, wenn nun ein Lob erschallt: Roger gegen Roger, nach siebenjähriger Pause nun wieder vor laufender Kamera: man ist an den Filmtitel erinnert «As Good as It Gets».

Hier sitzen zwei Überzeugungstäter einander gegenüber. Was zunächst auffällt: seit sie ihre verbale Kriegsführung vor sieben Jahren mit einem «Kladderadatsch» beendeten, sind beide deutlich reifer geworden. Von Altersmilde kann man nicht sprechen, aber hätte man vor Jahren einen Roger Köppel sagen hören, nachdem der mal wieder mit einer Blutgrätsche Schawinski unterbricht, sich dann aber zurücknimmt: «Entschuldigung, mach weiter»?

Zunächst ist es eines von vielen Armutszeugnissen von SRF und dem Fallbeil vom Leutschenbach, dass sie die einzig vergnüglich-konfliktlive Talkshow des Schweizer Farbfernsehens kübelte. Da es aber Schawinski genauso wenig lassen kann wie Köppel, ist er nun bei Blue Entertainment wieder aufgetaucht. Zum Beginn der zweiten Staffel seiner Talkshow wollte er es mal wieder krachen lassen – das Stichwort für Köppel.

Aber, Wunder über Wunder, es wurde im besten Sinne eine Talkshow. Die man unbedingt nachsehen sollte, wenn man sie live verpasst hat. Warum? Zunächst einmal, weil es eine Show ist. Denn wenn sich zwei Talking Heads gegenübersitzen, wieso sollte man sich das als passiver Zuschauer antun, wenn man nicht dabei unterhalten wird?

Womit wird man unterhalten? Mit den Funken, die entstehen, wenn zwei begabte Rhetoriker aufeinandertreffen. Die gibt es allerdings auch in vielen deutschen Talkshows (in den kläglichen Überresten in der Schweiz eher weniger). Aber hier wollen sich zwei nicht nur verbal prügeln, sondern auch Treffer landen und Wesenszüge, Denkmuster, Verhaltensweisen, natürlich auch Fehleinschätzungen, Irrtümer des jeweils anderen herausarbeiten. Wunderbar, dass beide wissen, dass man die Glacéhandschuhe ausziehen kann, weil der andere auch nett austeilt und kein Glaskinn hat.

Schawinski ist dabei der Talkmaster, und das nützt er vor allem am Anfang leicht brutal aus. Nachdem Köppel seine Einleitungsfrage «wer bist du?» mit einem allgemeinen Aufruf zu Frieden in von einem Atomkrieg bedrohten Zeiten ausweichend beantwortete, hakt er unbarmherzig nach. Der grösste Schock in der Jugend? Der Tod der Mutter, repliziert Köppel. Der Selbstmord, zudem auf brutale Art, dringt Schawinski weiter in seinen Gast. Damit verrät er kein Geheimnis, lässt Köppel dann nach diesem Wirkungstreffer im Privaten damit in Ruhe.

Dann folgt ein fast immer vergnüglicher Schlagabtausch. Deine Zuhörer sind rechtsextrem – man sollte eine Sendung nach dem Inhalt, nicht nach möglichen Zuhörern beurteilen. – Du hast den verurteilten Betrüger Steve Bannon eingeladen – war der Berater des Präsidenten und die Veranstaltung hatte grosse Nachfrage. Du lädst mich doch auch in deine Sendung ein. Treffer für Köppel.

Dann nagelt ihn aber Schawinski mit Köppels Hang, aus Prinzip die andere Sicht vertreten zu wollen, führt ihm einige nicht mehr zu verteidigende Zitate aus der Vergangenheit über Putin vor, behaftet ihn auf seiner Aussage, dass man Putin nicht als Kriegsverbrecher bezeichnen könne, weil der (noch) nicht als solcher verurteilt worden sei. So gesehen sei dann Hitler auch keiner, schlussfolgert Schawinski messerscharf. Damit hätte er Köppel blutend in den Seilen hängen lassen können, aber auch Schawinski muss halt zu viel Gas geben und tritt noch mit der Bemerkung nach, dass Köppel mit seiner Manie, immer die andere Seite zu beschreiben, dann wohl auch für Hitler geschrieben hätte.

Das macht es dann Köppel leicht, sich aus dieser Ecke wieder freizuboxen. Das letzte Mal trennten die beiden sich im Totalkrach vor dem Mikrophon. Um das zu vermeiden, hatte sich Schawinski einen besonderen Schlussgag ausgedacht; die Frage, ob Köppel denn nicht wie von Parteiurgestein Toni Brunner vorgeschlagen, Bundesrat werden wolle oder solle. Da Brunner auch Schawinski als valablen Kandidaten genannt hatte, endet damit die Sendung in kritisch-versöhnlichem Gelächter.

Vielleicht war der Erkenntnisgewinn nicht überwältigend. Aber was zählt, ist die Tatsache, dass man auf höherem verbalem und intellektuellem Niveau unterhalten wurde. Hier wurde nicht mit Holzhämmern, Morgensternen und Zweihändern gefuchtelt. Sondern zwei nicht mehr ganz junge und ins Zeitalter der leichten Altersmilde eingetretene Löwen zeigten sich die Zähne, holten auch mal zum Prankenhieb aus, wurden auch mal nicht gespielt sauer, verzichteten aber weitgehend auf Tritte in die Eier und zeigten vor allem etwas, was auch weitgehend verloren gegangen ist: Ich bin ganz anderer Meinung als du und finde deine nicht nur falsch, sondern auch gefährlich. Aber ich respektiere dich.

Wunderbar.

Wer hat’s erfunden?

Roger Schawinski bekommt Journalistenpreis. Schon wieder.

Es begab sich zu Weihnachten 2020, dass ZACKBUM die alternativen Schweizer Journalistenpreise verlieh. And the winner is: natürlich Roger Schawinski als Journalist des Jahres. Aus unserer Kurzlaudatio:

Roger Schawinski (Radio 1)

Schawinski trägt persönlich enorme Verluste wegen fehlenden Werbeeinnahmen, hat aber niemandem gekündigt. Hat sein Angebot sogar während der Krise ausgebaut. Und er ist als Moderator wegen Corona zu neuen Höchstleistungen aufgestiegen, mit seinem Talkradio. Zudem ist sein Doppelpunkt nach wie vor das Mass aller Interviews.

Allerdings wurde Roger Schawinski vom Schweizer Journalisten noch nie in dieser Funktion ausgezeichnet. Erstaunlich…

Auch sonst hielt es niemand für nötig, dem wohl bedeutendsten Medienmacher der Schweiz jemals einen Preis zu verleihen. Dafür ist er zu erfolgreich, zu eigenwillig, zu dominant. Ein Marathonläufer halt, der auch mit 77 noch wacher und jünger im Kopf ist als ganze Redaktionscrews.

Aber immerhin, nach jahrelangem, um nicht zu sagen jahrzehntelangem Ignorieren hat die Jury des Zürcher Journalistenpreises die Auszeichnung an Schawinski verliehen. Für sein Lebenswerk. Wobei ZACKBUM für einmal stolz sagen kann: Wer hat’s erfunden? Wir. Und wir haben nicht fürs Lebenswerk gelobt und gepriesen. Sondern für konkrete Taten in diesem Jahr.

Das Lebenswerk ist natürlich beeindruckend. «Die Tat», «Kassensturz», «Radio 24», «Tele Züri», «Tele 24», Leitung Sat 1 Deutschland, Talkshow «Schawinski», nachdem ihm das SRF den Stecker zog, nun bei Blue. Der «Doppelpunkt», legendär. Sein Talk Radio während Corona und nun zum Ukrainekrieg. Nicht zu vergessen sein erfolgreicher Ein-Mann-Aufstand gegen das Abschalten der UKW-Ausstrahlungen.

Der Mann ist so gross, dass selbst alle Neider und Kleinmacher nicht mehr umhin konnten, ihn auszuzeichnen. Ihr langes Zögern erklärt sich wohl damit, dass sie hofften, dass sie das Lebenswerk dann ehren können, wenn es vollendet ist – also wenn Schawi in die Pension abgezwitschert wäre. Aber den Gefallen tut er ihnen nicht. Obwohl ein Lob des Lebenswerks immer die Einleitung für einen Nachruf ist …

Ein wenig altersweise ist er geworden, aber nicht altersmüde. Auch wenn er im persoenlich.com-Interview gesteht: «Nach jeder längeren Sendung sehne ich mich heute nach einem Power Nap, einer Siesta. Früher war dies nicht nötig.»

Dann hoffen wir auf noch viele Siestas. Denn davor macht er immer irgendwas, das man sich ansehen oder anhören sollte. Wo Schawinski ist, da ist Leben im Äther. Das ist so wichtig wie nie, denn es ist so viel Narkosemittel im Äther.

Kritik musste er mehr als genug einstecken, nun ist er etwas erstaunt: «Belobigungen gab es eher wenige von Branchenkollegen und Konkurrenten. An die muss ich mich erst noch gewöhnen.»

Doch, ZACKBUM mochte und mag ihn schon sehr, bei allen Differenzen gibt es so etwas wie vertraute Nähe.

Lob mag er nach wie vor sehr; auf Kritik reagiert er nach wie vor eher ungnädig. Aber das sei ihm nachgesehen. Denn er ist etwas, was fast ausgestorben ist. Ein Radio Man. Mit Herzblut, Engagement, Kreativität. Er ruht sich nicht auf seinen Lorbeeren aus, obwohl er mit ihnen ein bequemes Lotterbett füllen könnte. Er macht jede Sendung, als wäre sie seine erste und seine letzte. Vielleicht ist er manchmal masslos, übermässig, a Man in Full halt. Aber das ist hundertmal besser als Mittelmass und Mainstream. Eigentlich hätte jemand vom Format eines Tom Wolfe seine Biographie schreiben sollen.

Natürlich ist ZACKBUM nicht ganz unparteiisch in dieser Sache. Na und?

Abrazo. Y adelante, compañero. Hasta la victoria siempre.

Talk ohne Show: geht doch

Ruhig, informiert, bereichernd? Im TV? Wunder gibt es immer wieder.

Deutsche TV-Stationen quellen über von Talkshows. ARD, ZDF, die Privaten, Talking Heads aller Orten. Verbale Luftkämpfe von einer Nachhaltigkeit, die ungefähr die Zeitspanne umfasst, in der die Zuschauer beschallt werden. Wer erinnert sich noch an die Ergebnisse der letzten Talkshow von Lanz, Maischberger & Co.?

In der Schweiz herrscht Wüste. «Talk kläglich», ohne den langjährigen Moderator Markus Gilli nur noch ein Schatten seiner selbst, genau wie der «SonnTalk». Gillis Ziel war nun auch nicht unbedingt der Erkenntnisgewinn, aber er war wohlinformiert, brannte für jedes Thema und verhinderte weitgehend, dass sich die Teilnehmer mit Worthülsen zuschütteten.

«Gredig direkt» ist der falsche Moderator im falschen Rahmen mit falschen Gästen. Ertrinkt schnarchlangweilig im watteweichen Wohlfühltalk eines sympathischen und netten Menschen, der alles kann – ausser seinen Gästen etwas Interessantes zu entlocken.

Schliesslich Altmeister Roger Schawinski mit seinem «Doppelpunkt» und seit einiger Zeit wieder seiner Talkshow auf Blue TV. Wer Wohlfühlgespräche will, darf sich nicht in die Höhle des alten Löwen begeben. Hier wird noch gebissen und es werden Tatzenschläge verteilt. Durch Altersmilde leicht abtemperiert, aber bei Schawi ist eines klar: ihn interessiert nicht in erster Linie die Meinung des Gesprächspartners, sondern seine eigene. Und meinungsstark ist er nach wie vor.

Vielleicht ist die wöchentliche verbale Rempelei mit Markus Somm, vormals mit Roger Köppel, signifikant für seinen Stil. Es geht eigentlich nur um Rechthaberei und darum, wer seine Position schlagfertiger, eloquenter und herrischer verteidigen kann. Wer’s mag, wird gut unterhalten. Wer’s nicht mag, wendet sich ab.

In all diesem Elend und in all diesen Diadochenkämpfen von wortmächtig hochgerüsteten Verbalartisten kommt man plötzlich durch einen freundlichen Hinweis auf eine Sendung, die all dem widerspricht.

Eine Moderatorin, die mit ruhiger Hand lenkt und im Wesentlichen mit Fragen die Gesprächsrunde am Laufen hält. Mit offen Fragen, die kaum Meinung, aber viel Neugier enthalten. Zwei Teilnehmer (was beiden genügend Zeit zum Ausreden gibt), die Wissen und Nachdenklichkeit mit Intelligenz verbinden. Die sich nicht in die Haare geraten, sondern ergänzen, gegenseitig die Nachdenklichkeit des anderen respektieren.

Ein Politiker und ein Historiker, der im Vergleich zu Schweizer Hobbyausgaben seinen Titel auch verdient. Natürlich findet die Veranstaltung auf einem Spartensender ausserhalb der Prime Time statt. Eben für die happy few, die einer Debatte lauschen wollen, bei der man nicht unterhalten, sondern intelligent angeregt wird.

Wir lösen das Geheimnis auf. Der Sender heisst Phönix, die Sendung «Unter den Linden». In der Ausgabe vom 30. Mai, die noch eine Woche per Replay nachgeschaut werden kann, debattieren Dietmar Bartsch, Vorsitzender der Bundestagsfraktion «Die Linke» und der Historiker Prof. Martin Görtemaker unter Leitung von Michaela Koster. Thema: «Friedenstraum – wie enden Kriege

Differenziert, informiert, hintergründig, keine Show, sondern Talk. Wer’s nicht glaubt: einfach mal reinhören. Prognose: wer sich sagt, okay, ich schnupper mal, sollte sicherstellen, dass er genügend Zeitreserve mitbringt, um sich die ganzen 45 Minuten anzuhören. Denn es lohnt sich.

Mann mit Humor

Ralf Brachat hat einen Applaus verdient.

Man könnte meinen, vom Geschäftsführer von «Swiss Radioworld», einem Werbevermarkter innerhalb der Goldbach Group AG und somit eine Unterschublade von TX, sei kaum Komisches zu erwarten.

Das täuscht aber ungemein. Der Mann weiss besser als mancher Journalist, wie man in einem Interview eine Schlusspointe setzt. Von persoenlich.com gefragt: «Zurück zu Schawinskis Aussage: Wann gibt es nur noch digitales Radio und selbst DAB+ wird Geschichte sein?», haut Brachat diesen Knaller raus:

«Solange es Roger gibt, wird es wahrscheinlich auch UKW geben, denn er hat es ja erfunden (lacht).»

Wumms: Roger Schawinski

Neues Gefäss: kurz, aber heftig. He’s back. Ist das peinlich. Für alle anderen.

Eine Talkshow ist Talk und Show. Es ist die Zeit des Comebacks der alten, weissen Männer. Wenn Roger Schawinski dem politischen Ausnahmetalent, Bauern, Kampfkuhzüchter und Beizer Toni Brunner gegenübersitzt, die Kamera läuft, das Studio von Blue Zoom mild ausgeleuchtet ist, dann verbreiten die beiden eine ansteckende gute Laune: das ist gut inszeniertes ganz grosses Kino, was hier vorgeführt wird.

Es gibt das Harald-Schmidt-Interview. Es gibt das Format «Schawinski». Ist das peinlich, was Urs Gredig macht. Und alle anderen.

Entschuldigung!

Virus und Hirntätigkeit: ein neues, erschreckendes Beispiel.

Christoph Berger ist der «Präsident Eidgenössische Kommission für Impffragen». Roger Schawinski führt als Einziger das Format «Talk Radio» in der Schweiz weiter. Spannende Gespräche zum Thema Corona; der alte Fuchs zeigt’s mal wieder allen.

Logisch, dass Berger und Schawinski aufeinandertrafen. Beste Gelegenheit für Berger, Fragen zu beantworten und zu klären. Dass ihn Schawinski dabei nicht mit Wattebäuschchen bewerfen würde – wer weiss das nicht.

Dünnhäutig und überfordert: Berger.

Dass Schawinski allergisch auf Herumeiern reagiert, wer wüsste das nicht. Der Talker warf Berger vor, die Schweiz sei das Schlusslicht in Europa bei den Booster-Impfungen, man habe insbesondere mit Blick auf Omikron getrödelt.

Logisch, dass das Berger nicht als Kompliment nahm. Dann machte er etwas ganz Originelles: er gab die beleidigte Leberwurst. «So diskutiere ich nicht weiter», sagte der Staatsangestellte, und legte auf.

Schawinski rief im völlig zu Recht nach, dass so einer eine Fehlbesetzung in seiner Position sei. So weit, so lustig. Aber Berger ist ein echter Scherzkeks. Nun will er, dass sich Schawinski bei ihm entschuldige.

Wofür? Dass Berger sich lächerlich machte? Dass er dünnhäutig das Gespräch abbrach? Hätte Schawinski ihn aus der Leitung gekübelt, könnte man vielleicht über eine solche Forderung sprechen. Aber so? Eigentlich sollte sich Berger bei der Öffentlichkeit, seinen Mitarbeitern und bei Schawinski entschuldigen.

Anschliessend zurücktreten. Denn er ist tatsächlich eine Fehlbesetzung. Ein Kinderarzt als Kindergärtner.

Quietschender Reifen

Kommentiert den Kommentator!

Jean-Martin Büttner kommentiert Christoph Mörgeli, weil der den Schweiz-Korrespondeten der FAZ kommentiert.

Das können wir nicht unkommentiert lassen. Wir bewundern Büttners Kurventechnik. Wäre er in der Formel 1 unterwegs, läge ein Podestplatz drin.

Zunächst kriegt Mörgeli, der «zum Journalisten umgebaute Politiker», eins in die Fresse. Empfindlich bei Kritik an ihm, aber gross im parteiischen Austeilen. Quietsch, Kurve, kann aber was, «hat mit seiner Kritik in vielem recht».

Quietsch, ist aber eine Mimose, wenn er selber angerempelt wird. Gerade kein Beispiel zur Hand, also quietsch, Niklaus Meienberg war auch so. Quietsch, Roger Schawinski war und ist so. Quietsch, gelte auch für «Woke-Sensible».

Damit hat Büttner auf wenigen Zeilen einen Satz Reifen verschlissen, und was er eigentlich sagen will, verschwindet im Qualm von rauchendem Gummi.

 

 

Qual der Wahl

So sad, würde Trump sagen. Wenn er die Kandidaten des «Schweizer Journalist» sehen könnte.

Pardon, der «Schweizer Journalist:in» natürlich. Wir von !ZACK:BUM* (nur echt mit Knacklaut) sind zwar empört. Dieser fehlgeleitete Doppelpunkt plus die Endung diskriminiert mindestens 162 der bislang aufgefundenen 164 Gender-Orientierungen. Insbesondere alles Non-Binäre, alle Transmenschen spüren den Schmerz.

Aber gut, darum soll es hier nicht gehen. Denn dieses Produkt, auf dessen Gratis-Zustellung wir bereits verzichtet haben, ruft zur Wahl der «Journalist:in» des Jahres. In vielen wunderbaren Kategorien.

Die Elendsverwalterinnen, Pardon, Sparmassnahminnen, Äxgüsi, die «Chefredaktorinnen» (wo bleibt hier der Doppelpunkt?) sind schon ganz aufgeregt:

«Wir haben in den letzten Wochen viele grossartige Nominiationen erhalten – es ist uns nicht leicht gefallen, uns auf 5 Kandidat:innen pro Kategorie zu beschränken.»

Gleichzeitig zeigen sie klare Kante: «Wir haben uns daher entschieden, dass jeder und jede nur in einer Kategorie nominiert sein kann – wer zum Beispiel als Journalist des Jahres nominiert ist, kann nicht auch noch Reporter des Jahres werden.»

Finden wir schade, ist irgendwie auch diskriminierend, ausgrenzend, diesem Ansatz fehlt es an Inklusion. Und überhaupt: wo bleibt hier die korrekte Falschschreibung? Müsste es nicht «Journalist:in», «Reporter:in» heissen? Ja, bitte? Wir erwarten Antworten! Aber gut, auf welche Kandidat:innen*!+ hat man sich denn beschränkt?

Schon die Auswahl stellt einen vor Qualen

Ach, wir wissen gar nicht, wen wir bei dieser Auswahl speziell erwähnen sollen. Es sind insgesamt 70 Nas*Innen, da wird die Personaldecke im links-alternativen Feuchtgebiet dünn.

Nun, die wichtigste Kategorie, wenn wir so vorprellen dürfen, ist wohl die des Journalisten des Jahres. Aber nicht nur hier werden eigentlich alle vorherigen Preisträger indirekt aufgefordert, ihre Auszeichnung zurückzugeben. Denn wer möchte sie schon mit Salome Müller (also bitte, DIE Müller, Verfasserin des Tagi-NL, Schönschreiberin von Schulaufsätzen und vor allem Initiatorin des Tamedia-Frauen-Protest-Aufschreis) teilen. Oder mit Larissa Rhyn (also bitte, DIE Rhyn, seit September 2021 TV-Bundeshausredaktorin von SRF, schon 2018 Praktikantin bei der «Tagesschau», anschliessend Volontärin bei der NZZ).

Das waren noch Zeiten, das waren noch Journalisten, das war noch eine Feier.

Noch schwieriger wird die Wahl des Chefredaktors des Jahres. Sollte es das «Kollektiv (Megafon)» werden, sind wir gespannt, wer den Preis entgegennähme – und ob die geschmackvolle Kopf-ab-Karikatur speziell gewürdigt würde. Andrea Fopp (also bitte, DIE Fopp, allen paar Dutzend Lesern von «bajour» bekannt) oder Jacqueline Krause-Blouin (also bitte, DIE Krause von der «Annabelle») wären natürlich auch valable Kandidaten und sogar Kandidatinnen. Wir könnten uns aber auch Mario Stäuble und Priska Amstutz vorstellen (also bitte, DIE ins dritte Glied zurückbeförderten Co-Chefredaktoren des Tagi).

Weiter im Panoptikum der Nicht-mal-Adabeis

Oder dann Naomi Gregoris, Lena Oppong oder Katja Fischer de Santi (also bitte, ZACKBUM hat auch noch nie von denen gehört) als Gesellschaftsjournalist des Jahres. Oder wie wär’s mit dem Autor eines Konzern-Konkurrenz-Niedermachartikels Philipp Loser als «Kolumne des Jahres»; er könnte Hanspeter Lebrument als Laudator einladen. Oder vielleicht Ina Bullwinkel, was aber den Laudator vor grössere Herausforderungen stellen würde: Ina who? Aber eigentlich sind das ja auch nicht Kolumnen, sondern Kolumnisten, aber das ist natürlich schon ein schwieriges Wort.

Schliesslich noch Andreas Tobler, der Freund von Theatermorden, als Kulturjournalist des Jahres oder Jürg Steiner als Lokaljournalist (Premiere, von der «Hauptstadt», die es noch gar nicht gibt). Aber Obama hat ja auch präventiv den Friedensnobelpreis gekriegt, wieso nicht.

Immerhin, Roger Schawinski könnte «Audiojournalist des Jahres» werden. Vorausgesetzt, er würde noch für «SRF» arbeiten, was er aber nicht tut.

Nun senken wir die Stimme zu einem konspirativen Flüstern, halten die Hand vor den Mund und mit der anderen die Nase zu. Denn wie um aller Göttinnen willen kommt DER auf die Liste der Politjournalisten des Jahres? Bevor wir seinen Namen aussprechen, versprechen wir, den Mund anschliessend mit Bimsstein zu reinigen und mit aufdringlichem Raumduft den Schwefelgeruch zu bekämpfen:

Wer seinen Augen nicht traut: ja, er ist’s, the one and only Christoph Mörgeli.

Es tut aber weh, dass es tatsächlich möglich ist, den schon letztes Jahr völlig abgewrackten Preis noch weiter ins Unterholz zu schlagen.

Zufälle gab’s aber auch; ob das an der Jury lag?

Schon damals hatten alle Wahlen Schlagseite

Schon die Wahl der Nachlassverwalterinnen des gescheiterten David Sieber hatte ein Geschmäckle.

Rückfragen nur bis zum Rücktritt.

ZACKBUM war schon beim letzten Mal so irritiert von der Kandidatenauswahl, dass wir ein eigenes Ranking durchführten und – was vom Preisträger geschätzt und vom Publikum applaudiert wurde, Roger Schawinski zum Journalisten des Jahres wählten.

Der wohl erfolgreichste Journalist der Schweiz mit einer beeindruckten Lebensleistung von Taten war nämlich noch nie gewürdigt worden. Aber gut, nun hat er die Chance, als «Audiojournalist» (für längst vergangenen TV-Journalismus, sähen, nicht hären) in die Kränze zu kommen.

Ist das peinlich, aber peinlich, oberpeinlich 

Ist das vielleicht peinlich. Schmerzlich peinlich, denn der Preis bedeutete früher mal was. Er wurde vom ersten Chefredaktor des «Schweizer Journalist», als auch der noch was war, auf die Landkarte gestemmt und zur Trademark gemacht. Aber was hochkommt, fällt auch wieder runter. Nicht von alleine, das macht es dann auch noch ärgerlich.

Heutzutage muss nur schon die Nominierung ein Gefühl auslösen, als würde man in ein nasses Handtuch beissen, während die Kreide über eine Wandtafel quietscht.

Wer etwas Anstand und Ehre im Leib hat, muss diese Preisfarce boykottieren.

Wir verleihen aber einen Trostpreis an den einzigen Journalisten, der sich sicherlich grämt, wieso er nirgends nominiert wurde. Komm her, Hansi Voigt, wir organisieren Ihnen Pascal Hollenstein als Laudator, und Jolanda Spiess-Hegglin wird Ihnen den Preis als unsäglichsten Heuchler und Hetzer des Jahres überreichen.

Noch ein kleiner Tipp für Ego-Shooter: wer den Link zur Wahl bekommen hat und keine Scham kennt, kann beliebig oft für sich selbst abstimmen …

Roschee macht UKWeh

Kehrtwende: UKW bleibt. Zumindest bis Ende 2024. Eins zu null für den Radiopionier.

Man soll alte Löwen nicht unterschätzen. Als Roger Schawinski seinen Feldzug gegen die Abschaltung der UKW-Übertragung der Schweizer Radiostationen begann, war ihm Häme und Belustigung gewiss.

Wanner Junior, Beruf Sohn, Funktion Chef der Radiostationen im Wanner-Imperium, mokierte sich über die Rebellion gegen die Abschaltung; da sei einer in der Vergangenheit steckengeblieben. Seither ist er verstummt.

Der Präsident des Verbandes der Schweizer Privatradios hat inzwischen Kreide gefressen. «Roger Schawinski hat sicher eine Diskussion ausgelöst und das Thema in die Politik gebracht», sagt Jürg Bachmann neuerdings.

Über 60’000 Unterschriften unter einer Petition, die damals verantwortliche Bundesrätin Doris Leuthard wie auch ihr Vorgänger Moritz Leuenberger sprachen sich für eine Marschhalt und gegen die Abschaltung aus, das wirkte.

Ende August wird sich die zuständige parlamentarische Kommission des Nationalrats nochmals über das Thema beugen.

Und was sagt Roger Schawinski; ist die Schlacht schon gewonnen – oder war es erst ein Etappensieg?

Er will nun die SRG in die Pflicht nehmen, die bislang vornehm zur ganzen Debatte geschwiegen hat; seine vollständige Stellungnahme zuerst auf ZACKBUM:

«Dieser Entscheid zeigt, wie unnötig, unüberlegt, umweltschädlich und konsumentenfeindlich der überstürzte UKW-Abschaltplan der SRG und der Privatradios war. Das neue Abschaltdatum von Ende 2024 berücksichtigt jedoch in keiner Weise den Kern der Problematik.

Sie bezieht sich nicht auf die reale Radionutzung, die allein entscheidend sein sollte, sondern auf das Auslaufen der privaten Radiokonzessionen.

Doch auch bei der Vergabe der neuen Konzessionen muss man der technischen Entwicklung Rechnung tragen, denn auch 2024 werden wohl über eine Million von Schweizer Autos keinen DAB-Empfang haben. Sie alle werden auch in Bezug auf die Verkehrssicherheit noch während Jahren auf UKW angewiesen sein.

Die Politik ist aufgefordert, sich in diesen Prozess einzubringen und ihn nicht den privaten Radioveranstaltern zu überlassen, die ihre Konzessionen erhalten haben, um eine optimale Servicefunktion für die Gesellschaft und die Bedürfnisse der Radiohörer zu erbringen.

Auch die SRG muss sich jetzt aktiv in diese Diskussion einbringen, die sich bisher konsequent hinter den privaten Radioveranstaltern versteckt hat.

Als Monopolanstalt soll sie ihren Versorgungsauftrag für die gesamte Bevölkerung berücksichtigen, und diese betrifft nicht nur die Senderseite, sondern im gleichen Masse die Empfangsmöglichkeiten eines wichtigen Teils der Radiohörer.»

Das hört sich sehr nach einer Fortsetzung an.

 

 

Sind die Medien weitsichtig?

Zumindest sehen sie das Naheliegende weniger, wenn es sie selbst betrifft.

Es gibt zwei Schlachtfelder, auf denen es ums medial Eingemachte geht. Da wäre zum einen die drohende Abschaltung der UKW-Ausstrahlung von Schweizer Radiostationen.

Zitieren wir das Blatt der vertieften Analyse, das Organ mit dem Abflussrohr im Titel, den «Blick»:

«Schawinski setzt sich in Bundesbern durch

Etappensieg für Roger Schawinski: Die Nationalratskommission fordert nach einem Treffen mit dem Zürcher Radiopionier, dass die Verwaltung bei der Abschaltung des UKW-Radios einen Marschhalt macht. Spätestens Ende 2023 will der Bundesrat komplett auf DAB+ umstellen und die UKW-Sender abstellen. Die Kommission fordert nun vom Bund, dass er vertieft prüft, welche Folgen es hätte, wenn man auf eine Abschaltung verzichten würde.»

Das nennt man der Berichterstatterpflicht nachkommen. Worum geht’s eigentlich, wieso darf Schawinski überhaupt bei einer Kommission des NR vorsprechen? War da nicht auch noch der Präsident des Verbandes Schweizer Privatradios geladen? Jürg Bachmann gab sich im Vorfeld noch siegesgewiss:

«Wir werden den Parlamentarierinnen und Parlamentariern darlegen, dass auch die Radios ganz digital werden wollen.»

Das scheint ihm nicht wirklich gelungen zu sein. Als grosser Schweiger profiliert sich zudem die SRG. Sie wäre von einer Abschaltung der UKW-Frequenzen am stärksten betroffen, mochte sich aber an diesem Hearing nicht äussern.

Aufgeflogenes Gemauschel

Genauso wenig wie der grösste private Betreiber von Radiostationen; CH Media bzw. die Familie Wanner (Vater ist Besitzer vom Ganzen, Sohn ist zuständig für den Radiobereich) hüllt sich in Schweigen, nachdem sich Wanner Junior damit lächerlich machte, dass er sich darüber mokierte, dass der alte und in der Vergangenheit steckengebliebene ewige Pirat Schawinski zu seinem Abgang noch ein letztes Gefecht führen wolle.

Seitdem es Schawinski gelungen ist, im Alleingang und ohne Unterstützung und lediglich mit seinem «Radio 1» als treuem Begleiter über 60’000 Unterschriften für eine Petition gegen die Abschaltung zu generieren, herrscht nun Ernüchterung auf der Gegenseite.

Verstärkt wird die dadurch, dass die beiden ehemaligen Medienminister, Moritz Leuenberger und Doris Leuthard, sich inzwischen auch klar gegen die bevorstehende Abschaltung ausgesprochen haben.

Der Hintergrund ist ein typisch Schweizer Gemischel und Gemurkse. Man will die Erde darüber festklopfen, dass die mit Millionenaufwand betriebene Umstellung auf DAB und DAB+ ein Riesenflop ist. In einer Zangenbewegung erkauften sich Staat und SRG die Zustimmung der Privatradios zur UKW-Abschaltung. Die Privatradios mussten nicht wie üblich ein neues Gesuch um die Verlängerung ihrer Lizenz einreichen, dafür erklärten sie sich mit dem Abschalten einverstanden.

Ausser einem. Der wurde sträflich unterschätzt, nun gerät der ganze schöne Plan ins Rutschen. Warum? Weil dieser eine eben mit Herzblut dabei ist. Ein Radiomann ist. Kein Manager, der Kekse, Autoversicherungen oder Radiostationen verwalten könnte, ohne irgend einen Unterschied in der Tätigkeit zu sehen. UKW-Empfänger zu Elektroschrott machen, Autofahrer zum Umstieg auf DAB+ zwingen, dabei steht das Internet-Radio mit 5G bereits vor den Türen? Na und, sagen diese Manager, ist halt so.

400 Millionen jährliche Staatssubventionen  für die Verlegerclans?

Noch tieferes Schweigen herrscht zurzeit zum Thema «Referendumskomitee Staatsmedien nein». Eigentlich dachten die Verlegerclans, dass der Mist geführt sei. Die zusätzlichen Milliarden an Staatssubventionen eingefahren, durchs Parlament geschleust. Abgehakt, erledigt.

Fünffaches Grauen der Medienclans: das Komitee.

Reiche private Medienkonzerne, die auch in Corona-Zeiten satte Gewinne einfuhren, sollen mit zusätzlichen rund 180 Millionen Steuergeld subventioniert werden? Plus 81 Millionen als Stillehaltegeld aus den SRG-Gebühren. Mit allem Drum und Dran und gesenkter Mehrwertsteuer und verbilligten Zustellgebühren sind das 400 Millionen im Jahr.

Plus SRG-Gebühren sind das satte 1,7 Milliarden im Jahr. Nachdem der Angriff auf die Zwangsgebühren nur ganz knapp abgewehrt wurde, geht’s nun recht ungeniert weiter. Corona, Vierte Gewalt, unverzichtbar, Kontrolle und Transparenz, Korrektiv zur Staatsmacht.

Gemurkst und Gemauschel, Part II

Wirklich wahr? Finanziert vom Staat kritisch gegen den Staat? Ins Elend geschrumpftes Angebot, aber gleichhohe Preise und mehr Subventionen dafür? Gratis-Zeitungen und kostenlose Online-Medien sind ganz bewusst von diesen Subventionen ausgeschlossen.

Beispielsweise «Die Ostschweiz», eine erfolgreiche Alternative zum CH-Media-Einheitsbrei in der Ostschweiz. Oder auch, schnief, ZACKBUM, die letzte kritische Medienplattform.

Das ist hier die Ausgangslage, nun will das Komitee bis 1. Oktober die nötigen 50’000 Unterschriften sammeln, damit das Referendum zustande kommt und darüber abgestimmt werden muss. Auch hier befinden sich die Verlegerclans zurzeit in einer Schockstarre. Nachdem es den diskreditierten Coronapolitik-Kritikern spielend gelungen ist, eine neuerliche Abstimmung über die Corona-Gesetzgebung zu erzwingen, will man dieses Komitee keinesfalls weglächeln.

Aber man will es totschweigen, so gut es geht. In der Hoffnung, dass die 50’000 Unterschriften doch nicht zustande kommen. Sollte es wider Erwarten doch gelingen, dann ist eine Prognose wohlfeil: in aller gebotenen staatstragenden Haltung werden die Medien des Duopols Tamedia und CH Media darüber herfallen. Sich darin überbieten, wie dringend nötig diese Subventionen doch sind, wie verheerend es wäre, würden sie ausbleiben. Dem wird sich Ringier wohl anschliessen, während nur die NZZ vornehm abseits bleibt.

Es wird der Untergang der sogenannten freien Presse an die Wand gemalt werden, ohne vierte Gewalt gäbe es keine funktionierende Demokratie mehr, wird behauptet werden. Mal schauen, ob der Stimmbürger so dumm ist, sich davon einseifen zu lassen.