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Demagogie vom Feinsten

Die «Republik» feuert 76’850 Buchstaben ab. Gegen die «Info-Krieger».

«Trump und Pandemie haben einen Nährboden für ein Medien-Ökosystem geschaffen, in dem Fakten keine Rolle mehr spielen.» Aus diesem System melden sich Basil Schöni und der einstmals ernstzunehmende Daniel Ryser von der «Republik» – weitgehend faktenfrei.

Der Feind, die «Info-Krieger», sind klar definiert: «Das Ökosystem dieser Gegen­erzähler besteht aus Einzel­akteuren. Bloggerinnen, Kolumnisten, Telegram-Influencerinnen, Buchautoren, Journalistinnen, Klein­verlegern und auch ganzen Medien­unternehmen.»

Natürlich müssen Namen genannt werden: «Medien wie «Weltwoche», «Nebelspalter» oder «Die Ostschweiz», wo sich teilweise offene Verschwörungs­ideologinnen als Autoren tummeln, sehen sich als Opfer des Kultur­kampfs, der Pandemie­massnahmen und ganz allgemein des Staates. Videostreamer Daniel Stricker sieht sich als Opfer von fast allem. In der «SonntagsZeitung» und der «Neuen Zürcher Zeitung» finden sich zwar keine Verschwörungs­erzählungen, aber die Erzählung ist oft identisch: Man sieht sich als Opfer des Kultur­kampfs, der «Cancel-Culture», der SRG.»

Etwas überraschend, dass auch die NZZ und die SoZ in den Topf geworfen werden. Das mag aber seinen Grund darin haben, dass beide Organe Fake-Skandal-Storys der «Republik» in der Luft zerrissen haben. Denn man ist nachtragend.

Die Liste der namentlich erwähnten Info-Krieger oder Infokriegsstätten ist beeindruckend lang (in der Reihenfolge des Erstauftritts): Daniel Stricker, Tito Tettamanti, Konrad Hummler, «Weltwoche», «Nebelspalter», «Schweizer Monat», «Die Ostschweiz», Donald Trump, Peter Thiel, Ronnie Grob, Markus Somm, Reto Brennwald, David Rubin, Joe Rogan, Alex Baur, Dominik Feusi, Philipp Gut, Stefan Millius, Alex Jones, Milosz Matuschek, «Uncut News», «Politically Incorrect», Steve Bannon, Thomas Matter, Joyce Küng, Neal David Sutz, «Rebel News», Daniel Regli, Nicolas A. Rimoldi, Andreas Thiel, Boris Reitschuster, Prisca Würgler, Michael Bubendorf, Daniele Ganser, Stefan Molyneux, David Duke, Richard Spencer, Milo Yiannopoulos.

Logisch, dass die tapferen Demagogen von der «Republik» nur mit ganz wenigen dieser Mitglieder einer rechten Medienverschwörung gesprochen haben. Ist halt «Republik»-Stil: in die Pfanne hauen funktioniert am besten, wenn dem Opfer keine Gelegenheit zur Gegenwehr gegeben wird.

Ein Spinnennetz aus «Info-Kriegern», fein animiert.

Nachzutragen sind noch zwei bedeutende Abwesende: Christoph Blocher – und René Zeyer.

Wie oberflächlich und nachlässig hier recherchiert wird, sei an einem einzigen Beispiel erklärt. «Diese Leute, die selber entweder sehr mächtig oder zumindest wort­mächtig sind und gleichzeitig erzählen, dass wir von «den Mächtigen» nur angelogen oder zensiert werden, eint die Faszination für einen mächtigen Meister der Lügen: den Ex-US-Präsidenten Donald Trump, der in seiner vier­jährigen Amtszeit nachweislich mindestens 30’573-mal gelogen oder falsche Behauptungen aufgestellt hat.»

Dabei bezieht sich die «Republik» auf eine Liste, die die «Washington Post» führt. Schon 2017 ergab ein genauer Blick auf die Kriterien, was hier als «Lüge» gebrandmarkt wird, dass es sich um reine Demagogie der WaPo handelt. Der Artikel «Jetzt wäre erst recht Präzision gefragt», erschien in der «Medienwoche» und ist abrufbar. Aber der Autor bietet Anlass zum Verdacht, dass es sich um einen Info-Krieger handeln könnte.

Irr an diesem Irrflug der «Republik» ist, dass es den Autoren nicht auffällt, dass sie im Kampf gegen angebliche Verschwörungstheoretiker und Info-Krieger selbst genau das Gleiche machen, was sie ihnen vorwerfen. Faktenfreie Demagogie:

«Willkommen zu einer Reise ans Ende der Demokratie.»

Zum Lieblingsfeind haben sie sich Daniel Stricker erkoren. Aus einem einfachen Grund; mit ihm haben sie ausnahmsweise geredet, und sein Videoblog eignet sich bestens, um ihn als Kristallisationspunkt von allem Üblen in der Schweiz zu denunzieren:

«Stricker-TV, das ist der Lebens­inhalt eines Mannes in seinen Fünfzigern, der Tesla-Aktien besitzt und glaubt, das geheime Muster hinter dem Welt­geschehen gefunden zu haben. Stricker-TV ist auch der Ort, wo sich in den letzten zwei Jahren die verloren gegangene Abgrenzung rechter Medien gegenüber Verschwörungs­erzählungen manifestierte – von «Weltwoche», «Schweizer Monat» und «Nebelspalter». Wo die Allianz von seriösem Journalismus und wirren Lügen offenbar wurde, wo ein Durch­einander von Verschwörungs­freaks und Leuten aufeinander­treffen, die im Schweizer Journalismus teilweise einfluss­reiche Positionen besetzen.»

In diesem Absatz ist alles drin, was eine haltlose Verschwörungstheorie ausmacht.

Immer, wenn man denkt, dass die «Republik» einen absoluten Tiefpunkt erreicht hat, von wo es nicht mehr weiter nach unten gehen kann, beweist sie das Gegenteil. Hinzu kommt noch eine sozusagen systembedingte Unfähigkeit. Denn wer, ausser der zu bedauernden Plattform ZACKBUM, liest denn fast 80’000 Anschläge Gequirltes, Verwirrtes, demagogisch Aufgepumptes, Faktenfreies und bösartig-einseitiges Rüpeln, bei dem fast alle ans Kreuz genagelten Personen oder Institutionen nicht mal um Stellungnahme angefragt wurden.

Wohlgemerkt: für diesen Riesenriemen mit einer ganzen Schar von namentlich Denunzierten haben die beiden Recherchier-Genies der «Republik» aktuell mit haargenau einer einzigen Person gesprochen. Mit Stricker, der dann auch ausführlich vorgeführt wird. Alle anderen (mehr als 30!), alle angerempelten Medien werden ungefragt in den Verschwörungstopf geworfen.

Fragt da einer, wieso denn ZACKBUM den Autoren keine Gelegenheit zur Stellungnahme gab? Aus zwei Gründen. Das hier ist ein Kommentar. Und wer zweimal nicht auf Anfragen reagiert, bekommt keine dritte Chance.

Die «Republik» betreibt übelsten Verschwörungstheorie-Journalismus, der Verschwörungs-Journalismus denunzieren, entlarven will. Dabei entlarvt er sich nur selbst.

Skandalnudel «Republik»

Nächster Versuch: Die Bäckerei Bertschi am Pranger.

Es ist der bewährte Konjunktiv-Sound, unterfüttert mit Modalverben, Fragezeichen und dunklem Raunen: «Arbeiten, bis man krank wird? Eine Grossbäckerei, die Aldi, Coop und Migros beliefert, soll Mitarbeiter mit Krediten abhängig gemacht und zu unzähligen Überstunden gedrängt haben. Die Verantwortlichen bestreiten es. Doch die Staats­anwaltschaft hat ein Straf­verfahren eingeleitet.»

Es ist der bewährte Aufmarsch von Kronzeugen; natürlich anonymisiert. Als Knaller der extremste Fall: «Einer von Bertschis Bäckern war Ahmed Abbas, der in Wirklichkeit anders heisst.»  Fleissiger und guter Bäcker, der Lohn stieg, «es schien ein Traum».

Ein Alptraum: «Doch es war die Hölle. 2020 konnte Abbas nicht mehr. Er – Ehemann und Vater zweier Kinder – brach zusammen.»

Was ist geschehen? «Die Zürcher Staats­anwaltschaft hat ein entsprechendes Straf­verfahren eingeleitet, wie ein Sprecher auf Anfrage der Republik sagt. Nähere Angaben zu den Ermittlungen macht er nicht. Er weist lediglich darauf hin, dass für die Beschuldigten «bis zu einem rechts­kräftigen Verfahrens­abschluss» die Unschulds­vermutung gelte.»

Worum geht es genau? Keine Angaben. Wird es zu einer Anklage kommen? Keine Ahnung. Gilt die Unschuldsvermutung? Doch nicht bei der «Republik». Wer hat die Ermittlungen ausgelöst? Eben dieser Abbas, der anders heisst, nicht mehr bei Bertschi arbeitet und deren Verantwortliche «unter anderem der Nötigung, des Betrugs und der gewerbs­mässigen Kredit­vergabe ohne Bewilligung beschuldigt».

Was macht die «Republik»? Das Bewährte, das zuletzt beim Kita-Betreiber «Globe Garden» mit gröbsten Anschuldigungen anonymer ehemaliger Mitarbeiter zum angeblichen Skandal aufgepumpt wurde. Resultat: kein einziger der erhobenen Vorwürfe liess sich in einer gründlichen Untersuchung substanziieren. Gebackene, heisse Luft.

Also auf ein Neues: Die «Republik» hat natürlich «mit verschiedenen heutigen und früheren Angestellten gesprochen, aber auch mit Aussen­stehenden und mit den Verantwortlichen von Bertschi. Manches des Gesagten lässt sich mit Dokumenten belegen, anderes nicht.»

Daher gilt auch hier: lang lebe der Konjunktiv und die verklausulierte Beschuldigung, in der Hoffnung, dass das nicht justiziabel ist: «Was sich nicht ausschliessen lässt: Bertschi soll Kredit- und Darlehens­nehmer oft im Ungewissen gelassen haben, wie hoch ihre Schulden tatsächlich sind.»

Lässt sich nicht ausschliessen? Es lässt sich nicht ausschliessen, dass bei der «Republik» unfähige Recherchierjournalisten arbeiten.

Im Gegensatz zu früher gibt aber die «Republik» den Angeschuldigten immerhin Gelegenheit zur Stellungnahme. Allerdings so demagogisch eingerahmt, dass die Glaubwürdigkeit doch etwas leidet: «In einem der Büros sitzt der Geschäfts­führer, der die Gross­bäckerei seit Juli 2020 leitet. Links von ihm hat Christoph Stutz Platz genommen, ein Anwalt der Zürcher Kanzlei Walder Wyss. Rechts von ihm sitzt Jürg Wildberger, Kommunikations­berater und ehemaliger Chef­redaktor von «Weltwoche», «Facts» und TV3. Beide haben ein Mandat von Bertschi.»

Wer so bewaffnet zum Gespräch erscheint, hat sicherlich mehr als verbranntes Brot zu verantworten. Und was sagt man so? «Die Bertschi-Verantwortlichen bestreiten praktisch alle Vorwürfe.»

Mit denen sie aber offenbar nur zum Teil konfrontiert wurden, damit die «Republik» im Text mit weiteren Beispielen nachladen kann. Es geht also um Überstunden, Kreditvergabe, Abzüge vom Lohn, was ihn unter das Existenzminimum getrieben haben soll. Das erscheint der «Republik» dann doch als etwas sehr luftiges Backwerk, also legt sie als Schlusspointe noch einen drauf. Ein Betriebsunfall, der nun überhaupt nichts mit den vorher beklagten angeblichen Skandalen zu tun hat:

«2015 rutschte in der Gross­bäckerei die ungenügend gesicherte Metall­klappe einer Abfall­presse auf den Kopf eines Mannes, der mit Maler­arbeiten beauftragt war. Der 51-Jährige starb auf der Stelle. Aus diesem Grund wurde der ehemalige Sicherheits­verantwortliche der Bäckerei 2019 vom Bezirks­gericht Bülach wegen fahrlässiger Tötung verurteilt. Das Urteil ist nicht rechts­kräftig, der Fall noch immer hängig

Das leitet über zu: «Hängig ist auch das aktuelle Straf­verfahren der Zürcher Staats­anwaltschaft. Deshalb gilt für alle Beschuldigten die Unschulds­vermutung.»

Das hörte sich allerdings rund 18’000 Anschläge lang ganz, ganz anders an.

 

Linke Geschäfte

Der Zürcher «Kosmos» ist ein typisches Trauerspiel.

Wenn vier Bestandteile zusammenkommen, dann kracht’s. Linke Gesinnung, Kultur, Subventionen und Geschäft.

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Das «Kulturzentrum Kosmos» in Zürich ist ein Paradebeispiel dafür. Eigentlich ist es ein saftiger Schwank, der einen Regisseur wie Rainer Werner Fassbinder bräuchte, um süffig verfilmt zu werden.

Edler saufen: «Kosmos»-Bar.

Am Anfang stand ein Milliarden-Überbauungsprojekt der SBB, die Europa-Allee. Zwecks Besänftigung des linken Milieus schlug der aus der Hausbesetzerszene zum Immobilienmillionär gereifte Steff Fischer vor, doch einen Kulturtempel in die Planung einzubeziehen, für billiges Geld. Die Idee vom «Kosmos» war geboren. Kinos, Bar, Buchhandlung, Bistro, Restaurant, Platz für Events.

Beruhigungspille für Alternative.

Filmemacher Samir und Kulturveranstalter Bruno Deckert entwickelten ein Konzept, das Teil hob ab. Alles lief ziemlich gut, mit Ausnahme der Kinos. Überangebot in Zürich, eigenwillige Programmierung durch Samir. Nur die Alternative Liste (AL) fand das Projekt nicht lustig; es wurden Scheiben eingeschlagen und auf Fischers Büro ein Buttersäureanschlag verübt. Aber AL-Mitglied Samir konnte die Wogen glätten.

Die sechs leeren Kinosäle störten nicht weiter, boten aber Konfliktstoff. Denn wie immer ging es letztlich um Macht, wer hat das Sagen. Und da sind Linke nicht weniger raffiniert mit Winkelzügen unterwegs als knallharte kapitalistische Geschäftsleute.

Schön, aber leer: eines von sechs Kinos im «Kosmos».

Turbulente GV, Samir und Deckert zerstritten sich, Samir machte Zweiter. Liess das aber nicht auf sich sitzen, via «Republik» liess er stänkern, dass «rechte Kreise» den «Kosmos» übernehmen wollten.«Der Putsch» überschrieb Daniel Binswanger seine einäugige Parteinahme für Samir und deutete dessen Putschversuch in einen angeblichen Putsch rechter Kreise gegen den Filmemacher um.

Nach mühsamer Mediation sollte damals ein neuer VR gewählt werden, mit Samir, Deckert und zwei «neutralen» Mitgliedern. Aber nicht mit Samir; kurz vor der Wahl-GV rempelte er per E-Mail Deckert an und verlangte die Wahl von zwei weiteren VR – was ihm die Mehrheit garantiert hätte.

Was dahinter stand, fasste Kenner Fischer schön zusammen: «Ein etwas tiefer liegendes Problem beim ‹Kosmos› ist, dass das grosse Geld von Erb-Linken stammt.» Was er damit meinte, deutschte damals die «Weltwoche» aus: «Damit meinte er Leute wie Stina Werenfels, die aus der reichen Werenfels-Familie stammt, Filmemacher Ruedi Gerber, Sohn von Ex-Roche-Chef Fritz Gerber, Kabarettist Patrick Frey, Abkömmling einer Winterthurer Industriellenfamilie, und einige mehr. «Diese Erb-Linken sind zu Geld gekommen wie die Maria zum Kind», schrieb er. «Sie wissen nicht, wie Geld verdient wird. Schlimmer noch, sie wollen gar nicht wissen, wie Geld verdient wird. Ihr Reichtum erfüllt sie mit Scham. Sie wollen keine Kapitalisten sein wie ihre Väter. Sie wollen mit ihrem Geld Gutes tun, um eine Art von Absolution zu erlangen

Das war vor rund zwei Jahren, anschliessend gab es einen Burgfrieden mit einem rein weiblichen VR. Aber natürlich ohne Samir. Bis nun diese 5 Frauen kollektiv den Bettel im April hinschmissen. «Kä Luscht» mehr, oder vornehmer formuliert: «wegen unterschiedlicher Vorstellungen über strategische, inhaltliche und personelle Fragen, die von einer kleinen Gruppe von Aktionären aufgeworfen wurden

Diese «kleine Gruppe» ist Filmemacher Samir und ein paar Unterstützer. Der hat bis heute nicht verwunden, dass sein damaliger Putschversuch kurz vor der GV in die Hose gegangen war. Nun stänkert er, dass er eine «mögliche Überschuldung der Kosmos Kultur AG» befürchte.

Schöner Treppensteigen im «Kosmos».

Dabei geht es dem «Kosmos» relativ gut. Corona-Kredite und die Tatsache, dass sich reiche Erb-Linke 1,5 Millionen Darlehen ans Bein gestrichen haben, helfen ungemein. Wie Beat Schmid auf «tippinpoint.» richtig schreibt: «Von einer “möglichen Überschuldung” kann aufgrund des Revisionsberichts keine Rede sein.»

Wieso also das Gestürm? Logisch: «Filmemacher Samir will unbedingt in den Verwaltungsrat. Seine Gruppe hat seine Kandidatur als «ultimativ» und «nicht verhandelbar» bezeichnet. Zudem hat er sich mit einer “Bewerbung” selber zur Wahl vorgeschlagen.»

Also Putschversuch zwei eines Unermüdlichen. Das Einzige, was am «Kosmos» nie funktioniert hat, sind die Kinos. Ausgerechnet der dafür Verantwortliche will nun das Zepter über den ganzen Betrieb übernehmen. Ein Trauerspiel, wie Schmid resümiert:

«Zwei Jahre nach dem letzten Krach droht dem Kosmos abermals die Spaltung. Diesmal geht sie quer durch einst befreundete Lager. Für die Beschäftigten ist das ein ganz grosser Jammer. Sie sind letztlich die Leidtragenden der Streitereien. Im kleinen Zürcher Kulturbetrieb spielt sich das gleiche Drama ab wie in grossen börsenkotierten Firmen: Ein gespaltenes, zerstrittenes Aktionariat bringt jedes Unternehmen früher oder später an den Rand des Abgrunds – oder darüber hinaus.»

Linke Gesinnung, Subventionen, Kultur und Geschäft. Wenn das alleine noch nicht für eine Explosion reicht, braucht es nur noch ein weiteres Element als Zündschnur: Machtgier.

Und die Moral von der Geschicht? Erb-Linke können Geschäfte nicht.

Als die Bilder laufen lernten

Die Mainstream-Medien entdecken das Bewegtbild. Sogar in Farbe.

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Tamedia setzt auf skelettierte Redaktionen und Videos zwecks Bespassung der immer kleineren Leserschar. Allerdings ist das Anschauen meistens reine Zeitverschwendung. So führt Tamedia stolz ein Video vor, das angeblich die angebliche Jacht von Präsident Putin zeigen soll, die in einem italienischen Hafen beschlagnahmt wurde.

Das informative und unterhaltsame Video zeigt – die Jacht. Aus verschiedenen Perspektiven. Von der Seite. Von vorne. Nochmals von der Seite. Von nahe, so weit halt ein Tele heranzoomen kann. Man sollte diese Minute verschwendeter Lebenszeit dem Konzern in Rechnung stellen.

Das Gleiche gilt auch für den Videobericht über die Explosion in Havanna, bei der das Hotel Saratoga schwer beschädigt wurde. Es muss mit Dutzenden von Todesopfern und Verletzten gerechnet werden. In dieser Minute sieht man – die rauchenden Trümmer der Hotels. Aus verschiedenen Perspektiven. Nochmals eine Minute Lebenszeit geklaut.

Ringier setzt bekanntlich auf «Blick TV», eine Art Nachrichtenshow. Zwar zuletzt runtergespart bis zum Gehtnichtmehr, aber immerhin mit eigenen Reportern vor Ort. So zum Beispiel auf dem Friedhof bei Riehen, wo traditionell eine Gedenkfeier anlässlich des sowjetischen Sieges über Hitlerdeutschland stattfindet. Da schaltet «Blick» live zum Reporter vor Ort. Leider nur zu spät, denn der kann nur berichten, dass gerade eigentlich nichts los sei, was eine einsame Person im Hintergrund stumm bestätigt.

Aber wozu gibt es den Rückblick; zuvor sei etwas los gewesen, berichtet er. Da hätten sich doch zwei Frauen in ukrainischen Farben vor den Gedenkstein gestellt, worauf Russen (und Russinnen, wir sind bei Korrekt-TV) «das Gespräch» gesucht hätten, anschliessend seien die beiden Frauen davongelaufen. Einblick in Einfalt-TV.

Wie es sich gehört, setzt das Blatt für die besseren Stände natürlich nicht auf Videoschnipsel, sondern produziert unter dem passenden Namen «NZZ Format» eigene Dokumentationen, über interessante und manchmal auch weniger interessante Themen.

CH Media, der Konzern mit den meisten eigenen Privat-TV-Stationen und jeder Menge Dudelfunk, hat allerdings noch nie etwas von Synergien gehört. Der Web-Auftritt seiner Unzahl von Kopfblättern ist völlig frei von Bewegtbild und -ton. Vielleicht muss da technologisch noch aufgerüstet werden.

Dafür setzt einer der drei Auslandredaktoren, die sich der Konzern leistet, seine Serie der Blödel-Alliterationen fort. Putin, Potemkin, Parade, wer kann da schon widerstehen. Auch wenn auf dem Roten Platz keine Holzfassaden vorbeigetragen wurden.

«20Minuten» zeigt auch in diesem Bereich, wieso es weiterhin alle Bezahlzeitungen in seiner Reichweite abtrocknet. Gleich eine ganze Videogalerie nimmt auf die Sehgewohnheiten auch der jüngeren Leserschaft Rücksicht.

«watson» hingegen, Überraschung, bemüht sich auch in der Abteilung Video, das Niveau unermüdlich tieferzulegen. Mit Erfolg:

Und wie steht es denn mit der «Republik»? 50 Nasen, Millionenbudget, sollten da zur Rettung der Demokratie nicht auch Videos eingesetzt werden? Beschallt wird der Leser ja mit Podcasts, aber zum Bewegtbild hat’s noch nicht gereicht. Wahrscheinlich braucht es dafür zunächst eine neue Bettelrunde unter der Leserschaft.

Falsches Pathos

Ganz schlimm wird es, wenn sich minderbemittelte Schreibkräfte um Pathos bemühen.

«Man mag verzweifeln ob Wladimir Putin und der Grausamkeit der Welt. Man muss aber nicht. Hoffnung gibt es auch in dieser dunklen Stunde der Menschheit.»

Philipp Loser, der Superstar der schräg-dunklen Formulierungen.

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Daniel Schneebeli spricht auch bei Tamedia ein wahres Wort in eigener Sache gelassen aus: «So verlangt die SVP zum Beispiel Sprachkenntnisse, die auch ein grosser Teil der Schweizerinnen und Schweizer nicht erfüllen.» Daher sollte man die Beherrschung der deutschen Sprache, an der auch gestandene Journalisten scheitern, bei Einbürgerungen nicht zur Voraussetzung machen. Denn Ausländer «sorgen hier für Wohlstand, sind vielen Schweizerinnen und Schweizern zu Freunden geworden. Mit ihnen wollen wir keine Spielchen treiben.»

Also, Spielen mit Ausländern verboten, meint Sprachkenner Schneebeli.

Auch «Blick»-Oberchefredaktor und Busfahrer Christian Dorer weiss, wie man in die Harfe greift. Soll der Staat helfen? Schliesslich sei genug Flüssiges vorhanden, bei den Kantonen und dem Bund: «Dieses Geld könnten sie für Inflationshilfe einsetzen – gezielt für jene, die es brauchen. Alle anderen sollten sich bewusst werden: Freiheit, Demokratie und Frieden haben ihren Preis. Und der wird gerade etwas höher.»

Wer es braucht, muss den Preis für Freiheit, Demokratie und Frieden nicht zahlen, weil der gestiegen ist. Also tanken für den Frieden. Heizen für die Freiheit. Kochen für die Demokratie. Gezielt geholfen oder reich genug, um diese Preise selbst zahlen zu können.

Pascal Tischhauser, stellvertretender «Blick»-Politikchef, verliert sich hingegen in eher dunklem Geraune: «Wie ernst es der Schweiz mit eigenen Sanktionen ist, zeigt sich erst dann, wenn – hoffentlich nie mehr – wieder ein Staat einen anderen überfällt. Dann aber kann sich die Regierung kein Zaudern mehr erlauben.»

Also, der Ernst zeige sich dann, wenn wieder ein Staat einen anderen überfällt. Was aber nie mehr geschehen sollte. Womit es dann nicht ernst wäre. Auf jeden Fall dürfte dann nicht gezaudert werden. Oder so, oder ganz anders.

Auch Patrik Müller, der Oberchefredaktor bei CH Media, versucht sich am hohen C: «Dank Bidens Brillanz gibt es berechtigte Hoffnung, dass die Ukraine gewinnen wird – und mit ihr die Freiheit und Demokratie.»

Denn: «Historiker vergleichen Joe Biden bereits mit Harry Truman, dem US-Präsidenten von 1945 bis 1953, der die Friedensordnung nach dem Zweiten Weltkrieg massgeblich prägte

Alt, senil und vertrottelt? Gar nicht, schwärmt Müller: «Es zeigt sich nun, wie wertvoll jahrzehntelange Führungserfahrung und auch ein hohes Lebensalter in Krisen von epochaler Dimension sein können.»

Da passt natürlich ein Hinweis auf die persönliche Krise Bidens mit der Ukraine weniger ins Heldeneopos. Dass der vor ein paar Jahren ultimativ verlangte, dass ein ukrainischer Staatsanwalt («that son of a bitch») umgehend gefeuert werde – weil der krummen Geschäften seines Sohnes Hunter Biden auf den Spuren war. Der drogenabhängige und sexsüchtige Tunichtgut hat zu allem Übel vertrottelt sein Laptop zum Reparieren gegeben – und vergessen, abzuholen. Worauf nun genüsslich der kompromittierende Inhalt an die Öffentlichkeit verklickert wird.

Ob dagegen ein genauso korrupter «US-Präsident Trump ein Horrorszenario» wäre, wie Müller meint?

In der NZZ tritt Ulrich Speck in grosse Fussstapfen. Er darf stellvertretend für Eric Gujer dessen Lieblingsgefäss «Der andere Blick» bespielen. Daher bemüht sich Speck um den richtig georgelten, staatsmännischen Ton: «Die SPD muss sich daher fragen lassen, inwieweit sie sich unwillentlich zum Handlanger des Machterhalts eines autokratischen Regimes hat machen lassen, das jetzt mit einem Angriffs- und Eroberungskrieg die europäische Friedensordnung attackiert.»

Ja, das muss sich die SPD fragen lassen, wird aber nicht antworten. Dabei sind die Folgen besorgniserregend: «Diese Erbschaft macht es der SPD äusserst schwer, heute als zentrale Regierungspartei eine neue Russlandpolitik auf die Beine zu stellen. Doch nur wenn die Fehler der Vergangenheit eingesehen werden, können die richtigen Lehren daraus gezogen werden – was wiederum nötig ist, um der Führungsverantwortung der Partei, die den Kanzler stellt, gerecht zu werden. Inmitten einer internationalen Krise, in der es auf Deutschland ankommt wie selten zuvor

Aus Fehlern lernen, Führungsverantwortung, internationale Krise, auf Deutschland kommt es an wie selten. Keine Worthülse, die Speck auslässt, um seinen Kommentar so ernsthaft wie gleichzeitig lächerlich ausklingen zulassen.

Bei pathetisch Geschwurbeltem darf natürlich der Champion aller Klassen des sprachlich Geholperten und inhaltlich Verstolperten nicht fehlen. Genau, Daniel Binswanger liefert das Absackerchen heute.

Er kümmert sich auch mal wieder um die grossen Linien, also um die Ukraine, Atomkrieg und das Schreiben von deutschen Intellektuellen an Kanzler Scholz, das bislang von mehr als 230’000 Bürgern (darunter auch der Autor dieser Zeilen) unterschrieben wurde. Obwohl:  Der Brief «strotzt nur so von absurden Verkürzungen und Einseitigkeiten». Zum Beispiel? «Die Forderung, den Atomkrieg zu vermeiden, wird weiss Gott niemand infrage stellen. Doch daraus für die Ukrainer eine Art Verpflichtung zur Kapitulation abzuleiten, ist argumentativ absurd und moralisch beschämend.»

Auch für Binswanger gilt leider, dass der Dreisprung «lesen, verstehen, kommentieren» nur selten gelingt. Aber immerhin, Jürgen Habermas findet Gnade vor dem strengen Auge des Kritikasters Binswanger: «Habermas benennt das «Dilemma», mit dem der Westen umgehen muss, sehr adäquat.» Ein Dilemma adäquat benennen? Vielleicht sollte es Binswanger mit weniger Fremdwörtern versuchen.

Aber immerhin, am Ende seiner endlosen 10’000 Anschläge gibt er dann klar den adäquaten Tarif durch: «Verhandlungen werden erst zielführend sein, wenn auch für Russland die Kosten zu hoch werden. Deshalb sind Lieferungen von schweren Waffen an die Ukraine das dringende Gebot der Stunde. Alles andere ist zu riskant.»

Lieber einen Atomkrieg riskieren als Appeasement. Was für ein verantwortungsloser Schwätzer.

Wumms: Constantin Seibt

Der Langschreiber ist zurück. Neuer Rekordversuch: 64’291 Anschläge.

Thema: Ukraine. Inhalt: Sprachdurchfall. Tonalität: diffamierend. Beispiel: ein Schwachsinnsdialogfetzen, den der längst abgehalfterte US-Amok Steve Bannon in einer Radio-Show in den USA von sich gibt.

Die Schlussfolgerungen Seibts im Originalton:

«Kurz: Es handelt sich um den international standardisierten Mahlstrom, der die öffentliche Debatte mit austauschbarem Bullshit flutet.
Natürlich, es ist kein Zufall, dass vor allem gealterte, lausbübische Herren mit einer Leidenschaft für die immer gleichen Tabu­brüche dieses Gewerbe betreiben. Es ist intellektuelle Impotenz.
Aus allem, was sie von sich geben, folgt: nichts.
Doch das wäre zu freundlich gedacht. Es handelt sich nicht um privaten Verfall. Es handelt sich um die pausenlose Verstopfung des öffentlichen Diskurses, um einen Angriff auf die Demokratie.
Kurz: um professionelle protofaschistische Propaganda.
Und deshalb gibt es doch eine Antwort auf Texte wie den von Roger Köppel: «Russisches Kriegs­schiff, fick dich!»»

Wer das nicht ganz versteht: keine Bange, das ist ein gutes Zeichen. Seibt gerät nun nicht nur in der Länge aus dem Leim, auch im Inhalt. Denn er ist schreckensbleich: «Die Schübe gehen immer in die gleiche Richtung: Faschismus. Mit jedem Schub schneller

Die Schübe schüben schneller, sie schüben in Richtung Faschismus? Wo das? Nun, eigentlich überall dort, wo man nicht gleicher Meinung wie Seibt ist. Also fast überall.

Der Artikel. Mit Selbstporträt des Autors?

Seine Schübe sind hingegen sehr bedenklich: «Überhaupt gibt es nur wenige demokratische Länder, die frei von Krebs sind: Autoritäre Parteien wuchern überall in Europa.» Autoritäre Parteien, was immer das sein mag, vielleicht meint er demokratisch-legitimierte Parteien wie die SVP oder die AfD, wuchern wie Krebs? Ist es eine Krebswucherung, dass sie beachtliche Mengen an Wählerstimmen bekommen?

Nein, Seibt ist kein Faschist, es wäre dumm, dieses Allerweltsschimpfwort auf ihn anzuwenden. Aber eines ist er sicher: ein Antidemokrat. Und ein Demagoge: «Kein Zufall, dass Rechtsaussen-Politiker, Verschwörungs­anhängerinnen, Corona-Skeptiker und die Putin-Verehrerinnen nun zusammen­wachsen.»

Und ein verpeilter Seher: «Wenn kein Wunder passiert, ist Amerika in naher Zukunft im Lager der Faschisten.»

Was kann man da tun? Von jetzt an sämtliche Ergüsse des verwirrten Herrn ignorieren.

 

Mäkeln statt machen

Aline Wanner weiss eigentlich immer alles besser. Bei den anderen.

Nachdem sich ZACKBUM schon mehrfach mit den Rundumschlägen der «Leiterin NZZ Folio» befasst hat, ist es höchste Zeit, mal ihre eigene Leistung anzuschauen. Nehmen wir als Beobachtungszeitraum ein Jahr. Sicher genug Platz für eine grosse Anzahl eigener Werke.

Nun ja, es sind stolze 14 Stück. Darunter 6 Editorials, also die wenig originelle Einleitung der jeweiligen Ausgabe. Bleiben noch 8 Werke. Eine Aufzeichnung einer Beziehungsgeschichte in der Rubrik On/Off. Schnarch. Eine Nachrecherche zu Bewertungen, die Wanner abgegeben hat. Gähn. Co-Autorin eines launigen Stücks, ob Affen Menschenrechte bekommen sollten, wie es eine Initiative in Basel-Stadt verlangte, die natürlich abgeschmettert wurde.

Eine Reisereportage aus Mykonos. Denn auch Folio-Leiterinnen wollen mal bezahlten Urlaub machen. Ein Interview mit Barbara Lüthi. Fast 19’000 Anschläge harmlose Fragen auf dem Niveau Schülerinterview. Dann noch zwei weitere Co-Autorenschaften. Teilweise sind die Texte so lang, dass sie der «Republik» durchaus Konkurrenz machen. Teilweise sind sie so lang, dass man sich fragt, ob sie ausser von der Autorin von noch jemandem zu Ende gelesen wurden.

Wir könnten nun die gleichen Massstäbe an diese Texte anlegen, die Wanner jeweils verwendet, wenn sie die liebe Konkurrenz von Tamedia, CH Media oder Ringier reihum abwatscht.

Lieber lassen wir es bei der Bemerkung bewenden: Natürlich muss der Wegweiser nicht zum Ziel gehen. Aber wer sich als Medienkritikerin dermassen auf ein hohes Ross setzt, sollte selbst schon nicht gerade mit der Rosinante unterwegs sein. Da kommt dann neben dem Geschmäckle, dass Wanner niemals ein Produkt des eigenen Hauses kritisiert, noch der üble Geruch hinzu, dass hier jemand andere eintopft, obwohl er selbst nur mit lauwarmem Wasser plätschert. Pardon, sie.

Wumms: Republik

Es geht nichts über Eigenleistungen. Kann man für 6 Mio. doch erwarten.

Wie viele Mitarbeiter der «Republik» braucht es, um in einer Woche ganze 9 eigene Werke rauszupusten? Genau, rund 50 Nasen. Alles andere sind NL, Briefings – oder eingekaufte Beiträge, beispielsweise aus der «Financial Times».

Greift der ehemalige Recherchierjournalist Daniel Ryser in die Tasten, kann man den Redaktionsschwanz schon am Anfang erahnen: «In einer früheren Version schrieben wir über die Credit Suisse: «Sie versicherte 2021 Investitionen für 1,1 Milliarden Dollar bei mehreren Atomwaffen­herstellern und stellte für 885 Millionen Dollar Kredite für Investitionen in Atomwaffen bereit.» Wir haben diese Stelle mittlerweile leicht präzisiert.»

Auch so wichtige Themen wie «Baby an Bord» verdienen natürlich besondere Aufmerksamkeit und viele, viele Buchstaben.

Den Vogel schiesst aber wie meist Daniel Binswanger ab. Er beschimpft in seinem Wort zum Samstag die sogenannten «Putin-Versteher», die sich nun «aus der Verantwortung stehlen» würden. Sagt ausgerechnet der Wendehals, der zuerst begeistert über den Erweiterungsbau des Kunsthauses Zürich war («eine der grossartigsten privaten Impressionistensammlungen»), um dann mit Zehntausenden von Buchstaben Gift und Galle über die Ausstellung zu speien («Die Bührle Connection», denn schlecht adaptierte Filmtitel sind auch Binswangers Liga).

Der kann sich gar nicht aus der Verantwortung stehlen. Dazu müsste man erst mal eine haben. Oder eine Haltung. Aber wie soll man das von einer schreibenden Schmachtlocke im Wind auch verlangen.

 

Wumms: Daniel Binswanger

Schmachtlocken wehen im Wind. Autoren mit Schmachtlocken auch.

Daniel Binswanger sieht sich als in jedem Urteil überlegene Instanz bei der «Republik», dazu noch als Feuilletonist und moralischen Zeigefinger.

Im roten Bereich drehte Binswanger, als es um die Bombardierung der Sammlung Bührle im Neubau des Kunsthauses Zürich ging. Ein Mehrteiler über diesen Schandfleck; bei der Betrachtung der Bilder des Waffenproduzenten müsste sich eigentlich jeder Besucher schämen, wenn nicht gleich übergeben. Aus der roten Weste des ikonischen Cézanne-Gemäldes tropfe sozusagen das Blut.

Dazu stellte Binswanger völlig unkritisch die Behauptungen und Forderungen eines Nachfahren eines Sammlers, dem Bührle Kunstwerke abgekauft hatte – und der bis an sein Lebensende in den höchsten Tönen von der Generosität und Hilfsbereitschaft Bührles schwärmte.

Aber solche Widerhaken in der Realität schreibt Binswanger normalerweise mit einem verwegenen Schwung – analog zu seiner Haarpracht – einfach weg.

ZACKBUM musste schon damals Binswanger streng zurechtweisen:

«Der Leser bekommt den klaren Eindruck: Bührle selbst war ein moralisch zutiefst verworfener Mensch, die Betreuer seiner Stiftung eifern ihm darin nach. Das ist ein Eindruck, der demagogisch, inkompetent und mehr als einseitig hergestellt wird. Entweder aus Unfähigkeit – oder aus Absicht. Beide Varianten sind gleich schlimm.»

Wir möchten aus gegebenem Anlass noch hinzufügen: die schreibende Schmachtlocke ist auch noch ein Heuchler, gegen den Tartuffe (ob Binswanger dieser Name etwas sagt?) ein Anfänger war. Ein «epochales Desaster» verortete der «Republik»-Autor, nachdem selbst im Ausland aufgeregt-kritische Artikel über die Bührle Sammlung erschienen. Wie konnte Zürich, das Kunsthaus, die Stadtregierung, überhaupt alle so indolent sein und diese Sammlung von Blutbildern ausstellen. Peinlich.

Peinlich lässt sich steigern. Denn der gleiche Autor, damals noch im Sold von Tamedia, hatte anlässlich der Abstimmung über diesen Erweiterungsbau noch gegen seine Gegner geschnödet: «Zürich neigt zur etwas weniger strahlenden Variante des Laternenpfahls, gegen den wechselnde Ressentiment-Koalitionen geflissentlich das Bein heben.» Eine Ablehnung wäre «eine kulturpolitische Absurdität».

Dann im vollen Galopp:

«Erstens braucht das Kunsthaus dringend eine substanzielle Ausweitung seiner Ausstellungsfläche. Zweitens soll der Erweiterungsbau mehrere Leihkollektionen beherbergen, … auch die Bührle-Stiftung – eine der grossartigsten privaten Impressionistensammlungen, die das Kunsthaus nicht nur zum Nutzen des Tourismus, sondern auch zur Freude der schon heute jährlich 300 000 Kunsthaus-Besucher in eine völlig neue Liga katapultieren dürfte.»

So schwurbelte und blubberte der gleiche Autor Ende 2012.

Daher wissen wir: Die Verjährungsfrist für seine Ansichten, Meinungen, Positionen, Behauptungen beträgt maximal zehn Jahre. Anschliessend ist alles möglich, inklusive der genauso forschen Behauptung des Gegenteils. Ein Wendehals muss als prinzipienfester Überzeugungstäter dagegen leuchten. So jemanden nennt man in Kreisen, die so gebildet sind, wie er es sein möchte, einen Schmock. Es werden auch noch andere Ausdrücke verwendet, die leider aus rechtlichen Gründen hier nicht wiedergegeben werden können.

«Republik»: Sendepause

Schwachstromjournalismus von den Rettern der Demokratie.

Schon die Machtergreifung der fundamentalistischen Wahnsinnigen in Kabul hat die «Republik» verschnarcht. Man war gerade erschöpft in der Sommerfrische, und von so einem Pipifax lässt sich der «Republik»-Beamte doch nicht den ordentlichen Ferienablauf versauen.

Nun böte die militärische Intervention in der Ukraine Gelegenheit, die Vorteile der «Republik» endlich mal auszuspielen. Jede Menge Mannschaft, jede Menge Kohle, kein Aktualitätsdruck, keine Notwendigkeit, den neusten Entwicklungen hinterherzuhecheln.

Aber es wäre nicht die «Republik», wenn man’s nicht wieder versammeln würde. Ganze neun Nasen wirft sie für ein «Sonderbriefing» in die Schlacht.

Dem empfindsamen Leser wird noch auf den Weg gegeben, dass er sich wappnen muss, bei der Berichterstattung über Kriegshandlungen doch tatsächlich auch tote Menschen sehen zu müssen.Wer das tapfer in Kauf nimmt, kämpft sich durch 23’000 Buchstaben Nacherzählung. Reine Nacherzählung. Akkurat, langweilig, ohne den geringsten Erkenntnisgewinn.

Ist das alles? Alles an Eigenleistung. Dazu wird noch ein Essay der sattsam bekannten US-Journalistin Anne Applebaum gestellt. Tapfer übersetzt aus «The Atlantic». Das wiederum ist tatsächlich eine lesenswerte Zeitschrift, deren Redaktoren zu beeindruckenden Eigenleistungen in der Lage sind.

Daher sei jedem «Republik»-Verleger empfohlen: sofort von diesem teuren Amt zurücktreten. Und hier schauen:

Für ein Fünftel des Geldes gibt’s das Zehnfache an Brain Food. Garantiert. Und übersetzen kann man heute auch selber, oder?