Schlagwortarchiv für: Nicole Althaus

NZZaS, quo vadis?

Ein beliebter Spruch der alten Tante, mal auf sie selbst angewendet.

Wer auf eine solche, riesige Illustration kommt, bietet Anlass zu Sorge:

Denn was will uns die NZZaS mit dieser Sanduhr sagen?

Dass sie die hier abgekupfert hat?

Denn das Problem dieser Symbolik ist immer: soll das nun bedeuten, dass die Zeit für die FDP abläuft? Oder soll es bedeuten, dass sich immer mehr Sandkörner, also Wähler, für die FDP entscheiden? Und ist dem begabten Illustrator Dario Veréb nicht bekannt, dass man so eine Sanduhr einfach umdrehen kann, und schon geht das Geriesel wieder von vorne los?

Aber wir wollen auch das Positive sehen. Chefredaktor Beat Balzli will sich nicht die Finger am klaren Bekenntnis der FDP zum Europavertrag und gegen das Recht der Stände, darüber mitzubestimmen, verbrennen. Also schimpft er wohlfeil über die Erbschaftssteuer-Initiative der Rotsocken.

Aber das hat immerhin noch einigermassen Niveau. Auf das Niveau einer schlechten Schülerzeitung sinkt die NZZaS allerdings mit dieser Kolumne von Nicole Althaus: «Warum der Herbst viel mehr ist als bloss eine Jahreszeit». Das dümpelt in der Reihe «Sieben ist mehr als eine Zahl», «eine Hose ist mehr als ein Kleidungsstück» oder gar «Liebe ist mehr als ein Wort».

Utta Danella oder Hedwig Courths-Mahler hätten es nicht besser hingekriegt:

«Sommer für Sommer wundert man sich aufs Neue, wie man die Zeichen seines Endes einfach verdrängen konnte.»

Aber die Antwort kennt nur der Wind, leise spielt die Musik der Zeit, der Duft der Steinkrabbe verweht, und wo sind die Schatten der Vergangenheit?

Aber immerhin, auf Seite 35, Aufmacher Wirtschaft, macht die NZZaS dem Geeier der NZZ ein Ende: «Über Nacht 16 Milliarden weg». Sie zitiert sogar den teuren Satz unserer Finanzministerin an der denkwürdigen Pressekonferenz vom 19. März 2023: «This is not a bailout. This is a commercial solution». Womit einer der Trigger für das Abschreiben der AT1 Bonds futsch wäre.

Dieser Satz könnte ähnlich teuer werden wie die berühmte Abqualifizierung der Kirch-Gruppe durch den damaligen Vorstandssprecher der Deutschen Bank. Der Finanzsektor sei nicht mehr bereit, sagte Rolf Breuer 2002, dem angeschlagen Medienkonzern weiter Kredit zu geben. Daraufhin brach die Firma zusammen.

Der Satz kostete die Deutsche Bank so alles in allem knapp eine Milliarde Euro. Der Satz von Karin Keller-Sutter kann für den Steuerzahler noch viel teurer werden. Dabei galoppiert die NZZaS dem vifen Finanzblog «Inside Paradeplatz» hinterher, der die Story, wann und wie überhaupt dieser Riesenabscheiber aufs Tapet kam, nachzeichnete.

Was nochmals bleibt, ist das Erschrecken, wie stümperhaft agiert wurde. Noch am 16. März bekräftigten FINMA und SNB, dass die Credit Suisse tipptopp aufgestellt sei, alle Anforderungen ans Kernkapital erfülle. Noch einen Tag zuvor, am 15. März, war von dem 16-Milliarden-Abschreiber im Forderungskatalog der UBS keine Rede.

Am nächsten Tag war er drin, SNB-Chef Thomas Jordan alles andere als begeistert darüber. Und erst am 19. März erfuhren die Spitzenkräfte der CS davon. Zudem musste das Recht der FINMA für diesen Abschreiber noch nachträglich, am 19. März, in die Notverordnung zur Liquiditätshilfe vom 16. März hineingeschrieben werden.

Ein Desaster.

Nach so viel kritischer Anspannung geht’s dann beim Aufmacher von «Wissen Kultur» etwas ruhiger zu: «Raus aus der Gewichtsspirale». Man fragt sich allerdings, wieso die NZZaS dieses Stehsatz-Thema für die Feiertage jetzt schon verballert.

Die «Kultur» wartet auch mit einem abgehangenen Topos auf. Hast du sonst nichts im Hemd, erfinde einfach einen Trend. Alte Journalistenregel; neuste Anwendung: «Die Herrschaft der Gefühle. Emotionen bestimmen unseren Alltag …»

Da sagt ZACKBUM ganz emotionsfrei: Quatsch. Nicht mehr oder weniger als vorher.

 

 

Lob der NZZaS

Wo bleibt das Positive? Hier ist es.

Sommerloch. Sonnenloch. Wer kann, benützt den kommenden 1. August, um seine Ferien zu verlängern. Schlechte Voraussetzungen, um eine gute Sonntagszeitung zu machen. Die «NZZamSonntag» vom 27. Juli 2025 setzt ein Zeichen dagegen. Im Regen bei frischen Temperaturen statt Rekordhitzesommer.

Das Misslungene ist schnell aufgezählt. Das Editorial von Beat Balzli, der in einem kühnen Bogen Goethe, den Rollkoffer und den Tourismus in der Schweiz zusammennagelt. Er hätte besser Ferien gemacht. Und Nicole Althaus schreibt über üppige Busen, vor allem operierte. Der sei «wie immer politisch». Auch ihr würden Ferien guttun.

Aber sonst? Eine Aufarbeitung des «Kriegs um die Wahrheit». Die kennt niemand, ausser Gläubige. Aber Julian Heissler fügt die Mosaiksteine zusammen, wie Donald Trump, auf dem Weg zu einer modernen Autokratie, neben Justiz und FED auch die Medien kleinkriegen will, wenn sie ihm Unliebsames veröffentlichen.

Karin A. Wenger und Malak Tantesh haben es gewagt, den Chefstatistiker der Gesundheitsbehörde der Hamas im Gazastreifen zu besuchen. Deren Zählung von Toten durch die Zerstörungsaktionen der israelischen Armee (bislang 59’733 Tote und 127 Hungertote, darunter 85 Kinder) ist hochumstritten. Von Israel ohne Gegenbeweise als Propaganda abqualifiziert, zeigt dieser Bericht zumindest, dass trotz beschränkten Möglichkeiten versucht wird, möglichst akkurate Zahlen zu liefern. Hingehen, die andere Seite zu Wort kommen lassen, So soll Journalismus sein.

Ein Hintergrund zur Anklage gegen die schön blöde Provokateurin Sanija Ameti. Ein Interview mit Charles Lewinsky, der eigentlich immer Interessantes zu sagen hat. Eine Analyse über verheerende Auswirkungen von Chat-AI auf psychisch labile Menschen. Gut, von der «New York Times» übernommen, dafür sehr lesenswert. Auch wegen der Breite der Aufarbeitung, die wieder mal den Unterschied zwischen angelsächsischem Journalismus und dem meist flachbrüstigen (Pardon, Althaus) deutschsprachigen zeigt.

In der «Wirtschaft» ein Hintergrund zur weltgrössten Reederei MSC mit Stammsitz in Genf. Eine dem Zeitgeist geschuldete «Checkliste für Büroromanzen». Selbst die Kolumne «Geld & Geist» ist lesenswert, wenn Tobias Straumann schreibt und die Geschichte der Staatsverschuldung von der Französischen Revolution her aufrollt.

Eine Analyse des «Golden Dome», Trumps Weltraumprojekt in der Tradition von Ronald Reagans «Star Wars». In der «Kultur» eine Sektion «Utopien», Anti-Dsytopien, interessant aufbereitet. Wohltuend, wenn Peer Teuwsen in den Ferien ist. Mitsamt Trouvaille: wer wusste, dass Kooperative Longo maï immer noch existiert? Da lohnte sich ein «Ausflug in den Jura». Die geschrumpfte Kultur wird von Gerhard Mack bewirtschaftet, was immer ein Gewinn für den Leser ist.

Nach 48 Seiten ist Schluss, was der Leser bedauert.

Das letzte Mal liess ZACKBUM den «SonntagsBlick» aus.

Sehen wir grosszügig über das verunglückte neue Logo hinweg. Die Titelgeschichte ist immerhin eine Reportage, vielleicht etwas überverkauft. Das Editorial zum «Feuerwerk der Demokratie» ist ein Wischiwaschi-Slalom zu einem typischen Aufregerthema: «Feuerwerk – ja oder nein? Die Antwort spielt keine Rolle.» Dann könnte man es auch lassen.

«Kabul retour», an einem Einzelfall der missglückten Ausschaffung eines kriminellen Afghanen wird das ganze Elend und das Versagen von Bundesrat Beat Jans exemplifiziert. Reza Rafi giesst Öl ins Feuer im Krach zwischen Klaus Schwab und dem WEF: «Jetzt wird’s dreckig». Eine schöne Geschichte über den Intrigantenstadl in höchsten Kreisen, was das WEF am Zauberberg Davos ganz schön entzaubert.

Dann darf der Gaga-Politwissenschaftler Francis FukuyamaDas Ende der Geschichte») mittels Interview ein Déja-Vu auslösen. Hatten wir das nicht schon woanders? Ach ja, bekannt aus NZZ und Tamedia.

Der SoBli nimmt sich verdienstvoll des nicht enden wollenden Skandals um die Herzklinik des Universitätsspitals Zürich an. Ursache ist eine dramatische Mortalitätsrate unter dem damaligen Leiter Francesco Maisano. Die von einem Whistleblower (entlassen) und seinem Nachfolger Paul Vogt (mit einer haltlosen Anklage verleumdet) an die Öffentlichkeit gebracht wurde. Und seither bemüht sich die Spitalleitung mit allen Kräften und einer Alibiübung nach der anderen, den Skandal am Köcheln zu halten.

Hübsch auch, dem Amok Philipp Ruch ein Interview zu entlocken, in dem der Leiter des «Zentrums für politische Schönheit» seine Unterstützung der AfD durch die Störung des ARD-Sommerinterviews umdeuten darf. Ein Hinweis darauf, dass Ruch eine ähnliche Trottel-Aktion mithilfe des «Theaters am Neumarkt» gegen Roger Köppels «Weltwoche» durchführte, um in dem den Julius Streicher auszutreiben, wäre vielleicht angebracht gewesen.

Ein Bericht über Schweizer Minensucher «Ein falscher Schritt – und das Leben ist vorbei», der «grosse Hunger» über eines der Kriegsverbrechen der israelischen Regierung im Gazastreifen, «Schweizer paffen 300 Millionen Schmuggel-Zigaretten», der auf dem Posten des «Leiter Ringier Journalistenschule» frühpensionierte Peter Hossli bricht eine Lanze für «Macher»; macht nix.

Dann ein Lob der «Ferien-Macher» und der Erfolge des Schweizer Tourismus. Plus Lob des Patriotismus und dann ein Titel, der gleich im Lead geschrumpft wird: «Kleine Weltmacht. «Weltmacht» mag übertrieben sein. Doch …» Plus «Schweizer Weltrekorde». Ach so, eine «Verlagsbeilage», vulgo bezahltes Inserat. Der 1. August wirft auch hier seine Schatten voraus.

Dann wird Ozzy Osbourne selig im Zürcher «Hirschen-Club» verortet, wo er doch tatsächlich 1969 Konzerte gab. Allerdings bevor «Black Sabbath» weltberühmt wurden. Sabine Dahinden darf die Welt mit einem Statement überraschen: «Ich bin eine furchtbar schlechte Schwimmerin». So hat jeder seine grossen und kleinen Probleme.

Hier verflacht der SoBli etwas wie ein See nach einer Trockenperiode. Aber immerhin, es ist nicht rausgeschmissenes Geld.

Und die SoZ? Also bitte, alles hat seine Grenzen.

 

NZZaS, ach herrje

ZACKBUM wollte sich mal wieder laben. Aber an solchem Gelaber?

Der schlechten Tradition folgen, als Aufmacher eine mittelmässige Illustration, die pseudo-beängstigende Frage: «Macht er uns ärmer?» Als ob das zurzeit jemand wissen könnte. Dann als neues grafisches Element ein Aufkleber auf den Zeitungskopf, was man eigentlich nicht mache sollte. Und erst noch zu was für einem Thema.

Nicole Althaus über Umea, «der schwedische Ort gilt als Welthauptstadt der Gleichberechtigung». Au weia. Aber dieses Grauen kommt erst weiter hinten.

Zunächst kommt das naheliegendere. Muss man das beschreiben? Ach, manchmal sagt ein Seitenbild wirklich mehr als tausend Worte:

Doch, der Versuch, die Cover-Illustration zu unterbieten, ist bravurös gelungen.

Um die vorangehende Leidensstrecke dem Leser zu ersparen, zitiert ZACKBUM nur den Schluss des Editorials von Beat Balzli, dem sich offenbar bis heute niemand traut zu sagen, dass er das doch einfach seinlassen sollte:

«Ein gestärkter Binnenmarkt plus die überfällige Kapitalmarktunion können Europa gar Luft für eine Entrümpelungsaktion verschaffen, Schlüssel für das Comeback sein – und auch für den Erhalt des Schweizer Wohlstands, was nicht allen klar ist. Denn der grosse Bruder findet Davos «ein schönes Dorf». Dass er die schöne Schweiz verschont, hat er nicht gesagt.»

Der letzte Satz ist wieder mal so ein Dunkeltext, den niemand versteht, ausser: Ende Gelände fürs Editorial. Der Satz davor ist brüllend falsch. Eine «Kapitalmarktunion»? Himmels willen, hat es denn nicht gereicht, was passiert, wenn Griechenland zu gleichen Zinsen Kredite aufnehmen kann wie Deutschland oder Norwegen? Eine immer dysfunktionaler werdende EU soll den Schweizer Wohlstand erhalten? Den die Schweiz dadurch errungen – und verteidigt hat –, dass sie eben so wenig wie möglich an dieses unfähige Monster angeflanscht ist?

Dann ein Interview mit Bundesrat Guy Parmelin; die USA drohten mit irgendwas, und schon das Titelzitat macht die Lektüre überflüssig: «Wir werden versuchen, diesen Entscheid umzustossen». Diesem Versuch sieht Trump sicher mit Bangen entgegen.

Dann wird Dennis Frasch wieder verhaltensauffällig. Welch ein Titel, welch ein Lead, welch ein Schwachsinn:

«Und schon tanzen sie auf den Trümmern. Mit der Brandmauer wollten die politische Mitte und die Linke in Deutschland die AfD ausgrenzen. Jetzt riskiert Friedrich Merz ihren Fall. Ein Nachruf.» Der Nachruf auf den Kanzlerkandidaten der CDU: «Merz nimmt in Kauf, dass es Mehrheiten mit der AfD geben könnte.»
Himmels willen, welches Verständnis hat Frasch denn von Demokratie? Die AfD ist zurzeit die grösste Oppositionspartei im Bundestag. Sie liegt nach Meinungsumfragen nur hinter der CDU, mit 20 Prozent weit vor SPD, Grüne und dem Rest. Erschwerend kommt noch hinzu, dass es wohl mehr Überschneidungen zwischen AfD und CDU gibt als mit der SPD, dem BSW, der FDP oder gar der Linken. Die Grünen sind vielleicht eine Ausnahme, diese Partei der Opportunisten und Wendehälse kann sich überall einfinden.
Dann wird Frasch wirklich frech: «Die SVP ist zwar nur bedingt mit der AfD zu vergleichen, trotzdem bildet sie mit der SP regelmässig ihre «unheiligen Allianzen» – pragmatische Zweckbündnisse, die man achselzuckend zur Kenntnis nimmt. In Deutschland ist das anders.» Die SVP sei nur «bedingt», aber immerhin mit der AfD zu vergleichen. «Trotzdem», wieso trotzdem, bilde sie mit der SP «unheilige Allianzen». Was soll daran, ausser für einen gläubigen Kirchgänger des Gottesdiensts der einzig richtigen Gesinnung, unheilig sein?
In Deutschland sei durch den Hitlerfaschismus die Erkenntnis gereift, «dass die parlamentarische Zusammenarbeit mit Antidemokraten nicht nur deren Macht stärkt, sondern letztlich die Demokratie selbst zerstört». Also die bedingt vergleichbare SVP, dann die AfD als Antidemokraten und dahinter die NSDAP. Wie kann die NZZaS nur zulassen, dass so ein Unsinn publiziert wird?
Es folgt ein Titel, den gute Sitten und Anstand eigentlich auch verbieten würden: «Der talentierte Herr Ritter». Pech für ihn, dass sein Nachname die Verballhornung von «Der talentierte Mr. Ripley» von Patricia Highsmith anbietet. Ritter ist Bundesratskandidat, Ripley ein eiskalter Soziopath und Mörder. Wunderbar.
Kann man das noch steigern? Kaum, aber doch: «Verhindern Sexpuppen Gewalt?» Hm, die Idee, im Gazastreifen oder in der Ukraine es mal mit Sexpuppen zu probieren?
Dann noch eine schwüle Brise: das Kino entdecke, «was junge Männer längst fasziniert: die Anziehungskraft älterer Frauen, die ihr Begehren ausleben». Hui. Schliesslich  in dieser Reihe noch «Erben ist sehr schambehaftet», nichts erben hingegen ist scheisse.
Und damit ist’s mal wieder überstanden und die Frage offen, ob das jemals wieder besser wird.

Die wievielte schlechte NZZaS?

Schon das Cover macht schlechte Laune. Aber das ist erst der Anfang.

«Die 100 besten Bücher?» Echt jetzt? Waren die Ideen für «die schönsten Weihnachtsgeschenke» gerade aus? Gibt es nicht schon unzählige solcher «die 100 besten» Irgendwas? Hier sollen es gleich die 100 besten Bücher «des 21. Jahrhunderts» sein.

Ehrlich gesagt: ZACKBUM hat nicht mal 10 darunter gefunden, die dieses Prädikat verdienen würden. Von Anne Applebaum «Roter Hunger»? Von dieser Kampfschreiberin gegen alles Linke und Rote? Ihr Nachtret-Buch über Stalin? Kann doch nicht wahr sein. Der Egotrip von Karl Ole Knausgard? Und nichts gegen Joanne Rowling, aber ein Harry-Potter-Buch? Die Autobiographie von Elton John?

Bei Position 37 sind wir dann ausgestiegen, denn so geht’s wirklich nicht. Auf der ist der Holperpolterpoet Lukas Bärfuss verewigt. Der soll eines der besten Bücher des 21. Jahrhunderts geschrieben haben? Zudem gesteht ZACKBUM, obwohl nicht unbelesen: die meisten Autoren dieser angeblich besten Bücher kennen wir nicht. Dafür vermissen wir spontan mindestens 100 andere Bücher, die es problemlos auf eine solche Liste schaffen würden. Brr.

Zu verantworten haben das Chefredaktor Beat Balzli und die leitende Rektorin Martina Läubli. «Ich bin gespannt, was Sie von der Auswahl halten», schreibt die kühn in ihrem Editorial. Das können wir kurz beantworten: nicht viel.

Aber zurück zum Anfang, der eigentlich auch ein Ende ist. Denn auf Seite zwei ergreift wieder Beat Balzli das Wort im Editorial. ZACKBUM will hier eins zu eins sein Leseerlebnis wiedergeben: «Der Begriff Freiheit durchlebt schwierige Zei ...» und tschüss.

Genauso geht’s leider weiter. Wie zu befürchten war, nimmt sich Nicole Althaus nochmal des Falls Pelicot an. Schwüler Titel («Das Dornröschen-Syndrom»), schwüle Illustration («Sleeping Beauty»), schnarchiges Thema: «… wirft ein Schlaglicht auf eine der am wenigsten erforschten Sexualstraftaten: die Vergewaltigung einer sedierten oder schlafenden Frau».

Ach nein, der Einsatz von K.o.-Tropfen ist nicht erforscht? Interessant. Und gibt es da nicht eine ehemalige Kantonsrätin, die bis heute publizistischen Wirbel mit einer angeblichen Schändung veranstaltet? Hier ist ZACKBUM bei diesem Satz ausgestiegen: die Anzahl Schändungen (das sind sexuelle Handlungen mit einer nicht urteilsfähigen oder zum Widerstand unfähigen Person) sei «in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen, von 143 Fällen im Jahr 2013 auf 281 im Jahr 2023. Das entspricht fast einer Verdoppelung». Von ganz, ganz wenig auf ganz wenig.

Wäre es nicht sinnvoller, stattdessen über Genitalverstümmelung zu schreiben? Das Bundesamt für Gesundheit weist darauf hin: «In der Schweiz leben schätzungsweise 24’600 Frauen und Mädchen, die von Genitalverstümmelung betroffen sind oder der Gefahr ausgesetzt sind, beschnitten zu werden.» Ist diese brutale und menschenverachtende Praxis nicht eher ein Thema, um auf zwei Seiten ausgebreitet zu werden? Mit Tausenden von Betroffenen? Statt spät auf die Erregungswelle über diesen unappetitlichen Prozess in Avignon aufzuspringen?

Dann aber, immerhin eine Ehrenrettung für Robert F. Kennedy Jr., dem designierten Gesundheitsminister der USA. Denn er will das Land der Übergewichtigen von Junk Food und Chemikalien in den Lebensmitteln befreien. Wird ihm wohl nicht gelingen, aber der Versuch ist ehrenhaft.

Dann ein etwas erstaunliches Loblied ausgerechnet auf Polen:

Interessanter Ansatz, interessanter Text. Wenn man meckern will: wieso weiterhin diese verunglückte Kopfzeile, wo in viel Weissraum Buchstaben schweben? Und wieso ein Riesensymbolbild mit der Aussagekraft einer Pizzaschachtel? Aber ZACKBUM findet das sofort wieder grossartig, im Vergleich zu dieser Gaga-Fotomontage:

Mal im Ernst, war beim Seitenaufriss hier kein Erwachsener dabei?

Aber ZACKBUM kann auch mit dieser verunglückten Fotomontage leben, wenn die nächste Illustration uns erspart geblieben wäre:

Lieber «visueller Journalist» Simon Tanner, kennen Sie denn keine Gnade mit dem Leser?

Licht und Schatten, dann kommt ein schön bösartiger Beitrag über Michael Elsener «Komische Geschäfte». Guter Titel, der Lead packt den Knüppel aus: «Als Satiriker scheiterte er beim Schweizer Fernsehen. Nun engagiert er sich als Abstimmungshelfer der Linken». Nicht etwa aus Überzeugung und pro bono. Sondern mit Videos, die vom Gewerkschaftsbund oder dem Mieterverband mit Tausenden von Franken gesponsert werden. Ohne dass Elsener das ausweisen würde.

Schon während der Coronazeit kassierte Elsener für Beiträge zu sogenannten «Transformationsprojekten im Kulturbereich» vom Zuger Regierungsrat satte 87’000 Franken, erinnert die NZZaS.

Wer im Glashaus sitzt, mag man bei der nächsten Story denken. Da schreibt eine Svitlana Prokopchuk nichts Nettes über die russisch-orthodoxe Kirche; die betätige sich «unter ihrem Moskauer Patriarchen Kirill als Kriegstreiber». Vielleicht hätte dem Leser der Hinweis geholfen, dass es sich bei der Autorin um eine ukrainische Journalistin handelt, die das Thema sicherlich mit der gebotenen Objektivität angeht.

Das gilt auch für Anne Applebaum, die dank ihren eher flachbrüstigen, aber gefälligen Büchern zurzeit der Darling der Medien ist – und wieder einmal interviewt wird, von Alain Zucker und Gordana Mijuk. Gähn. Sie sagt so Flachheiten wie: «Die Putin-Versteher haben die gleiche Funktion wie einst die extreme Linke, welche Sowjetpropaganda wiederholte.» Schnarch.

Auch Chappatte, ob da irgendwas ansteckend ist, war schon mal lustiger:

Wer es noch nicht wusste: «Saurierknochen sind das neue Musst-have der Superreichen». Gut, dass wir das jetzt wissen, wir Nicht-Superreichen. Dann gibt es noch einen Beitrag zu «die Genderisten spinnen». Denn sie entdecken in der Vergangenheit immer mehr schlimme Dinge. Zum Beispiel «Fascht e Familie». War für Schweizer Verhältnisse ziemlich lustig, aber:

Das ansonsten zurechnungsfähige Anstandsblatt «Die Zeit» wirft Autor Charles Lewinsky vor, er habe Frauenrollen geschrieben, die «vor sexistischen Klischees» strotzten. Aber damit nicht genug, die Tochter der damals mitspielenden farbigen Schauspielerin Sandra Moser will auch ins Rampenlicht. Dass ein «weisser Mann» das Drehbuch geschrieben habe, findet sie «eine heftige Vorstellung». Schliesslich habe sie mit ihrer Mutter viel über Rassismus gesprochen, «aber bis heute nie über jenen in «Fascht e Familie».

Furchtbar, 1994 strotzten Frauenrollen vor sexistischen Klischees, weisse Männer schrieben rassistische Drehbücher für farbige Schauspielerinnen, ein Graus. Und heutzutage, das ist der wahre Graus, muss sich doch tatsächlich Lewinsky gegen solche Anwürfe verteidigen. Es fehlt nur noch (aber das kommt sicherlich), dass ihm Antisemitismus vorgeworfen wird.

Tja, das war’s dann soweit, will man die schon x-mal erzählte Story der idiotischen Rückgabe von Museumsstücken an den Herrscher von Benin nicht extra erwähnen.

Fazit: Viel Schatten, wenig Licht. Inhaltlich umfangreiche Flachlandschaften, darin einige wenige Erhebungen. Dafür aber auch tiefe, dunkle Löcher wie gleich am Anfang. Und was die Präsentation betrifft: da geht der Wettbewerb mit dem Online-Auftritt von Tamedia weiter: wer hat das hässlichste Layout? ZACKBUM kann sich nicht entscheiden …

Unter Beobachtung

Die NZZaS setzt ihr Geeier fort. Aber es gibt auch gute Nachrichten.

Zuerst natürlich die schlechten. Wer mit «Der neue Clash der Geschlechter» aufmacht und dazu eine Illustration verbricht, die an Unklarheit nichts zu wünschen übrig lässt, könnte auch gleich schreiben: lies mich nicht.

Der Gag, einen Anriss auf der Front mit einer Illustration zu versehen, hat sich langsam abgenutzt. Und die aktuelle passt wir die Faust aufs Auge:

Hier geht es um Modewörter wie «angefasst» oder «ganz bei dir». Die nerven zwar tatsächlich, aber sie fäusteln nicht. Auf Seite zwei begrüsst einen Beat Balzli mit einem weiteren unverständlichen Editorial. Eigentlich kann der Mann doch schreiben, wieso tut er es dann nicht?

Hingegen ist die traurige Geschichte der Uno-Mission im Südlibanon ein netter Zusammenschrieb, der die ganze Ohnmacht der Vereinten Nationen illustriert und nachzeichnet.

Ob das hier allerdings wirklich eine Seite wert ist?

Kinder imitieren auf allen Vieren Tiere, in Köln ist die Maus von der «Sendung mit der Maus» geklaut worden, beides muss natürlich vermeldet werden. Oder auch nicht. Bei dieser Gelegenheit: Wer diesen Kopf der Seiten designt hat, müsste dem Leser Schmerzensgeld zahlen. Unaufgeräumt, unstrukturiert, Platzverschwendung. Aber wer sich solche Illustrationen leistet, wie sie das ganze Blatt verunstalten, der hatte sowieso einen schweren Geschmacksunfall.

Langsam steigt die Hektik bei der Berichterstattung über die US-Wahlen. Der «jetzt kommt Kamala Harris und räumt ab»-Effekt ist schwer abgetaucht; kluge Korrespondenten wagen keine Prognosen mehr und halten sich lieber an Bewährtes, wie Besuche in den Swing-States:

Immerhin ist’s keine gezeichnete Illustration, aber auch dieser Seitenschmuck ist reine Platzverschwendung. Mitsamt dem Weissraum unter dem Rubrikentitel (wieso immer wieder Kapitälchen in sind?) wird hier eine halbe Seite zum Fenster rausgeschmissen:

Und diese Art von Titeltypo; Weiss auf hellem bis weissem Hintergrund, ruft eigentlich auch spätestens im Lead: lies mich nicht.

Dann eine Seite Porträt Anna Rosenwasser. Für ein FDP-Organ eine mutige Sache, zudem recht wohlwollend. Nur: wenn eine Neu-Parlamentarierin abgefeiert wurde, dann die.  Wieso sich nun auch noch die NZZaS hinten in den Umzug einreiht, schleierhaft.

Die NZZaS muss sparen, aber ob die Verwurstung von zwei Gefässen in einem Bund so gelungen vermittelt wird?

Dann die lang erwartete Titelstory. Immerhin, Nicole Althaus beschäftigt sich für einmal nicht mit dem Thema Erotik im Alter. Wäre aber vielleicht besser gewesen. Denn auch nach Lektüre der Doppelseite versteht man nicht wirklich, wieso die Gleichstellung von Männlein und Weiblein gescheitert sein soll, wenn es angeblich bei den Jugendlichen einen «ideologischen Graben, der breiter ist als bei ihren Grosseltern» gäbe.

Aber wir sind beruhigt, in ihrer Kolumne begibt sich Althaus dann wieder auf vertrautes Gebiet:

Allerdings gibt ZACKBUM zu, schon beim Titel ausgestiegen zu sein – nix verstan.

Grossartig ist hingegen – wie meist – das Historische Bild:

Die Story dazu ist einfach spitze. Die Dame wurde von Arbeitern in London angestellt, sie pünktlich zu wecken, damit sie nicht den Schichtbeginn verpassten, was zu grossem Ärger führen könnte. Also benützte sie dieses Blasrohr, um getrocknete Erbsen an die Fenster der Aufzuweckenden zu pusten – während die anderen weiterschlafen konnten.

Diese Tätigkeit fand erst ihr Ende, als sich auch das Proletariat einen Wecker leisten konnte.

Und dann wieder dieser merkwürdige Doppelrubrikentitel, wobei «Invest» niemals einen eigenen Bund hatte:

Komischer Obertitel, schreckliches Symbobild, fürchterliche Illustration. Aber immerhin, die Schrift ist diesmal Schwarz auf Weiss, das tröstet ein wenig.

Auch auf die Gefahr hin, uns zu wiederholen:

Guter Text über den Noch-Milliardär Martin Haefner. Aber grauenhafte Platzverschwendung mit Weissraum und eine nicht minder grauenhafte Illustration. «Geld & Geist», ein Gespenst hat einen Geldsack in den Händen, das Ganze vor grün-pinkem Hintergrundverlauf. Schon wieder: lies mich nicht, lass es.

Und aller schlechten Dinge sind drei:

Hier frönt zudem die so seriöse NZZaS einem Brauch, der im Boulevard gerne gepflegt wird. Ein Knaller-Titel als Lockstoff, der dann aber sofort im Lead zurückgenommen wird: «Doch Fachleute sind skeptisch». Offenbar möchte auch die NZZaS mal Leserverarsche betreiben.

Ach, offenbar will die Kultur die Politik nachmachen und sich hinten im Umzug einreihen. Über das neue Buch vom Grinsonkel Thomas Gottschalk haben sich nun schon alle die Mäuler zerrissen. Nur noch nicht Denise Bucher, also gönnt man ihr das Pläsierchen. Auf Kosten des Lesers.

Das gilt auch für das Interview von Martina Läubli mit dem Schriftsteller Antonio Scurati. Es lässt die schmerzlich grosse Lücke, die der Tod von Umberto Eco hinterlassen hat, bedrückend aufklaffen. Eco hätte nie Flachheiten gesagt wie «Italien hat seine faschistische Vergangenheit nie wirklich aufgearbeitet». Oder er hätte sie zumindest eleganter formuliert …

Dann zerreisst eine deutlich angepisste Bucher den Film «Lee» in der Luft. In Kate Winslets Herzensprojekt spielt sie die amerikanische Kriegsfotografin Lee Miller, deren Bad in Hitlers Badewanne zu einer ikonischen Fotografie geworden ist und deren Bilder vom Zweiten Weltkrieg den Vergleich mit männlichen Fotografen nicht zu scheuen brauchen. «Hauptsache, tough», wird holprig getitelt, Winslet bringe einem den Menschen Lee nicht näher, gegiftet.

Und tschüss.

Man muss sich weiterhin Sorgen machen. Balzlis Editorials sind völlig von der Rolle. Das letzte Redesign kann in teuren Kursen als Beispiel für «so sollte man es nicht machen» verwendet werden. Viele Texte üben sich in Beliebigkeit, was einzelne Trouvaillen nicht rausreissen.

Aber wirklich Brainfood für den Sonntagmorgen liefert die NZZaS weiterhin nicht. Langsam bewundert ZACKBUM die Engelsgeduld von Eric Gujer und fragt sich, ob God Almighty Ladehemmung beim Blitzschleudern hat.

 

 

NZZaS wackelt vor sich hin

Wer immer wieder Redesigns macht, ist auch inhaltlich unsicher.

Zurzeit haben wir am Sonntag ein interessantes Phänomen. Die «SonntagsZeitung» gewinnt vor allem dank Arthur Rutishauser an Kraft und stellt die Leistungen des täglichen Tagi in den Schatten. Zudem kritisiert sie indirekt auch Provokationskampagnen wie das Gewese um den angeblichen «Bschiss» beim Unterschriftensammeln für Initiativen.

Im Hause NZZ ist es um gekehrt. Die tägliche NZZ zeigt wenig Schwächen und viele Höhepunkte, God Almighty Eric Gujer zeigt mit stilsicherer Hand, wo’s langgeht. Dafür eiert aber die NZZaS vor sich hin.

Ist so ein Cover-Anriss wirklich auf Niveau?

Und sind solche Layout-Sperenzchen wirklich auf Niveau?

Gut, aber der Inhalt? Nun ja, während Gujer mit spitzer Feder die AfD-Phobie in Deutschland aufspiesst, mäandert Beat Balzli in seinem Editorial um den Begriff Misstrauen herum, rührt Corona, Putin, Trump, Volkswagen, AfD und auch eine «mutmasslich dubiose Unterschriftenbeschaffung» zusammen. Mutmasslich dubios? Das ist Brei.

Und was ist die Lösung? Was kann man gegen Misstrauen tun? «Nulltoleranz muss jetzt die Losung lauten. Das CS-Syndrom darf nicht zur Routine werden.» Solche wohlfeilen Ratschläge mieften schon früher, als sie noch massenhaft angeboten wurden. Aber heute? Wer wird die «Losung» von Balzli aufnehmen? Niemand.

Daneben darf sich auf fast zwei Seiten mal wieder Andreas Mink aus New York austoben. Inhalt? Nun, ungefähr so gehaltvoll wie die riesige Karikatur auf der Doppelseite:

Soll das lustig sein? Illustrativ? Eine Aussage haben (ausser, dass Trump fett und Harris muskulös sein soll)?

Dann wird’s auch verbal aschgrau, die NZZaS versucht ein grauenhaftes Wortspiel im Titel:

Cäsar, Iden des März, Friedrich Merz, CDU-Chef, kapiert? Nein, kapiert keiner. Was die sprichwörtliche Wendung für drohendes Unheil, abgeleitet von der Ermordung Cäsars an einem 15., also einem Idus, dem mittleren Tag des Monats, mit der Zukunft des CDU-Chefs zu tun haben soll? Droht dem etwa auch tödliche Gefahr? Das funktioniert nach der Devise: Wortspiel, komm heraus, du bist umzingelt.

Aus «Foreign Affairs» übernommen dürfen sich zwei Fachkräfte in der Grauzone der Tätigkeit des russischen Geheimdienstes bewegen. Wer nach «Hinter dem Brandanschlag auf ein Warschauer Einkaufszentrum sollen russische Agenten stecken» und «Dahinterstecken soll der russische Geheimdienst» weiterliest, ist selber schuld.

Und wer das hier im Foto lesen kann, hat sehr scharfe Augen:

Wenn der AD zur Leserverarsche neigt und niemand stoppt ihn, dann ist irgend etwas nicht gut.

Aber immerhin, am doppelseitigen Interview mit Serge Gaillard über die von ihm vorgestellten Sparpläne stört nur, dass es ohne sinnloses Symbolbild auch auf einer Seite Platz gehabt hätte.

Wir zeigen die aussagekräftige linke Seite:

Ohne ein paar unscharfe Pflänzchen vor unscharfer Hausmauer wäre das Interview unvollständig. Aber immerhin, der Interviewte ist voll scharf im Bild:

Dann wird’s gähnend langweilig, wie meist, wenn Nicole Althaus am Gerät ist. Immerhin, sie kümmert sich diesmal ausnahmsweise nicht um die Probleme von Frauen im mittleren Alter:

Meine Güte, man nehme einen Allerweltsbegriff, interviewe irgend einen Harvard Professor, et voilà. Der Begriff ist dabei austauschbar. Konstrukt, Selbstbewusstsein, Empathie, Nähe, Tod, man kann wie bei Scrabble in den Sack greifen und was rausfummeln.

Wirtschaft? Nun ja, Flamm Mordrelle versucht tapfer, im Dschungel der Gebühren für Vermögensverwaltung etwas Durchblick zu verschaffen. Da das aber absichtlich als Dschungel angelegt ist, gelingt das nicht wirklich. Und um mal wieder zum ewig gleichen Schluss zu kommen, dass ETFs die billigste und gleichzeitig beste Form der Geldanlage ist, dafür braucht es nicht eine ganze Seite.

Und nochmals, liebe NZZaS, wer sich solche Icons aufschwatzen lässt, sollte zum Augenarzt:

Erfrischend frech ist allerdings diesmal der Kulturaufmacher. Gleich fünf Frechdachse empfehlen einigen ranzig gewordenen Kulturschaffenden: «Lasst es gut sein», denn sie hätten «ihre Schaffenskraft verloren». Da kann man weitgehend einverstanden sein. Hazel Brugger, Martin Suter, Samir, Kim de l’Horizon, Stress, Volltreffer. Mario Botta, Michael Steiner, Daniel Hope, Stefanie Heinzmann, etwas fies, aber begründbar. Aber Globi, das ist gemein und ungerecht. Ob da «Lotta-Leben» oder gar «Gregs Tagebuch» wirklich eine Alternative sein soll?

Dann noch eine rührende Geschichte über Roland Baldenweg. Who? Na, der «Pfuri». Hä? Der Teil des Trios Pfuri, Gorps & Kniri. Toller Name, oder? Zugegeben, die kennen nur noch Leser, die entweder so alt aussehen wie Keith Richards – oder so alt sind. Pfuri ist auch nicht jünger geworden, mit seinen 77, aber der Schnurrbart steht immer noch, und der Schalk sitzt immer noch in den Augen. Und die Mundharmonika spielt immer noch den Blues. Wunderbar.

 

 

 

Wenn Meinungsfreiheit weh tut

Bei der Debatte um ein Vermummungsverbot in der Schweiz vertraten linke Vollpfosten irre Ansichten.

Die schreibende Schmachtlocke Daniel Binswanger erklärte schon mal in der «Republik», dass in Europa Gesichts- und Ganzkörperpräservative  vor allem von selbstbewussten und selbstbestimmten Frauen freiwillig getragen werde: «Nikab-Trägerinnen in Europa sind typischer­weise unabhängige und selbst­bestimmte Frauen, die ihren Fundamentalismus gegen den Willen ihrer Familie praktizieren. Sie gehorchen mit der Vollverschleierung nicht einer Familien­tradition, sondern im Gegenteil, sie affirmieren ihre muslimische Born-again-Identität. Gerade für den Nikab greift also das Argument der Fremd­bestimmung nicht.»

Der inzwischen verzwergte damalige Chefredaktor des Tagi Mario Stäuble warnte, «ein Ja zum Burkaverbot» sei «ein Angriff auf unsere Grundrechte». Den Sieg der Burkagegner sah Tamara Funiciello, SP-Frauen, als «bedenkliches Signal an die Minderheiten», denn: «Wir müssen den Frauen das Recht lassen, anzuziehen, was sie wollen.» Auch Nicole Althaus von der NZZ eierte: «Ein liberaler Staat darf etwas nicht einfach deshalb verbieten, weil es manchen als unmoralisch scheint.»

Kurz nach ihrer Machtübernahme in Afghanistan log ein Sprecher der Taliban dem SoBli ins Mikrophon: «Wir haben bereits betont, dass die Rechte der Frauen im Rahmen des islamischen Rechts geschützt werden.»

Es gibt Saudi-Arabien. Es gibt den Iran. Es gibt Pakistan. Es gibt immer noch den IS. Überall, wo die mittelalterliche Religion des Islams staatliche Macht hat, herrschen finstere Zeiten, gelten Menschenrechte nicht für Frauen, wird die Brutal-Gesetzgebung der Scharia angewendet. Herrscht gesellschaftlicher Rückschritt, geht es auch wirtschaftlich den Bach runter, wenn nicht einfach Rohstoffe exportiert werden können.

Die schlimmste Steinzeitversion des Islams herrscht in Afghanistan. Nachdem die Taliban merkten, dass ihre Schalmeiengesänge weder zur Anerkennung ihres Regimes, noch zu wirtschaftlichen Hilfsleistungen führten, werden sie bei der Unterdrückung der Frauen immer brutaler.

Schulen für Mädchen? Geschlossen. Frauen auf dem Arbeitsmarkt? Verbannt. Eine Frau alleine ausser Haus? Verboten. In Begleitung des Mannes oder engen Verwandten erlaubt, aber dann mit Burka. Reicht das? Nein, das reicht nicht:

«Weil schon das Hören einer Frauenstimme die Männer erregen könnte, dürfen Frauen in Afghanistan seit Mitte August in der Öffentlichkeit auch nicht mehr sprechen», schreibt die NZZ ins europäische Schweigen über diesen Skandal unserer Aussenpolitik.

Der Absurditäten nicht genug: «Die Gesundheitsversorgung wird den Frauen vorenthalten: Ein männlicher Arzt darf sie nicht untersuchen, aber zu einer Frau können sie auch nicht gehen, denn den meisten Ärztinnen ist die Ausübung ihres Berufs untersagt.»

Nebenfolge: Afghanistans Wirtschaft ist am Boden. Der Grossteil der Menschen lebt unter der Armutsgrenze und ist auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen.

Was hat das mit der Schweiz und den Gegnern des Burkaverbots zu tun? Sehr viel. Denn nicht nur in seinen extremen Ausformungen ist der Islam mit westlichen Grundwerten und unserer Auffassung von Freiheit und Toleranz nicht vereinbar. Er ist eine Verliererreligion, der Minderwertigkeitskomplex seiner Anhänger führt schnell und überall zu Machtfantasien und Gewalttaten, wie die Messerattacken in jüngster Zeit wieder belegen.

Dagegen wird angeführt, dass das schliesslich nur einige verirrte und verwirrte Radikale seien, während die grosse Mehrzahl der Moslems friedliche Mitbürger seien. Das wird schon dadurch widerlegt, dass Meinungsumfragen zeigen, dass sie mehrheitlich die Scharia über die Gesetze stellen, die in den Ländern herrschen, in die sie sich vor dem Elend islamischer Staaten geflüchtet haben.

Die meisten von ihnen wollen sich gar nicht assimilieren, weil sie sich und ihre Religion der westlichen Zivilisation für weit überlegen halten. Ungläubige sind im besten Fall Untermenschen, im schlimmsten Fall müssen sie in der Befolgung des Korans getötet werden.

Natürlich ist die wörtliche Auslegung von Suren des Korans, genau wie bei Bibelstellen, mit Vorsicht hat zu geniessen, da es sich um Schriftstücke von umherziehenden Beduinen handelt, die im 7. Jahrhundert in der Wüste einer archaischen Mentalität lebten. Aber es gibt genügend Aufforderungen zu Gewalt gegen Ungläubige, so wie auch christliche Kreuzritte («deus vult» Gott will es) im Namen der Bibel in Jerusalem immer wieder Blutbäder anrichteten. Unterschied: das tun Christen nicht mehr, der Aufklärung sei Lob und Dank.

Anders der Koran:

Sure 2, Vers 191: «Und tötet sie, wo immer ihr auf sie trefft, und vertreibt sie, von wo sie euch vertrieben haben, denn Verfolgung ist schlimmer als Töten! Kämpft jedoch nicht gegen sie bei der geschützten Gebetsstätte, bis sie dort (zuerst) gegen euch kämpfen. Wenn sie aber (dort) gegen euch kämpfen, dann tötet sie. Solcherart ist der Lohn der Ungläubigen.»

Da braucht es, wie bei der Bibel, viel Rabulistik und Umschwätzen, um das zu relativieren.

Wie es Politiker und Publizisten geben kann, die unter Missbrauch unserer Meinungsfreiheit verschwurbelt versuchen, Verständnis für religiösen Wahnsinn zu schaffen, ein mittelalterliches Frauenbild schützen wollen, die potenzielle Gefahr von notgeilen islamischen Jugendlichen ausblenden, für Toleranz gegenüber dem Intoleranten plädieren, das ist unverständlich.

Noch schlimmer wird es, wenn sie Versuche, dieser gewalttätigen Gefahr innerhalb unserer freiheitlichen Gesellschaften zu begegnen, als fremdenfeindlich, hetzerisch, rechtsradikal, faschistoid oder gar faschistisch abkanzeln.

Der Islam in seiner heutigen Form ist nicht reformierbar, erhebt einen Allmachts- und Überlegenheitsanspruch, radikalisiert als Verliererreligion viele Gläubige. Er hat allerdings damit recht, dass der in seinen Augen dekadente Westen mit seiner falsch verstandenen Duldsamkeit einen grossen Beitrag dazu leistet, dass der Islam immer mächtiger und gefährlicher wird. Inmitten unserer Gesellschaft.

Porno-NZZaS

Errötend bringt ZACKBUM einen Ausschnitt des Covers zur Kenntnis.

Beat Balzli weiss nicht, wohin er mit der NZZaS will. Das ist bedenklich. Er lässt aber auf dem Cover Dinge zu, die sicherlich die Mehrheit der NZZaS-Leser irritieren, abschrecken, abstossen.

Denn ineinander verschlungene, nackte und  weibliche Körper, schwarze und weisse, die Andeutung zweier Gesichter, brutal beschnitten, was soll das? Dazu der Lockstoff-Titel «Verstehen Sie Sex noch?» Und der herbeigezerrte Anlass, dass es seit einer Woche ein neues Sexualstrafrecht in der Schweiz gilt.

Der Text dazu, von der einschlägig bekannten Nicole Althaus, die gerne mehr oder minder wackelige Texte über Sexualität absondert, dazu das männliche Feigenblatt Thomas Isler, mangels inhaltlichem Gewicht gleich nochmal mit einer merkwürdig illustrierten ganzen Zeitungsseite eingeschenkt, was soll das?

Indem man die Hände merkwürdig verschränkt?

«Wie geht heute Sex?» Ist das eine Frage, die man sich stellen muss? Die man beantwortet haben möchte? Und selbst wenn, auf den folgenden knapp 24’000 A bekommt man auch nur unablässig Fragen, sehr wenig Antworten.

Immerhin kommen die Autoren zu einer trivialen Erkenntnis: «Nun wird kaum jemand sein Liebesleben verändert haben, weil vor einer Woche das neue Gesetz in Kraft getreten ist.» Und zitieren aus einer alten und umstrittenen Umfrage von Amnesty International aus dem Jahre 2019, wo 22 Prozent aller befragten Frauen (Männer zählen da bekanntlich nicht) angaben, «ungewollt sexuelle Handlungen erlebt» zu haben.

Dazu wurden rund 4500 Frauen in der Schweiz befragt, davon über 4000 online, «beworben über die Kanäle von Amnesty International». Bekanntlich ist anonymen (und nicht erst nachträglich anonymisierten) Umfragen mit grosser Skepsis zu begegnen. Erschwerend kommt hinzu, dass der Begriff «ungewollte sexuelle Handlungen» oder seine Abgrenzung zu «sexuelle Belästigung» nicht definiert wird. Also schlichtweg eine Nonsens-Umfrage.

Ansonsten können die Autoren nur fragen, fragen, fragen.

«Was also läuft in den Schlafzimmern im Land falsch? … Was ist Sex? … Welche Bedeutung hat Sex in unserer Gesellschaft, und welche Bedürfnisse befriedigt er? … Doch wie lernt der Mensch, das, was er will, von dem zu unterscheiden, was er nur meint, wollen zu sollen?» Ad nauseam, wie man in gehobenen Kreisen sagt.

Dazu kommen dann Expertinnen und Spezialistinnen und Buchautorinnen zu Wort. Und wenn ein Journalist heutzutage eine Reise tut, und sei’s auch nur ins Zürcher Oberland, dann muss er dieses welterschütternde Ereignis gleich in den Text einbauen:

«Am Kiosk beim Zürcher Klusplatz lockt der «Blick» mit Kim Kardashian im knappen Leoparden-Bikini auf der Front, kurz bevor die Stadt ins Land übergeht, ist das Rüebli auf dem Werbeplakat für die Eigenmarke «Miini Region» von Coop zu einem erigierten Penis übermalt worden. Und auch wo die Häuser seltener werden, entdeckt man vor und nach jeder Haltestelle irgendein Graffito an einer Hauswand, welches das F-Wort enthält.»

Was das mit der Frage, wie heute Sex gehe, zu tun hat? Wieso wurden nicht die Wetterbedingungen oder der Preis des Taxis thematisiert?

Dazu noch eine Prise Sauglattismus (die BDSM-Szene sei vorbildlich, weil hier eben vorher ausführlich geredet wird), und zum Abschluss kommt noch tatsächlich der «vorvorgestrige «Playboy»-Gründer Hugh Hefner» zu Wort und wird gelobt, denn der habe gesagt: «Sex findet zwischen den Ohren statt, nicht zwischen den Beinen.»

Damit Isler auch noch etwas zu schreiben kriegte, darf er dann noch die «Geschichte des Sexualstrafrechts» ab 1532 aufrollen. Das erspart natürlich das Googeln ungemein.

Was für eine neuerlich dysfunktionale Ausgabe. Beat Balzli verliert sich im Editorial in Erinnerungen an «Das grosse Fressen» (ein Film von 1973). Daneben werden die «letzten Tage von Joe» heruntergezählt. Man ist nun schon per du mit dem US-Präsidenten, und alle diese Countdowns erinnern fatal an das Herunterbeten der letzten Monate, Wochen, Tage, Stunden, Minuten, Sekunden der Herrschaft Fidel Castros. Der dann friedlich mit 90 Jahren im Bett starb, nachdem er freiwillig die Macht altershalber abgegeben hatte.

Dann ein interessantes Stück über das korrupte Bildungssystem Indiens und ein Versuch, mit Snobismus die krachende Niederlage der Torys in England zu erklären. Dann ein riesig und kühn illustriertes Porträt von Präsident Macron, der unbeeindruckt wie weiland angeblich Nero dem Brand von Paris-Rom zuschaut. Diese Idee muss man erst mal an den Haaren herbeiziehen. Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich.

Dysfunktion dann auch die «Wirtschaft». Oder ist ein Artikel darüber, dass Schweizer Firmen die Namensschilder überdenken, weil Mitarbeiter gestalkt werden könnten, wirklich einen Aufmacher wert? Dabei wäre die Recherche darüber, dass Banken mit riskanten Hypothekenvergaben gewaltige Risiken in ihre Bücher nehmen, durchaus interessanter.

Und sonst? Was sonst? Auf Seite 52 ist mit den Leserbriefen Schluss, das ist sonst.

Nicht nur, dass Balzli schmerzlich vermissen lässt zu enthüllen, was es denn nun mit der Digitaloffensive auf sich hat, was eigentlich schon die Aufgabe seines Vorgängers gewesen wäre. Mit einer unablässig sich nach unten, ins Belanglose, Schlüpfrige, Niveaulose steigernden Covergestaltung setzt er sich auch der Frage aus, wie lange Eric Gujer dem noch zuschauen wird.

Zzz …

Das Werbekunden-Abholmagazin der NZZ überbeisst.

«Die Lifestyle-Beilage «Z» der «Neuen Zürcher Zeitung» und der «NZZ am Sonntag» porträtiert Luxus in all seinen Facetten und Formen

Andreas Tobler würde das Magazin – wie das hauseigene «Encore» – niemals nicht anfassen, nichtmal mit Atemschutz und Chirurgenhandschuhen. Denn es ist randvoll mit – Werbung. Das fängt schon beim Cover an. Da prangt zwar ein Z in der Mitte, links NZZ, aber rechts «Anzeige». Cartier hat gemietet und gleich nochmal eine Doppelseite gepostet im Heft. Damit liegt der Brand knapp vor Chanel, ebenfalls Doppelseite. Und vor IWC, Doppelseite. Und vor Swatch (Doppelseite, what else). Chopard schmürzelet dann ein wenig, einfache Seite, allerdings rechts.

So eine Doppelseite kostet immerhin 62.500 Franken, eine einfache 29’500. Zweite Umschlagseite plus 3. sind für 74’500 zu haben. «Full Cover (2-seitig)» ist für die NZZ, die NZZaS, NZZ Folio, NZZ am Sonntag Magazin und Z erhältlich. Näheres regelt NZZone, einfach mal anrufen.

Nun ist das Problem in der neusten Ausgabe, dass die Redaktion offenbar der Ansicht ist, dass die Leser problemlos auch so viel Kleingeld locker im Sack sitzen haben. «Neues aus der Schweiz», was sorgfältig von der Redaktion für Sie ausgewählt wurde: ein stinknormales weisses Hemd, Baumwolle-Seide, schlappe 290 Franken. Eine «Fussbettsandale», in der sich vielleicht Tarzan wohl gefühlt hätte, 329 Franken.

Aber auch vor Dubiosem schreckt man nicht zurück. «On» bietet nun auch noch Tennis-T-Shirts und -Shorts an, für relativ bescheidene 100 Franken. Über den Herstellungspreis und die Arbeitsbedingungen dabei sagt «Z» aber nichts. Spitze ist dafür eine Gesichtscreme. «Schwarzer Perlenextrakt, Gelee Royale, pflanzliche Stammzellen» und die unvermeidliche Hyaluronsäure. 50 ml, ein besserer Klacks, für faltenfreie 820 Franken.

Ins Gebiet der reinen Leserverarsche begibt sich «Z» mit dem Angebot eines simplen Steins mit Hanfschnur drum. Und angeblich mit den Gebeten eines Zen-Mönchs «gefüllt». Wer sich nicht im nächsten Bachbett gratis versorgen will: 200 Franken für diesen Nonsens.

Schon sind wir beim Schwerpunktthema und dem grossen Problem, Armbanduhren immer wieder anders zu präsentieren. Hier erreichen die Zeitmesser allerdings preisliche Dimensionen, von denen man den Leser verschonen möchte; bei jedem zweiten Ticker steht «Preis auf Anfrage». Steht er mal da, können das locker 45’000 für eine IWC werden, vergleichsweise billige 21’100 für eine Rolex im Grossvaterlook oder 165’000 für eine TAG Heuer im Uralt-Monaco-Viereckgehäuse. Geradezu ins Läppische fällt dagegen eine Junghans ab, 965 Franken, so viel kostet bei Edelweckern einmal Ticken.

Aber es muss halt auch bei der NZZ gespart werden. In «Z» lobt Myriam Zumbühl die Morchel und bereitet sie mit Minze und eingelegter Zitrone zu. Im «NZZ am Sonntag Magazin» lobt Myriam Zumbühl die Morchel und bereitet sie mit einer fein gehackten Schalotte und Madeira zu. Frische Morcheln sind halt noch teurer als getrocknete, da muss eine für vieles hinhalten.

Sollte der Leser spätestens hier alles Geld ausgegeben haben, bleibt ihm nur noch die Hoffnung, eines der beiden «Wohlfühlen-Packages» im Hotel Muchele bei Meran zu gewinnen. Oder er delektiert sich am Poesiealbum-Spruch von Immanuel Kant, der in keinem Stand für Postkarten mit Lebensweisheiten fehlen darf: «Ich kann, weil ich will, was ich muss.» Oder er ärgert sich über die flache Auslegung durch Nicole Althaus: «Denn wie alle Menschen früher oder später erfahren, ist zu wollen, was man nicht kann, und zu müssen, was man nicht will, der kürzeste Weg ins Unglück». Wieso nimmt sie sich das nicht selbst zu Herzen und lässt das mit den Zitaten?

Macht’s KI besser?

Wie die NZZaS beweist: nein.

Diese Illustration ist, wie man mit der Lupe der Byline entnehmen kann, mittels KI hergestellt worden. Sie vermischt den angestaubten Groove der 70er-Jahre mit der Art, ein Gesicht zu modellieren, wie es im Anfängerkurs für Zeichner geübt wird. Prozentzeichen in den Augen, das rundet das Bild noch mit einem Schon-wieder-Effekt ab.

Aber wer weiss, vielleicht wäre eine hausgemachte Illu noch viel schlimmer herausgekommen. Aber das ist nur die Ouvertüre für noch viel Schlimmeres.

Mal im Ernst, lieber Beat Balzli, das soll die erste Doppelseite im Heft sein? Ein misslungener Wortscherz als Titel, ein riesengrosses, aber völlig inhaltsleeres Visual, umrahmt von einem ungeheuerlichen Textriemen, der zudem in seiner Aussage so dünn ist, dass man auch eine Kurzmeldung daraus machen könnte?

Seich und Scheich, Schleich und reich, wären das nicht wenigstens bessere Titel gewesen? Oder noch besser: hätte man den Platz nicht entschieden besser verwenden können?

Aber immerhin, auf Seite vier fährt die NZZaS mit einer Berichterstattung fort, die sonst kein Organ leistet: «Was tun die israelischen Siedler, während im Gaza gekämpft wird? Ein Besuch im Westjordanland». Denn häufig wird übersehen, dass in der illegalen Besiedlung und durch die massenweise Ermordung von Palästinensern auch hier Israel nicht wirklich darum bemüht ist, irgendwann einmal die Voraussetzungen für eine Verhandlungslösung zu schaffen.

Hier schwafelt die Direktorin einer NGO, die sich für die Interessen der Siedler einsetzt: «Es gibt ein palästinensisches Heimatland, das von den Vereinten Nationen geschaffen wurde. Es heisst Jordanien.» Und wer meint, religiöser Wahnsinn sei von der Hamas gepachtet, wird von ihr eines Schlechteren belehrt: «Es ist unsere religiöse Pflicht, das Land zu besiedeln, das Gott uns gegeben hat.»

Auf Seite 12 setzt die NZZaS dann ihr Tradition fort, mit einer denunziatorisch-unanständigen Fotografie das Niveau deutlich nach unten zu senken:

Selbst der Chefredaktor der NZZaS sähe ziemlich bescheuert aus, wenn man ihn so fotografierte. Das tat das Blatt schon bei einem AfD-Politiker, ohne sich dafür zu schämen. Da wir damals nur eine nassforsche Antwort der Unternehmenskommunikation bekamen, als ZACKBUM Beat Balzli anfragte, was er denn davon halte, verzichteten wir diesmal.

Obwohl hier nicht nur das Foto, sondern auch der Titel von einer unanständigen Häme ist, die nichts mit seriösem Journalismus zu tun hat.

Völlig von der Rolle ist dann auch der Aufmacher der Kommentar-Seite. Der Fern-Korrespondent Markus Bernath aus Wien meldet sich zur Abwechslung nicht mit einem Aufruf zur Fortsetzung des Gemetzels in der Ukraine zu Wort. Aber er kann sich dennoch ins Absurde steigern: «Das Heilige Römische Reich muss Vorbild der EU werden». In Wien ist sicherlich die Toleranz gegenüber Bedepperten und Belämmerten grösser als anderswo auf der Welt. Wieso aber die NZZaS einen solchen Titel (vom Inhalt ganz zu schweigen) dem fassungslosen Leser vorsetzt, das muss das süsse Geheimnis eines neuen Chefredaktors bleiben, der seinen Laden offensichtlich noch nicht im Griff hat.

Das gilt auch für die Story «Krieg gegen die Frauen. … Sexualisierte Gewalt im Krieg ist uralt, über ihren Einsatz als Kriegstaktik spricht man aber erst seit kurzem». Es ist bis zu einem gewissen Grad erlaubt, eine verschnarchte Uralt-Story verbal im Lead aufzupumpen. Aber hier verlassen Gina Bachmann und Raphaela Roth definitiv den Streubereich der Wirklichkeit. Letztere nicht zum ersten Mal. Über Vergewaltigung als Bestandteil der Kriegsführung wird schon seit vielen Jahren geforscht und publiziert. Auch wenn das die beiden Damen vielleicht nicht mitbekommen haben sollten.

Der ungebremste Niedergang setzt sich auf Seite 23 fort. Hier versemmelt Nicole Althaus mal wieder ein im Prinzip interessantes Thema. Nein, es ist nicht dir Rede von Wechseljahren, sondern von Charisma. Spannende Sache, nur: charismatische Menschen überschritten Grenzen, weiss Althaus. Das ist noch ein – wenn auch langweiliger – Ansatz. Ungenießbar macht das Folgende dann der Nachsatz: «Aber warum sind das oft vor allem Männer?»

«Oft vor allem», deutlicher kann man die Unsicherheit der Autorin, ob sie da auf dem richtigen Weg sei, nicht ausdrücken. Immerhin: das warnt den intelligenten Leser davor, weiter seine Zeit zu verschwenden. Dass man die Seite ohne Erkenntnisverlust überblättern kann, beweisen auch Aline WannerFast wie die Werbung einer Sekte») und Rolf DobelliSeien Sie unzuverlässig») mit ihren Titeln. Danke schön.

«Wirtschaft»? Der reichlich vorhandene «Sponsored Content» ist mit Abstand das Interessanteste … Aber immerhin, die «Kultur» glänzt für ein Mal mit einer Abrechnung mit dem unfähigen Direktor von «Pro Helvetia». Nach dieser Breitseite ist es immerhin fraglich, ob er wirklich bis 2025 im Amt überleben wird.

Das beschwingt, bis man zur letzten Seite gelangt. «Die Summe aller Frauen, Teil 42». Das Grauen nimmt kein Ende.