Schwätzer und Helfer

Schreibtäter die einen, Schwätzer die anderen, Helfer die Dritten.

Lassen wir die Schreikräfte in den intellektuell bescheidener ausgestatteten Gazetten beiseite. Und kommen zum Blatt, das ja gewissen Ansprüche an sich und seine Leser stellt. Da haben wir Markus Bernath, «Foreign Affairs Editor», eingewechselt vom «Standard». Der deklariert im Bund «Hintergrund»:

«Die Europäer müssen den Krieg wieder lernen

Markig fährt er fort: «Freiheit und Sicherheit müssen gegen den Mann im Kreml verteidigt werden – notfalls mit Waffen.»

Im Rahmen der Meinungsfreiheit darf auch das gesagt werden. Dennoch schlägt ZACKBUM vor, das Gefäss in «Abgrund» umzubenennen. Krieg als Lernfach, Aufruf, notfalls zu den Waffen zu greifen? Hoffentlich hat sich Bernath bereits freiwillig gemeldet, beim österreichischen Bundesheer sind sicher noch Plätze frei für Journalisten, die sich zu Kriegsgurgeln gewandelt haben. Was für ein Schreibtäter.

Nicht nur der «Schwarze Block»-Molina fordert dies und das und Solidarität, ist gegen und für, es sollte, es müsste, es kann nicht sein. Wohlfeil ist’s, grossmäulig zu fordern, die Schweiz solle die EU-Sanktionen gegen Russland «mittragen». Er selbst trägt nicht so gerne.

Als er genauso vollmundig sofortige Aufnahme von 10’000 Afghanen forderte (man erinnert sich noch?), erwiderte er schmallippig auf die Frage, ob er selbst vielleicht so einen, zwei aufnehmen würde, er sei dann kein Staat im Fall, sorry. Sonst sind auch keine Hilfsaktionen von ihm bekannt, ausser Maulheldentum.

ZACKBUM übrigens, falls das erwähnt werden muss, spendete für die Finanzierung einer Luftbrücke aus Kabul heraus, die dann immerhin fast 200 Afghanen im letzten Moment rettete und setzt sich für einen afghanischen BBC-Journalisten ein, der in der Schweiz gestrandet ist.

Schwätzer und Macher

Das ist nicht viel, aber viel mehr, als diese Schreib- und Schreitäter leisten. In den Schatten gestellt wird all das aber durch solche Aktionen:

Das ist einer, und sicher nicht der Einzige, der weder einen grossen Latz hat, noch auf Friedensdemos ein Zeichen setzt. Sondern einfach Kontakt sucht und findet und nun mal kurz an die ungarische Grenze fährt, um dort eine Flüchtlingsfamilie aus der Ukraine abzuholen. Jemand anders aus seinem Kontaktnetz aus St. Gallen fährt an die polnische Grenze, um das Gleiche zu tun.

Vorteil dabei ist, dass zurzeit Ukrainer visumsfrei in die Schweiz einreisen können und zumindest bis zu drei Monate legal hier leben. Wie’s anschliessend weitergeht, was die Folgen sind, was das kostet, was das für Probleme bringt, was man sich damit auflädt?

Da würden Bernaths, Molinas und alle anderen in Bedenkenträgerei versinken, dies und das fordern, am besten alles, womit sie selber sich nicht belasten würden. Deshalb ist der Zustand der Politik und der Medien so beelendend.

Deshalb ist diese kleine Aktion, auf die ZACKBUM per Zufall aufmerksam wurde (wir sind sicher: es ist nicht die einzige) so herzerwärmend. Das löst nicht den Ukraine-Konflikt. Es trägt auch nicht dazu bei, Krieg zu lernen. Es hilft null, die Sanktionen der EU auch in der Schweiz umzusetzen.

Aber es ist ein kleines Licht der Menschlichkeit, endlich mal nicht ein verbales «Zeichen», kein Ruf nach Solidarität, aber bitte die anderen zuerst. Einer hat Platz, hat ein Auto, die Fahrt an die ungarisch-ukrainische Grenze, sagen wir nach Tiszabecs, dauert so 13, 14 Stunden. Ist doch keine Sache, eigentlich. Ist eine Riesensache. Ist einfach das kleine Gute im grossen Schlechten. Ist helfen, statt quatschen.

Chapeau.

2 KOMMENTARE
  1. Michael Wolf
    Michael Wolf says:

    Herr Zeyer, jetzt verlinken Sie doch mal die Bilder so, dass man sie anklicken kann zum Lesen. So bringt das nichts. Ist WordPress 1×1.

    Herr von Atzigen: : Von 20 Jahre Russenhatz hab ich nicht viel gemerkt bisher. Aber jetzt gelüstet es einen schon etwas.

    Antworten
  2. Hans von Atzigen
    Hans von Atzigen says:

    20 Jahre Putin und Russenhatz tragen bittere Früchte.
    Ob sich das gar sooo viele bewusst sind???
    Nach dem Coronatheater jetzt auch nocht DAS?
    Ob DAS die eh schon angeschlagene Weltwirtschaft obendrauf
    auch nocht verkraftete.Gar so viel würde ich nich darauf wetten.
    Wenn die Weltwirtschaft einen weiteren Einbruch nicht verkraften
    kann??? Dann wars das, tschüss schönes gutes Leben.

    Antworten

Schreiben Sie einen Kommentar

Möchten Sie an der Debatte teilnehmen?
Ihre Meinung interessiert. Beachten Sie die Kleiderordnung dabei.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.