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Schlagwortarchiv für: Meinung

René Zeyer

Gugus, gaga, Münger

6. August 2026/9 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Der Auslandchef ohne Ausland und funktionierenden Verstand. Ein Hitzeopfer?

Wenn Christof Münger zum Griffel greift, gehen alle im Glashaus an der Werdstrasse in Deckung. Denn hindern kann man ihn nicht daran, schliesslich ist er Chef. Von fast nix, aber Chef.

Da er sonst eigentlich nicht mehr zu tun hat, als die ß und Germanismen aus den übernommenen Artikeln der «Süddeutschen Zeitung» zu klauben, greift er gerne zur Lieblingsbeschäftigung aller Tagianer: er äussert seine Meinung. Sollte er vielleicht nicht tun, denn schon anlässlich von 250 Jahre Unabhängigkeit der USA machte er sich öffentlich zum Deppen.

Aber was ein echter Journalist im Kopfblattsalat des Hauses der Qualitätsmedien Tamedia ist, besitzt natürlich eine hohe Beratungsresistenz.

Also auf ein Neues: «Für Trump und Co. ist der Ansturm auf Ceuta ein Geschenk», verkündet er das Ergebnis seines neuerlichen tiefen Nachdenkens. Wie das? Nun, nicht in erster Linie der Ansturm selbst, dafür aber: «Wer Europas extreme Rechte stärken und in der EU Unruhe stiften will, hat die Fotos vom Ansturm auf Ceuta umgehend verbreitet. Den Anfang machte die US-Regierung – auch aus ganz eigenen Interessen.»

Dann drischt Münger auf Fox News ein und den US-Vizepräsidenten J.D. Vance, der einen Link auf einen Bericht weitergeleitet hat, in dem Fox News anscheinend behauptet, diese Migranten kämen in Nordspanien statt in Nordafrika an. Geografie war halt noch nie so die Stärke der Amis.

Nun trifft sie aber der erhobene Oberlehrerzeigefinger und durchbohrt sie: «Fakten, geografische oder historische, sind für Leute wie Vance lästige Details. In aller Kürze: Ceuta ist seit 1580 eine spanische Stadt, gehört jedoch nicht zum spanischen Festland. Es ist auch nicht möglich, von Ceuta aus auf das spanische Festland und damit in den Schengen-Raum der Europäischen Union zu gelangen.»

Nehmt das, ihr Gegner lästiger Details. Aber eigentlich ist auch das für Münger nur ein Detail. Denn das Wichtige ist:

«Für Rechtspopulisten sind solche Bilder unbezahlbar.»

Zunächst räumt der Denker allerdings ein: «Es war tatsächlich schockierend zu sehen, wie Menschenmassen die Grenzkontrollen überwanden.»

Aber nach dem ersten Schock muss man natürlich die Kirche im Dorf, den Migranten an seiner Stelle lassen und überhaupt dieses Geschenk verschmähen. Denn, so die Schlussfolgerung Müngers:

«Unterdessen sind die dramatischen Bilder von Ceuta veraltet, eine gewisse Normalität ist in die Exklave zurückgekehrt. Die teilweise irreführenden Kommentare und Fotos, die Trump, Vance, Weidel und Farage verbreitet haben, bleiben aber online. Und sie werden den Rechtspopulisten noch lange dabei helfen, aufzuwiegeln, zu polarisieren und den Hass auf Andersdenkende zu schüren.»

Gewisse Normalität zurückgekehrt? Für einen solchen Satz würde Münger in Ceuta wahrscheinlich geprügelt werden.

Noch schockierender ist allerdings: auch der Tamedia-Kopfblattsalat brachte diese Bilder. Gibt es da etwa verkappte Rechtspopulisten? Schluck.

Wie erklärt man diesem Unbelehrbaren seinen Grundlagenirrtum? Die aufwiegelnden und Hass schürenden Rechtspopulisten haben diese Bilder nicht erfunden oder gefaket. Sondern sie illustrieren einfach das Versagen der EU, ihre Aussengrenzen zu schützen.

Das ist die Ursache, die Bilder sind die Bestätigung, und jeder kocht sich sein Süppchen, wie es ihm drum ist. Wer für Klimaschutz und gegen die Erderwärmung ist, lamentiert auch ausführlich über Fotos von Dürren, versiegenden Flüssen oder abgebrannten Wäldern. Ohne dass es Münger in den Sinn käme, das als Hilfeleistung für aufwiegeln, polarisieren oder den Hass auf sogenannte Klimasünder schüren, zu verstehen.

Ursache, Wirkung, Interpretation. Wenn sich jemand auszieht, ist er nackt (Ursache). Öffentliche Nacktheit kann verstören (Wirkung). Das kann zum Lamentieren über Sittenzerfall und mangelnden Anstand führen (Interpretation). Oder: ein Auto prallt gegen einen Baum (Ursache). Die blutige Sauerei wird fotografiert und veröffentlicht (Wirkung). Daraufhin werden mehr Massnahmen gegen Tote im Strassenverkehr gefordert und überhaupt eine Beschränkung des Individualverkehrs (Interpretation).

Kann doch nicht so schwer sein.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-03-um-17.57.05.png 457 1041 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-08-06 05:00:202026-08-05 08:41:31Gugus, gaga, Münger
René Zeyer

Wumms: Fabienne Sennhauser

5. Juni 2026/11 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Woher die Nähe von Dame und dämlich?

Sennhauser ist «diensthabende Redaktorin im Ressort Zürich. Als solche verantwortet sie regelmässig die Berichterstattung des Ressorts.»

Auch ihre eigene? Das ist die Frage, denn wie kann man (unseretwegen auch frau) eine solche Nonsens-Meinung verantworten?

Gut, es braucht keinen bestandenen IQ-Test, um bei Tamedia meinen zu dürfen. Und vielleicht traut sich niemand von den wenigen noch vorhandenen Profijournalisten, einer Frau zu sagen: willst du dich ernsthaft zum Gespött machen? Oder willst du das, beim Titel angefangen, nicht nochmal überdenken?

Denn welche Chance verpasst Daniel Jositsch denn angeblich? Die leitet Sennhauser mit dem einzig richtigen Satz in ihrer Meinung ein: «Das Gezanke, das die Sozialdemokraten in den letzten Tagen öffentlich zur Schau stellten, ist schlicht grotesk.»

Um ihn dann gleich anschliessend kaputt zu machen: «Jositsch hätte die Chance gehabt, das Theater – zumindest um seine Person – zu beenden und mit erhobenem Haupt abzutreten.»

Abgesehen davon, dass die SP-Delegierten diese Chance auch gehabt hätten: tritt er denn stattdessen mit gesenktem Haupt ab oder vielmehr an?

Was sollte denn der mit höchstem Stimmenanteil gewählte Schweizer Politiker tun, wenn er auf Sennhauser hören würde, was er glücklicherweise nicht tut?

Wäre er ein Sesselkleber wie der Co-Parteipräsident Cédric Wermuth, hätte er es sicherlich geschafft, mit etwas Biegsamkeit und gesenktem Haupt die 15 Delegiertenstimmen zu holen, die ihm für eine Nominierung durch seine Partei gefehlt haben.

Im Gegensatz zu Wermuth hat Jositsch auch noch einen Beruf und ein Einkommen als Rechtsprofessor, wäre also nicht auf das Politikergehalt angewiesen. Das macht ihn für eine immer sektiererische SP-Delegiertenversammlung unbequem – und letztlich unwählbar.

Zumindest für eine knappe Mehrheit, der eine mächtige Minderheit gegenüberstand.

Ob Sennhauser aus weiblicher Solidarität es unterlässt, die miese Rolle zu erwähnen, die Jacqueline Badran in dieser Intrige spielt? Denn groteskes Gezanke, das ist doch genau deren Part.

Dazu noch aus dem Hinterhalt. Statt vor der Abstimmung verlauten zu lassen, dass sie dann im Fall als Jositsch-Ersatz bereitstünde, aber an der Delegiertenversammlung nicht mal zu erscheinen – wäre es nicht anständiger gewesen, es dort auf ein direktes Duell ankommen zu lassen?

Aber davor hatte die Verbal-Ramme Badran keinen Bock. Wäre auch blöd gewesen, wenn bei dieser Ausgangslage sich eine Mehrheit doch lieber für Jositsch entschieden hätte.

Dafür haben sie nun Badran gekriegt, die noch nicht mal ordentlich nominiert, aber kaum mehr als Kandidatin zu verhindern ist.

«Doch er ist nicht bereit, von der Bühne zu gehen», schimpft Sennhauser über Jositsch. Und wie steht es dann mit der älteren Badran?

Sind herabwürdigende Sprüche wie «Möchtegern-Alphamännchen» oder reine Fake News wirklich das Niveau, das von Sennhauser begrüsst wird? Auf jeden Fall kann man kein Wort darüber in ihrer «Meinung» lesen.

Die mit einem wirren, dunklen Satz endet, der weder mit weiblicher, noch mit männlicher Logik zu entschlüsseln ist: «Im Herbst 2027 wird sich zeigen, wem ihr (der Stimmbürger, Red.) Applaus gebührt und ob sie Profil oder Parteiverankerung höher gewichten.»

Abgesehen davon, dass Stimmbürger nicht applaudieren: was soll hier gewichtet werden? Wäre dann Jositsch das Profil, während Badran keins hat, dafür eine Parteiverankerung, die Jositsch nicht hatte? Als bestgewählter SP-Ständerat? Himmel, hilf.

Wer hat hier eine Chance verpasst? Eindeutig Sennhauser. Die Chance, sich nicht öffentlich lächerlich zu machen.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2022/01/Wumms.jpeg 438 882 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-06-05 05:00:082026-06-04 18:39:49Wumms: Fabienne Sennhauser
René Zeyer

Ach, die WoZ

26. Januar 2026/8 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Das Blatt hat seine Stärken. Und Schwächen.

Wenn der Fluss der medialen Berieselung verelendet, versiegt, vertrocknet, kommen Kieselsteine im Flussbett zum Vorschein, die man gemeinhin übersieht. Zum Beispiel die WoZ.

Sie hat ihre bedauerlichen Schwächen. Wenn ausgerechnet im Organ, wo Mitarbeiter sich noch durchaus daran erinnern können, dass man ihnen «Moskau einfach» zurief, die existenzbedrohenden Sanktionen gegen Jacques Baud («russische Desinformation») applaudiert werden, dann spinnt nicht die Welt, sondern die WoZ.

Wenn nostalgisch «Internationalismus ist ein Überlebensmechanismus» vorgebetet wird, wider alle Realität und Wahrscheinlichkeit, dann löst das nur Bedauern aus. Wenn «Superschurken in Davos» getitelt wird, kann man sich die Lektüre sparen.

Wenn WoZ-Redaktorin Sarah Schmalz über den «Mord in Minneapolis» auf der Frontseite vom Leder zieht, gerät sie dermassen ins Hyperventilieren, dass sie sich gleich zweimal korrigieren (lassen) muss. Ein lässlicher Fehler im Eifer des Gefechts: sie unterschiebt ein Zitat dem «Tages-Anzeiger». In Wirklichkeit stand in der «SonntagsZeitung»:

«Wenn Horden maskierter Beamter in Kampfmontur aufmarschieren und zum Widerstand ausgebildete Bürgerrechtler sie konfrontieren, wird Gewalt unausweichlich.»

An dieser Feststellung ist eigentlich nichts zu meckern. Vielleicht etwas empathielos, vor allem im Licht der zweiten Tötung durch ICE-Beamte, aber das konnte der SoZ-Korrespondent Martin Suter damals nicht wissen.

Dann gibt Schmalz aber Vollgas: «Während in den USA am Wochenende Zehntausende Menschen gegen die Tötung der Frau protestierten, versagen die hiesigen Leitmedien bei der Einordnung der Ereignisse komplett.» Tschakata.

In der Online-Ausgabe des gleichen Kommentars heisst es dann: «... versagt ein Teil der hiesigen Leitmedien bei der Einordnung der Ereignisse komplett». Hoppla.

Nun könnte man meinen, in einem transparenten Blatt wie der WoZ wird eine solche Meinungsänderung transparent ausgewiesen. Nun ja: «** Korrigenda vom 15. Januar 2026: Wir haben in diesem Satz eine Präzisierung vorgenommen.» Präzisierung? Nun, welche hiesigen Leitmedien haben denn zum Beispiel nicht versagt?

Nun aber zu den Sonnenseiten. Präsident Trump eskaliert auch den Konflikt mit Mexiko. Grossraumanalysen allenthalben. Die WoZ schreibt: «Das Ungleichgewicht zwischen den USA und Mexiko hat sich seit Donald Trumps aggressiver Politik verschärft. Die Folgen für die Menschen zeigen sich in der Grenzstadt Ciudad Juárez.» Reporter Anne Haas hat schlichtweg die Grenzstadt Ciudad Juárez besucht. Hingehen, hinschauen, aufschreiben. So ging mal Journalismus.

Mali? Mali? Ist das eines der Shitholes in Afrika, von denen Trump gelegentlich spricht und die es nur ganz, ganz selten in die Spalten der Leitmedien schaffen? Denn in Mali gibt es nicht mal einen Völkermord wie im Sudan oder wie in Äthiopien, also was soll’s. Die WoZ schreibt: «Islamistische Terroristen bedrohen Mali und versuchen, die Hauptstadt Bamako durch eine Benzinblockade lahmzulegen. Viele prophezeiten schon den Zusammenbruch des Landes. Doch sie unterschätzten den Mut der Tankwagenfahrer.»

Reporter Isso Ehrich ist hingegangen und berichtet aus der belagerten Hauptstadt. Hingehen, hinschauen, aufschreiben. So ging mal Journalismus.

Die WoZ schreibt: «Eigentlich sollte das Zusammenleben in Aleppo Vertrauen zwischen der Regierung und den Kurd:innen schaffen. Stattdessen kam es zu schweren Kämpfen, Vertreibungen und gezielten Angriffen auf Wohnviertel. Nun wächst die Sorge, dass der fragile Frieden ganz kippt.» Reporter Anna-Theresa Bachmann berichtet vor Ort. Hingehen, hinschauen, oder sagten wir das schon.

Selbst der Cartoon in der aktuellen Ausgabe ist ziemlich lustig, was man nicht immer von ihm behaupten kann:

WoZ, 22. Januar 2026

ZACKBUM stimmt daher in den Chor der Rechthaber und Verteiler von wohlmeinenden Ratschlägen ein: mehr Reportagen, weniger Meinung. Zuerst Hirn einschalten, dann losschreiben. Und eine Spur mehr Selbstkritik: so ein Artikel wie über Baud geht gar nicht. Aber Mexiko, Mali, Syrien: das ist die richtige Richtung.

Ach, und an der aktuellen Werbekampagne könnte man auch noch etwas arbeiten, die hat viel Luft nach oben …

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/01/Bildschirmfoto-2026-01-25-um-09.22.20.png 278 297 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-01-26 05:00:532026-01-25 09:51:22Ach, die WoZ
René Zeyer

Kommentar-Krätze

31. August 2025/5 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Kommentare sind Symptome einer Krankheit.

Kommentare unter Artikeln sind meistens wie die Krätze. Unangenehm, ansteckend (ein Kommentator kommentiert den nächsten, der Inhalt des kommentierten Artikels wird nebensächlich), aber eigentlich harmlos.

Auch wenn es beunruhigend ist, wie viel gestörte und kranke Menschen ohne Therapie vor sich hinvegetieren.

Aber die Pest sind die eigentlichen Kommentare in den Massenmedien. Hier nützen frustrierte Journalisten, die noch nicht weggespart wurden, ein Privileg aus, das sie sonst nicht haben. Sie können so lange sie wollen, worüber sie wollen und so unsicher-arrogant wie sie wollen salbadern.

Ohne sich ihrer Lächerlichkeit bewusst zu sein, weil doch wirklich niemand einen feuchten Furz auf ihre Meinung gibt. Dabei ist ihr Leiden einfach zu diagnostizieren: zunehmende Bedeutungslosigkeit. Einerseits wegen abnehmender Reichweite und Einschaltquote. Andererseits wegen abnehmender intellektueller und schreiberischer Potenz. Trotz eifriger Verwendung des Viagras AI als Krähwinkelsteigerung.

«Alles Taktik: Trump steht offen zu seinen Untaten», meint Detlef Esslinger. «Wenn die Europäer diesmal einknicken, sind sie verloren», meint Daniel Brössler. «Der Ukraine droht in Alaska die Unterwerfung», meint Florian Hassel.

Dass alle drei eigentlich in der «Süddeutschen Zeitung» meinen und bei Tamedia nur Mietmeinungen sind, spielt allerdings keine Rolle. Weder dort noch hier kümmert sich jemand um ihre Meinungen. Ausser sie selbst natürlich, die mit stolzgeschwellter Brust herumstolzieren und meinen, verhindert zu haben, dass Trump seine Untaten verbergen könnte, Europa verloren ginge oder die Ukraine in Alaska unterworfen würde.

Natürlich fragt und meint auch die NZZ: «Die Welt hofft auf Amerikas Richter: Stoppen sie Trumps Zölle?» Ob die Welt um diese, ihre Hoffnung weiss? Jürg Meier, ein gestählter Schreibtischunternehmer, steht der Schweizer Wirtschaft bei: «Trumps Zölle haben die gute alte Welt für Schweizer Firmen zerstört: Was es jetzt braucht, um zu überleben». Werden sie auf ihn hören – und nur so überleben?

Wunderbar auch dieser Einerseits-andererseits-aber-dann-doch-Nicht-Kommentar: «Russland und China könnten theoretisch gemeinsam gegen den Westen vorgehen – aber Putin ist zu schwach und kann daran kein Interesse haben». So rein praktisch gesehen.

Auch der «Blick» weiss einiges besser: «Fünf Gründe, wieso Alaska keinen Frieden bringen wird», oder meint er bloss? Auf jeden Fall kostenpflichtig, Gratis ist hingegen die Frage: «Wo war eigentlich Aussenminister Cassis?» Sachdienliche Hinweise an den nächsten Polizeiposten. Eher nervig sind zwei ziemlich blöde Meinungen: «Ich nehme das Wetter persönlich», und «weniger Plastik ist besser», das ist von der fliegenden Nicht-Fliegerin Aline Trede.

Und was meint es so bei CH Media? «Ein Handystopp für Primarschüler – die Eltern sind gefragt». Mit dieser Meinung kann Stefan Schmid nicht falschliegen. Die Meinung im Zeichen des Sommerlochs: «Brot und Spiele, das ewige Sterben und das Zen des Gamens». Tja, wenn das wechselhafte Wetter ausgelutscht ist, bleibt nicht mehr viel, gell, Sascha Erni. Und noch eine pädagogisch wertvolle Meinung: «Lehrerinnen und Lehrer brauchen Freiheiten, nicht mehr Vorgaben.»

Es wird gemeint, geraten, gefragt, gewarnt, gemahnt und gefordert. Es werden schreckliche Konsequenzen an die Wand gemalt, sollte nicht auf den Kommentator gehört werden.

Nur: Interessieren heute noch diese zwei Wochen alten Meinungen? Wetten, dass selbst der Kommentator sie schon längst vergessen hat?

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2025/08/Bildschirmfoto-2025-08-12-um-12.28.35.png 726 1122 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2025-08-31 05:00:552025-08-26 10:21:17Kommentar-Krätze
René Zeyer

Neuer Lichtblick beim Tagi

30. Mai 2025/10 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Auslandchef Christof Münger verurteilt die Kriegsverbrechen der israelischen Regierung.

Seine Aufgabe ist es normalerweise, Gelaber der Redaktion der «Süddeutschen Zeitung» per copy/paste seinen Lesern zahlungspflichtig zu servieren. Mit schlechteren Titeln und Leads versehen.

Oder tatenlos zuzusehen, wie sein Redaktor Enver Robelli mit kosovarischem Hintergrund Gift über alles spritzt, was mit dem Wort Serbien verbunden ist. Oder den Besuch der kosovarischen Präsidentin in der Schweiz mit Lob überschüttet.

Dass sie Chefin eines selbst von einigen EU-Mitgliedern nicht anerkannten Mafiastaats ist, der nur auf Betreiben der damaligen Schweizer Aussenministerin zur Welt kam, obwohl das ein eklatanter Verstoss gegen die Serbien zugesicherte territoriale Integrität war (aber Serbien ist halt nicht die Ukraine), was soll’s.

Nun aber ermannt sich Münger, die Kriegsverbrechen der israelischen Regierung zu kritisieren. Die ist – animiert vom US-Präsidenten Donald Trump, der Gaza gerne in eine neue Riviera verwandeln und möglichst viele Trump Towers bauen möchte – finster entschlossen, die Palästinenser von dort zu vertreiben – ins Nirgendwo, wie Trump. Auf zunehmenden internationalen Druck hin wurde eine obskure Organisation damit beauftragt, die wenigen Hilfslieferungen an die hungernde Bevölkerung zu managen. Deren Präsident ist sofort zurückgetreten, die Verteilung endete in einem Chaos mit Toten. Die Ausgabestellen liegen grösstenteils im Südwesten des Gazastreifens, nach der Devise: wenn ihr die Bombardements überlebt und etwas zu fressen wollt, dann macht euch doch dorthin auf den Weg. Eine «Schimäre» humanitären Handelns, wie Christof Münger konstatiert.

Das unterscheidet seinen Kommentar auch wohltuend vom haltlosen Leitartikel seiner Chefin.

Dagegen hält Münger in seiner «Meinung»:

«Das Vorgehen des israelischen Premiers im Gazastreifen lässt sich nicht mehr rechtfertigen. Den Preis dafür zahlen die Palästinenser – langfristig aber auch Netanyahus eigene Landsleute.»

Wobei diese Landsleute nach Meinungsumfragen mit dieser Vernichtungspolitik einverstanden sind. Und der isrealische Ministerpräsident im Windschatten dieses Verbrechens neue illegale Siedlungen im Westjordanland beschlossen hat.

Dass die Hamas eine Bande von fundamentalen Wahnsinnigen ist, die mit ihrem Massaker in Israel und den Geiselnahmen dafür den Vorwand geliefert hat, ist unbestritten. Wie es passieren konnte, dass der sonst so effektive israelische Geheimdienst und die Armee die mehr als ein Jahr andauernden Vorbereitungshandlungen übersehen haben könnten; Anlass für mehr als Verschwörungstheorien.

Aber immerhin, man muss auch loben können:

«Die israelischen Streitkräfte agieren dabei derart brutal, dass sie sich dem Vorwurf aussetzen, Kriegsverbrechen zu begehen. Für Israel ist das ein moralisches Desaster. … Dabei wäre es allein ein Gebot der Menschlichkeit, dass sich Israel zurückhält, da die Lage im Gazastreifen verheerend und das Leid evident ist.»

Münger weist auf eine Selbstverständlichkeit hin: Israel ist eine Demokratie und orientiert sich an Werten, die in der Erklärung der Menschenrechte verankert sind. «Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit», heisst es in Artikel 3 der UNO-Proklamation von 1948. Das gilt auch für Palästinenserinnen und Palästinenser.»

Und er benennt das einzige Motiv von Netanyahu: «Weshalb geht Israel so brutal vor? Die naheliegende Erklärung ist, dass sich Netanyahu nicht um die Sicherheit seines Landes, sondern um sein politisches Überleben kümmert. Der Regierungschef steht wegen mehrerer Korruptionsvorwürfe vor Gericht. Sein Amt ermöglicht es ihm, den Prozess in die Länge zu ziehen und einer möglichen Gefängnisstrafe zu entgehen.»

Er fordert den Schweizer Bundesrat auf, dem Beispiel von engen Verbündeten Israels wie Frankreich, England und anderen, zu folgen, und er schlussfolgert richtig: «Abbringen von seinem Krieg im Gazastreifen können ihn aber nur jene Bürgerinnen und Bürger Israels, die nicht mit dem Makel leben möchten, den ihnen ihr Premier auferlegt.»

Das ist mutig, denn der Gegenwind aller Israel-Verteidiger, die nicht zwischen Juden, Israel und seiner Regierung unterscheiden, sondern alle berechtigte Kritik an deren menschrechtswidrigem und verbrecherischem Handeln mit «Antisemitismus» niedermachen wollen, ist ihm gewiss.

Viel mehr haben sie nicht mehr zu bieten. Ausser: die Palästinenser im Gazastreifen seien selber daran schuld, dass die gesamte Infrastruktur in eine Ruinenlandschaft verwandelt wird, als Kollateralschaden Tausende von unschuldigen Zivilisten getötet werden, die Bevölkerung ausgehungert werden soll. Schliesslich hätten sie die Hamas mal «gewählt» und sollten sich gefälligst gegen ihre Überreste auflehnen. Tun sie das nicht, ereilt sie halt ihr wohlverdientes Schicksal.

Wie menschenverachtend ein solches Vorgehen der israelischen Regierung ist, ist evident.

Dass es sich bei der Hamas um fundamentalistische Irre handelt, ist unbestreitbar. Aber wer das zweifellos Böse bekämpft, darf nicht selbst mit seinen Mitteln unbezweifelbar böse werden. Damit verliert er seine Legitimation.

Die meisten Befürworter der kriminellen Regierungspolitik, die den Windschatten der Ereignisse im Gazastreifen dafür benützt, weitere illegale Siedlungen im Westjordanland zu beschliessen, können nur mit einer Gleichsetzung zwischen Regierung, Israel und den Juden argumentieren, um die Waffe «Antisemitismus» zu missbrauchen.

Und bevor die Nazikeule geschwungen wird: natürlich war der Krieg gegen den Hitler-Faschismus gerechtfertigt. Dass die Terror-Bombardements von Dresden und Hamburg Kriegsverbrechen waren, muss trotzdem festgehalten werden.

Denn der Zweck, selbst gegen das Böse, heiligt nicht alle Mittel. Wenn das Gute gesiegt hat, dabei aber grenzenlos böse geworden ist, was ist dann gewonnen? Wer den Mörder zum Tode verurteilt, ist auch ein Mörder. Selbst im Krieg, so pervers das einige anmuten mag, gibt es Regeln. Wer sich nicht daran hält, wie die Hamas, wie die israelische Regierung, begibt sich ausserhalb des zivilisierten Konsens in einer Welt, die schon zur Genüge darauf pfeift.

Die Welt ist nicht schwarzweiss, sondern bunt, chaotisch, widersprüchlich. Das menschliche Bedürfnis, zwecks Orientierung einfachen Narrativen zu glauben, sollte den Einzelnen nicht davon entheben, sich aufgrund der ihm zur Verfügung stehenden Informationen ein eigenes Bild zu machen. Ob die damit gewonnene Erkenntnis irgendeinen Nutzen hat, ist unerheblich.

Aber Erkentnnisgewinn ist ein Wert für sich, nur in ihm kann Fortschritt keimen. Dazu hat Münger einen Beitrag geleistet. Das ehrt ihn.

 

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2025/05/Bildschirmfoto-2025-05-29-um-17.08.38.png 788 1636 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2025-05-30 05:00:022025-05-31 17:07:48Neuer Lichtblick beim Tagi
René Zeyer

Völlig überflüssig

11. Dezember 2024/2 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Matthias Kolb wäffelt den russischen Aussenminister an.

Das ist so spannend wie der Farbe an der Wand beim Trocknen zuzuschauen. Am 5. Dezember veröffentlichte SZplus seine Meinung: «Auf dem OSZE-Treffen ist Russlands Aussenminister isoliert, aber auch ein unvermeidlicher Gast.»

Am 9. Dezember fand der Qualitätsmedienkonzern Tamedia für diese Meinung ein trockenes Plätzchen:

Immerhin hat die sogenannte Auslandredaktion von Tamedia noch ihres Amtes gewaltet und entscheidend bei der Titelgebung eingegriffen. Freundlicherweise versteckt Tamedia diese Meinung auch nicht hinter der Bezahlschranke. Sondern belästigt alle verbliebenen Leser damit. Denn manchmal muss man auch SZ-Journalisten aushalten.

Kolb bellt kräftig los: «Lawrow ist seit 20 Jahren Aussenminister und daher politisch mitverantwortlich für die Kriegsverbrechen, die Russland in der Ukraine begeht.» Da fehlt das kleine, aber entscheidende Wörtchen «mutmasslich», das Kolb sicherlich bei Israels Ministerpräsident verwenden würde. Der ist sogar, im Gegensatz zu Lawrow, international zur Fahndung ausgeschrieben.

Aber Meinung ist ja eben nicht Wissen, sondern vielmehr Nichtwissen. Immerhin konzediert Kolb grosszügig: «Wer möchte, dass die OSZE diese Aufgaben weiter erfüllen kann, der muss ertragen, dass Lawrow jedes Jahr fürs heimische Publikum den starken Mann spielt.»

Also möchte Kolb offenbar, dass die OSZE weiter ihre Aufgaben erfüllen kann, was die Organisation sicherlich sehr freut und aufatmen lässt. Vorausgesetzt, sie nimmt seine Meinung überhaupt zur Kenntnis.

Diese Meinung ist ein Paradebeispiel für die zunehmende Degeneration des Journalismus. Wie kann ein Redaktor nur auf die kühne Idee kommen, seine gnädige Erlaubnis, dass der russische Aussenminister an einem OSZE-Treffen teilnehmen dürfe, könnte irgend jemand interessieren? Wie kann Kolb auf die kühne Idee kommen, dass er zu diesem Non-Ereignis auch noch seinen Senf geben muss? Hätte er die sofortige Verhaftung Lawrows gefordert, das wäre wenigstens noch originell, aber auch gaga gewesen.

Im Nachhinein nachzubelfern, dass der Mann zwar ein Kriegsverbrecher sei (was nicht mal als Meinung durchgehen sollte, wenn man sich noch an rechtsstaatliche Grundlagen halten will), aber dennoch bei der OSZE auftreten dürfe und dort auszuhalten sei, welch seltene Überhöhung eines Wichts zum Scheinriesen.

Statt dem Leser wenigstens ein winziges Beispiel von Lawrows «Lügen» zu geben, tritt Kolb mutig nach: «natürlich kneift Lawrow und hört sich nicht persönlich an, wie seine Lügen widerlegt werden». So, so. Welche Lügen wurden von wem womit widerlegt? Ein Beispiel? Ein klitzekleines, nur damit Kolb zeigen würde, dass er sich noch an Grundlagen des Handwerks erinnert?

Unter der  Bürde der eigenen Aufgeblasenheit kaum geradeaus laufen können, Meinungsträger sein, inhaltlich nichts Erhellendes beizutragen haben, wohlfeiles Geschimpfe auf einen Vertreter des Reichs des Bösen loslassen, das macht den modernen Journalisten aus.

Natürlich darf jeder seine Meinung haben, das nennt sich Meinungsfreiheit. Auch wenn diese Meinung frei von Wissen oder Erkenntnis ist. Wieso aber alle Instanzen einer Redaktion einen solchen Stuss durchwinken, das ist weiterhin ein süsses Geheimnis.

Dass Tamedia die aufgewärmte Meinung ein paar Tage später ihren Lesern auftischt, sozusagen als Restenrampe der Süddeutschen gut abgehangene und schon leicht miefende Meinungen nochmal bringt, das ist ein weiteres Zeichen dafür, dass Simon Bärtschi höchstwahrscheinlich – zur Steigerung der Qualität – bereits eingespart wurde. Denn selbst eine publizistische Leiter nach unten hätte so etwas nicht durchgehen lassen.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2024/12/Bildschirmfoto-2024-12-10-um-16.40.42.png 399 700 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2024-12-11 05:30:252024-12-10 21:49:25Völlig überflüssig
René Zeyer

Desaster Meinungsseite

29. März 2023/1 Kommentar/in Allgemein/von René Zeyer

«Tages-Anzeiger» beim Tieftauchen.

Mehr Grauen auf einer Seite geht kaum. Zunächst der Leitartikel, geschrieben von Alexandra Föderl-Schmid:

Die stellvertretende Chefredaktorin der «Süddeutschen Zeitung» watscht gerne Regierungschefs ab. Nach einem etwas misslungenen Empfang für den Palästinenserführer Abbas war der deutsche Bundeskanzler Scholz dran: «Er verabschiedete Abbas sogar noch mit Handschlag – eine Geste, die völlig deplatziert war und für die er allein verantwortlich ist.» Dazu «inhaltlich zu wenig eingearbeitet», «Vertrauen erschüttert», «Beziehungen zwischen Deutschland und Israel in schwieriger Phase», «Gefahr, dass dem Eklat im Kanzleramt ein weiterer folgt». Interessierte den Schweizer Leser ungemein.

Nun nimmt sie sich Benjamin Netanyahu zur Brust. «Eskalation, … Eigennutz, … eigennützige Motive …». Das mag ja alles so sein, nur: wieso schreibt eine Österreicherin, die bei der SZ arbeitet, einen Leitartikel über Israel im Tagi? Der Konzern hat doch theoretisch noch eine Auslandredaktion. Oder ist Münger gerade mal wieder in den Ferien?

Dann meldet sich eine der neuen Kolumnisten zu Wort; das erkennt man an der schummerigen Farbgebung, die von Kim inspiriert zu sein scheint. Diesmal überschätzt die GLP-Nationalrätin Kathrin Bertschy vielleicht ein Mü ihre Bedeutung. Denn sie schreibt an «Lieber Emmanuel Macron». Sie schliesst staatstragend: «Und ich wünsche auch Ihnen, Monsieur le Président, dass Sie eine generationengerechte Altersvorsorge umsetzen können. Und es Ihnen vergönnt ist, die Bevölkerung wieder zu einen.» Zwei Schlusssätze, zweimal «und», na ja.

Bertschy sinniere «in ihrer Kolumne über politische Geistesblitze». Also war das einer, dem französischen Präsidenten ein paar Ratschläge zu geben, wie er seine Rentenreform besser über die Bühne bringe? Da müssen wir Bertschy allerdings möglichst sanft eine bittere Wahrheit näherbringen: ZACKBUM hat sich bis zum Schluss der ellenlange Kolumne durchgekämpft. Monsieur le Président wird nicht mal den Anfang lesen.

Damit ist die Meinungsseite schon fast voll, aber leider noch nicht ganz. Am rechten Rand hat’s noch etwas Platz für Mario Stäuble, der zur Abwechslung nicht über vegetarisches Geschnetzeltes in der «Kronenhalle» dilettiert:

Wahrscheinlich hat er sich gesagt: Wenn selbst Isabelle Jacobi darf, dann ist alles erlaubt. Dann darf doch auch der frisch degradierte Leiter Inland was zu einem Thema sagen, zu dem nun wirklich alle alles gesagt haben. Nur nicht so schlecht: «Nach dem Zusammenbruch der Credit Suisse (CS) stauen sich die Fragen.» Hoffentlich halten die Staumauern das aus.

Welche Fragen wären denn im Stau? «Wie konnte es so weit kommen?» Das ist doch schon längst, auch im eigenen Blatt, mehrfach und kompetent beantwortet worden, nicht zuletzt von Arthur Rutishauser. Aber Stäuble steht da etwas auf dem Schlauch und hält das für einen Stau. «Haben die betroffenen Behörden die Gefahr verkannt?» Auch diese Frage ist längst beantwortet, das ist nur bei ihm im Stau steckengeblieben.

Mit dem nächsten Satz betritt Stäuble nicht gerade erkenntnisreiches Neuland: «Eigentlich ist heute schon klar: Der CS-Crash muss sorgfältig aufgearbeitet werden.» Das ist nun bereits seit 10 Tagen klar, aber wenn es Stäuble erst heute klargeworden ist …

Nun soll eine Parlamentarische Untersuchungskommission (PUK) aufklären. Das befürwortet Stäuble aus ganzem Herzen: «Es ist darum völlig richtig, dass nun das Parlament die Führung übernimmt.» Vielleicht muss Stäuble in seine neue Funktion noch etwas hineinwachsen; Inland ist nicht ganz das Gleiche wie die Zürcher Lokalberichterstattung.

Eine PUK ist keinesfalls das Parlament, sondern eine nach Parteiproporz zusammengesetzte Kommission. Aber noch fataler: zur langen Reihe abgelehnter Anträge auf die Einsetzung einer PUK gehört der Antrag des gleichen Büros des Nationalrats, eine PUK zur Aufklärung der Problematik UBS/Finanzkrise einzuberufen, aus dem Jahre 2010.

Wenn man die Aufklärung der «Mirage-Affäre» im Jahre 1964 mitzählt, gab es bislang ganze 4 solcher Untersuchungskommissionen. Dem stehen 23 abgelehnte Anträge gegenüber. Vielleicht sollte da ein Inlandchef noch etwas Hausaufgaben machen. Oder lieber über kulinarische Genüsse schreiben; beim vegetarischen Geschnetzelten drückte doch etwas der Erbsengeschmack durch, da geht noch was Besseres auf diesem Gebiet. So bietet die «Kronenhalle» auch ein «vegetarisches Tatar» an. Hm, schmatz.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2022/08/Peinlich_Katze.jpeg 482 913 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2023-03-29 05:00:442023-03-29 12:04:08Desaster Meinungsseite
René Zeyer

Wumms: Anna Wanner

29. November 2022/3 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Durch den Bauchnabel gesehen.

Es hat schon Vorteile, die Tochter des Chefs zu sein. Axel Wüstmann war weder das eine, noch das andere. Deshalb ist er weg, während Anna Wanner von niemandem gehindert werden kann, ihren Senf zu allem zu geben.

Immerhin macht sie es leserfreundlich unnötig, ihren Kommentar lesen zu müssen; schon der Titel stellt alles klar: «Vorentscheidung beim SP-Ticket: Eva Herzog ist die Richtige».

Während ihre Konkurrentin Elisabeth Baume-Schneider den grossen Vorteil habe, «nicht nur kompetent, sondern auch witzig» zu sein, habe sie natürlich keine Chance, dekretiert Wanner.

Wenn ein Mann, zum Beispiel Wüstmann, eine Frau so beschrieben hätte, da wäre die Feminismus-Fraktion ganz schön ins Hypern gekommen, was denn das für ein Kriterium sei, ob man das bei Männern auch, und überhaupt. Aber was kümmert das die Tochter vom Chäf.

Denn eben, Herzog sei die Richtige, weiss die Politik-Analystin. Während sich der Leser fragt, wen ausserhalb des Hauses Wanner diese Meinung interessiert. Vielleicht nicht einmal auf dem Schloss beim Tafeln im Rittersaal …

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2022/01/Wumms.jpeg 438 882 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2022-11-29 05:30:242022-11-28 12:10:31Wumms: Anna Wanner
René Zeyer

Fotoromanza mit Frank A.

28. November 2022/5 Kommentare/in Allgemein, Satire & Gelächter/von René Zeyer

Worüber er spricht? Egal.

Frank A. Meyer ist genial. Ideal. Einmalig. Unnachahmlich. Am besten ohne Ton zu ertragen. Dafür im Bild.

Weniger Beliebigkeit!

Mehr Relevanz!

Und Engagement!

Ich habe gesprochen.

Man beachte ausserdem: die Bücher (alle gelesen). Den Lehnsessel (selber ersessen). Die hochtoupierten Haare (neu). Das Pochettli (zusammen mit dem Hemd in einer Farbe, die die Natur nicht vorgesehen hat). Und schliesslich die sorgfältig über dem Embonpoint drapierte Krawatte.

Ach, worüber hat er gesprochen? Völlig egal.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2022/03/Meyer1.jpeg 421 630 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2022-11-28 05:30:502022-11-27 18:10:21Fotoromanza mit Frank A.
René Zeyer

Versuch der Einordnung

30. Juni 2022/12 Kommentare/in Allgemein, Meinung/von René Zeyer

Auch hier wird’s kriegerisch, wenn es um die Ukraine geht.

Es ist wie bei einer Wahl oder Abstimmung. Bei allem Für und Wider muss man sich für einen Kandidaten entscheiden. Oder für ein Ja oder Nein. Abgesehen von Stimmenthaltung, aber das würde im Publizistischen einfach Schweigen bedeuten. Nun hat aber wohl (fast) jeder eine Meinung zum Ukrainekrieg.

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Auch hier sind letztlich binäre Entscheidungen gefragt. Für welche Seite will man Partei ergreifen, mit welchen Argumenten. Unabhängig davon, ob man auf der Seite Russlands oder der Ukraine steht: bei 99 Prozent, ach was, 99,99 Prozent der hier Streitenden ist das völlig egal, spielt keine Rolle, hat keinen Einfluss auf die Geschehnisse. Verlängert oder verkürzt den Krieg um keine Sekunde. Ändert null an seinem Verlauf.

Dennoch ist es geboten und nötig, sich Gedanken darüber zu machen. Schon alleine deswegen, weil der Ukrainekrieg auch Auswirkungen auf uns hat. Auf unser Leben, unser Budget, unsere Zukunft. Oder gar auf unser Ende.

Wir können die Ereignisse nicht beeinflussen. Aber wir können das Niveau und die Qualität der Argumente und Meinungen messen und beurteilen. Sowie versuchen, unter Anwendung von gesundem Menschenverstand und Logik aus intellektuellem Spass Analysen, Einschätzungen und Meinungen zum Besten zu geben. Wobei jede solche Äusserung einen unbestreitbaren Vorteil hat: niemand ist gezwungen, sie sich anzuhören oder zu lesen.

Alles freiwillig – und hier gratis. Das berechtigt den Betreiber der Plattform und den grossartigen Content Provider, für Zucht und Ordnung in den Kommentarspalten zu sorgen. Nebenbei gesagt.

Vor der binären Entscheidung – dafür oder dagegen, ja oder nein – steht eine möglichst hochklassige Erwägung. Solche gibt es. Aber sie sind begraben unter einem wahren Schuttberg von flachbrüstigen Krakeelern, Bedienern von Narrativen, Wiederholern von Banalitäten, Schreibtätern, die ungeniert nach mehr Gemetzel, Massakern und Zerstörungen in der Ukraine gieren. Mutigen Kriegsgurgeln, die ein direktes Eingreifen der NATO fordern und somit einen Dritten Weltkrieg in Kauf nehmen.

Bei ihnen ist es segensreich, dass auch ihre Meinungen und Forderungen ungehört verhallen.

Dann gibt es ganze Heerscharen, die ihre Aufgabe nicht in erster Linie darin sehen, eigene Gedanken zur Debatte beizusteuern, sondern in ihren Augen falsche Meinungen zu denunzieren. Dahinter vermuten sie meist unmenschliche, dumme, menschenverachtende, manipulierte Haltungen. Nassforsch fordern sie, dass solche Ansichten, gerne auch als Verschwörungstheorien denunziert, von der öffentlichen Debatte auszuschliessen seien.

Gleichzeitig kritisieren sie die in Russland herrschende Meinungszensur aufs schärfste. Übersehen, dass die auch in der Ukraine herrscht – und dass ein Verbot einer TV-Station wie Russia Today den gleichen Geist des obrigkeitshörigen Zensors atmet, der das Volk ja nur vor schädlichen Einflüssen beschützen möchte.

Wenn sich also ZACKBUM gelegentlich zu eigenen Meinungsäusserungen hinreissen lässt, so sind sie immer von zwei Faktoren begleitet. Der erste und wichtigste: wir zweifeln in erster Linie an allem. Natürlich auch an uns. Niemals wollen wir die einzige, richtige, wahre Wahrheit verkünden. Wir sind auch lernfähig, ein zweites Alleinstellungsmerkmal. So ist der Kommentar von Andreas Rüesch «Wer auf den Knien um Putins Gas bettelt, ruft zur Kapitulation gegenüber Russlands Grossmachtpolitik auf», ein auf einsamer Flughöhe geschriebenes Denkstück. Schade, dass es hinter der Bezahlschranke der NZZ steht, schade, dass eine Spur Parteipolitik den Leser leicht verstimmt.

Aber der Inhalt, die Stringenz der logischen Argumente, das ist herausragend. Zunächst zerpflückt Rüesch die Argumente der Unternehmerin und SVP-Nationalrätin Martullo-Blocher, die sich für Verhandlungen mit Putin starkmacht. Ein Deal sei vor allem im Interesse Europas, argumentiert die Politikerin. Rüesch hält dagegen:

«Zunächst ist festzuhalten, dass Putin kein Dummkopf ist. Dass man ihn dazu bewegen könnte, wenigstens die Energieversorgung bis nächsten Frühling zu garantieren, wie dies die Nationalrätin fordert, mag man sich in helvetischer Schlaumeierei erhoffen. Aber Putin weiss selbstverständlich, dass seine Energiewaffe jetzt am schärfsten ist, solange Europa noch Anpassungsprobleme hat. Schon 2023 ist sie wesentlich stumpfer. Wer jetzt eine Vereinbarung mit ihm sucht, zahlt entsprechend einen viel höheren Preis am Verhandlungstisch.

Zudem ist es keineswegs so, dass mit Moskau niemand Gespräche über eine Friedenslösung geführt hat. Das Problem ist vielmehr, dass Russlands Forderungen unerfüllbar hoch sind. Die Ukraine bietet an, ihr Nato-Beitritts-Gesuch zurückzuziehen und ihre politische Neutralität zu erklären. Doch der Kreml ist darauf nicht eingestiegen und setzt auf eine militärische Lösung, um sich einen möglichst grossen Teil des Landes einzuverleiben.

Denn wer das Grundprinzip einmal akzeptiert hat, dass Grenzen gewaltsam verschoben werden dürfen, muss mit einer Wiederholung jederzeit rechnen. Putins Wort oder Unterschrift ist nicht zu trauen. Er hat eine zweistellige Zahl von völkerrechtlichen Abkommen gebrochen, von der Uno-Charta und der Europäischen Sicherheitscharta über die Nato-Russland-Grundakte bis hin zu diversen Verträgen, in denen er die territoriale Integrität der Ukraine hoch und heilig anerkannt hatte. Eine Hinterzimmer-Vereinbarung mit dem Kreml würde Europa zu langfristiger Unsicherheit verdammen – und damit auch zu massiv höheren, volkswirtschaftlich belastenden Militärausgaben.»

Das ist nur ein – längerer – Ausschnitt aus dem Argumentarium von Rüesch. Er macht damit vor allem bewusst: Die Auswirkungen des Ukrainekriegs gehen uns alle an. Es ist kein lokal begrenzter Konflikt, wo ein Hegemon seinen Hinterhof aufräumen möchte. Es geht auch nicht um das Hinaufstilisieren eines korrupten, von Oligarchen beherrschten Pleitestaats Ukraine zum grossen Heldenballett. Es geht nicht um die Dämonisierung eines wahlweise kranken, verrückten, verbrecherischen, dummen, gescheiterten Kreml-Herrschers, der demnächst von seinem Posten entfernt werden wird.

Das ist dummes Geplapper, daran halten wir fest. Der Krieg wird mit Verhandlungen enden, das ist sonnenklar. Oder mit dem Einsatz von Atombomben, und dann ist alles egal. Aber wann diese Verhandlungen beginnen, und aus welcher Position heraus, das ist durchaus entscheidend. Der Westen, auch die Schweiz, hat dabei ein Problem. Bislang wurden alle Sanktionen und Waffenlieferungen so gesteuert, dass sie einerseits der Bevölkerung in Europa nicht zu sehr schaden. Die Benzinpreise sind zwar gestiegen, aber dank dem Wegfall der Corona-Sanktionen war die Reiselust im Sommer seit Jahren nicht so gross wie heuer.

Alleine die Unfähigkeit der Flugindustrie, also Airlines und Flughäfen, sorgt hier für Wermutstropfen im Glücksferiengefühl. Aber richtig weh würde Russland nur ein möglichst rascher Stopp aller Gas- und Ölimporte tun. Denn eine «Umleitung» nach Asien, konkreter nach China, das dauert laut russischen Angaben rund drei Jahre, bis die dafür nötige Infrastruktur steht. Das ist also das Zeitfenster, das der Westen hat. Anschliessend schliesst es sich …

Das wiederum hätte keine tödlichen, aber dramatische Auswirkungen auf die europäische Volkswirtschaft. Doch wer von den Ukrainern Helden- und Todesmut fordert und sie dafür mit Waffen beliefert, sollte so ein Opfer nicht scheuen.

Auch das ist natürlich nur eine Meinung, die mit Denkfehlern behaftet sein kann. Aber es scheint uns nur konsequent: wer aus der Ukraine eine Auseinandersetzung zwischen West und Ost, Freiheit und Demokratie gegen Unterdrückung und Autokratie macht, wer also oberhalb des Schiesskriegs einen Systemkrieg sieht, der sollte konsequenterweise die Umstellung auf Kriegswirtschaft fordern. In Europa und in der Schweiz.

Alles andere wäre nicht zu Ende gedacht, wäre das wohlfeile Fordern, dass sich die Ukrainer doch bitte für die Sache des freien Westens totschiessen lassen sollen. Während wir dann mal bereit wären, uns finanziell am Aufräumen des Schlamassels zu beteiligen. So denken all die, die wir hier weiterhin als dümmliche Kriegsgurgeln beschimpfen werden.

Wobei der Betreiber der Plattform sich das Privileg herausnimmt, zwar immer konkret und argumentativ, aber doch auch mit Schärfe zu kommentieren. Wer in den Kommentarspalten abstrakt formuliert, aber ohne Argumente auf den Mann spielt, wird zukünftig konsequent gekübelt.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2022/06/Krieg.jpeg 502 919 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2022-06-30 06:00:162022-06-30 08:47:30Versuch der Einordnung
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