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Wort zum Sonntag

Willkommen in der Unübersichtlichkeit.

Mal Hand aufs Herz. All diejenigen, die sich nicht in ihrer Gesinnungsblase unter Luftabschluss sauwohl und geborgen fühlen: irgend eine Ahnung von irgendwas?

Wie ist eigentlich die Lage im Gazastreifen? An der ukrainischen Front? Gibt’s Krieg mit dem Iran? Neuigkeiten vom Völkermord in Afrika? Ist das «Board of Peace» (allmächtiger Chef auf Lebenszeit Donald J. Trump) ein Furz oder bewegt es was? Sollte die Schweiz beitreten oder nicht?

Auch nicht ganz unwichtig: ist die KI-Blase am Platzen? Oder das Geschäftsmodell von Elon Musk, eine Wahnsinnsidee mit der nächsten zu ersetzen, was ihm von der «Weltwoche» eine anhimmelnde Titelgeschichte einbrachte («Da Vinci, genialster Unternehmer der Geschichte»)? Bei deren Prognose- und Wirtschaftskompetenz («la crise n’existe pas») gar kein gutes Zeichen.

Sind die EU-Verträge einfach unvermeidlich oder das Ende der direkten Demokratie? Oder kommt das, wenn die Zwangsabgabe für die SRG geschrumpft wird? Ist Crans-Montana ein Zeichen der Verluderung bei Schweizer Behörden oder halt einfach das Wallis? Warum muss das Bundesverwaltungsgericht einer staatlichen Behörde nach der anderen (FINMA, BAG) eine Klatsche verpassen?

Ach, und ganz wichtig: bringt Ex-Prinz Andrew das englische Königshaus ins Wanken? Mindestens so wichtig: beherrschen Superreiche wie Bezos, Gates, Thiel, Musk die Welt? Und wenn ja, ist das gut oder schlecht? Ist das Thema Corona aufgearbeitet oder verdrängt? Sind die Schneemengen ein Zeichen für den Klimawandel?

Werden in der Ukraine westliche Werte gegen asiatische Unmenschen verteidigt oder bloss einer der korruptesten Staaten der Welt unterstützt? Ist Trump der Fürst der Finsternis oder der grosse Disruptor, der endlich Bewegung in viele Problemfelder bringt? Ist Kuba selber schuld, wenn auf der Insel die Lichter ausgehen, oder ist das die Folge eines völkerrechtswidrigen Embargos durch die USA?

Wie kann es sein, dass der grosse Freund ennet des Teichs, der Leuchtturm von freedom and democracy, der Garant unserer Wertegemeinschaft, zum Totengräber Europas wird? Plant der Iwan den Angriff auf NATO-Staaten, wie eine Kriegsgurgel ausser Rand und Band in der NZZ befürchtet? Ist #metoo, Gendersternchen, Achtsamkeit, das Vermeiden böser Worte und die Schneeflocken-Empfindsamkeit vorbei – oder macht sie nur Pause?

Wo gibt es Halt in haltlosen Zeiten?

Früher, ja früher gab es auch im deutschen Sprachraum wenigstens eine mediale Welt, die gegen Bezahlung sich bemühte, einzuordnen, zu analysieren, Verständnis zu liefern. Wenn man heute den Begriff «eine Einordnung» liest, weiss man, dass man weiterblättern oder -scrollen kann.

Der Erkenntnisstand des durchschnittlichen Journalisten ist auf Augenhöhe mit einem sich im Internet informierenden Zeitgenossen. Mangelndes Hintergrundwissen, Bildung oder historische Kenntnisse werden durch Meinungsstärke ersetzt. Die aus Unsicherheit keinen Widerspruch duldet, weil die meisten Journalisten dieser intellektuellen Herausforderung mental und nervlich nicht gewachsen sind.

Das alte Lied: wieso gibt es im deutschen Sprachraum keine Organe wie die Financial Times, das Wall Street Journal, den New Yorker, The Atlantic, Mother Jones, selbst The New York Times oder die Washington Post und einige mehr?

Natürlich ist der sprachliche Einzugsraum viel grösser. Aber auch die Manpower. Während in der deutschen Schweiz vielleicht noch 4000 festangestellte Journalisten arbeiten, davon schon mal rund 1000 bei SRF, sieht das in den USA ganz anders aus.

Alleine die NYT beschäftigt immer noch rund 1700 Redakteure. Die WaPo vor der letzten Entlassungswelle rund 800. Ebenso viele sind bei der FT in Lohn und Brot, beim WSJ 900.

Symbolisch für den Unterschied steht der Wirecard-Skandal. Diese Luftnummer wurde von der FT aufgedeckt, gegen den erbitterten Widerstand auch der deutschen Medien, die meckerten, dass das fiese Albion den Teutonen ihre erfolgreiche IT-Bude neide.

Wer sich täglich durch das Elend der Schweizer Medien pflügt, wo sich gedankliche Tiefe oder analytische Schärfe meistens in Millimetern über Grund messen lässt, fragt sich, woher der mündige Bürger eigentlich heutzutage seine Entscheidungsgrundlagen, seine Welterkenntnis beziehen soll.

Der zunehmende Einsatz von KI wird weitere Heerscharen von Gebrauchshandwerkern im Journalismus überflüssig und arbeitslos machen. Gut so. Die Sonntagspresse wird in absehbarer Zukunft verschwinden. Gut so. Print wird immer mehr zu einer Veranstaltung im Altersheim. Eine Mehrheit der Jugendlichen informiert sich nicht mehr in den klassischen Medien, stellt aber immerhin langsam fest, dass die Beschallung in Echokammern zwecks Bestätigung der vorgefassten Meinung nicht wirklich Erkenntnisgewinn bringt.

Wie sieht also die Informationsvermittlung in der Zukunft aus? Fake News, Deep Fakes, alternative Wahrheiten, inhaltsleere Beschallung mit skandalisierten Triggermeldungen?

Nun, Lektüre oder Informationsaufnahme zwecks Erweiterung der Welterkenntnis war schon immer etwas für die happy few. Neu war nur die Illusion, dass nun die breiten Massen auch daran teilhaben. Könnten sie eigentlich, mit überschaubarem zeitlichen und finanziellen Aufwand. Wollen sie aber gar nicht.

 

Zum Haareraufen

KI killt die Werber.

Das waren noch Zeiten, als es Starwerber wie Frank Bodin gab. Zwar mehrfach Konkurs gegangen mit seinen Firmen, aber grosses Image und Selbstbewusstsein.

Selbst wenn er der Blick-Familie ein völlig verunglücktes Logo mit Kästchen und Regenrohr verpasste, brachte er das durch. Für ein sagenhaftes Honorar.

Aber diese Zeiten sind bald ganz vorbei. Was früher Texter, AD, Projektleiter, Junior und Senior Consultants und jede Menge weiterer überflüssiger Kostenträger brauchte, die dann mit überlegener Miene eine Präsentation aufführten, lässt sich heute mit zwei Klicks in Sekundenschnelle und erst noch gratis erledigen.

Aufgabenstellung:

Schreibe einen Werbetext über ein Haarwuchsmittel namens Patrol. Slogan, Headline, kurzer knackiger Text. Vier Varianten, nach Zielgruppen. 1. Alle Betroffenen, 2. Jugendliche, 3. Männer, 4. Frauen.

Schwups:

1. Zielgruppe: Alle Betroffenen

Slogan: Patrol – Dein Haar. Dein Selbstbewusstsein.
Headline: Volles Haar beginnt mit einem Schritt: Deinem.
Text:
Patrol unterstützt dich auf deinem Weg zu stärker wirkendem, voller erscheinendem Haar. Einfach anzuwenden, angenehm im Alltag – und entwickelt für alle, die ihr Haarwachstum fördern möchten. Starte heute. Fühle morgen den Unterschied.


2. Zielgruppe: Jugendliche

Slogan: Patrol – Mehr Haar, mehr Style.
Headline: Sei du. Nur mit besserem Haar.
Text:
Patrol hilft dir, dein Haar kräftiger und voller aussehen zu lassen – ganz ohne Stress. Für alle, die ihren Look upgraden wollen. Schnell, easy, daily: Dein Boost für mehr Selbstvertrauen.


3. Zielgruppe: Männer

Slogan: Patrol – Bring Stärke zurück.
Headline: Wenn das Haar nachlässt, leg nach.
Text:
Patrol stärkt dein Haar dort, wo es zählt. Entwickelt für Männer, die dünner werdendem Haar entspannt entgegenwirken wollen. Kraftvoll, unkompliziert und zuverlässig – für einen Look, der Eindruck macht.


4. Zielgruppe: Frauen

Slogan: Patrol – Schönheit beginnt am Ansatz.
Headline: Mehr Fülle. Mehr Gefühl. Mehr Du.
Text:
Patrol pflegt, stärkt und unterstützt sichtbar volleres Haar – genau dann, wenn du es brauchst. Für Frauen, die Wert auf Natürlichkeit, Pflege und ein selbstbewusstes Auftreten legen. Entfalte dein Haarpotenzial.

Zusatzwunsch: Claims und Social Media Posts, auf das Angebot, eine ganze Kampagne zu entwickeln, wurde verzichtet:

1. Zielgruppe: Alle Betroffenen

Claims (5 Varianten)

  • Patrol – Für sichtbar volleres Haar, jeden Tag.

  • Vertraue deinem Haar. Vertraue Patrol.

  • Starkes Haar beginnt mit einer starken Routine.

  • Mehr Fülle. Mehr Selbstvertrauen.

  • Patrol – Die tägliche Kraft für dein Haar.

Social-Media-Posts (3 Varianten)

Post 1:
Volles Haar? Möglich. Patrol unterstützt dich täglich, wenn du deinem Haar etwas zurückgeben willst. 💪✨
#Haarwuchs #Patrol #SelfCare

Post 2:
Jeder verdient das Gefühl von starkem, vollem Haar. Starte heute – die Zukunft deines Looks beginnt jetzt. 🌱
#Haarpflege #PatrolPower

Post 3:
Neue Routine, neues Haargefühl. Patrol passt in jeden Alltag – und macht den Unterschied sichtbar. 🔥
#HairJourney #BoostYourHair


2. Zielgruppe: Jugendliche

Claims (5 Varianten)

  • Patrol – Dein Upgrade fürs Haar.

  • Mehr Haar, mehr Vibes.

  • Bring deinen Style auf Level Next.

  • Patrol – Einfach. Schnell. Stark.

  • Haarpower, die mit dir geht.

Social-Media-Posts (3 Varianten)

Post 1:
Weniger Volume? Mehr Patrol! 💥
Hol dir den Boost für deinen Look – easy, fresh, daily.
#GlowUp #PatrolHair

Post 2:
Neuer Style incoming! Patrol unterstützt dein Haar, stärker und voller auszusehen. 🚀
#TeensStyle #HairGoals

Post 3:
Dein Haar. Deine Confidence. Patrol gibt dir den Extra-Push! ✨
#PatrolBoost #LevelUp


3. Zielgruppe: Männer

Claims (5 Varianten)

  • Patrol – Für Männer, die nach vorne schauen.

  • Zurück zu kraftvollem Haar.

  • Mehr Stärke am Ansatz.

  • Patrol – Für einen Look, der bleibt.

  • Männlich. Markant. Mehr Haar.

Social-Media-Posts (3 Varianten)

Post 1:
Volles Haar muss kein Zufall sein. Patrol gibt dir die tägliche Unterstützung für ein kraftvolleres Auftreten. 💼💪
#MenCare #PatrolHair

Post 2:
Wenn du Gas gibst, sollte dein Haar mitziehen. Patrol stärkt – ohne Aufwand. 🔧
#ForMen #StrongerHair

Post 3:
Mach Schluss mit dünner werdendem Haar. Patrol bringt Power zurück. 🔥
#Männerpflege #HairRevive


4. Zielgruppe: Frauen

Claims (5 Varianten)

  • Patrol – Das Geheimnis für sichtbar volle Haare.

  • Fülle, die man fühlt.

  • Mehr Glanz. Mehr Stärke. Mehr Du.

  • Frauenpower beginnt beim Haar.

  • Patrol – Natürlich schön, natürlich voller.

Social-Media-Posts (3 Varianten)

Post 1:
Dein Haar verdient Liebe – und Patrol. Für sichtbar mehr Fülle und ein Gefühl von Stärke. ✨🌸
#HairCare #FemalePower

Post 2:
Gönn deinem Haar die Pflege, die wirkt. Patrol unterstützt dich jeden Tag – sanft und effektiv. 🌺
#BeautyRoutine #Haarwunder

Post 3:
Volles Haar ist mehr als ein Look – es ist ein Gefühl. Mit Patrol gehört es wieder dir. 💖
#PatrolForWomen #Haargefühl

Zusatzangebot: «Wenn du möchtest, kann ich dir auch Bildideen für Social Media, Hashtag-Sets, Storyboard-Ideen für Werbeclips, Landingpage-Texte oder eine komplette Kampagne erstellen.»

Das hören natürlich alle Werbefuzzis gar nicht gerne, ist aber die bittere Wahrheit: hätte Bodin & Co. auch nicht besser hingekriegt. Nur viel teurer …

Die gute Nachricht ist: er braucht kein Haarwuchsmittel.

Kein Markt für die SMG?

Hat Pietro Supino schon wieder einen Fehler gemacht?

Eine solche Kursentwicklung der mit grossem Trara gestarteten Swiss Marketplace Group (SMG) sieht kein Aktionär gerne:

IPO, gestartet mit knapp 50 Franken an der Börse, 4,5 Milliarden Gesamtwert der Ansammlung von Handelsplattformen wie Homegate, Autoscout, Tutti, usw. Das grosse Joint Venture von Tx Group und Ringier.

Die neue Geldquelle, die Zukunft, nachdem Tamedia langsam aber sicher der Schnauf ausgeht. Daher gab es schon zum Start der SMG eine Sonderdividende von rund 44,5 Millionen Franken für die Tx-Aktionäre, also in erster Linie den Coninx-Clan. Dann in Champagnerlaune ein grosses Aktienrückkaufprogramm.

Während die SMG-Mitbesitzer Ringier und Mobiliar vom Höchstkurs profitierten und Cash machten, meinte Big Boss Supino, dass er keine einzige Aktie hergeben wolle. Denn das Teil würde doch sicher weiter fliegen, the sky is the limit und so.

Tja. Stattdessen innert nur acht Wochen seit Börsengang ein Absturz um 30 Prozent, von 48.25 auf um die 33 Franken. 1,4 Milliarden haben sich in Luft aufgelöst.

Nach dem IPO-Hype ein Taucher, dann geht’s sicher wieder aufwärts? Die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber es gibt viele Faktoren, die dagegen sprechen.

Der Immobilien- und Onlinemarkt kühlt sich ab. Investitionen in Technologie und Kosten der Zusammenlegungen belasten das Ergebnis. Die Integration kostet halt Zeit und Geld. Wichtiger noch: der Markt ist hoch kompetitiv, und bislang sind die grossen Player wie Google & Co. noch gar nicht richtig eingestiegen.

Sollte das passieren, gilt im Internet immer: the biggest is the winner and takes it all. Niemand geht auf die zweit- oder drittgrösste Plattform …

Als wären das nicht schon genug schlechte Nachrichten: welche Bedeutung KI auf diesem Gebiet gewinnen wird, ist zurzeit unabsehbar. Als persönlicher Agent eines Suchenden oder Anbietenden. Womit der Marktplatz, der Vermittler, knallhart ausgeschaltet würde.

Zudem haben die happigen Preissteigerungen auf den Marktplätzen der SMG auch nicht viele neue Freunde gemacht. Newhome und andere Anbieter profitieren davon.

Die P/S Ratio, das Kurs-Umsatz-Verhältnis, liegt momentan bei 11. Stagniert der Gesamtumsatz (statt erwarteter Steigerungsraten von bis zu 10 Prozent), fällt die Gewinnmarge von 35 auf 25 Prozent, dann fällt die P/S Ratio dadurch auf 5 bis 6. Das entspräche einer Marktkapitalisierung von maximal 1,8 Milliarden Franken. Und einem Aktienkurs von rund 20 Franken …

Schliesslich gibt es noch einen Soft Factor, der gar nicht so soft ist. Was ist von einem wohlbezahlten Management zu halten, das sich seit Jahren in der Online-Werbung von Google & Co. die Butter vom Brot nehmen lässt – ohne dass ihm eine Gegenstrategie einfällt? Die meisten Herren (und wenigen Damen) in der obersten Führungsetage sind zudem nicht gerade Digital Natives.

Oder einfacher gesagt: sie kapieren bis heute das Internet nicht.

Wenn also der vermeintliche Goldesel SMG Verstopfung kriegt und keine Dukaten mehr scheisst, woher sollen dann noch die Gewinne kommen, um den Coninx-Clan bei Laune zu halten? Von Tamedia sicher nicht, das wilde Zusammenkaufen eines Kopfblattsalats hat sich nicht rentiert und erinnert etwas an die Hunter-Strategie der Swissair.

Goldbach ist auch nicht gerade ein ewigwährender Strom von Profit.

Was bleibt dann noch? Als letzte Option der Verkauf des ganzen Ladens, solange man noch genügend Geld verlangen kann.

Stehsatz zum Abschalten

Wenn’s KI wäre, wäre es wenigstens intelligent.

Fällt dir sonst nichts ein, dann haut halt Trump eine rein. Das war die letzte Rettung für einfallslose Journalisten, wenn der Klimawandel, die Gefahr von rechts und neue Untaten von Putin gerade mal Pause hatten.

Blöd aber auch: obwohl er garantiert nicht sieben Kriege beendet hat, scheint ihm im Nahen Osten die Quadratur des Kreises gelungen zu sein. Noch ist der Ausgang unsicher. Werden die fundamentalistischen Wahnsinnigen von der Hamas wirklich Waffen und Macht (soweit sie noch darüber verfügen) abgeben? Ist Netanyahu bereit, von rechtsradikalen Fundamentalisten in seiner Regierungskoalition gestürzt zu werden und dann höchstwahrscheinlich in den Knast zu wandern?

Aber wie auch immer, insgeheim wünschen natürlich viele in der Wolle gefärbte Trump-Trampler unter den Journalisten, dass er mit seinem Friedensplan auf die Schnauze fällt.

Sollte das geschehen – oder nach einer schamvollen Pause – wird’s dann fröhlich weitergehen mit dem Trump-Bashing. ZACKBUM, immer gerne bereit, verzweifelten Journalisten eine helfende Hand zu reichen, bietet hier die ultimative Vorlage dafür.

Exakt auf die passende Länge eines Kommentars im heutigen Elendsjournalismus geschnitzt (2000 A) folgt hier copyrightfrei die problemlos wiederverwertbare Abrechnung mit Trump.

Geschrieben von einer KI, also intelligenter als das meiste, was auf diesem Gebiet publiziert wird.

Here we go:

Donald Trump 2025 – Rückkehr einer zerstörerischen Figur

Donald Trump ist zurück – und mit ihm jene Gefahren, die in seiner ersten Amtszeit offen zutage traten. Heute agiert er nicht mehr nur als Populist, sondern als unberechenbarer Machtakteur, der demokratische Normen bewusst unterwandert. Seine politischen Auftritte gleichen Inszenierungen: laute Attacken, Feindbilder und ein ständiger Angriff auf alles, was nicht in sein Narrativ passt.

Er weigert sich nach wie vor, Fehler einzugestehen oder Verantwortung zu übernehmen. Stattdessen bedient er sich weiterhin der Taktik der Desinformation. Indem er Wahlen pauschal als manipuliert denunziert, sendet er ein Signal der Verachtung gegenüber demokratischen Institutionen – und ermutigt Anhänger, Zweifel an einer freien Wahl zu hegen.

In seiner Aussenpolitik erweist er sich erneut als zögerlicher Straftäter eines stabilen Partnersystems: alte Allianzen werden brüskiert, Enthaltsamkeit ist Form geworden. Seine Politik folgt weniger strategischen Überlegungen als spontanen Impulsen – oft abgesichert durch aggressive Rhetorik in Tweets und öffentlichen Auftritten. Politiker anderer Parteien werden diffamiert, Medien als „Feinde“ gebrandmarkt.

Doch der Erfolg, den Trump weiterhin hat, sollte nicht überraschen. Er spricht jene an, die sich vom System verraten fühlen – in wirtschaftlich abgelegenen Regionen, in kulturell gespaltenen Milieus. Indem er Wut kanalisiert, erzeugt er ein Gemeinschaftsgefühl unter seinen Anhängern. Sein Ziel ist jedoch nie die Versöhnung, sondern die Mobilisierung – gegen Institutionen, Gegner und jegliche Kritik.

Was Trump 2025 repräsentiert, ist kein Wandel, sondern die gefährliche Kontinuität eines Populismus, der Wahrheit relativiert, demokratische Regeln missachtet und den Weg für Autoritarismus ebnet. Durch seinen erneuten Einzug ins Weiße Haus steht die amerikanische Demokratie vor einer existenziellen Herausforderung – bereit oder unvorbereitet.

Copy and paste in den Stehsatz, raus aus der Käfigtierhaltung in der Hölle des Newsrooms und ab zum Feierabendbier!

«Blick»-Mitarbeiter, fürchtet Euch

CEO Marc Walder übt sich im Doublespeak nach Orwell.

Der Umsatz schrumpfte um 13 Prozent auf nur noch 800 Millionen. Der Digital-Anteil am Geschäft ging von zwar beeindruckenden 83 auf 82 Prozent zurück. Walder: «Der Online-Werbemarkt ist nicht mehr gewachsen.» Dabei wächst er weltweit mit zweistelligen Raten, letztes Jahr um über 15 Prozent.

2024 wurden 500 Mitarbeiter entsorgt. Walder verkündete nur den «operativen Gewinn», was davon als eigentlicher Profit übrigbleibt, ist Geschäftsgeheimnis. Auch das kann er knapp schönreden: das Ergebnis sei «gut und zufriedenstellend». Jubel hört sich anders an.

Es habe halt «Portfolio-Bereinigungen» gegeben, Doublespeak für die Schliessung der letzten Druckerei und den Abschied vom Flop «meindeal». Der Zusammenschluss mit Tx bei den Verkaufs- und Handelsplattformen spülte einen noch nicht realisierten Gewinn bei einem möglichen Börsengang in die Kasse. Ob und wann der stattfindet?

Sobald die Platzhirsche Google, Facebook und Amazon ernsthaft in der Schweiz in diesen Markt eindringen, wird das wie Eis an der Sonne schmelzen. Die kassieren bereits heute mehr als 80 Prozent vom Online-Werbekuchen. Dank eines jahrelangen Versagens der Verlagsmanager. Und wer sucht, geht immer auf die grösste Plattform, nicht auf die kleinen Brüder und Schwestern.

Apropos, wer meint, mit dem Trio Ladina Heimgartner, Marc Walder und einem «wie heisst er doch gleich»-«Blick»-Oberofficer für die Zukunft gut aufgestellt zu sein: viel Glück!

Knüppeldick kommt es aber mal wieder für die vermeintlich so glückliche «Blick»-Familie. Das Bezahlmodell «Blick+» plusst überhaupt nicht. Nach einer völlig verunglückten Werbekampagne, die immerhin für Heiterkeit sorgte. Rund 25’000 Abonnenten werden eingestanden, mehr als ein «Ok-Wert» fällt dazu selbst Walder nicht ein.

Dabei ist es nicht klar, wie viele Schnupper-, Gratis- und Kurzzeit-Abos mitgezählt werden.

Dann kommen wir zum Spassfaktor. «Über die vergangenen Jahre sind mehrere Hundert Millionen an klassischem Medienumsatz weggebrochen», jammert Walder, als sei ihm diese Erkenntnis erst neulich gekommen. Aber Ringier bekenne sich sich weiterhin zu einem «qualitativ hochwertigen Journalismus». Auch VR-Präsident Michael Ringier, der trotz fortgeschrittenen Alters (76) sich nicht traut, Walder als seinen Nachfolger zu inthronisieren, behauptet: «Wir sehen einen steigenden Bedarf an gutem Journalismus als Chance

Der Bedarf ist tatsächlich da. Die Ausnützung dieser Chance zeigt die «Blick»-Familie auf allen Kanälen täglich und wöchentlich. Ein enteierter Boulevard, der weiblicher und runder werden will. Was allerdings nur zu einem Regenrohr in den verunstalteten neuen Kasten-Logos geführt hat. Wie viel Schnauf Ringier da hat, zeigte sich auch im Flop «Blick TV».

Das regelmässige Feuern des «Chief Content Officer» und der Aufbau einer amüsanten Riege von Officers, Chiefs, Heads of und Heads off, bei denen niemand mehr weiss, wer wofür zuständig ist, trägt auch nicht zur qualitativen Verbesserung bei. Das Fehlen eines Chefredaktors wie Christian Dorer, der ganz übel entsorgt wurde (und seither gibt es seinen Titel nicht mehr), ein gravierender Fehler.

Nun soll ausgerechnet mit dem Einsatz von KI «mehr Tiefe im Journalismus» erreicht werden. Kleiner Denkfehler: chatgpt und Co. kann inzwischen fast jeder selbst bedienen. Der Unterschied zu dem, was ein Kindersoldat im Newsroom in seiner Verrichtungsbox daraus macht, ist nicht sichtbar.

Grosser Fehler: «Blick» & Co. haben keine USP mehr, kein übergreifendes Konzept, keine Richtung, keine erkennbare Position, keine Mission. Was sich nicht zuletzt in einem Niedergang der Zahl der online-User niederschlägt. Kam der «Blick» mal auf Augenhöhe mit «20 Minuten», ist er inzwischen wieder abgeschlagen.

Und die Print-Auflage beträgt laut letzten Zahlen kümmerliche 73’869 Exemplare. Wie viele davon tatsächlich verkauft werden, ist ebenfalls Betriebsgeheimnis.

Online 25’000 wie auch immer geartete Abos seit dem Start 2023. Bei 800’000 täglichen Nutzern sind das aufgerundet 3,13 Prozent. Darauf kann man eine solide Zukunft bauen. Ganz abgesehen davon, dass alle Leser sauer gemacht werden, die einen «Blick+»-Artikel mangels Abo nicht zu sehen kriegen.

Also in einem Satz: Blickler, fürchtet Euch. Oder eher: ihr 6000 übrig gebliebenen Ringier-Mitarbeiter, fürchtet Euch. Viele werden es nicht zur ersehnten Frühpensionierung schaffen. Und wohin dann?

Oder in Umformulierung des bescheuerten Slogans «Ich bin dabei»: «Ich war dabei.»

Ach, «Blick»

Er schafft es wieder mal, Lachen und Weinen auszulösen.

Lachen, weil es so lächerlich ist. Weinen, weil es so lächerlich ist. Aber zunächst einmal eine Story, die an die gute alte Zeit des «Boulevard»-«Blick» erinnert. Wahrscheinlich bekommt der Verantwortliche dafür auch einen Rüffel von einem der vielen Heads, Officers, Chefs und Chiefs und Leitern:

Wagt sich der «Blick» allerdings ins gegendarstellungsfreie Ausland, wird’s kunterbunt:

Man wird ja wohl noch fragen dürfen. Überhaupt ist Putin und der Ukrainekrieg eine gewisse Obsession für den «Blick»:

Indem er Putin dieses Foto schickt?

Warum? Darum; das ist immer eine intelligente Ansage.

Bleibt natürlich die Frage, ob Trump das weiss – oder ob es ihm «Blick» erst mitteilen muss.

Nun in die Weiten des Weltraums, wo die völlige Leere und Gegendarstellungsfreiheit herrscht:

Aber Genaues weiss man nicht, darauf weist schon ein vorsichtiges «möglicherweise» hin. Erst wenn es Musk geschafft hat, zum Mars zu fliegen, wird man Genaueres wissen.

Nun eine schreckliche Story mit einem schrecklich verpixelten Foto, das in voller Grösse seine schreckliche Wirkung entfaltet:

Vielleicht wäre ein unverpixeltes Foto des Kühlschranks sinnvoller gewesen.

Jetzt kommen wir zur Jö-Story des Tages:

Oh, Pardon, diese herzigen Tierli sind ja aus einem Inserat, ZACKBUM meint diese hier:

Wenn man bedenkt, dass Cédric Wermuth neben diesen enormen Anstrengungen auch noch daran arbeitet, kein gewalttätiger und frauenunterdrückender Macho mehr zu sein – unvorstellbar, was der Mann leistet.

Dann aber lässt der «Blick» den Leser ratlos zurück:

Ja was denn nun? «Mit Video», aber «zum Wegschauen»? Das ist höherer Dada, das hätte das Cabaret Voltaire auch nicht besser hingekriegt.

Und als Absackerchen noch ein Beitrag aus der Rubrik «Ratgeber und Service», das zweite starke Standbein des «Blick», auch wenn er nicht alles selber machen kann:

Gebt es zu, liebe ZACKBUM-Leser, das habt Ihr Euch alle auch schon gefragt. Und, neugierig, was ist die richtige Antwort? Da sagen wir doch mit Douglas Adams: «42». Das ist nämlich die Antwort auf fast alles, die ein Supercomputer nach 7,5 Millionen Jahren Rechenzeit herausgefunden hat.

So lange dürfte es auch ungefähr dauern, bis aus 20 Franken im Monat ein Vermögen geworden ist. Ob und wann der «Blick» mal wieder zu sich kommt, eine Antwort darauf ist aber weder ZACKBUM noch einem Supercomputer möglich, daran verzweifelt selbst die KI.

ZACKBUM hat gefragt, das ist die Antwort, die beweist, dass auch KI ihre Grenzen hat:

«In den letzten Jahren wurden mehrere Maßnahmen ergriffen, um die Qualität der Berichterstattung zu verbessern. Ob und in welchem Maße diese Bemühungen von den Lesern als Verbesserung wahrgenommen werden, hängt von individuellen Präferenzen und Erwartungen ab.»

Horror-Kabinett

Der «Blick» unterbietet sich wieder selbst.

Peter Rothenbühler kann es in der «Weltwoche» nicht fassen: «Im Ringier-Verlag soll ein «Equal Voice Assistant» eingeführt werden, um «die Diversitätsverzerrungen in Echtzeit in Artikeln der Ringier-Medienmarken anzugehen». Schon nur dieser Begriff: «Diversitätsverzerrungen»! Muss man sich auf der Zunge zergehen lassen.»

Wie das gehen soll? So: «Diese KI-Lösung scannt Inhalte während ihrer Erstellung, identifiziert Geschlechterungleichgewichte sowie Stereotype und bietet konkrete Verbesserungsvorschläge.»

Was aber dem «Blick» in Wirklichkeit fehlt, ist menschliche Intelligenz. Denn all die Chiefs, Officers, Leaders und auch Chefs lassen eine Reihe von Nonsens-Meldungen durchgehen, dass der «Blick»-Leser selbst nach dem zuvielten Bier noch den Kopf schüttelt.

Denn das alles will kein Mensch sehen:

Auch Schleichwerbung nicht:

Die ist oben, unten ist richtige Werbung.

Das hier sind hingegen «Deal-Partner», also überhaupt keine Werbung:

Das hier auch nicht:

Dieser Flachsinn hingegen ist hausgemacht:

Dafür lohnt es sich doch, die Bezahlschranke zu überspringen.

Das hingegen ist wieder Werbung.

Das auch.

Das auch. Alles. Das Folgende hingegen ist eine bunte Mischung. Im Uhrzeigersinn von links oben: ein dümmlicher Ratgeber. Eine Nonsens-Meldung. Eine überholte Spekulation. Und eine echte Werbung.

In der Ukraine ist auch nicht wirklich was los. Das merkt man untrüglich daran, dass «Szenarien» feilgeboten werden und Fragezeichen in den Titeln stehen::

Und als Absackerchen der wohl überflüssigste Ratgeber des Tages:

Also im Ernst; wäre es nicht einfacher und billiger, die KI etwas umzuprogrammieren und ihr den Auftrag zu erteilen: schreibe Blödstorys am Laufmeter und knalle jeweils ein Foto dazu. Und streu das zwischen Werbung satt.

 

 

 

Darüber müsste selbst Seibt lachen

Er steht auf unserer Shitlist. Aber es gibt so wenig zum Grinsen heutzutage.

Es ist stärker als ZACKBUM. Wir versuchen krampfhaft, den Blick abzuwenden. Aber wie ein Magnet zieht ihn eine Schlagzeile an, die einfach brüllend komisch ist. Selbst Buster Keaton würde es nicht gelingen, mit unbewegter Miene darauf zu blicken.

Man liest, die Mundwinkel wandern unbeherrschbar nach oben und aussen. Zuerst verschafft sich ein leises Kichern Bahn, und dann wird’s unkontrollierbar. «Die alte Macht der Männer ist zurück». Boah, ey. War sie denn jemals weg? Und wenn sie zurück ist, ist sie dann weiterhin die alte Macht – oder eine neue alte? Prust. Auch daran ist Trump schuld. Gröl. «Auch Europa und die Schweiz kennen den Trend». Kicher, hier beginnt sogar die Sprache zu holpern, als Verstärkung des Lacheffekts. Und hier gerät sie völlig ausser sich: «Seine Folgen: potenziell schwer». Potenziell, schenkelklopf. Schwer, tränenabwisch. Spätestens hier winselt der Leser um Gnade und wälzt sich am Boden, mit Seitenstechen und Schnappatmung.

Das ist von dermassen strahlender, unverstellter Dummheit, wie man es nicht bei der «Republik», nicht bei der WoZ, nirgendwo sonst antrifft.

So platzt das Lachen heraus. Unkontrollierbar. Man liest die wenigen Wörter im Titel und im Lead. Und man weiss: mehr hält das Zwerchfell nicht aus.

Man wundert sich, wie so etwas entstehen kann. Da weiss KI Rat:

Der erste Schritt beim Lachen ist das Verarbeiten eines Reizes, z. B. eines Witzes, einer lustigen Situation oder einer absurden Begebenheit. Der präfrontale Kortex und das limbische System (insbesondere die Amygdala und der Hypothalamus) sind entscheidend, um humorvolle Inhalte zu bewerten.

Dann erfolgt Muskelaktivierung, der Herzschlag beschleunigt sich, die Atmung verändert sich und: Lachen führt zur Freisetzung von Endorphinen, Dopamin und Serotonin, die die Stimmung heben und ein Gefühl des Wohlbefindens erzeugen.

Und schliesslich: Lachen hilft, Stress abzubauen und Spannungen zu lösen.

Danke, Philipp Loser, danke. Mike Arschloch») Müller, der einzige Mensch, der Dick und Doof als Solist spielen kann, war gestern. Hier und heute kommt der neue Comedystar. Damit ist auch das Humorproblem von SRF gelöst. Late Night mit Loser. Der Aufwand ist absolut überschaubar. Er liest einfach aus eigenen Werken. Und wenn man nachts das Fenster aufmacht, hört man in der ganzen Schweiz Gekicher, Gelächter, Gegröle.

Das ist genau das, was die Seele in diesen schlimmen Zeiten braucht. Erholung und Labsal. ZACKBUM nimmt alles zurück, was wir jemals gegen diesen Giftzwerg gesagt haben. Völlig falsche Einschätzung. In Wirklichkeit ist er die grosse weisse Hoffnung der Schweiz, endlich einmal wieder eine befreiende Humorsendung hinzukriegen.

Was für ein Spassvogel. Harlekin. Pausenclown. Schalk. Schelm. Witzling. Scherzkeks. Spasskanone. Witzbold. Auch eine Witzfigur, ein dummer August, ein Hanswurst, eine Lachplatte, Witzblattfigur, ein Tünnes.

Hui. ZACKBUM wischt sich die Lachtränen ab, versucht an sich zu halten und bricht wieder in konvulsivisches Gelächter aus. Meiner Treu, was für ein Labsal.

Mach dir ein Bild

Seit es KI-bearbeitete Fotos gibt, ist das Gejammer gross.

1826 belichtete Joseph Nicéphore Niépce acht Stunden lang eine mit Asphalt beschichtete Zinnplatte. Et voilà, er hatte den Ausblick aus seinem Arbeitszimmer festgehalten.

Daraus entwickelte sich die Illusion, dass es nun endlich – im Gegensatz zur Malerei – gelungen sei, ein authentisches, wahrhaftiges Abbild der Realität zu geben. «So sieht’s dort wirklich aus», das war das Versprechen der Fotografie.

Das war von Anfang an die grosse Lüge der Fotografie. Zuerst fehlte ihr die Farbe, aber immer zeigt sie nur einen Ausschnitt der Wirklichkeit. Geschickte Fotografen malen mit Licht, komponieren ein Bild wie ein Maler, achten auf goldene Schnitte, helfen mit künstlicher Beleuchtung nach.

Einfach, einen Menschen zu dämonisieren, indem man sein Gesicht von unten anblitzt, Kontraste schärft, eine unvorteilhafte Grimasse verewigt.

Einfach, eine Idylle zu fotografieren, wenn der nebenan stehende Abfallkübel nicht sichtbar ist, der faulige Morast mit toten Fischen unterhalb des bunt angemalten Hauses auf Stelzen.

So schnell wie die Technik entwickelt sich auch die Technik der Retusche. Der Bildveränderung, schon früh vom Stalinismus perfektioniert, wo der unliebsame Trotzki dem grossen Stalin nicht in der Sonne oder neben Lenin stehen durfte. Allerdings wurde beim Retuschieren gelegentlich ein Bein oder ein Arm übersehen, das dann leicht dadaistisch in der Fotografie rumstand oder in der Luft hing.

Der Photoshop eröffnete dann neue, ungeahnte Möglichkeiten, vor allem in der Modefotografie. Falten verschwinden, Zähne werden geweisselt, Taillen verschlankt, Beine verlängert, Busen vergrössert, Hautfarben getönt; heller oder dunkler, je nach Zielpublikum.

Es werden ganze Beweisfotos gefakt. Unvergessen ein grosser Protestmarsch der französischen herrschenden Klasse gegen Terror, wo Regierungs-Chef und alle Noblen und Wichtigen mutig auf die Strasse gingen und Demonstration spielten. In einer abgesperrten und gut bewachten Strasse, vor sich eine Horde von Fotografen, die bis auf einen Verräter die Scharade mitmachten.

Bilder sind häufig mächtiger als Worte; der blutverschmierte Trump, trotzig die Faust gereckt, sich dem Zugriff seiner Bodyguards mutig entwindend – ist das noch real oder schon gestellt?

Der fotografische Beweis, das war schon immer ein starkes Argument – und ist es heute noch. Allerdings sind seiner Manipulation auch für den Laien kaum mehr Grenzen gesetzt. Das gilt auch für das bewegte Bild. Deep Fakes, man kann lippensynchron Personen etwas sagen lassen, mit ihrer eigenen, computergenerierten Stimme, was sie nie sagen würden. So kann Obama zur Wahl Trumps auffordern, während Trump zugibt, dass er als mehrfach Vorbestrafter für das Amt nicht geeignet sei.

Aus banalen Ferienfotos können Menschen herausretuschiert werden, damit der überfüllte Strand menschenleer wird, der verdreckte und mit Abfall übersäte Sand blütenweiss. Es gibt KI, die das Gesicht in Sekundenbruchteilen dreissig Jahre jünger machen, den Hängebauch verschwinden lassen, die Altersflecken auch.

Also kann man Fotografien nicht mehr trauen? Auch das ist natürlich Unsinn. Man kann ihnen so viel oder so wenig trauen wie immer. Der Begriff des Authentischen hat sich einfach verändert.

Der knallharte Kriegsfotograf, der niemals eine Szene inszenieren würde, den gibt es immer noch. Aber selbst ein James Nachtway bearbeitet seine Fotos nach, kitzelt im Labor eine Wucht heraus, die die Originale noch nicht haben.

Denn letztlich hilft es nichts. Ob ein Foto lügt, das muss manchmal genauso mühsam überprüft werden wie die Lüge in Worten. Die Lüge, dass die Erde flach sei, kann leicht widerlegt werden, obwohl die christliche Kirche Hunderte von Jahren an ihr festhielt. Dass die Erde nicht vor 6000 Jahren in einem göttlichen Akt geschaffen wurde, ist schon schwerer als Lüge zu überführen, aber es ist möglich.

Ob die Aussage «Die israelische Armee begeht Kriegsverbrechen» wahr oder falsch ist, das ist schon eine ganz andere Dimension der Wahrheitsforschung. Ob Fotografien das belegen können, ist nochmal eine andere Frage.

Aber letztlich ist die Verwendung von KI einfach eine neue Technologie für das ewig Gleiche. Die Interpretation der Wirklichkeit nach dem eigenen Gusto, ihre Verwandlung in etwas, was dem Bild des Betrachters entspricht, das er sich von der Realität gemacht hat.

Ob es eine von der menschlichen Betrachtung und Erkenntnis unabhängige, objektive Realität gibt – und ob es uns gelingen kann, genau sie abzubilden, in Bildern oder in Worten, damit befasst sich die Philosophie und Erkenntnistheorie schon seit über 3000 Jahren. Ohne zu einem endgültigen Ergebnis zu kommen.

Also ist jedes Gejammer über die realitätsverändernde Wirkung von KI so überflüssig wie das Gejammer über Photoshop oder Retusche oder das Metaversum.

Sonntag, Leidenstag

Am 7. Tag ruhte der Herr. Das merkt man.

Eigentlich ist das Cover der SonntagsZeitung durchaus vielversprechend. Eine attraktive «Wein-Weise», ein launiger Vergleich zwischen Deutschland und der Schweiz als Einstimmung auf das Spiel, und Gelegenheit für den den Migros-Chef, aufmunternde Worte zu der Krise in seinem Haus zu sagen.

Allerdings ist dann leider nicht alles Gold, was glänzt. Zum Thema Migros muss Chef Arthur Rutishauser in seinem Editorial die grossen Linien ziehen und erklären, wieso der orange Riese wankt. Schlichtweg wegen hausgemachten Problemen grössenwahnsinniger Manager, die Milliarden in den Sand setzten.

Das Interview von Edith Hollenstein und Christopher Gilb verläuft dann aber leider nach dem Motto: was wollten Sie schon immer mal unwidersprochen sagen, und das erst noch glattgestreichelt von der Corporate Communication, denn Christian Dorer versteht natürlich sein Handwerk.

Daraus entstehen dann wunderprächtige Antworten auf vermeintlich kritische Fragen: «Ich habe keine schlaflosen Nächte, denn ich zweifle nicht am eingeschlagenen Weg. Es belastet mich jedoch, dass unsere Entscheidungen das Schicksal vieler Menschen beeinflussen. Insbesondere weil diejenigen, die nun die Migros verlassen müssen, nicht schuld sind an der aktuell schwierigen Situation.» Und er als neuer Boss natürlich auch nicht …

Woran erkennt man ein grottenschlechtes Interview, nebenbei? An solchen Fragen: «Was heisst das? … Und was leiten Sie daraus ab? … Will die Migros zu einem Discounter werden? … Warum?» Ein Vorschlag zur Güte: wieso lässt die SoZ so ein Interview nicht von einer KI machen? Die würde das genauso, wenn nicht besser hinkriegen, und alle Beteiligten hätten viel Zeit gespart.

Immerhin ist Rutishauser mal wieder für einen (kleinen) Knaller gut. Nachdem «Inside Paradeplatz» darüber berichtet hatte, dass die kantonale Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh ihren Chefbeamten nicht nur hochkant entsorgt hatte, sondern auch noch eine Strafanzeige nachschob, rätselte man: warum denn das? Rutishauser weiss mehr: er «soll Löhne unterschlagen haben». Also Einnahmen aus seiner Vorgesetzten bekannten Nebenjobs. Sieht eigentlich verdächtig nach Nachtreten und Rache aus.

Dann erreicht der «Fokus» einen neuen Tiefpunkt. «Wir müssen platonisch splitternackt sein». Wer will bei einem solchen Titelzitat dann noch das Gähn-Interview mit einer Psychologin über das Allerweltsthema Freundschaften lesen? ZACKBUM nicht. Die Bebilderung hilft übrigens auch nicht.

Und eine Seite mit Markus Somm und Jacqueline Badran ist auch nur was für ganz starke Nerven.

Das gross auf der Front angepriesen «Duell» erweist sich dann als müde halbe Seite. Die mal wieder beweist: Humor will gekonnt sein. «Bratwurst vs. Currywurst … Heidi vs. Winnetou … Deutsche Bahn vs. SBB … Aromat vs. Liegestuhl» usw. Ist das vielleicht komisch. Gleich sechs Geistesriesen der SoZ haben sich hier bemüht. Dafür kann es nur eine Antwort geben: rote Karte!

Dass sich Klaus-Michael Kühne öffentlich ins Hemd heulen darf «Ich habe mich von Herrn Benko einlullen lassen», nun ja, auch Milliardäre spüren den Schmerz, wenn ihnen ein paar Dutzend Millionen abhanden kommen.

Problemlos zum Millionär wird man hingegen, wenn man die Anlagetipps des Geldonkels Martin Spieler beherzigt: «Bei Investieren in Private die Risiken nicht ausblenden». Hätte doch Kühne nur auf ihn gehört.

Anschliessend begibt sich die SoZ aber auf ganz dünnes Eis:

ZACKBUM enthüllt die Antwort: einen «eiskalten Chablis». Das beweist aber mal wieder, dass Frauen halt doch nicht so viel von Wein verstehen. Denn erstens kommt das darauf an, zweitens sollte man einen Grand Cru bei 12 bis 14 Grad zum Mund führen.

Aber das Hauptproblem hier ist doch, dass der Titel samt Foto schwer nach Sexismus riecht, schmeckt, kantig im Abgang ist und im Oberton nach Altherrenschweiss müffelt.

Völlig gaga ist diesmal die Autoseite. Immerhin wird kein Zwölfzylinder für 250’000 angepriesen. Denn es geht noch absurder:

Kommt halt davon, wenn man den Artikel sparsam aus der «Automobil-Revue» übernimmt, wo die Schmonzette über ein Unikat neben anderen Autostorys mit Nutzwert sicher Sinn macht.

Wenig Sinn macht dann die abschliessende Werbestory über «Korfus kleine Schwester». Objektiv, kritisch, unabhängig. Obwohl: «Diese Reise wurde unterstützt von Edelweiss und Visit Greece». Besonders launig ist hier der Ess-Tipp: «In der Taverne … wird nicht bestellt, sondern gegessen, was auf den Tisch kommt. Eine frühzeitige Reservierung ist erforderlich.» Also absolut ein Must für alle Hungrigen. Auswahl null, dafür früh reservieren. Und nicht nur der Flug, auch der Aufenthalt ist gesponsert. Unglaublich.