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Wegducken bei der «Republik»

Beissen, aber nicht gebissen werden wollen. Typisch.

Im Austeilen ist die «Republik» ganz gross. Sie ortet ein rechtes Verschwörungsnetzwerk, outet seine Mitglieder, gibt aber nur einem von 30 die Möglichkeit, etwas im Schmierenartikel zu sagen. Sie führt ein ausführliches, stundenlanges Interview mit dem Chefredaktor der NZZaS – und reduziert es auf zwei, drei Soundbites und die launige Bemerkung, dass seine Rolex unter dem Kittel hervorblitze.

Üben ihre eigenen Verleger Kritik an solchem Kloakenjournalismus, werden sie überheblich zurechtgestossen. Man sei weiterhin von seinem Werk überzeugt, Diskussionen darüber seien sinnlos. Logisch, wenn man meint, die Wahrheit mit Löffeln gefressen zu haben …

ZACKBUM dachte, dass es doch für die breitere Öffentlichkeit von Interesse sein könnte, wie denn eigentlich der Chefredaktor  der «Republik» so tickt. Schliesslich erwartet die doch auch, dass andere Chefredaktoren ihr Red und Antwort stehen.

Der länger amtierende Christof Moser wurde zur «Stabsstelle Chefredaktion» befördert oder degradiert – man weiss es nicht. Allerdings ist er per 3. Juni 2022 aus dem Verwaltungsrat ausgeschieden. Verwaltungsräte haben Verantwortlichkeiten und eine Haftbarkeit. Weiss Moser etwas, was die anderen VR oder die Verleger nicht wissen? Gleichzeitig hat es eine ganze Latte neuer VR ans Steuerrad der «Republik» gespült. Auf jeden Fall ist nun Herbert Werner Constantin Seibt der letzte Mohikaner aus den Reihen der Gründer, der noch im VR sitzt.

Für diese und viele andere Fragen wenden wir uns daher an Oliver Fuchs, immerhin «seit Februar 2022 Chefredaktor a.i.». Der fiel schon durch etwas verunglückte Leserkommentare in der «Medienwoche» auf, aber das ist doch verjährt.

Also freundliche Anfrage, im Rahmen eines Porträts hätte man gerne ein Gespräch geführt, wann es denn passe. Da kommt mailwendend, nach nur kurzer Angststarre, die Antwort: «Das gelingt sicher auch ohne mein Zutun.»

Nun pflegen wir hier keinen «Republik»-Stil, und auch auf das nachgeschobene Angebot können wir nicht eingehen:

«Falls sich schwere Vorwürfe ergeben sollten, danke ich bereits jetzt für die Gelegenheit, dann konkret schriftlich Stellung nehmen zu können.»

Schriftlich? Falls? Es gäbe so viele interessante Gesprächsthemen, dass die Verschriftlichung eines längeren Gesprächs garantiert Lesevergnügen bereiten würde. Da könnte man endlich mal einen Teil der Kritikpunkte abarbeiten, auf die die «Republik» gewohnheitsmässig gar nicht mehr reagierte. Denn im Austeilen ist man gross, im Einstecken ganz klein und furchtbar empfindlich und blitzschnell beleidigt verstummt.

Also wird das nichts. Dabei hätte ZACKBUM ein Porträt gemacht, dass Fuchs gerecht worden wäre. Seine Stärken, aber auch Schwächen, seine Meinungen, aber auch Widersprüche, sein Wollen, aber auch sein Können anständig und ausgewogen wiedergegeben hätte. Wie es sich eben für ein journalistischen Standards entsprechendes Stück gehört.

Damit rechnet die «Republik» eben nicht, da für sie Porträts nur die Möglichkeit einer Hinrichtung darstellen. Am liebsten, ohne dass der Porträtierte etwas dazu beitragen darf. Am liebsten, indem ausschliesslich anonyme Heckenschützen zitiert werden. Wenn die «Republik» wüsste, wie viele gequälte Mitarbeiter sich schon bei ZACKBUM gemeldet haben. Und was wir alles über die internen Intrigen und Grabenkämpfe wissen. Aber nicht veröffentlichen, weil sich kein Republikaner und auch kein Ex-Republikaner dazu versteht, mit seinem Namen hinzustehen.

Was es alleine über das Verhältnis zwischen Christof Moser und Constantin Seibt alles zu sagen gäbe, damit könnte man locker eine Seibt-Strecke von 70’000 Buchstaben füllen. Aber eben, nicht unser Stil.

PS: Dabei sollte die «Republik» ZACKBUM dankbar sein. Wir schaufeln wenigstens Traffic auf deren Webseite. Nach unserem kritischen Artikel über die Behandlung der Verleger durch arrogante «Republik»-Redaktoren in der Kommentarspalte zum Schmierenartikel «Der Aufsteiger» passierte das hier:

«Zu viele Anfragen, bitte später probieren.» Keine Ursache, gern geschehen.

Führungslos durch die Nacht

Christof Moser tritt überraschend als Chefredaktor der «Republik» zurück.

Als herrliches Beispiel für transparente Kommunikation teilt die «Republik» mit, dass sich ihr Chefredaktor per Ende Januar verabschiedet. Er sei ein bisserl müde, werde aber den «Übergangsprozess» noch einige Monate begleiten.

Die Gründer: nun ist nur noch einer übrig: Seibt (Mitte).
Wallraff gehörte nie dazu, alle anderen (Moser rechts) sind nun weg.

Ob er in anderer Funktion dem Online-Magazin erhalten bleibe oder nicht, das wisse er noch nicht. Und nein, für Interviews stehe er nicht zur Verfügung.

Interimistisch übernehme sein Stellvertreter Oliver Fuchs, über dessen Befähigung auf irgend einem journalistischen Gebiet man mit guten Gründen so seine Zweifel haben kann.

Aber es solle dann eine neue Führungscrew entstehen, teilen die Retter der Demokratie noch mit.

Wenn ein Chefredaktor bekannt gibt, dass er in 20 Tagen dann mal weg sei, als Begründung eine gewisse Müdigkeit anführt, die Nachfolgeregelung nur aus einer Interimslösung besteht, dann hat’s gekracht.

Hat Moser die unendlichen Streitereien mit dem Godfather der «Republik» satt gehabt? Hat Constantin Seibt endlich den Machtkampf doch gewonnen? Ist Moser mit seinem Mikromanagement und seiner verbohrten Weigerung, ohne rechtlichen Zwang irgend einen Fehler einzugestehen, den übrigen Republikanern zunehmend auf den Geist gegangen?

Hat er sich in der Frage, ob die «Republik» als potenzieller Grossprofiteur dem vor der Abstimmung stehenden Medienpaket zustimmen soll oder nicht, zu sehr aus dem Fenster gelehnt?

Man weiss es nicht. Man weiss nur: Transparenz ist was anderes.

Wie hältst du es mit gekauften Geschichten, Republik?

Wie das Magazin zu seinen Storys kommt.

Meine Urgrossmutter war «Schmatteshändlerin». Sie ging im Zürcher Oberland von Tür zu Tür und versuchte, den Bäuerinnen «Schmattes» (jiddisch für Stoffresten) zu verkaufen. Reich wurde sie nicht, aber es half die Kriegsjahre hindurch.

In den letzten Tagen erlebten die Schweizer Redaktionen etwas ähnliches: Ein freier Journalist tingelte von Redaktion zu Redaktion und versuchte, eine Geschichte zu verkaufen. Ihr Inhalt: Ein ziemlich unbekannter, dafür verwirrter und ehemaliger Gastronom, wollte den Gesamtbundesrat wegen dessen Corona-Management verhaften lassen. «Wir befehlen Ihnen», schreibt er in einem Brief an den Korps­kommandanten, «die sieben Bundesräte in Schweizer Gefängnisse einzusperren.» Der Journalist heisst Raimond Lüppken.

Die Redaktionen haben die Geschichte natürlich abgelehnt. Auch aus ethischen Gründen. Warum eine weitaus unbekannte Person an den Pranger stellen? Wie  ZACKBUM erfuhr, soll Lüppken ausserdem Geld für die Geschichte verlangt haben. Und zwar ziemlich viel. Wer je bei einer Schweizer Tageszeitung gearbeitet hat, weiss: Für eine Geschichte wird kein Geld bezahlt. Es wird höchstens eine Aufwandspauschale überwiesen. Das hat wenig mit moralischen Grundsätzen zu tun. Die Schweizer Presselandschaft ist – im Unterschied zur deutschen – zu unbedeutend für das Geschachere.

«Ihre Informationen ist falsch»

Der nächste Schritt war dann für den aus Berlin stammenden Lüppken die «Republik», unsere knallharte Recherche-Fabrik. Die Geschichte wurde natürlich genommen. Wie viel Geld geflossen ist, wollen Christof Moser (Chefredaktor) und Daniel Ryser (Mitbeteiligter) nicht bekannt geben. Und wie halten sie es generell mit gekauften Geschichten? Ryser schrieb auf Anfrage lediglich: «Ihre Informationen ist (sic!) falsch.»

Eine Leserreaktion der wie immer sehr mitmenschlichen «Republik»-Gemeinde.

Auch nicht beantwortet bleibt die Frage, warum der mit Klarnamen vorgestellte Gastronom im Leserforum aufs Übelste beschimpft werden darf und dabei justiziable Ausdrücke fallen (s.o.): «psychisch kranker Mensch, der von rechtsextremen Hirngespinsten verfolgt wird.»

Es ist leider ein weiterer Fall, wo die «Republik» bei Anfragen auf Tauchstation geht. Wenn es aber darum geht, sich im hellsten Licht zu präsentieren, ist das Magazin das Gegenteil von wortkarg:

Wir sind das transparenteste Medienunternehmen (das wir kennen). Wir legen alles offen: unsere Finanzen, Besitzverhältnisse, Arbeitsweisen, Fehler, Löhne – weil wir überzeugt sind, dass es wichtig ist zu zeigen, unter welchen Bedingungen Journalismus hergestellt wird.

ZACKBUM versuchte natürlich auch vom hierzulande unbekannten Raimond Lüppken eine Stellungnahme zu erhalten. Anfragen via «Republik»-Redaktion und Facebook liess er unbeantwortet. Die «Republik» preist ihren Informanten als «Rechtsextremismusexperten, der seit Jahren zu völkischer Esoterik, Verschwörungsideologien und Reichsbürgern recherchiert.»

 

 

Republik: Rüge von der Revisionsstelle

«Internes Kontrollsystem entspricht nicht dem schweizerischen Gesetz»

So ganz sicher war sich die «Republik» nicht, als sie vor einigen Tagen ihre Jahresrechnung 2019/2020  vorstellte: «Haben Sie Verständnisfragen?» Bei einem erneuten betrieblichen Ergebnis von – 4,144 Millionen Franken hatten ein paar der geschätzten Verlegerinnen und Verleger sogar mehr als nur Verständnisfragen.

Ein Kritiker fragt: «Das Budget für die Löhne scheint mir sehr hoch im Vergleich zu den Artikeln.» Chefredaktor Christof Moser versucht zu beruhigen: «Ein Beitrag in der Republik kostet im Schnitt 2200 Franken.» Und ein Jungredaktor schreibt: «Unsere Löhne entsprechen dem Branchenstandard.»

120’000 Franken ist neuer Branchenstandard

Tun sie das? Gemäss Jahresrechnung belaufen sich die Löhne auf 3‘472‘853 Franken. Dazu kommen 462‘030 Franken Sozialversicherungsaufwand. Bei einer hälftigen Übernahme entspricht das bei 30,7 Vollzeitstellen 120‘647 Franken im Jahr. Branchenstandard?

Ein anderer Kritiker fragt: «Warum stellen sich die Mitglieder des Vorstands nicht der Einzelwahl?» Clara Vuillemin, Präsidentin des Vorstands, antwortet dem Fragenden in bestechender Logik: «Purer Pragmatismus. Der Vorstand in der aktuellen Zusammensetzung funktioniert erwiesenermassen gut.» So eine pampige Antwort ist nicht einmal Donald Trump in den Sinn gekommen.

Aber sieht das wenigstens die Revisionsstelle ähnlich? «Im Rahmen unserer Prüfung haben wir festgestellt», so das Urteil, «dass ein gemäss den Vorgaben des Vorstandes ausgestaltetes internes Kontrollsystem für die Aufstellung der Konzernrechnung in allen wesentlichen Belangen nicht schriftlich dokumentiert ist. Nach unserer Beurteilung entspricht das interne Kontrollsystem nicht dem schweizerischen Gesetz, weshalb wir die Existenz des internen Kontrollsystems für die Aufstellung der Konzernrechnung nicht bestätigen können.»

Natürlich, ZACKBUM.ch hat beim selbstbewussten Trüppchen erfolglos um eine Stellungnahme gebeten. Besorgniserregend ist nämlich auch eine «Hervorhebung eines Sachverhalts» durch den Revisor, «wonach eine wesentliche Unsicherheit an der Fähigkeit des Konzerns zur Fortführung besteht.»

Ein Minus von über vier Millionen Franken, kein internes Kontrollsystem und die Befürchtung, dass die Republik das nächste Jahr hops geht – aber: «Der Vorstand funktioniert in der aktuellen Zusammensetzung erwiesenermassen gut.»

 

Wie viel verdient ein «Republik»-Journalist?

Sicher mehr als den «Einheitslohn».

Wie viel verdient ein Journalist bei der «Republik»? Bisher gingen die Öffentlichkeit und die Verleger von einem Einheitslohn von 8000 Franken aus. «Republik»-Chefredaktor Christof Moser präzisierte den Betrag einmal so: «Der Einheitslohn von 8000 Franken bezieht sich auf 100 Prozent. Kaum jemand bei uns ist 100 Prozent angestellt, die meisten sind 80, 70 oder 60 Prozent bezahlt.»

Bei den 8000 Franken ging man auch stets von einem Bruttolohn aus. Das belegen mehrere Zitate. Die Zahl kommt nicht von ungefähr. 8000 Franken hört sich für die Sponsoren nach einem adäquaten, nicht überrissenen Lohn an. Er befindet sich (mit dem 13. Monatslohn) zudem auf der Höhe des SRF-Durchschnittslohns.

So weit zumindest die Aussagen der Republik. Leider muss man bei der «Republik» jedes zweite Wort kritisch hinterfragen, vor allem, wenn es eine Zahl ist. In der aktuellen Ausgabe des «Syndicom Magazins» sagt die «Republik»-Geschäftsführerin Miriam Walther dann plötzlich: «Die Republik hat seit dem Start einen Nettoeinheitslohn von 7750 Franken.»

Brutto sind das etwa 8500 Franken. Darin enthalten der ganze Pipapo: AHV, PK, IV usw.

9800 Franken für Constantin Seibt?

Noch irritierender wirkt die Aussage des «Einheitslohn» von 8000 Franken, wenn man ein «Republik»-Video vom 1.11.2020 nochmals aufruft (ab Minute 38:16). Damals illustrierte das VR-Mitglied Clara Vuillemin die Löhne anhand von Beispielen:

«Jemand Ende Zwanzig, keine Kinder: 8600 Franken brutto, 7800 Franken netto. Um die 50 Jahre, 2 Kinder, 9800 Franken brutto.»

Das zweite Lohnbeispiel könnte auf Constantin Seibt (54) zutreffen. Die Edelfeder hat zwei Kinder.

Schüchterne Frage: Was bedeutet eigentlich «Einheitslohn», wenn schon jemand mit 29 Jahren mehr als die 8000 Franken «Einheitslohn» verdient? Wäre der Ausdruck «Basislohn» oder «Startlohn» nicht passender? Und: Werden die Verleger da nicht verarscht?

ZACKBUM.ch wollte von Chefredaktor Christof Moser etwas Nachhilfe zum Zahlenwirrwarr bekommen. Mister Augenringe gab natürlich keine Auskunft. Wir hoffen aber, dass Moser, Jahrgang 1979 und noch keine Kinder, mindestens einen Einheitslohn von 9500 Franken bekommt.

Das Expeditionsteam in Langeweile

Was macht so ein «Expeditionsteam» der Republik den ganzen Tag lang? Es guckt vielleicht aus dem Fenster hinaus und zählt nach, ob mehr rote Autos oder grüne Lastwagen vorbeifahren. Wenn das geklärt wurde (mehr rote Autos), nimmt es ein Blatt Papier und schreibt links oben «Mann», daneben «Frau» und ganz rechts «Beides». Und dann zählt es jeden Monat nach, welches Geschlecht am meisten Republik-Texte geschrieben hat.

Am 12. Juni präsentierte das Expeditionsteam seine irre Arbeit. Eigentlich hätte sie sich das sparen können, denn: «Die schlechte Nachricht: Der Frauenanteil bei den redaktionellen Stellenprozenten stagniert hartnäckig bei 36 Prozent.» Der Chefredaktor Christof Moser, zuständig vielleicht für Einstellungen, haut natürlich auf den Tisch und brüllt: «Schlicht ungenügend.»

Da es sich bei der Republik aber um die Republik handelt, werden fünf Seiten Text vollgeschrieben und sieben Grafiken nachgereicht. Der Leser weiss am Ende, dass in den Republik-Texten die Frauen in 31 Prozent der Fälle als Expertinnen auftreten, in 42 Prozent als Protagonistinnen und in 27 Prozent als Expertinnen-Protagonistinnen. So detailliert wollten wir das schon immer wissen.

Allerdings «kann es Unschärfen geben», schreibt die Republik, ob eine Frauen mal als Expertin oder Protagonistin auftritt. Vielleicht, ein Vorschlag, schreibt die Republik nächstes Jahr, dass die Frauen zu 100 Prozent als Expertinnen-Protagonistinnen auftreten. Da macht das Expeditionsteam sicher nichts falsch und kann wieder Autos und Lastwagen zählen.