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Die Nicht-Antwort

8. Juni 2023/3 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Die Medienstelle der NZZ hat geruht zu antworten.

Das hätte sie vielleicht besser nicht getan. Denn natürlich steigt die Erwartungshaltung, wenn sie mehr als zwei Tage braucht, um auf ein paar konkrete Fragen zu antworten.

Die da lauteten:

Der Titel über dem Artikel von Ueli Bernays lautete ursprünglich:
«Till Lindemann und Rammstein: Aus dem Künstler ist ein Täter geworden».
Der wurde nachträglich geändert in:
«Till Lindemann und Rammstein: Was ist Tat, was ist Fiktion?».
Dazu habe ich folgende Fragen:
1. Wie ist es möglich, dass der erste Titel mit einer ungeheuerlichen Unterstellung durch alle Kontrollinstanzen der NZZ rutschte?
2. Unbelegte Vorverurteilung, Missachtung der Unschuldsvermutung, Übernahme von Behauptungen anderer Medien ohne die geringste Eigenrecherche; ist das das Niveau, dass die NZZ einhalten möchte?
3. Normalerweise werden solche nachträglichen Eingriffe (deren gab es auch im Lauftext) transparent kenntlich gemacht, weil der spätere Leser die Veränderung nicht bemerkt. Wieso macht das die NZZ nicht?
4. Hat dieser Vorfall für den verursachenden Redaktor arbeitsrechtliche Konsequenzen? Schliesslich ist er Wiederholungstäter (Stichwort Roger Waters).
5. Im Text von Ueli Bernays heisst es:
«Ob es sich dabei um einvernehmlichen Sex gehandelt hat, ist kaum zu eruieren. Jedenfalls gab es kaum ein klares Ja.»
Das ist nun ein wörtliches Zitat aus dem entsprechenden Artikel der «Süddeutschen Zeitung», das aber nicht als Zitat gekennzeichnet ist. Handelt es sich hier nicht auch um einen journalistischen Faux-pas, der öffentlich korrigiert werden müsste?
Trommelwirbel, Tusch und Fanfare, die Antwort des Weltblatts:
«Vielen Dank für Ihr Interesse an unserer Berichterstattung und Ihre Anfrage, die wir gerne beantworten.
Das Vorgehen entspricht selbstverständlich den üblichen redaktionellen Prozessen.»
Schön, dass wir nun wissen:
– einen nicht mal Angeschuldigten unter krasser Missachtung der Unschuldsvermutung als «Täter» zu bezeichnen
– diesen ungeheuerlichen Titel nachträglich zu ändern, ohne das dem Leser gegenüber transparent zu machen
– wortwörtlich aus einer anderen Zeitung zitieren, ohne das als Zitat kenntlich zu machen, was man gemeinhin Plagiat nennt,
das alles entspricht inzwischen bei der NZZ «den üblichen redaktionellen Prozessen». Da kann man nur hoffen, dass sie durch unübliche ersetzt werden. Zum Beispiel durch Prozesse, die die primitivsten journalistischen Regeln berücksichtigen.
Aber ZACKBUM wird nicht mehr nachfragen, solche Nicht-Antworten entsprechen nicht unseren Vorstellungen von redaktionellen Prozessen.
Schlagworte: Medienstelle, Null-Antwort, NZZ, Plagiat, redaktionelle Prozesse, Unschuldsvermutung
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https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2023/06/Bildschirm­foto-2023-06-07-um-18.17.14.png 395 888 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2023-06-08 06:00:032023-06-07 18:22:23Die Nicht-Antwort
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3 Kommentare
  1. Beat Morf
    Beat Morf sagte:
    8. Juni 2023 um 18:49

    Diese Nichtantwort ist der Beleg dafür, dass die Arroganz unversehens in Dummheit kippt.

    Antworten
  2. Simon Ronner
    Simon Ronner sagte:
    8. Juni 2023 um 14:28

    Die NZZ hat blitzschnell reagiert: Birgit Schmid musste ran. Mit ihrem heutigen Feuilleton-Artikel zur Causa Lindemann macht sie die schwache Performance von Bernays wieder einigermassen vergessen.

    Antworten
  3. René Küng
    René Küng sagte:
    8. Juni 2023 um 12:14

    Judihui,
    zackbum wendet sich ENDLICH den Medien, Journalisten und Journalistinnen zu,
    ‚die die primitivsten journalistischen Regeln berücksichtigen.‘

    Es gibt sie (noch), ’spezie rara‘, bzw auf der roten Liste der auszuzensierenden bedrohenden Arten.
    Frau Viola hat die Schweizer Liste schwer unterm Auge und köchelt am Herd, damit bald nichts mehr anbrennen kann mit der Festung der CH emokratie – à la mode de UN, WHO, Vielantoxischen Stiftungen und all deren Sponsoren.
    Dann können Sie auf jeden Fall in Pension, Herr Zeyer.
    Ob wir dann noch ein Gläschen Wein an frischer Luft zusammen trinken können?

    Antworten

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