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Tamedia im Tiefschlaf

Angriff Israels und der USA auf den Iran: ist da was?

Die NZZ, der «Blick», «20Minuten», CH Media, «blue news», auch «nau.ch» vermelden am frühen Samstagmorgen: «Israel greift Iran an». Das ist möglicherweise der Anfang eines neuen Krieges.

Für den Qualitätsblattkopfsalat Tamedia kein Grund, aus dem wohlverdienten Tiefschlaf zu erwachen. So sah die Homepage noch vor 8.06 h aus:

Eine dreiteilige Serie, gut abgehangen, damit machen die Blätter an der Werdstrasse auf. Am Samstag ruht die normale Redaktion; da arbeitet nur die Rumpfmannschaft der «SonntagsZeitung», insofern das Blatt nicht schon im Verlauf der Woche vorproduziert wurde.

Aber dann, lass niemals eine breaking news ein stolzes, selbstgebasteltes Stück verdrängen, hängt auch Tamedia um 8.07 h die Neuigkeit rein, belässt die Serie aber weiterhin zuoberst:

Tamedia schreibt – wie die anderen auch – Tickermeldungen von DPA, Reuters, AFP und so weiter ab. CNN hat schon längst Live-Aufnahmen auf seiner Webseite, natürlich auch die grossen angelsächsischen Zeitungen.

Sogar die alte Tante nimmt eine Sonderfarbe aus dem Regal und traut sich für ihre Verhältnisse ein Riesenbild zuoberst:

 

Nun ist «Der Arzt, der sich zu Tode arbeitete» ein Rührstück, auf das Catherine Boss und Thomas Knellwolf offensichtlich furchtbar stolz sind.

Allerdings ist der Angriff wieder mal ein Ereignis, das die gestern Nacht abgeschlossenen Printausgaben alt aussehen lässt, wenn sie noch druckfrisch in den Briefkästen lagern.

So sieht zum Beispiel das aus, das der Kopfblattsalat seinen Print-Lesern am Samstagmorgen servierte:

Die Studie über Instagram-Werbung staubt so richtig vor sich hin, und das angeblich künstlerisch bearbeitete Patina-Foto des Arztes verleiht der Frontpage den Groove von alter Möbelpolitur.

Dafür kann natürlich keiner was, das ist halt die Tragik einer eigentlich obsolet gewordenen Methode, Nachrichten zu distribuieren.

Die NZZ hingegen landet einen Glückstreffer, denn selbst God Almighty Eric Gujer konnte nicht ahnen, als er seinen grossen Welterklärungskommentar schrieb, dass er mit seiner Prognose genau richtig liegt:

Die NZZ nimmt sogar den sich anbahnenden Krieg zwischen Pakistan und den Taliban gross mit, womit die These widerlegt wäre, dass Zeitungen normalerweise nur einen Kriegs aufs Mal auf die Reihe kriegen.

Da hat es schon etwas Verschmocktes, wenn der Tagi unerschütterlich an seiner Eigenproduktion festhält; nochmals in aller Schönheit:

Allerdings bedient auch die «Berner Zeitung» aus dem gleichen Hause einige Vorurteile, die man gegen die Bewohner dieses Kantons hat:

 

Und natürlich, der Fluch des Verschiebebahnhofs einer Zentralredaktion, wo Artikel wie Legosteine zusammengestöpselt werden, muss auch die «Basler Zeitung» zuoberst etwas Lokales abfeiern:

Während aber ansonsten CH Media dem Lokalen frönt, hat man hier die Bedeutung des Ereignisses richtig eingeschätzt:

Wahrscheinlich war Qualitätspapst Simon Bärtschi, die publizistische Leiter nach unten bei Tamedia, nach seiner Qualitätssteigerung bei der Behandlung der SRG-Initiative so erschöpft, dass er hier nicht schon wieder eingreifen konnte. Dass dieser Konzern immer noch ein wichtiger Bestandteil der öffentlichen Meinungsbildung ist, Zürich, Bern und Basel beschallt, dabei immer deutlicher zu erkennen gibt, dass ihm journalistische Professionalität schnurzegal ist, ein Trauerspiel. Oder sagten wir das schon.

Wort zum Sonntag

Willkommen in der Unübersichtlichkeit.

Mal Hand aufs Herz. All diejenigen, die sich nicht in ihrer Gesinnungsblase unter Luftabschluss sauwohl und geborgen fühlen: irgend eine Ahnung von irgendwas?

Wie ist eigentlich die Lage im Gazastreifen? An der ukrainischen Front? Gibt’s Krieg mit dem Iran? Neuigkeiten vom Völkermord in Afrika? Ist das «Board of Peace» (allmächtiger Chef auf Lebenszeit Donald J. Trump) ein Furz oder bewegt es was? Sollte die Schweiz beitreten oder nicht?

Auch nicht ganz unwichtig: ist die KI-Blase am Platzen? Oder das Geschäftsmodell von Elon Musk, eine Wahnsinnsidee mit der nächsten zu ersetzen, was ihm von der «Weltwoche» eine anhimmelnde Titelgeschichte einbrachte («Da Vinci, genialster Unternehmer der Geschichte»)? Bei deren Prognose- und Wirtschaftskompetenz («la crise n’existe pas») gar kein gutes Zeichen.

Sind die EU-Verträge einfach unvermeidlich oder das Ende der direkten Demokratie? Oder kommt das, wenn die Zwangsabgabe für die SRG geschrumpft wird? Ist Crans-Montana ein Zeichen der Verluderung bei Schweizer Behörden oder halt einfach das Wallis? Warum muss das Bundesverwaltungsgericht einer staatlichen Behörde nach der anderen (FINMA, BAG) eine Klatsche verpassen?

Ach, und ganz wichtig: bringt Ex-Prinz Andrew das englische Königshaus ins Wanken? Mindestens so wichtig: beherrschen Superreiche wie Bezos, Gates, Thiel, Musk die Welt? Und wenn ja, ist das gut oder schlecht? Ist das Thema Corona aufgearbeitet oder verdrängt? Sind die Schneemengen ein Zeichen für den Klimawandel?

Werden in der Ukraine westliche Werte gegen asiatische Unmenschen verteidigt oder bloss einer der korruptesten Staaten der Welt unterstützt? Ist Trump der Fürst der Finsternis oder der grosse Disruptor, der endlich Bewegung in viele Problemfelder bringt? Ist Kuba selber schuld, wenn auf der Insel die Lichter ausgehen, oder ist das die Folge eines völkerrechtswidrigen Embargos durch die USA?

Wie kann es sein, dass der grosse Freund ennet des Teichs, der Leuchtturm von freedom and democracy, der Garant unserer Wertegemeinschaft, zum Totengräber Europas wird? Plant der Iwan den Angriff auf NATO-Staaten, wie eine Kriegsgurgel ausser Rand und Band in der NZZ befürchtet? Ist #metoo, Gendersternchen, Achtsamkeit, das Vermeiden böser Worte und die Schneeflocken-Empfindsamkeit vorbei – oder macht sie nur Pause?

Wo gibt es Halt in haltlosen Zeiten?

Früher, ja früher gab es auch im deutschen Sprachraum wenigstens eine mediale Welt, die gegen Bezahlung sich bemühte, einzuordnen, zu analysieren, Verständnis zu liefern. Wenn man heute den Begriff «eine Einordnung» liest, weiss man, dass man weiterblättern oder -scrollen kann.

Der Erkenntnisstand des durchschnittlichen Journalisten ist auf Augenhöhe mit einem sich im Internet informierenden Zeitgenossen. Mangelndes Hintergrundwissen, Bildung oder historische Kenntnisse werden durch Meinungsstärke ersetzt. Die aus Unsicherheit keinen Widerspruch duldet, weil die meisten Journalisten dieser intellektuellen Herausforderung mental und nervlich nicht gewachsen sind.

Das alte Lied: wieso gibt es im deutschen Sprachraum keine Organe wie die Financial Times, das Wall Street Journal, den New Yorker, The Atlantic, Mother Jones, selbst The New York Times oder die Washington Post und einige mehr?

Natürlich ist der sprachliche Einzugsraum viel grösser. Aber auch die Manpower. Während in der deutschen Schweiz vielleicht noch 4000 festangestellte Journalisten arbeiten, davon schon mal rund 1000 bei SRF, sieht das in den USA ganz anders aus.

Alleine die NYT beschäftigt immer noch rund 1700 Redakteure. Die WaPo vor der letzten Entlassungswelle rund 800. Ebenso viele sind bei der FT in Lohn und Brot, beim WSJ 900.

Symbolisch für den Unterschied steht der Wirecard-Skandal. Diese Luftnummer wurde von der FT aufgedeckt, gegen den erbitterten Widerstand auch der deutschen Medien, die meckerten, dass das fiese Albion den Teutonen ihre erfolgreiche IT-Bude neide.

Wer sich täglich durch das Elend der Schweizer Medien pflügt, wo sich gedankliche Tiefe oder analytische Schärfe meistens in Millimetern über Grund messen lässt, fragt sich, woher der mündige Bürger eigentlich heutzutage seine Entscheidungsgrundlagen, seine Welterkenntnis beziehen soll.

Der zunehmende Einsatz von KI wird weitere Heerscharen von Gebrauchshandwerkern im Journalismus überflüssig und arbeitslos machen. Gut so. Die Sonntagspresse wird in absehbarer Zukunft verschwinden. Gut so. Print wird immer mehr zu einer Veranstaltung im Altersheim. Eine Mehrheit der Jugendlichen informiert sich nicht mehr in den klassischen Medien, stellt aber immerhin langsam fest, dass die Beschallung in Echokammern zwecks Bestätigung der vorgefassten Meinung nicht wirklich Erkenntnisgewinn bringt.

Wie sieht also die Informationsvermittlung in der Zukunft aus? Fake News, Deep Fakes, alternative Wahrheiten, inhaltsleere Beschallung mit skandalisierten Triggermeldungen?

Nun, Lektüre oder Informationsaufnahme zwecks Erweiterung der Welterkenntnis war schon immer etwas für die happy few. Neu war nur die Illusion, dass nun die breiten Massen auch daran teilhaben. Könnten sie eigentlich, mit überschaubarem zeitlichen und finanziellen Aufwand. Wollen sie aber gar nicht.

 

Wer stoppt Häsler?

Die Überkriegsgurgel hyperventiliert wieder in der NZZ.

 

Der Oberst der Schweizer Armee erscheint auch schon mal im Kämpfer zu Pressekonferenzen. Auf LinkedIn präsentiert sich Georg Häsler so:

Ob er den schwarzen Helikopter fliegt oder Schiss davor hat, von einem solchen entführt zu werden? Andere murmeln «the end ist near» und warnen vor dem bevorstehenden Armageddon. Häsler warnt unermüdlich vor dem Iwan. Und vor der gelben Gefahr. Fordert kriegerische Manneskraft im verweichlichten und schwächlichen Europa.

Sieht er nicht gerade einen Atomkrieg am Horizont, beobachtet er mit zu Sehschlitzen verkniffenen Augen den Fürsten der Finsternis im Kreml. Der ist nämlich kriegslüstern wie nie. Das sähe auch das westliche Verteidigungsbündnis so: «Die Nato geht davon aus, dass ab 2028 die Wahrscheinlichkeit einer direkten Konfrontation mit dem Kreml steigt

Aber Häsler weiss mehr: «Die rhetorische Offensive des Kremls hat sich in den letzten Wochen allerdings verschärft.» Was folgt nach einer rhetorischen Offensive? Bei Häsler nichts, beim Moskauer Potentaten der Einsatz des Militärs.

Und was passiert im Westen? Da lässt man die Fünfte Kolonne Moskaus, die Diversanten hüben und drüben ungeniert ihr defätistisches Werk verrichten und aufrechte Warner wie Häsler ins Eck stellen:

«Wer vor dem Krieg warnt, ist ein «Kriegstreiber». Wer die Ukraine unterstützt, «greift Russland an». Wer die demokratischen Gepflogenheiten schützen will, der «behindert die freie Rede». Diese Formeln der russischen Propaganda in den sozialen Netzwerken spielen stets mit einer Umdeutung der Realität.
Die kognitive Kriegsführung Russlands setzt dort an, wo die europäische Argumentation schwächelt, sie missbraucht das kritische Denken der Bürgerinnen und Bürger der liberalen Demokratien – und benutzt die gesunde Skepsis gegenüber dem Staat als Einfallstor zur Unterwanderung der Institutionen.»

«Kognitive Kriegsführung», das ist Krieg ohne Waffen, Krieg in der Fantasie, Krieg als Alptraum eines hilflosen Warners. Denn sieht denn ausser ihm niemand, was der Iwan, der Russe, der Untermensch aus dem finsteren Osten, in Wirklichkeit tut? Häsler weiss: «Nach einer Phase einlullender Friedensbotschaften aus Moskau folgen nun wieder offene Drohungen gegen Staaten, die sich dem neuen Geist von Machtpolitik und Einflusssphären entgegenstellen.»

Schlimm: «Ein Zielgebiet der russischen …» Raketen, Minenwerfer, Panzer? Nein, bloss «Giftpfeile sind die Niederlande». Finster geschickt, wie der Russe halt ist, droht er nicht etwa mit Angriff, im Gegenteil: ««Konfrontation, Konfliktrausch und unverantwortliche Kriegstreiberei scheinen die Eckpfeiler der niederländischen Politik gegenüber Moskau zu sein», kommentierte die russische Botschaft Anfang Februar in Den Haag auf der Plattform X in passiv aggressivem Ton: «Wir nehmen das so zur Kenntnis.»»

Passiv aggressiv und hinterlistig wird hier das mögliche Opfer zum angeblichen Täter umgebogen: «Einige Länder der EU würden «die Vorbereitungen für einen grossangelegten Konflikt mit Russland faktisch vorantreiben»», behauptet dieser russische Botschafter.

Geradezu poetisch wird Häsler dann bei der Einführung des Oberschurken: «Den Generalbass dieser vielstimmigen Propagandaoffensive hat – wie immer – Präsident Wladimir Putin angelegt: «Wir haben nicht die Absicht, Krieg gegen Europa zu führen, aber wenn Europa dies will und damit beginnt, sind wir ab sofort bereit», sagte er am 2. Dezember in Moskau vor Journalisten.»

Angelegt? Zu seinem grossen Bedauern kann Häsler allerdings noch keine militärischen Kampfhandlungen beklagen oder beschreiben. Aber sein kriegerisches Vokabular lässt er dennoch aufmarschieren: «Seit Anfang Jahr verschärft sich die russische Offensive im sogenannten Informationsraum – dem militärischen Operationsfeld zur Beeinflussung der Öffentlichkeit

«Offensive im Informationsraum … Einschüchterungsversuche … Oreschnik-Überschallrakete … Russland kann auch den Westen Europas treffen … hybride Kriegsführung … Sabotageakte ...». Eigentlich sind wir bereits im Krieg, eigentlich werden wir bereits von Russland angegriffen. Zumindest in der Alptraumwelt von Häsler.

Denn man weiss ja eins: «Je mehr der Kreml mit dieser Methode erreicht, desto dreister wird er sie anwenden.» So schaut’s aus: «Europa muss sich selber wehren – oder gerät unter russischen Einfluss.»

Ukraine, Naher Osten, Pazifik, der Geostratege Häsler sieht überall dräuende Gefahren und schaufelt mit der grossen Schippe in seinem militärischen Sandkasten.

Wie stoppt man nun die Kriegsgurgel im Kreml, fragt sich (und den Leser) die Kriegsgurgel Häsler. Eigentlich wäre es einfach: Europa muss eine ««Abschreckungslücke» verhindern». Lücke, komm heraus und ergib dich, du bist umzingelt. Allerdings: «Doch das funktioniert nur, wenn Europa zusammen steht, gemeinsam erstarkt – und sich nicht spalten lässt: weder vom Trump noch von Putin.»

Oh je. Am Schluss seines 16100 A umfassenden Lamentos (man kann den Gegner vielleicht auch zu Tode quatschen) lediglich dieser fromme Wunsch, der kaum in Erfüllung gehen dürfte. Genauso wenig wie die absurden Kriegsängste des Oberst, der wirklich ernsthaft glaubt, dass Putin so verrückt wäre, einen Atomkrieg zu riskieren.

Vielleicht könnte Häsler statt in den Sandkasten mal einen Ausflug in die Geschichte machen. Russland wurde von Polen-Litauen, Schweden, Napoleon und zweimal von Deutschland überfallen, dazu mischten sich die Westmächte blutig in den Bürgerkrieg nach der Russischen Revolution ein. Russland hingegen hat Westeuropa niemals angegriffen.

Und der Versuch, die im Zweiten Weltkrieg vom Hitlerfaschismus befreiten Länder ins eigene politische System einzugemeinden, scheiterte 1990 kläglich.

Kleine Denksportaufgabe, die selbst ein Oberst bewältigen könnte: welche Eintrittswahrscheinlichkeit ist höher? Dass der Westen Russland überfällt – oder umgekehrt?

 

Wie bestellt

Die UBS hat ein Milliardenproblem. Die NZZ will helfen.

Ganze 17 Milliarden Dollar stehen im Feuer. Denn die UBS konnte die Credit Suisse nur deswegen zum Schnäppchenpreis übernehmen, weil der willfährige Bundesrat mit heisser Nadel und per Notrecht die AT1-Bonds der untergehenden Bank auf null abschreiben liess.

Nicht nur mit ihrem fatalen Satz «this is not a bail-out», was aber eine der Voraussetzungen für den Totalverlust dieser Zwangswandel-Anleihen gewesen wäre, schuf der Bundesrat mit seiner kompetenten diplomierten Dolmetscherin Karin Keller-Sutter ein scheunengrosses Einfallstor für Milliardenklagen sich geprellt fühlender Anleger.

Darunter nicht nur kleine Würstchen wie CS-Angestellte, die solche Bonds als Bonus, als faules Ei ins Körbchen gelegt kriegten und nun laut «Inside Paradeplatz» auf jegliche Forderungen gegenüber der UBS verzichten sollen. Sondern auch multimilliardenschwere institutionelle Anleger, die überall klagen, wo sie einen Rechtsstand haben. Also vornehmlich den USA und in Grossbritannien.

Aber auch in der Schweiz. Nach längerem Brüten kam das Bundesverwaltungsgericht Anfang Oktober 2025 zu einem vernichtenden Urteil. Der Abschreiber sei sowohl vertrags- wie auch rechtswidrig. Das führte bei der UBS zu Schnappatmung, denn die Gefahr besteht, dass diese 17 Milliarden wieder in die Bücher wandern – als Schulden.

Während es im Ausland eher trübe aussieht (die USA lieben bekanntlich Schweizer Banken), bleibt hierzulande nur der Gang vors Bundesgericht. Das nun eher selten Urteile der Kollegen vom Bundesverwaltungsgericht aufhebt. Da braucht die UBS alle Hilfe, die sie kriegen kann.

Zum Beispiel in Gestalt von Luis Agustin Maiorini. Der juristische Jungspund schreibt noch an seiner Dissertation und ist «Mitarbeiter am Institut für Föderalismus der Universität Freiburg». Und neuerdings Gastautor bei der NZZ. Dort vertritt er die klare Meinung: «Dieses Urteil zur Credit Suisse überzeugt nicht». Sagen wir mal: ihn nicht …

Es ist seine erste Wortmeldung im Blatt für die gehobenen Stände und dem Hort der reinen Wirtschaftswissenschaft. Meinungsstark  und eher kenntnisschwach urteilt Maiorini: «Das Urteil ist nämlich in wichtigen Teilen eine hinreichende Begründung schuldig geblieben, und damit bleibt der Ausgang des bundesgerichtlichen Verfahrens keiner realistischen Prognose zugänglich.»

Dann schiesst er sich selber ins Knie, indem er die sorgfältige Begründung des Bundesverwaltungsgerichts zitiert:

«So überprüft das Bundesverwaltungsgericht im zweiten Teil des Urteils die Verfassungsmässigkeit der zugrunde liegenden Norm und verneint diese: Die Norm sei viel zu unbestimmt und genüge den Anforderungen des Legalitätsprinzips nicht. Betrachtet man den Wortlaut der Bestimmung in der Notverordnung isoliert, ist man geneigt, dem Bundesverwaltungsgericht zuzustimmen

Diese Neigung verkehrt sich dann allerdings in ihr Gegenteil. Denn nun  wird’s so sophistisch, dass jeder mittelalterliche Scholastiker seine helle Freude an diesen Pirouetten hätte. Denn: «Eine Norm ist bekanntlich nicht nur nach dem Wortlaut auszulegen. Die Entstehungsgeschichte, die Systematik und der Sinn und Zweck der Norm sind gleichwertig mit einzubeziehen.»

Wieso denn das? «Hier zeigt sich die Schwäche der Argumentation des Bundesverwaltungsgerichts: Eine Norm, die am selben Tag publiziert wird wie ihr Inkrafttreten und deren Gehalt öffentlich und weit über die Landesgrenzen hinaus medial erläutert wurde, darf nicht nur strikt nach dem Wortlaut ausgelegt werden.»

Im Gegenteil. Eine Norm, die per Notrecht nachgeschoben wird, um die wacklige Anordnung an die Finma zu unterfüttern, diese Milliarden auf null abschreiben zu lassen, ist schlichtweg fragwürdig. Wo kämen wir hin, wenn Erlasse nicht strikt nach ihrem Wortlaut ausgelegt würden? Und was für eine Rolle soll dabei die mediale Erläuterung spielen?

Eine neue Norm hiesse zum Beispiel: Es ist ab jetzt verboten, auf den Boden zu spucken. Da könnte man dann auslegen: nun ja, wenn aber einfach etwas aus dem Mund tropft, dann ist es davon nicht betroffen. Damit würde Gesetzgebung zum Jekami.

Bekanntlich wurde vom Bundesrat auch die mit grossem Getöse in Kraft gesetzte TBTF-Regelung gekübelt. Also die «too big to fail»-Bestimmungen nach der Finanzkrise eins, die eine Wiederholung von Staatsrettungen wie bei der UBS verhindern sollten. Schlussfolgerung Maiorini: «Im Urteil werden also spannende Fragestellungen aufgeworfen, aber nicht beantwortet oder nur unvollständig analysiert

Interessanter als dieser Husarenritt durch das Recht ist die Frage, wieso die NZZ auf die Idee kommt, eine solche furiose Kritik am Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zu publizieren. Eine einzelne Kritik? «Professoren sezieren das Verdikt des Bundesverwaltungsgerichts zum Milliardenabschreiber … gibt dem Bundesverwaltungsgericht schlechte Noten», zitiert die alte Tante am 24. Januar eine Urteilsbesprechung. «Das Urteil zu den AT1-Anleihen verunsichert die Anleger», unkte die NZZ Ende Oktober 2025. «Das jüngste Urteil zum Fall CS schränkt den Spielraum des Bundesrats ein», monierte das Blatt nach der Urteilsveröffentlichung. Oder: «Das AT1-Gerichtsurteil zur Credit Suisse wirft viele Fragen auf».

Kritik am Vorgehen des offensichtlich überforderten Bundesrats, Kritik an der ruppigen Art des UBS-VR-Präsidenten Colm Kelleher, der zuerst eine schlappe Milliarde für die CS bot und klarstellte, dass er ohne den Milliardenabschreiber die absaufende Bank nicht übernehmen werde?

Aber nein. Ob die jüngsten, schmerzlichen Abgänge im Wirtschaftsressort der NZZ etwas damit zu tun haben, dass offensichtlich bezüglich der letzten Grossbank der Schweiz der Schongang mit Weichspüler eingelegt wird? Man wird ja wohl fragen dürfen.

Widerworte gegen die Gefühlsdiktatur

Endlich eine brutal-gute Abrechnung mit dem woken Wahnsinn.

Wer jemanden beschuldigt, er habe ihm hundert Franken aus dem Portemonnaie geklaut, der sollte dafür Indizien, Belege, Beweise haben. Sonst muss er diese Verleumdung zurücknehmen, sich eventuell dafür entschuldigen und für den Reputationsschaden Genugtuung leisten.

So war das, als rechtsstaatliche Grundsätze noch den Anspruch auf Allgemeinverbindlichkeit erheben konnten. Vorbei. Die Diktatur des Spürens und Fühlens treibt immer wunderlichere, absonderlichere und bedenklichere Blüten. Da wird ein Konzert abgebrochen, weil Zuhörer sich angeblich unwohl fühlten. Weil es ein Bandmitglied gewagt hatte, Rastas zu tragen. Kulturelle Aneignung, heisst das im Jargon der neuen Weinerlichkeit und ist Anlass für Protest.

Wenn jemand sagt, er habe den Diebstahl aber so empfunden, dann hat er heute noch Schwierigkeiten, damit durchzukommen. Das subjektive Empfinden eines anzüglichen Blicks, einer übergriffigen Bemerkung, einer herabsetzenden Handbewegung – das hingegen reicht im Ernstfall bereits, um eine Karriere zu beenden.

Der Psychotherapeut Holger Richter rechnet in der NZZ in einem fulminanten Essay damit ab. Im Lead ist die Kernaussage knackig zusammengefasst:

«Wir leben in einer Gesellschaft, in der Gefühle zu Rechtsersatz und Regulativ werden. Die Beweislogik verschiebt sich weg von objektivierbaren Kriterien, subjektive Anerkennungsansprüche und Empfindlichkeiten rücken in den Vordergrund – der Rechtsstaat wird ausgehöhlt

Das manifestiert sich an vorderster Front im Versuch, eine Diktatur neuer Begrifflichkeit zu errichten: «Früher beschreibende Wörter wie «Indianer» sind nun moralisch aufgeladen. Wer die Wörter wechselt, verschiebt die Welt – samt Schuldvermutungen, Opferstatus und Erlaubnissen.» Noch haarsträubender ist das letzthin am Begriff Mohr durchexerziert worden. Ein übersensibler Professor konnte in seinem Machwerk dazu das Wort nicht einmal ausschreiben, sondern ersetzte es durch M***. Unerreichter Gipfel der Absurdität in einer angeblich wissenschaftlichen Untersuchung.

Was folgt: «In vielen gegenwärtigen Debatten werden so Gefühle – Kränkung, Bedrohung, Unsicherheit – zu Rechtsersatz und Regulativ. Sie begründen neue Ansprüche, verändern Verfahren und legitimieren Eingriffe in Sprache und in das Verhalten Dritter. Wir höhlen damit den Rechtsstaat aus und etablieren ein paralleles, zweites Recht mit Meldestellen (den neuen Staatsanwaltschaften) und exekutiven Bestrafungsformen (Shitstorms, Canceln, Kündigung von Arbeitsverträgen).»

Daraus ergibt sich ein gefährlicher Versuch der Korrektheitsdiktatur: Moralische Überlegenheitsgefühle und Worte sollen Wirklichkeit schaffen. So wird bestimmt, was als verletzend, gefährlich oder ermächtigend gilt – und wer deshalb welche Rechte beanspruchen kann.

Die Möglichkeit, heutzutage sein Geschlecht amtlich ändern zu lassen, ohne dass dafür weitere Untersuchungen nötig wären, ist eines von vielen Beispielen, wie subjektive Selbstzuschreibung («ich empfinde mich so») ausreichend für einen durchaus signifikanten Rechtsakt wird.

Auf der anderen Seite werden subjektiv empfundene Gefühlsverletzungen (durch Diskriminierung, Herabsetzung, Zynismus, Sexismus, Rassismus) zum objektiven und nicht hinterfragbaren Anlass für die Forderung nach Schutz und Sanktionen.

Oder in den Worten von Richter: «Strafrecht braucht objektive Tatbestandsmerkmale, sonst ist der Willkür Tür und Tor geöffnet. Im Gefühlsrecht jedoch genügt das Empfinden der Betroffenheit, um eine Erosion rechtsstaatlicher Sicherungen zu schaffen, wenn eine Exekutive mitgeht. Eine anonyme Gruppe kann canceln und strafen, ohne sich selbst der Kritik zu stellen. Wer widerspricht, wird zum Teil des Problems deklariert. Eigener Narzissmus und Machtphantasien werden verschleiert

Einen Aspekt führt Richter nicht mit der nötigen Schärfe aus. Eine solche Ideologie pulverisiert nicht nur alle anerkannten Grundsätze des Strafrechts. Sie will schon im Vorfeld von Auseinandersetzungen, um eben verletzte Gefühle zu vermeiden, eine Sprachreinigung durchsetzen, wie sie Deutschnationale und später Nationalsozialisten nicht radikaler wollten.

Dahinter steckt der absurde Trugschluss, dass das Canceln von «bösen» Begriffen die Gesellschaft weniger böse mache. Richter trägt so fulminant vor, dass man ihm auch das Schlusswort erteilen muss:

«Gefühle verdienen Respekt, nicht Herrschaft. Es braucht Mut, Infragestellungen und Widersprüche auszuhalten. Eine souveräne Gesellschaft kann Spottaussagen, Satire und Provokation ertragen; ihr Gegenteil ist das moralisch lächelnde Inquisitionstribunal, eine Borderline-Gesellschaft, die identitätsunsicher und zugehörigkeitsgestört andere beschuldigt. Im Gefühlsrecht geht es um Macht, die, selbst unangreifbar, canceln und bestrafen kann. Wenn wir dem nachgeben, hat die freie Gesellschaft verloren

 

Sonntagszeitungen ade?

Fällt noch eine, ist die Distribution futsch.

Auf Englisch gibt es ein grossartiges, wenn auch etwas rustikales Erfolgsprinzip im Detailhandel: get the shit on the shelves. Hau das Zeugs in die Regale. Denn nur was in der Auslage liegt, kann verkauft werden.

Bei den drei verbleibenden Deutschschweizer Sonntagszeitungen heisst das: hau das Zeugs in die Briefkästen. Früher gab es noch die Zeitungsboxen, alleine der SonntagsBlick unterhielt über 3000. Weg, rentierte sich nicht mehr.

Die gesamte Auflage ist in den letzten 15 Jahren um bis zu 60 Prozent eingebrochen, auf rund 400’000 Exemplare (Print plus E-Paper). Der SoBli verkauft noch knapp 100’000 Exemplare, die NZZaS rund 90’000 und die SoZ um die 80’000.

CH Media eierte eine Zeitlang auch im Sonntagsmarkt herum. Zuerst mit «Der Sonntag», dann ab 2013 mit der «Schweiz am Sonntag», die dann im Februar 2017 eingestellt und durch die «Schweiz am Wochenende» ersetzt wurde. Die erscheint kostengünstiger am Samstag. und ist mit einer Auflage von rund 380’000 der Platzhirsch am Wochenende.

Denn Sonntag ist in erster Linie teurer als Wochentage. Die Redaktion muss am Samstag arbeiten, was vielen verweichlichten Familienvätern kräftig auf den Zeiger geht. Die Druckerei muss Samstagnacht arbeiten, und schliesslich muss in aller Herrgottsfrühe die Verteilung in die Briefkästen und an die Kioske klappen, die sonntags geöffnet haben.

Dabei greift der Staatsbetrieb Post den Verlegern kräftig unter die Arme. Diese Zustellung gehört zur universellen Dienstleistungspflicht oder Grundversorgung. Dabei liegen die verrechneten Preise deutlich unter den tatsächlichen Kosten. Diese Subvention läppert sich auf insgesamt bis zu 100 Millionen Franken im Jahr.

Für die frühmorgendliche Zustellung (wochentags und am Sonntag) ist die Presto-Presse-Vertriebs AG zuständig. Sie ist eine 100-prozentige Tochter der Schweizerischen Post AG und beschäftigt ungefähr 8000 Zusteller. Daneben gibt es noch die Somedia Distribution AG, die sich um die Zustellung von Tages- und Sonntagszeitungen in Graubünden und Teilen der Ostschweiz kümmert. Auch die TX Group (das Mutterhaus von Tamedia) beschäftigt noch ein paar eigene, kleine Zustelldienste.

Im Elendstal der Printdistribution sind die Sonntagsblätter besonders gefährdet. Ihr mögliches Ende würde durch ein Bündel von Faktoren beschleunigt:

– die Auflage sinkt unter eine kritische Schwelle, die keinen Deckungsbeitrag mehr erwirtschaftet
– die Inserate im Print nehmen weiter ab
– Druck- und Papierkosten steigen weiter
– das Frühzustellungsnetz reisst
– die zahlende Leserschaft, die nur noch digital konsumiert, überschreitet die Schwelle von 75 Prozent, während die Print-Abos weiter überaltern
– Die Preissteigerungen erreichen ein Level, bei dem die Zusatzeinnahmen die Abgänge nicht mehr kompensieren

Es kein Naturgesetz, dass wochentags um 6.30 Uhr und sonntags um 7.30 Uhr ein Druckexemplar im Briefkasten des Abonnenten liegt. Nicht allzu selten ist der Inhalt bereits online überholt worden und altert auch durch den Tag relativ schnell.

Gegen eine Einstellung spricht, dass die Sonntagszeitung hohe Reichweitenmultiplikatoren haben und werbliche Pluspunkte (Lesezeit, Freizeit, ergänzende Hochglanzbeilagen) sammeln.

Sollte allerdings eine der drei verbleibenden Deutschschweizer Sonntagsblätter auch noch das Handtuch werfen (am ehesten wohl die «SonntagsZeitung», gell Herr Supino?), dürfte die Distributionsinfrastruktur in Frage gestellt werden.

Daher ist zu vermuten, dass sich Ringier, Tamedia und NZZ belauern, ob einer der Drei plant, den Sonntag im Print aufzugeben. Nachdem Tamedia bereits bei «20 Minuten» diesen Schritt vollzogen hat, würde ZACKBUM Wetten in nicht unbegrenzter Höhe halten, dass sich dieses Jahr hier was bewegen wird.

Dafür spricht auch, dass bereits die Integration der früher unabhängigen Sonntagszeitungsredaktionen in die Stammredaktion weitgehend stattgefunden hat. Vorbei die lustigen Zeiten, als eine Sonntagszeitung einen raushaute, worauf ihr vom eigenen Verlag am Montag selbst eine reingehauen wurde.

Totalversagen

Wenn die Journalisten-Schneeflocken schweigen.

Bei kleinster Kritik durch ZACKBUM reagieren sie mit verkniffenem Schweigen – oder gar mit rechtlichen Schritten. Sie sind beleidigt, verleumdet, in ihrer Persönlichkeit verletzt.

Dazu demnächst mehr.

Wird ihnen der Zugang zu Informationen verweigert oder wird ihnen mit Klagen gedroht, krähen sie schnell Zensur, Angriff auf die Medienfreiheit.

Aber trifft es den ihrer Meinung nach Richtigen, dann verstummen sie, als hätten sie kollektiv ein Schweigegelöbnis abgelegt.

Da gibt es den Fall des Mohrenkopf-Professors Carlos Schär. Der fühlte sich von ZACKBUM-Redaktor René Zeyer hier und in der «Weltwoche» furchtbar beleidigt. Und strengte Klagen an. Die endeten mit krachenden Niederlagen.

Allerdings war das mit Anwaltskosten für die «Weltwoche» und für ZACKBUM verbunden. Auch dazu hier bald mehr.

Der wahre Skandal besteht aber darin, dass der beleidigte Professor, statt über seine wissenschaftliche Inkompetenz nachzudenken, per Anwältin fordern liess, dass nicht nur alle Artikel gesamthaft gelöscht werden sollten, sondern dass es dem hier Schreibenden zu verbieten sei, über diese Klage gegen ihn zu berichten.

In Form einer Superprovisorischen gekleidet, wurde damit eine Reaktion der Berner Richterin verlangt, ohne dass die Betroffenen Gelegenheit gehabt hätten, dazu Stellung zu nehmen. Und das Unglaubliche passierte: Dem Maulkorb der Extraklasse, unter Androhung einer Busse von 10’000 Franken sollte darüber etwas an die Öffentlichkeit dringen, wurde stattgegeben.

Mittels Verfügung vom 30. September letzten Jahres wurde Zeyer und der «Weltwoche» verboten, über diese Klage auch nur ein Wörtchen zu verlieren. Darüber berichtete alleine auf weiter Flur «Inside Paradeplatz».

Neben der Qualifikation eines Professors, der das Objekt seiner wissenschaftlichen Untersuchung nur als M*** bezeichnen mag, kam hier ein in der jüngeren Schweizer Mediengeschichte einmaliger Skandal zum Vorschein.

Nach energischer Intervention der Betroffenen kam das Regionalgericht Bern Mittelland erst am 25. November 2025 zur Einsicht, dass dieses Gesuch, nachdem die Superprovisorische zwei Monate zuvor angenommen worden war, abzuweisen sei.

Alle weiteren Behauptungen und Forderungen Schärs, dass hier eine Rufmordkampagne gegen ihn geführt werde, die auch sein berufliches Weiterkommen gefährde, weswegen auch nicht über seine Klage berichtet werden dürfe, sowie alle diese Artikel samt Kommentaren integral zu löschen seien, wurden aus dem Recht gewiesen.

Ebenfalls seine Forderung, dass WeWo und Zeyer zu verpflichten seien, «keine neuen Artikel über den Gesuchsteller (Schär, Red.) zu publizieren». Also sozusagen ein präventiver, in die Zukunft gerichteter Maulkorb.

Damit hat dieses trübe Kapitel der Mohrenforschung hoffentlich sein Ende gefunden.

Was bleibt: das Schweigen der Belämmerten. Das Schweigen der übrigen Journaille. Ein Maulkorb, dass ein Journalist nicht über einen Prozess gegen ihn selbst berichten darf? Ein unglaublicher Skandal. Der keiner wurde. Weil die versammelten Sensibelchen unisono fanden: ist vielleicht nicht gut, aber recht geschieht’s der Schweinebacke Zeyer.

Weil ZACKBUM das nicht glauben konnte, wandten wir uns schriftlich an die Chefredaktoren der wichtigsten Schweizer Massenmedien. Fragten CH Media, Tamedia, Ringier und NZZ, was sie von diesem Maulkorb hielten. Reaktion: keine Reaktion. Nichts, null, nada.

Die NZZ, die mit einem kritischen Artikel von Rico Bandle vorgelegt hatte, zog sogar den Schwanz ein und veröffentlichte eine absurde Gegendarstellung des Professors, sogar ohne Redaktionsschwanz, dass sie an ihrer Darstellung festhalte. Offenbar aus Angst vor juristischen Kosten. Während das kleine ZACKBUM mutig in die Schlacht zog.

Wir wandten uns auch an die (wenigen) verbliebenen Sympathisanten in der Medienszene. Die berichteten zerknirscht, dass sie das thematisieren wollten, weil es natürlich ein Anschlag auf die Medienfreiheit und eine Bedrohung für alle Journalisten sei. Sie wurden aber in den Themenkonferenzen abgeklatscht, das sei nun wirklich kein Thema.

Damit schlägt die Journaille einen weiteren Sargnagel für ihr bevorstehendes Begräbnis ein. Geheimjustiz gegen einen Journalisten, das müsste unabhängig von seinen Sympathiewerten zu einem Aufschrei führen. Neben einer kurzen Erwähnung im «Schweizer Journalist» gab’s nicht mal ein Winseln.

Das ist erbärmlich. Oder sagten wir das schon.

32 Seiten Aufgeblasenes

Das serviert die tägliche NZZ ihren Lesern.

Zunächst einmal ist es ein teures Vergnügen. Wer das Intelligenzblatt am Kiosk erwirbt, blättert dafür Fr. 5.90 auf die Theke. Das sind  immerhin knapp 20 Rappen pro Seite.

Die Front beweist wieder einmal, dass die Zeiten, als die NZZ keine Fotos verwendete, sicherlich nicht auf der ersten Seite und ganz sicher nicht in Farbe, bessere Zeiten waren:

Ein flächendeckendes Foto eines Demonstranten, der höchstwahrscheinlich von einem Gummigeschoss getroffen wurde. Aussagekraft, Informationsgehalt nahe null.

Daneben das typische Problem des Prints heutzutage. «Nach der Rekordjagd rutschen die Preise von Gold und Silber». Das war, als dieser Titel von den Druckmaschinen vervielfältigt wurde, der Fall. Als er dann am nächsten Morgen die Leser erreichte, war es schon nicht mehr so.

Als Kompetenzzentrum für Wirtschaftsfragen hätte die NZZ vielleicht etwas vorsichtiger titeln sollen. Aber eben, das mit der Kompetenz ist auch dort inzwischen so eine Sache. Und dann noch der nächste Schub Epstein-Unterlagen, den bereits die NZZaS abfeierte – wieso nicht nochmal, weil’s immer so schön ist.

Dann gerät die NZZ geradezu in einen Epstein-Rausch. Die ganze Seite zwei ist gefüllt mit People-News aus dem gebeutelten norwegischen Königshaus und stolpernden Politikern.

Die nächste Seite ist auch nicht gerade ein Höhepunkt der eigenen Rechercheleistung.

Wie inzwischen leider auch bei der NZZ üblich: ein Riesenfoto, das um Dreiviertel geschrumpft nicht an Aussage verlöre. Umgeben von einem Text, der schlichtweg dem «Wall Street Journal» abgeschrieben ist. Die Quelle wird immerhin angegeben, aber die Eigenleistung ist überschaubar.

Wer gerne knackige Quotes abholen will, interviewt den Historiker Jörg Baberowski, der sich mit Sloterdijk die Pole-Position im bedeutungsschwangeren Wortsoufflé-Aufblasen teilt. Natürlich lässt sich neben zwei Riesenfotos daraus ein knackiger Titel gewinnen: «Trump sagt die Wahrheit während er lügt». Aus dieser Geistreichelei kann man leicht die Luft rauslassen, indem man sie einfach umdreht. Trump lügt, während er die Wahrheit sagt. Oder Trump lügt die Wahrheit. Oder die Lüge ist Trumps Wahrheit. Kommt alles als dialektischer Widerspruch daher, ist aber bloss heisse Luft.

Neben den grossen Luftblasen hat die NZZ auch ein Auge fürs Kleine:

Man liebt die NZZ dafür, dass sie auch mal einer Reportage aus Mikronesien eine Seite einräumt. Aber einem solchen Lokalfurz-Ereignis «In einer kleinen Kirche in Rom sieht ein Fresko der Regierungschefin überraschend ähnlich»? Dazu passt die alte Weisheit: und in China ist ein Sack Reis umgefallen.

Man muss auch loben können. Seit vielen Jahren sorgt Gerichtsreporter Tom Felber für kleine Glanzlichter im trüben Meldungsbrei. Unermüdlich und immer die Aufgabe bravourös bewältigend, einen komplizierten Ablauf mit Rede, Widerrede und Urteil für den Leser nachvollziehbar aufzubereiten.

«Panorama» ist eigentlich die Schmuddelecke der NZZ. Aber an diesem Tag war offenbar überhaupt nichts los auf diesem Gebiet. Also überreich bebildert der Bericht über einen Atomtest im Jahre 1951. Warum? Darum. Weil das ziemlich genau 75 Jahre her ist. Sonst ist kein Grund dafür erkennbar.

Ausser vielleicht: sonst wäre es ein weisses Blatt Papier geworden. Was aber auch nicht viel schlechter gewesen wäre.

Dann kommt der Meinungsteil. Er beginnt mit der NZZ-Lieblingsmeinung. Einerseits, andererseits, aber dann doch nicht so sehr, nicht extrem, sondern mit Augenmass. Hier abgehandelt an der SRG-Initiative:

In der Wirtschaft kommt eine Seite, deren Bild/Text-Verhältnis sich nichteinmal Tamedia traut, und das will etwas heissen:

Dreiviertel der Seite nehmen ein unerträglich aufgeblasenes Foto, ein Zitat-Titel und viel Weissraum ein. Links als Feigenblatt ein einspaltiger Text.

Dieser «sag mir was Neues»-Artikel ist ebenfalls üppig mit einem Symbolbild versehen. Hätte man es eingespart, wäre kein Mü Informationsgehalt verloren gegangen.

Nichts Nennenswertes aus dem Feuilleton, und schon sind Fr. 5.90 verschwunden, ohne erinnerliche Spuren hinterlassen zu haben. Wie pflegt da das Blatt für die gebildeten Stände zu sagen: quo vadis, NZZ.

 

Bä- Bä- lästigung

Männer sind Schweine. Aber das wussten wir doch schon.

Bereits 2021 wusste Kampffeminist David Sarasin: «In Zürich werden neun von zehn jungen Frauen belästigt». Er zitierte dazu aus einer Gaga-Studie. Wahrscheinlich aus der gleichen Firma, die auch schon behauptete, dass jede zweite Frau bereits unverlangt ein Dick Pic zugeschickt bekommen habe.

Üble Schmiere jeder Art ist Sarasins Spezialität.

So konnte das auf jeden Fall nicht weitergehen. Also wurde für teures Steuerzahlergeld das Tool «Zürich schaut hin» (nicht zu verwechseln mit glotzen, bitte) entwickelt.

Ein «Traum für Trolle», meinte die NZZ völlig richtig. Die anonyme Denunziationsplattform ist für Analphabeten geeignet. Mittels Piktogrammen kann man den zutreffenden Übergriff melden:

Dann kommt die nächste Qual der Wahl:

Und weiter:

Also zum Beispiel: ich, anonym, wurde angestarrt. Durch eine Einzelperson, höchstwahrscheinlich non-binär, wobei mir der/die/das Täter*in unbekannt war. Die Belästigung zielte meiner Meinung nach auf «Anderes», bzw. «weiss nicht» ab.

Dadaismus, wie er leibt und lebt. Hätte Raoul Hausmann ungemein gefallen.

Seit 2021 wurden hier doch tatsächlich 2593 «Übergriffe» gemeldet.

Nun vermeldet Nina Fargahi auf Tamedia: «Die Stadt Zürich führt ihr anonymes Meldetool gegen Sexismus trotz Kritik weiter fort.»

Im Einzelnen wurden solche Schweinereien denunziert: «Bei 29 Prozent der Meldungen handelt es sich um Belästigung mit Worten, bei 15 Prozent geht es ums Anstarren

Männer (das gilt auch für Frauen, Non-Binäre and everybody beyond), hört endlich mal auf zu glotzen. Oder blöde Sprüche zu machen wie «glaubst Du an Liebe auf den ersten Blick oder muss ich nochmal vorbeikommen?». Seit Existenz des Tools werden doch tatsächlich täglich 1,5 solcher Vorfälle gemeldet.

Dagegen muss natürlich die Stadt Zürich energisch einschreiten. Aber, oh Schreck:

«Eine repräsentative Befragung der Universität Bern zeigte letztes Jahr, wie verbreitet Belästigungen und übergriffiges Verhalten in der Stadtverwaltung sind: Von rund 10’000 teilnehmenden Mitarbeiterinnen berichteten etwa 1500 von diskriminierenden Erfahrungen, besonders im Zusammenhang mit Menstruationsbeschwerden. Viele Frauen gaben an, sexistische Sprüche gehört zu haben; auch Vorgesetzte hätten abfällige Kommentare gemacht. 41 Prozent der Befragten empfanden das Arbeitsklima als «nicht offen»».

Aber auch der öffentliche Raum  ist sexistisch geschwängert. Pardon, aufgeladen. So verliest Stadtpräsidentin Corine Mauch einige schreckliche Beispiele, die hier gemeldet wurden. Wir greifen nur eines heraus, mehr verträgt der sensible ZACKBUM-Leser nicht: «Ein Mann macht Kussgeräusche gegenüber einer Frau auf der Strasse

Hoffentlich erreichte die Frau noch rechtzeitig einen Safe Room, sicherlich übernimmt die Krankenkasse die Kosten der nötigen psychologischen Betreuung.

Unbestritten, dass es sexuelle Belästigung in jeder Form gibt.

Aber auf die Gefahr hin, wieder mal als sexistischer Denunziationsspassverderber dargestellt zu werden: ein Mann, der auf der Strasse einer ihm unbekannten Frau Kussgeräusche macht, hat nicht mehr alle Latten am Zaun und ist zu bedauern. Eine Frau, die das anonym und folgenlos auf dieser Gaga-Plattform meldet, hat einen Sprung in der Schüssel und ist zu bedauern.

 

Immerhin

Ein kleiner Lichtschimmer: die NZZ über den Skandal Baud.

Gut, die alte Tante nennt es vornehmer «Affäre Jacques Baud». In trockenen Worten: «Vor einem Monat hat die EU den in Brüssel wohnhaften Schweizer Jacques Baud auf ihre Russland-Sanktionsliste gesetzt

Nach langer Bedenkzeit habe nun das EDA «von der EU «das Recht auf ein faires Verfahren verlangt und auf die Achtung der Meinungsäusserungsfreiheit hingewiesen»».

Wow.

Anschliessend zählen aber die Autoren Katharina Fontana und Antonio Fumagalli Stück für Stück auf, was hier alles nichts mit einem fairen Verfahren oder der Meinungsäusserungsfreiheit zu hat. Das ist zunächst: «Was genau dem ehemaligen Oberst der Schweizer Armee und Buchautor zur Last gelegt wird, ist nebulös

Denn welche «Erkenntnisse» die EU in einem Dossier zusammengestellt haben will, ist geheim. Datenschutz.

Es wird noch schlimmer: Baud werden keine strafbaren Handlungen vorgeworfen, für ihn gilt die Unschuldsvermutung nicht, er hatte kein Recht auf Anhörung.

Ein Anwalt, der wohl aus Schiss nicht namentlich genannt werden will, geht noch ein paar Schritte weiter:

«Aus rechtsstaatlicher Sicht seien die Sanktionsregime mit ihren sehr weitgehenden Konsequenzen fragwürdig. Die Personen stünden aus politischen Erwägungen auf der Sanktionsliste, nicht weil ihnen strafbare Handlungen vorgeworfen würden. Durch die Sanktionen würden sie aber bestraft, nicht von einem Gericht, sondern von einer Exekutivbehörde.

Der Rechtsschutz, der Sanktionierten gewährt wird, ist sehr rudimentär. Er reicht deutlich weniger weit als in einem Strafverfahren, bei dem es um kriminelle Handlungen geht. Salopp gesagt ist jeder Kriminelle besser geschützt als ein Sanktionierter. Der Anwalt weist darauf hin, dass gemäss der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) keine Verurteilung für Handlungen erfolgen darf, die nicht strafbar sind. Das Verbreiten einer Verschwörungstheorie sei nicht strafbar. Zudem brauche es gemäss der EMRK ein faires Verfahren.»

Die Konsequenzen einer solchen Sanktionierung sind einschneidend. Alle Konten und Kreditkarten gesperrt. Keine Zahlungen oder Überweisungen bspw. aus Bargeldbeständen mehr möglich. Niemand darf in Geschäftsbeziehungen mit dem Sanktionierten treten, ihn gar in irgend einer Form unterstützen.

Seine Möglichkeiten, sich dagegen wehren und ein sogenanntes Delisting zu erreichen, also von er Sanktionsliste gestrichen zu werden, sind rudimentär. Abgesehen davon, dass er dafür einen Anwalt braucht und der auch nicht gratis ist.

Es wird noch absurder. In der Schweiz ist Baud nicht sanktioniert, also könnte er theoretisch hier Finanztransaktionen durchführen. Praktisch nicht, weil alle Schweizer Banken, ohne das zu müssen, aus reiner Feigheit jede Geschäftsbeziehung mit diesen sanktionierten Personen einstellen, für sie keinerlei Bankgeschäfte durchführen.

Bitteres Fazit der beiden Autoren: «Der Fall von Jacques Baud ist besonders für Journalisten und Publizisten relevant, denn er wirft die Frage auf, wo die Grenzen der Meinungs- und Pressefreiheit verlaufen und was auf Personen zukommt, die sich nicht an ein bestimmtes Narrativ halten. Was nach EU-Massstäben unter «Propaganda» fällt, lässt sich nicht eindeutig bestimmen, und das dürfte beabsichtigt sein.»

Es ist geradezu absurd, dass hier die NZZ das Organ der linksguten Denkungsart WoZ ganz klar links überholt. Denn dort haben zwei Orientierungslose diese Sanktion doch tatsächlich gerechtfertigt.

Nicht zuletzt mit dem an Zynismus schwer zu überbietenden Argument, dass Baud ja keinen Maulkorb bekommen habe. Essen und trinken darf er nicht, aber frei sprechen.

Früher hatte die WoZ eine Kolumne «Die Welt spinnt». Heute muss es heissen: die WoZ spinnt. Und die NZZ schreibt an ihrer Stelle das Nötige und Richtige. Wahrlich verkehrte Welt.