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Das Ausnahmegenie Georg Büchner

Er hätte eine bessere Würdigung verdient.

Ueli Bernays hat schon einiges auf dem Kerbholz. Man liess ihm den unverschämten Titel «Der Künstler als Täter» in der NZZ durchgehen, als Anschuldigungen gegen den Rammstein-Sänger erhoben wurden. Unschuldsvermutung, die hier auch besonders Sinn gemacht hätte, weil sich später alle Denunziationen in Luft auflösten? Nicht mit Bernays. Eine nachträgliche Entschuldigung, Erklärung auf Anfrage? Nicht mit Bernays.

Fast genauso schlimm, wenn sich der Träger eines berühmten Namens an Bertolt Brechts «Leben des Galilei» vergreift. Und dabei seinen Kunstbegriff enthüllt, der an Banalität schwer zu überbieten ist: «Kunst bleibt Kunst, solange sie sich auf Andeutung beschränkt und sich gegen die Banalität des Realen abgrenzt.»

Vielleicht muss man Bernays Stück über Georg Büchner genau so lesen. Er eröffnet damit eine NZZ-Feuilletonreihe über Exil-Geschichten von Künstlern, die in die Schweiz geflohen sind. Eigentlich eine gute Idee, auch wenn man die Absicht – Ukraine-Flüchtlinge – spürt und leicht verstimmt ist. Aber das ist von Goethe, und der suchte in der Schweiz kein Asyl, weil er als Fürstenknecht, Pardon, Fürstendichter keine Verfolgung zu befürchten hatte.

Hier aber Büchner, das wohl grösste Genie der deutschen Literatur, des Theaters, der politischen Kampfschrift. Es ist eine unfassbare Tragödie, dass der Mensch bereits mit 23 Jahren in Zürich starb. Man kann mit Fug und Recht vermuten, dass er die wohl grösste Kathedrale deutscher Literatur hinterlassen hätte, wäre ihm nur etwas mehr Zeit auf Erden vergönnt gewesen.

Aber auch so hat Büchner eigentlich alle Felder bespielt. «Dantons Tod», eine aus ihrer Zeit bis heute hineinragende Abrechnung mit einer fanatisch werdenden Revolution. Erst von Hilary Mantels «Brüder» wieder erreicht, aber die brauchte über 1000 Seiten dafür. «Lenz», eine kongeniale Kurzgeschichte über den deutschen Dichter, der sich in den Wahnsinn flüchtete. «Woyzeck», ein dermassen abgründiges Fragment, dass man schon die Sprachgewalt von Heiner Müller braucht, um ihm einigermassen gerecht zu werden: «Ein vielmal vom Theater geschundener Text, der einem Dreiundzwanzigjährigen passiert ist, dem die Parzen bei der Geburt die Augenlider weggeschnitten haben, vom Fieber zersprengt bis in die Orthografie, eine Struktur, wie sie beim Bleigießen entstehen mag, wenn die Hand mit dem Löffel vor dem Blick in die Zukunft zittert, blockiert als schlafloser Engel den Eingang zum Paradies, in dem die Unschuld des Stückeschreibers zu Hause war.»

Aber Büchner konnte auch die vermeintlich leichte Muse, wie er mit dem bitterbösen Lustspiel «Leonce und Lena» bewies. Und dann sein «Hessischer Landbote», ein Vorläufer des Kommunistischen Manifests von Marx und Engels, mit dem ikonischen Einleitungssatz «Krieg den Palästen, Friede den Hütten». Das war Agitation pur, Aufforderung zum Aufruhr, in einer volksgerechten Sprache und mit einer geradezu biblischen Wucht. Verdienstvoll von Hans Magnus Enzensberger 1974 um Texte, Briefe, Prozessakten und einen klugen Kommentar erweitert, nochmals herausgegeben.

So gäbe es so vieles über die riesigen Grundsteine einer unvollendeten Kathedrale zu sagen, bei denen jeder einzelne Text das meiste, wenn nicht alles verzwergen lässt, was heutzutage als angebliche Literatur daherkommen will. Eigentlich müsste man Literatendarstellern wie Bärfuss oder Kim raten, mal einen Blick in das schmale Werk von Büchner zu werfen – um dann endlich zu verstummen.

Das möchte man auch Barneys anraten, der auch den emblematischen Kampfruf zitiert, um dann schlapp fortzufahren: «Dann ziehen die Autoren wortreich über die deutsche Aristokratie her.» Das ist dem Pamphlet etwa so angemessen, wie wenn einer in der Hölle sagen würde: etwas warm hier.

Statt zu versuchen, diese Berge wenigstens von unten ehrfürchtig zu bestaunen, verliert sich Bernays in Nebensächlichkeiten: «Der Rebell ist unterdessen zum skeptischen Realisten gereift. Die Angst vor Verfolgung hat seine Lust auf politische Agitation gedämpft.» Kein Wunder, wenn ein Mitbeteiligter am «Hessischen Landboten» in den Kerker geworfen wird, dort jahrelang gequält, um schliesslich unter ungeklärten Umständen zu sterben.

Lange Absätze verschwendet Bernays auch auf Loblieder auf das damals in Zürich regierende liberale Bürgertum, in dessen Tradition sich die NZZ selbstverständlich sieht. Es ist leider nicht überliefert, was die NZZ damals zu Büchner und seinem Landboten gesagt hätte; das erste Mal findet er 1875 Erwähnung, als die alte Tante berichtet, dass deutsche Studenten Georg Büchner «unter der deutschen Linde auf dem Zürichberg einen Denkstein zu errichten» beabsichtigen.

Aber immerhin, viel, viel später würdigt die NZZ den «Hessischen Landboten», so schreibt sie im Oktober 1913: «Trotzdem liess sich Büchner durch gewisse Tendenzen fesseln und in das Treiben mit einer Leidenschaft hineinziehen, die ihm nach Eduard Engels Prophezeiung bei längerem Leben die Rolle eines Vollführers von 1848 und damit das Ende eines Robert Blum, vor den Gewehrläufen der Soldaten eines Kriegsgerichtes, hätte eintragen müssen.»

Immerhin. Dagegen ist die gesamte «Würdigung» durch Bernays ein Schluck Wasser, rund 110 Jahre später. Aber vielleicht verhält es sich bei Büchners Kampfschriften wie mit Eugène Delacroix Monumentalgemälde «Die Freiheit führt das Volk an» von 1830. Bevor es zum kitschigen Zitat verkam, wurde es über 30 Jahre lang im Depot verstaut, so sehr fürchtete man seine revolutionäre Sprengkraft.

Und auch heute noch, richtig inszeniert oder gelesen, atmen Büchners Werke den revolutionären Geist des Aufruhrs und des Umsturzes, denunzieren sie die herrschenden Verhältnisse und die an ihnen schuldigen Herrschenden, rufen zu Unrast, Aufruhr und Umsturz auf.

Ausser, sie werden von einem Schmock wie Bernays nochmals zu Grabe getragen.

Renegaten sind die Schlimmsten

Reinhard Mohr versäubert sich öffentlich von seiner Vergangenheit.

Die NZZ bietet immer gerne Hand, wenn mal wieder jemand bereut. Abbitte leistet, sich mit Schaudern von allem Linken, Revolutionären, Aufrührerischen abwendet. Und den Weg zurück in den Schoss der Indolenz der Akzeptanz der herrschenden Verhältnisse findet.

Schon wieder einer, der wohl frei nach Hegel lebt: «Das Gute ist überhaupt das Wesen des Willens in seiner Substantialität und Allgemeinheit.» Einer, der sich lieber nicht mehr an Brecht erinnern will: «Auch der Hass gegen die Niedrigkeit verzerrt die Züge

Reinhard Mohr ist einer, der in seinem anderen Leben beim linksradikalen AStA (Allgemeiner Studentenausschuss, nicht aus Zufall in Anklang an den Wohlfahrtsausschuss der Französischen Revolution benannt) aktiv war, für die linksradikale Sponti-Postille «Pflasterstrand» schrieb, dann für die Berliner taz. Dann wanderte er über die FAZ zum «Spiegel» und landete schliesslich bei «Cicero».

Das ist nicht verboten, nur bleibt die Frage, wieso sich Mohr von seiner Vergangenheit öffentlich distanzieren muss; das Zuschauen bei versteckten Selbstgeisselungen, wenn der Autor im Büsserhemd auftritt, ist nicht schön. Jemand, der die eigentlichen Motive für seinen Parforceritt gegen alles Linke zudem verschleiert, ist kein schöner Anblick.

Er beginnt mit der eigentlich interessanten Frage, wieso linke und alternative Studenten sich mit den fundamentalistischen Wahnsinnigen der Hamas gemein machen, deren Ziele gegen alles stehen, was aufgeklärte, feministische, kritische, der Meinungsfreiheit zugeneigte Menschen wünschen und wollen.

Aber das dient Mohr nur als Sprungbrett für einen wilden Ritt durch die Wellen der Geschichte. Natürlich fängt er mit Arthur Koestler an, dessen «Sonnenfinsternis» vielen Renegaten als Leuchtturm dient. Die Erwiderung von Maurice Merleau-Ponty «Humanismus und Terror» haben sie hingegen nicht gelesen – oder längst verdrängt.

Dann räumt Mohr mit allen Ikonen der Linken auf:

«Lenin, Stalin, Mao Zedong, Fidel Castro, Che Guevara, Ho Chi Minh, Kim Il Sung, Enver Hodscha, Pol Pot, Yasir Arafat, Muammar al-Ghadhafi, Daniel Ortega – die Liste ist unvollständig, aber beeindruckend, zeigt sie doch, wie gross das unstillbare Bedürfnis nach Identifikation, Bewunderung und freiwilliger Unterwerfung war, wenn es nur um die Rettung der Menschheit ging, um die Erfüllung eines Traums.»

Es ist anzunehmen, dass auch Mohr in seinen besseren Tagen ein Che-Poster an der Wand hatte und «Ho, Ho, Ho Chi Minh» skandierte. Diese Verteufelung ehemals Angebetetem zeugt eigentlich nur davon, dass Mohr damals das Wirken dieser Revolutionäre nicht ganz verstanden hat. Was es ihm umso leichter macht, sich heute mit Grausen von ihnen abzuwenden. Ihm entgeht dabei, dass er damit nur die unkritische Bewunderung spiegelt, die er in seinem Aufsatz nicht müde wird, mit Abscheu zu kritisieren.

Mohr ist kein Freund von Lion Feuchtwanger, der in «Moskau 1937, ein Reisebericht für meine Freunde» seine Eindrücke von Stalins Sowjetunion festhielt. Wer sich mit der Arroganz des Nachgeborenen darüber hermacht, verkennt völlig die damaligen Zeitumstände. Verkennt, für wen oder für welches System sich jeder denkende Mensch entscheiden musste, wenn die Alternative Hitler gewesen wäre. Wer Lenin verurteilt, verkennt die Zustände im zaristischen Russland, die zur ersten kommunistischen Revolution führten. Wer Fidel Castro deklamatorisch niedermacht, hat keine Ahnung von dessen Lebenswerk.

Wer Feuchtwanger, diesen Giganten der antifaschistischen deutschen Literatur, auf dieses Reisetagebuch reduziert, ist ein Schmock.

Dass Mohr den unerträglichen Wendehals Wolf Biermann vorführt, der auf die geklaute Melodie von Carlos Puebla mit schrummelnder Gitarre seine Hymne auf Che Guevara anstimmte («Jesus Christus mit der Knarre / So führt Dein Bild uns zur Attacke»), ist geradezu aberwitzig, weil er sich damit von einer Selbstgeisselung salvieren will.

Aber Mohr verwendet all das nur als Staffage, als Kulissenschieberei, um gegen Schluss zu seinem eigentlichen Ansinnen zurückzukehren: «Die revolutionäre Ahnengalerie sinkt qualitativ und ist nun beim bärtigen Militärchef der Hamas, Yahya Sinwar, angekommen.» Was für ein Bullshit, kann man da nur auf Englisch sagen.

Aber wenn Mohr nicht in der Vergangenheit weilen kann und kein Klischee der Kritik an revolutionären Galionsfiguren auslässt, wird er recht flach und primitiv, wenn er in die Gegenwart zurückkehrt: «So steht nicht zufällig Israel am Pranger – und eben nicht Kuba, Nicaragua, Venezuela, Somalia, der Sudan, Syrien und das Afghanistan der Taliban, nicht einmal Nordkorea und China. Nein, Israel, die einzige Demokratie in der arabischen Welt, wird auf den Index gesetzt – Ersatzhandlung einer moralisch und politisch verkommenen Linken, die auf ihrer Suche nach dem revolutionären Subjekt nun in Gaza angekommen ist, im islamistischen Reich der Hamas.»

Pauschalieren, über einen Leisten schlagen, selbstvergessen nimmt Mohr Abschied von allem, was einen differenziert denkenden Intellektuellen ausmachen sollte. So schwarzweiss die Welt früher für ihn war, so schwarzweiss ist sie heute. Nur haben Schwarz und Weiss die Plätze gewechselt, ein Phänomen, das schon George Orwell mit Abscheu beschrieben hat.

Natürlich ist auch für Mohr jede Kritik an Israel antisemitisch, das Totschlagargument der Armen im Geiste. Und natürlich endet Mohr mit Robbespierre, dem ersten bürgerlichen Revolutionär. Auch Mohr kann man nur die Lektüre von «Gefangen im Panoptikum» von Philipp Blom empfehlen. Aber hätte er das gelesen, hätte er diesen in der NZZ als Werbung für Mohrs neustes Buch abgedruckten Text gewogen und selbst für zu leicht befunden.

Nützliche Idioten nannte Lenin Unterstützer seiner Sache, die sich dessen gar nicht bewusst waren. Mohr kann das noch steigern, er ist nicht mal das.

ZACKBUM meinte bislang, nur Lukas Bärfuss selbst sei in der Lage, die höchste Stufe von drei Bärfüssen zu erreichen. Was geht uns unser dummes Geschwätz von gestern an, Mohr kann’s auch. Bravo.

 

Wumms: Peter Rásonyi

Der NZZ-Auslandchef als Besserwisser.

Der Internationale Strafgerichtshof in den Haag hat einen schweren Fehler gemacht. Er hat sich den Unwillen von Rásonyi zugezogen. Denn der richtet höchstamtlich: «Die Haftbefehle gegen israelische Regierungsmitglieder sind überheblich. Der Internationale Strafgerichtshof ignoriert die politischen Realitäten

Das ist zwar nicht justiziabel, aber nur deswegen, weil Dummheit nicht strafbar ist.

Die tropft aus ziemlich jeder Zeile dieses Kommentars, beim Titel angefangen: «Der ICC greift auf kontraproduktive Weise in den Nahostkonflikt ein». Wie äussert sich die? Die Juristen am Strafgerichtshof «pochen auf ihre institutionelle Unabhängigkeit, ihr juristisches Mandat und die Allgemeingültigkeit des internationalen Rechts. Das ist ein Fehler».

Diesen Satz muss man wirklich abschmecken. Die Juristen eines internationalen Strafgerichtshofs bestehen darauf, unabhängig zu sein? Ja hoffentlich, was denn sonst? Sie haben ein juristisches Mandat? Ja hoffentlich, was denn sonst? Und sie bestehen auf der Allgemeingültigkeit des internationalen Rechts? Ja hoffentlich, was denn sonst?

Das sei «ein Fehler»? Nein, der Fehler ist, dass so jemand Auslandchef bei der NZZ ist. Seine Schlussfolgerung besteht dann aus juristischen Gründen nicht Qualifizierbarem: «Die Leidtragenden werden die Menschen in Gaza sein, welche das Gericht eigentlich schützen will. Unsinniger kann sich eine internationale Organisation kaum verhalten.»

Die wirklich Leidtragenden sind die Leser der NZZ, die einmal mehr zur Kenntnis nehmen müssen, dass neben geistig Hochstehendem auch ein Sandkastengeneral mit notorisch falschen Prognosen und gelegentlich ein Auslandchef auf bedenklich niedrigem intellektuellem und moralischem Niveau schreibt. Leider das Privileg ausnützend, dass sich ja keiner traut, ihm Einhalt zu gebieten.

Nachdem er den ganzen Kommentar hindurch nur gegen die angebliche Unsinnigkeit eines Haftbefehls gegen die mutmasslichen israelischen Kriegsverbrecher gewettert hat, fällt ihm so in einem Nebensatz noch ein: «Mit Haftbefehlen gegen Netanyahu, Gallant und die Hamas-Schergen wird der ICC viel Aufsehen erregen, aber seine juristischen Ziele verfehlen, denn die Auslieferung dieser Personen ist völlig unrealistisch.»

Das ist ungefähr so intelligent wie die Behauptung, der Erlass eines Strafbefehls gegen einen flüchtigen Verbrecher verfehle seine «juristischen Ziele», wenn der sich ins auslieferungsfreie Ausland abgesetzt hat. Nach der Absurd-Logik von Rásonyi sollte die Justiz besser darauf verzichten.

Dass weder Israel, noch die USA (und auch nicht Russland) die Zuständigkeit des ICC anerkennen, muss nicht als angeblich realpolitische Tatsache hingenommen werden, sondern als das bezeichnet, was es ist: ein Skandal. Nur dank dieser Abstinenz musste ein Kriegsverbrecher wie Henry Kissinger nie befürchten, für sein Handeln haftbar gemacht zu werden. Das ist eine Schande, nichts, was man einfach so hinnehmen sollte.

Für einmal, so tief ist die NZZ gesunken, trocknet Tamedia die alte Tante ab, indem hier die richtige Meinung vertreten wird. Der Medienkonzern leiht sich zwar seinen Kommentar von der «Süddeutschen», aber den Überlegungen von Ronen Steinke merkt man an, dass der Autor im Völkerstrafrecht promoviert hat. Und deshalb zum klaren Urteil gelangt: «Diese Anklage ist richtig».

Steinke begründet das sachlogisch korrekt: «Das humanitäre Völkerrecht mit seinem zentralen Appell, Zivilisten zu schonen, bindet alle Seiten in einem Krieg, oder es ist wertlos. Es geht dem Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs erkennbar nicht um die Tatsache, dass Israel sich verteidigen muss. Sondern allein um die Art und Weise, wie es dies tut.»

Denn selbst diese banale Tatsache ist Rásonyi nicht geläufig: ein Kriegsverbrechen ist ein Kriegsverbrechen. Egal, aus welchen Motiven oder in welchen Zusammenhängen es verübt wird. Egal, ob es von fundamentalistischen Wahnsinnigen oder einem Regierungschef, der nicht in den Knast will, begangen wird. Egal, ob es von einer Organisation fundamentalistischer Irrer verbrochen wird, die ihr Verständnis von Demokratie damit beweisen, dass sie gewählte Volksvertreter von Dächern stürzen. Oder ob es von Vertretern eines demokratischen Staates verbrochen wird, die aus egoistischen Gründen die eigene Verfassung umbiegen wollten. So liegen sich Rásonyi und Markus Sommdie Isrealis sind die Guten») in den Armen. Was für ein trauriges Paar.

Natürlich muss der Strafgerichtshof beiden mutmasslichen Verbrechen nachgehen, wenn er genügend Indizien und Anhaltspunkte für einen Haftbefehl sieht.

Das ist ein Lichtblick. Was manchmal in der NZZ erscheint, ist eine Schande.

Zahlen zählen

Messen wir die Bedeutung von News an Zahlen und an Bärfüssen.

Fangen wir mit dem Naheliegenden an. Das Qualitätsorgan Tamedia und der ESC. Aktuell auf der Homepage zählen wir mal 3 Artikel zum ESC-Event in der Schweiz. Plus weitere 8 Artikel zum Nullthema Nemo. Also insgesamt 11. Vorläufiger Rekord.

Wir verleihen einen Bärfuss. Was das ist? Kommt noch.

Als nächstes Grossereignis zählen wir 5 Artikel über den vergangenen Muttertag. Aber ist nicht jeder Tag Muttertag? Wenn man ein «Gesponsert» hinzuzählt, was ja Schönsprech für bezahlte Werbung ist, die wie ein redaktioneller Beitrag daherkommt, käme Köchin Elif sogar auf 6 Auftritte. Wobei der «Eiersalat à la Mama» weiterhin doppelt vertreten ist, damit er dem Leser wirklich zum Hals raushängt. Zusammen auch ein Bärfuss.

Aber das ist noch gar nix. Das Blatt mit dem Regenrohr bringt es auf ganze 14 Artikel über und um den Niemand.  Niemand schlägt «Blick».

Das wären dann locker zwei Bärfüsse.

Allerdings gibt es in der glücklichen, aber schrumpfenden «Blick»-Familie ein Ereignis, das hier gewürdigt werden muss: «Zum vorerst letzten Mal erscheint an dieser Stelle der monatliche Essay von Lukas Bärfuss.» Yippie yeah. Der undichte Dichter beginnt passend zu seinem ewigen Gesichtsausdruck: «Das Schicksal ist unbarmherzig, grausam und ungerecht, und zum ersten Mal schlägt es bei unserer Geburt zu.» Und dann immer wieder, wenn man über einen seiner geholperten Texte stolpert. ZACKBUM gibt zu: diese Nachricht über den schreibenden Nemo zaubert ein verklärtes Lächeln auf unser Gesicht. Das lässt sich nicht in Bärfuss messen.

Aber es gibt ja keine gute Nachricht ohne bitteren Beigeschmack. In der WoZ publiziert Bärfuss weiterhin. Dort versucht er sich immerhin in höherem Dadaismus. Was er über Schullektüre zu schreiben hat, verdient ein längeres Zitat. Achtung, anschnallen, es geht los:

«Ein Buch allein zu lesen, ist in zweifacher Hinsicht sinnlos. Erstens: Wer ein einziges Buch liest, eines allein, kann keine Vergleiche anstellen zwischen Stoff und Sprache. Aus Mangel an Zusammenhang, an Kontext wird er oder sie das Buch nicht verstehen. Erst wer ein zweites Buch liest, schafft sich einen Kommentar, eine Kritik, einen Zusammenhang, eine Referenz. Es ist eine Sache, Virginia Woolfs Roman «Miss Dalloway», erschienen 1925, zu lesen, eine andere, diese Lektüre jener von Auguste Escoffiers «Guide culinaire» von 1903 folgen zu lassen. Die romanhafte Darstellung einer Einladung in der Londoner Upperclass nach dem Ersten Weltkrieg und die enzyklopädische Sammlung von Kochrezepten der bürgerlichen Küche Frankreichs enthüllen die Vorstellungen einer bestimmten europäischen Epoche über die Gastfreundschaft.»

Echt jetzt? Dem Trend zum Zweitbuch folgend: man nehme einmal Woolf, einmal Escoffier? Auf diese Idee wäre nicht einmal Christian Seiler gekommen. Jack Reacher und Teresa von Avila, die «International Classification of Diseases» und «Der Alchemist». Damit setzt der Mann mit dem grimmigen Gesichtsausdruck den obersten Massstab.

Drei grosse Bärfüsse, mehr geht nicht. Mehr gibt’s nicht. Das ist wie drei Sterne im Michelin.

Eigentlich kann das nur der Wortschmied selbst erreichen. Wir sind gespannt, ob wir Fundstellen ohne seine Beteiligung identifizieren können. Suchen wir weiter.

CH Media hält es je nach Kopfblatt lokalpatriotisch mit dem ESC. Im St. Galler «Tagblatt» gibt es 7 mal allgemeines Geschwurbel über Nemo. Plus 3 Artikel mit Ostschweizer Akzent (brr). «Der ESC in St. Gallen? Immerhin liegt Nemo die Ostschweiz im Blut». Sozusagen Blut-und-Boden-Ideologie, neu aufgebürstet. Das reicht nicht für zwei Bärfüsse, ist aber mehr als einer.

Also anderthalb, aber Bärfuss ist natürlich unteilbar.

Nun aber zum Leuchtturm der grossen Denke, dem Blatt, das zwar nz, nz, nz im Titel trägt, aber mit lediglich zwei Stücken über Nemo glänzt. Sorry, NZZ, das gibt natürlich zero points, bzw. null Bärfüsse, was aber eine Auszeichnung ist.

Bei «20Minuten» muss man meckern, dass eine News wie «Nemo hat es geschafft! Die Schweiz gewinnt den ESC» am Dienstag nicht mehr brandneu wirkt. Aber immerhin, das ist einer von lediglich zwei Artikeln über der/die/das singende Niemand, bravo und  kein Bärfuss.

Als Absackerchen noch «watson». Allerdings mit 9 Auftritten doch eher biederes Mittelfeld.

Aber das reicht für einen Bärfuss.

 

 

Nemo – das Nichts

Eine Hupfdohle am Non-Event. Und die Medien überschlagen sich.

Der Tagi, konsequent auf dem Weg nach unten, kriegt sich nicht ein:

Da trällert Ane* Hebeisen, als sei er ein pubertierender, kichernder Fan: Das Versatzstück aus allem, was wohl noch ein paar lustige Copyright-Streitigkeiten nach sich ziehen dürfte, sei «Unberechenbarkeit, Ohrwurmigkeit, Zeitgeist, Euphorie, Glam, Retro-Nostalgie, Eskapismus und eine Stimme, die so inbrünstig und staunenswert ist, dass es einem bei jedem Ton die Nackenhaare aufstellt».

Ausgeliehene Melodien und Attitude, viel Queen, ein wenig Conchita Wurst, eine Prise Rap, was für ein kommerzieller Schwachsinn; dazu ein Sänger, der plötzlich entdeckte, dass er eigentlich non-binär ist, was ihm aber nicht auffiel, bevor das schwer in Mode kam, so schaut’s aus.

Aber Hebeisen kriegt sich überhaupt nicht ein: «Das stärkste und hoffentlich nachhaltigste Zeichen hat in Malmö letztlich der Herzensmensch Nemo gesetzt. Nemo hat aufgezeigt, dass Andersartigkeit nicht zum unwirtlichen Nischendasein prädestiniert ist – sowohl musikalisch wie menschlich. Wir heben die Gläser!»

Zeichen setzen, die wohl abgelutschteste Metapher von allen. «Andersartigkeit als unwirtliches Nischendasein»? Was für ein Unsinn, da hat Kim der Unaussprechliche auch schon ein Zeichen gesetzt, wie man mit dieser Masche Preise einheimsen und viel Kohle verdienen kann. Und sich wie eine Primadonna aufführen, der Tagi kuscht brav und bringt immer dann eine seiner Kolumnen, wenn der Schriftstellerdarsteller gerade mal in Stimmung ist.

Der ganze Tagi ist in Wallungen: «Nemo und Beat Jans suchen einen Termin», «Nemos Reaktion zum ESC-Sieg», «Reaktionen zum Schweizer ESC»-Sieg; wenn diese blöden antiisraelischen Demos nicht gewesen wären, hätte man einfach und richtig schwelgen können.

Der «Blick» nachdem auch er alles durchs Regenrohr schob, macht sich schon Gedanken um die Zukunft:

Dabei ist doch die einzige brennende Frage: wann kümmern sich die Medien mal wieder um wichtigere Dinge?

Leider, man muss es betrübt konstatieren, macht auch die NZZ dieses Non-Event zur Aufmacherstory:

Immerhin ist es der alten Tante noch eine Notiz wert, dass sich 11’000 wehrpflichtige Ukrainer in der Schweiz aufhalten und hier lieber die Vorteile des Schutztstatus S geniessen, als zu Hause das Vaterland zu verteidigen. Das ist menschlich sehr verständlich, führt aber die Flüchtlingspolitik einmal mehr ad absurdum.

Ach, und dann will sogar eine Bundesrätin die Schuldenbremse aushebeln und mit einem Buebtrickli 10 Milliarden für die Armee und 5 Milliarden für die Ukraine ausgeben, obwohl völlig unklar ist, wofür das Geld dort eigentlich verbraten werden soll. Wenn es nicht in den tiefen Taschen der korrupten Nomenklatura landet.

Wer meint, wenigstens CH Media gebe der Stimme der Vernunft etwas Platz, sieht sich getäuscht. Auch dort kriegt man sich nicht mehr ein und räumt die halbe Webseite für die Berichterstattung über ein Nichts frei:

Aber sagen wir so: all das ist besser als der Betroffenheitsporno, den das «NZZamSonntag Magazin» seinen Lesern servierte. Dass es nicht mal selbstgemacht, sondern einfach vom «The Atlantic» übernommen und übersetzt ist, macht die Sache auch nicht besser. Was für ein Gruss zum Muttertag:

Das soll wohl unter schonungslos offen figurieren, dabei ist es schlichtweg widerwärtig:

«Ich hatte eine dicke Binde in meiner Unterhose, weil ich immer noch stark blutete, trug ein Bauchband mit Klettverschluss eng über meiner Kaiserschnittnarbe und Nippel-Pads in meinem Still-BH. Um die letzten Reste meiner Milch aufzusaugen.»

Bei der alten Tante muss die Qualitäts- und Niveaukontrolle im verlängerten Mutterschaftsurlaub sein.

*Nach Leserhinweis korrigiert.

Wenn die NZZ gründelt,

dann bräuchte es etwas mehr Niveau …

Die gute Nachricht war, dass die Westentaschenphilosophin Barbara Bleisch bei Tamedia aufgegeben hat. Dafür hat aber die NZZ den Hosentaschenphilosophen Peter Strasser. Der versucht immer wieder, vor sich hin zu geistreicheln. Allerdings die Voraussetzungen …

Das ist natürlich eine ganz gewichtige Frage, so knapp hinter «woher komme ich, wer bin ich, wohin gehe ich?». Zunächst muss Strasser beklagen, wie schon so viele vor ihm (und so viele nach ihm), dass die Zeiten nicht mehr so sind wie früher: «Die systematische Enthemmung von Hass und Gewalt, die sich heute an allen Ecken und Enden der Welt manifestiert, wirft erneut die Frage nach dem Bösen auf. Sie schien in Zeiten des Fortschritts obsolet geworden.»

Welche Zeiten des Fortschritts meint er da wohl? Die Zeiten der Aufklärung, die in Blutbädern im Namen des Guten endeten? Gar die Zeiten des letzten Jahrhunderts, wo es bis heute unerreichte Enthemmungen von Hass und Gewalt gab?

Aber das «laufende Kant-Jahr» plus «die gegenwärtige Weltlage» gebe Anlass, «wieder ausführlicher über das Böse nachzudenken». Das mag sein, allerdings ist ein wenig Biologismus à la Lorenz, der unvermeidliche und wenig ausgelotete kategorische Imperativ von Kant und die unvermeidliche «Banalität des Bösen» bei Hannah Arendt vielleicht eine gar dünne Suppe. Dass Cesare Lombroso vom «geborenen Verbrecher» fantasiert hatte, ist zwar richtig. Dass er den allerdings an körperlichen Merkmalen wie eine besondere Schädelform oder zusammengewachsene Augenbrauen identifizieren wollte, schuf nicht nur die Grundlagen für die wahnhaften Rassentheorien der Nazis, sondern ist blühender Unsinn.

Auch der Abstecher zu Kant, gespiegelt an einer geschmäcklerischen Kritik Goethes, gerät doch arg kurz. Denn wohl kaum ein moderner Philosoph hat sich so umfangreich mit dem Problem des Bösen und des Guten beschäftigt, um zur pessimistischen Aussage zu kommen: «Aus so krummem Holze, als woraus der Mensch gemacht ist, kann nichts ganz Gerades gezimmert werden

Vor etwas dickeren Brettern schreckt Strasser allerdings zurück, deshalb lässt er Hegel beiseite: «Das Gute ist überhaupt das Wesen des Willens in seiner Substantialität und Allgemeinheit – der Wille in seiner Wahrheit; – es ist deswegen schlechthin nur im Denken und durch das Denken.» Darüber müsste man nun ein Weilchen nachdenken, um es auch nur umrissartig zu verstehen.

Stattdessen verliert sich Strasser lieber in der altbekannten Typologie der psychopathischen Persönlichkeiten; im Wesentlichen unterschieden als solche, die im Wissen um das Böse ihres Tuns handeln – und solche, denen diese Fähigkeit abgeht.

Daran geistreichelt er dann herum: «Das radikale und das strategisch Böse verkörpern zwei Arten der Unmoral, die ineinanderfliessen und dabei doch unterschiedlich wahrgenommen werden.» Es ist immer super, wenn man zur Begriffserklärung (radikal oder strategisch) ein weiteres Kriterium (Unmoral) herbeizieht, das man verabsäumt zu definieren. Daraus entsteht dann erkenntnistheoretischer Brei, philosophischer Dünnpfiff.

Ergänzt um das Beklagen garstiger Zustände: «Kriege und Konflikte prägen das Bild der heutigen Welt, statt Völkerverständigung herrscht Völkerfeindschaft.» Im Gegensatz zu welcher Welt? So ausserhalb des Paradieses? Dann schmeisst Strasser, weil das immer gut kommt, noch einen Sprutz Habermas in seinen Brei:

«Wenn aber Europa und die USA sowie jene Länder, welche die «Kontur des Westens» (Habermas) mitformen, die Freiheit ihrer demokratischen Gesellschaftssysteme und die humanen Errungenschaften der Aufklärung aufrichtig in die Zukunft retten wollen, dann dürfen sie vor den Gewalten des Bösen, wie und wo immer sich diese manifestieren, nicht zurückweichen

Die humanen Errungenschaften der Aufklärung in die Zukunft retten? Dafür seien nur die Länder Europas, die USA und ganz wenige weitere auserwählte fähig? Welch ein Rückfall in platten Eurozentrismus.

Aber all das ist nicht das Schlimmste an diesem Essay. Das verbirgt sich im letzten Satzteil. Diese «westliche Kontur» (meine Güte, wie kann man den armen Habermas mit seiner intelligenten Diskursethik nur so flachklopfen) ist vereinfacht gesagt das Gute. Das muss den «Gewalten des Bösen» entgegentreten. Die verkörpern sich in eigentlich allen anderen. insbesondere in Russland, China, der arabischen Welt.

Ob allerdings «das Bessere» (was ist denn das schon wieder?) siegen werde («nicht zuletzt dank neuer innerer Geschlossenheit und wiedererlangter militärischer Stärke»), das sei dann «eine Frage, auf die es zurzeit keine Antwort gibt».

Aber die alles entscheidende Frage bei einer Abhandlung über das Böse, die lässt Strasser  weg. Unbeantwortet. Was dieses Essay zu einem ärgerlichen Flop macht. So sehr er sich auch bemüht, ein paar Gedankensplitter zum Bösen zusammenzutragen: wie definiert sich dann eigentlich das Gute? Ausserhalb religiöser Wahnvorstellungen gibt es keine absolute Sicherheit darüber.

Noch wichtiger: gibt es eine Grenze, wo das Gute (vorausgesetzt, wir können uns auf eine kursorische Definition einigen) ins Böse umschlägt? Heiligt der gute Zweck die bösen Mittel? Ist es nicht vielmehr so, dass meistens nicht im Namen des Bösen, sondern im Namen des Guten unvorstellbare Gräueltaten vollbracht wurden? Ist das vermeintliche Wissen um das absolut Gute nicht gleichzeitig Ausdruck des absolut Bösen? Ist das nicht die dunkle Seite der Aufklärung, die Philipp Blom in seinem brillanten Essay «Gefangen im Panoptikum» glänzend dargestellt hat?

Das sei allen, die durch diese brackigen Gewässer voller philosophisch Abgestandenem gestolpert sind, herzlich zur Lektüre empfohlen.

 

Leserverarschungen

Lustiger Pipifax zum Beweis, dass es keine Grenze nach unten mehr gibt.

Der Gemischtwarenladen «Blick» (billig, banal, fatal) läuft mal wieder zu Höchstformen auf. Denn wer möchte denn nicht eine Sonnenbrille der Kultmarke Ray Ban, dazu noch zum halben Preis!

Das wäre das Schmuckstück:

Wir schauen uns die Anpreisung genauer an:

Wunderbar, und dann hat man erst noch die Wahl zwischen zwei Modellen:

Öhm. Man beachte so Kleinigkeiten wie Bügel, Positionierung des Stegs und Umrahmung. Und stelle fest: die beiden käuflichen Modelle ähneln nur begrenzt der Ray Ban in der Anpreisung. Da erhebt sich doch die Frage, ob das schon Konsumententäuschung ist oder noch reine Leserverarsche. ZACKBUM ist mild und setzt auf Letzteres.

Wo es peinlich wird, ist die «Republik» nicht weit:

Jeder normalzahlende «Verleger» muss sich inzwischen recht verarscht vorkommen. Der billige Jakob ist nichts dagegen. Wenn nicht das «Klimalabor» bettelt, dann ist jeder Vorwand recht, um die schwindenden Reihen der Verleger aufzufüllen. Zahl was du willst, das hatten wir schon, Nun ist mal wieder Halbpreis-Saison. Ob das wohl hiermit zu tun hat?

Zum Verständnis: im frauenfeindlichen Violett sind die Abgänge aufgeführt, im hoffnungsvollen Grün die Zugänge. Kleiner Intelligenztest: was ist von einem Geschäftsmodell zu halten, wo mehr Konsumenten das Weite suchen als an Bord kommen? Richtige Antwort: Gebrüder Meili.

ZACKBUM will sich keineswegs dem Vorwurf der Unausgewogenheit aussetzen. Daher natürlich auch ein Beispiel aus dem Schaffen des Qualitätsmedienhauses Tamedia:

Früher gab es solche Strecken zum Ukrainekrieg oder zum Nahen Osten. Aber das war gestern, heute ist Eiersalat, Nemo oder «Gedanken und Geschichten zum Muttertag». Wobei auch Mütter offenbar sehr verfressen sind, denn zwei der aus den Fingern gesaugten Storys drehen sich ums Essen.

Auch CH Media ist kunterbunt unterwegs, um ganz verschiedene Leserbedürfnisse abzudecken:

Hier haben wir einen Beitrag für Coronaleugner und einen Beitrag für Krebskranke. Aber am erschütterndsten ist natürlich die Meldung in der Mitte: «Wird der Dackel bald verboten?» Schluck, auch das noch. Und was passiert dann mit den lebenden Dackeln? Werden die gekeult? Aber eines ist sicher: sollte das geschehen, gibt es in Deutschland einen Volksaufstand.

Bleibt noch die NZZ:

«Die Vakzine» bleibe eine «Erfolgsgeschichte», behauptet die NZZ so gelahrt wie kühn. Für Normalsterbliche ist es das Vakzin, und Erfolgsgeschichte ist doch relativ, wenn das zur Kuh Gehörige von AstraZeneca in der EU nicht mehr gespritzt werden darf. Auch die Formulierung «das Frauenleiden bleibt ein Chamäleon» hat Luft nach oben. Hingegen sind wir Männer für die Aufklärung «Endlich die Prostata verstehen» dankbar, denn wer versteht die schon, die spricht immer so komisch. Befriedigt nehmen wir allerdings zur Kenntnis, dass «häufige Ejakulation» nicht nur Spass macht, sondern auch gesund ist.

Wer hier noch «watson» vermisst: das läuft ausser Konkurrenz …

So sollte es sein

Leider ist die «Weltwoche» die einzige Podiums-Zeitschrift.

Philipp Gut nahm mal wieder den Morgenstern hervor: «Klimapropaganda an Kantonsschule Baden: Wer stoppt die ideologische Verschleuderung unserer Steuergelder

Das Urteil zugunsten der «Klimaseniorinnen» sei auch im Aargau abgefeiert worden: «Dazu führt die Kantonsschule Baden eine Veranstaltung durch, an der ausschliesslich Vertreter und Befürworter einer Partei, der Gegenpartei zur Schweiz im Klimaprozess vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, zu Wort kommen: eine Vertreterin der Klimaseniorinnen, die von Greenpeace montiert wurden, eine grüne Richterin und eine Universitätsjuristin, die sich bereits im Vorfeld des Strassburger Prozesses gegen die Schweiz positioniert hatte.» Soweit Gut, der schon mit seiner Autorenmarke sehr patriotisch daherkommt:

Zwischenschritt: als der Wanner-Clan und der Coninx-Clan die letzten unabhängigen Schweizer Tageszeitungen zusammenkauften, sodass nun von Basel über Bern bis nach Zürich, über Aarau bis nach Luzern und St. Gallen aus zwei Zentralredaktionen die Einheitssauce verteilt wird, gab es grosse Schwüre und Ankündigungen: niemals werde darunter die Meinungsvielfalt leiden, das seien dann «Forumszeitungen» im Fall, natürlich kämen auch divergierende Meinungen zu Wort, man sei sich da seiner staatsbürgerlichen Pflicht bewusst.

Leere Versprechen, so in der Tradition der Ankündigung von Pietro Supino, dass man niemals nicht die Redaktionen von «Berner Zeitung» und «Bund» zusammenlegen werde.

Denn statt diesem Pluralismus gibt es auch Meinungseinheitsbrei. Wie sagte ein aufrechter Redaktor aus dem Hause Tamedia zum ZACKBUM-Redaktor René Zeyer mal so schön, als der einen Artikel einreichte: wunderbar geschrieben. Aber das kann ich nicht mal an der Redaktionskonferenz vorschlagen, keine Chance.

Ansonsten werden auch an den Haaren herbeigezogene Vorwände benützt, um die Leser in ihrer vermuteten Gesinnungsblase nicht aufzuschrecken. Nach der Devise: lieber stattdessen Leser zu Tode langweilen und mit mediokrem Geholper vergraulen.

(Fast) alle einig sind sich hingegen, dass die «Weltwoche» ein ganz übles rechtspopulistisches Blatt von Putin-Verstehern von Gnaden Blochers sei, wo ein  allmächtiger Besitzer, Verleger, Herausgeber und Chefredaktor mit harter Hand eine Meinungsdiktatur durchsetze.

Es ist zwar richtig, dass hier etwas Checks and Balances fehlen. Aber der gleiche ZACKBUM-Redaktor kann bezeugen, dass Roger Köppel der einzige Chefredaktor im deutschen Sprachraum ist, der sich im eigenen Blatt massiv kritisieren lässt.

Weiter im Text. Nach diesem Keulenschlag von Gut darf eine Teilnehmerin an dieser «ideologischen Verschleuderung unserer Steuergelder» zurückkeulen:

Die ehemalige Bundesrichterin Brigitte Pfiffner stellt richtig: «Schon 2011 habe ich in der Fachzeitschrift Iusletter ausführlich und kritisch von «ausufernder Rechtsprechung» des EGMR gesprochen. Auch der Titel meines Referats an der Kantonsschule Baden trug diesen Titel – ohne Fragezeichen. Ich vertrete die Auffassung, dass der EGMR zunehmend ins Gebiet der Politik hineinfunkt; das ist nicht seine Aufgabe.»

Das exemplifiziert sie sehr kritisch an mehreren Urteilen von Strassburg, um zum Schluss zu gelangen:

«Aus verschiedenen – hier aus Platzgründen nicht auszuführenden Überlegungen – bin ich der Meinung, dass das neueste Urteil dem Gericht schadet – und dem Klimaschutz nicht nützt. Dem Ministerrat, dem die Aufgabe zukommt, den Vollzug der EGMR-Urteile zu überwachen, wird die Schweiz erläutern können, was sie zur Verbesserung des Klimas bereits schon vor dem Urteil auf die Wege gebracht hatte. Und damit hat sich’s.
So bleibt vom Klimaseniorinnen-Urteil des EGMR Schall und Rauch zurück. Und vom einseitigen Artikel zur Veranstaltung an der Kantonsschule Baden von Philipp Gut nur ein Schluss: Der Schuss ging daneben.»

Der WeWo-Kommentator ist teilweise von so viel Meinungsfreiheit überfordert. Aber das ist ein herausragendes Beispiel, wie Forumsmedien funktionieren sollten. Rede und Widerrede, so sollte es sein. Rechthaberei im luftleeren und widerspruchsfreien Raum bringt meistens einen Erkenntnisgewinn von null. Ohne Widerpart wird auch der mediokre Gesinnungsjournalist zum King im Ring, weil niemand das Mittelmass von Gedanken und Formulierungen denunzieren darf.

CH Media ist auf diesem unheilvollen Weg unterwegs, Tamedia hat bereits das Zielband gerissen. Und auch die NZZ schwächelt vor allem beim Thema Ukraine bedenklich. Den «Blick» kann man als Meinungsträger nicht mehr ernst nehmen. Und sonst gibt es nur Randgruppenprogramme. Bleibt noch die WeWo.

Dass der ZACKBUM-Redaktor dort gelegentlich publiziert, macht diese Analyse in keiner Form obsolet.

Die NZZ knabbert an den Fingernägeln

Denn die Lage ist ernst. Wirklich wahr.

Gleich zwei grosse Köpfe machen sich tiefschürfende Gedanken, und das an einem harmlosen Montag und noch bevor sich der Heilige Geist ergiesst.

Da hätten wir Joseph de Weck. Der Sohn von Roger de Weck arbeitet bei einem Beratungsunternehmen, daher fühlt er sich bemüssigt, auch die NZZ-Leser zu beraten. Eigentlich ist der (dünne) Inhalt seiner Beratung schon in Titel und Lead vollständig wiedergegeben:

Es gäbe da zwei «eherne Regeln der Geschichte», behauptet de Weck: «Kein grosser Krieg ohne grosse Schulden und ohne Schulden keine Freiheit». Das habe schon Cicero gewusst, und dann muss es ja wohl stimmen.

Nach etwas einleitendem Geplänkel kommt de Weck zur Sache: «Europa muss noch mehr Verantwortung für die Ukraine übernehmen und in die eigene Rüstungsindustrie investieren.» Das untermauert er mit ein paar Taschenspielertricks: «Die Europäer können sich das leisten. Für die EU insgesamt lag das Staatsdefizit 2023 bei 3,5 Prozent der Wirtschaftsleistung im Vergleich zu 7 Prozent in den USA. Auch der Schuldenstand der EU-Europäer (81,7 Prozent) liegt merklich tiefer als derjenige der Amerikaner (99 Prozent).»

Was er nicht schreibt: damit reisst Europa die selbstgesetzten Grenzen von maximal 60 Prozent Verschuldung und 3 Prozent Budgetdefizit. Ausserdem nimmt er die (niedrigere) Zahl der EU-27, der Schuldenstand der «EU-Europäer» in der Eurozone liegt in Wirklichkeit bei 88,6 Prozent, das Schwergewicht Frankreich stemmt 111 Prozent, Italien 137, Griechenland gar 162 Prozent. Desaströse Zahlen.

Aber das ist Pipifax im Vergleich zum fundamentalen Denkfehler de Wecks. Zum einen führen Kriege tatsächlich zu Schulden. Aber genauso führen Schulden auch zu Kriegen, wie nicht zuletzt der Zweite Weltkrieg beweist. Absurd ist auch die Behauptung, ohne Schulden gebe es keine Freiheit. Das würde ja bedeuten, dass je schuldenfreier ein Land sei, desto unfreier. Auch hier muss man sich wieder fragen, wo die Qualitätskontrolle der NZZ bleibt. Oder ist blühenden Unsinn publizieren inzwischen Bestandteil des Geschäftsmodells?

Dann gibt es noch einen zweiten tiefen Flachdenker:

ZACKBUM hat Georg Häsler schon mehrfach als Sandkastenschreibtischgeneral verspottet, als einfältigsten und kältesten aller kalten Krieger. Aber leider hört auch hier die NZZ zu wenig hin. Auch in seinem neusten Werk läuft er zu Tiefstformen auf: «Die Ächtung des Krieges als Fortsetzung der Politik ist spätestens seit der Annexion der Krim und den Kämpfen in der Ostukraine infrage gestellt.» Offenbar ist es Häslers Aufmerksamkeit entgangen, dass seit 1945 alleine die USA ein rundes Dutzend Kriege vom Zaun brachen (die unzähligen Einmischungen in innere Angelegenheiten anderer Länder gar nicht mitgezählt), so weit ist es mit der angeblichen «Ächtung» her.

Dann fantasiert Häsler haltlos weiter: «Der Westen kämpft im Jahr drei der russischen Invasion mit einer fatigue de guerre – ganz besonders in den USA. Die Ukraine-Lageberichte sind praktisch aus den News verschwunden.» Stattdessen dominierten zum Beispiel die «verbalen Exzesse der Studierenden an der Columbia University». Faktenfreier BlödsinnIm vergangenen Monat ergibt die Suche nach dem Stichwort Ukraine rund 12’000 Treffer in Medienarchiv SMD. Beim Stichwort «Columbia University» sind es – schlappe 555.

Genauso faktenfrei ist die nächste Behauptung von Kriegsgurgel Häsler: «Gleichzeitig hat der Kreml im vergangenen Jahr auf Kriegswirtschaft umgestellt. Allerdings nicht, um die Truppen in der Ukraine zu versorgen, sondern um eine zweite Offensive vorzubereiten, womöglich gegen ein osteuropäisches Nato-Land.»

Entweder hat der kalte Krieger ein Hörrohr in die innersten Entscheidungszirkel des Kreml – oder er fantasiert haltlos.

Zum Schluss seines famosen Streifzugs durch die Weiten des wilden Geschwafels kommt Häsler dann noch zu einer überraschenden Schlusspointe: «An der amerikanischen Bereitschaft, auch weiter für die Freiheit einzustehen, besteht kein Grund zu zweifeln. Vielleicht zeigte eine Regierung unter Trump sogar noch mehr Zähne als das Biden-Team

Wo sind denn die USA genau seit dem Zweiten Weltkrieg für die Freiheit eingestanden? In Vietnam? In Nicaragua? In Panama? Im Irak? In Libyen? Und Amok Trump, der schon mehrfach klargestellt hat, dass er am liebsten aus der NATO austreten möchte und europäische Länder ihrem Schicksal überlassen (was er dann jeweils ohne Rücksicht auf Widersprüche teilweise wieder eingefangen hat), ausgerechnet ein möglicher Präsident, der sich mehr um seine Prozesse als um den Ukrainekrieg kümmern würde, ausgerechnet der zeige «vielleicht mehr Zähne»? Oder meint Häsler damit einfach das tadellos-weisse Gebiss, das aus dem gelblich geschminkten Gesicht hervorblitzt?

Die NZZ leistet sich hier einen Doppelschlag der wirklichkeitsfremden Wunschdenke, eines faktenfreien Thesenjournalismus, schlimmer als in der «Republik». Ist Eric Gujer in den Ferien, oder ist das einfach ein Schwächeanfall? Der Leser ist besorgt bis beunruhigt.

Ganz übles Stück über Ziegler

Die NZZ fällt in alte Reflexe zurück und wird bodenlos.

Jean Ziegler ist 90 Jahre alt geworden. Selbst die «Weltwoche», die nun gewiss nicht ideologisch das Heu auf der gleichen Bühne hat, widmete ihm eine Hommage in Form einer Titelgeschichte.

Was immer man von den Positionen Zieglers halten mag, welche Fehler man ihm auch immer ankreiden will: die Lebensleistung dieses unermüdlichen Streiters und Kämpfers, der sich immer mit ganzem Herzen, mit Verve und mit seinen rhetorischen Fähigkeiten für das eingesetzt hat, was er für das Gute und Richtige hält, und gegen das gekämpft hat, was er den kannibalischen Raubtierkapitalismus nennt, verdient Respekt.

Mit «Eine Schweiz, über jeden Verdacht erhaben» betrat er 1982 mit einem Paukenschlag die Arena der politischen Debatte, mit «Die Schweiz wäscht weisser. Die Finanzdrehscheibe des internationalen Verbrechens» legte er 1992 nach. Das brachte ihm Prozesse, Schadenersatzforderungen und Anfeindungen ohne Zahl ein. Er war Soziologieprofessor, er war streitbarer Nationalrat der SP, er war UNO-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, er war im beratenden Ausschuss des Menschenrechtsrats der UNO.

Oder in einem Wort: er ist ein unermüdlicher Kämpfer, der keiner verbalen Schlacht ausweicht, wenn es um die Verteidigung seiner Ansichten, seiner Hoffnungen auf eine bessere Welt geht.

Das verdient wahrlich Respekt, und ZACKBUM ist froh und stolz, immer mal wieder mit dem cher ami und compañero in geneigter Meinungsverschiedenheit verbunden zu sein.

Nun hat aber die NZZ in ihrem Feuilleton ein übles Schmieren- und Schmähstück veröffentlicht. Der Autor Emrah* Erken ist Rechtsanwalt und verdingte sich unter anderem für PwC. Seit Jahren arbeitet er sich – er ist türkischer Herkunft – am Islam ab. Das ist alles gut und schön, aber hier fällt er über Ziegler her, dass es eine Unart ist. Schon im Lead wird alles klargemacht:

«Jean Ziegler ist ein Wegbereiter für die Ideologie der radikalen linken Aktivisten, die derzeit an Universitäten Hamas-Parolen brüllen»

Wie bitte? Ausgerechnet Jean, der immer und überall ein glühender Verfechter der freien Debatte ist, soll ein Wegbereiter für Hamas-Anhänger sein? Übler geht’s eigentlich nicht. Übler kann Erken doch.

Einleitend erzählt er von seinem nicht abgeschlossenen Studium an der Uni Genf, wo er offenbar Ziegler begegnete. Den leitet er so ein: «Der Kopf des Doktoranden war knallrot angelaufen: Was mir eigentlich einfalle, brüllte er.» Es ging um die Beurteilung des Putsches der Armee in Algerien, die damit 1991 die Machtübernahme der Islamisten verhindert hatte. Die waren zuvor von einer überwältigenden Mehrheit der Algerier gewählt worden.

Von der angeblich gebrüllten Meinungsverschiedenheit leitet Erken perfid-demagogisch auf heute weiter und fragt polemisch: «Wie konnte es sein, dass eine Person aus dem Westen als Fürsprecher von radikalen Islamisten auftrat?» Was Ziegler natürlich selbst laut Erken damals nicht war; der Soziologe wagte nur, was ein Wissenschaftler tun soll: Meinungen hinterfragen, angeblich Selbstverständliches in Frage zu stellen.

Dann beurteilt Erken die Lehrtätigkeit Zieglers: der «hielt allerdings nicht wirklich Vorlesungen ab, sondern nutzte seine Lehrveranstaltung für sozialistische Propaganda». Noch schlimmer: «Ziegler, so hörte ich von Kommilitonen, hasse Israel. Ich solle meine israelfreundliche Haltung in seiner Gegenwart bloss nie offenbaren.» Ein widerlicher Rufmord, serviert zum 90. Geburtstag; die NZZ hat mal wieder jede Qualitätskontrolle verloren, jede Haltung, selbst den Respekt gegenüber einem Jubilar.

So geht’s dann ununterbrochen weiter «linker Politaktivismus … postkoloniale Ideologie … kommunistische Propaganda … Verherrlichung gewalttätiger Diktaturen … ideologische Ausrichtung und Indoktrination … machte Stimmung gegen Israel …», ad nauseam.

Zurück in der Gegenwart wirft er einem Artikel Zieglers vor, der «strotzt vor Verdrehungen und Falschdarstellungen». Mit wohl mehr Recht kann man das Erkens Hinrichtung vorwerfen. Er endet mit der Frechheit: «Jean Ziegler war ein Vorläufer des identitätspolitischen Wahnsinns, den mittlerweile alle, die klar denken können, als solchen erkannt haben dürften

Es ist unbestreitbar, dass sich der streitbare Ziegler auch geirrt hat, seine Verteidigung Gaddafis oder Mugabes zum Beispiel gereicht ihm nicht zur Ehre. Aber das immense Lebenswerk dieses Mannes, seine mehr als zwei Dutzend Bücher, die mehr Denkstoff enthalten als dieser Autor in seinem ganzen Leben absondern wird, sein unermüdlicher Einsatz für die Erniedrigten und Beleidigten, für die Opfer dieser Welt, das kommt in dieser Schmähschrift mit keinem einzigen Wort vor. Alle, die klar denken können, sind angewidert von diesem Machwerk.

Wer dermassen wuterfüllt zum 90. Geburtstag über den Jubilar herfällt, so vieles, fast alles auslässt, was dessen Lebensleistung ausmacht,  der lässt jegliche Redlichkeit vermissen. Wer diese hasserfüllten Zeilen abdruckt, jeglichen Anstand.

*Nach Leserhinweis korrigiert.