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Dem Tagi kommt’s

Sex sells, sell Sex. Das Niveau einer Qualitätszeitung.

Das Thema Sex wurde schon mehrfach abgehandelt. Zum einen redaktionellIch bin 42 und hatte noch nie einen Orgasmus»), aber auch mit aufgeilender Werbung. Die Pimmel-Postille gab schon mehrfach gute Ratschläge für einen männlichen Ständer. In nur fünf Minuten. Wieder und wieder.

Nach der bezahlten Bekümmerung um lendenlahme Männer das Thema GeldEin Anbieter garantiert jetzt sogar einen günstigeren Kreditzins – oder zahlt 150 Franken!»).

Nun aber wieder zurück zum Sex. Diesmal lässt Tamedia frustrierten Frauen helfen. Von keinem Orgasmus zum einfachen und dann gleich zum doppelten. Wenn das keine Lebenshilfe ist.

Dabei braucht es nicht mal unbedingt einen stehkräftigen Macker. Wenn dieser Text keine feuchten Höschen verursacht:

«Der Next Duo bietet Ihnen «Double the Pleasure»: Er kombiniert die innovative Womanizer-3D-Pleasure-Air-Technologie für die Klitoris mit tiefen, vibrierenden G-Punkt-Vibrationen. Das Ergebnis? Intensivere, länger anhaltende Orgasmen, die Ihr Wohlbefinden steigern, Stress abbauen und Sie von innen heraus strahlen lassen.»

Wer also auf der Strasse und im Büro bemerkt, dass es zunehmend mehr von innen strahlende Frauen gibt – hier ist des Rätsels Lösung.

Gut, es steht mal wieder schamhaft «Sponsored» über dem Text, der täuschend ähnlich wie ein redaktioneller Beitrag daherkommt. Und sich einer pseudowissenschaftlichen Sprache befleissigt, inklusive angeblichen Tests:

«Das haben auch die Testerinnen bestätigt: 97 Prozent gaben an, mit Next DUO eher einen doppelten Orgasmus zu erleben, und 91 Prozent fühlten sich danach glücklicher, entspannter und weniger gestresst.»

An der Anzahl der testenden Frauen sind aber leichte Zweifel erlaubt. Denn in der Abteilung Testimonials sind die Orgasmusapparate etwas schlapp aufgestellt.

Da gibt es nur die «Testerin Simona», der zwar der Nachnamen abhanden kam, aber nicht die Orgasmusfähigkeit:

«Nach jedem neuen Womanizer Toy denke ich mir, dass definitiv kein besseres mehr kommen kann – zumindest so lange, bis ich wieder eine Neuheit testen darf, wie letzte Woche den Next DUO. Da ich beide Modelle, also den Next und den DUO 2 gut kenne, habe ich mich natürlich umso mehr gefreut, die Kombi aus beiden zu testen. Was ich schon mal sagen kann: mit keinem Toy habe ich je so intensive, tiefgehende Orgasmen erlebt.»

Wow. Aber da geht doch noch was. «Das sagt Testerin Simona zum Womanizer DUO 2.0: «Bereits der Vibrationsarm fühlt sich unglaublich gut an, in Kombination mit dem Stimulationskopf ist das Gefühl aber wirklich unbeschreiblich.»»

Huh, Wahnsinn, da muss Testerin Simona ja nudelfertig sein. Aber keineswegs: «Das sagt Testerin Simona zum Womanizer Next … Das sagt Testerin Simona zum Womanizer Enhance …»

Wir wagen uns nicht vorzustellen, welche Welten von Orgasmen Testerin Simona durchlebt hat. Die muss ja von innen stärker als ein ausser Kontrolle geratenes AKW strahlen. Da kann Mann nur neidisch zuschauen und sich fragen, wozu er denn eigentlich wieder eine Erektion bekommt, wenn sich Frauen wie Simona durch eine ganze Latte (Pardon) von Sextoys stimulieren lassen.

Aber auch ihm kann noch geholfen werden: «Arcwave Ion 2 ist der weltweit erste Stroker auf den Markt, der mit Pleasure-Air-Technologie für den männlichen Körper ausgestattet ist

Während sich also sie mit einem Vibrator einen Orgasmus nach dem anderen verschafft, begleitet er sie mit dem «weltweit ersten Stroker».

Wieso muss man unwillkürlich an den genialen Satiriker Robert Gernhardt denken?

© Robert Gernhardt

Und noch ein weiterer Höhepunkt: «Ohne Risiko zum Orgasmus – mit der Womanizer-100-Tage-Vergnügungsgarantie». Kein Orgasmus – kein Problem, dann gibt’s das Geld zurück. So ein «Womanizer» kostet doch nur schlappe 159 Franken im Sonderangebot, das sollte einem doch schon der einfache Orgasmus wert sein, vom doppelten ganz zu schweigen.

In die Tasten gehauen haben diese Koryphäen der weiblichen und männlichen Lust: «Dieser werbliche Beitrag wurde von Bluebox Shop AG erstellt. Er wurde von Commercial Publishing, der Unit für Content Marketing, die im Auftrag von 20 Minuten und Tamedia kommerzielle Inhalte produziert, für die Publikation aufbereitet.»

Sozusagen kommerziell-redaktionell. Zweifel an den Erfahrungen der «Testerin Simona», gar an ihrer Existenz? Nun ja, «wobei die Haftung für Inhalte (Wort, Bild) und externe Links bei Bluebox Shop AG liegt».

Man fragt sich immer wieder, was dazu die ehemals erregten 74 Tamedia-Frauen sagen, die sich über ein unerträglich sexistisches Klima, Frauenfeindlichkeit und demotivierende, übergriffige männliche Arbeitskollegen beschwerten. Aber nichts dagegen haben, sich von solchen Anzeigen ihr Gehalt mitbezahlen zu lassen.

Oder sollte es gar so sein, dass weibliche (und männliche) Mitarbeiter einen Sonderrabatt bekommen? Geld genug sollten sie ja haben, wenn sie ihre Kredite umgeschichtet haben.

Machen wir doch einen Test. Wir nähern uns des Nachts dem Glashaus an der Werdstrasse und schauen mal, ob es von innen leuchtet …

Wie man es nicht machen sollte

Eine Erbin macht sich unmöglich.

Eigentlich könnte man meinen, dass jemand, der so reich ist wie Regina Bachmann, sich einen Kommunikationsberater leisten könnte. Oder jemanden, der ihr gut zuredet, all das nicht zu tun, was sie tut.

Mit der Begründung, dass es eine Totalsanierung brauchte, hatte sie allen Mietern in ihren Sugus-Häusern am Zürcher Hauptbahnhof gekündigt. Die Mieten sind für Zürcher Verhältnisse – und für diese Lage – unglaublich billig. Zwischen 1’000 und maximal 2’300 Franken im Monat. Nach der Totalrenovation sollen sie sich verdoppeln.

Es ist völlig klar, dass man so etwas in der heutigen Wohnungsknappheit mit ziemlich viel Feingefühlt angehen sollte. Aber Bachmann hat gemeint, mit ihrem Mann fürs Grobe, der Hochstapler Goran Zeindler, kriege sie das einfach gebacken. Also schrieb Zeindler massenhaft Kündigungen und tat so erstaunt wie Bachmann, als sich dadurch ein Shitstorm entwickelte, der nicht von schlechten Eltern ist.

Blöderweise wurde dann Zeindler auch noch an seiner weiteren Sanierungstätigkeit gehindert, indem er in U-Haft wanderte. Schon mal blöd gelaufen; also musste Bachmann zur Sicherheit ein zweites Mal kündigen. Was sie natürlich auch tat. Allfällige Kaufangebote, anscheinend auch von der Stadt Zürich, wurden bislang abgelehnt.

Seit den ersten Kündigungen schwappt eine Protestwelle immer höher. Politiker bringen sich in Stellung, wunderbar, wenn jemand das schöne Klischee vom geldgierigen Vermieter und von den armen Mietopfern so perfekt erfüllt wie Bachmann.

Nach all dem Schlamassel, das die Erbin bereits angerichtet hat, wäre eigentlich zu erwarten, dass sie zuerst guten Rat bei einem Könner einholt und anschliessend auf allen Kanälen beruhigende Geräusche von sich gibt. Ein klassischer Fall von: ist dumm gelaufen, aber jetzt schauen wir gemeinsam in die Zukunft.

Schliesslich hat sie die Macht des Faktischen auf ihrer Seite, auch wenn sie sich sicherlich noch jahrelang mit diversen Mietern vor dem Mietgericht herumschlagen muss. Aber natürlich darf ein Besitzer seine Mietskasernen von Bewohnern räumen, wenn er gedenkt, das Objekt einer Kernsanierung zu unterziehen. Allerdings wäre schon mal die Frage gewesen, ob das tatsächlich nur nach der Totalräumung möglich wäre.

Aber item; es ist kalt draussen, und jeden Tag demonstrieren, das tut der Schweizer (und auch der Ausländer) nicht so gerne. Was tun? Einfach, wozu wohnt man denn da, wozu gibt es Balkone und Bettlaken? Genau, mehr braucht’s doch nicht, ausser ein bisschen Farbe. Also wird gepinselt «Zuhause, Heimat, Wir Kinder wollen bleiben». Jö.

Ist zwar für die Besitzerin nicht so schön, aber was soll’s, das kratzt sie doch eigentlich nicht. Aber eben, wenn man immer voll auf die Kacke hauen will, dann kann man sich hier die Gelegenheit nicht entgehen lassen. Also greift Bachmann zum Griffel und verschickt einen Brief. Der landet natürlich postwendend beim «Blick». Und der zitiert genüsslich daraus. Die Plakate müssten weg, «hier liegt klarerweise eine Verletzung der Nutzungsrechte als Mieter vor».

Furchtbar, und an die wenigen Mieter gerichtet, die hier noch nicht schlottern: «Eine weitere Missachtung kann die ausserterminliche Kündigung zur Folge haben.» Im Klartext: rollt eure dämlichen Bettlaken wieder ein und steckt sie euch sonstwohin. Sonst fliegt ihr raus, aber subitio.

Das ist ein weiteres Beispiel für einen sensiblen Umgang mit der Mieterschaft. Vielleicht liesse sich das noch steigern, indem Bachmann dann tatsächlich ein paar Mieter fristlos rauszuschmeissen versucht.

Was tun? ZACKBUM hat die Lösung. Das ist ein typischer Fall für Katastrophen-Sasha, der wohl schon in den Startlöchern steht, um die Kiste endgültig zu versenken.

Protestchen

Kläglich, ist das alles kläglich.

Die Redaktion von Tamedia greift zum Äussersten. Sie streikt? Ach was. Sie demonstriert? I wo. Sie besprayt das Glashaus mit Parolen gegen Supino? Niemals. Sie lässt leere Seiten erscheinen? Chasch dänke. Sie verklebt die Türen der Chefs? Hu, hu.

Nein, der «Protest der Tamedia-Redaktionen» ist mindestens so kläglich wie die Performance der Chefetage. Pietro Supino: Tauchstation. VR? Tauchstation. CEO Jessica Peppel-Schulz? Tauchstation. Publizistische Leiter nach unten Simon Bärtschi? Tauchstation. Chefredaktorin Raphaela Birrer? Tauchstation.

Die Leser toben und schimpfen über das verunglückte Redesign des Internet-Auftritts? Tauchstation, keiner antwortet, keiner erklärt, es wird nur kommentarlos vieles gar nicht publiziert.

Kläglich.

Und die Redaktion? Ballt die Faust im Sack und hat sich einen grossartigen Protest einfallen lassen. Da alle ihre tapferen Reaktoren zu feige sind, selber zu protestieren, wollen sie Prominente das erledigen lassen. Ein kleines Video mit Protestnoten wird zusammengeschnipselt.

Protesthämmerchen bei Tamedia.

Nur: ganze 20 Nasen konnten dazu motiviert werden, mehr oder minder gelinde Kritisches zu sagen. Mit wenigen Ausnahmen alles B-, C- und Überhaupt-nicht-Promis. Neben den usual suspects, die überall die Birne reinhalten, wenn eine Kamera läuft. Also Gerhard Pfister, Vinzenz Wyss, Daniel Leupi oder Mario Fehr oder Mattea Meyer. Badran? Aber sicher.

Auch eine «ZSC-Legende». Oder Lara Stoll. Lara who? Oder Michael Hermann. Seitdem der keine Kolumne bei Tamedia mehr hat, traut er sich was.

Aber sonst? Irgend ein Opinion Leader? Ein Schwergewicht? Jemand, bei dem man sagen müsste: aber hallo, wenn der auch protestiert, ist aber Feuer im Dach.

Nichts, nix, nada.

Kläglich.

Das – und ein pflaumenweiches Protestschreiben – ist alles, was die tapfere, meinungsstarke, nie um Ratschläge für andere verlegene Redaktion zustande kriegt. Muss sich da die Chefetage fürchten? Ja, aber höchstens davor, sich bei einem Lachanfall zu verschlucken. Oder davor, bei einer staatstragenden Antwort («verstehen gut, nachvollziehbar, aber eben, was muss, das muss») nicht laut herauszuprusten.

Neuer Rekordversuch auf der Bärtschi-Peinlichkeitsskala. Soll eine Gesamtnote für alle Redaktoren vergeben werden, ist das eine glatte 100. Milde gemessen.

 

Feiges Filmfestival

Was für ein Wackelpudding ist Christian Jungen.

Es gibt einen Dokumentarfilm über «Russians at War». Festivaldirektor Jungen hatte noch vor Kurzen getönt: «Filme sollen zu Diskussionen anregen. Und wir verstehen diesen Film als Antikriegsfilm.»

Die russisch-kanadische Filmemacherin Anastasia Trofimova hatte während sieben Monaten russische Soldaten im Ukrainekrieg begleitet. Sie sagt, es handle sich dabei um eine menschliche Momentaufnahme von Soldaten, die sich in einem sinnlosen Krieg befinden; sie selbst verurteile die Invasion als ungerecht und illegal.

Der Streifen war bereits an den Internationalen Filmfestspielen von Venedig gezeigt worden – ohne Zwischenfälle. In Toronto war seine Vorführung allerdings zunächst wegen Drohungen abgesagt worden.

Am Zurich Film Festival (ZFF) laufen zudem zwei Dokumentarfilme, die die ukrainische Seite zeigen. Alleine die unverschämte Intervention eines Sprechers der ukrainischen Regierung hätte in einem Land, in dem Meinungsfreiheit hochgehalten wird, scharfe Zurückweisung erfahren müssen:

«Wir fordern die Organisatoren des ZFF dringend auf, die Reputation des Festivals nicht durch die Aufführung von «Russians at War» zu ruinieren. Das ist ein Propagandafilm, der Kriegsverbrechen weisswäscht. Wirkliche Russen sind Invasoren, Kriegsverbrecher und Vergewaltiger. Das zu überdecken macht jeden zum Komplizen.»

Dagegen hielt zunächst der pseudomutige Jungen, dass er sich auf ein «veritables Filmfest mit Substanz und Glamour» freue. Wer sich den Trailer der Dokumentation anschaut, sieht, dass es sich um alles andere als einen Jubel-Propagandafilm handelt. Er zeigt etwas, was ukrainischen Kriegsgurgeln und ihren dümmlichen Apologeten in der Schweiz nicht in den Kram passt: russische Soldaten als Menschen.

Am Donnerstagabend dann die Kehrtwende: «Die Sicherheit unseres Publikums, der Gäste, Partner und Mitarbeitenden steht für das ZFF an oberster Stelle.» Daher wird die Aufführung abgesagt, die angekündigte Podiumsdiskussion mit der Regisseurin, zu der auch der ukrainische Botschafter in der Schweiz eingeladen wurde, ebenfalls. Die Regisseurin wird nicht in die Schweiz reisen.

Das heisst also, dass die Leitung des ZFF einknickt, wenn Antidemokraten und Feinde der Meinungsfreiheit nur genug Lärm machen. Da hierzulande niemand den Film gesehen hat, kann keiner sich eine Meinung darüber bilden, ob es russische Propaganda sei oder nicht. Aber das ist nicht einmal entscheidend.

Entscheidend ist: in Russland und in der Ukraine herrscht Zensur. Kann von Meinungsfreiheit und freier Meinungsbildung keine Rede sein, werden oppositionelle Meinungen unterdrückt, auch mit drakonischen Mitteln. So hat das ukrainische Kulturministerium die Regisseurin Trofimova zu «einer Bedrohung der nationalen Sicherheit» erklärt. Echt jetzt?

In der Schweiz ist das anders. Im Gegensatz zur EU kann man hier auch Russia Today weiterhin empfangen, und das ist gut so. Wer mündige Staatsbürger für so blöd hält, dass sie sich von russischer Staatspropaganda einseifen liessen, sägt an den Fundamenten einer freien Gesellschaft. Wer einen Dokumentarfilm als «russische Propaganda» kritisiert, wie das auch Schweizer Journalisten tun, ohne ihn gesehen zu haben, ist ein Dummkopf und sollte die Lizenz zum Schreiben verlieren. Das wäre mal eine sinnvolle Zensur.

Immerhin schreibt die NZZ, deren Abgesandter nach Venedig den Film offenbar gesehen hat: «Dass sich das ZFF mithin gezwungen sah, die Filmvorführung zu streichen, ist erschreckend.»

Schon der ukrainische Botschafter in Deutschland benahm sich dermassen unmöglich, dass er von seinem Posten abberufen werden musste. Was sich hier die ukrainische Regierung erlaubt, ist ebenfalls unerhört und müsste sowohl vom ZFF wie auch von der Zürcher Regierung genauso scharf beantwortet werden.

Jungen ist es gelungen, den Ruf des ZFF mit leichter Hand zu ruinieren. An der Einladung eines Roman Polanski wird festgehalten, aber ein Dokumentarfilm wird zensiert, wenn genügend Rüpel dagegen protestieren, wenn es gar Drohungen gibt? Überlässt man also dem Pöbel die Entscheidung, was wir anschauen dürfen und was nicht?

Diese Drohungen richten sich nicht in erster Linie gegen das ZFF. Sondern gegen die Meinungsfreiheit. Feige einzuknicken, das ist unehrenhaft, unanständig und desavouiert Jungen als Windfahne ohne Rückgrat.

Nach dieser erbärmlichen Vorstellung müsste er eigentlich seinen Rücktritt erklären. Was er aber nicht tun wird. Das Publikum sollte sie eigentlich mit Buhrufen und Pfiffen quittieren und unter Protest den Saal verlassen. Was es auch nicht tun wird, denn dabei könnte man ja das Cüpli verschütten oder den Auftritt auf dem grünen Teppich versauen. Anstatt sich im Glanz von Hollywoodstars zu sonnen, sollte die Stadtpräsidentin Corine Mauch und jeder Politiker, der sich am ZFF rumtreibt, seine Missbilligung ausdrücken. Was keiner tun wird.

Und wo bleibt der Protest der mutigen Mannen (und Frauen) von Tamedia, vom «Blick», von CH Media?

Erbärmlich.

Delilah, der Mördersong

Das war ja überfällig. So nicht, Tom Jones.

Der walisische Sänger mit dem unnachahmlichen Schmelz in der Stimme hat 1968 mit dem Song «Delilah» einen Welthit gelandet. Inzwischen ist er 83 Jahre alt – und tourt immer noch, genauso unzerstörbar wie Keith Richards, Mick Jagger oder Bruce Springsteen.

Zudem erlebte Jones einen zweiten Frühling, indem er mit Mousse T. und «Sexbomb» im Jahr 2000 einen modernen Hit landete, in dem er mit seinen Klischees als Frauenheld ironisch spielte. Alles eigentlich wunderbar und Gelegenheit für Alt und Jung, an seinen Konzerten wahlweise Feuerzeuge oder Handys zu schwenken.

Wenn da nicht der Text von «Delilah» wäre. Wie die «Weltwoche» völlig zu recht darauf hinweist, gibt es hier natürlich gewaltig Anlass, gewisse Textstellen durch ein Piep zu ersetzen – oder gleich den ganzen Song zu verbieten, wahlweise neu zu betexten.

Denn es handelt sich um die Geschichte eines Mannes, der nachts am Fenster seiner Geliebten vorbeistreunt und dabei beobachtet, wie sie ihn mit einem anderen Mann betrügt. Er weiss zwar, dass sie nicht gut für ihn ist, aber er ist ihr wie ein Sklave hörig.

Am nächsten Morgen, als der Liebhaber wegfährt, steht er vor ihrer Türe; sie öffnet und lacht ihn aus. Und nun kommt’s:

I felt the knife in my hand and she laughed no more
My, my, my, DelilahWhy, why, why, DelilahSo before they come to break down the doorForgive me Delilah, I just couldn’t take anymore

Für des Englischen nicht so Mächtige, die sich auch entrüsten wollen:

Ich fühlte das Messer in meiner Hand, und sie lachte nicht mehr
Mei, mei, meine Delilah
Warum, warum, warum, Delilah
Bevor sie kommen und die Türe aufbrechen
Verzeih mir Delilah, ich konnte es nicht mehr ertragen.

Das ist nun kaum verklausuliert ein Mord aus Eifersucht, und am Schluss wartet der Täter darauf, dass die Polizei die Türe aufbricht, hinter der er sich mit seiner toten Ungetreuen befindet. Ts, ts.

Das ist Gewalt gegen Frauen, Machismo, sexualisierte Gewalt, furchtbar. Da nützen dann selbst Safe Spaces und speziell für Sich-unwohl-Fühlende an Konzerten trainierte Helfer nichts mehr. Das ist schlimmer als eine «Row Zero» vor der Bühne. Als Aftershow-Partys.

Wie konnte Tom Jones nur 55 Jahre lang damit davonkommen, dieses Lied unzählige Male zu singen? Wieso gibt es noch keine Kampfsportgruppen, die sich auf allen sozialen Kanälen dafür einsetzen, dass er von der Bühne verbannt wird?

«Kein Konzert für Täter», «Mörder Jones», «Schützt unsere Kinder vor diesem Monster», «Einnahmen müssen für Frauenhäuser gespendet werden», «Eine Entschuldigung ist nötig, reicht aber nicht», «Jones = Weinstein?», «Wann distanziert sich das Plattenlabel?», «Veranstalter, sagt die Konzerte ab».

Das wollen wir alles lesen und sehen. Sonst verliert ZACKBUM den Glauben an die «#metoo»-Bewegung.

1’100 Schuss pro Minute

Absurdes Theater um Munition.

Pro Minute kann ein Gepard-Flugabwehrpanzer bis zu 1’100 Schuss abgeben. 60 Stück davon aus ausgemusterten Beständen hat Deutschland an die Ukraine geliefert. Nur war dem deutschen Angriffsministerium offenbar nicht bewusst, dass so ein Geschütz auch Munition braucht.

Da war man etwas knausrig und kratzte gerade mal 60’000 Schuss zusammen. Die sind nach knapp einer Minute verballert, wenn alle 60 Panzer feuern. Daher fordert Deutschland von der Schweiz, dass es weitere 12’000 Stück an die Ukraine liefern kann, die unter dem Vorbehalt, dass sie nicht in Kriegsgebiete weiterexportiert würden, an Deutschland geliefert wurden.

Obwohl es auch in der Schweiz Winkeljuristen gibt, die meinen, man könne im Notfall die entsprechende und glasklare Gesetzgebung per Sonderrecht aushebeln, sagte die Schweiz dazu natürlich nein. Aber Deutschland nimmt da ungern ein Nein für ein Nein und schickte nochmals einen Brief mit der gleichen Forderung an den falschen Adressaten, nämlich an das Schweizer Verteidigungsministerium.

Und zur Sicherheit gleich noch an den «Spiegel». Wie erhofft ergiesst sich nun nach dem logischen und nochmaligen Nein ein Shitstorm in deutschen Medien über die Eidgenossen.

«Rüstungsgüter kauft man künftig besser nicht mehr in der Schweiz ein», keift die «Frankfurter Allgemeine Zeitung», hinter der nicht immer ein kluger Kopf steckt. Entsprechend tobt der teutonische Kommentarschreiber, wie der Tagi vermeldet: «Unglaublich, dass die Schweiz die Munition für eine FlugABWEHRkanone blockiert. Das macht sie für mich zur Komplizin des Kreml», lässt die altehrwürdige «Zeit» eine Kriegstaube in der Kommentarspalte rüpeln.

Ein anderer meint, man solle doch einfach auf das Verbot der Schweiz pfeifen, «was wollen die denn machen». Es sieht leider so aus, als ob der Deutsche auch nach mehr als 75 Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg noch nicht ganz im Rechtsstaat angekommen ist.

Auf der anderen Seite wird immerhin angemerkt, dass die deutsche Regierung vielleicht damit hätte rechnen können, dass sich die Schweiz an ihre Gesetze halten wird. Das scheint eben auch auf Regierungsebene dort eher überraschend zu sein, nach all den Verrenkungen, die innerhalb der EU schon stattfanden, Stichwort Griechenland.

Allerdings gibt es auch in der Schweiz einige Politiker und sogar ein paar Rechtsgelehrte, die die Lieferung der Munition befürworten oder sogar fordern. Aber glücklicherweise sind das nur einzelne Stimmen, die sich so ihren Ruf ruinieren.

Erschwerend kommt noch hinzu, dass es offenbar um haargenau 12’400 Schuss gehe. Also um rund 10 Sekunden Feuerkraft. Die Deutschen glaubten bekanntlich gegen Ende des Zweiten Weltkriegs immer wieder an Wunderwaffen, die den Ausgang noch rumreissen könnten.

Aber das diese 10 Sekunden kriegsentscheidend sein könnten, das dürfte nicht einmal dem nostalgischsten Verehrer der Reichswehr einfallen.

Aber immerhin, es gibt auch wenige Stimmen der Vernunft in Deutschland. Eine davon fragt, wieso es der deutschen Regierung eigentlich nicht vor oder spätestens bei der Lieferung eingefallen sei, dass das Ding auch Munition brauche. Dann hätte man die doch vielleicht besorgen oder herstellen können.

Anscheinend verfügt Brasilien über 300’000 Stück davon, will aber auch nicht liefern. Das wäre dann genug für fast 5 Stunden Feuerkraft. Oder, auf 60 Panzer umgelegt, könnte jeder immerhin 5 Minuten ballern.

What a joke, wie der Ami richtig sagt.

Gerüchteküche «Republik»

Zwischen Tamedia und dem Online-Magazin herrscht schon länger bissiger Kriegszustand.

Die «Republik» versuchte, sich mit einer ihrer gefürchteten ellenlangen Fortsetzungsgeschichten an Tamedia abzuarbeiten. Sozusagen im Schrotschussverfahren. Dann verbrach Daniel Ryser ein Schmierenstück über eine angebliche «Zerstörungsmaschine», die über eine streitbare und hasserfüllte Kämpferin gegen Hass und Hetze hereingebrochen sei. Ein Schrottschussverfahren.

Er betrat dabei journalistisches Neuland für einen Recherchierjournalisten, in dem er zwar jede Menge Gerüchte kolportierte, aber allen namentlich genannten Protagonisten seines Artikels keine Gelegenheit zur Stellungnahme einräumte. Als ZACKBUM freundlich nachfragte, wieso und gleichzeitig fragend auf einen ganzen Stapel von Ungenauigkeiten, Schludrigkeiten und sogar Fake News hinwies, blieb Ryser stumm.

Nun köcheln gleich zwei «Republik»-Redaktoren ein Süppchen auf der Entlassung des «Tages-Anzeiger»-Redaktors Kevin Brühlmann. Steife These: «Aus politischen Gründen?» Fragezeichen sind immer gut, wenn man austeilen will, aber nicht sicher genug ist, das im Indikativ zu tun.

Während bisher davon ausgegangen wurde, dass es Brühlmann die Stelle kostete, weil er ein eher verunglücktes Porträt über eine Zürcher Stadtratskandidatin schrieb, behaupten Dennis Bühler und Carlos Hanimann: «Ein Zürcher Reporter fällt bei Verleger Pietro Supino in Ungnade und verliert seine Stelle. Die Redaktion reagiert mit einem geharnischten Protestbrief.»

Darin habe die Redaktion die Wiedereinstellung Brühlmanns gefordert und verlangt, dass auch die in der Hierrachie obendran stehenden Mitarbeiter, die den Artikel durchwinkten, sanktioniert werden müssten. Es seien immerhin fünf gewesen. Der Brief sei, man erinnert sich an einen anderen Protestbrief, von 71 Mitarbeitern unterzeichnet worden. «Der Wortlaut des Briefs ist der Republik bekannt.» Das ist eine sehr interessante Formulierung, weit entfernt von der Aussage: der Brief liegt der «Republik» vor.

Der Blitz Supinos habe eingeschlagen, vermutet die «Republik»

Obwohl laut «Republik» im Brief Beschwerde geführt werde, dass es nicht anginge, dass ein Redaktor wegen eines einzigen Fehlers entlassen werde, vermuten die Recherchierkünstler – ohne sich des Widerspruchs bewusst zu werden – dass Brühlmann schon letztes Jahr den «Groll von Verleger Supino auf sich gezogen» habe, als er einen Artikel über die Baugarten-Stiftung veröffentlichte.

Der sei von Co-Chefredaktor Mario Stäuble bestellt, für gut befunden und publiziert worden. Aber dann:

«Gemäss mehreren gut unterrichteten Quellen habe sich Stäuble nach der Publikation in einer Sitzung mit allen Chef­redaktoren der Tamedia-Zeitungen und in Anwesenheit von Verleger Pietro Supino lange und ausführlich für die Recherche seines Reporters entschuldigt und für das eigene Versagen gegeisselt.»

Auch Brühlmann sei auf Intervention von Supino dazu gezwungen worden, sich bei Baugarten zu entschuldigen, will die «Republik» wissen. Nun ist es gerade bei ihr mit den «gut unterrichteten Quellen» so eine Sache. Die haben regelmässig ins Desaster geführt; Stichwort «Globe Garden», Stichwort «ETH» Stichwort weitere «Skandale» die auf solchen Quellen aufgebaut wurden – und kläglich verröchelten.

Hier kommt noch erschwerend hinzu: Der Artikel über die Stadtratskandidatin mit jüdischen Wurzeln ist tatsächlich teilweise verunglückt. Auf der anderen Seite hat die Porträtierte die Entschuldigung akzeptiert, den Fall für erledigt erklärt. Nur Katastrophen-Sacha ritt eine Attacke auf den «Stürmer von der Werdstrasse», mit der er sich selbst einmal mehr disqualifizierte.

Was Anlass zu Zorn geben könnte, ist nicht ersichtlich

Im Fall des Artikels über die Stiftung wird aber auch bei sorgfältiger Lektüre nicht klar, worüber sich da jemand hätte echauffieren können – und womit der Journalist den Groll Supinos auf sich gezogen haben könnte. Der Artikel ist sorgfältig recherchiert, scheint keine Fehlinformationen zu enthalten und erzählt, abgesehen von ein, zwei kleinen Schlenkern in die Vergangenheit des Stiftungspräsidenten als CEO von Holzim, faktenbasiert, unpolemisch die Geschichte einer der wohl bedeutendsten privaten Geldgeber Zürichs nach.

Es könnte vielleicht sein, dass sich Baugarten gewünscht hätte, nicht so öffentlich exponiert zu werden. Auf der anderen Seite ist es ja kein Geheimclub mit düsteren Aufnahmeritualen in dunklen Kellern. Im Gegenteil, sie verfügt sogar über eine eigene Webseite mit durchaus vorhandenen Informationen und Auskünften.

Schwacher Vorwurf, schweife in die Vergangenheit

Wenn der Hauptvorwurf nur sehr wolkig begründet werden kann, gehört es zu den ältesten Maschen, Parallelbeispiele aufzuzählen. Da fällt der «Republik» ein Artikel aus dem Jahr 2018 ein. Da drosch Philipp Loser unanständig, ohne die primitivsten journalistischen Benimmregeln einzuhalten und genauso unfundiert wie hier die «Republik», auf den Tamedia-Konkurrenten Hanspeter Lebrument ein.

Interessant war, dass auch dieses Schmierenstück durch alle hochgelobten «Qualitätskontrollen» durchrutschte. Dass es dann gelöscht wurde und Loser bei Lebrument zu Kreuze kriechen musste, war eigentlich selbstverständlich. Zudem überlebte Loser diesen Riesenflop. Leider.

Weiter ein von Supino der eigenen Redaktion gewährtes und dann zurückgezogenes Interview, eher ein Kuriosum und keine weitere Belegstelle für unziemliche Einmischung. Dass Supino tatsächlich stark intervenierte, um die gescheiterte Medienmilliarde zu unterstützen, das erwähnt die «Republik» lustigerweise nicht. Wohl weil sie auch dafür war.

Dann kommt noch die Uraltgeschichte der Entlassung von Chefredaktor Viktor Schlumpf anno 1991. Nach dieser sehr, sehr dünnen Suppe kommen die Autoren ohne jegliche Begründung zum Schluss:

«Der bissige Ton in Brühlmanns Text über die Baugarten-Stiftung wurde ihm zum Verhängnis.»

Wer in diesem Stück einen «bissigen Ton» entdeckt, hat wohl auch Angst vor einem Chihuahua, wenn der unter seinem rosa Mäschlein aus der Handtasche seiner Besitzerin kläfft.

Vorsicht, bissiger Ton.

Dass bei Tamedia bezüglich Qualitätskontrolle einiges im Argen liegt, ist offenkundig. Dass das auch bei der «Republik» der Fall ist, ebenfalls. Zudem vermisst man ein selbstkritisches Stück, wieso denn vom Chefredaktor abwärts weitere führende Redaktoren das Blatt verlassen. Wäre doch auch mal interessant zu wissen.