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Wieder da!

Gute oder schlechte Nachricht? Zwei Wochen vergangen. Nichts passiert. Alles beim Alten.

Zugegeben, es ist die volle Härte, wenn der 1. August auf einen Sonntag fällt. Da ist guter Rat teuer, was die Sonntagspresse eigentlich machen kann. Zu teuer, denn es wird nun ganz, ganz peinlich:

Weiss die «Sonntagszeitung» am 1. August 2021.

Da zieht es der Cervelat beim Fremdschämen die Haut ab, aber was will man machen, wenn sowieso die zum Dienst verknurrte C-Mannschaft am Gerät ist?

Wir denken uns mal schnell in eine Erfindung zurück.

Echt witzig, das muss gelobt werden, wird die SoZ auch. Allerdings dürfte das hier ihrer Corona-Kreische Marc Brupbacher das Letzte abfordern:

Die kennen nix, um sich im Gespräch zu halten …

Geht noch einer? Wo Markus Somm ist, ist auch ein Weg:

Warum gibt es eigentlich diese Kolumne?

Nicht nur am 1. August müssen wir uns das fragen. Wir fassen uns an den Kopf und wenden uns daher dem Blatt für die gehobene Stände zu. Richtig, der NZZaS.

Man merkt, spürt, sieht den Niveau-Unterschied sofort:

Diese Illustration hat doch ein anderes Niveau.

Ach interviewtechnisch bewegt sich die NZZaS auf einem eigenen Niveau:

Alt Bundesrätin, altes Foto, alter Text.

Pardon, nein, der Text ist neu. Also genau gesehen, alt Bundesrätin Leuthard hat alte Buchstaben neu sortiert. Spricht gesalbte Worte über die Schweizer Wesensart der Besserwisserei, weiss es dann allerdings klimapolitisch auch besser als ihre Nachfolgerin, unsere Atom-Doris. Der Cervelat schämt sich schon bei der SoZ fremd, nehmen wir hier doch eine weisse Socke, das modische Signal, an dem man den Aargauer erkennt. Die rollt sich nämlich runter vor Fremdschämen bei diesem Interview.

Aber, wenn eigene Texte schon nichts taugen, freut sich der Leser über ein Inserat ungemein:

Da ist mehr Zündstoff drin als im ganzen Rest der NZZaS.

Mit einem ganzseitigen Inserat wehrt sich der Geschäftsführer einer Firma gegen einen Bericht des «Beobachter», der im Dezember über ihn erschienen ist:

Illegale Praktiken oder beweisfreie Behauptung?

Das Inserat in der NZZaS kommt sehr professionell daher. Kein Wunder, es wurde von Profis gestaltet; von der Werbebude Rod. Zumindest sehr speziell, dass sich ein Kritisierter Monate später mit einem ganzseitigen Inserat meldet – und zum Gegenangriff übergeht, in dem er alle Vorwürfe zurückweist und deutlich macht, dass er einen Zusammenhang mit seiner Herkunft sieht – er ist Schweizer mit Migrationshintergrund, wie man korrektdeutsch sagt. Auch sehr speziell, dass die NZZaS ein solches Inserat abdruckt, in dem einem Mitbewerber mit Anlauf eins über die Rübe gehauen wird. Man ist auf die Fortsetzung gespannt.

Der Rest der NZZaS vom 1. August? Wirkt dagegen wie ein Feuerwerk – bei dem die Lunte nass geworden ist.

Gibt’s da nicht noch einen dritten Eidgenossen im Bunde? Doch, richtig, der «SonntagsBlick» ist immer noch da. Wir wissen zwar heute am Sonntag nicht, welche seiner Storys am Montag von Ringier persönlich gekübelt, geteert, gefedert, für Unsinn erklärt werden, wofür man sich ausdrücklich entschuldigen wird, dabei versprechen, es nie mehr zu tun. Aber wir wagen mal eine Auswahl, bei der wir davon ausgehen, dass sie für die Ewigkeit gemacht ist. Zunächst das Cover, grandios:

Der Bundespräsident will mal was Markiges sagen, das Blatt was Banales.

And the winner is: eindeutig der SoBli.

Alle drei Sonntagblätter haben es mit grossen Illustrationen versucht, dem 1. August noch etwas abzugewinnen. Eindeutig die Nase vorne hat der SoBli mit diesem Wimmelbild zum Uralt-Thema, welche Eigenschaften denn den Eidgenossen ausmachen.

Auf Somms Spuren: Frank. A Meyer.

Der Ringier-Mann für die gehobene Flachdenke grübelt hier über der Frage, wie billig man eigentlich in die Schweiz einwandern könne. Bekanntlich machten noch vor kurzer Zeit Eidgenossen wie Wilhelm Tell Ausländern das Leben in der Schweiz eher schwer. Heute aber sei das ganz anders, seufzt Meyer. Der Mann ist wirklich völlig frei von Selbstironie. Denn er tut das als ausgewanderter Schweizer von Berlin aus, wo er seit Jahr und Tag vor dem Brandenburger Tor steht. In Farben gekleidet, die die Natur eigentlich verboten hat:

Würden Sie diesem Mann ein Jacket abkaufen – oder einen Gedanken?

Aber gut, es ist schön, wenn man nach zwei Wochen Abwesenheit feststellen darf, dass sich gar nichts, aber rein gar nichts geändert hat. Daher können auch wir sagen:

 

 

 

Ex-Press XXX

Blasen aus dem Mediensumpf.

Für die Jubiläumsausgabe werden wir uns ausschliesslich auf höchstem Niveau bewegen. Wo die Luft so dünn ist, dass niemals ein TV-Fuzzi so hoch fliegen kann. Ausser, er gibt Guzzi.

Scharfer Blick auf die NZZaS

Alle reden über die NZZaS, hier wird sie gelesen und auf den Prüfstand gelegt. Denn, kaum zu glauben, mindestens so wichtig wie ein neuer Chefredaktor und die Umstände der Absetzung des alten – ist der Inhalt.

Für selbstverliebte Journalisten schwer zu akzeptieren, aber ohne genügend Leser könnten sie sich endlich einen richtigen Beruf suchen.

Seite eins; seit dem letzten Redesign erkennbar an dem sinnlosen Loch oben rechts, kommt gewohnt getragen-seriös daher.

Schmetterlinge, jüdischer Schriftsteller über was wohl, Suche nach den Gründen für den Erfolg der Schweizer Skifahrer. Weil sie schneller als die Konkurrenz fahren? Ich meine ja nur.

Nach den Anrissen die Headlines. Wegen einer hohen Zahl von «Impfskeptikern» drohten «Spitälern wieder Engpässe». Ja wieso denn das? Weil das BAG im Chor mit den üblichen Verdächtigen behauptet, dass nach einer Lockerung der Massnahmen dank vieler Ungeimpfter eine dritte oder vierte Welle drohe.

20 Prozent der Schweizer wollen sich nicht pieksen lassen, 28 seien unschlüssig, habe eine Umfrage ergeben. Ob das was damit zu tun haben könnte, dass die ewige Kakophonie von divergierenden Ankündigungen und Meinungen damit etwas zu tun haben könnte? Aber so viel Vertiefung liegt der NZZaS nicht.

Als Keyvisual wie das der Medienspezialist nennt, eine nachkolorierte Fotografie des berühmten Charlie-Chaplin-Films «Modern Times». Sie verspricht ein «Sonderheft» des Magazins. Ja nicht glauben, wir kommen darauf zurück.

Weht der Mantel der Geschichte oder ein Lüftchen Zeitgeist?

Dann weht der Mantel der Geschichte, nein, des Zeitgeists durch die NZZaS. Auf Seite 3 ein voluminös bebildeter Artikel über die Ermordung einer 33-Jährigen auf dem Heimweg in Londons Stadtteil Clapham. Der mutmassliche Täter ist bereits gefasst: peinlicherweise ein Polizist.

Das ist singuläres Pech, denn welche Frau würde nicht einem britischen Bobby vertrauen? Aber heutzutage ist das natürlich Gelegenheit, darauf aufmerksam zu machen, dass «die Briten die täglichen Missetaten an Frauen nicht mehr akzeptieren», wie die Autorin im Lead schreibt. Frauen klagen an, Männer bekennen, Täter zu sein, der «Fall Sahra» sei vielleicht ein Wendepunkt, meint «Studentin Louise». Bis er schnell wieder vergessen wird.

International hat die NZZaS mehr zu bieten; den Bericht über eine mögliche Zeitwende in Frankreich, wo die Skandale der Eliten nicht länger hingenommen werden und straffrei bleiben. Die Verurteilung des Ex-Präsidenten Sarkosy sei da nur die Spitze einer stärker werdenden Bewegung. Wer bei den deutschen Grünen Kanzlerkandidat werden könnte und die überraschende Schlussfolgerung, dass die harten Töne des US-Präsidenten Biden Russland und China einander näherbringen könnten; als zwei Meldungen wäre denen nichts Wesentliches abhanden gekommen. Ein fast doppelseitiges Interview mit dem glücklosen Ausenminister Ignazio Cassis riecht schwer nach: kann man machen, muss man sicher nicht machen.

Endlich im Hintergrund Highlights

Der «Hintergrund» enthält zwei Stücke, die das einsame Niveau der NZZaS dann doch illustrieren. Ein respektvoll-kritisches Porträt von Markus Somm. Das drängt sich auf, nachdem am Donnerstag sein Online-Nebelspalter gestartet ist und er immerhin mal Chefredaktor der NZZ hätte werden sollen. Michael Furger gelingt wirklich ein Porträt. Keine Schwarweissmalerei, noch viel weniger Schwarzmalerei, man wird nostalgisch und erinnert sich daran, was ein Porträt früher mal war.

Als Misston schleicht sich – aber nur kurz – die Kolumne von Nicole Althaus ein. Eigentlich will sie sagen: Männer sind oft triebgesteuerte Schweine. So kann man (und auch nicht frau) das in der NZZaS nicht formulieren, also schwurbelt sie sich in Reflexionshöhen, die weit über ihrer Gehaltsklasse liegen. Alle Mädchen würden «auf ihrem Weg zur Frau lernen, dass sie in einem Körper leben, der ein Areal der Sexualisierung und Beschämung ist.» – «Die Welt der Buben» weite «sich während der Pubertät aus, während jene der Mädchen» schrumpfe. «Da ist die Scham, weil im Turnen das T-Shirt hochrutscht und ein Stück BH entblösst.»

Was würde Althaus wohl zu diesen Modevorschlägen aus dem «Magazin» sagen?

Wäre ich hier der Entscheidungsträger, ob dieses Geblubber veröffentlicht werden soll oder nicht, käme es wohl unvermeidlich zum Showdown: du Mann, ich Frau. Aber das Interview mit einer Pfarrerin über Bestattungen in Zeiten von Covid und ein liebevoller Nachruf auf Albert Kreis, ein Arzt der besonderen und aussterbenden Art, versöhnen wieder.

Wirtschaft: Nur eine überzeugt

In der Wirtschaft hat die unermüdliche Zoé Baches einen Fall ausgegraben, der nochmals ein Schlaglicht auf den Steuerstreit mit den USA wirft, als es den Führungsetagen der Banken schlichtweg darum ging, den eigenen Kopf zu retten, sie deshalb bereit waren, sowohl Kunden wie Mitarbeiter zu verraten und Milliardenbussen zu zahlen. Statt Verantwortung zu übernehmen und den Auftritt vor US-Gerichten zu wagen.

Emanuel Agustoni war ein Banker bei der CS, der US-Kunden betreute. Und darauf besteht, dass er niemals gegen US- oder gegen Schweizer Gesetze verstossen habe. In seiner relativ kurzen Zeit zwischen 2001 und 2005. 2011 wurde er in den USA angeklagt, Beihilfe zur Steuerhinterziehung. Er begann zu kämpfen und weigerte sich, den US-Behörden seine Kundenliste auszuhändigen, damit könne sein Fall schnell ad acta gelegt werden.

Die CS lässt Agustoni ein Budget machen und verspricht, die Prozesskosten zu übernehmen. Wenige Tage, bevor der Prozess endlich 2019 beginnen sollte, macht die CS einen Rückzieher, sie stellt per sofort die Zahlungen ein. Alleine kann der Banker das nicht stemmen, der Prozess platzt. Neuer Anlauf nach der Wahl Bidens und Veränderungen im Justizministerium der USA. Diesmal würde ein Prozess gechätzt nur noch die Hälfte des ursprünglichen Betrags kosten. Immer noch zu teuer, sagt die CS. Die sich selber für schuldig bekannte und sagenhafte 2,8 Milliarden Dollar zahlte. Plus Hunderte von Millionen für den von den USA in der Bank eingepflanzten Überwacher. Gute Story. Einzig gute Story.

Die mageren 6 Seiten im «Wissen»-Bund trumpfen immer wieder mit Trouvaillen auf; diesmal mit einer Nacherzählung des Befreiungskampfes der Griechen gegen die Türkei, der vor 200 Jahren begann. Und die Rolle, die drei Schweizer dabei spielten. Schliesslich in der «Kultur» ein mutiges Plädoyer gegen den um sich greifenden Genderwahnsinn auch im Kino. Also nur eine lesbische Frau darf eine lesbische Filmfigur spielen, usw. Schöne Schlussfolgerung: «Wenn die Fiktion deckungsgleich sein muss mit der Realität, schafft sie sich selber ab.» Dann eine ausgewogene Seite über den Knatsch um das Schauspielhaus Zürich. Totalrenovation oder Bewahrung des historisch bedeutenden Theatersaals der Pfauenbühne?

Und tschüss. Ach, das «Magazin»? Sagen wir so: immerhin hat man diesmal keine Riesenstory über aussterbende Elefanten eingekauft.

Man gönnt sich ja sonst nichts.

Dieser zum «Lustwandeln» geeignete Pyjama wird unter «Konsumkultur» im Magazin angeboten. Um ihn zu ergattern, muss man nur drei Hürden überwinden. Die angegebene Adresse ist falsch. Er kostet schlappe 295 Euro. Und er ist noch nicht lieferbar.

Ex-Press

Hermann L. Gremliza (1940 bis 2019) nannte so seine monatliche Kritik an Zu-kurz-Gedachtem und Zu-Schlecht-Formuliertem. 45 Jahre lang hielt er den Geist von Karl Kraus am Leben.

Das hier ist natürlich nur eine Verbeugung davor.

 

Häme will gelernt sein I

Die SonntagsZeitung nimmt sich in ihrer vor Richtigstellungen nicht gefeiten Rubrik «Bürohr» die «Weltwoche» in «einem neuen Kleid» vor. Überraschungsfrei findet sie etwas zu mäkeln. Dem Artikel über den Fondsverwalter Erhard Lee mangle es an kritischen Fragen. Ob das «noch Journalismus war oder Corporate Publishing»? Das fragt ausgerechnet ein Organ von Tamedia, schon mehrfach vom Presserat gerüffelt wegen Werbeseiten, die täuschend ähnlich wie redaktioneller Inhalt daherkommen? Das fragt ausgerechnet ein Organ, das sich fast die gesamte Tourismusberichterstattung bezahlen lässt?

«Denn Publikationen zu Unternehmen gibt es neuerdings auch zu kaufen im Bauchladen von Roger Köppel», mokiert sich das Blatt. Wohl die Konkurrenz zur eigenen Abteilung Corporate Publishing fürchtend, die sich schon seit Jahren darum kümmert, inseratefreundliches Umfeld für Beilagen zu schaffen.

Häme will gelernt sein II

Auch die NZZamSonntag will sich nicht vorwerfen lassen, Veränderungen bei der «Weltwoche» unkommentiert zu lassen. Überraschungsfrei unfreundlich: «Neues Design, alte Langeweile», mäkelt Aline Wanner. Denn, unglaublich, die «Weltwoche» habe zwar das Design verändert, aber weder die Redaktion, noch die Kolumnisten ausgetauscht.

Immerhin gesteht Wanner ein paar «Ausnahmen» ein, bei denen sie sich nicht langweilte. Und dann muss sie in den gehüpften Spagat mit doppelter Schraube gehen, denn wie erwähnt sie, dass ihr Ex-Chefredaktor Daniel Weber ein Haus weitergezogen ist und nun den Kulturteil der «Weltwoche» herausgibt? Während sie immer noch auf ihrem Stühlchen beim Folio sitzt? Nun, immerhin heben sich dort die Rezensionen «angenehm ab». Wovon? «Von der allgemeinen Sorge um die Einschränkung der Meinungsfreiheit», behauptet Wanner.

Dafür weiss sie: Auch zukünftig wird die «Weltwoche» nicht das sein, was der Schweizer Medienlandschaft fehle: «ein politisches, relevantes und überraschendes Wochenmagazin». Nun ja, offenbar vermögen da weder die NZZamSonntag, noch deren aus der Sommerpause erwachtes Schrumpf-Magazin, noch Folio diese schmerzliche Lücke füllen.

Interviews sind das Kleingeld des Journalismus I

Kostet (normalerweise) nix, macht den Anschein, man sei dabeigewesen, und füllt den Platz: das Interview. Die billigste – und das leider im Wortsinn – Form des Journalismus. Wie nähert sich das Magazin der NZZ zwar spät, aber man muss ja auch mal in die Ferien, dem Thema Schulanfang? Richtig, mit einem Interview mit dem «Lieblingspädagogen Dieter Rüttimann». Das ist schön, dass man mal seinen Liebling abfeiern darf. Aber gleich auf sechs Seiten? Und interessiert es wirklich irgend jemand, dass die in doppelter Mannstärke angerückten Interviewer versuchten, «ein Gedicht ihrer Schulzeit aufzusagen»?

 

Interviews sind das Kleingeld des Journalismus II

Lisa Eckardt ist sozusagen in aller Munde. Lisa wer? Nun, diese Bühnenfigur der österreichischen Satirikerin Lisa Lasselsberger. Sieht mega-scharf aus und geht mit ihrem Kabarettprogramm gerne über die Grenze des allgemein Erträglichen hinaus. Das brachte ihr zuerst eine Einladung an ein Dichtertreffen in Hamburg, dann ihre Ausladung wegen Antisemitismus-Verdacht und Angst vor linker Randale, ihre Wiedereinladung und ihre eigene Absage, dass sie so einen Zirkus nicht mitmache.

Wunderbar, Deutsche und Österreicher verstehen sich mal wieder nicht richtig, und Eckhardt macht sich natürlich darüber lustig, dass ihr deutsches Publikum auf eine Österreicherin hört. Das reicht in linken Kreisen schon für Geschrei. Also irgendwie doch ein eher unsere Nachbarn interessierendes Phänomen.

Aber nein, der Leiter Kultur bei der NZZaS reist höchstselbst an, damit das auch gebührend zur Kenntnis genommen wird, entblödet er sich nicht, bei der Autorenzeile zu schreiben: «Peer Teuwsen, Wien». Was hat der Leser des nachfolgenden – Überraschung – Interviews davon? Nun, Teuwsen weiss zu berichten, dass Eckardt barfuss zum Interview erscheint, und dass er sich in einer langen Reihe anstellen musste. Wunderbar, dass wir das wissen. Hoffentlich hatte Teuwsen Spass beim Heurigen.

Interviews sind das Kleingeld des Journalismus III

Sparsamer geht die SoZ ans Werk. Auch sie hat natürlich – Überraschung – ein Interview mit Eckardt im Blatt. Das ist aber noch gar nichts im Vergleich zur nächsten Sparmassnahme. Denn die SoZ hat auch ein Interview mit Erica Jong im Blatt. Für Leser, die 1973 noch nicht auf der Welt waren: Da veröffentlichte sie «Angst vorm Fliegen», einen Roman, in dem auch über sexuelle Fantasien einer Frau berichtet wird, was damals unglaublich verrucht war.

Was sagt uns die Dichterin denn heute? Nun, dass sie inzwischen 73 ist, als Erfinderin des Worts «Spontanfick» selber noch nie einen hatte. Und die Frauen heute leider auch noch nicht viel weiter als damals seien. Aha. Und wieso serviert uns das die SoZ? Na, ganz einfach, weil sie damit die Sparmassnahme auf den Gipfel treiben kann.

Denn was ist noch billiger als ein Interview? Richtig, ein von der Süddeutschen übernommenes Interview. Transparenz in solchen Fragen? Ach was, muss der Leser doch nicht wissen. Ist auch eine Hilfe für ältere Leser in ihren Siebzigern mit Hang zu Alzheimer. Die können’s in der SZ lesen, wieder vergessen und dann nochmal in der SoZ lesen. Und wieder vergessen.