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Selig sind die Armen im Geiste

Die Linken sind die neuen Gläubigen.

Früher behauptete die Kirche, die Sonne drehe sich um die Erde und Darwins Evolutionstheorie sei des Teufels. Mit nachlassender Kraft versuchte sie, Häretiker zur Räson zu bringen.

In diese Fussstapfen treten heutzutage linke Kreise. Statt um Sonne und Erde oder Evolution geht es um etwas viel Banaleres: um Mohrenköpfe.

Genauer um die Holzköpfe an der Decke der Aula des Schulhauses Hirschengraben in Zürich. Die prangen dort seit über 130 Jahren als Bestandteil einer Galerie der Völker der Erde. Daran hat sich lange Jahre niemand gestört.

Bis andere Holzköpfe auf die Idee kamen, dass es sich dabei um Diskriminierung, Rassismus, Postkolonialismus, weisse Überlegenheitsfantasien und andere schlimme Dinge handeln könnte.

Nur die in Geld schwimmende Stadt Zürich konnte dann auf die Idee kommen, ein 319 Seiten starkes Gutachten bei zwei Historikern in Auftrag zu geben, die die Frage beantworten sollten, ob diese Köpfe abgesägt gehören, hängen bleiben dürfen oder zumindest «kontextualisiert» werden müssten.

Hat schlappe 113’000 Franken gekostet und kam zum klaren Ergebnis: Das Kunsthandwerk sei ein Statement für die Gleichwertigkeit der Völker. Nix Rassismus, nix Diskriminierung, nix weisse Überheblichkeit. Wenn’s denn sein muss, ein wenig Kontextualisierung, damit das woke Gewölle Ruhe gibt.

Ende Gelände? Aber nein. Das kann doch wohl nicht sein, meinen die Fraktionen der SP, der Grünen und der Alternativen Liste (AL). Sie reichen eine dringende Anfrage im Stadtparlament ein, in der sie die Expertise der Historiker und vor allem die Ergebnisse der Untersuchung stark bezweifeln.

Die Co-Präsidentin der AL, Sophie Blaser, entblödet sich auf Anfrage der NZZ nicht, ihre hochstehende Meinung zum Besten zu geben:

«Die Kindergärtnerin betont: «Ich finde es unheimlich, dass Menschen so ausgestellt werden.» Sie würde nicht am Hirschengraben arbeiten wollen. «Kolleginnen von mir sehen das ähnlich.»»

Schlimm ist immer, wenn sich jemand öffentlich lächerlich macht – und es nicht mal merkt.

Gesteigert wird das höchstens durch den sogenannten Verein «Zürich Kolonial». Diese Versammlung von Tieffliegern fordert eine neuerliche Untersuchung der Holzköpfe, nach der Devise: ein Gutachten ist erst dann richtig, wenn es unsere Meinung wiedergibt. Als Höhepunkt der eigenen historischen Recherche hat der Verein herausgefunden, «dass Gutachter Joseph Jung und Auftraggeber des Gutachtens Filippo Leutenegger beide in den 60er-Jahren die Klosterschule Disentis besuchten».

Womit die Untauglichkeit der Arbeit einwandfrei erwiesen wäre.

Es gibt bis heute die Flat Earthler. Sie sind fest davon überzeugt, dass die Erde eine Scheibe sei. Es gibt die Kreationisten. Sie glauben, dass die Erde genau am 23. Oktober 4004 vor unserer Zeit mit einem göttlichen Kraftakt erschaffen wurde. Es gibt Verschwörungstheoretiker und Menschen, die glauben, dass schwarze Helikopter Jagd auf Dissidenten machen. Dass Aliens unter uns leben, als Menschen verkleidete Reptilien.

So gibt es ein ganzes Sammelsurium von Spinnern, Entgleisten, Verpeilten und Vollpfosten.

Ihnen ist gemeinsam, dass sie ihre Überzeugung, ihren Glauben unbeeindruckt von unwiderlegbaren Gegenbeweisen verteidigen.

Genau dieser sektiererischen Ansicht hängen offensichtlich auch die Vertreter der SP, der Grünen und der AL im Zürcher Parlament an.

Das ist erschreckend und beunruhigend. Denn es handelt sich immerhin um gewählte Volksvertreter. Deren ebenfalls gewählte Vertreter in der Exekutive bereits genügend Unfug in Sachen Mohrenköpfe anstellen.

Man könnte sich das Geld für ein neues Gutachten über die Holzköpfe in einer Aula problemlos sparen. Indem man das gewünschte Ergebnis in einem einfachen Satz festhält: Diese Holzköpfe sind rassistisch und diskriminierend – und müssen weg.

Dafür braucht es dann nur einen Handwerker mit Leiter und Säge. Inklusive Anfahrt, Abfahrt, Kleinmaterial und Gefahrenzulage sollte sich das mit rund 1000 Franken bewerkstelligen lassen.

Was allerdings mit den Holzköpfen in Legislative und Exekutive geschehen soll, das müsste eine weitere wissenschaftliche Untersuchung klären.

Hitzschlag im kühlen Regen

Der Tagi kommentiert die absurden Vorschläge der Grünen. Realsatire, Teil zwei.

Die Schweizer Grünen, die gerne mal selbst ausgedehnte Reisen im Langstreckenflieger unternehmen, haben einen «Aktionsplan». Die Fraktionschefin der Grünen, Aline Trede, düst ungeniert nach Brasilien oder Uruguay. Obwohl sie ja eigentlich nicht fliegt und strikt dagegen ist.

Aber gegen diese Heuchelei will die Partei nichts unternehmen. Sondern sie kämpft neuerdings für das «Recht auf Schatten». Für Hitzefrei, begrünte Tramhaltestellen, Mietzinsreduktion bei überhitzten Wohnungen und überhaupt. Bezahlen soll das der Staat, wer denn sonst. Also der Steuerzahler, wer denn sonst.

Diese Realsatire ist schwer zu toppen. Am Arbeitsplatz soll gelten: «Demnach müssten Arbeitgeber ab 26 Grad in Innenräumen Massnahmen zum Schutz der Gesundheit ergreifen. Dazu gehören längere Pausen, kostenlose Getränke oder reduzierte Arbeitszeiten. Bei extremer Hitze soll es ein Recht auf Homeoffice geben.»

Offenbar ist Tamedia-Redaktor Markus Brotschi noch nicht in den Genuss dieser Privilegien gekommen. Anders ist seine erhitzte Meinung nicht zu erklären. Er erteilt auch gerne Parlamentariern Nachhilfestunden, wie sie «unheilige Allianzen» vermeiden sollten.

Als Bundeshausredaktor kennt er sich zudem bestens beim Klima-Retten aus. Also erklärt er nun den «Bürgerlichen», was sie zu tun hätten. Er befürchtet allerdings nicht zu Unrecht, dass dieser Forderungskatalog der Grünen «Polemik» auslösen könnte.

Vielleicht überschätzt er die Wirkung dieser überhitzten Forderungen: sie werden wohl eher gesundes Gelächter provozieren. Aber Brotschi ist überhaupt nicht nach Lachen zumute:

«Wer mit Blick auf die in diesen Tagen erträglichen Temperaturen darauf setzt, dass Tropennächte die Ausnahme bleiben, dürfte in wenigen Jahren eines Besseren belehrt werden. Die Wissenschaft ist sich weitgehend einig: Der Klimawandel ist Tatsache, und der Sommer wird für viele Menschen zum Gesundheitsrisiko werden.»

«Weitgehend einig» ist eine genauso kühne Behauptung wie die eines Gesundheitsrisikos für «viele Menschen». Ist ja auch ein Skandal, wie viele Menschen in der Karibik oder in anderen wirklich heissen Gegenden der Welt durch die Hitze wegsterben. Vielleicht sollte Brotschi, wenn er keine Flugscham kennt, mal ein paar Wochen dort verbringen, um sich vom Gegenteil zu überzeugen.

Wie auch immer, es ist wie meist bei solchen Debatten fünf vor zwölf: «Darauf gilt es sich vorzubereiten, und zwar jetzt und nicht erst im nächsten Jahrzehnt.» Falls nicht, schwant ihm Übles:

«Wenn Gebäude in 15 Jahren noch immer schlecht isoliert, unklimatisiert und Innenstädte nach wie vor Asphaltwüsten sind, wird die Sommerhitze für manche unerträglich geworden sein

Ein Seher unter den Tamedia-Journalisten. Ob er wohl auch eine Prognose abgeben kann, ob es den Tagi in 15 Jahren noch gibt? Und ob er dann noch zur zusammengeschmolzenen kleinen Schar seiner Journalisten gehören wird?

Aber hier und heute singt er ein Loblied auf die Grünen: «Zumindest kümmern sich die Grünen um jene Folgen der Klimaerwärmung, die selbst bei einer drastischen weltweiten Reduktion des CO₂-Ausstosses kaum mehr zu verhindern sind. Das nennt sich Realpolitik.»

Absurde und unrealistische Forderungen aufstellen, deren Verwirklichung eine Reduktion des «weltweiten CO2-Ausstosses» um mindestens 0,000001 Prozent bewirken würde, soll sich Realpolitik nennen dürfen? Was wäre dann Irrealpolitik? Den Mond zwecks Schattenwurf näher an die Erde holen?

Wäre es nicht eine sinnvollere Massnahme zur Reduktion, Trede oder den SP-Co-Chef Cédric Wermuth (der mit dem Flug nach Berlin für ein Selfie mit Olaf Scholz und einem Familienausflug nach Asien) zu fragen, wie ihre Flugbewegungen nach nah und fern mit solchen Forderungen vereinbar sind?

Eine genauso absurde Gegenthese: würden alle Befürworter dieses «Aktionsplans» konsequent auf Flugreisen verzichten (und das nicht nur den anderen predigen), dann wäre das ein bedeutender Beitrag für ein kühleres Zürich.

Dass Tamedia diese grünen Vorschläge ohne jede Spur von Ironie oder zumindest Distanz referierte, ist das eine. Dass nun noch mit einem solchen Meinungsartikel nachgelegt wird, während kritische Stimmen in der Podiumszeitung Tagi keinen Platz bekommen, das ist erbärmlich.

Realsatire

Es regnet und ist eher frisch. Der richtige Moment, um hitzefrei zu fordern.

Das Qualitätsorgan «Tages-Anzeiger» samt angeschlossenem Kopfblattsalat stopft das Sommerloch. Mit einem Bericht, der keine Schweissperlen auslöst, aber Lachtränen.

Endlich werden die vielen Rechte, über die der moderne Staatsbürger verfügt, um ein weiteres, brennend wichtiges ergänzt. «Brüder, zur Sonne, zur Freiheit», das war gestern. Heute gilt es, um das «Recht auf Schatten» zu kämpfen. Aber nicht etwa die schwitzenden Massen sollen das erledigen, natürlich geht es um «staatlichen Hitzeschutz». Denn der Staat ist schliesslich an allem schuld und für alles da.

Der «grüne Aktionsplan» ist allumfassend und kümmert sich schweisstreibend um jedes Detail.

Da gibt es die Forderung nach einer gesetzlichen Verankerung des Schutzes am Arbeitsplatz. Nicht etwa vor Ausbeutung: «Demnach müssten Arbeitgeber ab 26 Grad in Innenräumen Massnahmen zum Schutz der Gesundheit ergreifen. Dazu gehören längere Pausen, kostenlose Getränke oder reduzierte Arbeitszeiten. Bei extremer Hitze soll es ein Recht auf Homeoffice geben.»

Kleine Frage: existiert das im Glashaus an der Werdstrasse? So wie ZACKBUM Big Boss Pietro Supino kennt: eher nein.

Nun ist es beim Home Office allerdings so, dass auch dort der Arbeitnehmer, Pardon, der Arbeitnehmende, unter Hitzewallungen leiden könnte. Da ist der Hausbesitzer, bzw, der Vermieter, bzw. der Vemietende gefordert:

«Vermieter sollen eine Mietzinsreduktion von zehn Prozent gewähren müssen, wenn es in einer Wohnung zu warm wird.»

Während aber Unternehmen sich bei finanziellen Einbussen durch Arbeitsunterbrüche an der Schlechtwetterversicherung schadlos halten können, dürfen Vermieter entschädigungslos weniger Miete kassieren. Wollen sie das vermeiden, sollen sie gefälligst besser isolieren.

Dann wird es leicht widersprüchlich: «Falls Gebäudesanierungen nicht rasch genug möglich sind, sollen Klimaanlagen installiert werden. Dabei handelt es sich für die Grünen um eine «Zwischenlösung», für die ebenfalls Bundesgelder eingesetzt werden sollen.» Gut, dass Klimaanlagen ohne Strom laufen.

Auch an die Benützer des ÖV ist gedacht: «Im öffentlichen Raum wird ein Recht auf Schatten gefordert: Wartezonen an ÖV-Haltestellen müssten zwingend beschattet werden.»

Dann kommt doch noch ein heisser Hauch Klassenkampf auf: «Wir lehnen eine Schweiz ab, in der sich die Reichen vor der Hitze schützen können, während Menschen ohne Privilegien unter den schädlichen Konsequenzen des Klimawandels leiden», sagt Grüne-Präsidentin Lisa Mazzone.

Um mit einem Appell an unsere Mitmenschlichkeit zu enden: «Bei Hitzewellen darf kein Mensch allein zu Hause vergessen werden

Natürlich ist weder die Freiheit noch das Recht unbegrenzt. Arbeitgeber müssen ab 26 Grad in Innenräumen Schutzmassnahmen ergreifen. «Schwere Arbeiten im Freien» sind ab 30 Grad zu unterlassen oder müssen «zumindest angepasst werden». Zum Beispiel, indem neben jeden Bauarbeiter ein Sonnenschirmträger platziert wird.

Nun kommen wir aber zum heiklen Punkt der ganzen Angelegenheit: «Betriebe sollen zur Temperaturerfassung verpflichtet werden

Da dürften sich hitzige Diskussionen entspannen, ob diese Grenzwerte überschritten sind oder nicht. Der Mieter verlangt vom Vermieter eine Reduktion, nachdem er sein Thermometer kurz mit dem Feuerzeug behandelt hat. Der Vermieter holt seins aus dem Kühlschrank und sagt: nix ist.

Bevor dieser Wahnsinn umgesetzt werden könnte, müsste der Staat, wer denn sonst, zunächst ein paar Millionen geeichte Wärmemessgeräte abgeben. Gratis, versteht sich.

Konfliktträchtig ist auch die Frage, wie sich das Recht auf Schatten im öffentlichen Raum messen – und einfordern lässt. Mich hat bei der Tramhaltestelle ein Sonnenstrahl am Hinterkopf gekitzelt. Ist das bereits genügend Grund für eine Beschwerde, gar für Schadenersatz? Steigt ein Bauarbeiter in einen Schacht, in dem es angenehme 23 Grad sind, muss er dann beim Erreichen der Oberfläche mit 32 Grad sofort die Arbeit einstellen? Oder wieder zurückkriechen?

Wo es Rechte gibt, gibt es auch Pflichten. Kann man dem Passanten zumuten, einen Umweg von zwei Metern zu machen, um den Schatten eines Baumes auszunützen? Könnte der Mieter allenfalls den meist kühlen Keller aufsuchen, oder wäre das unzumutbar?

Wer einen solchen Plan entwickelt, der hat zu lange ohne Schutz in der Sonne gelegen. Wer ihn umkommentiert publiziert, hätte besser hitzefrei verlangt.

 

Grenzen

Ist es schlimm, wenn die offene Debatte stirbt?

Israelische Kriegsverbrechen. Heikel, von Antisemitismuskeulen umstellt.

Klimawandel. Heikel, schnell ist man ein Klimaleugner, obwohl das ein selten bescheuerter Ausdruck ist.

Alles, was mit rund 165 verschiedenen Gendern zu tun hat. Schnell ist man ein Sexist und Gegner der Inklusion.

AfD in  Deutschland. Wenn die CDU ihre Programmpunkte übernimmt, ist das gut. Wer das Original dafür lobt, ist ein rechtsradikaler, angebräunter Hetzer.

Und die Grünen. Ist das nicht die opportunistischste, wendehalsigste, für Posten und Machterhalt alle Prinzipien aufgebende Partei, seit dem Zweiten Weltkrieg? Aber immer der moralische Zeigefinger in der Luft.

Asylanten und Immigranten. Wer darauf hinweist, dass sich Europa (und die Schweiz) damit gröbere Probleme geschaffen haben, ist ein Fremdenfeind, ach was, ein Rassist.

Ausufernder Sozialstaat, nicht länger bezahlbare Renten. Sozialdarwinist, hat kein Verständnis für die Armen und Bedürftigen. Wobei doch die Armut, trotz allen Anstrengungen, immer weiter zunimmt, gerade in der reichen Schweiz.

Wer zwischen Trump und Putin nur graduelle Unterschiede sieht, setzt sich gleich zwischen alle Stühle.

Unbezahlbare Schuldentürme der wichtigsten industrialisierten Länder, der geniale Täuschungsbegriff vom Sondervermögen. Schwarzseher, das wird alles durch ein gesteigertes BIP weggeputzt. Oder durch Zölle.

Die Corona-Krise, an der sich dank unfähigen Regierungen Pharmakonzerne und sogar zwei Maskenkids in der Schweiz dumm und krumm verdienten. Allgemeine Aufrüstung, Waffenhersteller auf der ganzen Welt können ihr Glück nicht fassen. Wohl ein Systemkritiker, der so was sagt, hat doch keine Ahnung.

Der Iran wird angeführt von fundamentalistischen Ayatollen; der Bevölkerung kann man nur wünschen, dass die hinweggefegt werden. Saudi-Arabien wird angeführt von einem fundamentalistischen Wahnsinnigen, der auch mal einen Oppositionellen in Einzelteile zerlegen lässt und seit Jahren einen schmutzigen Krieg im Jemen führt.

Moment, Iran ist Bestandteil der Achse des Bösen und der Terrorunterstützer, Saudi-Arabien ist ein Verbündeter des Westens.

Russland ist korrupt und wird autoritär regiert, eine einigermassen freie Presse gibt es nicht. Die Ukraine ist korrupt, wird autoritär regiert und eine einigermassen freie Presse gibt es nicht. Moment, die Russkis sind die Bösen, die Ukrainer die Guten.

Deutschland kennt Informationsfreiheit, aber Sender wie Russia Today oder Sputnik dürfen dort, wie in der ganzen EU, nicht empfangen werden. Will das völlig legale Internetradio Kontrafunk einen Bootsausflug auf dem Bodensee machen, können das linksradikale, gewaltbereite Chaoten verhindern. Keiner protestiert, niemand nimmt Notiz.

Man könnte die Beispiele ad libitum fortsetzen.

Was haben sie alle gemeinsam? Offensichtlich hat das dank Internet unendlich ausufernde Angebot an Informationen nicht dazu geführt, dass die breite Masse, die öffentliche Meinung qualitativ zugelegt hätte. Sich aufgrund leicht und für jeden erhältlicher Fakten, Analysen, Darstellungen eine eigen Meinung bilden möchte.

Im Gegenteil. Es wird immer einfacher, Etiketten anzukleben und durch ständige Wiederholung in die Köpfe zu hämmern. Statt den Kopf dazu zu benützen, wozu er eigentlich da ist, geben sich die meisten damit zufrieden, auf solch einfache und übersichtliche Art die Welt ordnen zu können.

Dass sich immer wieder herausstellt, dass es so einfach eben nicht ist, das vermag keinen Irrgläubigen zu irritieren, der zu wissen meint.

Ist die israelische Armee vielleicht doch nicht ein Hort von guten Friedensbringern? Sind die Werte der USA vielleicht doch nicht segensreich für die ganze Welt? Könnte es wirklich sein, dass die überwältigende Mehrheit aller Staaten die Sanktionen gegen Russland nicht mitträgt? Sind afrikanische Staaten nicht Opfer der Kolonialzeit und postkolonialer Ausbeutung? Sondern werden von ihren eigenen korrupten Diktatorenclans ausgebeutet?

Ging es dem durchschnittlichen Libyer unter Gaddafi, dem durchschnittlichen Iraker unter Hussein, nicht etwa besser als heute, nach der Befreiung von diesen grausamen Diktatoren?

Wer all das liest und ein wenig über diese Fragen nachdenkt, gehört heute bereits zu den happy few, die unter Umständen tatsächlich bereit sind, sich auf die anstrengende Tätigkeit einzulassen, die Welt und die Wirklichkeit verstehen zu wollen.

Wumms: Aline Trede

Die Fraktionschefin der Grünen hat keinen blassen Schimmer.

Trede ist ein Musterexemplar linker, grüner Heuchelei. Als kämpferische Umweltschützerin ist sie konsequent gegen das Fliegen. Ausser, wenn sie nach Brasilien und Uruguay fliegt. Trede fordert Anstand in der Politik ein. Ausser, wenn sie unanständig wird.

Sie setzt sich für regenerative Energiegewinnung ein. Bloss hat sie keine Ahnung, worüber sie spricht. Und das tut sie häufig und gerne, auch in ihrer Kolumne im «Blick».

Nachdem der Total-Blackout in Spanien und Portugal schmerzlich gezeigt hat, dass der Verlass auf Wind- und Sonnenenergie brandgefährlich ist, muss sie natürlich einen Pflock dafür einschlagen und vor einer grossen Gefahr warnen.

«Der Ausstieg aus der Atomkraft ist unumgänglich.»

Leider sind inzwischen immer mehr vernünftige Politiker der gegenteiligen Ansicht. Dass der Ausstieg aus der Atomenergie fatal wäre, entsprechende Beschlüsse dringend rückgängig gemacht werden müssen.

Dagegen keift sie an: «Jetzt wieder über die Aufhebung des Neubauverbots zu diskutieren, ist reine Zeit- und Ressourcenverschwendung.»

Allerdings möchte man nicht gerne Trede an seiner Seite in einer politischen Auseinandersetzung sehen. Denn das meiste, was sie sagt, lenkt Wasser auf die Mühlen (natürliche Energiequelle!) ihrer politischen Feinde. Ob sie das bewusst oder unbewusst tut, ist schwer zu eruieren. Auf Anfragen von ZACKBUM reagiert sie nicht.

In ihrer neusten Einlassung im «Blick» hat es allerdings einen Satz, der an fataler Dummheit nicht zu übertreffen ist:

«Atomkraft ist eine fossile Energie, aus der wir aussteigen müssen, dazu haben wir uns mit dem Netto-Null-Ziel verpflichtet.»

Das wird den Neandertaler aber im Nachhinein erstaunen, dass Atomkraft eine fossile Energie sein soll. Der Laie dachte bislang, dass das Kohle, Erdöl und Erdgas seien.

Aber nein, behauptet Trede, das Prinzip der Kernschmelzung war offenbar schon so lange bekannt, dass auch Atomstrom zu den fossilen Energien gehört. Vielleicht fand man bereits in Höhlenmalereien erste Abbildungen der typischen Kuppel eines AKW. Weil schon damals eifrig Kernspaltung betrieben wurde, um genügend fossile Energie zu haben, um ein AKW betreiben zu können. Oder das Lagerfeuer anzuheizen.

Aber es wäre nicht Trede, wenn sie nicht noch einen draufstehen würde:

«Gerade in der Dynamisierung der europäischen Stromproduktion braucht es flexible Energiequellen, keine starren, schlecht regulierbaren Grosskraftwerke

Anscheinend haben aber genau diese «flexiblen Energiequellen» mit ihrer sehr flexiblen Stromproduktion dafür gesorgt, dass die ganze iberische Halbinsel für Stunden im Dunklen lag und keinen Strom mehr hatte. Während es nicht genug Grosskraftwerke gäbe, die diesen GAU hätten verhindern können.

Denn angeblich starre, dabei sehr gut regulierbare Grosskraftwerke sind der Garant dafür, dass ununterbrochen Strom fliesst.

Es wäre nicht Trede, wenn sie nicht noch ein draufstehen würde. Wenn sie so eine grosse Anhängerin von Netto-Null, also den Verzicht auf Co2-Ausstoss wäre, dann müsste sie eine glühende Verfechterin von AKW sein.

Denn, das geht ihr als Grüne natürlich schlecht runter. ein AKW produziert kaum bis kein CO2. Ist also diesbezüglich mit Abstand die umweltfreundlichste Form der Energiegewinnung.

Aber es wäre doch keine Trede, wenn sie nicht immer wieder ungehemmt Stuss rauslassen würde.

Nieder mit Merz!

Ein wenig Statistik zur Illustration des Tamedia-Wahnsinns.

Manche, vor allem in den Verrichtungsboxen der Zentralredaktion des Tagi, mag das überraschen: Ein Bezahlmedium sollte dafür seinen Lesern etwas Wertiges bieten. Nachricht, Analyse, Einordnung, Aufbereitung. Statt Gerülpse und Meinung satt.

Schauen wir uns alles an, was in der vergangenen Woche unter dem Stichwort Friedrich Merz erschienen ist.

Es sind, Stand Montagmorgen, bei Tamedia 27 Artikel. Natürlich viele Doubletten dabei, da das Ganze in den Kopfblattsalat gespült wird. Einige Mütterchen: «Wie Friedrich Merz sich selbst eine Fall stellte, Merz scheitert überraschend mit Asylgesetz – trotz erneuter Hilfe der AfD, Merkel kritisiert Merz, Friedrich Merz macht einen kolossalen Fehler, Für ein strengeres Grenzregime nahm Friedrich Merz Stimmen der AfD in Kauf».

Fügen wir noch Alice Weidel, die Co-Chefin der AfD, hinzu: «Ex-AfD-Chefin Frauke Petry im Interview: «Wenn AfDler reden, geht es früher oder später immer um Hitler», «Die AfD ist sexbessen», «Noch problematischer ist der obsessive Fokus einiger Schweizer Medien auf Weidels «menschliche» Seiten – wie ihre kulinarischen Präferenzen oder ihre Naturliebe: Damit wird verschleiert, dass sie als Aushängeschild einer in Teilen rechtsextremen Partei fungiert.»

Wer sich das angetan hat, kann nicht ernsthaft behaupten, umfassend informiert worden zu sein. Gut, schlimmer geht immer. «Der Spiegel»: «Ein Mann sieht blau, Die Geister, die Merz rief, Der Mann darf nicht Kanzler werden, Zerreisst Merz die Union?, Er kann es nicht, Friedrich Merz fällt auf einen Psychotrick der AfD rein, Ein beschädigter Kandidat in einem beschädigten Land, Rechtsabbieger im toten Winkel, Maximaler Schaden für die Demokratie, Das Fiasko des Friedrich Merz, Blufft Friedrich Merz nur? Wie Friedrich Merz der AfD die Tür zur Macht öffnete, So darf Merz nicht weitermachen».

Fügen wir noch Alice Weidel hinzu: «Alice im D-Mark-Wunderland, So viel Hass, Ein Eiszapfen für Deutschland, Wo die AfD, da kein Plan».

Der Leser hat wohl die Botschaft verstanden. Schlimm ist, dass nicht nur Tagi und «Spiegel» unermüdlich warnen, raunen, denunzieren. Auch die meisten anderen Mainstream-Medien schwimme mit im Malstrom. Und niemandem all dieser Koryphäen fallen drei einfache Tatsachen ein oder auf:

  1. In einer Demokratie kann keine Partei verhindern, von wem Vorschläge von ihr Stimmen bekommen.

  2. Wie kann es sein, dass ein harter Eingriff ins deutsche Asylchaos zwar dringlich nötig ist, und hätte die AfD nicht dafür gestimmt, sogar als sinnvoll erachtet worden wäre. Aber mit ihren Stimmen verwandelt sich der Vorschlag in etwas Böses.

  3. Es wäre der SPD und den Grünen unbenommen gewesen, für diesen Vorschlag zu stimmen. Aber sie brachten das Kunststück fertig, lieber gegen die CDU (und die AfD) zu stimmen, ohne einen Gegenvorschlag zu haben, obwohl auch sie einräumen, dass Handlungsbedarf besteht.

Also halt weiter im Chaos als zusammen mit CDU und AfD dagegen. Der Gipfel der Absurdität, und der ist mit der Ablehnung des Gesetzes erreicht: der braune Sumpf der AfD muss nur etwas kürzer treten und die Partei muss alle Knaller wegstecken, die der «Spiegel» (und die SZ) vor den Wahlen noch zünden werden, dann fährt sie im Schlafwagen zum Wahlsieg (with a little help from my enemies).

In turbulenten Zeiten verlieren viele Massenmedien ihren Kompass – und jammern beim unvermeidlichen Leserschwund über die Arglist der Zeiten, gegen die man nicht ankomme. Irgendwie ähnelt der Tagi der Migros zurzeit; kein schöner Anblick, so viel geballte Inkompetenz der Führungsetage.

Drama, Baby, Drama

Wie sieht CH Media den deutschen Wahlkampf?

Dem Thema nimmt sich der Deutschland-Korrespondent Hansjörg Friedrich MüllerWarum ich die AfD als «rechtsradikal» bezeichne») völlig unvoreingenommen an. Er sagt übrigens rechtsradikal, weil er den Begriff «rechtspopulistisch» als «zu harmlos empfindet».

Bei solchen Stellungnahmen spricht Müller übrigens gerne von sich in der dritten Person – vielleicht, weil er sich selbst fremd wird.

Gut, aber aktuell widmet er sich der Frage, wie es nach dem neuerlichen Anschlag in Aschaffenburg in der deutschen Politik weitergehen soll. Auch hier hat Müller eine, nun ja, etwas spezielle Meinung:

«Verschärfungen in der Migrationspolitik wird der CDU-Chef wohl am ehesten im Konsens mit den Sozialdemokraten durchsetzen können.»

Hintergrund: CDU-Chef Merz hat nach dem Attentat eine Verschärfung der Migrationspolitik gefordert, darunter ein faktisches Einreiseverbot für Papierlose. Wer das nicht mittrage, mit dem werde die CDU nicht koalieren. Auf der anderen Seite schliesst Merz weiterhin eine Koalition mit der einzigen Partei, die solche Forderungen unterstützt, kategorisch aus. Unter ihm werde es ein solches Bündnis mit der AfD nicht geben.

Nun entwickelt sich hier allerdings ein hübscher Eiertanz. Obwohl das die CDU nicht will, ist sie gerne bereit, für ihre Vorstösse im Bundestag auch die Stimmen der AfD zu bekommen. Abweisen könnte sie die sowieso nicht.

Nette Gemengelage. Die CDU will Härte in der Migrationsfrage zeigen. Lehnt aber gleichzeitig die Zusammenarbeit mit dem einzig möglichen Bündnispartner kategorisch ab. Während SPD, Grüne und BSW solche Pläne ablehnen und sogar als rechtswidrig bezeichnen.

Was tun? Schwierige Kiste. Aber doch nicht für Müller. Der breitet das ganze Schlamassel nochmal aus (und nennt dabei die AfD kein einziges Mal «rechtsradikal», wohlgemerkt) und behauptet, Alice Weidel treibe «Merz schon jetzt vor sich her: Ihre Partei sei bereit, schon vor der Wahl gemeinsam mit der Union eine Migrationswende zu beschliessen.»

Nun bleiben ihm noch fünf Zeilen Kommentar, um die Lösung aus dem Hut zu zaubern, den gordischen Knoten zu zerhauen. Kein Problem für Müller, auch wenn seine Argumentation, sagen wir mal gedrängt erscheint.

«Auf absehbare Zeit gibt es wohl nur eine sichere Möglichkeit, nennenswerte Reformen in der Migrationspolitik durchzusetzen: Dass sich die SPD auf die Union zubewegt. Die Chancen dafür stehen nicht einmal schlecht, müssen doch auch die Sozialdemokraten nach Bluttaten wie jener in Aschaffenburg Angst vor dem Wähler haben.»

«Auch» die SPD müsse Angst vor dem Wähler haben? Oder hat der Wähler Angst vor der SPD? Zehn Prozent Einbruch bei den Umfragen im Vergleich zur letzten Wahl scheint das zu belegen. Und wieso sollte sich ausgerechnet die SPD auf die CDU zubewegen? Viel geeigneter wären doch die Grünen, die Partei der Wendehälse, Opportunisten und Heuchler. Die machen problemlos aus Grün Schwarz, sagen «AKW ja bitte», stehen auf Kohlekraftwerke und importierten Atomstrom, ihr Kanzlerkandidat fordert eine deutliche Anhebung des Wehretats, als Vertreter einer einstmals pazifistischen Partei.

Vielleicht hätte Müller am Schluss besser geschrieben: Sorry, lieber Leser, hier hätte ein Lösungsvorschlag kommen sollen. Aber leider ist der Platz zu Ende, Ende Gelände. Das nächste Mal dann. Vielleicht.

Blattschuss

Wie Woke-Wahn einen Politiker erledigt.

Noch am 3. Januar wusste es die «Süddeutsche» ganz genau:

«Der Vorstand des Grünen-Kreisverbands Berlin-Pankow hat den Bundestagsabgeordneten «Stefan Gelbhaar aufgefordert, auf eine Kandidatur für die Bundestagswahl zu verzichten. Geldhaar steht wegen Vorwürfen sexueller Belästigung in der Kritik

Die NZZ legte am 9. Januar nach: «Nach Belästigungsvorwürfen hat die Ökopartei den Berliner Direktkandidaten in einer Kampfabstimmung abgewählt.» Er hatte vorher einen sicheren Listenplatz für die kommenden Bundestagswahlen; an seiner Stelle ist nun die Landespolitikerin Julia Schneider, die für einen Kreisverband plädierte, «in dem sich Frauen sicher und gehört fühlen können».

Geldbhaar beteuerte von Anfang an seine Unschuld.

Offenbar waren – inklusive eidesstattlicher Versicherungen – Vorwürfe wegen unangemessenem Verhalten bis zu strafbaren sexuellen Übergriffen bei der Ombudsstelle der Grünen Partei eingegangen. Das wurde Ende Dezember zur ARD-Anstalt Rundfunk Berlin Brandenburg (RBB) durchgestochen, der darüber die Öffentlichkeit informierte.

Dann der Knaller: der gleiche RBB gab zu, dass die Hauptbelastungszeugin Anne K. gar nicht existiere (aber im Beitrag von einer Schauspielerin dargestellt wurde)  und die Belästigungen erfunden worden waren. Welch eine Blamage eines Gebührensenders. Der veröffentlicht solche rufschädigenden und potenziell ruinösen Vorwürfe gegen einen zuvor unbescholtenen Parlamentarier, ohne sich wenigstens versichert zu haben, dass diese Zeugin überhaupt existiert.

Als Knall auf Fall die Feministin Shirin Kresse von allen Ämtern zurücktrat und die Grüne Partei verliess, war wenigstens klar, wer dieses Pseudonym erfunden hatte. Sofort setzte der übliche Schwiemel- und Verwedelzirkus ein. Natürlich zeigten sich die Grünen-Chefs nach kurzer Schrecksekunde «persönlich betroffen und erschüttert». Auch Kanzlerkandidat Habeck bequemte sich zur Aussage, die Vorgänge seien «gravierend und schockierend». Und natürlich durfte die Floskel der «rücksichtslosen» Aufklärung nicht fehlen.

Zwischenbilanz: die politische Karriere (und auch der Ruf) von Gelbhaar sind beschädigt, wenn nicht zerstört. Die an seiner Stelle gesetzte Direktkandidatin sieht keinen Anlass, ihrerseits nun zurückzutreten und allenfalls Gelbhaar wieder dorthin zu lassen, wo er vor dieser fiesen Intrige war.

Der RBB hat die entsprechenden Meldungen gelöscht und kurz Asche aufs Haupt gestreut. Die Betrügerin habe aber auch hohe kriminelle Energie gezeigt, da könne man halt nicht viel machen, jammerte er noch.

Schön wäre es, wenn dieser Skandal ein weiterer Sargnagel für die «#metoo»-Bewegung wäre. Er ist zumindest ein Paradebeispiel dafür, wie man heute einen Mann abschiessen kann, wenn einem dessen Position nicht passt. Man greift einfach zur Allzweckwaffe einer «sexuellen Belästigung», unterfüttert die mit angeblichen Zeugenaussagen, übermittelt das an die zuständigen Stellen und sorgt dafür, dass der Vorgang in die Medien und somit die Öffentlichkeit kommt.

Unschuldsvermutung, journalistische Sorgfalt, Versuch der Korrektur des angerichteten Schadens? I wo. Die Kreisparteileitung, die Gelbhaar abgesägt hat, bedauert inzwischen zwar den Vorfall, aber nicht einmal zu einer Entschuldigung – von Wiedergutmachung ganz zu schweigen – kann sie sich aufraffen.

So bleibt dieses Gebiet toxisch. Erschwerend kommt noch hinzu, dass bei solchen angeblichen Delikten immer in Anspruch genommen wird, dass nicht etwa wie üblich Indizien oder Beweise zählen, sondern das persönliche Empfinden des angeblichen Opfers. «Ich habe mich aber belästigt gefühlt», das reicht normalerweise; die Gegenbehauptung des Beschuldigten, «ich habe nicht belästigt und es ist auch objektiv nicht so, wer mich beschuldigt, muss das beweisen», die nützt ihm meistens einen Dreck.

Man erinnere sich an die kollektive Hysterie bei Tamedia. Dutzende von Zeuginnen, eine ganze Latte von Vorwürfen, kleinere wie grössere. Nur: alle anonym, alle nicht verifizierbar. Kein einziger. Musste eine der Frauen, die mit ihrem Pamphlet alle männlichen Tamedia-Mitarbeiter unter Generalverdacht stellten, dafür Konsequenzen tragen? Niemals.

Quengel, quengel

Raphaela Birrer hat mal wieder einen rausgehauen.

Selten meldet sie sich zu Wort. Aber wenn, dann gibt es rote Köpfe.

Zunächst ist zu bewundern, dass die Länge des Kommentars durchaus variabel sein kann. Hier im Tagi sind es haargenau 2658 A. Der «Bund» kommt mit 1751 A aus, noch rund 65 Prozent der ursprünglichen Textmenge. Da kommt es Birrer wohl nicht so aufs Wort an. Der Text ist mehr so eine Knetmasse. Passt nicht alles ins Förmchen, kann problemlos weggelassen werden.

Aber abgesehen von der flexiblen Form, was ist denn der Inhalt? Birrer begrüsst, dass «unliebsame Volksentscheide nicht via Justiz rückgängig gemacht werden können». Grüne und SP-Frauen waren ans Bundesgericht gelangt, um die Abstimmung über die Erhöhung des Frauenrentenalters wiederholen zu lassen. Das «war quenglerisch», urteilt Birrer mit leicht frauenfeindlichem Oberton. Fehlt nur noch, dass sie ihnen Hysterie vorwirft.

Die quengelnden Frauen hatten bemängelt, dass die sauknappe Abstimmung (50,6 Prozent dafür) auf fehlerhaften Berechnungen der Entwicklung der AHV beruht hatte, was durchaus seine Berechtigung hat. Dagegen wendet Birrer weibliche Logik an: «Dass der Bund sich verrechnete, ändert nichts daran, dass die AHV ohne diese Reform noch stärker in die roten Zahlen gerutscht wäre.» Das mag richtig sein, ist aber kein Gegenargument.

Apropos weibliche Logik, sich in einem Absatz diametral widersprechen, das schafft auch nicht jede(r)*:

«Mit seinem Urteil trägt das Bundesgericht nun zu einer verlässlichen Demokratie bei, in der missliebige Volksentscheide nicht via Justiz bekämpft werden

Einerseits. Andererseits: «Zwar hat das Gericht 2019 eine Abstimmung kassiert – jene zur Heiratsstrafe-Initiative. Der damalige Entscheid war aber richtig, weil die ausgewiesene Zahl der betroffenen Ehepaare viel zu tief und für den negativen Abstimmungsausgang wohl massgeblich war

Als alter weisser Mann muss man aufpassen, dennoch wagen wir zu widersprechen: Heiratsstrafe – gravierend falsche Zahlen. AHV – gravierend falsche Zahlen. Man suche den Unterschied.

Aber mit solchem Pipifax hält sich Birrer nicht auf, sie verlässt das kleine Feld der Widersprüchlichkeiten und erweitert den Blick: «Zu oft stimmen offizielle Zahlen des Bundes nicht, die dem Stimmvolk als Entscheidgrundlage dienen sollen. Bei der Unternehmenssteuerreform II wurden die Steuerausfälle im Vorfeld massiv unterschätzt. Und bei der Abstimmung zur Personenfreizügigkeit ging der Bundesrat von jährlich nur 10’000 EU-Einwanderern aus – ein Bruchteil der effektiven Zahlen.»

Ohä, das scheint also doch ein gravierendes Problem zu sein; was tun? Nun ist aber auch der grösste Platz für einen Kommentar mal zu Ende (ausser, Pietro Supino greift in die Tasten). Also mit quietschenden Reifen bremsen: «Glaubwürdigkeit ist das kostbarste Gut der direkten Demokratie. Der Bund muss sie sorgfältiger schützen.»

Also, mach was draus, lieber Bund, der Ratschlag ist doch glasklar; schütze gefälligst sorgfältiger. Oder sagen wir mal so: Stringenz und Widerspruchsfreiheit ist das kostbarste Gut eines Kommentars einer Oberchefredaktorin. Wenn sie gleichzeitig zu erkennen gibt, dass es ihr völlig wurst ist, ob ihr Kommentar um ein Drittel zusammengeholzt wird, erhöht das die Glaubwürdigkeit auch nicht wirklich.

Achtung, bissiger Kanzlerkandidat

Deutschland hat einige Probleme. Und dann noch Wirtschaftsminister Habeck.

Als Politiker muss man was aushalten. Beschimpfungen, Beleidigungen, Anrempeleien. Öffentlich, von politischen Gegnern, gelegentlich aber auch von Parteigenossen, häufig anonym.

Dagegen kann man sich wehren. Minister Robert Habeck hat in den letzten Jahren insgesamt über 800 Anzeigen erstattet (oder erstatten lassen). Ist das viel oder wenig? Seine Parteigenossin Annalena Baerbock hat über 500 abgefeuert. Nummer drei in der Hitparade ist der ehemalige deutsche Justizminister Marco Buschmann  – mit 26 Anzeigen. Das ist signifikant.

Diese Klageflut und -wut brockte nun einem Rentner in Bayern mächtig Ärger und sogar eine Hausdurchsuchung ein. In der «Bild» bestätigte die Staatsanwaltschaft Bamberg:

«Dem Tatverdächtigen wird vorgeworfen, im Frühjahr/Sommer 2024 auf der Internetplattform X eine Bilddatei hochgeladen zu haben, die eine Porträtaufnahme des Bundeswirtschaftsministers Dr. Robert Habeck mit dem an den Werbeauftritt der Fa. Schwarzkopf angelehnten Schriftzug ‹Schwachkopf PROFESSIONAL› zeigt.»

Um 6.15 Uhr sollen die Beamten den Rentner aus dem Bett geklingelt haben und ihn mit dem Vorwurf «Volksverhetzung» konfrontiert. Schliesslich handle es sich um eine «gegen eine Person des öffentlichen Lebens gerichtete Beleidigung». Zudem habe der Rentner noch einen weiteren Post zu verantworten, der ebenfalls «volksverhetzend» sein könnte.

Wohlgemerkt hatte der Internet-Nutzer diese Karikatur nur geteilt, nicht etwa selbst hergestellt. Kanzlerkandidat Habeck rudert etwas zurück; die Bezeichnung «Schwachkopf» sei nun sicherlich nicht «die schlimmste Beleidigung», die es gebe.

Erschwerend kommt allerdings hinzu, dass die Beschimpfung einer Magistratsperson als «Schwachkopf» strafbar sein kann. Selbst wenn man im Fall Habeck versucht sein könnte, den Wahrheitsbeweis antreten zu wollen. Aber dieses Meme ist nun eindeutig Satire, damit vollständig von der Meinungsfreiheit gedeckt. Unverständlich, dass die Polizei mit der Brechstange vorgeht. Ob da die Tatsache, dass der Karikierte ein Minister ist, eine Rolle gespielt haben könnte?

Natürlich macht ZACKBUM sich nicht einmal diese Satire zu eigen, und das Meme zeigen wir nur aus Berichterstatterpflicht und distanzieren uns gleichzeitig mit Abscheu davon. Sonst könnte der Minister noch auf die Idee kommen, auf Staatskosten einen länderübergreifenden Rechtsakt loszutreten und vielleicht die Schweizer Bundesanwaltschaft um Amtshilfe zu bitten.

Und obwohl ZACKBUM zu den Frühaufstehern gehört, möchten wir nur ungern um 6.15 Uhr von der Polizei angeklingelt werden.

Interessant auch, dass es keinem einzigen woken Sensibelchen bislang aufgefallen ist, dass es hier tatsächlich einen Missstand gibt, der umgehend beseitigt werden müsste. Denn wie jeder weiss, heisst der Hersteller von Haarpflegemitteln nicht Schwachkopf (das ginge ja eigentlich noch), sondern Schwarzkopf. SCHWARZkopf. Das ist ja genauso schlimm wie Mohrenkopf, und der muss auch weg, da gilt: Kopf ab. Nimm das, Dubler.

Aber im Ernst. Auch wenn Habeck sagt, dass er nach der Anzeige nicht mehr weiter in die polizeiliche Ermittlungen involviert gewesen sei: welche Schlussfolgerungen lassen sich aus seiner einmaligen Anzeigenwut ziehen? Und ist wohl ihm und seiner Sache gedient, dass er mit dieser Razzia dem politischen Gegner Munition frei Haus liefert? Deutschlandweit die Verhältnismässigkeit dieses Polizeieinsatzes diskutiert wird, sich Wagenladungen von Häme über ihn ergiessen und das Meme dadurch eine ungeahnte Bekanntheit erzielt hat, während es ohne die peinliche Aktion des Wirtschaftsministers wohl in den Weiten des Internets verschwunden wäre?

Ganz abgesehen davon, welches Verständnis von Meinungsfreiheit und Satire sich in einer solchen grünen Anzeigewut äussert: muss das sein? Grobe Beschimpfungen und Drohungen, wie sie jede in der Öffentlichkeit stehende Person erlebt, wie soll man darauf reagieren? Ignorieren, anzeigen? Die meisten solcher Beleidigungen und Drohungen erfolgen heutzutage vermeintlich anonym im Internet. Dem Wutbürger juckt es in den Fingern; er legt sich eine Gratis-Mail-Adresse zu und greift in die Tasten.

Aber hier handelt es sich einwandfrei um eine lustige Satire, die mit einiger Liebe treffsicher hergestellt wurde.

Wie soll man nun einen deutschen Wirtschaftsminister bezeichnen, dessen mangelnde Kenntnis von Wirtschaft Deutschland ernsthafte ökonomische Probleme eingebrockt hat, der gerade als tollkühner Kanzlerkandidat durchstarten will – und der tatsächlich wegen eines satirischen Meme Strafanzeige erstattet?

Der dafür am besten geeignet Ausdruck ist leider sozusagen gesperrt. Daher sagt ZACKBUM nur «Schwarzkopf».