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Schlagwortarchiv für: Arthur Rutishauser

René Zeyer

Samstag ist der neue Sonntag

20. September 2026/7 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Auch der «SonntagsBlick» wird weggespart.

Natürlich begleitet vom üblichen Gequatsche. Die Dame mit der extrabreiten Visitenkarte übertrifft sich im Bullshit Bingo mal wieder selbst:

«Unter der Woche dominiert der Takt. Am Wochenende wollen Menschen verstehen, was die Woche geprägt hat – und gleichzeitig Inspiration für ihre freie Zeit finden. Genau für diesen Moment schaffen wir ein stärkeres Angebot: mehr Journalismus, mehr Sport, mehr Service und mehr Zeit zum Entdecken.»

Oder auf Deutsch: nachdem der «Sonntag» des Wanner-Clans schon lange zur «Schweiz am Wochenende» geworden ist, spült der Ringier-Clan nun den eigenen Sonntagstitel und macht ihn zum «Blick fürs Wochenende», der zum ersten Mal am 9. Januar 2027 erscheinen soll.

Wobei nicht auszuschliessen ist, dass bis dann der Niedergang der Printauflage dermassen rasant weitergeht, dass sowieso eine Weiterführung von sechs mal gedrucktem «Blick» infrage gestellt wird. Denn seitdem Ladina Heimgartner am Gerät ist, schrumpfte die Druckauflage auf jämmerliche 58’000 Exemplare.

Im Jahr 2000 waren es noch stolze 314’000. Natürlich ist die gesamte Printbranche im Niedergang. Aber das Enteiern eines Boulevardblatts, neu ohne Boulevard, rabiate Führungswechsel, das Schaffen eines ganzen Zoos von artfremden Heads, Officers und Chefs, total missglücktes Rumschrauben am Logo, das Berufen unfähiger, aber weiblicher Führungskräfte, die erfolglose Kopierübung «Blick+», das alles leistete seinen Beitrag zu einem speziellen Sturzflug.

Nun also der Rückzug vom Sonntag, verbrämt als angeblich «stärkeres Angebot». Damit begibt sich die «Blick»-Familie ihrer stärksten USP: die Sportberichterstattung. Denn mit Redaktionsschluss Freitagabend geht das meiste durch die Latten.

Was auch schöngeschwatzt wird: am Samstag gibt es schon einen «Blick». Der wird nun einfach etwas aufgemotzt und auf Tabloid umgestellt. Ob die Schrumpfredaktion um Reza Rafi die Fusion vollständig überlebt, wird sich zeigen.

Die verbliebenen Sonntagsblätter in der Deutschschweiz, die «SonntagsZeitung» und die NZZamSonntag, behaupten tapfer, dass sie am Erscheinungstag festhalten wollen. Obwohl auch hier die Redaktionen mit den Wochenblättern weitgehend zusammengelegt sind. Und insbesondere die NZZamSonntag einen bedenklichen inhaltlichen Tiefflug hingelegt hat, seit Beat Balzli am Gerät ist. Während der Chefredaktor SoZ Arthur Rutishauser weiterhin tapfer Primeurs raushaut. Und das ganz ohne eigene Redaktion.

Das Problem am Sonntag sind die Zustellungskosten. Die wurden bislang durch drei geteilt, ab nächstes Jahr durch zwei. Ob das vor allem der Abholzer Pietro Supino vom Coninx-Clan weiter stemmen wird?

Auf der anderen Seite sind voreilige Grabesreden oder Besserwissereien, bevor das erste Exemplar des SoBli am Samstag erschienen ist, verfrüht.

Richtig ist hingegen, dass es anlässlich einer solchen rabiaten Umstellung und Sparmassnahme durchaus mehr unternehmerische Innovationsfähigkeit hätte geben können. Aber die Vorteile hybrider Lösungen, überhaupt die Existenz des Internets, ist in der überbezahlten und unterbelichteten Teppichetage der Verlage immer noch nicht angekommen.

Sie scheitert seit Jahren an der einfachen, jedoch existenziellen Frage: wie schaufle ich zahlende Leser und Inserenten ins Internet, damit ich mich von «die News von gestern, heute Morgen serviert» trennen kann?

Es kann nicht häufig genug wiederholt werden: wer sich bis heute beim Online-Werbekuchen von Google, Facebook & Co. abtrocknen lässt und mit Krümeln bescheidet, ist unfähig.

Alleine Google und Meta kassieren in der Schweiz rund 2,4 Milliarden Franken jährlich. Publizistische Medien erzielten läppische 300 Millionen, plus die noch existierenden Rubrikenmärkte. Also Dreiviertel für die internationalen Techplattformen.

Der SoBli hat (noch) eine beglaubigte Auflage von 74’700 Exemplaren. Sonntags-Frühzustellung, Druck, Nacht- und Sonntagszuschläge, da lassen sich schätzungsweise vier Millionen Franken pro Jahr einsparen.

Peanuts, lächerlich, um im Vergleich dazu eine Traditionsmarke aufzugeben.

Michael Ringier ist ein bekennender Aston-Martin-Fahrer. Das Valkyrie Coupé kostet unter Freunden rund 4,5 Millionen. Man vergleiche.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-16-um-10.43.18.png 683 1465 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-09-20 05:00:212026-09-16 10:52:43Samstag ist der neue Sonntag
René Zeyer

ZomBli?

17. Juli 2026/4 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

So hätte der SoBli über sich getitelt. Früher.

Zunächst: Der Primeur stammt von der «Republik». «Vergangene Woche hat der Ringier-Verlag entschieden, den «SonntagsBlick» per Ende 2026 einzustellen. Das zeigen Recherchen der Republik.» Recherchen? Das hätten «verschiedene, voneinander unabhängige Quellen bestätigt». In Wirklichkeit war’s wohl ein Verräter mit Zugang zur Chefetage. Andere gefloppte Primeurs lassen aber einen Restzweifel.

Die Entwicklung der Auflage des SoBli ist tatsächlich selbst im Jammertal der Printmedien jämmerlich: im Jahr 2000 waren es noch 330’000 verkaufte Exemplare, 2010 dann 250’000, 2020 noch 125’000, und aktuell rund 74’000. Was der SoBli online einspielt, ist nicht bekannt, da das nie eigenständig gemessen wurde und er ab 2010 dort totalintegriert in blick.ch wurde.

Es ist allerdings nicht zu vermuten, dass die absurde Rechnung des Gerichts in Sachen Spiess-Hegglin zutrifft, dass Ringier dort Tausende von Franken pro Artikel verdient.

Also Rückgang um 78 Prozent seit 2000, nochmals fast eine Halbierung seit 2020. Das hat allerdings, wie überall sonst auch, nicht nur mit Internet, Google, Social Media, abwandernden Inseraten und anderem Leseverhalten zu tun. Das ist die übliche Entschuldigungsarie der unfähigen Verlagsmanager.

Die nicht  so glückliche «Blick»-Familie  hat’s allerdings besonders schwer getroffen. Schon ein halbes Jahr nach ihrem Eintritt wurde Ladina Heimgartner im Oktober 2020 CEO der Blick-Gruppe. Von da an ging’s noch steiler bergab.

Zum einen gab’s das übliche Bullshit Bingo:

«Wir wollen die relevanteste Medienmarke der Schweiz sein. … Der Journalismus bleibt das Herzstück unseres Geschäfts. … Digital first bedeutet nicht Print last. … Unabhängiger Journalismus ist für eine Demokratie unverzichtbar.»

Das sind nicht mal Gedanken im durchsichtigen Negligé, das ist luftiges Nichts.

Die Dame ohne jegliche Verlagserfahrung (sie kam aus der geschützten Werkstatt des rätoromanischen Staatsgebührensenders) stapelte dann mit Modewörtern wie «Resilienz» tief, verantwortete ein teures, aber völlig idiotisches Redesign mit Kästchen-Logos und einem l in Form eines Regenrohrs. Das sollte die Boulevardblätter angeblich weiblicher machen.

Und überhaupt  wurden sie enteiert; Boulevard ohne Boulevard, war die absurde Linie. Funktioniert etwa so, wie wenn man mit Platzpatronen in den Krieg zieht. Büsis, Blut, Busen? Igitt. Der ewige Renner Sex-Ratgeber? Weg damit. Blut? Nur noch in homöopathischen Dosen. Büsis? Gut, wenn’s sein muss. Aufreger, Kampagnen, Volkes Stimme, die ständige Eroberung der Lufthoheit am Stammtisch? Pfui.

Begleitet wurde das von einem rasanten Wechsel der Führungskräfte, denn irgend jemand musste ja die Verantwortung übernehmen, ohne am Schlamassel schuld zu sein. Christian Dorer, der mit seinem Schwiegersohn-Charme das menschliche Antlitz des noch einigermassen erfolgreichen Boulevards war: auf üble Weise abgesägt und entsorgt. Andreas Dietrich und Gieri Cavelty, erschreckt durch das Schicksal Dorers, reine Ja-Sager. Dann das letzte Aufgebot Rolf Cavalli und Reza Rafi, die sich wenigstens bemühen, zu retten, was zu retten ist.

Dazu die grösste Fehlbesetzung seit Christine Maier: Steffi Buchli, der erste «Chief Content Officer». Wenn man Form und Inhalt nicht mehr verschlimmbessern kann, dann fummelt man halt einen ganzen Zoo von absurden Titeln hin. Chiefs, Officers, Heads, die lange Zeit den halben Tag in Koordinierungssitzungen verbringen mussten, um herauszufinden, wer eigentlich wofür genau zuständig sei. Bei Absurd-Titeln wie «Head of Editorial Product & Innovation», im Unterschied zum «Head of Editorial Department». Hingegen der «Head of Growth Management» hat offensichtlich kläglich versagt. Kein Wunder, eine Frau. Ups, das war aber sexistisch.

Dazu kamen noch Blattmacher, Tagesleiter und Ressortleiter, plus eine vielköpfige Geschäftsleitung. Ach ja, und noch ein paar Indianer. Reporter, Aussenstellen, wo altbewährte Haudegen sassen und grossartige Storys herbeischleppten? Ach was, da kann man prima sparen. Reiner Slapstick, wenn’s nicht so tragisch wäre.

Ach doch, für eine Rückkehr des «Blick» zum alten, bewährten Logo reichte es dann doch, während der «SonntagsBlick» nochmal echt unter die Räder kam. Wie dichtete ZACKBUM damals? «Fällt dir gar nichts ein, mach doch ein Redesign».

Inzwischen lässt Ringier verlauten, dass es den SoBli weiterhin als «eigenständiges, starkes publizistisches Produkt» geben werde. Nur halt vielleicht nicht mehr am Sonntag. Das würde dann bedeuten: neu SaBli. Oder WoEnBli. Oder FaSoBli. Oder BlüBli. Eines ist sicher: es wird die schlimmstmögliche Variante werden.

Nur eines wird’s überleben, garantiert. Das Wort zum Sonntag (oder zu jedem beliebigen Wochentag) von Frank A. Meyer. Denn ohne seine lenkenden Eingriffe wäre Ringier, der Bundesrat, die Schweiz, Europa, ja die ganze Welt verloren.

Eng wird es allerdings auch für die noch zwei in der Deutschschweiz überlebenden Sonntagsblätter. Auch die SoZ ist dramatisch krankgeschrumpft worden, nur dank des Einzelkämpfers Arthur Rustishauser gibt sie manchmal Lebenszeichen von sich. Und die NZZaS? Man möchte fast meinen, wenn der Nachname des Chefredaktors mit B anfängt, dann wird’s zappenduster. Und hier heisst er Balzli. Mit Vornamen sogar Beat, doppeltes Vorzeichen.

Aber das ist nicht mal das Schlimmste. Die insgesamt rund 8000 Zusteller, die die Post beschäftigt, kosten trotz Subventionen nicht schlecht am Sonntag. Ging mal durch vier, zurzeit noch durch drei. Ob sich zwei das noch leisten und teilen können?

Von den grummelnden Redaktoren ganz zu schweigen, die am Samstagabend lieber ein vegetarisches Menü mit ihren Liebsten zu sich nehmen möchten, als noch die letzten News einzufangen, die fünf Stunden später sowieso Oldies sind.

Ist doch völlig klar, dass die drei Nulpen an der Spitze von Tamedia, Pardon, «Tages-Anzeiger», verflixt, dann halt TX, von «Blick» und von der NZZ bereits abgesprochen haben, wie das weitergeht. Einmal darf der Leser raten.

 

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-16-um-15.23.05.png 606 908 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-07-17 05:00:012026-07-16 15:50:40ZomBli?
René Zeyer

Somms Sturzflug

13. Juli 2026/9 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Der Mann hat noch Potenzial. Nach unten.

Lässt sich «Amerika, wir danken Dir!» noch unterbieten? Das ist nicht einfach. Dafür muss man völlig skrupellos, schmerzfrei, losgelöst von der Wirklichkeit und vor allem schamfrei sein. Also ein Markus Somm. Der hat bekanntlich auch schon gefordert, dass im Ukrainekrieg endlich mal Moskau bombardiert werden solle. Selenskyj, der vor Bräunlichem in der Geschichte der Ukraine nicht zurückschreckt, hat ihm den Gefallen getan.

Also wendet sich Somm einem anderen Schlachtfeld zu und zeigt, dass sich Kriegsgurgel Häsler in der NZZ noch steigern lässt. Wieso allerdings in der «SonntagsZeitung» alle Sicherungen durchgebrannt sind, bleibt Arthur Rutishausers süsses Geheimnis.

Denn man muss schon den Titel zweimal lesen und dann den folgenden Text, um sich zu vergewissern, dass es sich hier nicht etwa um eine Art abseitigen Humor oder bitterböse Satire handelt. Nein, dem Mann ist das offenbar ernst:

«Selbstredend, was blieb ihm anderes übrig, erklärte Trump den Waffenstillstand für beendet, und um seine vielen Worte, an deren widersprüchliche Diversität und verkürzte Halbwertszeit wir uns mittlerweile gewöhnt haben, auch mit Taten zu unterlegen, liess er wenige Stunden später den Iran wieder bombardieren.»

Selbstredend? Das hat was, irgendwie scheint es, dass etwas in Trump von selbst redet. Allerdings mit gespaltener Zunge. Einmal sind die Führer in Teheran intelligente Leute, mit denen sich verhandeln und ein Deal machen lässt, Dann wiederum sind sie «Abschaum und Lügner». Bloss, weil sie den angeblich grossartigen Dealmaker im Weissen Haus über den Tisch gezogen und vorgeführt haben.

Das quittiert Somm doch tatsächlich – da flimmert selbst der Bildschirm in stummem Protest – mit:

«Gott sei Dank!»

So wie die fundamentalistischen Wahnsinnigen im Iran meinen, im Sinne und Namen Allahs zu handeln, beruft sich der frühere Atheist (denn als Trotzkist konnte man kaum gläubig sein) doch tatsächlich auf den christlichen Gott und bedankt sich bei ihm dafür, dass Präsident Trump wieder Ziele ins Iran in die Luft jagen lässt. Gott sei Dank, dass es endlich wieder Tod und Zerstörung gibt.

«Deus vult» – Gott will es – soll die Menge gerufen haben, als Papst Urban II. 1095 zum ersten Kreuzzug aufrief, zum ersten Blutbad im Nahen Osten, bei dem die beteiligten gläubigen Christen anschliessend direkt in den Himmel kommen sollten. Ob der Historiker Somm das weiss? Man zweifelt, wie überhaupt an fast allem bei ihm.

Als sei er selbst über diesen gotteslästerlichen Spruch erschrocken, kokettiert er anschliessend: «Damit keine Missverständnisse aufkommen: Ich bin kein Freund des Krieges, ich verabscheue Gewalt, ich hasse den Tod». Er hasse den Tod? Interessant, da wird der Tod aber schön beleidigt und betupft sein. Aber das ist ja auch nur das Feigenblättchen vor der Fortsetzung:

«und dennoch war es höchste Zeit, dass Trump wieder auf die Erde zurückkehrt – nach seinem Trip ins Nirwana des Pazifismus. Nur Krieg bringt im Nahen Osten den Frieden. Mit den iranischen Mullahs kann man nicht verhandeln.»

Nirwana des Pazifismus, sagt der Renegat und ehemalige Unterstützer der GSoA. Dann wird es wirklich ganz kurios: «Sie sagen das eine, tun das andere, sie lügen in kürzeren Abständen, als sie atmen.» Das schleudert Somm in Richtung der Mullahs, aber träfe das nicht genauso auf denjenigen zu, für dessen Tun sich Somm bei Gott bedankt?

Aber er hat noch mehr absolut Absurdes auf Lager: «Ein Regime, das auf Lüge und Gewalt beruht, kann nicht anders als zu lügen und Gewalt anzuwenden. Fragen Sie Adolf Hitler, er weiss, wovon ich spreche.» Ähm, ob man Somm schonend beibringen sollte, dass Hitler sogar noch toter als Elvis Presley ist?

Aber das ist höchstens ein Zwischenstopp auf dem unaufhaltsamen Weg nach ganz unten: «Wer den Macho aus Queens so vor aller Welt vorführt, muss sich nicht wundern, wenn dieser ihm eine Bombe an den Kopf wirft. Meine Prognose: Trump wird keinen richtigen Krieg mehr auslösen, sondern je nach Tagesform ein paar Bomben schicken, dann wieder etwas verhandeln, schliesslich wieder Bomben und Blockaden, bis das Regime zerbricht – ohne dass er sich diese Taktik allzu ausführlich zurechtgelegt hätte.»

Ach so, das ist also Trumps Masterplan, den bislang nur ein Einziger durchschaut hat. Er hat auch, Allah sei Dank, einen guten Ratschlag fürs iranische Regime zur Hand. Es sollte «alles tun, um dieses Abkommen in trockene Tücher zu bringen». Aber, offenbar ist weder Allah noch Gott mit denen: «Sie tun es nicht. Warum? Siehe oben. Es fängt mit dumm an und hört mit arrogant auf.»

Äh, was fängt denn mit dumm an und hört mit arrogant auf? Ausser einer Sonntagskolumne? Für die Iraner sei Trump ein «Satan ohne Stamina», geistreichelt Somm, also ein Teufel ohne Ausdauer. Dann verlässt ihn aber Gott sowie Sinn und Verstand: «Gibt es inzwischen in der amerikanischen Hölle nicht auch Airconditioning?»

Das mag verstehen, wer will und kann. Aber auch für Gottesdanker Somm ist mal Ende Gelände mit der Kolumne, also husch, husch noch einen letzten Aberwitz: «Kurz, sie wissen nicht, was sie tun. Und Trump? Mag sein, dass er es auch nicht weiss».

Was weiss Somm selbst denn nicht? Das hier: «doch wie es der britische Staatsmann Winston Churchill einmal ausgedrückt hat: Amerika tut immer das Richtige, nachdem es alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft hat». Ein schönes Bonmot mit einem klitzekleinen Fehler: das wird zwar Churchill zugeschrieben, nachweislich gesagt hat er es aber nicht. Also ein Fake Zitat.

Wenn diese Kolumne auch am besten ungesagt und ungeschrieben geblieben wäre, das wäre wahrhaft ein Grund, sowohl Gott wie Allah zu danken.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-12-um-22.15.38.png 322 804 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-07-13 05:00:462026-07-12 22:58:03Somms Sturzflug
René Zeyer

Bis über die Schmerzgrenze

11. Juni 2026/3 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Muss man als Chefredaktor schreiben können?

Die Antworten darauf fallen unterschiedlich aus. Von Raphaela Birrer (Tamedia) hört man ein klares Nein. Patrik Müller von CH Media gibt die Teflon-Version. Beat Balzli (NZZaS) pflegt das Sonderliche bis Absonderliche.

Reza Rafi und Rolf Cavalli (glückliche «Blick»-Familie) können’s, ebenso Arthur Rutishauser («SonntagsZeitung»). Eric Gujer hat sicherlich die eleganteste Klinge, Roger Köppel bewegt seine am häufigsten. Auch wenn er manchmal mit seinen «Republik»-artigen Längen langweilt.

Apropos, da gäbe es noch Daniel Binswanger. Ja, unsere schreibende Schmachtlocke, die im Roshani-Skandal feige schwieg, auch zu allem Mobbing innerhalb der «Republik» – und so still und leise auf die Position des Co-Chefredaktors kletterte.

Dort (und schon vorher) quält er sowohl seine kleiner werdende Gesinnungsblase wie auch alle übrigen Leser seit Jahren regelmässig. Wie heisst es so vollmundig wie falsch:

«Daniel Binswangers Kommentare verbinden das Klein-Klein der Tagespolitik mit den grossen Fragen, den grundlegenden Werten, den umfassenden Theorien.»

Selten so gelacht. Genau an diesem Gestus scheitert der Möchtegern-Weltendenker und -lenker regelmässig, auch und gerade im Klein-Klein.

Gerade haben gleich zwei ehemaligen Genossen seinen Zorn auf sich gezogen. Da wäre zum einen, welch ein genialischer Sprachscherz, der «Unsicherheitsdirektor Fehr». Der betreibe «konfuse Propaganda».

Auch Binswanger kommt nicht umhin, seine Erschütterung über den Messerangriff von Winterthur zu behaupten. Aber das ist nur die Einleitung: «Der irrlichternde parteilose Regierungsrat, der es mit Law-and-Order-Politik und einem auf krude Abschreckung und maximale Härte ausgerichteten Asylwesen zum beliebtesten Politiker der kantonalen Exekutive brachte, übertraf sich nun noch einmal selbst.»

Bei Binswanger könnte man höchstens sagen, dass er regelmässig und erfolgreich versucht, sich selbst zu unterbieten. Denn was hat hier seinen Furor erregt? «Der Sicherheitsdirektor beging eine massive Tabuverletzung und nannte ein paar Stunden nach der Tat den vollen Namen des mutmasslichen Attentäters – ein erratischer Bruch mit den Gepflogenheiten des Schweizer Rechtsstaates.»

Der Westentaschen-Intellektuelle Binswanger hatte schon häufiger Probleme mit Fremdwörtern, hier kommt ihm «erratisch» in die Quere – und überlebt den Zusammenstoss nicht. So wie zuvor «konfus».

Aber die schreibende Schmachtlocke kann noch einen drauflegen; anschliessend wurde es auch noch «trumpesk», genauer «einigermassen». Also doch nicht wirklich. So labert es sich dann über 9600 A dahin, bis auch der letzte Fan ermattet aufgibt.

Da kommt schon der zweite Abweichler von der wahren, linken Linie daher: «Wer hat Daniel Jositsch gecancelt?» Der nicht mit den grundlegenden Werten und umfassenden Theorien vertraute Leser könnte meinen: die Trottel der SP-Delegiertenversammlung. Aber weit gefehlt.

Zunächst konzediert Binswanger, dass Jositsch ein «gewiefter Kommunikator» sei. Immerhin erkennt er einen, wenn er ihn sieht, was ihm beim Betrachten seines Spiegelbilds hoffentlich nicht in den Sinn kommt.

Jositsch hingegen wolle das «Narrativ» beherrschen (wo bleibt Framing, muss man da fragen). «Ein Narrativ zu seinen Gunsten, das lauten muss: Jositsch ist das Opfer. Der Aggressor hingegen ist eine ideologisch immer engstirnigere, intolerantere, linksradikale, von Jusos und Ex-Jusos beherrschte SP.»

Das werde «an verblüffend vielen Stellen in den Schweizer Medien vollkommen kritiklos verbreitet». Verblüffend, wie ein dermassen holpriger Satz von niemandem geglättet wird. Verblüffender, dass es Binswanger nicht auffällt, dass es genauso ist. Aber neben dieser verblüffenden Kritiklosigkeit gibt es einen, der den Durchblick behält: «Mit den Fakten stimmt diese Geschichte nicht überein.»

Denn die lauten in der Wirklichkeit von Binswanger so: «Wenn einer Daniel Jositsch gecancelt hat – dann war es Daniel Jositsch.» Denn: «Er wollte das Bundesratsamt um jeden Preis – wenn es sein muss halt gegen die eigene Partei.»

Kleine Lektion in Demokratie für den Demokratie-Retter Binswanger: jeder Schweizer Bürger kann sich für dieses Amt bewerben, der stimm- und wahlberechtigt ist. Mitgliedschaft in einer Partei oder im Parlament ist keine Voraussetzung.

Statt sich an Fakten zu halten, wird’s nun aschgrau, wir wechseln in den Bereich der üblen Nachrede und der nebulösen Behauptungen: «Die Republik hat mehrere Quellen, die unabhängig voneinander bestätigen, dass Jositsch bereits Anfang 2024, also im Nachgang zu seiner gescheiterten Bundesratswahl vom Dezember 2023, Gespräche mit der FDP aufnahm.»

Ach ja, die berüchtigten voneinander unabhängigen Quellen, natürlich anonym und daher faktisch nicht überprüfbar. Dass der angebliche Gesprächspartner Jositsch das selbst und öffentlich bestreitet, je nun. Ebenso Filippo Leutenegger? Na, dann hat man halt hinterlistig ein Gerücht in die Welt gesetzt und lässt es einfach dort stehen. Das ist Schmierenjournalismus.

Hier dauert es sogar 11’143 A, bis es sich ausgeschmiert hat.

Im Höchstfall dürfte es aber selbst bei den verbliebenen «Republik»-Lesern höchstens eine knappe Mehrheit geben, die das Absägen eines erfolgreichen Ständerats, der normalerweise mit Akklamation für die nächste Kandidatur nominiert wird und sein Ersatz durch die rabiate Heckenschützin Jacqueline Badran als durch Jositsch selbstverschuldet ansehen.

Lustige Volte im Klein-Klein: der Mann wurde nicht gemeuchelt, er hat sich selbst entleibt als SP-Ständeratskandidat.

ZACKBUM hat mehrere Quellen, die anonym, aber unabhängig voneinander bestätigen, dass man selbst auf der «Republik»-Redaktion über solche Ergüsse den Kopf schüttelt und bereits am Stuhl der Schmachtlocke sägt. Soll mal einer kommen und uns das Gegenteil beweisen.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/06/Bildschirmfoto-2026-06-06-um-09.59.28.png 561 1180 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-06-11 05:00:182026-06-10 12:45:26Bis über die Schmerzgrenze
René Zeyer

Mal wieder die SoZ

17. April 2026/2 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Ein Artikel ragt aus allem heraus.

Spontan war unsere Aufmerksamkeit auf hundert:

Denn natürlich hatte ZACKBUM den spontanen Geistesblitz, ganz ohne Stromschlag: Wäre das nicht eine sinnvolle Behandlung für Journalisten? Ewige Bauchnabelbetrachtung, den Leser unter der eigenen, völlig unerheblichen Meinung leiden lassen, ungefragt und ungehört Ratschläge erteilen, schamlos die eigene Familiengeschichte ausbreiten.

Sieht man das richtig, also als potenziell pathologisches, auffälliges Verhalten, wäre es doch einen Versuch wert, das mit Elektrokonvulsionstherapie zu behandeln. Schliesslich zucken die Leser immer häufiger konvulsivisch, wenn sie durch die Seichtgebiete modernen journalistischen Gehampels waten müssen.

Beispiele aus der aktuellen «SonntagsZeitung»? Bitte sehr. Für einmal lehnt sich Arthur Rutishauser zu weit aus dem Fenster. Er fordert die Eidgenossen mal wieder auf, sich von fremden Händeln fern zu halten. So weit, so gut. Aber leider war die Deadline halt Samstagabend, so dass der Leser am Sonntag erstaunt liest, dass es Friedensgespräche in Islamabad geben soll. Dabei weiss er, dass die stattgefunden haben und gescheitert sind.

Das könnte man mit etwas Trump-Kenntnis vorausahnen. Eine nette Seitenlinie zieht dann allerdings Fabian Fellmann: «Islamabad statt Genf: Welche Stellung hat die Schweiz noch auf internationaler Bühne?» Die Antwort wäre einfach: je mehr sie die Position strikter Neutralität verlässt, desto kleiner ist sie.

Dafür braucht es dann allerdings kein Riesenfoto und eine ganze Seite Text.

Dann darf Gewerkschaftsboss Pierre-Yves Maillard mit der üblichen Rabulistik auf Rudolf Strahm eindreschen, kaum gebremst durch kritische Fragen, um dem Abwesenden wenigstens etwas Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. In den Fragen werden zwar einzelne Aussagen Strahms kurz erwähnt, wenn Maillard dann aber in seinen Antworten herumschwurbelt, gibt es keine einzige kritische Nachfrage.

Dann, lang lebe die Frauensolidarität, interviewt Nadja Pastega Chantal Galladé. Chantal who? Nun, der Anlass ist, dass sie anscheinend nach 30 Jahren aufhört zu politisieren. Während dieser Zeit führte sie ihr Weg von der SP zur GLP. Und wirklich Bedeutendes hat man von ihr in den letzten Jahren auch nicht gehört. Wirklich ein Anlass, eine Doppelseite mit einem Riesenbild und einem Wohlfühl-Interview zu füllen?

In der Wirtschaft, das muss ja eine Saure-Gurken-Woche gewesen sein, gibt Hans-Jürgen Maurus Geografieunterricht und belehrt den Leser, dass es im weltweiten Güterverkehr vier Nadelöhre gebe. Mindestens drei davon (wohl nicht alle kämen auf die Strasse von Malakka) kennen eigentlich alle Leser, die dafür nicht auf einer Seite aufgerüstet werden müssten.

Und eigentlich sind es acht, aber wenn man halt keine Zeit zum richtig Googeln hat …

Dann ein Beitrag zu: es geht nichts über eine knackige Ansage. Ob die eintrifft oder nicht, das interessiert in einer Woche keinen mehr. Diesmal: Der «Netzaktivist» Cory Doctorow «ist überzeugt, dass die Techgiganten das Internet ruinieren. Und dass die Milliardenblase um KI bald platzen wird». Na dann, benützen wir das Internet, solange es nicht ruiniert ist.

Neben wilden Prognosen sind neue Wellen der zweite Notnagel für händeringend nach Storyideen suchende Journalisten. Diesmal neu: die «digitale Ausgrenzung». Das ist eine Riesenwelle: «Über 20 Prozent der Erwachsenen in der Schweiz stossen dabei an ihre Grenzen.» Quelle? Der «Schweizer Dachverband Lesen und Schreiben». Wahnsinn. Dann muss man der abstrakten Zahl nur noch ein Gesicht geben: «Drei Betroffene erzählen». Grosse Leistung: drei Menschen zu finden, die sich in der Abwägung, sich öffentlich zum Deppen zu machen und andererseits in die Zeitung zu kommen, für den kurzen Ruhm entschieden haben.

Zum Thema Kulinarik ist auch niemandem nichts eingefallen: «Diese Küchenhelfer sind unentbehrlich». Schnarch, gähn.

Dann hat «Tennessee Tourism» seines Amtes gewaltet: «Warum es immer noch gute Gründe gibt, in die Vereinigten Staaten zu fahren». Nun, einer ist den Lesern leider nicht zugänglich: man kriegt die Reise bezahlt.

Tja, und dann eben das Lob der Stromschläge als Therapie. ZACKBUM ist völlig vom Nutzen überzeugt.

PS: Und bevor einer vorwurfsvoll auf den Kalender schaut: ja, ist ein Weilchen her seit der letzten SoZ. Aber wenn so viel passiert …

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/04/Bildschirmfoto-2026-04-12-um-17.40.46.png 767 1293 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-04-17 07:00:162026-04-17 11:32:52Mal wieder die SoZ
René Zeyer

Sonntagsblätter stochern im Nebel, Teil 1

3. März 2026/6 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Was machen die Redaktionen mit dem Kenntnisstand bis Samstagnacht?

Wenn SoZ, SoBli und NZZamSonntag am frühen Morgen in den Briefkästen liegen oder an die Kioske geliefert werden, sind mindestens fünf Stunden vergangen seit Redaktionsschluss. Das ist am Anfang eines solchen Krieges eine kleine Ewigkeit.

Dieser Artikel wurde am Sonntag geschrieben und erscheint am Dienstag und Mittwoch. Schafft noch mehr Distanz.

Wie gehen die Blätter damit um?

Fangen wir mit dem ersten Schrumpfblatt an. Das räumt fast alles oberhalb des Bundes frei, um ein Riesenfoto von Al Khamenei draufzuklatschen. Samt der vorsichtigen Schlagzeile, dass Israel behaupte, was inzwischen offiziell bestätigt ist: der Oberayatolle ist tot.

Und dann? Eine klare Positionierung von Chefredaktor Arthur Rutishauser:

«Es ist nicht einfach, für den US-Präsidenten Donald Trump Sympathien zu entwickeln. Aber für das Gelingen seines Iran-Abenteuers kann man ihm eigentlich nur Erfolg wünschen.»

Dann erinnert er immerhin daran, dass es «fast auf den Tag genau vor 23 Jahren war, als George W. Bush seinen Irakkrieg startete». Der bekanntlich mit der Lüge angeblicher Massenvernichtungswaffen begann und in einem blutigen und endlosen Bürgerkrieg seine Fortsetzung fand. «Mission accomplished»? My ass, wie der Ami zu sagen pflegt.

Gute Wünsche, Prinzip Hoffnung, etwas Geschichtslektion, sagen wir für ein Editorial gibt das die Note 4,5.

Und sonst? Die Time line, natürlich das Interview mit dem Islamwissenschaftler Reinhard Schulze, durchgeführt vom Chef Ausland ohne Ausland Christof Münger. Also ein Dilettant spricht mit einem Kenner der Sachlage, wunderbar. Wobei der arme Schulze auf viele absurd-hypothetische Fragen («Wie lange wird der Krieg dauern? Wie reagiert die iranische Bevölkerung?») mit gewundenen Konjunktivsätzen antworten muss. Geteilte Note, für Schulze eine 5, für Münger eine 3.

Dann die obligatorische Infografik, seit dem Irakkrieg beliebt für alle Sandkastengeneräle unter den Lesern. Und dann noch der Schweizer Aspekt: «In der Schweizer Botschaft in Teheran gibt es keinen Bunker, wo das Personal hinflüchten kann». Na, dann ist zu hoffen, dass die USA oder die Israeli hier kein Kriegsverbrechen begehen. Gesamtnote 5.

Dann kommt das «Gesicht der Diaspora in der Schweiz» zu Wort: «Unsere Sorge ist, dass es nicht Richtung Demokratie geht, sondern in die nächste Diktatur.» Das ist wohl leider keine Sorge, sondern die realistischste Prognose zurzeit. Note 5,5.

Das war’s dann mit dem Iran im Blatt, 4,5 Seiten, daher logischerweise Gesamtnote 4,5.

Auch der «SonntagsBlick» hat noch mitgekriegt, dass Chamenei, wie man ihn hier schreibt, tot sein soll:

Darunter eine Schlagzeile, die wohl Hoffnung machen soll, so nach der Devise: es gibt dann auch gute Nachrichten.

In seinem Editorial fängt Reza Rafi damit an, was Journalisten gerne tun: mit einem «ich war dabei»-Start. «Da steht Donald Trump also in Fleisch und Blut.» Schliesslich soll sich die Teilnahme an der Gockelparade WEF doch irgendwie auszahlen. Das kommt dann auch als Klammer gelegen, wenn Rafi nach seinem Slalom zum Iran in die Zielgerade einbiegt: «Bei der Begegnung am 21. Januar in Davos blieb unklar, ob der Verräter oder der Befreier Irans vor uns steht. Im Augenblick deutet viel auf Letzteres hin. Gestern jedenfalls hat Trump geliefert.» Verräter? Ein dunkles Wort des Chefs. Daher Note 4.

Fortsetzung folgt.

 

 

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/03/Bildschirmfoto-2026-03-01-um-15.45.24.png 833 1309 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-03-03 05:00:382026-03-01 15:50:25Sonntagsblätter stochern im Nebel, Teil 1
René Zeyer

Muss das wirklich sein?

23. September 2025/0 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Die NZZaS lässt es knallen – als Wiederholungstäter.

Kommt bekannt vor: ein visueller und inhaltlicher Kracher auf der Frontseite, dann auf Seite 2/3 links Sprachnotstand im Editorial, daneben intellektueller und visueller Notstand.

Alleine die Headlines und die Ausstattung der Stücke rufen dem Leser zu: lies mich nicht, sonst wirst du die Verschwendung deiner Lebenszeit bereuen. Chefredaktor Beat Balzli verwirrt mit dem Titel «Heute macht der Säbelzahntiger mal Pause». Daneben walzen Alain Zucker und Peer Teuwsen eine Denkpause auf vielen Zeilen aus: «Die Sippenhaftung ist zurück», behaupten sie. Boykottaufrufe träfen «die Falschen», Israel sei «kein Apartheitstaat». Schludrige Formulierungen zeugen von schludrigem Schreiben:

Auf welchem Niveau wird hier geholzt?

«Als die Bewegung mit Wirtschaftsboykotten nicht weiterkam, hat sie sich zunehmend auf die Kultur kapriziert. Die Szene ist ein wildes Amalgam aus antisemitischen Kapitalismusgegnern, Russlandapologeten, Postkolonialisten und Mitläufern, die in holzschnittartigen Tiktok-Videos politisiert wurden und seither in moralischer Selbstzufriedenheit alles Israelische böse und alles Palästinensische gut finden.»

Das ist, mit Verlaub, gerüttelter Schwachsinn auf einem Argumentationsniveau, wie es Trump oder Vance auch nicht schlechter hinkriegten. Zudem wünschte man sich, dass die NZZaS mit dem gleichen Furor gegen die Ausformungen des Boykotts von russischen Künstlern vom Leder ziehen würde.

Beim Iwan hingegen darf der kalte Krieger Markus Bernath seine Betriebstemperatur hochschrauben: «Man darf sich nichts vormachen: Europa steht bereits in einem militärischen Konflikt mit Russland.» Man kann sich nichts vormachen: der Mann ist ein Kriegstreiber erster Güte.

Ein trauriges Kapitel ist die Gewichtung in dieser Ausgabe der NZZaS. Eine Seite nostalgische Verklärung von Robert Redford. Seine «Persönlichkeit war einzigartig». Nichts dagegen einzuwenden, er gehört auch zu den Lieblingen von ZACKBUM. Aber dafür ein paar lumpige Zeilen zum Tod von Fredi Heer? Das ist mehr als schäbig.

Dafür als Aufmacher auf der Seite «Nachrufe» die Nacherzählung des Lebens eines Überläufers aus Nordkorea, den nun wirklich niemand kennt. Das ist geradezu unverschämt.

«So sad», würde Trump zu dieser Ausgabe sagen. Dabei hätte er den Schnarch-Aufmacher der «SonntagsZeitung» noch gar nicht gesehen:

Und Zufälle gibt’s; auch auf Seite eins der SoZ:

Aber immerhin, der Tod von Fredi Heer schafft es hier auch auf Seite eins.

Auf Seite zwei lebt der ansonsten zurechnungsfähige und kompetente Arthur Rutishauser in seinem Editorial den Traum «wenn Wünschen helfen würde» aus. Und fantasiert: «Kurzfristige Interessen von Aktionären, die auf die schnelle Rendite aus sind, sollte man ignorieren. Die haben mit dieser Denke schon die CS und die Swissair ruiniert.»

Da aber diese Aktionäre Mehrheitseigner sind, lässt sich das schlecht ignorieren. Und CS oder Swissair wurden in erster Linie durch ein inkompetentes Management ruiniert.

Unwillkürlich an die Werbung «für ä tüüfä gsundä Schlaaf»® erinnert fühlt man sich beim Aufmacher von «Leben & Kultur». Als gälte es, eine Kriegsberichterstattung anzukündigen, hämmert der Lead:

«Philippe Zweifel hat sich für Sie durch Möbelhäuser, Testbetten und Rückenschmerzen gekämpft».

ZACKBUM hofft, dass dadurch kein neuer IV-Fall entstanden ist.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2025/09/Bildschirmfoto-2025-09-21-um-09.02.47.png 591 1031 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2025-09-23 05:00:362025-09-21 10:28:45Muss das wirklich sein?
René Zeyer

Das Schweigen der Belämmerten

4. September 2025/2 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Gibt es ausser Lukas Hässig noch Wirtschaftsjournalisten?

Da gibt es den Fall des ehemaligen Nestlé-Chefs Laurent Freixe. Der arbeitete 39 Jahre für den Nahrungsmittelkonzern mit dem vertrauenserweckenden Namen.

Neben seiner Tätigkeit fand Freixe allerdings immer wieder Zeit, auf Freiersfüssen zu wandeln. Das zweite Mal brach ihm das allerdings das Genick.

Lukas Hässig von «Inside Paradeplatz» spricht von einer «Mata Hari des Schweizer Food-Multis». Das etwas schiefe Bild sei ihm verziehen. «Corporate Casanova» für Freixe ist hingegen durchaus treffend.

Es ist so, dass wieder einmal IP als erstes Medium im Juli über diese problematische Liaison des Nestlé-Chefs mit einer direkten Untergebenen berichtet hatte.

Zunächst stritt Nestlé jegliches Fehlverhalten auf höchster Ebene ab, das habe eine interne Untersuchung zweifelsfrei bewiesen. Nachdem IP aber nachstocherte, wurde dann Bär & Karrer mit einer externen Untersuchung beauftragt.

«Ein Cover-up fürs Governance-Lehrbuch», kritisiert Hässig in seinem neusten Beitrag. Und rückt den eigentlich verantwortlichen ins Zentrum: Nestlé-VR-Präsident Paul Bulcke. Denn Freixe ist bereits dessen zweiter Fehlgriff in kurzer Zeit:

«Zuerst entwickelte sich Mark Schneider zum esoterischen Milliarden-Vernichter, dann entpuppte sich Freixe als Corporate Casanova.»

Das ist ziemlich blöd für einen Verwaltungsrat, zu dessen vornehmsten Aufgaben es gehört, die Geschäftsleitung mit fähigen und stabilen Leuten zu besetzen.

Blöd ist das auch für die übrigen Medien, die inzwischen hinterherhecheln. Tamedia vermeldet in ihrem Artikel immerhin: «Ende Juli berichtete der Finanzblog «Inside Paradeplatz» darüber, dass Freixes Beziehung zu einer Mitarbeiterin innerhalb der Firma für Gesprächsstoff sorge.»

Andere Organe, darunter «Blick» und NZZ oder CH Media, verklemmen sich jeden Hinweis auf den eigentlichen Urheber. Der wie im Fall Vincenz ein hohes Risiko einging.

Denn hätte sich seine aus internen Quellen gespeiste Story als Ente erwiesen, und anfänglich stritt Nestlé jegliches Fehlverhalten seines Chefs ab, dann hätte er mit teuren Schadenersatzansprüchen rechnen müssen.

Die Reputation des CEOs des Nahrungsmultis Nestlé. Die Reputation der Firma selbst. Alleine die Abwehr rechtlicher Schritte wäre teuer geworden.

Aber erst, als Nestlé publik machte, dass es seinen schnell verliebten CEO fristlos gefeuert hatte, sprang die übrige Journaille auf und wusste es im Nachhinein mal wieder schon immer.

Aber vorher? Ist da was? Schauen wir lieber mal, ob sich Hässig in die Nesseln gesetzt hat oder nicht, bevor wir uns auch mit dem Riesen anlegen. Der schliesslich als Inserent nicht ganz unbedeutend ist.

So die Haltung der übrigen Wirtschaftsjournaille. Nur Arthur Rutishauser fällt noch gelegentlich durch Sonderleistungen auf. Wie er sich an der verblichenen CS abarbeitet. Oder an der Migros zum 100., wo das Versagen einer ganzen Managergeneration den orangen Riesen ins Wanken gebracht hat.

Aber sonst? Nicht einmal eine kompetente Analyse der US-Zollpolitik kann der Schweizer Wirtschaftsjournalismus liefern.

Vorherrschende Meinung: da sieht man’s; wäre die Schweiz in der EU, wäre ihr das nicht passiert. Die hat schliesslich 15 Prozent herausverhandelt.

Bullshit, würde da Präsident Trump sagen. Zum einen musste die EU absurde Verpflichtungen eingehen, die weder sie noch die USA erfüllen können. Zudem stänkert Trump bereits wieder, dass ihm die EU-Digitalgesetze nicht passen und er deswegen neue Strafzölle erwägt.

Also nichts von Sicherheit und Stabilität durch überlegenes Verhandlungsgeschick.

Wirtschaft ist zentral wichtig für das Wohlergehen. Eine wache Wirtschaftspresse könnte einiges Unheil verhindern oder zumindest verantwortungslose und raffgierige Akteure etwas bremsen.

Aber in der Schweiz? Eine One-man-Show.

 

Packungsbeilage: ZACKBUM-Redaktor René Zeyer publiziert regelmässig auf IP.

 

 

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2025/09/Bildschirmfoto-2025-09-02-um-15.23.08.png 709 1224 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2025-09-04 05:00:002025-09-04 07:56:12Das Schweigen der Belämmerten
René Zeyer

Wenn Journalisten über Journalisten schreiben …

31. Juli 2025/4 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

… wird der «umstrittene Journalist» Lukas Hässig unfreundlich abgewatscht.

«Tim Wirth schreibt oft Portraits und Hintergründe. Für den «Züritipp» interviewt er zudem internationale und nationale Musikerinnen und Musiker.»

Also geradezu prädestiniert dafür, ein Porträt über den Finanzblog «Inside Paradeplatz» und seinen Herausgeber Lukas Hässig zu schreiben. Ist es das Geld wert, hinter der Bezahlschranke?

Erste Zweifel kommen schon bei der Spitzmarke auf: «Umstrittener Zürcher Journalist». Wer streitet denn um ihn; das ist ein unscharf-wolkiges Adjektiv, das insinuieren soll: zweifelhaft. Unflat bereits im ersten Wort. Es geht so weiter:

«Kontroverser Blog, 150’000 Klicks will der 60-Jährige pro Tag erreichen, der Ton ist dramatisch und gehetzt, er publiziert auch Halbgares und Verletzendes und wurde deshalb schon mehrmals eingeklagt und auch verurteilt. Er musste Entschädigungen bezahlen, Artikel oder Textstellen löschen und Gegendarstellungen publizieren. Wie oft, bleibt unklar, schwammige Trennung von Fakten und Meinungen auf «Inside Paradeplatz», auch männliche Politiker sagen, dass Hässig sie faktenfrei angegriffen habe.»

Eine hübsche Portion Häme, auch mit anonymen Quellen, dazu zitiert er Hässigs ehemaligen SoZ-Chefredaktor Andreas («Duschdas») Durisch, der längst in die Beratung gewechselt hat. Oder entblödet sich nicht, ungeeignete Zeugen wie Jolanda Spiess-Hegglin oder das Mitglied ihres Beirats Martin Steiger zu zitieren, ohne dessen Interessensbindung auszuweisen.

Natürlich gibt es auch eine Portion Lob: «Seine investigativen Recherchen deckten bedeutende Skandale im Schweizer Finanzsektor auf.» Gleich abtemperiert: «Kritiker werfen dem Portal mangelnde Faktentreue sowie diskriminierende Berichterstattung vor.»

Dass angebliche weibliche Opfer weitgehend vor Gericht krachende Niederlagen erlitten, erwähnt er hingegen nicht.

Einen zentralen Punkt umfährt er geflissentlich: wie ist es möglich, dass Hässig als One-man-Show den Vincenz– Skandal aufdeckte, die Millionenentschädigung für den Ex-Novartis-Chef Daniel Vasella, um nur zwei Beispiele zu nennen?

Das hat zwei Gründe. Erstens schnarcht die Wirtschaftsredaktion von Tamedia vor sich hin, trotz des unermüdlichen Arthur Rutishauser. Zweitens wendet man sich zuerst an Hässig, wenn man Interna zu enthüllen hat. Weil man weiss, dass der Mann sich traut, die auch rauszuhauen. Obwohl er damit immer wieder existenzgefährdende Rechtshändel riskiert.

So wie beim Anlass des Artikels. Der rachsüchtige Kompagnon von Pierin Vincenz hat als Privatkläger die Staatsanwaltschaft mehrfach dazu gezwungen, eine absurde Ermittlung wegen einer angeblichen Verletzung des Bankgeheimnis wieder aufzunehmen. Das führte zu einer Razzia bei Hässig. Ein Schlag ins Wasser, denn sein Antrag auf Versiegelung des abtransportierten Materials hatte Erfolg.Auf den Kosten, wie auch in seinem epischen Streit mit der UBS, bleibt er jeweils sitzen. Wie sagt Hässig so richtig:

«Wenn ich eingeklagt werde, kann ich anfangen, 1000er-Noten rauszuschmeissen.»

Dass er allerdings in Überdehnung des Rechts auf freie Meinung seine Kommentarschreiber an der ganz langen Leine hält, was ihm schon schmerzliche Verluste bescherte, das sollte er besser in den Griff kriegen.

Ein Porträt ist immer seine subjektive Sache. Ein guter Porträtschreiber versucht, für den Leser ein möglichst realitätsnahes Bild des Porträtierten zu schreiben.

Da er Herr der Beispiele zur Charakterisierung und der ausgewählten Zitate ist, kann er dem Bild einen Spin geben, eine Färbung. Wenn er ein schlechter Porträtschreiber wie Tim Wirth ist. Ein Lohnschreiber, der nie im Leben auf die Idee käme, ein kritisches Porträt über seinen Big Boss Pietro Supino oder über den geldgierigen Coninx-Clan zu schreiben.

Und seitdem der bei ZACKBUM auf der Shitlist stehende besinnungslose Gesinnungsschreiber Philipp Loser mit einer unsäglichen Rempelei gegen den Konkurrenten Hanspeter Lebrument («Der Alte auf dem Berg») baden ging, er sich dafür entschuldigen musste und der Artikel gelöscht wurde, traut man sich auch nicht mehr an die Konkurrenz heran.

Ausser, sie heisst Hässig. Was bleibt da als Framing? Wilder Typ, frauenfeindlich, haut oft Halbgares und News aus der Gerüchteküche raus, hat’s nicht so mit den Fakten. Obwohl er da und dort einen Primeur landet.

Man könnte genauso unfundiert eine Lobeshymne auf Hässig anstimmen. Journalismus als Jahrmarkt der Beliebigkeit. Wie man ein gutes Porträt schreibt, das lernt man heute offenbar weder am MAZ noch bei einem «Kompaktkurs der Henri-Nannen-Schule». Die immerhin noch so heisst, während der Henri-Nannen-Preis (den auch der «Spiegel»-Fälscher Relotius gewann), inzwischen in «Stern»-Preis umbenannt wurde.

Aber das wäre eine andere Geschichte.

Packungsbeilage: ZACKBUM-Redaktor René Zeyer publiziert regelmässig auf IP.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2025/07/Bildschirmfoto-2025-07-24-um-16.13.26.png 638 1610 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2025-07-31 07:00:442025-07-31 09:35:13Wenn Journalisten über Journalisten schreiben …
René Zeyer

Gesucht: Sonntagszeitungen

14. Juli 2025/0 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Wo sind sie geblieben, wer hat sie versteckt?

Es war ein guter Plan. ZACKBUM kauft die «SonntagsZeitung» und die «NZZamSonntag», haut sich mit ihnen in die besonnte Wiese und liest.

Allerdings muss es da zu einer fiesen Guerilla-Aktion gekommen sein. Für stolze 6.40 Franken wurden 62 Seiten eines Look-Alike ausgehändigt. Eine Imitation der SoZ, von irgendeinem C-Team zusammengeschustert. Auf der Front, in täuschend ähnlicher Aufmachung, unter dem Original-Logo, ein Riesenschwarzweissfoto von Dutti. Vorwand: «100 Jahre Migros. Erfolge und Skandale».

Autor der mehrteiligen Serie ist der unermüdliche Arthur Rutishauser, dessen Text irgendwie den Weg in diese Nachahmung fand.

Aber sonst? «In der Badi daheim. Bei den Stammgästen am Beckenrand». Wie verzweifelt muss man sein, das eine «Reportage» zu nennen? Und daraus fast eine Doppelseite mit anmächeligen Riesenfotos zu machen?

«An der Sonne. Wann ist es zu viel? Tipps der Ärztin». Wie verzweifelt muss man sein, daraus eine Doppelseite mit einem Riesenriesensymbolfoto zu machen? Und das dann noch «Sonntagsgespräch» zu nennen?

Fast eine Doppelseite, wie der Ortsbildschutz den Neubau eines Hauses blockiert. Wie verzweifelt muss man sein, oder sagten wir das schon?

Riesenfoto von Blocher Vater und Blocher Tochter, auf Heuhaufen sitzend. Kleine Story, dass die SVP mit Bauernverbänden über Kreuz liegt, die die EU-Verträge gut finden. Hätte man in besseren Zeiten eine Meldung, allerhöchstens eine halbe Spalte draus gemacht.

Dann beginnt nach den Badistammgästen das grosse Blättern.

Wirtschaft? Geschichtsstunde über Dutti, und sonst nicht viel.

«Leben & Kultur» und der ganze Rest? Aufmacher: «Während unserer Ehekrise war Chat-GPT wie eine Schulter zum Anlehnen». Der Text könnte von einer KI geschrieben worden sein, hat aber angeblich eine Autorin.

Andreas Vollenweider. Ja, der Harfengott lebt noch und greift auch noch rein.

Dann durfte eine Journalistin auf Kosten des Hauses ein Luxus-Ferienressort in der Provence besuchen. Das sei ihr gegönnt. Allerdings: «Suiten ab 1100 Euro». Pro Nacht, versteht sich, Verpflegung extra. Genau die Preisklasse für den SoZ-Leser.

Rätsel, Rätsel, Rätsel, TV-Programm und ein erschütternder Bericht, wie die Kultur der absaufenden Insel Tuvalu gerettet werden soll.

Dann die Erlösung: das war’s. Bleibt die Frage: wer war das? Die Überreste der «SoZ»-Redaktion oder wurde ausgesourct? Oder hat sich hier jemand einen üblen Scherz erlaubt?

Die gleiche Frage stellt sich bei der «NZZamSonntag». Schlappe 52 Seiten für stolze 7.10 Franken. Die Look-Alike Front:

Wenn der angeblich neue Körperkult sprechen könnte, würde er uns vielleicht etwas sagen. So aber wird eine nichtssagende Doppelseite mit schwellenden Muskelfotos draus.

Zuvor Turnübungen am Sprachreck von Chefredaktor Beat Balzli (mitsamt Bauchlandung beim Abgang) und Zahlensalat zum Dichtestress.
Dann ein Kriminal-Tango-Foto vom Gottseibeiuns Björn Höcke von der AfD. «Wolf im Wolfspelz»; für einen solchen Titel ist nicht mal ein Hitzschlag eine Entschuldigung.

Dann beginnt auch hier das Blättern. Kurzer Zwischenhalt beim Kampffeministen Peer Teuwsen, der die «Debatte» eröffnet mit: «Der Frauenfussball braucht keinen Artenschutz». Gegenteiliges hat auch niemand behauptet.

In der Wirtschaft hat der Chef der Schweizerisch amerikanischen Handelskammer seinen grossen Auftritt. Auch er wird dem Sommerloch dankbar sein dafür.

Der Dilettantenstadl zwischen Klaus Schwab und dem WEF profitiert auch von «und sonst haben wir wirklich nichts?»

«Wissen» droht: «Tod aus Schlafmangel». Die «Kultur weiss Abhilfe: «Museum der Langweile». Also das Zürcher Kunsthaus besuchen, schon schnarcht man friedlich. Dann noch die Sommerquälserie: «Postkarte aus Vaduz». Ein Kaff, das man nie besuchen möchte. Ausser, man will dort seine Stiftung streicheln. Wenn sie einem noch nicht geklaut wurde.

Auch hier endet endlich die Qual. Und auch hier bleibt die Frage: wer war das? Sogar das «Magazin» der NZZaS schlägt fotografisch nach unten alles, was es sich sonst schon leistet.

Wurde auch hier ein Dummy hergestellt und versehentlich ausgeliefert?

Es gäbe auch noch den SoBli? Also bitte, es gibt Grenzen.

So war die Lektüre auf der besonnten Wiese in ungefähr 15 Minuten vorbei. Fast ein Stutz pro Minute für nix. Gut, dass ZACKBUM vorausschauend den Riesenwälzer «Permafrost» von Viktor Remizov dabei hatte. Das sorgt nicht nur wegen des Titels für Abkühlung. Sondern ist ein Riesenstück Literatur, Liga Grossman oder Tolstoi.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2025/07/Bildschirmfoto-2025-07-13-um-16.48.20.png 1088 1888 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2025-07-14 05:00:572025-07-13 22:50:48Gesucht: Sonntagszeitungen
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  • Kleines Vademecum für Kommentarschreiber27. August 2020 - 16:08
  • Wer wir sind und was wir wollen25. August 2020 - 15:07
  • ZACKBUM.ch startet: Die Rückkehr der Medienkritik25. Juli 2020 - 6:05
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