Samstag ist der neue Sonntag
Auch der «SonntagsBlick» wird weggespart.
Natürlich begleitet vom üblichen Gequatsche. Die Dame mit der extrabreiten Visitenkarte übertrifft sich im Bullshit Bingo mal wieder selbst:
«Unter der Woche dominiert der Takt. Am Wochenende wollen Menschen verstehen, was die Woche geprägt hat – und gleichzeitig Inspiration für ihre freie Zeit finden. Genau für diesen Moment schaffen wir ein stärkeres Angebot: mehr Journalismus, mehr Sport, mehr Service und mehr Zeit zum Entdecken.»
Oder auf Deutsch: nachdem der «Sonntag» des Wanner-Clans schon lange zur «Schweiz am Wochenende» geworden ist, spült der Ringier-Clan nun den eigenen Sonntagstitel und macht ihn zum «Blick fürs Wochenende», der zum ersten Mal am 9. Januar 2027 erscheinen soll.
Wobei nicht auszuschliessen ist, dass bis dann der Niedergang der Printauflage dermassen rasant weitergeht, dass sowieso eine Weiterführung von sechs mal gedrucktem «Blick» infrage gestellt wird. Denn seitdem Ladina Heimgartner am Gerät ist, schrumpfte die Druckauflage auf jämmerliche 58’000 Exemplare.
Im Jahr 2000 waren es noch stolze 314’000. Natürlich ist die gesamte Printbranche im Niedergang. Aber das Enteiern eines Boulevardblatts, neu ohne Boulevard, rabiate Führungswechsel, das Schaffen eines ganzen Zoos von artfremden Heads, Officers und Chefs, total missglücktes Rumschrauben am Logo, das Berufen unfähiger, aber weiblicher Führungskräfte, die erfolglose Kopierübung «Blick+», das alles leistete seinen Beitrag zu einem speziellen Sturzflug.
Nun also der Rückzug vom Sonntag, verbrämt als angeblich «stärkeres Angebot». Damit begibt sich die «Blick»-Familie ihrer stärksten USP: die Sportberichterstattung. Denn mit Redaktionsschluss Freitagabend geht das meiste durch die Latten.
Was auch schöngeschwatzt wird: am Samstag gibt es schon einen «Blick». Der wird nun einfach etwas aufgemotzt und auf Tabloid umgestellt. Ob die Schrumpfredaktion um Reza Rafi die Fusion vollständig überlebt, wird sich zeigen.
Die verbliebenen Sonntagsblätter in der Deutschschweiz, die «SonntagsZeitung» und die NZZamSonntag, behaupten tapfer, dass sie am Erscheinungstag festhalten wollen. Obwohl auch hier die Redaktionen mit den Wochenblättern weitgehend zusammengelegt sind. Und insbesondere die NZZamSonntag einen bedenklichen inhaltlichen Tiefflug hingelegt hat, seit Beat Balzli am Gerät ist. Während der Chefredaktor SoZ Arthur Rutishauser weiterhin tapfer Primeurs raushaut. Und das ganz ohne eigene Redaktion.
Das Problem am Sonntag sind die Zustellungskosten. Die wurden bislang durch drei geteilt, ab nächstes Jahr durch zwei. Ob das vor allem der Abholzer Pietro Supino vom Coninx-Clan weiter stemmen wird?
Auf der anderen Seite sind voreilige Grabesreden oder Besserwissereien, bevor das erste Exemplar des SoBli am Samstag erschienen ist, verfrüht.
Richtig ist hingegen, dass es anlässlich einer solchen rabiaten Umstellung und Sparmassnahme durchaus mehr unternehmerische Innovationsfähigkeit hätte geben können. Aber die Vorteile hybrider Lösungen, überhaupt die Existenz des Internets, ist in der überbezahlten und unterbelichteten Teppichetage der Verlage immer noch nicht angekommen.
Sie scheitert seit Jahren an der einfachen, jedoch existenziellen Frage: wie schaufle ich zahlende Leser und Inserenten ins Internet, damit ich mich von «die News von gestern, heute Morgen serviert» trennen kann?
Es kann nicht häufig genug wiederholt werden: wer sich bis heute beim Online-Werbekuchen von Google, Facebook & Co. abtrocknen lässt und mit Krümeln bescheidet, ist unfähig.
Alleine Google und Meta kassieren in der Schweiz rund 2,4 Milliarden Franken jährlich. Publizistische Medien erzielten läppische 300 Millionen, plus die noch existierenden Rubrikenmärkte. Also Dreiviertel für die internationalen Techplattformen.
Der SoBli hat (noch) eine beglaubigte Auflage von 74’700 Exemplaren. Sonntags-Frühzustellung, Druck, Nacht- und Sonntagszuschläge, da lassen sich schätzungsweise vier Millionen Franken pro Jahr einsparen.
Peanuts, lächerlich, um im Vergleich dazu eine Traditionsmarke aufzugeben.
Michael Ringier ist ein bekennender Aston-Martin-Fahrer. Das Valkyrie Coupé kostet unter Freunden rund 4,5 Millionen. Man vergleiche.


















