Hitzegewitter

Wie das Klima, so die Medien.

Sommerloch oder Sommerhitze? Oder beides? ZACKBUM ist sich nicht sicher, wenn wir solche Nachrichten im «Blick» sehen:

Und das, nachdem der Bundesrat schon fröhlich gebechert hatte. Müssen wir hier mit dem Schlimmsten rechnen? Wird Bersets Sprecher seinen Posten behalten? Wir halten den Atem an und nehmen selber einen tiefen Schluck.

Dann haben wir den hier:

Da sitzt ein älterer Herr mit einem deutlich prononcierten, nun ja, Embonpoint bequem in seinem Lehnsessel vor sorgfältig hindrapierter Bibliothek, und fordert kriegslüstern «Waffen, Waffen, Waffen». Das brauche die Ukraine offenbar zuvorderst und in erster Linie. Ob der wohlbeleibte Herr Publizist wohl selbst Hand anlegen wird? Oder lässt Frank A. Meyer es bei Befehlen aus dem Sessel zu Berlin bewenden?

Auch Tamedia hat Unerhörtes zu vermelden:

Wollen wir uns das bildlich vorstellen? Oder lieber nicht.

Selbst die NZZ scheint etwas unter der Sommerhitze, dem Starkregen oder sogar Hagel zu leiden:

An diesem Titel stimmt nun genau – nichts. Es ist kein Urteil, spektakulär schon gar nicht, es waren keine sensationslüsterne, sondern höchstens persönlichkeitsverletzende Artikel. Gewinn herausgeben muss «Blick» ebenfalls nicht. Denn das Gericht hat lediglich entschieden, dass Ringier Zahlen zu liefern habe, mit denen sich dann allenfalls ein möglicher Gewinn berechnen liesse. Wobei die Auffassungen der Streitparteien naturgemäss sehr weit auseinanderliegen. Das Lager JSH geht von Hunderttausenden an Gewinn aus, Ringier rechnet eine knapp fünfstellige Zahl aus. Genaueres wird man in ein paar Jahren wissen. Aber eine saubere Leistung der NZZ.

Etwas dunkel bleibt der Sinn dieser Meldung aus dem St. Galler «Tagblatt»:

Wieso könnte das ein Scherz sein? Wieso ist es kein Scherz? Aber natürlich ist ein «falscher» Fussgängerstreifen illegal. Insbesondere, wenn er von Unbekannten angebracht wird.

Zum Schluss noch eine gute Nachricht und Entwarnung in Sachen Zappel-Leu:

CH Media konnte keinerlei Gezappel bei ihr feststellen. Allerdings traut man ihr dort einen Durchbruch zu. Muss aber vermelden, dass sie keinen erzielen konnte. Was mal wieder bedeutet, dass die EU die Koahäsionsmilliarde gerne kassiert, aber nicht mal Kleingeld herausgibt.

Wumms: Marc Walder

Der Ringier-CEO wandelt sich zum Weltenlenker.

Marc Walder sieht sich immer mehr als Staatsmann. An der Seite von Bundesrat Alain Berset, der sich als Dressman und Interviewer für eine Ringier-Zeitschrift missbrauchen lässt.

Zwei Glatzen- und Amtsträger unter sich.

Als nicht so heimlicher Helfer auf internationalem Parkett, der eine ganz gewichtige Rolle bei Gerhard Schröders Besuch in Moskau gespielt haben will. Walder in geheimer Mission, beteiligt am Versuch, das Gemetzel in der Ukraine zu beenden. Wunderbare Story, leider endete alles in Lächerlichkeit.

Aber ein Walder gibt nicht so schnell auf. Ein Walder muss Prioritäten setzen. So war er als Gastredner bei der Verleihung des Zürcher Journalistenpreises vorgesehen. Vielleicht hätte er dort erklären können, wie er es beinahe im Alleingang schaffte, die ersehnte Steuermilliarde für die Verlegerclans zu versenken.

Aber stattdessen musste der VR-Delegierte von Somedia Andrea Masüger bei der Begrüssung im Zürcher Kaufleuten verkünden, dass der Ringier-Mitbesitzer seinen Auftritt kurzfristig habe platzen lassen. Ein «osteuropäischer Staatspräsident» habe Walder dringend sprechen, konsultieren wollen.

Bedeutungsschwangeres Ausatmen im Publikum. Wer mag das wohl gewesen sein? Vielleicht brauchte Viktor Orbán Rat? Oder wollte sich Wolodymyr Selenskyj für einen Tennismatch verabreden? Oder aber – bei Rasputin – könnte es sein, dass der Gottseibeiuns aus dem Kreml Lust auf einen gemeinsamen Ausritt verspürte? Gibt es nun neben der von Scholz und der von Cassis organisierten Friedenskonferenz noch eine dritte?

Welche Rolle spielt dabei Schröder? Wird Frank A. Meyer die Sonne seiner Anwesenheit leuchten lassen? Da wehte der Mantel der Geschichte einen Moment lang durchs Zürcher Kaufleuten, und solche eifrig debattierten Fragen liessen die Preisträger etwas in den Hintergrund treten.

Für Möchtegerns ist das allerdings als Begründung einer kurzfristigen Absage nicht zu empfehlen. Sorry, da ist Präsident Biden auf der anderen Linie, muss Schluss machen – lieber nicht. Wollte gerade dem Chauffeur sagen, dass er dem Aston Martin Guzzi geben soll, aber da klingelte doch von der Leyen durch – ja nicht. Hätte so gerne meine Rede gehalten, aber wenn Macron mal in Fahrt kommt, kann man ihn ganz schlecht bremsen – bitte nicht.

Das gilt auch für die Erwähnung von «osteuropäischen Staatspräsidenten». Denn in Wirklichkeit war es so, dass Walder es vorzog, sich in Belgrad vom serbischen Präsidenten Aleksandar Vučić eine «Ehrenmedaille» anheften zu lassen. «Ich möchte Herrn Walder meinen Dank für seinen unermüdlichen Einsatz und seinen ansteckenden Enthusiasmus bei der Förderung Serbiens als Geschäfts- und Investitionsstandort aussprechen», lobhudelte der Präsident.

Dass sich Walder lieber von einem lupenreinen Demokraten dekorieren lassen als am Zürcher Journalistenpreis sprechen wollte, ist das eine. Dass diese Kollision nicht erst ganz kurzfristig erkennbar war, das andere. Was meint denn Masüger? Auf Anfrage von ZACKBUM antwortet er: «Herr Walder hat seine definitive Absage vor ca. 10 Tagen gemacht. Es war auch nicht mehr möglich, in so kurzer Zeit eine Ersatzperson zu gewinnen. Für einen solchen Anlass, der Monate im Voraus geplant wird, ist das durchaus im letzten Moment.»

Also «letzter Moment» laut Masüger heisst dann: vor zehn Tagen kriegte ich eine Mitteilung. Sonderlich, sehr sonderlich.

Neues vom Gendern

Er, sie oder doch lieber «em»: Völlig verrückt ist das neue Normal. Oder: «Drittes Geschlecht, mein gutes Recht

Von Stefan Millius*

Kennen Sie das Pronomen «em»? Oder «xier»? Kaum. Der Duden auch nicht. Aber das soll der neue Standard werden. Neben einem halben Dutzend weiterer Pronomen. Nicht etwa freiwillig. Wer sich der Neuerfindung der Sprache verweigert, kriegt es mit den heiligen Twitter-Kriegern zu tun.

Manchmal muss man anderen den Vortritt gewähren, um deutlich zu machen, um was es geht. Daher geht das Wort an René_ Rain Hornstein. Die Schreibweise mit dem ungewohnten Unterstrich ist übrigens kein Vertipper. Hier, bitte:

«Mein Pronomen ist em oder kein Pronomen. Bitte nutzen Sie für Substantive, Artikel und Adjektive die _ oder -Form. Ein Beispielsatz: René_ Rain Hornstein ist ein * e freundliche * r * Referent * in, em geht auf die von Veranstaltungsteilnehmer * innen geäusserten Wünsche ein.»

René_ Rain Hornstein war – einfach mal auf der Grundlage seiner äusseren Erscheinung, – das, was man früher als Mann identifizierte. Inzwischen hat er die Haare schön, pardon, lang, ein paar weitere weibliche Attribute kamen dazu, und nun darf man weder «er» noch «sie» sagen, man muss sagen: «Em hat die Haare schön.» Genau. Nicht: «Er hat die Haare schön». Oder: «Sie hat die Haare schön.» Em. Em. Em.

Nicht schwierig, oder?

Wenn jemand Mühe hat mit «em», warum auch immer, gibt es Alternativen. Weitere Pronomen, die akzeptabel sind für einen Mann, der irgendwann beschlossen hat, etwas anderes zu sein, aber eben keine Frau, sind diese: hen, per, nin oder xier. Sagt jedenfalls René_, und er muss es ja wissen.

«Xier hat die Haare schön.» – «Hen hat die Haare schön.» – Nicht schwierig, oder? Gut, unsere Kinder haben heute schon Mühe, die deutsche Sprache zu lernen, aber die paar zusätzlichen Pronomen, die kein Lehrbuch der Welt kennt, wird man sich doch auch noch reinhauen können.

Und was genau hat der Unterstrich nach «René» zu bedeuten? Der stellt klar, dass der eigentlich männlich besetzte Vorname nicht so zu verstehen ist, sondern eben geschlechtsneutral. Das bedauernswerte Wesen kann ja nichts dafür, dass seine, pardon, em Eltern em einst einen männlich geprägten Vornamen gegeben hat. Das schreit nach einer Korrektur.

Und «Rain»? Ich nehme schwer an, dass René, pardon, René_, einst zum zweiten Vornamen Rainer hiess und sich inzwischen durch die Auslassung der Endung nun auch hier des Geschlechts entledigt hat. Rain ist ja auch furchtbar poetisch.

René_ Rain Hornstein ist inzwischen eine Berühmtheit in Deutschland. Er hat kürzlich die Deutsche Bahn in die Knie gezwungen. Die hat bisher von ihren Fahrgästen bei einer Onlinebuchung die Angabe «Herr» oder «Frau» verlangt. Was René_ natürlich nicht akzeptiert hat. «Em» oder «xier» oder «hen» hat sich vor Gericht gewehrt. Nun muss die Deutsche Bahn für Leute wie ihn eine weitere Auswahlmöglichkeit schaffen, die das Geschlecht offen lässt. Zudem hat «em» Schmerzensgeld erhalten. Weil er so gelitten hat, als er ein Ticket gebucht hat.

Auch vor Gericht hat em gelitten. René_ hat zwar Recht erhalten, aber das Gericht adressierte em während der ganzen Verhandlung nicht richtig. Nicht als «em», sondern als «er». Was natürlich körperliche Schmerzen verursacht hat. Wie kann ein Richter sich bitte sehr nicht auf ein frei erfundenes Pronomen einlassen? Was läuft da falsch?

Wer aus welchen Gründen auch immer René_ Rain Hornstein kontaktieren will, muss sich Mühe geben, um ihn nicht sofort zu Tränen des Beleidigtseins zu rühren. Hier ist die Bedienungsanleitung für die richtige Ansprache zu finden. Bitte aufmerksam lesen und befolgen.

Wer das alles nun leicht verrückt findet, sei daran erinnert: Hornsteins Forderung wurde von einem deutschen Gericht akzeptiert. Ein riesiger Staatsbetrieb wie die Deutsche Bahn muss nun seine Software umkrempeln, weil em einst mit einem Schnäbi zur Welt kam und nun findet, em wolle die Haare schön und lang haben. Unterstützung findet em reichlich bei Twitter. Em wird gratuliert für den Mut, der einen grossen gesellschaftlichen Durchbruch für Minderheiten bedeutet. Em ist ein Held.

Was natürlich heisst, dass Leute, die sträflicherweise einfach völlig normal sind und sich eigentlich gerne auch ganz normal mit anderen unterhalten würden, nun «em» und «xier» verwenden sollten.

Wir haben jedenfalls unsere Schuldigkeit getan und Ihnen das mitgeteilt. Der Rest ist nicht mehr unsere Verantwortung.

Aber sicher ist auch: Die Spielwiese ist nun offen. Wenn Sie gerne statt als «er» oder «sie» mit «hutzelputzel» oder «schnörk» als Pronomen angesprochen werden wollen: Das ist Ihr gutes Recht – fordern Sie es ein!

*Millius ist Chefredaktor von «Die Ostschweiz», wo der Artikel zuerst erschien. Mit freundlicher Genehmigung …

 

Kriminaltango

Das Sommerloch gähnt bereits vernehmlich.

Ein Todesfall. Nicht restlos aufgeklärt. Ein Mörder sitzt im Gefängnis, aber wurde er angestiftet? Auf der Front ist’s glasklar. Denn auch die NZZaS pfeift inzwischen auf die Unschuldsvermutung. Trommelwirbel, schneidende Geigen, blutrote Illustrationen:

Der arme Dürrenmatt.

Denn wir bewegen uns hier auf einem angeblich hochstehenden literarischen Niveau. Die als «erfolgreichste Krimiautorin der Schweiz» geltende Christine Brand kehrte «für diese Reportage zu ihren Wurzeln als Journalistin zurück». Zudem arbeitete sie früher im Ressort «Hintergrund» der NZZaS.

Im Eigenmarketing ist die Dame grossartig:

Im Nacherzählen einer eher banalen Story weniger. Eigentlich sollte der Lektor blutrot anlaufen, wenn eine Kriminalgeschichte so beginnt:

«Noch denkt niemand etwas Schlimmes

Dann stolpert Brand durch ein Potpourri, aus dem man (auch frau) etwas Anständiges hätte machen können, obwohl – oder gerade weil – es «alle Klischees bedient». Alte, wohlhabende Ärztin stirbt in ihrer Villa an der Zürcher Goldküste. Wird erst zwei Tage später gefunden, zu spät obduziert. Natürlicher Tod oder nicht?

Der Verdacht fällt schnell auf ihre Tochter. Drogenabhängig, in Gefahr, das Erbe zu verlieren. Deren Freund, Bauarbeiter, Rotlichtmilieu, Drogenkarriere, wird verurteilt. Und schweigt eisern bis heute. Die Tochter kann sich an nichts mehr erinnern. Kein Wunder, sie soll bis zu «120 Pillen Ritalin» genommen haben – täglich. Dabei sollte eine Höchstdosis von 8 Tabletten nicht überschritten werden. Heisst’s. Also müsste die Tochter eigentlich schwer hirngeschädigt oder tot sein. Aber was soll’s.

Medizinische und andere Ungereimtheiten sind Brand ziemlich egal. Neues hat sie auch nicht zu bieten, das Urteil des Obergerichts aufgrund von Berufungen gegen das erstinstanzliche Verdikt wird erst am 4. Juli erwartet. Also bleibt nichts anderes als der vage Schluss:

«Wollte Beatrice K. (die Tochter, Red.) den Tod ihrer Mutter oder war sie ahnungslos? Entweder wird Beatrice K. für Jahre ins Gefängnis gehen oder eine freie, reiche Frau sein. Doch die Wahrheit, warum Veronika T. sterben musste, wird wohl verborgen bleiben.»

Nun, da ein verurteilter Mörder im Knast sitzt, scheint diese Wahrheit eher offenkundig zu sein. Da in seinem Besitz Wertgegenstände der Toten gefunden wurden, könnte der gewiefte Krimiautor, wenn er mal in überschwengliche Kombinierlaune gerät, eine gewagte These zum Warum aufstellen. Stichwort Habgier, Stichwort Sicherung des Erbes  …

Trommelwirbel, Fade out, ein Aktendeckel schliesst sich gewichtig. Vorhang zu, alle Fragen offen. Das Hazy Osterwald Sextett stimmt den «Kriminaltango» an. Das Publikum flüchtet.

Oh Mohr, du Mohr, du

Beim Tagi gibt’s keine Kontrollen mehr.

Das Abkratzen von Inschriften gehört zum guten Brauch der Sieger. Namen, die vorher in hohen Ehren standen, sind plötzlich in Ungnade gefallen. Weg mit ihnen.

Eine besonders absurde Variante findet gerade in Zürich statt. Das Wort des Anstosses ist «Mohr». Es gab schon ein Riesengebrüll, als sich ein Zuckerbäcker weigerte, das seit Jahrzehnten in seinem Betrieb hergestellte Naschwerk umzubenennen. Denn das hiess und heisst «Mohrenkopf». Furchtbar.

Weniger resistent erweisen sich uralte Inschriften an Zürcher Häusern. Da die Stadt keine wichtigeren Probleme hat, wurde beschlossen, diese schändlichen Begriffe abzukratzen. Nein, nicht ganz, die zivilisierte Nummer ist heutzutage, sie abzudecken. Damit keine empfindliche, vermutlich schwarze Seele Schaden nimmt.

Ein Mohr, der tanzt? Geht gar nicht.

Aber auch hier ist der Mohr resistent, vielleicht gar resilient. Denn gegen dieses Abdecken, was eine Baubewilligung braucht (aber keinen IQ-Test voraussetzt), seien Rekurse eingereicht worden, behauptete Stadtpräsidentin Corine Mauch. Aber das stimme gar nicht, musste sich nun das Stadtpräsidium korrigieren.

Der Tagi schreibt dazu: «Am letzten Mittwoch debattierte der Zürcher Gemeinderat über die von der Stadt geplante Abdeckung von zwei Häusernamen im Niederdorf, die das rassistische Wort «Mohr» enthalten».

Autor Beat Metzler räumt in seiner Selbstdarstellung freimütig ein: «Metzler begann seine journalistische Tätigkeit als ahnungsloser freier Mitarbeiter bei verschiedenen Zürcher Lokalzeitungen.» So weit, so ehrlich. Dann fährt er aber fort: durch die Arbeit im «Hintergrund» des Tagi habe sich «die Ahnungslosigkeit ein wenig gelegt».

Das täuscht. Denn das Wort «Mohr» war nicht rassistisch, als diese Inschriften angebracht wurden. Es ist’s auch heute nicht. Ein Blick in jedes beliebige etymologische Nachschlagewerk belehrt:

Mohr bezeichnete zunächst einen «Bewohner Mauretaniens (Marokkos), Äthiopiens», dann auch einen Menschen mit dunkler Hautfarbe, und ist eine Entlehnung aus lateinisch Maurus, «Bewohner der nordafrikanischen Provinz Mauretanien, Maure, Nordwestafrikaner».

Die Mohren oder Mauren waren in Spanien bis zur Reconquista leuchtende Vorbilder an Zivilisation, Toleranz und Aufklärung. Wer auf Spanisch «moros y cristianos» verspeist, ist keinesfalls ein Kannibale, sondern futtert (schwarze) Bohnen mit (weissem) Reis.

Irrtum eins all dieser Sprachreiniger ist, dass man durch das Ausmerzen angeblich rassistischer Begriffe Rassismus bekämpfe. Irrtum zwei ist, historische Begriffe aus dem Zusammenhang zu reissen. In früheren Zeiten waren die Bezeichnungen Weib oder Dirne für ehrbare Damen reserviert. Wer also aus einem zeitgenössischen Stück das Wort Weib entfernen oder ersetzen will, ist schlichtweg ein Dummkopf.

Gleich ihm ist ein Dummkopf, wer alte Hausinschriften verbergen will. Irrtum drei besteht darin, dass nicht das Wort selbst, sondern sein Gebrauch rassistisch sein kann. Man kann Mohr als respektvolle Bezeichnung verwenden, Schwarzer hingegen als abwertende Bezeichnung. Ein Weisser kann jemand sein, der über seine Hautfarbe beschrieben wird. Oder aber, der Begriff wird für einen arroganten postkolonialen Europäer gebraucht, der sich durch seine Herkunft dunkelhäutigen Menschen überlegen fühlt.

Dennoch bleibt ein Weisser ein Weisser. Ein Schwarzer bleibt schwarz, ein Afroamerikaner bleibt’s ebenso. Wer an die Hautfarbe rassistische Vorurteile knüpft, dem ist es völlig egal, wie die bezeichnet wird. Aber Ahnungslose wie Metzler fallen immer wieder auf Narrative rein und fühlen sich auf der richtigen Seite der Sprachpolizei. Ohne zu merken, wie bar jedes Wissens das ist. Man könnte sich darüber schwarzärgern, wenn das in einer politisch korrekten, blutleeren Sprache erlaubt wäre.

«Hier läuft was falsch»

Woran merkt man, dass ein Thema erledigt ist?

Der intelligente ZACKBUM-Leser ahnt es: dann, wenn Philipp Loser noch seinen Senf dazugibt. Oder vielleicht eher seine Mayonnaise, denn seine Schreibe hat so etwas bräsig Fettes, Überflüssiges auch.

Der grosse Frauenheld, Pardon, Frauenversteher, Pardon, Kämpfer für die Gleichberechtigung, beklagt: «Gleichstellung? Jetzt grad nid!» Schwer zu sagen, welche Schweizer Dialekt hier durch besondere Frauenfeindlichkeit auffällt. Schon der erste Satz erschliesst sich in seinem Sinn dem Leser nicht wirklich: «Wir leben in einer aufgeklärten Gesellschaft, es ist das Jahr 2022, doch wenn Roger Köppel nach der Debatte über das neue Sexualstrafrecht im Ständerat twittert «Jede grosse Liebe beginnt mit einem Nein der Frau», dann sorgt die im Grunde unfassbare Aussage für nicht mehr als ein paar ironische Kommentare.»

Also wieso das Leben in einer aufgeklärten Gesellschaft im Gegensatz zu einer angeblich unfassbaren Aussage stehen soll, und wieso Loser all die fassungslosen und giftigen Kommentare übersieht, die Köppel provozierte, dazu auch die Cover-Story der neusten WeWo, das ist im Grunde unfassbar, zumindest unbegreiflich.

Wer sich bis zum Ende der Kolumne durchquält, erahnt, wieso Loser diesen rumpeligen Anfang gewählt hat; er wollte eine Klammer um sein Geschreibsel konstruieren: «Wir leben in einer aufgeklärten und modernen Gesellschaft, das Jahr ist 2022, aber im Bundeshaus machen sie eine Politik wie früher. Hier läuft etwas falsch.»

Also läuft nicht etwa nur Köppel, sondern das ganze Parlament falsch. Wobei eine «Politik wie früher» per Definition falsch ist, während wir alle aber in einer aufgeklärten und modernen Gesellschaft leben. Trotz des Parlaments. Trotz Köppel.

Aber sind wir so modern und aufgeklärt, dass wir auch Loser vertragen? Das, meine Damen und Herren, liebe Mitbürger draussen im Lande und drinnen in der Stube, das ist doch die Frage. Wollen wir es wirklich hinnehmen, dass solche Flachzangen wie der Konzernjournalist Loser dem «Magazin» noch die letzten Reste von Reputation klauen? Wer will denn für einen solchen unverständlichen Stuss auch noch etwas zahlen?

Wumms: Annik Hosmann

Schluss mit dem Frauenverquoten!

«Ist dies schon Wahnsinn, so hat es doch Methode.» Zu Zeiten Shakespeares wäre niemand auf die Idee gekommen, völlig absurde Forderungen aufzustellen. Aber der Redaktorin im «Ressort Zürich Leben» ist eine kaum vorstellbare Steigerung gelungen.

Annik Hosmann fordert, dass «Schluss mit Ausflüchten» sein müsse. Gar ein «Teufelskreis» müsse durchbrochen werden. Worin besteht der? «Denn auf verschiedenen Schweizer Festivalbühnen spielen diesen Sommer bedenklich wenig Frauen.» Was tun? Da nimmt Hosmann gleich mal die Sponsoren in die Pflicht:

«Ist das Thema Nachhaltigkeit mittlerweile selbstverständlich, so scheint es die Diversität noch immer nicht zu sein. Wobei es hier nur um eine Geschlechterdiversität geht – von diversen Sprachregionen oder verschiedenen kulturellen Hintergründen wollen wir in diesem ersten Schritt einmal absehen.»

Diversität? Hier ist nur von Männlein und Weiblein die Rede, wie steht es aber mit den übrigen rund 164 Genderorientierungen? Was sollen die Sponsoren denn tun?

«Geld sollte nur dann vergeben und eine Zusammenarbeit eingegangen werden, wenn ein ausgeglichenes Line-up gewährt ist. In diese Planung sollten Sponsoren Einsicht haben – und sich im schlimmsten Fall, sollten die Veranstalter nicht einlenken und mehr Frauen buchen, zurückziehen.»

Aber wenn es zu wenig Homosexuelle oder Lesben hat? Hosmann hat auch für Festivalfans einen guten Rat: «Einen kleinen Beitrag könnte theoretisch jeder und jede leisten: Wenn Open Airs, die keine oder kaum Frauen in ihren Line-ups haben, nicht besucht werden.»

Das ist weder komisch, noch absurd, noch bescheuert. Das ist brandgefährlich. Das Quotenfrauen an Festivals auftreten sollen, notfalls auch ohne ein Instrument zu beherrschen oder singen zu können, das ist dermassen vernagelt, dass man sich wieder einmal fragen muss, wieso bei Tamedia alle Qualitätskontrollen versagen und so ein Unfug mehr als einer Million Lesern serviert wird.

Hosmann geht es, da verrät sie sich, ja nur «in einem ersten Schritt» um Frauenquoten. Anschliessend kämen noch Quoten für Sprachregionen, kulturelle Hintergründe, Körpergrösse und -umfang, Haarfarbe, Behinderungen, sexuelle Orientierungen, geographische Herkunft, usw. Bis der Festivalveranstalter sich den Kopf zerbrechen darf: ich bräuchte noch einen dunkelhäutigen, transsexuell orientierten Flötisten aus Asien, der unter einer Gehbehinderung leidet und Rastas trägt und auf Vietnamesisch summt.

Es ist verblüffend, dass Redaktorinnen wie Hosmann nicht merken, dass sie ihrem Anliegen einen Bärendienst erweisen. Es ist beelendend, dass sich bei Tamedia niemand traut, eine solche Autorin vor sich selbst zu schützen, damit sie sich nicht coram publico lächerlich macht.

Die Kommentarschreiber sind in Wallungen geraten, natürlich alles Sexisten; einer bringt es ziemlich gut auf den Punkt:

»Ich frage mich, wie Frauen wie Tina Turner, Aretha Franklin, Diana Ross, Mary J Blige, Joni Mitchell, Elke Brooks, Dolly Parton, Carmel, Kim Wilde, Debbie Harry, Cher, Neneh Cherry, Miriam Makeba, Celine Dion, Whitney Houston, Melissa Etheridge, Annie Lennox, Marla Glenn, Nina Simone, Nina Hagen, Joan Baez, Chi Coltrane, Marianne Faithful, Adele, Anastacia, Lady Gaga, Madonna, usw. die Liste könnte noch um viele erfolgreiche Sängerinnen erweitert werden, es geschafft haben, sich im Musikbusiness durchzusetzen, ohne die Hilfe der Gender Fraktion.»

Fürio auf der Halbinsel Au

Soll man den Preis «Deppen der Woche» verleihen?

Feuerlaufen. Teambuilding. Mutprobe. Geht doch. Wer Kohle machen will, muss Kohle aus dem Feuer holen. Oder mindestens drüberlaufen.

Wie unter anderen Tamedia vermeldet, gab es auf der Halbinsel Au (Zürichsee, nomen est omen) 25 Verletzte, als ein Gang über heisse Kohle angetreten wurde. 13 von ihnen mussten sogar ins Spital. Rahmen war ein sogenanntes «Teamevent» des Werbevermarkters Goldbach, der wie der Tagi zur TX Group gehört. Wie der Tagi verschämt meldete, als sich in der «Weltwoche» Christoph Mörgeli darüber lustig machte, dass auch Mitarbeiter der TX Group nicht über physikalische Gesetze erhoben sind.

Das wiederum wurde ihm natürlich sofort als typische Häme ausgelegt.

Wie verhält es sich denn nun eigentlich mit dieser Mutprobe? Natürlich geht ausser ZACKBUM niemand dieser wichtigen Frage nach. Der Frage, ob der Mensch in der Lage ist, über glühende Kohlen zu laufen, ohne sich dabei die Fusssohlen zu verschmürzeln. Wenn ja, wie und vor allem: wie weit? Da es sich bei dieser merkwürdigen Betätigung nicht um einen anerkannten Sport handelt, sind Zahlen und Angaben naturgemäss mit Vorsicht zu geniessen.

Daher muss man sich natürlich auf die höchsten Ansprüchen genügende Quelle Wikipedia verlassen können. 2003 soll der noch heute gültige Weltrekord aufgestellt worden sein: 250 Meter! Der Versuch fand allerdings in Österreich statt, also sind Zweifel geboten.

Zum einen gibt es die gesamten esoterischen Versionen. Also Menschen versetzen sich in Trance oder in einen Geisteszustand, der angeblich verhindern soll, dass sich Brandblasen bilden. Wer’s glaubt, wird selig.

Dann gibt es die mehr naturwissenschaftliche Variante. Die brennende Holzkohle sollte von einer Ascheschicht bedeckt sein, die Füsse gut durchblutet, die Geschwindigkeit nicht zu schnell und auch nicht zu langsam. Dann sollte ein solcher Lauf möglich sein, ohne dass es wie hier zu gröberen Verletzungen käme.

Rein empirisch gesehen hat das was, sonst gäbe es ja ständig Meldungen, dass bei solchen Events anschliessend eine Anzahl Teilnehmer die Füsse ins Spital verlegen mussten. Natürlich melden sich auch gleich die Besserwisser zu Wort; Tamedia zitiert einen, der seit 36 Jahren Feuerläufe durchführe, aber natürlich nicht diesen hier.

««So etwas darf nicht passieren», sagt er. Verbrennungen dürften noch nicht einmal bei einer einzigen Person vorkommen – geschweige denn bei 25.»

Worin nun allerdings der Gewinn bestehen soll, wenn man über rund 700 Grand heisse Kohle latscht, erschliesst sich dem ansonsten feuerfesten ZACKBUM nicht. Was wir aber im Bericht von Tina Fassbind und Daniel Schneebeli vermissen und was wir von Recherchierjournalisten eines Qualitätsmediums erwarten könnten: der Selbstversuch.

 

Fantastillionen

Grosse Zahlen – grosses Problem.

Selbst der sackseriösen NZZ ist es wieder passiert: «Die Briten haben insgesamt 42 Trillionen Dollar aus Indien geschröpft», beklagt sich in einem Interview der Autor Pavan K. Varma.

Das hat er sicherlich so gesagt. Nur: es gibt einen kleinen, aber feinen Unterschied zwischen der englischen Zählung und der deutschen. Der besteht schlichtweg darin, dass es auf Englisch keine Milliarde gibt.

Also mal für alle gaaaanz laaaangsam zum Mitschreiben:

  1. deutsche Zählung: Million, Milliarde, Billion, Trillion
  2. englische Zählung: million, billion, trillion, quintillion

Schnellmerker sind dem Problem schon auf die Schliche gekommen: eine deutsche Milliarde ist eine englische Billion. Aber beides sind 1000 Millionen. Eine englische Trillion hingegen ist eine deutsche Billion. Was auch noch ganz schön viel ist.

Aber so ausbeuterisch die Briten auch waren, damit hätten sie ihre Insel vergolden können, wenn sie tatsächlich 42 Trillionen Dollar aus Indien herausgepresst hätten.

ZACKBUM empfiehlt daher, eine der genialen Wortschöpfungen der deutschen Übersetzerin der Mickey Mouse Hefte zu verwenden. Da kann man nichts falsch machen, der gestresste Redaktor muss nicht an Fingern und Zehen Nullen nachzählen, es besteht keine Gefahr, sich lächerlich zu machen, und diese Zahlenangabe trifft auf eigentlich alles oberhalb einer Million zu:

Fantastillion.

Danke, Erika Fuchs.

Hoppla, Beni

Kommt eher selten vor, ist immer peinlich.

«Inside Paradeplatz» fährt gerne einen scharfen Reifen, wenn es um die Kritik an Finanzhäusern geht. Das gibt natürlich ab und an Ärger. Aber wenn die Zahlen stimmen, wird zwar mit den Zähnen geknirscht, der Anwaltskanzlei gedroht und überhaupt getobt. Aber das legt sich dann schnell wieder.

Auch bei Beni Frenkel stimmten die Zahlen, als er sich dem neusten Projekt von Patrizia Laeri annahm, ElleXX. Allerdings griff er dabei in die untere Schublade sexistischer Bemerkungen, die dann gelöscht werden mussten. Was schade war, weil die inhaltliche Kritik berechtigt und richtig blieb.

Etwas schummriger wurde es, als sich Frenkel das Ringier-Blatt «Fritz + Fränzi» zur Brust nahm. Die Herausgeberschaft fand das überhaupt nicht komisch: «Herr Frenkel hat der Stiftung Elternsein in der vergangenen Woche über verschiedene Kanäle drei Fragen schriftlich zukommen lassen. Wir haben diese Fragen ausführlich beantwortet und uns darüber hinaus Zeit genommen, auch Rückfragen zu beantworten. Wir sind ausserordentlich erstaunt, feststellen zu müssen, dass ganz offensichtlich vorsätzlich unsere Antworten in keiner Weise in den Text eingeflossen sind, sondern gezielt Falschinformationen gestreut werden.»

Was sagte dann Frenkel zu diesen massiven Vorwürfen? Leider hatte er per sofort ein Schweigegelübde abgelegt. Also haben wir uns die Mühe gespart, ihn zu seinem jüngsten Flop zu befragen. Denn diesmal behauptete er, dass «Blick TV» auch mal für haarscharf 25 Zuschauer sende, nicht etwa für ein Publikum, das in die Hunderttausende geht. Aber auf einem Instagram-Video sehe man die wahren Verhältnisse, höhnte Frenkel:

«Auf einem der Bildschirme im News-Room werden die Personen gezählt, die für Blick TV gerade den Vollbild-Modus einschalteten und den Ton auf hörbar einrichteten. Es sind: 25 Personen.»

Hammer. Weniger Zuschauer, als «Blick TV» Mitarbeiter hat. Die Moderatoren könnten jeden neuen Zuschauer persönlich begrüssen. Wäre das peinlich. Nun, peinlich wurde es wieder mal für Frenkel.

«Der Artikel basierte auf einer falschen Basis»,

hiess es dann plötzlich so stammelnd wie kleinlaut. «Er wurde gelöscht.» Ups.

Allerdings: wer sich die gelöschte Häme dennoch anschauen will, kleiner Geheimtipp: Im SMD ist sie noch in voller Pracht zu sehen …