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«Tippinpoint» legt los

12. Februar 2022/1 Kommentar/in Allgemein, Blattkritik/von René Zeyer

Diskret, unaufgeregt, kompetent: eine neue Stimme in der Finanzberichterstattung.

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Man kann  auf die Trommel schlagen, grosse Sprüche machen, unglaublich wichtig tun. Oder man kann die Kunst des Understatements pflegen. Dem hat sich «Tippinpoint» aus dem Hause Beat Schmid verschrieben.

Ein diskreter Hinweis, dass man jetzt online sei. Nun der erste Newsletter, dass man sich eine Woche nach Start «für die vielen aufmunternden Reaktionen» bedanke. Und mit dem Gefäss «Unorthodox» setzt «tippinpoint» gleich neue Massstäbe.

Eine unaufgeregte, brutale Analyse der Probleme der Credit Suisse – mitsamt Lösungsvorschlägen. Dazu hat man eine «Sum of the parts Valuation» gemacht. Konkret, man ist der Frage nachgegangen, wieso die CS an der Börse für die Hälfte des Buchwerts gehandelt wird, was eigentlich ein Riesenskandal ist.

Bei diesem Modell werden die einzelnen Teile der Bank mit einem Aktienwert versehen und daraus die Summe gebildet. Logische Schlussfolgerung: der Verkauf der Investmentbank, selbst für einen symbolischen Franken, könnte sich heilsam auf den Aktienkurs auswirken. Um die Cost-Income-Ratio auf ein vernünftiges Mass zu senken, wäre eine Reduktion der Saläre um 20 bis 30 Prozent empfehlenswert. Dann läge das Verhältnis, wie viel Geld man ausgeben muss, um Geld zu verdienen, wieder unterhalb von turmhohen 83 Prozent.

Schliesslich empfiehlt «Tippinpoint», die unselige, wieder aufgewärmte Verzweiflungstat von «Cash-Boni» wieder abzuschaffen. Heutzutage werden Boni immer häufiger in Form von Anteilsscheinen am Unternehmen bezahlt. Damit hat der Bonusempfänger «skin in the game», wie man im Fachjargon sagt. Sein Gewinn hängt von der Entwicklung des Aktienkurses ab, mit Sperren ist er zudem verpflichtet, seine Aktien eine hübsche Zeitlang zu halten.

Cash-Bonus heisst hingegen: Geld her und weg. Nach der Auszahlung gibt es keinen zusätzlichen Grund für den Banker, sich anzustrengen oder an Bord zu bleiben.

Ergänzt wird die Kolumne «Unorthodox» um eine Analyse des gestörten Verhältnisses zwischen Aktionären und der Bankführung.

Eine neue, bereichernde Stimme in der Wüste

Die Medienlandschaft der Finanzberichterstattung ist um eine Oase erweitert worden. Wir haben die wenigen überlebenden Finanzblätter wie «F&W» oder «Handelszeitung». Wir haben den Dampfer NZZ, wir haben die bis zur Lächerlichkeit kaputtgesparten Wirtschaftsredaktionen von Tamedia, CH Media und «Blick». Wir haben den Einzelkämpfer Lukas Hässig, der mit seinem «Inside Paradeplatz» im Alleingang mehr Skandale aufgedeckt hat als die versammelte Schnarchpresse.

Der pflegt dabei die Kunst des Zweihänders, den er gelegentlich auch mit dem Morgenstern ersetzt. Schmids «Tippinpoint» hat sich dagegen dem Florett verschrieben, mit dem aber nicht gefuchtelt wird, sondern feine, aber tödliche Stiche versetzt werden.

Alles gut? Fast. An den Titel muss man sich wohl zuerst noch gewöhnen, da hätte längeres Nachdenken vielleicht noch Besseres zutage gefördert. Überhaupt ist ein gewisser Hang zu Anglizismen unverkennbar. Das ist im Banglish-Gequatsche so, muss aber nicht unbedingt übernommen werden.

«Sum of the Parts», «sophistiziert», «Back-of-the-Envelope-Berechnung», «Cost-Income-Ratio», «Ownership», «skin in the game»,

das muss doch alles nicht sein. Dass hier Könner für Kenner schreiben, das kann man auch auf Deutsch unter Beweis stellen.

 

 

Schlagworte: Beat Schmid, Credit Suisse Unorthodox, tippinpoint
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https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2022/02/Tippinpoint2.jpeg 324 621 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2022-02-12 06:30:382022-02-11 11:54:49«Tippinpoint» legt los
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1 Antwort
  1. Rolf Karrer
    Rolf Karrer sagte:
    13. Februar 2022 um 6:00

    Mag ihre Umschreibung „Schnarchpresse“ sehr, weil oft zutreffend.

    Es gibt in der Schweiz den Asset Manager Braun von Wyss Müller. Diese Value Fond Boutique hatte jahrelang in ihrem Vehikel Classic Global Equity Fund grossspurig in Credit Suisse investiert. Der einst sehr erfolgreiche Fund ist deshalb in Schieflage geraten wegen diesem Bias. Im vergangenen Jahr hat sich BWM schlussendlich von diesem Titel verabschiedet, nach vielen Jahren Hoffnung auf bessere Zeiten. Der korrekte innere Wert für diese Aktie hatte BMW vor ca. fünf Jahren auf stolze CHF 25.- hochgerechnet.

    An der Modellrechnung der CS-Aktie von Beat Schmid (Tippinpoint) gibt es nichts auszusetzen. Finde diese trotzdem sinnlos, weil in dieser Firma seit vielen Jahren Anstand und Vertrauen fehlt. Für mich ist die Credit Suisse folgedessen weiterhin eine klare value trap, weil toxisch verseucht. Mag Oswald Grübel seinen verdienstvollen Ruhestand gönnen. Bin mir sicher, dass mit einer Installation von Persönlichkeiten im Verwaltungsrat wie Grübel, die Aktie angesprungen wäre. Leider sind solche Personen auf dem Bankplatz Schweiz rar.

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