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NZZ hat drei Preise gewonnen

26. September 2020/1 Kommentar/in Allgemein/von redaktion@zackbum.ch

Von einem fragwürdigen Stifterverein, der die Namen seiner Mitglieder geheim hält.

«Wir haben wieder abgeräumt»,  jauchzte die NZZ diese Woche. Gleich drei Medienpreise hat sie gewonnen. In früheren Jahren hätte die NZZ keinen Bohei deswegen gemacht und wie Bob Dylan reagiert: den Preis nicht einmal abgeholt.

Andere Zeiten, andere Nöte. Und schliesslich handelt es sich diesmal um den seltsamen MQR-Preis. MQR steht für Medienqualitätsranking. Der Stifterverein Medienqualität Schweiz «misst» alle zwei Jahre die Qualität der Schweizer Informationsmedien.

Gemessen wird wie beim Eurovision Song Contest: Eine Jury («inhaltsanalytisches Verfahren») und ein Publikum stimmen ab, wer die tollsten sind. «Diese zweifache Medienqualitätsmessung ist national wie international einmalig.» Zum Glück.

«2159 repräsentativ ausgewählte Personen» wurden online befragt, wie sie die Qualität von 49 Medientiteln einschätzen. Ich persönlich lese von früh bis spät Zeitungen und Magazine. Über zwei, drei Produkte masse ich mir ein Urteil zu, aber doch nicht über 49. Vielleicht handelt es sich bei den 2159 Menschen aber um Gefängnisinsassen mit nur einer Stunde Freigang.

Dass die Versuchsanordnung ein Reinfall ist, merkt man spätestens beim Ergebnis der Weltwoche. Die Wissenschaftler kommen selber ins Rätseln, da «Befragung und Inhaltsanalyse voneinander abweichen». Im Klartext: Das inhaltsanalytische Verfahren bescheinigte der Weltwoche eine «relativ hohe Berichterstattungsqualität», die repräsentativen Personen mochten das Wochenblatt allerdings weniger. Die Medienqualitätsmessung schlägt trotzdem Fliegeralarm:

Der politischen Wochenzeitung mangelt es im Vergleich zur letzten Erhebung an Sachlichkeit, Quellentransparenz und Eigenleistung.

Die NZZ hingegen hat tatsächlich abgeräumt. Das «publizistische Leitmedium der Schweiz mit internationaler Ausstrahlung» erzielte sogar einen „persönlichen Bestwert“.

Wir stellen die Frage: Was kostet so eine tolle Medienqualitätsmessung eigentlich? 50 Franken? «Es braucht 400‘000 bis 500‘000 Franken jährlich, um das Projekt zu finanzieren», schreibt die Stiftung auf ihrer Website. Das Ranking, das alle zwei Jahre rauskommt, kostet also bis zu einer Million Franken. Viel Geld ist hoffentlich nicht in die Entwicklung der Website geflossen.

Mit Transparenz hat es der Stifterverein nicht so gut. 40 Personen sollen ihm angehören. Die Namen werden nicht publiziert. Die Liste werde aber auf «Anfrage bekannt gegeben», steht auf der Website. Also fragen wir nach. Und erhalten eine seltsame Antwort von Andreas Durisch, Vorstand Stifterverein Medienqualität Schweiz: «Bei unseren Mitgliedern handelt es ich um Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Medien, Wirtschaft und Politik. Nicht alle Mitglieder stimmen der Publikation der Mitgliederliste zu, weshalb wir darauf verzichten.»

Und wie heissen wenigstens die ehrenwerten Mitglieder aus Wissenschaft, Medien, Wirtschaft und Politik, die sich nicht so zieren?  Durisch: «Wir haben uns entschieden, die Liste nicht öffentlich zu machen.»

Auf die Frage hin, ob das falsche Versprechen korrigiert wird, schreibt Durisch: «Das ist offen.»

Schlagworte: Andreas Durisch, Medienqualitätsranking, NZZ
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1 Antwort
  1. Victor Brunner
    Victor Brunner sagte:
    26. September 2020 um 13:18

    Es wäre interessant zu wissen wer die 40 Rackers sind regelmässig 49 Medientitel lesen, auch spannend wäre wer finanziert das ganze! Der «Stifterverein Medienqualität Schweiz» mit Trevisan und Durisch sollten da aufklären. Wäre ein Akt für die Transparenz und Glaubwürdigkeit. Tun sie das nicht kommt der berechtigte Verdacht der Manipulation und Käuflichkeit auf!

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