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Kühne Konstruktion

Die Wächtermedien hängen in den Seilen. Brauchen Staatsinfusion. Wieso eigentlich?

Die Beherrscher des Tageszeitungsmarkts in der Schweiz führen ein marktwirtschaftliches Wunderwerk vor. Sie verlangen für entschieden weniger Content gleich viel Geld von ihren Kunden. Das ist so, wie wenn ein Detailhändler für einen halben Liter Milch gleichviel wie für früher einen ganzen verlangte. Sorry, aber diese Milch schmeckt viel konzentrierter.

Geschrumpfte Umfänge, gefeuerte Journalisten, zusammengestrichene Budgets, zusammengelegte Redaktionen: eine Agonie, ein Trauerspiel.

Erschwerend kommt hinzu, dass die (noch) überlebenden Mitarbeiter ihren Bedeutungsverlust mit lautstarker Kommentierung der Weltläufe kompensieren. Plus liebedienerische Übernahme der offiziellen Positionen in der Bekämpfung der Pandemie.

Damit ist das Elend noch nicht ausreichend beschrieben. Denn inzwischen sind Tamedia, CH Media und Ringier von Medienhäusern zu Gemischtwarenhändlern denaturiert. Verkaufsplattformen, Eventveranstalter, Betreiber von TV- und Radiostationen, Anbieter von Handelsplattformen, Internetaktivitäten allgemeiner Art, usw.

Ein moderner Medienkonzern.

Nur die NZZ setzt tapfer auf ihr Kerngeschäft: journalistischer Inhalt, möglichst hochstehend.

Wie jammern, ohne zu leiden?

Nun stecken die drei Grossverlage etwas in der Bredouille, wie sie denn eigentlich nachvollziehbar um weitere Staatsknete jammern können. Durch die gegenseitige Abhängigkeit unterstützt, ist es ihnen gelungen, ein zusätzliches Hilfspaket von einer satten Milliarde Steuergelder durchs Parlament zu bugsieren.

Dagegen wurde aber, dumm gelaufen, das Referendum ergriffen. Nach anfänglich überheblichem Ignorieren nehmen die Verlage nun Anlauf, Stimmung für ihr Anliegen zu machen: wir brauchen die Kohle, um weiterhin unsere Wächterfunktion in der Demokratie ausüben zu können. Denn Medien sind ja keine Joghurts; sie haben staatstragende Aufgaben, wird getrötet.

Das sei dahingestellt. Aber wieso sollte eigentlich der Steuerzahler eine ganze Milliarde locker machen, wo sich die grossen Medienhäuser in den letzten zehn Jahren im Milliardenbereich dumm und krumm verdient haben? Wo sie doch auch in der fürchterlichen und angeblich existenzbedrohenden Pandemie fröhlich Gewinne einfuhren?

Wo doch alleine durch die Ankündigung der Fusion der Handelsplattformen von Tamedia und Ringier der Aktienkurs zur Freude des Coninx-Clans durch die Decke schoss und alleine das neue Konglomerat locker einen Wert von über 3 Milliarden Franken hat?

Besonders bei diesen Plattformen ist es klar, dass ihr Erfolg im Print begann. Der «Stellenanzeiger» von Tamedia war legendär dick. Ebenso die Immobilien-, Auto- und sonstigen Anzeigenplantagen. Da musste kaum gewässert oder gedüngt werden, nur die Banknoten von den in den Himmel spriessenden Bäumen gepflückt.

Die Zauberformel gefunden?

Das marschierte alles ins Internet ab. Schliesslich krallte sich Tamedia den einzigen erfolgreichen Versuch eines Gratisblatts. Man hatte sogar als Drohkulisse die Lancierung eines eigenen Konkurrenzprodukts vorangetrieben, bis die Mannschaft kurz vor der ersten Publikation erfuhr, dass der Stecker rausgezogen wurde. Ziel erreicht, «20 Minuten» gehörte nun Tamedia.

Seither ist das Pendlerblatt weiterhin erfolgreich und profitabel. Kann aber bei den Subventionen nicht berücksichtigt werden. Das alles ist also etwas kompliziert. Jedoch nicht für Pietro Supino. Der hat nicht nur für Beschäftigung bei den Herstellern von Aussenbeschriftungen gesorgt. Sondern den Tamedia-Konzern so umgebaut, dass das mit der Steuermilliarde klappen sollte.

Kühne Konstruktionen.

Unabhängige Profitcenter ohne Quersubventionen, heisst die Zauberformel. Ringier sieht das übrigens ähnlich. Dass dem Profitcenter Tamedia die Einnahmen der Anzeiger fehlen, die mit den Printausgaben überhaupt erst gross wurden? Schon, na und?

Dass «20 Minuten» immer noch nett Kohle verdient, so what? Gehört nicht zu Tamedia, sondern ist ein eigenes Profitcenter. Und obwohl redaktionell und auch sonst durchaus Synergien genützt werden, für Tamedias Zentralredaktion und die am Hungertuch nagenden Ruinen der Redaktionen der Kopfblätter heisst es: Finger ab de Röschti.

Etwas sauberer aufgestellt ist das Wanner-Imperium. Der Geldschlucker «watson» wurde nicht in das Joint Venture mit der NZZ aufgenommen. Wahrscheinlich, weil die NZZ das nicht geduldet hätte.

Nicht nur Papier kann man aus Holz machen.

Keine Konzessionen, keine Finanzspritzen aus eigenem Sack

Ringier macht bei der «Blick»-Familie oder bei den überlebenden Medienprodukten auch keine grossen Konzessionen, was Finanzspritzen aus einkommensstärkeren Konzernbereichen betrifft. Selbst beim Lieblingsprojekt «Interview by Ringier» zählt man mehr auf «eine Partnerschaft mit Credit Suisse (Schweiz), IWC Schaffhausen und Volvo Car Switzerland» als auf völlige Unabhängigkeit.

Das alles macht die kühne Behauptung: wir brauchen Steuerkohle, sonst geht der Ofen aus, recht zweifelhaft. Nach einem Fehlstart darf man gespannt sein, was da den versammelten Schreibkräften und Schönschreibern und Konzernjournalisten so alles einfällt, um die Position ihrer Verlage zu verteidigen: Wir verdienen zwar super, aber jammern kann man immer.

Auch so kann ein Mediacenter aussehen. In Peking.

 

Staatliche Giesskanne für Wucherpflanzen

Wie viel Staatsknete kriegen die Privatmedienhäuser? Schwierige Spurensuche.

Grundlage ist: Im Jahr 2020 machten alle vier grossen Medienhäuser in der Schweiz satte Gewinne. Ob Tamedia, Ringier, CH Media oder NZZ: kein einziger Verlag schrieb rote Zahlen oder musste Reserven anknabbern.

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Im Gegenteil, die Besitzerfamilien; also Supino-Coninx, Wanner und Ringier, konnten sich über die üblichen Dividenden freuen. Etwas anders sieht es bei der NZZ aus, deren Aktien sich in Streubesitz befinden – und der grossen Mehrheit der Aktionäre geht es mehr um Ehre als um Kohle.

Aber überall wurde im ehemaligen Kerngeschäft, der Herstellung von qualitativ veredelten News, gespart, dass es kracht. Entlassungen, Zusammenlegungen, beliebt werden mehr und mehr journalistische Kindersoldaten, die eingepfercht in ihre Verrichtungsboxen im Newsroom klickgetrieben Content produzieren. Ab Fliessband.

Trotz sprudelnden Gewinnen noch die Giesskanne

Dennoch haben diese Verlage zusätzliche Steuergelder eingesackt. Aus drei Quellen. Corona-Hilfsgelder à fonds perdu, Kurzarbeitsunterstützung und zusätzliche Inserateeinnahmen durch diverse Kampagnen des BAG. Das läppert sich, und man muss etwas recherchieren, wenn man die Zahlen auf die Reihe kriegen will.

Das hat «Saldo» getan (Artikel hinter Bezahlschranke). So gingen alleine im zweiten Semster 2020 insgesamt rund 10 Millionen Franken an 147 Zeitungen. Da es sich inzwischen mehrheitlich um Kopfblätter handelt, kassierten die grossen Vier den Löwenanteil:

  • Tamedia 2 Millionen Franken
  • CH Media 1,1 Millionen
  • Ringier 984’000
  • NZZ 447’000

Dabei machten diese vier Player, wie der «K-Tipp» ausgerechnet hat, in den letzten zehn Jahren satte 3,8 Milliarden Franken Betriebsgewinn, vor Abschreibungen und Steuern.

Dabei sind auch diese 10 Millionen Zusatzhilfe nicht alles, «insgesamt sprachen der Bundesrat und das Parlament in den Pandemiejahren 2020 und 2021 total 98 Millionen Franken für die privaten Medien», weiss «Saldo».

Plus 76,5 Millionen Franken Kurzarbeitsenschädigung für Privatmedien und die SRG, gerechnet bis September dieses Jahres. Wieso der Gebührensender SRG zusätzlich Kurzarbeitsgeld bekommt, ist absolut schleierhaft.

Dazu kommen noch die üppigen Einnahmen aus Inseratekampagnen; alleine die geflopte «Impfwoche» mit Gesamtkosten von rund 100 Millionen Franken spülte über mehrere Inseratewellen ein nettes Zubrot in die Kassen der Verlage.

Zahlung und Zahmheit? Kein Zusammenhang

Die werden nicht müde, jeden Zusammenhang zwischen diesen Zahlungen und ihrer Berichterstattung zurückzuweisen. Man bleibe der Aufgabe der Vierten Gewalt verpflichtet – also eine in Demokratien lebenswichtige Kontrolle und Überprüfung staatlichen  Handelns. Reiner Zufall, dass alle diese Grossverlage die offizielle Pandemie-Politik lauthals unterstützen, kaum Platz für Kritik daran geben, abweichende Meinungen sogar übel beschimpfen.

Nur zwei Müsterchen:

«Nun kaufen wir mit unserem vielen Geld für ein paar egozentrische Impfskeptiker den Stoff, der anderswo Leben retten würde»,

schimpfte der Oberchefredaktor Arthur Rutishauser von Tamedia. Und sein Kollege Patrik Müller bei CH Media verstieg sich sogar dazu, die Impfung zur «patriotischen Pflicht» zu erklären.

Von Corona-Kreischen wie Marc Brupbacher und Co. ganz zu schweigen.

Die Quittung holen sich die Verlage bei ihren Kunden ab. Laut (hoffentlich nicht manipulierten) Umfragen glaubten noch im März 2020 rund 50 Prozent der Bevölkerung, von den Medien umfassend informiert zu werden. Im Oktober 2021 sank diese Zahl auf ein knappes Drittel. «Saldo» fasst weiter zusammen: «47 Prozent der Bevölkerung sind inzwischen der Ansicht, die Medien würden mit ihrer Corona-Berichterstattung übertreiben und zu Panik beitragen. Im Frühling 2020 waren es erst 25 Prozent.»

Das hat auch damit zu tun, dass die Leistung der überlebenden Redaktoren in den Newsrooms immer stärker an zwei Kriterien gemessen werden. Anzahl Klicks und Lesedauer. Inhalt, Hintergrund, differenzierte Darstellung, Aufzeigen von Komplexitäten: das ist Gift für beide Faktoren.

ZACKBUM-Journalismus (wie er hier nicht betrieben wird), das haut rein. Vor allem natürlich Panikmache («bis zu 100’000 Tote», «das Gesundheitssystem kann zusammenbrechen», «die Intensivstationen sind demnächst überbelegt, es wird zu Triage kommen»).

Ein komplexer, aber teuflischer Kreislauf 

Es hat sich ein teuflischer Kreislauf entwickelt. Panikmache erhöht die Einschaltquote. Lammfromme Berichterstattung erhöht die Ausschüttung von Steuerbatzelis. Und umso länger die Pandemie andauert, desto mehr Steuergelder stehen in Aussicht.

Allerdings: nachdem Tamedia und Ringier die Fusion ihrer Handelsplattformen bekanntgaben (und die Aktie von Tamedia um 80 Prozent in die Höhe schoss), zweifeln immer mehr daran, dass diese Verlage mit insgesamt einer weiteren Steuermilliarde unterstützt werden sollten.

Sie waren schon fast am Ziel. So wie die Verlage nach Staatsknete gieren, so gelüstet es Politiker nach medialer Präsenz. Denn nur, wer immer wieder in den Medien vorkommt, ist jemand. Sonst verliert er sich unter den 246 Parlamentariern. Aber ein Interview, ein wohlwollendes Porträt, das Aufnehmen von unablässigen Forderungen, Vorstössen und Ankündigungen – dann ist die Wiederwahl schon fast gewonnen.

Wer für die neue Milliardensubvention ist, kann sich einer wohlwollenden Berichterstattung sicher sein. Wer dagegen ist, nicht. So einfach läuft das.

Glasklare Schlussfolgerungen

Die Schlussfolgerung liegt auf der Hand: Staatssubventionen sind mittelfristig tödlich für die Medien. Denn sie untergraben deren wichtigstes Asset: Glaubwürdigkeit und Vertrauen. Staatssubventionen sind in einer Demokratie mittelfristig tödlich. Sie machen die Wächter des Staates zu seinen Liebedienern.

Staatssubventionen sind unnötig für Medienhäuser, die in den letzten Jahren Milliardengewinne eingefahren haben. Subventionen sind für das Spielen des Marktes tödlich. Bieten die Medienhäuser ein Produkt an, für das es genügend Nachfrage gibt: wohlan. Tun sie das nicht, haben sie aus eigener Schuld technologische Entwicklungen verschgnarcht, dann sind sie zum Untergang verurteilt.

Daher kann man sich die zusätzliche Milliarde sparen, über die im Februar 2022 abgestimmt wird. Es gibt weiterhin Bedarf nach unabhängiger und umfassender Berichterstattung. Wird die geliefert, deckt die Nachfrage auch die Kosten.

Denn das Problem der Verlage ist nicht das Internet oder Corona. Ihr Problem ist der Verlust an Vertrauen und Glaubwürdigkeit. Genau wie das Verschnarchen neuer Technologien ist das selbstverschuldet.

Reiner Sozialneid

Wie schlecht geht’s unseren grossen Verleger-Clans? Die brauchen mal eine Milliarde von uns. Damit weiter gilt: hoch die Flaschen.

Ihre Medien sind als unerbittliche Enthüllungsorgane bekannt. Tamedia beteiligt sich immer wieder am Ausschlachten gestohlener Geschäftsunterlagen und prangert die kriminellen Methoden reicher Säcke an, ihren gesellschaftlichen Verpflichtungen nicht nachzukommen. Also Steuern zu hinterziehen.

Stimmt dann meistens nicht, macht aber nichts. CH Media schreckt nicht davor zurück, den Skandal aufzudecken, dass ein giggeriger Stadtammann Fotos seines Gemächts aus seinen Amtsräumen an seine aussereheliche Geliebte schickte.

Ringier fiel schon damit auf die Schnauze, einem Schweizer Botschafter zu Berlin den Kontakt mit einer halbseidenen Dame zu unterstellen, die nicht seine halbseidene Frau war.

Selbst die NZZaS und die NZZ wühlen tief im lebhaften Privatleben und Finanzbedarf eines gefallenen Bankerstars. Da kennt die Aufklärungspflicht nichts, da wird schonungslos alles verwurstet, was an Informationen zugesteckt, angefüttert, gestohlen wurde. Vierte Gewalt und so, wir dürfen das, wir müssen das.

Privat! Zutritt verboten

Nun haben all die Organe Besitzer, denn auch Privatmedien sind kapitalistisch organisiert. Nur bei der NZZ handelt es sich um ein breit gestreutes Aktionariat, wo kein Einzelbesitzer dominiert. CH Media hingegen gehört auch nach dem Joint Venture mit den Lokalblättern der NZZ dem Wanner-Clan. Angeführt vom Patriarchen Peter Wanner, der auch schon seine Kinder in Stellung bringt. Ein Sohn verantwortet das elektronische Geschäft, also seine hübsche Sammlung von Radio-Stationen. Nicht unbedingt zu deren Besseren.

Aber was soll’s, im Hause Wanner gibt es kein Widerwort gegen Wanner, wär’ ja noch schöner. Neben Führungsversagen, findet eigentlich der Reichtum und der Lebensstil der Wanners gebührende Aufmerksamkeit in den Wanner-Gazetten? So wie der Reichtum der Familie Blocher, die hier nicht wirklich geschätzt wird?

Gruss aus der grünen Hölle: die Wanners.

Vielleicht animierte der Badener Sexskandal die Qualitätsmedien von CH Media, das Grüselformat «Mein peinlichster Sex-Unfall» einzukaufen und auf TV25 auszustrahlen. So viel zum gehobenen Niveau, an dem – horribile dictu – auch die NZZ beteiligt ist.

Privat! Geht niemanden etwas an

Aber was wissen wir denn über das Privatleben des Wanner-Clans? Nein, seine Intimsphäre interessiert nicht. Aber vielleicht Lebensstil, Vermögen, Fuhrpark, Wohnsitze, Schlösser? Da weiss man herzlich wenig, nur dass dieses Jahr die Familie Wanner wieder zu 100 Prozent Besitzer der AZ Medien AG ist, ihrem Teil von CH Media.

Mut zu Giftgrün und zu strangen Fremdwörtern …

Die zehn Prozent Streubesitz sammelte sie wieder ein: «Als Zeichen des Dankes und der langjährigen Verbundenheit wollen der Verwaltungsrat und die Verlegerfamilie die Minderheitsaktionäre zu einem Konzert von Argovia Philharmonic in der neuen Aarauer Reithalle einladen. Das Konzert wird voraussichtlich am 24. November dieses Jahres stattfinden.» Hofberichterstattung bei Louis XIV. war ein Klacks dagegen.

Dass der Wanner-Clan auch knallhart-kritische Berichterstattung zulässt, beweist ein Titel über Sprössling Wanner: «Sind Sie für ArgoviaToday nicht zu alt?» Der Hammer; die naheliegende Frage, ob er dafür nicht zu blöd sei, wurde allerdings nicht gestellt. Die noch näherliegende Frage, wie reich der Wanner-Clan eigentlich ist, auch nicht. Immerhin weiss man, dass grosszügig ein Teil der Nothilfe in Sachen Pandemie zurückgezahlt wird. Wäre bei sprudelnden Gewinnen auch zu peinlich, weitere 7 Millionen Steuergelder einfach so einzusacken.

Knallhart, kritisch, gnadenlos.

Da wurde den Wanners in ihrer Residenz Schloss Bickguet doch etwas mulmig zumute. Dem Vernehmen nach werden sogar die Cheminées nicht mehr mit Banknotenbündeln angefeuert, wie es sich für Multimillionäre eigentlich gehören würde.

Nur aus der Ferne zu beobachten: Schloss Blickguet ist blickdicht abgeriegelt.

Auch der Ringier-Clan (geschätztes Privatvermögen eine Milliarde Franken) gibt sich sehr zugeknöpft, was das stille Geniessen der Geldbündel betrifft. Man weiss, dass Patriarch Michael Ringier gerne mit seinem Zweitwagen, einem Aston Martin, zu Kunstvernissagen fährt. Aber Homestory, Sofa würde ja reichen, muss nicht die Badewanne sein? Niemals, nichts, nein.

Das einzig bekannte Foto des Clans.

Genauso wenig ist über den Dritten im Bunde bekannt, den Clan Coninx-Supino. Wohl noch reicher als Ringier (geschätzte 1,5 Milliarden), Yacht, Privatjet, ebenfalls Kunstsammlung, man lässt es sich wohlergehen.

Das gilt auch für den Lebrument-Clan und den Hersant-Clan. Auch Multimultimillionäre.

Bitte kein Sozialneid gegen diese Leistungsträger

Nun aber mal kein Sozialneid. Schliesslich verantworten diese Clans die Vierte Gewalt in der Schweiz. Kontrollfunktion, unverzichtbar für eine funktionierende Demokratie. Da wird vor allem dem Staat, den Behörden, den Ämtern, den Regierenden gnadenlos auf die Finger geschaut, notfalls auch draufgeklopft.

Kritisch, unbestechlich, knallhart. Daran würde doch auch nichts ändern, dass diese Clans es geschafft haben, zusätzliche Subventionen in der Höhe von über einer Milliarde Franken durchs Parlament zu schaukeln. Was überhaupt nichts damit zu tun hat, dass Politiker auf Öffentlichkeitsarbeit angewiesen sind.

Nun ist gegen diesen kühnen Griff von Superreichen in das Portemonnaie der Steuerzahler erfolgreich das Referendum ergriffen worden. Immerhin ein politisches Ereignis von gewisser Bedeutung für diese Medien. Entsprechend fällt auch die Reaktion aus.

Schweigen ist Gold, zumindest für Redaktoren.

Schweigen. Tiefes Schweigen. Fassungsloses Schweigen. Trauer und Stille sinkt über Yachten, Luxusautos, Schlösser. Das Personal tritt nur mit Zehenspitzen auf, der Kaviar wird abgeräumt,

Witwe Clicquots Blase perlt unbeachtet im Glase,

wie schon Wilhelm Busch unsterblich dichtete. Kein Wort über diese Majestätsbeleidigung in den Gazetten der Wanners, Ringiers, Coninx-Supinos, Lebruments, Hersants.

Zisterzienser und vor allem Karteuser haben sich dem Schweigegelübde verschrieben. Neu stösst die Clique der überlebenden Redaktoren in ihren Schweige-, Pardon, Verrichtungsboxen hinzu.

Blick in einen tiefen Verleger-Keller.

Die Dumm-Verkaufe

Medien werden vom Staat unterhalten, bezahlt, subventioniert. Kein Problem, sagen die Medien.

Jeder Mitarbeiter von CH Media weiss, dass letztlich der Wanner-Clan das Sagen hat. Jeder Mitarbeiter bei Ringier weiss, wie der Besitzer des Verlags heisst. Wer bei Tamedia in Lohn und Brot steht, kennt den Coninx-Clan und seinen Statthalter Pietro Supino.

Alle Verlagshäuser legen grossen Wert darauf, dass sie völlig unabhängig berichten, nur der Wahrheit und den journalistischen Regeln verpflichtet. Da lachen die Hühner schallend. Und suchen vergeblich nach kritischen Artikeln über Wanners auf CH Media. Selbst wenn der von Beruf Sohn und von Funktion Leiter Radio Florian Wanner sich in der UKW-Debatte lächerlich macht und durch Unkenntnis glänzt, wird darüber natürlich höflich geschwiegen.

Weder über den Aston Martin noch über den Kunst-Spleen von Michael Ringier liest man jemals kritische Artikel. Und solange Frank A. Meyer was zu sagen hat, wird es kein böses Wort über die EU und nur böse Worte über den «Führer aus Herrliberg» und die SVP geben.

Man muss Prioritäten setzen

Bei Tamedia kümmert man sich angelegentlich um korrektes Gendern, Frauenquoten und den Kampf gegen Sexismus. Der Profitwahn Supinos und die Unwilligkeit des Coninx-Clans, in Krisenzeiten mal ins eigene, tiefe Portemonnaie zu greifen, ist eher weniger ein Thema.

Reiner Zufall, habe überhaupt nichts mit den Besitz- und Machtverhältnissen zu tun, wird auf Wunsch geschwurbelt und gesabbert. Reiner Zufall, dass es nicht mal dem Neueinsteiger einfallen würde, mit dem Vorschlag in die Themenkonferenz zu platzen, ob man nicht mal den beim Jubiläums-Jubel «Medien zwischen Geld und Geist» zum 100. des «Tages-Anzeiger» (1993) von Coninx persönliche gestrichenen Beitrag nachreichen sollte.

Ganz allgemein gilt: welche Gehälter in den Chefetagen für welche meist kläglichen Leistungen bezahlt werden, wann wenigstens damit aufgehört wird, Sparmassnahmen, Rausschmisse, Zusammenlegungen und Verödung allgemein als bedeutenden Fortschritt verkaufen zu wollen, das sind Tabuthemen. Dass man damit die verliebenden Leser stinksauer macht, was soll’s. Weniger Abokosten für deutlich geschrumpftes Angebot? Himmels willen, niemals.

Das «Medienpaket» ist auf der Zielgeraden

Nun werden aktuell noch die letzten Differenzen zwischen Stände- Und Nationalrat bezüglich des «Medienpakets» ausgeräumt. Damit ist gemeint, dass die Schweizer Medien geradezu nordkoreanisch in Reih und Glied ausgerichtet werden. Nein, niemand behauptet, jetzt würden dann nur noch Jubelartikel über den so furchtbare geschickten Verhandler Bundesrat hereinbrechen.

Aber die Einzigen, die kein Problem damit haben, vom Staat reichlich mit Steuergeldern beschenkt zu werden – sind die Verleger-Clans. Die für sie schon längst zu Quengelverstärkern denaturierten Begriffe wie Vierte Gewalt, Kontroll- und Wächterfunktion glaubt ihnen doch keiner mehr.

Sie bringen nicht einmal mehr minimale Solidarität untereinander auf. Da werden Werbeallianzen geschmiedet, und wer draussen bleiben muss, stellt sich auf die Zehenspitzen und tobt, als ginge es um sein Leben. Dabei befürchtete Tamedia nur dass Ringier an die grösseren Geldtöpfe mit seiner Admeira gelangen könne. Schlimmer noch: immer öfter wird für Aussenstehende unerfindlicher und unbegreiflicher Konzernjournalismus betrieben.

Konkurrenz wird schon mal niedergemacht

Unvergessen, als ein Tamedia-Redaktor mit passendem Nachnamen über den Südostschweizer Platzhirsch in den dortigen Medialgefilden herfallen wollte/musste/sollte. Dabei hackte er Hanspeter Lebrument dermassen gewalttätig und ohne jede Faktengrundlage zusammen – in bester «Republik»-Manier nur mit anonymen Quellen arbeitend –, dass Tamedia den Artikel in elektronischen Archiven löschte und den ja nur His Master’s Voice spielenden Journalisten dazu verdonnerte, höchstselbst sich bei Lebrument zu entschuldigen.

Weil man sich nichts gönnt, tobt eine der Schlachten über dem Thema Internet. Wer kriegt da was und warum? Um Medienplattformen zu unterstützen, die ohne Zweifel demnächst in chinesische Hände übergehen werden. In wieweit chinesische Investoren bereits sind, so geduldig dem Treiben ausser Kontrolle geratener Journalistinnen zuzuschauen?

Vorher tobt aber noch ein Nahkampf zur Frage: Werden nun Online-Auftritte auch mit Steuergeldern zu geschüttet, und wenn ja, nach welchen Auswahlkriterien.

Nur, was bezahlt werden muss, kriegt Staatskohle

Bislang hält die Linie, dass dort das Füllhorn nur über Angeboten ausgeschüttet wird, die in irgend einer Form Geld dafür verlangen, dass man die magere Leistung sehen darf. Allerdings ist Tamedia mit «20 Minuten» und CH Media mit «watson» unterwegs. Beides News-Schleudern ohne Zahlschranke. Die würden also leer ausgehen. Was überraschenderweise die beiden Verleger-Clans gar nicht lustig finden.

Nebenbei würde das bedeuten, dass auch die deutlich wachsende Plattform «Die Ostschweiz» leer ausginge – ZACKBUM ebenfalls. Hier wäre allerdings Unabhängigkeit mit oder ohne staatliche Subvention garantiert.

Bei den clanbestimmten Verlagen wäre es einfach eine noch verstärkte Abhängigkeit. Denn sie bekommen ja heute schon unter verschiedenen Titeln staatliche Beihilfen. Zwecks Ruinieren der Glaubwürdigkeit.

Die Staatskohle hat ihren Preis

Der Wendehals lebt. Seitdem sich auch die grossen Medienhäuser Corona-Hilfe erbettelt haben, sind sie staatstragend.

Bei Tamedia erledigt das die Frau für alle Fälle. Claudia Blumer, Mitunterzeichnerin des Protestbriefs gegen Sexismus bei Tamedia, obwohl ihr laut eigener Aussage so etwas nie widerfuhr, lobt die neuste und natürlich weise Entscheidung des Bundesrats: «Die Normalität hat ihren Preis».

Er habe «zwei Botschaften verkündet», so ähnlich, als Moses vom Berg hinunterstieg. Die eine sei Lockerungen, «sehnlich erwartet». Bundesrat, wir danken dir. Die andere sei die Drohung «mit einer Zweiklassengesellschaft». Geimpft oder nicht. Das könnten nun «manche» als Impfzwang ansehen.

Sollen die doch, meint Blumer, denn «es ist die logische Folge der bisherigen Strategie.» – «Grosse Opfer, … gratis keine Rückkehr zur Normalität,  … weniger schmerzhaft», Blabla.

Wie schaut’s also aus?

«Richtig, dass der Bundesrat strategisch vorgeht und gut begründet. Das schafft Vertrauen.»

Echt jetzt? Dieses Geeier, diese Schlangenlinie, dieses multiple Versagen, zuletzt beim Impfen, das soll eine Strategie sein und zudem Vertrauen schaffen?

Wenn das «Neue Deutschland» die jüngsten Ratschlüsse des Politbüros oder Staatsrats der DDR lobte, hörte sich das genauso an.

Der Wendehals lebt; nicht nur als Vogel.

«Bersets Plan stösst auf Zustimmung», jubilieren die «Schaffhauser Nachrichten». Positiv sieht es auch CH Media und zitiert einen Flachsatz von Bundesrat Berset, als habe er gerade den Sinn des Lebens entdeckt: «Es gibt keine Abkürzung in einer Pandemie. Wir müssen den ganzen Weg gehen.» Das ist so gehaltvoll wie: Es gibt keine Abkürzung in der Zeit. Wir müssen die ganzen 24 Stunden gehen.

Alle grossen Meinungsbildner sind sich einig

«Schützen, stabilisieren, normalisieren», echot der «Blick» ehrfürchtig. Als hätte bislang ein einziger Plan des Bundesrats funktioniert. «In drei Schritten zur Normalität zurück», staunt auch die NZZ. Weil man hier für die gehobenen Stände schreibt, muss es ein wenig geschwollener sein: «Die Impfaktion erlaubt einen Paradigmenwechsel.» Aha, so sie denn klappen würde. Sonst müsste man vielleicht von einem disruptiven Moment sprechen.

Damit wären die grossen Meinungsbildner in der kargen Schweizer Medienlandschaft abgehandelt. Gibt es denn gar keine Widerworte? Im Mainstream nicht. Nur «Inside Paradeplatz», wo gerne gegen den Strom geschwommen wird, sieht man es etwas anders: «Berset kaschiert Versagen mit faktischer Impfflicht». Und auch die «Weltwoche» bewahrt kühlen Kopf: «Gesundheitsminister Alain Berset kündigt eine Impf-Apartheid an. Damit begibt er sich auf gefährliches Terrain».

Kann man so oder so sehen? Hat überhaupt nichts damit zu tun, dass Konzerne wie Tamedia Subventionen und Extrasubventionen kassieren, dazu Kurzarbeitsgeld, arschkalt gegebene Versprechen brechen und das «Berner Modell» wie erwartet beenden? Hat nichts damit zu tun, dass sich so der umfangreiche Coninx-Clan keine Sorgen machen muss, wenn mal wieder kein neuer Rolls, sondern eine neue Yacht fällig ist?

Für die gebildeten Stände unter unseren Lesern.

Wes Brot ich ess, des Lied ich sing; alte Journalistenregel. Ich erinnere mich an eine lang zurückliegende Redaktionssitzung beim «Blick». Gerade wurde mal wieder ein von Alternativen besetztes Haus samt Areal geräumt, was damals nicht ohne Rabatz abging. Die Mehrheit der am Tisch Sitzenden war links bis linksalternativ eingestellt, dazu «einerseits, andererseits»-Sozialdemokraten. Also hirnte man an der Schlagzeile auf Seite eins herum.

Wie üblich schwirrten Vorschläge über den Tisch, so in Richtung: Musste das sein? Der Chefredaktor begann, mit den Füssen zu scharren, immer ein Signal, dass er sich langsam erhitzte. Also griff er ein und schnitt alle diese Barkers einfach ab. Mit seiner leisen, aber sehr bestimmten Stimme sagte er:

«Ich denke da mehr an die Schlagzeile: Danke, liebe Polizei!»

Stille sank nieder, man hörte nur Schluckgeräusche. Bis sich der erste Opportunist meldete: «Genau, so kann man das auch sehen.» Gesagt, getan. Diejenigen, die noch in WGs wohnten, wussten, was spätestens am nächsten Morgen auf sie zukommen würde. Und besorgten sich auf dem Heimweg noch Flüssiges.

Einiges hat sich seither geändert. Diese Flexibilität von Wendehälsen, die auf Fingerschnippen von oben ihre Meinung in einer Sekunde um 180 Grad drehen können, die gibt es weiterhin.